No. 95. mitten. Tonntag, den 24. April. 1887. in nuck Uer, ddestr 38. leven. 1prik cr., ung. stand. euse. ter empfiehlt ditorei. ken! Billig! s. 10 Bulgar. 25Pf. 6 Pers. 0Pf. 7 Serb. 50 Pf.etr alle atalog 30 Pf. traße 108. K. squelle Stail en, 1I, der & Co., erund sse Wirth, tter M. 9,40 M. 7,40 achnahme ngenau temberg). nOg kannt ua preise. 512 rachttreiauf verz. frauet ennung an Sonn rstr 38. frisch, indpacket ne M. 8,50, „ 7,20 r yern.) st hon über Mittel. r Frau r Mitnksucht Stellen gethan näherer dieses Is wende voll an Fabri* nie krug, eim am Co. terricht rtheilen, Eltern ehmen Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach den Sonn= und Feiertagen. Insertionen werden die 7gespaltene Petitzeile mit 10 Pfg. berechnet. ochenschau. einstr. 1n Co., tlichkeit Soggen. Die allgemeine politische Lage läßt doch noch recht viel zu wünschen übrig. Unsere„ritterlichen“ Nachbarn jenseits der Vogesen scheuen vor keinem Mittel zurück, um Bundesgenossen gegen Deutschland zu gewinnen und speziell Rußland auf die Seite Frankreichs herüberzuziehen. Die französische Presse, die erst jüngst mit der Verleumdung des deutschen Militärattachee's in Paris eine Niederlage erlitt, setzt jetzt ihrer Gemeinheit die Spitze auf mit der verleumderischen Behauptung, die Attentate auf den Czaren gingen eigentlich von der deutschen Regierung aus, sei es, daß dieselbe die Nihilisten besolde, sei es, daß sie die abscheulichen Thaten durch ihre eigenen Organe ausführen lasse und dann den Nihilisten in die Schuhe schiebe. Wenn solche Schändlichkeiten nur in einigen Hetzblättern zu lesen wären. könnte man darüber zur Tagesordnung übergehen; aber es sind große angesehene Pariser Blätter, die sich zur Verbreitung derselben hergeben. Wie tief muß die Moral eines Volkes gesunken sein, das zu solchen Mitteln greift, um politische Ziele zu erreichen! Die erwähnten Manöver aber finden, wie durchsichtig sie auch sein mögen, und darüber darf man sich keiner Täuschung hingeben, in gewissen russischen Kreisen verständnißinniges Entgegenkommen Bisher reichte der Einfluß dieser Kreise nicht so weit, die russische Politik auf für den europäischen Frieden verhängnißvolle Abwege zu leiten. Wird das immer so sein? Das russische Osterfest ist vorübergegangen und von der Genugthuung, die bei dieser Gelegenheit Herrn von Giers zu Theil werden sollte, hat man nichts gehört. Das wirkt nicht beruhigend. Jedenfalls beweist das Schwankende und Unsichere der Lage, wie nöthig es für uns ist, für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, und wie weise es ist, uns alle Schwierigkeiten vom Halse zu schaffen, die uns hindern und stören könnten, wenn es nothwendig werden sollte, alle unsere Kräfte gegen äußere Feinde zu konzentriren. Mit der Beendigung des Kulturkampfes fällt ein Bleigewicht, das an unserer Aktionsfähigkeit hing. Wir brauchen Freunde, viel Freunde. Vor Allem müssen wir Deutschen selbst unter einander gute Freundschaft halten, wovon, so lange der konfessionelle Krieg dauerte, nicht wohl die Rede sein konnte. Mit dem neuen kirchenpolitischen Gesetz, dessen Annahme im preußischen Herrenhause bereits vor Ostern erfolgte, und das nun auch im Abgeordnetenhause so gut wie angenommen ist, ist der Kulturkampf beendet. Das Abgeordnetenhaus hat vorgestern die Berathung des Gesetzes begonnen. Auf eine Kommissionsverweisung wird nach Lage der Sache verzichtet; die bereits zweifellos vorhandene Mehrheit für die Vorlage wird voraussichtlich durch den vorgestrigen Appell an die nationalen Parteien noch verstärkt werden. Der Reichstag hat seine Sitzungen nach den Osterferien am Dienstag gleichzeitig mit dem preußischen Abgeordnetenhause aufgenommen. Die erste Sitzung gehörte den Sozialdemokraten, welche die Berathung der Denkschriften über die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über Stettin und Offenbach in üblicher Weise zu sozialdemokratischer Propaganda auszunützen suchten, mit dem Erfolge ihres Versuchs aber nicht sehr zufrieden sein werden. Für die Plenarverhandlungen des Reichstags liegt nur wenig Material vor; der Nachtragsetat und die Steuergesetze sind noch nicht eingegangen und die Commissionen des Reichstags sind mit ihren Arbeiten noch im Rückstande. Der Eingang des Nachtragsetats, der infolge des neuen Militärgesetzes erforderlich wurde, steht unmittelbar bevor und wird Anfang nächster Woche zur ersten Lesung kommen. Die Branntweinsteuervorlage wird von den Bundesrathsausschüssen vorberathen, worüber wohl noch eine Woche mindestens vergehen werden. Die Zuckersteuervorlage hat dem Bundesrathe noch nicht zugehen können. Europa wird— natürlich mit Ausnahme Frankreichs selbst— auf der für 1889 geplanten Pariser „Weltausstellung“ herzlich schwach vertreten sein. Außer Deutschland, Oesterreich und Rußland werden sich auch Italien und Tänemark nicht betheiligen. In Spanien ist man, wie es scheint, noch zu keinem Entschluß gekommen; von einigen anderen Staaten werden gleichfalls Ablehnungen erwartet. Die große Osterdemonstration der vereinigten Gladstoneaner und Parnelliten zu London war ein Schlag in Wasser. Das Unterhaus hat sich dadurch nicht abhalten lassen, die zweite Lesung des sogenannten Zwangsgesetzes für Irland zu beschließen, und die geharnischten Reden der Opposition haben daran nichts zu ändern vermocht. Die bulgarische Frage scheint allmählich dem Stadium einer friedlichen Lösung entgegengeführt werden zu sollen. Die russischen Agenten und Konsuln in der Türkei und Rumänien sind, wie berichtet verbunden mit dem —* — 4 für Witten und Amgegend. wird, angewiesen worden, den bulgarischen Flüchtlingen von Putschversuchen gegen die Regentschaft entschieden abzurathen. Bisher fanden die bulgarischen Verschwörer gerade an diesen Stellen Ermuthigung und Rückhalt. Dann sollen bei der Pforte neue russische Vorschläge zur Lösung der bulgarischen Frage angezeigt worden sein. Man muß freilich diese Vorschläge erst kennen, bevor man darüber urtheilen kann, ob damit wirklich eine friedliche Beilegung angebahnt wird. Ein Wiener Blatt will wissen, die russischen Vorschläge gingen dahin: Die Regentschaft und das Ministerium treten zurück, die Sobranje wird als aufgelöst betrachtet, Rußland schlägt den Großmächten einen geeigneten Thronkandidaten vor. Diese Meldung bedarf noch der Bestätigung. Am nächsten Mittwoch findet vor dem Petersburger Kriegsgericht die Schlußverhandlung gegen Generalow und Genossen wegen des am 13. März versuchten Mordversuchs Attentats auf den Czaren statt. Die Angeklagten sind bekanntlich vorwiegend Studenten. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Uebrigens haben noch ganz kürzlich wegen des Attentats Verhaftungen stattgefunden, und zwar in Wilna, wo de am 13. März auf dem Newski Prospekt zu Petersburg gefundenen Dynamitapparate hergestellt worden sein sollen. Bemerkt sei, daß sich die Verhaftungen lediglich auf Nationalrussen und Juden beschränkten, Deutsche befanden sich nicht unter den Verhafteten. Ueber die Beilegung der afghanischen Grenzfrage verlautet, England sei thatsächlich bereit, Rußland Afghanistan zu überlassen. Es klingt das wenig wahrscheinlich. Deutsches Reich. Berlin, 22. April. Der Kaiser empfing heute Vormittag zunächst den Kommandeur des 2. Garde=Regiments z. F., Oberst Graf Finck von Finckenstein, nahm den Vortrag des Grafen Perponcher entgegen und arbeitete Mittags längere Zeit mit dem Wirklichen Geheimen Rath von Wilmowski. Später hatte der Kaiser dann noch eine Berathung mit dem Grafen Otto zu Stolberg Wernigerode und unternahm am Nachmittag eine Spazierfahrt. * Berlin, 22. April. Der Bundesrath genehmigte in der am 21. d. M. unter dem Vorsitz des Staatsministers von Boetticher abgehaltenen Plenarsitzung die Gesetzentwürfe, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1887/88, und betreffend die„Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres und für die Vervollständigung des deutschen Eisenbahnnetzes im Interesse der Landesvertheidigung mit den von den Ausschüssen für das Landheer und die Festungen, für Eisenbahnen, Post und Telegraphen und für Rechnungswesen vorgeschlagenen Abänderungen. Berlin, 22. April. Der dem Reichstag nun auch zugegangene Nachtragsetat beziffert die geforderte Geldsumme auf 176 085950 Mk. Darunter befinden sich an fortdauernden, durch Matrikularbeiträge aufzubringende Ausgaben 19408019 Mk., an einmaligen Ausgaben 156677931 Mk. Unter letzteren sind für die Ver vollständigung des Reichs=Eisenbahnnetzes 36314000 Mark, gefordert. Außer der Anlage verschiedener Doppelgeleise in Elsaß=Lothringen, Bayern, Baden, Württemberg und Hessen, soll eine das schweizerische Gebiet umgehende Verbindung zwischen dem Ober=Elsaß und den süddeutschen Hinterlanden hergestellt werden. Für die Verstärkung der Festungen sind 29½2 Millionen Mark, zur Steigerung der Operationsfähigkeit und Schlag fertigkeit des Heeres werden angesetzt für Preußen 45613 190 Mk., für Sachsen 3017 457 Mk., für Württem berg 2283221 Mk. Dieselben sind bestimmt, diejenigen nothwendigen Vervollkommnungen und Ergänzungen des Kriegsmaterials zu bewerkstelligen, welche die Militärverwaltung mit den bisherigen verfügbaren Mitteln nicht ausreichend hat erreichen können. N. Berlin, 22. April. Der große Ernst, mit welchem Fürst Bismarck für den Fall der Ablehnung der kirchenpolitischen Vorlage die Vertrauensfrage stellte und die Verantwortung für die Leitung der inneren preußischen Politik nicht ferner übernehmen zu können erklärte, war ohne Zweifel das wichtigste und ein überraschendes Moment in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses. Er zeugt von dem entscheidenden Werth, welchen der Reichskanzler auf das Zustandekommen des Gesetzes legt. Zum Glück braucht man die Wendung, von welcher Fürst Bismarck sprach, nicht mehr ernstlich ins Auge zu fassen. Das Kirchengesetz ist vollkommen gesichert und keine Gefahr vorhanden, daß sich daraus eine große politische Krisis entwickeln könnte. Die Möglichkeit einer solchen würde allerdings die gesammte Lage in einer wesentlich neuen Beleuchtung gezeigt haben. * Berlin, 22. April. Dem Vernehmen nach ist Dr. Stumpf, der Coadjutor des Straßburger Bischofs, zum Nachfolger des verstorbenen Fürstbischofs von Breslau, Herzog, ausersehen. Der Straßburger Coadjutorposten soll durch einen Kleriker rein deutscher Abstammung besetzt werden. 