— 102. t, HANNOVER in, Witten 9 Abend pünktlick Uhr: istliche Probe Elias. = Innung ; den 2. Mai Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Se— Feiertage. Sauertraut Zusertionen werden die Tgespaltene Petitzeile mit d. 6 Pfg., 10 Pfg. berechnet. getrocknete rnen, d. 35 Pfg. Bonnerstag, den 2. Mai verbunden mit dem für Witten und Amgegend. Abonnementspreis(inel. der Gratisbeilage „Märkisches Heim"): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post incl. Bestellgeld 2.20 Mk. KO Kaufmann, Trone. besserte— erschwefelseife & Co., Berlin un Der„alte“ Bismarck. Die„Grenzboten“ veröffentlichen einen Artikel über den„Alten Bismarck“, als dessen Verfasser sie *. einen„Deutschen im Auslande bezeichnen. Es handelt sich garautirt nurweis darum, die Idee, daß der Reichskanzler durch Alter nicht schmutzend geschwächt sei, zu entkräften. Als einen entsprechener. zugl ehstes altbe Gegenbeweis führen die„Grenzboten“ u A. die Argexen alle Haut beit des Reichskanzlers während der Regierung Frieetc Vorräthig drichs III. an. Hierüber heißt es: eiF. W. Reute:„Noch zittert der erste Schmerz des Abschieds von dem tobten kaiserlichen Herrn in seinem Herzen, „ Pardhäuser ils er sich durch Schnee und Windsturm ausmachte, *#c coh, um einem sterbenden Kaiser von Neuem seine ganze anntwein Kraft zu widmen. Doch bald sah er in der Seele eeeereet####r seines neuen Herrn sich ein politisches Gebilde entster Mk. 1 gegenstehen, das mit einem fieberhaften Uebereifer, ert, Nordhausen mit einer unberechenbaren Hast verwirklicht werden v. à 4 Ltr. In sollte, die nur zu verstehen war aus der kurzen gen Nachnahme v Spanne Zeit, die dem siechen Kaiser zum Handeln mco zu Diensten vergönnt schien. Das politische und soziale Fundament seiner 25jährigen Ministerthätigkeit erwies sich Lohnung bald in allen seinen Grundvesten erschüttert. Rußee9#48 land, dessen Freundschaft und Vertrauen mit so Zimmern auf sofor außerordentlicher Mühe lange Jahre hindurch erstrebt worden war, sollte plötzlich fallen gelassen und durch * England ersetzt werden. Frankreich, mit dem ein offener und fröhlicher Diplomatenkrieg geführt worden war, kehrte in der Hoffnung auf die Rückgabe LoWescreche thringens gegen Deutschland schmeichlerische KaiserHatc sympathieen heraus, die um so gefährlicher waren, als nach dem Zusammenbruch der sentimentalen e 10 Pfg.— Täuschungen sich Frankreich an die empörte Russenbrußt zu werfen drohte; in Dänemarck sprach man ercuug in uder von der baldigen Zurückgabe Nordschleswigs, und Templaren. in Gmunden sah man hoffnungsvoll ein neues diademgeschmücktts Welfenthum im Herzen Deutschlands wieder erstehen. Wenn das alles auch meist ergehnisen nur sanguirische Erwartungen waren, der deutschen Arbeit, sowi Politik machte jedenfalls die Bekämpfung dieser ug sucht Stimmungen und Täuschungen viel zu schaffen. Aber Steinbach, nicht nur die auswärtigen Angelegenheiten, auch die und Polsterer zuneren politischen Gewohnheiten sollten mit einem n Annen. plötzlichen Ruck geändert werden. Durch die sperre Leute weit geöffneten Thore des Parlaments drängte die * Jahren sin politisch undisziplinierte Masse des bürgerlichen Volkes, O nicht geschult in den arbeitsvollen Ueberlieferungen de eschaftt des preußischen Beamtenthums, in hellen Hausen an 9ohen Toht die Stufen des Thrones und dicht an die Schwellen aui& Ce., verantwortungsvoller Staatsämter. Ja selbst in den Privatgemächern des königlichen Schlosses begegnete nerlehrling man plötzlich einer anderen Gesellschaft und sogar dertehteing selbst in der Armee zeigte sich bei den lauten AbGer gesucht. We züstungsrufen und antimilitärischen Bürgersympathieen “ Stc eine leise Lockerungsbewegung, die mir ein höherer oder später ei Stabsoffizier, der kürzlich einen längeren Urlaub im v. Auslande verbrachte, mit wenigen Worten treffend Wö dchen charakterisierte, indem er sagte:„Als Kaiser Friedrich Wetic c eeeke den Thron bestieg, ging es durch die ganze Armee Uen Hausarbeite vie das Kommando: Rührt euch! und erst als der für eine klein zunge Kaiser das Szepter ergriff, erklang der Ruf: ht. Auskunft er Stillgestanden! und die Armee stand wieder stramm ed. d. Zig. und still, wie unter des todten Soldatenkaisers Mai wird ei Pe“, Aber wenn auch die Welt zu wanken schien, der Kanzler wankte nicht. Unverbrüchlich hielt er tmadchen fest an dem deutschen Gedanken, wie er sich in seiner eugnissen gesucht großen Seele einmal gestaltet und durch die langen in in der Exped. Jahre seines Wirkens sich bis zur Unerschütterlichkeit gefestigt hatte. Aber es kostete ihn doch unsägliche Mühe, in Treue auszuharren. Nie hat er mehr geTII arbeitet, als in diesen Tagen. Er redete unter dem *: A u f h o r c h e n d e r g a n z e n W e l t i m P a r l a m e n t, e r e n t ächste Num warf eigenhändig Aktenstücke und Denkschriften von riesenhaftem Umfang und von einer Bedeutung, bei en bis mor der fast jedes Wort für die nächsten Geschicke h 9½ Uhr Deutschlands und Europas maßgebend war; er schrieb zahlreiche offizielle Kundgebungen, die der sen. Spare Thronwechsel erforderlich machte und die in Form e können in und Inhalt alle einen gewaltigen Aufwand von der rechtzei staatsrechtlichem Wissen verlangten; er konferirte ha de J## stundenlang mit dem neuen Kaiserpaar über die vergabr ver Ze# wickelten Fragen des Kronfiskus; der diplomatische mehr Auf Dierst nach Petersburg und London erforderte unmenschliche Anstrengungen. Aber nirgends versagte unter dem Druck dieser außergewöhnlichen Arbeiten sre Unzei der Dienst der gewohnheitsmäßig von ihm geleiteten t wir Tags Staatsmaschine. Und inmitten dieses bergehoch -. E gethürmten Wustes von Geschäften sah er sich mehr Gufzugtve als einmal plötzlich durch jähe Maßregeln aufgexpedition. schreckt, die, ohne sein Vorwissen unternommen, die Taseblattes Zitkel seiner mühseligen Arbeit zu zerstöten drohten. Tußseblattev Und während er so unter den peinlichsten Verhält„ nissen gegen den drohenden Zusammensturz seines & Co. in Witten politischen Gebäudes kämpfte und, selbst weichen . Risel& Co., Herzens, zarte Liebesregungen niederkämpfen mußte, Verantwortichtet fühlte er, wie dicht hinter ihm die losgelassene Meute seiner inner=politischen Feinde ihn meuchlings zu ver16 i. Süug, nichten droßtelInteressant ist in dem Artikel eine Auseinandersitzung über die Gründe, welche die Widersacher des Fürsten veranlassen, die Diskussion über sein„Erbe“ nicht ruhen zu lassen. Im Eingange heißt es da: „In ihrer„universalen“ Weltanschauung sehen die Liberalen nach dem politischen BroschürenEvangelium des Herrn Bambergei in der Erscheinung des Fürsten Bismarck lediglich eine übermächtige, aus dem geistigen Zusammenhang des Weltlaufes herausgerissene Einzelgestalt, die gewissermaßen wie ein erratischer Block auf die große Weltstraße der „freiheitlichen Cntwickelung“ gerollt ist und ihren natürlichen Ausbau verschließt. Mit Ameisenfleiß suchen sie ein Sandkorn nach dem anderen unter ihm fortzutragen, um endlich über ihm hinweg die Straße der„Freiheit“ wieder zu gewinnen. Das Ziel eines internationalen Weltbürgerthums im Auge, gilt ihnen Bismarck als ein nationaler Widerstandspunkt, der mit christlichen, royalistischen und schutzöllnerischen Bollwerken über und über verschanzt ist. Sein„zusammenhanglos“ von Fall zu Fall beschließend.r Realismus erscheint ihrer sentimentalen Weitherzigkeit, ihrer theoretisierenden Universalität zu spröde, zu brutal, zu„hart und herzlos“, wie Dr. Barth, der freisinnige Humanitäts=Apostel, in einer Berliner Wahlrede unsere Bismarck Zeit einmal wörtlich genannt hat.“ Werden auch nicht alle Ausführungen unseres Landsmannes im Auslande bei uns Beifall finden, so kann man ihnen im wesentlichen doch nur zustimmen und der Darstellurgsweise eine gewisse überzeugende Originalität nicht absprechen. Rundschau. Das„Milit.=Wochenbl.“ glaubt der vom Hauptmann Wißmann ausgerüsteten und geleiteten Expepedition ein gutes Gelingen vorhersagen zu können; ganz besonderen Erfolg verspricht es sich von der der Expedition beigegebenen Artillerie, die im tropischen Afrika noch nicht zur Verwendung gekommen sei. Alle Colonisationsarbeit werde sich mehr als bisher der Küste nahe halten müssen, da nur von dort aus ein sicherer Schutz gegen Störung der friedlichen Arbeit zu ermöglichen sei. Erst mit steigender Unternehmungslust im deutschen Volke werde später ein schrittweises Vorrücken von der Küste in das Innere rathsam sein. Die italienische Kammer wird jetzt ihre Arbeiten wieder aufnehmen und einer der ersten zur Verhandlung gelangenden Gegenstände wird die afrikanische Frage sein. Mehrere, in verschiedenem Sinne abgesaßte Anfragen an die Regierung wurden bereits eingereicht und es ist vorauszusehen, daß sich eine sehr lebhafte Auseinandersetzung entspinnen wird. Es ist richtig, daß die Regierung, der Ministerpräsident an der Spitze, der Ansicht ist, daß ein rasches Vorrücken der italienischen Truppen und die Besitzergreifung von Asmara und Keren im Interesse Italiens geboten und geeignet wäre, die Stellung Italiens in Afrika günstiger zu gestalten und zu befestigen; die Regierung wird aber, wie verlautet, aus der Annahme ihrer Ansichten durch die Kammer keine Cabinetsfrage machen und sich der Entscheidung der Volksvertretung unterordnen. In welchem Sinne der Entscheid der Kammer ausfallen wird, läßt sich noch nicht voraussagen. Die seitens der regierungsgegnerischen Parteigruppen während der Kammerferien unternommenen Versuche, sich zu einer festen Opposition zu einigen, haben zwar insoweit einen Erfolg gehabt, daß sich ein großer Theil der