Fersprech=Nr. 46 für Witt. Witten, Janstag, den 25. febrnar. Femspretz=Nr. 18 für Hagen. 1893. nar er., ihr. nlung, ung: ungswahl rfand. br. cr., es Hotels hr. 50 Pf., dlichst ein kheker. auslend inn, apier & Co. 1cz 122 Pf. en, chen gesucht. Trged. chen können, Honig Rt. 775. Mt. 5.25. chlachtet, gerupft. Poularden, er 1 Bratfette Enten utter, 4½ Co. hue setz Zähne st, Zahnrt beseitigt Vitten. Putzen uuf halbe properes, junges die feine teht, als hohen Exped. verfeld, aterbaus. Witten. aCo. frilchtet! Witten. ! Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und verbunden mit dem Feiertags Insertionen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. General-Anzeiger für Witten und Amgegend. Abonnententspreis(inel. der Gratisbeilage Mürkisches Heiufst. 1.00 Mort vierteisthrich. monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2.20 Mr. — *; Reicht die deutsche Getreideproduction für den Inlandsbedarf aus? Sehr wichtig für die Handelspolitik eines Staates ist die Frage, ob er eines Zuschusses fremden Getreides zur Ernäbrung seiner Bevölkerung bedarf oder ob er selbst genug Getreide hierzu baut. Reicht die eigene Production nicht aus und sind noch regelmäßig mehr oder weniger große Zufuhren vom Auslande erforderlich, so müßte natürlich die Absperrung dieser Zufuhren zu den empfindlichsten Störungen des ganzen wirthschaftlichen Lebens führen; die Nachfrage nach Brotfrucht wäre viel größer, als das Angebot, d. h. die Nahrungsmittel würden außerordentlich theuer sein und nur die zahlungskräftigeren Konsumenten wären in der Lage, sich mit Brot zu ernähren. Die ganze gewerbliche Production würde auf's äußerste vertheuert und an eine Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte wäre nicht mehr zu denken. Was von dem äußersten Extrem gilt, das gilt auch in abgeschwächtem Grade von einem sehr hohen Zollschutz, der namentlich bei ungünstigen Inlandsernten die Lebensmittel noch außerordentlich vertheuert und zu Nothständen führen kann, wie wir sie im Theuerungssommer 1891 erlebt haben. Deutschland war bis vor 30 und 40 Jahren noch ein getreideausführendes Land; es erzeugte mehr, als es bedurfte. Trotzdem hatte die Landwirthschaft gute und auskömmliche Preise; denn die Verkehrsmittel waren noch nicht so entwickelt, wie jetzt, und große Produktionsgebiete, wie in den Vereinigten Staaten Nordamerikas noch nicht für den Weltmarkt erschlossen. Jetzt brauchen wir in Deutschland mehr Getreide, als wir trotz der Ausdehnung unserer Anbauflächen bauen; die Bevölkerung ist viel rascher gewachsen, als die heimische Gelreideproduktion. Trotzdem sind die Getreidepreise im Allgemeinen gesunken, eben wegen der außerordentlichen Erweiterung des ausländischen Anbaus auf jungfräulichem Boden, und daraus ergeben sich die Schwierigkeiten, einen Zollschutz so festzustellen, daß er einerseits den Landwirthen ein Auskommen sichert, sie nicht durch den Andrang des ausländischen Angebots erdrückt werden läßt, und daß er andererseits die Ernährung der übrigen Bevölkerung und damit auch unsere Waarenproduknon nicht übermäßig im Vergleich zu den konkurrirenden Ländern vertheuert. In dem ganzen Jahrzehnt 1881/90 ist die Getreidemehreinfuhr, d. h. der Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr, dauernd gewachsen. An Gerste, Hafer, Mais, Roggen und Weizen zusammen betrug die Mehreinfuhr: 1880 1238 980 Tonnen, 1886 1 358 797 Tonnen, 1890 2 730 231 Tonnen, 1891 2 991 973 Tonnen. Gleichzeitig aber ist auch zu berücksichtigen, daß wir für mehr als 3 Milliarben Mark Waaren vom Auslande beziehen, darunter sehr viele, die wir überhaupt nicht hervorbringen, wie Kaffee, Thee und alle Kolonialwaren, Petroleum, Baumwolle und manche andere Rohstoffe. Die können wir nur mit Arbeit bezahlen, Arbeit in den Transportgeschäften, Arbeit für Industriewaaren, die wir über unseren Bedarf hervorbringen und ans Ausland abgeben, abgeben natürlich nur so lange, als wir sie billiger herstellen als andere Länder und als uns die Ausfuhr nicht durch die fremde Zollpolitik verschlossen ist. Wir denken, es geht daraus deutlich hervor, daß eine einseitige und ausschließende Wahrnehmung der landwirthschaftlichen Interessen in unserer Handelspolitik unsere gesammte nationale Wirthschaft schwer schädigen müßte. Unsere Getreideproduktion ist gewiß einer weiteren Steigerung fähig, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sie wieder einmal den heimischen Bedarf deckt. Einstweilen aber haben wir noch erhebliche Zuschüsse vom Auslande nöthig, und die landwirthschaftlichen Interessen und die Interessen der Volksernährung müssen daher, zumal da wir eben auch ein industrielles Land sind, sorgsam gegen einander abgewogen werden. uud den Leochagen Staten von Losdamenia die diesseits anderen Staaten eingeräumten ermäßigten Zollsätze auch den Vereinigten Staaten zugestanden sind, daß desgleichen die Aufhebung des s. Z. gegen die Einfuhr amerikanischen Schweinefleisches erlassenen Verbotes erfolgte, nachdem amerikanischerseits die von Deutschland als erforderlich bezeichneten sanitäts= und veterinärpolizeilichen Bürgschaften bei Herstellung und Versendung vorerwähnten Artikels gegeben waren. Umgekehrt ließ die Vereinigte Staaten=Regierung in Berlin erklären, daß für sie kein Grund vorhanden sei, Deutschland gegenüber die Bestimmungen der Mac Kinley Bill für den Import deutschen Zuckers in Anwendung zu bringen. Von Handelsvertragsverhandlungen kann demnach keine Rede sein, ebensowenig von Erhebungen, die dieserhalb beranstaltet worden seien. Solche Erhehungen sind nur über die Wirkungen der Mac Kinley Tarifbill auf den deutschen Ausfuhrhandel nach den Vereinigten Staaten vorgenommen. * Die preußische Berg=Verwaltung ist beauftragt, das Vorkommen von Gold auf der ganzen Erde, seine Prodaktionsverhältnisse und Produktionsbedingungen zu studiren und genau zu ermitteln, um so bestimmte und sichere Unterlagen für die Beurtheilung der wichtigen Frage zu gewinnen: ob und inwieweit angenommen werden, darf, daß der Vorrat und die Produktion von Gold den Bedarf für industrielle und Münzzwecke deckt oder ob und in welchem Umfange es für den letzteren Zweck der Heranziehung von Silber bedarf. * Die im Interesse der Erhaltung des Fisch= reichthums der Nordsee von den angrenzenden Uferstaaten bis jetzt ergriffenen Maßnahmen haben den darauf gesetzten Erwartungen nicht oder doch nur in ganz unzulänglicher Weise entsprochen. Wenigstens stimmen die Berichte der Sachverständigen darin überein, daß die Entvölkecung der Nordseefischereigründe rasche Fortschritte macht. Die ungeheuren Schleppnetze, mit denen unausgesetzt die See bis auf den Grund ausgefischt wird, richten. wie erst dieser Tage in der belgischen Kammer festgestellt wurde, fabelhafte Verheerungen nicht nur unter den ausgewachsenen Fischen an, sondern, und das ist der eigentlich zu beklagende Uebelstand, auch unter der Fischbrut und den unreifen Fischbeständen. Zwar schreiben die internationalen Fischereireglements vor, alle Fische, welche das vereinbarte Größenmaß noch nicht haben, dem Meer wieder zurückzugeben, allein diese Bestimmung ist praktisch so gut, wie werthlos, weil der dem Wasser entrommene Fisch meist schon todt oder doch dem Tode nahe ist. Das einzige Radikalmittel wäre das Verbot des Gebrauches engmaschiger Netze, dem aber steht das Verhalten der englischen Fischer hindernd im Wege, welche letztere geflissentlich darauf auszugehen scheinen, durch ihre Praktiken die wohlgemeinten Bestrebungen der übrigen Nordseeuferstaaten behufs rationeller Pflege und Schonung der Ergiebigkeit des Fischfangs illusorisch zu machen. hütung von Gewaltmaßregeln verdankt, die zu Zusammenstößen von unabsehbarer Tragweite führen könnten. Irgend ein unvorhergesehener„Zwischenfall“ kann freilich über kurz oder lang doch einmal die glimmenden Funken zum hellen Brande anfachen. Deutschland ist an diesem politischen Machtkampf nur mittelbar beteiligt durch die wirthschaftlichen und kommerziellen Interessen, die es in Marokko wahrzunehmen hat, und deren Bedeutung in den jüngsten Jahren immer mehr gewachsen ist. Der Handelsverkehr zwischen beiden Ländern hat durch Einrichtung regelmäßiger Dampferverbindungen und durch den Abschluß eines Handelsvertrags (1891) kräftigen Anstoß erhalten. Es ist uns damit nicht nur ein schätzbares Absatzgebiet, sondern zugleich ein Produktionsland eröffnet, dessen Erzeugnisse auch für Deutschland von großem Werth sind. Ob es wirklich gelingen wird, auf dem friedlichen Wege der Reform Marokko der europäischen Kultur zu gewinnen uwd die Marokkofrage aus der Welt zu schaffen, scheint uns sehr zweifelhaft. Sollte die Frage doch noch eine verschärfte Gestalt annehmen und zu dem letzten Auskunftsmittel, der Auftheilung jenes Gebietes, führen, so wird Deutschland zwar keinen Antheil an der Beute verlangen, aber sicher nicht säumen, seine Interessen energisch wahrzunihmen und seinem Handel vollste Freiheit zu verbürgen. Es wird dabei nicht unterlassen dürfen, für seine aufstrebende Seemacht durch Besitznahme irgend eines günstig gelegenen Punktes als Anlege= oder Kohlenstation die freie Bewegung in jenen Gewässern sicher zu stellen. Rundschau. — Gegenüber den Gerüchten, wonach Handelsvertrags=Verhandlungen zwischen Deutschland und Nordamerika im Zuge seien, darf darauf hingewiesen werden, daß der unterm 1. Mai 1828 zwischen Preußen und den Vereinigten Staaten geschlossene Handelsvertrag in vollem Umfange mit voller Wirkung auf das deutsche Reich übertragen, auch die volle Rechtsbeständigkeit dieser Abmachungen vom Jahre 1828 vor ganz kurzer Dauer von beiden vertragschließenden Theilen ausdrücklich anerkannt worden ist. Insbesondere dürfte daran zu erinnern sein, daß auf Grund des mehrbesagten Vertrages im Wege des Notenaustausches zwischen dem deutschen Reich * Die Wirren in Marokko und die Streitigkeiten