Waslhaiche und Schleier. 5 Wlanden. Kragen und Manschetten arde=, Kriegeritten. Wilhelm II. dortmund u 5. Juli. nd bis DonJuni unter ichtung von ag und 70 = und Rückeister, Kame, zu machen. re Anmelaut gestrigen iß nicht been ui 1891. Vorstand. ngverein c“ n. 8. d Mts., Herbede mann). serem Gesangam Bahnhof. Uhr. heiligung bittet Vorstand. Verein ten. 1 und Ordnen e Bibliothek auf Weiteres glieder, die im m aus der BiNo. 146. Fernsprech=Nr. 46 für Witten. Freitag den 26. Juni. Fernsprech=Nr. 18 für Hagen. 1891. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Insertionen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. verbunden mit demn dieJuni ollen. abdurch Buch lokal fstraße 23. rtache sote 10 Pfg.— ung in den emplaren. ger unverheir. necht gnisse sind erst ertheilt die agebl. Mädchen, und 1 Köchin t. ferweg 45. von Co. in Witten. kisel& Co. sen. erantwortlichkeit d in Witten. General-Anzeiger für Witten und Amgegend. Abonnementspreis(inel. der Gratisbeilage „Märkisches Heim"): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten.: Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2,20 Mk. Abonnements=Einladung. Zum Beginn des 3. Quartals 1891 des Märkischen Tageblatts und der Unterhaltungsbeilage Märkisches Heim laden wir zum Abonnement hiermit ein. Das Märkische Tageblatt wird auch in Zukunft sein bisheriges politisches Programm unentwegt verfolgen und seinen patriotischen, königstreuen Standtpunk: aufrecht erhalten. Dasselbe bringt über die neuesten Tagesereignisse Original=Artikel und Besprechungen, zahlreiche Depeschen sowie wissenswerthe Mittheilungen aus allen Gebieten des Verkehrs, des Handels, der Gewerbe und der Landwirthschaft. Im Feuilleton und in der Unterhaltungs=Beilage Mäckisches Heim dienen spannende Romane, Miscellen und kleinere Erzählungen zur Unterhaltung unserer Leser. Der Abonnementspreis beträgt pro Quartal Mk. 1,80 Probenummern stehen zur Verfugung. Alle Postanstalten und unsere Boten nehmen Bestellungen an. Expedition des Märkischen Tageblatts, Witten, Bahnhof= u. Breddestraßenecke. Wohlfahrtsbestrebungen vom ärztlichen Ein bekannter deutscher Arzt, Geh. Sanitätsrath Dr. Brinkmann in Konstanz, hat über dieses Thema eine allgemein interessirende Schrift veröffentlicht. Als thätiger Arzt auf dem ausgedehntesten vaterländischen Felde hat Dr. Brinkmann seine Erfahrungen gesammelt, er möchte die Aerzte hinüberführen helfen zu den gesellschaftlichen Leistungen, welche die Zeit, die Zukunft der Nation mit Recht von ihnen fordert. Ihr eigentlicher Beruf, das stellt er an die Spitze, ist ja die Menschlichkeit. „Der Arzt setzt sein ganzes Wissen und Können in den Dienst der Nächstenliebe, und so verschieden vertheilt das Maß der Wissenschaft und Kunst unter den Aerzten ist: allen gemeinsam sollte das Verlangen sein, der leidenden Menschheit auch in ihrer Gesammtheit zu helfen. Nicht nur am Bette der Kranken bewährt sich der Arzt. Er sucht vor Allem Krankheiten zu verhüten: er kennt am besten die Gefahren der Armuth, der schlechten Wohnungen, des Mangels an ausreichender Nahrung, an Licht, reiner Luft und Wärme. Er erforscht die Lebensformen im Großen und Kleinen, er weiß am sichersten die Arbeitsleistung zu schätzen, den Werth der Arbeit und den Schaden der Ueberlastung zu beurtheilen. Er erkennt die Laster der Trunkenheit und der Unkeuschheit in ihren tieferen Ursachen und Wirkungen. Der Arzt versteht es endlich mehr, als die Mitglieder anderer Stände, das Zutrauen der Armen zu gewinnen, weil er vertraut ist mit ihren Bedürfnissen und gewohnt zu helfen, wo und wie er kann. Aber Alles das hat nicht genügt, dem ärztlichen Stande eine hervorragende Stellung in der Organisation der Hilfe zu gewinnen. Die Thätigkeit des Arztes darf sich nicht auf die Behandlung von Krankheiten beschränken: er muß zu einer vorbeugenden Krankenpflege berufen werden von den Behörden, denen die Armenpflege obliegt, von den Orts= und Landarmen=Verbänden, von den Krankenkassen und den Genossenschaften, denen die Fürsorge für die Gesundheit des Arbeiterstandes hnvertraut ist. Leider treten die Behörden vielfach In ein rein geschäftliches Verhältniß zu den Aerzten und erschweren denselben ein freies Wirken. Selten wird der Arzt auch äußerlich in den Stand gesetzt, frei von eigenen Sorgen sich seiner Humanitätsaufhabe voll und rein zu widmen. Man verkennt hielfach den wichtigsten Beruf des Arztes, Krankheit und Elend im Keime zu ersticken. Bedeutende Verbesserungen des medizinischen Unterrichts und roßartige Anstalten für die Ausbildung der Aerzte samentlich auf dem Gebiet der Gesundheitspflege— sie Errichtung des Reichs=Gesundheitsamtes, die sygienischen Institute, die Fortbildungskurse für die Nedizinalbeamten müssen mit Dank anerkannt weren; aber wenig geschieht vom Staate, um auch en großen praktischen Aufgaben des Standes geecht zu werden. Noch immer ist den ärztlichen seamten die Initiative verkümmert und die freie intwicklung derselben zu wirklichen Gesundheitseamten gehemmt, obgleich mit geringen Mitteln ne große und in den Folgen fruchtbare Befreiung umaner Kräfte zu erzielen wäre, welche jetzt vielsch brach liegen. Ein Stand, dem weder die Beabung, noch die Kraft zum Wirken fehlt, sollte och vom Staate und von der Gemeinde besser vererthet und zu eigener Thätigkeit berufen werden, e er aus eigenem Antrieb selbst bei der größten jeudigkeit nicht mit Erfolg ausüben kann. So l Gelegenheit sich auch dem Arzte bietet, dem sidenden Trost und Hilfe zu bringen: inmitten her armen Bevölkerung wird der pflichttreue und fühlswarme Mann nicht zur inneren Ruhe komen, wenn er nicht in der Lage ist, sich im weitesten Umfange der allgemein menschlichen Fürsorge zu widmen. In der Aufdeckung und Beseitigung der gröbsten und schwersten Schäden in den Wohnungen der Armen und in der Ordnung der ersten, grundlegenden Lebensbedingungen derselben müssen die Aerzte als uuentbehrliche Organe einer in jeder Beziehung vorbeugenden Armen= und Krankenpflege und als die eigentlichen Sachverständigen für die Werke der Humanität eintreten. Daß die Bedeutung des ärztlichen Standes für die materielle und sittliche Hebung des Volkes bis jetzt noch nicht genügend gewürdigt ist, beweist der geringe Einfluß, den die Heilwissenschaft auf die Gesetzgebung ausübt, selbst da, wo sie zur Mitwirkung berufen wäre. Erst in der neueren Zeit treten Anfänge einer Besserung hervor. Es ist bezeichnend, daß die Bedeutung der Heilkunst für die Erhaltung der Wehrkraft, die namentlich im letzten Kriege wieder mächtig zum Ausdruck kam, den ersten Anstoß zu einer besseren allgemeinen Würdigung der Medizin gegeben hat; ein Anstoß, der zunächst dem Miltitär=Mediz inolwesen zu Gute kam, das durch eine selbstständige Orgonisotion zu einer staunenswerthen Leistungsfähigkeit durchgedrungen ist, zum Segen für das Heer und zur eigenen Ehre. Im Hinblick auf diesen Vorgang und auch für die bürgerlichen Verhältnisse muß ein Gesundheitsdienst mit freier Organisation und eigener Verantwortlichkeit erstrebt werden; nur hierdurch wird es möglich werden, den Anforderungen der Gesundheitspflege gerade da nachzukommen, wo Hilfe am nöthigsten ist, und wo sie dem allseitigen Kampfe gegen Noth und Elend eine sachverständige Stütze geben kann, nämlich in der Gemeinde, in den zahlreichen Bezirken, in welchen der Gemeinsinn noch nicht genügend entwickelt ist, und freie Einrichtungen für die Gesundheitspflege und auch für die Humanität fehlen. Ohne ernstliches und ununterbrochenes Wirken gegen die Noth der Gegenwart, fährt Dr. Brinkmann in seiner Schrift fort, wird die Heilkunst niemals zu der Bedeutung einer sozialen Wissenschaft gelangen, die ihr Professor Virchow vor bald 45 Jahren in Aussicht stellte, wenn er in seiner bahnbrechenden Arbeit über die naturwissenschaftliche Methode sagte:„Welche andere Wissenschaft könnte mehr berufen sein, in die Gesetzgebung einzutreten, um jene Gesetze, welche in der Natur des Menschen schon gegeben sind, als die Grundbedingungen der menschlichen Ordnung geltend zu machen. Diese große Auffassung Virchows klingt lebhaft wieder in einem geistvoll geschriebenen neueren Werke, welches in der Beeinflussung der sozialen Verhältnisse das wichtigste und entschiedenste Vorbeugungsmittel gegen Krankheit und Kränklichkeit sieht. Aber nicht nur vorbeugen, auch aufbauen soll der Arzt durch Geltendmachung der Gesetze der Gesundheitspflege und der Sittlichkeit in weitesten Kreisen und im weitesten Umfang. Hier liegt die gewaltigste Kultur=Aufgabe für den ärztlichen Stand und sein größter Ruhm müßte darin bestehen, Lehrer des Volkes zu sein, in Ordnung seiner Lebensverhältnisse auf einer gesunden und sittlichen Grundlage. Die Therapie ist selbstbewußt geworden, der unmittelbare Heilzweck ist in den Vordergrund getreten. Hierzu kommt die völlige Reform der Wundbehandlung, die fast uneingeschränkte und gesetzlich bestimmte Fürsorge für die Kranken von Staat und Gemeinde, die technische Vervollkommnung des Krankenhauswesens und der Krankenpflege, alles Umstände, die der Heilwissenschaft eine größere und allgemeinere Anerkennung verschafft haben. So berechtigt und verdient nun auch eine solche Auffassung ist, so trägt sie doch für den ärztlichen Stand den Keim einer realistischen Strömung in sich, die unter allen Umständen bekämpft werden muß. Die kräftigste Gegenwirkung aber liegt darin, daß der Arzt in seinem Wirkungskreise seinen ganzen Einfluß geltend macht im Kampfe gegen die Noty der Zeit, daß er auch darin ernste Arbeit leistet im Dienste der Gesammtheit. Dann erst wird für unsere Zeit das herbe Urtheil als unberechtigt anerkannt werden, welches der für seinen Beruf wahrhaft begeisterte und sehr entschiedene Sonderegger ausspricht: Gegen die sozialen Verhältnisse sind alle Seuchen der Erde Kleinigkeiten, und wenn die Medizin da nicht zu rathen und nicht zu helfen weiß, so ist sie ein edler Luxus und weiter nichts.“ Die Stellung der Medizin zu dem allgemeinen Elend unserer Zeit ist durch Arbeiten Professor Kochs insofern beeinflußt worden, als dieselben auf die hohe Bedeutung der Vorbeugung von Krankheiten ein neues helles Licht geworfen und die Ueberzeugung gereift haben, daß auch die größte therapeutische That ohne Reform der Lebensverhältnisse der unteren Stände ihre Wirkung auf die Volks=Gesundheitspflege nicht geltend machen könnte. Die Anregungen, welche aus dieser Ueberzeugung hervorgehen, werden zweifellos dazu beitragen, eine Besserung der bisherigen Zustände anzubahnen und das Interesse für humane Fragen in weitere Kreise zu tragen. So steht die medizinische Wissenschaft in enger Beziehung zum Leben. Die Vermittlung aber müssen die Aerzte übernehmen, und darin liegt ihre wichtigste Aufgabe für die menschliche Gesellschaft.“ Rundschau. 