Rechten zu einer geschlossenen Partei unter einheitlicher Führung zusammengethan hat, aber eine endgiltige Verständigung zwischen den verschiedenen Gruppen der Opposition über ein gemeinsames Vorgehen der Regierung gegenüber ist nicht erzielt worden. Vollends von einer Verschmelzung der oppositionellen Fraktionen kann keine Rede sein, da es keine Parteigruppe giebt, um welche sich die übrigen Gruppen der Opposition schaaren könnten. Der Zahl nach ist zwar die Rechte die stärkste und sie hat auch ein festes Programm, aber eben dieses Programm und die politische Vergangenheit der Rechten erschweren eine Annäherung oder gar eine Fusion der übrigen Parteigruppen mit derselben. Die Opposition ist daher auch gegenwärtig, wie bisher, aus den verschiedenartigsten Elementen zusammengesetzt, und dürfte voraussichtlich dem Cabinet Crispi bis auf Weiteres nicht gefährlich werden. Der Strom derer, die das Oklahoma Gebiet in den Vereinigten Staaten wieder verlassen haben, kam fast demjenigen gleich, der sich vorher hoffnungsfreudig über das neu eröffnete Gebiet ergossen hatte. Die Leute flüchteten, viele waren halb wahnsinnig aus Mangel an Obdach und Nahrung und vor Allem an Wasser. Die Eisenbahnzüge waren abermals überfüllt. Die in wenigen Stunden angelegte Stadt Guthrie wurde von einem furchtbaren Sturme heimgesucht; die Linien der neuen Straßenzüge sind wieder verschwunden, die Baustellen, deren Preise so rasch in die Höhe getrieben waren, sind zumeist aufgegeben worden und werthlos. An eine Ernte ist in diesem Jahre nicht zu denken. Nur wer von den ersten Ansiedlern Muth und Zähigkeit und einige Mittel besitzt, um seinen Lebensunterhalt zu fristen, wird aus der Eröffnung des Gebiets, durch welche Tausende der Verzweiflung in die Arme getrieben worden sind, schließlich Vortheil ziehen. Preußischer Herrenhaus. 14. Plenarsitzung vom 30. April. Der Gesetzentwurf betr. die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Geistlichen der evangelischen Landeskirche in den älteren Provinzen der Monarchie wird auf Antrag des Referenten Frhrn. von Mellenthin unverändert und debattelos nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses angenommen. Zum Mitgliede der statistischen Central= commission wird Professor Dr. Hinschius an Stelle des verstorbenen Dr. Baumstark gewählt. Der Gesetzentwurf betr. die Uebertragung polizeilicher Befugnisse in den Kreisen Teltow und Niederbarnim 2c. an den Polizeipräsidenten von Berlin wird debattelos genehmigt. Nunmehr vertagt sich das Haus auf eine Viertelstunde. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird der soeben aus dem Abgeordnetenhause berübergekommene Nachtragsvertrag zwischen Preußen und den Thüringischen Staaten betr. die Errichtung von gemeinschaftlichen Schwurperichten in Gera und Meiningen angenommen. Der Präsident. giebt dann die übliche Geschäftsübersicht und mit einem Hoch auf den Kaiser vertagt sich das Haus. Abgeor ductenhaus. 55. Sitzung vom 30. April. Dem Hause mird zunächst die Mittheilung gemocht, daß beide Häuser des Landtages behnfs Entgegennahme einer Allerhöchsten Botschaft heute Abend 8 Uhr zu einer vereinigten Sitzung eingeladen seien. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Petitionen. Die Petition eines Eisenbahn Rangiermeisters um Bewilligung des Wohnungsgeldzuschafses der Zugführer beantragt die Budgetkommission(Referent Abg. v. Tiebemann=Bomst(freik.), durch Tagesordnung zu erledigen. Abg. Rickert bemerkt, daß es ihm bisher nicht gelungen sei, über den Inhalt der Allerhöchsten Botschaft und den Zweck derselben irgend etwas an offizieller Stelle zu erfahren; indes man munkele außerhalb des Hauses, daß es sich um den Schluß des Landtages handle. Er könne sich nicht denken, daß man eine derartige Zumuthung an den Landtag stellen könne, daß. nachdem man erst in die Ferien gegangen, und nachdem durch die Thronrede und die Auslassungen des Herrn Finanz= ministers ein Steuergesetz in Aussicht gestellt worden, man jetzt nach Hause gehen solle. Er könne dies nur als eine unverbürgte Nachricht betrachten. Präsident v. Köller bemerkt, daß ihm amtlich nichts Anderes mitget silt worden. als was er den Herren gedruck habe zugeben lassen... 628 Abg. Rickert fährt fort: Wenn das wühr ser, daß der Landtag heute geschlossen werden solle, dann müßte er sagen, eine derartige Rücksichtslosigkeit gegen die Mitglieder und gegen die Vertreter des Landtages sei bisher noch niemals erhört gewesen. Redner geht dann auf die vorliegende Petition selbst ein, unterzieht die Steuerpolitik der Regierung einer äußerst abfälligen Kritik und befürwortet einen Antrag, die Petition der Staatsregierung zur wohlwollenden Erwägung zu überweisen. Abg. Richter(freis.) schließt sich den Ausführungen seines Fraktionsgenossen an und glaubt aus der gegenwärtigen Sachlage den Schluß ziehen zu dürfen, daß die lange erwartete Steuervorlage eine Gestalt gewonnen habe, von welcher man bezüglich der Reichstagswahlen eine nachtheilige Wirkung habe geglaubt befürchten zu müssen. Jedenfalls hätte man dem Hause von den veränderten Dispositionen etwas rechtzeitiger Mittheilung machen können, da es notorisch sei, daß der betreffende Beschluß schon vor Ostern gesaßt worden. Dem Herrenhause sei davon auch schon früher Nachricht gegeben worden, aber die Mutgei der dieses Hauses hätten bisher keine Auskunft darüber erhalten können, ob dem Schlufse der Session schon heute entgegenzusehen sei und doch habe man es mit einer parlamentarischen Körperschaft und nicht mit einem militärischen Truppentheil zu thun. Präsident v. Köller macht den Redner darauf aufmerksam, daß er entschieden nicht zu der gegenwärtigen Petition spreche.(Heiterkeit.) Abg. Richter bemängelt sodann fortfabrend, daß trotz der erheblichen finanziellen Ueberschüsse, welche das Finanzjahr 1888/89 in Aussicht stelle, ein Steuererlaß nicht zu ermöglichen gewesen sei, und befürwortet ebenfalls die Annahme des Autrags Rickert, der darauf vom Hause angenommen wird. Eine Anzahl Petitionen von Eisenbahnbeamten wird nach den Anträgen der Kommission erledigt und eine Petition um Erlaß eines Gesetzes, nach welchem den Besitzern von Aktien der Pommerschen Centralbahn eine Entschädigung aus Staatsmitteln zu leisten ist, durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Mehrere Petitionen wegen des Baues verschiedener Eisenbahnlienen werden entsprechend den Anträgen der Budgetkommission, der Staatsregierung als Material zu dem zwischen Preußen und den thüringischen Staaten unterm 11. November 1878 geschlossenen Vertrage über die Errichtung gemeinschaftlicher Schwurgerichte zu Gera und Meiningen in einmaliger Beratbung definitiv genehmigt. Darauf wird der Gesetzentwurf, die Abänderung von Amtsgerichtsbezirken betreffend, nach kurzer Debatte in zweiter Lesung nach den Beschlüssen des Herrenhauses unverändert genehmigt und die dazu vorliegenden Petitionen werden durch diesen Beschluß für erledigt Eine Petition des Neuländer Deichverbandes wegen weiterer Entschädigung für Schäden durch Hochwasser wird der Staatsregierung zur Erwägung überwiesen und dann die Sitzung vertagt. KE Präsident v. Köller giebt hierauf mit Rücksicht darauf, daß das Haus sich am Schlusse seiner Beratdungu befindet, die übliche Uebersicht über die Geschäfte der nunmehr abgelaufenen Session. Abg. Dr. Windthorst(Centr.) spricht dem Herrn Präsidenten für seine aufopfernde Thätigkeit den Dank des Hauses aus, dem dasselbe durch Erheben von den Sitzen besonderen Ausdruck verleiht. Präsi eut v. Köller dankte sodann seinerseits für die ihm seitens des Hauses zu Theil gewordene Anerkennung und schließt die Sitzung um 3 Uhr mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König, in welches die Mitglieder des Hauses dreimal begeistert einstimmten. Gemeinsame Sitzung beider Häuser des preußischen Landtags. Präsident des Herrenhauses, Herzog von Rativor, eröffnet die Sitzung und ertheilt nach Berufung der Schriftführer das Wort dem Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Minister v. Bötticher: Ich habe den beiden Häusern des Landtags eine Allerhöchste Botschaft zu verkünden.(Die Anwesenden erheben sich.) Die Boischaft lautet:„Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen haben auf Grund des Artikels 77 der Verfassungs=Urkunde vom 31. Januar 1850 den Vicepräsidenten Unseres Staatsministeriums beauftragt, die gegenwärtige Sitzung der beiden Häuser des Landtags Unserer Monarchie am 30. April d. Is. in Unserm Namen zu schließen. Gegeben Wartburg, den 29. April 1889. Gez. Wilhelm. Gaz. vom gesammten Staatsministerium.“ Auf Grund der mir ertheilten Allerhöchsten Ermächtigung erkläre ich die Sitzungen des Landtages der Monarchie für geschlossen. Präsident Herzog v. Natibor: Se. Majestät der Kaiser, unser Allergnädiaster König und Herr, er lede boch!