um die Vorherrschaft in diesem vielgenannten und doch so wenig bekannten Reiche am Nordwestrande Afrikas haben in letztei Zeit einen immer ernsteren und bedrohlicheren Charakter angenommen. Es vergeht jetzt fast kein Jahr, ohne daß die Marokko=Frage auf der Bildfläche erscheint. Eine Fülle sehr verschiedenartiger und entgegengesetzter Interessen spielt in diese Frage hinein. Es handelt sich zunächst um die wirthschaftliche Ausbeutung des an Naturschätzen überaus reichen, in seiner Kultur aber arg darniederliegenden und verkommenen Landes, um die Erschließung des marokkanischen Marktes, auf dem die verschiedenen Handelsmächte in regen Wettbewerb getreten sind. Dazu kommen aber noch weitergehende politische Machtintessen, die an die geographische Lage des Landes an zwei Meeren, an einer der wichtigsten Verkehrsstraßen in unmittelbarer Nähe Spaniens anknüpfen. In erster Reihe ist dabei England betheiligt, infolge der Schlüsselstellung, die es auf Gibraltar, gegenüber der marokkanischen Küste, inne hat, und durch die es sich die freie Durchfahrt durch's Mittelmeer nach Suez und Indien sichert. Seine Ansprüche auf das Protektorat oder auf den vorwiegenden Einfluß in Marokko werden nicht nur von Spanien, als dem nächsten Nachbar des Scherifenreiches, sondern auch von Frankreich bekämpft, das sich gleichfalls dort festsetzen und, gestützt auf die sich anschließenden Stellungen in Algier und Tunis, sich weiter auf dem Mittelmeer ausbreiten möchte — was wiederum Italien nicht ruhig mit ansehen mag. So ist Marokko zum Zankapfel unter den interessierten Staaten geworden, deren Eifersucht es vorläufig noch seinen Fortbestand und die VerPreußischer Landtag. 50. Sitzung vom 23 Februar. Nachdem der Handelsvertrag mit Egypten in dritter Beraihung definitiv ohne Debatte angenommen, wurde die Etatsberathung des Reichsamts des Innern beim Kepitel: Reichs=Gesundheitsamt fortgesetzt. Dazu liegt die Resolution der Abgg. Dr. Baumbach und Dr. von Bar vor, welche bezweckt, daß auch Frauen die Approbation als Arzt ertheilt werden muß. Zur Geschäftsordnung bemerkt zunächst Abg. Büsing, daß die Petitionskommission verschiedentliche, diesen Gegenstand betriffende Petitionen der Regierung zur Erwägung zu überweisen beschlossen habe; der B. richt werde dem Hause nächstens zugehen. Abg. Dr. Baumbach führte darauf aus, daß den in der Resolution ausgesprochenen Wünschen sich verschiedene Landtage im Deutschen Reiche günstig gegenübergestellt haben. Der Antrag bewege sich durchaus in der Kompetenz des Reichs. Die materiellen Bedenken gegen den Antrag sucht der Antragsteller eingehend zu widerlegen. Es sei eingewendet worden, daß das Heraustreten der Frau in die Oeffentlichkeit unweiblich sei. Die Erwerbsthätigkeit müsse aber mit Rücksicht auf die große Zahl unbemittelter unverbeiratheter Frauen erweitert werden. Die besondere Qualifikation der Frauen für das ärztliche Studium ergebe sich am besten aus der anerkennenswerthen Thätigkeit der Diakonissinnen und Krankenpflegerinnen. Staatssekeetär von Bötticher erklärt, man könne anerkennen, daß es nicht nur im Interesse der Frauen, sondern auch im öffentlichen Interesse liegen möge, den Frauen ein weiteres Feld für ihre Thätigkeit zu schaffen. aber das Reich habe damit nichts zu thnn. Schon jetzt hindere unserere Reichsgesetzgebung nicht, daß Frauen den ärztlichen Beruf ausüben. An der Tebatte betheiligen sich noch die Abg. Dr. Hartmann, welcher sich gegen den Antrag aussoricht, Dr. von Bar, der dringend für die Erweiterunn der freien Berufstbätigkeit der Frauen im deotschen Reiche eintritt, Dr. Endemann, der die Befürchtung ausspricht, daß durch die Eröffnung des äcztlichen Berufs für Frauen die Mehrzahl derselben ins Elend stürzen Staatssekretär v. Bötticher erklärt eine Aenderung der Prüfungkbedingungen durch günstigere Gestaltung derselben für die Frauen als eine Ungerechtigkeit gegen die Männer. Abg. Bebel(Soz.) ist erfreut darüber, daß heute noch kein Redner sich als prinzivieller Gegner des ärztlichen Berufs der Frauen erklärt habe. Die Mädchen und Frauen, die sich dem Studium widmeten, besäßen eine weit über das Durchschnittsmaß hinausgehende Energie und Intelligenz; überoll in der Welt seien die Frauen zum Studium aller gelehrten Beruse zugelassen, so in Amerika, der Schweiz und auch Rußland. Die Zulassung der Frauen als Aerzte sei wünschenswerth: die Durchführung sei auch nicht schwierig, da bis 1881 in Deutschland die in der Schweiz vorgebildeten Aerzte zur Approbation zugelassen worden seien. Abg. Rickert beantragt mit Rücksicht darauf, daß die Petitionen in der Angelegenheit demnächst den Reichstag beschäftigen würden, die Absetzung der Resolution von der Tagesordnung, welchem Antrage gemäß beschlossen wird. Darauf werden die Kapitel„Gesundheitsamt" und „Patentamt“ bewilligt. Bei dem Kupitel„Reichsversicherungsamt“ bittet Abg. Rösicke(fraktionsl.) um Zugänglichmachung der Berichte der einzelnen Landesversicherungen und erwähnt dann einzelne in der Praxis und der Ausführung der Gesetze vorgekommene Unregelmäßigkeiten. Abg. Wurm klagt über die Zunahme der Unfälle in den gewerblichen Betrieben. Auf Anregung des Abg. Vollrath erklärt Staatssecretär v Bötticher, daß bisher Anträge auf Befreiung von der Abgeordnetenhaus. 37. Sitzung vom 23. Februar 1893. Am Ministertische: Dr. Bosse und zahlreiche KomDie zweite Berathung des Staatshaushaltsetats für 1893/94 wird fortgesetzt und zwar im Etat des Kultusministeriums beim Kapitel: Elementarunterrichtswesen. Abg. Lubrecht(ntl.) bedauert die ablehnende Haltung der Mehrheit des Hauses gegenüber dem Gesetzentwurf betr. die„Aufbesserung des Einkommens der Volksschullehrer, es muß dafür gesorgt werden, daß den Lehrern die Nahrungssorgen abg mommen werden. Abg. Rickert hofft, daß aus der Vorlage über die Verbesserung der Schullehrergehälter noch etwas werde. Die Schuleinrichtungen seien vielfach so unzureichend, daß eine Aenderung eintreten müsse. Aba. Porsch(Centr.) hält eine Aufbesserung der unzureichenden Gehälter der Volksschullehrer für nothDie Ausgaben für die Seminare und Präparandenanstalten werden genehmigt, ebenso für die TurnlehrerBildungsanstalt.. gI, Fägeren Wähchkenschute Bei den Ausgaben für die höheren Maochenschulen Abg. Seyffardt=Magdeburg und Friedberg(ntl.) eine bessere Gestaltung der Gehaltsverhältnisse der Lehrer. Behufs allgemeiner Erleichterung der Volksschullasten sind 27300000 M.(500000 M. mehr als im vorigen Etat) eingestellt. 6 M.. Abg. Dauzenberg(C.) hält es fur nothwendig, den Eltern einen solchen Einfluß auf die Schulen zu gewähren, daß ihre Kinder in der Religion richtig erzogen werden. Abg. v. Czarliuski geht auf die Sprachenfrage ein und bedauert, daß die Versprechungen nicht gehalten worden sind, die man den Polen gemacht habe. Abg. Brandenburg(Centr.) tadelt es, daß im Regierungsbezirk Osnabruck ein Lehrbuch, welches seit den vierziger Jahren mit bischöflicher Approbation im Schulgebrauch war, plötzlich verboten ist.„ Geheimrath Brandis bemerkt, es have sich verausgestellt, daß die Darstellung der Reformationsgeschichte eine derartige war, daß sie in den Schulen eines so gemischt konfessionellen Bezirks wie Osnabrück nicht gebraucht werden burfte. Darauf wird die weitere Berathung bis Abends 8 Uhr vertagt. In der Abendsitzung wurden ohne erhebliche Debatte alle Forderungen des Unterrichtswesens bewilligt und dann die Weiterberathung vertagt. Versicherungspflicht seitens der Beamten der Berufsgenossenschaften beim Bundesr th nicht gestellt seien. Die Weiterberathung wird darauf auf Freitag vertagt. Vorher erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Postdampfer=Verbindungen. * Berlin, 23. Febr. Heute Vormittag arbeitete der Kaiser zunächst allein. Kurz vor 11 Uhr begaben sich die kaiserlichen Majestäten nach dem Stettiner Bahnhofe, von wo aus die Abreise nach Neustrelitz erfolgte. Auf dem festlich geschmückten Bahnhofe daselbst wurden der Kaiser und die Kaiserin vom großherzoglichen Paare herzlich empfangen und sodann nach dem Schlosse geleitet. Nachmittags 4 Uhr erfolgte die Rückreise. — Zu Ehren des Reichskanzlers Grafen Caprivi findet am Sonnabend beim russischen Botschafter in Berlin, Grafen Schuwalow, ein größeres Diner statt, zu welchem zahlreiche Einladungen ergangen sind. Im nächsten Monat wird der Kaiser bei dem Botschafter veiten.„„Nm Fenps an b. 0 Berlin, 23 Febr. Zum Empfang der Deputation der Landwirthe durch den Kaiser erfährt die„Kreuzztg.“ noch Folgendes: Nach der offiziellen Ansprache begann der Kaiser, in sehr eingehender und wohlwollender Weise mit den einzelnen Mitgliedern über einige die Landwirthschaft in erster Linie berührende Fragen eine Unterhaliung, aus der sein lebhaftes Interesse für das Gedeihen der östlichen Provinzen der Monarchie hervortrat. So wurde u. A. die Arbeiterfrage besprochen, bezw. die Abströmung der Arbeiter in die industriellen Theile des Westens und seitens eines der Herren Se. Majestät darauf aufmerksam gemacht, daß sich die Zahl der Arbeiter in den Kohlendistrikten um etwa 100 Proz. in den letzten 10 Jahren vermehrt hätte, die wesentlich aus den östlichen Provinzen fortgezogen wären. Das charakterisire die Lage der Arbeitgeber im Osten mit am besten.— Auf eine Rückkehr derjenigen Arbeiter, meinte der Kaiser, die einmal in der Industrie beschäftigt gewesen seien dürfte kaum zu rechnen sein, worauf ihm entgegnet wurde, das sei gewiß nicht ausgeschlossen, wenn auch vielleicht erst auf dem Umwege der Ansiedlung in den alten Provinzen des Staates.— Die „Nat.=Ztg.