1888. Sänger= bund. nzeige. s. starb unser Nolte Jahren. Sein uns in Ehren r Vorstand. des Verstorbeie Herren Mitag Nachmittag Vereinslokal D. O. * Herbeue. end 8 Uhr: sammlung. nung: vahl des Vorreinsangelegenuer Mitglieder. 3. Lurnrath. Witten, Samstag, den 15. Feptbr. Kfarden hen, wie auch 2c. ert u. Leye, 26, Witten. che Zähne zlos ein. Zähnreinigt, Zahnder Art beseitigt Witten. ## hochfein, tägl. 4 frisch vers in , brutto zu 8½ o. u. Nachn. imerschmidt, dorn i/W. gesuche bote 10 Pfg.— tung in über Tgefeuen e Beschäftigung Ruhrmann, str. 30, Witten. uer und brecher de Beschäftigung chternath, Witten. ath des jetzigen für Oktober oder rdentliches braves nädchen im Waschen, Büi erfahren ist. nerstraße 48. Aeate Numen bis morh 9½ Uhr ten. Später können im der rechtzeijabe der Zeimehr Aufden. re Anzeiwir Tags aufzugeben. xpedition. Tageblattes. n Witten. & Co., sortlichkeit saltten. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Insertionen werden die 7gespaltene Petitzeile mit 10 Pfg. berechnet. Die Wiedereinführung der Berufung gegen die Strafkammer=Urtheile erster Instanz. (Fortsetzung.) Die gegnerischerseits geltend gemachten Gründe gegen die Wiedereinführung der Berufung lassen sich im Wesentlichen in folgende Sätze zusammenfassen: 1. In verschiedenen deutschen Staaten ist die Strafrechtspflege schon früher ohne Berufung gegen die Strafkammerurtheile ausgekommen und das Publikum ist im Allgemeinen mit dem bestehenden Verfahren zufrieden gewesen. Die Ansichten der Juristen aber— auch der altpreußischen— sind getheilt und gehen hinsichtlich des Werthes der Berufung weit auseinander. Beim Fehlen eines consensus spiritualis aber thut man wohl, es einstweilen beim Bestehenden zu belassen. 2. Auch die besteingerichtete Berufungsinstanz würde dasjenige nicht ersetzen, was im eigenen Interesse des Beklagten allein die erste Instanz liefern kann; der Schwerpunkt ist daher in den Garantieen zu suchen, mit denen das Verfahren vor der Strafkammer überhaupt zu umgehen ist. 3. Die Konstruirung einer zweiten Instanz ist schwierig und würde entweder gegen die Prinzipien der Mündlichkeit und freien Beweiswürdigung verstoßen oder technische Schwierigkeiten entscheidender Art im Gefolge haben. Die Ansichten der die Berufung Fordernden gehen daher auch über die Organisation derselben weit auseinander. Was zunächst den Einwand betrifft, daß weder die Ansichten der Regierungen noch die der Juristen und Laien über diesen Punkt einig seien, so ist dersilbe an sich ebenso richtig wie die Behauptung, daß aus denjenigen Gebieten des Reichs, in denen schon früher keine Berufung gegen die Urtheile der Strafkammer möglich war, nur selten Stimmen laut geworden sind, welche eine solche verlangten. Aber wir haben ja schon gesehen, wie es sich im Allgemeinen mit der Verlautbarung juristischer Wünsche im Publikum verhält, und überdies geben die Zahlen der Kriminalstatistik noch zu denken. In Preußen wurden vor Einführung der neuen Strafprozeßordnung die Urtheile der Gerichtsabtheilungen in 45,6 Fällen von Tausend durch Berufung angegriffen— spricht dieser Umstand gegen das Vorhandensein eines Bedürfnisses? Aus der Anzahl von Fällen, in denen gegenwärtig die Entscheidungen der Schöffengerichte durch Berufung angesochten werden, oder in welchen gegen erstinstanzliche Strafurtheile Revision stattfindet, läßt sich natürlich kein Schluß auf die uns interessirende Frage ziehen; immerhin ist es nicht ohne Werth, zu wissen, daß im Jahre 1885(dem letzten uns vorliegenden statistischen Jahrgange) von 1000 schöffengerichtlichen Urtheilen 44,1 durch Berufung angefochten sind und daß gegen erstinstanzliche Urtheile in Strafsachen bei 51,9 Fällen von 1000 dem Antrage auf Revision stattgegeben worden ist. In wie viel Fällen eine Revision gegen Strafkammerurtheile beantragt worden ist, konnten wir leider nicht ermitteln, obgleich gerade diese Zahl vieler Hinsicht lehrreich sein würde, da bei der Unmöglichkeit, das Urtheil durch Berufung anzufechten, meist nichts unversucht bleibt, um dasselbe im Wege der Revision zu Fall zu bringen. Doch dies nur beiläufig; Thatsache ist, daß im Bundesrathe die größte Verschiedenheit der Ansichten herrscht und daß sich die deutschen Juristen= und Anwaltstage ebenso energisch für die Wiedereinführung der Berufung ausgesprochen haben, wie sich die darum befragten Richterkollegien der Mehrheit nach dagegen erklärt haben. Endlich darf auch nicht bestritten werden, daß in der Justizkommission, der wir die bestehende Strafprozeßordnung verdanken, eine Reihe hochangesehener Männer gegen die Berufung gestimmt haben, darunter Professor v. Gneist, v. Marquardsen, Schwarze(Sachsen), Eysold, von Puttkamer, Thielo, Wolffsohn, Grimm=Mannheim, Dr. Becker, Hullmann und Andere. Ich führe dieselben namentlich an, um nicht den Verdacht zu erwecken, als nehme ich es mit der Opposition irgendwie leicht: ich weiß vielmehr die Motive dieser hervorragenden Juristen wohl zu schätzen und erkenne bereitwillig an, daß das Bestreben derselben, das Verfahren vor den Strafkammern möglichst einwandfrei zu gestalten, des höchsten Lobes werth ist. Gleichwohl würde es mir nicht schwer werden, Autorität gegen Autorität zu setzen— ich bescheide mich aber mit dem Hinweis auf den dem Bundesrathe vom Reichsjustizamte im Jahre 1885 vorgelegten Gesetzesentwurf, und möchte für mich nur die Worte zweier Männer gelten lassen, von denen der eine früher Gegner der Berufung war, während der andere sogar dagegen gestimmt hat. Der leider jüngst verstorbene Oberstaatsanwalt Saro faßte kurz vor seinem Tode das Schlußergebniß seiner Erfahrungen in folgende Worte zusammen: verbunden mit dem für Witten und Amgegend.. Abonnementspreis(inel. der „Märkisches Heim“): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2.20 „Ich glaube in der That, diese Frage ist nicht derartig, daß man die verschiedenen Meinungen der Juristen vorzugsweise zu berücksichtigen habe, sondern die sogenannte öffentliche Meinung, die sich— das verkenne ich nicht— in der jüngsten Zeit entschieden für die Berufung ausgesprochen hat. Ist das aber einmal richtig, so bin auch ich dahin gekommen, mich für die Berufung auszusprechen.“ Herr Dr. Miquel aber betonte bei der Schlußberathung der Strafprozeßordnung ausdrücklich, daß er sich für das Gesetz ohne Berufung entscheide, um die Justizgesetze überhaupt zu Stande zu bringen, daß aber, wenn dies geschehen sei, nicht geruht und gerastet werden dürfe, bis die Berufung im Strafverfahren wieder eingeführt sei!!— Sei dem aber wie ihm wolle, so hat es doch jedenfalls mit der Forderung, es vorläufig beim Bestehenden zu belassen, sein eignes Bewenden! Das mit dem jetzigen Verfahren schwerwiegende Schäden verknüpft sind, wird selbst von den Gegnern der Berufung anerkannt.— Man braucht die haarsträubende Skizze des jetzigen Verfahrens, welche der Abgeordnete Francke— übrigens auch ein Gegner der Berufung— auf Grund langjähriger persönlicher Erfahrung seiner Zeit im Reichstage entworfen hat, noch nicht einmal als normalen Zustand anzusehen und wird doch zugeben müssen, daß derartige Darstellungen aus den Laien geradezu verblüffend wirken müssen.— Die der Praxis entnommenen Bedenken Francke's gegen die jetzige Art des Ermittlungsverfahrens, gegen die für den Laien oft schwer verständliche Fassung des Eröffnungsbeschlusses*), gegen die Kürze der Anklageschrift, gegen die schwierige Stellung des Referenten während der Verhandlung und im Berathungszimmer lassen das jetzige Verfahren keineswegs als ein mustergültiges oder als ein die Berufung entbehrlich machendes erscheinen. Sind aber so schwerwiegende Mängel wirklich vorhanden— und sie wurden im Reichstage in größerem oder geringerem Maße allseitig zugegeben — so ist es doch ein eignes Ding um die Behauptung, für eine Revision des Strafprozesses sei die Zeit noch nicht gekommen, und bei dem weiten Auseinandergehn der juristischen Ueberzeugungen müsse es daher bis auf Weiteres bei dem Bestehenden sein Bewenden behalten.(Fortsetzung folgt Montag.) Rundscha Nach dem Vorgange der Konservativen dürften nun wohl auch die übrigen Parteien Preußens bald mit ihren Aufrufen für den vevorstehenden Wahlfeldzug hervortreten. Es werden oppositionellerseits die größten Anstrengungen gemacht, dem voraussichtlichen festen Zusammenhalten der nationalen Parteien eine geschlossene Phalanx entgegenzustellen. In dem Wahlkreise Posen(Land)=Obornik stellen sich einer Erneuerung des Wahlkompromisses zwischen den deutschen Parteien Schwierigkeiten entgegen, weil der Anspruch der Freisinnigen auf die Ueberlassung eines Mandats mit Rücksicht auf die thatsächlich geringe Stärke dieser Partei den dortigen Konservativen ungerechtfertig erscheint, und so sah sich denn das Posener Freisinnsorgan zu der folgenden Drohung bemüßigt: „Daß die Polen zu einer Verständigung mit der freisinnigen Partei über die Wahl eines deutsch=freisinnigen und eines polnischen Kandidaten bereit sein würden, ist ohne Weiteres anzunehmen, und man würde der freisinnigen Partei wohl kaum einen Vorwurf daraus machen können, wenn sie zur Erhaltung eines der wenigen Mandate, die sie in der Provinz hat, diesen Weg einschlüge. Möge man sie nicht dazu zwingen.“ Für den Entwickelungsgrad deutscher Gesinnung erscheint diese Auslassung des Posener Freisinnsorgans allerdings bezeichnend. Ueberhaupt ist es geradezu erstaunlich, was für eine Verschwendung viele Leute, die doch eigentlich am wenigsten Anlaß dazu hätten, mit den Parteinamen,„deutsch" und „Reich“ zu treiben lieben. Die Stärke des Reichsgedankens kann eigentlich gar nicht besser erwiesen werden, als durch den Umstand, daß alle Gegner desselben sich von ihm den Wappenschild leihen müssen. Zur Unterschrift zirkulirt gegenwärtig in den Kreisen der Handwerksmeister und Gewerbetreibenden Zürichs eine Petition an den dortigen Regierungsrath, *) Wir können uns nicht versagen, unsern Lesern Beispiels halber den Wortlaut eines von Herrn Abgeordneten Francke mitgetheilten Eröffnungsbeschlusses mitzutheilen:„Der Angeklagte erscheint hinreichend verdächtig, zu Berlin im Jahre 1884 den Entschluß, in der Absicht, sich einen rechtswiorigen Vermögensvortheil zu verschaffen, das Vermögen eines Anderen dadurch zu beschädigen, daß er durch Vorspiegelung salscher resp. Unterdrückung wahrer Thatsachen einen Irrthum erregte, durch Handlungen bethätigt zu haben, welche den Anfang dieses begonnen, „Ich glaubeg es giel einen derartigen Eröffnungsbeschluß bekommen, eig nicht recht wissen, was sie mit der Formel machen sollen.