(Die Anwesenden stimmten dreimal begeistert in das Hoch ein.) Die Eröffnung der Allgemeinen deutschen Ausstellung für Unfall=Verhütung in Berlin hat am Dienstag im Ausstellungspark am Lehrter Bahnhof bei prachtvollem Frühlingswetter stattgesunden. Die Gebäude der Ausstellung, welche vor Allem dem Wohle der arbeitnden Bevölkerung dienen soll, waren mit Fahnen geschmückt, die lustig den Gästen entgegenflatterten. Herrlichster Sonnenschein lachte auf den im zarten Frühlingsschmuck prangenden Ausstellungspark herab, silbern brach sich die Fluth des Lichts in den plätschernden Wafsern der Kaskaden und Springbrunnen. Um 9 Uhr begann die Zufahrt der geladenen Gäste. Den Kuppelraum des Ausstellungspalastes schmückte, von Blättergrün umgeben, eine vom Bildhauer Bräuer ausgeführte Büste Kaiser Wilhelms II., des Protektors der Ausstellung. An der Westseite des neben dem Kuppelraum gelegenen Hohenzollernsaales war ein Ehrenzelt für die kaiserlichen Majenäten errichtet. Aus dem lichten gelblichen Ton der Zeltwände leuchtet das feurige Gelb des kaiserlichen Wappens hervor, warmes Roth schmiegt sich in weichen Falten zwischen die herabhängende Zeltdecke. Zwei allegorische Gestalten, vom Bildhauer Brütt modellirt, holten neben dem Kaiserzelte Wacht: Der in Jugendkraft blühende Arbeiter, der auch für Kaiser und Vaterland das Schwert zu führen versteht, und der Veteran der Arbeit, der dankbar seine Zuflucht findet in den für sein Wohl sorgenden Gesetzen. Bald füllte eine glänzende Gesellschaft den festlichen Raum, die Minister, zahlreiche Mitglieder des Bundesratdes, Graf Moltke, die Parlamentspräsidenten, die städtischen Bebörden und a. H. waren anwesend. Es war Schlag 10 Uhr, als brausende Hochrufe und schmetteinde Fanfaren des auf der Plattform der Kuppel aufgestellten Musikkorps die Ankunft des Kaiserpaares verkündeten. Der mit vier Rappen bespannte kaiserliche Wagen hielt vor dem Hauptportal des Ausstellungspalastes, wo die Majestäten von den Mitgliedern des Vorstandes begrüßt wurden. Der Kaiserin wurde ein Strauß gelber Rosen überreicht. Die hohe Frau trug ein schwarzes Sammetkleid mit Perlengarnitur, der Kaiser die Uniform des 1. Garde=Regimentes. Nun mehr betraten die Herrschaften mit ihrem Gefolge den Hohenzollernsaal und nahmen unter dem Kaiserzelte Aufstellung. Direktor Rösicke hielt dann eine Begrüßungsansprache, in welcher er auf die hohe, menscheufrenndliche Idee der Ausstellung, auf die von Kaiser Wilhelm I. begonnene Sozialpolitik des Reiches hinwies und als Zweck der Ausstellung die Linderung der Noth und Begründung der Wohlfahrt der Arbeiter hinstellte. Die Majestäten hatten die Ansprache stehend angehört. Dann entblößte der Kaiser sein Haupt und verlas folgende Worte: „Es gereicht Mir zur besonderen Befriedigung, diese Ausstellung zu eröffnen.. Mit Freuden begrüße Ich auch viesen Beweis der Bestrebungen, dem gewerblichen Arbeiter gegen die in neuerer Zeit gesteigerten Gefahren seines Berufes exhöhle Sicherheit zu gewähren, die wirthschaftliche Lage der arbeitenden Bevölkerung durch organische Maßnahmen zu heben und dem Gedanken thatkräftiger Nächstenliebe auch in unseren öffentlich rechtlichen Einrichtungen Ausdruck zu geben. Die Mit= und Nachwelt wird es Meinem in Gott ruhenden Herrn Großvater nie vergessen, daß es Sein Verdienst war, die Bedeutung dieser B=strebungen für das Gemeinwesen zum allgemeinen Bewußisein gebracht zu haben. Mit voller Ueberzeugung von der Nothwendigkeit ihrer Lösung bin Ich an die sozialen Ausgaben heraugetriten, deren Erledigung noch vor uns liegt. Ich rechne dabei auf die verständnißvolle und freudige Mitarbeit aller Kreise der Bevölkerung, insbesondere der Arbeiter, um deren Wohlfahrt es sich bei diesen Aufgaben handelt, und der Arbeitgeber, welche im eigenen Interesse bereit sind, die daraus für sie erwachsenden Opfer zu bringen... M.6, Aperhamng: um 8. Auch die Ausstellung für Anfaubereulung und Arbeiterschutz ist eine Frucht dieser Bestredungen. Sie beweist, wie weit bisher die Vorschriften der Gesetze im praktischen Leben Gestalt gewonnen haben. Die Mübe und Arbeit, die erforderlich war, um das Werk zu Stande zu bringen, wird, Ich hoffe es zu Gott, nicht ohne reichen Segen bleiven. Allen, die dabei mitgewirkt haben, spreche Ich Meinen Dank und Mein. K— Auerkennung aus. Möge die Ausstellung dazu beitragen, allen betheiligten Kreisen das zur Asschauung zu bringen, was geschehen kann, um den Arbeiter zu schützen und seine Interessen zu fördern. Ich erkläre die allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung hiermit für eröffnet.“.. um Geisernser: un 9. Geb. Rath Bödicker sprach vem Kaiserpaure den Dank für dessen Erscheinen aus und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch aus. Die Majestäten sprachen dann mit mehreren der anwesenden Personen, der Kaiser besonders mit dem Grafen Moltke. Darauf folgte der Rundgang durch die Ausstellung, welcher 1½ Stunden in Anspruch nahm, und auf welchem, ein Akt internationaler Höflichkeit, längere Zeit in der österreichischen und belgischen Abtheilung, den einzigen nichtdeutschen verweilt wurde. Bei seinem Erscheinen wurde der Kaiser durch ein allgemeines Pfeisen aus Dampfkesseln, Brüllen des Nebelhorns, Läuten der Riesenglocken 2c. begrüßt. Der Monarch rahm diese donnernde Begrüßung mit berzlichem Lachen auf. Zuerst wurde die Sanitätswache besucht, dann das Brausebad, bei welchem der Kaiser den Wunsch nach Vermehrung der Volks=Bade=Anstalten in Berlin aus sprach, sein besonderes Interesse erweckte ein zerlegbares A##beiterwohnhaus. Die Brauerei wurde heute noch nicht sucht, dagegen traten die hohen Herrschaften in die Koststube und der Kaiser meinte lächelnd, Unfälle durch Verdursten seien auf der Ausstellung wohl nicht zu befürchten. Eingehend wurden die Ausstellungen der Reichs= und Staatsbehörden, besonders die Eisenbahn= und MarineAusstellung besichtigt. In der letzteren bifindet sich ein Portrait des Kaisers, wie er auf der Kommandobrücke der „Hohenzollern“ steht. Im Theater wurde den Majestäten eine improvisirte Vorstellung gegeben, bestehend aus einem lebenden Bilde und einem anmuthigen Ballet. Eingehend besichtigte der Monarch auch die Ausstellungen der einzelnen Privatindustriellen und schied endlich mit seiner mahlin unter Worten größter Anerkennung, seines Dankes und dem Versprechen, die Ausstellung, die sich in jeder Weise ihrer Bestimmung würdig tepräsentirt, recht oft besuchen zu wollen. Unter dem Hurrahrufen einer mehrtausendlöpfigen Menschenmenge fuhr der kaiserliche Wagen von dannen. Der Besuch der Ausstellung war schon am ersten Tage ein recht befriedigender. am Herzen liegt, nach Gebühr gewürdigt werden und höchstens den Heern Eugen Richter mit auftichtigem Beileid erfüllen wird, auf dessen Informationen hin die anläßlich der Samosfrage in einem Theile der amerikanischen Presse betriebene Hetze gegen den Reichskanzler inszeniert worden ist. — Der Generallieutenant v. Mischke, Inspekteur der Kriegsschule, ist zu den Offizieren von der Armee versetzt worden. Zu seinem Nachfolger ist der General=Major v. Brauchttsch, Abtheilurgs Chef im Militär Kabinet, — Die Vermählung des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen mit der Prinzessin Louise von SchleswigHolstein ist bekanntlich auf den 24 Juni festgesetzt. Die kirchliche Tranung findet durch den Oberhosprediger Dr. Kögel in der Berliner Schloßkapelle statt. — Zur Alters= und Invaliditätsversicherung werden 11 Millionen Versicherter gehören, davon von männlich weiblich zufammen 2685 916 1375 737 4061 653 3647821 624334 213 746 17880 547498 4 195319 147287 771621 183836 26 755 397572 44635 ward gestern bei der Kaiserin auf 1 Berlin, 30. April. Der Kaiser der Rückkehr von Eisenach von J. M. dir Kuft dem Bahnhofe erwartet, beide Majestäten begaben sich gemeinsam in das Königliche Schloß, woselbst der Kaiser unm telbar nach seinem Eintreffen mit dem Chef der Civilkabinets arbeitete und später einen Vortrag des Oberhofmarschalls v. Liebenau entgegennahm. Abends waren der Botschafter Graf Münster und Generaladjutant Fürst Radziwill mit Einladung zur Tafel beehrt worden. Heute früh 8 Uhr nahm der Kaiser den MarineVortrag entgegen und begab sich dann gegen 10 Uhr mit der Kaiserin zur Eröffnung der Unfallverhütungsausstellung. Das Diner nahmen die Motescher,oizgg,# kanzler ein. Morgen früh begiebt sich, Se. B#h####t nuch Potsdam und von dort nach Oberschlesten, um an den Jagden beim Grafen Hochberg theilzunehmen. Sonntag gedenkt der Kaiser zurückzukehren und sich nach Kiel zu der Tauffeierlichkeit zu begeben. — Fürst Bismarck wird sich, wie es heißt, für einige Toge auf das Stammgut seiner Familie, Schönhausen, begeben. Er ist dort seit dem Jahre 1886 nicht wieder gewesen, obwohl die Ursache, die ihm den Aufenthalt auf Schönhausen verleidet, behoben ist. Es sollen geschäftliche Rücksichten sein, die den Fürsten jetzt in die alte Heimath zur ckführen. Die Gutsverwaltung von Schönhausen beabsichtigt mit den umliegenden Gütern einen mischwirthschaftlichen Verein zu gründen, an dessen Zustandekommen Fürst Bismarck, der über den Staatsgeschäften seine Interessen an landwirthschaftlichen Dingen nicht verloren, den regsten Antheil genommen und auch praktisch bethätigt hatte, daß er das für den Verein erforderliche Kapital voratschofsen bot. 4642 — Dem Vernehmen nach wird deutscherseits gleich nach Eröffnung der heute beginnenden Samoakonferenz der Antrag auf vorläufige Geheimhaltung der Verhandlungen gestellt und gewiß auch zum Beschluß erhoben werden. Was also über das Thema der Konferenzverhandlungen in der Tagespresse etwa mitgetheilt werden sollte, würde auf Authentizität keinen Anspruch erheben können. Bezüglich der Konferenzaussichten verlautet, daß dieselben nach dem Eintreffen der fremden Delegirten sich wsentlich günstiger gestaltet boberz, Gnterijg. S., n Pf.