No. 139. Witten, Sonntag, den 17. Juni. 1894. Erscheint wöchentlich sechs Mal. Anzeigen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. Fernsprech=Nr. 46(Amt Witten). Freisinnige Sozialpolitik. Scherat=Anzeiger für Witten und Umgegend. Abonnementspreis(inel. der Beilage „Märkisches Heim"): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pf. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post 2 Mark ausschl. Bestellgeld. Das seit längerer Zeit und jetzt wieder im Lager des Deutsch=Freisinns, insbesondere der freisinnigen Volkspartei hervortretende Bestreben, eine positivere Stellung, als bis dahin, zu den sozialpolitischen Aufgaben zu gewinnen, erregt vielfach Spott. Dies ist begreiflich, weil unsere politische äußerste Linke unter allen ihren wechselnden Namen, als Fortschrittspartei, deutschfreisinnige Partei, freisinnige Volkspartei sich immer in der grundsätzlichen Negation gegenüber allen sozialpolitischen Forderungen an die Gesetzgebung erging, Jahrzehnte hindurch an der Ansicht fest hielt, daß auf dem wirthschaftlichen Gebiete Alles am besten bestellt sei, wenn man die Menschen und die Dinge sich selbst überlasse. Die alte Demokratie von 1848, welche zum Theil in der 1861 begründeten Fortschrittspartei wieder erschien, hatte derartige wirthschaftspolitische Meinungen keineswegs gehegt, vielmehr ein energisches Eingreifen der Staatsgewalt behufs wirthschaftlicher Hebung der unteren Klassen, auch durch Mittel, welche man später als sozialistisch abwies, erstrebt; in Ziegler's nach seinem Tode veröffentlichten Briefen beispielsweise findet sich uoch aus der Zeit des ersten Auftretens Lassalle's bitterer Spott über die„manchesterliche" Wirthschafts= und Sozialpolitik der Fortschrittspartei. Diese theilte eben, wie um jene Zeit fast der gesammte Liberalismus— und wenigstens in handelspolitischer Hinsicht auch die konservative Partei— die damaligen Bestrebungen des Volkswirthschaftlichen Kongresses, welche gegenüber der mannigfaltigen Zwangs= und Bevormundungs=Wirthschaft in Deutschland der fünfziger und ersten sechsziger Jahre in weitem Umfange durchaus berechtigt waren, aber sehr bald durch unsachliche Konsequenzmachererei übertrieben wurden; das starre Festhalten daran, als die thatsächlichen Zustände sich von Grund aus verändert hatten, war ein Fehler, der nirgends so beharrlich, ja leidenschaftlich begangen ward, als von der Partei, während deren Metamorphosen Herr Richter immer unbeschränkter ihr Führer wurde. Es kann unseres Erachtens, so führt die„National=Zeitung“ aus, keinem Zweifel unterliegen, daß die Unfähigkeit der— um von den wechselnden Namen hier abzusehen— politischen äußersten Linken auf dem sozialpolitischen Gebiete, wie sie zu dem beständigen Rückgang dieser Partei selbst wesentlich beigetragen hat, auch in einem viel weiteren Betracht auf die Gestaltung des deutschen Parteiwesens und öffentlichen Lebens eingewirkt hat. Und zwar in ungünstigem Sinne. Die natürliche Aufgabe einer äußersten Linken ist überall, die radikalen Anliegen der großen Menge, d. i. heut zu Tage in erster Reihe der handarbeitenden Klassen, wahrzunehmen; sind die Führer fähig und von dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit erfüllt, so werden sie auf die Forderungen der Massen gleichzeitig mäßigend einwirken, sie in den Grenzen des Möglichen zu halten suchen und die Verwirklichung derjenigen Verlangen, welche berechtigt erscheinen, erstreben. Die sozialpolitisch völlig negative Haltung der Fortschrittspartei und ihrer Partei=Erben hat, indem dadurch die Fühlung zwischen ihr und den Massen immer mehr verloren ging, unzweifelhast zum Anwachsen der Sozialdemokratie mächtig beigetragen. Ebenso schädlich war eine andere Wirkung. In dem Bewußtsein, an Einfluß unter den Arbeitern, die ehedem überwiegend zur Fortschrittspartei gehalten hatten, beständig einzubüßen, war diese darauf aus, sich in den Mittelklassen schadlos zu halten, die ihrem politischen Wesen nach ebenso zu dem gemäßigten Liberalismus hinneigen, wie die Arbeiter zum Radikalismus. Nicht am wenigsten aus dieser Quelle entsprang die öde Polemik, welche Fortschrittspartei, Deutschfreisinn 2c. ein Vierteljahrhundert hindurch gegen die Nationalliberalen führten; auch vom beschränktesten ParteiStandpunkte aus ist dadurch nichts erreicht worden, die Fortschrittspartei ging unter jedem Namen, von einem und dem anderen kurzlebigen numerischen Aufschwunge abgesehen, beständig zurück; in dem Vertheidigungs=Kampf aber, den der gemäßigte Liberalismus fast ununterbrochen gegen sie führen mußte, erlitt auch dieser Verluste; den Gewinn hatte auf der einen Seite die Sozialdemokratie, auf der anderen der Konservatismus. Geschehene Dinge sind schwer und fast niemals vollständig in ihren Wirkungen wieder aufzuheben. Dennoch würden wir ein Bemühen der jetzigen freisinnigen Volkspartei, durch eine positive Sozialpolitik den verlorenen Halt in den Massen theilweise wiederzugewinnen, nicht mit Spott, sondern von höheren Gesichtspunkten, als denen der Fraktions=Polemik aus mit ernstem Interesse und ohne Feindschaft betrachten. Aber ist ein solches mühen in einer Weise, die Erfolg verspricht, zu erwarten? Was in dieser Beziehung innerhalb des leitenden Partei=Kreiseszvorbereitet wird, entzieht sich vorläufig der Beuktheilung. Das selbstständige Vorgehen eines Berliner freisinnigen Vereins, der seine Agitation bereits in die freisinnige Wählerschaft eines der Berliner Reichstags=Wahlkreise zu übertragen versucht, bekundet offenbar erhebliches Mißtrauen in die bezüglichen Absichten der Parteileitung. Wir mischen uns in diesen inneren Partei=Gegensatz, dessen Tragweite zweifelhaft ist, nicht weiter ein. Auch eine eingehende Kritik des sozialpolitischen Programms, das die Opposition aufgestellt, würde bei der derzeitigen Lage der Dinge keinen rechten Zweck haben. Nur einige Bemerkungen sollen dazu gemacht werden. Die prinzipiell wichtigste Forderung dieses Programms ist, wie wir schon mittheilten, die eines Maximalarbeitstages für erwachsene männliche Arbeiter, der für Staats= und Kommunalbetriebe zunächst auf neun Stunden täglich, im Uebrigen nach Berufszweigen festgestellt werden soll. Gegenwärtig, wo kein Ueberfluß an Arbeit vorhanden ist und in den meisten Betrieben mit sehr geringem Gewinn produzirt wird, dürfte für eine Forderung, die praktisch die Vertheilung der vorhandenen Arbeit unter mehr Arbeiter ohne Herabminderung des Lohnsatzes für den Einzelnen erstrebt, der Augenblick schwerlich günstig gewählt sein. Für die grundsätzliche Beurtheilung kommt dies allerdings nicht entscheidend in Betracht. Unleugbar ist dieser Punkt derjenige, mit welchem das Programm auf die industriellen Arbeiter noch am meisten Eindruck machen könnte. Aber wie wird die Partei, deren bisherigen wirthschaftlichen Grundanschauungen er schnurstracks widerspricht, ihn aufnehmen? Wie auf die städtischen Arbeiter mit dem Maximalarbeitstag, so wäre bei den ländlichen mit dem Verlangen nach„Aufhebung der Fideikommisse und Verbot ihrer künftigen Errichtung, Zerschlagung der Staatsdomänen und Latifundien, Schaffung mittlerer wie kleiner Bauerngüter“ vielleicht Anklang zu finden. Aber wie denken die Urheber des Programms sich die Durchführung ihrer agrarpolitischen Forderungen? Die ländliche Arbeiterbevölkerung besitzt nicht das Kapital, um in erheblichem Umfange„mittlere und kleine Bauerngüter" zu erwerben; das Mittel, ohne Kapitalzahlung dies zu ermöglichen, das Rentengütergesetz aber ist von dem Deutsch=Freisinn auf das heftigste bekämpft worden. Vorläufig geht die Ansiedelung kleiner Grundbesitzer vermittelst dieses Gesetzes ohne so radikale Maßregeln, wie Aufhebung der bestehenden Fideikommisse und Zerschlagung der Domänen, in erheblichem Umfange vor sich. Wollen die Sozialreformer der freisinnigen Volkspartei auf ihre Opposition gegen das einzige, bis jetzt in Betracht gekommene praktische Mittel zu dem von ihnen proklamirten Zwecke verzichten? Den grundsätzlichen Widerspruch gegen die Arbeiter=Versicherungsgesetze, welche sämmtlich gegen die Stimmen des DeutschFreisinns zu Stande gekommen, scheint man bereits nicht mehr aufrecht erhalten zu wollen, denn es wird nur die„Revision" dieser Gesetze in Dingen verlangt, welche das Wesen derselben nicht berühren. Die freisinnige Volkspartei wird eben, sie mag in der Art des Berliner Programms oder nach dem noch unbekannten Rezept der Parteileitung den Versuch unternehmen, positive Sozialpolitik zu treiben, einen großen Vorrath gesinnungstüchtiger Redensarten über Bord werfen müssen, mit denen sie, als sie selbst sozialpolitisch nichts thun wollte, Alles anfeindete, was von anderen Seiten auf diesem Gebiete geschah. Die Arbeiter=Versicherung und der Beginn der inneren Kolonisation sind, jene unter dem Eindruck des Anwachsens der Sozialdemokratie, diese unter dem Eindruck der landwirthschaftlichen Schwierigkeiten, von der Regierung gemeinschaftlich mit den gemäßigten Liberalen und den Konservativen durchgesetzt worden. Ohne eine nunmehrige positive Stellungnahme zu diesen, früher ohne und gegen den Deutsch=Freisinn bewirkten Leistungen wird er schwerlich über bloße Phrasen hinauskommen; um das zu überbieten, was seit länger als einem Jahrzehnt sozialpolitisch geleistet worden, wirß er mit dem Eingeständniß beginnen müssen, daß die systematische Bekämpfung dieser Sozialpolitik verfehlt war. Reich. Berlin, 315. Juni. * Berliner Nachrichten. Das Kaiserpaar begab sich am Freitag, als am Jahrestage des Todes Kaiser Friedrichs III. nach dem Mausoleum in der Friedenskirche und legte daselbst Kränze am Sarge des hohen Entschlafenen nieder. Den Rest des Tages verbrachten die Majeställer Zurückgezogenheit.