“ welche sich mit den Strikes und der Wahrung der „persönlichen Freiheit" vefaßt. Die Pelition knüpft an die Strikes der Schlosser und Zimmerleute an und konstatirt, daß während der genannten Strikes der größte Theil der Arbeiter, welche arbeiten wollten, der Verfolgung, Mißhandlung, Drohung, Schmähung und Belästigung von Seite der Strikenden ausgesetzt gewesen sei und daß in ähnlicher Weise gegen diejenigen vorgegangen worden sei, welche von außen kommend in Zürich engagiert wurden oder Arbeit suchten. Die Petition knüpft an den Artikel 7 der Staatsverfassung an, welcher die persönliche Freiheit gewährleistet. Wenn dieser Artikel in Strikefällen nicht ein leeres Wort sein solle, so müsse; in Ergänzung desselben eine Polizeiverordnung erlassen werden, durch welche 1. zum Schutze der arbeitenden Minderheit alle und jede Gewaltmaßregeln, durch welche die einzelnen gezwungen oder eingeschüchtert werden, auch die bloßen Insulten, Verfolgungen, Belagerungen 2c. polizeilich untersagt werden und 2. die Polizeidirektion gehalten wird, je beim Beginne eines Strikes durch ihre Organe, nöthigenfalls unter Zuziehung der Gemeindepolizei, strenge darüber wachen zu lassen, daß diese Vorschriften gehandhabt werden. * Der konservative Wahlaufruf wird von der„Köln. Ztg.“ nochmals mit voller Anerkennung besprochen. Das Blatt meint, die konservative Partei dürfe von sich sagen, daß die gewichtige Stellung, die sie in unserm öffentlichen Leben einnimmt, von allen Seiten anerkannt wird. Nachdem jetzt auch die„Germania“ von dem Wahlaufruf nichts mehr wissen will und meint, die konservative Partei habe sich zwischen zwei, vielleicht gar zwischen drei Stühle gesetzt, sagt die„Köln. Ztg.“:„Wir erleben das merkwürdige Schauspiel, daß„Germania" und„National=Zeitung" einig sind in der Verurtheilung einer konservativen Kundgebung. Wir verstehen in diesem Falle das ultramontane Blatt vollkommen, das andere nicht.“ Der sozialdemokratische Abgeordnete Liebknecht hat jüngst auf einer Rundreise durch die Schweiz an verschiedenen Orten agitatorische Reden gehalten. Einen neunenswerthen Eindruck auf die Schweizer Bevölkerung konnten dieselben indessen schon deshalb nicht machen, weil die vorhandenen sozialdemokratischen Elemente einer Belehrung über die Zwecke und Ziele der Sozialdemokratie seitens des Abgeordneten Liebknecht sicherlich nicht mehr bedurften. Die Rundreise des Herrn Liebknecht würde uns auch ein weiteres Wort der Erwähnung kaum entlockt haben, wenn nicht als bemerkenswerth der Umstand hervorzuheben wäre, daß Herrn Liebknecht von der Behörde in Genf das Palais élektoral für seine Versammlung zur Verfügung gestellt worden ist, ein Gebäude, welches sonst niemals privaten Zwecken geöffnet ist. Diese Rücksichtnahme beweist aufs neue, daß sich die Mehrzahl der Genfer Regierungsherren in demselben Fahrwasser befindet, wie die sozialdemokratischen Parteiführer. Man sollte doch annehmen dürfen, daß wie die schweizerische Bundesregierungen, so auch die einzelnen Cantonalregierungen gewisse Regeln internationaler Höflichkeit zu beachten hätten, mit welchen uns allerdings die gedachte amtliche Unterstützung der auf den Umsturz der bestehenden Staats= und Gesellschaftsordnungen gerichteten Bestrebungen des deutschen sozialdemokratischen Agitators Liebknecht nicht vereinbar erscheinen will. Unter der Ueberschrift„Aus Französisch=Vlandern“ theilt die„Antwerpener Zeitung", das Organ der Deutschen in Belgien, folgende bemerkenswerthe Thatsache mit, welche sich gelegentlich der Wahl Boulanger's im Norddepartement ereignet hat, und die zeigt, daß die französischen Chauvinisten kein Mittel scheuen, wenn es nur ihren Zwecken dienlich erscheint, gleichviel, ob die nationale Würde, die sonst so marktschreierisch von ihnen gepriesene, darunter leidet oder nicht. General Boulanger hatte sein Wahlmanifest im Norden außer in französischer Sprache auch in Blämisch ankleben lassen. Nur wurde in der in sehr gutem Niederländisch angefertigten Uebersetzung der Ausdruck République durch Regeering ersetzt und zum Schluß las man nicht Vive la France! wie es in seinen französischen Wahlzetteln lautete, sondern Leve het Vaederland! Boulanger, der stets mit der Unzufriedenheit seiner Leute rechnet, wußte nur allzu gut, daß ein großer Theil des Nordens von der Republik nichts wissen will. Kaum waren diese Wahlzettel angeschlagen, als die Gegner des Generals, die Republikaner, gleichfalls vlämische Anschlagezettel ankleben ließen, des Inhalts, daß die Vlämen die Republik ebenso verehrten als die anderen Franzosen, und daß die Vlämen des Nordens kein anderes Vaterland kennten, als Frankreich. Dies zweite vlämische Manifest, welches mit„Leve Frankrijk!“ endigte, wurde abgerissen und dafür folgendes Plakat angeklebt: „Vlamingen, dat xijo wyen(Zu deutsch:) wis en zijn geen Vranschen,„Blämen, das sind wir, Wij en hebben geen anderen aber keine Franzosen.“ Wir Vaederland ais Vlaenderen, haben kein anderes Vaterland, en Frankerijke en is onze als Vlandern; Frankreich ist Vaederland niet, maer hij is unser Vaterland nicht, aber es eene zugepompo, die zichten ist eine Saugpumpe, die seit 300 jaer onze zweet optrekt 300 Jahren unseren Schweiß naer Paris. Levehet Vaeder- heraufzieht nach Paris. Es land!“ lebe das Vaterland!“ Die Polizei ließ sämmtliche Plakate herabreißen, selbst in de. Häfen, wo man sie auf die Schiffe und Masten geklebt hatte. Als Illustration für das Hasten und Jagen nach Erwerb und das dadurch bedingte und ungemüthliche Familienleben in den Vereinigten Staaten kann folgende von einem New=Yorker Geschäftsmanne gemachte Schilderung seines Thuns und Treibens dienen:„Morgens begebe ich mich ins Geschäft, wenn meine Kinder noch schlafen, und wenn ich Abends heimkehre, sind sie bereits zur Ruhe gegangen. Ich sehe die Meinen somit während der ganzen Woche nicht und Sonntags ist der Verkehr mit ihnen auch ein beschränkter. Kein Wunder daher, daß wir unsere gegenseitige Bekanntschaft noch nicht gemacht haben. An einem Sonntag nahm ich Gelegenheit, meinen Jüngsten im Hofe hinter meiner Wohnung wegen einer Unart das Fell zu gerben und laut heulend eilte er zur Mutter. Auf die Frage, wer ihm ein Leides zugefügt, entgegnete er schluchzend:„Der Kerl, der sich Sonntags in unserem Hause aufzuhalten pflegt.“ Deutsches t Berlin, 13. Sept. Kaiser Wilhelm II. ist am Donnerstag früh 7½ Uhr aus Wilhelmshaven wieder in Berlin eingetroffen und begab sich sofort in das Königliche Schloß. Schon nach 8 Uhr Morgens gestattete der Monarch den Tags zuvor eingetroffenen fremden Fürstlichkeiten einen Besuch ab und fuhr dann mit dem Erzberzog Albrecht von Oesterreich ins Manöverterrain. Mit dem Kaiser begaben sich dorthin die Prinzen Albrecht, der mit dem Ober=Schiedsrichteramt betraut ist, Heinrich, Friedrich, Leopold von Preußen, Arnulf und Alfons von Bayern, der Prinz Christian von Schleswig=Holstein, der Fürst von Hohenzollern, Kriegsminister Bronsart von Schellendorf. Bald nach 9 Uhr trafen die Herrschaften in dem Dorfe Neuenhagen ein. Auf dem Bahnhofsperron war eine Ehrenkompagnie vom 24. Regiment aufgestellt, außerdem hatten sich der Landrath und die Geistlichkeit des Kreises eingefunden. Unter den Klängen des„Gott erhalte Franz den Kaiser!" verließen die hohen Herrschaften die Waggons. Erzherzog Albrecht, welcher die Uniform seines preußischen Infanterie=Regiments trug, und links von ihm der Kaiser, schritten die Front der Ehrenkompagnie ab, von den Prinzen und dem Feldmarschall Grafen Blumenthal gefolgt. Sodann wurden die Pferde bestiegen, die Truppen in ihren augenblicklichen Stellungen besichtigt und darauf das Gefecht begonnen. Es fand Korpsmanöver des 3. Armeekorps gegen einen markirten Feind statt. Der letztere drängte seinen Gegner zurück und nahm das Dorf Neuenhagen ein. Durch eine große Attacke des ganzen Korps wurde das Dorf wiedergewonnen und der Feind schließlich zurückgedrängt. Der Kaiser und seine Gäste verfolgten das großartige Schauspiel mit dem regsten Interesse; die Kritik des obersten Kriegsherrn war eine sehr eingehende und verständnißvolle. Der Kaiser trug kleine Generalsuniform, Helm, Schärpe und hohe Stiefel, dazu die österreichischen Orden. Nach 1 Uhr fand Parademarsch des Armeekorps vor dem Erzherzog Albrecht statt. Das Publikum brachte den hohen Herrschaften begeisterte Ovationen dar. Nach Schluß der Uebung kehrten die fürstlichen Gäste nach Berlin zurück, der Kaiser begab sich dagegen zeitweise nach Müncheberg, wo er sein Hauptquartier im Hause des Gutsbesitzers Pein nimmt. Die kleine Stadt Müncheberg hat sich ihre Festausschmückung zu Ehren des Kaisers recht viel kosten lassen, sie repräsentirt sich aber auch würdig und geschmackvoll. Bei der Ankunft wurde der Kaiser von Magistrat und Stadtverordneten, geistlichen und weltlichen Behörden begrüßt. Die Schützengilde, Feuerwehr, Innungen und Schulen bildeten Spalier. Der Kaiser schien sich in dem kleinen Ort recht wohl zu fühlen, denn er sah sehr freundlich aus. Seine Wirthe begrüßte der Monarch recht huldvoll. Das 4. Garderegiment wird dem Kaiser ein Ständchen darbringen. Das Leben in der Stadt ist außerordentlich, der Willkommen des Herrschers war der enthusiastischste. — König Albert von Sachsen ist Donnerstag Abend auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin zur Beiwohnung der Kaisermanöver eingetroffen und herzlich begrüßt worden. Der König begab sich sofort ins Schloß, wo alle Fürstlichkeiten zu einem großen Diner versammelt waren. Der König bleibt mindestens Freitag und Sonnabend in Berlin, vielleicht auch bis nächste Woche hinein. — Bei den Manöverritten des Kaisers begleitet denselben ein Leibgendarm zu Pferde, mit der kaiserlichen Purpurstandarte. Die letztere ist ein verkleinertes Abbild der auf dem Schlosse in Berlin wehenden Purpurstandarte und wird in derselben Weise wie die Ulanenlanze im Schuh am Steigbügel getragen. Der Schaft besteht aus einer zusammenschiebbaren hohlen Röhre, in deren innerster Hülse die zusammengerollte Flagge Platz findet. Wie verlautet, werden den kommandirenden Generalen ebenfalls Standarten, den Divisionskommandeuren Wimpel, zur Erleichterung des Auffindens im Gefecht, gegeben werden. — Der österreichische Minister des Auswärtigen, Graf Kalnoky wird auf der Reise nach Friedrichsruhe voraussichtlich diesen Sonnabend Abend in Berlin eintreffen.— Der Kaiser hat das durch andauernde Kränklichkeit hervorgerufene Entlassungsgesuch des Staatssekretärs im Reichsschatzamt, Dr. Jncobi genehmigt. — Mit dem Ober=Schiedsrichter=Amt bei den bevorstehenden Manövern des Gardekorps und des 3. Armeekorps ist der Regent von Braunschweig Prinz Albrecht betraut. — Die dreimonatliche Hoftrauer für Kaiser Friedrich III. ist am 15. September zu Ende. Auf Befehl des Kaisers trägt bie kaiserliche Familie aber noch Familientrauer bis zum 15. Juni 1889. Die Damen und Herren des persönlichen Dienstes und alle zu Hofe geladenen Personen erscheinen während dieser Zeit ebenfalls in Trauer. — Der Großherzeg von Hessen ist zu den Manövern nach Rheinhessen abgereist; von da begiebt sich derselbe nach der preußischen Rheinprovinz, um das achte Armeekorps, das zu seiner Generalinspektion gehört, zu besichtigen. — Der deutsche Botschafter, Graf Münster, hat sich, nachdem er kürzlich vom Kaiser empfangen worden war, von hier wieder auf seine Besitzung bei Derneburg zurückbegeben. — Die„N. A. Ztg.