No. 1 Fernsprech=Nr. 46 für Witten. Sonntag, den 1. Jannar. Fernsprech=Nr. 18 für Hagen. 1893. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feicr##### Insertionen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. Unherruet verbunden mit dem General-Anzeiger für Witten und Amgegend. Abonnementspreis(inel. der Gratisbetlage „Märkisches Heim“): 1,80 Mark viertelzührlich, monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2.20 Mk. Abonnements=Einladung. Zum Beginn des 1. Quartals 1893 des Märkischen Tageblatts mit der wöchentlichen Unterhaltungsbeilage„Märkisches Heim“ laden wir hiermit ergebenst zum Abonnement ein. Das„Märkische Tageblatt“ wird auch in Zukunft sein bisheriges politisches Programm unentwegt verfolgen und seinen echtpatriotischen, königstreuen Standpunkt bei Beurtheilung aller polttischen Fragen aufrecht erhalten. Das kommende Quartal bringt die Fortsetzung der parlamentarischen Sessicn im Reichstage und preußischen Abgeordnetenhause. Das„Märkische Tageblatt“ giebt die Verhandlungen selbst nach Originalberichten in möglichst eingehender Weise und wird in der Behandlung der jeweilig auf der Tagesordnung stehenden Fragen, namentsich bez. der Steuerreform, der Militärvorlage und der sozialpolischen Materien, ingewandt und sachgemäß geschriebenen Leitartikeln und Korrespondenzen, die wichtigeren und allgemein interessirenden Punkte herausheben und vom patriotischen, königstreuen Standpunkte aus besprechen. Auch über die neuesten Tagesereignisse in und außerhalb Deutschland wird das„Märkische Tageblatt" Originalbesprechungen und=Aufsätze bieten, wozu insbesondere ein reichhaltiger Depeschendienst eingerichtet ist, Nach wie vor werden wissenswerthe Mittheilungen aus allen Gebieten des modernen Lebens, aus Kunst und Litteratur, aus Handel und Gewerbe, aus Landwirthschaft und Gesundheitslehre, sowie aus der Justizpflege(u. a. Reichkgerichtsentscheidungen und berufsgenossenschaftliche Erkenntnisse) dem Blatte ein interessantes, eigenartiges Gepräge verleihen. Desgleichen wird seitens der Redaktion allen lokalen Vorgängen die größte Aufmerksamkeit zugewendet unn auch die wichtigeren in der Pcovinz werden verfolgt werden. Ebenso wird für unpartetische, sachverständige Theater= und Kunstkritik in bester Weise gesorgt. Im Feuilleton und in der Unterhaltungs=Beilage „Märkisches Heim“ dienen spannende Romane, Miscellen und kleinere Erzühlungen zur Unterhaltung unserer Leser Der Abonnementspreis beträgt pro Quartal Mk. 1,80 Probenummern stehen zur Verfugung. Alle Postanstalten und unsere Boten nehmen Bestellungen an. Expedition des Märkischen Tageblatts Witten, Bahnhof= u. Breddestraßenecke. Zum Vollendet hat das alte Jahr seinen Lauf, 1892 verschwindet im Meere der Ewigkeit, und sein Nachfolger tritt sein Regiment an. Ein frohes, neues Jahr!, so klingt der Glückwunsch, den wir einander darbringen, mag es reichen Segen und ungestörten Frieden bringen für Alle! Der gleiche Herzenswunsch erscholl auch zum Anfang des jetzt zu Rüste gehenden Jahres, und seinen Vorgängern ist er nicht minder dargebracht worden. Mit einem reichen Schatze von Hoffnungen sind wir stets in das neue Jahr eingetreten, viele auch mit einem nicht geringen Vorrath an Muth und Thatkraft und der festen Entschlossenheit, etwas Gedeihliches zu schaffen, das besteht. Die Jahre sind verstrichen, und wie die Monate entschwanden, so fiel auch manche Hoffnung, die froh emporgesproßt war, wie eine Blüthe ins Gras, und der Quell, aus welchem Muth und Thatkraft rannen, begann spärlicher und spärlicher zu fließen. So ist es im letzten Jahre gewesen; Viele hatten gestrebt und gerungen, nur Wenige erreichten den großen Wurf, der vor ihrem geistigen Auge gestanden hatte, und die Mehrheit bleibt weit von dem Endziel entfernt. So war es auf den Höhen des Lebens, aber auch der schlichte Bürger, der für seine Arbeit sich enger begrenzte Ziele setzt, hat in vielen Fällen von seinen bescheidenen Hoffnungen so manche nicht erfüllt gesehen. Heiße und ausdauernde Thätigkeit, das redlichste Bemühen waren oft erheblich, und in schweren Mühen ohne den berechtigten Gewinn, welchen die fleißige Arbeit fordern kann, sind nur zu vielen Bürgern des deutschen Vaterlandes die Wochen und Monate vergangen. Es kann nur ein schwacher Trost sein, wenn die Thatsache festgestellt wird, daß der Druck, der uns bedrängte, die meisten Staaten der Erde traf; die Sorgen und das Mühen um das tägliche Brod drückten hart, und die frische und fröhliche Schaffensfreudigkeit, die allein Segea bringen kann, hat darunter gelitten. Und es ist erklärlich, wenn in Folge dessen ein scharfer und leicht erregter Zug durch die Bevölkerung ging, der Worte des Mißmuthes weckte und den Geist des Kleinmuthes nährte, der in solchen Zeiten gern in die Räume sich einschleicht, von welchen das kräftige Pochen der Hämmer bis dahin ihn ferngehalten. Dann gelangt die trübe Ansicht zum Ausdruck, daß ja doch alles umsonst sei, daß das neue Jahre höchstens noch schlimmere Tage bringen werde, als das abgelaufene. Und dem Kleinmuth stellt sich gern der Leichtsinn gegenüber, der da meint, daß gleichgiltig sei, ob und wann das Ende komme, und der die Sorgen in einem rauschenden Leben zu ersticken sucht, während sie in Wahrheit dadurch nur vermehrt werden. Aber ziemt ein solches Verhalten dem thatkräftigen Mann? Gewiß nicht! Wir sehen allerdings, und nicht ohne Trauer, daß es nicht selten so ganz anders kommt bei diesem oder jenem, als wir wünschen. Aber das sollte nur ein Antrieb mehr sein, eine weitere Ausdehnung des Ungemachs zu verhüten. Wir haben im Kriege schwer kämpfen müssen, um unsere heutige Einheit zu erlangen, vermuthlich schwerer, als wir heute im Frieden zu ringen haben, um unsere wirthschaftliche Selbständigkeit zu wahren; wer will denn glauben, daß vor wenig mehr, als zwei Jahrzenten das deutsche Kaiserthum durch eine Reihe von glanzvollen Großthaten errungen wurde, nur damit die Welt sieht, daß die Bürger dieses Staatswesens gar bald an einem solchen Gedeihen derselben zweifeln? Das Geschick, welches uns auf den Platz geführt, den wir heute inne haben, und zwar nach einem Kriege und Siege des Rechts, hat dies nicht gethan, damit wir ein Vierteljahrhundert später kläglicher dastehen, als zuvor. Früher hieß es: Deutschland ist unbezwingbar, wenn seine Stämme einig sind, und heute, wo wir einig sind, brauchen wir auch von Schwierigkeiten im wirthschaftlichen Leben eine Katastrophe nicht zu befürchten. Das Hasten und Jagen in unserer Zeit, die Aufregung im Geschäfte und Verkehr, geänderte Anschauungen, erhöhte Ansprüche, geringere Zufriedenheit und wachsende Lasten haben unserem Zeitalter nicht mit unrecht den Namen des„nervösen“, gegeben; man hatte früher oft genug schwierige Zeitverhältnisse, noch mehr, als heute, aber man überstand sie leichter, weil man ruhiger war, und mehr Vertrauen auf eine gesunde Entwickelung hatte. Wir könnten heute, das wissen wir ja, ohne besondere Furcht vor einem Weltkriege, der so lange ernstlich gedroht, an unsere Arbeit gehen, der von Tag zu Tag neue Aufgaben erwachsen. Denken wir an gewisse Perioden des letzten Wirkens zurück, so können wir sagen, daß doch schon einige Besserung gegen diese Angstzeiten eingetreten ist, und es wird immer besser werden, wenn nicht schnell, so doch allmählich, und Handel und Verkehr, Gewerbe und Landwirthschaft werden mehr und mehr gesunden und Reichsregierung und Reichstag mögen diese Gesundung durch zweckmäßige Maßnahmen fördern helfen, und alles wird um so eher nützen, als das Mißtrauen sich abwendet und dem Vertrauen Platz macht. Solche Wandlung, geistig eben so sehr, wie materiell, wollen wir vom neuen Jahre erhoffen, denn nur wenn diese Wandlung stattfindet, wird Alles gut werden. Lassen wir das abgelaufene Jahr vor unseren Blicken vorüberziehen! In der That, kein europäischer Staat hat seit Jahren so viel mit sich selbst und so wenig mit anderen Staaten zu thun gehabt, wie wir jetzt im beendeten Jahre; nicht einen Augenblick ist eine Störung der ruhigen Beziebungen des deutschen Reichs zu seinen gefährlichen Nachbarn in Frage gekommen, während die Herzensfreundschaft zu unseren Verbündeten nur vertieft worden ist. Hart war die Zeit, als wir in das Jahr 1892 eintraten, und mit der Reichsregierung sah der Reichstag in den neuen Handelsverträgen ein Mittel, weiterer Hemmung unseres Absatzes vorzubeugen. Dieses Ziel ist erreicht, wenn auch sonst keine goldenen Früchte den verschiedenen Trägern des nationalen Wohlstandes daraus erfolgt sind. Die Periode des wirthschaftlichen Niederganges war zu schwer, als daß im Nu eine Besserung erfolgen konnte; nur langsam wird diese sich vollziehen. Hatten wir auch im Innern erfreulicherweise keine Störung der Ruhe und Ordnung zu verzeichnen, so hatten wir doch genug Anzeichen von der Fortdauer der Zwistigkeiten, welche die verschiedenen Faktoren der Arbeit durchwogen: Und kann hier kein voller Friede geschaffen werden, so muß