mer vor dem Aus der Klänge einer tibute wollte Verbude war Uhre Waren rüinde ihre damit verschreiben. die Arbeit ei von der selber, die indlich gein Werk, gend, geselber den 8 ## 55 B#•n S 9. S# 62 G SJS * 5 ## S S 8— n 5 80 55 9 8 S• 99 5 B S S 8 8 2 5 — Beangspreis koll. Konntagsblatt u.„Humoristische Blätter“ — monatlich 40 Pfg.— — Telephon=Nr. 334.— verbunden mit der„Annener Volkszeitung“. Anzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. = A m t l i c h e s O r g a n. Anzeigegebühr für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg. Inserate finden bei der großen Auflage der Annener Zeitung weite und billige Verbreitung. — Telephon=Nr. 334.— Nr. 142. 1909. Deutsches Reich. — Der Kaiser nahm am gestrigen Freitag an einer Hofjagd in Göhrde teil. Tags zuvor hatte der Monarch im Neuen Palais bei Potsdam den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts entgegengenommen. — An den Beisetzungsfeierlichkeiten für den verewigten Herzog Karl Theodor in Bayern, die heute Sonnabend in Tegernsee vor sich gehen werden, werden Vertreter auswärtiger Fürstlichkeiten nicht teilnehmen. Es entspricht das einem letzwilligen Wunsch des Verewigten. — Graf Aehrenthal beim deutschen Reichskanzler. Der österreichisch=ungarische Minister des Auswärtigen Graf Aehrenthal wird angeblich schon in den nächsten Tagen den Besuch des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg erwidern und bei dieser Gelegenheit den in Wien begonnenen Gedankenaustausch in Berlin fortsetzen. Die Eile der Besuchs=Erwiderung legt die Besorgnis nahe, daß es im europäischen Osten noch immer nicht recht stimmt und auch der Draht zwischen Wien und Petersburg noch nicht ganz hergestellt ist. — Die Wahl des ersten Bizepräsidenten zum Reichstag ergab folgendes Resultat: Abgegeben wurden 350 Stimmen, davon sind weiß, also ungültig 104. Von den 246 gültigen Stimmen erhielt Abgeordneter Spahn 239. Die übrigen Stimmen waren zersplittert. Abg. Spahn ist somit gewählt. Drei Stimmen waren auf den bisherigen ersten Dizepräsidenten Paasche, 1 auf den Abgeordneten Singer und 1 auf den Abgeordneten Bruhn gefallen. Bei der Verkündung des letzten Ramens erscholl im Hause stürmisches Gelächter. Abgeordneter Spahn erklärte dankend, die Wahl annehmen zu wollen, was von seinen Parteigenossen mit lebhaften Bravorufen begleitet wurde. — Vorlagen und Anträge an den Reichstag. Der Reichstag ist mit Arbeitsmaterial bereits auf lange Wochen versehen, obwohl er erst ein paar Tage versammelt ist. Außer den bekannten Regierungsvorlagen ist er mit Interpellationen und Initiativanträgen schon halb überschwemmt. Die Sozialdemokraten eröffneten den Reigen mit nicht weniger als vier Interpellationen auf einen Schlag, die sich auf den„Zwangs=Arbeitsnachweis“, im Ruhrrevier, die Entschädigung der entlassenen Tabakarbeiter, die Hinzuziehung von Militär im Mansfelder Bergarbeiter=Streik und die Unterschleife auf der Kieler Werft beziehen. Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft hat Anträge eingebracht über die Ausgestaltung der Reichslande zu einem Bundesstaat, über Vermehrung der Reichswahlkreise in den Städten, über die Anwendung des Reichsvereinsgesetzes, über die Regelung des Arbeitsnachweises, die Pensionsversicherung der Privatbeamten und anderes mehr. Die Flut der sozialpolitischen Anträge ergießt sich jetzt täglich, ja stündlich über das hohe Haus. Unter der stattlichen Anzahl von Petitionen, die bereits jetzt vorliegen, befindet sich wieder eine solche wegen Aufhebung der Animier= kneipen. Von den verschiedenen Reichsämtern sind den Abgeordneten Uebersichten und Denkschriften überreicht worden; daß sich unter den Regierungsvorlagen auch die alte FernsprechGebührenordnung wieder befindet, ist bereits bekannt. Zum Schmollen und Streiten ist also keine Zeit. Weitere Vorlagen und Anträge an den Reichstag. Ein zweiter Nachtrag zum Kolonialetat, der dem Reichstage zuging, fordert 2 Millionen Mark für die Fortführung der Usambara=Bahn zum Kilimandscharo von Buiko nach Moschi und annähernd 4½ Millionen für DeutschSüdwestafrika. Die Fortführung der Usambara=Bahn wird mit den günstigen Erfahrungen begrundet, die bei der Besiedelungsund Anbaufähigkeit des neu zu erschließenden Distriks gemacht worden sind. Die Gegend ist für die Weißen gesundheitlich vorteilhafter als die Küste, auch sind die Verhältnisse für die Kaffee=, Kautschuk=, Siselhanf=, Baumwoll=Kultur und für die Diehzucht zufriedenstellend. Die Initiativ=Anträge des Zentrums an den Reichstag stellen die Forderung strenger Sparsamkeit an die Spitze. Sie verlangen, daß der Vermehrung des Reichsbeamten=Körpers entgegengetreten wird, daß die untergeordneten Arbeiten durch Beamte verrichtet werden, die für wichtigere Aufgaben bestimmt sind, daß die Reisekosten und Tagegelder verringert und die Dienstreisen eingeschränkt werden, daß in allen Reichsbetrieben kaufmännische Geschäftsbehandlung stattfindet. Interessant ist der Zentrumsantrag, die die verbündeten Regierungen ersucht, die Gründung und Erhaltung einer mit allen Hilfsmitteln der modernen Technik ausgestatteten Versuchs=Anstalt für Luftschiffahrt in Friedrichshafen unter Leitung des Grafen Zeppelin zu veranlassen. Ein anderer Antrag wünscht, daß die Zulassung von Pressevertretern zu Gerichtsverhandlungen, die wegen Gefährdung der Sittlichkeit unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden, in Zukunft verboten wird. — Der Kaiser will die Pariser Schauspielerin Jeanne Granier dem deutschen Publikum vorstellen, und hat der Künstlerin, als er mit ihr kürzlich im Königl. Schauspielhause zu Berlin der Aufführung von Wildenbruchs letztem Stücke beiwohnte, das Versprechen abgenommen, im Januar in Berlin aufzutreten. — Zum deutsch=schweizerischen Mehlkonflikt. Der schweizerische Bundesrat übersandte der deutschen Reichsregierung eine Rote, worin er sein Bedauern darüber ausspricht, daß Deutschland eine schiedsgerichtliche Beurteilung des Mehlzollkonflikts ablehnte. Der Bundesrat behält sich in der Rote alle erforderlichen Maßnahmen vor. Gegenwärtig beträgt der deutsche Mehl=Import etwa ein Viertel des schweizerischen Gesamtbedarfs. Es ist schon wiederholt hervorgehoben worden, daß Deutschland sich in diesem langwierigen Streit in seinem vollen Rechte befindet. Samstag, den 4. Dezember. — Die freisinnige Fraktions=Gemeinschaft erledigte die erste Beratung des Entwurfs eines Einigungsprogramms und erzielte über alle in Betracht kommenden Fragen Einverständnis. Schon in den nächsten Tagen wird die zweite Lesung stattfinden, dann ist die Vereinigung der drei freisinnigen Gruppen zum Ereignis geworden. — Der Bundesrat erteilte in seiner jüngsten Plenarsitzung dem Handelsvertrage zwischen dem Reiche und Bolivien seine Zustimmung. — Die Verteilung der Matrikularbeiträge. In dem an den Reichstag gebrachten Etat für 1910 fehlt noch ein Einzeletat und zwar derjenige, der die Matrikularbeiträge behandelt. Die Summe dieser Beträge in Höhe von 228,5 Mill. Mk. steht ja fest; ihre Verteilung auf die Einzelstaaten muß aber noch vorgenommen werden. Hieran wird laut„Rat. Ztg.“ gearbeitet. Sobald die Verteilung ausgerechnet ist, geht der Etat, dem Reichstage zu. Ausland. * Oesterreich=Angarn. Die Wiener Es ist festgestellt worden, daß jener Offiziersbursche, der vor etwa 3 Wochen in der Drogenhandlung von Ritzberger in Linz im Auftrage eines Oberleutnants vom 12. Inf.=Reg. Zyankali zu kaufen gesucht hatte, nicht der Diener Hofrichters ist. Das Kommando des Infanterieregiments befragte nun alle Offiziere, ob einer von ihnen etwa Burschen zu dem Drogisten gesandt hat. Die Antwort war negativ und jetzt soll erhoben worden, ob Hofrichter etwa einen anderen Infanteristen für einen gelegentlichen Botengang verwendete. Der Mann hätte sich aber sicher dann schon selbst gemeldet. Hofrichter selbst zeigt im Wiener Gefängnis bald ein selbstbewußtes Auftreten, bald ein nervöses Wesen. Aus seinem Verhalten läßt sich jedenfalls kein Schluß auf Schuld oder Richtschuld ziehen. Rußland. In Petersburg ist ein neuer Skandal aufgedeckt worden. In dem Hause, in dem sich eine Mädchenschule befand, wurde ein geheimes Lokal Petersburger Lebemänner ausgehoben, in dem die Mädchen, die hineingelockt und betrunken gemacht wurden, geschändet wurden. Eine Anzahl vornehmer Herren sitzt hinter Schloß und Riegel. Italien. Die leidige Finanzkalamität und die zu deren Beseitigung erforderlich gewordenen Steuervorlagen der Regierung haben in Italien zu einer Kabinettskrise geführt. Da, wie eine vorläufige Abstimmung ergab, die Deputiertenkammer der FinanzreformVorlage ablehnen wird, so ist der Rücktritt des dreibundfreundlichen Ministerpräsidenten Goilitti mit großer Wahrscheinlichkeit vorauszusehen. Goilitti selbst muß die Konsequenz ziehen, da er es war, der die Steuervorlage ausgearbeitet hat. In Italien sind es eine progressive Einkommen= und eine ebensolche Erbschaftssteuer, die den Widerspruch der Mehrheit erregen. Bemerken wollen wir dabei, daß diese