“ erklärt in einem längeren Artikel noch einmal in der allerbestimmtesten Weise, Fürst Bismarck denke nicht daran, sein Amt als preußischer Handelsminister niederzulegen. — Zum Rücktritt des Reichsschatzsekretärs Dr. Jacobi schreibt die Kreuzztg.:„Dr. Jacobi hat in seiner kurzen Amtsthätigkeit als Schatzsekretär nicht nur die umfang reichen und schwierigen Bestimmungen wegen der Branntweinbesteuerung und der Zuckersteuer bearbeitet, sondern auch in diesem Jahre die verwickelten Zollfragen in Bezug auf die Einziehung Bremens und Hamburg's in den Zollverein fertiggestellt, eine Aufgabe, deren Lösung von berufener Seite als ein bedeutendes Werk anerkannt wird. In amtlichen Kreisen giebt man sich der Hoffnung hin, daß Dr. Jacobi von seinen Leiden ganz hergestellt und darnach wieder Verwendung im Staats= oder Reichsdienst finden werde. Sein Nachfolger ist bereits ernannt; es ist ein Mitglied der deutschkonservativen Fraktion des Reichstages. Die amtliche Veröffentlichung dieser Ernennung dürfte unmittelbar bevorstehen. Mit der Wiederbesetzung dieses Postens konnte um so weniger gezögert werden, als die Aufstellung des Reichsetats nahe bevorsteht. — Albrecht O'Swald, der Mitinhaber der bekannten Hamburger Firma, welche in Afrika große Besitzthümer hat, war am Donnerstag zum Reichskanzler nach Friedrichsruhe geladen. Man bringt die Einladung mit der Angelegenheit der ostafrikanischen Gesellschaft in Verbindung. — Die Umschlagseite der Mackenzie'schen Brochüre über Kaiser Friedrich enthält, wie rheinische Blätter mittheilen, folgende Notiz:„Der Abdruck von größeren Auszügen in Zeitungen(partieller Nachdruck) ist untersagt und wird eventuell strafgerichtlich verfolgt. Die amtliche Brochüre konnte bekanntlich nachgedruckt werden, oder, wenn der Nachdruck auch nicht erlaubt war, so ist doch kein Einspruch dagegen erhoben worden. — In diesen Tagen ist, wie mitgetheilt, die Fernsprechverbindung zwischen Berlin und Breslau fertig gestellt. Jetzt sind nun von der Verwaltung Versuche angestellt unter Benutzung der bereits seit längerer Zeit im Betriebe befindlichen Fernsprechlinie Hamburg=Berlin direkt von Hamburg nach Breslau(etwa 85 geographische Meilen) zu sprechen. Sie lieferten das bedeutungsvolle Ergebniß, daß die Verständigung zwischen den Fernsprechämtern in Hamburg und Breslau eine tadellose war. Wie lange wird es noch dauern, dann spricht man von Königsberg nach Straßburg im Elsaß. — Der Fürst von Waldburg=Zeil=Wurzbach, welcher, wie aus Stuttgart berichtet wird, seinen Fürstentitel und Namen abgelegt und mit Genehmigung des Königs von Württemberg den erblichen Namen und Stand eines Freiherrn v. Wurzbach angenommen hat, ist der ältere Bruder Karl des jetzigen„regierenden“ Fürsten. Er hatte, nachdem er nicht ganz vier Jahre im Besitze der Standesherrschaft gewesen war, im Jahre 1865 auf dieselbe verzichtet zu Gunsten seines jüngeren Bruders Eberhard, und seitdem in Zurückgezogenheit gelebt.(Fürst Eberhard hat, nebenbei bemerkt, keine männlichen Nachkommen, mit seinem Tode wird der Zweig Wurzbach seiner Familie erlöschen und die Standesherrschaft an die Linie WaldburgZeil=Trauchburg fallen.) Die Namensänderung hängt, wie die Form, in welcher die Genehmigung ertheilt ist, mit einer nicht standesgemäßen Heirath zusammen. Der bisherige Fürst Karl, welcher bereits 62 Jahre alt ist, wird im Goth. Hofkalender noch als unvermählt aufgeführt. In den deutschen standesherrlichen Häusern sind Verzichte auf den ererbten Stand und Namen meist aus Anlaß von Heirathen, in den letzten Jahrzehnten häufiger vorgekommen. So hat z. B. ein Bruder des jetzigen Fürsten von Hohenlohe=Langenburg, Prinz Viktor, als er sich mit der Tochter eines englischen Admirals, welche aber in der Familie Hohenlohe nicht als ebenbürtig gilt, verehelichte, den Namen„Graf von Gleichen“ angenommen und lebt unter diesem als englischer Admiral. Der zweite Sohn des vor einigen Jahren verstorbenen Fürsten Hohenlohe=Waldenburg, gleichfalls ein Prinz Viktor, mußte, als er sich mit einer Dame aus einer freiherrlichen Familie vermählte, auf Namen und Erbrecht verzichten und nahm den Namen„Graf v. Waldenburg" an; unter diesem gehörte er dem deutschen diplomatischen Dienst an, und ist vor drei Jahren gestorben. Ein Prinz von Thurn und Taxis mußte gar, weil er eine Schauspielerin heirathen wollte, den bürgerlichen Namen„Fels" annehmen und wurde dann erst von König Ludwig von Bayern mit dem persönlichen Adel begnadet; er war vor seinem Uebertritt in den Bürgerstand Hauptmann oder Major und Adjutant des bayerischen Königs. Zwei Fürsten von Sayn=Wittgenstein=Sayn, Brüder, verzichteten nacheinander auf Besitz. Stand und Namen, um nach ihrer Neigung heirathen zu können und leben jetzt als Grafen von Altenkirchen bezw. Hachenburg. Es ist seltsam, daß gerade die nicht regierenden Familien des sogen. hohen Adels Deutschlands so rigoros bei Heirathen ihrer Angehörigen sind, während die regierenden Familien ihren Mitgliedern selbst bei Eingehung nicht ebenbürtiger Ehen Namen, Titel und Rang unbedenklich belassen und nur den Frauen und Nachkomm andere Namen beilegen. Für diese Praxis haben wir bis in die neueste Zeit Beispiele in fast allen deutschen regierenden Familien, Preußen(Prinz Adalbert), Bayern, Würtemberg, Baden, Hessen, Anhalt, Sachsen Koburg, Sachsen=Meiningen, Oldenburg u. a. m.; nur die Familie Reuß hat in neuerer Zeit einen Prinzen, welcher eine Kunst=Reiterin geheirathet hatte, veranlaßt, Namen und Titel abzulegen und freiherrliche anzunehmen.— — Das„Berl. Tagebl.“ schreibt: Bezüglich der in Nr. 457 unseres Blattes gebrachten Mittheilung, daß bei einer vor Spandau abgehaltenen Felddienstübung der Küchenwagen des Ersten Garderegiments z. F., der das Mittagsmahl der Herren Offiziere enthielt, nach Potsdam zurückgeschickt worden sei, ist uns von dem Kommandeur des genannten Regiments, dem Oberst und Flügeladjutanten Herrn v Plessen, die Erklärung zugegangen, daß„an dieser Erzähung, soweit sie das Erste Garderegiment z. F. betrifft, auch nicht ein wahres Wort sei.“ — Unser Gewährsmann scheint sich demnach bei seiner Mittheilung in der Bezeichnung des Regiments geirrt zu haben. Dieser letzte Satz ist charakteristisch für die Art und Weise der Blätter vom Schlage des„Berliner Tageblattes". Statt einfach zuzugeben, daß die Notiz erlogen ist, um einen Hieb gegen den„Adel“ zu führen, der als verweichlicht dargestellt werden soll, heißt es: Unser Gewährsmann „scheint sich“, geirrt zu haben in der„Bezeichnung" des Regiments. Nun, verehrtes und verlogenes„Berl. Tagbl“, so nennen Sie doch das„richtige" Regiment! Um Antwort wird gebeten. — Die„Nat. Ztg.“ bringt folgende Mittheilung:„Ein in Amerika approbirter Arzt, Dr. L. Weigert, der in Berlin nicht practicirt, weil er in der glücklichen Lage ist, als Chef eines durch Erbschaft auf ihn gekommenen Bankhauses sich das Leben nach seiner Neigung zu gestalten— hat sich, seitdem Prof. Koch den Schwindsuchts=Bacillus entdeckt, mit Experimenten beschäftigt, wie derselbe zu beseitigen und damit die Heilung der Tuberkulose herbeizuführen sei. Nach Jahre langen, unter Assistenz von anderen Aerzten vorgenommenen Versuchen sollen nunmehr einige glänzende Erfolge aufzuweisen sein. Dr. Weigert hat eine Anzahl von Patienten in seiner Privatklinik behandelt und beabsichtigt, sie, unter beglaubigter Darlegung des Krankheitsund Heilungsverfahrens, der medecinischen Gesellschaft nach Wiederaufnahme ihrer Sitzungen vorzuführen. Die Tödtung des Bacillus soll lediglich durch Inhalation langsam bis zu außerordentlicher Hitze erwärmter Luft bewerkstelligt worden sein.“ — Deutsche Speisekarten. Kaiser Wilhelm hat am 10. Septembei mit einer Mode gebrochen, gegen die bisher von vielen Seiten vergeblich angekämpft wurde und die hoffentlich nun für immer aus Deutschland verschwinden wird. Die Offiziere, welche am Montag zum Galadiner im königlichen Schlosse geladen waren, betrachteten mit freudigem Erstaunen die goldberänderte Speisekarte, die an ihren Plätzen lag. Unter dem Reichsadler, mit dem die Karte geschmückt war, standen nur deutsche Speisenamen, während bisher dafür die französische Sprache gebräuchlich war. Die Karte lautete: Berlin, 10. September. Windsor=Suppe, Zander in Rheinwein gedämpft, Burgunder Schinken mit Gemüsen, Pasteten von Rebhühnern mit Trüffeln, Hummer nach Ostender Art, Pulardenbraten, Salat, Mehlspeise von Aepfeln, Butter und Käse, Gefrorenes, Nachtisch. Da von so hoher Stelle mit der Unsitte der französischen Speisekarte gebrochen worden ist, so geht man wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß dieses Beispiel überall in Deutschland Nachahmung finden wird. Insbesondere wäre es wünschenswerth, wenn sie in Bierwirthschaften, Weinstuben und Speisehäusern endlich die französischen Benennungen beseitigt würden. An deutschen Bezeichnungen fehlt es wahrlich nicht. Danzig, 13. Sept. Zu Gunsten der Ueberschwemmten hat der Justizminister bestimmt, daß für alle aus Staatsmitteln bewilligten Unterstützungen, welche den durch die diesjährigen Ueberschwemmungen Heimgesuchten leihweise gegeben und welche demzufolge auf die zu unterstützenden Besitzungen eingetragen werden, die betreffenden Erklärungen bei der nicht streitigen Gerichtsbarkeit resp. bei dem Grundbuchamte sowohl kosten= wie stempelfrei aufzunehmen sind. Auch die Notare sind angewiesen worden, bei Aufnahme derartiger Akte keinen Stempel zu verwenden. Posen, 13. Sept. Gegen Fürst Czartoryski wurde, einer Drahtmeldung der„Voss. Ztg. zufolge, Anklage erhoben wegen einer Rede auf einer Wählerversammlung in Kempen. Die Anklage stützt sich§§ 130 und 131 des Strafgesetzbuches(Anreizung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt). Die öffentliche Verhandlung vor der Strafkammer in Ostrowo findet am 8. Oktober statt. Wilhelmshaven, 13. Sept. Bei dem gestern Abend im Offizierkassino stattgehabten Diner brachte der kommandirende Admiral Vizeadmiral Graf Monts den Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser aus. Se. Majestät dankte, wie das„Wilhelmshavener Tageblatt“ meldet, für die ihm entgegengebrachte Liebe, erwähnte die Zeit, wo Er das letzte Mal in Wilhelmshaven gewesen sei, und gedachte des schnellen Wechsels, an den damals Niemand gedacht habe. In Kiel, bei der Grundsteinlegung zum Nord=Ostsee=Kanal habe Sein hochseliger Großvater zum letzten Male inmitten der Marine geweilt. Wie stark das Interesse, welches Hochderselbe an der Marine genommen habe, gewesen sei, lasse sich aus den Worten erkennen, die er wenige Tage später Ihm gegenüber geäußert, daß er trotz der Schmerzen, die er ausgestanden, diesen Tag nicht aus seinem Leben streichen möchte. Es gereiche Ihm zur Freude, für die Leistungen in Kiel, wie hier Allen Seine Zufriedenheit aussprechen zu können, Alle hätten ihre Schuldigkeit gethan.