doch ein ehrlicher Waffenstillstand Platz greifen. Durch die Zwistigkeiten sind wir in dem letzten halben Jahrzehnt schwer herabgekommen, und ohne ihre Entfernung, ohne gegenseitige Verläßlichkeit auf einander in kritischen Momenten können wir nicht wieder emporkommen. Wir hören auch noch laute Klagen aus verschiedenen Kreisen des Nährstandes, denen eine wohlwollende und nachsichtige Prüfung nicht fehlen darf. Können wir auch auf Wahrung des Friedens in absehbarer Zeit noch rechnen, schwer lastet auf ganz Europa der bewaffnete Friede, hart drückt der Panzer der Vertheidigung, den wir nothgedrungen haben anlegen müssen, da uns scharfe Klänge von jenseits der Vorgesen belehrten, daß die Angriffswaffen geschliffen würden. Und umfangreicher und belastender wurde diese Friedensrüstung; wie ein großes Fragezeichen steht sie vor uns, gerade jetzt, wo wir in das neue Jahr eintreten. Ruhig und streng sachlich haben die gesetzgebenden Gewalten im deutschen Reiche bisher die schwierige Frage der Reform unserer Heeresorganisation erörtert, von beiden Seiten verkennt man den Ernst der Lage nicht, und man hat es sorgsam vermieden, durch ein böses Wort noch mehr zu verwirren, was so wie so schon nicht klar ist. Aber Alles das kann nicht darüber forttäuschen, daß die Zeiten ernst, die Entscheidung eine hochbedeutsame ist. Sollen wir aber deshalb mit gesenktem Haupte und gefurchter Stirn ins neue Jahr eintreten? Nein; vertrauen wir wieder, wie in der großen Zeit, der Weltmission der Deutschen, dann haben wir auch den Erfolg. Mag darum das neue Jahr 1893 geleitet sein von dem Genius des äußeren und inneren Friedens und dem des Vertrauens! Dazu sagen wir: Willkommen 1893! Prosit Neujahr! Rundschau. * Das neue Wuchergesetz. Das dem Reichstage zugegangene neue Wuchergesetz hat folgenden Worttaut: Art. I. In dem Strafgesetzbuch werden die§§ 302a und 302d folgendermaßen abgeändert, und werden hinter dem§ 302d folgender§ 302c und in dem§ 367 hinter Nr. 15 folgende Nr. 16 eingestellt:§ 302a. Wer unter Ausbeutung der Nothlage, des Leichtsinns oder der Unerfahrenheit eines Anderen mit Bezug auf ein Darlehen oder auf Stundung(im gegenwärtigen Gesetze heißt es:„Für ein Darlehen oder im Falle der Stundung") einer Geldforderung oder auf ein anderes zweiseitiges Rechtsgeschäft, welches denselben wirthschaftlichen Zwecken dienen soll, sich oder einem Dritten Vermögensvortheile gewähren oder versprechen läßt, welche den üblichen Zinsfuß dergestalt überschreiten, daß nach den Umständen des Falles die Vermögensvortheile in auffälligem Mißverhältniß zur Leistung stehen, wird wegen Wuchers mit Gefängniß bis zu 6 Monaten und zugleich mit Geldstrafe bis zu 3000 Mk. bestraft. Auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.§ 3024. Wer den Wucher(§§ 302a bis 302c) gewerbs= oder gewohnheitsmäßig betreibt, wird mit Gefängniß nicht unter 3 Monaten und zugleich mit Geldstrafe von 150 bis zu 15000 M. bestraft. Auch ist auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen.§ 302e. Dieselbe Strafe trifft denjenigen, welcher mit Bezug auf ein Rechtsgeschäft anderer, als der im§ 302 a bezeichneten Art gewerbs= oder gewohnheitsmäßig unter Ausbeutung der Nothlage, des Leichtsinns oder der Unerfahrenheit eines Anderen sich oder einem Dritten Vermögensvortheile versprechen oder gewähren läßt, welche den Werth der Leistung dergestalt überschreiten, daß nach den Umständen des Falles die Vermögensvortheile in auffälligem Mißverhä tniß zu der Leistung stehen,§ 367, 16) wer den über das Abhalten von öffentlichen Versteigerungen und über das Verabfolgen geistiger Getränke vor und bei öffentlichen Versteigerungen erlassenen polizeilichen Anordnungen zuwiderhandelt. Art. II. In dem Gesetz, betr. den Wucher vom 24. Mai 1880 wird der Art. III im ersten Absatz und im ersten Satz des zweiten Absatzes folgendermaßen abgeändert und wird folgender Art. IV eingestellt: Art. III. Verträge, welche gegen die Vorschriften der§§ 302 a, 302 b, 302e des Strafgesetzbuches verstoßen, sind ungiltig. Sämmtliche von dem Schuldner oder für ihn geleistete Vermögensvortheile(§§ 302a, 302e) müssen zurückgewährt und vom Tage des Empfanges an verzinst werden.... Art. IV. Wer gewerbsmäßig Geld= oder Creditgeschäfte betreibt, hat Demjenigen, mit welchem er hieraus in Geschäftsverbindungen steht, für jedes Kalenderjahr binnen drei Monaten nach Schluß desselben einen vollständigen Rechnungsauszug über die noch schwebenden Geschäfte mitzutheilen. Wer es unterläßt, dieser Verpflichtung nachzukommen, wird mit Geldstrafe bis zu 500 Mark oder mit Haft bestraft und verliert den Anspruch auf die Zinsen für das verflossene Jahr hinsichtlich der Geschäfte, welche in den Rechnungsauszug aufzunehmen waren. * Der gute Ruf, dessen sich deutsche Geschäftstüchtigkeit im Auslande von jeher zu erfreuen hatte, wird durch eine Mittheilung, welche jetzt durch die englischen Blätter geht und den Stempel böswilliger Erfindung an der Stirn trägt, in unqualifizirbarer Weise zu schädigen gesucht. Es wird erzählt, ein seit längerer Zeit „in irgend einem hervorragenden Geschäft der Londoner City“ angestellter deutscher Comptorist, der sich durch seine hervorragenden Leistungen, seine Gewissenhaftigkeit und seine Solidität das volle Vertrauen seines Chefs erworben habe, sei„an einem gewissen Bankfeiertage" dabei ertappt worden, daß er, allein im Comptoir anwesend, wo er sich jedenfalls unbeachtet wähnte, aus den Büchern der Firma eine Liste der stindigen Abnehmer und der von ihnen gemachten Bestellungen bezw. der an sie abgeführten Lieferungen sammt den dabei beobachteten Geschäftsusancen, Preisen und Zahlungsmodalitäten zusammenstellte,„zu Nutz und Frommen seiner Freunde in den Rheinlanden." Der bösartige Charakter dieser Erfindung liegt auf der Hand und wird noch zum Ueberfluß durch die gleich hinzugefügte Nutzanwendung illustrirt, daß der Londoner Geschäftswelt empfohlen wird, ihre deutschen Angestellten schleunigst zu entlassen, bezw. keine deutschen Comptoristen anzustellen. Das hier mitgetheilte illoyale Manöver richtet sich selbst. Es zeigt aber, wie wenig wählerisch gewisse, auf den wachsenden Einfluß des deutschen Elements in dem Geschäftsleben der britischen Metropole eifersüchtige Leute in ihren Mitteln zur Bekämpfung des ebenso überlegenen, als gefürchteten deutschen Rivalen sind. Deutsches Reich. Berlin, 31. Dez. Der Kaiser hatte gestern Vormittag eine größere Jagdgesellschaft zur Abhaltung einer Hasenjagd nach der Insel Potsdam geladen. Bei der Ankunft des Kaisers auf dem Rendezvous=Platze war die Gesellschaft bereits vollzählig versammelt. Die Jagd wurde deßhalb sofort begonnen. Am Schluß derselben kam der Katser mit den Herren seiner nächst n Umgebung über Wildvark nach Berlin, um im hiesigen Kaiserlichen Schlosse mit der kaiserlichen Familie Winteraufenthalt zu nehmen. — Die Kaiserin war bereits 2½ Stunden früher, als der Kaiser nach Berlin gekommen. Berlin, 30. Dez. Prinz Heinrich wird zur Feier des Neujahrsfestes am 31. Dezember, Abends 8 Uhr 45 Min., auf der Lehrter Bihn aus Kiel hier eintreffen und im Königlichen Schlosse Wohnung nehmen.— Prinz Arnulf von Bayern wird am 1. Januar. früh 5 Uhr 28 Min., auf der Anhalter Bahn aus München hier eintressen und im Königlichen Schlosse absteigen:— Prinz Georg von Sachsen trifft zur Neujahrs=Gratulation am 31. ds. Mts., Nachmittags 6 Uhr 31 Min., aus Dresden hier ein und steigt in der Terrassen=Wohnung des Königlichen Schlosses ab. * Berlin, 30. Dez. Zur Militärvorlage äußert sich die„Nat=Lib Corr.“ wie folgt:„Man hat, den Traditionen der Partei getreu, überall, wo über die Stellung der Militärvorlage berathen worden ist, als entscheidende Richtschnur allein die patriotische Nothwendigkeit anerkinnt. Außerdem allerdings ist die nationalliberale Fraktion außer Stande, in einem zur Reichstagsauflösung führenden Konflikte über eine Lebensfrage unseres Heerwesens ein Glück zu erkennen, und sie betrachtet es als eine patriotische Pflicht, zur Verhütung eines solchen Konflikts, so viel ihr möglich, beizutragen. Auch dabei aber ist die Furcht, die nationalliberale Partei könnte infolge der Reichstagsauflösung eine Reihe von Mandatsverlusten erleiden, in keiner Weise bestimmend gewesen. Bei ruhiger Ueberlegung erscheint es sogar sehr zweifelhaft, ob gerade die nationalliberale Partei besonders viel von einer Auflösung zu fürchten hätte.... Dagegen dürfen die Nationalliberalen der Ueberzeugung leben, daß, wenn aus der schweren und einstweilen unabsehbaren Keise, welche infolge einer Auflösung eintreten würde, überhaupt eine Gesundung in den Formen des konstitutionellen Staatslebens gefunden werden sollte, dies schließlich doch nur wieder unter der ausschlaggebenden Mitwirkung einer breiten Mittelpartei geschehen könnte.