PerooPoTT — Die„Annener Zeitung" erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Bezugspreis inkl.„Sonntagsblatt“ u.„Humoristische Blätter“. — monatlich 40 Pfg.— — Telephon-Nr. 334.— verbunden mit der„Annener Volkszeitung“. Anzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. = A m t l i c h e s O r g a n. Nr. 121. 1909. Deutsches Reich. — Der Kaiser kehrte am gestrigen Freitag von Hubertus#stock nach dem neuen Palais in Potsdam zurück. Die Jagd##tage des Kaisers haben damit aber noch nicht ihr Ende erreicht. Jagdgast des Kaisers wird beispielsweise demnächst Erzherzog Franz Ferdinand, Oesterreichs Thronfolger, sein. — Fürst Bülow beim Kaiserpaar. Die Meldung vom Berliner Besuche des Fürsten und der Fürstin Bülow zum Geburtstage der Kaiserin ist amtlich bestätigt worden. Dieser Besuch ist das denkbar bündigste Dementi aller der Redereien, die von einer Verstimmung zwischen dem Kaiser und dem vierten Reichskanzler zu erzählen wußten, und insofern auch als ein politisches Ereignis von nicht geringer Bedeutung anzusehen. Norderney hat der Fürst bereits verlassen und weilt z. Z. auf seiner Besitzung Klein=Flottbeck. — Prinz Heinrich XXXIV. Reuß j. L. hat sich mit der Prinzessin Sophie Renata Reuß j. L. verlobt. Der Prinz steht als Leutnant beim 2. Schlesischen Dragonerregiment. — Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg hat seine Dispositionen für die Reise nach Italien auf Wunsch des Königs Victor Emanuel geändert, so däß die römischen Blätter keinen Grund zu Klagen über eine angebliche Zurücksetzung Italiens gegenüber Oesterreich durch Deutschland haben. Der Reichskanzler wollte dem Könige bei seinem Winter=Besuche seine Aufwartung in Racconigi machen. König Dictor Emauel bat jedoch, den Besuch erst im November abzustatten. Da das wegen der Reichstagsverhandlungen unmöglich ist, mußte eine längere Vertagung der Romreise erfolgen. — Die Rektoratsübergabe an der Berliner Universität, die vorgestern abend amtlich vollzogen wurde, wurde gestern Freitag gefeiert. Der alte Rektor der Berliner Universität war Geh. Rat Prof. Dr. Wilhelm Kahl, der neue ist Geh. Rat Prof. Dr. Erich Schmidt. — Große Militär= und Marineforderungen, die von einigen Seiten als unumgänglich bezeichnet werden, wird der neue Reichsetat sicherlich nicht aufweisen. Sparsamkeit ist zur Zeit und auf absehbare Zukunft hinaus die erste Regierungspflicht. Sie wird, so weit wie möglich, überall und auch in der Heeres= und Flotten=Verwaltung beobachtet werden. Samstag, den 16. Oktober. mehren sich aber die Anzeichen dafür, daß auch das Oberhaus einen Bruch verhüten und nachgeben wird. Die Bank von England hat, genau wie die deutsche Reichsbank, den Diskont innerhalb 3 Wochen 2 mal erhöht und ihn soeben auf 4% heraufgesetzt. Der deutsche Zinsfuß ist 5%. Griechenland. In Griechenland dauern Unzufriedenheit und Unsicherheit fort. Die radikalen Parteien verlangen die Einberufung einer Rationalversammlung zur Reform der Verfassung. Der Finanzminister bezifferte die jährliche Minderausgabe Griechenlands infolge der Abstriche am Budget durch die Deputiertenkammer auf 10 Millionen Drachmen. Amerika. Die Amtsenthebung des zum amerikanischen Gesandten in Peking ausersehen gewesenen Millionärs Crane wird von einigen Blättern zum Anlaß einer Deutschenhetze gemacht. Die Blätter behaupten, Amerika habe einen etwas rücksichtslosen Vertreter für den Pekinger Posten darum ins Auge fassen müssen, um den Einfluß Deutschlands in China zu dämpfen! Herr Crane hätte das vermocht, sei aber aus anderen Gründen für den Posten leider nicht qualifiziert gewesen. Der Präsident Taft hat die Akten über den diplomatischen Zwischenfall eingefordert, wird aber zweifellos die Absetzung Cranes billigen. Anzeigegebühr für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Inserate finden bei der großen Auflage der Annener Zeitung weite und billige Verbreitung. — Telephon=Nr. 334.