„Wir besitzen ein vortreffliches Material, deshalb werden große Anforderungen an Sie gestellt. Schon in Ihren Jugendjahren erhalten Sie eine verantwortungsvolle Stellung. Der Marinedienst sei aber auch dazu angethan, den Charakter zu stählen und reifen zu lassen; in hervorragendem Maße sei dies bei dem Torpedodienst der Fall, der äußerst anstrengend dafür aber auch von ganz besonderer Wichtigkeit sei. Hierin liege eine Entschädigung; dieser Dienst bilde die beste Schule für die jungen Offiziere. Die Leistungen der Marine seien schon jetzt bedeutende: Er hoffe, daß„wir das, was noch fehlt, hinzulernen"; auch hoffe Er, daß die Marine zu derjenigen Kraft heranwachse, daß sie in hervorragender Weise zur Erhaltung und Stärke des Vaterlandes, zur Sicherung des Küstenschutzes beitrage. Er baue auf die Zukunft der Marine, auf ihre Entwickelung und ihr Zusammenwirken mit der Armee zum Segen des Vaterlandes. Darauf erhob Se. Majestät das Glas und trank auf das Wohl Seiner Marine:„Sie lebe hoch!“ Vor der Abfahrt sprach Se. Majestät der Kaiser dem Bürgermeister Seine Freude aus über die prächtige Ausschmückung der Stadt und den Ihm von der Bevölkerung zu Theil gewordenen warmen Empfang. * Hamburg, 13. September. Eine sehr unliebsame Entdeckung machte dieser Tage ein Hamburger Bankier. Einer seiner Buchhalter beichtete ihm nämlich, daß er, veranlaßt durch die Art, mit welcher sein Chef bei seinen Kaffee=Termingeschäften ins Geschirr ging, gleichfalls, und zwar für eigene Rechnung, jedoch auf Gefahr der von ihm verwalteten Kasse, in Kaffee spekulirt und jetzt 60000 Mark Differenzen zu zahlen habe. Wie an der Börse erzählt wird, soll der ebenfalls sehr à la baisse engagirte Bankier seinem Buchhalter die wenig tröstliche Aussicht gestellt haben, daß er mit ihm, dem Chef. stehen oder fallen müsse. Für den Fall, daß er sich arrangire, wolle er ihn mit ins Schlepptau nehmen. Die Verluste der Kaffeebörse. Einem Hamburger Berichte vom 9. September entnehmen wir folgendes: Wohl selten hat die Hamburger Börse in den letzten Jahren eine so fieberhafte Aufregung durchgemacht, wie in den letzten Tagen in dem zu einer Spielwuth herange, wachsenen Kaffee=Termingeschäft. Die September=No, tirung, die noch vor wenigen Tagen sich regelmäßig auf 90—94 Pfg. per Pfund hielt, stieg am Freitag Abend rapide bis zu 185 Pfg. und selbst für einzelne Deckungsfälle bis zu 250 Pfg. Am Sonntag Abend ging der Preis ebenso jäh auf 135 Pfg. zurück, weil Kaffeesendungen von Hare, Genua, Triest, Fiume angemeldet wurden. Die ungesunde Treiberei war möglich, weil hiesige große Kaffeelager nicht verkaufen wollten und so einen kolossalen Gewinn gemacht haben. Man erzählt von einem ersten Kaffeehause, welches auf Baisse spekulirt, daß es gestern 3 Millionen Mark Differenzen abschreiben ließ. Von den meisten Verlusten erfährt die Oeffentlichkeit kein Wort, während andere Differenzen gar nicht bezahlt werden können. Die Nachwirkungen werden weithin im Inlande nicht ausbleiben, indem leider, trotz aller Warnungen der Presse, kleine Kapitalisten, namentlich in Hannover, Holstein, Mecklenburg 2c, sich durch hiesige Agenten und Makler bestimmen lassen, an dem ungesunden Termingeschäft theilzunehmen, welches man kaum am Platze übersehen kann. Auch dem Laien wird der ungesunde Zustand klar werden, wenn wir anführen, daß zur selben Zeit, am Freitag Abend, wo Kaffee mit 185 Pfg. en-gros notirt wurde, in jedem Krämerladen derselbe für 90 und 100 Pfg. zu kaufen war. Um weiterer Kaffeepreistreiberei per September vorzubeugen, wird von der Warenliquidationskasse bekannt gemacht, daß neue Engagements per Kasse nur gebucht werden, wenn der Nachweis rechtzeitiger Lieferung des Kaffees vorhanden ist.— Zur Ergänzung zeigen wir noch folgende Stelle eines anderen Berichtes an:„Wie groß das gesammte Engagement per ultimo September ist, kann selbstverständlich genau niemand sagen, man schätzt dasselbe aber auf etwa 100000 Sack und wird damit wohl so ziemlich das Richtige getroffen haben. Von diesem Erforderniß sollen etwa 30000 Sack als schwimmend sich unterwegs befinden, so daß demnach ein Manko von etwa 70000 Sack bleibt, das bis ultimo des laufenden Monats entweder aus dem vorhandenen Vorrathe eingedeckt werden muß, oder für welches die Differenz zu zahlen sein wird. Als Arrangeur der Hausse wird eine bestimmte Hamburger Firma bezeichnet, die jedoch nicht allein stehen dürfte, sondern hinter der sich sicherlich verschiedene Hamburger Firmen als Rückendeckung befinden. Besagte Firma hat den in die Enge getriebenen Baissiers am Freitage, als good average Santos mit 240 Pfg. per Pfund bezahlt worden ist und später 250 Pfa. Geld werthete, 100000 Sack zu 100 Pfg. zur Deckung angestellt. Als man aber zu diesem Preise geringfügige Quanten von insgesammt etwa 7000 Sack zu kaufen wünschte, erklärte jene Firma, sie gebe entweder 100000 Sack oder gar nichts ab, da sie zu Scheinmanövern sich nicht hergeben wolle. Die Deckunge nunterblieb demnach, und das Engagement harrt noch der Lösung. Wien, 12. Sept. Bei der Reise des Kaisers Franz Joseph zu den ungarischen Manövern in Belovar ist ein sehr auffallender Zwischenfall vorgekommen. Der kroatische Bischof Stroßmayer hatte aus Anlaß des Panslawistenfestes in Kiew bekanntlich ein Telegramm dorthin gesandt, in welchem Rußland über alle Gebühr gefeiert wurde; es hörte sich gerade so an, als sei Stroßmayer ein russischer Kirchenfürst, und kein österreichischer. Beim Empfang der Geistlichkeit in Belovar stellte der Kaiser den Bischof wegen dieses Telegramms sehr entschieden zur Rede und bezeichnete es als gegen die Monarchie, die Religion und den Papst gerichtet. Ein Bischof könne so etwas nur im Anfalle von geistiger Verwirrung schreiben. Als Bischof Stroßmayer entgegnete, er habe in bester patriotischer Ueberzeugung gehandelt, drehte ihm der Kaiser den Rücken und ging davon. Das ist in Oesterreich denn doch noch nicht dagewesen! Die Zurechtweisung, wie sie derartig noch kaum an eine im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeit eingerichtet worden ist, wird allseitig gebilligt. Der Bischof hat noch eine Audienz beim Kronprinzen nachgesucht, wurde aber abschlägig beschieden. * Wien, 13. Sept. Die Generaldirektion der Staatsbahnen macht bekannt, daß auf der Strecke GeetzigHohenems der Linie Feldkirch=Bregenz heute der Gesammtverkehr wieder aufgenommen worden sei. — Die heutige Nummer des klerikalen„Vaterland“ wurde konfiszirt. * Der altczechische„Hlas Naroda“ verzeichnet mit Befriedigung, daß diesmal bei Eröffnung des Prager Landtags ein deutsches„Hoch“ nicht gehört wurde, sondern nur ein dreimaliges„Slava“.— Die Jungczechen bechlossen, von dem altczechischen Notabelntag am 16. Sept. fernzubleiben, da derselbe nicht die Vertretung des czechischen Volkes sei. * Innsbruck, 13. Sept. Das Wasser der Etsch ist in langsamen Fallen begriffen. Die Ebene unterhalb Calliano ist überschwemmt und der durch das Hochwasser verursachte Schaden ein sehr großer. Das Compo Trentino befindet sich 1 Meter unter Wasser. Aus dem Rheinthal wird gemeldet, daß das Pfarrdorf Lustenau vollständig überschwemmt ist. Vier Menschen sind ums Leben gekommen. Frankreich. * Paris, 13. September. In der Rede, welche Präsident Carnot bei dem gestrigen Festbankette in Havre hielt, empfahl derselbe ein festes Zusammenschließen der Republikaner, im Uebrigen sprach derselbe nur über lokale Angelegenheiten. — Der Präsident Carnot hat, nachdem er in Havre die größeren industriellen Etablissements besucht und die Maires und Lehier empfangen hatte, mit den Ministern seine Reise nach Rouen fortgesetzt. 8 Per Prserkral. Novelle von Stanislaus Graf Grabowski. —(Nachdruck verboten.) Als sie einige Wochen später, bei Anbruch des Frühlings, in der noch kaum bedeckten Weinlaube im Obgarten saß und an ihren Tänzer auf dem Balle in Militsch dachte, schrie sie plötzlich laut auf; ein Mann schwang sich über die Gartenmauer und stand eine Sekunde später dicht vor ihr. Er blieb übrigens nicht stehen, sondern ließ sich auf ein Knie nieder; sie erkannte den Grafen Zarnicky, den russischen Cornet. Daß der junge Graf nun öfter kam, daß er, um eine halbe Stunde mit ihr zu plaudern, die neun oder zehn Meilen von Kalisch bis Neuenrode hin und zurückritt, daß er ihr sagte, er liebe sie mit aller Gluth eines aufrichtigen leidenschaftlichen Herzens, und daß sie selbst nicht mehr wußte, was sie ihm geantwortet hatte,— das Alles hätte Käthchen keinem Meuschen in der Welt gestehen können, sellst nicht dem geliebten Vater, vor dem sie bisher noch nie ein Geheimniß gehabt hatte. Später hatte der Cornet einmal gesagt, sie möge das unbedingteste Vertrauen zu ihm haben, denn er werde kein Hinderniß, keine Rücksichten scheuen, sie sich für das ganze Leben zu erwerben, und sie hatte darauf, zagend und bis in den tiefsten Grund ihres Herzens wonnig erschüttert, geantwortet, sie wollte es;— seitdem— es waren nun zwei Monate her— hatte sich der Cornot nicht wieder sehen lassen, so oft sie auch in der Laube von wildem Wein auf ihn wartete, und heut sagten die Blätter der Aster, wie fast immer„Er liebt Dich nicht!“ Das war gewiß sehr bitter für ein noch nicht neunzehnjähriges Mädchenherz. Und wie Käthchen von Brandt so dachte, ließ sich plötzlich ein leises Geräusch außerhalb der Mauer, an der sie fast unmittelbar saß, hören; sie zuckte zusammen. Sonderbarer Weise stand sie nicht auf, um zu fliehen,— sie drückte nur die kleine Hand auf das pochende Herz und wagte nicht einmal aufzublicken. Im nächsten Augenblick schwang sich eine männliche Gestalt gewandt über die Gartenmauer, und wieder lag Stefan Zarnicky zu „Käthchens Füßen, und flüsterte, ihre Hände mit leiden“ Ischaftlichen Küssen bedeckend:„Mein Käthchen!“ Genug darüber!— Käthchen lächelte durch Thränen, der Cornet oder vielmehr der Deserteur saß eine Minute später auf der Bank in der rothen Weinlaube und hielt noch immer ihre beiden Hände in den seinigen. Die Liebe fragt nicht nach Zeit und Raum, daher kam es auch wohl, daß Käthchen erst spät den Mann ihres Herzens fragte, wo und wie er hergekommen, nachdem er so lange abwesend geblieben sei. Die Antwort darauf war dieselbe, die der Jüngling dem Obersten von Brandt gegeben hatte, nur sprach er sich dieses Mal etwas deutlicher über sein, eine Dame betreffendes Geheimniß aus, denn diese Dame war ja Niemand anders als Käthchen selbst. Erschrak Käthchen über die Waghalsigkeit seines Unternehmens, die sie nicht einmal richtig zu würdigen vermochte, an und für sich schon, so wurde sie erst recht blaß. als der Cornet außer Diensten den Namen ihres Verwandten nannte, von dem sie sich nach einzelnen Andeutungen ihres Vaters die Vorstellung etwa eines Bären gemacht hatte, welche letzteren zur damaligen Zeit in den polnischen Wäldern noch gar nichts Seltenes waren. Aber der junge Mann lachte zu den wenigen Worten, mit denen sie ihre Besorgniß ausdrückte, und versicherte, der alte Oberst von Brandt scheine der beste Mann von der Welt und ein richtiger Husar zu sein. „Und was wird nun geschehen?