Ne. 185. Fernsprech=Nr. 46 für Witten. Witten, Dienstag, den 11. August. Fernsprech=Nr. 18 für Hagen. 1891 Bnherfn“. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Insertionen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. + Die Reichssinanzen. Während in dem Rechnungsjahr 1889/90 der Abschluß der Finanzverwaltung einen Ueberschuß von 2,347,742 M. ergab, beträgt der Ueberschuß für das letzte Jahr, wie bereits mitgetheilt, 15,148,201 M. In den Vorjahren hatte, nachdem im Jahre 1882/83 sich zum letzten Male ein Ueberschuß von 15,743,000 M. ergeben hatte, die Reichskasse immer nur Fehlbeträge aufzuweisen, und zwar 1883/84: 1,740,000 M., 1884/85: 5,735,308, 1885/86: 17,500,000 M., 1886/87 stieg der Fehlbetrag auf 22,352,000 M., 1887/88 auf 22,886,000 M. und 1888/89 betrug er 20,384,000 M. Wenn wir seit dem vorletzten Finanzjahr (1889/90) aus den Fehlbeträgen herausgekommen sind, so ist das in erster Linie auf die Reorganisation der Zuckersteuer zurückzuführen. Im Jahre 1888/89 ergab letztere noch eine Mindereinnahme von 24 Millionen Mark; in dem folgenden, dem ersten Ueberschußjahre, war statt dessen eine Mehreinnahme von 682,000 M. zu buchen; das Finanzjahr 1890/91 hat hierfür sogar eine Mehreinnahme von 9,203,000 M. ergeben: in erster Linie hat dies zu dem nicht unerheblichen Ueberschuß beigetragen. Nachdem durch das neue, in der letzten Session berathene und angenommene Zuckersteuergesetz für die Reichskasse aus dieser Steuer noch wesentlich günstigere Bedingungen erzielt worden, ist für die späteren Jahre, zumal wenn erst die offene Prämie ganz in Wegfall gekommen sein wird, hoffentlich noch ein größerer Ertraß, der für die gesteigerten Bedürfnisse des Reiches nicht zu entbehren sein wird, zu erwarten. Das Mehr, welches die Zuckersteuer im Jahre 1890/91 im Betrage von 9,203,000 M. ergeben hat, ist freilich durch den Minderertrag der Maischbottig= und Branntweinmaterialsteuer im Betrage von 2,315,000 M. eingeschränkt worden. Doch dieser Minderertrag ist erheblich niedriger, als der in dem voraufgegangenen Jahre, wo er 6,617,000 Mark betrug. Also auch nach dieser Richtung weist das Jahr 1890/91 einen erfreulichen Fortschritt auf. Mehreinnahmen haben ferner die Salz=, die Brau=, die Wechselstempelsteuer, der Spielkartenstempel, die statistische Gebühr, sowie die Betriebsverwaltungen, alle zusammen den Betrag von über 16 Millionen Mark ergeben, eine Summe, die etwa den Mehreinnahmen in den gleichen Zweigen im voraufgegangenen Jahre entspricht. Die eigentliche Besserung im Vergleich zu Letzterem ist also vornehmlich auf das Conto der Zuckersteuer und auf die Abnahme des Minderertrags der Branntweinmaterialsteuer, also auf die normalere Entwickelung der betreffenden Steuern zu setzen, wogegen die anderen Steuern, sowie die Betriebsverwaltungen in ihrer normalen Entwickelung geblieben waren. Im Ganzen belief sich die Mehreinnahme des Jahres 1890/91 auf 22,727,156 Mark. Dagegen haben das Reichsheer und die Marine 16 Millionen Mark an Mehrausgaben in Anspruch genommen, die aber zum Theil durch Ersparnisse bei Verzinsung der Reichsanleihe im Betrage von 8400000 M. gedeckt werden konnten. Die Mehrausgaben betrugen insgesammt 7578000 M., die Mehreinnahmen 22 727000 M., was den Ueberschuß von 15148000 M. ergiebt. Unabhängig hiervon ist das Ergebniß der Verwaltung der Zölle und der Tabaksteuer, welche Alles, was den Betrag von 130 Millionen Mark übersteigt, an die Einzelstaaten abzuführen hat, sowie das Ergebniß der Verbrauchsabgabe von Branntwein und der sogenannten Börsensteuer, welche gleichfalls in die Kasse der Einzelstaaten fließen. Im Ganzen haben die Zölle 83,5 Millionen Mark mehr, die Börsensteuer beinahe 4 Millionen Mark, aber die Verbrauchsabgabe von Branntwein 7149000 Mark weniger eingebracht. Es konnten also etwas über 80 Millionen Mark den Einzelstaaten mehr überwiesen werden; im Ganzen beliefen sich die Ueberweisungen auf 378826090 Mark. Die bei der Branntweinverbrauchsabgabe zu Tage getretene Mindereinnahme von 7149000 Mark bezeichnet gegenüber dem voraufgegangenen Jahre, wo das Minus sogar 19 Millionen Mark betragen hatte, auch einen Fortschritt. Sowohl in dem Ergebniß der dem Reiche verbleibenden Abgaben und der Betriebsverwaltungen, als auch in dem Mehrerträgniß der Zölle und Börsensteuer kennzeichnet sich eine günstige wirthschaftliche Entwickelung, die auch in anderer Richtung durch die Ausfuhr= und Einfuhrergebnisse bestätigt wird. Nur die Branntweinsteuer und Verbrauchsabgabe erfüllen noch nicht ganz die Erwartungen, insofern deren Ergebnisse wiederum, wenn auch in wesentlich geringerem Maße als im Jahre 1889/90, hinter den Voranschlägen zurückgeblieben sind. Abgesehen hiervon erscheint die verbunden mit dem neral-Anzeiger für Witten und Amgegend. Abonnementspreis(inel. der Gratisbeilage „Märkisches Heim"): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post incl. Bestellgeld 2.20 Mr. Finanzlage des Reichs als eine erfreuliche, um so mehr, als man die Ueberweisungen an die Einzelstaaten im Grunde auch dem Reich auf die Rechnung schreiben muß. Das Reich selbst hat einen Ueberschuß von 15 148000 Mark gehabt; rechnet man hierzu, was es über den Voranschlag an die Einzelstaaten abgeführt hat — genau 80 316000 Mark—, so würde das Reich rund 95,5 Millionen Mark Ueberschuß gehabt haben. Rundschau. * Der gewöhnlich gut unterrichtete Petersburger Korrespondent der„Köln. Ztg.“ meldet seinem Blatte:„Von den verschiedensten glaubwürdigen Seiten wird jetzt das Gerücht von einem francorussischen Vertheidigungsbündniß für völlig falsch erklärt und auf eine absichtliche Lancirung von Paris zurückgeführt. Aufs Bestimmteste wird erklärt, daß von irgend welchen bindenden Verträgen hier noch gar nicht die Rede gewesen ist. Von den ans Lächerliche streifenden Vorgängen im Moskauer Lager(Offiziere trugen den Admiral Gervais auf den Schultern u. s. w.; einige sollen ihm sogar die Hände geküßt haben) ist man hier peinlich berührt und bedauert„zu spät“, daß man den Franzosenschwindel so weit auswachsen ließ.“ Allerdings kommt die Erkenntniß der zweifelhaften Rolle Rußlands bei dem„Verbrüderungsfest“ sehr spät. * Die Vorgeschichte des Abgangs des Fürsten Bismarck erregt noch immer das neugierige Interesse weiter Kreise, so klar auch die eigentlichen Triebfedern des Bruches sich dem denkenden Beobachter darstellen. Kein gut unterrichteter Politiker hat jemals geglaubt, daß die letzte Unterredung des Fürsten mit Windthorst den„Grund der Entlassung" gebildet habe. Wohl aber dürfte die Auseinandersetzung des Kaisers mit dem Kanzler über diese Besprechung den letztei: Anstoß zu dem weltgeschichtlichen Ereigniß gegeben haben, welches Fürst Bismarck bereits mehrere Wochen vorher bestimmt als bevorstehend bezeichnete. Ein Mitarbeiter der ultramontanen Essener Volkszeitung will über diesen Punkt von Windthorst Folgendes erfahren haben: „Dr. Windthorst weilte zur Zeit in Ems, als ich mich auch daselbst aufhielt. Windtborst konnte seiner Augen wegen bekanntlich kaum mehr lesen und bat mich, täglich ins Lesezimmer zu gehen und ihm über Wichtigeres zu referiren. Da las ich obigen„Grund der Entlassung" und theilte denselben Windthorst mit.„Das ist nicht wahr,“ erwiderte Dr. Windthorst lebhaft.„Zwei Thatsachen vergesse ich nie in meinem Leben: als ich dem König Georg von Hannover mittheilen mußte, daß es aus sei mit seiner Herrschaft, da stand ich an dem moralischen Sterbebett eines entthronten Königs; und dann, als mir Bismarck mit Thränen in den Augen sagte: Man will mich nicht mehr, ich muß gehen— da stand ich an dem moralischen Sterbelager einer gefallenen Größe." Ueber die Unterredung selbst habe ich nichts erfahren; wohl aber sagte mir Dr. Windthorst noch, er habe damals dem Fürsten Dismarck, als dieser ihm seinen Sturz mitgetheilt, geantwortet: Dann will ich Ihnen sagen, daß Caprivi Ihr Nachfolger wird. Das erläuterte mir Herr Dr. Windthorst also: Vor fünf Jahren habe ich in einer Gesellschaft, in welcher über die Frage diskutirt wurde, wer eventuell der Nachfolger Bismarcks sein würde, erklärt: Caprivi wird sein Nachfolger. Nach einiger Zeit sagte mir ein Herr. der an dem Gespräche sich betheiligt hatte und dem Kaiser Friedrich nahe stand, er hätte dem Kaiser Friedrich über unsere Unterhaltung berichtet, worauf Kaiser Friedrich geantwortet habe: daß Caprivi ein tüchtiger Soldat sei, wäre bekannt, ob er aber auch ein guter Diplomat sei, darüber wolle man ihn aufs Korn nehmen. Insofern bin ich vielleicht die Ursache, daß Caprivi der Nachfolger Bismarcks geworden. Ich sage das post hoc, nicht gerade propter hoc.“ * Welchen Zweck es hat, daß plötzlich über den Zeitpunkt der Einberufung des Reichstages in den Blättern Erörterungen gepflogen werden, ist völlig unerfindlich. Der Reichstag ist bis zum 10. November vertagt und wirb frühestens zu diesem Tage einberufen werden. Im Ermessen des Präsidenten liegt es aber, zu bestimmen, an welchem Tage der Reichstag von diesem Termin ab seine Sitzungen wieder aufnehmen werde. Bestimmungen darüber sind bis zur Stunde nock nicht getroffen. * Ein Konstantinopeler Bericht der„Polit. Corresp.