2es Die kleine neutrale Schweiz wird so gern als ein Musterstaat, als ein glückliches Land betrachtet, in welchem Alles beneidenswerth erscheint, namentlich— aus der Ferne angesehen. Ist die Schweiz doch das Paradies der politischen Flüchtlinge und Verschwörer, das Eldorado der emancipirten Studentinnen und anarchistischen Flugblätter=Fabriken. Daß aber in diesem Staate noch Manches oberfaul ist, hat das jüngste furchtbare Eifenbahn=Unglück bei Mönchenstein gezeigt. Nicht etwa, als ob wir bei dem Unglück selbst nach Ursachen suchen wollten, wie dies in unqualifizirbarster Weise bei allen möglichen Gelegenheiten von den Jüngern der Fusangel'schen Schule geschieht. Wir haben lediglich die Umstände nach erfolgtem Unglück im Auge. Da wachen die Regierungsorgane von Baselland und Baselstadt auf ihre Duodezstaaten=Rechte, ohne das Hauptziel, die Rettung der Verunglückten, Bergung der Leichen und die Aufräumungs=Arbeiten einheitlich im Auge zu haben. Letztere vollziehen sich mit verblüffender Langsamkeit, es fehlt an jeder Ordnung, jeder Umsicht, an allen nöthigen Geräthschaften. Eine Unzahl Neugieriger, darunter massenhafte Kindermädchen mit Kinderwagen drängen sich zur Unglücksstelle, ja sogar in die Scheune, in welcher die verstümmelten Leichen aufgebahrt sind. Dem, wie zu einer Schaustellung herbeigeeilten Publikum merkt man zum großen Theil den überaus reichlichen Genuß von Spirituosen an; es wird den Neugierigen der Zutritt zur Unfallstelle und zu den Leichen gegen Entree gestattet, trotzdem die Aufräumung dadurch verzögert wird. Eine ganze Anzahl von Personen wird theils fälschlich, theils unter fingirtem Namen als„vermißt" angemeldet, nur um ungehinderten Zutritt zur Unglücksstätte zu erhalten(in etwa 40 Fällen!!). Endlich weiß die Eisenbahnbehörde nach 8 Tagen noch nicht bestimmt zu sagen, wie viel Wagen der verunglückte Zug gehabt hat! Das sind Zustände, die wir ohne pharisäische Selbstüberhebung getrost als jammervoll und wenig beneidenswerth bezeichnen können. * Die französischen Anarchisten haben den Streik der Omnibusbediensteten in Bordeaux zur Anstellung einer Kraftprobe zwischen ihren und den in der republikanischen Regierungsgewalt verkörperten Ideen erlesen. Seit zwei Tagen ist die Stadt Bordeaux der Schauplatz ernster Straßenunruhen, wobei die sozialrevolutionären Arbeitermassen ihren ordnungsfeindlichen Instinkten freien Lauf lassen. Vergewaltigungen des ruhigen Theiles der Arbeiterklasse, Brandstiftung und sonstige, die Ruhe gefährdende Ausschreitungen sind in Bordeaux an der Tagesordnung und nur die Entfaltung einer Truppenmacht schützt Bordeaux vor einer allgemeinen Katastrophe. Den Führern der Truppentheile erwächst eine ungemein schwierige Aufgabe. Einmal sollen sie den bürgerlichen Sicherheitsbehörden ergänzend zur Hand gehen, andererseits sollen sie den Janhagel mit Glacshandschuhen anfassen und von ihren Waffen den denkbar diskretesten Gebrauch machen. Daß dabei nichts Gescheites herauskommen kann, ist klar. Der Janhagel pflegt jede Rücksichtnahme ihm gegenüber als Zeichen der Schwäche aufzufassen und mit verdoppelter Frechheit zu beantworten. Unter halben Maßregeln leidet der ruhige Bürger, der von Rechtswegen auf das Nachdrücklichste geschützt werden sollte, am allermeisten. Die Bordelaiser Krawalle machen, im Lichte der telegraphischen Berichterstattung, ganz den Eindruck, als wenn sie aus dem Verhalten der Behörden mindestens ebensovielen Nährstoff entlehnten, als aus der direkten Vorschubleistung der anarchistischen Aktionspartei. Dabei ist Bordeaux einer der wichtigsten französischen Verkehrsmittelpunkte, der um seines geschäftlichen Renommees ein doppeltes und dreifaches Interesse an der Wahrung geordneter Verhältnisse hat. Es dürfte ein Rückschlag auf die Geschäftswelt Frankreichs im Allgemeinen nicht ausbleiben, wenn den dortigen Petroleuren ihr gemeingefährliches Handwerk nicht baldigst und gründlichst gelegt wird. Deutsches " Berlin, 24. Juni. Der Kaiser ertheilte heute im Berliner Schlosse dem Staatsminister a. D. Herrn von Maybach die erbetene Abschiedsaudienz und im Anverweilte nach Kiel ges Be schluß daran dem neuernannten Minister der öffentlichen Arbeiten Herrn Thielen die Antrittsaudienz. Nach 10 Uhr folgte die bereits angekündigte Sitzung des Kronraths, welcher Konferenzen des Kaisers mit verschiedenen Ministern sich anschlossen. Mittags begab sich der Monarch nach dem Neuen Palais zurück und bis zu der heute Abend anberaumten Abreise im Familienkreise. — Der deutsche Kolonialrath hat in seiner vierten Sitzung vom Dienstag die Berathung über das koloniale Gesellschaftsrecht zu Ende geführt. Der zweite Theil der Sitzung war der Frage der Förderung der Baumwollen=Kultur in den deutschen Schutzgebieten gewidmet. Der Berichterstatter des für diese Frage nieder„setzten Ausschusses trug an der Hand des schriftlichen Gerichtes die Beschlusse des Ausschusses vor. Dieselben wurden nach eingehender Berathung mit gerinfügigen Abänderungen angenommen. Der Kolonialrath wurde darauf auf unbestimmte Zeit vertagt. — Der neuernannte Eisenbahnminister Thielen hat jetzt sein Amt angerreten, und ist vom Kaiser bereits in einer Privataudienz empfangen. Herr v. Maybachs Abschied von seinen Beamten, mit welchen er fast ein Dutzend Jahre zusammen gearbeitet hat, war ein sehr bewegter. Dem scheidenden Minister traten die Thränen in die Augen, als er den Herren zum letzten Male die Hand drückte. — Die Eisenbahndirektion Breslau ist mit der Anfertigung allgemeiner Vorarbeiten für eine Anzahl schmalspuriger Eisenbahnen im oberschlesischen Industriebezirk beauftragt worden. — Der„Schles. Ztg.“ zufolge hat die preußische Regierung offenbar mit Rücksicht auf die sich neuerdings wieder in verstärktem Maße bemerkbar machenden dänischen Umtriebe in Nordschleswig angeordnet. daß gegenüber den dänischen Optanten, d. h. denjenigen Schleswig=Holsteinern, welche im Jahre 1867 von ihrem Rechte, dänische Unterthanen zu bleiben, Gebrauch gemacht haben, und ebenso gegenüber solchen Nordschleswigern, die als Jünglinge nach Dänemark gegangen, sind, um nicht in Deutschland Militärdienste zu leisten, die strengen Formen und Bedingungen zur Aufnahme in den preußischen Unterthanenverband zur Anwendung gelangen sollen. — Der Verein der Turnlehrer Westfalens und Rheinlands hatte seiner Zeit an den Kultusminister das Gesuch gerichtet, den Turnunterricht an den Volksschulen einer fachmännischen Aufsicht zu unterstellen, da es in vielen Ortschaften an einem Turnplatze sowie an den nöthigen Turngeräthen fehle, der Unterricht vielfach nach einer veralteten Methode ertheilt würde und die Kreisschulinspektoren meistens nicht befähigt wären, die Leistungen richtig zu beurtheilen. Die KreisschulInspektoren waren daraufhin aufgefordert worden, sich gutachtlich über die Anstellung besonderer Turn=Inspek= toren zu äußern. Die Berichte sind nach der„Rheinund Ruhr=Zeitung" durchweg in zustimmendem Sinne ausgefallen. — Ueber den Nachfolgei des verstorbenen Generals Bronsart von Schellendorf kann naturgemäß zur Zeit eine entgiltige Bestimmung noch nicht getroffen sein, doch wird angenommen, daß der Generallieutenant v. Werder. zur Zeit Kommandeur der 1. Division in Königsberg, zum kommandirenden General des I. preußischen Armeekorps ernannt werden wird. Derselbe ist der älteste Divisionskommandeur der Armee. — Der verstorbene frühere Kriegsministek Bronsart von Schellendorf ist trotz aller Schneidigkeit seines Auftretens doch stets ein herzensguter Mann gewesen. Er promenirte eines Tages in den Gängen des Berliner Thiergartens, als er einen Kadetten etwas am Boden suchen sah. Sofort fragte er den jungen Mann nach seinem Verlust und dieser erwiderte, er habe von seiner Uhrkette ein Medaillon mit einer Locke seines verstorbenen Vaters verloren, an dem er ungemein hänge. Der General suchte nun selbst mit und fand auch das Medaillon. Der Kadett bedankte sich viele Male, aber der Minister wollte nun auch wissen, wie viel die Uhr sei. Der junge Mann gestand erröthend, er habe noch keine Uhr und die Kette nur so angelegt. Der Generat hieß den Kadetten mit sich gehen, berrat Unter den Linden ein Uhrengeschäft und kaufte eine prachtvolle Uhr, sie dem erstaunten und überraschten Kadetten mit den Worten übergebend: Wer seine Eltern ehrt, ist Goldes werth. Göttingen, 24. Juni. Geheimrath Professor Dr. Weber, der Erfinder des Telegraphen, ist gestorben. Bromberg, 24. Juni. Heute früh 12½ Uhr entgleiste der Thorn=Berliner Schnellzug 62 zwischen den Stationen Nakel und Walden. Beide Geleise sind gesperrt; Niemand ist verletzt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen bewirkt, die Personenzüge haben nur geringe Verspätung erlitten. Ein Nothgeleise wird hergestellt und dürfte bis Mittag fertiggestellt sein; von da ab ist der Betried zwischen Nakel und Walden eingleisig. Der Grund der Entgleisung war ein Wolkenbruch, durch welchen auf einem zur Bahn abfallenden Wege eine Sandmasse von etwa 10 Centimeter über die oberste Schienenkante in das Geleise geworfen wurde. Holland. Haag, 24. Juni. Durch das Ergebniß der Stichwahlen erhalten die Liberalen eine unbe: streitbare Mehrdeit in der Kammer. Die Liveralen gewannen 9 Sitze. In zwei Distrikten sind die Stichwahlen erst übermorgen. Gewählt sind 53 Liverale, 2 Radikale, 24 Katholiken und 19 Antirevolutionäre. Der Sozialistenführer Nieuwenhuis und der Katholikenführer Schäpman sind nicht wieder gewählt worden. Schweiz. Bern, 24. Juni. Der Ständerath hat mit 30 gegen 11 Stimmen die Amnestirung der bei den Tessiner Aufständen Betheiligten abgelehnt. Paris, 24. Juni. Von gut unterrichteter Seite werden die Meldungen von einem Entlassungsgesuch des General Ladvocat und von dessen Begehren nach der Berufung eines Untersuchungsraths als mindestens verfrüht bezeichnet. * Brest, 24. Juni. Die Flottenmanöver haben heute ihren Anfang genommen; es sind daran 5 Panzerschiffe, 1 Kreuzer und 12 Torpedoboote betheiligt. Toulon, 24. Juni. Bei dem heutigen Nachtmanöver des Mittelmeergeschwaders stießen 2 Torpedoboote zusammen. Beide Boote erlitteu Havarie; von der Bemannung wurde Niemand verletzt. — Der Streik der Omnibus=Angestellten in Vordeaux hat nach wiederholten Krawallen mit dem Siege der Ausständigen geendet. Dagegen dauert in Marseille der Ausstand fort, auch dort sind bedauerliche Exzesse vorgeWmwe. 1 P# ti f. 8 — In Paris haben streitende Fristurgehitfen die Geschäftseinrichtungen ihrer Prinzipale demolirt, weil letztere die aufgestellten Forderungen nicht bewilligen wollten. Eine Anzahl von Exzedenten sind verhaftet. Petersburg, 24. Juni. Nach einem heute veröffentlichten kaiserlichen Ukas wir der Großfürst Michail Michailowitsch unter Curatel gestellt und die Verwaltung seines Eigenthums den Großfürsten Michail Nicolajewitsch und Georg Michailowitsch übertragen. Ztalien. * Italien ist ein gesegnetes Land es blühen Orangen und Citronen, es blüht aber auch das Spitzbubenwesen in starker Ueppigkeit. Eben ist in Bari erst den anderthalbhundert Mitgliedern der Diebesbande Mala Vita der Prozeß gemacht, so ist schon wieder ein Geheimbund, der sich„Infame legge" nennt, von solchen Biedermännern verhaftet worden. Etwa 50 Spitzbuben sind bereits hinter Schloß und Riegel, unter ihnen auch die Honoratioren verschiedener kleiner süditalienischer Städte.„ AMerLAG Ottawa, 23. Der kanadische Finanzminister kündigte in seiner Budgetrede die Abschaffung der Zuckersteuer an, deren jährlicher Ertrag gegen 3500000 Dollars ist. — In Chile erklären Regierung wie aufständische Partei einander für Lumpen und ersuchen Jederman, nichts der anderen Partei zu borgen. Mit diesen großen Worten wird nur nicht der Bürgerkrieg beendet. — Wieder mal eingesperrt ist in New=York der bekannte Arnachist Johann Most. Wegen aufreizender Redensarten ist er ohne Weiteres für ein Jahr in den Kasten gesteckt. China. — In China wird berichtet, daß wegen der bekannten Christenverfolgungen 4 Rädelsführer geköpft worden sind. Westfalen und 8 Witten, 25. Juni.