— 25. Jahrgang. Ausland. Frankreich. Große Enttäuschung herrscht unter den Pariser Damen, da laut Beschluß des Gerichtshofes zu den am 3. November beginnenden Verhandlungen des Steinheilprozesses Frauen der Zutritt versagt ist. Der Prozeß der Gattenmörderin Steinheil, die sich rühmt, sogar Loubet, den ehemaligen Präsidenten der Republik, an sich gefesselt zu haben, wird doch zu delikate Sachen ans Tageslicht fördern, sodaß diesmal selbst die französische Galanterie dem weiblichen Geschlecht gegenüber versagen muß. Spanien. Zur Lage. Auf dem Lande haben die spanischen Truppen gegen die Kabylen bisher wenig ausgerichtet und noch ganz neuerdings eine Schlappe erlitten. Sie suchen sich jetzt anscheinend durch eigenartige Manöver zur See Lorbeeren zu erwerben. 2 spanische Kriegsschiffe bombardierten und vernichteten an der Rifküste 40 marokkanische Fischerboote nebst Insassen. Italien. Der Zarenbesuch beim König Diktor Emanuel wird wahrscheinlich am 19. oder 20. d. M. stattfinden. Zu diesem Termin wird sich wenigstens ein französisches Kriegsgeschwader in die italienischen Gewässer begeben, um den Zaren zu begrüßen. Rußland. Der Voranschlag des russischen Budgets beziffert die ordentlichen und außerordentlichen Einnahmen auf 2545 Rubel, die gesamten Ausgaben auf 2630 Millionen Rubel. Die außerordentlichen Ausgaben in Höhe von 120 Millionen dienen vornehmlich der Verbesserung des Heeres und der Eisenbahnen. Schweden. Der Stockholmer Bombenanschlag— zwei Fabrikdirektoren sollten bekanntlich durch eine ihnen anonym zugesandte Höllenmaschine ums Leben gebracht werden— macht noch immer von sich reden. Der der Tat stark verdächtige Londoner Ingenieur Ekenberg beteuert nachdrücklichst seine Unschuld. Ekenberg ist als hochgebildeter Mann in London bekannt und beliebt, er studierte übrigens in Königsberg i. Pr. und machte hier seinen Doktor der Philosophie. Großbritannien. Der Kongreß englicher Geistlicher in Sheffield sprach seine Entrüstung über die unaufhörliche Deutschenhetze Londoner Blätter aus, bei der es sich meistens nur um Ausfälle von Hysterikern oder Alkoholikern handelt. An demselben Tage wurde aber auf einer Versammlung englischer Geistlicher in Northampton ein Brief des Generals Roberts mit Begeisterung aufgenommen, in dem der General die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in England, nach dem Muster derjenigen Deutschlands, dringend verlangt. Die Gerüchte vom bevorstehenden Rücktritt des Finanzministers Lord George werden lediglich als Börsenmanöver angesehen. Der Genannte ist zwar unter allen englischen Ministern der lauteste Rufer im Kampfe um die Steuervorlagen der Regierung, und sein Rücktritt würde die Gegensätze zwischen Konservativen und Liberalen in dieser Angelegenheit mildern. Andererseits Ferrers Hinrichtung. Spanische Blutschuld. Die Gewehrsalve, die am Mittwoch morgen in den Gräben der Feste Montjuich krachte, hat ein gewaltiges Echo geweckt. Weit über Barcelonas Mauern hinaus, das unter der eisernen Fuchtel der rachgierigen Reaktion zittert, weit über die Grenzen Spaniens hinaus hat die Salve, die Francesco Ferrer niederstreckte, die Gemüter gepackt und erschüttert. Und aus allen Ländern, in denen die Kultur, in denen die Gerechtigkeit eine Stätte hat, hallt das Echo