“ fragte Käthchen kleinlaut.„Sind wir denn jetzt ein bischen besser daran, als vorher?“ „Das wollte ich meinen,“ erwiderte Zarnicky mit triumphirender Ueberzeugung;„in wenigen Wochen werde ich preußischer Offizier sein, denn der Oberst hat mir versprochen, deshalb an den König zu schreiben. Dann werde ich vor Deinen Vater treten und um Deine Hand anhalten.“ „Und wen er sie Dir abschlagen sollte, Stefan?“ „Einem preußischen Offizier?— oho! dann reise ich direct zum Könige nach Berlin!“ „Ach Gott, nein, das darfst Du nicht thun,“ bat das junge Mädchen angstvoll;„— lieber—“ Sie stockte, und der Cornet, der, wie man sieht, einen guten Theil von kühnem Selbstbewußtsein und verliebter Schwärmerei besaß, fragte mit gerunzelter Stirn: „Und was würdest Du lieber thun, Käthchen?— Mir gänzlich entsagen, nachdem ich meiner Liebe zu Dir das größte Opfer gebracht habe?“ „Nein, nein“, antwortete sie stotternd,„lieber würden wir uns eine Weile in des Vaters Willen fügen. Er ist so gut, und endlich wird er meinen Bitten und Thränen nachgeben.“ „Gut, warten wir es ab.“ Welche Luftschlösser für ihre Zukunft bauten nun nicht die jungen Leute miteinander, während der zwei Stunden, die sie noch in der rothen Weinlaube saßen! Aber den Glücklichen schlug auch hier die Stunde, d. h. es war ziemlich finster geworden, als Käthchen sich erschrocken losriß und mit bleichem Antlitze versicherte, es sei die höchste Zeit, sich zu trennen, wenn nicht das ganze Haus sie vermissen und suchen sollte. Der Cornet sah das ein; er nahm zärtlich Abschied und schwur, er werde anderen Tages wiederkommen. Er schwang sich wieder über die Mauer, und Käthchen verschwand, wie ein gescheuchtes Reh durch die Pforte, welche in den Blumengarten und von da zum Schlosse führte. Wie verlockend und bezaubernd sind doch solche heimliche Rendez=vous!— 3. Die Reclamation. Stefan Zarnicky hatte an dem Tage seines ersten Besuches bei dem Obersten bereits seine bisherige Uniform abgelegt. Er theilte seine mußevolle Zeit nun zwischen den öfteren heimlichen Ritten nach Neuenrode, den Offizieren in Wartenberg, deren Kamerad er zu werden wünschte und die ihm fast sämmtlich in Folge seiner Persönlichkeit und seines kühnen, sowie liebenswürdigen Auftretens dieselbe Theilnahme bezeigten, wie Oberst von Brandt, und dem Hause des letzteren. Der Oberst hatte sein Wort gehalten und seinetwillen an den König geschrieben; er wußte recht gut, daß Se. Majestät gern Offiziere in die Armee zog, wenn sie ihm warm empfohlen wurden, und daß er über das Verbrechen der Desertion zu seiner Armee ebenso milde dachte, wie streng gegen die Deserteure von der Armee; das lag, wie gesagt, in den damaligen Zeitverhältnissen. Uebrigens mußte die Anstellung des Flüchtlings beeilt werden, denn ehe ihn nicht die preußische Uniform schützte, konnte es seinen einflußreichen Verwandten leicht möglich werden, seine Auslieferung zu erlangen. Eine solche Besorgniß schien der ehemalige Cornet aber gar nicht zu theilen, denn er bewegte sich in seinen neuen unsicheren Verhältnissen mit der größten Unbefangenheit und Sorglosigkeit. Bald war er ein Liebling aller Offiziere und selbst der schnurrbärtigen Corporale und Husaren geworden, die zum großen Theil noch den siebenjährigen Krieg mitgemacht hatten, denn er begleitete sie auf seinem vortrefflichen Ukrainer Rappen zu allen ihren Exercier=Uebungen und machte ihnen dabei so viel Reiterkunststückchen vor, daß sie seine Geschicklichkeit und Tollkühnheit bewunderten. Er schien förmlich auf dem Pferde geboren zu sein, wie man von den Tscherkessen des Kaukasus oder den afrikanischen Beduinen zu sagen pflegt; wie diesen war es ihm ganz gleich, ob er im Sattel saß oder stand, sich in dem vollsten Carriere von ihm herabwarf und wieder heraufvoltigirte, ob er eine steile Anhöhe hinabjagte, daß das schnaubende Pferd sich zu überschlagen drohte, oder durch die Flügel einer bei scharfem Winde gehenden Mühle sprenge, und was dergleichen Proben unbegrenzter Waghalsigkeit mehr sind. Dabei ging er mit seinen fünfhundert Louisd'ors so freigiebig um, als besitze er außerdem noch eine=ganze Million, er war ganz der liebenswürdige, kühne und leichtsinnige polnische Edelmann. Besonders hatte der alte Oberst seine Freude an ihm und gestand sich offen, er selbst sei nicht einmal in seiner Jugend ein so talentvoller Husar gewesen. Des Grafen Besuche in seinem Hause trugen übrigens nicht wenig zu seiner Erheiterung bei, denn der alte Herr hatte jetzt dort schwere Tage, obgleich er sich nichts davon merken lassen wollte. Er hatte sich den Heirathsantrag Lieutenants von Seelen nochmals wohl überlegt, nachdem er ziemlich barsch seine Helene zur Rede gestellt, von ihr ein offenes Bekenntniß erhalten hatte, und ihre Augen nun täglich vom Weinen geröthet, ihre Wangen blasser fand. (Fortsetzung folgt.) — Ein Leben Boulanger hat an d Direktor des„Dio stehenden Brief geri„Ich lese Ihr B wegen einer Diktatr Opfer schmählicher doch schon oft demen mit meinen besten publikanischen Hinge * Brüssel, 12. zufolge soll im näch belgischer Katholikei eines Protestes geg jüngst gesetzgeberisch * Aus Haag, theilung b kannt: der Tod des Königs Der Zustand des besorgnißerregend, w begriffen sind. Der Ohnmachtsanfall. London, 12. Se Folge gehen die afgl Ishär-scyan von di Maimena hatten am Kavallerie Ishak=Kh streut wurde. 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General Boulanger hat an den Generalrath der Haute=Saone und Direktor des„Diogene Comtois“, Herrn Briot, nachstehenden Brief gerichtet: „Ich lese Ihr Blatt und sehe, daß Sie Befürchtungen wegen einer Diktatur meinerseits hegen. Sie sind das Opfer schmählicher Verleumdungen und Lügen, die ich doch schon oft dementiert habe, und ich bitte Sie, m. H., mit meinen besten Gefühlen an die Loyaltät meiner republikanischen Hingebung glauben zu wollen. General Boulanger.“ Belgien. * Brüssel, 12. Sept. Dem„Courier de Bruxelles“ zufolge soll im nächsten Monat eine große Versammlung belgischer Katholiken abgehalten werden zum Zwecke eines Protestes gegen die für den Papst durch die jüngst gesetzgeberisch geschaffene Lage. Holland. * Aus Haag, 13. Septbr., wird folgende Mittheilung b kannt: Ein hier verbreitetes Gerücht, daß der Tod des Königs eingetreten sei, bestätigt sich nicht. Der Zustand des Monarchen ist jedoch deshalb so besorgnißerregend, weil die Kräfte rapid in der Abnahme gleiffen sind. Der König hatte gestern einen längeren inmachtsanfall. England. London, 12. Sept. Nachrichten aus Afghanistan zu beg Oy# Kavallerie Ishak=Khans bei Belcherag, wobei letztere zerstreut wurde. Andere kleine Gefechte mit ähnlichen Folgen sollen in der Nähe von Kamard=Khinjan stattgefunden haben. Die entscheidende Schlacht wird in der Nähe von Haibek in Kurzem erwartet. London, 12. Sept. Dem„Daily Chronicle“ wird aus Rom berichtet: Der Vatikan instruirte die Nuntien an den verschiedenen Höfen, Kongresse wie der in Freiburg zu organisiren, auf denen die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes verlangt wird. Die spanischen und französischen Katholiken bereiten schon solche Kongresse vor. — Ende September wird die jährliche Conferenz der irischen Nationalliga von Großbritannien in Birmingham abgehalten werden. Der dortige Polizeidirektor hat jedoch bereits den Veranstaltern mitgetheilt, daß das Programm für etwaige Versammlungen im Freien ihm vorher unterbreitet werden müsse. — Die erste Folge der Flottenmanöver zeigt sich schon: In der bekannten Armstrong'schen Geschützgießerei sind hundert schwere Geschütze, die zur Vertheidigung der Küste dienen sollen, bestellt worden. Italien. * Am Tage der Vermählung seines Bruders, des Herzogs von Aosta, mit der Prinzessin Lätitia Bonaparte hat König Humbert dem Ministerpräsidenten Crispi den höchsten italienischen Orden den Annunziatenorden, verliehen, dessen Inhaber„Vettern des Königs“ genannt werden. Wie nachträglich bekannt wird, hat der König bei der Ordensüberreichung an seinen bewährten Minister die Worte gesprochen:„Niemand ist würdiger, diese Insignien zu tragen, als Sie!" Der König umarmte und küßte hierauf den Minister. Verona, 13. Septbr. Der Wasserstand der Etsch, welche gestern Abend 10 Uhr um 11 Centimeter gefallen war, ist seitdem stationär. Man hofft, daß infolge der Witterungsverhältnisse in Tirol eine ernstere Katastrophe nicht mehr eintreten werde. Griechenland. — Aus Athen wird gemeldet, daß das italienische Geschwader, das nach Salonichi gehen sollte, nach dem Piräus gehen mußte, weil die Pocken in Salonichi herrschen Rußland. Nowaja=Praga, 13. Sept. Die Truppenmanöver sind gestern beendet worden. Heute findet große Parade vor dem Kaiser statt. — In China ist amtlich bekannt gemacht, daß der junge Kaiser von China, welcher jetzt 18 Jahre alt ist, am 24. Tage des ersten Monats des Jahres 1889 eine Ehe eingehen wird. Die sehr hohen Kosten der Vermählung sind von der Bevölkerung aufzubringen, die aber keine offene Hand zu haben scheint, denn aus Peking sind Kuriere ausgesandt, die Säumigen zu mahnen. Australien. Brisbaue(Queensland), 12. Sept. Das heutige Amtsblatt veröffentlicht eine von dem Verwalter des britischen Neu=Guinea, Mac Gregor, unterzeichnete Proklamation, in welcher dieser die Oberhereschaft der Königin Victoria über den britischen Theil der Insel formell verkündigt. Westfalen und 0 Witten, 13. Septbr.(StadtverordnetenSitzung.) Zur heutigen Verhandlung waren 22 Stadtverordnete erschienen; mit Entschuldigung fehlten 5. Die Sitzung wurde unter Leitung des StadtverordnetenVorsitzenden, Herrn Bergrath Erdmann, abgehalten. Der Magistrat war durch den Herrn Beigeordneten C. Foerst vertreten.— Eine erkrankte katholische Lehrerin hatte eine Vertreterin genommen, welche aber gegen ein Vierteljahr hier beschäftigt gewesen war. Diese hatte nun auf eine Vergütung angetragen, was vom Schulrektor befürwortet war. Der Antrag des Magistrats auf Bewilligung von 150 Mk. wurde genehmigt.— Nach dem Ortsstatut wird bei Neubauten der Beitrag zu den Straßen=Ausbaukosten festgesetzt. Dies war bei der mittleren Wiesenstraße und der oberen Johannisstraße bisher noch nicht geschehen. Bei erster Straße waren die Kosten für das l. Meter Front auf 19,37 Mk. und bei letzterer auf 29,80 Mk. berechnet. Herr Stadtverordneter Graefe hält es für unbillig, daß diejenigen Adjacenten, welche früher vor Geltung des Ortsstatuts das Terrain 3„Straße unentgeltlich hergegeben und in einzelnen yauen durch Geldopfer beschafft hätten, jetzt noch zu der#„Straße die Ausbaukosten zahlen sollten; er wünscht auskünst über die damals vollzogenen Kontrakte. Magistratsvertreter will diese nachsehen lassen. Vorsitzender legt dar, daß es sich heute um die allgemeinen Festsetzungen handle; und etwaige Privatberechtigungen später geltend zu machen seien. Der Antrag wird angenommen.— Die Baufluchtlinie an der Kirchhofstraße wird durch Herrn Weißenfels in Zeichnungen vorgelegt, und genehmigt.