“ verzeichnet Gerüchte, welche in manchen Kreisen der türkischen Hauptstadt an die Rede Lord Salisburys beim Lord=Mayors=Bankett und an die beschleunigte Rückkehr Sir William Whites nach Konstantinopel geknüpft wurden und dahin lauteten, daß eine neue Wendung in der bulgarischen Frage bevorstehe und daß der englische Botschafter beauftragt sei, eine angeblich auf die Anerkennung des Prinzen Ferdinand gerichtete Aktion bei der Pforte zuLunterstützen. Die völlige Grundlosigkeit dieser Gerüchte sei in allen erust denkenden Kreisen sofort erkannt worden. Schon das äußere Anzeichen, daß der österreichische Botschafter Baron Calice soeben einen zweimonatlichen Urlaub antrat, spreche gegen die Annahme, daß Oesterreich=Ungarn gegenwärtig eine derartige Aktion ins Auge gefaßt haben sollte. Die etwas beschleunigte Rückkehr Sir W. Whites hänge nicht mit den bulgarischen Dingen, sondern mit der egyptischen Frage zusammen, und es sei begreiflich, daß die englische Regierung in einem Zeitpunkte, wo Rustem Pascha in London neue Unterhandlungen über die letztgenannte Frage einleitet, ihren Botschafter in Konstantinopel wissen will. Ueberhaupt denke keine der Mächte und ebensowenig die Pforte daran, einen auf die Abänderung des gegenwärtigen Standes der bulgarischen Angelegenheit abzielenden Schritt zu unternehmen; und auch die Bulgaren seien zu vernünftig, um sich zu übereilten Handlungen hinreißen zu lassen, durch welche ihre gegenwärtige, wenn auch nicht ihren politischen Idealen entsprechende, so doch befriedigende Lage gefährdet weiden könnte. * Ueber das Deutschthum in Australien veröffentlicht der Pariser„Temps“ einen ihm aus Sydney zugegangenen Brief, in dem es u. A. heißt: „Frankreich existiert für den Australier nicht. Thatsache ist, daß wir von Deutschen und deutschen Produkten hier überschwemmt sind. Der gegenwärtige Direktor der Konsulate zu Berlin ist ein ehemaliger Konsul aus Sydney, er kennt also Anstralien und führt, ermuthigt und unterstützt durch den Unterstaatssekretär der Kolonien zu London, Sir H. de Worms, hier das deutsche Element mit Erfolg ein. Nach und nach umgiebt sich Australien mit deutschen Kolonien.— Im Parlament haben wir mehrere Deutsche. Wichtiger aber noch als das ist, daß Deutschland sich jetzt von Perth aus der Westküste bemächtigt, der am wenigsten bevölkerten, aber hinsichtlich des Ackerbaues reichsten Kolonie. Die Deutschen haben soeben den Bau einer Eisenbahn von 500 Kilometern Länge im Mittelpunkte des reichsten Gebietes entschieden, indem sie deren Kosten zur Hälfte mit der Regierung der australischen Ostkolonie theilen. An der ganzen Bahnstrecke zieht man englische und deutsche Ackerbauern herbei, und da der Engländer im Allgemeinen nicht Ackerbauer ist, so kann man schlechterdings sagen, daß es Alles Deutsche dort sein werden, zumal nach den geschlossenen Verträgen die Italiener und Chinesen entfernt werden sollen. Uebrigens ermuthigt auch Deutschland die Auswanderung nach Australien. So kommen mit der deutschen Dampferlinie monatlich 600 Deutsche hierher. Wenn sie so fortfahren, werden sie bald ein beträchtliches Uebergewicht haben, und da wird sich die deutsche Sprache unwiderstehlich einbürgern. An dem Tage, an welchem Australien sich von England loslösen wird, wird es in eine englische und eine deutsche Hälfte zerfallen.“ aus Deutsches Reich. * Berlin, 9. August. An der Berliner Börse war gestern das Gerücht verbreitet, die russische Regierung hätte die Getreideausfuhr verboten, weil der Ernte=Ertrag zu gering sei. Aus Petersburg wird jetzt amtlich diese Meldung für falsch erklärt. Es seien im Gegentheil schon bedeutende Korn=Transporte nach Deutschland unterwegs. — Durch den Tod des Grafen Moltke war in der Abtheilung des Ordens pourle mérite für Kunst und Wissenschaft eine Vacanz eingetreten. Graf Moltke hatte ihr als Militär=Schriftsteller angehört, und das Ordenskapitel hat, um wiederum einen solchen in die Zahl der Mitglieder der Friedensklasse des Ordens pour le mérite aufzunehmen, dem Kaiser die Verleihung derselben an den früheren preußischen Kriegsminister, den als hervorragenden Militärschriftsteller bekannten General von Verdy vorgeschlagen. Dieselbe ist nunmehr erfolgt. — Für die Betheiligung an der Weltausstellung in Chicago haben sich nach dem„Konfekt." bis jetzt offiziell die Aeltesten der Kaufmannschaft in Berlin, sowie die Mannheimer Handelskammer ausgesprochen und zwar aus Gründen, die hauptsächlich in der allgemeinen Weltstellung unseres Handels liegen. Dagegen haben sich bis jetzt offiziell ausgesprochen die Handelskammer in Gießen, der Fabrikantenverein in Greiz, ebenso viele andere Fabrikantenvereine, die dem Centralverein deutscher Wollwaarenfabrikanten angehören. Im Centralverein deutscher Industrieller herrscht Meinungsverschiedenheit, es sind Gegner und Freunde der Beschickung vorhanden. Einzelne große Berliner Firmen, die mit den Vereinigten Staaten arbeiten, haben ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen, die Ausstellung zu beschicken, sie erwarten davon keinen Vortheil für sich, halten aber eine Betheiligung zur Aufrechterhaltung der Stellung, die sich in den Vereinigten Staaten erworben, für angemessen. — Wie von verschiedenen Seiten verlautet, soll die Gleichstellung der Lehrer an höheren staatlichen Lehranstalten in Preußen mit den Amtsrichtern im Gehalt(Anfangs=Gehalt 2400 Mk., Höchstgehalt 6000 Mk.) mit dem neuen Etatsjahre ins Leben treten. Die Verhandlungen des preußischen Unterrichtsministeriums haben schon vor mehr als 14 Tagen in diesem Sinne ihren Abschluß gefunden. Es werde vermuthet, daß die Regelung der Avancementssrage sich unmittelbar daran anschließen wird: im Interesse des leichteren Ueberganges aus einer Provinz in die andere werde man sich wahrscheinlich für das Aufrücken nach dem Dienstalter durch den ganzen preußischen Staat entscheiden, was dem Wunsche der überwiegenden Mehrzahl der an den höheren Lehranstalten angestellten Lehrer entsprechen würde. — Zur Sachsengängerei wird dem„Reichsanz.“ aus Schlesien geschrieben:„Zu den Uebelständen, unter denen die Landwirthe schwer zu leiden haben, gehört hauptsächlich die schon vielfach erörterte Sachsengängerei. Es scheint, als wenn sich nach dieser Richtung hin ein Umschwung vorbereite. Die frühzeitige Rückkehr sogenannter Sachsengänger in ihre Heimathsorte läßt erkennen, daß der Reiz, in entfernteren Gegenden Beschäftigung anzunehmen, sich anfängt zu verlieren, und daß die Einsicht, daß dauernde Arbeit in der Heimath der Wanderbeschäftigung vorzuziehen sei, mehr und mehr bei den Sachsengängern zurückzukehren beginnt.“ — Ueber die deutschen Handelsvertragsverhandlungen wird mitgetheilt daß diejenigen mit Belgien einen recht guten Fortgang nehmen; bezüglich der Verhandlungen mit der Schweiz wird in dieser Woche die Entscheidung fallen. Ob für jetzt ein Vertragsbeschluß zu erwarten ist, ist noch ungewiß. Darauf beginnen denn die Besprechungen mit Italien. — Die Ordre, uach welcher das deutsche Manöver=Geschwader nach dem Sunde abgehen sollte, ist, wie die„Danz. Ztg.“ mittheilt, durch kaiferlichen Erlaß widerrufen worden. Das Geschwader habe Ordre erhalten, die Reise zu unterlassen, seine Uebungen auf der Danziger Rhede bis Ende August fortzusetzen und sich am 9. September vor Kiel zur Infpektion vor dem Kaiser und den Hauptkriegsübungen einzufinden. — Zur Hebung der wirthschaftlichen Verhältnisse Ostpreußens haben in diesen Tagen hier bereits Konferenzen zwischen den zuständigen Ministern und dem Oberpräsidenten Grafen Stolberg aus Königsberg stattgefunden. Unter Anderem soll es sich auch um die innere Kolonisation Ostpreußens durch ländliche Besitzer gehandelt haben. — Die Ausstellung der Entwürfe zum NationalDenkmal für Kaiser Wilhelm l. in Berlin wird gleich nach der Rückkehr des Kaisers beginnen. Bisher haben sich nur vier deutsche Künstler an diesem zweiten Wettbewerbe betheiligt, nämlich R. Begas, C. Hilgers, J. von Schilling und B. Schmitz. — Der konservative Reichstagsabgeordnete Herr Lutz s Heidenheim ist bei dem Fürsten Bismarck in Kissingen zu Besuch gewesen. Herr Luz hat folgende Aeußerung des Fürsten mitgenommen:„Sie können es Jedem sagen: ich halte jede Herabsetzung unserer Getreidezölle für ein vaterländisches Unglück!