— Die von den wegen Beleidigung des Finanzministers Dr. Miquel und des Reichskanzlers Grafen Caprivi Verurtheilten Plack, Dewald und Schweinhagen gegen das Urtheil des Landgerichts!— Berlin eingelegte Berufung wurde vom Reichsgericht verworfen.— Wir hatten Das Gerücht verzeichnet, daß die Bezirks=Feldwebel und=Unteroffiziere alljährlich eine 14tägige Uebung bei den aktiven Truppen durchmachen müßten. In militärischen Kreisen ist davon nichts bekannt. Dagegen möchte, wie die „Kreuzztg.“schreibt, die Nachricht, daß Bajonette an Stelle der Seitengewehre eingeführt werden sollen, der Wahrheit näher kommen.— Auf der diesjährigen Nordlandsreise wird der Kaiser wiederum von dem Baron von KiderlenWächter als Vertreter des Auswärtigen Amtes begleitet werden.— König Oskar von Schweden empfing am Freitag kurz vor seiner Abreise auf dem Lehrter Bahnhofe eine Deputation der hiesigen schwedisch= norwegischen Kolonie, welche aus etwa 20 Herren und Damen bestand und dem König ein prachtvolles Bouquet überreichte. § Eine neue Regelung unserer handelspolitischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird immer dringender, zumal wenn, wie es den Anschein hat, jetzt auch noch eine Bedrohung unseres Zuckerexports wegen angeblicher Ausfuhrprämien bevorsteht, aber auch sonst ist eine Neuordnung unserer zoll= und handelspolitischen Beziehungen zu diesem Lande eine unaufschiebbare Nothwendigkeit. Die Vereinigten Staaten stehen mit Deutschland auf Grund eines etwas zweifelhaften Rechtsbodens(die Zustimmung des Reichstags ist niemals nachgesucht worden) in einem Meistbegünstigungsverhältniß, das auf alle Fälle jeden Augenblick getündigt werden kann. Dieses Verhältniß gereicht in jeder Beziehung zum Vortheil von Amerika. In jedem Jahr verschärft dieses Land sein Zollsystem, das ohnehin schon einen Prohibitivcharakter hat, bis zur völligen Absperrung. Die deutsche Einfuhr geht jedes Jahr zurück, dafür überschwemmt uns dieser Staat immer mehr mit landwirthschaftlichen Produkten von zum Theil sehr zweifelhaftem Werth. Aehnlich hat sich Bruder Jonathan mit andern europäischen Ländern zu stellen verstanden; er ist der Schmarotzer auf Kosten ganz Europas, der nichts bietet, sondern nur einstreicht. Selbst so berechtigte Beschwerden, wie sie noch in der jüngsten Reichtagssession zur Sprache kamen, die Klagen über die durch die amerikanische Gesetzgebung hervorgerufene betrügerische Ausbeutung der literarischen und künstlerischen Erzeugnisse Deutschlands, stoßen auf kalte Abweisung. Hoffentlich faßt die Reichsregierung jetzt einmal diese Verhältnisse ins Auge und dringt auf einen neuen Handelsvertrag, bei dem die deutschen Interessen besser gewahrt sind, als es gegenwärtig der Fall, ist. ###1-C. Der große Lohn= und Verrufskampf, oer sich im Berliner Brauereigewerbe erhoben hat und für weitere derartige Kämpfe voraussichtlich das Vorbild abgeben wird, ruft die Erinnerung an einen Versuch hervor, der im Jahr 1890 91 in der großen Gewerbeordnungsnovelle neben den Arbeiterschutzbestimmungen unternommen worden, den Versuch, Zucht und Ordnung in den Arbeiterverhältnissen zu verstärken. Es handelte sich um 16 Vermißt. Von F. Arnefeldt. „Aber Aurelie, was hat nur der Alte?“ fragte Otto, „so habe ich ihn ja noch garnicht gesehen. Fällt es Dir nicht auch auf, daß er krank und elend aussieht?“ „Das braucht Dich doch nicht Wunder zu nehmen, wenn man solche Täuschung erlebt, wie der Vater an diesem Forberg. „Ehrlich gestanden, für so empfindsam hätt' ich ihn garnicht gehalten. Und dabei der Widerspruch. Will von der ganzen Geschichte nichts hören und sagt doch, er hätte nichts dagegen, wenn Du den Sohn heirathetest, da hätte er sie ja sozusagen lebendig vor Augen.“ „Auf solche Widersprüche kannst Du alle Augenblicke bei ihm stoßen, es ist jetzt recht schwer mit ihm zu leben.“ „Und mit Dir, wie es mir scheint, auch.“ Sie brach in Thränen aus und antwortete zornig: „Du machst es Dir freilich leicht; Du führst ein lustiges Leben und läßt Dich hier nur blicken, wenn Du Geld brauchst.“ „Du ahnungsvoller Engel Du!“ warf Otto ein. „Was aus mir wird, wie ich mit meinem Gram, mit meinem Elend fertig werde, das kümmert Dich nicht.“ Otto Gäbler, der einen bodenlosen Leichtsinn, aber auch eine große Gutmüthigkeit besaß, ergriff ihre Hand.„Aurelie, Du liebst Gustav Forberg,“ sagte er eindringlich. „Laß das; das ist vorbei!“ entgegnete sie finster. „Du liebst ihn und leidest schwer unter der Trennung,“ seine Stimme klang jetzt so weich und mitfühlend, daß Aurelie die starke Rinde, die sie künstlich um ihr Herz gelegt, schmelzen fühlte. „Ja, ich liebe ihn, liebe ihn mehr als mein Leben, liebe ihn jetzt, wo er mir verloren, glühender, verzehrender als jemals!“ rief sie unter heißen Thränen,„aber trotzdem würde ich niemals die Gattin dieses Mannes werden!" „Aurelie!" „Sprich kein Wort, Du vergrößerst nur meine Qual!“ sie hob abwehrend die Hand.„Nichts, was Du mir sagen könntest, das ich mir nicht selbst gesagt hätte! Ich weiß, daß ich zeitlebens elend sein werde—“ „Und hast Du nicht bedacht, daß Du auch ihn elend machst, wenn er Dich liebt, und er hat ohnehin so viel zu tragen!“ „Auch das habe ich bedacht,“ erwiderte sie, und ihre Züge schienen zu erstarren,„es kann nichts ändern; wir Mice eie eie blsc ailt euie unet 6 stärker als ich.“ „Was ist stärker? Stärker der Stolz als die Liebe?“ Sie nickte.„Die Liebe war schon sehr stark, daß sie den Anstoß an seine Herkunft überwand.“ Trotz seiner aufrichtigen Theilnahme konnte Otto sich doch hier eines humoristischen Lachelns nicht enthalten. „Unsere Wiegen haben doch auch nicht in einem Palast gestanden; die Apotheke in Baldenburg—“ „Lassen wir das,“ unterbrach sie ihn,„wir werden uns darüber nicht verständigen. Genug, ich kann nicht; lieber sterben, lieber, was noch viel schlimmer ist, ein langes, unglückliches Leben mit sich schleppen.“ „Und wenn Du Dein Glück und das des andern nun einem Phantom geopfert hättest? Wenn Forberg nicht der Dieb wäre, für den Du ihn hältst? Wenn seine Schuldlosigkeit an den Tag käme?" „Schweig! Schweig!“ schrie sie mit stierem Blick,„das kann, das darf nicht sein! Das müßte mich zum Wahnsinn treiben!“ Er blickte sie einen Augenblick ganz verständnißlos an, dann sagte er, sich besinnend:„Du hast Gustav Forberg zu verstehen gegeben—“ „Ich habe ihn gebeten, nicht wieder zu uns zu kommen,“ antwortete sie mit erstickter Stimme. „Wenn es so ist, dann ist freilich alles aus,“ murmelte Otto,„das ist auch ein Fall, wo mit Hebbel zu sprechen ist:„Darüber kann kein Mann hinaus!“ „Du weißt jetzt wie es steht, und nun kein Wort weiter!