7 Berlin, 22. April. Die Verhaftung des französischen Polizei Kommissars Schnäbele ist auf Verfügung des Untersuchungsrichters erfolgt in Verbindung mit landesverrätherischen Vorgängen im Reichslande. * Berlin, 22. April. Der dem Reichstage zugegangene Bericht des Reichskommissars für das Aus wanderungswesen ergiebt, daß die Auswanderung deutscher Reichsangehöriger über die drei deutschen Häfen im verflossenen Jahre im Vergleich mit den Vorjahren wiederum zurückgegangen, dagegen die Zahl der fremden Auswanderer(hauptsächlich aus Oesterreich=Ungarn, Rußland und den skandinavischen Ländern) in solchem Maße gestiegen ist, daß die Gesammtziffer der Auswanderer über deutsche Häfen 1886 sich etwas höher stellte als im Voraore.„ 44lch 91. 00 Berlin, 22. April. Das kriegsgerichtliche urtheil gegen den Hauptmann v. Schleinitz lautet auf 3 Jahre Zuchthaus. Dasselbe ist vom Kaiser bestätigt worden. Derselbe hat sich bekanntlich als Redakteur eines Berliner Winkelblattes„Der Unabhängige“ einer Reihe von Erpressungen schuldig gemacht. * Berlin, 21. April. Am 25. v. Mts. hat die griechische Kammer das neue Zollgesetz mit den bereits seit dem 8. November v. J. und bezw. 8. März d. J. provisorisch in Kraft gesetzten zahlreichen Aenderungen des Generalzolltarifs in der dritten Lesung angenommen. Bei den Berathungen ist in dem Tarif noch eine Aenderung der Pos. 242 beantragt und beschlossen worden, derzufolge der Generaltarifzoll für„Röhren aus Eisen und eiserne Träger für die Hausetagen in der Form eines und andere“ von 10 auf 5 Lepta pro Oka ermäßigt wurde. * München, 22. April. Der Finanzminister Riedel reist heute Nachmittag 5 Uhr nach Berlin behufs Theilnahme an den Verhandlungen des Bundesraths=Ausschusses über die Branntweinsteuer. Sämmtliche süd deutsche Regierungen wünschen eine Ermöglichung des Anschlusses, wenigstens ist die Zustimmung des badischen und des württembergischen Landtages zu dem Verzicht auf das Reservatrecht sicher. * Men, 22. April. Die auswärts verbreiteten Nachrichten von in den letzten Tagen hier stattgehabten Ausweisungen sind unbegründet. Oesterreich=Ungarn. * Wien, 21. April. Wie der„Köln. Ztg.“ aus zuverlässiger Quelle versichert wird, hat ganz bestimmt der Czar dem Minister v. Giers zum russischen Osterfest ein besonderes öffentliches Zeichen seiner Zufriedenheit durch Verleihung des Großkreuzes des Wladimirordens in Brillanten und durch Erlaß eines gnädigen Handschreibens geben wollen. Er hatte sogar schon befohlen, die erforderlichen Vorbereitungen dazu zu treffen. Dann ist es aber fast unmittelbar vor dem Feste einem hochgestellten nahen Freunde Katkow's gelungen, das Ohr des Czaren zu gewinnen und ihm vorzustellen, daß diese öffentliche und ausnahmsweise Auszeichnung des Leiters der auswärtigen Politik in Rußland selbst den allerschlechtesten Eindruck machen würde, den hervorzurufen der Czar doch keine Ursache habe. Dieser nachdrücklichen Vorstellung gegenüber habe der Czar sich entschlossen, die Auszeichnung nicht stattfinden zu lassen. Er hat allerdings inzwischen noch mehrfach vertraulich seine volle Zufriedenheit mit Giers und dessen Geschäftsführung geäußert, aber hinzugefügt, diese Zufriedenheit sei ja ohnedies zur Genüge bekannt und es sei nicht nothwendig, daß sie noch besondern öffentlichen Ausdruck finde. Jedenfalls verdient dieses Zurückweichen des Czaren vor der panslawistischen öffentlichen Meinung ernsteste Beachtung. * Wien, 22. April. Im Herrenhaus begründete Schmerling den Antrag betreffs der Prazack'schen Sprachenverordnung. Nachdem Ministerpräsident Graf Taaffe die Sprachenverordnung vertheidigt und sich für die Zuweisung an eine Kommission ausgesprochen, damit Gelegenheit gegeben sei, die Ausführungen Schmerling's noch mehr zu entkräften, wurde der Antrag Schmerling nicht einer Kommission von 9, sondern nach dem Antrage des Ministers Falkenhayn einer solchen von 15 Mitgliedern zugewiesen. Dieselbe wurde sofort gewählt. Frankreich. * Paris, 21. April. Eine Meldung der„Agence Havas“ aus Pagny an der Mosel bemerkt zu der seitens der deutschen Polizei gestern erfolgten Verhaftung des französischen Spezial-Polizeikommissars auf dem dortigen Bahnhof, Schnäbele: In Pagny nehme man bis zum Eingang weiterer Nachrichten an, daß Schnäbele in eine ihm gestellte Falle gegangen sei, da derselbe von dem deutschen Polizeikommissar Gautsch in Ars an der Mosel mehrere Schreiben erhalten haben solle, in denen er aufgefordert worden sei, mit ihm über die Handhabung des Dienstes an der Grenze zu verhandeln. Schnäbele habe sich darauf gestern Nachmittag 2 Uhr zu Fuß zu Gautsch auf den Weg gemacht und sei dabei von zwei deutschen Polizeibeamten in die Mitte genommen und zunächst nach Noveant, dann nach Metz geführt worden.[Das Un wahrscheinliche dieser Darstellung liegt zu sehr auf der Hand, um einer ernstlichen Widerlegung für werth erachtet zu werden.] Die Behauptung der„Metzer Zeitung", daß die Verhaftung Schnäbele's mit Agitationen der Patriotenliga zusammenhänge, sei vollständig unbegründet. * Paris, 22. April. Der Justizminister verhandelte gestern mit den Ministern Goblet und Flourens anläßlich der Verhaftung des Polizeikommissars Schnäbele und trug alsdann dem Generalprokurator sowie dem Prokurator von Nancy auf, sich nach Pagny a. d. Mosel zu begeben, um Bericht über die näheren Umstände wegen der Verhaftung einzuholen.— Der Präfekt des Departements Meurthe et Moselle, der gestern Abend nach Paris gekommen war, verhandelte über diesen Fall mit dem Ministerpräsidenten Goblet. * Paris, 22. April. Man versichert, die Regierung habe beschlossen, durch den französischen Botschafter in Berlin Erkundigungen über die Verhaftung Schuäbeles einziehen zu lassen. England. * London, 22. April. Im Unterhaus erwidert Unterstaatssekretär Fergusson auf eine an ihn gerichtete bezügliche Anfrage, die Vereinigten Staaten von Amerika seien der internationalen Uebereinkunft zum Schutz des industrieellen Eigenthums beigetreten, seitens der deutschen Regierung sei auf die an Deutschland ergangene Einla dung zum Beitritt eine Antwort noch nicht erfolgt. Im Fortgang der Sitzung brachte der Schatzkanzler Goschen das Budget ein, welches derselbe in ausführlicher Rede begründete. Danach beträgt der thatsächliche Ueberschuß aus dem Vorjahre ¾4 Millionen Pfund Sterl. Nach dem Voranschlag für das laufende Finanzjahr betragen die Einnahmen 91100000, die Ausgaben 90100000 Pfd. Sterl. Es wird vorgeschlagen, die Obligationen ebenso hoch wie die Aktien, nämlich mit zehn sh. Abonnementspreis(inel. der Gratisbeilage„Märkisches Heim"): 1,80 Mk. vierteljährlich, monitlich 60 Pf. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post 2,00 Mk. — per hundert Pfund Sterl. zu besteuern, an die Stelle der Aktien=Uebertragungssteuer soll eine Steuer von 1 sh. per 100 Pfund Sterl. auf das Eigenthum der Gesellschaften treten, den Gesellschaften soll aber freistehen, den bisherigen Steuermodus beizubehalten. Für die lokalen Anleihen soll ein separates Budget aufgestellt, die jetzigen Obligationen sollen durch neuzuschaffende 3prozent. Lokalobligationen ersetzt werden. Die Tilgung der Staatsschuld von 28 Millionen jährlich wird auf 26 Millionen herabgesetzt, die Einkommensteuer wird um 1 Penny ermäßigt, die Wagensteuer wird den Lokalbehörden zur Unterhaltung der Wege überwiesen. Für Irland ist statt dessen ein jährlicher Betrag von 50,000 Pfd. Sterl. zu Drainagearbeiten in den Etat eingestellt Der Tabakzoll wird von 42 auf 38 d. per Pfd. und die Stempelgebühr für Seeversicherungen wird von 3 d. auf 1 Penny per 100 Pfd. Sterl. herabgesetzt. Der im Buget veranschlagte Ueberschuß beträgt 300,000 Pfd. Sterl.