— Die Berathung der Sparkassen=Rechnung von 1887 wurde vertagt, da die Kommission zu der vorgeschriebenen Prüfung sämmtlcher Schulddokumente noch mehrerer Sitzungen bedarf.— Die Rechnung des Realgymnasiums pro 1887/88 wird entlastet, nachdem sich bei der Prüfung keine Ausstellungen ergeben haben. In Folge verschiedener Ersparnisse zeigt die Kasse einen Bestand von 4020,60 M. „ Bei den Bureau=Bedürfnissen der städtischen Verwalung ist der Etat wegen Einrichtung einer neuen Rebistratur um 282,33 Mk. überschritten; diese Gelder verden nachträglich bewilligt.— Die Telephon=Anlage wischen dem Rathhause, Wasserwerke und Schlachthofe ist später auch zur Wohnung des Herrn Bürgermeisters eeführt worden. Durch diese Erweiterung und die Verbesserung des Apparates sind noch 481,30 Mk. Kosten entstanden, welche bewilligt werden.— Nach Erledigung der Tagesordnung fragt Vorsitzender bei dem Magistratsvertreter an, warum ohne Mittheilung an die Stadtverordneten in der Stadt Selterswasserbuden und eine Annoncenuhr aufgestellt seien. Der Herr Beigeordneter ist der Ansicht, daß der Magistrat die Vermiethung öffentlicher Plätze allein ausführe, wie bei der Kirmeß, da ja auch diese Aufstellungen nur auf Widerruf gestattet worden seien. Vorsitzender protestirt gegen diese Auffassung, weil hier eine dauerrde Begünstigung vorliege. Magistratsvertreter will eine betr. Vorlage veranlassen. — Herr Klutmann erbittet sich Auskunft darüber, ob die auf der Ardeystraße früher gelagerten Pflastersteine nicht mit der Chaussee angekauft seien. Magistratsvertreter verneint dies, obwohl auch der Magistrat erst diese Ansicht gehabt habe. Die Steine hätten etwa einen Werth von 1000 Mk. gehabt. Dafür sei nun aber die Uebergabe der Straße bis zum 1. Juni zurückdatirt worden, so daß die Vergütung der Unterhaltungskosten gegen 1200 Mj. mehr betragen würden, die Stadt immer also noch im Vortheil sei. Hierauf folgt eine kurze geheime Sitzung. * Witten, 14. Sept.(Der antisemische Volkskalender,) der seit einigen Wochen erschienen ist, erfreut sich einer großen Beliebtheit. Auch von auswärts gehen uns zahlreiche Aufträge auf das vortreffliche Werkchen zu, welches des Unterhaltenden und Belehrenden wiederum eine Menge bietet. Die Illustrationen sind ganz vorzüglich, wie sich jeder durch einen Blick in unser Schaufenster überzeugen kann. Wer sich für den sehr billigen Preis von 50 Pfg. das gediegene Werk anschaffen will, möge sich beeilen, sonst könnte der Vorrath vergriffen sein. 8 Witten, 13. Sept.(Der Verletzung erlegen) ist diese Nacht der Coaksverlader Niggemeier von LangendreerBahnhof im hiesigen Marienhospitale. Die Trauer der Familie ist um so größer als der unglückliche Mann nicht wieder zum Bewußtsein gekommen ist. * Witten, 13. Sept.(Die Ruhrschiffahrt) ist von Herbede aus eine sehr rege; die Ruhrstromverwaltung läßt zur Zeit die Wehre ausbessern, die durch die Hochfluthen dieses Jahres sehr gelitten hatten. 0 Witten, 14. Sept.(Evangel. ArbeiterVerei n). Nächsten Sonntag Abend 7½ Uhr, findet im evangel. Vereinshause eine Versammlung statt, in welcher Herr Fischer aus Gelsenkirchen einen Vortrag halten wird. Das Thema lautet:„Mit welchen Mitteln kann die Sozialdemokratie erfolgreich bekämpft werden?“ Auch Nichtmitglieder sind zum Besuch dieses Vortragsabends freundlichst eingeladen. * Witten, 13. Sept. Erst hier, dann dort lugt aus dem Saftgrün der Bäume ein gelbes Blatt. Just wie das erste weiße Haar oder das Krähenfüßchen am Augenwinkel bei dem Dreißigjährigen, so beginnt auch gegenwärtig bei unserer Allmutter der jährliche Altersprozeß. Ja, sie wird älter, die schöne sommerliche Welt und den Vergänglichkeitsgesetzen alles Irdischen gehorsam, tritt sie in die Zeit des Welkens. Das geht so wenig mit einem Male als sich der Jüngling über Nacht zum Greise verwandelt, aber sichtbarlich wird es doch, und die gelben Blätter sind die Kennzeichen des unaufhaltsamen Verfalles. Je mehr ihrer aus den Büschen und Wipfeln glänzen, desto näher rückt der Herbst, und wenn sie erst melancholisch um ihre Füße rasseln und im Winde wirbeln, dann sind sie so ernst eindringliche Mahner, daß man sie nicht mehr mißverstehen kann, so gern man es möchte. Was uns dann ankommt, ist Herbststimmung und sie wird vollkommen, wenn das leuchtende Gold welker Blätter vom Abendstrahl der Sonne durchblitzt wird, ein Effekt, den die Maler der Herbstlandschaften niemals versäumen, eben weil er so unwiderstehlich stimmungsvoll ist. Wen jetzt sein Weg in die schöne spätsommerliche Natur hinausführt, der sollte mit offenem Auge das allgemache Entfärben in Wald und Flur verfolgen. Die Zuversicht, daß der Frühling für alle fallenden gelben Blätter Ersatz bringt, mildert das Unbehagen, daß jedes Bild des Vergehens auf den Lebenden ausübt, und die Farbenreize des eigenartigen Schauspiels kommen zu ungetrübter Wirkung auf das Auge. Gelbe Blätter predigen dem Wissenden und Verstehenden nur die Zeit der Erfüllung. * Witten, 13. Sept.(Als Kuriosum) führen wir an, daß in der Abendnummer der„Köln. Ztg. vom Montag sich unter der vielversprechenden Ueberschrift: „Le coeur et la main“, ein Heirathsgesuch eines Königl. Beamten mit 2000 Mark Einkommen befindet, welcher neben anderen Bedingen von seiner künftigen Auserwählten forderte:„Liebe zur Landwirthschaft und keinen rothen Teint. Alle interessanten Blaßgesichter sind höflichst zur Meldung eingeladen. Leider sind gerade unter diesen verhältnismäßig wenige, die hervorragende Liebe zur Landwirthschaft haben. &am Langendreer, 13. Sept.(Evangel. Arbeiterverein.) Nächsten Sonntag Nachmittag findet im Leiendecker'schen Saale die monatliche Versammlung statt, in welcher Herr Verbandsagent Fischer über das Thema sprechen wird:„Wodurch kann die Sozialdemokratie mit Erfolg bekämpft werden"? * Wiemelhausen, 12. Sept.(Ein heiterer Varfall,) der aber leicht einen ernsten Ausgang hätte haben können, passirte vor einigen Tagen hier bei den in Quartier liegenden Kavalleristen. Nach dem Apell wurden von einigen jungen Leutchen zwei in einem Kuhstalle untergebrachte Pferde besichtigt. Einer der Zivilisten, ein Bauernknecht, erkärte sich dazu bereit, ein als besonders wild geschildertes Pferd im Stall zu besteigen.„Wenn Du nicht abgeworfen wirst, parire ich 3 Mk.“, erklärte der Husar;„laß es lieber“. Die 3 M. reizten den jungen Mann aber erst recht. Er machte sich an das Pferd heran, noch einen Augenblick und er saß oben. Aber jetzt fletschte das Thier, das gleich merkte, was los war, die Zähne, erhob sich auf die Hinterbeine, wodurch der Kopf des Aufsitzenden in eine unangenehme Berührung mit der Decke gerieth, ließ sich dann wieder nieder, um gleich darauf mit dem Hinterkörper in die Luft zu schnellen— und in einem mächtigen Bogen flog der Reiter zur Erde nieder, glücklicherweise in einen Heuhaufen.„Dat härr' eck nich' dacht", erklärte er kopfschüttelnd den Anwesenden, die in ein schallendes Gelächter ausbrachen; worauf sich der ohne Schaden Davongekommene schleunigst verzog. * Bochum, 13. Sept.(400 neue Coaksöfen,) sind im Laufe dieses Jahres im hiesigen Oberbergamtsbezirk gebaut worden. Falls es nicht gelingt, das Coakes= syndikat zu Stande zu bringen, dürfte in Folge der Folge der Ueberproduktion ein Fallen der Coakspreise zu erwarten sein. Das Zustandekommen des Syndikats soll aber ziemlich gesichert sein. n Hagen, 13. Septbr.(Auszeichnung.) Nach Besichtigung des städtischen Schlachthofes begaben sich heute der Herr Oberpräsident v. Hagemeister und Herr Regierungspräsident v. Rosen in Begleitung des Herrn Oberbürgermeisters Prentzel in das Gußstahlwerk der Firma Eicken& Co. und übergab der Herr Oberpräsident daselbst nach längerer Ansprache, in welcher er die industriellen Bestrebungen des langjährigen Leiters des Werkes Herrn Ewald Eicken, sowie dessen Wirksamkeit als früherer Präsident der Handelskammer und Stadtverordneter hervorhob, demselben das Patent als Commerzienrath. Diese Auszeichnung wird gewiß in ausgedehnten industriellen Kreisen und unter den zahlreichen Freunden des Herrn Eicken allgemeine Befriedigung hervorrufen. i Hagen, 14. September.(Hoher Besuch) Seine Excellenz der Herr Oberpräsident v. Hagemeister und der Herr Regierungspräsident v. Rosen haben gestern die abriken von Ew. Eicken& Comp. und von Funcke& Elbers, geführt in der erstern von Herrn Commerzienrath in der letztern von Herrn Wilh. Funcke sen, einer nähern Besichligung unterzogen und sich dabei über die Verhältnisse der betreffenden Industrie, namentlich auch in Bezug auf den Export, möglichst zu informiren gesucht. Sodann wurden noch Besuche bei den Pfarrern Beyer, zur Nieden und Kipshagen gemacht, worauf die Herren Nachmittags unsere Stadt verließen, um nach Schloß Herdringen zum Grafen von Fürstenberg und Abends nach Arnsberg zu fahren. Heute sollte die Reise nach Marsberg zur Besichtigung der dortigen Irrenanstalt fortgesetzt werden * Münster, 14. September.(Die beste Apfelsorte.) Welche Apfelsorte in Deutschland der größten Beliebtheit und der weitesten Verbreitung sich erfreut, ist durch eine Umfrage des Deutschen Pomologen=Vereins und des Praktischen Rathaebers im Obst= und Gartenbau nunmehr entschieden worden. Ersterer sandte ein Verzeichniß von 800 in Deutschland angebauten Apfelsorten an hervorragende Obsikenner mit der Bitte, jede in einer Gegend Deutschlands besonders bevorzugte oder beliebte Sorte anzustreichen. In den 46 an den Pomologenverein aus allen Theilen Deutschlauds zurückgelangten Verzeichnissen fand sich in allen die Winter=Goldparmäne angestrichen. Der Praktische Rathgeber erhielt auf seine bezügliche Umfrage nicht weniger als 898 Karten und war in 211 derselben die Winter=Goldparmäne als die beste Apfelsorte bezeichnet. * D u i s b u r g, 1 3. S e p t.( W i e v i e l M i n u t e n Aufenthalt bat der Zug?) fragte gestern Mittag ein Herr bei dem Expreßzuge den Schaffner, indem er hastig die Coupeethür öffnete. Nur kurze Zeit, zwei Minuten, war die Antwort. Aber ich muß aussteigen, erwiderte mit nervöser Lebhaftigkeit der Reisende. Wenn Sie aber zurückbleiben? entgegnete fragend und achselzuckend der Beamte. Dann will ich für den Fall mein Reiseköfferchen mit herausnehmen, meinte hastig der Fremde und griff das Täschchen aus dem Cupee und verschwand mit Windeseile nach einem geheimnitzvollen Seitengebäude. Da erscholl das Glockenzeichen und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. In demselben Moment stürzte unser Reisende wieder auf das Cupee zu. Sämmtliche Mitreisende reckten die Köpfe aus dem Wagenfenster. Jetzt hatte unser Mann sein Coupee erreicht und will sein Köfferchen vor sich hineinschieben. Aber!— er hatte einen merkwürdigen Deckel in der Hand statt seines Köfferchens— eine fatale Verwechselung! Starr hielt er den Deckel in der erhobenen Rechten, während der Zug mit lachenden Gesichtern in jedem Coupeefenster vorbeizog. Homberg, 12. Sept.