Mehrheit liberal ist. Großbritannien. Das englische Unterhaus vertagte sich, nachdem es in seiner letzten Sitzung im alten Jahr die Erklärung des Premierministers Asquitte, daß das Oberhaus mit seiner Ablehnung der Steuervorlagen einen Verfassungsbruch begangen habe, mit großer Mehrheit und unter stürmischem Jubel angenommen hatte. Die Auflösung des Unterhauses und die Anberaumung von Neuwahlen findet im Januar statt. Bis dahin wird in England eine Wahlagitation betrieben werden, wie sie an Heftigkeit vielleicht ihresgleichen noch nicht gehabt hat. Handelt es sich doch nun die Lebensfrage der beiden großen politischen Parteien, darum, ob der Freihandel oder der Schutzzoll in England fortan regieren soll. Beide Parteien wissen, daß sie alle Kräfte einsetzen müssen, um aus dem Kampfe, dessen Ausgang noch ganz ungewiß ist, siegreich hervorzugehen. Griechenland. Die Regierung und die Militärpartei haben es fälschlicherweise so darzustellen versucht, als habe König Georg eigenhändig den Kronprinzen Konstantin aus den Listen der griechischen Armee gestrichen. In Wahrheit hat die Abgeordnetenkammer in krasser Ueberschreitung ihrer Befugnisse, wie von halbamtlicher deutscher Seite festgestellt wird, die Entfernungsdes Kronprinzen und aller übrigen Prinzen des königlichen Hauses aus der Armee gefordert. Sie tat das, weil sie sich der Rückendeckung bewußt war. Der Kronprinz fühlt sich aber keineswegs als ein Ausgestoßener, er hat zwar die Oberbefehlshaberstelle niedergelegt, betrachtet sich aber auch weiterhin als Generalleutnant des griechischen Heeres. Eine Niederlegung dieser Charge wäre nur auf Grund einer Verfassungsänderung möglich; eine solche hat die Kammer nicht beschlossen. Amerika. Ein ausgedehnter Weichenstellerstreik fügt dem Handel der Vereinigten Staaten empfindlichen Schaden zu. Gegenwärtig laufen nur noch Personenzüge, und diese auch nur unregelmäßig. Harriman, von dessen Vermögen im Betrage von 149 Millionen Dollar die Vereinigten Staaten 145000 Dollar Erbschaftssteuer zogen, hätte da sanieren müssen! Die Unionsregierung ließ dem Geschäftsträger Rikaraguas die Pässe überreichen, hat also die diplomatischen Beziehungen mit Rikaragua abgebrochen. 25. Jahrgang. Lokale und provinzielle Nachrichten. § Annen, 4. Dezember.(Zur Schweinefleisch=Teuerung.) Daß bei der Verteuerung der Schweinefleischpreise andere Momente als die von gewisser Seite immer wieder betonte angebliche Leistungsunfähigkeit der deutschen Landwirtschaft ausschlaggebend sind, wird in einem Artikel der„Köln. Ztg.“ ausausgeführt. Im letzten Jahre ist in Amerika der Schweinepreis und damit auch der Schmalzpreis gewaltig in die Höhe gegangen, sodaß eine Abnahme der Einfuhr amerikanischen Schweineschmalzes bei uns eintrat. Die Folge davon war wieder, daß die Nachfrage nach deutschem Schweineschmalz und damit nach deutschen Fettschweinen von Monat zu Monat stieg. Die Mast von Fettschweinen ist aber durch die bisher so billige amerikanische Konkurrenz bei uns fast völlig vernichtet worden. Die einsetzende Preissteigerung für schwere Fettschweine hat sich dann auch auf die übrigen Schweinepreise übertragen, da in solchen Zeiten zur Deckung des Bedarfs an Speck und Schmalz auf die den Fettschweinen im Gewicht am nächsten stehenden leichteren Schweine zurückgegriffen wird. Die SchweinefleischTeuerung ist also auch zurückzuführen auf unsere Abhängigkeit von der amerikanischen Schmalz=Einfuhr. § Annen, 4. Dezember.(Preisausschreiben im Eisenbahnwesen. Der Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen hat 30000 M. Preise für neue Erfindungen ausgeschrieben, die geeignet sind, Fortschritte auf den Gebieten der baulichen Einrichtung, der Signale, des Betriebs und der Verwaltung zu zeitigen. * Annen, 4. Dezember.(Silberne Hochzeit.) Auf eine 25jährige glückliche Ehe blickten in diesen Tagen die Eheleute Werkmeister Wilhelm Maus hierselbst zurück. Leider mußte eine Feier des Gedenktages verschoben werden, da sich 2 Tage vorher der Jubelbräutigam einer recht erheblichen Operation im Krankenhause unterziehen mußte. Dem Jubelpaare, dem von allen Seiten die herzlichsten Glückwünsche zu teil wurden, erblühe nach ferneren 25 Jahren auch der goldene Hochzeitskranz. —(A. M..) Am morgigen Sonntag, abends 8 Uhr hält der Annener Männer=Gesangverein im Vereinslokale Hotel Fuchs seine Jahresversammlung ab, auf welche auf Wunsch alle Mitglieder hierdurch besonders aufmerksam gemacht werden. Näheres siehe Inserat in vor. Nr. —(Unfälle.) Beim Abbauen eines Mastes auf dem Dache eines 6 Meter hohen Kesselhauses eines hiesigen Werkes, mit welchem ein Schornstein hochgezogen war, glitt der Mast plötzlich aus und stieß dabei den Arbeiter==vom Dache herab. L. trug recht erhebliche Verletzungen und einen Knöchelbruch davon und mußte ins Krankenhaus=gebracht werden.— Beim Abladen von Holz stürzte ein damit beschäftigter Zimmermann so unglücklich hin, daß er einen Bruch der linken Schulter und Quetschungen davontrug und sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. § Annen, 4. Dez.(Eine seltene Sehenswürdigkeit) serviert gegenwärtig im Union=Restgurant W. Kutscher, Mej. Elfriede, 23 Jahre alt, ca. 309 Pfd. schwer und dabei bildhübsch, Holländerin von-Geburt. Siehe auch Annonce Deutschen Hause(Th. Grethen) morgen großer Ba § Annen, 4. Oez.(Verlängerter Geschäftsbetrieb.) An den drei Sonntagen vor dem Weihnachtsfeste, nämlich am., 12. und 19. Dezember ist behördlich ein verlängerter 10stündiger Geschäftsverkehr im Hanvelsgewerbe, und zwar von morgens 8 bis 9½ Uhr und von 11½ bis 8 Uhr abends für Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter gestattet worden. stockum, 1. Dezbr.(Eine Schöffengerichtssitzung) wurde heute auf Veranlassung des Amtsgerichts Langendreer in unserem Orte abgehalten. Es galt, 51 Autofahrer abzuurteilen, welche der Regierungspolizeiverordnung zuwider zu schnell durch geschlossenen Ort gefahren sein sollten. Ueber 20 Autos=waren zur Stelle. In der Wirtschaft Steffen war das Gekichtslokal eingerichtet. Richter, Schöffen und Amtsanmalt“ unternahmen zunächst eine Straßenbesichtigung, an welchef auch der Landrat teilnahm. Auch wurde von einem Unparkeiischen eine rasche und eine langsame Fahrt ausgeführt und dannach in die Verhandlung eingetreten. Etwa zwei Dxittel der Angeklagten fielen kostenpflichtig der Bestrafung anheim. Der Rest erzielte Freisprechung, teils erfolgte Verzagung behufs Vernehmung weiterer Zeugen. Die Verhandlungen dauerten von morgens 9 bis abends 7 Uhr. ten, 3. Dez.(Die Ruhr geht mit Hochwasser.) Der hiesige Brückenpegel zeigt einen Wasserstand von.67 Meter an. Da seit Mittag die Flut steht, so wird ein weiteres Steigen nicht mehr befürchtet. Haspe, 3. Dez.(Die Stadtverordneten=Stichwahl) endete mit einem Sieg des Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie, die bei den diesjährigen Wahlen kein neues Mandat zu erringen vermochte. Aus dem Gerichtssaal. Der Kieler Werft=Prozeß. Die Plädoyers der Verteidigung befürworteten die Freisprechung sämtlicher Angeklagten; es sei zwar erwiesen, daß von der Werft mehr Material abgefahren worden ist, als verkauft wurde, positive Beweise dafür, daß die Angeklagten daran schuld seien, hätten aber von der Staatsanwaltschaft nicht erbracht werden können. — Der Verein der Metallgroßhändler in Berlin hat auf die im Kieler Prozeß gemachte Aeußerung eines Sachverständigen, auch in Berlin werde unter gutes Altmaterial schlechtes gemischt, eine in entschiedenem Ton gehaltene Erklärung veröffentlicht, in der erklärt wird, daß auch die Branche der Alteisenhändler nach demselben Grundsatz streng kaufmännischer Ehrlichkeit geführt wird, wie jeder andere Geschäftszweig. Sämtliche Herren90 clcgl haben wir im Oreise bedeutend ermäßigt. Warelmaus-Sebrader Resentkaf, Inhen. Sonntag bis abends geöffnet. Aufklärung. Viele Malzkaffee-Fabriken haben die Packung des echten Kathreiners falzkaffee so täuschend wie nur irgend möglich nachgeahmt. Ein altes Sprichwort sagt:„Die Nachahmung ist die beste Empfehlung.“ Das gilt auch hier. Denn wenn die Konkurrenz die Verpackung von Kathreiners Malzkaffee„nachahmt“, dann gibt sie damit selbst zu, dass Kathreiners Malzkaffee„nachahmenswertt ist; ihn selbst kann man nicht nachmachen und deshalb ahmt man seine äussere Packung nach, um auf diese Weise das Publikum zu täuschen.— Man achte darum beim Einkauf genau auf die Kennzeichen des echten Kathreiners Malzkaffee: z. geschlossenes Paket, 2. Schutzmarke„Pfarrer Kneipp“, 3. Firma:„ Kathreiners Malzkaffee-Fabriken“. Am Mittwoch nachmittag 3 Uhr nahm der liebe Gott unser innigstgeliebtes Töchterchen u. Schwesterchen Margarethe nach kurzem, schweren Leiden im Alter von 3 Jahren, 5 Monaten u. 10 Tagen zu sich in den Himmel. Dieses zeigen tiefbetrübt an Annen, den 2. Dezember 1909. Johann Pfaff nebst Frau und Kindern. (Schöne abgeschl. 3 Zimmer Wohnung mit Vorratskammer in nächster Nähe des Nordbahnhofs per 1. 