— Sodann nahm das Haus die erste Lesung des Beschlusses in Betreff der Fortdauer des bisherigen Theezolles an. Hierauf wurde die Budgetdebatte vertagt. Italien. Rom, 22. April. Nach Meldungen aus Massovah ist General Saletta heute früh daselbst eingetroffen und wird morgen das Kommando über das Expeditionscorps übernehmen. Rußland. * Petersburg, 21. April. Ein kaiserlicher Ukas ordnet die Ausgabe einer vierprozentigen inneren Anleihe von 100 Millionen an. Die Subskription findet in der Reichsbank und deren Filialen in den Tagen vom 26. bis 28. d. Mts. statt. Der Cours ist auf 84 pCt. festgesetzt.— Der Prospekt der neuen Anleihe besagt, daß die Zinsen vom 1. April d. J. laufen und halbjährlich, d. i. am 1. November und 1. Mai ausgezahlt werden. Die Obligationen der Anleihe sowie die vollbezahlten Interimsscheine werden als Kaution bei Kronslieferungen und bei Stundung der Branntweinaccisezahlung zum Nominalpreise, dagegen zur Sicherstellung gestundeter Tabaksaccise, sowie zur Sicherstellung der Zollgebührzahlungen zu den vom Finanzministerium festzusetzenden Preisen entgegengenommen werden. Der Zinsertrag der Obligationen unterliegt der Kapital=Rentensteuer. Die Anleihe wird in das Reichs=Schuldenbuch eingetragen. Die Abschnitte zu 100, 500, 1000, 5000 und 10000 Rubel lauten auf den Träger oder auf den Namen des Inhabers. Deutscher Reichstag. Berlin, 22. April. Eingegangen: Gesetzentwurf betreffend Abänderung der Gesetze über die Quartierleistung und die Naturalleistung für die bewaffnete Macht im Frieden. Auf der Tagesordnung: Erste Berathung des Gesetzentwurfs betreffend die Abänderung des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte. Staatssekretär Dr. von Schelling begründete eingehend die Vorlage mit den aus dem Publikum hervorgetretenen Klagen, welches sich durch die auf den Prozessen ruhenden Gebühren überlastet fühle und mit der wiederholten Befürwortung, welche im Reichstage der Forderung einer Revision der Rechtsanwaltsgebühren zu Theil geworden. Jedenfalls könne man von einer Ueberhastung der Reform nicht sprechen. Die Regierung sei bei ihren Vorschlägen mit größter Mäßigung und Rücksichtnahme zu Werke gegangen. An den Grundlagen der Gebührenordnung wird nicht gerüttelt. Man könne also nicht davon sprechen, daß die Existenz der Anwaltschaft in Frage gestellt werde. Bezüglich der Herabsetzung der Gerichtskosten sei überall da, wo sich eine ungerechtfertigte Ueberbürdung herausgestellt, eine Ermäßigung angestrebt worden. Eine allgemeine Herabsetzung der Gerichtskosten sei aber vornehmlich aus finanziellen Gründen nicht für zulässig erachtet worden. Abg. Dr. Meyer=Jena betont, daß die Vorlage die in derselben vorgeschlagene Maßregel in etwas einseitiger Weise auf die Schultern des Anwaltstandes abzuwälzen suche. Dieselbe entspreche deshalb auch keineswegs dem früher vom Reichstage ausgesprochenen Wunsche, denn dieser sei zugleich auf eine Herabsetzung der Gerichtskosten gerichtet gewesen. Er richte deshalb die dringende Bitte an die verbündeten Regierungen, auch diese Frage nochmals in eingehende Erwägung zu ziehen. Im Einzelnen dann auf die Vorlage näher eingehend, empfahl er schließlich die Ueberweisung der Vorlage an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern. Abg. Dr. Porsch(Centr.) bekämpft die Vorlage, indem er sich auf den Standpunkt der von den Anwaltskammern gegen dieselbe eingereichte Denkschrift stellt. Es habe sich immer nur um eine Ermäßigung der Gerichtskosten gehandelt, die Forderung der Ermäßigung der Anwaltsgebühren habe immer nur eine sekundäre Bedeutung gehabt. Eine so einseitige Herabsetzung der Anwaltsgebühren sei nicht gerecht. Durch die Vorlage werde der Rechtsschutz beeinträchtigt und der Stand der Rechtsanwälte schwer geschädigt. Redner schließt sich der Verweisung des Entwurfs an eine besondere Kommission an. Bundeskommissar Geh. Oberjustizrath v. Lenthe vertheidigt die Vorlage und legt dar, daß dieselbe eine wesentliche Erleichterung für das rechtsuchende Publikum bringe. Abg. v. Rheinbaben(Rchsp.) verwendet sich gleichfalls im Interesse des rechtsuchenden Publikums für die Vorlage und vertheidigt dieselbe namentlich gegen die erwähnte Denkschrift. Abg. Munckel(fr.) bekämpft die Vorlage. Dem Anwalt müsse ein größeres Einkommen zugänglich sein als den richterlichen Beamten, deren Thätigkeit sich auf einen geringeren Zeitraum beschränke. Wenn der Anwalt erst zu einer ersprießlichen Praxis gelangt sei, begännen seine Kräfte abzunehmen. Durch die Verminderung der Zahl der Rechtsanwälte, welche die Vorlage in Aussicht nehme, werde das Publikum geschädigt. Abg. Kurtz(cons.) spricht sich für eine Aufhebung der freien Advocatur aus, wovon er eine wesentliche Abhülfe der bestehenden Unzuträglichkeiten erwartet. Die Vorlage wird einer 21er Commission überwiesen. Montag: Nachtragsetat, Vorlage betreffend Abänderung der Gesetze über die Quartierleistung und die Naturalleistng für die bewaffnete Macht im Frieden. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. * Berlin, 22. April. Am Ministertische: v. Goßler und Kommissarien. Die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung der kirchenpolitischen Gesetze, wird fortgesetzt. Abg. v. Eynern(natlib.): Die Ursachen des Kulturkampfes findet Herr Windthorst in dem Doktrinarismus der preußischen Universitäten, die Urheber des Kulturkampfes sollen die Nationalliberalen unter Führung des Ministers Falk sein. Wir finden die Ursachen des Kampfes in den Ansprüchen Roms. Es steht bistorisch fest, daß die Publikation des Vatikanums die Stellung Preußens zur Kurie nicht verändert hat. Rom hat erleben müssen, daß die katholischen Staaten Oesterreich und Frankreich von Preußen und Deutschland besiegt wurden. Rom wollte nunmehr sein letztes Spiel machen; darauf weist die Aeußerung des Nuntius Meglia, der Kirche könne nur die Revolution helfen. Man benutzte die große Macht, welche der Papst hat auf die Gemüther der Gläubigen, um die katholische Kirche in Preußen mobil zu machen. 1871 wandten sich 56 ultramontane Abgeordnete nach Versailles, um die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes zu befürworten. Der Kampf wurde nach Preußen verlegt. Das Zentrum verlangte die Uebertragung der Artikel 15, 16 und 18 der preußischen Verfassung in die Reichsverfassung, was der Reichskanzler als die Schaffung eines Staates im Staate, als die Herrschaft eines auswärtigen Prälaten in Deutschland bezeichnete. Das Zentrum und die Kurie wollten nicht das Reich bekämpfen, sondern in ihre Dienste stellen. Reichsfeindlich ist das Zentrum niemals gewesen: es kann die Vorzüge der Einigung Deutschlands, die dadurch geschaffene Sicherheit des Landes vollständig begreifen. Aber die Forderung des Zentrums und der Kurie, den Kirchenstaat wieder herzustellen, war unmöglich zu erfüllen. Die Kurie wollte sich dem Staate auch nicht feindlich gegenüberstellen. Da erschien die Deputation des Zentrums unter der Führung des Fürsten Loewenstein oder des Herrn Lingens und die Kurie kam zur Ueberzeugung, daß ein Kampf mit Preußen besser sei, weil man eine freundliche Stellung Preußens der Kurie gegenüber doch nicht erwarten durfte. Gegenüber diesem Angriff mußte sich Preußen vertheidigen, und Fürst Bismarck erklärte, daß wir für unsere religiöse Freiheit gegen ihre Unterdrückung durch die Jesuiten und die jesuitischen Päpste kämpfen müssen. Der Papst schrieb an den Kaiser, der Kaiser antwortete dem Papst, daß er sein Volk in einen Kampf führen müsse gegen eine Macht, deren Herrschaft noch niemals einem Staate zum Segen gereicht habe: Zur Abwehr wurden die Maigesetze erlassen, welche nicht in das innere Leben der Kirche eingriffen, wie Fürst Bismarck ausdrücklich mehrfach betonte. Das Zentrum übertrug den Kampf auf alle Gebiete des Staatslebens. Das Zentrum hat ein politisches Programm überhaupt nicht. Diese Programmlosigkeit hat das Zentrum dem Reichskanzler auf anderen Gebieten näher gebracht, umsomehr, als der linke Flügel der liberalen Parteien in bedenkliches Schwanken gerieth. Als ich vor 8 Jahren in das Parlament eintrat, versuchte die Regierung zuerst durch Milderung der Maigesetze die Parteiverhältnisse umzugestalten. Wir berathen jetzt das fünfte Friedensgesetz. Der Reichskanzler hat seine Friedensliebe aber vier Mal vergeblich bekundet, auch das fünfte Mal wird es vergeblich sein. Wir kämpfen nicht gegen den Papst als Person, sondern gegen eine Institution, welche den Staat und seine Gesetzgebung, alle Grundlagen eines modernen Staates nicht anerkennt. Wenn der Papst jetzt eine friedliche Gesinnung offenbart, so ist es mir sehr zweifelhaft, ob nicht der Papst durch diese Friedensliebe mehr für seine Zwecke zu erreichen hofft, als durch kriegerische Allüren. Wir können doch nicht vergessen, um welches Ziel sich der Kampf eigentlich gedreht hat: es handelt sich um den Kampf des Katholizismus gegen die evangelische Kirche. Der Kurie kann man Konzessionen machen, welche man will, der Kampf wird niemals aufhören. Ich betrachte heute noch die Grundlage der Maigesetzgebung als die einzig richtige in einem paritätischen Staate. Wir wollen nicht jeden Paragraphen vertheidigen; während des Kampfes sind manche Bestimmungen hineingekommen, welche beseitigt werden können. Wir haben jede Vorlage geprüft, ob wir sie annehmen können. Wir haben die Novelle von 1880 gebilligt, weil wir sie für ein Friedensgesetz hielten. Die Einbringung der zweiten Novelle hob den Kampfesmuth der Ultramontanen; das sah man an dem Erlaß des Fürstbischofs von Breslau in Bezug auf die Mischehen.