wieder, der Schrei der Entrüstung über das jüngste Blutgericht der spanischen Regierung. Ueber die letzten Stunden Ferrers wird berichtet: Ferrer wurde am Dienstag abend in die Kapelle der Burg gebracht. Er verlangte nach seinem Verteidiger, der mehrere Stunden bei ihm verbrachte. Ferrer bewahrte vollkommene Ruhe, nur einmal, als er mit seinem Verteidiger sprach, wurde er von Erregung ergriffen. Abends um 10 Uhr begann er in Anwesenheit eines Rotars sein Testament niederzuschreiben. Ferrer schrieb bis um 5 Uhr morgens; während der ganzen Zeit hatte er weder Nahrung noch Trank zu sich genommen, er schlief keinen Augenblick. Zielt gut, Jungen! Die Füsilierung schildert folgendes Telegramm: Paris, 14. Okt. Gestern um ¾9 Uhr morgens trat der Almosenier in die Zelle der Sühnekapelle, in welcher Ferrer die Nacht verbracht hatte. Ferrer richtete an den Geistlichen die Frage:„Ist es Zeit?“ Auf das bejahende Zeichen des Priesters erhob sich Ferrer und trat mit raschen Schritten aus der Kapelle in den Hof hinaus. Festen Schrittes ging Ferrer nach dem auf der rechten Seite gelegenen Exekutionsplatze zu. Unterwegs begegnete er dem Gouverneur der Festung, der ihn mit seinen Beamten erwartete. An der Festungsmauer angelangt, fragte der Gouverneur, ob der Verurteilte noch eine Bitte habe. Ferrer erwiderte:„Wenn möglich, gestatten Sie mir, nicht niederzuknien und meine Hinrichtung mit unverbundenen Augen vornehmen zu lassen.“ Der Gouverneur bewilligte die Bitte, daß Ferrer aufrechtstehend sterbe. Die Augen ließ er jedoch verbinden. Drei Minuten vor 9 Uhr war die Gruppe auf der Hinrichtungsstätte angelangt; dort umarmte und küßte Ferrer seinen Verteidiger mehrere Male, darauf rief er:„Zielt gut, Jungen!“, kreuzte die Arme übereinander und erwartete die Todessalve. Auf ein Zeichen des die Exekution kommandierenden Leutnants krachten zwölf Schüsse, eine Kugel durchbohrte den Hals, zwei andere den Schädel. Ferrer fiel zu Boden und war sofort tot. Den beiden Geistlichen, die sich kurz vor der Hinrichtung bemühten, Ferrer zur Beichte zu bewegen, erwiderte dieser: „Meine Herren, lassen Sie mich zufrieden. Ich habe meine Ideen und hänge an ihnen und vertrete sie, genau so, wie Sie Ihre Ideen und Ueberzeugungen vertreten!“ Ferrer lehnte jeden religiösen Trost ab. Die Leiche Ferrers wurde sofort nach der Hinrichtung von Ordensbrüdern, die der sogenannten„Bruderschaft der Hingerichteten" angehörten, in den bereitstehenden Sarg gelegt und durch vier Soldaten in die Festung zurückgetragen. Heute früh soll die Leiche auf dem Friedhofe beerdigt werden. Proteste aus aller Welt. Blutige Demonstrationen in Paris. In der ganzen Welt haben gestern anläßlich der Hinrichtung Ferrers Protestkundgebungen stattgefunden. Am machtvollsten, aber zugleich auch am blutigsten, verliefen die in Paris, wo Jaures in einer Extraausgabe der Humanitee einen Aufruf zu Demonstrationen vor der spanischen Botschaft veröffentlichte. Jaures erklärte, Spanien habe dem Gewissen der Welt den Fehdehandschuh hingeworfen. Ferrer und alle Opfer der spanischen Unterdrückung würden gerächt werden. Der Aufruf tat seine Wirkung. Eine mehr als zehntausendköpfige Menschenmenge zog nach dem auf dem Boulevard Courcelles gelegenen Palais der spanischen Botschaft und aus der Menge ertonten ununterbrochen die Rufe:„Nieder mit dem Mörder Alfons!" Selbst das Publikum der Kaffeehäuser und der stillstehenden Straßenbahnwagen sowie der vorbeifahrenden Automobile beteiligte sich an der Manifestation. Das Palais der Botschaft war von einem Polizeikordon umzingelt, der jeden Angriff auf die Botschaft