(Neues Unternehmen.) Der„Kr. Ztg. wird geschrieben: Zu Homberg am Rhein entfaltet sich eine neue gewerbliche Thätiokeit. Die Firma Kittel=Wilisch& Komp., welche in Sheffield umfangreiche Eisen= und Stahlwerke besitzt, errichtet bei Homberg eine Anlage zur Fabrikation von feuerfesten Materialien jeder Art, wie Steine, Blöcke, Platten, Röhren, Retorten, Zement, Schamotte, Kalk, pulverisirte Mineralien u. s. w. An der Herstellung der Bauten wird eifrig gearbeitet und es soll der Betrieb des Werkes, für welches elektrische Beleuchtung vorgesehen ist, baldmöglichst beginnen. Düsseldorf, 12. Sept.(Am Samstag Abend) fuhr ein Herr, dem in letzter Zeit in hartnäckiger Weise von dem Gerichtsvollzieher nachgestellt wird, per Veloziped über den Königsplatz. Ein Gerichtsvollzieher, der ebenfalls des Weges kam, ließ das Sicherheitsrad dicht an sich herankommen, forderte den Schuldner auf, zu halten, abzusteigen und erklärte dann die Maschine für gepfändet. Dem Sportsmann blieb nichts weiter übrig als den Weg zu Fuß weiter fortzusetzen. * Köln, 11. Sept.(Rehabilirt.) Am 15. Mai verurtheilte das Gericht einen hiesigen Metzgergesellen wegen Entziehung der Wehrpflicht in contumaciam zu 200 M. Geldbuße. Der Verurtheilte kehrte nach Deutschland zurück, er beantragte Wiederaufnahme des Verfahrens, da er nicht die Absicht gehabt, sich der Wehrpflicht zu entziehen, sondern in Amerika durch Krankheit an der rechtzeitigen Zurückkunft behindert worden sei. Diesem Antrage wurde stattgegeben. In der heutigen Verhandlung brachte der Angeklagte, der schon zum Militär ausgehoben ist, gültige Atteste über seine Krankheit in Amerika bei. Das erste Urtheil wurde aufgehoben und der Beschuldigte von Strafe und Kosten freigesprochen. * Köln, 12. September. Dem Verlagsbuchhändler Herrn Bachem hier ist die Erlaubniß zur Anlegung des ihm verliehenen Commandeurkreuzes des päpstlichen St. Gregorius Ordens ertheilt worden.(Den Orden hat Hr. Bachem redlich verdient!) Junkersdorf, 12. Sept.(Unglücksfall.) Vorgestern Nachmittag hatte ein Einwohner von hier das Unglück, sein einziges Kind, einen Knaben von 5 Jahren, auf dem Weg vom Felde nach Hause mit dem geladenen Fruchtwagen zu überfahren. Das Kind ist gleich darauf in den Armen seines Vaters an den erhaltenen Verletzungen gestorben. Koblenz, 13. Sept.(Die durch Wolkenbrüche) angerichteten Schäden lassen sich nunmehr zum Theil übersehen. Der Verlust im Kreise Kreuznach beziffert sich auf eine Million, im Kreise Ahrweile auf eine halbe Million, im Kreise Mayen auf 2 bis 300000 Mark. Die Kreise St. Goar und Adenau sind nicht minder hart betrossen. * Wiesbaden, 10. Sept.(Die Prinzessin Christian von SchleswigHolstein) ist am Samstag Nachmittag mit ihren Töchtern von Homburg hier eingetroffen. Die Prinzessin wird sich wegen ihres Augenleidens einer Kur bei Dr. Pagenstecher unterziehen. * Mainz, 12. Sept.(Die wegen Todtschlags) an dem Feldwebel Hübner verhafteten 4 Personen haben nunmehr der Staatsanwaltschaft und der Untersuchungsbehörde ein völliges Geständniß abgelegt. Frankfurt a. M.,(Die deutsche Volkspartei), das sind die Sonnemann'schen Demokraten, die politisch so ziemlich bankerott sind, hielt am Sonntag eine Generalversammlung in Frankfurt a. M. Es wurde geredet. Die nächste Generalversammlung soll in Kaiserslautern stattfinden. : Frankfurt a. M., 13. Sept.(Die 14. Jahresversammlung des deutschen Vereins für Gesundheitspflege) ist von 300 Theilnehmern besucht, darunter Geheimer Ober=Regierungsrath Hübner als Vertreter des preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten. Den Vorsitz führte der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Becker. Der hiesige Oberbürgermeister Dr. Miquel begrüßte die Versammelten im Namen der städtiechen Behörden. Hierauf erstattete Sanitätsrath Spieß von hier den Jahresbericht. Der Verein zählt jetzt 1120 Mitglieder. Oberbürgermeister Dr. Miquel referirte über Maßregeln zur Erreichung des gesunden Wohnens und stellte Thesen auf, in welchen der Erlaß eines Gesetzes gefordert wird, welches im Interesse der Herstellung gesunder Wohnungen die mindesten Anforderungen vorschreiben. das Bewohnen ungesunder Wohnungen verbieten und vor allem die Ueberfüllung der Miethswohnungen verhindern soll. Professor Baumeister aus Karlsruhe übernahm das Korreferat und machte einzelne technische Vorschläge. Die Thesen des Oberbürgermeisters Dr. Miquel wurden mit einer redaktionellen Aenderung angenommen und wurde beschlossen, dieselben zur Kenntniß der Reichsregierung zu bringen. Die Einzelvorschläge dagegen wurden einer noch zu wählenden Kommission behufs Berichterstattung im nächsten Jahre überwiesen. * Frankfurt, 13. Sept.(Auf dem neuen Centralbahnhofe) brach letzte Nacht Feuer aus und zwar in der Portierloge. Die elektrische Leitung war in brand gerathen, wodurch die aus Kautschuck und Theer bestehende Umhüllung vollständig verkohlte. Das Feuer wurde sofort gelöscht. Handel und Verkehr. *(Die Reichsbank) hat ihren Privatdiskont weiter auf 2 3/8 Prozent erhöht. *(Die Bank von England) hat den Bank Diskont auf 4% erhöht. Verhandlungen der Strafkammer zu Hagen am 12. September 1888. 1. Der Eisendreher E. Sch. aus Vörde, wiederholt wegen Schnapsdiebstahl vorbestraft, hat sich heute wegen rechtswidriger Zueignung einer Flasche Bitter=Extrakt zu verantworten. Die Sache ist vom Königl. Schöffengericht zu Schwelm nach hier verwiesen. Sch. befand sich am 2. Mai c. zu Gevelsberg in einer Wirthschaft und benutzte, als der Wirth sich für einen Moment entfernte, die günstige Gelegenheit, seine Sehnsucht nach Bittern zu befriedigen, indem er eine Flasche Extrakt eskamotirte. Die Königl. Staatsanwaltschaft beantragt wider Sch. eine Zuchthausstrafe von 1½ Jahren. Er erhält 9 Monate Zuchthaus als Zusatz zu einer noch zu verbüßenden Strafe. 2. Wegen zu Hagen 1887/88 begangenen einfachen Bankerottes steht der Lederhändler C. W. aus Cassel unter Anklage. Es wird demselben unordentliche Buchführung und Unterlassung der Eröffnungsbilanz zur Last gelegt. Wegen der weiten Entfernung ist der Angeklagte vom persönlichen Erscheinen dispensirt und findet die Verlesung seiner polizeilichen Vernehmung statt. Angeklagter wird auf Antrag der Königl. Saatsanwaltschaft zu 3 Tagen Gefängniß verurtheilt. 3. Die Ehefrau Fabrikarbeiter R. W. aus Delstern steht wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle unter Anklage. Dieselbe ist sechs Mal wegen Diebstahls und zwar zwei Mal bereits mit Zuchthaus und vier Mal wegen Betruges vorbestraft. Sie ist heute beschuldigt, im Jahre 1887 zu Altenhagen der Ehefrau W. mehrere Gegenstände, als Hemden, 1 Unterrock und Gardinen gestohlen zu haben und wird durch die Beweisaufnahme der That überführt. Die Königl, Staatsanwaltschaft hält eine Zuchthausstrafe von 1½ Jahren für angemessen und erkennt der hohe Gerichtshof diesem Antrage gemäß. 4. Wegen Urkundenfälschung steht der Stellmacher A. K. aus Breddershausen bei Meinerzhagen unter Anklage. Derselbe ist beschuldigt, im August 1887 einen Wechsel über 71 Mark d. d. 23. August 1887 ausgestellt und mit dem Namen seines Schwagers A. K. versehen zu haben. K. ist geständig und beantragt die Königl. Staatsanwaltschaft eine Gefängnißstrafe von 2 Monaten. Der Gerichtshof erkennt auf einen Monat. 5. Wegen Beleidigung des Beigeordneten F. zu Lüdenscheid haben sich der Redakteur O. B. und der Druckereigehülfe Fr. Sch. aus Lüdenscheid zu verantworten. In einem Bericht über die Stadtverordnetensitzung, den Sch. geliefert hatte, hat B. in der Lüdenscheider Reform einen Zusatz gemacht, worin der F.'sche Statuten=Entwurf mit einer scharfen Aeußerung kritisirt wurde. F. hatte in dem Entwurf als„Lokalblätter“, in denen Sparkassensachen zu inseriren seien, nur die beiden anderen Lüdenscheider Blätter nicht aber auch die Reform genannt. Dies hat den B. wahrscheinlich piquirt und zu der zusätzlichen Bemerkung veranlaßt. Die Verlesung der stilistisch mangelhaften Statuten soll allerdings in der betr. Sitzung Heiterkeit hervorgerufen haben. Die Kal. Staatsanwaltschaft beantragt eine Geldstrafe von 200 Mk. und Publikationsbefugniß gegen B. und Freisprechung des Sch., während der Vertheidiger, Herr R.=A. Dr. Lehmkühler, für Angekl. B. den§ 193 in Anspruch nimmt. Unwahres sei durch den Zusatz nicht behauptet, da der Entwurf thatsächlich mangelhaft sei; dann sei es auch noch sehr fraglich, ob ein Beigeordneter Beamter sei und müsse er Freisprechung beantragen. Der Gerichtshof erkennt auf 100 Mk. Geldstrafe und Publikationsbefugniß gegen B. und auf Freisprechung gegen Sch. 6. Der Schmiedegeselle W. J. aus Neumühle Halver steht wegen Körperverletzung unter Anklage. der Nacht vom 10. zum 11. Juni er. stieß I. Schuster B. und 2 anderen Leuten auf der Chaussee sammen, wobei es zu einer Schlägerei kam, und einer bei In mit 1113 er Kombattenten gestochen wurde. J. giebt zu, gestochen zu haben, jedoch nur aus Nothwehr. Die Königl. Staatsanwaltschaft beantragt 6 Monate Gefängniß, während der Vertheidiger Herr R.=A. Dr. Lohmann für Freisprechung plaidirt ev. aber nur auf eine Geldstrafe zu erkennen bittet. Der Gerichtshof erkennt auf Freisprechung, da dem Angeklagten der§ 53 des R.=St.=G.=B., da er die Grenzen der Nothwehr aus Furcht und Schrecken überschritten habe, zur Seite steht. 7. Wegen Diebstahls steht der Schmiedegeselle F. H. aus Lüttinghausen unter Anklage. Derselbe ist beschuldigt, im November 1887 mittelst Einbruchs aus dem Kasten seines zum Militär eingezogenen Mitarbeiters, den letzterer bei seinem Meister zurückließ, diverse Gegenstände entwendet zu haben. Er ist geständig, nur will er den Kasten nicht erbrochen, sondern mittelst Schlüssels geöffnet haben. Die Königl. Staatsanwaltschaft beantragt eine Gefängnißstrafe von 4 Monaten, das Urtheil lautet auf 3 Monate. 8. Der Klempnergeselle J. S. aus Herdecke, gegen den unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt wird, steht wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit unter Anklage. Derselbe wird zu 1½ Jahren Zuchthaus verurtheilt. 9. Der Steinhauer F. B. aus Iserlohn ist vom Königl. Schöffengericht daselbst wegen Vagabundirens und da er von einem falschen Attest Gebrauch gemacht hat, mit 14 Tagen Haft und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde verurtheilt. Die gegen das Erkenntnis eingelegte Berufung hatte insoweit Erfolg, als die Ueberweisung an die Landespolizeibehörde aufgehoben wurde. Markt= und Cours=Berichte. 8 Hagen, 13. Sept.(Getreide=Börse.) Tendenz: fest. Es notiren:(Weizen, westf. 20.00— 20.50 Mk., fremder 21.50—22.00 Mk., Roggen, westf. 17.40—18.00 Mk., russischer 17.50—18.20 Mk., Hafer 15.20—16.80 Mk., Weizenvorschuß 28.00—30.00 Mk., Roggenvorschuß 24.50—26 00 Mark. Alles per 100 kg. frachtfrei hier. Der Besuch und Handel waren heute recht lebhaft. Neust, 13. Sept. Weizen alter a 100 Kilo 20,50, neuer 1. Qual. 19,50, 2. Qual. 18,00, Landroggen alter a 100 Kilo 1. Qual. 16,50, neuer 1. Qual 15,20, 2. Qual. 13,70, Gerste a 100 Kill Wintergerste—.—. Sommergerste —.