“ — Von beachtenswerther Seite wird geschrieben: Daß die gegenwärtige Pause in den Reichstagssitzungen zu Unterhandlungen hinter den Coulissen benutzt wird, war vorauszusehen. Es wird nötbig sein, einiges darüber mitzutheilen, in welcher Richtung sich diese Unterhandlungen bewegen. Zunächft sei hervorgedoben, daß in den jungsten Tagen beim Kaiser militärische Konferenzen von besonderer Wichtigkeit abgehalten worden sind. Es ist bekannt, daß die MilitärKommission des Reichstages, welche am 10. kommenden Monats ihre Thätigkeit beginnt, zunächst in eine umfangreiche allgemeine Debatte eintreten will. Man wird sich gegenseitig über die Grenzen verständigen, bis zu welchen ein Entgegenkommen denkbar wäre. Vorerwähnte Konferenzen beschäftigen sich also mit der Haltung der Regierungsvertreter in der Kommission. Von einem „entweder— oder“ ist demnach nicht mehr die Rede. Graf Caprivi sieht ein, daß die ganze Vorlage nicht durchzubringen sein wird. Das Centrum hat bereits Gelegenheit gefunden, dem Reichskanzler nabezulegen, daß die gesammten 59 Millionen, welche zur Reorganiim Sinne der Militärvorlage gefordert wurden, nicht bewilligt werden. Man wird 20 Millionen abstreichen, und die Regierung wird sehen müssen, damit auszukommen. Das Centrum hält den Reichskanzler, weil ihm keine Persönlichkeit genehmer sein kann, als Graf Caprivi. der sich niemals scheute, offen zu bekennen, daß mit den hinter dem Centrum stehenden Wählern leichter zu regieren ist, als mit jenen Wählern, dinen der Autoritätsglaube in einer für die künftige innere Entwickelung nicht ganz unbedenklichen Weise abhanden gekommen ist. Dies war übrigens auch Moltkes Anschauung. Die Berathung der Militärvorlage dürfte somit weniger stürmisch verlaufen, als allgemein erwartet wird. Die Regierung wird ihre Vorlage, wenn auch modificirt, durchbringen, weil Centrum und Konservative keinen Konflikt heraufbeschwören wollen. und das Parlament wird sagen können, es habe durch wesentliche Abstriche seine Pflicht dem Volke gegenüber erfüllt. Die„Nordd. Allg. Zta.“ setzt ihre Ausführungen zu Gunsten der Militärvorlage fort, indem sie schreibt; „Die verbündeten Regierungen sind sich der Schwere der Zukunft bewußt und keinen Augenblick darüber zweifelhaft, daß nur dasjenige Volk seine Existenz beheupt#n wird, welches den Getst der Opferfreudigkeit z#r dar# Vaterland bewahrt und seine ganze Kraft im eutschei=F. denden Moment in die Wagschale zu werfen geneigt und higt ist. Verfolgt man die Weltgeschichte mit Aufsamkeit, so ist es gewiß, daß eine völlig neue Zeit Zeifall der Staaten haben det; jede derselben fühlt sich als Ganzes, jeder Krieg setzt das Ganze aufs Spiel.“ #... Ueber das Verhältniß der adeligen MarineOfficiere zu den nichtadeligen giebt die soeben erschienene Mirine=Rangliste für 1893 folgende Auskunft: Unter den 16 aktiven Romiralen befinden sich 5 adelige, nämlich der commandirende Admiral Freiherr v. d. Goltz, der Admiral à la suite des Kaisers Frhr. v. SendenBibran, sowie die Contreadmirale v. Pawelsz, Chef des Kreuzergeschwaders, v. Reiche, Director des Bildungswesens der Marine, und v. Diederichs, Oberwerftdirector zu Kiel. Unter den 5 Viceadmiralen ist der Adel gar nicht vertreten. Von den 31 Kapitäns z. S. sind einschließlich des Prinzen Heinrich 11, von den 66 Corvettenkapitäns 15 adlig, darunter die beiden Grafen v. Moltke und die beiden Marine=Attachees bei den Botschaften in London und Rom, v. Kries und v. Plessen. Bei den 136 Kapitänlieutenants ist der Adel 23mal, bei den 201 Lieutenants zur See 38mal und bei den 136 Seconde= lieutenants zur See 29mal vertreten. Demzufolge befinden sich unter den Admiralen aller drei Cbargen zusammen 33 pCt, Kapitäns zur See 35 pCt., Corvettenkapitäns 22 pCt., Kapitänlieutenants 16 pCt., Lieutenants zur See 19 pCt., Unterlieutenants zur See 22 pCt. Die Arbeiten an dem Nord=Ostsee=Kanal sind so weit gesördert, daß dessen Fertigstellung zu dem von Anfang an in Aussicht genommenen Zeitpunkt mit Sicherheit zu erwarten ist, falls nicht unvorherzusehende Zwischenfälle eintreten. Der Kanal soll bereits im Frühjahr 1895 dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Der Kaiser, der sich für dieses großartige Werk ganz besonders interesfiert, beabsichtigt aus diesem Anlaß Festlichkeiten zu veranstalten, an denen auch eine größere Abordnung des Reichs— Von der neuen Missionsstation der Brüdergemeinde im entlegensten Theil Deutsch=Ostafcikas, am Tanganyika=See, kommen günstige Nachrichten. Die Missionare haben ihre Stationshöuser in Friedea bauen können, und ein räuberischer Angriffsversuch ging noch slücklich vorüber..... Gealaung hat von5 Metz, 30 Dez. Die deutsche bregierung hat von der französischen Regierung die Erlaubniß erhalten, die Ueberreste der Officiere und Soldaten des preußischen GardeGrenadier=Regiments Kaiser Alexander, die in der Nähe des Weilers Habonville(Gemeinde St All, Frankreich) bestattet sind, sowie das dort zum Gedächtniß der Gefallenen errichtete Denkmal ausgraben und nach Deutschland herüber bringen zu lassen. Für den Tag der Ausgrabung, welcher noch nicht festgesetzt ist, wird eine besondere Feierlichkeit geplant. Frankreich Paris, 30. Dez. Die Panama=UntersuchungsKommission vernahm den hiesigen Vertreter der russischen„Moskauer Zeitung", der die Erklärung abgab, sein Blatt habe niemals Geld empsangen, welches von der Panama=Gesellschaft oder aus einer ähnlichen Quelle herrührte. Die Kommission vertagte sich bis zum 5. Januar n. I. In einer Note der„Agence Havas“ wird die Behauptung des„Soleil“, daß Präsident Carnot in einem Schreiben an Christophle, den Gouverneur des Crédit foncier, angesichts der allgemeinen Wahlen von 1889 um Ueberlassung einer Geldsumme gebeten habe, für unbegründet erklärt.. Ieterf. umasrs, — Nach der Liberlé gedenkt der Untersuchungsrichter Franqueville die Untersuchung gegen Lesseps morgen und in den nächsten Tagen auch die gegen tane und Cottu abzuschließen, sodaß er vermutlich, wenn kein neuer Zwischenfall erfolgt, die Akten bis Mitte Januar fertig stellen wird. Paris, 30. Dez. Trotzdem das französische Parlament in die Ferien gegangen ist und in Folge dessen die durch den Panama=Scandal hervorgerufene Spannung naturgemäß sich gemildert hat, ist die Pariser Presse noch immer voll der sensationellsten Enthüllungen, die natürlich von argen Übertreibungen nicht frei sind. Eine bedeutende Rolle in allen Berichten spielt der Banquier Herz, der gute Freund aller Compromittirten, dem der bekannte Spruch:„Gott schütze mich vor meinen Freunden“ auf den Leib geschrieben zu sein scheint, um im Bühnenjargon zu sprechen. Wie verlautet, soll die Regierurg Anstrengungen gemacht haben— Herz lebt in London— die Auslieferung desselben zu erlangen; man sprach sogar davon, Herz sollte unter der Anklage des Mordes, begangen an Reinach, reclamirt werden; dann hat das Gutachten des medicinischen Sachverständigen Dr. Brouardel den abenteuerlichen Plan durchkreuzt. Wir glauben aber gar nicht, daß man wirklich ernstlich die Auslieferung des Mitwissers so vieler Geheimnisse erstrebt hat; hätte man ihn zum Reden gezwungen, wäre sicher mehr aus Tageslicht gekommen, als selbst den Herren Ribot und Genossen lieb gewesen wäre. Breitet sich doch jetzt schon der Verdacht auf immer weitere Kreise aus, so daß es thatsächlich im Interesse der Republick zu liegen scheint, eher einschränkend, als fördernd auf die Enthüllungswuth zu wirken. * Im„Flgaro“, in dem allen Ansichten Platz gegeben wird und wo vor einigen Tagen der konservative bretonische Abgeordnete Delafosse für den Prinzen Bonaparte eintrat, da der andere Prätendent, der Graf von Paris, unbeltebt sei, erhebt jetzt ein Anonymus, der als„alter Royalist" zeichnet, seine Stimme für den Grafen.„Unbeliebt", meint er, das sei leicht gesagt. Die Popularität Boulangers, die durch Bilderbogen, Broschüren u. dgl. rasch gemacht worden sei und sich ebenso rasch wieder verflüchligte, besitze der Graf von Paris freilich nicht, aber er habe viele Freunde und repräsentire die Ehrlichkeit, was in diesem lugenblick doppelt wichtig sei. Ueberdies verkörpere er den Grundsatz der Stetigreit, während Frankreich seit einem Jahrhundert von bloßen Versuchen gelebt habe; schließlich bringe er eine Familie mit, die aus hervorragenden Persönlichkeiten bestehe. — Die Verfolgung der deutschen Geistlichen in den russischen Ostseeprovinzen hat einen bedauerlichen Umfang erreicht. Unter allerlei Vorwänden sind in den letzten neun Monaten 23 deutsche Geistliche zu schweren Strafen verurtheilt worden. Herbien. Belgrad, 30. Dez. Nach der annähernden Berechnung des Finauzministers sind zur Deckung der schwebenden Schuld 26 bis 30 Millionen erforderlich. Dieser Anleihe würde der von der Skupschtina bereits genehnigte 14prozentige Steuerzuschlag als Pfand dienen, vessen Jahreserträgnis 1 600000fr beträgt. Bulgarien. Sosia, 30. Dez. Die Wittwe des Majors Paultza, der bekanntlich in Sofia als Haupt der gegen die Regierung gerichteten Verschwörung erschossen wurde, hat sich wieder vermählt und zwar mit einem intimen freunde Stambulows. Weiter wird erzählt, daß die Dame alle von ihrem Manne hinterlassenen Papiere an Stambulow ausgeliefert habe. befindet, und:„Halt!