(Prämiirt.) Auf der Gewerbe=Ausstellung in Bochum wurden u. A. prämiirt: Die Märkische Mühlen=Aktiengesellschaft zu Witten und Duisburg, welche in geschmackvoller Weise eine Kollektion der verschiedenen Mehlprozesse vom Korn bis zum feinsten Mehl vorführte, und A. Neuhaus in Heven für verschiedene Winden. Amt eusc Witten, 25. Juni.(Fahrrarten=Umtausch.) Noch nicht genügend bekannt beim Publikum ist die Bestimmung, daß gelöste Eisenbahn=Fahrkarten bis zum Abgange des betref. Zuges gegen das volle Fahrgeld umgetauscht werden können. Die Billetenre sind hierzu verpflichtet und buchen diese Karten als verstempelt. * Langendreer, 22. Juni.(Verschiedenes.) Niemals ist hier die Baulust so rege gewesen, als in diesem Jahre. Unter den 20 Wohnhäufern unv sonstigen Neuund Anbauten, die allein hier und am Bahnhof errichtet werden, sind auch zwei Doppelhäuser der hiesigen Lokalbaugenossenschaft, die ein Grundstuck an der im Mittelpunkt der Gemeinde gelegenen„Kaiserstraße" erworben Phat. Die Ausführung ist Herrn F. W. Maiweg als dem Mindestfordernden ubertragen.— Am vergangenen Samstag Abend fand im Vereinslokal der hiesigen Dorfkompagnieen nach Absolvirung des Kursus— es hat sich daran das Dorf und Holz betheiligt— eine Genéralprobe der beiden Sanitätskolonnen statt. Herr Dr. Maiweg, welcher sich der Mühewaltung freudig unterzogen hatte, führte mit der Mannschaft die verschiedenartigsten Operationen aus, die Zeugniß von der empfangen praktischen Anleitung und dem Verständniß der Gehülfen üblegten.— An dem am Sonntag den 5. Juli in Dortablegten. In dem am Sonntag den 5. Juli in Dort. mund stattfindendeu Provinzialverbandsfeste nehmnen vom hiesigen„Bataillon über 300 Kameraden theil, die Buhnhof=Kompagnie stellt allein 122 Mann. Gedern bei Witten, 23. Juni.(Beim Baden ertrunken.) Drei Maurergesellen machten gestern Nachmittag einen Spaziergang an dem Gestade der Ruhr entlang. Da kam einen von ihnen, dem Maurergesellen Nagirala die Lust an, zu baden und seinen Kameraden die ofe. Roman von J. von Werth. Nachdruck verboten. Rose lachte.„Gewiß, gnädige Frau, wie Sie wünschen. Aber ist es nicht sonderbar, wenn zwei Deutsche eine fremde Sprache zu Hilfe nehmen müssen?“ Signora Paccinini lächelte gleichfalls, aber sie erwiderte:„Nun, nun, ich bin ein Baseler Kind und eine Republikanerin, wie Carla mit Stolz von sich sagt, wenn sie von ihrer schweizer Abstammung spricht.“ „Aber, gnädige Frau, Sie werden mir erlauben, in meinen Patriotismus für alles Deutschthum Alle einzuschließen, welche die gleiche Muttersprache mit mir sprechen; mag der Dialekt noch so verschieden sein und gleichviel, ob sie sich Schweizer oder Oesterreicher nennen.“ „Gewiß“, entgegnete die alte Dame, jetzt schnell in das Französische übergehend.„Doch vor allen Dingen lassen Sie sich anschau'n, ob Sie so sind, wie ich mir gewünscht." Dabei hatte sie wieder beide Hände des jungen Mädchens ergriffen und ließ nun einen langen präfenden Blick über ihr Gesicht und ihre Gestalt gleiten. Das Resultat desselben war, daß sie den braunen Kopf zwischen die Hände nahm, ihn zu sich niederzog und einen herzlichen Kuß auf die jugendlichen Lippen drückte. So nun seien Sie mir willkommen. Setzen Sie sich ein wenig zu mir, um zu plaudern bis zur Frühstückszeit, Der Doktor sagte mir gestern, ich dürfe mich heute noch nicht aus dem Bette rühren. Er ist bei mir alten Frau aber schon an dergleichen Ungehorsam gewöhnt". Damit streckte sie sich wieder auf der Causeuse aus, nachdem sie ein Fauteuil für Rose an ihre Seite geschoben. Der Giovanni, mein Bruder, war heute schon bei mir," fuhr sie dann fort,„und hat mir erzählt, daß Sie leider so jung sind. Freilich, wir hatten beide doch immerhin so gegen vierzig Jahre gedacht, Na— aber Jugend ist ein Fehler, den Jeder sicher ablegt, wenn man ihm nur die nöthige Zeit dazu läßt. Und offen gestanden, mein liebes Kind, ist es mir ganz lieb, daß Sie so jung sind zung genug, um selbst Freude am Leben zu finden und danach zu trachten, es auch Anderen zur Freude zu machen. Sie schütteln den Kopf? Sie haben keine Freude mehr am Leben? Oh— ob— was können Sie denn schon so schreckliches erlebt haben? Freilich, Sie tragen Kunst des Schwimmens zu zeigen. Wie sich der kühne Schwimmer etwa in der Mitte des Flusses, der in Folge des heftigen Regens stark angeschwollen war, befand, verschwand er plötzlich. Ein Schlagfluß mußte seinem Leben ein plötzliches Ziel gesetzt haben. Heute Morgen wurde die Leiche des Unglücklichen auf einer der Krippen aufgefunden, der traurige Unglucksfall mahnt wieder daran, beim Baden in der Ruhr vorsichtig zu sein. * Annen, 22. Juni.(Todtschlag.) Nachden sich die Aufregung über den am vergangenen Sonntag in unserer Nachbargemeinde Rüdinghausen stattgefundenen Ueberfall, bei dem eine Person in gräßlichster Weise zugerichtet wurde, kaum gelegt hot, kommt heute die Kunde von einer noch entsetzlicheren That. Aus geringfügiger Ursache entstand am Samstag zwischen zwei Bergleuten, die den Wirthschaften unseres Ortes mit noch mehreren Kameraden einen Besuch abgestattet hatten, Zwist, der damit endete, daß der Bergmann Julius Bauer vom Schnee auf dem Wege nach Rüdinghauseu durch einen Schlag über den Kopf getroffen niederstürzte und nach Verlauf von wenigen Minuten seinen Geist aufgab. Als der That dringend verdächtig sind bereits zwei Bergleute heute Vormittag festgenommen worden. * Annen, 21. Juni.(In der gestrigen Repräsentanten=Sitzung) der evangelischen Kirche hier wurde das Gehalt des Rendanten von 400 auf 600 Mark erhöht und an Stelle des nach Wetter verzogenen Herrn Schäfer der Bergmann Krächter zum Ersatzrepräsentanten gewählt. Ferner wurde laut„A. Z.“ in Aussicht gestellt, daß die Kirchensteuer, in diesem Jahre 100 Prozent der Klassensteuer betragend, im kommenden Jahre um 10 Prozent ermäßigt werden könnte. Bochum, 23. Juni.(Handelskammer.) Aus der am 16. d. Mts. abgehaltenen Sitzung der Handelskammer ist das Nachfolgende zu erwähnen. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden, Herrn Geheimen Kommerzienrath Baare, wurde zum ersten Gegenstand der Tagesordnung die Vorschlagswahlen von Handelsrichtern für die Kammern für Handelssachen in Essen und Hagen vollzogen. Zu Handelsrichtern für die Kammern von Handelssachen in Essen wurden vorgeschlagen die Herren Generaldirektor E. Kirdorf, Rheinelbe bei Gelsenkirchen, Bergwerksdirektor Bergrath Carl Barth auf Zeche Pluto bei Wanne und Mühlenbesitzer Heinrich Dammer zu Horst; zu Stellvertretern die Herren Bergwerksdirektor Heinrich Hollender in Ueckendorf, Kaufmann Heinrich Kraft in Hattingen und Fabrikbesitzer Adolf Borbet in Schalke. Zum Handelsrichter für die Kammer für Handelssachen in Hagen wurde vorgeschlagen Herr Eduard Klutmann, Kaufmann in Witten, zum Stellvertreter Herr Fabrikdirektor Alexander Rosiny in Witten. Ueber den Wahlakt wurde besonders Protokoll geführt. Ein Schreiben des Herrn Staatssekretärs Dr. v. Stephan wird mitgetheilt, in welchem das Ersuchen des Deutschen Handelstages um Erhöhung der Gewichtsgrenze für einfache Briefe abgelehnt wird. Auf eine Zuschrift des Reichskommissars für die Weltausstellung in Chikago soll geantwortet werden, daß im hiesigen Haudelskammerbezirk keine Neigung besteht sich an dieser Ausstellung zu betheiligen. Dasselbe soll dem Präsidium des Deutschen Handelstages betreffs der für das Jahr 1895 geplanten nationalen Ausstellung in Berlin mitgetheilt werden. Die kgl. Eisenbahndirektion Köln(rechtsrh.) hat auf die Eingabe der Handelskammer vom 14. März d. Is. betreffend die Anlage eines Güterbahnhofes an der Haltestelle HordelEickel, geantwortet, daß zur Zeit umfangreiche Erhebungen wegen anderweiter Regelung des Betriebes im RuhrKohlenrevier und entsprechender Umgestaltung der Bahnhofs= bezw. Bahn=Anlagen schweben und daß daher auf die Eingabe der Handelskammer eine bestimmte Entscheidung noch nicht getroffen werden kann. Hinsichtlich einer Eingabe der Handelskammer zu Wiesbaden an den Reichstag, betr. den Gesetzentwurf über die Regelung des Telegraphen= und Fernsprechwesens, wurde der Vorsitzende beauftragt, Informationen über gewisse einschlägige Fragen einzuziehen, bevor die Handelskammer ihren Beschluß faßt. Einer Eingabe der Handelskammer in Bielefeld an das Abgeordnetenhaus, betreffend den Gesetzentwurf über die Verlegung des preußischen Buß= und Bettages, wurde insoweit zugestimmt, daß es in erster Linie wünschenswerth sei, diesen Festtag auf einen Sonntag zu verlegen. Falls dieser Antrag abgelehnt werden sollte, erschien ein Mittwoch oder Donnerstag geeigneter, als der im Gesetzentwurf vorgesehene Freitag. Einer Eingabe der Handelskammer zu Wiesbaden an den Minister der öffentlichen Arbeiten, betreffend die Einführung des auf einigen mittel= und süddeutschen Eisenbahnen bestehenden Eisenbahn=Packetverkehrs auf den preußischen Staatsbahnen, stimmte das Collegium bei. Herr W. Seippel erstattete Bericht über die von ihm ausgeführte Revision der Handelskammer pro 1890/91, welche zu Erinnerungen keinen Anlaß gegeben hat. Es wurde daher beschlossen, dem Rechnungsableger Entlastung zu erteilen. Der Etat der Handelskammer pro 1891/92 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 8640 M. festgestellt. Betreffs des Druckes des Jahresberichts der Handelskammer pro 1890 wurde beschlossen, von der Stumpfschen und der Hoppstädterschen Druckerei Offerten entgegenzunehmen und der mindestfordernden Firma den Druck zu übertragen. * Bochum, 22. Juni.(Kreisverbandsfest.) In der letzten Sitzung des Kreisverbands=Vorstandes und der Delegirten des Kreises Bochum wurde beschlossen, das diesjährige Kreisverbandsfest der evang. Arbeitervereine am 26. Juli in Herne zu feiern; eine aus 6 Personen bestehende Festkommission wird das Weitere in die Hand nehmen. Bochum, 23. Juni.(Probst Kösters) soll in einer am Freitag stattgefundenen Versammlung der Actionäre der Märkischen Vereinsdruckerei seinen Posten als Verwaltungsrathsmitglied niedergelegt haben. Falls sich die Nachricht bestätigen sollte, so wäre dieses Vorgehen des Probstes jedenfalls auf die Mißbilligung der Fusangelschen Taktik in der Stempelangelegenheit zurückzuführen. Probst Kösters soll von katholischen Arbeitern um Verwendung seines Einflusses gegen das Vorgehen Fusangels dringend angegangen worden sein. Tortmund, 24. Juni.(Explosion.) Die leidige Sitte, auf der Schlafstube eine Petroleumlampe brennen zu lassen, hat hier wieder ein Opfer gefordert. Der Arbeiter Christian Bieling an der Schützenstraße wohnhaft, schraubte vor einiger Zeit kurz vor dem Schlafengeben die Petroleumlampe kleiner und stellte sie in unmittelhare Nähe des Bettes. Nach einiger Zeit explodirte dieselbe, wodurch das Bett und das Hemd des Mannes Feuer fing. Im Nu wurde der arme Mensch über und über mit Brandwunden bedeckt, so daß seine sofortige Aufnahme ins Krankenhaus erforderlich wurde. Dort ist er am Montag unter unsäglichen Schmerzen gestorben. Der Verstorbene war verheirathet und Vater von 3 Kindern. * Letmathe, 23. Juni.(Verhaftet.) Gestern Abend mußten 6 in den hiesigen Steinbrüchen beschäftigte Arbeiter wegen ihres renitenten Auftretens in Nummer Sicher gebracht werden. Nachdem dieselben in ihrer Blaumontagsstimmung in verschiedenen Wirthschaften durch freches Benehmen und Chikaniren anwesender Gäste ihren Gefühlen Ausdruck gegeben hatten, zogen die Radaubrüder in einen Steinbruch und versuchten unter allerlei schweren Drohungen die daselbst anwesenden Steinbrecher von der Arbeit abzuhalten, welches einen allgemeinen Auflauf hervorrief. Auf die Anzeige eines Verwalters bei unserer Polizeibehörde wurden sämmtliche Ruhestörer arretirt und hinter Schloß und Riegel gebracht. * Iserlohn, 24. Juni.