“ Sie eilte aus dem Zimmer, die Treppe hinauf und nach ihrer eigenen, aus Wohn= und Schlafzimmer bestehenden kleinen Wohnung. Die Stuben waren niedrig, aber die Wände mit schönen gepreßten Tapeten bekleidet und mit guten Kupferstichen nach alten Meistern geschmückt. Schwellende Möbel mit schönen Formen, dicke Teppiche und Portièren gaben der Einrichtung etwas Vornehmes, aber es lag doch wie ein grauer Schleier der Trostlosigkeit über dem Ganzen. Das Pianino schien lange nicht geöffnet, die Topfgewächse auf dem Blumentisch am Fenster ließen schlaff die Blätter hängen, auf den hübschen Sächelchen aus Porzellan, Bronze und Kristall, die auf den Tischen und Borden umherstanden, lag der Staub; eingetrocknet war die Tinte im Tintenfaß des kunstvollen Schreibzeuges auf dem zierlichen Schreibtisch aus Polysanderholz: die Bewohnerin dieser Räume hatte keine Aufmerksamkeit mehr für ihre Umgebung und würde es kaum bemerkt haben, hätte die alte Lore nicht jeden Morgen wenigstens das Bett gemacht und nothdürftig die Ordnung hergestellt. Auch jetzt warf sie sich auf das Sofa, wühlte den Kopf in die Kissen und überließ sich den Gedanken, die sie ausschließlich beschäftigten, deren sie sich Tag und Nacht nicht erwehren konnte und auch nicht einmal erwehren wollte. Wenige Tage nach dem Verschwinden des Kassenboten war Aurelie von einem zweiwöchigen Besuche bei einer unlängst verheiratheten Schulfreundin zurückgekehrt. Sie war mit zwei sie überraschenden und erschütternden Neuigkeiten empfangen worden. Lore, die alte Haushälterin, die sie, so lange sie dieselbe kannte, immer in gleichmäßiger Gesundheit gesehen hatte, erzählte ihr, sie sei von einem Gange von der Markthalle heimkehrend, plötzlich von einem Schwindel befallen worden, daß sie sich kaum hätte zu ihrem Bette schleppen können, und dort habe sie zwei Tage und zwei Nächte gelegen, ohne recht etwas von sich zu wissen; nicht einmal, daß ihr der Herr Brühe und Thee eingeflößt, hätte sie gespürt, und sie fühle sich noch ganz schwach davon. War Aurelie, welche für die Alte, die sie nach dem frühen Tode ihrer Mutter mit Sorgfalt gepflegt, eine liebevolle Anhänglichkeit besaß, durch diese Nachricht erschreckt, so hatte die zweite von dem Verschwinden des Kassenboten für sie etwas geradezu Niederschmetterndes. Im ersten Augenblick dachte sie an nichts als an die Wirkung, welche ein solches Ereigniß auf Gustav Forberg, den Geliebten ihrer Seele, ausüben müsse, und sie war im Begriff gewesen, nach Friedenau zu eilen, um seine Mutter und Schwester, vor allem aber ihn zu trösten. Ihr Vater hatte sich diesem Vorhaben auch durchaus nicht widersetzt, gehörte er doch zu denjenigen, welche an Forbergs Unschuld glaubten und dessen Sohn eifrig in den Nachforschungen nach dem Verschwundenen unterstützten. Seiner Tochier hatte er im engsten Vertrauen dann aber ein Bekenntniß gemacht. „Dir, mein Kind, möchte ich doch reinen Wein einschenken,“ hatte er mit geheimnißvoller Miene zu Aurelie gesagt,„ich glaube nicht daran, daß Forberg ein Unglück zugestoßen ist, sondern möchte eher mit voller Bestimmtheit behaupten, er sei mit dem Gelde durchgegangen.“ „Aber warum giebst Du Dir denn den Anschein vom Gegentheil?“ war ihre verwunderte Gegenfrage. „Um Deinetwillen, mein Kind, weil ich Dich nicht unglücklich machen möchte, weil ich weiß, daß Du Gustar Forberg liebst.“ „Und Du könntest zugeben, daß ich den Sohn eines ehrlosen Verbrechers heirathe?“ hatte sie auffahrend gefragt. „Was können die Kinder für die Thaten des Vaters?“ „Sie haben Sie mitzutragen, sie fallen auf ihr Haupt, sie sind ehrlos gleich jenen. Nein, nie werde ich Gustav Forbergs Frau. Lieber glücklos, als ehrlos.“ Der Vater hatte ihr vorgestellt, daß man wahrscheinlich nie wieder etwas von Forberg hören werde, die Sache würde im Sande verlaufen und schließlich vergessen werden, aber sie hatte voll Entrüstung und Entsetzen nur die entfernteste Möglichkeit an eine solche Verbindung zurückgenichen. 4 Verkindung n „Ich würde leben wie unter dem Richtbeil,“ antwortete sie,„jeden Augenblick würde ich die Entdeckung fürchten, ich würde mir wie eine Mitschuldige an dem Verbrechen vorkommen, nein, ich würde es sein: keinem Menschen würde ich je wieder in's Auge zu blicken wagen. Und die Entdeckung würde nicht ausbleiben, ein solches Verbrechen bleibt nicht ungesühnt, nicht ungestraft!“ „Doch, doch, es kommt nur darauf an, daß es geschickt angefangen wird,“ hatte der Vater geantwortet. „Und Du meinst, daß Forberg das gethan? Um so schwerer ist der Frevel. Wüßte ich auch, es käme von dem Unseligen nie wieder eine Kunde, ich würde doch jede Berührung mit den Seinigen scheuen. Den Sohn eines Verbrechers heirathen— entsetzlich; Immer würde ich fürchten, daß bei ihm das Erbtheil des Bluthes zum Vorschein komme. Ich würde meine Kinder nicht lieben können, denn sie wären die Enkel eines Verbrechers, hätten das Kainszeichen von ihm empfangen!" Gäbler wiedersprach der Tochter nicht länger, ihre Reden hatten auf ihn sichtlich einen tief erschütternden Eindruck gemacht, er zog sich jetzt unter allerlei Vorwänden von Gustav Forbergs und seines Freundes Bemühungen zurück. Aurelie dagegen ging mit dem ihr eigenen Ungestüm daran, den tiefen Schnitt in das eigene Herz recht schnell zu thun, Gustav Forberg auf immer von sich zu entfernen, und er machte ihr das leicht genug. Bei ihrem ersten Widersehen fragte er sie, ob es ihr auch recht sei, daß er ferner in ihres Vaters Haus komme? Jetzt, wo sich viele von ihm abwendeten, wolle er Klar Coalitionen und Arbeitseinstellungen, insbesondere durch Anwendung von Zwang und Drohungen, durch Ehrverletzungen oder Verrufserklärungen. Es konnte auch damals kaum ernstlich bestritten werden, daß sich die bis herigen und heute noch geltenden Bestimmungen der Gewerbeordnung gegen diesen Terrorismus als ungenügend und unwirksam erwiesen hatten. Gleichwohl hat der Reichstag diese Vorschläge mit 142 Stimmen des Centrums, der Freisinnigen und der Sozialdemokraten gegen 78 Stimmen der Conservativen und Nationalliberalen abgelehnt. Der Minister v. Berlepsch erklärte dabei aber ausdrücklich, daß die Regierung schärfere Strafbestimmungen gegen den Zwang zur Arbeitseinstellung und gegen die öffentliche Aufforderung zum Contraktbruch nach wie vor für unerläßlich halte und deshalb der Reichstag darauf gefaßt sein müsse, später von neuem vor diese Frage gestellt zu werden. Das ist nun bisher nicht geschehen. Aber in den neuesten sozialen und wirthschaftlichen Kämpfen wird die Gewaltthätigkeit, die Rechtsverachtung, die Zuchtlosigkeit, die Rohheit und Gewissenlosigkeit auf Seiten der sozialdemokratischen Arbeiter immer größer, der ausgeübte Terrorismus nimmt einen immer leidenschaftlicheren und gefährlicheren Charakter an. Es mögen wohl bald Zustände eintreten, die eine Stärkung der Zucht, der Ordnung und des Rechtsbewußtseins zur unabweisbaren Nothwendigkeit machen. Vielleicht finden hierauf gerichtete Vorschläge jetzt auch im Reichstag eine bessere Aufnahme. s Der Vorstand des Central=Vereins für Hebung der deutschen Fluß= und Kanalschifffahrt nahm in seiner Donnerstag=Sitzung eine Resolution an, in welcher erklärt wird, daß der Verein erneut für die Ausführung des ganzen Mittellandkanals von der Elbe bis zum Rheine mit allen Kräften eintrete. Es wurde ferner die Nothwendigkeit des Ausbaues von Wasserstraßen in den östlichen Provinzen anerkannt und erklärt, daß die Regierung die Heranziehung der Interessenten bei herzustellenden Wasserstraßen in der Art der von der Regierung bei der Vorlage betreffend den Dortmund Rheinkanal geplanten Garantieleistung vornehme, und auf den künstlichen Wasserstraßen Gebühren erhebe, jedoch in mäßiger Höhe und unter gerechter Vertheilung auf Schiff und Frachtgut in einer den Verkehr nicht beeinträchtigenden Erhebungsweise. Die Lage des ländlichen Grundbesitzes. Wie wenig die Lage des ländlichen Grundbesitzes nach einer einzigen Schablone zu beurtheilen ist, beweisen die Mittheilungen des königl. sächsischen statistischen Bureaus über die Besitzwechsel und Zwangsversteigerungen beim ländlichen Grundbesitz im Königreich Sachsen in den Jahren von 1885—1892. rend er von den Nationalliberalen um 1000 Stimmen überholt ist. Der Vorsprung, welchen die bürgerlichen Parteien gegenüber den Sozialdemokraten errungen haben, ist größer, als der bei der Hauptwahl von 1893, auf welche der Sieg in der Stichwahl folgte, kleiner, als der bei der Hauptwahl von 1890, welche gleichwohl zu einem Siege der Sozialdemokraten in der Stichwahl führte. Dieser Vorgang zeigt deutlich, daß die bürgerlichen Parteien je nach dem Maße ihrer eigenen Geschlossenheit und Energie Aussicht auf Erfolg haben. Diesmal ist von den politisch einsichtigen Elementen des Wahlkreises, wenn auch nicht ohne Widerspruch von auswärts, von vorn herein eine Verständigung für ein vorzusehendes Zusammengehen bei es Anspruch auf Alichur=Pamir habe, soll die russische Regierung auf die chinesische Karte hingewiesen haben, auf welcher die Grenze weit östlich von Alichur angegeben ist, so daß sogar der Besitz E:““ #elass Als er auf wiederholten Zuruf crigung den Stichwahren eingeleitet worden. Der in die Stichwahl gelangte nationalliberale Kandidat steht weder in so scharsem Gegensatz zu links, noch zu rechts, daß nicht gegenüber dem gemeinsamen sozialdemokratischen Gegner alle bürgerlichen Stimmen ihm zufallen könnten. Unseres Erachtens ist es für alle bürgerlichen Elemente eine Ehrenpflicht, den 1893 errungenen Wahlkreis jetzt gegen die Sozialdemokraten auch durch energisches und kräftiges Zusammenwirken zu halten und diesen, welche mit dem Mandat für ElmshornPinneberg schon als Nr. 46 rechneten, einen Strich durch die Rechnung zu machen. * Zur Stichwahl im Kreise Pinneberg meldet das„Berliner Tgbl.