(Widerspruch im Zentrum.) Man kann nicht der Regierung einen Gang nach Kanossa vorwerfen. Ich bin ein ruhiger Politiker; aber wenn man diesen Vorwurf dem Reichskanzler macht, als wenn die Ehre des preußischen Staates geschädigt wäre, dann kommt mein Blut in Wallung. Ich beklage, daß es Deutsche giebt, die sich nicht schämen, einen solchen Vorwurf zu machen. Wenn die Regierung einer Schwäche sich schuldig gemacht hat, so liegt das daran, daß die liberale Linke unter Führung Richter's abschwenkte. Die gestrige Rede Richter's ist wohl nur der Dank für die Unterstützung, welche das Zentrum bei den Wahlen geleistet hat. Dem Abg. Richter gefällt die Vorlage nicht, weil das Einspruchsrecht nicht günstiger für die Kurie gestaltet ist. Herr Richter fürchtet die Ausbildung des Servilismus und des Streberthums unter den Geistlichen. Das nennt Herr Richter Reptil. In der Redaktion der„Freisinnigen Zeitung“ wurde neulich, wie der„Kladderadatsch“ berichtet, ein Jubiläum gefeiert: das Wort Reptil war zum 10,000 Male gesetzt worden. Herr Richter hat früher die katholische Kirche für staatsgefährlich gehalten, jetzt will er von den Maigesetzen nichts mehr wissen. Das ganze Verhalten der linksliberalen Partei in dem Kampfe gegen die Kurie hat auch diesen Ausgang des Kampfes verschuldet. Der Fortschritt hat sich vor dem Zentrum gedemüthigt. Auch die Haltung der konservativen Partei hat die Stellung der Regierung geschwächt. Wir haben unsere Stellung nicht geändert, wenn wir auch in einzelnen Fällen die Wünsche der Katholiken berücksichtigt haben. Wir erkennen an, daß die evangelische Kirche vernachlässigt ist gegenüber der katholischen Kirche; wir wissen, daß dieses Gefühl der Vernachlässigung in evangelischen Kreisen allgemein vorhanden ist. Der Antrag von Hammerstein hat deshalb große Beachtung in protestantischen Kreisen gefunden. Ich kann es nicht billigen, daß der Antrag eine so große Mißachtung seitens der Regierung gefunden hat. Wenn auch Meinungsverschiedenheiten über diese Frage bestehen, so ist doch der evangelische Bund zwischen uns so stark, daß eine Diskussion darüber denselben nicht erschüttern kann. Ich habe aus der Rede des Reichskanzlers entnommen, daß er wenigstens dem Theil des Antrages, welcher von einer Zuwendung von Geldmitteln an die evangelische Kirche handelt, günstig gesinnt ist.(Beifall rechts.) Daß die Vorlage den Frieden herbeiführen werde, haben wir schon zum fünften Male gehört, namentlich bei dem letzten Gesetz, welches Bischof Kopp im Herrenhause gemacht hat. Wo ist denn der Friede geblieben? Ist der Kampf mit der Zentrumspartei beendet worden? Er ist schlimmer geworden trotz der Einmischung des Papstes in die inneren Angelegenheiten des Staates. Die Einmischung des Papstes soll von der nationalliveralen Partei bejubelt sein. Wo ist das geschehen?(Ruf: In der „Kölnischen Zeitung"!) Die„Kölnische Zeitung“ ist nicht die nationalliberale Partei. Die Briefe des Papstes werden in der Bevölkerung als ein bloßes Spiel aufgefaßt; man erinnert sich der Vorgänge in Belgien, wo ein offener Brief des Papstes die Bischöfe zum Gehorsam aufforderte, während gleichzeitig eine geheime Instruktion sie in ihrem Widerstand ermuthigte. Das Gesetz soll den Zugang zum Frieden bilden; nirgends steht, daß durch dasselbe der Friede hergestellt wird. Wir werden im nächsten Jahre das sechste i eigenen Lehre über die Orden. Die Reformatoren haben die Mißbräuche der Orden geeifert, aber gegen das Wesen der Orden. Das EinFriedensgesetze erhalten. Ein Abschluß durch eine organische gegen Revision der ganzen Maigesetze wird auf diesem Wege nicht gegen das Wesen der Orden. De nicht erreicht. Der Welfe Windthorst ist noch immer im 1 spruchsrecht hat für die evangelische' Kirche keine Zentrum der anerkannte Führer, das Zentrum hat bei! Bedenken; aus politischen Rücksichten würde ich wünschen, den letzten Wahlen alle radikalen Elemente unterstützt daß es ganz beseitigt oder so eingeschränkt würde, daß es und alle Nationalen und Konservativen bekämpft. Ich kann an die Friedenstaube nicht glauben. Für den Frieden mit dem Zentrum haben wir nur auf die Zusammenwirkung der nationalen Parteien zu rechnen. Daß wir es können, wenn wir wollen, haben wir bei den letzten Wahlen gesehen. Durch die Annahme dieser Vorlage werden die ganzen Polenkolonisationsgesetze illusorisch gemacht, wie mir Kenner der Verhältnisse in Westpreußen und Posen versichern. Wir haben Bedenken gegen die Ausdehnung der Seminare und die Zulassung der Orden, gegen die Aufhebung des Gesetzes betr. die Straf= und Zuchtmittel. Ich hoffe, daß wan unsere Bedenken in einer kommissarischen Berathung prüfen wird. Wir haben zu unserer Ueberraschung gehört, daß die übrigen Parteien eine kommissarische Berathung verweigern wollen. Ich halte das für unmöglich. Es ist nicht möglich, das Gesetz in zweiter Lesung zu amendiren, und man kann die nationalliberale Partei doch nicht einfach vor die Frage stellen: dieses Gesetz oder keins. Wir stehen nicht auf dem Standpunkt der absoluten Ablehnung; wir werden erst unsere Stellung nehmen nach der Gestaltung, welche das Gesetz in der Berathung genommen hat; jetzt wird kaum der eine oder andere meiner politischen Freunde dem Gesetz zustimmen können.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Hammerstein(kons.): Der Vorredner hat politisch nicht mißbraucht werden kann. Die evangelische Kirche hat unter dem Kampfe leiden müssen, bis die Regierung aus Anlaß des Septennats sich mit dem Papst verständigte; beim Papst mag sich die evangelische Kirche bedanken. Redner geht dann auf die Frage ein, wie der Kulturkampf entstanden sei. Jetzt hat die Regierung gesehen, daß die Hammerschläge die katholische Kirche nur gefestigt haben; deshalb schlägt sie einen anderen Weg ein. Die Zeit der Peitsche ist vorbei, die des Zuckerbrodes beginnt, aber nur für die katholische Kirche, nicht für die evangelische Kirche. uns einen Vorwurf darüber gemacht, daß wir eine kommissarische Berathung nicht wollen. Die nationalliberale Partei hat das Ordensgesetz auch ohne kommissarische Berathung durch alle drei Lesungen hindurchgepeitscht. Ich bin froh, daß ich keine Verantwortung für den Kulturkampf zu tragen habe; ich muß mich nur wundern, daß dieselben Männer, welche den Kulturkampf mitgeführt haben, jetzt noch nach allen Erfahrungen dieselbe Stellung wie früher einnehmen können. Die intellektuelle Urheberschaft für den Kulturkampf liegt an der leitenden Stelle, wenn man auch die Waffenschmiede nachher an andere Stellen verlegt hat. Ich kann auf den Ursprung Kampfes nicht näher eingehen, da Herr v. Eynern überraschender Weise eine so günstige Stellung zu meinem Antrage eingenommen hat. Der Kulturkampf ist Werk der Nationalliberalen, das wissen wir Bluntschli's Memoiren, der ein großer Freimaurer und Nationalliberaler war. Man wollte die Kirche unter den Staat unterordnen und mit Hilfe des Staates in Kirche und Schule den flachen Rationalismus zur Herrschaft bringen. Die offiziöse Presse hat das Ihrige dazu beigetragen, diesen Gedanken populär zu machen. Die konservative Partei hat nach Beendigung des Kulturkampfes stets gestrebt, aber nicht durch einseitige Beseitigung der Maigesetze und Besserung der Lage der katholischen Kirche, sondern wir wollten ausdrücklich jede neue staatsrechtliche Regelung auch für die evangelische Kirche herbeigeführt sehen. Das Prinzip der Parität haben wir immer aufgefaßt im Sinne des hohenzollernschen Suum enique; man hat uns aber klar gemacht, daß es jetzt bedeute: Idem cuique. Man hat den evangelischen Oberkirchenrath nicht befragt, er mußte mit einer Petition beim Abgeordnetenhause betteln gehen und man wies ihn schroff zurück. Die evangelische Kirche weist man mit ihren Ansprüchen zurück, während man der katholischen Alles gewährt.