“ schreibt zu dem Thema:„Bei der Audienz waren der Ministerpräsident und der Landwirthschaftsminister anwesend; es sollte hierdurch ohne Zweifel verhütet werben, daß der wohlwollenden und beruhigenden Antwort, welche der Kaiser der Deputation ert heilte, etwa die Bedeutung einer Preisgebung der von der Regierung in den jüngsten parlamentarischen Verhandlungen vertretenen Politik beigelegt würde. Ist eine solche Auslegung somit ausgeschlossen und die etwaige Absicht der Urdeber der Deputation, über die Köpfe der verantwortlichen Minister hinweg eine von der Auffassung der Letzteren abweichende kaiserliche Kundgebung herbeizuführen, abgelehnt, so darf die Landwirthschaft andererseits aus der Erwiderung des Kaisers die Zuversicht entnehmen, deß die möglichste Förderung eines Gewerbes von der fundamentalen Bedeutung des landwirthschaftlichen nach wie vor zu den wichtigsten Aufgaben der Staatsgewalt gezählt, daß von dieser nicht daran gedacht wird, gegenüber Schwierigkeiten, die kein ernster Beobachter verkennen kann, die Landwirt schaft sich selbst zu überlassen. Es kommt nur darauf an, zwischen ihren besonderen Interessen und denen anderer Volksklassen den im Staate unerläßlichen Ausgleich zu finden. Angesichts dieser Notwendigkeit wird den Landwirthen der schlechteste Dienst geleistet durch Agitationen, welche sie in einen erbitterten Gegensatz zu diesen anderen ebenfalls berechtigten Interessen bringen.„. z S.## — Während die Bertiner Organe der Reichsregierung dem neuen Bunde der Landwirthe gegenüber eine sehr ruhige und sachliche Haltung beobachten, und der Lindwirtyschaftsminister von Heyden im Kongreß der deutschen Landwirthe seine Freude darüber aussprach, daß die Land Regierung nabestehenden Blatt eine scharfe Stimme negen die hegen v landwirthschaftliche Bewegung. Es heißt dartn:„Die Landwirthe mussen berücksichtigen, daß sie nur ein Theil des Staatsganzen sind und ihre Interessen in Einklang gebracht werden müssen mit jenen der Gesammtheit. Wenn auch eine gebührende Berücksichtigung der landwirthschaftlichen Interessen erforderlich ist, so darf man doch den Bogen nicht zu straff spannen. Druck erzeugt Gegendruck, und nichts wäre für die Landwirtschaft verhängnißvoller, als ein durch übermäßige Forderungen bervorgerufener Widerstand der übrigen Bevölkerungsklassen. Die Handelsverträge liegen im Jateresse der ganzen Bevölkerung Deutschlands, einschließlich der Landwirthschaft.“ Von anderen Seiten wird auch berichtet, daß sich in verschiedenen Bezirken eine Bewegung unter den Bauern zeigt, die geschlossen und unabhängig vom Großgrundbesitz mit der Wahrung ihrer Interessen vorgehen wollen. — Die„Hamb. Nachr.“ schreiben:„Es hat uns überrascht, in der Reichstagsrede des Abg. Grafen Kanitz vom 14. d. M. die Bemerkung zu finden, er habe sich 1886/87 viele Mühe gegeben, den Fürsten Bismarck für einen Schutz der Landwirthschaft zu gewinnen. Wir hatten bisher geglaubt, bei den Vertretern der Landwirthschaft fei kein Zweifel darüber vorhanden, daß Fürst Bismarck, so lange er im Amte war, die Landwirthschaft nach Kräften vertreten hat und sind überrascht, daß Graf Kanitz sich Mühe gegeben haben sollte, den Fürsten Bismarck für einen Schutz der Landwirthschaft zu gewinnen. Wir können uns kein deutliches Bild von den Bemühungen machen, die er in dieser Beziehung 1886/87 anwenn er dabei nicht etwa bi gewandt hätte, bimetallistische tie, wenu er gurzt, mir; t#tmetallistische Forderungen im Auge gehabt hat, denen Furst Bismarck ein non nquet gegenübergestellt hatte, solange ein Einvernehmen mit England über die zutreffenden Einrichtungen unerreichbar bleibe.“ — Das Centrum lehnt die Theilnahme an dem„Bund der Landwirthe“ ab. Am Sonnabend ist auch der Centrumsabgcordnete Mooren in den Vorstand gewählt worden. Dazu bemerkt die„Germania“ sie sei in der Lage, richtig zu stellen, daß Herr Mooren u der Versammlung nicht anwesend gewesen sei und die auf ihn gefallene Wahl nicht annehmen werde. Berlin, 24. Febr. Heute ist ein beachtenswerther Gedenktag in der Geschichte Preußens und Deutschlands. Am 24. Februar 1867 wurde bekanntlich der konstituirende Reichstag des norddeutschen Bundes in Berlin durch König Wilhelm eröffnet. Es ist nicht ohne Interesse, einen Abschnitt aus der bei dieser Gelegenheit verlesenen Thronrede hervorzuheben. In derselben hieß es unter andern:„Es ist ein erhebender Augenblick, in welchem ich in Ihre Mitte trete; mächtige Ereignisse haben ihn herbeigeführt, große Hoffnungen knüpfen sich an denselben.— Einst mächtig und groß, sank das deutsche Reich in Zerrissenheit und Ohnmacht. Niemals aber hat die Sehnsucht des deutschen Volks nach seinen verlorenen Gütern ausgehört....... „Als Erbe der preußischen Krone fühle ich mich stark in dem Bewußtsein, daß alle Erfolge Preußens zugleich Stufen zur Wiederherstellung und Erhöhung der deutschen Macht und Ehre geworden sind.“ Berlin, 23. Febr. Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitzung dem Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz vom 6 Juni 1870 zugestimmt. — Die Militär=Kommission des Reichstags trat am Donnerstag in die Berathung der finanzpolitischen Anträge Richter=Buhl=v. Stumm ein und erledigte die Positionen, welche sich auf die fortdauernden Mehrausgaben beziehen. — Zur Militär=Vorlage. Immer bestimmter und bestimmter tritt die Meldung auf, daß, mit Ausnahme etwa der bayerischen Abgeordneten, die Centrumspartei schließlichlich für einen zweckmäßigen Ausgleich über die Militärvorlage eintreten wird, Bis es soweit ist, kann freilich Sommeranfang herankommen, aber erledigt soll das Gesetz noch in dieser Session werden. — In dem Befinden des bekannten Abg. Freiherr v. Stumm ist die erwünschte Besserung leider noch nicht eingetreten. — Eine Nachweisung hinsichtlich der Belastung des einzelnen Infanteristen ist soeben der Budgetcommission des Reichstags zugegangen. Das Gewickt der jetzigen Belastung des Infanteristeu einschließlich Zeltausrüstung mit Messingbeschlägen beträgt 31,253 Kilo. Diese Zahl stellt das Durchschnittsgewicht der Belastung einschließlich Spaten dar. Dasselbe ist ermittelt aus den Wägungen mehrerer Armeecorps. Durch Verwendung von Aluminium wird die Belastung verringert bei der Zeltausrüstung um 200 Gramm, bei der Feldflasche um 400 Gramm, beim Kochgeschirr um 425 Gramm; im Ganzen beträgt diese Verringerung 1.025 Kilo. Es bleibt demnach ein Gewicht von 30.228 Kilo. Die Belastung der Infanteristen der anderen Armeen beträgt zwischen 25 und 30 Kilo. Berlin, 23. Febr. Ueber den Gesetzent wurf wegen Abänderung des Wahlverfahrens hat sich die Kommission des Abgeordaetenhauses dahin geeinigt, daß die Vorschrift des Entwurfs, wonach bei der Eintheilung der Wähler in drei Klassen nicht mehr auf jede ein Drittel des Steuerbetrages, sondern auf die erste 5/12, die zweite 1/10, die dritte 3/12 entfällt, angenommen werden soll. Um jedoch die Zahl der Urwähler bei den Wahlen zum Abgeordnetenhause in der ersten und zweiten Abtheilung weiter zu vermehren, hat die Kommission beschlossen, daß die den Betrag von 2000 M. übersteigenden Staatseinkommensteuern, sowie die diesem Satze entsprechenden Mehrbeträge der gemeindlichen Einkommensteuerzuschläge nicht angerechnet werden sollen. Der Steuerbetrag von 2000 M. entspricht einem Einkommen von 56=—58000 M. Wer ein noch höheres Einkommen versteuert, wird somit künftig bei der Bildung der Wählerlisten so behandelt werden, als ob er nur 56 58000 M. versteuerte. Berlin, 25. Febr. Die Petitionskommission des Reichstages beantragt, der Reichsteg wolle beschließen, die Gesuche, betreffend die Abänderung der Militärprozeß=Ordnung dem Reichskanzler zur Kenntnisnahme zu überweisen. — Im Auftrage des Reichsamts des Innern erschien bisher jährlich eine Zusammenstellung der auf Grund des Markensctutzgesetzes vom 30. November 1874 geschützten Waarenzeichen. Nach dem neugeplanten Gesetz über den Waarenbezeichnungsschutz, welches schon am 1. Oktober d. J. in Kraft treten soll, wird nun beabsichtigt, eine Zeichenrolle im Patentamte selbst zu führen, in welche nicht blos die Zeichen, sondern, wenn erforderlich, auch Beschreibungen derselben eingetragen werden sollen. Dadurch wird natürlich jede andere Nachweisung überflüssig, und so dürfte denn auch das Erscheinen der oben erwähnten Zeichenzusammenstellung aufhören. — Der Gesetzentwurf über die Abzahlungsgeschäfte ist von der betreffenden Kommission in zweiter Lesung nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen. — Der„Staatsanzeiger" veröffentlicht die Bedinaungen, welche bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen im Bereiche der Allgemeinen Bauverwaltung, der Staatseisenbahn= und Bergverwaltung zur Anwendung kommen. — Behufs Sellungnahme zum Reichsseuchengesetz wird demnächst ein außerordentlicher deutscher Aerztetag einberufen werden. — Nach den vorläufigen Ermittelungen der Viehzählung vom 1. Dezember 1892 betrug die Gesammtzahl der Pferde in Preußen 2.7 Millionen sie hat sich von 1867 an um 13 Prozent gehoben, die Zahl der Rinder beirug 9,8 Millionen, was eine Vermehrung von nabezu 43 Prozent ausmacht. — Der Großherzog von Baden hat eine Verordnung über die Errichtung eines Landesgewerberaths erlassen. Diesem soll die Berathung der ihm von der Staatsverwaltung in Bezug auf die Förderung des Gewerbes im Allgemeinen und in Bezug auf das gewerbliche Unterrichts= und Bildungswesen vorgelegten Fragen, die Begutacktung der sich auf das Gewerbewesen beziehenden Gesetze, Verordnungen und sonstigen behördlichen Anordnungen allgemeiner Art, die Einbringung von Vorschlägen und Anträzen im Interesse des Gewerbes, die Aufstellung von Vorschlagslisten für die Ernennung außerordentlicher Mitglieder des Gewerbeschulraths aus dem Gewerbestand obliegen. Den Vorsitz im Landesgewerberath führt der Präsident des Ministeriums des Innern, bezw. der von diesem ernannte Stellvertreter. Die Mitglieder sind auch außerhalb der Sitzungen Organe des Ministeriums des Innern, sie nehmen aber diesen Posten als Ehrenamt ein. — Herr v. Soden, der Gouverneur von DeutschOstafrika, wird nach seiner Rückkehr aus Ostafrika auf seinen Wunsch ganz und gar aus dem Reichsdienste