“ Fürst Bismarck wird in diesem Sinne auch im Reichstage sprechen. Posen, 9. August. Das 150jährige Jubiläum des Bestehens des 1. preußischen Leib=Husaren=Regimentes in Posen, dessen Chef die Kaiserin Friedrich ist, ist am Samstag und Sonntag festlich begangen worden. Am Samstag Abend fand ein großes Reiterfest, von Mitgliedern des Regiments ausgeführt, statt. Am Sonntag Vormittag traf die Kaiserin Friedrich mit ihrer jüngsten Tochter, der Prinzessin Margaretha von Preußen, begeistert empfangen, in der festlich geschmückten Garnisonstadt ein. Nach verschiedenen Empfängen, welche die Kaiserin abhielt, fand dann am Nachmittage große Parade des Regimentes statt, an welche sich eine Rundfahrt der Kaiserin durch die Stadt anschloß. Um 5 Uhr wurde im Oberpräsidium ein Empfang der Damen der Civilbehörden abgehalten, worauf die Kaiserin die HusorenKaserne besuchte, in welcher eine Speisung aller Mannschaften stattfand. Den Schluß des Tages bildete ein Diner, bei welchem die Kaiserin als Ches des Regiments dessen Wohl ausbrachte. Vom Kaiser war ein Glückwunschtelegramm eingelaufen. Wie bei der Ankunft, so wurden auch bei der am Abend erfolgenden Abreise der Kaiserin glänzende Huldigungen dargebracht.— In ähnlicher Weise feierte auch das zweite Leibhusorenregiment (Danzig) sein Jubiläum. Me * Tilsit, 9. Aug. Bei der neichblagrstichwahl im Wahlkreise Tilsit ist der Kandidat der Freisinnigen, Gutsbesitzer von Reibnitz, mit 10986 Stimmen gegen den konservativen Kandidaten, Gutsbesitzer Weiß, welcher 8467 Stimmen erhielt, gewählt worden. Seit 1884 hatten die Konservativen den Wahlkreis behauptet. Halle a. S., 8. August. Der Streik auf den anyaltischen Kohlenwerken ist beendet. Die Arbeit ist wieder aufgenommeg, P 1far i Sestm 99 d Kiel, 9. August. Der Kaiser ist gestern Nachmittag 5½ Uhr an Bord der„Hohenzollern“, welche dem Schlosse gegenüber vor Anker ging, hier eingetroffen. Der Monarch, welcher an Bord der„Hohenzollern“ blieb, nahm dort den Besuch seines Bruders, des Prinzen Heinrich entgegen. Der Kaiser und die Kaiserin, die heute Nachmittag hier angekommen ist, werden bis zum 18. August hier bleiben; das Kaiserpaar bezieht nicht das Schloß, sondern bleibt an Bord der Yacht„Hohenzollern“. Heute hielt der Kaiser wieder den Schiffsgottesdienst ab. Später fand ein Frühstück statt, zu welchem verschiedene Einladungen ergangen waren. Auch der Reichskanzler von Caprivi ist heute Abend von Berlin hierher gereist, um dem Kaiser eingehenden Vortrag über die lausenden Regierungsangelegenheiten zu halten. Daß dabei auch die allgemeinen wirthschaftlichen Verhältnisse einer ausführlichen Durchsprache unterworfen werden, ist ue Folgende offielle Mittheilung wird von Berlin aus verbreitet:„In der Presse ist neuerdings im Zusammenhange mit unwahren Behauptungen über den Gesundheitszustand des Kaisers die Nachricht verbreitet worden, daß ein deutscher Telegraphenbeamter nach Felixstowe gesandt worden sei, inn den aus jener angeblichen Veranlassung erwachsenen chiffrirten Telegrammverkehr mit der Deutschen Botschaft in London zu erledigen. An der ganzen Nachricht ist kein wahres Wort. Es ist weder ein deutscher Telegraphenbeamter nach Felixstowe geschickt worden, noch hat ein chiffrirter Telegrammverkehr von da mit der Deutschen Botschaft stattgefunden.— Gegenüber anders lautenden Nachrichten wird versichert, daß Nichts vorliege, was den Kaiser verhindern könnte, gleich nach seiner Rückkehr nach Berlin wieder ein Pferd zu besteigen. Cuxhaven, 9. August. Die Erweiterung des Hafens von Cuxhaven für Zwecke der ReichsMarine ist bekanntlich in Aussicht genommen. Die erforderlichen Mittel sollen, wie üblich, durch aufgebracht werden. Hier sollen namentlich die zur Deckung der Elbemündung des Nordostseekanals bestimmten PanzerTrier, 9. August. Wie dereits gemeldet, ist Donnerstag früh der„heilige Rock“ seinem Behältniß unter dem Hauptaltar des Domes entnommen und in die Domschatzkammer gebracht worden. Am 18. August wird man die Reliquie auf einer Estrade neben dem Hochaltar aufstellen. Zu derselben führt eine breite Marmortreppe hinan und eine andere von ihr hinunter. Die Reliquie wird in ihrer ganzen Länge und Breite entfaltet den Gläubigen dargeboten. Sie befindet sich in einem eichenen, mit weißer Seide ausgeschlagenen Reliquienschrein, welcher vorn offen ist. Um diesen Schrein wird eine kostbare seidene Draperie mit goldenen Borden und Quasten angebracht. Wallfahrern wird Gelegenheit gegeben, zum Besten r## Domes, welcher der Restaurirung dringend bedarf, ein Scherflein zu opfern. Auf dem Hauptthurm des Domes bat das Domkavitel eine gewaltige Fahnenstange arbringen lassen, von welcher eine Blagge in deriden Weagfahrern ein (rothes Kreuz auf weißem Grunde) Willkommen entgegen winken wird. Wie die geistlichen Behörden, so sind auch die Privatleute Triers im Begriff, ihre Vorbereitungen zum Empfange der Pilgerschaaren zum Abschluß zu bringen. In den Hauptstraßen sind fast alle Häuser neu angestrichen worden, die Ladenfenster vergrößert und zahlreiche neue Läden angelegt. Von einer wirklichen Begeisterung, wie sie in Trier bei der Heiligthumsfahrt im Jahre 1844 geherrscht hat, vermag man diesmal nichts zu spüren. Während sich damals 1400 Triersche Bürger meldeten, um bei dem„heiligel. Rocke" abwechselnd die Ehrenwache zu halten, hat man dieses Jahr mit Mühe und Noth 1000 Herren zusammengebracht, von denen ein großer Theil wohl nur auf dem Papier steht. Dabei zählt Trier heute soviel Einwohner als im Jahre 1844. Bis jetzt sind 600000 Bilger angemeldet.. g, 6 e Kissingen, 10. August. Hier wird heute die feierliche Ueberreichung des von der Studentenschaft dem Fürsten Bismarck gewidmeten Ehrenhumpens stattfinden. Es wird eine große Auffahrt in etwa 40 Equipagen mit Postillons erfolgen; nach derselben soll ein Kommers abgehalten werden. * Mülhausen i. E., 7. August. Von deutscher Duldsamkeit sind kürzlich zwei Proben geliefert worden. In Basel gestattete sich vergangenen Freitag früh der Portier des Bahnhofes— ein schweizer Beamter— den Schnellzug 9 Uhr 20 Min.„à Mulhouse, Strassbourg,„accélere, dépéchez=vous, le train va partir“— auszurufen. Wenn Basel in Schweiz läge, ließe sich ja dagegen nichts einwenden — Mittags 1 Uhr passirte ein 18 Wagen zählender Extrazug von Paris nach Luzern unsere Stadt. An hiesiger Station war Erfrischungsaufenthalt, wobei sich die Herren Franzosen möglichst laut benahmen, schrieen und johlten. Hätten Deutsche das in Frankreich gewagt, man hätte eine„Krisis“ daraus entstehen lassen! Frankreich. Paris, 9. August. Hier wird nicht mehr daran gezweifelt, daß die Berichte aus Centralafrika, welche den Untergang der nach dem Hinterlande von Kamerunsentsandten Expedition Crampel melden, auf Wahrheit beruhen. Es soll aber doch noch eine neue Expedition aufbrechen, um nähere Einzelheiten zu sammeln. Von der ganzen etwa 250 Mann starken Kolonne sollen kaum fünfzig Paris, 9. August. Ende dieses Monats beginnen unweit der deutschen Grenze die diesjährigen großen Manöver, an welchen fast 107000, Magz, thellnehmen und in welchen die besten franzosischen Scnerale kommandieren. Es handelt sich bei der Manähegzjäeger vongen, festzustellen, welche Folgen der Marsch Armee auf Paris haben könnte und auf welche Schwierigkeiten dieselbe stoßen würde. Dänemark. Kopenhagen, 8. August. Der König verlieh dem Präsidenten Carnot den Elephantenorden. Dem Prinzen Christian, dem ältesten Sohne des Kronprinzen, wurde von Carnot das Großkreuz der Ehrenlegion vereben. Rusland. hat dem Großfürstenthum Finnland schon wieder den gekehrt und ist wieder in Peterhof eingetroffen. Der Empfang durch die über die Russifizirungsmaßregeln erbitierte Bevülllerung wor überel derartg, deß. Czar es vorzog, umzukehren. So erschien bei der Einfahrt in den Städten außer den dazu verpflichteten Beamten auch nicht eine Menschenseele zur Begrußung, unter Todesschweigen mußte der Czar seinen eg. setzen. Die Finnländer behandelten ihren„Grobsuesuen einfach als Luft. Petersburg, 9. August. Der König Alerander von Serbien ist gestern nach Wien abgereist. Der Kaiser sowie die Großfürsten gaben dem Könige das Geleit zum Bahnhofe. Ristisch, Pasitsch und das Gefolge erbielten Auszeichnungen, f gen — Der Großfurst=Throufblheri gestern Abend in Orenburg eingetroffen. — Ueber ein Eisenbahnunglück wird berichtet: In der Nacht von Freitag auf Samstag stieß der aus Petersburg kommende Postzug bei der Stadt Davidstadt in Finnland auf einen vor ihm fahrenden Militärzug, in welchem sich ein aus Wilmanstrand kommendes zussisches Infanterieregiment befand. Der letzte Gepäckwagen und die beiden folgenden Personenwagen dritter Klasse des Militärzuges wurden zertrümmert und 48 Mann mehr oder weniger schwer verletzt. Zwei Schwerverwundete sind ihren Verletzungen bereits erlegen. Die Passagiere des Postzuges erhielten nur leichte Kontusionen. Die Schuld an dem Unfalle soll der Führer des Postzuges tragen, der benachrichtigt war, daß vor ihm ein Militärzug mit mittlerer Schnelligkeit fahre. Neapel, 8. August. Crispi hat gestern in Begleitung des Deputirten Autonelli eine vierzehntägige Reise nach Schweden, Norwegen, Holland und Belgien angetreten. Derselbe begiebt sich zunächst nach Stockholm. Bulgarien. Sofia, 