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Redaltion, Druck und Verlag von Fritz Küching, Annen. Glad dank derr II und sei Kanne, imm Die B Westf. Ztg.“ im Berdach dadurch ver chen zu sa Berghalde gefunden wi kehre, und sellschaft Op Beamten in beamter seil ein bekannt springen“ l Maschinenste hielt Haussu unter Tabak Schuldschein Darlehnsgel der Fund i# eine frisch g zu dem Fun über 9650 sichtig in P dem Druck auch er Gel Mauerfundal Beamten au in Gold und Es fe und 10000 Kriminalbe daß Reuß kessel gewo Geld dort graben wu Papierpäcke müssen. 2 bei sich, als um anzuget In seiner führte, eben Re. esten n Tausenden.— 11 u. Waschstoft anterung stattung. .— bis 18.— rgenjoppon pon Stück.— bis zum Genree 60.—— Reiaung Hemden, Zephir sickte Jacken etc. itzen. r.— k..— .— r..— I..— .— 10.— .— .— .— bis 30. bis 27.bis 20. bis 27.bis 20.bis 30.bis 24.bis 20.bis 25.bis 30.; d e r j e w e i l i g e n tm ellueg 22-24 leidung 0 Gladbeck, 3. Dez. Der Gladbecker„Fall“ nähert sich dank der rührigen Arbeit des Kriminalkommissars v. Treskow II und seiner Assistenten, der Kriminalbeamten Friedtich und Kanne, immer mehr seiner vollständigen Aufklärung. Die Berliner Kriminalbeamten hatten, wie die„Rhein.= Westf. Ztg.“ berichtet, von Anfang an den Schichtmeister Opel im Verdacht, weil dieser sich am Morgen nach dem Diebstahl dadurch verdächtig gemacht hatte, daß er sich in einem Wäldchen zu schaffen machte und auch einen Spaziergang an der Berghalde vorbei machte, wo die entleerten Geldtaschen später gefunden wurden. Man forschte jetzt nach, mit wem Opel verkehre, und erfuhr, daß der Maschinensteiger Reuß viel in Gesellschaft Opels gesehen worden war. Gleichzeitig brachten die Beamten in Erfahrung, daß ein gewisser„Heinrich“, der Zechenbeamter sein sollte, in Düsseldorf und Köln in Weiberkneipen ein bekannter und gern gesehener Gast sei, der tüchtig„was springen" lasse. Nachsorschungen ergaben, daß es sich um den Maschinensteiger Heinrich Reuß aus Gladbeck handle. Man hielt Haussuchung bei ihm ab und fand in einem Schränkchen unter Tabak liegend 2400 M. in 50=Markscheinen, und zwei Schuldscheine über 2000 M. Reuß hatte sich also schon als Darlehnsgeher betätigt. Reuß wurde verhaftet. Dann ersolgte der Fund im Opelschen Garten. Herr v. Treskow hatte dort eine frisch gegrabene Stelle entdeckt und Nachgrabungen führten zu dem Funde des Sparkassenbuches der Sparkasse Altenessen über 9650 M. und 950 M. in Gold. Das Ganze war vorsichtig in Pergamentpapier und Oelleinewand verpackt. Unter dem Druck dieser Tatsachen gestand dann Reuß endlich, daß auch er Geld vergraben bezw. vermauert habe und zwar im Mauerfundament seiner Gartenlaube. Dort machten dann die Beamten auch den bereits gemeldeten Fund von 78315 Mk. in Gold und Silber. Ferner wird noch über die Ausführung des Riesendiebstahls berichtet: Man hatte denselben bereits auf den 8. Oktober geplant, da sich damals der dreifache Betrag in der Kasse befand. Am 4. November abends war das Geld eingegangen, angenommen von Opel. Die Schlüssel zu sämtlichen Räumen hatte sich Reuß angefertigt, mit Ausnahme des Hauptschlüssels. In der Nacht zum 5. November hat nun Opel auffallend lange gearbeitet, ist dann an die Kasse gegangen und hat sich die Hälfte des Geldes geholt. Dann gab er seinem Nachbar Reuß die Schlüssel, und dieser holte die andere Hälste des Geldes. Es wird jetzt verständlich, weshalb der Polizeihund immer wieder von der Stelle, wo die Taschen gefunden wurden, zum Kassenraum lief, er verließ diese Spur gar nicht. Weiter erklärt es sich jetzt, wie es möglich war, daß in einem Schlosse ein Bart von einem Schlüssel gefunden wurde. Weiteres siehe Neueste Nachrichten. fehlt nun noch sast das ganze gestohlene Papiergeld und 10000 M. an Gold. Das Papiergeld ist nach Ansicht der Kriminalbeamten größtenteils verbrannt, da Arbeiter bekunden, daß Reuß ganze Papierbündel in die Feuerung der Dampfkessel geworfen hat, nachdem Opel verhaftet war. Er hat das Geld dort vergraben gehabt, wo früher schon Tierkadaver vergraben wurden, und hat schon des Geruches wegen, der diesen Papierpäckchen nachher anhaftete, die Scheine von sich werfen müssen. Außerdem trug Reuß etwa 38000 Mark in der Tasche bei sich, als er eines Tages zur Berginspektion gerufen wurde, um anzugeben, welche Schlosser im Gewölbe gearbeitet hätten. In seiner Angst, warf er den ganzen Barbestand, den er bei sich führte, ebenfalls in die Kesselfeuerung. 547 Personen vergiftet. Verbrechen im Hamburger Irtenhaus. Ein unerhörtes Verbrechen, nach Art der Zyankalianschläge in Wien und Verdun ist heute im Hamburger Irrenhause verübt worden. 547 Personen sind dem Anschlage zum Opfer gefalten. Es wird darüber folgendes gemeldet: Hamburg, 2. Dezember. Als Insassen in Friedrichsberg halten sich etwa 1050 Irre auf, die Reis genossen hatten. Rach etwa" Stunde wurde eine große Zahl der Geisteskranken sehr unruhig. Bei vielen stellte sich Erbrechen ein. Sofort wurden sämtliche Aerzte der Anstalt gerusen. Schon nach wenigen Stunden starben aber zwei Frauen. Im ganzen sind 547 Personen erkrankt. Die Staatsanwaltschaft nahm sofort die Untersuchung auf. Die Leichen werden heute nachmittag der Legalsektion unterworsen. Die Aussage der Köche, daß der Reis einwandsfrei gewesen sei, scheint sich nicht zu bewahrheiten. Die Speisereste sollen bei der bakteriologischen Untersuchung Giftbestandteile enthalten haben. Es besteht der dringende Verdacht, daß ein Mitglied des Dienstpersonals böswillig Gift in die Speisen gemischt hat. Die Anstalt ist heute morgen von einer dichten Kette von Schutzleuten umstellt, sodaß es unmöglich ist, an die Anstalt heranzukommen. Augenblicklich liegen noch 68 Kranke schwer darnieder. Bei mehr als 20 besteht Lebensgefahr. Dortmund, 3, Dezbr.(Joh. v. Wildenradt.) In der vergangenen Racht erlag der Chefredakteur der Dortmunder Zeitung, Herr Joh. v. Wildenradt einem schmerzvollen Blasenleiden. Der Verstorbene, der sich in den Kreisen seiner Kollegen allgemeiner Achtung und Wertschätzung erfreute, war 2. Vorsitzender des Vereins der Presse für Dortmund und Umgegend und als solcher eifrig bestrebt, die Interessen des Vereins nach Kräften zu fördern. Wir rusen ihm ein„Ruhe sanft“, nach. Hortmund, 1. Dezbr.(Selbstmordversuch.) Gestern nachmittag machte eine 25jährige Verkäuferin Emma R. einen Selbstmordversuch, indem sie Salzsäure trank. Ein Arzt ordnete die Ueberführung der schwer Leidenden ins Krankenhaus an. Als Motiv der Tat wird Liebeskummer angegeben. Essen, 3. Dez.(Umfangreiche Unterschlagungen) sind bei mehreren hiesigen Kolonialwarengroßhändlern verübt und aufgedeckt worden. Angestellte und Fuhrleute der geschädigten Geschäftsleute, die zusammen gearbeitet haben, wurden verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Der Umfang der Unterschlagungen läßt sich vorläufig noch nicht übersehen. Bottrop, 3. Oez.(Schwere Verletzungen.) Auf der Zeche „Prosper“ gerieten heute Morgen zwei Leute unter herabfallendes Gestein. Einer wurde sofort getötet, während der andere so schwere Verletzungen erlitt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt Iserlohn, 2. Oezbr.(Eine kühne Flucht) führte vergangene Nacht der Arbeiter Riechers aus, der als steckbrieflich Verfolgter festgenommen und zunächst wegen eines Leidens im Krankenhause Bethanien untergebracht worden war Er knüpfte mehrere Leinentücher zusammen und ließ sie vom dritten Stockwerk in den Hof hinab. Er kletterte daran herunter und flüchtete in den nahen Wald. Bis jetzt hat man von dem Flüchtling keine Spur. Barmen, 3. Dezbr.(Wieder ein Kind verbrannt.) Vorgestern vormittag wurde der 4 Jahre alte Paul Jentsch von einem städtischen Straßenreiniger mit brennenden Kleidern im Hausflur des elterlichen Hauses vorgefunden. Der Knabe hatte in Abwesenheit seiner Mutter Streichhölzer angezündet, wodurch die Kleider in Brand gerieten. Der Knabe erlitt schwere Brandwunden, an welchen er im städtischen Krankenhause, wohin er mittels Krankenwagens übergeführt wurde, nach 2 Stunden verstarb. Ansiohts-Karten vorrätig bei Fritz Rüching, neben der Apotheke. pen pk. er Zephir cken etc. Der Einsiedler von der Hallig. Novelle von Hermann Hirschfeld. 16(Nachdruck verboten.) „Sie sind es und erwarten den gnädigsten Herrn, den Vertreter unseres Gutsherrn, des Herin Baron von Waldenow, der nach altem Brauch beim Essen im Wirtshause das erste Glas auf das Wohl der Gemeinde zu leeren pflegt. So ward es gehalten seit einem Jahrhundert.“ „Und es soll immer so bleiben,“ entgegnete Waldemar. „Roch eins, Schulze; es ist während des Gottesdienstes ein Fremder in die Kirche getreten; es schleicht jetzt soviel verdächtiges Gesindel, selbst unter ehrbarer Maske herum,— ist der junge Mann im Wirtshause abgestiegen?“ „Ja, gnädigster Herr; der Gastwirt, mein Detter, hat ihm die blaue Hinterstube im Erdgeschoß eingeräumt; er läßt sich Herr Thomas nennen und scheint ein flotter, junger Herr zu sein, der ein paar Taler nicht achtet; den Doismädels hat er seidene Schürzen und Bänder geschenkt.“ „Thompson nennt er sich?