“ heißt es allerorten. Man hält ernste Einkehr in sich selbst, und„Christenthum, land, Monarchie" ist wieder die Losung! Will man aber voll und ganz seine Pflicht thun, so muß man mit entschlossener Beharrlichkeit alles weit von sich weisen, was diesem Dreigestirn feindlich oder auch nur gleichgültig gegenübersteht. Denn nur so wird man edlen Sieg erringen zum Heile seiner selbst und zum Heile des deutschen Vaterlandes! Viele werden erschrecken, wenn sie erfahren, daß von 22 größeren berliner Tageszeitungen nur höchstens 5 das Judenthum offen als Feind bekämpfen, die anderen aber alle aus freiwilliger oder unfreiwilliger Ueberzeugung dem Judenthum dienen oder gefällig sind. Allen voran steht das„Berliner Tageblatt“. Das„Berliner Tageblatt“ gehört dem Juden Rudolf Mosse(Umstellung aus Moses). In der Redaktion sind beschäftigt der getaufte Jude Levyson als Chesredakteur und ferner die Juden: Wiener, Hirschberg, Lorenz, Moßner, Dr. Perls, Dr. Wolff und der Deutsche Dr. Horn. Die„Berliner Zeitung" und die„Abendpost“ gehören dem Juden Ullstein. Erstere wird redigiert vom Juden Wisberger, letztere vom Juden Frankenberg. Der„Börsencourier" ist gegründet vom Juden Davidson und gehört jetzt einer Aktiengesellschaft. Die Aktien sind fast ausschließlich in Judenhänden. Unter den Redakteuren sei nur Landau erwähnt. Das Blatt ist völlig jüdischen Einflüssen preisgegeben. Die„Vossische Zeitung" hat eine Reihe von Juden zu Mitarbeitern. Die„Neuesten Nachrichten" verlegt der Jude Wolff und redigiert der Jude Dr. Rosendorff. Die„Neue Börsenzeitung" gehört dem jüdischen Bankter Treuherz. Das„Kleine Journal“ gehört dem Juden Spitz und hat jüdische Redakteure, z. B. Saling, bekannt aus dem Ahlwardt Prozeß. Die„National=Zeitung" verlegt Dr. Salomon. Bankier Bleichröder soll stark betheiligt sein. Die„Berliner Volkszeitung" ist 30 Jahre lang vom Jaden A. Bernstein redigiert, später von Goldstein. Jetzt sind die meisten Aktien in den Händen des„Erbherren Cohn auf Neuendorf", des früheren Kompagnon von Mosse. Die„Morgenzeitung", das„Montagsblatt" und das „Reichsblatt“ gehören dem Juden Mosse. Die„Berliner politischen Nachrichten“ giebt der(getaufte) Jude Schweinburg heraus. Die„Freisinnige Zeitung" und der„Reichsfreund" gehören der Aktiengesellschaft„Fortschritt". Die Aktien sind zum größten Theil in Judenhänden. Die„Berliner Presse" hat zum Chefredakteur den Juden Stein. Die„Frankfurter Zeitung" wird herausgegeben vom Juden Löb Sonnemann. Der Redakteur ist Saul.(Christ, Pastorensohn. Die Schriftl.) Auch eine große Anzahl sonstiger deutscher Zeitungen befindet sich in Judenhänden oder steht doch unter jüdischem Einfluß. Christen, schafft die Judenblätter aus euren Häusern und haltet und unterstützt dafür die christlich=deutsche Presse!(Nach d.„Ham. Post“). Wer schreibt unsere Zeitungen? Manch' braver Deutscher lieft tagtäglich seine Zeitung, ohne zu ahnen, daß er ein Judenblatt in den Händen hat. So nimmt er tagtäglich von dem jüdischen Gifte in sich auf und gewöhnt sich allmählich an jüdische Denkungsart. Unbewußt wird er seiner Nation entfremdet. Die Ideale seiner Kindheit erblassen und sinken schließlich in den Staub. Eine bittere Folge der jüdischen Lektüre! Neuerdings fängt das deutsche Volk endlich an, sich wieder auf sein besseres„Ich“ zu besinnen. Mit Schrecken nimmt man wahr, auf welch' schlüpfriger Bahn man sich Westfalen und Rheinland. * Witten, 31. Dez.(Zu Geschworenen) für die am 9. Januar beginnende erste Schwurgerichtsperiode beim Landgericht Bochum sind ausgeloost worden die derren Bender, Fr., Brennerei=Besitzer, Witten; Kleinmann, I., Bergwerksdirektor, Bruch; Winkelmann, August, Landwirth. Heven; Dilker, I., Buchhalter, Witten; Renners Wilh, Fabrikdirektor, Annen, Riewe, Jos., Betriebsfuhrer, Bruch; Kröger, Bauunternehmer, Herne; Dauber. August, Kaufmann. Bochum; Rottgen, David, Kaufmann, Wattenscheid: Schürmann, Gust., Kaufmann, Recklinghausen; Kölz, Gustav, Jugenieur, Günnigfeld; Eckhardt, Otto, Landwirth, Annen; Lauten, Louis, Kaufmann, Herne; Wiethoff, Hermann, Landwirth, Werne: Zipp, Adolf, Bauunternehmer, Werne; Soedina, Fr., Fabrikant, Witten; Lipinski, Wilhelm, Brauereidirektor, Bochum; Muckenheim, Ewald, Kaufmann, Weitmar; Vierhaus, Heinrich, Landwirth, Wiemelhausen; Goerdt, Heinrich, Landwirth, Altenbochum; Roettger, Karl, Landwirt, Weitmar; Brinkmann, Alexander, Rentier, Witten; Methler, Wilh., Kaufmann, Witten; Wielers. Hermann, Architekt. Bochum; Brodt, August, Betriebsführer, Bochum; Lauf, Leinrich, Holzhändler, Herten; Weißmüller, Franz, Ingenteur, Bochum; Felsenthal, Alex, Getreidehändler, Bochum; Velten, Heinrich, Kaufmann, Bochum; Randebrock, Paul, Bergwerksdirektor, Son born. * Witten, 31. Dezbr.(Bochumer Handelskammer.) Die am Mittwoch im Hotel Neubauer vorgenommenen Wahlen, bei denen Herr Geheimer Kommerzienrath Baare als Wahlkommissar fungirte, hatten die einstimmige Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Herrn Flottmann=Bochum, Kirdorf= Ueckendorf. Klutmann=Witten, Müllensiefen= Witten, Rosiny=Witten und Würzburger=Bochum zum Ergebniß. Dem Wablokt folgte eine Handdlskammer=Sitzung, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, in einer Eingabe an den Reichstag die Ablehnung der Brausteuer=Erhöhung zu befürworten, weil durch eine solche das BrauereiGewerbe empfindlich würde geschädigt werden. * Witten, 31. Dez.(Betreffend den Wegfall des Schutzes eines Waarenzeichens), wenn der Vertrieb der Waarengattung, für welche das Zeichen eingetragen ist, aufgegeben wird, hat das Reichsgericht, I. Ctoilsenat im Urtheil vom 4. Mai 1892 folgendes ausgeführt: Wenngleich nach dem Markenschutzgesetz das Wearenzeichen an der Firma hastet, so fehlt es doch, wenn die Firma zwar fortbesteht, ein Geschäftsbetrieb mit den Waaren. für die das Zeichen eingetragen ist, aber nicht mehr stattfindet, dem Firmeninhaber an demjenigen Interesse, welches durch das Gesetz geschützt wird. Der Markenschutz wird dem Firmeninhaber weder für seine Person, noch für seinen Gewerbebetrieb im allgemeinen, sondern lediglich zum Schutze des Vertriebes bestimmter Waaren gewährt. Bilden diese Waaren nicht mehr den Gegenstand seines Gewerbebetriebes, so steht ihm auch nicht mehr die Befugniß zu, andere von dem Gebrauch des Zeichens auszuschließen. Anders würde die Sache liegen, wenn aus den Umständen ersichtlich wäre, daß es sich nur um eine vorübergehende Einstellung des Gewerbebetriebes handelt. Für diese Annahme sind aber im vorliegenden Fall keine Anhaltspunkte vorhanden. * Witten, 31. Dez. Unseren wackeren Briefträgern) steht, nachdem nunmehr die Hochfluth der Weihnachtsbestellungen glücklich überwunden ist, noch die schwere Neujahrszeit bevor, die wieder hohe Anforderungen an die Postbeamten stellen wird. Je pünktlicher die unermüdlichen Briefträger ihren Dienst versehen, um so mehr erhöhen sie die Festesstimmung der Empfänger. Wie viel tausende von Gluckwünschen haben sie zu bestellen und wie unermüdlich haben sie das ganze verflossene Jahr über ihre Pflicht gethan! Darum gedenke man auch dieser wackeren Männer und bereite auch ihnen eine Freude!. tsc, Trtes * Witten, 30. Dez.(Deuische Turnerschaft.) Nach der im Jahre 1868 ins Leben gerufenen, mithin jetzt 25 Jahre alten Statisttk der deutschen Turnerschaft ist die Zahl der Vereinsorte von 1415 auf 3861, die der Vereine von 1546 auf 4519 und die der Turner von 128491 auf 447046 gestiegen. O* Witten, 30. Dez.(Frachtbriefformulare betr.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat durch Verfügung vom 23. Dez. d. J. die Königlichen Eisenbahn= direktionen mit Zustimmung des Reichseisenbahnamtes ermächtigt, die zur Zeit gültigen Frachtbriefformulare in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1893 im Lokalverkehr der preußischen Staatsbahnen bei regelmäßig wiederkehrenden Transporten in Wagenladungen, also insbesondere bei Wagenladungstransporten von Erzeugnissen der Landwirthschaft und der Industrie, namentlich der Montanindustrie in den großen Bergwerksbezirken, weiter zu verwenden und vom Publikum anzunehmen. Neue Bestände der bisherigen Frachtbriefformulare sollen jedoch von den Eisenbahndirektionen nicht mehr beschafft, auch Anträge des Publikums auf Abstempelung der bisherigen Frachtbriefformulare abgelehnt werden. Werne bei Langendreer, 30. Dezbr.