No. 159. Fernsprech=Nr. 46 für Witten. Witten, Samstag, den 11. Juli. Fernsprech=Nr. 18 für Hagen. 1891. „) Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Insertionen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. verbunden mit drmn für Witten und Amgegend. Abonnementspreis(inel der Gratisbeilage „Märkisches Heim“): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pfg bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2.20 Mr—— Phantasie und Wirklichkeit. In dem neuen Entwurf eines sozialdemokratischen Parteiprogramms, welches soeben veröffentlicht worden ist, findet sich auch der nachfolgende Satz, auf den von der sozialdemokratischen Agitation das größte Gewicht gelegt wird, weil er gewissermaßen die volkswirthschaftliche Weisheit der Sozialdemokratie darstellt.„Die Trennung der Arbeiter von den Arbeitsmitteln und deren Uebergang in den Alleinbesitz eines Theiles der Gesellschaft hat zur Spaltung in zwei Klassen, arbeitende und besitzende, geführt. Die Arbeitsmittel sind in den Händen ihrer Aneigner zu Mitteln der Ausbeutung und Unterdrückung geworden. Die moderne Gesellschaft ist in zwei feindliche Heerlager getrennt. Diesem Zustande durch Beseitigung seiner Ursachen ein Ende zu machen, die Arbeiter zu befreien, ist Ziel und Aufgabe der Sozialdemokratie. Sie erstrebt daher die Umwandlung der Arbeitsmittel, von Grund und Boden, der Bergwerke, Gruben, Maschinen, Werkzeuge und Verkehrsmittel, in Gemeineigenthum der Gesellschaft und die Ummandlung der kapitalistischen in eine sozialistische Produktion. Diese Sätze sind das A und O der neuen sozialistischen Lehre, und wenn sie auch wohl von Tausenden von schlichten Arbeitern nicht in vollem Umfange verstanden werden dürften, sie sollen doch den Boden für alle sozialistische Agitation abgeben. Was will man nun eigentlich, und was sagt man nun eigentlich? Wie für das liebe Vieh das Futter in einen Trog geschüttet wird, so soll für die Menschheit eine und dieselbe Ernährungsquelle eröffnet werden in dem sozialistischen Staat. Der Weidejunge auf dem Lande, der Tagelöhner, der vorwärtsstrebende Gewerbegehilfe, der geistig thätige Mann sollen ebenso behandelt werden wie der Nichtsnutz, Faullenzer und Tagedieb. Alle sollen arbeiten, Alle sollen vom sozialistischen Staat unterhalten werden. Aber wie das gemacht werden soll, was Jeder thun, wie viel er bekommen soll, darüber herrscht unbedingtes Schweigen. Wenn sich also der Pfusch=Arbeiter im künftigen sozialistischen Staate stolz als gleichberechtigter Staatsbürger aufspielt, dann hat er dasselbe zu verlangen, wie der fleißige Kollege, und der polnische Tagelöhner und Feldarbeiter, der noch mit seinen Anschaungen zurück ist, hat dieselbe wirtschaftliche Bedeutung, wie ein ausgebildeter Gewerbegehilfe. Da sieht man, wohin die sozialistischen Programme bei der schnurgeraden Durchführung kommen, nämlich zu Verhältnissen, die sich kein thätiger Mensch gefallen lassen würde. Wer würde dafür bürgen, daß die Arbeit bezahlt würde, daß sie Absatz fände und den Leuten der schaffen den Hand auch ihr gerechter Lohn würde? Der Mensch lebt doch nicht blos, um mit so und so vielen Anderen aus einer großen Schüssel zu essen, er will auch etwas von seiner Existenz. Es sind deshalb inhaltslose Versprechungen, die hier gemacht werden, und einen Beweis dafür, daß die Sache nicht so leicht ist, wie sie sein soll, bietet der aufgeputzte Ton, der Mangel aller Vorschläge zur praktischen Verwirklichung. Auch im sozialistischen Staate kann nicht jeder thun und machen, was erwill, es muß immer Leute geben, die befehlen, immer Personen, die gehorchen. Verbrecher und Spitzbuben, Faullenzer und Bärenhäuter werden durch die neue Gesellschaftsordnung nicht ausgerottet werden, das Gegentheil wird eintreten. Der ganze sozialistische Staat wird eine Seifenblase sein, die nichts, gar nichts verträgt, bei der ersten Berührung zerplatzt. Wie können denn einige wenige Personen Millionen in ihrem Privatleben dirigiren und ihnen Vorschriften machen? Wenn da nicht fortwährend ein Polizist mit dem Kantschuh hinter jedem sozialistischen Staatsbürger stehen würde, würde die Sache bald schief und krumm gehen. Es giebt ja viele Menschen, die nicht zu den Gescheidtesten gehören; aber so dumm ist Niemand, daß er sich ohne Lohn quält, während Andere faullenzen. Ja, wären alle Menschen ohne irdische Mängel, dann ließen sich die Dinge halten. Dann brauchten wir heute schon kein Gericht, keine Polizei, kein Militär. Aber sind denn nicht in allen Ständen Schufte zu finden? Daran soll man denken, bevor man die Gesellschafts=Ordnung von heute wie Brennholz zerhackt. Eine direkte Unwahrheit ist nun die Behauptung, es gäbe nur zwei Gesellschaftsklassen, arbeitende und besitzende. Wenn das richtig wäre, wären Herr Bebel, Herr Liebknecht, Herr Grillenberger und alle ihre Kollegen im Reichstage keine Sozialdemokraten, sondern auch„Unterdrücker und Aussanger", denn die Herren arbeiten sich alle nicht todt. Niemandem, wenigstens vernünftigen Menschen nicht, wird es aber einfallen, Herrn Bebel und seine Freunde unbedingt Taugenichtse zu schelten, sie als Leute zu bezeichnen, denen der Garaus gemacht werden muß. Um so verfehlter ist aber die Verdächtigung anderer Personen. Es ist ganz richtig, wir haben in Deutschland, wie überall, Personen, die über gewaltige Geldmittel verfügen, sich auch vielleicht nicht sonderlich anstrengen und Sorgen zu machen brauchen, aber der sozialdemokratische Neichstagsabgeordnete Herr Singer ist ganz genau in derselben Lage. Es ist ganz und gar Unsinn, zu sagen, daß besitzende Klassen nicht arbeiten und arbeitende Klassen nicht besitzend werden können. Massenhaft haben wir Beispiele in jeder Stadt heute, daß renomirte und wohlangesehene Gewerbetreibende sich vom schlichten Gewerbsgehilfen emporgearbeitet haben und, Gott sei Dank, es ist heute in Deutschland noch so, daß alle Handwerksmeister fast auch das gewesen sind, was Herr Bebel als arbeitende Klasse betrachtet. Sind denn aber alle Arbeitgeber besitzend? Herr Bebel braucht da doch wirklich nur seine eigenen Genossen zu fragen, und die werden ihm Bescheid sagen, wie die Dinge so ganz anders stehen. Mancher Gewerbetreibende muß sich placken und sorgen im Nachdenken darüber, wie er den Wochenlohn für seine Leute, Abgaben und Steuern zusammenbringt, er wäre herzensfroh, wenn er wirklich„Besitzer" wäre. An eine„Unterdrückung“ der Arbeiter glauben heute doch selbst die Sozialdemokraten nicht mehr; jeder tüchtige Arbeiter oder Gewerbsgehilfe genießt überall eine volle Achtung, wenn er sie selbst nicht verscherzt. Heute gehen Arbeiter fast ebenso in die Reihen der Arbeitgeber über, als Arbeitgeber wieder Arbeiter werden, denen das Glück nicht hold gewesen ist. Man braucht sich besonders nur in großen Städten umzusehen. Wie viele ehemalige Maurer giebt es da nicht, die zu Hausbesitzern und großen Leuten geworden sind? Und wenn nun die„besitzenden“ Klassen des sozialdemokratischen Pregrammes wirklich nur aus infamen Kerlen bestehen, warum sind alle sozialdemokratischen Abgeordneten in dieselben eingetreten? Sie mußten doch schon des Prinzips wegen daran festhalten. Wir sind alle Deutsche, ob es nun Arbeitgeber oder Arbeiter sind. Die Reichsverfassung sichert Allen dieselben Rechte. Achtungswerthe Leute finden üllerall Achtung, malhonetten Kerlen dreht man den Rücken, haben sie nun einen Kittel an oder aber Lackstiefel. Das ist die Antwort auf dies Programm. undscha * Eine heilsame Maßregel. In einem oberschlesischen Dorfe ist vor Kurzem einem Gastwirthe von dem Bezirksausschluß die Konzession zum Betriebe der Gast= und Schankwirthschaft entzogen worden, weil er anarchistische und socialistische Schriften in seinem Lokal ausgelegt und verbreitet hatte, was, wie in dem Erkenntniß des Kreis=Ausschusses ausgeführt wurde,„auf Unzuverlässigkeit bei Ausübung des Schankgewerbes schließen lasse.“ Insbesondere waren bei dem Wirthe vorgefunden und als Beweisstücke zu den Akten genommen worden: die„Chikagoer Arbeiterzeitung",„Der Socialist“, eine Most'sche Schrift, sowie drei Briefe von amerikanischen Socialisten. In Folge der von dem betreffenden Wirthe eingelegten Berufung beschäftigte sich der Bezirks=Ausschuß mit dieser Angelegenheit. Das Resultat war die einstimmige Bestätigung des erstinstanzlichen Urtheils. In den Erkenntnißgründen heißt es, daß die genannten, in dem fraglichen Lokal vorgefundenen Schriften durchaus unsittlich, unreligiös, in jeder Beziehung demoralisirend und verwerflich seien. Daß der Angeklagte diese Schriften verbreitet habe, sei durch eine Ratiborer Strafkammer=Entscheidung erwiesen. Durch diese Verbreitung habe er sich einer unsittlichen Handlung schuldig gemacht, welche die KonzessionsEntziehung rechtfertige. In den Gastwirthskreisen Oberschlesiens wird diese Maßregel„lebhaft besprochen" und größtentheils für ungerechtfertigt erklärt. Die Schankwirthe sind allerdings in Folge der freisinnigen und socialdemokratischen Protektion zum Theil ein wenig verwöhnt; wer aber in Betracht zieht, welche Agitationsherde gerade die Schankstätten häufig bilden, der wird die KonzessionsEntziehung für gerechtfertigt halten und wünschen müssen, daß in dieser Weise auch anderwärts gegen solche Inhaber von Schankstätten, welche die revolutionäre Propaganda begünstigen, vorgegangen werden möge. * Ein Krebsschaden. Die Bromberger Bäcker=Innung hat nunmehr das Wort ergriffen, um den Umstand, daß zwei oder drei Bäckermeister das Fünfgroschenbrod um 325 Gramm schwerer backen, als die übrigen, zu erklären. Die Erklärung lautet in der Hauptsache: Diese billigen Kollegen verkaufen nur gegen Baar, die anderen aber müssen borgen und haben dadurch viele Verluste! So wie es hier den Bromberger Bäckern geht, geht es vielen Handwerkern und kleinen Gewerbetreibenden; das ist eben ein Krebsschaden, der namentlich von den Innungen bekämpft, aber nicht conservirt werden muß. Wenn die Bäckermeister es für nöthig halten, ins Blaue hinein zu creditiren, so können sie doch für etwaige Verluste nicht die baarzahlenden Consumenten haftbar machen. Sie mögen in solchen Fällen sich an die Borger selbst halten und diesen gegenüber mit den Preisen aufschlagen oder einen Rabatt bei Baarzahlungen bewilligen. In Bromberg beziffert die Bäcker=Innung den Preisaufschlag, welcher nothwendig ist, um den durch faule Kunden verursachten Ausfall zu decken, auf 15 Prozent. Man beachte wohl, auf 15 Prozent des gesammten Umsatzes! Wie leichtsinnig wird also dort mit dem Borgen verfahren, wenn ein so enormer Verlust in Frage kommen kann! Es wäre wohl zu wünschen, daß die Innung sich dieses Gegenstandes annähme, das Borgsystem unter ihren Mitgliedern abschaffte, dagegen den baarzahlenden Käufern schwereres Brod lieferte. * Der Staats=Anzeiger für Württemberg schreibt in seiner Nummer vom 7. d. Mts.:„In der Nummer 146 vom 27. Juni d. J. wurde von uns mitgetheilt, daß der Bochumer Verein von der Württembergischen Eisenbahn=Verwaltung niemals den Auftrag erhalten habe, Stempel für einen der Württembergischen Schienenabnahme=Kommisssäre anzufertigen. Wir sind in der Lage nachzutragen, daß nach den Erklärungen sämmtlicher von der Württembergischen Eisenbahn=Verwaltung mit der Uebernahme von Schienen beauftragten Beamten keiner derselben einen solchen Kontrollstempel bei dem Bochumer Verein anfertigen oder ausbessern ließ. Von den entsandten Kommissären wußte keiner über Unregelmäßigkeiten bei den Lieferungen des Bochumer Vereins zu berichten, auch wurden weder in früheren noch in den letzten Jahren bei den von diesem Verein der Württembergischen Eisenbahn=Verwaltung gemachten Lieferungen Mißstände wahrgenommen.