(Eine seltsame Erscheinung) war gestern Abend zwischen 11 und 12 Uhr am südöstlichen Horizonte wahrnehmbar. Der Himmel erschien dort kurze Zeit bald röthlich bald weiß und inmitten dieses Fabenwechsels fiel, gleich einem Raketenbündel, ein ganzes Heer von Sternschnuppen, nach deren Erlöschen der Himmel an dieser Stelle augenscheinlich ganz verdunkelt und kein einziger der vordem so zahlreichen Sterne mehr zu erblicken war. Die ganze Erscheinung dauerte etwa vier Minuten. Gevelsberg, 23. Juni.(Wildschweine.) In den letzten Tagen zeigten sich in der Vörder und Rüggeberger Jagd Spuren von Wildschweinen, welche wahrscheinlich bei einem Treiben aus dem Sauerlande hierher vertrieben wurden. Auf erfolgte Einladung begaben sich mehrere Jäger von hier in die bezeichneten Reviere, brachten aber kein Thier zur Stelle, da es heftig regnete und die Treiber der Nässe halber nicht ins das Dickicht dringen konnten. Barmen, 24. Juni.(Entgleisung.) Gestern Abend gegen 10 Uhr entgleiste auf dem Güterbahnhofe Mittelbarmen am Bahnubergang im Bruch ein leerer Güterwagen. Da derselbe nach ca. 1 Stunde wieder flott gemacht werden konnte, ist eine Verkehrsstörung nicht eingetreten. Barmen, 24. Juni.(Wasserleitung.) Das Hauptfallrohr der Barmer Wasserleitung hat heute Morgen bei Asbeck einen Bruch erlitten. Die Arbeiterkolonne ist dorthin unterwegs, es wird indessen wahrscheinlich eine Unterbrechung der Wasserversorgung der Stadt Barmen für einige Stunden eintreten. * Elberfeld, 23. Juni.(Sehr richtiger Beschluß.) Die Stadtverordneten=VersammBürgervereins und einer sozialdemokratischen Volks=Versammlung einzutreten, es möge von der StadtverordnetenVersammlung an den Bundesrath eine Petition um Aufhebung oder mindestens zeitweise Aufhebung der Getreidezölle gerichtet werden. Essen, 24. Juni.(Radfahrersport.) Ueber eine für Radfahrer interessante Wettfahrt wird Folgendes mitgeteilt: Die Strecke Essen=Düsseldorf(34 Klm. Stunden) haben am Sonntag 2 Mitglieder des Essener Trauer. Aber, Kind, das ist so einmal der Lauf der Natur. Wir Alten müssen den Jungen Platz machen und es schlägt eines Jeden Stündlein einmal, in welchem er der lieben, hellen Gottessonne den Rücken kehren muß. Sie war Ihnen lieb, die gestorben?“ „Sie war mir eine liebevolle Mutter.“ „O. armes Kind", rief die alte Dame wieder und streichelte Rose's Hand.„Ja, ja, das macht das Herz wund.“ „Und doch ist es nicht das allein", flüsterte Rose mit zuckenden Lippen. Auf die liebevollen Fragen erzählte sie dann all' ihren Kummer, und die alte Dame lauschte ihrer Erzählung mit jener wortlosen innigen Theilnahme, die auf kranke Herzen so wohlthätig wirkt. Nur ihre Hand drückte sie bisweilen herzlich. Auch als Rose geendet hatte, suchte sie nicht zu trösten und sagte nur bedächtig mit dem Kopf nickend:„Armes Kind, so früh schon so etwas erfahren zu müssen. Aber das muß überwunden werden. Glauben Sie mir, es giebt in jedem Hause einen dunklen Winkel und in jedem Herzen einen wunden Fleck. Das ist nun einmal nicht zu ändern. Mein armer Giovanni ist da wohl am schlimmsten betroffen worden. Nach langer Pause fragte sie dann:„Haben Sie von dem Unglück meines Bruders gehört?“ Rose verneinte..,. ggt gle G.: forthuskDie Stimme klang heftig und erregt, ius sie fortführ: „Seine erste Frau starb kurz nach Lia's Geburt, seine zweite ist— wahnsinnig. Ich sage Ihnen das, damit Sie seine Stimmungen verstehen lernen. Er ist nicht immer der gewandte Kavalier oder der liebenswürdige, interessante Gesellschafter, sondern öfter noch ein— ein gebrochener oder ein verbitterter Mann. So! Und nun gehen Sie, mein liebes Kind. Es ist fast Mittag, also Frühstückszeit für Sie. Ich will hoffen, daß Sie mich alte Frau bald ein wenig lieb gewinnen. Wenn Ihnen einmal das Herz schwer ist, dann kommen Sie nur hierher. Dort am Kamin ist ein trauliches Plätzchen zum plaudern. Da wollen wir schon berathen, wie dem armen Herzen von seiner Last zu helfen sei!“ Rose ging froher, als Sie gekommen war. Jetzt hatte sie eine Stätte, wo sie sich heimisch fühlte. In dem kleinen braunen Vondoir, an der Seite der alten Frau war sie keine ganz Fremde mehr. Als sie in das Speisezimmer trat, fand sie den Konsul und die kleinen Mädchen schon dort. Er begrüßte sie durch eine stumme Verneigung aud nahm dann ihr gegenüber Platz. Rose versuchte eine Unnterhaltung in Gang zu bringen, aber sie sah, welche Mühe es ihm machte, mit seinen Gedanken dabei zu bleiben. So wandte sie sich den Kindern zu und beschäftigte sich mit diesen, die anfänglich noch neugierig scheu zu ihr emporblickten, aber von Minute zu Minute zutraulicher wurden. Sie band Carla die Serviette um, gab Lila die Gabel geschickter in die kleinen Hände und erzählte ihnen dabei von dem Gänsemädchen in Strahleneck. Es ging täglich mit einer jangen Peitsche barfuß hinter seiner schnatternden Heerde her, um sie in die Stoppelfelder zu treiben. Dort mußten die Gänse sich selbst ihr Futter suchen. Klein= Fiken aber pflückt währenddessen auf dem Rain zwischen den Feldern die Wiesenblumen, die dort blühen, und windet Kränze daraus. Einen für sich selbst und einen für ihre Lieblingsgans. Den hängt sie ihr um den scheeweißen Hals; und die Gans ist sehr stolz darauf. Sie schnattert so lustig und geht immer zuerst. Die anderen folgen ihr in einer langen Reihe immer eine hinter der andern. Wenn im Dorfe dann zu Mittag geläutet wird, holt Klein=Fiken auch sein Mittagbrot hervor und ißt mit einem Blechlöffel aus einem irdenenen Topf ihren Hirsebrei. Zwischendurch singt sie aus heller Kehle allerlei lustige Melodien, die sie sich selbst ausgedacht hat. Die Sonne lacht am blauen Himmel und guckt neugierig in Fikens Topf. Dabei scheint sie so warm auf ihren Kopf und den Kranz, daß derselbe ganz welk wird. So macht sie es alle Tage, wenn nicht gerade Wolken am Himmel stehen, und hat die Haut in Fikens Gesicht schon ganz dunkelbraun gebrannt. Das Haar des kleinen Gänsemädchens aber, das einmal blond gewesen, hat sie mit Hilfe des Regens fast schon so weiß gebleicht wie die Leinwand im Pfarrgarten. Doch daraus macht Fiken sich gar nichts. Wenn sie fertig gegessen hat, nimmt sie ihre lange Peitsche und treibt ihre Heerde wieder dicht zusammen. Sie schlägt jedoch niemals eines der Thiere: bewahre, das würde ihm ja weh thun. Wenn sie alle wieder hübsch beisammen sind, legt sie sich um zu schlafen mit dem Kopf auf einen Feldstein unter einen wilden Rosenstrauch. Der giebt gerade nur so viel SchattenRadfahrer=Vereins„Vorwärts“, die Herren Th. Boeckli und G. Rothgießer, auf Fahrrädern in 1 Stunde 25 M zurückgelegt. Es handelte sich um eine Wette, deren Ausgang mar. Sportkreisen mit großem Intersse entgegensah. Herr Rothgießer fuhr ein neues Niederrad mit dicken, luftgefüllten Pneumatie=Gummireifen, und hatte, um die große Ueberlegenheit des Rades gegen das géwöhnliche Hochrad, welches Herr Boeckling fuhr, zu beweisen, letzterem 20 Minuten vorgegeben. Der Hochradfahrer wurde vom hiesigen Bahnhof früh 5 Uhr abgelassen und erreichte Düsseldorf=Derendorf 6 Uhr 25 Min., während der Niederradfahrer 5 Uhr 20 Min. abfuhr und 6 Uhr 45 Min. das Ziel passirte. Herr Rothgießer hat also von der Vorgabe nichts einzuholen vermocht und die Wette verloren. Die gefahrene Strecke von 1 Stunde 25 Min. erregt allgemeines Aufsehen, zumal die Strecke Essen=Düsseldorf sehr viele und erhebliche Steigungen hat und Wind und Wetter, sowie aufgeweichte Straßen sehr hinderlich waren. * Düsseldorf, 23. Juni.(Altersrente 1821 Geborener.) Seit einiger Tagen laufen bei der Altersund Invaliditäts=Versicherungsanstalt die AltersrentenAnspruche von Leuten, welche 1821 geboren sind und das 70. Lebensjahr vollendet haben, zahlreich ein und werden solche jetzt zur Feststellung kommen. Eine große Zahl 1821er hatte bereits früher diesen Antrag gestellt, mußte aber damals abgewiesen werden. Da diese Anträge mit den Arbeitsbescheinigungen, Geburtsattesten reservirt wurden, bedarf es hier nur der Erneuerung des Antrages. Die Anstalt hat jetzt ein zweites Haus zu Bureauzwecken in Benutzung genommen. * Gütersloh, 22. Juni.(Geringe Ursache, große Wirkung.) Eine Frau, die fur ein Geschäft Baumwollgarn wäscht, hat vor längerer Zeit durch einen Faden, welchen sie zerreißen will, eine Verletzung am Finger sich zugezogen. Schon bald darauf schwoll der Arm dermaßen an, daß man die Kleidung durchschneiden mußte; ärztliche Hilfe wurde sofort hinzugezogen, und wurde Blutvergiftung konstatirt. Jetzt ist die Frau wohl aus der Lebensgefahr heraus, aber 2 Finger sind ihr schon abgenommen, und ob es dabei bleiben wird, ist sehr fraglich. Aus dem Landkreise Köln, 22. Juni. Die Felder stehen zum Sommeranfang durchaus schön; wenn der Himmel ein Einsehen haben und endlich ein trockenes und warmes Wetter bescheeren wollte, könnten wir auf eine recht gute Mittelernte rechnen. Der Roggen steht nicht so voll wie sonst in guten Jahren, aber sehr gleichmäßig und hat große Aehren. Die Blüthe ist noch nicht überall vorüber, dürfte leider auch durch das ungünstige Wetter etwas beeinträchtigt sein. Hafer wie SommerGerste und=Weizen stehen geradezu üppig, sodaß hier die größere Gefahr durch den allzumächtigen Wuchs begeben ist, der das Umlegen des Hafers befürchten läßt. Der anhaltende Regen ist besonders den Kartoffeln und den Rüben aller Art zu statten gekommen; aber auch hier wäre es jetzt des Segens vollauf genug. Die HeuErnte ist begonnen worden, es fehlt nur trockenes Wetter. Die schönen Aussichten auf eine gute Rebhühnerjagd sind vielerorts vollständig vernichtet worden, da sich zeigt, daß die brütenden Hühner die Gelege verlassen haben. Die Hoffnungen auf eine gute Hasenjagd sind nicht merklich beeinträchtigt worden. Dülken, 22. Juni.(Gerüstbruch.) Heute Vormittag gab bei dem Neubau des hiesigen Krankenhauses ein Gerüst nach, und sechs Arbeiter stürzten aus beträchtlicher Höhe herunter. Der Zustand eines derselben, welcher glücklicherweise keine Familie zu ernähren hat, soll, wie die„Cref. Ztg. meldet, nicht unbedenklich sein: die übrigen scheinen weniger schwere Verletzungen davongetragen zu haben; einer, welcher beim Wanken des Gerüstes herabsprang, ist am besten davongekommen. Sämmtliche Verunglückte wurden nach dem Krankenhause gebracht. * Uerdingen, 22. Juni.(Wolkenbruchartiger Regen.) Heute Morgen wurde unsere Stadt und umgegend von einem wolkenbruchartigen Regen heimgesucht, der an manchen Stellen beträchtlichen Schaden angerichtet hat. Die Straßen waren so hoch überschwemmt, daß das Wasser in die Keller eindrang. Crefeld, 23. Juni.(In der hiesigen sozialdemokratischen Partei) ist es zu Spaltungen gekommen, welche durch das hier vertriebene Parteiorgan „Niederrheinische Volkstribüne" veranlaßt wurde. Das Blatt, früher von Grimpe, neuerdings von Luxweiler in Elberfeld redigirt, erscheint nur in geringer Auflage. Der Verleger Arn. Clemens hat nun mit 900 M. Schulden sein Amt als Expedient niedergelegt und soll ausgewandert sein. In einer am Sonntag abgehaltenen Versammlung wurden sowohl gegen den„Genossen" Clemens, wie gegen die hiesige Parteileitung überhaupt nichts weniger als rühmenswerthe Beschuldigungen erhoben. * Viersen, 22. Juni.