(cheize Zeit vorher, speziell im Hinblick auf amerita, den Auscheen hatte— eine Wendung, welche gewiß von allen denjenigen, denen der Fortbestand und die Weiterentwickelung der länger als hundertjährigen Freundschaft zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke Land= und Forstwirthschaft Gewerbe, Industrie und Bergbau Handel und Verkehr Häusliche Dienste u. Lohnarbeit wechselnder Art Staats u. Gemeidedienst Diersboten 45113844 1329434 Bemerkenswerth ist, daß in der Lanowirthschaft die Anzahl der weiblichen Arbeiter fast genau die Hälfte der männlichen bildet, in Gewerbe, Industrie und Bergbau nur den siebenten Theil, von im Haushalt lebenden Dienstboten aber 30 mal so viel als Männer. — Ueber das jetzige Leben des Königs Otto von Bayern schreibt die Zeitung„Neu=Berlin": Vor einem Jahre bestand die Liebliengsbeschäftigung des Königs darin, Gemüse zu schälen und einem ganz eigenthümlichen Sport sich hinzugeben. Der König stellte sich nämlich auf einer Wiese mit einer Windbüchse hinter einen großen Baum. Ueber die Wiese wurde dann hintereinander eine Anzahl einzig zu diesem Zweck geworbener Bauernburschen getrieben. Der König knallte mit seiner natürlich nur blind geladenen Büchse los, und die Burschen, die er für Wild hielt, fielen todt ins Gras. Heute vertreibt sich der König vorzugsweise mit Kartenspielen die Zeit. Am liebsten baut er Kartenhäuser, eine Kunst, in welcher er es zu großer Geschicklichkeit gebracht hat. Fällt einmal ein Haus zusammen, dann bricht er in lautes Weinen aus und klagt über seine Verfolger, die ihm nichts gönnten. Manchmal steht er auch stundenlang ununterbrochen am Fenster und starrt auf das Land hinaus, das ihm gehört und in dem er doch weniger Freude hat, als sein geringster Uaterthan. Dabei murmelt er in singendem Ton vor sich hin und nickt hinunter, als sähe er dort Jemand. Jedenfalls handelt es sich um Wahngebilde. Die Fenster des Zimmers sind vergittert; seinen Wärtern bereitet der König keine Schwierigkeiten. Dresden, 30. April. Der König uno cie Königin sind heute früh nach Sikyllenort abgereist, woselbst dieselben zwei Wochen zu bleiben gedenken.„ g,gfzzisch, g, * Münster i. W., 30. April. Der„Westsullsche Merkur“ meldet, das Domkapitel sei mit Aufstillung der Kandidatenliste für die am 22. Mai stattfindende Bischofswahl beschäftigt. Oesterreich=Ungarn. Wien, 29. April. Der österreichische Katholikentag wurde heute durch den Grafen Pergen eröffnet. Anwesend waren der päpstliche Nuniius Galimberti, die meisten österreichischen Kirchenfürsten, sowie zahlreiche Mitglieder der Aristokratie und viele Abgcordnete. Zum Präsidenten wurde Graf Bloome gewählt; derselbe hielt eine Ansprache, welche mit einem Hoch auf den Papst und den Kaiser schloß. Zu Vizepräsidenten wurden der Generalvikar Hora(Prog) und der Baron Hippolite gewählt. Die Versammlung sandte ein Telegramm den Papst, in welchem der Segen des Papstcs wird. Die Zahl der Theilnehmer wird auf 2— 30. April. Nach einem vom Kardinal Ganglbauer zelebrirten Festgottesdienste in der Stephanskirche, welchem die Theilnehmer am Katholikentage beiwohnten, begannen heute die Sektionssitzungen. Die Sektion für soziale Angelegenheiten berieth über die Ruhe an Sonn= und Feiertagen und nahm eine Resolution an, der zufolge das Verbot gewerblicher Arbeiten an Sonntagen ernster durchzuführen, auf die christlichen Feiertage auszudehnen und die Wohlthat der Ruhe an Sonn= und Feiertagen möglichst weiten Kreisen, insbesondere auch den Beamten zuzuwenden sei. In der Sektion für Preßangelegenheiten wohnten mehr als 200 Theilnehmer den Berathungen bei; auch hier wurde eine Resolution beschlossen, welche die Gründung recht zahlreicher Preßvereine empfiehlt. Die Sektion für Angelegenheiten der katholischen Studentenan erbeten etwa 2000 13 Fürstin Baranow. Novelle von Reinhold Ortmann. Dir fordere, diese „Und wenn ich sie nun doch von Vertheidigung, die Du verschmähst?— Was könntest Du da zu Deiner Rechtfertigung sagen?“ Die Fürstin kreuzte die Arme über die Brust und hob den schönen, blonden Kopf stolz empor. „Ich könnte sagen, daß jede Andere an meiner Stelle gehandelt haben würde wie ich! Ich könnte sagen, daß Eure heuchlerische, lügenhafte Gesellschaft mit ihrer Engherzigkeit und ihrer Anbetung des falschen Scheines es gewesen ist, die mich gezwungen hat, meinen besten und heiligsten Empfindungen entgegen zu handeln! Was wäre denn aus mir geworden, wenn man in den Kreisen Eurer vornehmen Welt die Wahrheit erfahren hätte? Weil mein Vater in seiner startsiunigen Verblendung den Reichthum ausschlug, welchen ich ihm bot,— weil er darauf bestand, der kleine, armselige Kanzleibeamte zu bleiben, nur um seiner entlaufenen Tochter nicht zu Dank verpflichtet zu sein,— darum sollte auch ich unbedenklich alles dahingeben, was ich mir durch die verhaßte Ehe mit dem siechen Fürsten wahrhaftig theuer genug erkauft hatte?— Oder glaubst Tu, daß Eure Herzöge und Grafen und Barone mich in ihrer Sphäre geduldet hätten, wenn es ihnen bekannt geworden wäre, daß ich die Tochter eines Schreibers und die ehemalige Verlobte eines Handwerkers sei? Glaubst Du, daß ich mich irgendwo in der Welt vor dem boshaften Spott über meine niedrige Herkunft hätte verbergen können, wenn die tausendzüngige Fama sich dieses willkommenen Unterhaltungsstoffes erst einmal bemächtigt hätte? Wer sich auf einem Platze behaupten will, wie es der meinige war, der lebt in einem unaufhörlichen Kampf und der gehört nicht zu den Unglücklichen, die allczeit den Neigungen ihres Herzens folgen dörfen!“ „Und mit solchen Berufungen auf Deine Schwäche und Eitelkeit glaubst Du die ungeheuerliche Undankbarkeit zu erklären?— Angenommen selbst, die Thorheit dieser Welt hätte Dich gezwungen, Deine wahre Herkunft zu verschweigen und den Verkehr mit Deiner Familie zu meiden,— wer zwang Dich denn, den unglücklichen alten Mann, den vielleicht die äußerste Verzweiflung und Herzensangst zu Dir getrieben hatten, mit wortloser Verachtung zu behandeln wie einen verrückten Bettler? Wer konnte Dich zwingen, mit lächelnder Miene auf einem rauschenden Feste zu erscheinen, nachdem Du erfahren, daß Deine Mutter auf dem Sterbebette liege?“ Die Fürstin hatte ihren Blick nicht von seinen Lippen gewendet. Ihr Busen wogte stürmisch unter seiner leichten Hülle und ihre vorher so bleichen Wangen hatten sich mit purpurner Gluth gefärbt. „Und das wagst Du mich zu fragen,— Du, der allein von allen Menschen in der Welt wissen mußte, was mich dazu gezwungen hat,— Du, um dessen Liebe willen ich dies alles gethan?“ „Um meiner Liebe willen, Asta?“ rief Nordenfeld bestürzt.„Bist Du von Sinnen?“ „Wie wenig verstehst Du Dich auf das Herz einer Frau, wenn eine so einfache Erklärung Dich zu erschrecken vermag, als hätte ich Dich eines Verbrechens beschuldigt! Von dem Tage an, da ich Dich zum ersten Mal gesehen, habe ich zu Dir empor geschaut wie zu einem höheren Wesen. Mich beherrschte keine andere Sehnsucht, als die, Deiner würdig zu werden! Weil ich leichtfertig und genußsüchtig schien und Dich mit meinen Launen quälte, ahntest Du nicht, daß ich im Grunde meines Herzens stets vor Dir zitterte. Nicht vor Deinem Zorn oder Deiner Leidenschaft, sondern vor dieser ernsten, ewig gleichen, milden Ruhe aus Deinem Gesicht, vor dieser selbstverständlichen Ehrenhaftigkeit, die so hoch erhaben war über alles Niedrige und Gemeine, daß ich mich überzeugt hielt, ihr müsse das Niedrige und Gemeine auch bei jedem Anderen unverzeihlich sein. Und weil ich mir der Lüge nur zu wohl bewußt war, in der ich lebte, weil ich wußte, daß Du diese Lüge schändlich und ungeheuerlich finden würdest,— darum bot ich Alles auf, was in meinen Kräften stand, um die Entdeckung zu verhindern oder doch wenigstens hinauszuschieben!— Hätte ich Dich weniger geliebt, hätte mich der Gedanke, daß Du Dich von mir abwenden könntest als von einer Unwürdigen, nicht mit einer so namenlosen Angst erfüllt, — wahrhaftig, ich würde diese schwerste Schuld nicht auf mein Gewissen geladen haben! Ich weiß wohl, daß dies G.ständniß mich in Deinen Augen vielleicht noch tiefer Korporztionen, bei welcher auch Studentenvereine aus dem deutschen Reiche vertreten waren, nahm eine Risolution an, welche zu möglichst zahlreichem Beitritt zu den Korvorationen, zur Gründung neuer katholischer Studentenvereine, sowie zu möglichst engem Zusammenschluß sämmtlicher katholischer Studentenkorpocationen der Monarchie auffordert. Schweig. Bern, 30. April. Der Bundesrath hat nach Einsichtnohme der von den Aaroauer Polizeibehörden geführten Untersuchungsakten die Ausweisung des in Rheinfelden verdafteten Polizeiinspektors August Wohlgemuth aus Mühlhausen i. E. beschlossen und die Verhaftung des mit Wohlgemuth in naher Verbindung gestandenen Schneidermeisters Bakthasar Anton Lutz aus Basel angeordnet. * Haag, 30. April. In der heutigen Sitzung der Generalstaaten erklärte der Ministerpräsident, der Gesundheitszustand dis Königs habe sich seit dem 7. April deratt gebessert, duß der Ministerrath auf Grund der Anweisungen der Aerzte und in Uebereinstimmung mit dem Staatsrathe der Ansicht sei, daß der König wieder selbst die Regierungsgeschäfte übernehmen könne, zumal nach einer heutigen Depesche aus Loo, die Besserung von Tag zu Tag fortschreite. Der Vorschlag der Rezierung wurde an die Abtheilungen verwiesen. London, 30. April. Dem Vernehmen nach werden die Führer der parlamentorischen Oppasition die bereits eingebrachte Vorlage betriffend die Rattfikation der Zuckerkonvention energisch bekämpfen. In den letzten Tagen haben sich selbst mehrere Deputirte der Majorität gegen die Konvention ausgesprochen. Dieselben bereiten ein Memorandum vor, in welchem der erste Lord des Schatzes, Smith, um Zurückzichung der Vorlage ersucht wird. London. 