“ * Die Eisenbahnkatostrophe von Mönchenstein hat in weite Kreise des Publikums Sorge wegen der Zuverlässigkeit der zahllosen eisernen Brückenkonstruktionen geworfen, die einen integrirenden Theil der Schienenwege machen. In Deutschland hat die Beunruhigung der öffentlichen Meinung sich bald gelegt, nachdem es bekannt wurde, mit welcher peinlichen Sorgfalt die Eisenbrücken alljährlich auf ihre Betriebssicherheit untersucht werden. Nicht so in England. Dort scheinr eine regelmäßige Untersuchung der Bahnanlagen auf ihre Betriehssicherheit überhaupt nicht stattzufinden. Um so größeres Aufsehen erregt ein Bericht des Ingenieurs Sir John Fowler an die Direktoren der Brightoner Eisenbahngesellschaft über den Zustand der eisernen Brücken auf jener Bahnlinie, weil der genannte Sachverständige festgestellt hat, daß die Hälfte von den 171 Brücken der Brighton Eisenbahn condemnirt werden muß. Darunter sind 20 Brücken und der lange Shoreham=Viadukt, welche sofort von Grund aus umgebaut werden müssen. Jedenfalls sei im Interesse der Betriebssicherheit der vollige Neubau aller beanstandeten Brücken innnerhalb der nächsten 3 Jahre unumgänglich. Wenn man bedenkt, daß die Londoner Brighton=Eisenbahnen zu den bestgebauten und v.rwalteten Bahnen Englands gehört, so gestatten die Untersuchungen Sir John Fowlers einen Rückschluß auf die Zustände bei anderen Bahnlinien. Sie stammen insgesammt noch aus den Zeiten, wo von dem enorm gestiegenen Verkehr, von den schweren Riesenlokomotiven und Waggons der Gegenwart noch keine Rede war. Dieser Rückschluß ist ganz danach angethan, das in England reisende Publikum auf das ernstlichste zu beunruhigen. Denn es verlautet noch nichts davon, daß auch andere Eisenbahngesellschaften ähnliche Untersuchungen veranlaßt hätten. Die Sache greift zu tief in die Interessen des Gemeinwohls ein, als daß das Publikum sich bei der Bethätigung des manchesterlichen Prinzips des Gehen= und Geschehenlassens beruhigen könnte, es dringt auf Klarstellung des Sachverhalts, und dürfte muthmaßlich noch das Parlament sich mit der Frage der Solidität des englischen Eisenbahnwesens zu befassen Noben." Berlin, 9. Juli. Wie ein Telegramm aus Christiania meldet, wird der Aufenthalt des deutschen Kaisers in Norwegen sich in diesem Sommer auf 5 Wochen erstrecken. Nach den vorläufigen Bestimmungen wird der Monarch nach einem eintägigen Aufenthalte in Bergen die Fahrt nach Nordland antreten, wobei verschiedene Fjorde(jedoch nicht der Sognafjord) angelaufen werden sollen. Sodann soll nach der Rückkehr nach Bergen noch ein Besuch des Hardangerfjord, nebst einer Spazierfahrt über Folgefonden, statttfinden. — Eine Kaiserreise nach Amcrika? Ueber einen Zwischenfall bei Gelegenheit der Helgoländerreise des Kaiserpaares wird Folgendes bekannt: Das Kaiserpaar stand zusammen im Gespräch, als plötzlich die Kaiserin an ihren Gemahl die Frage richtete:„Nicht wahr, Wilhelm, wenn wir nach Amerika gehen, fahren wir doch mit dem„Fürsten Bismarck" und Kapitän Albers?:“ Der Kaiser soll lächelnd mit der Frage geantwortet haben: „Meinst Du, Viktoria, daß wir noch einmal dort hinreisen werden?" — Zur Arbeiter=Alters=Versicherung. Bei der behördlichen Kontrolle der Quittungskarten hat sich vielfach herausgestellt, daß die Einklebung der Marken, die doch bei jeder Lohnzahlung stattfinden soll, äußerst nachlässig erfolgt ist. Die Revisionen sollen nun in umfangreicheren Maße vorgenommen werden. Bekanntlich zieht pünktliche Einkleben der Marken Strafe nach sich. — Von dem Generalfeldmarschall Grafen von Moltke ist noch unmittelbar vor seinem Tode ein wichtiges Gutachten über die Befestigung der Insel Helgoland erstattet worden. Auf Gruno dieses Gutachtens sind die Pläne für die vorzunehmenden Arbeiten so wesentlich eingeschränkt worden, daß deren Kosten nunmehr auf nicht ganz den dritten Theil der ursprünglich veranschlagten Summe sich stellen. Voraussichtlich wird ein Betrag von ungefähr 6 Millionen Mark zur Ausführung der Bauten ausreichen. — Das Erscheinen bei Paraden vor dem Kaiser wird wie der preußische Minister des Innern in einem an die Oberpräsidenten gerichtetem Schreiben ausspricht, in Zukunft nur denjenigen Kriegervereinen gestattet, welche die Pflege patriotischer Gesinnung satzungsgemäß sich zur Aufgabe gestellt haben und auch nach ihrer Zusammensetzung und Haltung dieser Aufgabe gerecht werden. Gesuche der Kriegervereine um Zulassung zu Paraden sind bei den Regierungspräsidenten einzureichen, von diesen mit gutachtlicher Aeußerung zu versehen und an das Generalkommando weiter zu geben, welches über die Zulassung zur Parade zu bestimmen hat. — Der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen ist nunmehr auch zum Chef des Reichsamtes für die Verwaltung der Reichseisenbahnen ernannt worden. — Zur Durchführung der Neuorganisation der preußischen Fabrikinspektion sind die bisherigen Gewerberäthe von Berlin, Breslau, Dortmund, Frankfurt a. O., Wiesbaden, Köln, Düsseldorf, Hannover, Königsberg i. Pr., Stetin, Merseburg. Minden, Oppeln, Schleswig, Posen und Magdeburg zu Regierungs= und Gewerberäthen ernannt worden und sind ihnen die Stellen von gewerbetechnischen Räthen bei den entsprechenden königlichen Regierungen verliehen worden. Außerdem sind 17 Gewerbeinspektoren ernannt worden. — Nach Meldungen aus Sansibar ist Tippu Tipp auf Einladung des deutschen Gouverneurs nach Dar=esSalaam gegangen. Es scheinen also mit ihm bestimmte Vereinbarungen von deutscher Seite aus getroffen zu sein. — Nach amtlicher Uebersicht ist die Maul= und Klauenseuche Ende des Monats Juni in Preußen durch 54 Kreise in 108 Gemeinde= 2c. Bezirken verbreitet. Gegenüber dem Monat Mai, in welchem in 84 Kreisen 140 Gemeinde= 2c. Bezirke verseucht waren, hat demnach die Maul= und Klauenseuche erheblich an Ausbreitung abgenommen. Seuchenfrei waren am Schlusse des Monats Mai außer der Stadt Berlin die Regierungsbezirke Königsberg, Gumbinnen, Danzig, Köslin, Stralsund, Oppeln, Schleswig, Hannover, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Aurich, Köln und Aachen. Erneut von der Seuche wurden betroffen die Regierungsbezirke Liegnitz, Minden und Düsseldorf. — Wie die„Köln. Ztg.“ behauptet, richtet sich die Untersuchung wegen Stempelfälschung nicht gegen den Vorstand, sondern gegen einen Beamten des Bochumer Vereins. — In der Gewehrfabrik zu Spandau dauern, dem „Anz. f. d. H. zufolge, die Kündigungen der Arbeiter fortgesetzt an. Der gesammte Bestand soll auf etwa 400 Mann beschränkt werden. Dieselben werden vorläufig nur noch sieben Stunden täglich beschäftigt. In den anderen Militärwerkstätten bleibt der Betrieb in absehbarer Zeit auf derselben Höhe. — Der Kaiser hat, wie bereits gemeldet, beschlossendaß die auf dem Militär=Kirchhofe zu Kassel bestatteten Gebeine des ehemals preußischen Oberst=Lieutenants Wilhelm Diedrich von Wakenitz, des Siegers von Zorndorf. nach Potsdam— der Ganison des Regiments der Garde du Corps, mit denen Wakenitz an jenem heißen Tage unsterblichen Ruhm erwarb— gebracht und dort auf's neue beigesetzt werden sollen. Als in der Schlacht von Zorndorf die Entscheidung von einer neuen Attacke unter Seydlitz abhing, die preußische Kavallerie völlig erschöpft war und der große Reiterführer, mit besorgter Miene auf die zum Tode ermüdeten Kavallerie=Regimenter blickend, sich an die ihn umstehenden Regiments=Kommandeure und zunächst an den Kommandeur der drei Schwadronen Garde du Corps, Rirtmeister von Wakenitz, mit der Frage wendete, ob sie die Schlacht für verloren hielten, oder noch einmal attackiren wollten, gab dieser zur Antwort: Ich will nicht, daß eine Bataille verloren sei, bevor die Garde du Corps attackirte; ich attackire.“ Das Resultat war einer der glorreichsten Siege, die unter den Augen des Großen Königs erfochten wurden. Seydlitz selber sagte dem König, daß die Garde du Corps unter Wakenitz Wunder gethan habe. Wakenitz wurde in Folge dessen zum Oberstlieutenant befördert und zeigte später bei dem Ueberfall von Hochkirch dieselbe Bravour, indem er die Schwadronen funf Mal zum Angriff gegen die Oesterreicher vorführte, wenn auch ohne Erfolg. Später wurde von Wakenitz zum Kömmandeur des Regiments Prinz Friedrich ernannt, faßte diese Versetzurg aber als eine Ungnade und Zurücksetzung auf, meldete sich krank und ging nach Berlin, bei dessen Vertheidigung gegen Russen und Oesterreicher er in russische Gefangenschaft gerieth. Er wurde ausgewechselt und erhielt 1762 seinen Abschied. Nach dem Friedensschlusse trat er in die Dienste des Landgrafen von Hessen=Kassel, wurde Staatsminister und starb im Jahre 1805 in Kassel und wurde auf dem dortigen Militär=Friedhofe bestattet. Dieser Kirchhof ist als Begräbnißstätte schon seit langen Jahren durch einen anderen Militär=Friedhof abgelöst worden. Jüngst nun erstand eine Aktien=Baugesellschaft das alte Kirchhofsgelände, wobei die Gebeine auf dem neuen Friedhofe beigesetzt wurden. Der General=Lieutenant und General à la suite Graf von Schlieffen Kommandant von Berlin, erfuhr von ihm befreundeter Seite aus Kassel von der Neubestattung des tapferen Wakenitz und setzte den jetzigen Kommandeur des Regiments der Garde du Corps Oberst von Bissina, in Kenntniß. Dieser meldete den Vorgang dem Kaiser. Bald darauf erhielt der Oberpräsident der Provinz Hessen Kassel den telegraphischen Befehl, die Gebeine des Wakenitz herausnehmen und aufbewahren zu lassen, da der Kaiser dieselben nach Potsdam bringen lassen wollte. Im Beisein des Prinzer Friedrich v. SaynWittgenstein,(welcher den Grafen Schlieffen benachrichtigt hatte) und des Militär=Obervfarrers Oesterroth erfolgte die erneute Ausgrabung. Dabei wurden die Gebeine noch vollständig gefunden. Wahrscheinlich wird am Tage von Zorndorf die Beisetzung in Potsdam stattfinden. — Die Gemahlin des italienischen Botschafters am deutschen Hofe Grafen de Launay, ist nach längerem Krankenlager Donnerstag Nachmittag in Berlin gestorben. — In der diesjährigen General=Versammlung des Deutschen Apotheker=Vereins, welche am 15. und 16. September in Magdeburg stattfindet, wird auch ein Antrag auf Beförderung der Einführung einer für das gesammte Deutsche Reich gültigen