9. August. Die„Agence balcanique“ ist ermächtigt, die von London aus verbreitete Nachricht, daß Prinz Ferdinand von Koburg vom Sultan anerkannt worden sei, als Erfindung zu bezeichnen. Türkei. Konstantinopel, 8. August. Die halbamtliche„Agence de Constantinople" theilt mit, auf die Vorstellungen Rustem Paschas wegen Wiederaufnahme der Verhandlungen bezüglich der Räumung Egyptens habe Lord Salisbury erwidert, er könne, da fast alle Mitglieder des Kabinets verreist seien oder vor ihrer Abreise ständen, dem Wunsche der Pforte gegenwärtig nicht Folge geben, so sehr er dem Sultan gefällig zu sein wünsche. Es seien außerdem in den seit den letzten verstrichenen 4 Jahren Veränderungen eingetreten, welche eine Erneuerung seiner Vollmachten zur Wiederaufnahme der Verhandlungen nothwendig machten. Er werde daher erst Ende Oktober Rustem Pascha seine Entschließungen mittheilen können. Uebrigens soll die jüngste Rede Salisburys, in welcher er sich über die Varhältnisse Egyptens und Bulgariens so anerkennend ausgesprochen, in amtlichen türkischen Kreisen einen großen Eindruck hervorgerusen haben. Die Ernteaussichten in freisinnigem Die in Berlin erscheinende„Freis. Zeitung" macht sich den Spaß, Reiseonkels in's Land zu senden, um Ernteergebnisse zu beobachten und zu schildern. Je grausiger dies nun geschieht, einerlei ob den Berichten auch nur ein Funke von Wahrheit innewohnt, je lieber ist es wohl den Männern jener Zeitung, und wenn vielen Behauptungen, die Zeitungen des Berliner Freisinns ständen im Solde der Börsenspekulanten, keinen Glauben beigemessen haben, so fällt es uns doch angesichts dieser freisinnigen Praktik schwer, die Wahrheit dieser Behauptungen länger von der Hand zu weisen. Also der betreffende Reisende hat nach seinem Bericht wiederum die Soester Börde, die Weserniederung und die Wetterau besucht, und seine schaurige Schilderung über die totale Mißernte dieses Jahres in diesen sonst vor Fruchtbarkeit strotzenden Gegenden gipfelt in der Behauptung: Die Knollen der in der Blüthe stehenden Kartoffeln müßten, weil sie massenhaft faul seien, auf den Düngerhaufen geworfen werden!.„ Was würden sich die biederen Bewohner der Socster Börde wundern, wenn sie die Richtersche oder sonst eine freisinnige Zeitung in die Hände bekämen und läsen darin die Schauermär von faulen Kartoffeln auf ihren Düngerhaufen, die vorläufig noch wohlverwahrt und gesund am Strauch in der Erde hängen! Denn wer hat in diesem Jahre in der Soester Börde, Weserniederung und Wetterau bis jetzt wohl schon massenweise Kartoffeln gegraben? Die Kartoffeln, welche der betr. Korrespondent der Freisinnigen Zeitung massenweise auf den Düngerhaufen liegen sah, das sind wohl solche, wie sie alljährlich zu Beginn der Ernte aus den holländischen und belgischen Sandgegenden, wo die Ernte früher beginnt als bei uns, ingeführt werden. Es sind davon thatsächlich ganze Doppelladungen in den verflossenen heißen Tagen versandt worden und bei Ankunft derselben war der Brand in die noch unreise Frucht bineingerathen, infolge dessen sie verdarben und dem Düngerhaufen übergeben werden mußten.— Spaßvögel werden nun diesem Reiseonkel und Notystandsapostel solche Kartoffeln an einem wenig einladenden Orte gezeigt und ihm mit hohler Stimme erklärt haben:„Siehe da das Grab unserer letzten Hoffnung! Nun ist Alles hin! Roggen und Weizen ist umgeackert! Unsere letzte Hoffnung lag bei den Knollen, nun sind sie faul und Nothstand, Hunger und Kummer stehen vor der Thür!" Wie so ganz anders ist die Wirklichkeit! Roggen steht freilich dunn, aber die Aehren sollen sehr den Feldern gestanden. Hafer, die Hauptfrucht des Sauerlandes, steht ebenfalls ausgezeichnet in den Feldern und so ist, wenn uns der Himmel im August und September gnädig ist, eine gute Mittelernte in bestimmter Aussicht. Wir greisen noch zurück auf einen vor Kurzem in freisinnigen Blättern erschienenen Artikel über Ernteaussichten in Rußland; der Artikel war der Weser=Zeitung entnommen. Nach diesem haarsträubenden Artikel sollte man wirklich zu der Ansicht gelangen, die Russen müßten mindestens zur Hälfte in diesem Jahre verhungern, weil fast überall totaler Mißwachs vorhanden sein soll. Das Gegentheil ist wahr! Nach uns von zuverlässiger Seite zugegangenen Berichten hat Rußland in großen, überaus fruchtbaren Gegenden eine brillante Ernte zu erwarten und theilweise bereits gehalten und nur anders lautende Berichte von nicht informirten Zeitungsschreibern bringen es zu Wege, daß sich hier hohe Preise des Getreides noch halten. Jedenfalls haben wir demnächst einen Preisruckgang aller Getreidearten bestimmt zu erwarten. Westfalen und Witten, 10. August.(Louis Berger 7.) Wir theilten vor einigen Tagen mit, die Angehörigen Herrn Louis Bergers hegten keine Hoffnung mehr auf Wiederherstellung unseres von einem schweren Leiden heimgesuchten verehrten Abgeordneten. Heute nun erhalten wir die betrübende Nachricht, daß Herr Louis Berger gestern Abend 9 Uhr auf seiner Besitzung in Horchheim gestorben ist. Ehre seinem Andenken! L. Witten, 10. August.(Stenographisches.) Nach einer Bekanntmachung im heutigen Inseratentheil unserer Zeitung eröffnet der hiesige Stenographenverein Gabelsberger" am Dienstag, den 18. dieses Monats im Adler=Hotel einen Unterrichtscursus in der Gabelsberger'schen Stenographie. Wir nehmen gern Veranlassung, auch an dieser Stelle unsere Leser auf die Gelegenheit, sich die Kurzschrift anzueignen, hinzuweisen. In unserer heutigen schnellwendenden Zeit ist ein Gewinn an Zeit, wie ihn die Stenographie Allen gewährt, die viel mit Schreibgeschäften zu thun haben, gewiß nicht zu unterschätzen, und wie angenehm es ist, hier und da dem gesprochenen Wort, der Rede mit dem Stift folgen zu können, toird kaum eines besonderen Nachweises bedürfen. Daß sich die Erlernung des Gabelsberger'schen, staatlich gepflegten Systems als desjenigen, welches die weitaus größte Verbreitung gefunden und auch im vorigen Jahr sämmtliche jetzt bestehenden Systeme an Unterrichtserfolg übertroffen hat, ganz besonders empfiehlt, wollen wir nicht unerwähnt lassen. ? Witten, 10. August.(Reichsverein.) Am Freitag Abend hielt der 3. Bezirk des reichstreuen Wahlvereins eine Versammlung ab, welche zeigte, daß der patriotische Geist nicht eingeschlafen ist. Um die Anwesenden mit den Programmen der verschiedenen Parteien vertraut zu machen, wurden die neuesten Zeitungen aller politischen Parteien durchgenommen und vom Vorsitzenden des Bezirks erklärt, damit sich ein jedes Mitglied nicht allein über die Ziele seiner eigenen Partei, sondern auch über die der andern ein Urtheil bilden könne. Der Vortrag über das Unfall=, Kranken= und Invalidengesetz wurde bis zur nächsten Versammlung verschoben. X Witten, 10. August.(Kostgängerfest.) Zu den vielen Vereinen, die unsere Stadt ihr eigen nennt, hat sich letzthin auch ein sogen.„Kostgängerverein“ gesellt. Dieser neue Verein hatte am letzten“ Sonnabend im Hotel zum Adler(Rheker) eine gemüthliche Zusammenkunft veranstaltet, an der sich etwa 150 Personen, darunter auch einige Vertreterinnen des schönen Geschlechts, betheiligten. Mehrere„Hauptkostgänger“ hielten Ansprachen, und besonders das in schwungvollen Worten ausgebrachte Hoch auf Se. Majestät den Kaiser wurde jubelnd aufgenommen. Für angemessene musikalische Unterhaltung sorgte die Spindler'sche Kapelle, ebenso ließ es der Wirth nicht an guten Speisen und Getränken fehlen, sodaß man den „Kostgängern" wohl anmerken konnte, daß sie keine„Kostverächter“ seien. Das Fest nahm einen für die Betheiligten befriedigenden Verlauf. * Witten, 10. August.(Ernte=Beurlaubungen.) Der Beginn der Ernte=Arbeiten giebt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß auch das General=Commando Münster für die Zeit der Sommerfrucht=Ernten soweit möglich Mannschaften des Soldatenstandes aus bäuerlichen Kreisen beurlauben wird. Die betheiligten Eltern und Angehörigen werden gut thun, die Beurlaudungsanträge nicht zu verzögern. ? H e r b e d e, 1 0. A u g u s t.