(Fürst Bismarck erscheint am Ministertische.) Der Artitel 15 der Verfassung, durch welchen die Freiheit der evangelischen Kirche gewährleistet wurde, wurde aufgehoben; der evangelischen Kirche wurde eine Verfassung gegeben, wofür sie eine Allerhöchste Verheißung hatte, die aber nicht vollständig erfüllt wurde. Männer, die, so lange die Hohenzollern die Mark beherrschen, für sie auf den Schlachtfeldern geblutet haben, haben die Berücksichtigung der Wünsche der evangelischen Kirche nach Selbstständigkeit befürwortet. Warum erfüllt der Reichskanzler diese Wünsche nicht? Fürst Bismarck hat, wie es mir scheint, kein Verständniß für die objektive Bedeutung der christlichen Kirche, wie er es für das subjektive Christenthum so oft an den Tag gelegt hat. Wenn die Machtverhältnisse der katholischen Kirche und mit ihr der Papst auf eine Höhe gehoben ist, die sie niemals hatte, so wird Niemand bestreiten, daß das Ansehen der evangelischen Kirche gelitten hat. Der Papst ist in innerkirchlichen Angelegenheiten viel selbstständiger als der König von Preußen als Summuspiscupos Dem Oberhaupt der evangelischen Kirche sind mehrfache staatliche Schranken gezogen; wie hätte sonst das Civilstandsgesetz erlassen werden können, wie konnten sonst gegen den Willen der evangelischen Kirche Fesseln engelegt werden? Wenn ich die Vorlage als eine rein innerpreußische behandeln könnte, würde ich unter allen Umständen gegen die Vorlage stimmen. Aber nach der Rede des Reichskanzlers, daß er die Vorlage zur Stärkung des Reiches brauche für die bevorstehenden ernsten Zeiten, kann ich die Verantwortung für ein ablehnendes Votum nicht übernehmen. Aber wenn die evangelische Kirche in dem Kampfe gegen die katholische unterliegen sollte, so wird die Regierung die Verantwortung dafür zu tragen haben.(Beifall rechts.) Fürst v. Bismarck: Ich halte es nicht für angemessen, in dem Augenblicke, wo wir mit einer Kirche Frieden schließen, einen Kulturkampf für die andere zu beginnen. Die Regierung macht es sich zur Regel, Initiativanträge nicht durch ihre Mitarbeit zu Regierungsanträgen zu machen. Die Regierung ist nicht dazu da, Vorspann zu leisten für die Velleitäten jedes beliebigen Antragstellers, dessen Anträge tief in das politische Leben einschneiden. Der Vorredner hat nicht das Einverständniß aller seiner evangelischen Mitbürger für sein Auf treten; ich glaube nicht, daß sie für ihre Zustimmung zu dieser Vorlage einen solchen Kaufpreis begehren; ich habe eine höhere Meinung von ihnen.(Beifall.) Die Regierung wird den Wünschen der evangelischen Kirche entgegenkommen; es ist dies schon reichlich geschehen, reich lich in Bezug auf die Summen, wenn auch noch nicht in Bezug auf das Maß des Bedürfnisses. Es wird noch mehr geschehen können, wenn der Regierung nur die Einnahmen bewilligt werden. Wenn das Ansehen der evangelischen Geistlichen gehoben werden soll gegenüber katholischen Geistlichen, so habe ich nichts dagegen. Ich möchte aber davon abrathen, solche Anträge durch kleine Fraktionen einbringen zu lassen, sondern etwas mehr Vertrauen zur Regierung zu haben, als Vorredner bewiesen. Abg. Pfaff(Osterbruch): Die Bestrebungen des An trages Hammerstein gehen dahin, ein sonveränes, vom Staate unabhängiges Kirchenregiment zu schaffen, welches auch die Besetzung aller theologischen Lehrstühle in der Hand haben soll. Die Vorlage wird den Frieden nicht herbeiführen, weil es einen Frieden zwischen Rom und Preußen nicht giebt; die Jesuiten geben den Kampf gegen Preußen, den stärksten Widersacher Roms, niemals auf, Preußen müßte denn katholisch werden. Ich kann es nicht verantworten, der katholischen Hierarchie Waffen in die Hand zu geben, die sie gegen Preußen verwenden kann. Abg. Brüel erklärt, daß er nicht als Lehnsmann oder Beauftragter des Zentrums, sondern allein als evangelischer Christ spreche. Ein Theil der Vorlage bezieht sich auf beide Kirchen, ein Theil nur auf die katholische; der letztere übt aber immerhin eine indirekte Wirkung auf die evangelische Kirche. Der katholischen Kirche werden die Seminare wieder gegeben, warum sollte die evangelische Kirche oder ein evangelischer Abgeordneter nicht dieselbe Forderung stellen? Bei den meisten Punkten der Vorlage gehen die Bedenken meist aus den Kreisen des Unglaubens und des Halbglaubens aus; größer sind die Bedenken gegen die Wiederzulassung der Orden, aber auch diese Bedenken entspringen meist der Unkenntniß der Fürst v. Bismarck: Die Rede des Vorredners war nur eine Vervollständigung derjenigen, welche der Abg. Richter im Auftrage vielleicht weniger Mitglieder seiner eigenen Fraktion und mehr im Auftrage des Zentrums gehalten. Die Rede hat den gravammmbus Ausdruck gegeben, welchen das Zentrum Ausdruck zu geben sich scheut. Dazu hat man ja die irregulären Truppen. Der Vorredner ist nicht blos Lehnsmann, sondern auch Hospitant des Zentrums und Welfe, er braucht den Streit unter den Anderen, denn dann blüht sein Weizen. Die Gesinnung des Abg. Brüel geht in ihrer Feindschaft gegen das Reich noch erheblich über die des Abg. Windthorst hinaus; jede einzelne Phrase war in Gift getaucht, um mich zu schädigen. Mir ist gesagt worden, daß der Vorredner eigentlich der intellektuelle Urheber des Antrages Hammerstein ist. Das wirft auf den Antrag ein neues Licht. Dann wäre der Antrag also von Denen ausgegangen, welche neuen Zank und neuen Streit hervorrufen wollen. Deshalb ist er gerade in dieser Zeit eingebracht worden. Ich vermuthe, daß den Abgeordneten andere Gründe bestimmen, als rein kirchliche Interessen. Der Abgeordnete hat, wie mir gesagt wird, Beschwerden über unerfüllte persönliche Wünsche gehabt. Ich kann nicht glauben, daß er daraus Anlaß zu Werksinhabern auch zu gönnen, wenn sie endlich wieder, nach langjähriger vergeblicher Anstrengung, einen kleinen Ueberschuß erzielen. Die Gußstahlwerke hier und in Annen sind gut beschäftigt und wäre zu wünschen, wenn auch diese und die Eisen=Gießereien eine kleine Preissteigerung eintreten lassen könnten. An Ziegelsteinen werden wir für die Folge keinen Mangel mehr haben, denn in einigen Wochen werden in Witten, Annen und Wannen nicht weniger als 6 große Ringöfen in Thätigkeit sein. Die Kohlen preise ziehen auch noch nicht an, aber der nächste Herbst dürfte auch hierin Aenderung bringen. Witten, 22. April.(Unglück.) Gestern verunglückten auf„Zeche Franziska Tiefbau" 2 Bergleute durch hereinbrechendes Gestein. Der Eine war schwer verletzt und mußte ins Städt. Krankenhaus gebracht werden. * Witten, 22. April.(Gegen Verwendung von Schulkindern bei Treibjagden.) Den Bezirksregierungen in Preußen ist eine Verfügung eingeschärft worden, inhaltlich deren zwar die Bewirkung einer Polizei Verordnung, durch welche es allgemein verboten und unter Strafe gestellt würde, Kinder in schulpflichtigem Alter bei Treibjagden zu verwenden, nicht für angezeigt erachtet wird, dagegen den Kreisschul=Inspektoren zur Nachachtung empfohlen wird, daß solche Verwendung jedenfalls nicht von Schulaufsichtswegen zu fördern ist, daher Schulkinder weder vom Schulinspektor noch vom Lehrer zu dem mehrgenannten Zwecke vom Schulbesuche dispensirt werden dürfen, und die Eltern, deren Kinder gleichwohl aus solcher Veranlassung aus der Schule bleiben, wegen Schulversäumniß zu bestrafen sind. O Bommern, 23. April.(Wettrennen.) Wenn die Witterung uns keinen Strich durch das vom hiesigen Renn=Komitee aufgestellte Programm macht, wird das diesjährige große Rennen, das morgen Nachmittag 3 Uhr auf dem äußerst schwierigen, aber reizend gelegenen Freiherr von Golten'schen Terrain, der sog. Kiste, seinen Anfang tarischen und publizistischen Kämpfen gewesen; in solchen sind wir auch heute noch. Wir kämpfen gegen die Welfenfraktion noch immer; wir kämpfen gegen Zentrum und Sozialdemokraten und gegen politische Demokraten. Das ist kein Krieg mit eigenen Unterthanen, sondern das sind parlamentarische Kämpfe zwischen den Ministern und den Parteien, die ja das eigentliche Lebenselement des Vorredners sind. Ich bedaucre, daß das Zentrum das nationalfeindliche Element der Welfen bei seiner Entstehung in sich aufgenommen hat, das hat unsere Kämpfe sehr verschärft und erbittert. Der Vorredner glaubt, daß Niemand außer mir die Maigesetze für Kampfgesetze gehalten habe. Das ist eine Manier, mir indirekt die Unwahrheit vorzuwerfen. Ich habe mich sehr ausdrücklich dahin ausgesprochen, daß Niemand darüber zweifelhaft sein kann. Daß der Frieden ein dauernder sein kann, hoffe ich. Eine Garantie kann man ja für keinen Frieden übernehmen. Ich habe schon 1872 auf einen friedlichen Papst gehofft und das offen ausgesprochen; der Kampf ist, weil er mit Rom geführt wurde, kein konfessioneller geworden, sondern ein politischer geblieben; der Papst hat den Einfluß seines Namens dieser Partei geliehen, deshalb sind wir mit ihm in Kampf gekommen. Es ist nicht auf eine Stärkung der Macht der Regierung abgesehen gewesen. Das Ziel des Kampfes war, das Reich zu schützen gegen die subversiven Angriffe der politischen Freunde des Vorredners. Das ist eine ehrenvolle und hochstehende Aufgabe, der ich mich auch ferner widmen will. Daß ich mir dabei die Abneigung des Vorredners zuziehen werde, ist mir klar. Das Urtheil meiner Landsleute aber wird nicht auf Seiten des welfischen Abgeordneten, sondern auf meiner Seite stehen. (Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Abg. Stöcker(kons.): Wenn das Zentrum als Fraktion in den politischen Kämpfen unterlegen ist, so ist ihm recht geschehen, denn es hat sich als Partei auf Dinge eingelassen, die es gar nichts angehen. Was die Vorlage anbetrifft, so müssen wir prüfen, ob nicht aus der neuen Regelung Schaden erwächst. Wird das Gesetz den Frieden schaffen? Ein Friedensschluß