(Ueberfall.) Heute Morgen gegen 6 Uhr wurde der„Cref. Ztg. zufolge eine Frau daß auf ihr Ohrläppchen schon wieder die Sonne brennt. Doch das schadet nicht. Der Schatten wird schon größer werden, je mehr die Sonne hinter dem Rosenstrauch drüben versinkt. Wenn er dann gerade bis an ihre nackten Füße reicht, steht sie auf. Sie sammelt von neuem Blumen und singt dabei in die sonnige zitternde Luft über den weiten kahlen Stoppelfeldern. Wenn die Sonne untergeht und aus dem Dorfe das Abendläuten zu ihr klingt, treibt sie ihre Heerde auf der staubigen Landstraße wieder dem Dorfe zu. So geht es alle Tage bis es kalt wird. Zu Martini werden die Gänse geschlachtet und die schönen weißen Federn ihnen abgerupft. Dann giebt es am Martinstage die schönsten Braten. Und von den weichen Federn ihrer Lieblingsgans bekommt Fiken ein warmes Bettchen für den Winter. „Fräuleinchen, wissen Sie“, sagte die kleine Lia und zupfte leise an Rose's Kleid.„Wenn ich groß bin, möchte ich auch Gänsemädchen in Strahleneck werden. Ich möchte auch so viele Gänse haben, die alle so lustig schnattern, und möchte den ganzen Tag nur immer singen und Blumen pflücken. Rose lachte.„Fiken ist nicht alter als Du, meine Kleine. Ein wenig größer und stärker ist sie nur; das muß Du auch werden.“ Auch der Konsul, der anfangs so düster und schweigsam gewesen, lächelte und sagte:„Es ist ja nicht gerade nöthig Gänsemädchen zu sein, um zu singen und Blumen zu pflücken. Als nach dem Frühstück die kleinen Mädchen, zum Ausgehen gerüstet, mit der Bonne eintraten, um Adien zu sagen, knüpfte Rose sorgfältig Lias Shawl fester, rückte Carlas Hut aus der Stirn und strich die Locken zurecht. „Heut und morgen geht ihr noch mit Savina spazieren, meine Kleinen, aber dann kommt ihr mit mir," sagte sie und drückte einen Kuß auf die frischen Kinderlippen, die sich ihr entgegenstreckten.„Und nun marschirt hübsch gerade und aufrecht. In zwei Stunden müssen Sie wieder zurück sein, Savina.“ Alessandro meldete die Lehrerin und den Turnlehrer der kleinen Mädchen. (Fortsetzung folgt) von Helenabrunn auf de kommend, von einem Indiv am Schreien zu hindern, den Mund gesteckt und di begangen. Der Unmensch Spur und hoffentlich gelin werden. Aachen, 23. Juni. Auf der Grube Langenber durch schlagende Wetter di Frankfurt a. M., 23 mord) im Zoologischen Seite folgendes mitgethei 12 und 1 Uhr der Wäch auf einem seiner Rundgä zwingers kam, hörte er Frauensperson im Eisbä vor ihr, ohne ihr jedoch e# Die Frage des Wächters, sei, beantwortete das Fre rung, sie zu retten o Es stellte sich dann herai entkleidet, ihre Kleider sor an einem Strick in den Ki Wächter holte sofort den Polizei. Bis aber mit fernen oder zu tödten, beg Thier die Person schon zei befindliche Dienstbuch wie 44 Jahre altes Dienstmä Man versuchte dann, den Pfernen, da man sah, daß Rettung dem Mädchen Versuch veranlaßte den B zu zerfleischen. Es dauert liche Zeit, bis man des K und ihn an dem nämlicher sich hinuntergelassen hatte, Das offenbar irrsinnige ol von Geistesstörung hande Zweifel in selbstmörderise begeben. Eine Schuld t Bärenkäfige sind derart m tein Thier ausbrechen und Kafig kommen kann. T alles gethan, was er mitt ##lage nach thun konnte. Verhandlungen der vom 24 1. Unter Ausschlußd den Anstreichergehülfen F Derselbe wurde eines im übten Sittlichkeitsvergehen 2 Monaten Gefängniß ve 2. Der Fabrikarbeiter aus Barmen war des se ggeklagt. Den Diebstahl #allein gegen den schwere Kräften. Er hat geständig Langerfeld aus dem Zimn gentwendet. Während V. Thür in das Zimmer gek Tasse liegen sehen und de Diebstahls gekommen, bek. Thür sei verschlossen gewi n der Tasche gehabt. D Adas Fenster eingestiegen, #sand; allerdings haben sic ondern im Hofe unweit daß nach der Scheibenzer geklagten weggeräumt se uuch im Zimmer ganz n vor, der als der Stock de Der Herr Staatsunwalt gerwiesen und beantragte ##uch der hohe Gerichtst Schweren Einbruchsdiebsta Uhn zu 9 Monaten Gefän 3. Unter der Anklaged der Heizer Gustav B. au Is. nachdem der ka Gevelsberg passirt hatte, steits angeheitertem Zustat Hand, in einer Wirthschaft #leute über die Kaiserreis nischte sich B. in das bezüglich des Kaisers, die heilweise wie Aeußerunge Einne beisammen hat. W #iß B. seine fünf Sinne: scheine. Der Herr Staa Der auch heute den Eindru# der Majestätsbeleidung so Befängniß; der Angeklag Urtheil lautete auf Freisp hu die Aeußerungen des ehrerbietig, jedoch nicht des höchsten Gerichtshofes genommen, daß B. sich ei sewesen. 4. Der Maurergeselle Tagener Gerichtsgefängnif koltem Rückfall angeklag Zu Altena einem Mitai enommen, die er einfa nachte. Zwar wollte machen, daß er die Stie h##be, aber diese Ausrede burde, daß er sofort, als hgte, er solle nur ruhig bezahlen. Der Angetta piederholtem Rückfalle, Staatsanwaltschaft gemä rtheilt. 5. Der wegen Diebst rafte Tagelöhner H. al I. bei einem Hause vo erster eine Hose hing. 9 net, die Hose eskamot #n 20 Mk. hatte, für 2 har geständig, allein er das ihm natürlich nichts kreits mehrfach wegen so haft, aus welchem Grun hir unzuständig erklärt ur der verwiesen hatte. Di tage des Herrn Staatsa alstrafe von 2 Jahren 6. Das Kgl. Schöffe necht F. B. daselbst Straßenpolizei=Ordnung; sährend Angeklagter von sos freigesprochen war. gte Berufung wurde a biederum festgestellt wurd findlich gesinnten Kutsch lich Vorschrift auswich, Flanke fuhr. 7. Auch die Berufung Altena wegen Straßer #eldstrafe verurtheilten brde als unbegrundet v# sten Richters, daß Ange findliche Straßenrinne kte getroffen wurde. 8. Wegen Gewerbester der H. Sch. aus Barl — von Helenabrunn auf der Landstraße von Gladbach kommend, von einem Individuum überfallen. Um dieselbe am Schreien zu hindern, wurde ihr ein Taschentuch in den Mund gesteckt und darauf ein Verbrechen an ihr begangen. Der Unmensch entfloh. Man ist ihm auf der Spur und hoffentlich gelingt es bald, seiner habhaft zu Aachen, 23. Juni.(Schlagende Wetter.) Auf der Grube Langenberg wurden in der letzten Nacht durch schlagende Wetter drei Bergleute schwer verletzt. Frankfurt a. M., 23. Juni.(Ueber den Selbstmord) im Zoologischen Garten wird von zuständiger Seite folgendes mitgetheilt: Als heute Nacht zwischen 12 und 1 Uhr der Wächter des Zoologischen Gartens auf einem seiner Rundgänge in die Nähe des Bärenzwingers kam, hörte er Geschrei und fand eine nackte Frauensperson im Eisbärenkäfig sitzen, der Bär stand vor ihr, ohne ihr jedoch etwas zuleide gethan zu haben. Die Frage des Wächters, wie sie denn da hineingekommen sei, beantwortete das Frauenzimmer mit der Aufforderung, sie zu retten oder sie in Ruhe zu lassen. Es stellte sich dann heraus, daß die Person sich oben entkleidet, ihre Kleider sorgfältig zusammengelegt und sich an einem Strick in den Käfig hinuntergelassen hatte. Der Wächter holte sofort den Wärter und benachrichtigte die Polizei. Bis aber mit dem Versuch, den Bär zu entfernen oder zu tödten, begonnen werden konnte, hatte das Thier die Person schon zerfleischt. Das bei den Kleidern befindliche Dienstbuch wies die Selbstmörderin als ein 44 Jahre altes Dienstmädchen Wolff aus Bayern aus. Mau versuchte dann, den Bär von deln Körper zu ent#fernen, da man sah, daß eine Tödtung des Thieres keine Rettung dem Mädchen mehr bringen konnte. Dieser Versuch veranlaßte den Bären, den Körper noch weiter zu zerfleischen. Es dauerte eine lange, grauenhaft peinliche Zeit, bis man des Körpers habhaft werden konnte und ihn an dem nämlichen Strick, mit dem das Mädchen sich hinuntergelassen hatte, aus dem Käfig entfernen konnte. Das offenbar irrsinnige oder wenigstens in einem Anfall von Geistesstörung handelnde Mädchen hatte sich ohne Zweifel in selbstmörderischer Absicht in den Bärenkäfig begeben. Eine Schuld trifft dabei niemand, denn die Bärenkäfige sind derart mit Schutzgittern verwahrt, daß ##kein Thier ausbrechen und kein Mensch absichtslos in den Käfig kommen kann. Der diensthabende Wächter hat alles gethan, was er mitten in der Nacht und der Sach##lage nach thun konnte. Verhandlungen der Strafkammer zu Hagen vom 24: Juni 1891. 1. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den Anstreichergehülfen Fr. K. aus Schwelm verhandelt. Derselbe wurde eines im Februar d. J. zu Schwelm verRübten Sittlichkeitsvergehens für schuldig befunden und zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. 2. Der Fabrikarbeiter und Bandwirkergeselle H. V. Aaus Barmen war des schweren Einbruchsdiebstahls anneklagt. Den Diebstahl an sich gab der Angeklagte zu, ##allein gegen den schweren Einbruch wehrte er sich nach AKräften. Er hat geständigermaßen am 1. März d. J. zu Langerfeld aus dem Zimmer eines Arbeiters 5 M. 60 Pf. gentwendet. Während V. angiebt, er sei durch die offene Thür in das Zimmer gekommen, habe das Geld in einer Tasse liegen sehen und da erst sei ihm der Gedanke des Diebstahls gekommen, bekundet der Zimmerbewohner, die Thür sei verschlossen gewesen und er habe den Schlüssel der Tasche gehabt. Der Angeklagte ist somit durch is Fenster eingestiegen, dessen Scheibe sich zerbrochen sand; allerdings haben sich die Scherben nicht im Zimmer, kondern im Hofe unweit des Fensters vorgefunden, so daß nach der Scheibenzerstörung die Splitter vom Angeklagten weggeräumt sein mussen. Es fand sich aber #uch im Zimmer ganz nahe der Fensterbank ein Stock der als der Stock des Angeklagten erkannt wurde. Wer Herr Staatsunwalt hielt den schwerrn Einbruch für Verwiesen und beantragte 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus; ##uch der hohe Gerichtshof hielt den Angeklagten des #chweren Einbruchsdiebstahls für schuldig und verurtheilte Uhn zu 9 Monaten Gefängniß. 3. Unter der Anklage der Majestätsbeleidigung erschien dder Heizer Gustav B. aus Haßlinghausen. Am 4. Mai Is. nachdem der kaiserliche Extrazug die Station Gevelsberg passirt hatte, erschien der Angeklagte in besteits angeheitertem Zustande, die Schnapsflasche in der hand, in einer Wirthschaft in Gevelsberg, woselbst mehrere Aeute über die Kaiserreise sprachen. Ungebetener Weise nischte sich B. in das Gespräch und gebrauchte Worte bbezüglich des Kaisers, die theilweise unehrerbietig klangen, #heilweise wie Aeußerungen eines Menschen, der nicht alle Einne beisammen hat. Wirklich bekundete auch ein Zeuge, aß B. seine fünf Sinne nicht immer beisammen zu haben scheine. Der Herr Staatsanwalt hielt den Angeklagten, Der auch heute den Eindruck eines Konfusionsrathes machte, Dei Majestätsbeleidung schuldig und beantragt 3 Monate Befängniß; der Angeklagte bat um milde Strafe. Das v#irtheil lautete auf Freisprechung. Der hohe Gerichtshof In die Aeußerungen des Angeklagten zwar für durchaus ##nehrerbietig, jedoch nicht beleidigend gemaß der Judikatur ds höchsten Gerichtshofes erachtet, außerdem hat er angenommen, daß B. sich einer ev. Beleidigung nicht bewußt zewesen. 4. Der Maurergeselle A. I., domizillos., z. Z. im Tagener Gerichtsgefängniß, war des Diebstahls in wieder#eltem Rückfall angeklagt. Er hat am 22. Mai d. J. Iu Altena einem Mitarbeiter ein Paar Stiefeln weg#nommen, die er einfach anzog und sich damit davon nachte. Zwur wollte heute der Angeklagte glauben Bnachen, daß er die Stiefeln nur leihweise mitgenommen ##ibe, aber diese Ausrede half ihm nichts, zumal feftgestellt wurde, daß er sofort, als iyn der Bestohlene traf, diesem acte, er solle nur ruhig sein, er wolle die Stiefeln schon bezahlen. Der Angetlagte wurde wegen Diebstahls in biederholtem Rückfalle, dem Antrage der königlichen Staatsanwaltschaft gemäß, zu 1 Jahr Gefängniß ver#rtheilt. 