Arzneitaxe zur Erörterung kommen. In dieser Arzneitaxe soll gemäß dem Antrage eine Erhöhung der Preise der pharmaceutischen Arbeiten in der Weise stattfinden, daß nach Fortlassung der Preise für Wägungen, Pauschalsummen für die einzelnen Anfertigungen ausgeworsen werden, welche mit 25 Pfenng beginnen und entsprechend steigen, unter Berücksichtigung des Dezimalsystems; es soll für alle Arzneimittel, welche der Tabula C. angehören, ein Minalpreis von 5 Pfennig, für die Mittel der Tabula B. von 10 Pfennig angesetzt werden; es soll ferner ein Preisaufschlag auf alle in der Nacht von 11 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens anzufertigenden Rezepte zugebilligt werden; es soll weiter eine Preisermäßigung fur Gefätze(Gläser und Kruken 2c.) unter Berücksichtigung des Dezimalsystems stattfinden und es soll schließlich eine Preisermäßigung stattfinden für alle die Mittel, welche dem freien Verkehr überlassen sind und in größeren Mengen verordnet wrcden. Schweiz. — Der Schweizer Bundesrath ist auf den 27. Juli becufen worden. Frankreich. Paris, 9. Juli. Eine dem hiesigen Vertreter der chilenischen Kongreßpartei aus Iquique zugegangene Depesche meldet: Die Truppen Balmacedas, die von Coquimbo nach dem Thale von Huasco vorrückten, wurden nach einem entschiedenen Sieg der Kongreßtruppen bis zwölf englische Meilen sudlich von der Stadt Vallenar zurückgeschlagen. — Ministerpräsident Freycinet bereist die französischen Befestigungen an der deutschen Grenze und ist von der Bevölkerung daselbst mit grozem Enthusiasmus empfangen. — Frau Vacarescu, die Mutter der jetzt so viel genannten Hofdame der Königin von Rumänien, hat sich in Paris interviewen lassen. Sie versichert, Prinz Ferdinand denke nicht daran, auf ihre Tochter zu verzichten. Eine Stunde vor seiner Abreise habe er sich feierlich mit ihr verlobt. Toulon, 9. Juli. Heute begannen im Mittelmeer die Kriegsoperationen der Seearmee. Charleroi, 9. Juli. Der Arbeiterstreik ist nunmehr beendigt. Die Wiederaufnahme der Arbeit wurde gestern von dem Rathe der„Ritter der Arbeit" beschlossen. Heute haben 4500 Arbeiter die Arbeit aufgenommen; die übrigen Arbeiter werden morgen dasselbe thun. Der Ausstand dauerte 70 Tage. Luremburg. Ein Befehl des Großherzogs von Luxemburg untersagt der luxemburgischen Militärmusik, fortan bei amtlichen Anlässen oder öffentlichen Vergnügungen die bisherige luxemburgische Nationalhymne„Feierwou" mit dem bekannten Refrain„Wir wollen keine Preußen sein" zu spielen. Eagland. London, 9. Juli. Der deutsche Kaiser und die Kaierin haben am Mittwoch Abend aus Schloß Windsor hren feierlichen Einzug, in London unter Eskorte der inglischen Garde, gehalten und sind in den überaus festich geschmückten Straßen mit nicht endenwollenden stürnischen Hochrufen begrüßt worden. Die Majestäten sind m Buckinghampalaste abgestiegen. Nach eingenommener kafel begaben sie sich in das Koventgardentheater, wo ie von einem glänzenden Publikum mit enthusiastischen Ovationen begrußt worden. Das ganze Haus war mit Blumengewinden und Bouquets geschmückt, das Orchester piclte die deutsche Nationalhymne. Immer wieder mußen sich der Kaiser und die Kaiserin dankend verneigen. Die Demonstrationen wiederholten sich beim Verlassen des Theaters, vor welchem eine nach Tausenden zählende Volksmenge Posto gefaßt hatte. Am Donnerstag Vornittag wohnten die Kaiserlichen Majestäten einer Gartenestlichkeit im Marlborough=House bei und entsprachen einer Einladung des Marquis von Londonderry zur Tafel. Am Nachmittag empfing der Kaiser das gesammte diplonatische Corps von London und wechselte mit jedem der Herren freundliche Worte. Besondere Ansprachen wuren dabei nicht gehalten. Ferner empfing der Kaiser eine deputation der deutschen Reserveoffiziere in London, soRose. 34 Roman von J. von Werth. — Nachdruck verboten. Die Nacht verging jedoch ungestört. Als Rose am nächsten Morgen, früher als sonst, in das Speisezimmer trat, sah sie, wie der Diener soeben Herrn Löbens Schlafgemach verließ. Sie rief ihn an und befragte ihn über das Befinden des Konsuls. Alessandro zuckte die Achseln und sagte, der Padrone habe ihm soeben den Auftrag gegeben, den Vorsteher seines Bureaus zu benachrichtigen, daß er heut nicht erscheinen könne.„Und dann soll ich die Signorina bitten, wenn die kleinen Signorine Carla und Lina aufgestanden sind, sie zu dem sior padron zu schicken.“ Rose nickte und fragte:„Hat Herr Löben gewünscht, daß nach dem Arzt geschickt werde?“ Der Diener verneinte. „So mögen Sie bei Signor Catutti versprechen und ihn bitten, im Laufe des Tages herzukommen.“ Es war bereits gegen Abend, als der Arzt endlich kam. Das Fieber bei dem Kranken begann zu steigen. Doktor Catutti beobachtete und untersuchte seinen Zustand genau und sagte endlich mit bedenklicher Miene, daß sich hier ein typhöses Nerverfieber zu entwickeln scheine. Er fragte, ob der Kranke in letzter Zeit heftige Gemüthsbewegungen gehabt oder sich einer zu anstrengenden Thätigkeit hingegeben habe. Nachdem er ein Rezept verschrieben und verschiedene Anordnungen getroffen, versprach er, am nächsten Morgen in aller Frühe wieder zu kommen. Für die Nacht wollte er einen Krankenwärter schicken, da es nöthig sei, daß stets Jemand in der Nähe des Kranken bleibe. Bald, nachdem der Arzt sich entfernt hatte, war Johannes in einen tiefen Schlaf gefallen. Es mochte nabe an Mitternacht sein, als Rose noch einmal, ehe sie sich zur Ruhe begab, an das Krankenbett trat und den ungleichmäßigen, kurzen Athemzügen lauschte. Dann wandte sie sich an den Pfleger, ihm leise die größte Sorgsamkeit anempfehlend, als der Kranke plötzlich erwachte. Er richtete sich im Bett auf, die glänzenden Augen weit geöffnet, die fieberheißen Hände gegen die brennende Stirn gepreßt. und starrte zu dem fremden Manne hin, mit so entsetzlichem Ausdruck, als sähe er ein wie eine Abordnung der Industriellen und äußerte seine Freude über deren befriedigende Erklärungen. Der Monarch äußerte dabei wiederholt, daß er auf eine enge Freundschaft des Deutschen Reiches mit England das größre Gewicht lege. Am Abend wohnten alle fürstlichen Herrschaften Hullivan's Oratorium„Die goldene Legende" in der Albert=Halle bei. Die Begrüßung war überall die herzlichste. Die Londoner Blätter schreiben, daß ein solcher Enthusiasmus in der Themsestadt beim Besuch eines fremden Herrschers noch nie gesehen ist. Die ganze Bevölkerung der Riesenstadt ist auf den Beinen. Freitag findet der Kaiserliche Besuch in der Guildhall zu London statt, für welchen großartige Vorbereitungen getroffen worden sind. Die Vorstellung der Botschafter der Mächte vor dem Kaiser erfolgte durch den russischen Botschafter Staal. Der französische Botschafter Waldington, dem eigentlich diese Aufgabe zugefallen wäre, war auf Urlaub in Paris. Mehreren Mitglieder der deutschen Kolonie in London verlieh der Kaiser Orden. * London, 9. Juli. Der Kaiser unternahm heute früh einen längeren Spazierritt in Rotten row und kehrte um 9 Uhr in den Buckingham=Palast zurück. Nach dem Frühstück, während dessen die Musikkapelle der Coldstream= Garde spielte, empfingen die kaiserlichen Majestäten eine Abordnung der deutschen Kolonie Londons, welche eine Huldigungsadresse überreichte. Der Kaiser dankte für die in den Deutschen Londons lebenden Empfindungen der Anhänglichkeit, die in der Adresse ihren Ausdruck gefunden hätten. Nach dem Empfang der deutschen Abordnung gewährte der Kaiser einer Deputation der Antisklavereigesellschaft eine Audienz. Die Deputation überreichte eine Adresse, in welcher der Kaiser um Unterstützung der Bestrebungen zur Unterdrückung des Sklavenhandels in Afrika gebeten wird. Se. Majestät wies in der Anwort auf die inhumane Handlungsweise der arabischen Sklavenhändler und die Leiden ihrer Opfer hin und zeigte das lebhafteste Interesse an dieser Frage. Später fand der Empfang einer Deputation der Korporation der Fischhändler statt, welche eine prachtvoll ausgestattete Bewillkommnungs=Adresse überreichte. Die Adresse helt hervor, daß die Korporation die Ehre gehabt habe, neben anderen fürstlichen Persönlichkeiten auch weiland Kaiser Friedrich zu ihren Mitgliedern zu zählen, und heißt den Kaiser herzlichst in England willkommen. Die Adresse weist ferner auf die Bande hin, welche England mit dem geneigten Deutschen Reiche verknüpfe und bittet den Kaiser, den Ausdruck der Ehrerbietung entgegennehmen zu wollen. Am Schlusse fleht die Adresse den göttlichen Segen auf das große Deutsche Reich herab. Der Kaiser dankte und sprach seine Bewunderung über die kunstvolle Ausführung der Adresse aus. London, 8. Juli. In der heutigen Versammlung der Gesellschaft Baring Brothers theitte Francois Baring, welcher den Vorsitz führte, mit, die Gesellschaft habe, Dank der Unterstützung der Hauptaktionäre, welche das erforderliche Kapital zeichneten, fast vollständig den von der früheren Firma besessenen Credit bewahrt, die Klientel in den Vereinigten Staaten von Nordamerika habe fast ohne Ausnahme ihre geschäftlichen Beziehungen aufrecht erhalten, ebense hätten die bedeutendsten fremden Staaten, welche mit der alten Firma in Verbindung gestanden, ihre Contis belussen. Der Stand der Activen wie der Passiven beweise, daß die Geschäfte einen guten Fortgang genommen und daß der Muth und das Vertrauen der artionare eine ebenso befriedigende wie für die Zukunft heffnungsreiche Erhaltung der Klientel herbeigeführt habe. London, 9. Juli. Das Oberhaus nahm die Unterrichtsbill in erster Lesung an. —„Times" und„Standard“ erklären, daß Parnell bei der Wahl in Carlow nicht durch die Antiparnelliten, sondern durch den katholischen Clerus geschlagen worden sei, dessen politische Herrschaft durch die Liberalen Englands nicht gebilligt werden könne. Die Antiparnelliten rechnen darauf, daß ihre Rivalen nur drei Sitze bei den nächsten allgemeinen Wahlen erhalten werden.„Daily News“ meint, Parnell, in Zukunft ohnmächtig, dürfte sich wohl oder übel vom Schauplatze der Politik zurückziehen. — Nach einer bei Lloyds eingegangenen Depesche aus Montevideo vom 8. d. ist der deutsche Dampfer„Cleopatra“ aus Hamburg in der Magellans=Straße auf einen unter Wasser liegenden Felsen gestoßen und mußt: gestrandet werden, um das Untergehen zu verhindern. Bald darauf begann das Schiff auseinangerzubrechen und geht wahrscheinlich gänzlich verloren. Die Mannschaft und die Passagiere sind gerettet. — Aus Warschau wird gemeldet: Zwischen den Stationen Lokolka und Grodno wurde in dem von Warschau nach Petersburg gehenden Blitzzuge der 25jährige Graf Michael Plater, Großindustrieller und Rittergutsbesitzer, ermordet und beraubt. Die Raubmörder sind entkommen. Gschichch Gochradt uih dadse zui demn dunt und de küble Hand ängstlich forschend auf die seinen legte, da wurde sie festgehalten und Johannes bat mit halblauter, grauenerfüllter Stimme:„Schicke ihn fort, bitte, schicke ihn fort! Er will mich auch in das Irrenhaus bringen zu den Tobsichtigen.