wird es nicht sein; wenn es nur der Schluß des bitteren Kulturkampfes wäre! Der Geisterkampf zwischen beiden Kirchen kann ja doch nicht beendigt werden durch eine staatliche Gesetzgebung. Der gegenwärtige Papst mag friedliebend sein, aber der Papst ist keine Person, sondern ein Prinzip. Der Papst hat es bisher mit den Dynastien gehalten, der Papst kann es mit dem Volke halten. Der gegenwärtige Papst hat aus den Prinzipien der Reformation den Kommunismus und Sozialismus abgeleitet. Das sind Gesichtspunkte, die ich nicht vergessen kann. Auf die Frage der Seminare, der Anzeigepflicht lege ich ein großes Gewicht nicht. Aber was mich besorgt macht über die evangelische Kirche, das ist die Frage der Orden. Die Orden sind die Waffen der katholischen Propaganda. Der Kampf um die Schule wird begonnen damit, daß man die Schulschwestern zuläßt, über deren Konstitutionen Hinschius so Vieles mitgetheilt hat, daß man daraus ersieht, sie sind zur allgemeinen bürgerlichen Erziehung unserer Jugend nicht geeignet. Die Orden würden die Propaganda für die katholische Kirche stärken, wie es für den Frieden des Auslandes unerträglich ist. Die Beunruhigung im evangelischen Volke ist groß, daher kommt der Antrag Hammerstein. Die evangelische Kirche hat die bescheidene Bitte ausgesprochen, daß die Regierung auf ihre Freiheiten Bedacht nehme. Wenn der Reichskanzler das, was er patriotischen Katholiken versprochen, auch evangelischen Christen versprechen wollte, dann würde ich für die Vorlage stimmen können. Nach dem Schlusse der gestrigen Rede des Reichskanzlers kann ich das nicht. Abg. v. Jandzewski: Ich kann mich im Namen meiner Landsleute im Wesentlichen der gestern vom Centrum abgegebenen Erklärung nur anschließen. Auch wir halten es nicht für angezeigt, in eine materielle Behandlung der uns beschäftigenden Vorlage einzutreten, es sei denn, daß unvorhergesehene zwingende Umstände dazu Veranlassung bieten sollten. Mit einer Reihe persönlicher Bemerkungen schließt die Debatte. Die kommissarische Berathung der Verlage wird abgelehnt gegen die Stimmen der Nationalliberalen. Schluß 4¼ Uhr. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Kleinere Vorlagen und Gesetzentwurf betreffend die Feststellung der Leistungen für Volsschulen. Westfalen und Rheinland. * Witten, 23. April.(Beschluß der Schneider meister.) Die Schneidermeister Westfalens haben von dem Vorstande des„Deutschen Schneiderbundes“ die Aufforderung erhalten, nur Fachinnungen, nicht aber Innungen, in welchen auch andere Gewerbe Aufnahme finden, zu gründen, indem man in den Fachinnungen eine bessere Regelung des Lehrlings= und Gesellenwesens und eine gründliche Fachbildung der jungen Handwerker zu erzielen hofft. &am Witten, 23. April.(Die Eisenindustrie) scheint sich wieder etwas heben zu wollen. Nachdem bereits vor einiger Zeit die Gabelfabrikanten von Westfalen eine Preiserhöhung beschlossen, sind die Stahlschauselfabrikanten dem Beispiel gefolgt. Es ist den nimmt, sehr interessant werden. Der Rennplatz liegt zwar für die freien Zuschauer der Ruhrberge nicht so gut wie früher, ist aber sonst viel hübscher und bietet für die Rennpferde mehr natürliche Hindernisse als irgend ein Kampf wird vorliegenden bedeutend. bezw. von entfernt. Heute Race ein getroffen. Bochum, 21. April.(Verhaftung.— Fahnenweihe.) Die Polizei verhaftete gestern einen jungen Menschen aus Witten, welcher in der Nacht vom 13./14. in die Bierschänke der Arbeiter=Kaserne ein gebrochen war und eine nahmhafte Summe entwendet hatte.— Der hiesige Krieger= und Landwehrverein weiht am Sonntag den 24. d. Mts. seine neue Fahne. Das Fahnenweihfest verspricht bei zahlreicher Betheiligung der Mitglieder einen schönen Verlauf. Hörde, 20. April.(Vermißt.— Annehmlich keiten der Kreisstadt.) Schmerzlich überrascht wurden die Eheleute K. von hier, als ihnen vor einigen Tagen amtlich die Mittheilung zuging, ihr etwa 16jähriger Sohn, welcher Abenteuer suchend auf und davon gegangen, sei an Bord eines Seeschiffes, an welchem der Jüngling Dienst angenommen,„vermißt", also wahrscheinlich über Bord gefallen und ertrunken.— Die ersten Tage der zum erstenmale hier stattfindenden Musterung sind nicht ohne erhebliche Ruhestörungen und Schlägereien verlaufen, ja es ist sogar vorgekommen, daß am hellen Mittage ein Trupp künftiger Vaterlandsvertheidiger einen geachteten hiesigen Bürger, Ingenieur seines Zeichens, in der Nähe seiner Wohnung überfallen und mit Stockschlägen traktirt hat. Um solchen Uebergriffen wirksam zu begnen, dazu ist die hiesige Polizeimacht— zu schwach. Vier PolizeiSergeanten und ein Gendarm sollen die Sicherheit und Ordnung während der Aushebung im Musterungslokale und auf den Straßen unserer weitverzweigten Stadt aufrechterhalten, was ganz unmöglich erscheint, wie jedem mit den Verhältnissen Vertrauten einleuchten wird. * Schwerte, 21. April.(Unglücksfall.) Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich Mittwoch Morgen gegen 5 Uhr auf der hiesigen Eisenindustrie. Die an einer Walze beschäftigten Arbeiter hörten plötzlich ein lautes Krachen und Knarren, und in demselben Moment flog auch bereits das kleine Kammrad der Maschine durch das Dach. Durch das Herniederfallen desselben wurde dem jugendlichen Arbeiter Vogelsang von Berghofermark die Hirnschale zerschmettert, der Arbeiter Heierhoff von hier an den Füßen verletzt. Ersterer, welcher in das katholische Krankenhaus überführt wurde, ist daselbst einige Stunden später bereits verschieden, letzterer wurde nach seiner Wohnung gebracht. 6% Iserlohn, 22. April.(Se. Excellenz der kommandirende General) des 7. Armeekorps, General der Kavallerie, von Witzendorff, traf in Begleitung des Majors vom Generalstabe, von Dudlitz: heute Mittag zur Besichtigung des hiesigen Bezirks Kommandos hier ein. Nach der Inspektion fuhren die Herren am Nachmittag nach der Dechenhöhle, wobei sie von Herrn Oberstlieutenant von Wenz begleitet wurden; gegen Abend setzten dieselben ihre Reise über Hagen nach Münster fort. * Soest, 20. April.(Städtisches Wasserwerk. — Warnung.) Seit Montag stehen auf den Quellen des Wasserwerkes zwei Dampfpumpen und fördern bis heute ungeschwächt so viel gutes, klares Wasser, daß der Turnplatz von vielen staunend betreten wird, und wohl die sichere Aussicht ist, es werde das Wasserwerk in der Leistungsfähigkeit nicht hinter dem Bedarf zurückbleiben. — Aus Anlaß der Erscheinung, daß einige Wirthe den Schülern höherer Schulanstalten Zusammenkünfte gestattet haben, weist die Polizeibehörde hier auf das Straffällige solcher Handlungsweise hin mit der Erinnerung, daß öftere Wiederholung die Entziehung der Konzession zur Folge hat. * Burgsteinfurt, 19. April.(Entschlossenheit eines zehnjährigen Mädchens.) Wie selbst kleine Kinder in Zeit der Noth Retter ihrer Gespielinnen werden können, das hätte man laut Wochenbl. Gelegenheit gehabt zu beobachten, als am vorigen Samstag Nachmittag beim Veilchensuchen die zehnjährige Tochter des Kappenmachers Hüwel hierselbst, gegenüber dem fürstlichen Schlosse, an einer nicht untiefen Stelle in die Aa stürzte und die in gleichem Alter stehende Tochter des in Indien verweilenden Herrn Meyer, die Gefahr erkennend, kurz entschlossen ihr die Hand reichte und die dem Ertrinken nahe mit Anstrengung aller ihrer Kräfte wieder ans Land brachte. Der gleich darauf vorbei passirende Bote Bertram aus Borghorst legte dann noch hilfreiche Hand mit an, um das dem Tode entgangene Kind, dem noch Wasser aus Nase und Mund quoll, wieder ganz zu sich zu bringen. * Krefeld, 20. April.(Von schwerem Verdacht erlöst.) Durch die sorgfältige Führung des Fremdenbuches von seiten des hiesigen Herbergswirthes ist ein kürzlich in Osnabrück verhafteter Metzgergeselle von dem Verdachte, einen Raubmord begangen zu haben, befreit worden. Der Geselle erklärte nämlich, in der Nacht, in welcher das Verbrechen verübt wurde, in der hiesigen Herberge logirt zu haben, was sich auch aus dem betreffenden Fremdenbuche ergab. * Mainz, 21. April.