5. Der wegen Diebstahls bereits wiederholt vorbeKrafte Tagelöhner H. aus Iserlohn ging am 21. Mai J. bei einem Hause vorbei, an dessen einem Parterrersier eine Hose hing. Flugs hatte er das Fenster geEfnet, die Hose eskamotirt und selbe, die einen Werth on 20 Mk. hatte, für 2 Mark versetzt. Der Angeklagte bar geständig, allein er suchte Trunkenheit vorzuschützen, das ihm natürlich nichts half. Zu seinem Unglück ist er rreits mehrfach wegen schweren Einbruchsdiebstahls betaft, aus welchem Grunde sich auch das Schöffengericht fir unzuständig erklärt und die Sache an die Strafkamer verwiesen hatte. Der Angeklagte wurde dem Antage des Herrn Staatsanwalts gemäß zu einer Minisalstrafe von 2 Jahren Zuchthaus verurtheilt. 6. Das Kgl. Schöffengericht zu Witten hatte den necht F. B. daselbst wegen Uebertretung der Localtraßenpolizei=Ordnung zu 6 M. Geldstrafe verurtheilt, Dahrend Angeklagter von der Anklage des groben Unfreigesprochen war. Die vom Angeklagten eingeBerufung wurde als unbegründet verworsen, da biederum festgestellt wurde, daß Angeklagter einem ihm #indlich gesinnten Kutscher mit seinem Fuhrwerk nicht lich Vorschrift auswich, sondern demselben absichtlich in Flanke fuhr. 7. Auch die Berufung des vom Königl. Schöffengericht Altena wegen Straßenpollzeicontravention zu 3 Mrk. beldstrafe verurtheilten Kaufmanns C. H. Kl. daselbst Arde als unbegrundet verworfen, da die Feststellung des sten Richters, daß Angeschuldigter die vor seinem Hause Findliche Straßenrinne nicht hat Ate getroffen wurde. reinigen lassen, auch Fr grr g.—-0e. 8. Wegen Gewerbesteuercontravention war der Buchder H. Sch. aus Barmen, der am 22. Oktober v. I. in Schwelm 6 Hutschachteln, die ihm bestellt gewesen, abliefern wollte und davon eine einer Frau, die ihn angerufen hatte, abließ, zu 36 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Gensdarm Th. hatte gesehen, daß Sch. der Frau die Schachtel verkaufte, und machte Anzeige wegen unerlaubten Hausierhandels. Die vom Angeklagten eingelegte Berufung war erfolglos. 9. Die Berufung der geschiedenen Eyefrau H. G. aus Altena, die vom Schöffengericht daselbst wegen Uebertretung des§ 3616 des R. Str.=G.=B. zu 3 Wochen verurtheilt worden war, wird ebenfalls verworfen. Grotte des Schlafes. „Die Grotte des Schlafes, ein Bild aus hoch modernem Leben“ lautet die Ueberschrift eines interessanten Feuilletonartikels des„Pester Lloyd“, dem wir gendes entnehmen: Das Haus Sturegatan(Sturestraße) 5 in Stockholm unterscheidet sich in nichts von den anderen Wohnhäusern jenes eleganten Viertels, das sich im Schatten der königlichen Bibliothek aufgebaut hat. Es ist ein großes Miethhaus für mehrere Parteien, in einem gelinden Barokstil gebaut, mit dem selbstverständlichen Balkon quer durch die Fagade. Aber im zweiten Stockwerke besinden sich zwei Salons, in denen ein modernes Märchen wohnt, ein wundersames, ein unglaubliches. Von 9 bis 4 Uhr täglich dauett der merkwürdige Spuk und 60—70 Menschen täglich erstaunen darüber und glauben es nur, weil sie selber dabei mitgespielt haben. Unhörbar tritt man ein, denn dicke rothbraune Teppiche decken den Boden. Ein halbes Zwielicht füllt den Raum, denn alle Vorhänge sind herabgelassen. An den mattfarbigen Wänden bängt kein Bild, in den Ecken stehen keine Vasen mit Grün. Keine Stockuhr tickt, keine Fliege summt, keine Thür knarrt. Die Einrichtung besteht aus lauter Kanapees, Sophas, Divans, Ottomanen, Chaiselonques, Balzacs und Fauteuills. Am Kopfende eines jeden liegt ein kleines Kissen. Auf den meisten dieser Möbel liegt, lehnt oder sitzt eine regnungslose Gestalt, ein versteinerter Herr oder eine erstarrte Dame, oder ein Kind. Jedes hat eine andere Stellung, aber ein jedes ist in dieser Stellung festgebannt, keines regt ein Glied oder zuckt mit einer Wimper, keines schnarcht oder stöhnt, kein Mund steht offen, wie sonst wohl bei Schlafenden. Sie schlafen nämlich in der That. Sie schlafen ruhig wie unschuldige Kinder im Arme der Mutter. Ein rosiger Hauch liegt auf jedem Antlitze wie ein verhaltenes Lächeln. Die Harmonie der Unbewußtheit ist über diesen Glücklichen ausgegossen. Ist es eine Opiumhöhle, wo man Narkose raucht? Hat der Blitz hier eingeschlagen und einen ganzen Fünf=Uhr=Thee auf einmal betäubt. Sind wir in einer Versammlung schwedischer Fakire, die sich in monatelangen Schlaf zu versetzen wissen. Ist Dornröschen's Schloß plotzlich nach Sturegatan versetzt worden, wie einst die Santa Casa von Tersato nach Loreto? Wir sehen uns ungewiß nach dem Thürpfosten um, ob sie nicht aus Elfenbein seien, wie die des Traumlandes bei Homer. Todtenstille. Diese Sammlung von Scheintodten in ihrem eleganten Massengrabe giebt keine Antwort. Auf diesem Balzac ruht ein schlankes weißblondes Fräulein mit langen feinen Zügen und übernatürlich durchsichtigem Teint; sie muß eine Cleichsüchtige Fee sein, vielleicht die Elfe einer Wasserlilie. Auf jener Ottomane liegt rücklings hingesunken, der Kopf auf die Schulter gesenkt, ein wettergebräunter Riese in Jägertracht. Dort in dem„Schwimmer" sitzt, die Beine weit vor sich hingestreckt, die Arme schlaff bis auf den Boden herabhängend. den Kopf tief vor die Brust gefallen, eine hagere, eckige Frauengestalt, um deren bleiche, scharf umrissene Schläfe der Tod zu spielen scheint. Auf dem nächsten Divan ruht ein Knabe in sonderbarer Lage, als wäre er von einer Höhe herabgekollert und mit einer Gehirnerschütterung liegen geblieben. Hinter jener spanischen Wand sitzt aufrecht auf einem„Puff“ ohne Lehne die starre Gestalt eines Offiziers in bürgerlicher Kleidung, eine rothe Rosette im Knopfloch, nach dem spitzbärtigen Gesicht zu urtheilen, ein französischer Troupier. Da plötzlich rauscht ein Seidenkleid. Ein Thürflügel hat sich geöffnet und herein stürmt eine heftige Dame, dick und roth, fast ohne Augenbrauen, mit krampfhaftem Bewegungen. Sie eilt gerade aus, wie eine Lokomotive, und scheint drei oder vier Schläfer überfahren zu wollen. Aber an einem unbesetzten Divan auf ihrem Wege kann sie nicht vorbei. Sie setzt sich mit einer Art Widerwillen; sie stemmt sich mit den Händen auf, als wollte sie wieder aufstehen, aber der Divan ist stärker als sie, schon liegt sie hingelehnt, sie streckt sich, sie schläft bereits. Nur einige Augenblicke und sie ist ein Bild inneren Friedens, die heftige Röthe weicht, von ihrem Antlitz, sie sieht förmlich schlanker aus als zuvor. Aber auf der Schwelle, die sie überschritt, ist hinter ihr ein Herr in schwarzem, geschlossenem Rock stehen geblieben. Seine Augen haben sie begleitet, ruhen noch auf ihr. Es sind eigenthümliche, stille blaue Augen, die sich hinter dem Zwicker etwas zusammenkneifen, die Augen eines Kurzsichtigen, der in die Ferne blickt. Sie haben einen nachdenklichen, fast wehmuthigen Ausdruck und im ersten Augenblick glaubt man, sie schielten. Diese Augen schauen aus einem farbloseu, ovalen Gesicht mit einem Grübchen am Kinne und einem ehemals blonden Schnurrbart, der nun, gleich dem schlichten, dünnen, seitlich getheilten Kopfyaar, leicht ergraut ist. Der Herr wird nahe an den Fünfzig sein. Jetzt winkt er einem jüngeren Manne, der über seine Schulter hereinblickt, ihm zu folgen. Sie schreiten unhörbar über den Teppich und treten vor die eben eingeschlafene Dame hin. „Sehen Sie, Herr College“, sagt der Herr in Schwarz mit einer auffallend sanften, etwas umflorten Tenorstimme,„sehen Sie, sie schläft bereits. Diese robuste, vollblütige Frau ist eine Fleischergattin. Ihre Krankheit ist der Alkohol, der Schnaps, auch ihre Gedunsenheit ist nur der panniculus alcoholicus. Sie hat schon wiederholt Anfalle von Delirium gehabt. Sie kommt immer furchtbar aufgeregt zu mir, aber nach jeder Hypnose ist die Röthung und Gedunsenheit wie durch Zauber geschwunden und die Besserung des ganzen Zustandes stärker. Wie viele Fälle von Trunksucht habe ich schon geheilt! Sehen Sie, hinter jener spanischen Wand schläft ein Offizier, der auch auf dem besten Wege ist. In den Armeen wird viel getrunken und diese Kranken wollen nicht gesehen sein, wenn sie sich behandeln lassen. Er führt ihn dann zu den anderen Schläfern und erklärt die Fälle. Das junge blasse Fräulein ist im höchsten Grade bleichsüchtig und was Alles damit zusammenhängt.„Herr College, ich rathe Ihnen, Ihre Versuche an solchen Kranken zu beginnen, weit der absolut sichere Erfolg Sie mit Zuversicht erfüllen wird. Die Resultate sind oft so rasch und gründlich, daß man seinen Augen nicht traut. Ich hatte kürzlich eine fürstliche Persönlichkeit ist Behanolung; nach zehn Tagen war sie so verändert, daß ihr Gesandter Baron P. sie kaum erkannte.“ „Der Riese in Jägertracht ist Morphinist und bereits so weit geheilt, daß er seine Injektionsspritze dem Arzte geschenkt hat. Er verabscheut jetzt das Morphin und hat heute seine letzte Hypnose. A propos, ich muß Ihnen berab, das voll mit Morphiumspritzen ist. Es sind mindestens dreißig darin.„So wie im Alterthum siegreiche Krieger ihre Waffen im Tempel der Siegesgöttin aufhängten, hinterlassen mir meine Geheilten ihre Morphinspritzen. Diese hier ist mir besonders werth. Eine Dame, die schon ohne Erfolg bei Charcot und dann in einer deutschen Entwöhnungsanstalt gewesen, hat sie mir nach der dritten Sitzung ausgeliefert; sie war vollständig geheilt und fühlte weder das Bedürfniß nach Morphin, noch die bekannten Sensationen, welche die Morphinisten nach plötzlichem Aussetzen quälen.“ „Die hagere Dame mit den langen Extremitäten leidet an der fixen Idee, sie könne nicht allein auf die Straße gehen, weil Jeder sie ansehe. Aber sie ist heute schon allein hergekommen und nur Wenige haben sie noch angesehen, denn der Arzt hat ihr vorgestern im Schlafe suggerirt, er sei mit ihr auf der Straße spazieren gegangen und habe sie dort überzeugt, daß Niemand von ihr Noliz nimmt.“ „Und der Knabe dort.... ach, der soll ja geweckt werden. Er ist ein Neuer, erst heute gekommen, und zwar mit einem Briefe an den Arzt, worin sein Sündenregister aufgezählt war. Er stiehlt, und zwar mit Vorliebe Geld, er meidet die Schule, lügt, ist ein heilloser Faullenzer und stottert überdies. Die Hypnose ist gut gelungen und es sind ihm alle seine Fehler im Schlafe wegsuggerirt worden.“ Nun tritt der Arzt zu ihm und sagt ruhig, aber bestimmt:„Erwachen Sie!" Der Knabe rührt sich. Der Arzt fährt ihm zwei= oder dreimal mit der Hand vor dem Gesicht hin und her und bläst ihn an. Der Knabe erhebt sich, das Gesicht leicht geröthet wie nach einem erquickenden Schlafe, sein Schritt ist sicher, er empfiehlt sich und geht hinaus. Wenn der Arzt ihm gesagt hätte:„Erwachen Sie ohne sich zu erinnern, was mit Ihnen geschehen ist,“ so wußte der Knabe kein Wort von den heilsamen Einflüsterungen, jetzt aber weiß er Alles genau und haßt all das Verbotene. Der Arzt sieht ihm forschenden Blickes nach und sagt:„Ich kann Ihnen mit Bestimmtheit sagen, Herr Doktor, daß dieser Junge nach vierzehn Tagen ein neuer Mensch geworden sein wird. Ueberhaupt ist ja die suggestive Psychotherapie berufen, auf dem Gebiete der Moral eine jetzt noch ungeahnte Rolle zu spielen. Die beiden Herren geben wieder ins urbeitszimmer des Arztes zurück. Es wollen neue Patienten berathen sein. Epileptiker, viele Säufer, noch mehr Morphinisten, Neurosen, Funktionsstörstngen der mannigfachsten Art, die in der suggerirten Stunde mit chronometrischer Genauigkeit aufhören, fixe Ideen, Verfolgungswahn, Platzangst, Stottern, abnorme Herzthätigkeit und Gott weiß Alles. Zwei Damen erscheinen zusammen, zwei geheilte Morphinistinnen. Die eine ist die junge hubsche Gattin eines Arztes in Upsala und hatte sich wegen gichtischer Gelenksschmerzen dem Morphium ergeben; die andere ist eine Französin. Das gemeinsame Leiden und die gemeinsame Heilung hat sie zu Freundinnen gemacht. Ihr Arzt hat auf sie einen unbeschränkten Einfluß gewonnen, dessen sie sich schlechterdings nicht ertoehren können. Das führt zu einer merkwürdigen Scene. Die Dame aus Upsala tritt mit der Versicherung ein, sie sei vollkommen geheilt und werde also heute nicht mehr schlafen, das sei nunmehr zwecklos.