“ „Ja, Thompson oder Thomas— das kommt wohl auf Eins heraus, erwiderte der Schulze mit einem breiten Lächeln auf dem häbigen Gesichte. „Run lassen wir dem Herrn Thomas oder Thompson sein Vergnügen; Leute, die den Dorfmädchen Bänder schenken, sind nicht gefährlich. Jetzt kommt, Schulze, ich bin bereit.“ Er schritt an dem demütig zurückbleibenden Bauern vorüber und verließ, von ihm gefolgt, den Herrenhof, sich zum Festessen zu begeben. Ehrerbietig entblößten sich die Häupter der vor der Tür stehenden Menge, als Herr von Herbach durch ihre Reihen schritt; aber keine Spur einer Anhänglichkeit sprach aus ihren Mienen. Der Detter des Barons Felix war nicht beliebt, nur gefürchtet; man kannte ihn als stolz und hart. Heute aber grüßte er teutseliger, als jemals, und fast jovial klopfte er die Schulter seines Begleiters. „Geht nur voran, ich folge Euch sogleich,“ sagte er, ich will nur eben Eurem Verwandten, dem Wirt, ein paar Worte sagen; er soll heute Abend den Burschen ein Faß Bier für meine Rechnung auszapfen; meldet inzwischen den Gästen mein Erscheinen. Er ließ den Schulzen stehen und schritt der Hinterseite des Hauses zu. Hier befanden sich die beiden Zimmer, die für durchreisende Fremde bestimmt waren. Herbach warf hier einen hastigen, forschenden Blick um sich. Alles war mit den Vorbereitungen zum Essen beschäftigt, und Knechte und Mägde hatten vollauf zu tun, die Gäste in der Schänke zu befriedigen. Riemand beobachtete ihn. Er kannte das blaue Zimmer, das dem Fremden eingeräumt war; er hatte denselben somit unweit des Dorfes im Felde schweifen sehen, und wußte ihn somit entfernt von hier. Schnell und geräuschlos öffnete er die unverschlossene Tür, mit festem Wurf flog ein kleines, zusammengefaltenes, grobes Papier auf den Tisch,— und wenige Minuten später empfing das Lebehoch der Dorfhonoratioren den eintretenden Vertreter des Gutsherrn, der mit herablassendem Lächeln, als habe nimmer ein böser Gedanke sein Gewissen belastet, geruhte, die Huldigung in Empfang zu nehmen. Es dunkelte bereits, als der vom Schulzen mit Thomas bezeichnete junge Fremde das Gasthaus betrat und sein Zimmer aufsuchte. Derselbe zog seine Taschenuhr hervor, legte sie vor sich auf den Tisch und nahm Platz auf einem Stuhl. Das Umherschweisen schien den jungen Mann ermüdet zu haben, denn er legte den Kopf mit geschlossenen Augen an die Rücklehne des Stuhls. So verhartte er mehrere Minuten. Plötzlich verkündete ein seines silberhelles Schlagen der Uhr die neunte Stunde an. Der Fremde ermunterte sich und stand auf; sein Blick schweifte absichtslos in dem kleinen, ländisch ausgestatteten Raum umher und blieb an dem Papier haften. Gleichzeitig zündete er Licht an und erbrach das Schreiben. Allein schon bei den ersten Zeilen veränderte sich der Ausdruck seines Antlitzes, und eine gewisse Spannung war in ihm zu lesen. Der Brief, mit plumper, offenbar verstellter Hand, kaum leserisch geschrieben, enthielt Folgendes; „Sie sind erkannt; man weiß, daß der Rame, mit dem Sie sich nennen, nicht der Ihre ist. Man kennt auch die Absicht, die Ihre Schritte nach Waldenow lenkt, es gile den wichtigsten Schritt Ihres Lebens. Sie haben an dieser Stätte einen Feind, aber auch einen treuen Freund, der Sie glücklich sehen will. Es soll Ihnen ein Geheimnis offenbart werden, dessen Tragweite unermeßlich ist. Dasselbe betrifft ihr Lebensglück. Keine Miene, kein Laut verrate inzwischen Ihre Absicht, ehe Sie den Freund gesprochen, der Sie im Ramen Ihrer Mutter beschwört, seiner um Mitternacht in dem Forst zu harten. Ein Weg vom Gemeindeselde rechts führt zu einem steinernen Kreuze, wo der unbekannte Freund Sie erwarten wird. Hegen Sie Furcht, so versehen Sie sich mit Waffen. Aber der Welten und Meere durchstreifte, wird das Gefühl nicht kennen, das gewöhnliche Menschen in der Erwartung des Unbekannten beschleicht. Bernichten Sie diese Zeilen und seien Sie verschwiegen.“ Der junge Mann ließ den Brief sinken.„Seltsam, höchst seltsam,“ sagte er halblaut vor sich hin;„wer kann mich hier kennen? wer meine Absicht wissen? Und doch fragt es sich, ob es nicht wirklich ein Freund ist, der mich warnen will, nicht einen dummen Streich zu begehen? Das Mädchen ist schön, bei Gott! Solche Anmut sah ich selten und dennoch— wäre es nicht möglich, daß ich, der Fremde, das Opfer eines Betruges werden soll, für den mir zu spät die Augen geöffnet werden könnten? Und zudem ist das Rendezvous abenteuerlich genug, um nicht meine ganze Reugier zu reizen. Ich komme, freundlicher Warner, ich komme; nicht vergebens sollst Du meiner harren.“ Die Hut des Dorfes Waldenow war für die nächste Nacht den Sternen überlassen; denn auch der Wächter hatte seinen Teil am frohen Feste gehabt und ein Gläschen über den Durst getrunken. Was tats auch, daß ihm die Augen zufielen und er auf der Steinbank einnickte, während Spieß und Horn friedlich neben ihm lagen? Waldenow stand wegen seiner guten Sitten überall in bestem Ruf. Seit Menschengedenken kannte man dort weder Einbruch noch ein anderes Verbrechen, und schlich ein junger Freier an das Fenster seines Mädels, so drückte der Wächter die Augen zu oder blickte seitwärts und brummte vor sich hin: Laß das junge Volk, habs auch just so getrieben.“ „Und habs auch just so getrieben,“ klangs mechanisch von den Lippen des Alten, als ein leichter Tritt hinter ihm ertönte und in der Ferne verhallte. Das alte Haupt hob sich ein wenig, um gleich wieder zurück zu sinken; es war ja nicht alle Tage Kirchweihfest in Waldenow. Kein Bursche des Dorfes aber war es, der hinter des Wächters Rücken dahinschlich, die Dorfstraße entlang, und nun den Feldweg betrat, der zum Forst führte; es war der fremde, junge Mann, in leichten Mantel gehüllt, der der Einladung des geheimnisvollen Freundes Folge leistend, sich an den Ort des Stelldicheins begab. Bald war er in dem Forst, langsam verfolgte er seinen Weg, vorsichtig jeden Schritt prüfend, denn die Dunkelheit war beinahe undurchdringlich. Zum ersten Mal während des mysteriösen Ganges zog jetzt, nicht ein Gesühl der Furcht, aber eine gewisse Beklemmung durch des jungen Mannes Seele; wenn man ihn in eine Falle gelockt, wenn man es auf Raub, vielleicht gar auf Mord abgesehen hätte! Sein Fuß zauderte, weiter zu schreiten; seine Hand umklammerte den Schaft einer Pistole, die er unter dem Mantel verborgen trug. Aber schon im nächsten Augenblick lächelte er über sich selber. Rein, es kann nur ein Freund sein, der mir diesen Brief schrieb,“ sagte er vor sich hin.„Wer könnte sonst den Zweck meines Hierseins wissen? wer die Vertauschung meines Ramens? Weiter schritt er und weiter; immer beschwerlicher ward der Pfad, immer tiefer geriet er in den Forst. Endlich aber leuchtete ein fremder Gegenstand durch die Dunkelheit ihm entgegen: Es war ein hohes, steinernes Krenz zum Andenken an einen einst an dieser Sätte Verunglückten errichtet. Dort also war das Ziel, dort sollte er den geheimnisvollen Freund und Warner kennen lernen. Roch einige Schritte tat er vorwärts, dann blieb er unwillkürlich stehen; denn ein leise geflüstertes„Halt" tönte an sein Ohr; augenscheinlich wollte man selbst in der Dunkelheit noch die größte Vorsicht vorwalten lassen. „Ihr seid der junge Mann, der sich Thomas nennt? „Ich bin es! „Ihr habt den Brief vernichtet, wie Euch befohlen war? „Ich habe.“ „Keine Seele weiß, daß Ihr Euch an diesem Ort befindet?“ „Keine!“ „Ihr schwört darauf bei der Erinnerung an Eure Mutter!“ „Ich schwöre bei der Erinnerung an meine teuere Mutter!“ „Ihr kommt weit her?“ „Ja.“ „Ihr wollt zu dem Baron von Waldenow in nahe Beziehung treten?“ „Unbegreiflicher Mann, woher wißt Ihr—?“ „Alles weiß ich, Ihr seid gekommen, selbst das Terrain zu recognoscieren? Fortsetzung folgt. — Ueberflüssig. Richter:„.. Wir werden Ihrer Frau in Amis wegen einen Verteidiger bestellen.“— Arbeiter:„Das ird nicht nötig sein, Herr Rat— die wird schon allein mit hnen fertig!“ K K „ 0•„„P Orrtung. Nr. 142 1909. Aebeiterbewegung, Aussperrung. Der Arbeitgeberverband der Stettiner Herrenund Knabenkonfektionsfirmen hat etwa 8000 Arbeiter und Räherinnen wegen Differenzen über den Abschluß eines neuen Lohntarifs ausgesperrt. Neueste Nachrichten. München, 4. Dez.(Beisetzung des Herzogs Karl Theodor.) Gestern vormittag fand in Gegenwart der nächsten Anverwandten die Beisetzung des Herzogs Karl Theodor in Tegernsee statt In München wurde um dieselbe Zeit ein feierliches Requiem abgehalten, dem der Prinzregent und die hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen beiwohnten. Samstag, den 4. Dezember. bae de Gaste de eraesian eregscheg eanen führten, wird der„B..