verhindern sollte. Ratürlich kam es bald zu ernsten Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Volksmassen. Durch Steinwürfe aus der Menge wurden der Polizeipräsident Lépine und der Direktor der Munizipalgarde nicht unerheblich verletzt. Ein Polizeibeamter wurde durch einen Revolverschuß getötet, ein Offizier der republikanischen Garde durch einen Schuß in die Schläfe lebensgefährlich verletzt, ebenso auch ein radfahrender Polizist; der Polizeidirektor Thouny, zahlreiche andere Polizisten und Radfahrer, im ganzen etwa 100 Personen, wurden durch Schüsse und Steinwürfe verletzt. Die Manifestationen zählen zu den gewalttätigsten und wildesten, die man in den letzten Jahren in Paris erlebt hat. Es kamen tolle Szenen vor, die den Apachenhäuptlingen alle Ehre machen würden. Man stürzte Gaskandelaber um, öffnete Wasserrohre, die sich auf den Promenaden befanden, und bespritzte die Passanten. Auf dem Boulevard Malesherbes wurden Barrikaden errichtet. Aus den umgestürzten Gaskandelabern schossen die Flammen hoch empor und beleuchteten in schauerlicher Weise das wüste Treiben. Einige hundert Schritte weiter ertönten wieder laute Rufe:„Feuer! Feuer!“ Man hatte zwei Automobilomnibusse aufgehalten, die Passanten zum Aussteigen gezwungen und die Gefährte in Brand gesetzt. Eine andere Gruppe wieder versuchte die Filiale eines Bankgeschäftes, des Comptoir’Eskompte, zu erbrechen, konnte aber noch rechzeitig von der Polizei daran verhindert werden. B 4 Immer wieder versuchte die Menge zum Botschaftspatais vorzudringen, und bis um 1 Uhr nachts dauerten die Tumulte. Eine Reihe von Manifestanten wurden verhaftet; bei vielen von ihnen fand man geladene Revolver und andere Waffen vor. Kundgebungen des Protestes werden ferner gemeldet aus Brüssel, Wien, Prag, Rom, Genua, Turin, Livorno, Lissabon, Montevideo, Buenos Aires. Die Hinrichtung Ferrers ist in verschiedenen Städten mit dem Boykott spanischer Waren beantwortet worden. Der Temps meldet in einer Madrider Depesche, die ihm auf Umwegen zugegangen ist, der Ministerrat habe die Begnadigung Ferrers nicht beantragt, weil dem König Drohungen zugegangen seien; der Minister des Innern habe erklärt, daß er die seit der Verhaftung Ferrers eingegangenen Drohbriefe veröffentlichen lassen werde..553 Matin meldet aus Barcelona, daß gegen den Verteiviger Ferrers bereits eine Untersuchung eröffnet worden sei. Hauptmann Galceran werde vor ein Kriegsgericht gestellt werden und seine unerschrockene Haltung wahrscheinlich mit dem Verluste seines Ranges und einer mehrjährigen Gefängnisstrafe bezahlen müssen. Neue Proteste gegen das spanische Blutgericht. Wien, 14. Oktober. Heute vormittag begann, wie die „Neue Freie Presse“ aus Triest meldet, als Protest gegen die Hinrichtung Ferrers in mehreren Schulen ein Schulstreik. Als die streikenden Schüler auch die Hörer der Rautischen Akademie aufforderten, sich dem Streik anzuschließen, stellte sich diesen der Direktor der Anstalt mit dem Revolver in der Hand entgegen, um sie am Verlassen des Gebäudes zu verhindern. Um 10 Uhr vormittags verließen sämtliche Arbeiter der Werften und des Freihafens die Arbeit. Don vielen Vereinshäusern wehen Fahnen, die mit einem Trauerflor umwunden sind. Die ganze Garnison steht in Bereitschaft, da für den Nachmittag eine Massenkundgebung geplant wird. Lokale und provinzielle Nachrichten. * Annen, 16. Okt.