( S c h ü t z e n f e s t.) D e r Veclauf des gestern und vorgestern gefeierten Schützenfestes zeigte so recht, welcher Beliebtheit sich in breiteren Volkskreisen die Schützenseste erfreuen. Der Schützenverein des„Kirchspiels Herbede“ wurde im Jahre 1850 zegründet. Bei der Grundung des Vereins wurde als Zweck desselben angegeben,„unter den Mitgliedern des Vereins zur Vermehrung der gegenseitigen Achtung und Anhänglichkeit eine Annäherung hervorzubringen und ohne Rücksicht auf Standes=Verschiedenheit durch ein zu begehendes Fest ein anständiges allgemeines geselliges Vergnügen herbeizuführen. Das letzte derartige Fest wurde bekanntlich im Jahre 1882 gefeiert; es war gewiß ein glücklicher Gedanke des Schützenvorstandes, nach diesem langen Zeitraume endlich einmal wieder ein Schützenfest zu veranstalten. Am Samstag Morgen in aller Frühe verkündeten Böllerschüsse, daß der Tag des allgemeinen Volksfestes herangekommen sei. Um 7 Uhr traten die Schützen auf dem Festplatze zum Abholen des alten Königs Herrn Georg Wegermann an. Hierauf erfolgte ein Festzug durch die Gemeinde unter Vorantritt der Kapelle des Westfälischen Feldartillerie=Regiments Nr. 7 aus Wesel. Gegen 9 Uhr Morgens wurde mit dem Königsschießen begonnen. Die kersten Schüsse gaben ab Herr Kreissekretär Falcke in Vertretung des Landraths Dr. Neuhaus, Herr Ehrenamtmann Meesmann und Herr Georg Wegermann. Um 12 Uhr Mittags fiel der Königsschuß. Derselbe wurde abgegeben von dem Berg=Invaliden Herrn Fr. Frahne zu Westherbede. Diejenigen Schützen, welche ihr gutes Auge und ihre geübte Hand durch Herunterschießen des Reichsapfels, der Krone und des Szepters bekundeten, waren die Herren Fr. Wegmann=Heven, Julius Hilgenstock und Gustav SchmitzHerbede. Der neue Schützenkönig Herr Frabne wählte zur Königin Fräulein Emilie Wagner, Tochter des Unternehmers Wagner zu Heven.(Fortsetzung folgt in nächster Bochum, 8. August.(Selbstmord.) Heute Morgen um 7 Uhr hat sich ein Oberbeamter des Bochumer Vereins, an dem sich schon seit einigen Tagen Zeichen von geistiger Störung und Melancholie bemerkbar machten, mittels eines Jagdgewehrs auf dem Schießplatz der hiesigen Gußstahlfabrik erschossen. In seiner Rocktasche fand man einen für seine Angehörigen bestimmten Zettel, welcher folgende, mit Blaustift geschriebene Worte enthielt:„Lebt wohl, seid glücklich und verzeiht mir, denn ich fühle, daß mein Geist sich umnachtet, wenn ich noch länger lebe. Richard. Hiernach hat den Unglücklichen offenbar die Furcht vor dem Wahnsinn in den Tod durch Selbstmord getrieben. Der Verstorbene— hauptsächlich mit der technischen Vertretung des Vereins nach außen betraut— war ein ebenso intelligenter wie geachteter und trotz seiner etwas verschlossenen Natur allgemein beliebter Beamter.(Mit den bekannten Beschuldigungen Jusangels gegen den Bochumer Verein hat dieses bedauerliche Vorkommniß also gar nichts zu schaffen.) * Bochum, 8. Aug.(Zur Baare'schen Angelegenheit.) Die„Westf. Volksztg.“ meldet, es wurde nunmehr in den nächsten Tagen die Eröffnung des Verfahrens gegen den Bochumer Verein erfolgen, da sich angeblich die Fusangel'schen Denunziationen bestätigt hätten. — Herr Fusangel hat den Beifall der sozialdemorratischen „Volksstimme“ gefunden. Das famose Organ theilt seinen. Lesern mit, daß Herr Fusangel ausgeruckt sei und setzt dazu die Beifallsbezeugung:„Bravo!“ Herr Fusangel kann stolz sein auf seine hinter ihm stehenden„Myrmidonen" * Dortmund, 8. August.(Abschieds=Feier.) Im„Römischen Kaiser“, fand gestern zu Ehren des bisherigen Vorsitzenden der hiesigen Handelskammer. Herrn Massenez=Hörde eine Abschiedsfeier statt, welche einen überaus würdigen Verlauf nahm. A Hagen, 8. August.(Ein Mädchen in Herrenkleidern) aus Kopenhagen, im Alter von 22 Jahren und mit dem Aussehen eines 14—15jährigen Knaben, erschien am Donnerstag Vormittag bei der hiesigen Polizeibehörde und bat um eine Reiseunterstützung. Auf Befragen, weshalb sie Herrenkleidung trüge und woher sie komme, berichtete sie Folgendes: Seit mehreren Pern. 8 Criminal=Roman von Heury Canvain — Nachdruck verboten. XVI. Gleich am nächsten Tage schon begann Johanna ihre Sie begab sich zunächst zu Herrn Tavard, einem sehr reichen, ehemaligen Wechselmakler, welcher zu den besten Freunden ihres Vaters gehörte. Er empfing sie sehr freundlich, aber sowie sie den Gegenstand ihres Besuches berührte, zog sich sein Gesicht in die Länge und seine Höflichkeit wurde merklich kühler. „Ich habe hunderttausend Francs bei Ihrem Vater deponirt,“ sagte er,„ich wußte wirklich nicht, daß es schlecht um ihn stand. „Aber ich habe Ihnen ehen auseinandergesetzt, daß er das Opfer eines furchtbaren Verbrechens geworden ist". „O. ich habe verstanden und will es ja auch glauben, versetzte er in einem Tone, welcher nur das Gegentheil bewies.„Aber Sie werden begreifen Fräulein, hunderttausend Francs sind keine Kleinigkeit.. Ich kann Ihnen nichts versprechen, Johanna beschwor ihn bei dem Andenken an ihren verstocbenen Vater. „Allerdings war Ihr Vater mein Freund", antwortete er,„aber Geschäft ist Geschäft... Ich werde sehen verpflichten kann ich mich jedoch zu Nichts... das Geld war für die Mitgift meiner Tochter bestimmt.“ Er ließ sich zu keinerlei Versprechungen ein, die Liquidation der Geschäfte ihres Vaters zu erleichtern. Johanna mußte unverichteter Sache heimkehren. Dieser Besuch war der Anfang einer Reihe schmerzlicher Enttäuschungen für das arme Kind. Tag für Tag war sie unterwegs; oft mußte sie zwei oder drei Mal wiederkommen, ehe sie empfangen wurde und ebenso häufig mußte sie auf einer Bank im Vorzimmer warten, während die Aus= und Eingehenden sie neugierig betrachteten. Und wenn sie dann den Herrn BruckEmery und den anderen Finanzgrößen, die nur einen Finger zu rühren brauchten, um die Ehre ihres Vaters zu retten, den Zweck ihres Besuches erklärte, so stieß sie jedesmal auf dieselbe höfliche, kalte Theilnahmslosigkeit. Diese Leute waren in das Haus ihres Vaters gekommen, sie hatten ihre Schönheit bewundert und sich auf den Bällen zu Anfang des Winters auf das Eifrigste um ihre Gunst beworben und jetzt empfingen sie sie mit der hochmüthigen Aufgeblasenheit des Parvenüs, dem nur der Erfolg etwas gilt. Welche Demüthigungen, welche Enttäuschungen mußte sie nicht ertragen während der fünf Tage, da sie diese fruchtlosen Besuche unternahm. Sie leerte den Kelch bis auf die Hefe, immer wieder angetrieben von dem Gedanken, die Ehre ihres Vaters zu retten und den Namen fleckenlos zu erhalten, den einst ihr Bruder tragen sollte. Um ihretwillen machte sie sich keine Sorge, was fragte sie nach dem Verlust ihres Vermögens? Würde Raoul von Viverol nicht bald ihr Freund und Beschützer sein? Sie fragte wenig nach dem Luxus, in welchem sie bisher gelebt hatte. Außerdem war ihr, als ob es nach den in den letzten Wochen ausgestandenen Leiden weder Freude noch Glück für sie geben könne. Sie dachte, ein stilles, eingezogenes Leben an der Seite des Erwählten ihres Herzens zu führen. Als sie Alles, was Menschen möglich ist, gethan hatteund dennoch sehen mußte, daß der Ruin unvermeidlich war, entschloß sie sich ohne Weiteres, das Haus und die Möbel in der Rue d'Oeffemont zu verkaufen, um keinen Augenblick mehr unter den Gegenständen zu weilen, die sie nunmehr als Eigenthum der Gläubiger ihres Vaters betrachtete. Sie wollte für sich und Georges eine kleine Wohnung suchen und dort bis zu ihrer Verheirathung wohnen. Raoul von Viverol war inzwischen nur zwei Mal in ihrer Wohnung gewesen und hatte sie nicht getroffen. Sie selbst hatte nur ein einziges Mal früh morgens ihren Bruder auf eine Stunde besuchen können. Sie sehnte sich darnach, Georges und ihren Verlobten. die beiden Wesen, auf die sich nunmehr alle ihre Liebe und Zärtlichkeit vereinigen sollte, wiederzusehen. Sie war daher hocherfreut, als am Abend des Tages, an dem sie den letzten fruchtlosen Schritt gethan, Franz ihr meldete, daß Frau von Viverol sie im Salon erwartete. sein„„“ ihs“ Sie glaubte Raoul wurde bei ior sein und ihr Erstaunen war daher nicht gerinz, als sie ihren Bruder neben der Gräfin bemerkte. „Georges!.. Du bist doch nicht krank?" rief sie erschrocken, bevor sie sich auch nur die Zeit genommen hatte, den Kleinen und Frau Viverol zu begrüßen. Sie fand keinen anderen Grund für die Rückkehr des Kindes. Georges eilte ihr entgegen und schlang die Arme um ihren Hals. „Du machst mir große Sorge, liebes Kind,“ sagte Johanna, während sie Frau von Viverol ansah, wie um eine Erklärung von ihr zu verlangen.. Ich hatte nichts weniger erwartet, als Dich zu sehen. Es fiel ihr auf, daß der Knabe sehr traurig aussah, während seine Augen von Thräuen geröthet waren. „Warum hast Du mir nicht gesagt, Johanna, Papa todt ist?