scheiden. — Ueber die wirtbschaftlichen Aussichten, die Deutsch=Südwestafrika zu bieten vermag, sprach in Berlin der bekannte Forschungsreisende Graf Joachim Pfeil. Das Klima ist in allen vier Theilen leichmäßig gesund und dem Europäer durchaus zuträglich. Während die ganze westliche Hälfte des Landes zwischen der Küste und jener nordsudlichen Scheidelinie vom Swakop zum Orangefluß wohl an vereinzelten Stellen zur Rinderzucht geeignet ist, ist sie doch im großen Ganzen von so trauriger Beschaffenheit, daß man Hoffnungen irgend welcher Art an sie nicht knüpfen kann. Wesentlich anders stellen sich dagegen die Verhältnisse in dem östlichen Theil und vor Allem in dessen nördlich vom Rietfontain gelegener Hälfte. Die südlichere Hälfte, die Graf Pfeil zunächst betrat, bietet auf den ersten Blick wenig Einladendes. Die Flußläufe dieses Gebiets führen gar kein Wasser, oder doch nur zeitweise sehr wenig, das zudem meist brakig schmeckt und nachtheilig auf den Wuchs von Nährpflanzen zu wirken scheint. Steigt man durch die tiefe Schlucht des Kaitsubflusses auf das Plateau nördlich des Oranjeflusses hinauf, so betritt man ein wellenförmiges Plateau, das zwar besseren Graswuchs zeigt, dennoch aber nicht den Eindruck eines reichen Weidelandes macht. Wasser tritt auch dort nirgends an die Oberfläche, kann aber doch durch verbältnißmäßig wenigtiefe Bohrlöcher erhalten werden, reicht jedoch nur in seltenen Fällen zur Bodenberieselung aus. Nördlich vom Rietfontain ändert sich der Charakter des Landes. Das Gras steht dichter, und offene Wasserstellen treten zu Tage. wenn diese auch sehr weit auseinanderliegen; zudem sind überall Wasseradern vorbanden, die nur der Anbohrung bedürfen, um reichlich Wosser zu geben. Trot des Wasservorraths scheint jedoch auch hier Ackerbau noch nicht durchführbat, da sich zufolge der erforderlichen Berieselung die Preise für die Erzeugnisse zu hoch stellen würden. Erst in der Nähe der Anasberge befinden sich Stellen, wo Ackerbau in geringer Ausdehnung mit Aussicht auf Erfolg betrieben werden kann. Hier tritt genügend Wasser zu Tage, und der Boden scheint in seiner Zusammensetzung günstiger. In Groß=Windhoek ist reichlich Wasser vorhanden, aber kein bestellbares Land, in Klein=Windhoek wenig von beiden. Aehnliche Verhältnisse, wie in Klein=Windhoek, findet man in Aris, Okapuka, Otjisewa, Zwart u. s. w. Im Norden unseres Schutzgebiets dagegen, im wirklichen Damaraland, das Graf Pfeil nicht mehr bereiste, soll gutes Ackerland mit reichlichem Wasser sich finden, das ausgedehnte Ansiedelungen ermöglicht. — Es war bereits bekannt, daß die Auswanderung aus dem deutschen Reiche auch während des Jahres 1892 einen sehr bedeutenden Umfang angenommen hatte, der nur in Folge der Cholera eine starke Beschränkung erlitt. Nunmehr bringt der Bericht des Reichscommissars über seine Thätigkeit, welcher soeben dem Reichstage zugegangen ist, nähere Aufschlüsse. Danach nahm die Beförderung von Auswanderern über die deutschen Häfen Bremen, Hamburg und Stettin im ersten Theile des verflossenen Jahres wiederum einen so großen Umfang an. daß es den Anschein hatte, als ob d'e bisher höchste Zahl der über diese Häfen beförderten Auswanderer die des Jahres 1891, erreicht, wenn nicht gar überschritten werden sollte. Während der Cholera=Epidemie wurde die Beförderung von Zwischendeckspassagieren in allen deutschen Auswanderungshäsen eingestellt. Um den Cajütspassagieren die Gelegenheit zur Ueberfahrt nicht zu nehmen und sie nicht übermäßig strengen Quarantänemaßregeln auszusetzen, ließ die Hamburg=Amerikanische PacketfahrtActiengesellschaft ihre Schnelldampfer die Reisen zwischen Europa und New=York in Southampton antreten und ebendaselbst beenden. Mit dem 1 Januar d. J. ist indessen der Zwischendecksverkehr zwischen Deutschland und Nordamerika wiederum gänzlich eingestellt. Es haben nämlich die nach nordamerikanischen Häfen Auswanderer befördernden deutschen Dampferlinten mit anderen Linien des Continents eine Vereinbarung getroffen, durch welche die Ueberfahrtspreise geregelt und festgesetzt sind und jede Linie nach bestimmtem Verhältniß Antheil an dem einnommenen Ueberfahrtsgelde hat. Hierdurch ist die frühere eifersüchtige Concurrenz, unter der auch die Possagiere zu leiden hatten, beseitigt. Die„Nordatlantischer Dampferlinien. Verband“, genannte Vereinigung hat infolge der Aösperrungsmaßregeln der nordamerikanischen Regierung beschlossen, die Beförderung von Zwischendeck=Passagieren nach New.York und Baltimore, sowie auch den Verkauf von Zwischendeckskarten, sogenannten prepaids, vom 1. Januar 1893 ab bis auf weiteres ganz einzustellen. Leipzig, 23. Febr. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Redakteurs der Zeitung„Wacht", Gerhard ten Winkel, in Elderseld. Derselbe war von der Strafkammer zu Elberfeld wegen Beleidigung des ersten Staatsanwaltes Baumgard, des Landgerichtsrathes Brixius und des Richter=Kollegiums der Stadt Cleve am 4. November zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Die Revision hatte gerügt, daß das Ablehnungesgesuch gegen den jüdischen Assesor Salomon verworfen wurde. Paris, 23. Febr. Die Morgenblätter besprechen die Evenzualität der Wahl Jules Ferrys zum Präsidenten des Senats, welche als nahezu gesichert gilt, als eines der bedeutungsvollsten Ereignisse der letzten Jahre. Die gemäßigten Organe äußern sich befriedigt über diese Möglichkeit, indem sie bervorheben, daß mit Jules Ferry an die Spitze des Senates und eines eventuellen Kongresses ein Mann von fester Sprache und Willenskraft treten würde Die Radikalen nennen die Wahl Ferrys eine Herausforderung der öffentlichen Meinung. Die„Lanterne“ sagt, für Frankreich beginne ein furchtSchwestern. 71 Novelle von K. Sommer. —(Nachdruck verdeten.) Wir waren nie allein, und selten richtete er das Wort an mich, aber sein ernster, schwermüthiger Blick traf mich oft, und dann leuchtete es darin empor wie Flammenstrahl. Eines Morgens früh war ich wieder im Garten beschäftigt, da rief er mir von seinem Fenster aus einen fröhlichen Morgengruß zu. Ich hatte mich gerade über eine Blume gebeugt, und so fuhr ich erschrocken bei dem Klange seiner Stimme empor. Darf ich einen Augenblick zu Ihnen hinunter kommen, Fräulein Käthe? Ich möchte es auch so machen, wie Sie und den Duft dort trinken. Ich gewährte es erröthend, und wenige Augenbicke später trat er durch die Gartenpforte. Er nickte mir lächelnd zu und beugte sich dann sogleich über den Josminstrauch, der vor ihm stand. Das ist Göttertrunk! sagte er mit tiefem Aufathmen. Ich begreife nicht, daß manche Menschen den Duft nicht leiden können, wie meine Frau zum Beispiel——. Er hielt plötzlich inne und sah mich halb verwundert, halb erschreckt an. War ich zusammengezuckt, war mein Gesicht vielleicht erblaßt? Ich weiß es nicht, aber es mußte wohl sein. Ich fühlte nur, daß ein kalter Schauer durch meine Adern rann, dem ein unsäglich wehes Gefühl folgte. Ihre Frau? fragte ich stockend. Sie sind verheirather? Ich hatte es gesagt, ehe ich mir dessen bewußt ward, und erschrak nun selbst vor meinen Worten, vor dem Klange meiner Stimme. Ich bin verheirathet, ja, erwiderte er nach drückender Pause, während er den Blick von meinem Antlitz abwandte, als wolle er mich schonen, seit zwei Jahren schon, fügte er leise hinzu. Er strich mechantsch über die Jasminzweige, und da sah ich auch an seiner schlanken Hand den goldenen Reif funkeln. Der blitzende Strahl that mir weh, und doch starrte ich mit weit offenen Augen darauf hin, als sei es etwas ganz Besonderes. Er bemerkte, wohin mein Blick ging, und zog die Hand zurück, während er sein Gesicht wieder in die weißen Blüthen versenkte. Sie kann den Duft nicht leiden, sagte er in hastigem, gepreßtem Tone, es ist eine fast krankhafte Scheu, die sie davor hegt, sie sagt, er thut ihren Nerven weh. Deshalb haben wir zu Haus auch keinen Jasminstrauch im Garten, so groß derselbe auch ist, und so sehr ich die Blume liebe. Aber der Garten gehört ihr, wie alles was dazu gehört— ich habe da so hinein geheirathet— sagte er und es klang eine tiefe Bitterkeit aus seiner Stimme. Die Eltern hatten diese Verbindung schon früh bestiwmt, als wir noch Kinder waren, wir wußten es nicht anders. Es machte sich gerade so gut; sie war das einzige Kind ihrer Eltern und unsere beiden Väter Compagnons. So ging das Geschäft unter der alten Ficma weiter, und der ganze Reichthum blieb in der Jamilie. Ich war noch so jung damals, kaum 24 Jahre. Er sagte das alles in einer hastigen, abgebrochenen Weise, ohne mich anzusehen. Sein blasses Gesicht röthete sich dabei. In diesem Augenblick kam meine Großmutter aus dem Hause, er ging ihr entgegen, sie zu begrüßen, und ich konnte forteilen, um meine Fassung wieder zu gewinnen. Daß mir dies trotz übermenschlicher Anstrengung nicht gelungen, merkte ich bald an den besorgten Blicken meiner Greßmutter. Auf ihr Fragen schützte ich ein körperliches Leiden vor. Ich verschloß mich einige Tage in meinem Zimmer, um nur nicht hinausgehen und ihm begegnen zu müssen. Dabei sah ich so blaß und elend aus, daß meine Großmutter selbst auf vollständige Ruhe drang. Am Abend des dritten Tages, ich fühlte mich körperlich etwas wohler, und die Hitze im Zimmer war drückend, ließen wir uns den Abendtisch im Garten decken. Es war eine wundervolle, milde Luft, Flieder und Jasmin dufteten, und im Nachbargarten schlug die Nachtigall. Meine Großmutter faltete bewegt die Hände. in diesem Abendfrieden, ich aber preßte die Zähne in die Lippen, um den Schmerzensschrei meines wunden Herzens zurückzuhalten. Eine ganze Zeit mochten wir so gesessen haben, beide in Gedanken verloren, da kuarrte die Gartenpforte, und nahende Schritte tönten uns entgegen. Mir wollte der Herzschlag stocken, wessen Schritte das waren, hörte ich zu genau. Da stand er vor uns in der Oeffnung der Laube. Auch sein