—— Ah, da kommen sie,“ schrie er dann auf,„wie ihre Augen glühen und ihre Hände brennen! Sie wollen mich mitnehmen!— Und Arianna lacht, hahaha! Nun bringt sie mir die Zwangsjacke. Aber leide es nicht; hilf Du mir— Rose!“— Er sank bewußtlos in die Kissen zurück. In quälender, namenloser Angst bemühte sich Rose um den Kranken. Sie erneute die Eisumschläge, flößte ihm einen Löffel Medizin ein und winkte dem Wärter, sich in das Nebenzimmer zurückzuziehen. So verbrachte sie eine Nacht voll unsäglicher Angst. Als am nächsten Morgen der Arzt kam, sah sie bleich und ermattet aus. Sie erstattete ihm genauen Bericht über den Verlauf der Nacht und er stimmte ihr bei, daß der Krankenwärter das Haus wieder verlassen müsse, wenn schon sein Anblick ben Patienten in so große Aufregung versetzte.„Aber Sie, Signorina, werden allein eine so anstrengende Pflege nicht aushalten können. Sie sehen heute bereits bleich und abgespannt aus.“ „Das hat nichts zu sagen,“ entgegnete sie lächelnd. „Ein Gang durch den Garten wird mich wieder erfrischen. Auch habe ich soviel hilfreiche Wesen zur Seite. als ich irgend wünschen kann. Daß jede Ihrer Anordnungen aber streng und pünktlich befolgt wird, dafür bürge ich Ihnen, Signor dottore.“ Nun kamen lange, traurige Tage und qualvolle Nächte. Rose genoß nur in den Mittagsstunden eines kurzen Schlafes, um niemals zu fehlen, wo man ihrer bedurfte. Die beiden kleinen Mädchen waren jetzt fast gänzlich der Sorge ihrer Bonne anvertraut. Dennoch überwachte Rose genau, ob ihre Tageseintheilung streng inne gehalten wurde und sie stets zeitensprechend beschäftigt waren. Die zahlreichen Besucher wurden sämmtlich vom Vortier abgewiesen, der über das Befinden des Konsuls Auskunft ertheilte und denen, die einen Beweis ihrer Theilnahme hinterlassen wollten, eine Liste vorlegte. Der Tag neigte sich seinem Ende zu. Tiefe, fast — Der größte Theil der russischen Stadt Jekaterinoslaw wurde durch einen Wolkenbruch zerstört. 150 Häuser und 4 Brücken sind völlig weggeschwemmt, an 70 Menschen sind umgekommen. Griechenland. * Die griechische Regierung fordert von der Kammer in Athen die Vermehrung ihrer Kriegsflotte um acht Schiffe. Die Kosten sollen durch eine Anleihe gedeckt werden. Türkei. * Constantinopel, 9. Juli. Der„Agence de Constantinople" zufolge wird die Meldung der„Times" wonach mehrere Eparchien Kretas in einer dem britischen Consul in Canea überreichten Petition erklärt haben sollten, daß die Türkei unfähig sei, die Ordnung zu erhalten, daß die Christen genöthigt würden, zu den Waffen zu greifen, daß von türkischen Soldaten schwere Ausschreitungen gegen die Christen begangen würden, und daß dafür keinerlei Genugthuung zu erlangen sei, von Seiten der Pforte als vollkommen unbebrüddet bezeignet. Egyrten. Alexaudrien, 9. Juli.(Hirsch T. B.) In Aleppo wurden offiziell drei Cholerafälle konstatirt, davon zwei tödtliche. Aus Antiochien wird ein Fall mit sofortigem Tod gemeldet. In Calkutta nimmt die Cholera stetig zu. In der ersten Woche des Juli kamen 78 Todesfälle vor. Amerika. * Ein Augenzeuge der letzten Hinrichtung durch Elektrizität in New=York berichtet über dieselbe: Die mit schwarzen Röcken, dunkeln Beinkleidern und weißen Hemden bekleideten 4 Verurtheilten wurden unter Aufsicht Dr. Macdonals gebunden und an ihrem Kopfe und rechten Beine je eine Elektrode befestigt. Als die Vorbereitungen beendet waren, nahmen die Gehilfen eine Kanne Salzwasser und einen feuchien Schwamm zur Hand. Auf das Zeichen der Doktoren, daß Alles in Ordnung sei, ging die Prozedur vor sich. Sofort spannten sich die Körper der Hingerichteten gegen die Fesseln, jede Muskel zuckte, als ob der Delinquent eine furchtbare Anstrengung mache, zu entkommen. Die Ränder der Bande drangen tief in das Fleisch ein und die Haut wurde purpurroth. Der Eindruck dieser Szene auf die Zuschauer war ein geradezu schauerlicher. Nach Verlauf von 20 Sekunden war die krampfhafte Muskelbewegung beendet, der Körper erschlaffte. Einen Augenblick schien es, als ob Slocum, wie seiner Zei: Kämmeler, wieder zum Leben erwachen würde. Kaum eine Minute nach dem ersten elektrischen Schlage kam zwischen die Lippen und durch die zusammengepreßten Zähne des Hingerichteten ein rauschender Ton hervor, ein aus der Lunge kommendes Pfeifen wie ein leiser Seufzer: Sofort schloß Dr. Macdonald zum zweiten Mal den Strom und bei dem zweiten Schlage begannen Fleisch. Beine und Kopf zu rauchen, die Muskeln hörten auf zu arbeiten, und der Körper brach derart in sich zusammen, daß er zu Boden gefallen wäre, wenn er nicht von den Banden gehalten worden wäre. — Die nordmerikanischen Landwirthe gehen gegen die Spekulanten vor. Der Exekutiv=Ausschuß des Farmerbundes hat an seine Mitglieder ein Rundschreiben versandt, welches die Forderung enthält, daß der Terminhandel in Getreide verboten werde. Das Schreiben führt aus, der Spekulant sei der größte Feind des Farmers. Denn da der Spekulant auf Lieferung nach einigen Monaten verkaufe, zwinge er den Waarenbedürftigen, sich einen Vorratb anzulegen, so daß der Farmer, wenn er sein Korn auf den Markt bringe, bereits die Mehrzahl seiner Kunden durch den Spekulanten versorgt finde, welcher bereits die Lieferung übernommen habe. So bleibe dem Farmer keine andere Wahl, als mit großem Verlust an die Elevatoren zu verkaufen. Cincinnati, 8. Juli. Die Waarenhäuser der Pelzhändlerfirma Burkhardt und Comp. und der Confektionsfirma Geilshofer und Comp. sind total niedergebrannt. Der Schaden wird auf eine Million Dollars geschätzt. # Militärische Erinnerungen. Der Gedenktag der vor 25 Jahren am 3. d. Mts. geschlagenen blutigen Entscheidungsschlacht bei Königgrätz ist von Oesterreichern, Sachsen und Preußen in ernster, würdiger Weise gefeiert worden, es ist auch der Gefechte bei Langensalza, Dermbach und Hünefeld gedacht worden; heute vor einem Viertel Jahrhundert fand das Treffen bei Kissingen statt, dem am 13. das Gefecht bei Fronhofen, am 14. die Erstürmung von Aschaffenburg und am 16. die Einnahme von Frankfurt folgten.„. zer westenliches An diesen ruhmreichen Tagen hat unser westfalisches Armee=Corps seinen großen Antheil gehabt, fast jedes ununheimliche Stille herrschte in dem Hause. Die Diener= schaft schlich auf den Zehen umher und warf einander betrübte Blicke zu. Während dessen trat Rose mit Doktor Catutti aus dem Krankenzimmer. Ihre Augen hingen ängstlich forschend an seinem Gesicht, das in gar so bedenkliche Falten gelegt war. Er hatte gehofft, daß am siebenten Tage die Krisis eintreten würde. Der war jedoch vorbei gegangen, ohne eine Veränderung in dem Zustand des Kranken hervor zu bringen. Der achte Tag verschlimmerte ihn und heut am neunten hatte das Fieber den Höhepunkt erreicht. „In dieser Nacht noch muß die Krisis eintreten,“ sagte der Doktor, während er ein neues Rezept verschrieb.„Welche Wendung die Krankheit nehmen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Sorgen Sie, daß die Arznei dem Kranken pünktlich alle halbe Stunden eingeflößt wird. Um Mittemacht will ich noch einmal kommen, nach ihm zu sehen. Vergessen Sie auch nicht die Eisumschläge rechtzeitig zu erneuern.“ Damit ging der Arzt und Rose kehrte in das Krankenzimmer zurück. Johannes lag dort vom Fieber geschüttelt; bald von den entsetzlichsten Phantasien gepeinigt, bald wieder in todtähnlicher Ermattung. Bisher in den ärgsten Fieberanfällen, wenn er Niemand mehr erkennen konnte, und Rose trat an sein Lager und legte ihre weiche, kühle Hand auf seine Stirn, dann war es, als würde er rudiger. Er versuchte, ihr zuzulächeln, und flüsterte auch wohl einmal ihren Namen. Es war, als besiege ihre Nähe die Macht des Fiebers auf einen Augenblick. Heut aber wollte selbst das nicht helfen. Er hatte mehrere Male entsetzt zu ihr aufgeblickt und ihre Hand zurückgestoßen, ols sie ihm die Arznei einflößen wollte. Je tiefer der Abend herabsank, desto mehr steigerte sich die Fieberhitze. Rose saß mit angsterfüllten Blicken und gequältem Herzen an dem Krankenbett, jeden Laut, jede Bewegung beobachtend. Bisweilen bewegten sich ihre blassen Lippen; es war wie zu einem unterdrückten Anotschrei.... Ju, gustemrct und Endlich, endlich zeigte die Uhr Mitternucht und bald darauf hörte Rose den Doktor im Nebenzimmer, wo Clemento eines Befehles harrend wachte. Sie rührte sich nicht von ihrem Platz und begrüßte den Arzt nur mit serer Regimenter kann ein Gefecht nennen, in welchem es hauptsächlich den Erfolg errang und seine Fahnen mit unvergänglichem Lorbeer bedeckte. Bekanntlich gehörte die 14. Division zur Elb=Armee unter General Herwarth v. Bittenfeld. Den 57ern und 17ern gebührt ein großer Theil des Ruhmes von Nechanitz, wo sie die Oesterreicher zurücktkieben und dabei bis an die Brust die angeschwollenen Ströme durchwateten. Bei Königgrätz bildete die ElbArmee den äußersten rechten Flügel der preußischen Aufstellung und hier waren es das 16. und 56. Regiment, welche es mit den tapferen Sachsen zu thun hatten. In erster Linie ging das Füsilier=Bataillon 56er auf Problus zu, welches auf einer Anhöhe lag und dessen Lisièren von den sächsischen Scharfschützen in gedeckter Stellung besetzt waren, während rechts und links von dem Dorf ausgefahrene Batterien mit mörderischem Kartätschenhagel die Angreifer überschütteten. Trotz ganz bedeutender Verluste drangen die braven 56er in Problus ein und wiesen durch wohlgezieltes Schnellfeuer die Versuche der Oesterreicher, das Dorf wieder zu nehmen, zurück. Die 13te Division(Goeben) stand bei Minden und rückte von dort in Hannover ein. Nachdem der General von Flies von Erfurt aus mit nur 9000 Mann, darunter die noch mit Minié=Gewehren bewaffnete Berliner Landwehr, gegen die Absicht der Heeresleitung am 27. Juni die Hannoveraner bei Langensalza angegriffen hatte und von diesen geschlagen war, mußten dieselben am folgenden Tage capituliren, da sie von den Divisionen Goeben, Beyer und Manteuffel umstellt waren. Diese drei Divisionen conzentrirte der geniale General Vogel von Falkenstein am 1. Juli bei Eisenach und schritt unverzüglich dazu, die ihm an Zahl vierfach überlegenen Feinde anzugreifen. Er hatte sich gegenüber die ganze bayerische Armee, eine österreichische Division und das 8. BundesArmee=Corps, bestehend aus Württembergern, Hessen, Badensern, Nassauern u. s. w. In musterhafter und unübertroffener Weise entledigte sich Falkenstein seines schwierigen Auftrages. Er schob sich zloischen die Bayern und die Bundestruppen, so deren Vereinigung hindernd. Am 4. Juli griff er die Bayern bei Dermbach an, wo das 2. Bataillon 13er unter schweren Verlust den Neboberg erstürmte, und ebenso bei Hünfeld, brach aber beide Gefechte plötzlich ab und wandte sich gegen die Bundestruppen. Ganz unerwartet erschien er am 10. Juli bei Kissingen und Hammelburg, wo er den Bayern eine empfindliche Niederlage beibrachte und wo die Ehre des Tages dem 15en und 5ben Regimente gebührte. Am 13. Juli schlug die Main=Armee die großherzoglich hessische Division bei Fronhofen und überraschte am 14. Juli die österreichische Division Neippberg bei Aschaffenberg. Hier kamen die 53er, deren Garnison Mainz gewesen war, mit den ihnen von dort her befreundeten Oesterreichern in ein blutiges Treffen, während das 1. Bataillon 13er die Fasanerie mit dem Bayonett nahm und wo ein so erbitterter Kampf Mann gegen Mann mit dem Regiment Wenkhard(Italiener) stottfand, daß fast kein Pardon gegeben wurde. Interessant ist eine Episode aus diesem Gefecht. Nach dem Rückzuge der Oesterreicher standen längs des Eisenbahndammes an der einzigen Brücke 2 Bataillone preußischer Infanterie. Da nähert sich eine Schwadron blauer Husaren und zieht im Schritt, ihren Führer vorn an der Spitze, an diesen vorbei. Es waren Kurhessen, die abgeschnitten waren deren Rittmeister aber auf die große Aehnlichkeit der Uniform mit der des Paderborner 8. Husaren=Regiments vertrauend Kaltblütigkeit genug hatte. im Schritt und den Säbel in der Scheide mitten durch den Feind zu reiten. Erst als jenseits der Brücke die Husaren plötzlich ventre-à-terre davon jagten, merkte man unsererseits die Täuschung.