30 April. Nach einem bei Lloyds eingegangenen Telegranm ist der der Pacific=DampfschifffahrtsGesellschaft geyörige Dampfer„Cotopaxi“ gestern in der Magelhansstraße untergegangen. Passagiere und Mannschaften sind von dem deutschen Schiffe„Setos" aufgenommen und gerettet; die Postbeutel simd verloren gegangen. Italien. Rom, 29. April. Die Leiche Janocenz III. ist aus Perugia hier angelangt und soll in Lateran beigesetzt werden. Ueber die Exhumation hatte sich der Bischof von Pernoia Msar. Foschi mit den italienischen Ministern der Justiz und des Kultus Zanardelli und Boselli vorher verständigt. — Die Garibaldischen Veteranen planen einen gemeinsamen Besuch der Pariser Ausstellung.— In Turin hat eine große Demonstration gegen die ostafrikanische Politik des Ministeriums stattgefunden. Die Demonstration verlief ohne alle Ruhestörungen. Rom, 30. April. In Folge der bei den Etats verschiedeuer Ministerten vorgenommenen Ersparnisse weist das Budget von 1889/90 eine Verbesserung von 14½ Million auf. Nach den gegenwärtigen Voranschlägen bleibt darnach ein Defizit von 97 Millionen zwischen den Einnahmen und den effektiven Ausgaben. Außerdem besteht bei der Etatspost„Bewegung der Kopitalien“ Defizit von 9½ Millionen. Der Gesammtbetrag Defizits stellt sich folglich auf 46½ Millionen. Amerika. New York, 29. April. Heute haben die Festlichkeiten zur 100jährigen Jubelfeier der Einführung Washingtons als ersten Präsidenten ihren Anfang genommen. Aus allen Theilen der Union strömen die Gäste nach der festlich geschmückten Stadt. Präsident Harrison begab sich nach Elizabeth=Port und fuhr ven da an Bord des Kanonenbootes„Despatch“ durch ein Spalier von Kriegsschiffen und Dampfbooten, welche Salutschüsse abfeuerten, den Ostfluß hinauf nach New York. Am Landungsplatz wurde der Präsident von dem Gouverneur und dem Bürgermeister von New York empfangen und nach dem Hause der Versicherungsgesellschaft„Equitable“ geleitet, wo er, umgeben von den Ministern und den Gouverneuren der Staaten, einen Empfang abhielt. Alsdann zog der Präsident unter militärischer Eskorte nach dem Stadthause, wo der große öffentliche Empfang stattfand, zu dem sich sehr viele Personen eingefunden hatten. Auf dem Wege dahin wurde der Präsident von großen Volksmaßen enthufiastisch begrüßt. Japan. * Der Erbe des japanischen Thrones ist ein neunjähriger Knabe, Prinz Haru. Bei seiner Erziehung wurden alle Ueberlieferungen die bisher für die Erziehung japanischer Prinzen maßgebend waien, außer Acht g W es lassen. Prinz Harn hat ausländische Erzieher und studirt Englisch; er ist ein sehr aufgeweckter und ehrgeiziger Knabe, der durchaus nicht an die frühere Zurückgezogenheit japanischer Prinzen gewöhnt wurde. Mit seinem Gefolge von Edlen erscheint er überall. Er ist hübsch, schwarzäugig, mit schöner gelber, den japanischen Kindern eigenthümlicher feiner Haut; trotz seiner Jugend ist er bereits ein großer und strenger Kritiker von Pferden, Wettrennen, Fechten, Ringen und anderer Arten des Sports. Prinz Haru soll später auch nach Europa auf Reisen gesendet werden, um Land und Leute in aller Welt kennen zu lernen, und es wird allgemein als feststehend betrachtet, daß, wenn dieser energische junge Mann der einst auf den Toron gelangen wird, eine große Veränderung in dem Stande der Dinge eintreten dürfte. (Oftasiat. Lloyd.) ein des Westfalen und X Witten, 29 April.(General=Appell des Ver. Garde=, Landwehr= und Kriegervereins). Der am Sonatag im Vereinslokale(Borgmann) abgehaltene General Appell des hiesigen Ver. Garde=, Landwehr= und Kriegervereins war gut besucht. Der stellvertretende Chef. Major Reunert, eröffnete den Appell mit einigen einleitenden Worten und ertheilt sodann dem Adjutanten das Wort zur Verlesung des Jahresberichtes. In diesem Berichte wird zunächst des Hin scheidens des hochseligen Kaisers Friedrich III. gedacht, zu dessen und zum Andenken der im Laufe des Jahres verstorbenen Vereinsmitglieder die Versammlung sich von den Sitzen erhebt. Was die Kassenverhältnisse anbelangt, so betrug die Einnahme 5578,34 Mark, die Ausgabe 5339 Mark, sodaß der Kasse ein Bestand von 239,34 M. verbleibt. Das in der Sparkasse zinsvar angelegte Vermönen beträgt, einschl. der Zinsen bis September 1888, 7814,86 Mark und das Gesammtvermögen(Waffen, Fahnen 2c.) 15 132,.42 Mark. Die Revisionskommission, referirt über den Befund der Kasse 2c. und beantragt die Entlastung des Vorstandes, welchem Antrage einstimmig Folge gegeben wird. Die Mitgliederzahl betrug zu Anfang des Vereinsjahres, 1. April 1888, 858 wirkliche und 39 besuchende Mitglieder. Der auzenblickliche Stand ist 901 wirkliche und 40 besuchende, zusammen 941 Mitglieder, die Vereinsangelegenheiten wurden erlediat in 15 Vorstandssitzungen, 9 Bataillons=Appells, 1 GesammtkomiteeSitzung und 3 Kommissionssitzungen. Der Verein war am 15. Juni v. J. auf dem Delegiertentage zu Paderborn und am 5. Januar d. J. zu Hamm vertreten. Die im Vereine veranstalteten größeren Festlichkeiten bestanden in Gedenk= und Geburtstagsfeiern der Landesfürsten, in Ausflügen, Theatervorstellungen 2c. Aus der Lohmann=Stiftung konnten zu Weibnachten wieder 20 Kinder bedürftiger Kameraden mit reichen Geschenken bedacht werden. Die im Vereine bestehende Gesangesabtheilung macht unter der Leitung des Kameraden Kukowski tüchtige Fortschritte. Leider ist zu beklagen, daß so viele Mitglieder die Beiträge unpünktlich entrichten, so schließt das letzte Jahr mit 994 rückständigen Beiträgen ab. Der Vorsitzende ermahnt die Kameraden, doch die durch die Appells gebotenen Ratenzahlung innezuhalten. Den Bericht über die Lohmann Stiftung erstattet namens des Vorstandes derselben Herr Major Reunert. Das seinerzeit geschenkte Kapital besteht in 9000 Mark Aktien der Wittener gemeinnützigen Aktien=Baugesellschaft. Die Einnahmen betrugen 1762,04 Mark, die Ausgaben 144.03 Mark, so daß der Kassenbestand sich auf 1618,01 Mark beläuft.— Bei der nun folgenden Ergänzungswahl des Vorstandes werden gewöhlt: als Hauptleute die Kameraden F. W. Albert, Dr. König und D Friemann, zum Adjutanten Kukowski, zum Zahlmeister H. Utermann, zu Lieutenants Feldhaus und Schulte, zu Feldwebeln Beilmann, Bornemann und Lambrechts, zu Unteroffizieren Zimmerling, Brandt, Völlmecke, Hagen, Kreutler. In die Revisionskommission werden gewählt die Kameraden Hüttemann, Felsch und Becker. Bezüglich der Entrichtung der Beiträge wird noch beschlossen, daß Mitglieder, die nach Verlauf von 3 Monaten ihren Beitrag nicht entrichtet haben, durch den Vereinsboten daran erinnert werden sollen, wofür der Bote eine Entschädigung von 10 Pfg. zu beanspruchen hat.— Unter„Verschiedenes" macht der Vorsitzende dann noch Mittheilungen über den guten Fortgang der Vorarbeiten für das Verbandsfest und über die günstigen Aussichten hinsichtlich des Besuches 2c. und fordert schließlich die Kameraden auf, treu zusammen zu halten, die Treue gegen das Reich und seinen vielgeliebten Herrscher Kaiser Wilhelm II. zu bewahren und mit ihm einzustimmen in ein Hoch auf den Landesfürsten. Begeistert stimmten die Kameraden ein. Nachdem dann noch stürmische Hochs auf den Chef des Vereins, Herrn Alb. Lohmann und den Vorstand, speziell den stell v. Chef, ausgebracht und einige patriotische Lieder gesungen worden sind, wird der schön verlausene General=Appell geschlossen. erniedrigt als alles Voraufgegangene, und ich habe nicht abgelegt, um Dein Mitleid zu erbetteln! Du hast in dieser Stunde ein Recht, Dein Wort von mir zurückzufordern, wenn Du selbst Dich sündenlos und rein genug fühlst, um vor Deinem eigenen Gewissen als Richter über mich zu bestehen! Weißt Du Dich frei von aller Lüge, so magst Du mich verwerfen, und ich will nicht einmal meine Hand ausstrecken, um Dich zurück zu halten! Bist Du aber ein Wesen wie ich und alle Auderen, ein Geschöpf von Fleisch und Blut mit menschlich m Fühlen und menschlichen Irrthümern, so laß Dir's genug sein an der Strafe, die ich bereits empfangen und richte mich auf in meinem namenlosen Jammer!" Ihre stolze, trotzige Kraft war nun doch zusammengebrochen unter der Wucht dieses entscheidenden Augenblicks. Das Gesicht in den Händen verbergend, war sie vor ihm niedergeglitten in die Knie, und ihr schöner Leib erzitterte unter einem heftigen aber lautlosen Schluchzen. Von dem, was bei dieser Demüthigung des sonst sieggewohnten Weibes in seinem Herzen vorgehen mochte, war in Nordenfelds Antlitz nichts zu lesen. Seine Züge hatten eine eigenthümliche Starrheit angenommen, und auf seiner gefurchten Stirn lag es wie der Ausdruck eines eisernen, aber mühsam erkämpften Entschlusses. Er beugte sich herab und zog die Knieende empor, doch es war nichts von der heiß aufwallenden Leidenschaft eines zärtlich Liebenden in seinen Bewegungen. „So sei denn das Vergangene ausgelöscht, Asta!“ sagte er ernst, während sie ihren Kopf matt an seine Schulter sinken ließ.„Ich will nicht richten, denn ich maße mir nicht an, ohne Sünde zu sein. Nur eines mache ich zur Bedingung: Du wirst diese unwürdige Heimlichkeit vor der Welt nicht länger bewahren!“ „Ich werde Alles thun, was Du mir vorschreibst!“ flüsterte sie hingebend.„Was kümmert mich die ganze Welt, wenn ich nur Dich nicht verliere!“ „So laß uns zu Deinem armen, kranken Kinde gehen!— Zu lange schon haben wir seiner vergessen!“ Das Wort hatte die Fürstin schwer getroffen, denn sie fuhr wie unter der Wirkung einer heftigen Schreckens zusammen. „Mein Kind!“ wiederholte sie hastig.„Gott dem Allmächtigen sei Dank, daß Du da bist, ihm zu helfen!— Und Du wirst ihm helfen— Du kannst es— Du allein!“ „Ich bin nicht Gott, Asta! Aber ich hoffe, den Knaben am Leben zu erhalten! Dazu ist es indessen vor Allem nothwendig, daß wir nicht an uns, sondern nur an ihn denken! Da leider keine geschulte Wärterin vorhanden ist, wird es gut sein, wenn Du Deine Schwester ablösest, um für den Rest der Nacht mit mir bei Guido zu wachen!