“, daß die Freisinnigen und Konservativen beschlossen hätten, in der Stichwahl zwischen dem sozialistischen und nationalliberalen Candidaten letzteren zu unterstützen. Ausland. Oesterreich=Ungarn. Wie Wiener Zeitungen melden, J.n ke: Diese Gariz“ westz von Eirol in Zweifel lassen sei. Diese Karte hätte China seiner Zeu ohne rüfung als richtig anerkannt. Hongkong. Pest. Dem„Reuterschen Bureau“ wird aus Hongkong gemeldet, daß dort seit dem ersten Auftreten der Pest am 4. Mai bis jetzt 1700 Chinesen gestorben sino. Die Epidemie sei gegenwärtig im Abnehmen begriffen. Die Regierung habe strenge Maßnahmen getroffen, um die weitere Verbreitung der Epidemie zu verhindern. Königreich Sachsen in den Jahren " lerr. Damnach ist der ländliche Grundbesitz in Sachsen im Gegensatz zu dem Grundbesitz in den östlichen Provinzen Preußens an den Zwangsversteigerungen so gut wie garnicht betheiligt gewesen, obwohl die Zahl der Zwangsversteigerungsfälle von 588 in 1885 auf 1491 in 1892 gestiegen ist. Die Zunahme der zwangsweisen Enteignung von Grundbesitz entfällt vielmehr fast ausnahmslos auf die städtische und industrietreibende Bevölkerung und gerade die industriereichsten Kreishauptmannschaften find von der Zwangsenteignung in Folge wirthschaftlichen Druckes am schwersten betroffen worden. Die für Südwestafrika bestimmte Schutztruppe, bestehend aus 221 Mann, wurde Freitag Nachmittag im Kastanienwäldchen beim Neuen Palais in Potsdam vom Kaiser einer Besichtigung unterzogen. Die Kaiserin mit den drei ältesten Prinzen sah vom Neuen Palais aus dem Schauspiele zu. Nachdem der Monarch mit seiner Suite die Truppe begrüßt hatte, betonte er in einer Ansprache, die Soldaten dürften, auch wenn sie in der Fremde weilten, nicht vergessen, daß sie Deutsche seien. Auch sollten sie stets eingedenk sein, daß auch die Menschen, deren Hautfarbe eine andere als die ihrige sei, ein Herz und Ehrgefühl besäßen. Die Schutztruppe solle diese Leute mit Milde behandeln. Hierauf wünschte der Kaiser den Soldaten Glück im fremden Lande, wo sie dem Deutschen Reiche Ehre machen sollen. Nachdem noch Hauptmann v. Estorf ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht und die Truppe photographirt worden war, brachte sie ein Sonderzug nach Berlin zurück. * Die Hoffnung der Sozialdemokraten, bei der Nachwahl in Elmshorn=Pinneberg diesmal im ersten Wahlgange zu siegen, ist trotz der gewaltigsten Agitation und trotz mancher Umstände, welche für die bürgerlichen Parteien ungünstig waren, nicht in Erfüllung gegangen. Das Resultat der Wahl ist folgendes: Mohr(nationalliberal) 6091 Stimmen, Kopsch(freis. Volkspartei) 5052 Stimmen, Raab (Antisemit) 2401 Stimmen und v. Elm(Sozialdemokrat) 12267 Stimmen. Es hat also eine Stichwahl zwischen Mohr und v. Elm stattzufinden, da der sozialdemokratische Kandidat um etwa 500 Stimmen hinter der absoluten Majorität zurückgeblieben ist. Die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen ist im Vergleich zu der Hauptwahl von 1893 um nahezu 1000 zurückgegangen, während die der bürgerlichen Parteien nur um etwa 400 gegen den damaligen Stand zurückgeblieben ist. Unter den letzteren hat die freisinnige Partei die weitaus größte Einbuße an Stimmen erlitten; ihre Stimmenzahl ist von 6223 auf 5052, also um 1171 Stimmen zurückgegangen. Dieses Ergebniß ist recht beschämend für die„Freisinnige Zeitung" Eugen Richters, welche sicher darauf rechnete, daß der freisinnige Kandidat in die Stichwahl kommen werde, wähhat sich hierselbst ein vorbereitendes Komitee zur Gründung einer österreichisch=ungarischen Kolonialgesellschaft, behufs Regelung des Auswanderungswesens und einer zielbewußten Kolonisationsarbeit in fremden Welttheilen gebildet. Frankreich. Dem„Siecle" wird aus Petersburg gemeldet, daß die Familie von Sternberg gegen den Namen, welchen der bekannte Anarchist sich gegeben hat, protestirt. Der richtige Baron Ernst von Sternberg ist in Gibraltar Kanzler des russischen Konsulats. Derselbe habe vor längerer Zeit seine sämmtlichen Papiere verloren und seien dieselben entweder von dem anarchistischen Abenteurer gefunden oder gekauft worden. England. Der Herzog von York veranstaltete am Mittwoch in Trinity House ein Festmahl, an welchem der Prinz von Wales und der Premierminister Lord Rosebery Theil nahmen. Lord Rosebery betonte in einer Ansprache, daß die Politik Englands eine Politik des Friedens und nur defensiv sei. Die Verstärkung der Flotte bedeute keine Drohung. In den letzten Zeiten seien Fragen hervorgetreten, deren Tragweite durch unverantwortliche Darstellungen übertrieben worden sei. Der Tod des Sultans von Marokko könnte unangenehme Folgen haben, wenn die europäischen Staatsmänner weniger klug und maßvoll wären. Rußland. Zur Schlichtung von Streitigkeiten unter Offizieren ist ein neues Reglement erlassen worden. Darnach entscheidet ein von Offizieren gebildetes Ehrengericht, ob ein Duell unvermeidlich ist; im Falle der Bejahung erhält der Offizier, welcher das Duell verweigert, den Abschied. Ueber jedes Offiziersduell wird dem Kriegsminister berichtet, welcher im Einverständniß mit dem Justizminister bei dem Kaiser die Niederschlagung des gerichtlichen Verfahrens erbitten kann. Das Ehrengericht die Ausschließung von Offizieren aus dem Offizierkorps wegen mangelnden Ehrgefühls auch dann zu beschließen, wenn die betreffenden Offiziere formell Satisfaktion gegeben haben. Italien. Aus Palermo, sowie andern Städten Siziliens, treffen sehr ungünstige Nachrichten über die Lage der Arbeiter ein. Ganze Häuser stehen leer; Arbeiter ziehen auf den Feldern umher und nähren sich von Pflanzen. Auf öffentlichen Plätzen versammeln sich Frauen und Kinder und bejammern in lauten Worten das Elend. Die Polizei muß fast täglich Plakate entfernen, welche zur Revolution und Brandstiftung auffordern. In Tavare sind Tausende von Schwefelgrubenarbeitern ohne Beschäftigung; dieselben zogen gestern nach Racolminto und forderten die dortigen Arbeiter auf, die Arbeit niederzulegen, wenn nicht Alle lohnende Beschäftigung finden. Marokko. Der Minister des Auswärtigen hat die Mitglieder des diplomatischen Corps davon in Kenntniß gesetzt, daß Mulay Abdul Aziz zum Sultan proklamirt worden sei; die öffentliche Proklamirung werde morgen in Tanger stattfinden. Mohamed, der Bruder Mulay Abdul Aziz's hat gegen die Proklamirung Protest erhoben und sich nach dem Süden begeben, um Truppen anzuwerben. Unter der Bevölkerung Casablanca's und der übrigen Küstenstädte herrscht Ruhe.— Das Begräbniß Mulei Hassans hat am Mittwoch in Rabat stattgefunden.— Der neue Sultan Abdul Aziz hat die Enthauptung aller gefangenen Banditen befohlen. China. Aus Shanghai wird berichtet, daß die Ansprüche Chinas auf Pamir einen schweren Stoß erlitten hätten, und der zwischen Rußland und China vereinbarte modus vivendi seine Bedeutung verloren hätte. Die Russen hätten Somatasch besetzt. Auf die Erklärung Westfalen und Rheinland. Witten, 16. Juni. Die drei Glocken für die„Lutherkirche". in Remscheid, welche in der hiesigen Glockengießerei Carl Munte gefertigt wurden, sind am vergangenen Mittwoch von Mitgliedern der Glockenkommission besichtigt und geprüft worden und sollen dieselben zur Annahme empfohlen werden, Das Geläute wird Ende dieses Monats an seinem Bestimmungsorte aufgehängt werden, woselbst nach erfolgtem Probeläuten vor der ganzen Kommission die endgültige Abnahme erfolgen wird. 8 Masern. In letzter Zeit treten hier die Masern wieder unter den Kindern ziemlich heftig auf. A* Panorama. Das Steinstr. 7 ausgestellte Schmidtsche Panorama wird von morgen ab wieder eine der prachtvollsten Serien ausstellen, welche in einer geradezu märchenhaften Farbenpracht strotzen soll. Es sind die bayerischen Königsschlösser, und zwar ein neu angefertigter Cyklus: Linderhof. Hohenschwangau und Berg. Besonders die Wand= und Freskogemälde, sowie die Teppiche sollen in einer wundervollen Farbenpracht zu sehen sein. Der Besuch dieser Serie dürfte wohl ein sehr starker werden. 