— Am 16. Juli zog die Main=Armee in Frankfurt ein, an ihrer Spitze die 4. Kürassiere. Was kaum für möglich gehalten werden konnte, hatte Vogel von Falkenstein geleistet, einen vierfach stärkeren Feind von Schlag zu Schlag besiegt und ganz Deutschland nördlich des Mains zu Füßen des Königs von Preußen gelegt.— Frankfurt mußte eine bedeutende Kriegs=Kontrivution zahlen, was den dortigen Bürgermeister, der seinen„armen“ Mitbürgern eine solche Last nicht auflegen wollte, bekanntlich dazu veranlaßte, einen Selbstmordversuch zu begehen. Mitten aus seiner Sieges=Laufbahn wurde Falkenstein am 19. Juli aus unbekannten und auch bis jetzt noch unaufgeklärten Gründen— der ihn vergötternden Armee ganz unbegreiflich— abberufen und zum Gouverneur von Böhmen ernannt. Der weitere Fortgang des Feldzuges ist bekannt, ebenso daß die Generäle von Herwarth und Falkenstein zu Chefs westfälischer Regimenter(13 und 56) ernannt wurden, während die 53er schon 1864 den späteren Kaiser Friedrich III. als ganz besondere Anerkennung zum Chef erhalten hatten. Zu erwähnen aus dem Kriege 1866 ist endlich noch, daß damals auch das Fürstenthum Liechtenstein an Preußen den Krieg erklärt hatte, daß aber mit diesem Lande unseres Wissens ein besonderer Friede nicht abgeschlossen ist. Wir leben also mit mit diesem Staate leisem Kopfneigen. Er trat an das Bett und beobachtete lange Zeit den Kranken, der jetzt mit weit offenen Augen in den Kissen lag und bisweilen heftig gestikulirte und unzusammenhängende Worte ausstieß. Seine Augen waren starr auf den Arzt gerichtet, aber mit so leerem Blick, daß man wußte, er sah ihn nicht. Als Signor Catutti sich endlich umwandte, entgegnete er auf die angstvolle Frage, die er in Roses Augen las: „Wir müssen abwarten.“ Damit zog er einen Stuhl an das Lager und ließ sich darauf nieder. Rose hatte die Hände so fest in einander verschlungen, als brauche sie alle Kraft, sich standhaft aufrecht zu erhalten. Der Arzt hielt in der einen Hand die Uhr, die Finger der anderen hatte er an den Puls des Kranken gelegt. So saßen sie unendlich lange Minuten. Eine starre Ruhe hatte sich allmählich wieder des Kranken bemächtigt und nur die kurzen, ungleichmäßigen Athemzüge zeigten, daß noch Leben in ihm war. Endlich schlossen sich die starren Augen, die Athemzüge wurden langsam regelmäßiger und tiefer— er schlief. Doctor Catutti steckte die Uhr wieder ein und flüsterte Rose zu:„Hören Sie jetzt auf, die Arznei zu. reichen. Ich denke, der Schlaf wird einige Stunoen dauern. Morgen früh bin ich wieder hier. Ich denke sagen zu dürfen, sein Leben wird uns erhalten bleiben, nur fürchte ich—“ Er brach ab und wandte sich umDa legte sich eine kalte, zitternde Hand auf die seine und Rose fragte:„Was fürchten Sie?“ Er wich ihrem Blick aus und erwiderte in leisem, aber fast heftigem Tone:„Das Fieber hat sein Gehirn ungeheuer angegriffen. Es wäre möglich, daß sein Verstand gelitten hätte.“ Die Hand war von seinem Arm geglitten und Doctor Catutti verließ, ohne sich umzublicken, das Krankenzimmer. Rose war zurückgetaumelt bei seinen letzten Worten. Jetzt brach sie lautlos zusammen. Ihre stummen Lippen zitterten, ein leises Beben lief durch ihren Körper, während die schlanken Finger sich krampfhaft fest in einander verschlangen. In ihrem Herzen aber schrie es zu Gott empor:„Nur das nicht, nur das nicht! Dann lieber den Tod!“ Stunden auf Stunden vergingen, aber sie wußte es nicht. Sie lag noch immer auf den Knieen und ihre formell noch im Kriege, indessen braucht selbst ein ängstliches Gemüth darum noch nicht in Besorensß, zu, gerathen; denn das ganze Fürstenthum zählt##n Einwohner, die Hauptstadt Vaduz deren 1000. Westfalen und Rheinland. #e Witten, 10. Juli. Ein Militär=Concert) ausgeführt durch die Kapelle der bayerischen Jäger findet kommenden Mittwoch im Hotel Voß statt. 8 Witten, 10. Juli.(Der hiesige Stenographen=Vereln„Gabelsberger") nächsten Sonntag in Bochum stattfindenden Verbandsfest I Annen, 9. Juli.(Die Schulferzen der Volksschulen) sind wie folgt festgestellt. 3 Wochen, beginnend mit dem 27. Juli und 2 Wochen, beginnend mit dem 5. Oktober. a Annen, 9. Juli.(Konzert.) Zum Besten des Baufonds eines evangelischen Vereinshauses hierselbst veranstaltet der Evangelische Männer= uund. Sicpalinesyerein am Sonntag, den 12. Juli, im Saaie des Heren Gullen ein Konzert mit Gesang=, Musik=, Klavier etc.=Vorträgen, Ansprachen u. s. w. Mitnieder sind frei, Nichtmitglieder bezahlen nur 30 Pf. Ims Interesse der gnten Sache schließen wir uns der Bitte des Vorstandes um zahleiche=Aunen, 7. Juli.(Alters= und Inbalidenversicherung.) Folgende, in unserem Orte wohnhafte Mitglieder der Alters= und Invalidenversicherung beziehen laut„A. Z.“ die nachbenannten Renten: Fr. Schäfer, Bergarbeiter, 13.60 M. pro Monat. Karl Rafflenbeul, Former, 15,95 M. D. Eckhardt, Oberschichtmeister, 15.95 M. Ludwig Brinkmann, Knecht, 13.60 M. Johann Peter Vorbusch, Fabriknachtwächter, 11.25 M. Heinrich Scheiker, Hülfsarbeiter, 13.60 M. Mehrere andere liegen der Provinzialversicherungsanstalt in Münster zur Entscheidung vor. a Laugendreer, 9. Juli.(Geschäftsauflösung.) Vor nicht gar langer Zeit errichtete der ehemalige Bergmann Schröder aus Dortmund, bekannt als„Kaiserdelegirter", in Langendreer=Dorf ein Cigarren= und Hutgeschäft, dem seine Tochter Lassalline als Geschäftsführerin vorstand. Seit kurzem ist das Geschäft wieder eingegangen, es scheint ihm an Unterstützung der„Genossen" gefehlt 3u haven.. f. I. B#chumen Rersi * Bochum, 8. Juli.(Der Bochumer Verein) hat den wegen des Reservefonds geführten Prozeß heute beim Reichsgerichte gewonnen. * Bochum,8. Juli.(Strafverbüßung.) Wegen Beleidigung des Knappschafts=Vorstandes und der hiesigen Handelskammer wurden im vorigen Jahre der Redakteur Fusangel zu vier Wochen Gefängniß und der verantwortliche Redakteur Schwarze zu einer Woche Haft verurtheilt. Die gegen dieses Erkenntniß von Seiten der Angeklagten eingelegte Berufung wurde vor etwa 14 Tagen vom Reichsgericht verworfen. Das in Folge dessen rechtskräftig gewordene Urtheil gelangte am 6. Juli Abends in die Hände der Verurtheilten, und bereits heute Morgen erhielt gusangel eine Aufforderung der Königl. Staatsanwaltschaft, sich morgen Mittag in Duisburg zur Verbüßung seiner Strafe zu stellen. Hierzu schreibt die ultramontane deutsche Reichsztg.:„Wir glauben, daß diese Eile der Staatsanwaltschaft nach allem, was schon geschehen und nicht geschehen, einen merkwürdigen Eindruck im Publikum machen muß. Im Interesse des Bochumer Werkes läge es jedenfalls, daß die Untersuchung durch eine Inhaftirung Fusangels auch nur scheinbar nicht beeinträchtigt wird.“(Unserer Ansicht nuch ist die Strafe durch die eingelegte Revision bereits hinlänglich verzögert, einmal muß die Vollstreckung doch stattfinden. Auch spielt Fusangel nebst Anhang bereits Staatsanwaltschaft genug oder versucht es wenigstens; wir begrüßen es mit Freude, wenn ihm diese Vestrebungen nicht immer gelingen. Was im Interesse des Bochumer Werkes liegt, weiß dieses doch wohl entschieden besser, als die ihm so freundlich gesinnten Ultramontanen. D. Red.) * Altenbochum, 8. Juli.(Ueberfall.) Gestern Abend gegen 10 Uhr wurde auf dem hiesigen Communal= toege ein Geschäftsmann aus Bochum von zwei Kerlen obne jede Veranlassung überfallen und durch einen Revolverschuß am linken Arme verwundet. Der Angegriffene setzte sich energisch zur Wehre, worauf die Strolche das Weite suchten. Hoffentlich fallen sie der Polizei in die Hände. Steele, 1. Juli.(Vom 1. Juli.) Noch täglich ist Haus Schellenberg der Zielpunkt vieler Neugieriger, um die schrecklichen Verheerungen zu schauen, welche der Gewittersturm angerichtet hat. Kein Baum von dem herrlichen Park(v. Schell) ist stehen geblieben. Dicke Bäume einer ganzen Waldfläche sind wie abgemäht. Hundertjährige Rieseneichen sind mitten durchgeborsten und liegen durcheinander; auch das Schloß hat sehr trn.— Barmen, 9. Jul.(Die Arbeitslosen) hielten jestern Abend im Saale des„Benrather Hof" unter dem Vorsitze des Buchbindergehülfen Raue, der ebenfalls stellenlos ist, wieder eine Versammlung ab, die von ca. 100 Personen besucht war. Von den 78 Verheiratheten, die Arbeitsscheine erhalten, hatten sich gestern 23 gemeldet. Dieselben wurden auch theils auf dem städtischen Lagerplatz in der Bachstraße und theils mit Wegearbeit in den Höfen beschäftigt; sie werden den gewöhnlichen Lohn von 2 M. 50 Pf. erhalten. In der Versammlung wurde nach längerer Debatte der Beschluß gefaßt, daß heute Morgen eine Commission von den jüngeren Arbeitslosen, welche nicht berücksichtigt werden sollten, sich zum Herrn Oberbürgermeister zu begeben habe, um denselben zu bewegen, ihnen ebenfalls Arbeitsscheine zu ertheilen. Die Commission wurde heute vom Polizei=Inspektor Schnübbe empfangen, welcher derselben eröffnete, daß die Behörde für sie keinen Nothstand anerkenne und daß die jüngeren Leute sich anderorts Arbeit suchen sollten.— Heute Morgen haben sich wieder einige der mit Arbeitsscheinen Versehenen zur Arbeit gemeldet, worunter sich auch der Vorsitzende der gestrigen Versammlung, Raue, befand. * Elberfeld, 9. Juli.(Obduktion.) Die„E. Z.“ meldet: Vorgestern starb das Kind eines an der Klotzbahn wohnenden Fabrikarbeiters, zu dessen Beerdigung die Staatsanwaltschaft die Erlaubniß versagt hatte. In Folge einer vor einigen Wochen an dem Kinde vorgenommenen Impfung ist demselben ein Arm nahezu völlig abgefault. Die Leiche wird obducirt werden, damit festgestellt werden kann, ob durch die Impfung eine in dem Kinde schlummernde Krankheit nur zum schnelleren Ausbruch gekommen ist, oder ob der Krankheitsstoff selber eingeimpft wurde. 818 * Elberfeld, 9. Juli.