“ berichtet: Essen(Ruhr), 3. Dez. Bei den Nachforschungen nach den der Berginspektion der Zeche Gladbeck gestohlenen Geldern wurden heute nacht 151000 Mark angeblich verbrannten Papiergeldes wiedergefunden. Auf Grund eines Geständnisses des verhafteten Steigers Opel sorschten die Kriminalbeamten im Gladhecker Walde nach und fanden dort in einem vergrabenen Steintopf weitere 28000 Mark. Von dem gestohlenen Gesamtbetrage fehlen jetzt nur noch 20000 Mark. Die beiden Söhne des Steigers Reuß sind wegen Verdachtes der Beihilfe zum Diebstahl gleichfalls verhaftet worden. Baltimore in Flammen. Wie telegraphisch mitgeteilt wird, steht die Stadt Baltimore 25. Jahrgang. nommen, während von der Landseite die Feuerwehr von Baltimore und der ganzen Umgebung ankämpft. Alle Telegraphenlinien sind zerstört. Vorstehendes Telegramm hat fünf Stunden gebraucht, um auf Umwegen nach Berlin zu gelangen. Rom, 3. Dez.“(Die Juwelendiebin als Zofe.) Die Juwelendiebin Wehrfrite aus Hornau in Baden hatte sich als Zofe einer#ammer##reichen Amerikanerin in Paris vermietet und sie nach Marien= Klammen. Der bisherige Schaden beträgt, soweit Schätzungen bad begleitet. Plötzlich war sie mit dem gesamten Schmuck ihrer möglich sind, Dutzende von Millionen Dollars. Herin verschwunden. Jetzt ist es der hiesigen Polizei gelungen Rewyork, 3. Dezbr. Die Stadt Baltimore steht in hellen sie zu verhaften. Die gestohlenen Brillanten wurden nicht bei Flammen. Die Brandkatastrophe ist bedeutend größer wie die ihr gesunden.— Katastrophe vom 7. und 8. Februar 1904, die das ganze GeMadrid, 3. Dez.(Ein sreudiges Ereignis.) In der schäftsviertel Baltimores in Asche legte. Die großen Bank=, königliche: Familie sieht man wieder einem freudigen Ereignis Zeitungs=, und Geschäftsgebäude, die gänzlich aus Stahl, Eisen entgegen. Das Amtsblatt wird in den nächsten Tagen offiziell und Zement konstruiert sind, haben den wütenden Flammen Mitteilung machen. Die Königin muß sich bereits einige keinerlei Widerstand bieten können. Schonung auferlegen. Die Feuerwehren von Washington, 3 Philadelphia und London, 3. Oez.(Eine Katastrophe auf See.) Aus St. um Hilfe zu leisten. Aus Philadelphia ist das sehr schnelle Jves wird telegraphiert, daß der Dampfer„Kongreß" nach der Segelfeuerlöschboot„Ashbridge“ nach Baltimore abgegangen. Eine Kollision mit einem andern Dampfer unterging. Man befürchtet ganze Anzahl von Einwohnern hat bereits den Tod von Angedaß 14 Mann von der Besatzung ertrunken sind, einschließlich hörigen zu beklagen, die in den Flammen umgekommen sind. des Kapitäus. Ein von einem Rettungsboot aufgelesener Ma. Der bisher angerichtete Schaden übersteigt weit 20 Millionen trose scheint der einzige Ueberlebende zu sein. Die Gladbecker„Schatzgräber“. Rachdem der Berliner Potizeikommissar von Treskow im Verein mit zwei Kriminalbeamten im Garten des wegen des Firchsiche Nachrichten. Gottesdienst Sonntag Vormittag 8 Uhr. Pastor Ebers. 10 Uhr Missionsfest Gotiesdienst, Rissionar Kuhlmann aus Deutsch Südwest=Afrika. 11½ Uhr Kirchentausen. 1 1½ Uhr Kindergottesdienst(Rissionar.) Nachm. 3½ Uhr Nachfeier des Missionsfestes im Vereinshause. wegen Zechendiebstahls in Haft befindlichen Schichtmeisters Reuß rund 78000 Mark ausgegraben hat, gelang es den Beamten gestern Dollars. An ein Ende des Brandes ist bisher nicht zu denken. Miliz und Militär halten in weitem Umkreise das Stadtviertel umschlossen und gestatten niemandem den Eingang. An der Wasserseite mußten einige Reger erschossen werden, die Warenspalten zu plündern suchten. Das Feuer hat sich mit unglaublicher Schnelligkeit weiter verbreitet und große Rahrung an den Warenspeichern am Fluß und Kanal gefunden. Von der Kanalseite aus haben die Feuerlöschboote, über die die Stadt seit der letzten Katastrophe sehr Soschen die degende Sanschahe. Sonntag, den 5. Dezember. Nachmittags=Vorstellung zu volkstümlichen Preisen. Anfang 3 Uhr.„Johannisfeuer". Schauspiel in 4 Aufzügen von Hermann Sudermann.— Abends 7½ Uhr. Opernpreise.„Die Zauberflöte". Oper in 3 Aufzügen von W. A. Mozart. Montag, den 6. Dezember. Anfang 7½ Uhr. Schauspielpreise. Serie 4, Nr. 19, grüne Karten. Neu einstudiert.„Othello, der Mohr von Denedig“. Trauerspiel in 5 Aufzügen von W. Shakespeare. Dienstag, den 7. Dezember. Anfang 7½ Uhr Opernpreise. Serie B. Nr. 20, braune Karten.„Undine". Große romantische Zauberoper mit Ballett in 4 Aufzügen von Albert Loitzing. Turnverein Jahn Dienstag=Nr. 9. R. ## Der heutigen Gesamtauflage liegt ein Prospekt des Herrn J. R. Jebsen, Basel=Bottmingermühle(Schweiz) bei, in welchem er auf seine vielen Erfolge in der Behandlung von Tuberkulose, Haut= und Geschlechtskrankheiten, Gicht etc. hinweist. Wir empfehlen die Beilage der besonderen Aufmerksamkeit unserer Leser. Der heutigen Rummer dieser Zig. liegt ein Prospekt der Firma G. Heerbeck, Dortmund bei, auf den wir hiermit hinweisen. und heute abermals, bedeutende, verborgene Schätze zu heben. zahlreich verfügt, den Kampf mit dem Element in Angriff gemis prantische Weihnachtsgeschenke 8 Die diesjährige unbefriedigende Heuernte hat vielen Landwirten recht deutlich gezeigt, wie wichtig für Wiesen, Biehweiden, Klee= und Futterschläge eine kräftige Hüngung mit Thomasmehl und Kainit ist. Dielfach war auf ungedüngten Wiesen und Futterschlägen in diesem Jahre infolge ungünstiger Witterung so gut wie nichts gewachsen; nur da, wo man kräftig gedüngt hatte, stand genug Futter und konnte eine einigermaßen befriedigende Heu= und Grummeternte eingefahren werden. Man achte auf den Namen„MAGGl“ und den Kreuzstern. bestene ennfohlen: in Fläschchen von 10 Pig. bis Mük..— in Würfeln zu 10 Pfg. für 8 Teller.(Mehr als 30Sorten.) MAGGI“ Bouillon-Würfel Ar b. Liker. 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Aus welchem Kochbuch haben Sie das Rezept dazu genommen?“ Köchin:„Aus keinem, Herr Professor... das Rezept ist mein geistiges Eigentum!"— (Auch das noch!) A.(trifft auf der Straße einen Herrn und geht auf ihn zu):„Ja, Müller, alter Freund! Wie geht's dir denn? Hast du dich aber verändert in den zehn Jahren, seit wir uns nicht gesehen haben.“—.:„Pardon, Sie irren, ich heiße nicht Müller.“— .:„Was? Müller heißt du auch nicht mehr?“ (Er könnte sich helfen.) Herr:„Können Sie einen Hundertmarkschein wechseln?“— Student:„Wechseln nicht, aber klein machen.“ (Gemütlich.) Wirt(das letzte aus dem Fasse schenkend): „Om, wem bring' ich wohl das letzte Glas?“ Er kennt das. Sie:„Es öffnet uns ja niemand... das Mädchen wird doch nicht etwa gar überfallen und die Wohnung ausgeraubt worden sein?“ Er:„Sei ohne Sorge, die wird schon bis zum Hausschluß militärischen Schutz gehabt haben!“ (Hinausgegeben.) A.(in Gesellschaft zu einem Herrn, der ihn unhöflich behandelt):„Ich werde Ihnen Knigges Umgang mit Menschen borgen, das können Sie acht Tage behalten.“—.:„Sehr liebenswürdig... aber werden Sie es auch so lange entbehren können?“ (Raffiniert.) Alter Gauner(der mit seinem Sohne eben eine Kasse erbrochen):„Dös Packerl Banknoten laß liegen, als Milderungsgrund, wenn ma ertappt werden!“ Vexierbild. Wo ist der Förster? Gratisbeilage für unsere Abonnenten. Redaktion, Druck und Verlag der Kgl. Beyer. Hofbuchdruckerei von Gebrüder Reichel in Augsburg. Alt wie das Leid ist das Sehnen nach Glück... Von Kerimée Hanoum, Verfasserin von:„Was der Außenwelt verschlossen",„Haremsbilder“ 2c. 2c. (1. Fortsetzung.)—,(Nachdruck verboten.) „Margot,“ sagte nun die Kranke,„bist du wirklich mit dir einig? Würde dein Herz ihm nicht vergeben können, wenn der Verirrte in wirklicher Reue fürs Leben zu dir zurückkehrte, und versuchte zu sühnen, was er in der Jugend an dir gefehlt?". Sie schüttelte energisch den Kopf, und die traurigen Augen voll auf die Kranke richtend, sagte sie schmerzlich, aber fest: „Vergeben, Tante, habe ich ihm lange alles— aber wiedergeben kann er mir nie mehr, was er mir geraubt,„Vertrauen" zu ihm. Dies offene, rückhaltlose Vertrauen, das ich ihm gegeben— ich kann es zum zweiten Male nie mehr für ihn hegen, und Liebe ohne Vertrauen, Tante, gibt es nicht. Treu war ich meiner ersten, einzigen Liebe, zu jedem Opfer bin ich bereit für ihn auch noch jetzt, ich bete für sein Glück—, aber Glück ihm geben könnte ich nie mehr, weil mir Glaube und Vertrauen fehlen.— Ich kann nicht täuschen, und ich würde mich und ihn täuschen, gäbe ich seinen Bitten wieder Gehör. Gott wolle mich vor neuen Kämpfen, vor einem Wiedersehen bewahren, das mir den so schwer errungenen Frieden erschüttern könnte, bitte auch du den Allmächtigen darum! Ich bin mir vollkommen klar und kann nicht anders handeln.“ „Armes, armes Kind!“ Heiße Tränen traten in die Augen der Kranken. Ermattet lehnte sie sich zurück und atmete schwer. Das Mommsen=Denkmal in Berlin. Margot reichte ihr den kühlen Trank und bat sie, sich zu schonen. Gehorsam willfahrte sie, die Kräfte fehlten— sie mußte gehorchen. Margot stand auf und trat zum Fenster. Sie hob den Blick zum klaren Sternenhimmel und flehte:„Mach mich nicht noch elender, mein Gott, nimm mir nicht die letzte Stütze, und angstvoll heftete sie den Blick auf die Kranke, die so still und ergeben dalag.„Nicht einmal einen Arzt kann ich beschaffen! O, nie habe ich so unsere Armut gefühlt, als seitdem sie krank ist.