2 Entwendet. Dem an öer Crengeldanzstraße wohnenden Schmiedemeister K. wburde eine Henne mit einer Brut Racehühner entwendet. ! E n t s p r u n g e n. D e r S t r a f g e f a n g e n e B a r b i e r W i l h. Husemann, welcher am Donnerstag zu einem Termin von Siegburg hierher gebracht worden war, entsprang hier seinem Siegburger Transporteur. H. hat noch eine Gefängnißstrafe von 1¾ Jahren abzusitzen. *r Nach Professor Falb ist eine dauernde Besserung des Wetters zunächst noch nicht zu erhoffen. Selbst wenn etwa heute oder morgen Anzeichen dafür eintreten sollten, so dürften doch schon um den 18. Juni (3. Ordnung) neuerdings die Niederschläge zunehmen und ebenso um den 23. und 24., an welch letzterem Termine Professor Falb auch einen starken Rückgang der Temperatur erwartet, worauf nach kurzer Unterbrechung wieder eine Reihe von Regentagen zu befürchten sein soll. Sommerurlaub der Eisenbahn=Beamten. Die preußische Staatsbahnverwaltung hat sich nunmehr anch entschlossen, dem Beispiele anderer Zweige der Verwaltung zu folgen und allen ihren abkömmlichen Beamten einen Sommerurlaub von vierzehn Tagen bis drei Wochen zur Erholung zu bewilligen. Als abkömmlich gelten alle diejenigen Beamten, deren laufende Arbeiten während der Beurlaubung von den anderen Beamten mit erledigt werden können. Beamte mit einer Dienstzeit bis zu 20 Jahren können 14 Tage, solche mit einer längeren Dienstzeit 3 Wochen Urlaub erhalten, ohne daß es, wie bisher, der Beibringung einer ärztlichen Bescheinigung von der Nothwendigkeit einer Urlaubsreise bedarf. * Mit wunden Händen Kartoffeln ab zukeimen ist sehr gefährlich, da die aus den Kartoffeln gewachsenen Keime sehr giftig sind. In dem bei Wehlau belegenen Bürgersdorf hat dies kürzlich eine Frau gethan und sich eine akute Blutvergiftung durch die Kartoffelkeime zugezogen, welche in wenigen Stunden ihren Tod herbeiführte. r Crengeldanz, 15. Juni. Truppen. Auf dem Wege von Wesel, woselbst eine mehrwöchige Schießübung abgehalten wurde, nach Soest, passirte heute Vormittag hier die im Bestimmungsorte in Garnison liegende Abtheilung des 2. Westf. Artillerie=Regiments Nr. 22. Die einzelnen Batterien waren in der Gegend von Essen einquartirt gewesen und bezogen heute in der Nähe der Stadt Hörde Quartier. Die unter dem Hauptmann Henrici stehende Batterie machte hier Halt und erhielten die Mannschaften Seitens der Crengeldanzer Brauerei einen Frühschoppen O Crone, 15. Juni. Diebstahl. Vor Kurzem wurde der Garten einer armen Wittwe seines ganzen Vorrathes an frühem Gemüse, Salat, Zwiebeln u.s. w. beraubt. Der Dieb verdient eine gründliche Tpacht Prügel. Crone, 15. Juni.] Versetzt. Nachdem am 1. Juni der Gensdarm Kandler vorläufig auf ein Jahr aus der Armee ausgetreten ist, um sich durch ein Probejahr zur Anstellung im Eisenbahndienst vorzuberetten, wird am 1. Juli der zweite Fußgensdarm Rolff nach Holzwickede versetzt. An Stelle des Letzteren kommt nach hier ein reitender Gensdarm; an Stelle des Ersteren tritt der bisher in Stockum stationirte Fußgensdarm ein, während genannte Ortschaft einen reitenden Gensdarm erhält. Herne, 15. Juni. Verschiedenes. Am Sonntag versuchte ein Kanalarbeiter sich seiner Verhaftung(wegen Mittheilungen. — Im Juni 1730 hielt August der Starke von Sachsen bei Zeithayn und Radewitz in der Gegend von Mühlberg a. Elbe mit einer Armee von 20,000 Mann Fußvolk und 10000 Mann Kavallerie ein Lustlager, zu dem auch König Friedrich Wilhelm I. von Preußen mit dem Kronprinzen Friedrich geladen und erschienen war. Die hierbei von August entwickelte Pracht war beispiellos. Am 31. Mai begann, so erzählt die„Magdeb. Ztg.“, dies Lustlager und währte einen ganzen Monat lang. Ein Vergnugen löste das andere ab. Das riesige Lager war mit allem ersinnlichen Prunk angelegt und glich wegen der vielen Krämerbuden und des Ab= und Zuströmens der Besucher einer großen Messe. Der Kurfürst ließ auch öffentliche Possen, Komödien, Feuerwerke, Concerte und große Jagden abhalten. Binnen vier Wochen soll dies Lagervergnügen eine Million Gulden gekostet haben. Zu den kolossalen Festen, die einander gleichsam drängten, gehörte auch die offene Tafel von 30000 Gästen, die am 26. Juni stattfand. Für die Armee ward an diesem Tage in zwei ungeheuren Linien vor der Lagerfront auf lauter neuen Tischblättern gedeckt. Den Nachtisch dieser Riesenmahlzeit bildete ein 14 Ellen langer, 6 Ellen breiter und in der Mitte ½ Elle dicker Kuchen. Um ihn zu backen, hatte man 18 Scheffel Mehl, 82 Schock Eier, 3 Tonnen Milch, 1 Tonne Hefe und 1 Tonne Butter verbraucht und einen besonderen Ofen erbauen müssen. Der Wagen, auf dem er gefahren wurde, war 10 Ellen breit und wurde von 8 Pferden gezogen. Unter Direktion des Oberlandbaumeisters zerlegte ein Zimmermann das Riesengebäck, indem er zuerst mit einem drei Ellen langen Messer ein Loch in den Kuchen machte, in dieses hineintrat und nun die Stücke abschnitt. Zuerst wurde nur an hohe Personen davon ausgetheilt, schließlich wurde er der Menge preisgegeben, was dann„eine lustige Tranchirung“ gab. Von ganz eigener Art war der Tellerluxus, der bei dieser wurde. Fellen„deder Soldat erhielt nämlich einen neuen hölzernen Verierumg esZuscheistem. Agau sich beziehender 000 Telle Veferungen aber mus und die Mislsärig diese 30000 Teller Tafel auf einmal in die Elbe werfen. Das gab für einige Minuten einen ganz eigenen Anblick, denn der Strom war wie besät von Tellern, die allmählich fortschwammen, ein Sinnbild der zwecklos vergeudeten Geldsummen. Der Einfall aber, auf solche Art in allen Elbstädten, ja wohl in den fernsten Gegenden der Erde die Kunde von dem großen Lustlager in der That bei Mühlberg zu verbreiten, war sensicher#ic neu; es dürfte sich schwerlich ein ahnlcher historisch aufweisen lassen. Hier und da findet man dergleichen Teller noch heute in Familien als Rarität aufgehoben, woraus vielleicht zu schließen, daß nicht bloß viele aufgefischt, sondern daß auch das Tellerkommando nicht von allen Soldaten befolgt sein mag. Das Lustlager endete mit einer großen, am 28. Juni von Lichtenburg aus in der Annaburger Haide unternommenen Jagd, an die heute noch die„schöne Säule“ erinnert, die beim Austritt der Straße Annaburg=Torgau aus dem Walde, kurz vor dem Dorfe Rosenfeld gelegen ist. Freilich ist von ihr jetzt nur noch ein Sumpf mit unleserlichen Spuren und Schriftzeichen übrig. Die ursprüngliche Inschrift wies die Namen sämmtlicher Jagdtheilnehmer auf. — Mit der allergrößten Schlauheit kommt man oft nicht weit, wie ein Geschichtchen beweist, dessen Thatbestand wir in der„Metzer Zeitung“ finden. Auf dem Markte war eine Bäuerin erschienen, deren Butter=Wecken zwar sehr vollgewichtig aussahen, es aber, wie die Bäuerin wohl wußte, nicht waren. Unglücklicher Weise war an dem Tage Marktrevision, und das Herz der Butterdame schlug unheilahnend an die schuldbewußte Brust. Aber wir sind nicht auf den Kopf gefallen— stecken wir flugs ein Zweimarkstück in die duldsame Masse, die ja ohnehin gegen Fremdkörper keine Abneigung besitzt. Gedacht— gethan— gewogen... vollwichtig befunden und die Buttermaid lacht sich ins Fäustchen.„Aber ach, indem wir hoffen, hat uns Unheil schon betroffen.“ Ehe die Maid das Zweimarkstück wieder aus dem Butterwecken herausfingerln konnte, erschien eine Käuferin, die die vorhergeheude Manipulation beobachtet hatte, und fragte nach dem Preise der Butter. Sie zahlte den geforderten Preis ohne Zögern, nahm das Pfund Butter und hatte für das innige Flehen der Bäuerin, ein anderes Pfund Butter zu nehmen, nur ein höhnisches Lächeln. — Ein automatisches„Stimmkabinet“ ist durch Hesech hreie i State Pgro oir Frgzführt worden. Das Gesetz trat ags, 1. März, v. I in Krigz und bei den diessche„Stimmvielfach zur Anwendung gekommen. Man rühmt ihm die besten Eigenschaften nach. Beim Gebrauche wird folgende Prozedur angewendet: Außen an der Maschine werden die Namen sämmtlicher Kandidaten auf einem je nach der Partei oder der nominirenden Kärverschaft verschieden gefärbten Felde angebracht. Neben jedem Numen befindet sich ein Knopf zum Drücken. Das Drücken des einen Knopfes macht das Drücken der anderen Knöpfe wirkungslos, und alle Knöpfe werden außer Thätigkeit gesetzt, wenn der Wähler das Kabinet, in welchem die Maschine steht, verläßt. Sobald aber der nächste Wähler durch die Thür eintritt, ist Alles wieder in Ordnung. Die Maschine registrirt die abgegebenen Stimmen automatisch und wenn man dieselbe am Schlusse der Wahlhandlung öffnet, kann man einfach ablesen, wie viel Stimmen jeder Kandidat erhalten hat. Es ist weder ein Irrthum, noch ein Betrug möglich, und der Wähler wie seine Abstimmung sind jeder Ueberwachung durch die Wahlbeamten entzogen. Die neueste Staatsgesetzgebung New=Yorks hat nun vor ihrem Auseinandergehen noch ein Gesetz angenommen, wonach auch den städtischen Behörden, vorläufig mit Ausnahme der Städte New=York und Brooklyn, die Einführung des automatischen Stimmrechts gestattet wird. — Ein interessantes Experiment wurde am Sonnabend in Kiel seitens der friedrichsorter MatrosenArtillerie ausgeführt. Um die Einwirkung der Sprengung einer Mine auf lebende Wesen festzustellen, waren auf einem kleinen Dampffahrzeug, welches über einer scharf geladenen, in See versenkten Mine verankert war, zwei Schafe eingeschifft. Die Mine wurde sodann durch den am Lande aufgestellten elektrischen Apparat unter heftiger Detonation zur Explosion gebracht, worauf das getroffene Fahrzeug alsbald in der Tiefe versank. Mittels Pinasse wurden die beiden Versuchsobjecte sofort aufgesucht und schnell gefunden. Beide Schafe waren nicht allein am Leben, sondern auch so gesund und munter, daß sie von dem Heu, das man ihnen auf einem bereit liegenden Prahm reichte, sofort zu fressen begannen. Ob die Thiere trotzdem am Gehör oder einem anderen Einzelorgan gelitten haben, soll noch genauer untersucht werden. — Ein gefährlicher Ehemann. Der Marquis de Neufoille heirathete zum fünften male.