(Eltern und Kinoer im Gefängniß.) Der an der Friedrichstraße wohnende Kleiderhändler Friedrich Sch. bemerkte schon seit einiger Zeit, daß ihm fortgesetzt Waaren gestohlen wurden. Am Dienstag faßte er einen Ausläufer, den 14 Jahre alten Carl D. auf frischer That ab. Der Junge gestand alsbald, daß er im Verein mit seinem jungeren Bruder Robert acht Diebstähle ausgeführt und das gestohlene Gut nach Hause gebracht, von wo es im Auftrage der Mutter bei Althändlern an der Louisen= und an der Baustraße versetzt worden wäre. Die Angaben des Spitzbuben bestätigten sich, die Waaren wurden beschlagnahmt und die Mutter und der jüngere Bruder gleichfalls eingesperrt. * Lennep, 8. Juli.(Feuer.) In der Lack= und Firniß=Fabrik der Firma Mäller und Grüderich entstand heute Nachmittag gegen 5 Uhr ein Brand, der anfangs größere Ausdehnung anzunehmen schien, durch schnelle Hülfe jedoch bald wieder gelöscht wurde. Die Feuerwehren der Stadt und der Kammgarnspinnerei waren bald zur Stelle, jedoch war bei ihrem Erscheinen die Gefahr schon vorüber. * Lennep, 8. Juli.(Einen faulen Streich) spielte der Handelsmann E. G. von Elberfeld den hiesiegen Händlern. G. bot im April cr. hier ein Fuhrwerk voll Zwiebel zum Verkaufe aus. Da er anscheinend gute Waare führte und der Preis ein außerordentlich billiger war, wurde er seine ganze Ladung sackweise los. Fast sämmtliche Handelsleute kauften je mehrere Säcke. Ihre Enttäuschung war aber nicht gering, als sie zu Hause der Sache, d. h. den Säcken mal auf den Grund gingen und fanden, daß die Sacke oben eine dünne Schicht Zwiebel enthielten, die allerdings von ausgezeichneter Qualität waren, im Uebrigen aber mit lauter verdorbenem, faulem Zeug gefüllt waren. Die Geprellten erstatteten Anzeige, und mußte sich deshalb G. vor dem Schöffengericht wegen Betrugs verantworten. Fünf Handelsleute waren als Zeugen erschienen, um über den„faulen Zauber" Auskunft zu geben. Der Amtsanwalt wollte den„gewandten Verkäufer" auf 14 Tage eingesperrt wissen, das Gericht beließ es jedoch bei einer Geldstrafe von 50 Mark event. 14 Tagen Gefängniß. M.=Gladbach, 7. Juli.(Empfindlich geschädigt) wurden seit einiger Zeit auswärtige Fabrikanten und Geschäftsleute, indem ein hiesiger Agent sich von denselben Waaren aller Art schicken ließ, die er dann hier verschleuderte, ohne Bezahlung zu leisten. Das schwindelhafte Manöver wurde aber bald entdeckt und dem sogenannten Agenten sein betrügerisches Handwerk gelegt. Das Gericht wird sich demnächst weiter mit dem Herrn befassen. Rheydt, 7. Juli.(Raffinirter Diebstahl.) Ein zu Morr wohnender Metzgermeister hielt etwas zuviel Kleingeld im Hause aufbewahrt. Das Geld war in einem Schranke eingeschlossen, jedoch unvorsichtiger Weise blieb der Schlüssel in demselben stecken. Wie raffinirt der Dieb gewesen ist, geht der„Cref. Ztg.“ zufolge daraus hervor, daß er die das Geld enthaltende Kassette nach vollführtem Diebstahl wieder schloß und den Schlüssel an seine richtige Stelle legte. Unzweifelhaft war der Dieb mit den örtlichen Verhältnissen betraut. Die gestohlene Summe beträgt ca. 500 Mark. Seele rang im Gebete mit Gott in tiefster Inbrunst um den freien, klaren, kraftvollen(Geist des Mannes dort auf dem Krankenlager. Die Dämmerung meldete den kommenden Tag, die Sonne ging auf. Während draußen ihre ersten Strahlen über die Baumkronen zitterten, öffneten sich auch die Augen des Kranken, der junge Tag und ein Wiederschein des sonnigen Glanzes draußen brach aus ihnen hervor, während sie sich auf die knieende Mädchengestalt richteten.(Fortsetzung folgt.) Kleine Mittheilungen. Griechisches Militär. Eine recht erbauliche Schilderung entwirft ein Correspondent des Pesther Lloyd von dem griechischen Miliär, indem er schreibt:„Von zerrissenen Stiefeln, über und über beschmierten Uniformen. im Nacken sitzenden Käppis wollen wir gar nicht sprechen und ebensowenig uns darüber aufhalten, daß bei dem Parademarsch der eine einer Pfitze ausweichen, der andere die Nase putzen, ein Tritter seinem Nachbar einen Rippenstoß versetzen wird. Der Sinn für Strammheit, (militärischer Geist ist dem Griechen absolut freind, er begreift einfach nicht, was man von ihm will, und so sind bisber die ehrlichsten Versuche, in den griechischen Soldaten auch milltärischen Geist zu trichtern, vollkommen gescheitert. Aber, daß auch die Offiziere diesem laisser faire sich hingeben, erscheint doch tadelnswerth. Daß ein Oberst den Salat persönlich vom Markte noch Hause trägt, mag nach Landessitte nicht anstößig sein; dort aber, wo der Offizier als solcher auftritt, in Reih und Glied, sollte nicht die ordnunghassende Natur des Griechen zum Vorschein kommen. Es ist ein Sommertag; die Garnison von Athen hält kriegsmäßige Uebungen ab. Das ganze Manöverfeld ist mit einer schier undurchdringlichen Staubwolke bedeckt. Wir halten auf einem Hügel, in der Nähe eines wohlgenährten Infanterie=Majors, der von wort oben mit durchdringender Stimme sein Bataillon keitet. Das kugelrunde Männchen ist in fortwährender Bewegung, er gestikulirt und schreit sich heiser, um Befehle zu ertheilen, die mit den vorgeschriebenen Kommandoworten viel kürzer und präziser gegeben werden könnten. Doch in der Hitze des Gefechts vergißt der Wackere auch das Reglement.„Lieutenant S.“ schreit er ein= über has andere Mal,„gieb ihm noch eine Salve, noch eine! F- So, recht gut, recht brav,“ fährt er fort, als das kolpernde Geknatter der Salve verstummt.„Ja, warum schießt die zweite Compagnie nicht?“ rust er nach der Inderen Seite hinüber und beruhigt sich dann mit der lntwort, die ihm ein Unteroffizier ertheilt, daß die sompagnie keine Patronen gefaßt habe. Indessen hatte er Lieutenant S., vielleicht um den Fehler der zweiten Compagnie wieder gut zu machen, auf eigene Faust mit seinen Leuten ein mörderisches Schnellfeuer eröffnet. Der Major scheint zu besorgen, daß auch diese Leute bald ohne Munition sein würden und will das Feuer einstellen lassen.„Jetzt ist's genug, Lieutenant S., lasse aufhören, ich bitte Dech, lasse aufhören." Der Lieutenant salutirt zum Zeichen, daß er verstanden, schreit irgend etwas Unverständliches— aber die Leute schießen noch fort. Der Major wird wüthend schreit und brüllt, der Lieutenant gestikulirt gleichfalls brüllend, ein Geschnatter von Stimmen antwortet ihm, endlich kann der Lieutenant melden, daß die Leute sich damit ausreden, die noch im Gewehr befindluhen Patronen ausgeschossen zu haben, damit sie nicht vielleicht von selbst losgingen. Der Major schien dies Argument für hinreichend befunden zu haben, denn er beruhigte sich sichtlich!“ Ein braver Junge! Spielte da am vergangenen Montag in Köpenick ein etwa achtjähriges Mädchen unbeaufsichtigt am Mühlenfließ in der Nähe der Mendelssohnschen Fatrik. Das Kind wbeugte sich dabei zu weit über die Böschung hinaus, verlor das Gleichgewicht und fiel in's Wasser, dessen Fluthen die Kleine sofort vom Ufer abtrieben. Der Vorfall war won mehreren Personen mit angesehen worden, die vergeblich versuchten, einen Kahn loszumachen, um so Hülfe zu bringen. Unter denselben befand sich auch der erst zwölf Jahre zählende Sohn des Tischlermeister Rudolph in der Brunnenstraße zu Berlin, welcher zum Besuch in Köpenick weilte. Der Knave warf, ehe einer der Erwachsenen das Herz sich faßte, kurz entschlossen Jacke und Weste ab, sprang in's Wasser und schwamm auf die Stelle zu, wo die inzwischen bewußtlos gewordene Kleine wieder aus den Fluthen emporgetaucht war. Es gelang dem muthigen Jungen, das Kind zu fassen und mit demselben nach dem Ufer zu schwimmen, er erschöpft zusammenbrach. Der Retter wie die Verunglückte wurden in die Wohnungen ihrer Aggehörigen geschafft, dort erholten sie sich sehr schnell und wenige Stunden später spielte der kleine Lebensretter wieder vergnügt auf der Straße. Eumings Hochzeitsreise. Der aus dem Londoner Svielprozeß bekannte Oberst Euming hat sich bekanntlich vor einigen Tagen verheirathet. Kurz zuvor hatte er mit seiner Braut folgende in deutscher Sprache geführte Unterhaltung: Er. Wir wollen eine Hochzeitsreise unternehmen, und zwar nach Deutschland: Hier auf englischem Boden, wo ich so sehr verdächtigt worden bin, kann mein Lebensglück nicht gemeihn. Sie: Du versprichst Dich, Liebster, es heißt gedeihn. Er. Wir fahren zuerst nach Berlin, dann nach Frankurt a. Dain... Sie. Nach Frankfurt a. Main! Er. Hierauf unternehmen wir einen Abstecher zum Herzog von Deiningen. Sie. Zum Herzog von Meiningen, lieber Schatz; es scheint wirklich, daß Du zwischen Mein und Dein nicht unterscheiden kannst Anrath, 7. Juli.(Schaden des Unwetters.) Während des jüngsten Orkans sind, laut der„Niederrh. Volksztg.“, hierselbst 23 Häuser vollständig eingestürzt; 8 Häuser müssen, weil Einsturz drohend, abgebrochen werden; 52 Häuser sind schwer beschädigt, größtentheils unbewohnbar; 120 Nebengebäude sind demolirt; 500 Dächer sind mehr oder minder beschädigt. Dazu kommen die Schäden in den Gärten und an den Bäumen, so daß der Gesammtschaden in unserer Gemeinde auf 300000— 400000 Mark geschädigt wird.. 8 * Mainz, 8. Juli.(Das Wasser des Rheins) ist sortwährend im Wachsen begriffen. Heute Morgen zeigt der Pegel 2,85 Meter, seit gestern Mittag ist der Rhein abermals um 25 Centimeter gewachsen. * St. Johann, 7. Juli.(Große Maschine.) Von der Maschinenfabrik Ehrhard u. Sehmer zu Schleifmühle wurde dieser Tage für den Hörder Bergwerksverein ein sogenannte Drillingsmaschine von 7000 Pferdekraft fertigestellt, welche, nach der„St. Joh. Ztg., in ihren Timensionen die größte dieser Art auf dem Kontinent sein soll. Dieselbe hat einen Cylinder=Durchmesser von 1200 Millimeter, bei einem Hub von 1300 Millimeter. Die Achse wiegt 24000 Kilogramm; das Gesammtgewicht ist 210000 Kilogramm. Frankfurt a. M., 8. Juli.