(Dampfkessel=Explosion.) Ueber die von uns bereits gemeldete Kesselexplosion auf Zeche„Heinrich Gustav“ wird einem Bochumer Blatt folgendes Nähere berichtet:„Auf Zeche„Heinrich Gustav“ ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der Maschinist bemerkte plötzlich, daß unerklärlicherweise zur Kohlen=Förderung nicht mehr genug Dampf vorhanden war. Es wurde die Ausfahrt der in der Grube befindlichen Mannschaften angeordnet. Siebenmal hatte der Förderkorb bereits Leute heraufgegeholt; da erfolgte bei der achten Personenbeförderung die Explosion. Der Dampfkessel war zersprungen; der mit Personen gefüllte Förderkorb ging mit großer Schnelligkeit in den Schacht wieder zurück, während der leere Korb bis über die Trommel hinaufgeschleppt wurde. Es war nicht sogleich möglich die Größe des Unglücks zu überschauen. Doch bald wurde man gewahr, daß ein Mann durch die Explosion getödtet war. Auch die Fördermaschine ist geschädigt. Die Steine sind hunderte von Metern weit geflogen. Ein Wärter ging eine Treppe hinab, als der Knall erfolgte; zahllose Ziegel prasselten um ihn her, aber wie durch ein Wunder blieb er unversehrt. Wieviel Personen in dem niedergehenden Förderkorbe gewesen sind, ließ sich nicht sogleich erfahren, da derselbe bis zur letzten Bühne gefallen war, wohin man nicht ohne Weiteres gelangen konnte. Doch hat man bald darauf festgestellt, daß 11 Bergleute verletzt sind, einige nur leicht, die anderen schwer. Weitece 30 Personen, welche noch der Ausfahrt harrten konnten unversehrt durch einen anderen Schacht zu Tage kommen. Vier schwer Verletzte wurden noch am selben Abend ins Bergmannsheil nach Bochum übergeführt. Bochum, 28. Dez.(Eine schreckliche Scene) spielte sich gestern Morgen auf der Kortumstcaße ab. Aus einem daselbst belegenen Hause stürzte ein etwa 40 Jahre alter Mann in der Uniform eines Bahnbediensteten auf die Straße, riß die Oberkleider auf und brachte sich mit einem Messer einen Stich in der Herzgegend bei. Dann lief er in den Hof zurück, wo er umsank. Die von Nachbarn rasch binzugerufenen Aerzte konnten nur noch den Tod des Mannes konstatieren. Es ist der verheirathete Weichensteller G. R. bisher rheinische Straße wohnhaft, welcher seinem Leben auf diese Weise ein Ziel gesetzt hat. Die häuslichen Verhältnisse des R. waren, wie man hört, schon seit längerer Zeit unglückliche. Auch am Montag früh war es wieder zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den Eheleuten gekommen und die Frau im Verlaufe derselben in brutaler Weise geschlagen worden. Sie hatte in Folge dessen die gemeinsame Wohnung verlassen, während R. auf der Polizei erschien und, vielleicht um einer Anzeige zuvorzukommen, selbst von dem Vorgefallenen Mittheilung machte; hierauf suchte er eine befreundete Familie auf der Kortumstraße auf, um dieselbe zu veranlassen, zwischen seiner Frau und ihm eine Aussöhnung herbeizuführen. Man wollte ihm hierin zu Willen sein und ließ Frau R. zu einer Unterredung rufen. Die Frau antwortete aber, sie liege krank darnieder und könne nicht kommen. Bei diesem Bescheid begab sich R. auf die Straße hinaus und brachte sich, wie oben mitgetheilt, die Wunde bei. Die Leiche wurde ins städtische Leichenhaus Schwerte, 29. Dez.(Gestorben.) Der Wagenrevisor Brehr, dem am heiligen Abend, wie wir bereits meldeten, beide Beine vom Körper getrennt wurden, ist heute Morgen im evang. Krankenhause seinen Leiden erlegen. Solingen, 30. Dez.(Interessante Entscheidung). Die Minister des Innern und der Finanzen haben entschieden, daß der von den Stadtverordneten deschlossenen Veröffentlichung der Kommunaleinkommensteuer=Listen von Aufsichtswegen nicht entgegengetreten werden soll. Düsseldorf, 30. Dez.(Die hiesige freisinnige „Düsseldorfer Volkszeitung ist von drm Besitzer der nationalliberalen„Düsseldorfer Zeitung" angekauft worden und wird als solche mit dem 1. Januar aufhören zu erscheinen. * Viersen, 29. Tezbr.(Erfreulicher Aufschwung in der wirtbschaftlichen Luge.) Der bevorstehende Jahreswechsel wird sich diesmal hier unter bedeutend angenehmeren Verhältnissen vollziehen, als der vorjährige. Bei enormer Theuerung der nothwendigsten Lebensmittel herrschte damals große Arbeitslosigkeit; hunderte Arbeiter waren ganz ohne Beschäftigung, and re waren nur ungenügend beschäftigt, während jetzt b= illigen Lebensmittelpreisen die Weber ausreichende Beschäftigung finden. Die mechanischen Webereien in Sammet, Plüsch, wie auch in glatten Stoffen sind vollauf beschäftigt und viele Handwebstühle, welche seit Jahren still standen, konnten wieder in Betrieb gesetzt werden. Hoffentlich wird die gegenwärtige Geschäftslage von längerer Dauer sein, damit Arbeiter und Gewerbetreibende sich wieder aus der drückenden Lage, in welche sie bineingerathen waren, emporschwingen können. Rheydt. 30. Dez.(Kaiser Wilhelm=Park.) Die Stadtverordneten=Versammlung stimmte dem vom Stadtbaumeister Muskewiz ausgearbeiteten Projekt zur Anlegung eines Kaiser Wilhelm=Parkes zu. Ein Standbild Kaiser Wilhelms I. soll in dem Garten Aufstellung finden. Die Kosten für die Gesammt=Anlagen betragen 88000 Mk. Hiervon sind 40000 Mk. aus freiwilligen Beträgen zusammengebracht worden, 24000 Mark sind aus einem der Stadt s. Z. geschenkten Geundstücke zu verwenden und die Restsumme von 24000 Mk. soll aus der Obligations=Anleihe entnommen werden. Osterath, 29. Dez.(Kampf mit Wilderern.) Am ersten Weinachts=Feiertage hatte der Revierförster Bergmaun, im Dienste des Barons v. d. Leyen auf Schloß Meer stehend, einen harten Kampf mit Wilderern zu bestehen. Auf einem Patrouillengange stieß, wie der „Niederrh. Volksztg. berichtet wird, Herr Bergmann auf vier Wilddiebe, die, als sie ihn erblickten, sofort Reißaus nahmen. Herr B. verfolgte sie, und es gelang ihm auch. elnen einzuholen und zu ergreifen. Dieser wehrte sich, und es kam zwischen ihm und dem Förster zum Handgemenge. Währenddem kehrten die übrigen Wilddiebe zurück, um den Gefangenen zu befreien. Hierbei ist der Förster von den Frevlern derart zugerichtet worden, daß er infolge der erhaltenen Messerstiche bewußtlos zusammenbrach. Bald nachher wurde er aufgefunden; an seiner Seite lagen vier Hasen und ein zerbrochenes Gewehr, welches dir Wilderer zurückgelassen hatten. Die Verletzungen des Försters sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. Wesel, 30. Dez.(Erwischt.) Wie verlautet, ist der flüchtige Gefangenwärter B. in Ruhrort, über den wir kürzlich berichteten, verhaftet worden. * Körn, 29. Dez.(Selstmord.) Ein 17 Jahre alter junger Mann hatte gestern Nachmittag Gift gevommen, wurde in das Hospttal gebracht und starh dort. Falsches Ehrgefühl soll den jungen Mann zu dem Selbstmord veranlaßt haben. * Köln, 29. Dez.(Gaunerin.) In einem Laden am Blaubach erschien eine unbekannte Frauensperson und bestellte für eine an der Breitestraße wohnende Familie zwei Flaschen Cognac, Spiritus und eine Flasche Tokoyer: dabei bat dieselbe, ihr für Silbergeld ein Zehnmarkstück einzuwechseln. Nachdem sie das Zehnmarbtück erhalten hatte, gab sie ein Zweipfennigstück mit den Worten zurück: „Sie werden sich wohl geirrt haben.“ Der Ladeninhaber war augenblicklich etwas verdutzt und gab der Person ein anderes Zehnmarkstück. Die eingezogenen Erkundigunges ergaben aber sofort, daß er beschwindelt worden war. denn die fragliche Familie war in der angegebenen Wohnung unbekannt. Köln, 30. Dezbr.(Wies gemacht wird.) In einem hiesigen Auktionslokale fand gestern ein Mobiliarverkauf statt. Die bezügliche Ankündigung führte unter den Verkaufsgegenständen auch„Meyers Conversations= Lexikon" auf mit der Bemerkung: vollständige neueste Auflage. Es fand sich denn auch für dies Lexikon ein Liebhaber, der geduldig wartete, bis dasselbe unter den Hammer kam. Aberko weh, als die Bände der Kiste entstiegen, da las man in denselben das Druckjahr 1868. Darob große Enttäuschung und Entrüstung. aber der Auktionator bielt dem verblüfften Kaufliebhaber siegesbewußt die Titelseite unter die Nase, wo neben der Jahreszahl 1868 die Bemerkung:„Neueste Auflage“ prangte. Der Liebhaber hat aber trotzdem diesen ehrwürdigen Schatz des Wissens nicht erworben. Köln, 130. Dez.(Merkwürdig!) Eine hiesige Ehefrau, Ottilie B., spielte ohne obrigkeitliche Genebmigung eine Bettdecke aus. Von den 50 Loosen à 50 behielt sie das letzte für sich; sie gewann die Decke daraufhin selbst(!), trotzdem es nach ihrer wortreichen Versicherung„mehr, wie ehrlich" zugegangen sei bei der Verloosung, wenn auch kein fungirender Notar zugegen gewesen ist. Die Lotterie-Unternehmertn kam mit 6 Mark Geldbuße davon.„Wat han ich no noch verdeent?“ meinte sie beim Verlassen des Gerichtssaales. Saarlouis, 30. Dez.(Sämmtliche fiscalische Gruben des Saarreviers), ausgenommen Grube „Kronprinz", Inspection I, sind heute ausständig. Die Stimmung ist eine sehr erregte, Excesse sind bereits vorgekommen. Die Bergleute sollen vielfach Revolver besitzen. Gendarmerie ist aufgeboten. Heute finden zwei Versammlungen von Bergarbeitern der Grube„Kconprinz" in Schwalbach wegen Eintritts in den Strike statt. In St. Jobann striken jetzt 11219 Bergleute. Die Bewegung ist im Wachsen. Frankfurt a. M., 30. Dez.