(Entgleisung.) Der Blitzzug Köln=Basel ist gestern Nachmittag nahe der badischen Station Rheinau infolge falscher Weichenstellung in ein stumpfes Geleise gerathen und auf eine Reihe abladender Güterwagen gestoßen. Diese Wagen und die Maschine des Zuges wurden beschädigt. Ein Beamter wurde erheblich, einige Fahrgäste leicht verletzt. Die CarpenterBremse, die sofort mit bester Wirkung in Betrieb trat, verhütete größeres Unglück. Unter dem Titel:„G Antisemitismus“ hat ein gezschen Familie, mit Vor hen Buchhandlung von 2 lin eine kleine Brochüre ausnahmsweise etwas näl Erheiternden Manches biet Man könnte derselben 0 si tacuisses, philosophi schwer fallen, eine albern über die Judenfrage namh herrliche Werkchen, dasselbe Jahren erschienene Broschü Der ganze Inhalt des Werk anderzerrung einiger abgesta hauptsächlich der, daß die in früheren Jahrhunderten drängt worden seien, wä vorzügliche Menschen seien, unangenehme„Allüren" v dem sehr neuen und geistr schlechte Christen resp. Ni Freiherr, der bis dahin ist, daß ein Mitglied der f zessin Friederike von Hann Wenn man auf Einzell nächst auf, daß der Frei hat, seine„Bildung“, da in einem mit Fremdwör verdorbenem Deutsch schr niß der Geschichte und schriebenen wissenschaftliche Höchstens könnte Verfasser gehörende Werk Eduard vo thum in Gegenwart und tieferes Verständniß durchg klänge an denselben finden. Als Beispiel der freiher gender Satz dienen: „Die Lösung dieser Fre vorige, vor die Kriterien, d Innern heraus erforschen, serer Antipathie gegen das kes selbst personifiziren; hie Verhältnisse des subjugale scher Hinsicht zu studiren; unserer Definitionen, wenn nesis unserer Abneigung g urtheilung unseres Empfini darstellt, auf psychologische suchen; wir müssen die For die der jüdische Charakter Universalität— von spezie lichen Exemplifikationen mi werden— erlitten hat, hist der dabei hervortretenden Ph Großer Am Freitag, 29. Vormittags 10 Uhr, werde ich im Auftrage Frau Wwe. Bergrath Be hold die zum Nachlaß verstorbenen Herrn Bei Boegehold zu Bon gehörigen Mobilien: Sophas, Tische, S Kommoden, Schi Spiegel, Oefen,# mit Bettstellen, Pferde Matrazen, Teppiche, der, eine große 2 Porzellan, Glas=, Erl Sachen, Küchen= u.§ Geräthschaften 2c. öffentlich meistbietend Baarzahlung und Credit kaufen. Versammlung an der 23 hold'schen Wohnung auf „Louisenglück“ in Bomme Witten, den 16. 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Unter dem Titel:„Gedanken eines Cavalier's über Antisemitismus“ hat ein Mitglied der Pavel=Rammingen'schen Familie, mit Vornamen Alexander, in der jüdi sen. Buchhandlung von Walther und Apolant in Berlin eine kleine Brochüre erscheinen lassen, auf die wir ausnahmsweise etwas näher eingehen wollen, da sie des Erheiternden Manches bietet. Man könnte derselben getrost das Motto vorsetzen: 0 si tachisses, philosophus mansisses! Es würde uns schwer fallen, eine albernere und seichtere Abhandlung über die Judenfrage namhaft zu machen, als dieses frei herrliche Werkchen, dasselbe übertrifft noch eine vor einigen Jahren erschienene Broschüre von Gerhard von Amyntor. Der ganze Inhalt des Werkchens besteht in einer Ausein anderzerrung einiger abgestandener philosemitischer Phrasen, hauptsächlich der, daß die Juden durch die Verfolgungen in früheren Jahrhunderten geradezu zu Schlechtigkeiten gedrängt worden seien, während sie heut zu Tage ganz vorzügliche Menschen seien, die sich nur noch durch einige unangenehme„Allüren" von uns unterscheiden. Auch dem sehr neuen und geistreichen Gedanken, daß es auch schlechte Christen resp. Nichtjuden gebe, giebt der Herr Freiherr, der bis dahin der Welt nur dadurch bekannt ist, daß ein Mitglied der freiherrlichen Familie die Prin zessin Friederike von Hannover geheirathet hat, Ausdruck. Wenn man auf Einzelheiten eingeht, so fällt es zunächst auf, daß der Freiherr es für nöthig gehalten hat, seine„Bildung“ dadurch zu beweisen, daß er in einem mit Fremdwörtern reichlich gespicktem und verdorbenem Deutsch schreibt, während man Kenntniß der Geschichte und der über die Judenfrage geschriebenen wissenschaftlichen Werke schmerzlich vermißt. Höchstens könnte Verfasser das gewiß nicht zu den besten gehörende Werk Eduard von Hartmann's:„Das Juden thum in Gegenwart und Zukunft" flüchtig und ohne tieferes Verständniß durchgelesen haben, da sich einige Anklänge an denselben finden. Als Beispiel der freiherrlichen Schreibweise möge folgender Satz dienen: „Die Lösung dieser Frage führt uns minder, als die vorige, vor die Kriterien, die wir aus unserem internsten Innern heraus erforschen, die sich aus. dem Gefühl un serer Antipathie gegen das jüdische Element unseres Vol kes selbst personifiziren; hier haben wir die Aufgabe, die Verhältnisse des subjugalen Stammes in culturhistorischer Hinsicht zu studiren; wir gelangen nicht zum Ziel unserer Definitionen, wenn wir bei dieser Frage die Genesis unserer Abneigung gegen denselben durch die Beurtheilung unseres Empfindens, wie es sich uns fertig darstellt, auf psychologischem und rein logischem Wege suchen; wir müssen die Fortschritte und Veränderungen, die der jüdische Charakter durch die Zeit und in seiner Universalität— von speziellen Argumenten und persön lichen Exemplifikationen muß hier naturgemäß abgesehen werden— erlitten hat, historisch prüfen, um an der Hand der dabei hervortretenden Phänomene eventuell klarzulegen, wie die gegenseitigen Relationen nach und nach die momentane Physiognomie annahmen, die zwar äußerlich und auf den ersten Blick dem oberflächlichen Beschauer minder groteske und brutale, schroff markirte Conturen als vor Jahrhunderten zeigt, aber— wenn auch durch den Schleier der Civilisation maskirt— doch immer noch die barrocken Züge veralteter Anticipationen zur Schau trägt.“ Brrr! Wenn gewöhnliche Sterbliche eine Frage vom unparteiischen Standpunkte aus beurtheilen, so versucht der Junker Alexander dieselbe„von dem Piedestal der Unparteilichkeit aus zu discutiren.“ Eingangs erwähnt der Verfasser, er inclinire zwar zum Konservatismus, drum könne er doch nicht den„antisemitischen Feudal=Anarchisten auf ihren Kreuzzügen Heeresfolge als blinder Vasall leisten", vielmehr finde er das Heil in der„guten Mittelstraße.“ Bei seiner Vorliebe für Fremdwörter hätte Herr von Rammingen den weit passenderen Ausdruck„aurea mediocritas“ gebrauchen sollen. Was er unter„antisemitischen Feudal Anarchisten“ versteht und wo diese Menschen=Klasse oder Race zu finden ist, erfahren wir leider nicht. Nachdem Herr von Pammel seiner Freude Ausdruck gegeben hat, das jetzt jeder Deutsche(dazu gehören seiner Ansicht nach auch die Juden)„nach seiner Facon“ selig werden könne,— es ist eine eigenthümliche Ironie, daß er diesen Ausspruch des großen Antisemiten, Friedrich's des Großen, citirt— meint er:„jeder Deutsche hat das Recht, zu verlangen, daß ihm die Ehre zu Theil wird, die der Summe seiner Kenntnisse und angeborenen oder erlernten Fertigkeiten äquivalent ist,— nb., wenn die Qualität seines Charakters in homogenem Verhältniß zu jenen Faktoren steht.“ Selbst die Richtigkeit dieses durchaus nicht einwandfreien Satzes angenommen, für wen enthält derselbe wohl eine schärfere Verurtheilung, als für seine Freunde, die Juden? Seine in der Einleitung versprochene Objectivität und Unparteilichkeit beweist der Herr von Rammingen schon dadurch, daß er den Antisemitismus mit Unkraut vergleicht. Die deutschen Juden sollen sich, wenn sie ihre Race noch so rein erhalten hätten, vollständig acclimatisirt haben und in erster Linie Deutsche sein. Da hat der Herr ja so Recht. Man denke nur daran, daß die jüdische Börse Deutschlands 1870 auf die deutsche Kriegsanleihe nichts zeichnete, wohl aber auf die französische, man denke nur an das schamlose Benehmen des„deutschen" Reserveoffizier's Herrn von Bleichröder, bei Gelegenheit des Nobilingschen Attentates, an den großen„deutschen" Patrioten, Apotheker Kohn in Berlin, der 1866 durch Fäl schung der Medikamente vielleicht tausende unserer braven Soldaten gemordet hat, man denke auch daran, wie vor einigen Jahren in den„deutschen“ Synagogen der französische Jude Cremieux, Begründer der nach Herrn von Rammingens Ansicht vielleicht deutsch=nationale Interessen verfolgenden, über die ganze Erde verbreiteten Allance israölite, gefeiert wurde, trotzdem er 1870 einen Mordpreis auf das geheiligte Haupt unseres Kaisers und unseres Kronprinzen gesetzt hatte! Wir gönnen dem„cohnser vativen“ Freiherrn diese deutschen Brüder von Herzen. Schluß folgt.) * Entsetzliches Verbrechen. Madrid, 17. April. Zu Carolina in der Provinz Jaen wurde am 10. d. M. ein Verbrechen unter wahrhaft dramatischen Umständen verübt. Eine Familie von Landleuten, bestehend aus den Ehegatten und einem Kinde, bewohnte eine Pachtung in der Nähe des genannten Ortes. Der Vater war aus gegangen, um Früchte auf dem Markte zu verkaufen, und als er sah, daß ihm sein Söhnchen nachfolge, schickte er es zu seiner Mutter zurück. Vorübergehende Zigeuner hatten dies bemerkt und machten sich augenblicklich auf den Weg zum Pachthof, wo sie noch vor dem Kinde anlangten. Eine Zigeunerin ging zur Frau des Pächters und begehrte Wasser, ergriff aber zugleich ihr Messer und drohte, sie zu tödten, wenn sie ihr nicht alles Geld im Hause gebe. Die Frau verlor aber nicht die Geistesgegen wart, ließ die Zigeunerin eintreten und zeigte ihr eine iste, in der sich das Geld befinden sollte. Zugleich ver sperrte sie aber rasch die Thür mit einem Schlüssel. Einer der draußen befindlichen Zigeuner versuchte nun in das Haus zu dringen, und während er das Schloß sprengen wollte, sah er das Kind der Pächterin ankom men. Er stürzte sich auf dasselbe, schnitt ihm den Kopf ab und zeigte denselben der unglücklichen Mutter. Diese war jedoch so heldenmüthig, nicht zu öffnen, und der Zigeuner dies sehend, versuchte nun, durch den Kamin ins Haus zu gelangen, verstrickte sich aber dabei in das Gitterwerk. Die Pächterin band nun die Füße des Ban diten und zündete ein großes Feuer an, so daß der Zigeuner in wenigen Minuten lebend verbrannte. Als der Pächter und die Gerichtsbeamten erschienen, wurde die eingesperrte Zigennerin verhaftet. Der übrigen Bande gelang es, die Flucht zu ergreifen. Daß das Rauchen schädlich ist, wird vielfach behauptet, meistens aber kommt es darauf an, was man raucht und— wem dieses Kraut dann ungesund ist. Einen hübschen Beitrag zur Beurtheilung dieser„großen“ und„brennenden“ Frage liefert folgendes, von einer süddeutschen Universität erzählte Histörchen: Der Chirurg daselbst hatte seinen beiden Assistenten erlaubt, im Operationszimmer zu rauchen. Doch schon in den ersten Tagen zeigte der Herr Professor, sobald er in der Nähe der Raucher kam, eine gewisse Unruhe. Nach einiger Zeit sagte er zu dem einen der Assistenten:„Hören Sie, lieber Müller, Sie sehen sehr blaß aus, lassen Sie lieber das Rauchen sein.