„Wie kommt es nur, daß Ihre Frauen so rasch sterben?“ frug man ihn. „Ich widerspreche ihnen nie,“ gab er zur Antwort,„darüber ärgern sie sich zu tode.“ — Naive Antwort. Der bekannte englische Sprachforscher D. Webster schrieb für seine Dienstmagd, die nicht lesen und schreiben konnte, einen Brief an ihre Eltern. dazu, dumm ist.“ — Bestrafte Unhöflichkeit. da, wissen Sie, wo die Königstraße übergehend):„Ja wohl!“ Fremder:„He, Sie ist?“ Berliner(vorSchlägerei) zu entziehen. nicht stand, schoßz der Bezirksgendarm nach ihm. Die Kugel drang durch den Rücken bis unter die Haut des Unterleibs. Der Getroffene ist inzwischen im Krankenhause verstorben.— Gestern Abend hantirte der 19jährige Sohn eines hiesigen Kaufmanns mit einer Schießwaffe so unglücklich, daß ihm die Kugel durchs Herz fuhr. Der Tod trat nach der„Dortm. Zig.“ sofort ein. Dortmund, 15. Juni. Ein telephonisches Konzert. Bei dem Feuerwehrfest in Unna hatte Herr August Klönne den Feuerwehrleuten einen guten Trunk spendiren lassen. Die Iserlohner Feuerwehr, welche bis zum Montag in Unna verblieb, wollte dafür Herrn Klönne ihren Dank durch ein Ständchen abstatten, Herr Klönne war aber schon abgereist. Man machte nun den Vorschlag, Herrn Klönne das musikalische Ständchen per Telephon zu übermitteln, und führte dies auch aus. Wie die„Rh.=W. eldet, wurde fpfort die telephonische Verbindung nach Dortmund hergestem, Herr Klönne an das Telephon worauf das Konzert im Telephonzimmer der Adler=Brauerei in Unna begann. Es wurden seitens der Kapelle verschiedene Musikstücke gespielt, die das Telephon in verhältnißmäßig guter Wiedergabe nach hier übermittelte. Der Edisonsche Phonograph würde es kaum besser gemacht haben. Ueber die gelungene Ausführung des „telephonischen Konzerts" waren beide Theile sehr erfreut; Herr Klönne dankte den Iserlohnern für die ihm bewiesene Aufmerksamkeit mit dem Hinzufügen, daß sie, ehe sie die Brauerei verließen, sich durch einen frischen Tropfen stärken möchten. Das hat die Iserlohner Feuerwehr dann auch redlich besorgt. Dortmund, 15. Juni. Unglücksfälle beim Bergbaubetriebe. Dem Hauer Groß aus Obercastrop flog auf der Zeche„Erin“ ein Gesteinsstück in das rechte Auge und wurde dasselbe schwer verletzt.— Auf der Zeche „Germania“, kam der Hauer Hegener aus Eichlinghofen so unglücklich zu Falle, daß er eine heftige Quetschung des linken Schultergelenks erlitt.— Auf derselben Zeche erlitt der Hauer Knoche aus Marten durch plötzlich vom Hangenden abstürzende Gesteinsmassen eine schwere Quetschung des Brustkorbes.— Beim Abziehen eines leeren Wagens klemmte sich auf der Zeche„Hollern“ der Hauer Klarre aus Kirchlinde die linke Hand; diese wurde erheblich verletzt.„. Dem Reparaturhauer Schickedanz aus Eichlinghofen slei deim Verziehen von Zimmerung auf der Zeche „Borussia“ ein Gesteinsstück auf die rechte Hand, es wurde ihm der kleine Finger dieser Hand total zerquetscht. Dortmund, 15. Juni. Auf dem Wege zum Zuchthause befindet sich der Bäckerlehrling Wilh. Koppka aus Ober=Castrop. Am 21. Mai verließ der Bengel nach Verbüßung einer Strafe wegen Diebstahls das Gefängniß und sofort machte er sich wieder an die„Arbeit“, d. h. er streifte die Wirthschaften ab und lugte nach den Sammel= büchsen aus. Wie viele solcher Büchsen der Spitzbube geräubert hat, steht dahin, bei dem Wirth Klöpper am Westwall wurde er indessen abgefaßt, als er mit der Büchse fliehen wollte. Das Schöffengericht bestrafte den Burschen nach der„Dortm. Ztg.“ mit Rücksicht darauf, daß es sich um Gaben für arme Waisenkinder handele, mit einer Gefängnißstrafe von drei Monaten. Iserlohn, 14. Juni. Der aus der katholischen Irrenanstalt in Aachen befreite englische Geistliche wurde gestern vor dem Amtsgericht zum ersten Mal in seiner Sache als Zeuge vernommen. Ein Oberlehrer wirkte als Dolmetscher. h Elberfeld, 15. Juni. Zur Frauenfrage. Der vor kurzem begründete„Ev. Diakonieverein“ hat außer seinem Elberfelder Diakonie=Seminar(zur unentgeltlichen Ausbildung und beruflichen Sicherstellung gebildeter Krankenpflegerinnen) in Kassel ein„Töchterheim“ ins Leben gerufen, in welchem unter grundsätzlicher Beseitigung alles oberflächlichen Scheinwesens und Flitters junge Mädchen dazu erzogen werden sollen, sich nach einem Berufe umzusehen und vorzubereiten, der ihnen den Beruf der Gattin und Mutter nicht äußerlich verschließt und sie nicht innerlich dafür untauglich macht, der aber den unverheirathet Bleibenden eine vollbefriedigende Lebensaufgabe gewährt. Grundsatz ist:„Jeder Mensch, auch die unverheirathete Frau, muß einen Beruf haben" und„Mädchen müssen so erzogen werden, daß sie tüchtige Frauen sein können.“ Daher wird außer umfassender praktischer Uebung in der Hauswirthschaft u. a. auch theoretisch die Wirthschaftslehre gelehrt, wie Buichführung, Waaren= und Nahrungsmittellehre, Küchenchemie sowie Bürgerkunde, ferner Erziehungslehre, Gesundheitslehre und in den Grundzügen die Theorie der Krankenpflege. Außer einem geringen Beitrage zur Hülfskasse für die Krankenpflegerinnen des Vereins wird von den Pensionärinnen nur der Selbstkostenpreis gefordert. Auskunft ertheilt der Vorstand des„Ev. Diakonievereins“(Professor Dr. Zimmer, Herborn; Direktor Dr. Laehr, Heilanstalt Schweizerhof b. Berlin; Frau Professor Weber, Tübingen.) Elberfeld, 15. Juni. Schwer verletzt. In der Ziegelei von Siegler u. Cie. in der Varresbeck gerieth gestern Vormittag gegen 11 Uhr ein Ziegeljunge zwischen das Getriebe der Maschine. Dem Burschen wurden beide Beine schwer verletzt; er mußte sofort per Tragkorb ins Krankenhaus geschafft werden. Elberfeld, 15. Juni. Ein schrecklicher Vorsalsl spielte sich heute Morgen gegen 11 Uhr in einem Hause an der Friedrichsstraße ab. Der dort wohnende Schneidermeister Gustav Cleff durchschnitt sich, wie die„Elberf. Ztg.“ mittheilt, in einem Anfall von Geistesstörung die Pulsadein und den Hals. Der Unglückliche, der sich in guten Verhältnissen befand, 40 Jahre alt und verheirathet ist, beging die unselige That mit einem Rasirmesser. Der Tod trat in kurzer Zeit ein. Wermelskirchen, 14. Juni. Selbstmord. Der Inhaber eines hiesigen Eisenwaarengeschäfts machte nach der„Elbf. Ztg.“ seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Essen, 14. Juni. Ein Unglücksfall ereignete sich nach der„Rh.=W. Ztg.“ heute gegen Abend an dem Neu: bau neben der Löwenapotheke. Beim Abladen eines Wagens, welcher wahrscheinlich zu weit gefahren worden war, stürzte ein Stück Mauerwerk des Gewölbes zusammen. Ein unten beschäftigter Maurer wurde von den Trümmern bedeckt, jedoch bald aus seiner Lage befreit. Derselbe schien innere Verletzungen erhalten zu haben und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Während seiner Ueberführung dorthin vermochte er nicht mehr zu sprechen. Düsseldorf, 15. Juni. Eine junge Frau, welche sich einer Zahnoperation unterwerfen mußte und zu diesem Zwecke chloroformirt wurde ist bei der Operation, wahrscheinlich in Folge der Narkose, gestorben. Crefeld, 14. Juni. Ein Verbrechen scheußlicher Art wurde heute in der Frühe begangen. Gegen 7½ Uhr wurde am Benrad zwischen hier und St. Tönis, in der Nähe des Mörterhofes, ein Mädchen von 11 Jahren in unsittlicher Weise von einem Manne überfallen und ihm der Bauch aufgeschlitzt. Das Kind schwebt in Lebensgefahr. Die polizeiliche Untersuchung wurde sofort eingeleitet. Der Thäter flüchtete in ein Roggenfeld. Das Kind wollte in Begleitung eines anderen Mädchens die Schule in St. Thönis besuchen und ging zu diesem Zwecke durch ein Roggenfeld. Das andere Kind wurde auch überfallen, es konnte aber flüchten und das Entsetzliche melden. H Vom Rhein und der Sieg, 14. Juni. Der Stand sämmtlicher Feld= und Gartenfrüchte ist in diesem Jahre ein solch erfreulicher, wie seit Jahren nicht; namentlich liefern die Obstbäume einen überaus reichen Ertrag. Die vom Oberrhein kommenden Schiffe bringen in unaufhaltsamer Reihenfolge hunderte mit Kirschen beladener Körbe hier ans Land, welche hier zum Verkaufe gebracht oder per Eisenbahn ins Bergische gesandt werden. zuch die Pflaumenernte wird sehr befriedigend ausfallen, die Zweige dieser Obstbäume drohen jetzt bereits unter der Last der vielen Früchte zu brechen und müssen gestützt werden. Angesichts der niedrigen Preise der Kirschen gehen ungeheuere Vorräthe in die Conservenfabriken ab, welche letztere heute bereits auch auf Pflaumen größere Abschlüsse S * 23 machen. Der Strohertrag ist gleichfalls ein bedeutender kurz, macht das Wetter dem Landmanne keinen Strich durch die Rechnung, so kann er mit dem diesjährigen Ertrag wohl zufrieden sein. Aus dem Gerichtssaal. —(Nachdruck verboten.) 