“ Die Fürstin schüttelte traurig das Haupt. „Er duldet mich nicht in seiner Nähe! Meine Anwesenheit steigert seine Pein, und wenn ich seine Athemzüge belauschen will, muß ich ihm wand meinen Anblick entziehen! Strafe!“ So tief schmerilich klang ihr Bekenntniß, daß ihr wohl Keiner sein Mitleid hätte versagen können. Nordenfeld nahm ihre Hand und führte sie der Thüre des Zimmers iu. „In dieser Nacht wenigstens hast Du nichts zu fürchten!“ sagte er herzlicher als zuvor.„Er schläft so fest, daß er nicht bemerken wird, was um sich vorgeht!“ Und das schöne Weib folgte ihm willig, gehorsam wie ein Kind. Ueber Alicens liebliches Antlitz ging es wie ein freudiges Aufleuchten, als sie die Verlobten Hand in Hand in das Zimmer treten sah. Aber als sie zu dem Professor aufblickte, wechselte doch wieder die Farbe auf ihren Wangen, und in ihrer stillen, geräuschlosen Art zog sie sich, noch ehe er ein Wort an sie richten konnte, auf ihr Zimmer zurück.(Fortsetzung folgt Kleine Der älteste Schwedter Dragoner. Zum 200jährigen Jubelfest der Schwedter Dragoner sei hier bemeikt, daß der älteste Schwedter Dragoner Klinkmüller in Freesdorf sich noch körperlicher Frische und Rüstigkeit erfreut. Derselbe diente in den zwanziger Jahren in jenem Regimente. Demselben ist übrigens vergönnt gewesen, bis jetzt mit seiner Ehehälfte vier Hochzeiten seiern zu können, nämlich die grüne, goldene, diamantene und das 65jährige Ehejubiläum. durch eine Schirm— Das ist meine 8 Witten, 1 Mai.(Besitz wechsel.) Das Haus, Bahnhofstroße 45 ist wie wir bören, um den Preis von ca. 51000 Mark in den Besitz des Herrn Photograph Vosmarstein, 27. April.(Auf der Bumpstation des Barmer Wasserwerks) zu Volmarstein wird zur Zeit der neunte Brunnen mit einer Tiefe von sieben hergestellt. Der Zufluß des Wassers ist, laut der Barmer Zeitung ein so intensiver, doß zwei Lokomovilien vollauf mit der für die Ausmauerung othwendigen Entfernung derselben beschäftigt sind. Bei der H#rstelung des Brunnens sand man in der Tiefe von ungesahl### Metern in dem im Laufe von Jahrhunderten angeschwemmten Ruhrkies einen Eichenstamm, nicht nur steinhart, sondern auch so durkel wie Ebenholz ist. Vorübergehende Alterhümler wollten an dem Stamm eingeritzte Runen gefunden haben und glauben in ihm einen Bestandtheil der Einfriedigung einer altsächsischen Wallburg oder einer altgermanischen Opfer29. April.(Die Demokraten aus Rheinland und Westfalen) haben gestern hinter verschlossenen Thüren ihren Parteitag abgehalten. Nach demselben fand eine öffentliche Volksversommlung statt, in welcher der Rechtsanwalt Melos aus Leipzig über den Gesetzentwurf zur Knebelung der Opposition, der bekanntlich nur mit Hülfe der Nationalliberalen angenommen werden könnte und praktisch, wenn auch nicht formell beseitigt ist und der Rechtsanwalt Kohn über die Verhandlungen des Land= und Reichstages sprach. Das Bestreben der beiden Herren, die Social= demokraten zu sich herüberzuziehen, ist von letzteren in der Versammlung schroff abgelehnt worden. * Dortmund, 29. April.(Ein Wächter der Nacht) Schon seit Jahren sind zum Nachtheil des Bahnhofsrestaurateuts Herrn Schuhmacher mehrfach Diebstähle ausgeführt worden, ebenso sind von den Angestellten desseilben einige bestohlen worden, ohne daß es gelingen wollte, den Dieb zu ermitteln. Neuerdings mehrten sich die Diebereien. In der Nacht zum Freitag ist es dennsendlich gelungen, den Nachtwächter L. der Berg.=Märk. Bahn bei der Ausführung von Diebereien zu ertappen. L., der seit langen Jahren im Bahndienst thätig ist, hatte das Wicken des Schuhmacher#'schen Personals zu besorgen und hat bei diesen Gelegenheiten seit Jahren schon gestohlen, was ihm in die Hände kam. Bei der am Freitag früh in seiner Wohnung vorgenommenen Haussuchung wurde eine ganze Pferdekarre voll Sachen beschlognahmt, die dem S. gehören. Darunter etwa 150 Stück Handtücher und Servietten, 80 Flaschen der verschiedensten und theuersten Weine und Liqueure, 150 bereits geleerte Flaschen, Gläser, Körbe, Porzellan, Silbersachen u. s. w. Außerdem fand man laut„D. Z.“ einen großen Bund Schlüssel, die L. wahrscheinlich als Nachschlüssel benutzt hat L. ist verhaftet, ebenso seine Schwester und deren Mann, litzterer wegen Verdachts der Hehlerei. L. war nicht verheirathet und befand sich im Haushalte seiner Schwester.„„. 90 Beckum, 26. Apri.(Auf wunveroare Weist) entging dieser Tage das etwa 8jährige Söhnchen des Kaufmanns Herrn G. M. einem schrecklichen Tode. Dasselbe wollte einen auf den Schienenstrang liegenden Ball aufnehmen, als ein Schnellzug heranbrauste und über das Kind hinwegfuhr. Während alle Personen, welche den Vorfall beoi## batten, natürlich annahmen, daß der Zug das Kiimt habe, richtete sich das zwischen den Geleisen lig## Kind aul und eilte auf die glücklichen Eltern zu. LrKleine I einige Verletzungen am Kopfe davongelragen, welcht abe. keineswegs lebensgefährlich sind. * Barmen, 29. April.(Messer= und Revolveraffaire.) Vor einer Wirthschaft an der Kölnerstraße entspann sich am Sonntag übend zwischen Brauerburschen und einer Truppe anderer Personen eine wüste Schlägerei, bei welcher zum Messer und Revolver gegriffen wurde. Wie die„N. N.“ melden, erhielt der verheirathete 30 Jahre alte Arbeiter Karl Jäger einen Schuß in den Kopf und einen Stich in den Rücken. Der Färber Cwald Reith, 21 Jahre alt, bekam zwei Schüsse in den Kopf, einen Schuß in die linke Schulter und in den Rücken. Der 24jährige Fabtikarbeiter Ernst Reith wurde durch einen Schuß in die linke Brust und einen Stich im Rücken verwundet. Der 21 Jahre alte Bierbrauer Josef Kohlbeck erhielt einige nuchtige Hammerschläge auf den Kopf und trug außerdem noch eine Stichn unde im Kopf davon. Sämmtliche Verwundeten fanden Aufnahme im städtischen Krankenhause. Es ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen, daß keiner der Betheiligten todt auf dem Kompfplatze geblieben ist; es ist im Gegentheil Hoffaung vorhanden, daß alle mit den auszustehenden Schmerzen der nicht ungefährlichen Operation davonkommen werden Die Untersuchung ist im Gange, die nicht verwundeten Betheiligten sind verhaftet.— Wie die „E. Z.“ meldet, gerieth ein auf der Höchstenstraße wehnender Fabrikarbeiter in der Nacht zum Sonntag auf der Uellendahlerstraße in Streit und erhieit hierbei mit einem Brodm.sser einen Stich in die Brust. Der Verletzte schleypte sich noch bis in den Hof seiner Wohnung, woselbst er zusammenbrach. Die Verletzung ist sehr gefährlich. Ein der That verdächtiger Arbeiter ist verhaftet worden. Essen, 24. April.(Interessanter Vortrag.) Geheimer Finanzratd Jencke, der oberste Beamte der Kruppschen Gußstahlsabrik, hat vor einiger Zeit im hiesigen evangelischen Arbeiter= und Bürgerverein einen köchst interessanten Vortrag über die deutsche sozialpolitische Gesetzgebung gehalten. Der Herr Redner, beiläufig ein Vorbild in der Kunst populärer Darstellung, stellte es als zweifellos hin, daß die Alters und Javalidenversicherung noch in dieser Session zu Stande kommen werde und theilte einige Ziffern mit, aus denen die Belastung ersichtlich wird, welche der rheinisch=westfälischen Jadustrie durch die sozial=politische Geseßgebung erwächst. Die rheinisch=westfälische Hütten- und Walzwerksgenossenschaft hat im Jahre 1887 für 1000 Arbeiter den Betrag von 18873 M aufgewandt. Wenn das Alters und Inva lidengesetz in Kraft tritt und die in demsellen vorgesehenen Beiträge erhoben werden, dann wird dieser Betrag bis 1891 auf 35260 M. bis 1900 auf 41592 M., bis 1935 auf 58896 M. gestiegen sein. Für die Bergleute sind diese Summen bei weitem höher. Es sind im Jahre 1887 für 10.0 B rgarbeiter gezahlt worden 23600 M., 1891 werden zu zahlen sein 43043 M., 1900 schon 53702 M. und 1935 gar 82 863 M. oder nabezu 6 vom Hundert der Selbstkosten. Allein die Krupp'sche Gußstahlfabrik wird im Jahre 1935 auf Grund des Kranken=, des Unfall= und des Alters= und Invalidenversicherungs gesetzes die Summe von 1095 700 M. zu zahlen haben. Diese überraschend hohen Zahlen gaben dem Redner die Veronlassung zu der gewiß berechtigten Mahnung an die Arbeiter, bei den in jüngster Zeit vielfach aufgestellten Forderungen wegen Lohnerhöhung Maß zu halten und nicht zu vergessen, daß diese Ausgaben die Beiträge sind, um welde die deutsche Industrie theurer arbeitet als der ausländische Wettbewerb, daß also die Selbstkosten unserer Industrie um diese ganz erheblichen Summen böher sind, als die Selbstkosten der mit uns in scharfen Kampf tretenden ausländischen In dustrie, und ferner, daß die Zuwendungen, welche der Arbeiter auf Grund dieser Gesetze zu beanspruchen hat, doch auch einen nicht zu verachtenden Vermögenstheil und eine sichere, nicht zu bestreitende Quelle von Einnahmen bilden für die Zeit, wo er infolge von Krankheit, Alter oder Invalidität nicht mehr im Stande sein wird, zu Oberhausen, 27. April.(Verunglückt.) Der auf der Eisenindustrie Stprum hierselbst im sogenannten neuen Bau befchäftinte erste Schweißer Edmund T. verunglückte heute Vormittag beim Einsetzen von Packeten in den Schweißofen, indem ein Packet von 800 Kilo Schwere umkippte und ihm hierbei der Hebei mit solcher Heftigkeit gegn den Unterleib schlug, daß sich sogleich ein Blutstrom aus seinem Munde ergoß und er besinnungslos hir fiel. Der Schwerverletzte, welcher Frau und drei Kinder zu ernähren hat, mußte mittels Krankenwagens in das katholische Krankenhaus zu Styrum transportirt werden; an seinem Aufkommen wird gezweifelt, da jedenalls innere edle Körpertheile verletzt sein werden. Köln, 29. April.