“ fragte er in so ernstem Tone, daß das Mädchen unwillkürlich erbebte, „O Frau Gräfin,“ rief sie in schmerzlicher Aufregung. „Sie haben ihm also gesagt... „Keineswegs, Fraulein“, sagte Frau von Viverol überrascht,„ich weiß gar nicht, wie er es nur erfahren haben In der That hatte man Georges keinerlei Mittheilung gemacht; und Frau von Viverol konnte sich mit gutem Recht erstaunt zeigen. Aber in ihrem Hause war seit einigen Tagen so viel von Herrn Lacedat und seiner Tochter die Rede gewesen, daß ein in der Unachtsamkeit entschlüpftes Wort dem Kinde seine traurige Lage offenbart hatte. Aus Stolz und Trotz hatte der Kleine seinen Schmerz zurückgehalten vor jenen Leuten, die er als Fremde betrachtete und nur des Nachts hatte er sich seinem Kummer überlassen und sein Kissen mit heißen Thränen benetzt. „Ja, mein Kind,“ sagte Johanna, ihre schönen Augen zum Himmel richtend,„unser lieber Vater hat uns verlassen: Du hast jetzt nur noch mich auf der Welt, aber ich werde Dich auch doppelt lieb haben und für Dich Schluchzend barg das Kud den Kopf an ihrem Busen. „Ich würde Ihnen sehr dankbar sein, Fräulein, wenn Sie das Kind jetzt fortschicken wollten, sagte nach Verlauf weniger Augenblicke eine trockene Stimme, die sie in die Wirklichkeit zurückriß;„ich habe in einer ernsten Anglegenbeit mit Ihnen zu Obgleich Frau von Viverol sich nie besonders zärtlich gezeigt hatte, so gebrauchte sie doch gewöhnlich die Worte: „mein Kind" oder„mein liebes Fräulein", wenn sie mit Johanna sprach und gab sich auch Mühe, ihrer schwülstigen, hochmüthigen Stimme einen möglichst liebenswürdigen Klang zu verleihen. Johanna war daher höchst erstaunt, sie in dieser Weise sprechen zu hören und fragte sich, was die Gräfin ihr zu sagen haben könne. „Was ich Ihnen zu sagen habe, fuhr Frau von Viverol, als sie allein waren, in geziertem Toue fort, während sie mit den weißen, fleischigen Händen ihre Locken ordnete,„wird Ihnen vielleicht etwas peinlich sein, aber es handelt sich um das Glück und die Zukunft meines Sohnes, und mein Mutterherz gebietet mir zu sprechen, Es wird Ihnen ohne Zweifel bekannt sein, daß seit Herrn Lacedat's Tode gewisse Gerüchte umlaufen; ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen, daß wir dieselben eben so energisch wie entrüstet zurückgewiesen haben. Aber was man erzählte, war doch so ernst... daß wir nicht umhin konnten, einige Erkundigungen einzuzieben. Leider haben wir die Ueberzeugung gewonnen, daß jem Grruchte keineswegs nur auf Uebelwollen und Verleumdung beruhten. Ihr Herr Vater hat das Geschäft in arger wirrung hinterlassen, und Ihr Vermögen wird dadurch jedenfalls sehr beeinträchtigt wenden... „Sie können sagen, daß wir vollständig rutnirt sind Frau Gräfin," versetzte Johanna einfach. „Ich dachte nicht, daß das Unglück so groß wäre, mein Fräulein,“ sagte Frau von Viverol, während sie sich hoch aufrichtete und das junge Mädchen von oben herab ansah. Es trat eine ziemiich lange Pause ein. Johanna wagte nicht daran zu denken, wo die Gräfin hinaus. wollte; aber sie brauchte nicht lange auf die Erklärung zu warten.(Fortsetzung folgt.) Kleine Edward Bellamy, der durch seinen„Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887“ so schnell. berühmt gewordene Bostoner Lehrer, hat aus dem Vertrieb seines socialistischen Evangeliums bisher nicht weniger als 37,000. Doll. d. d. über 150 000 Mk. Tantlämen Tagen sei sie bei ihrer in Köln wohnenden Schwester auf Besuch gewesen; daselbst habe sie einen Herrn kennen gelernt, welcher ihr versprochen habe, ihr eine schöne Stellung zu besorgen. Daraufbin lei sie mit jenem Herrn bis Saarbrücken gefahren. Hier habe ihr Begleiter einen Herrenanzug gekauft, ihre Kleider zur Nachtzeil, wuhrend sie schlief, weggenommen und jenen Anzug an deren Stelle gelegt. Da sie keine andere Kleidung und auch kein Geld mehr gehabt, sei ihr anders nichts übrig geblieben, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und die Herrenkleider anzuziehen, das Kopfhaar schneiden zu lassen und sich demnächst an die Ortsbehörden zu wenden, damit sie wieder in ihre Heimath zurückbefördert werde. Die Eltern dieses Mädchens leben, wie bereits erwähnt, in Kopenhagen in Dänemark; der Vater soll nach Angabe des Mädchens daselbst ein: eigene Gärtnerei beE Hagen, 8. August.(Einen Mordsrausch) muß ein in Wehringhausen wohnhafter Mann gehabt haben, dessen Kleidungsstücke— Rock, Hose, Weste, Stiefel, Kopfbedeckung— man dieser Tage früh Morgens in der Nähe des hiesigen Bahnhofes liegen fand. Leute aus Wehringhausen erzählen, in der betreffenden Nacht seien sie durch eine weißgekleidete, gespenstische Gestalt, auf die sie bei ihren Wegen durch die Straßen des Orts gestoßen, in heftigen Schrecken versetzt worden. 7.) Am Hauners. Lüdenscheid, 7. August.(Bigamie.) Am Donnerstag Abend wurde durch den Gendarmen Finke Tagelöhner M. von Offenberg hierselbst eingeliefert. M. befindet sich in dritter Ehe und es wird vermuthet, daß zwei seiner Frauen noch am Leben sind. Die Nachkommen aus der zweiten Ehe sollen ihm zum Verräther geworden sein. M., der sich zuletzt im J. 1887 verheirathet hat, soll bereits den Thatbestand mit dem Bemerken eingestanden haben, er sei der Meinung gewesen, so lange eine kirchliche Trauung nicht stattgefunden habe, sei die Ehe nicht rechtskräftig. Uentrop(Kreis Arnsberg), 5. August.(Lehrergeschlecht.) Dem Lehrer Friedrich Gröpper zu Heil ist zum 1. August d. J. die erste Lehrerstelle an der Schule zu Uentrop definitiv übertragen worden. Es ist nunmehr die dritte Generation der Familie Gröpper auf derselben Stelle. Der Vater und der Großvater des jetzigen Inhubers haben jeder 41 Jahre an der Schule zu Uentrop * Paderborn, 7. August.(Verhaftete Hehler.) In Betreff der vom Zuchthause in Münster entsprungenen und hier wieder eingefangenen Strolche Krieschbach und Biermann erfährt die„Tremonia“ Folgendes: Die von denselben bei rerschiedenen Einbrüchen gestohlenen Sachen war ein hiesiger Klempner so freundlich, in Verwahrung zu nehmen. Eben dieser beherbergte auch die sauberen Vögel zur Nacht in seinem Hause und verschaffte ihnen statt der unangenehmen Sträflingskleidung hübschsitzende Anzüge von einem hiesigen Althändler und Schneidermeister, welcher dieselben wegen der Aussicht auf entsprechenden Antheil an der durch Diebstahl zu machenden Beute bereitwilligst hergab. Der Klempner und der Schneidermeister sind nun gestern zum Lohne für ihre Menschenfreundlichkeit als Hehler bezw. wegen Beihülfe zum Verbrechen hinter Schloß und Riegel gebracht worden und sehen ihrer verdienten Strafe entgegen. Bielefeld, 8. August.(Evang. Schulkongreß 1891.) Die Vorarbeiten für den in diesem Jahre hier stattfindenden evangelischen Schulkongreß sind in vollem Gange. Die Ausschüsse haben sich bereits gebildet und ihre Arbeiten begonnen. Der Kongreß wird Dienstag, den 29. September beginnen und Freitag den? Oktober geschlossen. Das Festprogramm wird demnächst endgiltig festgestellt und veröffentlicht werden. Die einzelnen Referate sind bewährten Händen anvertraut. Mit dem Kongresse wird auch eine Ausstellung von Lehrmitteln verbunden sein; nach den bisherigen zahlreichen Anmeldungen zu dieser Ausstellung zu schließen, wird dieselbe sehr reichlich beschickt werden. Die vorläufigen Anmeldungen zur Theilnahme an dem Kongresse sind un den Vorsitzenden des Wohnungsausschusses, Herrn Fabrikanten Otto Delius in Bielefeld, zu richten. Der Preis der Theilnehmerkarte beträgt 3 Mk. Fur gute und billige Unterkunft und Verpflegung der Kongreßtheilnehmer wird bestens vorgelongt. * Velbert, 8. August.(Ein schwerer Einbruch) wurde in vergangener Nacht zwischen 12 und 4 Uhr bei dem Uhrmacher Wilh. Tonscheidt hierselbst verübt. Diebe hatten die eiserne Rolllade hochgehoben. Fenster und Schaukastenglas zertrümmert und die darin befindlichen goldenen und silbernen Uhren, etwa 70 Stück, nebst Ketten, Ringen und Schmucksachen in Werthe von 5—6000 M. geraubt. Vor längerer Zeit hatte in dem Hause nebenan in einem Cigarren=, Liqueur und Weingeschäft ebenfalls ein Einbruchsdiebstahl stattgefunden. Krefeld, 7. August.(Kein Mord!) Das geheimnißvolle Dunkel, welches über dem Tod des Hauderers Peters von hier schwebte, dessen Leiche in einem Teiche des Horsthofes bei Traar gefunden wurde, ist nunmehr gelichtet. Die Untersuchung hat ergeben, daß kein Mord, sondern ein Unglücksfall vorliegt. Peters verließ in der Nacht von Samstag auf Sonntag sein nach Rheinlerg bestimmtes Fuhrwerk, um, wie er seinem taitfahrenden Knecht mittheilte, wieder nach Krefeld zurückzukehren, da er sich krank fühle. Peters begab sich wirklich auf den Heimweg, muß aber in der Dunkelheit den Weg versehlt haben und in den obengenannten Teich gestürzt sein. Der Knecht ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden. * Tauten, 7. Aug.(Zum geheimnißvollen Mord.) Der„Bote“ schreibt: Wie wir vernehmen, ist der in der Untersuchungssache betr. die Ermordung des Kaaben Hegemann auf Ersuchen der diesseitigen Staatsanwaltschaft zu Leuwerden festgenommene Metzger Salomon Vellemann bei nicht weiter bestätigtem Verdachte wieder entlassen worden. Wir sind aus bester Quelle in der Lage, dieser Mittheilung anfügen zu können, daß der gegen Vellemann gehegte Verdacht mit einem angeblichen, durch Juden verübten Ritualmord absolnt Nichts zu schaffen hat, vielmehr eine ganz andere persönliche Richtung verfolgte. Speldorf, 7. Aug.(Ein räuderischer Ueberfall) wurde gestern von einem 12jährigen Knaben auf zwei 7= bis 8jährige Kinder verübt. Als dieselben, von den Eltern in einen Laden geschickt, mit den geholten Waaren und dem Rest des Geldes von 2.30 M. zurückkehrten, gesellte sich der Knabe zu den Kindern, entriß ihnen das Geld und suchte das Weite. Leider sind die angestellten Ermittelungen bis jetzt ohne Erfolg geblieben. * Kassel, 7. August.