1 Witten, 14. Juni.(Schöffengericht.) Als Schöffen fungirten die Herren Kaufmann Eugen Knapmann von hier und Landwirth Friedrich Reschop von Bommern. 1. Der Bergmann Robert F. von Ende soll im vorigen Jahre auf der Zeche Hamburg eine Parthie Lampennieten entwendet haben. Da der Angeklagte angiebt, er hätte die Nieten von einem Arbeiter in der Wetterlampenbude geschenkt erhalten, so wurde zwar nicht wegen Diebstahls, jedoch wegen Hehlerei auf 1 Woche Gefängniß erkannt. 2. Der Berginvalide Wilhelm T. von Heven entwendete am 10. Februar von der Zeche Helene etwa 25 Pfd. Kohlen. Wegen Diebstahls wurde T. heute mit 3 Tagen Gefängniß bestraft. 3. Der Invalide Christian H. wird wegen Diebstahls mit 14 Tagen Gefängniß bestraft. 4. Der Schachtmeister Severin S. vom Wartenberg war von der Polizeibehörde in Annen in eine Geldstrafe von 3 Mark genommen worden weil er sich polizeilich abgemeldet hatte, ohne zu verziehen. Es erfolgte Freisprechung, weil in der Reg.=Poliz.=Verordnung über einen solchen Fall nichts vorgesehen ist. 5. Der Obermeister Johann S., früher in Heven, jetzt in Hohenlimburg, erhält wegen vorsätzlicher Körperverletzung eine Gefängnißstrafe von 2 Monaten zuerkannt. 6. Der Fuhrknecht August K. aus Heven hat im vorigen Jahre verschiedene Geldbeträge, die er von der Frau des Mühlenbesitzers L. erhalten hatte, um dafür Waaren zu kaufen, für sich behalten und die Waaren bei dem Kaufmann K. für L. anschreiben lassen. Auf eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen wurde heute erkannt. 7. Der Bäckermeister Albert L. und dessen Bruder, der Former Otto L. von Annen erhalten wegen gemeinschaftlicher körperlicher Mißhandlung des Bergmanns J. Sch., unter Annahme mildernder Umstände, eine Gefängnißstrafe von je 14 Tagen. 8. Der aus der Strafanstalt in Siegburg vorgeführte Barbier Wilh. H. von hier hatte sich wegen Betruges zu verantworten. Der Angeklagte hatte von dem Schneidergesellen B. für eine Pistole 3 Mark zu fordern. Als H., wie er angiebt, das Geld nicht bekommen konnte, schrieb er an B. von Dortmund aus eine Postkarte mit der Unterschrift eines dortigen Rechts=Anwalts. Die Karte erfüllte den Zweck, denn B. bezahlte jetzt; H. ließ sich aber noch 1 Mk. Anwaltsgebühren extra bezahlen. Wegen Betruges wurde auf eine Zusatzstrafe von 1 Woche Gefängniß erkannt. 9. Der Mechaniker Conrad K. erhielt wegen Bedrohung mit der Begehung eines Verbrechens eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen zuerkannt. schon jetzt mit größerem Rechte von einem„Emscher Kohlenrevier" als von einem„Ruhrkohlenrevier" sprechen, da das eigentliche Herz des niederrheinisch=westfälischen Kohlenbergbaues sich thatsächlich schon in der Emscher Niederung befindet. Auf dem rechten Ufer des Emscherflusses sind in den letzten zehn Jahren umfangreiche Bohrversuche nach Steinkohlen vorgenommen worden, welche sich nördlich bis an die Lippe erstreckten und ohne Ausnahme das Vorhandensein mächtiger Steinkohlenlager der Gas= und Fettkohlen=Partie ergeben haben. Die am weitesten nach Norden vorgeschobenen Zechen„Hugo" bei Buer und„Graf Moltke“ bei Gladbeck weisen einen Kohlenreichthum auf, wie man ihn im südlichen Theile des Reviers in der Nähe der Ruhr nicht kennt. Unter diesen Verhältnissen ist eine vollständige Verschiebung des hiesigen Kohlenbergbaues und der mit ihr engverwandten Eisenund Stablindustrie nur noch eine Frage der Zeit. Freilich vermehren sich auch mit dem Vordringen des Bergbaues nach Norden die technischen Schwierigkeiten, mit welchen derselbe zu kämpfen hat. Je weiter sich nämlich das Kohlengebirge nach Norden erstreckt, um so höher ist es mit wasserreichen Mergelschichten überlagert, welche eine Mächtigkeit von mehreren hundert Metern haben, und die zu durchteufen mit großen Geldopfern und Schwierigkeiten verbunden ist. Bei dem stetigen Fortschreiten der Technik und den reichen Geldmitteln, welche dem westfälischen Kohlenbergbau zur Verfügung stehen, wird man vor diesen Schwierigkeiten gewiß nicht zurückschrecken, um die schwarzen Diamanten zu heben. Schon bei Anlegung der Zechen bei Recklinghausen, als„König Ludwig",„General Blumenthal", „Schlägel und Eisen“ u. a., hatte man beim Durchteufen des Mergelgebirges mit sehr starken Wasserzuflüssen zu kämpfen, so daß man sich der Tubbings(große eiserne Ringe, welche in den Schacht eingesenkt werden) bedienen mußte. Die hierbei entwickelte Ausdauer ist glänzend belohnt worden, denn heute rechnet man diese Zechen zu den kohlenreichsten des Reviers. Mit dem Vorrücken des Kohlenbergbaues nach Norden sind zwar die Anlagekosten gestiegen, aber die Ergiebigkeit der Gruben ist dagegen größer geworden, eine Thatsache, mit der man je länger je mehr zu rechnen haben wird. Soviel steht indes heute schon fest, daß in nicht allzuferner Zeit nicht mehr Essen und Bochum sondern Gelsenkirchen und Recklinghausen die Hauptzentren des niederrheinisch=westfälischen Kohlenbergbaues sein werden. Landwirthschaftliches. (Natzdruck der unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel verbeten.) Industrie, Handel und Verkehr. — Eine Verschiebung in rheinisch=westfälischen Kohlenbergbau. Von der Ruhr geht dem„Berliner Lokal=Anzeiger“ aus Fachkreisen folgende beachtenswerthe Darlegung zu: Eine wesentliche Verschiebung der Kohlenindustrie von Süden nach Norden hat in den letzten Jahren im hiesigen Revier stattgefunden, indem die größeren neuen Zechenanlagen fast ausschließlich im Kreise Recklinghausen (Reg.=Bez. Münster) errichtet worden sind, während viele ältere Zechen in der Nähe der Ruhr wegen Erschöpfung der Kohlenlager zum Erliegen gekommen sind Man kann T2. Das Aufblähen oder die Trommelsucht der Wiederkäuer ist die Folge einer abnormen Gährung der unter gewissen ungünstigen Umständen aufgenommenen grünen Futtermassen. Bereiftes, stark bethautes oder vom Regen durchnäßtes Futter, üppig und geil gewachsene Futterpflanzen sind häufig die Veranlassung. Die Behandlung der erkrankten Thiere richtet sich entweder auf eine chemische Bindung der Gase durch das Eingeben geeigneter Mittel oder auf deren mechanische Entfernung. Das erstere überlasse der Landwirth dem Thierarzt, da durch unzweckmäßige Anwendung oft nicht nur der Zweck nicht erreicht, sondern oft sogar noch das Fleisch der Thiere, wenn sie nothgeschlachtet werden müssen, ungenießbar gemacht wird. Ungefährlich und für jeden Landwirth anwendbar ist dagegen die mechanische Entfernung der Gase durch das Maul. Zu diesem Zwecke versuche man zunächst das Thier durch Einlegen eines Strohseiles in das Maul zum lebhaften Kauen und zum Aufstoßen zu bewegen, durch sanftes Drücken mit den kreuzweis übereinandergelegten Händen auf die aufgetriebene Hungergrube wird das Entweichen der Gase befördert. Besenders gute Dienste leistet die Schlundröhre. welche durch das Maul eingeführt wird und in fast allen Fällen sichere Hülfe schafft, sie sollte in jedem Viehstalle zu finden sein. Sowohl beim Anwenden des Strohseiles als wie bei Benutzung der Schlundröhre ist es wichtig, daß das Thier mit den Vorderbeinen hochgestellt wird, sonst wird den Gasen der Austritt durch die im Pansen befindlichen Futtermassen versperrt. In den schlimmsten Fällen ist der Pansenstich mit dem Trokar anzuwenden, doch können hier leicht Folgekrankheiten durch den Eintritt von Futter in die Bauchhöhle oder durch Wundvergiftung eintreten. Für den Landwirth ist das Vorbeugen wichtiger als das Heilen. Die Trommelsucht tritt in gewissen Oertlichkeiten, auch wohl in bestimmten Jahrgängen stärker auf als in andern. Dann ist Vorsicht nöthig. Auf die Weide sollen die Thiere alsdann nie in hungrigem Zustande getrieben werden, ihnen ist vorher schon eine gewisse Sättigung, am besten durch trocknes Futter, zu geben. Junge Kleeschläge dürfen nie bei nasser Witterung, oder gar Morgens bei Thau und Reif und dann immer nur auf kurze Zeit betrieben werden; die Ansaat von 2 bis 3 Pfd. Kümmel pro Morgen zwischen dem Klee hat sich als gutes Mittel gegen das Aufblähen bewährt. Das zur Verabreichung im Stalle bestimmte Grünfutter darf nicht morgens geschnitten werden. Der Abend ist hierzu die geeignetste Tageszeit, auch schon aus dem Grunde, weil Abends das Grünfuttergehalt reicher ist. Mit Sorgfalt ist zu vermeiden, daß das geschnittene Grünfutter vor der Verfütterung abwelkt oder gar in größeren Haufen liegend, sich erhitzt. Am meisten empfiehlt sich die Aufbewahrung auf einer schattigen Diele in dünnen Schichten, die oft umgewendet werden und am zweckmäßigsten auf einem Lattenrost auszubreiten sind. Vorzüglich bewährt sich zur Verhütung des Aufblähens das Schneiden des Futters im Gemenge mit Stroh, ein Verfahren, das schon wegen der dadurch verursachten Futterersparniß allgemein