“ Und leise schritt sie zu dem Tischchen, auf dem das dünne Licht brannte. Sie mußte ja die Arbeit fertig liefern zu morgen abend, wollte sie das Geld erhalten. Ach, und sie war so müde, so matt. Noch nichts hatte sie heute genossen, als etwas Milch. Im Schränkchen lag ein Brot, sie nahm es und versuchte einige Bissen. Sie hatte keinen Hunger, nur Vernunft zwang sie dazu. Wer sollte die Arme dort pflegen, wurde auch sie krank? Dann setzte sie sich leise nieder und fing emsig an, die Goldfäden durch den Samme: zu ziehen, bis die müden Augen. die er einst seines Lebens Sterne genannt, müder und kleiner wurden, der feine Kopf auf die Brust sank, die Stickerei den Händen entglitt und wohltätiger Schlaf sich über sie senkte— in Vergessen hüllend all ihr Leid... Was sie wohl träumen mochte, sie lächelte so selig—? Träumte sie von jener da er ihr seine Liebe in glühenden Worten gestanden? Sah sie sich frisch, jung, umworben in ihrem väterlichen Heim auf dem kleinen Sofa, unter dem Bilde ihrer Mutter, vor dem er sie wieder und wieder geküßt, sie man Gusminalme anssalrese unn afr usstsrar ndess.—. n builn hn si ahr unct u 1 W Wusu Bp T e M h seine süße, geliebte Braut genannt, ihr ewige Treue geschworen—? Stunden vergingen... Wer konnte es wissen? Licht verlöschte, und der fahle Schein des dämmernden Morgens spielte über dem blassen Gesichtchen, und ein matter Sonnenstrahl küßte ihr die Tränen von den geschlossenen Wimpern. Da öffnete sich die Tür, und ein ernster Mann in mittleren Jahren erschien im Rahmen derselben. Wie gebannt blieb er stehen dem Bilde gegenüber, das sich seinen Augen bot. Er hatte schon viel Elend gesehen— dennoch rührte ihn der Anblick des lieblichen Wesens, das, sich mühend bis in die späte Nacht, da vom Schlaf überwältigt worden war. . Der Zugwind, der durch die offene Tür hereinstrich, hvo das Papier vom Tisch, in welches die Stickereien eingewickelt waren, und das Blatt flatterte in das Gesicht der Schläferin— sie erwachte. Den Fremden in der Tür sehend, starrte sie ihn noch halb im Schlafe ungläubig an, als derselbe mit den Worten eintrat: Vergebung, mein Fräulein, mich schickt ein Freund, Herr Beaufort, ich bin Arzt und möchte nach der Kranken sehen, die bei Ihnen ist.“ Im Augenblicke hatte Margot ihre Geistesgegenwart wieder— er wagte es dennoch, er suchte sie dennoch. Was wollte er von ihr, die er so schnöde verlassen. Sie wollte kein Mitleid. Sich erhebend, sagte sie ruhig:„Wer hat Herrn Beaufort den Auftrag gegeben, uns einen Arzt zu schicken?“ „Ich glaube, sein Herz,“ sagte der Fremde gütig und nähertretend fügte er hinzu:„Weisen Sie es nicht ab, mein Fräulein, aus Liebe für die Kranke.“ Und einen Blick auf die fast leblos Daliegende heftend, sagte er wohlwollend:„Ich glaube, sie bedarf meiner, es ist Pflicht, ihr zu helfen.“ „Aber wir haben kein Geld,“ stöhnte Margot ängstlich und verwirrt,„und Herr Beaufort hat kein Recht, für uns zu sorgen.“ Der Arzt lächelte fein.„Das will er auch nicht. Außerdem bin ich Armenarzt und habe meine Anstalt nicht weit von hier und erfülle hier nur Menschenpflicht." „Ich danke Ihnen,“ sagte Margot erleichtert, ihm die kleine kalte Hand reichend, die er warm drückte. Dann trat er zum Bette der Kranken. *** Müde, verstimmt, unzufrieden mit sich und dem Geliebten lag Valesca Belmont in dem reizendsten Negligé den Morgen nach dem Balle auf ihrer Chaiselongue und dachte über das sonderbare Benehmen ihres Verlobten nach. „Ich verwöhne ihn zu sehr,“ murmelte sie,„und bin doch neugierig, wie er sich entschuldigen wird.“ Im selben Moment klopfte es, und auf ihr„Herein" trat ihre Jungfer ein, auf einem silbernen Tablett einen Brief haltend. Valesca griff hastig danach und lächelte befriedigt. „Es ist gut,“ sagte sie. Als die Zofe fort war, ließ sie den Brief einen Moment liegen und, sich eine Zigarette ansteckend, flüsterte sie behaglich:„Ich wußte, daß er um Vergebung bitten würde! Nun soll er aber zur Strafe heute länger warten, als gewöhnlich.“ Und den Brief Aristides öffnend, lehnte sie sich zurück, um besser sehen zu können. Aber so leuchtend ihre Blicke gewesen waren, je mehr verfinsterten sie sich, je weiter sie las, und desto heftiger arbeitete ihre Brust, bis sie endlich, in Tränen ausbrechend, den Brief zur Erde warf und aufspringend ausrief:„Das mir— mir! Das wagt er mir zu schreiben!“ Und als fürchte sie sich zu täuschen, als traue sie ihren Augen nicht, las sie, den Brief aufhebend, halblaut: „Teure Valesca! Das Gefühl, Dir, meiner Braut, die stets nur Liebe und Güte für mich gehabt, durch diese Zeilen Kummer bereiten zu müssen, hat mich bis jetzt dieselben verzögern lassen, dennoch müssen sie geschrieben werden— will ich mir Deine Achtung erhalten. Wahr will ich gegen Dich sein, Valesca, die Du vertrauend mir Herz und Hand gegeben. Feige und ehrlos wäre es, zu schweigen, Dich zu täuschen. Du verdienst ein besseres Los! Du hast mich gestern, auch oft in glücklichen Stunden gefragt, warum ich so unstet, so ohne Ruhe sei— ich habe Dir gesagt, daß ich die Ruhe bei Dir suchte, bei Dir zu finden hoffte! Es schien auch, als wenn ich in Deiner Gegenwart durch Deine Liebe alles vergessen konnte, jene Vergangenheit, die wie ein Alp oft auf mir gelastet, nach der Du vertrauend mich nie gefragt und die mich doch so ruhelos gemacht.— Seit gestern jedoch, Valesca, ist es mir klar geworden, daß ich Dich nie glücklich machen kann, denn gestern habe ich diejenige wiedergefunden, der die erste wahre und einzige Liebe meines Herzens gehörte, gehören wird— bis an mein Lebensende. Es ward mir klar, beseligend klar, als ich sie wiedersah, die ich vor Jahren leichtsinnig verlassen, die ich dann vergeblich gesucht und nicht mehr gefunden, nach der ich mich gesehnt— bewußt, unbewußt.— Ob sie mir vergeben— verzeihen wird?— Ich weiß es nicht, Valesca!— Versuchen will ich, mit allen mir zu Gebote stehenden Kräften darum zu werben, versuchen will ich, zu sühnen, was ich an dieser vertrauenden Seele verschuldet.— Ob es mir gelingen wird, liegt in Gottes Hand— ich habe keinen Anspruch mehr auf ihr Vertrauen. Wenn ich Dir, Valesca, dies so rückhaltlos und offen sage, so geschieht es, weil Deine edle Seele genugsam kenne, um zu wissen, daß Wahrheit achtest und darum mein Handeln verstehen wirst. Vergib mir den Schmerz, den ich Dir bereite— ich konnte nicht anders handeln.— Es versteht sich von selbst, daß vor der Welt Du mich entlassen— aus dem Grunde, der Dir geboten und richtig erscheinen wird.— Mein Geheimnis bitte ich Dich zu bewahren um der Schwergeprüften halber, deren Namen ich nicht nennen darf— da ich keine Rechte mehr an sie habe.— Sag mir in wenigen Worten, daß Du mir nicht zürnst, Valesca! Du bedurftest eines vollen, ganzen Herzens— was nützte Dir ein schuldbeladenes Herz— erfüllt mit dem Bilde einer anderen; gleichviel ob sie mir dereinst vergibt oder nicht. Und nun laß Dir innig danken für das Glück, das Du mir gegeben, denn Dir danke ich die ruhigsten Stunden meines verirrten Lebens. Vergib es, wenn ich glaubte, nur bei Dir allein Vergessen finden zu können und Ruhe.— Vergib mir, daß ich statt Glück— Dir nun Schmerz gebe, Valesca! Ich bin so einsam im Leben, da es nicht einmal durch glückliche Erinnerungen geschmückt ist!— Lebe wohl!— und der Gott, der Freud' und Leid in so wunderbarer Vereinigung dem Menschenherzen sendet, gebe Dir ein Glück, wie Du es so voll und ganz verdienst, und mir Deine Achtung und ein freundliches Gedenken. Da ich Dir nichts anderes sein durfte, so gestatte mir wenigstens, mich fürs Leben zu nemnen— Leden u Deinen treuen Freund Aristide Beaufort." Erschöpft ließ sie den Brief sinken, dann schrie sie auf, so erschütternd, so schmerzlich— daß sie selbst erschrak. Angstvoll blickte sie nach der Tür, ob es auch niemand gehört. Es blieb alles still. Jetzt forderte der Schmerz seine Rechte. e Verlassen, um einer andern willen schmählich verlassen— und kein Herz auf der weiten Welt, dem ich mich vertrauen kann!“ stöhnte sie.