(Eisenbahnunfall.) Auf der Bergtsch=Märkischen Bahn: Bahnstrecke Kassel=Warburg stieß gestern Abend der aus Westfalen kommende Personenzug auf einen Güterzug; der Unfall ist zum Glück noch sehr gunstig abgelaufen, sodaß weder die Passagiere noch das Personal des starkgefährdeten Zuges Schaden genommen haben. Verhandlungen der Strafkammer zu Hagen vom 8. August 1891. 1. Am 12. Januar d. J. fand auf Station Gevelsberg eine Carambolage zwischen einem Güterzuge und einem Personenzuge statt, indem letzterer durch unrichtige Weichenstellung auf den ersteren aufstiez. Größeres Unglück ist dadurch nicht herbeigeführt worden, wohl aber wurde ein Wagen des Güterzuges aus dem Geleise gehoben. Diese Carambolage wird dem Stationsassistenten J. P. L. aus Gevelsberg und dem Hilfsweichensteller E. R. zur Last gelegt. Letzterer hatte nach 5 Uhr Nachmittags einen Güterzug vom 1. Geleise durch Umstellung der Weiche 2 ins 2. Geleise laufen lassen. Es wäre nun seine Pflicht gewesen, die Weiche 2 wieder aus das Geleise 1 umzulegen, damit der Personenzug in dieses Geleise einlaufen konnte, was der angeklagte R. aber verabsäumte und die Umlegung der Weiche— wie er sagt— seinem Collegen B. übertrug, der den ihm angeblich ertheilten Auftrag aber nicht ausführte. B. behauptet zwar, es sei ihm ein derartiger Auftrag nicht geworden, nach den Aussagen des Lademeisters W. schien dies aber doch der Jull gewesen zu sein. Dies kann aber den R. nicht entschuldigen, er war der verantwortliche Weichensteller und verpflichtet, die qu. Weiche richtig zu stellen. Der mitangeklagte Stationsassistent, dem vorgeworfen wird, die Weiche nicht vor Einlaufen des Personenzuges, wie es seine Pflicht war, revidirt zu haben, will mit Arbeiten im Bureau überiastet gewesen sein und keine Zeit gehabt haben, nach der Weiche hinzulaufen. Nach der Beweisaufnahme hat dieser Angeklagte allerdings neben dem Außendienst, auch die Güterexpedition, den Billetschalter und den Telegraphen zu besorgen gehabt, allein er hatte, wie der Gutachter hervorhebt, in erster Linie auf den Außendienst zu achten. Darnach trifft auch diesen Angeklagten die Mitschuld. Bemerkt mag hier sein, daß nach jenem Vorfall eine andere Dienstvertheilung eintrat. Das Urtheil legte dem zweiten Angeklagten eine 14tägige, dem ersteren eine 1monatliche Gefängnißstrafe auf. 2. Der 66jährige Tagelöhner Carl Sch. aus Grundschöttel, der die Einrichtung der Zuchthäuser während seiner 32jährigen Unterbringung in denselben hinlänglich kennen gelernt haben muß aber dennoch nicht davor zurückzuschrecken scheint, hat sich schon wieder eines frechen Diebstahls schuldig gemacht. In der Nacht vom 6. auf den 7. Juli d. J. schlich er auf eine Weide in Oberwengern, wo gutes Vieh graste, wählte sich eine prachtvolle Kuh aus und zog damit nach Hagen, wo er sie zu dem hübschen Preise von 180 M. an den Mann brachte. Die Spur des Spitzbuben wurde verfolgt und es gelang, den frechen Dieb einzufangen, der nun wieder eine dreijährige Zuchthausstrafe, zu der er verurtheilt wurde, zu verbußen hat. 3. Der Arbeiter Gottfried B. aus Genne, auch bereits wegen Diebstahls vorbestraft, fand, wie er sagt, am 18. Juni cr. in einem Steinbruch bei Letmathe eine Weste mit einer Taschenuhr darin. Ohne sich um den Eigenthümer zu bekümmern, nahm er den hübschen Fund mit, hielt es aber für gut, die Weste wegzuwerfen und die Uhr mitzunehmen, die er in Letmathe für 5 M. versetzte und diese dann verjubelte. Im Hinblick darauf, daß es sich hier um einen Gelegenheitsdiebstahl handelt, erkennt das Gericht auf die von Kgl. Staatsanwaltschaft beantragte Zuchthausstrafe von 1 Jahre. 4. Der bereits wegen Diebstahls vorbestrafte Fabrikarbeiter Gustav Hö. aus Iserlohn hat sich wegen Diebstahls und die Tagelöhner Gustav Hü. und Heinrich K. von dort wegen Heblerei zu verantworten. Letzterer ist auch bereits beim Militär wegen Unterschlagung mit 8 Monaten vorbestraft. In dem Hause der Mutter des ersten Angeklagten wohnt die Familie Schl. Der Wohnung dieser stattete der Hö. am 2. April cr., als die Frau Schl. sich in der Wirthschaft der Wittwe Hö. befand, einen Besuch ab und stahl aus der Kommode ein Kästchen mit Goldsachen, 2 goldene Siegelringe, 1 Trauring, 1 Medaillon und 2 Kinderohrringe, um deren Absatz sich die anderen beiden Angeklagten sehr bemühten, trotzdem sie nicht im Zweifel darüber sein konnten, daß die Sachen von dem 18jährigen Burschen auf unehrliche Weise erworben waren. Hö. wurde zu 6 Monaten, Hü. zu 2 Monaten und K. zu 3 Moaten Gefängniß verurtheilt. 5. Das Schöffengericht zu Haspe hatte den Akrobaten und Kartenkünstler J. E. F. Z. aus Lüdenscheid, der im Februar 91 daselbst ohne Gewerbeschein Schaustellungen gegeben hatte, zu 96 Mark event. 17 Tage Gefängniß verurtheilt. Die gegen das Strafmaß gerichtete Berufung war von Erfolg und wurde die der Geldstrafe substituirte Haftstrafe auf 8 Tage ermäßigt. 6. Die Berufung des D. Sch. von hier, der polizeilichen Verbots zuwider in 5 Fällen fremde Rechtsgeschäfte besorgt hatte und dieserhalb zu 75 M. ev. für je 3 M. 1 Tag Haft verurtheilt war, wurde als unbegründet verworfen. Industrie, Handel und Verkehr. Witten, 9. August. In der auf Freitag anberaumten ersten Gläubigerversammlung des Wittener Walzwerkes wurden in den Gläubigerausschuß gewählt: Direktor Lange=Bochum, Direktor Seelhof=Witten und der kaufmännische Leiter des Wittener Walzwerkes M. Arndt. Banquier von der Heide=Witten wurde als Konkursverwalter bestätigt. * Lüdenscheid, 5. August. Wenn es drüben in Brastlien, Bolivia und Argentinien kracht, dann kriegen wir die Wirkungen hier zu spüren. Insbesondere seit den Umwälzungen in Argentinien und der Revolution in Chile ist, wie in anderen deutschen Industriestädten, auch hier ein merkbares Zurückgehen des Geschäfts zu konstatiren. Wie ein Alp liegen, so schreibt man der „Rh.=Westf. Ztg.“, die unsicheren Verhältnisse in SüdAmerika, zu dem wir doch bedeutende Beziehungen unterhalten, auf Handel und Wandel hier. Manche Fabriken haben ihren Betrieb erheblich eingeschränkt. Namentlich leidet auch die Britanniametall=Industrie. Das Geschäft in Chinaknöpfen ist, zumal infolge der japanischen Konkurrenz, zur Zeit sehr still und unlohnend. Unser Platz erwartet von den Wirkungen des neuen dentsch=österreichischen Handelsvertrages nicht unwesentliche Vortheile: man erhofft schon in nächster Zeit einen Umschwung der Verhältnisse zum Besseren. Vermischte Nachrichten. Von der Kaiserin Charlotte, der geistesumnachteten Wittwe des unglücklichen Kaisers Max von Mexiko, durch deren Tobsuchtsanfall vor einigen Tagen die Königin von Belgien so erschüttert wurde, daß sie schwer erkrankte, berichten belgische Blätter Folgendes: Die Fürstin ist im Vergleich mit ihrem hochgradigen Excitationsstadium, in dem sie sich früher befunden, zur Zeit in eine Periode relativer Ruhe eingetreten, in welcher sie sogar der lichten Augenblicke nicht entbehrt. Sie führt ohne jede Traurigkeit auf Schloß Bouchont das Leben einer Schloßherrin, die den Beschluß gefaßt hat, sich nicht mehr von ihrem Besitzthum zu entfernen. Nichts im Innern des Schlosses verräth die Geisteskrankheit der Fürstin. Ihre Gemächer sind mit Komfort und erlesenem Geschmack möblirt. In ihrem Salon sind zahlreiche Kunstgegenstände angesammelt, und man finde: darin sogar die illustrirten Pariser und Londoner Zeitschriften und die neuesten Erscheinungen des Büchermarktes. Kaiserin Charlotte, welche die Musik leidenschaftlich liebt, bittet täglich eine ihrer Ehrendamen, sich ans Piano oder Harmonium zu setzen, und gibt sich oft stundenlang dem Genuß der Töne hin. Da die Schloßherrin von Bouchont feiner die Tafelfreuden gar wohl zu würdigen weiß, ist eine ausgezeichnete Küche damit beschäftigt, allen ihren kalinarischen Wünschen zu genügen. Die Kaiserin dinirt in der Regel in Gesellschaft von zwei oder drei ihrer Ehrendamen und dem Gouverneur des Schlosses. Nach Beendigung des Mahles unternimmt sie oft in Begleitung ihrer Suite einen Svaziergang. Ihre Toilette ist einfach aber elegant. Die strengsten Maßregeln sind auf Befehl des Königs getroffen, um die müßige Neugier vom Ruhesitz seiner Schwester fernzuhalten. Da die jährliche Prozession von Bouchont, an der die Kaiserin theilnimmt und zu der bisher die Einwohner in den Park des Schlosses Zutritt erhielten, von einigen Reportern benutzt worden war, um in das verbotene Terrain vorzudringen, erging der Befehl, daß die Bewohnerschaft fortan nicht mehr einzulassen sei. Die Prozession. an der sich die Kaiserin mit ihrer Suite betheiligt, wird gegenwärtig im Innern des Parkes und in einer gewissen Entfernung vom Gitter abgehalten. Bouchont liegt zwei bis drei Kilometer von Laeken entfernt; der König und die Königin von Belgien begeben sich im Durchschnitt drei Mal im Monat dorthin. Die Kaiserin Charlotte, die gegenwärtig 52 Jahre alt ist, erfreut sich einer ausgezeichneten physischen Gesundheit, und kein Zug in ihrem Gesichte zeigt die Verwirrung des Geistes an; sie hat alle Aussicht, ein hohes Alter zu erreichen. Ueber die Angelegenheit Frauck=Schwieger von der Deutschen Bank berichtet das„Berl. Tagebl.