„Sie sind ein Kind, sagt der Arzt, wirft einen Blick auf seine Taschenuhr und fährt in trockenem, aber sehr gutmüthigem Tone fort:„Ehe fünf Minuten vergangen sind, werden sie tief schlafen.“ Sie sagt: „Ich werde nicht schlafen, Herr Doktor, jetzt nicht mehr.“ Sie geht ins nächste Zimmer, um ihm fern zu sein; er winkt aber seinem ärztlichen Gaste, ihr dahin zu folgen und wendet sich seinen anderen Patienten zu. Der Gast geht ihr also ins„Schlafzimmer" nach, dessen Thüre er hinter sich schließt. Dort schläft Alles nach wie vor. Nur die Dame aus Upsala ist wach und setzt sich nicht einmal, um ja nicht schlafsüchtig zu werden. Sie geht ans Fenster, um ihre Sinne rege zu erhalten und trommelt auf den Scheiben Musikstucke, die Marseillaise und Anderes, in tadellosem Takt. Sie ist offenbar so wach als möglich. In der Nähe des Fensters steht ein Bücherschrank. Sie langt nach einem Buche, blättert darin und legt es wieder zuruck. Sie nimmt ein anderes Buch, behält es eine Zeit lang in der Hand und liest. Plötzlich sieht sie sich um, ein Fauteuil steht hinter ihr, sie setzt sich, stützt den Kopf in die Hand, kreuzt die Beine und liest weiter. Der ärztliche Gast wendet kein Auge von ihr. Nach zwei Minuten tritt er hinzu und findet sie in tiefem Schlafe und kataleptisch(muskelstarr). Er faßt ihre Hand, sie fühft sich hart und unnachgiebig wie Eisen an. So schläft sie volle dreiriertel Stunden regungslos fort, immer das Buch in der erstarrten Hand. Der Gast geht mittlerweile hinaus und sieht allerlei Fälle mit an. Endlich blickt der Hausherr auf die Uhr und geht zur Dame aus Upsala hinein. Er tippt ihr mit einem Finger auf die Schulter und sagt das eine Wort:„Nun?“ Sie senkt das Buch auf das Knie, schlägt die Augen auf. sieht ihn mit einem Blische des Verdrußes, ja des Grolls an, reibt sich die Augen und sogt kleinlaut:„Ich habe Der Arzt lächelt nur leise und sagt:„Sehen Sie!“ Die französische Freundin, die alles mit angesehen, ist davon ungehener amüsirt und lacht laut. Der Arzt aber sagt leise zu ihr und seinem Gaste:„Ich wünsche, daß sie nochmals einschlafe“ und geht rasch hinaus, da wieder Leute warten. Zur Dame aus Upsala sagt er nun:„Sie dürfen noch nicht fortgehen." Das genügt. Die Französin und der ärztliche Gast plaudern, da sagt jene plötzlich: „Sehen Sie, Doktor, sie schläft.“ Er tritt zu ihr, sie steht aufrecht, ein Buch in der Hand und den Blick darauf geheftct in tiefem Schlaf und kataleptischer Starrheit. Eine Weile später kommt der Hausherr wieder herein, weckt sie und nimmt Alle in sein Arbeitszimmer mit. Seinem Gaste flüstert er zu:„Ich werde ihr jetzt eine Suggestion in wachem Zustande machen.“ Und dann zu ihr:„Falten Sie die Hände.“ Die Dame faltet die Hände.„Sie können die Hände nicht auseinander bringen.“ Sie strengt sich an, sie ringt die Hände, um die Finger mit Gewalt auseinanderzureißen, sie betrachtet sogar ihre Hände, um es besser zu treffen, aber es ist unmöglich, die Hände haften wie durch eine Schraube. Und nun sieht er sie fest an und sagt mit einer gutmüthigen Bestimmtheit:„Sie werden mir jetzt folgen, Madame.“ Sie erwidert seinen Blick und sagt ängstlich, ja weinerlich=gedehnt:„Nein.“— Ju, ich will es, folgen Sie mir „Aber nein!“—„Aber ja!" Er geht langsam voraus ins Nevenzimmer, sie folgt ihm widerwillig mit den gefalteten Händen; er kommt wieder zurück, sie immer ebenso hinter ihm drein, bis er stehen bleibt. Sie fleht:„Bitte, bitte, lösen sie meine Hände““. Er sagt nichts als:„Jetzt können Sie die Hände öffnen", und in dennselben Augenblick sind sie getrennt. Aber auch der Französin soll die Neutralität nicht gegönnt sein Während sie unbefangen dasteht, sagt der Meister zum Gast:„Sehen Sie, das linke Auge der Dame ist jetzt unempfindlich, berühren Sie es. Er holt ein Messer aus der Tasche, öffnet es und reicht es dem Gaste. Dieser berührt mit der blanken Messerspitze wiederholt die Hornhaut des linken Auges, er hakt die Spitze dort sogar ein und das Auge rührt sich nicht, es zuckt mit keiner Wimper, während das andere, sobald ihm die Klinge nur naht, zusammenzuckt und unaufhaltsam die Lider schließt. Und nun sagt der Meister:„Jetzt ist das andere Auge unempfindlich; berühren Sie es, die Dame wird keinen Reflex auflösen können. Und so ist's auch. Doch die Wunder von Sturegatan gehen noch viel weiter. Da hat es schon eine Dame gegeben, die der Arzt vier Wochen lang ununterbrochen schlafen ließ, während welcher Zeit die Ernährung ungestört vor sich ging. Dann wurde sie geweckt und war von ihren fruher täglich wiederkehrenden epileptiformen Anfällen geheilt. Selbst Entbindungen werden in der Hypnose gemacht, und zwar so, daß beim Erwachen gar keine Erinnerung an das Vorgefallene vorhanden ist. Mütter, die früher jedesmal 10—15 Stunden lang schwer gelitten, waren in der Hupnose in 3 Stunden befreit. Sogar schriftliche Wunder sind nichts Seltenes. Einem Kranken vom Lande, der wegen nervösen Herzklopfens Hilfe suchte, aber nicht in Stockholm bleiden konnte, gab der Meister eine Karte mit, auf die er geschrieben hatte: „So oft Sie Kopfschmerzen haben, lesen Sie diese Karte, schlafen Sie ein und erwachen Sie nach einer halben Stunde ohne Herzklopfen." Der Mann that, wie ihm befohlen wurde, aber er schlief nicht ein. Er verlor den Muth nicht, übte sich und schlief endlich nach jedesmaligem Lesen der Karte sofort ein. Nach einiger Zeit war er geheilt. Einmal kam ein Brief aus Amerika mit der Anfrage, ob Schreiber desselben empfänglich für Psychotherapie sei und von seinem Leiden geheilt werden könne. Der Arzt antwortete ihm durch eine offene Postkarke wie folgt:„Wenn Sie diese Karte erhalten haben, schlafen Sie ein und erwachen Sie nach einer Stunde. Nach einigen Wochen kam die Antwort, daß dies richtig geschehen sei und die Behandlung in absentin wurde eingeleitet. Sind dies Wunder? Ist der Mann von Sturegatan ein Magier? ein Heiliger? ein Medizinmann? Keineswegs. Der Mann ist einer der berühmtesten Aerzte Stockholms, ein ernster, hochgeachteter Charakter. Er heißt O. G. Wetterstrand und sein Name ist einer der glänzendsten im Bereiche der neuen ärztichen Geheimwissenschaft. Eines seiner Werke über suggestive Psychotherapie ist auch in's Deutsche übersetzt. Er ist auch nicht als„Arzt der Seele"— um mit einem Hillern'schen Romantitel zu sprechen— geboren, sondern war früher ein vielbeschäftigter praktischer Arzt, wie Andere auch. Die Neugierde trieb ihn vor etwa sechs Jahren nach Nancy, um die Suggestionswunder der vielberufenen Schule BernheimLiébault mit eigenen Augen zu sehen. Er ging als Skeptiker und kam als Ueberzeugter wieder. Unter dem Eindrucke der dort gesehenen Erfolge begann er selbst Versuche zu machen und erzielte solche Resultate, daß jetzt die Psychotherapie seine Hauptbeschäftigung ist. Wetterstrand ist jetzt die Losung für Kranke aus aller Herren Länder. Sein ärztlicher Gast aber, den wir handelnd einführten, ist der Bllroth=Schüler Dr. Wilhelm v. Vragassy, dessen Mittheilungen wir wörtlich aufgezeichnet haben. Auch er ging als Skeptiker zu Wetterstrand, bei dem ihn unser Gesandter in Stockholm, Baron Pfusterschmidt, einführte, und auch er mußte schließlich seinen beiden Augen trauen. Er that dann auch, was einst Wetterstrand gethan, und ging nach Nancy, um die Trias Bernheim=Liébault=Liégnois kennen zu lernen. * Eine Kartoffelrevolte hat anläßlich der theuren Lebensmittelpreise in Nonawas bei Potsdam auf dem dortigen Wochenmarkt stattgefunden. Während in Berlin die Preise der vorjährigen Kartoffeln, wahrscheinlich in Folge der vergrößerten Zufuhr, sich noch immer bis auf höchstens 50 Pfg. pro Liter stellten, sind in Potsdam und Umgegend die Kartoffeln in Folge der enormen Preise beinahe eine Delikatesse geworden. Auf dem letzten Wochenmarkt in Potsdam verlangte man pro 5 Liter 60 Pfg., und Montag forderten die Bauern auf dem Nowaweser Markt 65 Pfg. für 5 Liter. Dadurch wurden nun die Frauen in Nowawes auf das Höchste erbittert. Im Umsehen hatte man das Fuhrwerk eines Bauern umringt, und ehe dieser es verhindern konnte, wurde der Wagen von den erregten Frauen umgeworfen, so daß die Säcke ihren kostbaren Inhalt auf den Marktplatz ergossen. Der Bauer schlug zwar mit der Peitsche zwischen die Frauen, doch dauerte dies nicht lange, denn bald war ihm dieselbe entwunden, so daß er wehrlos der Wuth der Frauen ausgesetzt war. Die anderen Kartoffelhändler zogen es bei dieser kritischen Situation vor, schleunigst ihre Waare einzupacken und davonzufahren. Die Volksmenge war derart angewachsen, daß die bald darauf erschienene Gendarmerie Mühe hatte, dieselbe auseinander zu bringen. * Eine parlamentarische Keilerei. Dieser Tage war die rumänische Deputirtenkammer der Schauplatz einer regelrechten parlamentarischen Keilerei, an der sich nahezu sämmtliche Mitglieder des Hauses betheiligten. Die Veranlassung zu diesem in seiner Art gewiß seltenen Skandal gab folgender Vorfall: Der sozialistische Deputirte Mortzun hatte vor Kurzem den Ministerpräsidenten interpellirt, ob er gegen den Deputirten Konstantin Popovics, dem als ehemaligen Stationschef des Bahnhofes Racaciuni arge Defraudationen zur Last gelegt werden, eine Untersuchung angeordnet habe. Dieser Tage kam die Angelegenheit in der Kammer abermals zur Sprache. Ein Mitglied der Opposition, der Deputirte Junius Lecca, Sohn des verstordenen Finanzministers Lecca, schloß sich den Angriffen gegen Popovics an. Die Debatte nahm eine immer lebhaftere Wendung. Binnen Kurzem war die Rednerbühne von Deputirten förmlich belagert. Zwischen Popovics, der Mitglied der Regierungsparrei ist, und Lecca kam es zu einem Wortwechsel, der bald in Thätlichkeiten ausartete, indem Popovics seinem Gegner in Gegenwart der Präsidenten eine schallende Ohrfeige gab. Dies war das Signal zu einer allgemeinen Keilerei. Gruppenweise stürzten die Deputirten aus den Bänken und es entwickelte sich nun zwischen den Anhängern der beiden Gegner ein allgemeines Handgemenge, bei dem es Ohrfeigen, Püffe und Stöße hageldicht regnete. Der Präsident, Oberst Rosnovan, läutete verzweifelt die Präsidentenglocke, deren Klang die Raufenden an die Würde des Ortes vergeblich zu erinnern bemüht war. Die streitenden Parteien drängten einander in die Couloirs hinaus, wo der parlamentarische Kampf erst nach einem letzten Scharmutzel ein Ende fand. Die Sache nahm eine komische Wendung: Die Kammer mißbilligte den Vorfall— an dem sie doch selber Schuld gewesen— und ging dann zur Tagesordnung über. Herr Junius Lecca aber, der geohrfeigte Sohn des Finanzministers, hat Herrn Popovics die Deputirten Fleva und Moruzzi als Zeugen geschickt. Vorläufig ist die Affaire jedoch noch unentschieden. Markt= und Coursberichte. * Neuß, 24. Juni. Weizen, neuer, 1. Qual. 23.40, 2. 22,40, Landroggen neuer 1. Qual. 20.00 2. 19,00, Wintergerste 00,00, Sommergerste 00,00, Buchweizen 00,00, Hafer neuer 16,80, Raps 1. Qual. 00,00, 2. 