„Mein Vater, trägt er nicht schon schwer genug an den Launen meiner Stiefmutter, würde er meinen Kummer verstehen? Bin ich nicht allein in allem? Nach meinem Herzen fragst du gar nicht, Aristide, und doch hat mein Leben erst mit dem Augenblick begonnen, da ich dich gesehen und lieben Ob du mein Herz zertrittst, ist dir gleich! Kalter Genugtuung, es zu sehen, sollst du nicht haben!... Freundschaft für Liebe? Für dieses gun M Min uitn Wtig ig M ii Msuztuz zuis i — 066— — 391— Zu unseren Bildern. Allerlei. Das Mommsen-Denkmal in Berlin. großen Gartenvorhof der Berliner Universität stehen schon einige Denkmäler bedeutender Gelehrter, die einst dieser Unihaben; so sind hier die beiden Brüder Humboldt und dermn großen Hißgrier gur gs. Num is auch Theodor Rommsen, unin“ität war dart au. d dem eine Leuchte der Verliner unwersitat war, vort ein Dentmai errichtet worden, das vor kurzem as setelicher Baske eingensche wunche. brnden, us dur hue Vom stebzigjährigen Militärjubiläum des Prinzregenten Luitpold von Bayern. ani an 34 Oktober dieses Jahres konnte Bayerns Prinzregent schieden in. In Z1hiläum begehen, wie es wohl nur wenigen beschieben ist. An diesem Tage waren siebzig Jahre verflossen, seitObersinhaber er ist. Gor manche ilereregiment eintrat, desen #eränderung ist seitdem mit der Artillerie, die ehedem keine so bevorzugte Waffengattung war, vorgeund nicht wenig verdankt gerade die bayerische Artillerie ihrem Schuseggrie, dem Prinzregenten, der steis mit besonderer Liebe an ihr an Ziesem Tage mit einim 1. Feldartillerieregiment, dessen er auch einer bedeutenden Stiftung(30000 Mark) geBayern und zumal in München wurde das Jubiläum natürlich in würdiger Weise begangen. deutsche Dreadnonght„Nassan" in Wilhelmshaven. sind die neuen Kriegshafenanlagen von Wilhelmshaven eingeweiht worden, deren Bau fast ein volles in Anspruch genommen hat. Die Betriebseröffnung dieser neuen Marincanlagen ist von größter Wichtigkeit für die Schlagfertigreit der Flotte, denn nach der Vergrößerung und der Schaffung einer schwader fortab ola Sormntiageßat g guet, einem modernen GeSchlachtschiff der— ugegaren dienen zu können. Als erstes euie Sotensine neuen vergrößerten Typs hat die„Kassau" die neue Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven passiert, um nach den üblichen Probefahrten, in Dienst gestellt zu werden.„Nassau“ hat bei einer runge von 137,7 Metern und einer Breite von 27,1 Metern sowie sirang Tiefgang von 8,1 Metern eine Wasserverdrä gung von nahezu 19000 Tonnen. Drei Maschinen arbeiten mit 20000 Pferdekräften, wodurch dem Schiff, eine Höchstleistung von 19 bis 20 Seemellen in der Stunde gewährleistet wird. Die Artillerie des Schiffes setzt sich S-Bemsimeter. 8g 28 Jeutimeter=, zwölf 15=Zentimeter= und 55Hentieter=Schnellfeuerkanonen. Sie stehen paarweise in gedenen auf jeder Breitseite zwei am Bug und Heck einer aufgestellt sind. Diese Anordnung ermöglicht ein gleichzeitiges Feuern von acht Geschützen auf jeder Breitseite und sechs Geschützen nach vorn oder hinten.— 6098 Die Hafenbauten auf Helgoland sind nunmehr so weit gediehen, daß man einen deutlichen Ueberblick über diese großartige Anlage für die deutsche Torpedol ootslotte gePisigg Warsans Beschaffenheit der Insel mußte das . ope Zet#### mühsam angelegt werden und geschieht dies durch große Leichterschiffe, welche den Sand von der Elbemündung nach Helgoland schleppen und hier ablagern. Man hat auf diese Weise schon das Gelände für die Magazine der Marine herbeig schafft. Die Kosten der gesamten großartign Anlage belaufen sich auf über 30 Millionen auf acht bis zehn Jahre Eine afrikanische Nähschule unseren Lesern und Leserinnen heute im Bilde vorführen, dafür, daß auch die schwarzen Damen allmählich„mit der Mode gehen" und geschickt zu schneidern und zu nähen verstehen. Fleißige Kaffernmädchen sind es, die von Missionsschwestern in die Kunst des Kleidermachens eingeweiht werden und die schon recht flink zu arbeiten verstehen. Große Geduld und manche Anstrengung mag's die Schwestern gekostet haben, ehe sie das Ziel erreicht hatten Frieden, sagen konnten:„Segen ist der Mühe Preis!“. Ein Stamm gelehriger Schulerinnen wird den Schwestern bald mithelfen, tsches Shriktenturg. zu üben und immer mehr schwarze Rädchen einem geordneten Lehen zuzuführen. Von großem Nutzen bei dem stillen Kulturwerke erweist sich die Nähmaschine, die wir auf dem Bilde in großer Zahl vertreten finden und die schon tief ins (Dachdrug verboten.) 7 8 9 S 1 8 9 5 9 8 7 S 6 Rätsel=Ecke. Zahlenrätsel. Freiheitskämpfer, Schlachtenort, Waffe, Stadt in Hannover, Fluß in Pommern, Nebenfluß des Rheins, führt der Kutscher, Symbol der Ehe, Nebenfluß der Donau. Vaul Rieckhoff. Bilderrätsel. 8 Homonym. Sonst wurde viel mit mir gemessen, Jetzt aber werd' ich ganz vergessen. In anderm Sinne kennst du mich Als deutschen Dich er sicherlich. (Dachdus verboten.) Spiel=Ecke. Dominsaufgabe. A, B und C nehmen jeder acht Steine auf. Vier Steine mit de wias richt gegese in Rekt. Die Sreine von C haben 35 Augen. letten Stein Doppel=Zuei dnn i der achten Runde eituen sechten und sebten Runde passen. B dehal Wie ih der Gung der Patise Verierbil d. „Lieber Kollege, wo steckst du denn?“ Auflösungen der Aufgaben in der letzten Nummer: Auflösung des Rätsels: Schill- Schiller. Auflösung des Problems: Dank ist oft teurer als Hilfe. I Auflösung des Biamanträtsels: H B A D L I NS E M EI S T E A N S T·H 0 HORN EMS A Auflösung der Scharade: Halbmond. Anlösung des Kreuzrätsels: P G 0 R P A R ANA S A T U RN U D G E 4 N L.# volggezeang uradun — 168— — 390— zu einer Namenstagsfeier ausgegangen. Alle ihre Mieter wußten, daß sie ausgegangen war, sie hatte dies wichtige Ereignis jedem einzelnen ausdrücklich mitgeteilt. Trotzdem ertönte plötzlich aus einem der Zimmer mindestens sechsmal hintereinander und immer lauter und ungeduldiger der Ruf: Frau Kippke!— Frau— Kipp— ke... Als Frau Kippke hierauf nicht antwortete, kam in Hemdsärmeln und hellem Aerger der junge Doktor Schön selbst in die Küche. Er trug ein Paar feiner, aber verstaubter Lackstiefel in der Hand und machte die Küche laut und energisch mit seiner Meinung über die Wirtschaft hier, über die Frauen, besonders die Wirtinnen im allgemeinen und Frau Kippke im besonderen, bekannt und suchte dabei wie ein Besessener im Tellerschranke, auf dem Küchentische und zwischen den Kochtöpfen herum, bis er endlich unten im Eimerspinde den Wichskasten entdeckte.— Er warf dessen Inhalt unnötigerweise durcheinander und nahm dann die Büchse mit der schwarzen Schuhcreme heraus.— Sehr mißtrauisch betrachtete er darauf den Putzlappen, sah sich zuerst vergeblich nach einem andern um, faßte ihn dann mit spitzen Fingern an und sagte:„Pfui! Sauber ist der gerade nicht!“ Aber ob gern oder ungern, benutzen mußte er den Geschmähten doch, wollte er seine Schuhe salonfähig machen. Der Lappen war über die verächtliche Behandlung des jungen Mannes höchst entrüstet. Vielleicht würde er milder geurteilt haben, hätte er gewußt, daß Doktor Schön heute seinen ersten öffentlichen Vortrag halten wollte vor einem Auditorium, in welchem sich viele junge Damen befanden, und darunter eine, die... Das aber wußte der Putzlappen nicht, und deshalb war sein Ehrgefühl so tief verletzt und er hatte Rachedurst. Denn auch das Ehrgefühl von Lumpen kann verletzt werden. Nun hatte der junge Doktor Schön zwei besondere Eigenschaften, die eigentlich wenig zusammen passen, er war erstens etwas eitel und legte viel Wert auf seine äußere Erscheinung— zweitens aber war er zerstreut, und in seiner Zerstreutheit legte er jetzt den Lappen nicht wieder in den Wichskasten zurück, sondern steckte ihn in die Tasche. *** Eine Stunde später stand der junge Doktor Schön im weiten, hellbeleuchteten Saale und redete. Er redete hinreißend und feurig und sah noch feuriger und hinreißender aus. Ob der ersteren oder der letzteren Tatsache hauptsächlich die Begeisterung und Andacht zuzuschreiben war, die ihm aus den Augen besonders seiner Hörerinnen entgegenstrahlte, mag dahingestellt bleiben. Vielleicht wußten es die Beteiligten selbst nicht. Nach dem ersten Teile seines Vortrags trank er einen Schluck Wasser und trocknete die feuchtgewordene Stirn mit seinem Taschentuch— so glaubte er wenigstens. In Wirklichkeit hatte er unseren alten Bekannten, den Putzlappen, aus der Tasche gezogen und angesichts der entsetzten Versammlung einen grünen Streifen quer über seine Stirn gezogen... Denn der rachsüchtige Lappen zeigte jetzt seine ganze niederträchtige Verlumptheit: er särbte ab—! Als der Doktor wieder aufblickte, sah er ein leises Lächeln um die Mundwinkel seiner Zuhörer spielen, das ihn etwas stutzig machte. Es gelang ihm auch nicht sogleich, die vorherige Aufmerksamkeit seines Auditoriums zurückzurufen. Er zog in seiner Verwirrung einen schwarzen Streifen über Stirn und Nase, indem er nochmals den Lappen über sein Gesicht zog. Die mühsam unterdrückte Heiterkeit des Publikums nahm zu, und von nun an war eigentlich jedes weitere Wort des armen Doktors verloren, und hätte er wie Demosthenes selbst gesprochen. Sein Feind— der Putzlappen— hatte unbestritten das Wort. Allein Doktor Schön sprach auch keineswegs mehr wie ein Demosthenes, im Gegenteil war er durch das unerklärliche Verhalten des Publikums unsicher geworden und war sich dessen bewußt. So kam es, daß er öfter und öfter genötigt war, sich den Angstschweiß vom Gesicht zu wischen, bis dieses in allen Farben leuchtete. Endlich machte er es in seiner zunehmenden Nervosität derart gründlich, daß ein allgemeines Gekicher hörbar wurde. Sein Blut wallte empört auf, und er war eben im Begriffe, die ungezogene Zuhörerschaft zur Rede zu stellen, als ein Herr sich erhob und sanft, wiewohl etwas spät zu ihm sagte:„Herr Doktor, das ist doch wohl nicht Ihr richtiges Taschentuch!“ Beneide niemand den armen Doktor um die Gefühle der nächsten Sekunde!— Ja, wenn er wenigstens bei seiner argen Zerstreutheit nicht zugleich so eitel gewesen wäre...! Der Putzlappen hatte also das Feld als Sieger behauptet. Boshafterweise trat nachher der Berichterstatter des Lokalblattes auf den gedemütigten Redner zu und fragte: „Ja, Herr Doktor, soll ich in meiner morgigen Besprechung Ihren Vortrag eigentlich als„Vortrag mit Lichtbildern“ erwähnen.