Antlitz schien bleicher, als gewöhnlich, und als er mich mit scheuem Blick streifte, schien er über mein Aussehen zu erschrecken. Wir hatten ein Geheimnis miteinander, und das drückte uns beide. Meine Großmutter schien nichts davon zu abnen. Sie bewillkommte ihn freudig. Wir haben uns so lange nicht gesehen, meine Enkelin war krank, und da konnten wir unsere gewohnten Spaziergänge nicht unternehmen. Es ist liebenswürdig von Ihnen, daß Sie nun zu uns kommen, ich habe mich schon nach Ihrer Gesellschaft gesehnt. Es waren freundliche Worte, aber der sonst so gewandte Mann wußte nichts darauf zu erwidern. Stumm nahm er den Platz ein, mir gegenüber, den meine Großmutter ihm zuwies. Ich komme, Ihnen meinen Abschiedsbesuch zu machen, verehrte Frau, begann er endlich gepreßten Tones, wenigstens als Nachbar. Morgen verlasse ich meine bisherige Wohnung, um das Hotel zu beziehen. Meine Großmutter sah ihren Gast verwundert an. Ste wollen fort von uns? Weßhalb? Ich erhielt einen Brief von meiner Frau. Sie will ihren bisherigen Aufenthalt im Nordseebad aufgeben, weil die Luft ihr dort nicht bekommt, und sich noch einige Wochen hier aufhalten. Dazu ist aber meine bisherige Wohnung zu klein, deßhalb habe ich einige Zimmer im Hotel gemiethet. „Ihre Frau? fragte meine Großmutter. Ja, sind Sie denn verheirathet? Sie haben ja nie davon gesprochen? Ihr Ton klang verwundert, und dann sah sie auch mich an. Er streifte mich mit einem traurig ernsten Blick. Ja, weßhalb sagten Sie uns denn nichts von Ihrer Frau Gemahlin? fragte meine Gcoßmutter wieder. Weil man nicht gern über das spricht, was einem nicht zum Glücke gereicht, verehrte Frau, weil man es so viel wie möglich vergessen möchte. Unsere Ehe wurde aus Vernunftgründen geschlossen. Den beiderseitigen Eltern paßte diese Verbindung, und wir waren so erzogen, um uns nicht gegen den väterlichen Beschluß aufbares Abenteuer; die nationale Sicherheit sei niemals so sehr dem Zufall preisgegeben gewesen. Die conservativen Blätter betrachten Ferry nunmehr als den Rivalen Carnots. Der„Flgaro" betont, die unerwartete Rückkehr Ferrys auf die politische Scene bedeute eine Niederlage Carnots und Rlbots, da Carnot offen die Wahl seines Freundes Magnin protegirt und Ribot entschieden die Wahl Ferrys bekämpft habe. * Aus Paris wird geschrieben: Die Bildung der tröstlichen Sage, daß die ganze Panama=Gaunerei eine deutsche Angelegenheit(!) sei, in der Franzosen lediglich die Rolle von Opfern spiele, ist wiederholt dargestellt worden. Jetzt hat die Sage aber ihre volle Reise erlangt. In der Vorstellung des Volkes ist sie eine geschichtliche Wahrheit geworden, die niemand mehr ausrotten kann. Das Bänkelsängerlied hat sich des Gegenstandes bemächtigt, und auf„Flügeln des Gesanges“ wird den Franzosen die Kunde zugetragen, daß ein Deutscher das Panamaunternehmen zu Grunde gerichtet und den großherzigen Franzosen eine Milliarde gestohlen hat. Das ist der Niederschlag der ganzen Panamageschichte im französischen Volksgeiste. Von Lessers ist nirgends die Rede. Bei den Bestechungen hält sich das Volkslied auch nicht auf. Es kennt, es schmäht nur den einen Cornelius Herz! Hier sind in Uebersetzung die Anfangs= und Endstrophen eines Liedes, das gegenwärtig viel in den Pariser Straßen, wahrscheinlich auch schon auf den Marktplätzen der Dörfer gesungen und um zehn Centimes verkauft wird:„Hört die traurige Geschichte,— die ich Euch erzählen will,— Wirklich, es ist nicht zu glauben: — Ich meine Pinama.— Hört diese neueste Geschichte, — Von der man noch lang; sprechen wird!— Aus welchem Lande ist er denn?— Ist dieser Herz aus Deutschland oder Italien?— Sagt mir, welches das Vaterland— Dieses Gauners und Schurken ist?— Wohin wird er denn die Milliarde verschlagen.— Die er uns zu stehlen gewußt?" In einer Reihe ähnlich schwungvoller Strophen wird der Deutsche weidl'ch ausgeschimpft, dann schließt das Lied:„Hoffen wir, daß die Gerechtiokeit diesen schändlichen Galgenstrick bestrafen wird. Aber über unsere arme Milliarde müssen wir ein Kreuz machen!" England. London, 23. Februar. Der„Standard“ meldet aus. Bangkok, die gegenseitige Erbitterung zwischen den Franzosen und Siamesen sei im Wachsen begriffen. Der französische Consul und der Ministerresident würden von den siamesischen Behörden brüskirt. Mehrere französische Reisende seten an die Grenze geschafft worden, obgleich sie mit Reisepässen versehen waren. Der französische Ministerresident verlange eine Genugthuung. Die tonkinesische Presse fordere zu einer Demonstration im Mekongthale auf. Italien. Rom, 22. Febr. Wegen Verdachts der Mitschuld an der in den letzten Tagen hier vorgekommenen Explosion einer Petarde sind 20 Anarchisten verhaftet worden. Bei einem derselben wurde eine Pelarde derselben Konstruktion, wie die kürzlich in der Cavourstraße explodirte, vorgefunden und beschlagnahmt. Vortugal. Lissabon, 23. Febr. Das neue Ministerium hat sich konstituirt und ist, wie folgt, zusammengesetzt: Hintze Ribeiro Präsidium und Auswärtiges, Franco Castello Branco Inneres, Antonio Azevedo Justiz, Oberst Pimentel Pinto Krieg, Fuschini Finanzen, Neves Ferreira Marine und Bernardino Machado Arbeiten. Christiania, 23. Februar. Von Christiansand bis Christtania ist an der Küste entlang, soweit mon sehen kann, schweres Meereis; Christiansand ist noch offen, die dazwischen liegenden Städte sind jedoch für Schiffe nicht zugänglich. Der Zugang zum hiesigen Hafen ist augenblicklich äußerst schwierig, nur die größten Dampfschiffe konnten das Eis durchbrechen und unter äußerster Vorsicht einlaufen. Amerika. Chigaco, 22. Febr. Alle Weichensteller der ChigacoWestern Indiania=Eisenbahn streiken wegen der Verweigerung einer Lohnerhöhung. Der Wagenverkehr der Eisenbahn ist unterb ochen. + Arbeiterstatistik. Die Statistik spielt in der modernen Zeit eine große Rolle. Auf allen Gebieten des Lebens wünscht man zur Begründung und Rechtfertigung von Neuerungen ziffermäßige Grundlagen, und auf keinen mehr, als auf denen der Gesetzgebung und Verwaltung. Man muß deshalb der Statistik eine hohe Aufmerksamkeit schenken. Reich zulehnen. Ich hatte damals noch keine anderen Wünsche und keine anderen Neigungen, als über Büchern zu hocken und Studien zu treiben. Und das hoffte ich in meinem eigenen Haushalte ungestörter thun zu können als bei den Eltern, wo eben nur die kaufmännische Thätigkeit etwas galt. Hätte ich aber geahnt, daß diese Ehe mir eine Fessel werden würde, die Leib und Seele wunddrückt, nie wäre ich sie eingegangen! Eine augenblickliche Stille folgte diesen, im zornigen Schmerz gesprochenen Worten, dann reichte meine Großmutter ihm über den Tisch die Hand. Nicht so verzagt, mein junger Freund! Ich beklage Sie gewiß tief und tadle jede Convenienzehe. Wenn man sie aber eingegangen ist, muß man versuchen, sie möglichst harmonisch zu gestalten, und bei etwas gutem Willen von beiden Seiten gelingt es auch. Man muß sich nur die kleinen Fehler und Schwächen gegenseitig nachsehen, und die liebe Gewohnheit thut dann das ihreSie führt die beiden Menschen allmählich sich näher. Ja, wenn das Herz dabei im Schlummer bleibt, fuhr er bitter auf, aber wenn es erwacht und seine Rechte fordert? Man ist machtlos dagegen, verehrte Frau. Da bleibt nichts anderes übrig, als die unwürdige Fessel zu brechen, oder— daran zu Grunde zu gehen, warf ich kurz und hart ein. Meine Großmutter sah mich mit großen Augen an. Man kann auch mit starker Hand eine solche Liebe niederhalten, sagte sie ruhig. Er lachte bitter auf. So spricht das Alter, verehrte Frau. Die Jugend hat es nicht so leicht, sie hat mit anderen Mächten zu rechnen. Aber abgesehen auch davon, bei allem guten Willen würden meine Frau und ich uns nie verstehen, wir sind zwei ganz verschiedene Naturen. Sie ist älter als ich, hat ganz andere Neigungen; was mir Freude macht, verurtheilt sie. Dabei ist sie kränklich und infolgedessen leicht gereizt. Wir werden nie hacmonieren! In diesem Augenblick wurde meine Großmutter abgerufen; ich wollte ihr nacheilen, Todesangst überkam mich, mit ihm allein zu sein. Aber ich sank zurück, meine Füße trugen mich nicht. Und da stand er dicht vor mir. (Fortsetzung folgt.) — und Einzelstaaten besitzen denn auch besondere statistische Bureaus, die sich in die ihnen obliegenden Aufgaben getheilt haben. Zu diesen Aufgaben zählten bis vor Kurzem nur wenige Zweige, welche sich unmittelbar auf Arbeiterstattstik bezogen. Eigentlich war es auf diesem Gebiete nur die Krankenversicherung, welche einer fortlaufenden Behandlung unterzogen wurde. Die übrigen Zweige der Arbeiterversicherung waren zur statistischen Behandlung dem Reichs Versicherungsamte übergeben. Wenn sonst in Arbeiterfragen stattstische Erhebungen veranstaltet werden sollten, so mußten immer von Fall zu Fall, wie bei der Sonntagsbeschäftigung u. s. w., von der Regierung selbst die nothwendigen Schritte gethan werden. Es gab bis vor Kurzem keine besondere Instanz, welche sich mit der Arbeiterstatistik als solcher befaßte. Seit der Errichtung der Reichskommission für Arbeiterstattstik ist hierin eine Aenderung eingetreten. Und man kann bisher nicht behaupten, daß diese Aenderung zum Schlechten aus. gefallen wäre. Im Gegentheil, die Ergebnisse der von der Kommission bisher veranstalteten Untersuchungen haben so recht gründlich die Verlogenheit der Sozialdemokratie in der ziffernmäßigen Schilderung bestimmter Arbeiterverhältnisse, wie derjenigen der Bäckergesellen und Lehrlinge aufgehellt. Es ist auch anzunehmen, daß die Kommission weitere für gesetzgeberische Regelungen nützliche Arbeiten liefern wird. So ist neuerdings beschlossen, über die Arbeitszeiten in der Hausindustrie eine Stattstik zu. veranstalten, die jedenfalls über die Frage der Ausdehnung der Gewerbeordnungsbestimmungen über Arbeiterinnen, jugendliche Arbeiter und Kinder auf die Hausindustrie Aufklarung