(Feuerwehrsache.) Herk Amtsbaumeister Hose ist einstimmig zum Ehrenchef der hies. freiwilligen Feuerwehr ernannt worden und hat diefé Ehrung angenommen. Auf einmütiges Ersuchen der Wehrleute hat Herr Hose auch zugesagt, sich wieder um die praktische Tätigkeit zu Kummern, wenn er die Wehr auch nicht-öffiziell führen wilt. Im Interesse des Wiederaufblühens=der Wehr ist dieser Entschluß mit Freude zu begrüßen. Eick Schlaug!.. ihen Vereinssale sand —(Artillerie.) Im Fuchsschen Sctemsstuee jauh am Sonntag eine außerordentliche Versammlung des hiesigen Artiuerievereins statt, welche sich eines sehr starken Besuches zu erfreuen hatte. Rach Erledigung mehrerer Vereins= und Verbandsangelegenheiten wurden die eingelaufenen Zeichnungen für die anzuschaffende Vereinsfahne besichtigt und aus den Entwürfen mehrerer' Firmen die der Firma Bonner Fahnenfabrik zur Ausführung bestimmt. An den geschäftlichen Teil schloß sich eine recht gemütliche Nachsitzung an, welche die alten und jungen Schwarzkragen noch ein Stündchen länger zusammenhielt. —(Unfall.) Dem Handlanger G. wurde durch eine umfallende Platte der rechte Fuß derart schwer verletzt, daß G. dem Krankenhause zugeführt werden mußte. (° Annen, 16. Oktbr.(Vergnügungskalender.) Auf die Volksbelustigung auf der Koch'schen Wiese an der Wittenerstraße sei an dieser Stelle aufmerksam gemacht.— Herr W. Kutscher (Union=Restaurant) veranstaltet morgen ein Konzert mit Ball bei freiem Eintritt.— Im Kaisersaal(Joh. Peick) findet morgen nachmittag bei flotter Tanzmusik ebenfalls ein großer Ball statt. Auf den morgen stattfindenden Ausflug des S. G. V. sei hiermit nochmals nachdrücklichst hingewiesen. § Annen, 16. Oktober.(Stadttheater in Dortmund.) Am Sonntag, 17. findet als Nachmittags=Vorstellung eine Wiederholung des lustigen Moser'schen Schwankes„Der Bibliothekar“ statt, der allen Freunden der heiteren Muse Gelegenheit bietet, sich einige Stunden auf das Köstlichste zu amüsieren und den wir allen denen, die einmal recht herzlich lachen wollen, auf das Beste empfehlen können. Am Montag wird Sudermanns„Ehre“. gegeben. Dieses Schauspiel, wie auch sein„Johannisfeuer“, das am Mittwoch erstmalig in dieser Spielzeit zur Aufführung gelangt, zählen zu den besten Werken des Dichters und bedürfen keiner besonderen Empfehlung. So recht aus dem Leben gegriffen, üben beide Dramen die nachhaltigste Wirkung aus und halten das Publikum vom Anfang an bis zum packenden Schluß im Bann. Freitag gelangt das gewaltige Shakespearesche Drama„Macbeth“ zum ersten Male im neuen Haus zur Aufführung. Da das Werk große szenische und darstellerische Anforderungen stellt, so steht mit dieser Aufführung dem Schauspiel eine ebenso interessante, als schwierige Aufgabe bevor, der wir mit großer Aufmerksamkeit entgegenblicken dürfen. Am Sonntag, den 24. Nachmittags geht Thoma's effectvolle satirische Komödie„Moral“ zu ermäßigten Preisen in Szene, auf die wir heute schon empfehlend hinweisen. § Annen, 15. Oktober.(Der Kartoffelkrebs), eine Kartoffelkrankheit, die erst seit einiger Zeit sich in Deutschland bemerkbar macht, ist neuerdings um Elberfeld aufgetreten. Vom Kartoffelkrebs befallene Kartoffeln sind, wie der„Köln. Ztg.“ geschrieben wird, giftig und ihr Genuß zieht schwere gesundheitliche Schädigungen nach sich. Kennzeichen des Kartoffelkrebses sind warzen= und blumenkohlartige Wucherungen, die an den Knollen und zwar besonders an den Augen und Ansatzstellen entstehen. Annen.(Ein neues Schlafmittel) ist nach der„Frankf. Ztg.“ von einem von der Schlaflosigkeit geplagten ganz per Zufall entdeckt worden. Der Mann entdeckte einst, daß seine Rasenschleimhaut wie ausgedörrt war, sodaß das Atmen erschwert wurde. Er nahm Wundwatte,(keine Salizylwatte), tauchte diese in reines Wasser und steckte sie in die Rase. Das Mittel half und hatte sogar die überraschende Wirkung, daß bald Müdigkeit eintrat. Durch fortgesetzte Anwendung hat sich der Mann gänzlich von der Schlaflosigkeit kuriert. § Annen, 15. Oktober.