“ beiten. Uls Umhüllung von Geschenken können nachfolgende originellen Figuren ohne große Mühe angefertigt werden: Abbildung 1 ist eine kleine, dicke Zervelatwurst in Form eines Glücksschweinchens. Dieses wird mit einem lachsfarbigen Bogen Seidenpapier sehr einfach dadurch hergestellt, daß man die Wurst, oder jeden ähnlich geformten Gegenstand, in den Bogen einrollt und an der einen Seite das Papier wie ein Schwänzchen zusammendreht, mit kordonnierter Nähseide fest umwickelt, damit es sich nicht aufrollt, und auf der andern Seite das Papier wie ein gespitztes Rüsselchen auch mit einem Seidenfaden zusammenzieht. Die Ohren entstehen, indem man ein Stück Seidenpapier als Ohren formt und festklebt. Die Augen malt man mit schwarzer oder roter Tinte. Als besondere Zierde bindet man dem fetten Tierchen ein rotes Band um. Die Beine sind Holzstäbchen, die mit Watte und Seidenpapier umwickelt und angeklebt werden. Solche, die nicht viel Geduld für derartige Arbeiten haben, werden den Glückspilz, Abbildung 2, sehr leicht und effektvoll finden. Jeder mehr hohe als breite, runde Gegenstand kann als Pilz lustig emporwachsen. Das G schenk selbst wird in hellgelbes Seidenpapiet nach oben faltig eingehüllt und mit einem Faden zusammengebunden, das übrige Papier oben wird breit zusammengedrückt. Nun bindet man eine in jeder größeren Papierhandlung zu habende runde Pappschale darüber und überzieht diese mit giftrotem Seidenpapier und kl bt weiße Pünktchen auf. Kaffeetassen lassen sich sehr leicht und hübsch in dieser Weise verkleiden, und es ist sinnig und spaßhaft zugleit, ein ganzes Kaffeeservice als eine Gruppe Glückspilze auf Waldboden— denn das Kaffeebrett umhüllt man mit moosgrünem Seidenpapier— zu verschenken. Sinnsprüche. Laß niemand Sklave sein, sonst wirst du's selbst. Späte Neue ist doppelte Neue. Wer gute Menschen kennen lernen will, der gebe acht, zu wem der Unglückliche Vertrauen hat. i t Weihte uß uunch m i— W in Wellnnt uug# M ic iu oh Wm usitan es ztuugz 2ogz...“ uahuszoa usgunig „ 6- U31o M n Mag ne n zuin heiße, glühende Herz bietest du mir Freundschaft! Behalte dein mitleidiges Gnadengeschenk. Valesca Belmont begehrt alles— oder— nichts!“ Stolz erhob sie sich und trat an ihren Schreibtisch. Einen Moment überlegte sie, dann schrieb sie mit fester Hand folgende Worte an denjenigen, der ihr den ersten tiefen Schmerz im Leben bereitet, der ihr eine Wunde geschlagen, die nie mehr ganz heilen würde— so wähnte das verwöhnte Mädchen: „Geehrter Herr! Sie sind frei und können frei über Ihre Zukunft entscheiden! Sie waren durch nichts gebunden an mich, wenn nicht Liebe Sie band. Ersparen Sie mir ein Wiedersehen, das ist die einzige Bitte, die noch an Sie richtet Valesca.“ Sie adressierte und siegelte das Billett. Unheimlich war die Ruhe, mit der sie der Zofe den Befehl gab, es sofort besorgen zu lassen und ihre Sachen zu packen, da sie noch mit dem Nachtzuge in die Provinz auf das Land zu gehen gedenke. Sie wußte, daß sie nie auf Widerstand stieß in ihren Wünschen bei dem Vater, und die Stiefmutter war sicher nur erfreut und froh, die schöne Rivalin für die Saison los zu sein. Man war an außerordentliche Stimmungen und Launen bei ihr gewöhnt, das kam ihr jetzt zugute, sie fühlte das dankbar— denn in einem Ort mit Beaufort bleiben, konnte sie nicht. Jene Tante, die Schwester ihres Vaters, stand ihr am nächsten auf der Welt— zu ihr wollte sie, und schon der Nachtzug führte sie dorthin. Wieder eine ihrer Launen, hieß es im Hause und in der Welt. Niemand fragte ja, kümmerte sich darum weiter, nur der Arzt, der Freund Beauforts, sah tiefer, sowie ihr Cousin, der sie seit ihrer Kindheit kannte und hochhielt! Fast unwillig hatte sie denselben begrüßt, als er sich zu ihrer Hilfeleistung auf dem Bahnhofe eingefunden— und doch tat es ihr jetzt wohl, als sie so einsam dahin fuhr, sein einfaches Abschiedswort:„Gott schütze dich, Cousine, und wenn du eines treuen Freundes bedarfst, dann, Valesca, erinnere dich meiner!" „Mir kann niemand helfen!" hatte sie rauh geantwortet. Er aber hatte schweigend die kleine kalte Hand an seine Lippen gepreßt, bis sie der Zug entführte und sie als Wohltat empfinden ließ, ihr Weh unbeachtet und ungesehen ausweinen zu können. *** Wochen waren vergangen, und trauriger und trostloser sah es mit jedem neu erwachenden Morgen bei Margot aus. Die Krankheit schritt vorwärts und der Arzt konnte ihr die nahende Auflösung nicht verhehlen. Getreulich aber stand ihr Doktor Guido Hartmann zur Seite, und zu diesem prächtigen Manne mit dem Herzen von Gold, dem eisernen Charakter und dem weichen Gemüt hatte Margot nach und nach Vertrauen gewonnen. Hatte sie auch erst Mißtrauen gegen ihn gehegt, weil er ein Freund Beauforts war, mit ihm zusammen in der Vorstadt eine der schönsten Villen bewohnte, nach und nach hatte sie doch einsehen gelernt, daß sie Vertrauen hegen könne, daß er ihre Entschließungen ehre. Rücksichtsvoll war er nicht weiter in sie gedrungen, nachdem sie ihm so fest und ernst erklärt, sie wolle und könne Beaufort nicht wiedersehen. Zwar bestürmte ihn derselbe nach jedem Besuch bei Margot in der Hoffnung, endlich einmal eine günstige Antwort zu erhalten, und Guido, der dem Freunde seine Hilfe so bereitwillig versprochen, war es wohl schmerzlich, Aristide so leiden zu sehen. Dennoch hatte er bis jetzt nichts erreicht, und fast schien es, als fürchtete er auch, daß Margot vergessen könne, denn auch sein Herz fing an, mehr für das schwergeprüfte junge Mädchen zu fühlen, als er sich es eingestehen wollte und durfte. Er liebte Margot aufrichtig und wußte, daß es Pflicht sei, dies Gefühl zu unterdrücken, und er tat es redlich. Sein Wort wollte er dem Freunde halten, ihm die Braut wieder erobern helfen, das hatte er sich und ihm gelobt— und er war ein Mann, dem sein Wort heilig war und der dem Grundsatz sein Leben lang gehuldigt hatte, daß die Erfüllung einer Pflicht nie über die Kraft des Menschen gehen dürfe. So saß er denn auch heute wieder gedrückt in dem kleinen Zimmer am Bett der Kranken und betrachtete mit prüfendem Blick die entstellten Züge, die nahe Auflösung verkündeten. Margot hatte sich abgewandt. Träne auf Träne rann langsam über das bleiche Gesicht, und die verschlungenen Händen zitterten leise. Da trat der Doktor zu ihr, und die Hand auf ihre Schulter legend, sagte er innig:„Weinen Sie nicht, Fräulein Margot! Sie waren bisher so mutig, so standhaft, harren Sie auch ferner auf dem Posten aus, auf den der Herr Sie gestellt. Gönnen Sie ihr die Erlösung nach so qualvollem Leid— sie würde nie mehr gesund werden können, sondern hilflos und schmerzbeladen sich und andern eine Last sein.“ „Eine Last—? Mir, Herr Doktor? Nie! Doch ich gönne ihr den Frieden und die Erlösung, ich beneide sie fast," fügte sie leise hinzu,„bleibe ich dann doch ganz allein...“ Und neu stiegen ihr die Tränen in die Augen.(Fortsetzung folgt.) Der Dögel Not. )( un senken sich die Nebel schwer, ** Die kalten, auf der Erde Brust— Verstummt ist längst schon ringsumher Der letzte Laut von Herbsteslust. Die Bäume stehen blätterlos, Geerntet ist die reiche Frucht— Dem Döglein winkt ein hartes Los Wenn es umsonst nach Nahrung sucht, Dann bald zehrt sich die Beere rot, Die an dem Baum so schön gereift, Und es beginnt die große Not, Wenn sie der Frost vom Aste streift. Da möcht' vergessen keins ringsher In Einsamkeit, in Dorf und Stadt, Wie's doch so bitter, hart und schwer, Wenn unser Liebling hunger hat. Ihm, der uns stets zur Frühlingszeit Aus sangesfroher Kehle, frisch Sein lieblich=süßes Lied geweiht, Sei stets gedeckt ein kleiner Cisch. Schaut, wie's die Körnchen zierlich pickt Und mit den klaren Aeuglein schaut Zum Geber auf, so froh beglückt, So dankbar und wie längst vertraut. S. Es wird über die guten Zimmervermieterinnen oft mehr oder, weniger berechtigte Klage geführt. Frau Rippies Wichskasten ließ darauf schließen, daß etwaige Klagen bei ihr nicht ganz grundlos waren, denn sie hatte augenscheinlich für sämtliche vier verschiedenfarbige Schuhcreme nur diesen einen einzigen Lappen im Gebrauch und zwar, wie seine vielen ehrenvollen Wunden— alias Löcher— bewiesen, schon ungebührlich lange Zeit in Gebrauch. hafenbauten auf der Insel belgoland. Auch was seine einstmalige Bestimmung gewesen war, konnte niemand mehr ahnen. Jedenfalls führte er jetzt schon seit undenklicher Zeit das Dasein eines Lumpens, und er lieferte den sprechendsten Beweis, daß Lumpen, auch wenn sie noch so lange in der besten Gesellschaft vom siebzigjährigen Militärjubiläum des Prinzregenten Luitpold von Bahern: 1. baßerische feldartillerieregiment in München. eine] Daß er schön wäre, konnte niemand von ihm be ierte haupten. Es gehörte ein mehr als starkes Vorstellungsdaß vermögen dazu, um von ihm glauben zu können, daß er und I früher einmal rein, frisch und glatt gewesen sein mochte. eine ztrikanische Nübschnle.