(Pauik.) Infolge plötzlichen Erlöschens der elektrischen Beleuchtung brach gestern Abend gegen 11 Uhr in dem dichtbesetzten neuen Horelrestaurant „Kaiserhof“, hier eine Panik aus. Ein Gast, der„Licht!“ schreien wollte, aber in der Aufregung„Feuer!“ rief, vergrößerte den unter ängstlichen Gemüthern bereits herrschenden Schrecken derart, daß„Alles“ nach der Thüre drängte. Dem energischen Einschreiten einiger wirklicher Vertreter des männlichen Geschlechts gelang es mit großer Mühe, die Fluth zurückzustauen und so das bereits im Zuge befindliche Unheil zu verhüten. Köln, 28. April.(Ueberlistet) Ein Beamter hatte bei Gelegenheit seines Dienstjubiläums von seinen Kollegen eine prachtvolle goldene Uhr zum Geschenk erhalten. Eines Tages kam ihm im Gedränge die Uhr abhanden; ob er dieselbe verloren oder ob diebisch: Hände den Werthgegenstand hatten mitgehen heißen, konnte er nicht angeben. Eine Annonce in der Zeitung, in welcher er dem ehrlichen Finder 20 Mark Belohnung versprach, blieb ohne Erfolg. Da klagte er einem Freunde, der als Helfer in der Noth bekannt war, seinen Verlust, und dieser versprach zu helfen. Andren Taas ersoien in verschiedenen Zeitungen folgende Anzeige:„300 M. Belohnung erhält der jenige, welcher meine goldene Remontoiruhr gefunden hat; dieselbe hat nur für mich als theures Famil enandenken diesen hohe Werth.“ Unterzeichnet waren die Inserate mit dem Namen und dem Wohnorte des Freundes. Schon am andren Morgen erhält derselbe den Besuch eines Mannes.„Sie haben auf die Rückerstattung Ihrer Uhr 3.0 Mark Belohnung gesetzt?“ „Jawohl", erklärt der Freund,„und es kommt mir auf ein Goldstück auch nicht an, denn ich lege auf die Wiedererlangung des theuren Andenkens großen Werth.“„Ich habe die Uhr gefunden, hier ist sie“, entgegnete der Fremde. Der andre nimmt die Uhr in Empfang und spricht nach kurzem Anschauen mit enttäuschter Miene: „Wie schade, das ist nicht meine Uhr, die gehört meinem Freunde in der W.=Straße, der auf deren Rückgabe eine Belohnung von 20 Mark ausgesetzt hat, dieselben können Sie sofort von mir in Empfang nehmen; im übrigen mache ich Sie darauf aufmerksam, daß das Strafgesetzbuch den Funddiebstahl ebenso bestraft wie den gemeinen Diebstahl.“ Als der Frewde das Strafgesetzbuch erwähnen hörte, nimmt er flugs die 20 Mark und verduftet.„Sie sind ja so glücklich im Finden“, ruft ihm der Freund die Treppe hinunter nach,„nun suchen Sie auch meine Uhr, und die 300 Mark sollen Innen nicht fehlen!“ So gelangte der Verlierer wieder zu seinem Eigentbum. * Königswinter, 29. April.(Zahnradbahn.) Vom schönsten Frühlingswetter begünstigt, fand gestern Nachmittag die Eröffnungsfeier der neuen Zahnradbahn auf dem Petersberg statt Zwei Extrazüge führten die vielen geladenen Gäste, unter denen sich auch mehrere höhere Regierungsbeamte befanden, auf das große Plateau des Berges. Das Trompeter=Corps der Deutzer Kürassiere hatte im ersten Wagen Platz genommen und ließ während der Auffahrt seine lustigen Weisen erschallen. Man war entzückt von dem prachtvollen Bild auf das Rheintbal und Umgebung, das sich vor den Blicken bei der Auffohrt ausbreitete. Nach 2 Uhr nahm das Festessen seinen Ansang, der Vorsitzende des Aussichtsrathes, Herr Ernst Bötticher, hieß die Gäste willkommen und erörterte die Bedeutung des Unternehmens für die Freunde von Naturschönheiten. Herr Bürgermeister Mirbach von Königs winter toastete auf den Kaiser, Herr Gottgetreu auf die Bahngesellschaft. Es wurden noch weitere Trinksprüche ausgebracht, sowie ein Telegramm nach Berlin an den Kaiser gesandt. Bis zu später Stunde blieb man bei den ausgezeichneten Weinen aus dem Keller des neuen Petersberghotels beisammen. Welch lebhaften Zuspruches sich die neue Bahn beim Publikum erfreut, geht daraus hervor, daß, laut der Bonner Reichszeitung, an den beiden Ostertogen ca. 1500 Personen befördert wurden und eine Einnahme von ca 1700 M. sich ergab. Wiesbaden, 29. April.(Ueber die hiesige Lebensweise der Kaiserin von Oesterreich) dringt der„Rh. Kur.“ folgende Mittheilungen: Die Kaiserin steht täglich gegen 6 Uhr auf und macht dann regelmäßig eine einstündige Waldpromenade, zuweilen in Begleitung der Erzherzogin Valerie, oft aber ganz allein. Im Walde nimmt die Kaiserin 2 Glas frischgemolkene machte Swjagin des Klosters in und nahm den raezeu. FFangen. Misch zu sich. Nach der Rückkehr in die Villa Langenbeck fährt die hohe Frau zu Dr. Mezger. Der Aifenthalt im Rh inhotel dauett etwa eine Stunde. In der Villa Langenbeck wird hierauf das Kochbrunnenbad genommen und sodann gefrühstückt. Inzwischen ist es 11 Uhr geworden, die Kaiserin unternimmt jetzt eine zweite, weitere Waldpromenade, von der sie eist 2½ Uhr zurückkehrt, um zu diniren. An das Diner schließt sich sofort wieder eine Fußtour in den Taunuswald, diesmal fast stets in Begleitung der Erbherzogin Vilerie und des Erzberzogs Salvator. Von dieser Tour kehren die hohen Herrschaften ggen 7 Uhr Abends zurück, worauf sich die Kaiserin alsbald in ihre Gemächer zurückzieht, um sich zur Ruhe zu begeben. Die Kaiserin geht also täglich 7—8 Stunden spazieren, wovon meist 4 Stunden in einer Tour; Besuche macht sie gar nicht, ebensowenig empfängt sie solche. Nachrichten. Ein Hochstapler ersten Ranges. Vor dem Charkower Bezirksgericht wurde soeben ein Betrugsprozeß gegen den russischen Edelmann Swjagin, einen der raffinirtesten Hochstapler, mit der Verurtheilung des Angeklagten zu vier Jahren„Arrestanten=Compagnie“ beendigt. Die interessanten Abenteuer dieses„Edelmannes", so schreibt der„Odess. Westn.“ bilden einen förmlichen Roman. Den Anfang in seiner Carriere machte Swjagin in Charkow. Eines schönen Tages nämlich erscheint bei der Direktrice einer Charkower Pension ein glänzender Kosaken= Offizier mit sehr hübschem intelligentem Gesicht und in einer nagelneuen ordengeschmückten Uniform. Der Offizier begrüßte sie aufs feinste und erklärt der Dame, daß er in ihrer Pension seine Tochter zu plaziren gedenkt. Der hochfeine Verkehrstonsund das vorzügliche Französisch, dessen sich der Offizier bediente, bezauberte alsbald die Direktrice. Swjagin erzählte ihm von seinem Schicksal, von seiner Aussicht auf eine kolossale Erbschaft u. s., er hatte auch ein kleines Mädchen mitgebracht, das er als Tochter in der Pensioa ließ und fast täglich im Gastzimmer besuchte. Hier machte der schöne Offizier Sensation und wurde alsbald mit einigen Beamten der ReichsbankFiliale bekannt. Es daverte nicht lange und Swjagin hatte bei seinen neuen Bekannten ca. 6000 Rubel geborgt, worauf er plötzlich spurlos verschwand. Sodann tauchte der Kosakenoffizier in Konstantinopel auf, und hier begann er seine Affaire in„höheren“ Kreisen. Swjagin erscheint eines Tages in dem russischen Generalkonsulat, schließt mit den Beamten Freundschaft und theilte ihnen im Vertrauen mit, daß er auf Allerhöchsten Befehl zur Revision des Generalkonsulates abkommanandirt sei. Dieses Gerücht hatte großen Erfolg: der gewandte Hochstapler in der rnssischen Offiziersuniform machte in Konstantinopel Furore. Alle Häuser standen ihm offen und er wurde in die feinsten Kreise eingeführt. Hier unter anderem auch mit dem Prior Konstantinopel, Arsseni, Bekanntschaft Geistlichen durch seine Gottesfurcht in kurzem gesangen. Swiagin besuchte eiftig den Gottesdienst im Kloster und eröffnete eines Tages dem Prior, daß er ihm sein ganzes kolossales Vermögen vermachen werde. Dieses Versprechen brachte den guten Geistlichen ganz aus dem Häuschen und er borate dem gevandten Betrüger 7000 Rubel auf „zwei Tage". Natürlich verschwand Swjagin darauf aus Konstantinopel und hatte nicht einmal Abschied genommen. Das letzte Stückchen führte Swjagin in Kiew aus, wo er der Vorsteherin eines Klosters 300 Rubel unter verschiedenen Vorspiegelungen herauslockte. Vorher hatte er ober, wie aus den Anklageakten hervorgeht, acht andere Köster besucht und überall hunderte und tausende von Rubeln zusammengestapelt. Bei der Verhandlang des Processes in Charkow hatte sich eine kolossale Menge Publikum versammelt, die mit großem Interesse die Reden und Aussagen des Swjagin anbörte. In seinem „letzten Wort" versuchte der keine Gauner die Geschworenen zu rühren:„Meine Herren,“ sagte Swjagin, ich bin todtkrank, denn ich habe die Auszehrung. Doch bevor die erste Handvoll Erde meinen Sara berührt, vergiften Sie nicht mein Leben mit ihrem Urtheil.