(Crematorium in Offenbach.) Aus Offenbach wird der„Kl. Pr." geschrieben: In Sachen der Errichtung eines Leichenverbrennungsofens auf dem hiesigen Friedhof hat man wiederum einen Schritt weiter gethan. Unsere Stadtverordneten=Versammlung hat nämlich in ihrer letzten Sitzung dem für die Feuerbestattungsanstalt aufgestellten Plan ihre Zustimmung ertheilt, so daß jetzt mit der Ausführung des Projektes begonnen werden kann. Verhandlungen der Strafkammer zu Hagen vom 8. Juli 1891. Der Anstreicher F. Sch. aus Haspe war geständig, am 17. Juli v. J. zu Herdecke aus einer verschlossenen Kiste 40 Mark entwendet zu haben. Am genannten Tage hat er in Gemeinschaft mit einem anderen Arbeiter die Kiste eines Kameraden erbrochen und eignete sich das Geld, sowie einen Anzug, ebenfalls im Werthe von 40 Mark, an. Ebenso wie sein Cumpan, wurde auch der heutige Angeklagte zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt. Der frühere Händler, jetzige Schneidergeselle G. W. hat sich Ende April d. J. des strafbaren Eigennutzes schuldig gemacht. Er wohnte bei einer Frau Schneider in Lüdenscheid, der er 62 Mark Miethe schuldig war. Obwohl er nichts bezahlte und ihm auch das Wegbringen der Sachen nicht gestattet, vielmehr ausdrücklich untersagt war, hat er doch einen großen Theil seiner Sachen in Körben weggeschleppt. Auch bis heute hat der Angeklagte die Miethe nicht bezahlt. Der Angeklagte wurde zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Der Kaufmann M. A., fräher in Witten, jetzt in Erfurt, war des Betruges in zwei Fällen und der Pfandverbringung in einem Falle beschuldigt. Die Anklage schwebt schon seit 1¾ Jahren, doch mußte dieselbe indes wieder in Folge vom Angeklagten eingereichten Krankheitsattestes vertagt werden. Im April 1886 besaß der Angeklagte in Witten ein seit mehreren Jahren bestehendes, anscheinend sehr schlecht gehendes Geschäft. Indeß war er um diese Zeit in Zahlungsverlegenheit gekommen. Vorher hatte er die Bekanntschaft des Wirthes H. in Bochum gemacht und diesem hatte er durch sein Auftreten und seine Ausgaben so zu imponiren gewußt, daß der von Wechselgeschäften und ähnlichen Dingen keine Ahnung habende einfache Mann sich bewegen ließ, seine gesammten Ersparnisse im Betrage von 4000 Mark dem Angeklagten für kurze Zeit auzuvertrauen. Aus dieser wurde nun eine sehr lange Zeit und als H. nach Witten kam, um sein Geld zu retten, fand er kein Geschäft mehr vor, am wenigsten seinen Schuldner, der bereits mit seinen Gläubigern akkordirt hatte. Einen Theil des Geldes hat H. durch den Verkauf der Mobilien des Angeklagten geretttet, 1820 M. hat er gedoch noch zu fordern. Während nun der Angeklagte behauptet, daß er das Geld auf ganz natürliche Weise von H. erhalten, indem er diesem Wechsel und Sicherheit gab, erklärte H., er sei das Opfer feiner Gutmüthigkeit und seiner Leichtgläubigkeit geworden. Er habe sich davon blenden lassen, daß A. sagte, er sei nur in momentaner Geldverlegenheit und das Geschäft gehe sonst gut, und er solle das Geld in kurzer Zeit wieder haben. Es habe sich in Wirklichkeit nur um eine wohl geplante Spekulation auf seine Dummheit gehandelt; denn nach 8 Tagen bereits, nachdem er seine sauren Ersparnisse hingegeben, hat Zeuge erfahren, daß er keinen Pfennig zurück erhalte, daß vielmehr sein Geld zur Befriedigung anderer Gläubiger benutzt würde. Der Angeklagte sollte einen weiteren Betrug dadurch begangen haben, daß er von einer Kölner Firma noch 6 Faß Oel bezog, als er bereits wußte, daß er nicht mehr zahlungsfähig sei. Die Firma hat das Oel gutgläubig geschickt, sie ist aber später von dem Bruder des Angeklagten befriedigt worden. Ferner wurde von der Anklage dem A. zum Vorwurf gemacht, er habe versucht, unter Beseitigung des einen Siegels des Gerichtsvollziehers das Pfandobjekt zu einer zweiten Pfändung zu bringen: indeß wurde in dieser Richtung nichts Bestimmtes erwiesen. Bezüglich der beiden letzten Anklagen ließ der Herr Staatsanwalt die Anklage fallen, wegen des ersten Betruges beantragte er 2 Monate Gefängniß, während der Herr Vertheidiger vollständige Freisprechung beantrogte. Das Urtheil lautete wegen Betrugs in 1 Falle auf 6 Wochen Gefängniß, im Uebrigen auf Freisprechung. Die folgende Sache hatte einen ganz und gar schnapsduftigen Hintergrund. Der Metzgermeister F. M. und dessen Schwager A. B., beide aus Plettenberg, waren der schweren und gemeinschaftlichen Körperverletzung angeklagt. Am 24. April d. J. hatten die beiden Metzgergesellen G. und S., die bei dem Bruder des ersten Angeklagten in Dienst standen, in kurzer Zeit nicht weniger als zwei große Weinflaschen voll Schnaps konsumirt und natürlich waren beide Gesellen total betrunken. Zu dieser Zeit, während gerade der Meister der betrunkenen Gesellen nicht zu Hause war, erschien der erste Angeklagte im Schlachthause, um bei seinem Bruder eine Wurstmaschine zu holen. Nach seiner Behauptung hat er mit den betrunkenen Leuten überhaupt nicht gesprochen, diese jedoch sprangen gleich auf ihn los und es kam zu einer kleinen Schlägerei. Da dem ersten Angeklagten der zweite zu Hilfe kam, gelang es jenem, sich der Gesellen zu erwehren und während der eine der jungen Burschen sich entfernte, brachten die beiden Angeklagten den Gesellen G. zur Thür hinaus. Diese Exmission ging naturlich nicht sonderlich ruhig von statten, und G. erhielt von beiden Angeklagten einige Schläge. Während dieser Geselle vor der Thür auf einen Strohhaufen gelegt wurde, kam der andere Geselle C. mit erhobener Faust auf den ersten Angeklagten zu, allerdings, wie von Zeugen bekundet wurde, ohne irgend ein Instrument in der Hand. Jetzt erhob M. eine Jauchenschüppe und schlug mit dieser dem Gesellen S. voc den Kopf, daß der Mann zur Erde fiel und wie todt liegen bliev. Damit war die Sache zu Ende. Während der Geselle G. nicht sonderlich verletzt wurde, erlitt der zuletzt geschlagene H. eine sehr schwere Verletzung am Kopfe, an der er 5½ Wochen dalag und in Folge welcher er auf dem Uinken Ohre nahezu das Gehör verloren hat. Die beiden Hauptzeugen waren heute nicht anwesend, da dieselben längst Plettenberg verlassen und sich auf die Wanderschaft begeben hatten. Die beiden Angeklagten suchten heute die ganze Sache so darzustellen, als ob sie lediglich in Nothwehr gehandet hätten, bei der letzten That konnte jeduch davon keineswegs die Rede sein. Der Herr Staatsanwalt beantragte gegen den B. 30 M. Geldstrafe, gegen M., der die Nothwehr jedenfalls überschritt, 6 Wochen Gefängniß: der Herr Vertheidiger beantragte die Freisprechung des Angeklagten M. Das Urheil lautete gegen B. auf 30 M. Geldstrafe, gegen M. auf 3 Monate Gefängniß. Der Wirth I. B. zu Haspe war vom Schöffengericht wegen Uebertretung zu 15 M. Geldstrafe verurtheilt worden, gegen welches Urtheil der Angeklagte Berufung eingclegt hat. Am 15. Februar d. J. wurde bei dem Angeklagten eine kleine Tanzlustbarkeit abgehalten ohne polizeiliche Erlaubniß; allerdings war es nur eine ganz zufällige Tanzerei, allein dies schützt nach höchster Entscheidung nicht vor Strafe. Die Berufung des Angeklagten gegen das Schöffenurtheil wurde verworfen. Industrie, Handel und * Köln, 9. Juli. In einer vorgestern in Dortmund stattgehabten Versammlung der Zechen wurde, wie die „Köln. Vztg.“ meldet, beschlossen, von den Feierlichkeiten abzusehen, aber den Zechen für die Sommermonate eine nur mäßige Förderung anzuempfehlen. Vermischte Nachrichten. Der bekaunte Dichter Oskar v. Redwitz ist, wie bereits kurz meldet Mittwoch in Gilgenberg gestorden. Mit Oskar Frhr. von Redwitz, dessen Erkrankung wir vor einiger Zeit erwähnten, scheidet eine der ausgeprägtesten Erscheinungen der deutschen Dichterwelt aus dem Leben. Seine merkwürdige Entwickelung von romanischultramontanen Anfängen zu einer philosophisch=freigeistigen und begeistert=nationalen Weltanschauung hat das Inieresse auch derjenigen Kreise geweckt, die weder dem Dichter des„Amaranth noch des„Odilo“ Geschmack abzugewinnen vermochten. Auf alle Fälle waren sein Schauspiel„Philippine Welser“ und sein Roman„Hermann Stark" bedeutsame Leistungen. Redwitz war geboren am 29. Juni 1829 zu Lichtenau bei Ansbach, studirte in Erlangen und München Philosophie und Jura, und widmete sich dann literarischen und schönwissenschaftlichen Studien. Eine kurze Zeit wirkte er Anfang der 50er Jahre als Professor der Aestthetik in Wien. Nachher lebte er als unabhängiger Dichter erst in Schellenberg bei Kaiserslautern, denn auf seiner Besitzung„Schillerhof" bei Meran. Als der berufene Dichter des deutschen Hauses wird ihm die deutsche Nation ein dankbares Andenken bewahren. Fürst auf der Durchreise zum Schulzen:„Sagen Sie mir, mein lieber Schulze, wie kommt es, daß ich in dieser Gegend gar so viele Kinder barfuß umherlaufen sehe?“— Schulze:„Ja, Durchlaucht, so kommen sie bei uns auf die Welt.“ Literatur. * Zu dem unbedingt nothwendigen Hausrath jeder gebildeten Familie in unseren Tagen gehört eine Zeitung, die nicht nur in Wort und Bild alle wichtigsten Zeitereignisse bringt, sondern sie den Lesern auch in solch gediegener Form bietet, daß sie jedem Mitgliede unbedenklich in die Hand gegeben werden kann. Eine Zeitschrift, die solche Anforderungen, während ihres langjährigen Bestehens erfüllt hat, ist„Ueber Land und Meer". Oktav=Ausgabe(herausgegeben von Professor Joseph Kürschner, redigirt von Otto Baisch, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt). Das Inhaltsverzeichniß des soeben mit dem Erscheinen des 13. Heftes fertiggestellten dritten Bandes des Jahrgangs 1890/91 beweist das. Für die Gediegenheit der Romane und Novellen sprechen schon die Namen der Autoren, von denen wir nur die rasch so ungemein beliebt gewordene Marie Conrad=Ramlo mit ihrer feinsinnigen Novelle„Ein Entscheid“, den trefflichen Schilderer kaukasischer Verhältnisse, A. Leist, mit seiner reizenden Erzählung aus Imeretien:„Warro", und den bewährten Altmeister Robert Byr mit dem Schlusse seines fesselnden Romans„Wozu?“ nennen. Auch die anderen Rubriken weisen eine solche Menge trefflich illustrirter unterhaltender und belehrender Original=Artikel von den bedeutendsten Fachmännern aus allen Gebieten des Wissens auf, daß ein jeder mit Recht staunt, wie ein solch reichhaltiger und gediegener Schatz für den unglaublich billigen Preis von 1 Mark für das Heft geboten werden kann. Der binnen kurzem beginnende neuer Jahrgang wird, wie wir heute schon verrathen können, in jeder Beziehung durchgreifende Verbesserungen und Verschönerungen erfahren und in seinen Beiträgen nur das Beste und Gediegendste bieten, u. a. die neuesten Werke von Hermann Heiberg, Ossin Schubin, Sophie Junghans und vor allem die hochbedeutsamen Briefe und Reisetagebücher rc. des Generalfeldmarschalls Moltke veröffentiichen, darunter die herrliche Korrspondenz mit seiner Braut und Frau. So darf zum voraus gesagt werden, daß der neue Jahrgang in der gagzen Welt ungetheiltes Interesse erregen und demselben uberall mit größter Spannung entgegensehen wird. Markt= und Coursberichte. = Witten, 9. Juli.(Marktbericht.) Auf dem heutigen Viehmarkte standen 180 Pferde zum Verkauf. Ein gutes Arbeitspferd kostete 800—1000 Mark. Kühe waren 136 Stück aufgetrieben. Eine milchgebende Kuh kostete 230—260 M., ein tragendes Rind 200—210 Mk., eine manse Kuh 150—180 M., 50 Kilo Rindfleisch kosteten 60—70 M. Schweine waren 1850 vorhanden. Ein überjähriges Schwein kostete 65—70 M., ein acbtmonatl. 48—52 M., ein dreimonatliches 30—35 M., ein sechswöchentliches 10—12 M.,50 Kilo Schweinefleisch kosteten 52—54 M. Landel im Allgemeinen trotz ungünstiger regnerischer Witterung: auf dem Schweinemarkte ziemlich flott, auf dem Kuh= und Pferdemarkt weniger gut. Berlin, 9. Juli. 2½ Uhr N. Fruchtdör e. Weizen Juli 233.25. Juli=August 216.50, Sept.=Okt. 211,50 M Okt.=Nov. 000.00 Mark. Gek. 0000 Centner. Rrggen Juli 211.00 Juli=August 202.25, Sept.=Okt. 19, 75. Okt.=Nov. 194.75 Mark. Gek. 0000 Ctr. Hafer Juli 168.50, Juli=Aug. 152.50, Sept=Okt. 146.50 M Gek. 9000 Ctr. Rüböl vorr. mit Faß 59.50, ohne Fu 58 50, Juli 59,3), Sev.=Okt. 59.20 Okt.=Nov. 59.30 M Gek. 000 Ctr. Spiritus 70er vor. 48.50 Juli=Aug. 47.70 Aug.