verschaffen wird. Jedoch können wir nur rathen, daß die Kommission sich auf Statistiken beschränkt, für deren Veranstaltung ihr Recht zweifellos ist. Es ist nämlich in Aussicht genommen, die Kommission dazu zu bewegen, die Berufsgenossenschaften zur Mithülfe bei einer Veranstaltung über die Löhne der gewerblichen Arbeiter heranzuziehen. Eine solche Statistik an sich wäre unseres Beifalls sicher. Würde sie doch von Neuem die Verlogenheit der Sozialdemokratie bei der Schilderung der Lohnhöhen in den einzelnen Berufszweigen aufdecken und zeigen, daß, wie der Abgeordnete Rösicke erst kürzlich in einer Reichstagssitzung für die Brauer nachwies, auch für andere Arbeiterkategorten der Lohn bis über 1700 Mark jährlich gestiegen ist. Indessen halten wir es nicht für gesetzlich erlaubt, die Berufsgenossenschaften als solche zur Mitarbeit bei dieser Stattstik zu zwingen. Nach der Gewerbeordnung sind die einzelnen Arbeitgeber verpflichtet. Auskunft über die Arbeiterverhältnisse zu ertheilen, die Berufsgenossenschuften sind dagegen nach dem Unfallversicherungsgesetz daran gehindert, für andere Zwecke Ausgaben zu machen, als für diejenigen, welche unmittelbar mit der Unfallversicherung zusammenhängen. Bisher hat man es nicht für nöthig gehalten, daß den Genossenschaften spezialisirte Lohnnachweisungen eingereicht werden. Sie waren also für Unfallversicherungszwecke nicht nöthig. Und für elwas Unnöthiges darf das Geld der Genossenschaften, das bei der Bearbeitung der spezialisirten Lohnnachweisungen in Frage kommt, nicht verwendet werden. Wenn eir zelne Genossenschaften solche spezialisirte Lohnnachweisungen eingeführt haben, so haben sie das auf eigene Gefahr gemacht An dem Prinzip ist dadurch nichts geändert. Es wird daran auch nichts geändert, wenn der Präsident des Reichs=Versicherungsamts in einer wissenschaftlichen Zeitschrift die Mitarbeit der Berufsgenossenschaften bei dieser Statistik für erlaubt erachtet. Keine Genossenschaft könnte auf Grund des Gesetzes gezwungen werden, die Mithilfe zu leisten. Die Reichskommission für Arbeiterstatistik sollte sich deshalb nach einem anderen Wege umsehen, auf die dem Lohnstatistik bewerkstelligt werden könnte. Westfalen und Rheinland. O Witten, 23. Februar. Zur heutigen Sitzung der Stadtverordneten waren 28 Mitglieder des Kollegiums erschienen. Den Vorsitz führte Bergrath Erdmann. Der Magistrat war vertreten durch den Bürgermeister Dr. Haarmann und den Beigeordneten Foerst. Als Kommissare des Magistrats waren noch zugegen der Stadtbaumeister Matweg und der Gas= und Wasserwerksdirektor Pahde. Es wurden zunächst die Mitglieder der verschiedenen städtischen Kommissionen gewählt. Man folgte dabei den Vorschlägen der vor einiger Zeit ernannten Wahlkommission, wodurch eine gleichmäßigere Vertheilung der Aemter und Arbeiten erreicht wird.— Die Sitzungen der Stadtverordneten, welche seit längerer Zeit in der Aula des Realgymnasiums stattfinden, werden nächstens in den neuen Rathhaussaal verlegt werden können. Um eine zweckmäßige Anordnung der Plätze zu gewinnen. ist ein Plan hierfür entworfen. Der Einzelne soll ausreichend Raum haben, das Kolleaium aber nicht zu zerstreut sitzen; das Pult des Vorsitzendeo, sowie der Tisch des Maaistrats werden erhöht stehen; es sind Doppelfenster, Plätze für Zuhörer vorgesehen u. s. w. Der Plan wird angenommen.— Die Vergütung für die im Schlachthofe auszustellenden Atteste zu 3 M., welche bieher der Kasse zufloß, soll dem Schlachthof=Inspektor, der zugleich Thierarzt ist, verbleiben.— Als Magistratsbote mußte ein Militär=Anwärter zurächst berücksichtigt werden. Da sich hier kein geeigneter Mann meldete, wurde der MilitärInvalide W. Limberg vom Schnee probeweise angenomnen. Derselbe hat das Rathaus zu reinigen, die Botengänge zubesorgen, und erbält 850 M., freie Wohnung nebst Licht und Brand im Rathhause.— Die Herstellung einer gefahrlosen Eisbahn auf der städtischen Ruhrwiese ist von einer gemischten Kommission näher berathen. und diese ertheilt Bericht. Der Unternehmer Dünkelberg hat sich erboten, die Wiese zweckmäßig zu planieren, die Ufer zu befestigen, wenn die Stadt Steine dazu liefert, einen Damm von 0,5 Meter herzustellen und überhaupt das Ganze zu einer Eisbahn einzurichten. Er verlangt dafür 6000 Mark oder die Grasnutzung auf 10 Jahre. Die. Kommission ist für die letzgenannte Vergütung. Die einzelnen Festsetzungen werden genehmigt und das Uebereinkommen wird gutgeheißen.— Hierauf werden die einzelnen Etats des städt. Haushaltungsplans in zweiter Lesung festgesetzt, worüber später Näheres mitgetheilt werden soll. X Witten, 24. Februar.(Bildungs=Verein. Bekanntlich war am letzten Mittwock, der 100. Geburtstag des westfälischen Volksmanns Friedrich Harkort. Der Vorstand des Bildungsvereins hatte in richtiger Würdigung des bedeutungsvollen Tages den als tüchtigen Redner bekannten Hauptlehrer Jul. Greßler aus Barmen zu einem Vortrage über„Das Leben und Wirken Fritz Harkort's" gewonnen. Herr Greßler zeichnete in einstündiger Rede ein vortreffliches Bild des„besten Mannes der Mark". Lebhafter Beifall wurde dem Redner zu theil; nach Beendigung seines Vortrags schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf Herrn Greßler. D Witten, 23. Febr.(Der Verband evang. Arbeitervereine von Rheinland und Westfalen) hält am Sonntag, den 5. März, Nachmittags 3 Uhr im evang. Vereinshause hierselbst eine VorstandsSitzung ab, auf deren Tagesordnung steht: 1. Berathung über größere Verbreitung des„Evang. Arbeiterboten“. 2. Vereinfachung des Verbandsvorstandes. 3. Stellungnahme zu den Flugblättern des Vereins für christliche Volksbildung.— Dieser Vorstandssitzung schließt sich eine Sitzung der Delegirten des genannten Verbandes mit folgender Tagesordnung an: 1. Ansprache des VerbandsVorsitzenden, Pfarrer Werth. 2. Bericht des Verbandsagenten Fischer. 3. Bericht des Kassirers, Lehrer Theis. 4. Prüfung der Kassenrevisoren. 5. Wahl der Rechnungsprüfer pro 1893/95. 6. Berichterstattung über das Feierabendhaus(Pfarrer Arndt). O Witten, 24. Febr.(Ein zweltes BezirksCommando) soll dem Vernehmen nach m't dem 1. April in Bochum errichtet werden. Der Adjutant, L'eutenant im 53. Regiment, ist schon seit einiger Zeit hier, der Commandeur dagegen soll noch nicht ernannt sein. Witten, 24. Febr.(Im Fischerthal) bei Ww. Benke findet nächsten Sonntag Concert und Theater statt; das Programm weist u. a. 4 hübsche, patriotische Lustspiele auf, die allein schon einen zahlreichen Besuch sichern. Der Eintrittspreis ist auf nur 30 Pfg. festgesetzt. * Witten, 24. Februar.(Warnung.) Im„Reichsanzeiger“ vom 16. d. Mts. wird vor dem Treiben einer englischen Firma„The International Mercentile Society“ in London gewarnt, welche für die Dauer der Chikagoer Ausstellung achtzig Kellnerinnen, sowie auch Kommis anzuwerben angiebt, die sich meldenden Personen zur vorherigen Einzahlung einer Veimittlungsgebühr auffordert und nach Eingang der Beträge den Schriftwechsel abzubrechen pflegt. O Witten, 24. Febr.(Die Seife wird theurer.) Das plötzliche bedeutende Steigen aller Oele und Fette hat die Seifenfabrikanten in eine üble Lage gebracht, da der Aufschlag ganz unerwartet kam, und deßhalb fast Niemand seinen Bedarf selbst für die nächste Zukunft gedeckt bat.— Nachdem nunmehr die einzelnen Oele bis zu Mk. 20.— pr. 100 Kilo gestiegen sind, was einem Aufschlag von ca. Mk. 8.— pr. 100 Kilo Seife gleichkommt, sehen die Seifenfabrikanten Rheinlands und Westfalens sich veranlaßt, eine dem Stand ber Rohstoffe entsprechende Erhöhung der Seifenpreise eintreten zu lassen, um nicht, wie bisher mit Verlust arbeiten zu müssen. ## Witten, 24. Fehr(Die Metzgermeister Rheinlands und Westfalens) vetitioniren beim Abgeordnetenhause um Ablehnung des§ 8 des Communal= steuergesetzentwurfs, welcher den Gemeinden die Befugniß zur Erhöhung der Schlachthausgebühren einräumt. Witten, 24. Februar.(Ueber die berühmte Brandt'sche Erbschaft,) welche seit Jahrzehnten in den Spalten der Zeitungen spukt und in manche Familie nacheinander Hoffnung und bittere Enttäuschung getragen hat, werden vielleicht Manchem die Augen aufgehen, wenn er hört, daß am Samstag in Amsterdam auf Ersuchen der preußischen Regierung der 73jährige G. H. de Mettin verhaftet wurde. Der Rheder Brandt starb bekanntlich 1789 zu Amsterdam und hinterließ mehrere Millionen, welche zur Hälfte an die Amsterdamer Familie van Mours fielen, zur anderen Hälfte für seine Verwandten in Deutschland bestimmt waren. Da von Letzteren sich Niemand meldete, verjährten deren Ansprüche dem Gesetze gemäß nach 30 Jahren. Hierauf baute de Mettin seinen Plan; er suchte durch Annoncen in deutschen Zeitungen Leute, die mit Brandt verwandt waren, oder glaubten, mit demselben verwandt zu sein und spiegelte denselben durch gefälschte Documente die schönsten Hoffnungen vor. Natürlich ließ er sich mit der Regelung der Sache betrauen und schröpfte seine Clienten" nach allen Regeln der Kunst. Ueber 30 Jahre hat de Mettin die Brandt'sche Erbschaft in dieser Weise beackert und reiche Ernte daraus gezogen, so daß er heute als reicher Mann ailt. Eine Hamburger Dame hatte er letzter Tage mit 15000 Mark hineingelegt und das hat dem alten Gauner jetzt den Hals lgebrochen. 8 Volmarstein, 23. Febr.