(Beerdigung mit Musik und das neue Vereinsgesetz.) Eine interessante und für weite Kreise wichtige Entscheidung fällte dieser Tage die Strafkammer des Dortmunder Landgerichts als Berufungsinstanz. Es handelt sich um die Frage, ob bei Leichenbegängnissen der An= und Abmarsch als ein Teil der Beerdigung anzusehen ist oder nicht. Diesen Streitfall fechtet ein christlicher Knappenverein in Nieder=Massen aus. Der Vorstand des Vereins war von der Polizei, die den An= und Abmarsch als einen der polizeilichen Genehmigung unterliegenden öffentlichen Aufzug betrachtete, in eine Geldstrafe genommen worden. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung, weil angenommen wurde, daß der An= und Abmarsch zum Sterbehause bezw. vom Friedhofe als ein Teil des Leichenbegängnisses anzusehen sei. Die Strafkammer konnte sich dieser Auffassung auf Grund des neuen Vereinsgesetzes nicht anschließen und erkannte auf die gesetzlich niedrigst zulässige Strafe von 3 Mark. Die Berufungskammer steht auf dem Standpunkt, daß nur dann von einem Leichenbegängnis die Rede sein könne, wenn die Leiche sich im Zuge befinde, alle anderen Rebenumstände aber nicht unter den Begriff„Leichenbegängnis“ gebracht werden können. Nach dieser Entscheidung ist es den Vereinen, die bisher nach dem Sterbehause und vom Friedhofe mit Musik zogen, nicht mehr gestattet, auf diesen Wegen weder mit Fahne in geschlossenem Zuge zu marschieren, noch die Kapelle spielen zu lassen.— Anmerk. der Redaktion: Das ist eine sonderbare Entscheidung, die wir schlechterdings nicht verstehen können. § Annen, 15. Okt.(Stempelpflicht bei Sparkassen.) Es haben vielfach Zweifel darüber bestanden, ob der Inhaber eines Sparkassenguthabens, wenn er von letzterem irgend eine Summe abhebt, stempelflichtig sei. Um diese Zweifel aus der Welt zu schaffen, wandte sich Reichstagsabgeordneter Dr. MüllerMeiningen mit einer Anfrage an das Reichsschatzamt. Ihm wurde laut„Doss. Ztg.“ die Mitteilung gemacht, daß die Quittung eines Sparkassenkontoinhabers bei Rückzahlungen aus seinem Guthaben nur dann steuerpflichtig sei, wenn der betr. Sparkasse die sog. passive Scheckfähigkeit zukomme. Wann dieser Fall vorliegt, darüber holt man sich am besten bei der Behörde selbst Auskunft. Wenn aber, das sei ausdrücklich hervorgehoben, von einem Sparkassenguthaben. eine Suume abgehoben wird, ohne daß der Inhaber eine Bescheinigung ausstellt, dann ist, wie die Begründung des Scheckstempel=Gesetzentwurfs ausdrücklich angibt, von einer Stempelpflicht von vornherein keine Rede. § Annen, 15. Oktober.(Ueber die deutsche Sprache) hat der Pariser Schriftsteller Bertrand eine lange und gelehrte Abhandlung erscheinen lassen, in der er nachzuweisen sucht, daß sich das Studium der deutschen Sprache für niemand lohne, die Sprache werde uur von einem beschränkten Teil der Bevölkerung Europas gesprochen und eigne sich als Weltsprache garnicht. Hoffentlich lernen die 73 Millionen Reichsdeutsche und DeutschOesterreicher nun nicht gleich Französisch, wenn sie hören, wie schlecht ihre Muttersprache ist! (Hortietzung in der halben Velage: hat einen märchenhaften Umsatz. 