(An den MillionenDiebstahl) im Hause Roihschild erinnerte eine Verhandlung vor der Strafkammer, zu welcher die Frau des ungetreuen Kassierers Jäger und sein früheres Dienstmädchen aus der Strafanstalt vorgeführt wurden. Als Jäger seine Flucht vorbereitete, wollte er die Zukunft seiner Familie sicherstellen und übergab bekanntlich unter anderm seinem Dienstmädchen Käthchen 50000 M. in Tausendmarkscheinen für seine Frau zur Aufbewahrung: für sich selbst erhielt das Mädchen ein Geschenk von 20,000 M. Es brachte das gesammte Geld zu seiner Zwillingsschwester, die an einen Bauern, namens Messer, zu Hofheim im Taunus verheiratet ist. Dort hätte allerdings niemand eine so große Summe vermutet, allein als Jäger am 10. Mai d. J. in Alexandrien verhaftet worden war. entdeckte man in seinem Taschenbuch, unter dem Deckel verklebt, einen Zettel mit Zahlen und Abkürzuugen, deren Enizifferurg der Frankfurter Polizei gelang und ihr eine vollständige Zusammenstellung der veruntreuten Beträge und der Verwahrer in die Hände lieferte. Daraufhin wurde auch das Dienstmädchen verhaftet; es gestand, die Gelder nach Hofheim verbracht zu haben. Als die Polizeibeamten dort erschienen, führte sie der Bauer nach anfänglichem Zögern dreiviertel Stunden Weges vor das Dorf hinaus auf einen Acker, wo der vergrabene Schatz gehoben wurde. Der Ehemann Messer ist mit Jäger und den übrigen Mitschuldigen zusammen in der großen Verhandlung vom 2. bis 5. August d. J. abgeurtheilt worden. Seine Frau, welche damals ihrer Entbindung entgegensah, erhielt jetzt nachträglich, ebenso wie seinerzeit ihr Mann, wegen Hehlerei sechs Monate Gefängnis. Eine andere Persönlichkeit, der OdertelegraphenAssistent Müngersdorf, welcher dem ungetreuen Kassirer einen Paß verschaft hatte und dafür zu sechs Wochen Haft verurtheikt worden war, ist jetzt auf sein Ansuchen in den Ruhestand verlezt worden. Jechandlungen des Schöffengerichts zu Witten am 29. Dezember 1892. Als Schöffen fungirten die Herren Lindwirth Friedr. Keßler=Overkamp von Bommern und Kaufmann Ludwig Saatmann von Heven.„##..„. 3, Wuaus. 1. Der Fabriklehrling Rich. sc.#ar am 7. und 14. Auglist die hiesige Fortbildungsschule nicht besucht. Da der Angeklagte bereits 18 Jahre alt und zum Besuche der Fortbildungsschule nicht mehr verpflichtet war, so erfolgte 2 Der Glasmacher Valentin I. wollte am 28 Aug. im betrunkenen Zustande in die Wohnung des Arbeiters K. eindringen. Da hier aber die Thür verschlossen war, so schlug er die Glasscheibe und eine Füllung der Thür entzwei und verübte vor dem Hause noch durch sein Benehmen groben Unfug. Wegen Sachbeschädigung und groben Unfugs wurde auf eine Gelostrafe von 50 Mark oder 70 Tage Gefängniß und 3 Tage Haft erkannt. 8. Der Fabrikarbeiter Paul S. von Annen wurde voll der Anschuldigung der Verübung groben Unfugs freiDer Bergmann Heinr. M. war in eine Polizeistrafe von 3 Mark genommen, weil er seine Tochter vom 18.—30. Juli ohne genügende Entschuldigung aus der Schule gehalten hatte. Die hiergegen eingelegte Berufung wurde verworfen.„ 6 5. Der Bergmann Eduard F. von Bommt# hat am 4. September in einer Wirthschaft den Poltzeidiener L. durch den Ausdruck„Dummer Gemeindediener" beleidigt. Wegen öffentlicher Beleidigung wurde auf eine Geldstrafe von 20 Mark oder 6 Tage Gefängniß erkannt. Dem Beleidigten wurde auch das Recht der Publikation auf Kosten des Angeklagten in einer hiesigen Zettung zuerkannt. 6. Der Bergmann Heinrich K. und dessen Frau von Heven wurden von der Anklage, am 31. Juli widerrechtlich in die Wohnung des Bergmanns E. eingedrungen und dessen Frau mißhandelt zu haben, freigesprochen. 7. Der Konditor Adolf A. hatte sich wegen Uebertretung der Sonntagsruhe zu verantworten. Die Ver8. Die gegen die Knaben Gustav und Friedrich W. von Heven anstehende Sache wegen undefugten Fischens wurde ebenfalls vertagt. 9. Wegen Uebertretung des§ 11 des Flschereigesetzes werden die Bergleute Ludwig F. und Eruard W. von Bommern in eine Geldstrafe von 5 Mark oder 2 Tage Haft genommen. 10. Der Former Friedrich P. von Heven hat längere Zeit einen Hund gehalten ohne denselben zur Steuer anzumelden. Seitens der Polizeibehörde wurde hierfür eine Strafe von 18 Mark angesetzt. Der Gerichtshof hält aber die von der Gemeinde festgesetzte Polizeiverordnung für ungültig und erkennt deshalb auf Freisprechung, 11. Die Ehefrau des Arbeiters Heinrich K. hat am 14. September Abends in der Wullenstraße ihr Herz durch Schimpfen und Skandallren mal wieder ordentlich erleichtert. Wegen groben Unfugs wurde auf eine Geldstrafe von 15 Mark oder 5 Tage Haft erkannt. 12. Die Zimmergesellen Emil S., Richard W., Fritz N. haben, trotz Aufforderung des Wirths S., dessen Lokal nicht verlassen. S. erhält 14 Tage, W. und N. je eine Woche Gefängniß wegen gemeinschaftlichen Häusfriedens13. Der Bergmann Wilhelm S. von Annen hat am 25. August den Former Heinrich V. durch Schimpfworte beleidigt und mit der Begehung des Verbrechens der Tödtung bedroht. Auf eine Geldstrafe von 25 Mark oder 8 Toge Gesängniß wurde erkannt. 14 Der aus der Haft vorgeführte Robert F. von Langendreer erhält wegen Unterschlagung und Bettelns 14 Tage Gesängniß und 3 Tage Haft. 1 Woche Gesängniß und 3 Tage Haft werden durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. * Von der beliebten illustrirten Familienzeitschrift „Universum“ ist soeben das 10. Heft des 9. Jahrganges erschienen und so reichhaltig wie alle seine Vorgänger. Besonders ist des Jahreswechsels gedacht, dem an erster Stelle ein stimmungsvolles Gedicht von Anton Ohorn mit einer köstlichen Vignette von H. Haase, ferner eine reizende Erzählung„Sylvesterzauberei" von Gabriele Reuter gewidmet ist. Bezügliche Illustrationen sind„Der Neujahrsbrief“ von C. von Müller und„Vor dem Sylvesterball“ von René Reinicke denen sich weitere ausgezeichnete Holzschnitte anschließen. Der Roman„Unweiblichkeit“ von Marie Bernhard fesselt von Heft zu Heft in immer höherem Grade. Sehr launig ist die Humoreske„Ein Cholerafall in den Hochalpen von Karl dtnrrs. Industrie, Handel und Verkehr. Die Kölnische Unfall=Versicherungs=Aktien=Gesellschaft in Köln a. Rh. hat kürzlich neue allgemeine Haftpflichtversicherungsbedingungen zur Einführung gebracht und dieselben im Interesse der industriellen und wirthschaftlichen Unternehmungen derart erweitert, daß sie hiemach den Unternehmer nicht etwa blos gegen einzelne Eventualitäten und Gesetzesparagraphen, sondern gegen alle Entschädigungsansprüche schützt, welche nach den bestehenden reichs= oder landesgesetzlichen Haftbestimmungen geltend gemacht werden können. Während also hiernach die Gesellschaft ihre Bedingungen so umfassend wie nur möglich gestaltet hat, gewährt dieselbe gegen feste Prämien Deckung bis zur vollen Höhe der vereinbarten Versicherungssumme, so daß den bei dieser gut fundirten Anstalt Versicherten seinerlei Nachschußverbindlichkeit oder Selbstversicherung auferlegt ist * Eine drastische Zurechtweisung erfuhr kürzlich in einem Gasthause zu Aloisburg bei Rumburg(Sachsen) ein Czeche, der sich daselbst ein Glas Bier bestellte, aber ein Glas verlangte,„aus dem noch kein Deutscher getrunken habe.“ Die Kellnerin meldete dies dem Wirth, der ohne Zögern dem czechischen Gaste ein... tgeschirr Todes-Anzeige. Heute Morgen 5 Uhr entschlief sanft mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Grossvater, und Urgrossvater Diedr. Leidecker im Alter von 73 Jahren, 5 Monaten, 8 Tagen. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Borbach, 28. Der. 1892. Die Beerdigung findet am Samstag 31. Dez. statt. vorsetzte, mit der Versicherung, daß daraus noch kein Deutscher getrunken habe. Unter dem Hohngelächter der übrigen Gäste verließ darauf der czechische Nationalheld das Local. Vier Vögel. In einer der letzten Sitzungen einer Berliner Schöffengerichtsabtheilung ergab sich das Curiosum, daß in einer Steafsache vier Personen Namens Vogel zugegen waren: der als Richter fungirende Affessor Vogel, die Angklagten Vogel und ein Gericktsbote Namens Vogel. Viel fehlte nicht, so wäre der fünfte Vogel als Zeuge vertreten gewesen, nämlich ein Schutzmann Vogel. Es erregte allgemeine Heiterkeit, als dies Curlosum durch den Amtsanwalt, der als großer Vogelfreund bekannt ist, schmunzelnd bemerkt wurde. Ein„Opfer des Panamakrachs“ stand dieser Tage vor dem Zuchtpolizeigericht in Lille. Als der Gerichtsvollzieye den Namen Constant Hauw aufrief, erscholl ein gewaltiges„hier", und vor die Schranken trat ein 22jähriger Mensch, der auf die Frage des Vositzenden, wie er heiße, die sonderbare Antwoit gab:„Ich bin der beilige Antonius, und Sie alle sind meine Schweine!“ Vorsitzender: Mäßigen Sie sich, und gehen Sie in sich. Angeklagter:„Ich brauche nicht in mich zu gehen Seit dem Alter von 10 Jahren arbeite ich: ich hatte einige Ersparnisse gemacht, und die hat der Panamacanal verschlungen, dessen Opfer ich bin. Kleine Diebe hängt man, große läßt man laufen.