(Das evangelische Pflege= und Feierabendhaus) zu Grundscköttel bei Volmarstein hat im verflossenen Jahre 105 Personen(gegen 89 im Vorjahre) verpflegt, und zwar 59 Männer und 46 Frauen in 23117 Pflegetagen(gegen 17365 im Jahre 1891). Der im Jahre 1891 fertiggestellte Anbau hat sich sehr bewährt, leider aber reichen die Räume auch jetzt noch bei weitem nicht aus, so daß eine große Anzahl Anmeldungen unberücksichtigt bleiben mußte und sich der Anbau eines neuen Flügels trotz der noch schwebenden Schuld von 6124,10 Mark nicht länger mehr aufschieben läßt. Für sämmtliche Pfleglinge sind 16502,10 Mark an Pflegegeld eingegangen, mithin ca. 70 Pfa. pro Kopf und Tag. Da aber jeder Pflegling ca. 1,12 Mark täglich gekostet hat, so stände die Anstalt vor einem großen Defizit, wenn die helfende Liebe nicht eingetreten wäre. Die Hauskollekte in sieben Kreisen unserer Provinz hat rund 8000 Mark ergeben. Von sonstigen Wohlthätern sind ca. 4500 Mark eingegangen. Die Liebesthätigkeit in der Gemeinde war trotz der schlechten Zeiten eine sehr große. Außer den Geldgaben sind besonders viele Geschenke für Kuche und Keller, Boden und Stall eingegangen. Die Summe aller Einnahmen betrug 28892,99 Mark, die der Ausgaben(einschließlich einer Schuldabtragung von 8524.29 Mari) 28888,02 Mark, so daß ein Bestand von 4.37 Mark verbleibt, dem aber eine Schuldenlast von 6124,10 Mark gegenübersteht. Barop, 23. Febr.(Abermals ein Nachspiel zum Bergarbeiter=Ausstand) Der letzte Streik der Bergleute hat für den Bergmann Aug. H. von hier recht üble Folgen gehabt, da er von der Zeche entlassen ist und außerdem jetzt vom Schöffengericht zu Dortmund wegen Beleidigung mit einer Woche Gefängniß bestraft wurde. Am Tage des Streiks saß H. in seiner Wohnung und unterhielt sich mit einem seiner Kameraden über den Streik, als ein Bergmann vorbeiging, der zur Arbeit wollte. H. erregte sich darüber, lief hinaus, packte den nichts ahnenden Mann und rief ihm zu:„Es sind alle Lumpen und Spitzbuben, die jetzt zur Arbeit gehen!" Diese Worte brachten den H. vor das Schöffengericht. Der Angeklagte sagte, er habe nicht mitgestreikt, sei aber trotzdem von der Zeche entlassen worden. Im übrigen bestritt derselbe, die Worte gebraucht zu haben. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnißstrafe von acht Wochen. Das Gericht ließ es jedoch bei einer Gefängnißstrafe von einer Woche bewenden, mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte sehr erregt gewesen und in anbetracht seiner Unbescholtenheit, im andern Falle würde die Strafe höher ausgefallen sein. Dortmund 23. Febr.(Flüchtig.) Der bisherige Drucker der sozialdemokratischen„Bergarbeiterzeitung": der frühere Bergmann Theod. Werdelmann aus Wattenscheid, scheint sich der ihm drohenden Strafe wegen Verzehens gegen§ 110 St.=G.=B.(Aufforderung zum Ungesorsam gegen die Gesetze) durch die Flucht entzogen zu haben, denn die Staatsanwaltschaft in Essen hat einen Steckbrief gegen ihn erlassen. Werdohl, 23. Febr.(Schwerer Unfall.) Ein auswärts beschäftigter Arbeiter gerieth in der Dunkelheit vom Wege ab und gerieth in den Solmeckerbach; zwar wurde der Unglückliche herausgezogen, allein er hatte beim Fall so schwere Verletzungen erlitten, daß er noch in der Nacht starb. Dorsten, 23. Februar.(Einen guten Fang) machte ein Bauer an der Lippe bei Marl. Terselbe fing in einem Graben einen mächtigen Hecht von 17½ Pfund und noch mehrere kleinere Hechte, die sich jedenfalls bei dem Zurückgehen des Wassers der Lippe zu lange bedacht hatten und deswegen aufs Trockene gerathen waren. Der Bauer hatte die Fische zum hiesigen Wochenmarkte gebracht, wo der große viele Zuschauer fand. Für denselben wurden zehn Mark bezahlt. * Eiberfeld, 23. Febr.(Ueber die Liebestragödie) im Restaurant„Kaiserhöhe" hier, über welche wir bereits kurz berichtet haben, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die beiden jungen Leute, welche 19, bezw. 18 Jahre alt sind, unterhielten schon längere Zeit gegen den Willen der Eltern des Mädchens ein Liebesverhältniß. Dasselbe soll schließlich nicht ohne Folgen geblieben sein, trotzdem aber versagten die Eltern des Mädchens die Einwilligung zu einer Verbindung. Sie wurden hierin noch bestärkt, da Sch. kränklich ist und erst vor wenigen Wochen noch Bluthusten hatte. Nachdem mehrfache Annäherungen bei den Eltern des Mädchens erfolglos geblieben, begaben sich die jungen Leute vorgestern Abend gegen 7 Uhr zur Kaiserhöhe, woselbst Sch. eine Flasche Wein bestellte. Dies lbe gefiel ihnen jedoch nicht, und Sch. verlangte eine Flasche Rothwein vom besten, den der Wirth im Keller habe. Als dieser gebracht worden, hörte die Wirthin nach etwa ½ Stunde plötzlich einen dumpfen Fall und fand, als sie in die Wirthsstube ellte, die Sch. todt auf dem Sofa liegen, Sch. lag an der Erde, zuckte noch mehrmals mit den Beinen und gab dann gleichfalls seinen Geist auf. Auf dem Tische lag eine Visitenkarte des Sch. mit einem Kleuz darauf gezeichnet. Sodann fand man ein theilweise gelehrtes Gläschen und einen Zuckerlöffel, an welchem sich noch etwas weißes Pulver, wahrscheinlich Arsenik, befand. Die alsbalb benachrichtigte Polizei schaffte die Leichen ins Todtenhaus. Heute trafen bei den Verwandten des Sch.— sein Vater hat sich vor einigen Johren unter Hinterlassung zahlreicher Schulden nach Amerika begeben — und bei den Eltern Briefe ein, worin die beiden jungen Leute ihre Absicht, gemeinsam zu sterben, zum Ausdruck bringen. Sch. war in den Farbenfabriken in Elberfeld als Commis angestellt, und es wird angenommen, daß er sich dort das Gift verschafft hat. * Elberfeld, 23. Febr.(Nettes Söhnchen.) Der 26 Jahre alte Zeichner Heinrich St. von Ostersbaum wurde auf Antrag seine eigenen Vaters in einer Wirthschaft am Neuen Teich in Haft genommen. St. hatte seinem Vater gestern einen Check uber 500 Mark entwendet und diesen Betrag bei einem hiesigen Bankhaus erhoben. St. beabsichtigte sich ins Ausland zu begeben und hatte auch schon eine derartige Absicht seinem Vater mittheilen lassen. Als man ihn festnahm, waren bereits 60 Mark von dem Geld ausgegeben. Essen, 22. Febr.(Streik=Folgen.) Vor der Strafkammer begannen heute die Verhandlungen gegen die Bergleute, die beim letzten Ausstand verhaftet worden waren. Die Sache gegen den ehemaligen Bergmann, jetzigen Cigurrenhändler Ballmann wurde ausgesetzt, weil Zeugen gleichzeitig in Dortmund bei der Verhandlung gegen Bunte erscheinen mußten. Zur Aburtheilung kamen der Lehrhauer Baainsky und der Schlepper Libeck, zwei junge Burschen. Beide waren beschuldigt, am 11 Januar auf der Zeche Pluto durch die Rufe:„Nicht anfahren!" „Streiken!“„Hurrah!" zum Ausstand aufgefordert zu haben: Baginsky wurde freigesprochen und Libeck zu 2 Monaten Gefängnis verurtheilt. * Beeck b. Ruhrort, 22. Febr.(Großes Schadenfeuer.) Auf der Kaiserstraße brach gestern Abend im Hause eines Schreinermeisters Brand aus und legte das ganze Haus mit Ausnahme der Umfassungsmauer nieder. Das Feuer fand seine Entstehung im Laden des Hauseigenthümers, welcher nebenbei einen Handel in Hüten, Tuchen 2c. betrieb, und suchte sich schnell einen Weg in das obere Stockwerk. Ueber dem Laden wohnte ein Hüttenbeamter, der sich mit seiner Frau bereits zur Ruhe begeben hatte. Die Einwohner haben sich mit knapper Noth retten können und standen, nur mit dem Hemde bekleidet, auf der Straße. Die Leute hatten, mit Ausnahme des Hüttenbeamten, welcher sein ganzes Hab und Gut verloren hat, alle ihr Eigenthum versichert. Die Feuersoritze erschien erst nach Verlauf von zwei Stunden, als der Brand sich schon zum größten Theil gelegt hatte. Es dauerte aber noch lange Zeit, ehe die Spritze in Thätigkeit treten konnte, da die Befestigung des Schlauches nicht recht klappen wollte. Bei dieser Gelegenheit haben wir so recht gesehen, wie nöthig eine Feuerwehr für unsern Ort ist. Es ist dringend zu wünschen, daß endlich die Organisotion einer Feuerwehr durchgeführt wird. Düsseldorf, 23. Febr.(Die Furcht vor dem Tode) hat, wie bereits kurz berichtet, die Bekehrung des Mörders Brendgen bewirkt. Während er, als er an die Leiche der Ermordeten geführt wurde und bei der ganzen Schwurgerichtsverhandlung gleichgütig und kalt blieb, ging ihm bei Verkündigung des Urtheils der Athem aus, nur noch in langen Zwischenräumen und stotternd brachte er die Worte hervor:„Ich bin unschuldig, ich lege Revision ein!" Als er nach dem Urteil in die Zelle zurückgebracht worden war, wurde er indes nachdenklich, stützte den Kopf auf die Hand und weinte, dann verlangte er Papier zum Schreiben. Von seinem Benehmen wurde der Gefängnisgeistliche Dr. Meister benachrichtigt, der gleich kam und eine Stunde mit Brendgen in der Zelle allein blieb. Brendgen weinte viel und legte darauf ein umfassendes Geständnis seiner grausigen That ab. * Crefeld, 21. Febr.(Sudermans„Heimath“.) Das von der Theaterkommission ausgesprochene Verbot der Aufführung von Sudermanns„Heimath“ ist vom Stadtverordnetenkollegium aufrecht erhalten worden. Ohne Unterschied der Parteistellung erklärte man sich mit dem Vorgehen der Kommission einverstanden. Ein auswärtiges Blatt macht sich nunmehr in folgender Weise über das jüngste unerhörte Zensurverbot in Crefeld lustig: „Dem Gedankengange des neuesten Zensur=Ukas in Crefeld, betr. Sudermanns„Heimath“ folgend, nennen wir hier eine Blüthenlese klassischer Werke nebst VerbotsMotivirung: Shakespeare:„Richard II.“— Ein König wird auf offener Szene entthront, verhöhnt u. ermordet, verboten. „Heinrich IV.“— Ein liederlicher Kronprinz, unmoralisches Verhältniß Falstaffs mit Dortchen Lakenreißer—————————— verboten. Richard ir1:— Königsmord, Buhlerei, verboten. „Romeo und Julie".— Aufreizung der Töchter zum Ungehorsam gegen die Eltecn unter Beihülfe eines Mönches, unmoralische Balkonszene, Selbstmord————--———— verboten. „Hamlet“.— Die Königin tötet mit Hülfe ihres Schwagers ihren Gatten und beiratet den Mörder, verboten. „Kaufmann von Venidig".— Entführung eines Judenmädchens————--. verboter „König Lear“.— Ein wahnsinniger sconig, buhlerisches Verhältnis Gonerils und Regans mit Glasters Bastard———----—-—— verboten. „Othello“.— Den ganzen Abend über wird von nichts wie von Untreue gesprochen———— verboten. „Macbeth“.— Königsmord, außerdem feuergefährliches Nachtwandeln der Lady————— verboten. Goethe:„Götz von Berlichtngen“.— Darin kommt eine höchst unmoralische Person, genannt Adelheit, vor; außerdem hat Götz die Gewohnheit, die Fenster mit einem unanständigen Ausruf zuzumachen, verboten. „Faust“.