20 Millionen Stück ist der Wochenverbrauch. Uber die ganze Erde ist Sunlicht-Seife verbreiter. Dieser enorme Consum ist aber das beste Zeugnis, welches diesem hervorragenden Fabrikat ausgestellt werden kann, das überall in sters gleichbleibender Güfe zu haben ist! Gesucht wird von einer modernen Hausfrau für sich und ihren Mann— der angestrengt geistig zu arbeiten hat— und für ihre 4 Kinder ein durchaus unschädliches, dabei aber wohlschmeckendes und sehr billiges Hausgetränk. Es muß selbst bei täglichem Genuß sowohl von den Erwachsenen als auch von den Kindern gut vertragen und gern getrunken werden. Ein solches Getränk gibt es schon seit 20 Jahren, es heißt— Kathreiners Malzkaffee. Mau hüte sich vor Nachahmungen! 9 Desdenbentenbestenbestenterde, vienterterterde. 2 Statt jeder besonderen Anzeige. 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 Die Verlobung ihrer Tochter Hedwig mit Herrn Carl Peine aus Elberfeld beehren sich ergebenst anzuzeigen. Wilb. Dittmar und Frau Marie Dittmar geb. Zick. Annen, im Okt. 1909. Hedwig Diftmar Garl Peine Verlobte. Annen. Elberfeld. 25 8 8 5 5 8 85 5 85 6 TTTM · · Eräftin gibt K schwachen Suppen, Saucen, Gemüsen etc. Sehr ausglebig. Angelegentl. empfohlen von Wilh. Kuck, Inhaber Math. Ehrhard. Würze Trotz Erhöhung der Welngeiststeuer stellen sich die aus den beliebten Dr. Mellinghoff’s Essenzen selbstbereiteten Liköre, Kognak, Rum und Arrak ähnliche Getränke, nur auf 1 M. 10 Pf. bis 1 M. 50 Pf. das Liter. Dr. Mellinghoffs Tafel-Likör-, Limonaden- und Pansch-Essenzen In Originaltlaschen à 75 PI. sind, wie jeder Kenner der Verhältnisse weiss, die ältesten, im Gebrauch die ausgiebigsten und bewährtesten. 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Bau-, Landbau-, höh. und mittl, Maschinenbau-, Ziegler-, Helzer-, Elektreschule. Satzung, kostenf. 5 Beg. Anf.Nov. Vorunterr. Anf.Okt. Die Firma Vaupel& Petermann zu Annen hat die Genehmigung zur Ansiedelung auf dem außerhalb einer im Zusammenhange gebauten Ortschaft in der politischen Gemeinde Annen(Ardeystraße) belegenen Grundstücke Flur XIV Parzelle 160/28 der Katastergemeinde Annen beantragt. In Gemäßheit des§ 16 des s vom 25. August 1876 Gesetze von 10. August 1904 bringe ich diesen Antrag mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß gegen denselben von den Eigentümern, Nutzungs=, Gebrauchsberechtigten und Pächtern der benachbaiten Grundstücke innerhalb einer Ausschlußfrist von 21 Tagen bei der Genehmigungsbehörde, dem Kreisausschuß Hörde, Einspruch erhoben werden kann, wenn der Einspruch durch Tatsachen begründet wird, welche die Annahme rechtfertigen, daß die Ansiedelung den Schutz der Nutzungen benachbarter Grundstücke aus der Land= oder Forstwirtschaft, aus dem Gartenbaue, der Jagd oder der Fischerei gefährden werde. Annen, 16. Oktober 1909. Der Gemeindevorsteher: Wollenweber. Veranntmachung. Gemäßheit des Gesetzes vom 2. Juli 1875, betreffend die Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen, sind für das Gelände im Dorney in der Gemeinde Stockum mit Zustimmung der Gemeinde=Vertretung und der Ortspolizeibehörde, sowie nach Anhörung der Amtsverwaltung von Lütgendortmund bezüglich des von der Baufluchtlinien=Festsetzung betroffenen Teils der Gemeinde Kley Baufluchtlinien festgesetzt worden. Der Plan liegt von heute ab vier Wochen lang im Bureau der Meldestelle in Stockum zu jedermanns Einsicht offen. Etwaige Einwendungen gegen denselben sind innerhalb dieser präklusivischen Frist bei dem Gemeindevorstand in Stockum anzubringen. Stockum, 13. Oktober 1909. Der Gemeindevorsteher: Schlenkermann. Reinecke, Mannoner. irieurblkel. HSchlinck& Cis--Hamburg-Mannheim aum Gemachten empfehle ich alle Gewürze auf eigener Mühle stets frisch gemahlen, Salpeter, Bindfaden, Därme etc. Em. Haarmann Volks Bücherel zu Annen. (Im Anbau des Amtshauses) Eingang vom alten Gebäude aus. 