“ Müller denkt sich voll Schrecken, wenn eine solche Autorität dir das Rauchen untersagt, aus Rücksichten auf Deine Gesundheit, so mußt Du es freilich sein lassen. Kurze Zeit darauf sprach der Herr Professor zu dem zweiten seiner Jünger:„Mein guter Huber, es thut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, daß sie eine etwas flache Brust haben, geben sie also schleunigst das Rauchen auf.“—„Eine flache Brust!“ Aus dem Munde eines solchen Mannes, da muß natürlich das Gebot befolgt werden. So verging einige Zeit. Da eines schönen Tages erscheinen beide Herren, plötzlich wieder vernügt, ihre Cigarren schmauchend, bei der Arbeit. Kaum aber hatte der Herr Professor den Rückfall seiner Getreuen in das alte Laster bemerkt, als er mit seiner Cigarrentasche auf dieselben zueilte und sagt:„Wenn Sie denn durchaus rauchen wollen, meine Herren, so muß ich Sie schon bitten, sich eine von— meinen Cigarren anzustecken!, * Mechanischer Ehrlichkeitswächter. In Washington ist vor Kurzem eine neue Erfindung zur Stärkung der Tugend patentirt worden. Sie besteht in einer Einrichtung, derzufolge es den Beamten unmöglich ist, obgleich sie die Schlüssel und das Geheimniß der Mechanik des Schlosses besitzen, die Geldschränke zu öffnen, ehe das sämmtliche Personal der Bank anwesend ist. Es ist nämlich mit dem Schlosse eine Uhr verbunden, die von innen, ehe der Geldschrank geschlossen wird, auf die Stunde gestellt werden kann, zu welcher die Bank ihre Geschäfte beginnt. Sobald der Schrank geschlossen ist, kann ihn Niemand vor dieser Zeit öffnen. Markt= und Cours=Berichte. * Neuß, 22. April. Weizen hiesiger à 100 Kilo 17,60, 1. Qual. engl. 17,00, 2. Qual. engl. 16,50, Landroggen neuer à 100 Kilo 1. Qual. 13,20, 2. Qual. 12,20, 3. Qual.—.—, Wintergerste—.—. Sommergerste——, Buchweizen à 100 Kilo 15,—, Hafer alter à 100 Kilo —.—, Hafer neuer à 100 Kilo 11,40, Aveel(Rübsen) à 100 Kilo—.—, Raps à 100 Kilo—.—, Kartoffeln à 100 Kilo 5,00, Heu à 500 Kilo 36,—, Stroh à 500 Kilo 30,—, Rüböl per 100 Kilo faßweise 48,00, Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 Mark höher als Rüböl, Preßkuchen per 1000 Kilo 108,—, Weizen=Vorschuß 00 à 100 Kilo—.—, Kleien à 50 Kilo 4,60 Mk. * Berlin, 22. April. 2 Uhr 30 Min. Nachm. Fruchtbörse. Weizen April=Mai 171,50, Mai=Juni 171,50 M. Juni 93,75 M. Gek. 1000 Ctr. Rüböl vorräthig mit Faß 43,60 ohne Faß 42,50, April=Mai 43,60, Sept.= Okt. 44,20 M. Gek. 000 Ctr. Spiritus vorräthig 40,40, April=Mai 40,30, Juni=Juli 40,70, Aug.=Sept. 42,10. M. Gek. 40000 Lit. Petroleum vorräthig 21,10, April=Mai 20,80 M. Gek. 0000 Ctr. * Bremen, 22. April. Petroleum schwach, vorräthig 5,95 Br. Schmalz Wilcox vorräthig 36½2. Antwerpen, 22. April. Petroleum niedriger, vorräthig 15⅛, April 15, Mai 15, Juni 15, Juli 15¼, Aug. 15 3/8, Sept.=Dez. 157/8fr. Kaffee lebhaft, höher, Verkäufe 30008 Santos neuer ord. zu 42½0, fair zu 44 1/1c, good average zu 45¾—460, 800B Rio regulär first zu 45—466, 1550B Bahia zu 441/20 unverzollt, 600B Haiti zu 51 3/—52e verzollt. * Glasgow, 22. April. 3 Uhr 2 Min. Nachm. Roheisen. Warrants 40: 100. Mainz=Ludwigshafen(Hessische Ludwigsbahn) Eisenbahn=Prioritäts=Obligationen von 1863 65. Die nächste Ziehung findet Anfang Mai statt. Gegen den Coursverlust von ca. 2½ pCt. bei der Ausloosung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 7 Pfg. pro 100 Mark. Mebvitiar Terkanf! Am Freitag, 29. Vormittags 10 Uhr, werde ich im Auftrage der Frau Wwe. 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April, Vormittags 9 Uhr: Die Mannschaften aller Waffen und Jahresklassen, sowie die DispositionsUrlauber und Superrevidenden(d. h. alle diejenigen Mannschaften, welche auf Reklamation sowie die, welche wegen Dienstuntauglichkeit oder wegen vor ihrer Dienstzeit begangener Verbrechen oder Vergehen vor Ablauf ihrer Dienstzeit entlassen worden sind und über die noch keine endgültige Entscheidung getroffen ist). Bestimmungen über die Controll=Versammlungen. Mannschaften, die in dringenden Fällen um Dispensation nachsuchen, haben sich dieserhalb rechtzeitig an den Bezirksfeldwebel ihrer Compagnie schriftlich oder mündlich zu melden, der das Weitere beim Bezirks=Commando veranlassen wird. Alle Mannschaften haben ihre Militärpapiere mitzubringen. Vor Beginn der Controllversammlungen sind Schirme, Stöcke, Pfeifen, Cigarren 2c. wegzulegen. Nichterscheinen zur Controllversammlung und Zuspätekommen haben Arrest zur Folge, ersteres außerdem 1 Jahr Nachdienen. Wer mit dem Nachdienen bestraft worden ist, gehört von da ab zum nächstjährigen Jahrgange. Zum Beispiel: Ist ein Mann des Jahrganges 1876 mit ein Jahr Nachdienen bestraft, so gehört er nunmehr zum Jahrgang 1877 2c. Sollte Jemand über vorstehende Bekanntmachung noch irgend im Zweifel sein, so hat er sich sofort an seinen Bezirksfeldwebel um Aufklärung zu wenden. Sämmtliche Mannschaften des Beurlaubtenstandes, welche sich an vorgenanntem Tage zur Controllversammlung zu gestellen haben, stehen für den ganzen Tag unter den Kriegsartikeln. Dortmund, den 5. April 1887. Königliches Landwehr-Bezirks-Eommando. 3. 5. 6. Höhere Töchterschule zu Langendreer. Das neue Schuljahr beginnt den 27. April, Morgens 8 Uhr. Die Prüfung der neu angemeldeten Schülerinnen findet den 26. April, Morens 9 Uhr, statt. Anmeldungen werden von dem Unterzeichneten noch entgegengenommen, doch wird gebeten, dieselben beschleunigen zu woller Langendreer, im April 1887. Der Dirigent: Landgrebe, Pfarrer. A. W. 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Als solche in den all führten Wünsche bezeichne nun einmal das Verlanger heit der Bewegung und rein politischen Behörden Hauptgewicht legte diese darauf, daß die königlich nigstens von nun an„au liche Erörterung der Antr rungen für die evangel bringen. Man wird de daß die bisherige ablehner gesagt, das unverbrüchlich diesen Anregungen gegenü aus, so lange uns wenigste unserer leitenden Kreise b ständlich erscheinen mußte. erfreulicher Fortschritt betr Bismarck unumwunden an gelische Kirche Anspruch a sonderen auf eine reichere nun zunächst Wittener Fettwaaren=Konsum, Was Schwerin hervorgehoben wird ein Zustand der Di Bahnhofstraße 26, offerirt: In. westfäl. Speck 65 Pf. à Pfd. Bei Abnahme von 5 Pfo 63 Pf. Ia. westfäl. Schinken 75 à Pfund. Ia. Mettwurst 68 Pfg. à Pfd. Plock= und Cervelatwurst zu verschiedenen Preisen. Schmalz, Flohmen 2c. billigst. Henriette Pavidis Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche. Eleg. geb. 4 Mark 50 Pfg. empfehlen Hermann Risel& Co., Breddestraße 38. 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Warnatzsch in Hagen. bigen Mitgliedern des Lan über inneré Angelegenheite mitzusprechen, und auch so nung dieser Angelegenheite Organe mit manchen M wohl als entbehrlich betro konservativer Seite— wie erschöpfenden Darlegungen haupt im vorigen Jahre mein für der Abhilfe bedür diese Seite des Ziels aber und wenden uns heute led sind die Stellen, an welch einer reicheren pekuniären Hier würde besonders namentlich in größeren Die Mißstände in dieser Berlin spotten bekanntlich Steuerung dieser Kirchenn kann man sich nicht täuf gegenwärtigen Finanzlage mehr erwartet werden kön eines Tropfens auf den Dasselbe gilt von dem B Parochieen in mehrere Billiger Weise wird auch zu daß der Vorsprung, den dem Gebiet der Herstellung von Kirchen in Deutschlan hat, nicht auf einer reiche zum Theil auch darauf b verstanden hat, zugleich m Geldbeutel ihrer Gemeinde jedem Gesichtspunkt werden uns nach Wegen umzuseher vom Staate zu gewähren auf denen die Arbeit der einer intensiveren Wirkung Dabei denken wir einma genügenden Anzahl von Prjeder angehende Geistliche Studienzeit längere Zeit noch bedeutsamer fast möchte unserer evangelischen Geist der inneren Mission nach sein. Die Institutionen d solche Ausbildung gewährt Zeit nur spärlich und ver nehr oder minder privaten also umfangreichere Arbeitso nlehnung an die Kirche das ganze Land ausbreiter einer genügenden Anzahl ge uszustatten sind und die Mö angskursus für jeden jun er das Seminar absolvirt h Runds parlamentarischen Etimme darüber, daß die ki es Abg. Richter vom selbstentwürdigung gewesen, die von sich gegeben hat. Er hat die Windthorst gehalten haben #r päpstlichen Anweisung gedu