— Gretchen bekommt ein uneheliches Kind, ermordet ihre Mutter und ihr Kind—— verboten. „Clavigo“.— Untreue, Schwindsucht, Mord, verboten. Lessing:„Nathan.“— Verherrlichung des Liberalismus und deshalb besonders anstößig—— verboten. „Emilia Galott!“.— Gräfin Orsina eine privilegirte Maitresse, unmoralische Absichten des Prinzen auf Emilia———————— verboten. Schiller:„Die Räuber.“— Glorifizirung eines Räubers und Mörders———————— verboten. „Fiesco.“ Schändung eines jungen Mädchens verboten. „Kabale und Liebe.— Lady Milford eine Maitresse, Aufreizung der Massen gegen die besitzenden Klassen—————..———— verboten. „Don Carlos.“— Der Konig hat ein unmoralisches Verhältniß mit der Eboli, der Sohn liebt seine Mutter—————————— verboten. „Wallensteins Lager.“— Verhöhnung der katholischen Religion in der sogenannten Kapuzinerpredigt—————————— verboten. „Wallensteins Tod.“]— Verschwörung gegen eine verbündete Macht, demnach Verletzung des Dreibundes————————— verboten. „Maria Stuart.“— Eine höchst unmoralische Person, welche noch dazu besser sein will, als ihr Ruf——————————— verboten. „Jungfrau von Orleaus.“— Ela emanzipirtes Frauenzimmer, Verherrlichung Frankreichs nach dem Panama=Skandal——————— verboten. „Braut von Messina.“— Die Brüder lieben ihre Schwester, Brudermord, Selbstmord— verboten. „Wilhelm Tell.“— Aufreizung der Massen gegen die besitzenden Klassen——————— verboten. Kleist:„Prinz von Homburg.“— Todessurcht eines brandenburgischen Generals——— verboten. „Käthchen von Heilbronn.“— Eine unmoralische Person, denn welches anständige Mädchen läuft in dieser Weise ihrem Geliebten nach? Das wollen wir bei uns nicht einführen——————— verboten. Dem geehrten Leser ist es überlassen, dieses Verzeichnis mit Grazie in infinitum fortzusetzen. Trier. 23. Febr.(Sechs Monate unschuldig im Gefängnis!) Der Briefträger Götten befand sich wegen des Verdachtes, einen Mord begangen zu haben, seit sechs Monaten in Untersuchungsdaft. Im vergangenen Herbst wurde der Tagelöhner Schwarz bei seiner Rückkehr von der Euerner Kirmes in der Nähe von Trier todtgestochen. Als Tläter wurden zwei Unterbeamte der Post verhaftet. Der mitverhaftete Briefträger Götten trug damals an der Hand eine durch einen Messerstich verursachte Wunde, was seine Mitthäterschaft bei dem Verbrechen noch wahrscheinlicher machte. Götten betheuerte jedoch fortwährend seine Unschuld. Den Stich habe er von seinem Mitverhafteten in dem Augenblicke erhalten, als er die Streitenden auseinanderreißen wolle. Diese Angabe des Bliefträgers wurde jetzt durch die Aussage eines erst dieser Tage ermittelten Metzgerburschen, der bei der That zugegen war, bestätigt. Götten ist daraufhin sofort aus der Untersuchungshaft entlassen worden, in der er unschuldig sechs Monate zugebracht hatte. Hinrichtung. Darmstndt, 23. Febr. Heute früh 6½ Uhr wurde im Arresthause der 20jährige Pflasterer, Kramm von Alzey, welcher den Mörfelder Landwirth Schulmeyer ermordete, durch den sächsischen Scharfrichter Brand bingerichtet. Leiden auf See. Kopenhagen, 23. Febr. Der Dampfer„Jakoff Prosoroff“ aus Lübeck, Kapitän Herlich, mit Eisenerz von Oxelösund(Schweden) nach Rotterdam bestimmt, war 42 Tage auf See. Die Mannschaften nährten sich in den letzten 32 Tagen von Kartoffeln und Wasser. Der Dampfer ist gestern 9 Meilen östlich von Möen gesunken. Die aus 16 Mann bestehende Besatzung landete gestern Abend in schlechtem körperlichen Zustande. Großer Brand. Kopenhagen, 23. Fedr. Heute früh 6 Uhr brach in dem Häusercomplex am KönigsNeumarkt, in welchem sich viele Werkstätten und 1aarenlager befinden ein großes Feuer aus, welches jetzt mit Hilfe von 4 Dampfspritzen und mit Unterstützung von Militär und Marine bewältigt ist, aber sehr großen und noch gar nicht zu übersehenden Schaden angerichtet hat. Drei Feuerwehrleute wurden leicht verwundet. Markt- und Coursberichte. * Witten, 23. Febuar. Weizen 16.00, Roggen 14.50 Gerste 11,50, Hafer 15.—, Kartoffeln 4,50 Mk.,(alles per 100 Kilo). Butter ½2 Kilo 1,15 Mk. ## Dortmund, 23. Februar.(Börsenberich:) Besuch: gut. Tendenz: schwach. Umsätze: mäßig. Weizen inländ. 16,00 bis 16,50 M., fremder 1675 bis 18.— M., Roggen inländ, neuer 14.60 bis 14,50 M., fremder 15.00 bis 17,00 Mk., Hafer inländ. neue Waare 15.25 bis 15.75 M., fremder 15.—bis 16.00 M., Futtergerste 11,50 bis 12.25 M., Mais 12.25 bis 13.00 M. Weizenvorschuß incl. Sack 21,50 bis 23.50 M., Roggenvorschuß inel. Sack 20.00 bis 21,00 M.. Weizenkleie. 8,00 bis 875 M., Rüböl incl. Faß 57,— bis 58.— Mi, Alles per 100 Kilogr frachtparität Dortmund exclusive Sack bei Abnahme von Doppelladungen. Neuß, 23. Februar. Fruchtmarkt. Winterweizen kleiner 16.20, Weizen 1. Qual. engl. Sorten 15.80, 2. 15,20 Mk. Landroggen 1. Qual. 14,00, 2. 13,00 Mk. Hafer 14.40 Mk. Raps 1. Qual. 25,00, 2. 24,00 Mk. Aveel(Rüdsen) 23,75 Mk. Kartoffeln 4,00 Mk. Rüböl 55,00, do. faßweise 56.50, geretnigtes Oel 58,00 Mk. für 100 kg. Heu 55,00 Mk. Weizenstroh 21,00 Mk., Roggenstrob 22,00 Mk. für 500 kg. Preßkuchen 116 Mk. für 1000 kg. Kleie 5,00 für 50 kg. * Berlin, 23. Februar.(Fruchtbörse.) Weizen Febr. 000.00 April=Mai 155.00, Mai Juni 156.25 Juni= Juli 157,50 Mark. Roggen Februar 000.00 April= Mai. 137.00, Mai=Juni 138,00, Juni=Juli 139.00 Mar. Hafer Februar 144.00, April=Mai 143.50 Mai=Juni 143.50. Juni=Juli 143 50 Mark. Mais April=Mai 110.00 Juni=Juli 109.25 Mark. Rüböl vorr. mit Faß 54,00 Mark, ohne Faß 53.00, April=Mo 53.70 Mai=Juni 53.70 Mark Spiritus 70er vorr. 34.40, Febr März 33.30 April.=Mai 34.00, Mai=Juni 34,10 Juni=Juli 34,70, Aug.=Septbr.335.60 Mt 50er vorr 53,90 Mark. troleum vorr 19.80 Mark Roggenmehl 0/1 Februar 18.00, April=Mai 18.05 Mark Weizenmehl 0 20,00 bis 18.00, 00 22.50—20,25 Mark. Gekündigt: Weizen 0000 Ctr., Roggen 0000 Ctr., Haser 0000. Ctr., Rüböl 000 Ctr., Spiritus 70er 30000 Liter. * Bremen, 23. Februar. Petroleum fest, vorr 5.25 Brief. * Autwerpen, 23. Februar. Petroleum unv. vorv 12½, Febr. 12½, März 12 1/8. Sept.=Dec. 12¾ kr. Glasgow, 23. Febr. Roheisen. Warrants 44 8 6 d nom. Civilstand des Standesamtes Ostherbede vom 1. bis 15. Februar 1893. Geburten. Ein Sohn den Eheleuten: Schlosser Adolf Ruhrmann in Heven. Bergm. Friedrich Wellmann in Heven. Schlosser August Neuhaus in Heven. Schmied Caspar Ebeling in Heven. Fabrikarb. Friedrich Wienhold in Heven. Eine Tochter: Berginvalide Friedrich Matrong in Heven. Bergm. Heinrich Brinkmann in Ostherbede. Bergm. Bernhard Knöbel in Heven. Bergm. Friedrich Voßkuhl in Westherbede. Fabrikarb. August Wösthoff in Heven. Spezereihändler Heinrich Gustav Gethmann in Durchbolz. Techniker Friedrich Ernst Neuhaus in Heven. Fabrikarb. Heinrich Friedrichs in Heven. Bergm. Friedrich Wilhelm Stratmann in Osther= bede. Fabrikard. Philipp Pingel in Heven. Bergm. Ewald Ostwinkel in Heven. 2 Töchter den Eheleuten: Fabrikarb. Martin Balcerek in Heven. Aufgebote: Fabrikarbeiter Friedrich Heinrich Loer in Ostherbede und die geschäftslose Ida Kraushaar in Westherbede.— Bergmann Wilhelm Prieur und die geschäftslose Elisabeth Louise Auguste Lipphaus, beide in Ostherbede.— Kutscher Ernst Fröhlin und die geschäftslose Louise Steveling beide in Heven. Bergmann Julius Gustav Klein und die Wittwe Bergmann Heinrich Bürhaus Ida geb. Dahlhaus, beide in Durchholz. Eheschließungen: Steiger Hermann August Buse in Buchholz und die geschäftslose Emma Altenhein in Westherbede.— Zechenschreiner Heinrich Georg Grotehusmann in Heven und die geschäftslose Emma Wilhelmine Schellenberg in Stiepel.— Bergmann August Sieper und die geschäftslose Emma Wegmann, beide in Heven. Sterbefälle: August Lütge=Barncy 2 T. in Vormholz. Berginv. Wilhelm Freund 48 J. in Durchholz. Ehefrau Mathilde Poth ged. Stracke 61 J. in Vormholz. Anna Altebahne 6 M. in Heven. Die geschäftslose guste Lina Matrong 18 J. in Heven. Dorothea Althoff. ged. Moll 76 J. in Vormholz. Ehefrau Friedrike Heil geb. Stribeck 41 J. in Ostberbede. Mina Fischer geb. Kruse 68 J. in Heven. Berginv. Julius Adolphs 47 J. in Vormholz. Leberchran, feinste Medicinalwaare in Flasehen und ausgewogen, desgl. mit Pfeffermünzöl(wohlschmeckender L.) zu haben bei F. Bottermann, Bahnhofstr. 56. Ein billiges Abonnement. Wer die Berliner Abendpost mit den Beilagen Deutsches Heim Häusliche Kunst noch nicht knnt, bestelle dieselbe für den Monat März bei der nächstgelegenen Postanstalt zum Preise von nur 42 Pfennig. Die„Beiliner Abendpost" trifft überall am Morgen ein dieselbe berichtet über Alles streng sachlich und politisch parteilos.— Ausführliche Reichstagsberichte. Die Berlirer Abendpost ist jetzt die verbreitetste Zeitung. Beilin SW. Kirchliche Nachrichten. Witten: Sonntag 9 Uhr in der alten Johanniskirche Pastor Kellermann. 10½ Uhr in der Gedächtnißkirche Sup. König. 10 Uhr in der Diakonissenanstalt Pastor Gräber. Nach mittags 2 Uhr: Kindergottesdienst. 3 Uhr Bibelstunde im Vereinshause. 5 Uhr Past. Leesemann. Freitag. den 3. März Passionsgottesdienst, Kreisvikar Gravemann. Kollekte für den Kirchen=Umbau der reform. Geweinde in Wetter. Annen. Sonntag morgen 10 Uhr: Pastor Brasse. Nachm. 2 Uhr Kindergottesdienst. Freitag nach Remintscere abends 6 Uhr, Langendrer. 91, Uhr, Vator Kalbof, Biepersaelt (Gastpredigt), Koll. f. d. Kirchen=Umbau in Weiter Frechen. 11 Uhr: Kindergottesdienst. 5 Uhr, Hilfspred. Dr. Morgenstern. Freitag 3 Uhr: Vorbereitung der Helferinnen bei Pastor Landgrebe. Freitag, den 3. März, Nachm. 4 Uhr: Passionsgottesdienst. Hilfspred. Dr Morgenstern. Herbede. Sonntag 9½ Uhr: Pastor von Hoefen. Mittwoch 5 Uhr: Vassionsgottesdienst. Altkatholische Gemeinde Witten. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst in der Christuskirche Nach kurzem Gebrauch unentbehrliches Zahnputzmittel. Schäpheit 1 Neu erfundene, unübertroffene Scheunere Glycerin-Zahn-Crôme der Zähne1— sanitätsbehördlich geprütt— f. A. 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