“ Nochmals aufgefordert, seinen Namen zu nennen und das Gesagte zurückzunehmen, erwivert der Angeklagte, daß er wirklich St. Antonius heiße und die Richter seine Genossen seien; es sei das seine Sache und gebe keinen zweiten an. Der Richter ließ sosort im Gefäugnis Erkundigungen einziehen, ob an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten zu zweifeln sei. Als die Versicherung erfolgte, daß der Angeklagte während der Vorhaft keinerlei Geistesstörung an den Tag gelegt habe, verurteilte das Gericht Hauw wegen Beleidigung von Gerichtspersonen in Ausübung ihres Amtes zu drei Jahren Gefängnis. Wegen des Vergehens, das ion vor Gericht gebracht hatte, Zechprellerei wurde Hauw zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Eine Schlaumeierin. Dem„Elsässer" erzählt man folgendes hübsche Stückchen: Letzte Woche, als ich von M. nach Z. fuhr, war ich mit vier Herren, von welchen jeder eine Cigarte rauchte, in ein und demselben Wagentheil. Auf einer Zwischenstation stieg eine Frau ein. Ich. der Erste an der Thür, wollte ihr behilflich sein und nahm ihr das Körbchen, das sie trug, ab.„Gewe Se acht“, sagte die Frau,„ich hab sechs Pfund Dynamit im Korb, de mueß i mimm Mann i d'Steingrueb brenga.“ Schnell wie der Blitz flogen die Cigarren zum Wagenfenster hinaus, und scheu rückte Jeder von der Frau ab. Diese aber setzte sich bequem hin und behielt ruhig den Korb uuf den Knieen. Und wenn sie, was nicht selten geschah, zu Husten aufing, fuhr ich jedesmal ängstlich zusammen und das zertrümmerte„Restaurant Véry“ in Paris stand lebhaft vor meiner Seele. „Station O.“, rief der Schaffner. Die Frau erhob sich. „Gott sei Dank!“ murmelten Alle. Ich zitterte wie Espenlaub, als ich ihr das Körbchen mit dem gefährlichen Inhalt hinausreichte.„Merci“, sagte das verschmitzte Weib, als sie draußen war,„merci, s'esch nit so g'fährli, i ha nur Krumbeeresupp und Käs dodrin. Aber, wil i d' Bruschsucht so stark hab und Rauche nicht vertrage kann, so haw ich i g'sagt, i hätt Dynamit drenne":— Saat's und verschwand. O diese Weiber! Auch eine„schöne Gegend“ ist Salti in Sardinien, eine Ortschaft mit 1200 Einwohnern, bestehend aus 28 Häusergruppen, die 40 Kilometer von Buddeso entfernt sind. Da die Ortschaft gänzlich vernachlässigt wurde, so petitionirten die Einwohner bei der italienischen Regierung um Errichtung einer eigenen Gemeinde. Der dahin aus Rom abgesandte Regierungs=Commissar veröffentlicht über seinen Besuch folgenden interessanten Bericht: Salti hat weder Munizipalbeamte, noch Carabiniere, keinen Geistlichen, keinen Arzt. Es existirt daselbst kein Postamt, keine Kirche, keine Schule, kein Standesamt. Auf der Landeskarte ist der Ort, trotzdem er 1200 Einwohner zählt und einen Fläche## raum von 24000 Quagratmetern umfaßt, nicht verzeichnet. Dessen ungeachtet zieht der Staat von den Bewohnern Steuern ein, sendet jedoch keinen Steuereinnehmer dahin, sondern jeder Bürger von Salti ist gezwungen, zweimonatlich sechzig Kilometer Wegs zurückzulegen, um seine Steuern zu bezahlen. Während der Maifeste werden alle im abgelaufenen Jahre geborenen Kinder gemeinsam in Baddeso getauft. Die Todten werden auf die primktivste Art und ohne religtösen Beistand bestattet. Ebenso steht es mit den Verehelichungen. Auch diese finden zumeist ohne jegliche Ceremonie statt und werden erst später gelegentlich dem Municipium und der Pfarrei von Buddeso gemeldet, oftmals, wenn schon Kinder da sind. Die Impfung, die Medicinen sind in Salii blos dem Hörensagen nach bekannt. Die Kinder wachsen ohne Schulunterricht auf, denn der Ort besteht aus ganz armen Familien, die zur Nothdurft ihr Dasein fristen.“ So lautet der offiztelle Bericht der thätsächlich wie ein Märchen klingt. Friedrich der Große als Jäger. Im Gegensatze zu den weist eiftig dem edlen Wuidwerk in ihren Mußestunden huldigenden Regenten Preußens war der„alte Fritz“ gerade kein allzugroßer„Jäger vor dem Herrn“. Aus seinen eigenen Schriften geht hervor, daß der große König die Jagd nicht besonders geliebt hat, obwohl anderseits urkundlich feststeht, daß er der Hetz= und Pürschjagd nicht selten oblag. Schon 1719 also noch als prinzlicher Knabe, hetzte Friedrich II. Hasen, 1720 schoß er sein erstes Huhn, und in seinen Jünglingsjahren finden wir ihn öfters auf großen Hirsch= und Saujagden. Offenbar war es die Rücksicht für seinen Vater, welche ihn trotz der eigenen Abneigung dem Lieblingsvergnügen Friedrich Wilhelms I. nachgehen ließ. Sofort nach seinem Regierungsantritt beseitigte Friedrsch II. die ganze königliche Jägerei; bald aber, als infolgedessen das Jagdwesen in Preußen bedenklich verwahrloste, zeigte sich der König wiederum perfönlich thätig in Ergreifung von Maßregeln zur Schonung des Wildes und zur Wiederherstellung eingegangener Jagdeinrichtungen, wie z. B. des Entenfanges auf den Seen bei Potsdam, Friedrich selbst nahm in der Zeit unmittelbar nach dem zweiten schlesischen Kriege öfter an Jagden Theil, wie er denn auch das kaum erbaute Sanssouei am 19. Juli 1746 mit einem Jagddiner einweihte. In der nachfolgenden Zeit erkaltete jedoch das Interesse des Königs für die Jagd rasch wieder, und nach 1749 findet sich keine Spur mehr, daß er selbst sich um Jagdangelegenheiten gekümmert habe. Allerdings hatte der Herrscher, wlcher Preußen in die Reihe der europätschen Großmächte einführte, alsdann andere Sorgen und andere Pflichten, als seine Aufmerksamkeit dem Jagdwesen in seinem Reiche zuzuwenden. Literatur. * In unserer sozial so bewegten Zeit müssen sich unsere Blicke mehr, denn je dem Lande zuwenden, auf dem so vieles im argen liegt, und das zu erobera die Socialdemokratie jetzt aufs neue so große Anstrengungen macht. Immer größer wird die Nothwendigkeit, sich über das Land zu orientiren, um in den socialen Kämpfen unserer Tage auch nach dieser Seite hin tüchtig gerüstet zu sein. Die zahlreichen landwirthschaftlichen Blätter sind zu sehr Fachblätter, andere Blätter wieder zu sehr Parteiblätter, um über ihre scharf begrenzten Kreise hinaus zu kommen und dem oben angegebenen Zwecke zu dienen. Der landkundige Schriftsteller Heinrich Sohnrey(z. Z. Redacteur zu Freiburg i. B.) vereinigte sich daher mit der altb=kannten Verlagshandlung Trowitzsch u. Sohn in Berlin W behufs Begründung einer populär=wissenschaftlichen Zeitschrift„Das Land“, welche außer den socialen auch die gewöhnlich übersehenen volksthümlichen Angelegenhekten des Landes behandeln und einen geistigen Mittelpunkt bilden soll, der die verschiedenirtigsten Volkskreise in Stadt und Land mit ihren geistigen, geistlichen und auch amtlichen Führern zu vereinigen vermag, um, frei von aller Partei= und Interessenpolitik, die wahren Interessen des Landes, die ja zugleich die des Vaterlandes sind, zu vertreten und die wilden soclalen Bewegungen in gesunde Bahnen zu leiten. Das Unternehmen, für das unsere hervorragendsten Nattonulöeonamen Socialpolitiker und volksthümlichen Schriftsteller eintreten, erscheint uns von hoher Wichtigkeit und sei daher allseitigster Beachtung aufs wärmste empfohlen. Die Rubrik„Unter der Dorflinde“ wird das Volksthum meist in Form von Novellen behandeln und verspricht nach der vorliegenden Probe etwas außerordentliches zu bieten. Die neue Zeitschrift erscheint vierzehntägig in Gartenlaubenformat zum Preise von 1 Mk. 50 Pfa fürs Quartal und kann bereits bei ämmtlichen Postanstalten abonnitert werden. Markt- und Coursberichte. #X Witten 30. Dezbr.(Markt=Bericht.) Auf dem heutigen Viehmarkte standen 158 Pferde zum Verkauf. Ein gutes Ardeitspferd kostete 800 bis 1200 Mark. Kühe waren 120 Stück aufgetrieben. Eine milchgebende Kuh kostete 150 bis 250 Mark, ein tragendes Rind 120 bis 145 Mark, eine manse Kub 90 bis 120 Mark, 50 Kilo Rindfleisch kosteten 60 bis 65 Mark. Schweine waren 2000 vorhanden. Ein überjähriges Schwein kostete 90 bis 105 Mark, ein achtmonatliches Schwein 75 bis 85 Mark, ein dreimonatliches Schwein 45 bis 48 Mark, ein sechswöchentliches Schwein 20 bis 24 Mark, 50 Kilo Schweinefleisch kosteten 54 bis 56 Mark. Handel im Allgemeinen ziemlich.. Temmgt#. * Neuß, 30. Dezember.(Fruchtma u.) Weizen, kleiner 1 Qual. 16,00. 1. engl. Sorten 15 60 2. 15,00. M., Landroggen 1. Qual. 13.80, 2. 12.80 M. Hafer neuer bis 14,00 M., Raps 1. Qual. 23.50, 2. 22.50 M., Areel (Rübsen) 22,25 M., Kartoffeln 4,00 M., Rüböl 52.50 M. dito faßweise 54,00 M., Gereinigtes Oel 55.50 M. für 100 Kilogr., Heu 52,00 M., Stroh 20.00 M. für 500 Kl“. Preßkuchen 120,00 M für 1000 Kllog. Kleie 490 für 50 Kilogr. * Berlin, 30. Dezember.(Fruchtbörse.) Weizen Dez. 151.50, Dez.=Jan. 000,00 April=Mai 154.75, MaiJuni 156,00 Mark. Roggen Dez. 134,25 T..=Jan. 000,00, April= Mai 136.00, Mai=Juni 000,00 Mark. Hafer Dez. 141.75 Dez.=Jan. 00.,00, Arril Mal 138.50, Mai=Juni 000.00 Mark. Mais Dez. 119.00 Ar'l=Mai 107,75 Mark. Rüböl vorr. mit Faß 50,40 Mark ohne Faß 4950 Dez.=Jan. 00.00 April=Mai 5060 Mark. Spiritus 70er vorr. 31,10, Dez. 30,30 Dez.=Jan. 30,10, April.=Mai 31.60, Mai=Juni 32,00 Juni=Juli 32.50 Mk. 50er vorr 50,40 Mark. Petroleum vorr. 2200 Mark. Roggeumehl 0/1 Dez. 17,65, Dez=Jan. 17.45 Mark. Wetzenmehl 0 19.75—17,00, 00 22.00—20,00 Mark. Gekündigt: Weizen 0000 Ctr., Roggen 2000 Ctr., Haser 2000 Ctr., Rübök 200 Ctr, Spiritus 70er 20000 Liter. * Bremen, 30. Dez. Petroleum ruhig, vorr. 5.50 Brief. * Antwerpen, 30. Dezbr. Petroleum unver, vorr. 12¾, Dez. 12¾. Jan. 12¾ Jan.