angewendet werden sollte. Jeder Bulle sollte, sobald er zum Sprunge benutzt werden kann, mit einem Nasenringe rersehen werden. Der sehr gut aufeinander passen und messerscharf sind. Der Ring wird geöffnet und dem gut gefesselten Thier durch die Nasenscheidewand gestoßen; alsdann werden die beiden Hälften zusammengedreht und durch die dazu vorgesehene Schraube fest mit einander verbunden; die Schraube wird alsdann glatt abgefeilt. Zum Führen der Bullen bedient man sich eines Führstockes, der am Ende mit einem FederRing besteht aus zwei drehbaren Hälften, die am Ende haken versehen ist, der leicht in den Ring eingehakt werden kann. Der Bulle kann alsdann selbst von schwächlichen Personen sicher geführt werden. Dadurch, daß bei so leichter und sicherer Führung das sonst übliche Schlagen, Schreien und Drohen fortfällt, werden die Bullen weniger leicht bösartig und eine große Zahl von Unglücksfällen läßt sich durch diese einfache Maßregel vermeiden. Vermischte Nachrichten. * Ein großes Grubenunglück hat sich in Troppau ereignet. Die Katastrophe fand auf den dem Grafen Larisch gehörigen Kohlengruben Franziska und Johann im Ostrauer Revier in der Nacht von Donnerstag auf Freitag statt. Durch schlagende Wetter erfolgten in den genannten beiden Schächten mehrere heftige Explosionen, welche sofort den Brand der Gruben herbeiführten und über 180 Bergleute tödteten. Unter diesen befand sich auch der Obersteiger und der Ingenieur. Eine Bergung der Leichen ist wegen des fortwüthenden Feuers unmöglich.— Nach neueren Mittheilungen von authentischer Stelle sind. soweit bisher festgestellt, etwa 180 Bergleute getödtet, 20 zumeist schwer 4 davon tödtlich verwundet. Bei den 5½ Uhr, die letzte, die fünfte, Freitag Vormitag 10⅞ Uhr. Revierbeamte und Sachverständige sind eingetroffen. Das Feuer wüthet jedoch noch immer fort. .„Das Kruppsche Monstregeschütz, welches auf der Weltausstellung in Chicago großes Aufsehen erregt hat, ist jetzt wieder auf deutschem Grund und Boden eingetroffen. Das Rohr ist mittels des Hamburger Staats=Riesenkrahns aus dem Dampfschiff, welches zur Zurückbeförderung der Kruppschen Ausstellungsgegenstände gemiethet worden ist, gehoben und auf einen achtachsigen Eisenbahnwaggon, der eigens zum Transport dieser Riesengeschütze in dem Kruppschen Etablissement hergestellt wurde, verladen und sodann nach Meppen gebracht worden, woselbst noch eine neuere Einschießung des Rohres auf weiteste Entfernung zu erfolgen hat. Die Hebung dieses Monstregeschützes mit Lafette durch den Hamburger Staatskrahn kostet das nette Sümmchen von 2500 M. Das Riesengeschütz wird dem Deutschen Reiche erhalten bleiben und nach Fertigstellung des Panzerforts an der Einfahrt zum Nord=Ostseekanal an der Elbe daselbst in Position gebracht werden. W Durch eine große Feuersbrunst sind in Panama 225 Gebäude zerstört worden. Das Feuer greift noch weiter um sich. Der Schaden wird bereits auf 1½ Millionen Dollars geschätzt. Freischverkauf, Kirchliche Nachrichten.„ Litteratur. Collection Hartleben. Vierzehntägig wird ein Band ausgegeben: Preis des Bandes eleg. geb. 75 Pfg. Pränumeration für ein Jahr(26 Bände) 19 M.(A. Hartleben's Verlag, Wien.) Bisher 25 Bände des zweiten Jahrganges erschienen.— In den neuen Bänden der beliebten„Collection Hartleben“ finden wir wieder hervorragende französische und englische Romanschriftsteller ersten Ranges in ihren gelungensten Productionen vereinigt. Gute Lectüre wie diese, hübsch ausgestattet, für weniges Geld erhältlich, ist eine wahre Wohlthat für jedes noch so bescheidenes Haus— Der Inhalt des sich seinem Abschlusse nähernden zweiten Jahrganges der„Collection Hartleben" umfaßt folgende Werke: Bd. I—III., Kraszewski, Am Hofe August des Starken(Gräfin Cosel).— IV. Rovetta, Der erste Liebhaber.— V.—VI. Delpit, Theresine.— VII. Rosegger, Streit und Sieg.— VIII. Dumas' Sohn, Diana de Lys.— IX.—XI. Herloßsohn, Wallenstein's erste Liebe.— XII. Besozzi, Späte Einsicht.— XIII und XIV. Sue, Kinder der Liebe.— XV. Degré, Blaues Blut.— * ris h Sand Lekenntnisse eines jungen Mädchens. kalll.. 4. Deu, Die Waise aus Lowood.— XXI und XAll. Fraubert, Mad. Bovary.— XXIII. Gaskel, Nacht.— XXI, XXVI. Dumas, Der Chevalier von Rouge.— Auch der erste Jahrgang der„Collection Hartleben“ ist noch(in 26 Bänden) believig zu haben. Der dritte Jahrgang beginnt demnächst. Nachrichten. Juni.(Telegr.) Im Zusammenhang mit den im Landwirthschaftsministerium in Angriff genommenen Vorarbeiten zur Hebung des ländlichen Grundbesitzes sind die Regierungspräsidenten veranlaßt worden, statistische Erhebungen über die üblichen Arten der Vererbung des ländlichen Grundbesitzes anzuordnen. In der Begründung wird die Schonung der im Volke herrschenden Rechtsanschauung als Grundsatz für ein weiteres Vorgehen auf erbrechtlichem Gebiete erachtet. * Potsdam, 15. Juni.(Telegr.) Die Feier des 150jährigen Bestehens des hiesigen Garde=Jägerbataillons hat gestern in großartigster Weise begonnen. Aus allen Theilen des Reiches und des Auslandes waren die ehemaligen Garde=Jäger erschienen; am Abend waren etwa 2000 derselben versammelt. Heute, den 16. d. Mts., findet auf hiesigem Schlachthofe von Nachmittags 3 Uhr ab Verkauf von minderwerthigem Rindfleisch statt. Witten, d. 16. Juni 1894. Die Schlachthof=Inspektion. „Vor den vielen Nachahmungen wird gewarnt! Itkatholische Gemeinde Witten. Sonntag 10 Uhr: Gottesdienst in der Christuskirche. Todes-Anzeige. Heute Morgen 3 Uhr starb infolge eines Gehirnschlages sanft und ruhig unsere gute Mutter, Schwiegerund Grossmutter, Frau Wwe. Louise Schätzel, im Alter von 72 Jahren. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Witten, den 15. Juni 1894. Achtsach prämüirt! Anerkannt wohlschmeckendster und im Gebrauche billigster Kaffee. P. H. Inhoften Bons, Heflieferant Ihrer Maejstät der Kaiserin u. Königin Friedrich. Erste und grösste DampfKaffeebrennerei in Bonn. Käuflich in den meisten besseren Colonialwaarenge= schäften, welche durch Verkaufsplakate kenntlich gemacht sind. 1895 Die tückischten keinde der körperlichen Gesundheit sind kaltes anhaltendes Regenwetter, oder zu trockene heiße Luft. Sie erzeugen schnell Catarrhe der Luftwege, Heiserkeit, Verschleimung, Kratzen im Halse, welche Uebel unbemerkt einen langwierigen und bedrohlichen Charakter annehmen können. Solche Schädlichkeiten mit Erfolg abzuwenden, bediene man sich daher zeitig des Bonner Kraftzuckers von I. G. Maaß, des billigsten und wirksamsten Volksund Linderungsmittels. Da Nachahmungen existiren, wolle das Publikum beim Einkauf auf den Namen des Erfinders, J. G. Maasz in Bonn gefl. achten. Bonner Kraftzucker ist in mit GebrauchsAnweisung versehenen Tafeln à 15 und 30 Pfg., sowie Kraftzucker. Bonbons in Pag. à 40 und 25 Pfg., Bonbonièren à 10 Pfg. zu haben bei „Jos. Wigge, Witten. Bahrenberg, Herbede. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 2¼ Uhr vom Trauerhause, Nordstrasse 13, aus statt Pr. Manne. Der Verkauf der in den Monaten Februar, März und April 3 unter Nr. 89728—92960 und Nr. 1—70 verpfändeten und noch nicht eingelösten Pfänder findet am Donnerstag, den 28. Juni 1894, Morgens 9½ Uhr anfangend, beim Wirth W. Auffermann(Hemsoth's Saal) statt. Die Pfänder bestehen aus: Gold- und Silbersachen, Uhren, Leinewand, Betten, Kleidungsstücken, einer Parthielleberzieher, Mäntel, Joppen und Franenkleider, mehreren Nähmaschinen und Musik=Instrumenten, Möbeln, Kleider= und Küchenschränken, Bettstellen, Tischen, Stühlen, 2 Kinderwagen, 2 Commoden, 2 Wasserkesseln, 1 Sessel, 2 Schließkörben, mehr. Krügen mit Bis zum Verkaufstage können die Pfänder noch eingelöst oder gegen Zahlung der entstandenen Zinsen verlängert werden. Die bei dem Verkauf etwa erzielten Ueberschüsse können von den betreffenden Verpfändern binnen 14 Tagen in meinem Geschäftslokale oder damach bei der hiesigen Stadtkasse gegen Rückgabe der Pfandscheine in Empfang genommen werden. Die nach Jahresfrist nicht erhobenen Beträge verfallen der Armenkasse. Witten, den 11. Juni 1894. En gros. En detall. Die dauerhaftesten, geschmackvollsten und billigsten Pianinos, Flügel, Harmoniums liefert August Roth Hagen, Bahnhofstr. 29. 10jährige Garantie. Kleine Ratenzahlungen gestattet. Gebrauchte Instrumente werden in Zahlg. genommen. Franko=Lieferung nach allen Stationen Deutschlands. Mieth=Instrumente. Fr. Hahne. Vaseline-Gold-Cream-Seife, mildeste aller Seifen, besonders gegen rauhe und spröde Haut, s Packet 8 Stück 50 Pe. h. Heiner Kind.r. Vorräthigl W. Reuter, Parfümerie. Die Sparkasse des Amtes Annen nimmt Einlagen in jeder Höhe, auch per Posteinzahlung entgegen und verzinst solche mit Prozent. 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Risel& Co. in Hagen. Redigirt unter Verantwortlichkett von B. Koetz old in Witten.