=Sept. 47.80, Sept.=Okt. 4490, Okt.=Nov. 4360, Mt. 50er vorr. 00.00 Mk. Gek. 50000 Lir. Petroleum vor 23.00 Mark Roggenmehl 0/1 Juli 28.20, Juli=Aug. 27.85 Mt. Bremen, 9. Juli. Petrole um geschäftslos, vorr. 6.25 Brief. Autwerpen, 9. Juli. Petroleum ruhig vorr. 16 1/8. August 16 1/8. Sept. 16 ¼/4. Sept.=Dez. 16¼ fr. Glasgow, 9. Juli. Warrants 478 00 d. Telegraphische Depeschen. London, 10. Juli. Unterhaus. Fergusson erklärte, die Beziehungen zu allen Mächten seien befriedigend. England ging keine Verpflichtungen mit Italien ein, sondern tauschte mit diesem nur die Ansichten über Aufrechterhaltung des Statusquo und über den Frieden im Mittelmeere aus. England sei den Dreibund nicht beigetreten, dessen Bedingungen England nicht kennt. Zu bedauern sei es, daß Labouchere eine Sprache geführt habe, die Frankreich ermuthigen könnte, Krieg zur Rückerlangung von Elsaß=Lothringen zu führen. Englands Sympathien werden stets mit der Macht sein, die den Frieden erhält, nicht mit der, welche ihn bricht: Englands Interesse und Wünsche sind auf Erhaltung des Friedens gerichtet. Kirchliche Nachrichten. Witten: Sonnnigg„Agigen Ei uhr: Eynorm Enz, Anhüser Sonntag Morgen 8½ Uhr: Synodal-Vikar Altl 10½ Uhr: Past. Kellermann, Koll. f. d. Achl in Lippspringe. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. 3 Uhr: Bibelstunde im Vereinsbause...#. 8en Annen. Sonntag morgen 10 Uhr: Past. Brasse. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. 4 Uhr: Familienfest des ev. Männeru. Jünglingsvereins bei Wirth Barlen. Mittwoch, 15. Juli, Nachm. 5 Uhr: Bibelstunde in der neuen Schule. Langendreer: Sonntag morgen 8 Uhr: Past. Landgrebe: 10 Uhr: Hilfspr. D. Morgenstern, Koll. f. d. Asyl zu Lippspringe. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Mittwoch 8½ Uhr: Bibelstunde. Freitag 5 Uhr: Vorbereitung für die Helferinnen bei Past. Landgrebe. Lütgendortmund: Sonntag morgen 9½ Uhr: Pastor SchulzeNoelle: 10 Uhr: Past. Weskott. Altkatholische Gemeinde Witten. Sonntag Gottesdienst 8¼ Uhr. Bekanntmachung. Im Monat Juni d. J. wurden im hiesigen städtischen Schlachthofe geschlachtet und untersucht: 153 Kühe, 30 Rinder, 213 Kälber, 7 Ochsen, 369 Schweine, 8 Schafe, 7 Ziegen, 14 Pferde, in Summa: 801 Schlachtthiere. Von auswärts wurden eingeführt und untersucht: 21/4 Rindfleisch, 2/2 Schweine und 1 Kalb. Auf der Freibank wurden als minderwerthig verkauft: Das Fleisch einer tuberculösen Kuh. Vernichtet, weil nicht zum menschlichen Genusse geeignet, wurden: 1 Schwein wegen gencrelisirter Tuberculose, und 1 Schwein, das kurz nach dem Einbringen in der Stallung verendete. An einzelnen Organen wurden beanstandet und vernichtet: 52 tuberculose Rinderlungen, 4 Rinderlungen wegen Echinococcen, 7 Rinderlebern wegen Egeln und Echinococcen, 5 Rinderlebern wegen Tuberculose, 1 Rinderleber; it Abscessen, 2 Rinderherzen und 3 Nieren wegen chron. Entzündung, 1 Schweinelunge und 1 Leber wegen Tub##nlose, 4 Schweinelebern wegen Echinococcen und 1 wegen Abscessen, 1 Schaflunge, 1 Ziegenleber, 1 Pferdeleber, 1 Schweineherz und 2 Nieren und 13 sonstige Körpertheile, darunter 1 Schweinekopf mit Eiterheerden. Witten, den 6. Juli 1891. Der Magistrat: Dr. Haarmann. Bekanntmachung, Die Gerichtsferien beginnen am 15. Juli cr. und endigen am 15. September cr. Während der Dauer derselben werden Auflassungen und to der freiwilligen Gerichtsbarkeit welche sich auf 8 □0 57 05 Fichrlich ub ggote Gbemiun=Zehungen. deutsch gestempelte Staats=Loose. Haupttreffer appr. in Frcs. 3X600,000, 10X 300,000 2X200,000 160,000 150,000 100,000, 60,000, 50,000 45,000 40,000 30,000 25,000 20,000 2c.— Monatl. Einz. M. 3. Portoz 30 Pf. a. Nachn. Gewinnl. gratis. Gefl. Aufträge umgehend erbeten. Bank=Commission F. Stroetzel#: Kors#anz. 85 Leautschurf*7 " 00* Akte der freiwilligen Gerichtsbarken, weiche sich auf die hiesigen Grundbücher beziehen, nur des Mittwochs Vormittags von 10—12 Uhr aufgenommen, wovon die Gerichtseingesessenen hierdurch in Kenntniß gesetzt werden. Witten, den 8. Juli 1891. Königliches Amtsgericht. Gemäß§ 5 des Regulativs vom 25. Februar 1884 zur Ordnung des Geschäftsganges und des Verfahrens bei den Kreisausschüssen bringe ich zur öffentlichen Kenntniß, daß die Ferien des unterzeichneten Kreisausschusses am 21. Juli beginnen und am 1. September ablaufen. Innerhalb dieses Zeitraumes sollen Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen anberaumt werden. Es ergeht daher die Aufforderung, innerhalb der vorgedachten Zeit die Anträge auf diejenigen Sachen zu beschränken, welche der Beschleunigung bedürfen, solche als schleunige zu begründen und als„Feriensache" zu bezeichnen. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß. Bochum, den 7. Juli 1891. Der Vorsitzende des Kreis=Ausschusses: Spude, Königlicher Landrath. 0 Röhrchener Bürger=Verein, Witten. Sonntag, den 12. Juli, Nachm. 2 Uhr, versammeln sich die Mitglieder mit ihren Angehörigen im Vereinslokale zur Feier des dies jährigen MHoter VOss. Mittwoch, den 15. Juli, zur Feier des diesjährigen g31 Sommer=Testes, 8Contert der bayerischen Zäger. Kamerad= schaftl. 160. Sängerbund. Punkt 3 Uhr: Kinder=Festzug durch die Röhrchenstraße und Johannisweg zurück in's Vereinslokal. Danach Concert, Kinderbewirthung " und Belustigungen mit nachfolgendem 8 Tanzkränzchen. Eingeführte Nichtmitglieder haben Zutritt. S Das Fest=Comitee. □ W Cr. Turnclub, Witten feiert am Sonntag, den 12. Juli er. sein 1. Sttstungesrst, Hotel Bellevue, Bommern. Sonntag, den 12. Juli, von Nachmittags 4 Uhr ab: mit nachfolgendem Gelegenheitstänzchen. Aug. Spindler, Musikdirektor. Stenographen=Verein„Gabelsberger“. Sonntag, den 12. Juli cr., Verbandsseil in Bochum.! Abfahrt um Abmarsch um ½7 7 Uhr vom Berg.=Märk. Bahnhof Uhr vom Berg.=Märk. Bahnhof. Der Vorstand. resp. Sauerländischer Gebirgsverein. Sonntag, den 19. Juli: Generalversammlung in Arusberg. Anmeldung zur Theilnahme an derselben bezw. zum Mittagessen à Mk. 2.50 sowie eventl. zu Freiquartier am 18. oder 19. Juli werden bis morgen, Samstag, den 11. d. Mts. erbeten. Bei Betheiligung von 30 Personen tritt (beziehentlich von Hagen aus) Fahrpreisermäßigung ein. Abfahrt 7 Uhr 2 Min. Zur Betheiligung ladet die Mitglieder nebst ihren Damen ein Der Vorstand. verbunden mit und Ehrenpreisturnen im großen Saale und in den Gartenanlagen des Herrn Fr. Borgmann. Programm: Sonntag Morgen 10 Uhr: Frühschoppen im Vereinslokale. Nachmittags 1 Uhr: Abholung der Fahnen. Von 11—2 Uhr: Empfang fremder Vereine an den Bahnhöfen: Punkt 2½ Uhr: Festzug durch die hauptstraßen der Stadt. Um 4 Uhr: Beginn des Concerts, verbunden mit Preis= und Ehrenpreisturnen. Um 8 Uhr: Preisvertheilung. Alsdann: Großer Festball. Entree zum Concert und Schauturnen 50 Pf., zum Ball 1 M., zum ganzen Fest M. 1.25, Vorverkauf 1 M. Karten im Vorverkauf sind zu haben bei W. Hemsoth, Aug. Rippel, Aug. Rheker, Fr. Borgmann, W. Dörmann, August Viebahn, Jul. Haarmann, Eduard Spil, Fr. E. Kreutler, W. Pölking und bei sämmtlichen Vereinsmitgliedern. Die Musik wird ausgeführt von der verstärkten Stör'schen Kapelle. NB. Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutrit. Sonntag, den 12. Juli, Abends 8 Uhr, General=Versammlung. Der Vorstand. Bürgergesellschaft Witten. Samstag, den 11. d. Mts., Abends 8½ Uhr: Bullolage. Erscheint täglich mit Insertionen werden 10 9 Schlosser=, Dreherund Schmiedegesellen=Verein. Sonntag, den 12. d. Mts., Nachm. 4 Uhr, Außerordentliche Generalversammlung. Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mital Aufnühme neuer Mitglieder. 3. Wahl der Delegirten. 4. Anträge zum Belegirtentage betr. 5. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. Der Vorstand. Schweine=VersicherungsVerein. für den nördl. Stadtbezirk Witten. Sonntag, den 12. Juli, Nachm. 4 Uhr, beim Wirth Friedr. Schwefer, General=Versammlung für Vereine, Geschafte und Private, liefern billigst und geschmackvoll * B. Koctzold& Co., Witten. K nigt..*, Sool= und Thermalbad bei Unna in Westfalen. Beginn der Saison:15.Mai.— Ende Auf. Oktober. Prospekte auf Wunsch durch die Direktion der Gewerkschaft Königsborn zu haben. Neueste Patent=Reißzeuge in großer Auswahl bei B. Koetzold& Co., Buch= u. Papier=Handlung, Witten. Versende gegen Nachnahme 9 Pfund hochfeine Grasbutter zu 10 M. Frau Ekkenga, Loppersum(Ostfriesland). Ein währer Schatz für alle durch jugendliche Verirrungen Erkrankte ist das berühmte Werk Or RetausSelbstbewahrung 80. Aufl. Mit 27 Abbild. Preis 3 Mark. Lese es Jeder, der an den Folgen solcher Laster leidet, Tausende verdanken demselben ihre Wiederherstellung. Zu beziehen durch das Verlags=Magazin in Leipzig Neumarkt Nr. 34, sowie durch jede Buchhandlung. 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Mein Vertreter, Herr Dr. Gaudlitz, wohnt in meinem Der Kaise das einzige hervon politisch so stillen lichen Majestäteni familie ein sehr ehr ein ungemein her London, wohin si nach Beendigung Schooße der englise die aus Anlaß der der silbernen Hoch Königin Viktoria s such brausende Or größere Zahl offi staltet, darunter ein narchen in der Militär=Parade un der Kaiser wieder on, während die K in dem Sommero mündung verbleibt. der Kaiserreise nach und hergeschrieben! schrieben im Anse ihrer bekannten sch die Sonne um Al scheinen bemühte. ja recht gut und sch Dreibund verlänger sich deshalb in kei scheint aber doch sein, daß einmal? England den Dreil Dreibund Englan Zeitungen, bestimn Besuch des Kaisers werden, aber di zwischen dem Herrs Staatsmann könnt sultate haben, wi immerhin schon der Einsicht, und hoffe auf diesem Wege v sich die Franzosen Zeitungen, zum Ke gewicht zu schaffen Kaiser sei sehr ärg nach Berlin kon vorstehende Besugeschwaders im: nun eine erhöhte L Alles dummes hat Alles, was je und er ist viel zu die Franzosen wie birt sind. Ihre Studi wirthschaftlichen V preußischen und der Fin zum baldigen Eintritt nach Barmen gesucht. Julius Engels, Barmen, Leimbacherstr. 109. gegen hohen Lohn auf sofort gesucht. Wimelhausen 154, bei Bochum.— Mehrere tüchtige Mädchen nach hier und auswärts, 1 Küchenund 1 Kindermädchen auf sofort gegen hohen Lohn gesucht. Wwe. Garth, Ruhrstr. 40. Verlag von B. Koetzold& Co. in Witten. Druck von H. Risel& Co. in Hagen. Redigirt unter Verantwortlichkeit von B. Koetzold in Witten. auch bereits versch die Aufhebung des und die Herabsetzt gefaßt sein. Das That einer Besse keinem Zweifel. 6 hat eine Rede d. Reichstagsabgeord: welche nicht nur gesondern auch geger trat und heftige E vertrat dieAnsicht, nicht immer von 1 internationalen Ge vergessen dürfe. der bayerischen So abgekanzelt, aber? vergolten und, wa Münchener Arbeit trauensvotum ertt deutschen und spe bahnen, sind an dauerlichen Eisenb haft erörtert. Ve glückten Zuges behauptet, daß de habe. Eine dur wirklich vielfach Aus unse einige Meldungen Afrika entwickelt Gouverneur von befriedigender We reisenden, welche übereinstimmend d dort herschen. Ja inter den Eingebo