—, Buchweizen à 104 Kilo—.—, Hafer a 100 Kilo 14,30, Aveel(Rübsen a 100 Kilo 24,30, Raps a 100 Kilo 25.80, Kartoffelo a 100 Kilo 6,00, Heu a 500 Kilo 50,—, Stroh a 500 Kilo 30.—. Rüböl per 100 Kilo fapw. 63,00, Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 Mark höher als Rüböl. Preßkucher per 1000 Kilo 130,—, Weizen=Vorschuß 00 2 100 Kilo—.—. a 50 Kilo Kleien 4,80 Mark. * Berlin, 13. Sept. 2½ Uhr Nachm.(Fruchtbörse.) Weizen Sept.=Okt. 184,75, Okt.=Novbr 185,00, Nov.=Dez. 186,00 M. Gek. 15000 Ctr. Roggen Sept.=Okt. 159,25, Okt.=Nov. s160.00, Nov.=Dez. 161,75 M. Gek. 48000Ctr. Hafer Septbr.=Oktbr. 136,00, Oktober=November 133.25, Mark Gef. 00000 Ctr. Rüböl vorräthig mit Faß 58.50, ohne Faß 57.50, Septbr.=Oktbr. 57,10, April=Mai 56,20 Mark. Gek. 000 Ctr Spiritus 70er 34.50, Septbr. Oktober 84,20 Oktober=November 34,70 Novembr.=Dezbr. 35,20, April=Mai 37,10 Mk., 50er vorr. 54 50, Sept.= Okt. 68,70, Okt.=Nov. 54.20, Novbr.=Dezbr. 54,80 AprilMai 56,80 M. Gek. 70er 110000 L., 50er 50000 L. Petroleum vorr. 24,90 M. Gek. 000 Ctr. Hamburg, 13. Septbr. Kaffee. Sept. 86, Dec. 61 ¼, März 59½. Mai 59½. Bremen, 13. Sept. Petroleum, vorräthig 8,10 Br. Schmalz, Wilcox vorr.—. Autwerpen, 13. Sept. Landeserzeugnisse. Petroleum, vorr. 20 1/, Sept. 20½, Okt. 20, Nov.=Dez. 20 fr. Glasgow, 13. Sept. Roheisen. Warrants 42 f. 6 d. 75 uise ermmge Kirchliche Nachrichten. Witten. Sonntag Morgen ½9 Uhr: Kreisvikar Ronte, ½11 Uhr: Past. Kellermann, Kollekte für den Provinzial=Herbergs=Verband; im Krankenhause 10 Uhr: Sup. König, Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst. Mittwoch Abend 8 Uhr: Bibelstunde in der Kirche, Pastor Asternonn. 4 Annen. Sonntag Morgen 10 Uhr: Past. Boos; Nachmittags 2 Uhr: Kinder=Gottesdienst. Mittwoch Abend ½9 Uhr: Bibelstunde in der alten Schule. Langendreer. Sonntag Morgen ½9 Uhr: Past. Prietsch: 10 Uhr: Past. Landarebe, Kollekte für den Provinzial=HerbergsVerband; Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst.: Mittwoch Abend ½9 Uhr: Bibelstunde. Freitag Nachmittag 3 Uhr: Vorbereitung für die Helferinnen bei Past. Landgrebe. Lütgendortmund. Sonntag Morgen 9½ Uhr: Past. Weskott. Altkatholische Gemeinde, Witten. Am Sonntag, den 16. Septbr., 12½ Uhr Mittags: Gottesdienst. Bekanntmachung. Die Lieferung der Schwarz= brode a 5 Ko. schwer für die hiesigen Armen soll für die Monate Oktober, November u. Dezember d. J. vergeben werden. Bezügliche Offert, mit der Aufschrift:„Offerte auf Brodlieferung“ sind bis zum 24. d. Mts. einzureichen. Witten, den 8. Sept. 1888. Die Armen=Deputation. H. Bormann. Tafelbutter fesckein, 1o. Tafelhutt, frisch verz.10 Paqueten 10 Pfd. brutto zu 8½2 und 9½ Mk. frco. u. Nachn. J. Hammerschmidt, Attendorn i/W. Baar Geld! Aufruf an Alle Sammelt alle Briefmarken, namentlich alte Ausgaben, auch Postcouveris mit eingeprägter Marke. Ich kaufe alle Sorten, ausgenommen ganz gewöhnliche, und zahle hohe Preise. Auch ganze Sammlungen nach Uebereinkunft. Carl Menze, Hamburg B. Allen Anfragen muß Rückporto beiliegen. 0 TIA Verunntmachung, die Beschädigung der Telegraphen=Anlagen betreffend. Die Reichs=Telegraphenlinien sind häufig vorsätzlichen oder fahrlässigen Beschädigungen, namentlich durch Zertrümmerung der Isolatoren mittelst Steinwürfen 2c. ausgesetzt. Da durch diesen Unfug die Benutzung der Telegraphen=Anstalten verhindert oder gestört wird, so wird hierdurch auf die durch das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich festgesetzten Strafen wegen dergleichen Beschädigungen aufmerksam gemacht. Gleichzeitig wird bemerkt, daß demjenigen, welcher die Thäter vorsätzlicher oder fahrlässiger Beschädigungen der Telegraphenanlagen derart ermittelt und zur Anzeige bringt, daß dieselben zum Ersatze und zur Strafe gezogen werden können, Belohnungen bis zur Höhe von fünfzehn Mark in jedem einzelnen Falle aus den Fonds der Reichs=Post= und TelegraphenVerwaltung werden gezahlt werden. Diese Belohnungen werden auch dann bewilligt werden, wenn die Schuldigen wegen jugendlichen Alters oder wegen sonstiger persönlicher Gründe gesetzlich nicht haben bestraft oder zum Ersatze herangezogen werden können; desgleichen wenn die Beschädigung noch nicht wirklich ausgeführt, sondern durch rechtzeitiges Einschreiten der zu belohnenden Personen verhindert worden ist, der gegen die Telegraphenanlage verübte Unfug aber soweit feststeht, daß die Bestrafung des Schuldigen erfolgen kann. Apotheken Herbede-blankenstein Vorzügl. preiswerthe Krankenweine. Für die Saison: ff. Weinessig u. Gewürze zum Einmachen. A F 7• 10 3 Peru-Guano. * Wir empfehlen dem landwirthschaftlichen Publikum dringend, M 7R742 bei jedem kaufe von Peru-Guano Anauf die Schweine- Versicherung Crone. Sonntag, den 16. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr Außerordentliche General ver sammlung behufs Festsetzung der Gewichtstaxe für crevirte Thiere. Der Vorstand. Schlosser=, Dreher= und Schmiedegesellen=Verein für Witten u. Umgegend. er. He besahcicr uler 1 führung und vorzüglichsten Qualitäten versendet das erste und größte Bettfedern-Lager Die Bestimmungen in dem Strafgesetzbuche für das Deutsche 317. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende]„Füllhorn-Marke“ Telegraphenanstalt vorsätlich Handlungen begeht, wesche die,„hten zu wollen, da nur diese allein Garantie für Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, woito mit“.„atem Peru-Gmamo bietet. § 618. Wer gegen eine zu ösentlicher Zwecken dienendes Anglo=Continestals(vorm. Ohlendof’sche) Guano-Werke, welche die! Agentur Emmerich. § 318. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken di. Telegraphenanstalt fahrtässiger Handlungen begeht, Die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wiro mit Gefängniß bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neuuhundert Mark bestraft 2c. Arnsberg, den 1. September 1888. Der Kaiserliche Ober=Postdirector: Wächter. Angentu: Ainlmerien. Alleinige Importeure des Pernanischen Guano Für Mütter! Coers Für Mütter Kinder=Zwieback, Kinder=Mehl, Vollständiger Ersatz der Beustalrigtr Ersan, der Muttermilch. In Witten zu haben bei: W. H. Köster, Fr. Fricke& Cie. und Jos. Wigge Kautschukstempel slP-Pae Pridager talenre liefert billigst und geschmackvoll# des Märk. Witten, Ecke Bahnhof= und Breddestraße. ampfehle Antheisge; 1.55 Mr. 1, 271, N.,. 1876 M.). 7 M., ½ 5,50 M., 1/16 3,50 M., 1/20 2,70 M., 1/39 2 ¼0 1,75 M., ⅛ 1,10 M. Amtl. Listen für alle 4 Classen 1 M. Porto pro Chasse 10 Pfg,(Einschreiben 30 Pfg.) Bei Vorausbezahlung für alle 4 Classen Anth.: 220 M., ½ 110 M., ¼ 55 M., 18 27½ M., 1/10 22 M., 16 14 M., 1/0 11 M., 1/8, 7 M., 1/40 6,50 M., ⅛ 4 M. St. Arnual=Loose à 1 M., 11 Loose 10 M., Porto und Liste 30 Pfennig. Neue 2=Markstücke mit Kaiser Friedrich III. à 350 M. do. 5=Markstücke à 9.00 M., do. Doppelkronen à 21½2 M., do. Kronen à 11 M., sowie Kaiser Wilhelm I. 1888r. Doppelkronen à 21½ M., do. Kronen à 11 M. An- u. Verkauf v. Weribpapieren zu den Coursen d. 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Nebentreffer Fr. 60,000, 25,000, 20,000 etc. Jedes Loos wird planmäßig mit mindestens Fr. 400 gezogen; also keine Nieten.„Da die Gewinne in Frankfurt a. M. mit 58% ausbezahlt„werden, erhält man für den höchsten Preis M. 278,400.—, für den niedrigsten Preis Mk. 185.— ohne weiteren Abzug in Gold. broten Pre), Nächste Ziehung am 1. Lttooer mit dem Haupttreffer von 300.000 Franken. Mit deutschem Reichsstempel versehene Loose offerire ich zu Mk. 45 das Stück gegen Baar oder Nachnahme. Um die Theirihme zu erleichtern, verkaufe ich dieselben auch gegen 9 Monatsraten à Mk. 6.—, mit sofortigem Anspruch auf jeden Treffer nach Jahn Zahlung der ersten Monatsrate. Liste nach der Ziebung. setzt schmerzlos ein. Zähn: Hombergers Börsen=Comptoir Franfurt a. M. beseitig![Unentgeitlich eciheke Anch erichlich echüiste Boischeihen“ Zweimal täglich erscheinende Zeitung. = 4 Mark 75 Pf.= S für das IV. Quartal 1888 lostet die zweimal täglich erscheinende Rheinisch-Westfälische Zeitung. Wahlaufruf Hauptorgan des Niederrheins und Westfalens Nr. 4898 der offiziellen Zeitungs=Preisliste. zum Streiche immtliche übriges. farben, Pinsel 2c. F. W. Albert u. Leye, Ruhrstraße 26, Witten. H. Heuer Witten. an die Erpedtion in Essen oder Dortmund die bis Ende Sept, erscheinenden Nummern gratis zugeschickt. für die nächste Nummer werden bis morgens früh 9½ Uhr angenommen. Später eingehende können im Interesse der tigen Ausgabe der Zeitung nicht mehr Aufnahme finden. Grössere Anzeigen bitten wir Tage vorher aufzugeben. Die Expedition. des Märk. Tageblattes. Die Centralleitung sendet heute solgenden Die Wahlen zum Mehr als je werden Jahre von entscheidend wickelung Preußens Reiches sein. Ernste schwere Zeit volle preußische Kön Deutschen Reiches ur vornehmsten Mitstreite Einheit und Selbststän ins Grab sinken. Köni seiner Väter. Diese gewaltigen 6 baren Verbindung vo den festen und gesu wesens ohne Erschütte Eine starke, Freil Wohlfahrt aller Klasse Königsgewalt; eine f Gegenwart gerecht we pflichtgetreuen, ihrer schaft getragene Verw. im Finanzwesen; lel nahme des Volkes ar waltung des Staate habung des Rechts di und Förderung der! allgemeinen Volksbild der staatsbürgerlichen nach Verfassung und Fundamente de die Ueberlieferungen, halten und nöthigen Dem Preußischen Reiches eine leitende tem Preußigen Staa Preußen muß, a Macht und seine A stellen und der erste Die Stärkung des R für das Gedeihen Pr Die national! ersten Tagen ihrer stern ihres politischen wegt die Reichspo besten Kräften unter dieser deutschen Polit reiche Entwickelungd Deutschlands vor Al Gesetzgebung und sollen im Einklang und die von derselber innerhalb der Einzel Insbesondere mu strebte Verbesserung sen die Thätigkeit d in gleiche Richtung l derselben reichen. Die durch die Au der untersten Stufe tigung des Volksschu bedeutsamen Maßre direkten Steue lung nach Maßgabe terung der minder b zu ergänzen. Insbeso in dieser Richtung Durch solche Ref weisungen aus den Verbindung mit den Staate die Mittel g unerläßliche A Als solche Aufga die Entlastung d schwankenden Zuwei feste gesetzlich vormit weisung eines Theil die erweiterte Uel Staatz die gesetzliche Re Letzteren: die Befreiung d Wittwen= und Wais die Herabsetzung und Verpachtungen die gesteigerte Landesmelioration, Durchführung von Hochfluthen bedrohte die erhöhte For und der landwirthsa die fortschreitend die Schiffbarmac Herstellung neuer A derselben für die La Verlag von B. Koetzold& Co. in Witten. Druck von H. Risel& Co., in Gegen, ee Redigirt unter Verantwornichkeit von B. Koet old in Witten. Nach dem vorlät die Verwaltungs=Ju Verwaltung bleibt waltung vor All Verwaltung der Lai Die lebendige, ge an der Verwalt sich in den größere der Staatsgewalt n Sie bleibt aber verwaltung der der Staats=Ordnun entsprechend geregelt Die Verschiedenk hältnisse wird nich gleiche Ordnung de lassen, wohl aber k Verwaltung der G die Vertheilung der tretung, nach übe werden.