“ noch die nachstehenden Einzelheiten: Schwieger hat zugestanden, daß er in Gemeinschaft mit Franck vom November vor. I. ab Engagements in Höhe von etwa 12 Millionen Rubel eingegangen sei und dabei eine Differenz von nahezu drei Millionen Mark zu verzeichnen habe. Schwieger selbst hat der Bankdirektion von der Sachlage kurz vor dem Ultimo Kenntniß gegeben. Während dies geschah, wartete Franck vor dem Geschäft auf der Straße. Als Schwieger mit der Erklärung zu ihm zurückkehrte, er habe ein unumwundenes Geständniß abgelegt und werde deshalb auf freiem Fuße bleiben, hat sein Genosse betreffs des letzteren Punktes starke Zweifel gehegt und seine Absicht, zu entfliehen, kundgegeben. Wenn Franck nun auch wenig Mittel aus der Spekulation bezw. der Bank bei Seite geschafft haben kann, so steht immerhin fest, daß er nicht unbeträchtliche Summen zur Verfügung hatte, und zwar durch einen Gewinn in der sächsischen Lotterie, welcher ihm in Höhe von 20,000 M. kürzlich zugefallen war. Franck ist nahezu fünfzehn Jahre bei der Bank angestellt gewesen. Schwieger hat an seine Verhaftung nicht geglaubt, denn als er in seiner Yorkstraße 73 belegenen Wohnung festgenommen wurde, äußerte er, indem er dabei seinen großen Bernhardinerbund streichelte:„Na, das kann wohl nicht wahr sein; ich muß unbedingt die Engagements erst abzuwickeln suchen; es ist nicht richtig, mich einzulochen.“ Man vermuthet, daß Franck sich nach Australien eingeschifft hat. * Verunglückter Schwimmer. Bei den Schwimmübungen, welche die hessischen Dragoner mit ihren Pferden im Main abhalten, erhielt am Freitag voriger Woche ein Soldat von einem Pferde einen Hufschlag, in Folge dessen er untersank. Obgleich es ihm gelang, sich wieder an die Oberfläche des Waffers emporzuarbeiten, so fehlte ihm doch die Kraft, ans Ufer zu schwimmen. Mehrere Civilisten bemerkten die Gefahr und fuhren in einem Nachen nach; es gelang ihnen, den bereits Bewußtlosen zu retten. * J o h a n n O r t h. D i e„ N e u e F r e i e P r e s s e" v e r öffentlicht den amtlichen Bericht über die von der Kriegsmarine angestellten Nachforschungen nach dem Verbleib Johann Orths. Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß jede Hoffnung geschwunden ist, jemals irgend welche Anhaltspunkte über das Schicksal Orths zu erhalten. Personenstand. Annen. Getauft: Elisabeth Martha, T. v. Fußgensdarm Robert Herrmann, Steinstraße.— Friedrich Wilhelm, S. v. Former Friedrich Oesterreich, Erlen.— Wilhelm, S. v. Bam. Friedr. Wilh. Kleffmann, Annenerberg.— Amalie Mathilde, T. v. Tagel. Fried. Sohn, Stockumerstraße.— Charlotte Olga Ancora, T. v. Fabr. Hugo Finke, Stockumerstr.— Pauline, T. v. Schuhmachermstr. Wilhelm Schulte, Annen.— Amalie Julie Hulda, T. v. Bam. Heinrich Wilh. Neveling, Hellweg. Getraut: Glasschneider Ludwig Heinrich Hüppchen und Caroline Mathilde Schell, beide Annen.— Küfer Johann Heinrich Rößer, Witten u. Emma Ida Johanna Krächter, Annen. Beerdigt: Johann Friedrich Wilhelm S. v. Fabr. Heinr. Weisthaupt, Hüllberg 7 M. 30 T.— Fabr. Louis Hoppe 45 J. Annen. Laugendreer. Getauft: Clara Auguste Dorothea, T. v. Stations= Assist. F. Lehmann, Rh. Bh.— Anna Maria Luise u. Sophie Dorothea Lina, Zwll. v. Bam. F. W. Figge Obdf.— Arialie Wilhelmine Elisabeth, T. v. Bam. I. Krusy, Hlz.— Gustav Heinrich Ewald, S. v. Berginv. Heinr. Finger, Bbf. Getraut: Fabr. Aug. Fr. Groß u. Bernhardine Amalie Heinemann, Hlz. Beerdigt: Schuhmachermstr. Wilh. Siegmann 52 J. 5 M. 14 T. Df.— Todtgeb. S. v. Bgm. W. Gundlach, Obdf. Markt= und Coursberichte. Berlin, 8. August. 2½ Uhr N. Fruchtbörse. Weizen August 219.50, Sept.=Okt. 21500, Okt.=Nov. 212,00 M. Nov.=Dez. 210.00 Mark. Gek. 0000 Centner. Ro gen August 218.50, Sept.=Okt. 20950 Okt.=Nov. 206 25, Nov.=Dez. 20400 M. Gek. 0000 Ctr. Hafer August 157.50. Sept.=Okt. 147,75. Okt.=Nov. 144,50 M. Gee 0000 Ctr. Rüböl vorr. mit Faß 61,00. ohne Fai 60,20 August 00.00, Sep.=Okt. 60,90, Apri.=Mai 61,50 M, Gek. 000 Centner. Spiritus 70er vor. 52.00. August 51.8°, Sept.=Okt. 46 30, Okt.=Nov. 449 Okt.=Nov. 44 20 Mi 50er vorr. 00.00 Mk. Gek. 30000 Ltr. Petroleum vorr 23.00 Mark Roggenmehl 0/1 Aucust, 29.80. Sept.= 2880 Mi.„„„ ammc Bremen, 8. Aug. Petroteum schwach, vorr. 6.05 Brief. Statt besonderer Anzeige. Todes-Anzeige. Samstag, den 8. August Abends gegen 9 Uhr wurde uns auch unser zweites Zwillings-Töchterchen und einziges Kindchen, unsere liebe Else im zarten Alter von 11½ Monaten, ebenfalls infolge Stimmritzenkrampf ganz plötzlich durch den Tod genommen. Dies zeigen tiefbetrübt an Carl Birk u. Frau, geb. Rheinen. Witten, 10. Aug. 1891. Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur Kenntniß, daß die Urliste der in der Stadtgemeinde Witten wohnhaften Personen, welche zu dem Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, vom 12. bis einschl. 19. August cr. in unserem Steuer=Büreau zu Jeder= manns Einsicht offen liegt und während dieser Zeit Einwendungen gegen die Richtigkeit der Liste bei uns angebracht werden können. Witten, den 3. August 1891. Der Magistrat: Gefunden: 1. am 27. vor. M. 1 Hut. 2.„ 30.„„ 2 Regenschirme 3.„ 6. ds.„ 1 Regenschirm 4.„ 6.„„ 2 Schlüssel. Witten, 7. Aug. 1891. Die Polizei=Verwaltung, mit Zusatz, kräftig und reinschmeckend, garantirt, à Pfund 80 Pfg., Postpackete 9 Pfund Mk. 7.20 versendet zollfrei unter Nachnahme Wilh. Schultz, Altona bei Hamburg. Copirrpreßsen zu billigen Preisen, empfiehlt die Buchhandlung von Koetzold& Co. Versende gegen Nachnahme 9 Pfund hochseine Grasbutter zu 10 M. Frau Eklenga, Loppersum(Ostfriesland). Zu beziehen durch jede Buchhandlung ist die preisgekrönte in 25. Auflage erschienene Schrift des Med.-Rath Dr. Müller über das gestölls Cleiven- und Preisusendung unter“ Cewvert für 1 Mark in Briefmarken. Bduard Bendt. Brannachweie. Verannrnachung. Bei der heute vorgenommenen Verloosung der Wittener Anleihescheine sind folgende Nummern gezogen: 20, 102, Gewinn=Plan 1. Klasse. Ziehung vom 24.—26. Nov. 1891. 1 1 1 1 1 Gemum=Pon Z. Klasse Ziehung vom 18.—25. Januar 1892. 3 10 50 100 240 500 1000 4000 150000* 75000 50000 30000 15000 10•00 5000 3000 1000 500 300 200 100 42 150000 75000 50000 30000 15000 20000 15000 30000 50000 500.0 72000 100000 100000 168000 Mk. Den Inhabern dieser Anleihescheine werden dieselben zum 1. Oktober 1891 mit der Aufforderung gekündigt, den Kapitalbetrag gegen Rückgabe der Scheine mit den dazu gehörigen Koupons und Talons von dem gedachten Kündigungstage ab bei den nachbezeichneten Stellen in Empfang zu nehmen. Diese 1. Die Stadthauptkasse hierselbst, 2. die Bank für Handel und Industrie zu Berlin und Nur hoare Geldacwinne 3. das Bankhaus Hermann Schüler zu Bochum. IEnt dallt Seles Eine weitere Verzinsung der ausgeloosten Anleihescheine, als bis zum 1. Oktober d. J., findet nicht statt. Witten, den 21. März 1891. Magistrat: Dr. Haarmann. à 600000— „ 300000„ „ 125000 100000„ „ 50000„ „ 40000„ „ 30000 „ 25000„ „ 20000 10000„ 600000 Mk. 300000„ 125000„ 100000„ 50000„ 40000„ 30000„ 75000„ 80000„ 60000„ 3910 Gewinne 925000 Mk. ohne jeden Abzug zahlbar. 13020 Gewinne 3075000 M. Wir empfehlen aus unserm Verlage: Dr. A. Rohling Der Talmudjude. 6. Aufl. 128 Seiten. 1 M. broschirt, 1 M. 60 Pf. gebunden. Hochinteressant sind die Enthüllungen, welche der berühmte Verfasser in dieser Schrift über die Geheimgesetzgebung des Judenthums bietet. Es sei bemerkt, daß unser Werk die Original=Ausgabe und keine Uebersetzung ist. Münster i/W. Adolph Russell's Verlag. Wir offeriren bis auf Weiteres: Original=Voll=Loose, gültig für beide Klassen: ¼1 42 Mk., ½ 21 Mk., 1/10 4,20 Mk. Original=Loose 1. Klasse bei planmäßiger Erneuerung: ¼ 21 Mt., ½ 10,50 Mk., ⅛ 4,20 Mk., 1/10 2,10 Mk. Porto und Liste 1 M. 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Den umzäunten Wettturnplatz dürfen nur Festoedner, Wettturner bezw. Ringer und Kampfrichter betreten. Im Uebrigen ist Jedermann freier Zutritt gestattet. Die Baum=Anpflanzung um den Turnplatz wird der Schonung empfohlen. Der Gesammt=Ausschuß für das Harkortbergfest. Aelger uud Rält. doch guter Holst. Holl. Käse à Ctr. K 26.— Holst Lims. Kase AStr. K 25.— Kase Kwr. K 32.ad dier gegen Nachnahmeempfiebli Julius Werner, Nenmünster i. H. 10 Pfd.=Probepostcolli K 3.60 und 6 K 3.50 und 4 4.20. Ein wahrer Schatz für alle durch jugendliche Verirrungen Erkrankte ist das berühmte Werk Dr.RetausSelbstbewahrun 80. Aufl. Mit 27 Abbild. Preis 3 Mark. Lese es Jeder, der an den Folgen solcher Laster leidet, Tausende verdanken demselben ihre Wiederherstellung. Zu beziehen durch das Verlags=Magazin in Leipzig Neumarkt Nr. 34, sowie durch jede Buchhandlung. aVain den beliebten feinen Qualitäten a E.Ere, Höe, ioef u.o0 das Prund. D. 1.80,1.90, Zu haben in Witten bei: S. Lindenbaum Söhne, Bahnhofstr. Fr. 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