=März 13 * Glasgow, 30. Dezdr. Ro 7½—8 d. Roheisen. Warrants 412. Ver. Garde=, Landwehr= u. KriegerVerein, Witten. Heute starb unser langjähriges Mitglied der Kamerad Heinr. Vettebrodt. Derselbe machte den Feldzug von 1848 mit. Sein Andenken bleibt bei uns in Ehren. Witten, den 30. Dezember 1892. Der Vorsand. Zur Beerdigung desverstorbenen Kameraden tritt das Bataillon am Montag, den 2. Januar Nachmittags 3 Uhr an. Der Bataillons=Commandeur. Verding v. Schulbänken. Die Lieferung von 60 Stück zweisitzigen Schulbänken für die städtischen Elementarschulen soll vergeben werden. Zeichnungen und Lieserungsbedingungen liegen auf dem städt. Bau=Büreau zur Einsicht auf. Verschlossene und mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum 12. Januar 1893, Vormittags 11½ Uhr bei uns einzureichen. Witten, 29. Dezember 1892. Magistrat: Dr. Haarmann. Wittener Quartett-Verein. Todes=Anzeige. Gestern Morgen gegen 5 Uhr verschied nach längerem Lelden unser treues Vereinsmitglied und Mitbegründer des Vereins Herr Heiur. Pettebrodt im Alter von 67 Jahren. Sein Andenken bleibt bei uns in Ehren. Witten, den 31. Dez. 1892. Der Vorstand. Zur Beerdigung des Verstorbenen wollen sich die Mitglieder am Montag Nachm. punkt 2¼ Uhr im Vereinslokal versammeln. D. O. Kirchliche Nachrichten. Witten. Samstaa(Sylvestergottesdienst) Abends 8 Uhr in der Gedächtnißkirche, Past. Birkenhoff. Im Anschluß daran Beichte. Anmeldung dazu bei Pastor Birkenhoff erbeten. Die Abendmahlsseier am Neujahrstage findet gleichsalls in der Gedächtnißkirche statt. Neujahr 10¼ Uhr Abendmahrsfeier, Sup. König. 10½ Uhr Pastor Kellermaan. 10 Uhr in der Diakonissenanstalt Past. Gräber. Nachm. 2 Uhr Kindergottesdienst. 5 Uhr Past. Leesemann. Freitag Abend 8 Uhr Vorber. für die Helfer und Helferinnen im Küster hause. In der Woche vom 2. Januar bis zum 7. Januar werden Abends 8 Uhr in der Gedächtnißkirche Gebetsgottesdienste gehalten werden. Die Gemeinde wird hierzu freundlichtt eingeladen. Annen. Sylvesterabend 8 Uhr Pastor Boos, litbura. Abend aottesdienst mit Ansprache. Neujahr morgens 10 Uhr Past. Brasse. Nachm. 2 Uhr Kindergottesdienst. Mittwoch Nachmittau 5½ Uhr Bibelstunde im Pflegehause.„„. ug Peschsteragtesst Langendreer. Samstag Abend 8 Uhr Sywveitergottesvienst, Vikar Hesselmann, Kollekte f. d. Mission. Neujahr 9½ Uhr, Past. Prietsch, Kollekte für das Vereinsbaus. 11 Uhr Kindergottesdienst. 5 Uhr Past. Landgrebe. Freitag Nachm. 3 Uhr Vorbereitung der Helferinnen bei Past. Landgrebe. Mittwoch Abend 8½ Uhr Bibelstunde bei Past. Landgrebe.„„„. 8am Toefen W.cmitt Herbede. Neujahr 9½ uhr, Pastor van Hoefen. Nachmitt.] Uhr Kindergottesdienst. Altkatholische Gemeinde Witten. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst in der Christuskirche. Hektographenmasse, beste Qualität, zu haben bei B. Koetzold Co. Wer hustet? Der Bonner Kraftzucker von J. G. Maaß in Bonn a. Rh., seit 43 Jahren weltberühmt und beliebt, von vielen Autoritäten der Heilkunde empfohlen und angewandt bei Husten, Heiserkeit Verschleimung, Catarrhen der Luftwege, erfreut sich allgemeiner Anlerkennung in allen Kreisen der Bevölkerung. Er ist ein unentbehrliches Hausmittel und sollte in jeder Familie stets vorräthig gehalten werden, um ihn im Bedarfsfalle zur Hand zu haben. Da Nachahmungen existiren. wolle das Publikum beim Einkauf auf den Namen des Erfinders J. G. 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Diejenigen Personen, welche im Jahre 1873 hier oder auswärts, innerhalb des deutschen Reichsgebietes, geboren, im Jahre 1893 militärpflichtig werden und ihren gesetzlichen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt in hiesiger Stadt haben, ferner diejenigen früher geborenen Militärpflichtigen, welche in hiesiger Stadt ihren Wohnsitz oder Aufenthalt und noch nicht als Soldat gedient haben, auch noch nicht durch Empfang eines besonderen Scheines von der Wiederholung der Anmeldung zur Militär=Stammrolle entbunden sind,— werden hierdurch aufgefordert, sich an den nachbezeichneten Tagen unter Vorzeigung ihres Geburtsscheines, welcher für die im Gebiete der preußischen Rheinprovinz, des Großherzogthums Baden, der baierischen Rheinpfalz und der großh. hessischen Provinz Rheinhessen Geborenen vom Standesamte ausgestellt sein muß, oder, wenn sie sich schon früher gestellt haben, des Losungs= und Gestellungsattestes, im Büreau für Militärsachen(Rathhaus, zwei Treppen hoch, Zimmer Nr. 7) hierselbst von 8½ bis 12 Uhr vormittags persönlich zu melden, und zwar in folgender Ordnung: 1. diejenigen, deren Familien=Namen mit den Buchstaben A bis einschl. C beginnen, und " D„ G ustliche Zähne schmerzlos ein, Zäh 4c vlombirt, reinigt, Za schmerz jeder Art beseitigt K. Neder, Witten. setzt hne Zahnam Montag, den 16. Januar 189 am Dienstag, den 17.„ *.„„ D„ G am Mittwoch, den 18.„ und am Donnerstag, 19.„ 5.„„ HI am Freitag, den 20.„ *.„„ J und K am Samstag, den 21.„ und am Montag, den 23.„ 9.„„ L bis einschl. 0 am Dienstag, den 24.„ und am Mittwoch, den 25.„ 6.„„ P„ R am Donnerstag, 26.„ 7.„„ S am Freitag, den 27.„ und am Samstag, den 28.„ 8.„„ E am Montag, den 30. und am Dienstag, den 31.„ Für die Abwesenden oder Kranken müssen die Eltern, Vormünder, Lehr=, Brod= oder Fabrikherren die Anmeldung bewirken. Militärpflichtige, sowie deren Eltern, Vormünder, Lehr=, Brod= oder Fabrikherren, welche die vorgeschriebenen Meldungen zur Berichtigung der Stammrolle unterlassen, werden gemäß§ 25 Nr. 11 der deutschen Wehrordnung mit Geldbuße bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft. Witten, den 12. Dezember 1892. Der Bürgermeister: Dr. Haarmann. Bessentliche Gelanntmachung. Einkommensteuer=Veranlagung für das Steuerjahr 1893/94. Auf Grund des§ 24 des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891(G.=S. S. 175) wird hiermit jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagte Steuerpflichtige im Kreise Bochum=Land aufgefordert, die Steuerecklärung über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formulare in der Zeit vom 4. Jannar bis einschließlich zum 20. Januar 1893 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der Versicherung abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind. Die oben bezeichneten Steuerpflichtigen sind zur Abgabe der Steuererklärung vervflichtet, auch wenn ihnen eine besondere Aufforderung oder ein Formular nicht zugegangen ist. Auf Verlangen werden die vorgeschriebenen Formulare und die für deren Ausfüllung maßgebenden Bestimmungen von heute ab bei sämmtlichen Herren Gemeindevorstehern und auf dem Magistratsbüreau zu Witten kostenlos verabfolgt. Die Einsendung schriftlicher Erkärungen durch die Post ist zulässig, geschiebt aber auf Gefahr des Absenders und deshalb zweckmäßig mittelst Einschreibebriefes. Mündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten in seinem Büreau, Vormittags von 9 bis 12 Uhr, zu Protokoll entgegen genommen. Die Versäumung der obigen Frist hat gemäß§ 30 Abs. 1 des : Einkommensteuergesetzes den Verlust der gesetzlichen Rechtsmittel gegen die Einschätzung für das Steuerjahr zur Folge. Wissentlich vnrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im§ 66 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht. Zur Vermeidung von Beanstandungen und Rückfragen empfiehlt es sich, die den Angaben der Steuererklärung zu Grunde liegenden Berechgungen an der dafür bestimmten Stelle(Seite 3 und 4) des Steuererkärungs=Formulars oder auf einer besonderen Anlage mitzuthellen. Die zu dem Einkommensteuergesetze vom 24. Juni 1891 erlassene Ausfuhrungs=Anweisung vom 5 August 1891 ist wie folgt abgeändert: 1. In den Artikeln 11 Nr. III und 18 Nr. III ist statt der Worte„des Nutzungswerthes" zu setzen„des Substanzwerthes". 2: Artikel 16 Nr. I 2d hat zu lauten: Lein angemessener Prozentsatz des Werthes des Gebäudes(Bauwerthes) für die Abnutzung desselben, wobei die Feuerversicherungstaxe als Werth des Gebäudes angenommen werden kann". 3. Im Artikel 16 Nr. II treten im Absatze 1 an die Stelle der Worte:„des bedungenen Jahrenmiethszinses" die Worte: „des Werthes des Gebäud.s(Feuerversicherungswerthes)" und als neuer Absatz vier ist anzufügen: „Stellen sich die Einnahmen des Vermiethers nach den Umnänden des Falles nicht als feststehende, sondern als unbestimmte und schwankende dar, so sind sie in Gemäßheit des Artikels 5 Nr. II— also nach dem Durchschnitt der letzten 3 Jahre— in Ansatz zu bringen“. Bochum, den 15. Dezember 1892. Der Vorsitzende der Einkommensteuer=Veranlagungskommission: Riedel, Regierungsrath. Bestellungen nur schriftlich nach Gasthof W. Bahnhofstraße 66. Gestützt auf tausende Atteste, von königlichen und städtischen Anstalten, sowie den größten Werken Rheinlands und Westfalens, wie auch hunderte von Privaten empfehle ich mich im Säubern von sämmtichem Ungeziefer, wie Ratten, Mäuse, Schwaben, Wanzen 2c. 1 Atteste stelle ich jedem Lauf Verlangen zur Versügung. Josef Steffeus, Kammerjäger. Reines à Sack 9 Mark 30 Pf. 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