“ Die Geschworenen waren leider nicht in der Lage, dieser rührenden Bitte zu entsprechen. Giue aufsehenerregende That. Die Verhaftung einer der schönsten und elegantesten Damen Turins wegen Mordes hält die Gemüther jener Stadt seit Beginn dieser Woche in Aufregung. Bei der Gattin des angesehenen dortigen Banquiers Dina, welch letzterer seit einiger Zeit schwer leidend ist, erschienen in deren Privatwohrung zur Zeit der Dämmerstunde zwei verdächtig aussehende, jedoch elegante Judividuen Namens Caalio und Tellio. Der erstere forderte die Summe von 20000 Francs für Rechnung des Hauses Gerson=Vivante u. Co. in Paris; Tellio bat um die Begleichung des Anspruches von 60000 Frarcs für ein anderes Pariser Bankvaus. Als die Dame unter Angabe von plausiblen Gründen die Zahlung verweigerte, versuchten sie, mit den Ver: hältnissen vermuthlich vertraut, mit Gewalt in das Zimmer des kranken Gatten derselben einzudringen. Madame Dina, in der Hoffnung, die frechen Betrüger zu erschrecken, besaß Geistesgegenwart genug, einen Revoler zu ergreifen und einen Schuß abzugeben. Die Verwegenen jedoch entweffneten sie, und sie alsdann arg mißhandelnd, gelangten sie in der That auf den Cortidor, der zu dem Zmmer ihres Gemahls führte. Jetzt nahm die verzweiselte Frau ihre letzten Kräfte zusammen, riß einen Dolch aus einer die Wand schmückenden vollständigen Rüstung und stieß ihn dem ersten Angreifer Caglio derart in den Leib, daß dieser nach wenigen Minuten den Geist aufgab. Von dem zu ihm gedrungenen Geräusch erschreckt, hatte sich Herr Dina erhoben und war bis zur Thüre gewankt, wo ihm der Anblick des Sterbenden zu Theil werden mußte. Frau Dina wurde verhaftet. Das Drama bildet das Tagesgespräch von Turin. Schurkenstreich. Breslau, 26. April. Gestern verendete im hiesigen zoolnaischen Garten oas erst vor einigen Monaten für 10000 M. angekaufte weiblicke Nilpferd. Die Sekiion des Kadavers hat den Verdacht nahegelegt, daß das Thier von ruchloser Hand, wahrscheinlich durch ein präparirtes Stück Semmel, vergiftet worden ist. Magen und Darm waren überall blutig und zerfressen. Unter ähnlichen Symptomen verendete im vorigen Jahre der große Elephant des Gartens. Das männliche Nilpferd verweigert wegen des Verlustes der Gefährtin die Nahrung, so daß man auch für jenes fürchtet. Aus Kalau. Folgendes wird aus einem Berliner Geschäft gemeldet. Seit Wochen schon steckt daselbst jeden Morgen ein alter Herr seinen Kopf durch die Thür und sieht nach der Ladenuhr, ohne jedoch jemals etwas zu kaufen. Der Ladeninhaber ist eine sehr geduldige Natur und litt in Folge dessen auch stets den merkwürdigen Gast. Dieser Tage aber rief er dem Herrn zu, was er hier denn eigentlich suche, er verdiene an ihm nichts.—„Sie verdienen an mir nichts?“, fragte der Ueberraschte.—„Merkwürdig, Sie können mich doch jederzeit als— Urkunde verwerthen. Die drollige Antwort entwaffgete selbst den argerlichen Kaufmann. Markt= und Cours=Berichte. X Wengern, 29. April.(Viehmarkt.) Auf dem heute hierselbst stattgefundenen Viehmarkte waren aufgetrieben 110—115 Stück Rindvieh und ca. 340 Stück Schweine. Der Preis für manse Kühe betrug 120—130 M. pro Stück, tragende Kühe wurden mit 150—220 M. bezahlt. Bis 6 Wochen alte Ferkel kosteten 2,50 M pro Woche, 3 Monate alte Schweine 24 M., darüber hinaus pro Woche 1—1,50 M. mehr. Es herischt eine rege Kauflust. Die Kühe wurden sämmtlich während von den Schweinen nur ein kleiner Rest übrig blieb. Berlin, 1. Mai. Laut Bericht des Korvettenkapitäns Erard hat der Häuptling Malietoa nach seiner Landung auf Jaluit(Marschall Inseln) eine Besprechung mit anderen Samoanischen Häuptlingen gehabt, nach Beendigung derselben dem Korvettenkapitän Erard feierlicher Weise sein Bedauern über sein früheres Verhalten ausgesprochen und gleichzeitig gebeten, Se.=Majestät der Kaiser möge Vorgefallenes als gesühnt betrachten. Der Kaiser hat auf Vortrag dieses Berichtes bestimmt, daß Malietoa in Freiheit gesetzt werde. Civilstand der Stadt Witten. vom 21.— 30. April 1889. Geburten: Zuschläger Wilhelm Schwärzell, Grünstraße, 1 T. Bäcker Cail Wasserfuhr, Röhrchen, 1 S. Milchhändler Theod. Hirse, Hauptstr., 1 T. Hülfswagenmeister Eduard Hahne, Brüderstr., 1 S. Schlosser Wilb. Schmidt, Tiefweg, 1 S. Werkmeister Wilhelm Watermann, Breddestr., 1 S. Bergmann Wilhelm Ludwig, Königsholz, 1 T. Schlosser Konrad Schnorbus, Sandstraße, 1 T. Schlosser Hermann Schmalhaus, Pferdebach, 1 S. Fabrikarb. Anton Böddecker, Kirchhofstraße, 1 T. Gasarbeiter Leonhard Scharff, Bahnhofstr., 1 S. Fuhrknecht Karl Schneider, Annenstr., 1 T. Brückenwärter Anton Haubrich, Feldweg, 1 T. pens. Lokomotiv= führer Josef Ingenhoven, Hauptst., 1 T. Schlosser Wilb. Lohmann, Sandstr., 1 T. Sattler Friedrich Bischoff, Steinhauerhütte, 1 T. Fabrikarbeiter Gustav Auge, Kirchhofstr., 1 S. Maurer Philipp Wagner, Crergeldanzstr., 1 S. Schlosser Gottlieb Marbach, Johannisstraße, 1 S. Kaufmann August Albert, Ruhrstr. 1 T. Schuhmacher Konrad Ludolph, Bergstr., 1 S. Dreher Peter Küsener. Kirchhofstr., 1 S. Sterbefälle. Schmied August Neuhaus, 45 Jahre. Gerichts=Gefängniß. Emma, T. von Tagelöhner Valentin Pierson, 8 Mon. Dammstr. Glasarb. Amandus Vogt, 42 J. Marien=Hospital. Bergmann Friedrich Grunzky, 30 J. evangel. Krankenhaus Gewerblose Wittwe SteuerControlleur Christian Breder, 73 J. Viktoriastr. Selma, T. von Berg=Invalide Johann Bischof, 13 J. evangel. Krankenhaus, Fabrikarbeiter Heinrich Haarmann, 64 J. Johannisstr. Fabrikarb. Wilhelm Winkler, 24 J. MarienHospital. Hausirer Eduard Westerheide, 49 J. evang. Krankenhaus. Meta, T. von Büreau=Assistent Eduard Melches, 3 Woch. Tieferweg. Gewerblose Wittwe Tagelöhner Martin Auth, 75 J. Marien=Hospital. Paul, S. von Gerichtsvollzieher Heinrich Franzmann, 9 Mon. Ruhrstr. Friedrich, S. von Glasbläser Philipp Schmidt, 1 J Grünstr. Gewerblose Wittwe Fuhrmann Heinrich Schirp, 62 J. Hauptstr. Tagelöhner Wilhelm Richter, 59 J. evang. Krankenhaus. Arbeiter Adolf Vinke, 64 J. evang. Krankenhaus. Aufgebote: Fabrikarbeiter Heinrich Vollmar und Näherin Alvine Friedrike Caroline Tetenberg, beide hier. Maschinenwärter Pter Hellwig, hier und Dienstmagd Bernhardine Wilhelmine Jansen zu Werne. Former Kail August Hermann Thomas zu Herford und Emma Koch hier. Stellmacher Karl Friedrich Höhne und Julie Geier beide tier. Fabikb. Karl Sebastian u. Dienstm. Frieda Coßmann beide hier. Schreiner Kaspar Karl Farke und Crroline Ellinghaus geb. Ostermann beide hier. Fabrikarbeiter Johannes Schildwächter und Anna Marie Everhaitz beide dier. Eheschließungen: Spezereihandter Friedrich Ober= hoff zu Elberfeld und Emma Ostermann hier. Müller Johann Slawinski und Auguste Zurnieden beide hier. Kaufmann Adolf Loewenstein zu Elverfeld und Bertha Augrchtn ber. Coers Kinderzwieback und Kindermehl sind die besten Kindernahrungsmittel. Wollen Sie von Hühneraugen befreit sein, so kaufen Sie nur Siegel’s Hühneraugen-Tod(von August Siegel, Genthin), und Sie werden es uns Dank wissen, Sie auf dieses Radikalmittel aufmerksam gemacht zu haben. Die Salbe ist wegen ihrer einzig hilfebringenden Eigenschaft fürstlich anerkannt und hochgeschätzt bei allen Bölkern der Erde. Kruke franco überall 1 M. En=gros 40 Kruken 20 Ml Vom 1. Mai ab findet bei der I. Botenpost Crengeldanz— Witten(aus Crengeldanz 7 Uhr Vorm.) nur eine Beförderung von gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen statt, während die IV. Botenpost Crengeldanz— Witten(aus Erengeldanz 630 Abends) in eine Botenpost mit unbeschränkter Beförderungsbefugniß umgewandelt wird. Crengeldanz, 29. April 1889. Kaiserliches Postamt. Stendel. Haut- u. Geschlechtskrankheiten heilt ohne Berufsstörung: Specialarzt Dr. med. Sehreiber, prakt. Arzt, Bochum, Augustastraße Nr. 2. Veranntmachung. Freitag, den 3. Mai, Nachmittags 3 Uhr, werde ich am Lagerhause der Wittener Walzenmühle(früher F. Wolfstein's Lagerhaus) am Bergisch=Märkischen Bahnhofe hier für Rechnung dessen, den es angeht, 200 Centner Weizenkleie und 200 Centner Roggenkleie öffentlich meistbietend gegen Baar versteigern. Witten, den 1. Mai 1889. Franzmann, Gerichtsvollzieher. Damit in der Zusendung unseres Blattes keine Störungen eintreten, bitten wir unsere verehrlichen Abonnenten Wohnungsverandrlungen bei Umzügen gefl. in unserer Expedition anmelden zu wollen. Die Expedition des Märkischen Tageblatts. B. Koetzold& Co. raldr. ebanger. Erirrschule. Die Aufnahme der angemeldeten Neulinge findet Donnerstag, den 2. Mai, Vormittags 9 Uhr, in den betreffenden Schulhäusern statt. Roessler, Rektor. Stabt. tathol. Erlrrschate. Donnerstag, den 2. Mai, Morgens 8 Uhr, werden die Schulnculinge dem Unterzeichneten in der Knaben schule, Hauptstraße 74, zugeführt. Heggen, Rektor. Kerherummhein, à Ltr. 60, 70 und 80 Pfg., zu haben bei II. Klug, Witten. Was verbittert den Menschen das Leben? Dir Hereruschwacht. Dieselbe verursacht immerwährende Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Angstgefübl, Gedankenschwäche, Ohrensausen, Mattigkeit des Körpers, ja sogar Sprachunvermögen. Es erleichtert diese Leiden„Rich Schulze's Nervus Tabak en poudre“.(Schnupftabak). An erkennungen vorhanden. Preis per Dose Mk. 2,50 gegen Einsendung oder Nachnahme durch das Fabrik Oepot. Leipzig, Constantinstr. 8, Carl Rühmann. WARIRDE RANE“ setzt schmerzlos ein. Zährplombirt, kreinigt, schmerz jeder Art beseitig H. Beuer Witten. Junge fette Gäuse0,55 M. d. Pf. 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Industrie folgende legt worden: 1) Empfiehlt es sie ausgesprochene Absche setzeskraft erlangt? 2) legungsregeln praktisa werth, daß die juristif vereins nach den Lan die Forderung der po der des Vorstandes ei einer Willenserklärun tung des Vorstandes Empfiehlt sich die schriftlicher Vertrag n Entsprechen die Bestir den Anforderungen de Anordnung im Ento# Vorschrift über den auf Termine und Fri fassen die kürzeren Ve denen sie wünschensto## der andere Fall aus auszuscheiden? 8) Si über die Einklagung die Bestimmungen detisch zu billigen? 10) Fragen der Uebertrag Bedürfniß? 11) Muf gegenseitigen Vertrage tur des Geschäfts ode mit seiner Leistung Begründung seines A er seinerseits geleistet Derjenige, welcher ein füllung angenommen titative Mängel dieser baren Iirthums nicht mehr einredeweise ge Gegenleistung unweig gel auf eine selbststän Erfordernissen des 2 stimmung des§ 429, einem Vertrage auch stand, welchen der Rück Zufall untergegangen 14) Entspricht der vo losgelöste Schuldschein behtlich ist, auch it einem Bedürfniß? 1 des achten Titels de lobung dem praktist wünschenswerth, daß durch dasselbe auch Schuldverschreibung diesem verloren ode Willen in den Ver sich, daß das Forder dem jeweiligen Inhabwird, wenn dieser die Weise erworben hat? auf einer bestimmte papieren, wonach sie einer Schadenersatzp Staatsgenehmigung sollen, nothwendig? über Miethe den## Entsprechen die Bef unseren heutigen Redie Bestimmungen