00.00, Aveel (Rübsen) 00,00, Kartoffeln 9,00. Alles 100 Kilo. Heu 500 Kilo 30,00, Stroh 22.00, Rüböl 100 Kilo in Partien von 100 Ctr.(ohne Faß) 62.00, Rüböl 100 Kilo faßweise (ohne Faß) 63,50, Gereinigtes Oel 100 Kilo 3 M. höher als Rüvöl. Preßkuchen 1000 Kilo 112,00. Weizenvorschuß 00 100 Kilo 00,00. Kleie 50 Kilo 5.60. Berlin, 24. Juni. 2½ Uhr N. Fruchtdorse. Weizen Juni 234.50, Juni=Juli 234,00, Juli=August 215,75 M. Sept.=Okt. 21850 Mark. Gek. 2000 Centner. Roggen Juni 214,00, Juni=Juli 207.50, Juli=August 202.25, Sept.=Okt. 194,50 Mark. Gek. 0000 Ctr. Hafer Juni 167.75, Juni=Juli 167,75, Sept=Okt. 148.25 M. Gek. 2000 Ctr. Rüböl vorr. mit Faß 59.60, ohne Fas 58,60. Juni 59.40, Sep.=Okt. 59.30 Okt.=Nov. 59.50 M Gek. 000 Ctr. Spiritus 70er vor. 49.20 Juni=Juli 48.00 Juli=Aug. 48.00, Aug.=Sept. 48.40, Sept.=Okt. 46.50 Mi 50er vorr. 69.20 Mk. Gek. 0000 Ltr. Petroleum vorr 23,00 Mark Roggenmehl 0/1 Juni 28.70, Juni=Juli 28.70 Mk. Bremen, 24. Juni. Petroleum schwach, vorr. 6,.30 Brief. Autwerpen, 24. Juni. Petroleum ruhig, vorr. 16½. Juni 16 1/8. August 16 1/8. Sept.=Dez. 16¼ fr. 24. Juni. Warrants 476 6 d. Verlag von B. Koetzold u. Co. in Witten. Druck von H. Risel u. Co. in Hagen. Redigirt unter Verantwortlichkeit von B. Koetold in Witten. Ver. Garde=, Landwehr= u. KriegerVerein, Witten. Protector: Se. Majestät Kaiser Wilhelm 11. Heute starb unser langjähriges Mitglied der Kamerad Mauritius Lorey. Sein Andenken bleibt bei uns in Ehren. Witten, den 23. Juni 1891. Der Vorstand. Zur Beerdigung des verstorbenen Kameraden tritt das Bataillon am Freitag, den 26. Juni Nachm. 4½ Uhr an. Der Bataillons=Commandeur. Artillerie. Am Dienstag, den 23. Juni verstarb unser Mitglied und Kamerad Mauritius Lorey im Alter von 63 Jahren. Er ruhe in Frieden. Der Vorstand. Zur Beerdigung des verstorbenen Kameraden treten die Mitglieder am Freitag Nachmittag punkt 4½ Uhr im Vereinslokale an.(Die Kameraden erscheinen in Vereinsmütze.) Sekundtmachung. Für das Standesamts=Bureau hierselbst wird zum baldigen Eintritt ein Schreiberlehrling mit guter Handschrift gesucht. Demselben wird eine monatliche Vergütung von 10 Mark. gewährt. Schriftliche Meldungen sind schleunigst einzureichen. Witten, 24. Juni 1891. Der Magistrat: Dr. Haarmann. Em Kahrer Senatz für alle durch jugendliche Verirrungen Erkrankte ist das berühmte Werk Dr. Retaus Selbstbewahrung 80. Aufl. Mit 27 Abbild. Preis 3 Mark. Lese es Jeder, der an den Folgen solcher Laster leidet, Tausende verdanken dem selben ihre Wiederherstellung. Zu beziehen durch das Verlags=Magazin in Leipzig Neumarkt Nr. 34, sowie durch jede Buchhandlung. Versende gegen Nachnahme 9 Pfund hochfeine Grasbutter 10 M. Frau Ekkenga, Loppersum(Ostfriesland). En gres. 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Juni 1891, vormittags. 173 90(300) 256 362 76 553 606 38 742 53 942 1018 201 40 70 8)2 4 44 45 94 2035 114 24 27 58 80 251 54 69 418 513 32 662 79 82 703 61 3066 4011 55 58 70 105 27 321 483[3001 621 737 828 64 68 916 48 57 66 96 5214 352 58 61 516 603 756 826 31 32 58 64 970 6129 76 264 96 347 71 457 71 86 554 57 683 708 822(500) 48 7057 62 70 99 259 339 403 651 87 778 8027 86 160 312 66 407 23 52 508 19 21 758 335 923 9148 64 226 57(300) 344 639 730 899 960 10251 393 441 579(500) 606 810 916 63 11145 242 1300) 463 689 1500] 765 939 12144 80(500) 234 302 94 437 510 64(1500) 708 934 500 51 66 13353 400 527 87 96 613 94 717 92 850 930 40061 14218 52 93 96 445 720 866 925(30001 15026 32 188 205 32 301 45 94 423. 44 59 541 632 806 9 22 916 90, 16021 53 57 63 103 226 37 53 68 80 410(500) 69 610 66 69 848 17075(500) 137 347 847 66 98(3000) 18052 146 54 290 649 19027 38 106 222 28 607(3000) 87 799 893 20149 333 591 93 603 30 64 727(15001 21034 35 349 559 653 769 97 905 28 63 87 22000 12 13 32 69 94 115 239 83 363 82 430 37(500) 573 97 629 66 715 900 40 65 23095 137 83 235 444 510 19 630 745 827 57 922 24102 22 451 81 568 691 763 25128 292 305 33 404 22 590 724 N2 20060 105 46 258 310(1500) 94 416 85(300) 571 99(15001 717(300) 27006 218(1500) 364 444 696 789 28091 131 205 73 422 43 524 39 614 70 14 43(500) 49 967 29007 55 59 100 63 74 251 331 67 453 88 94 560 93(300) 680 711(1500) 13(300) 913 78 30018 108 94 368(500) 74 788 825 31(1500) 81004 79 144 30 350 93 402 9(300) 549 645 762 804 66 944(30001 32270 329 437(1500) 329 51 767 92 939 56 33290 368 409 41 53 96 758 806 7 28(300) 36 10 94 84035(1500) 89 162 77 226 1300) 42 96 303 408(3000] 20 91 395 725 51 72 818 258(1500) 99(500) 35066 94 154 317 35 39 404 525 53 608 730 75 858 912 85(3001 30036 272 455 522 631 68 787 898 977 B7022 183 225 64 93 338(3000) 464 604 71 731 826 38061 102 299 829 770(300] 39041 215 24 342 85 433 511 938 46„ 40118 213(300) 20 21 451 74 732 812 30 41026 144 325 60 633 737 818 57 997., 42036 107 14 18 40 229 88 502 725(500) 98 946 78 13078 89 91 115 26 238 312 473 723 86 991. 44000 80 84 124 25 42 135 56 58 75 326 27 401 96 600 47 722 72 812 29 973 45040 209 306 158 532 87 646 731 71 46049 350 448 621 45 768 805 33 68 947 47147 33 222(500) 457 618(500) 782(1500) 813(1500) 936 75 88 48081 109 26(3000] 216 340 564 741 67 841 51 901 81 49084 344 5t 425 500 619 5 78 72., 28 55 856 913„„ 1 410 pO0 50069 76 248 85 303 95 451 82 564 619 748 Nr 91014 101 u0n 330 88 15001 922 52011 114(500) 64 93 322 99 450 58 586 721 76 78 896 207(5000) 53002 277 384 471 893 54049 326 430 519 676 704 21 48 2 828 945 55004 40 106 235 485 556 763 891 56447 563 95 642 87 90 27 831 73 904 44 80, 57010 1500) 13 166 212 83 483 557 73 626 723 960 58145(3000) 269 96 320 407 78 515 30 684 971 50144 210 19 52(1500) 97 437 88 816 60104(3000) 289 517 81 89 639 759 98 908 55 78(300] 61048 3000) 168 90 96 237 328 424 41 509 708 865 952 68 62087 102 19 455 512 670 702 6 903 63173 288 418 41 59 564 92 620 796(500) 843 44 53 911 35(3000] 64009 39 79 148 301 35(3000) 39 420 41 547 77 130001 658 69 80 828 54(50001 95(1500) 65066 299(300) 373 474 329 30 749 937. 66142 68(500) 230 32 367 412 38 545 672 910 60 76 N 67002 24 561 700 7 904 17 19 68007 121 391 706 826 89 916 69027 83 303(500) 435 57 699 793 842 903 28(300) 70239 49 62 471 94 521 63(300) 78 920(3001 25 87 47 57 61 71023(1500) 54 98(300) 128 43 72 259(30001 347 428 93 604 34 888 6 9 72256 61 89 352 436 55(3000) 519 649(500) 67 780 829 921 26 8050 182 201 33 41 495 600 71(300) 702 7 833 40 74 74010 36(1500) 2(3000) 205 436 84 1500) 662 703 820 936 78 75097 127 226 445 96 556(1600) 896 902 53 70040 168 327 86 463(300) 625 77049 133 99 54(300) 646 877 956 78196(1500] 395 435 94 633 730 72 861 965 90 79072 227 344 75 432 71 683 733 37 80003 137 300 73 441 567(15001 824 56(5001 911 78 81004 79 123 88 326 38 91 424 30 85 547 767 93(5001 972 82175 206 57 80 578 616 29 N2 703 24 835 96 928 40 56 84 83118 233 317 417 68 78 624 700 20 1500) 889 948 72 76 92 84030 123 202 406 84 604 6 75 959 85003 49(1300) 318 76 78 465 545 645 75(300) 744 95 822 27 67(300) 76 986 86190 226 28 43 319 25 439 71 739 956(5001 87040 42 45 70 84 113 290 906 47 474 94(30000) 594 600 96 736 69(30001 801 31 30 933 55 88027 80 108(500) 293 600 710(1500) 52 97 806 72. 89063 242 375 563 678 95 718 90219 57 304 457 515 33(1500) 78 793 806 927 91004 128 49 226 49 87 374 477 577 697 719 42 927 67, 02157 75 407 35 99 502 98 683 734 937 93040 104(1500) 228 464 67 592 636 770 953 94201 329 444 529 60 76 719 816 70 73 95293 301 27 418 27 60 522 53 667 76 759 (1500) 919 96067 282 97 338 86 482 516 616 841 97037 134 54 85 87 262 313 51 1500) 533 721 828 99 919 98008 30 42 499 509 32 48 81 699 782 875 97 930 78 99000 100 38 59 81 344 130001 492 613 53(500! 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21 129046 491 508 54 87 817 28 33 130106 277 509(500) 684 745 75 131113 327 440 784 13215 232 48 437 534 42(300) 629 30 66 133017 343 53 71 97 423(15001 86 547 655 748 892 96 958 134079 126 226 45 47 388 610 704 803(3000) 20 58 92 94(300) 932 72 135040(1500) 366 437 513 711 815 964 136088 142 230 83 99 300 402 606 32 844 926 45 137064 67 106 30 1500) 52 229(500) 75 340 74(500) 89 471 536 43(3000) 619 38 500 95 708 16 37 81 814 138014 105 90 222 56 64 503 30 67 77 622 706 942 72 139089 241 85 524 82 83 614 707 88 809(5000) 991 140053(1500) 126 203 67 381 413 72 654 794(15001 829 46(500) 938 141067 233 81 317(3000) 31 55 869 945 142117(300) 270 308 43 482 583 622 30 722 39 843 143515 41 144024 83 96 121 271 86 529 619 72(3000) 145438 549 745 59 942 79 140055 165 451 513 74 147022 27 56 196 346 57 572 726 869 902 20 40 87. 148002 65 74 105 292 317 84 439 60 517 41 651 60 762(500) 906 149060 98 203 6 325 483 582 673(100001 749(5001 77 150012 83 110 331 531 651 719 26 847 74 952 151056 106 65 226 379(300) 429 505 624 726 841 947 152000 57 117 272 585 668 86 30001 727 887 914 31 153001 74 111 37 65 233 41(5000) 57 321 63 859 991 154153 365 505 97 676 852 956 155096 215 64 325 82 408 48 584 645 83 844 156124 44 372 402(3000) 39 44(1510] 63 649 80 720 877(500) 157161 228 545 74 788 817 19 71 993 158027 124 389 428 46 581 629 910 159031 24 271 306 27 475 571 624 734 63 68881 914 160017 176 217 444 526 729 161000 59 415 38 55 654 848 79 943 79 1500) 162103 22 53 416 667 734 862 944 88 163012 595 602 69 819 907 50 164440 64 87 513 85 89 606 715 902 165493 504 78(300) 731 813 917 166216 81 335 451 553(500) 666 700(3000) 830 914 55 107200 301 505 98 616 70 74, 168386 655 56 73 720 807 981 169154 71 334 52 75 488 689 97 757(500) 80 910 170051 102 21 60 433 546(1500) 633 62(30001 66 723 807 171127 70 206 305 442 541 98 622 789 885 89, 172270 491 545 618 73 728 64 77(3000) 930 173089 424 75 687 91 780 802 19 44 88 930 174172 266 351 574 604 737 844 965 175030 413 63 64 88 838 934 76 176117 65 255 81 389 441 47 98 627 88 743 96 177145 612 25 726 33 955 178004(300] 29 73 339 683 703 993 179560 626 721(3000) 34 54 66 845 80 973(300 180156 200 323 409 21 27 830(500) 922 30 79, 181017 132 50 78 445 835 80 99 979 189126 299 436 506 31 76 608 89 779 813 40 932 96 188105 18 280 301 488 624 764 829. 184057 148(300) 281 314 425 71 529 65 601 812 185099 163 287 426 539 78 656 855 56 971 180025 89 144 202 40 414 778 91 901 S 187092 156 80 301 71 91(300) 428 595 300) 699 722 833 188127 309 86 452 57 574 612 719 843 996 189304 54 765(3001 8. Ziehung der 4. Klasse 184. Kgl. Preuß. Lotterie. Nur die Gewinne über 210 Mk. sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt.(Ohne Gewähr.) 24. Juni 1891, nachmittags. 39 71 79 117 346 452 625 48 79 707 34 38 48 880 939 40 53 62 (30001 66 67 1230 86 312 678 91 787 806 941 51 80 2071 162(30001 250 351 432 658 759 92 3117 98 235 386(3000) 506 53 91 763 931 72 4019 36 95 313 440 655 64 69 661 86 874 927 38 45 5119 211 34 368 608 34 748 96 897 958 6832(300) 849 76 957 7088 89(3000) 171 78 239 524 690 731 98 805 6 904 6 9 86 91 8097 289(15001 322 412 633 794 851 926 67 9035 522 38 645 10052(500) 56 449 65 560 626 80(15001 83 712 21 68 826 11110 49 591 715 57 62 895 991. 12002 16 78 90 147 231 330 52 417 507 618 82 740 13039 61 106 533(500) 65 883 84 14105 39(300) 298 371 97 432 561 66 664 897 15003 5 312 89 517 70 691 713 43 925 47, 16066 185 86 324 38 414 98 506 36 602 888 89 927 38 17082 186 90 219 525 70 701 826 18492 622 52 61 64 736 895 961 68 83 19041 96 357 443 525 663 84(500) 720 886 972 20060 115(300) 213 22 344 401 58 556(15000) 647 791 827 912 20 85 21075 78 109 236 96 310 88 471 82 521 48 58 73 88 676 775 888 949 70 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