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Hagen, Wirtschaft wu Inhalt gestohl tigen Mannes Zeit seines L Verhaftete au seinem Strum Polizei noch nur, 5 Mark Dieb einfach Gevelsb Sohn des Fa Er hatte anst Rachbarn herl Jungen erstick Haspe, Magistratsver 25 Redaktion, Druck und Verlag von Fritz Küching, Aunen. Drittens lassen und mit Damit Ihnen Festhalten der kein baares Newyork, wor insofern sich 25,000 Mark, wenn Sie in das heißt, E jener Summe denen ich nicht Thomas aber mit vor als Neubert ihn hin. „Und wei einzugehen?“ bestehen bleibe „Dann.“ zunächst ersucht wenn Sie alsd zu werden, so ein wenig auf noch nicht verj Mit einer Papiere auf de 1. Hier ist Brief, ich füge „Run ja, Mensch sind,e Papiere sorgft schrank verschlo auf und über daß es ihm dr Leben dort nich 4.„Vielleicht Thomas mit hinter sich zusah Seitdem( gegnet war, ha wie er sie bei dlaubte sie jetz schöpf jemalsh eingeredet zu h küheren Zune Mals ihr Bil und so unbesch Sueri. ate, un Aszm, daß schaftlich liebe. OO„ 5 Nr. 121. 1909. S Annen, 16. Ott.(Auch die Sese wird teuter.) Man schreibt uns:„Die Seifenfabrikanten haben sich infolge der neuerdings in so unerwarteter Weise eingetretenen außerordentlichen Preissteigerung der einschlägigen Oele gezwungen gesehen, eine Erhöhung der Seifenpreise eintreten zu lassen. Die Lage der Seifenindustrie bleibt trotzdem zur Zeit eine außerordentlich ungünstige.“ Stockum, 15. Okt.(Beigelegter Wahlkonflikt.) Für den verstorbenen Gemeindeverordneten Ostermann, gewählt von der ersten Abteilung, fand zu Anfang dieses Jahres eine Ersatzwahl statt. Hiebei stand die Partei der Landwirte derjenigen der Gewerbetreibenden gegenüber. Es wurde der Kandidat der Landwirte gewählt. Die Gemeindevertretung wies den gegen die Wahl eingelegten Protest, der sich darauf stützte, daß den Wählern der Gewerbetreibenden die Einsicht in die Wählerliste verweigert worden sei, zurück. Hiergegen wurde Klage beim Kreisausschuß erhoben. In dem jetzt stattgefundenen Verhandlungstermin nahm die unerquickliche Angelegenheit jedoch ein rasches Ende. Nachdem zwei Zeugen im Sinne der Klage ausgesagt hatten, nahm der Kläger um des lieben Friedens willen trotzdem die Klage zurück. X Rüdinghausen, 16. Okt.(Konzessions=Erteilung.) Dem Wirt Herrn Lud. Driefer hierselbst ift die Genehmigung zur Verlegung seiner Wirtschaft nach der Kreisstraße=vom Kreisausschuß Hörde erteilt worden. Diese Verlegupg“war auch ein wirkliches Bedürfnis und wird dieselbe gewiß ein jeder begrüßen. Wie man hört, soll dort ein der Zeit entsprechender Neubau errichtet werden. Das jetzige Lokal hal der Herr Metzgermeister H. Schulte gekauft, welcher dasetbst eine Metzgerei nebst Wurstfabrik mit elektr. Betrieb einrichten wird. Dortmund, 14. Okt.(Von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren) wurde in Lünen der 34 Jahre alte Fuhrmann Hermann Holtmann. Er hatte sich auf die Deichsel seines Holzwagens gesetzt und kam zu Fall. Ein Vorderrad zermalmte ihm die Schädeldecke, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat. Dortmund, 15. Okt.(Typhus.) In Dortmund und in der Umgebung sind in den letzten Tagen Typhuserkrankungen auffallend zahlreich aufgetreten. In Lünen allein sind 8 Erkrankungsfälle zu verzeichnen. Fälle mit tödlichem Ausgang sind bisher felten. Hagen, 15. Okt.(Ein Geldschlucker.) In einer hiesigen Wirtschaft wurde einem Arbeiter ein Portemonnaie mit 35 Mk. Inhalt gestohlen, und es erfolgte die Verhaftung eines verdächtigen Mannes, von dem sich herausstellte, daß er die größte Zeit seines Lebens im Zuchthause zugebracht hatte. Als der Verhaftete auf der Polizeiwache durchsucht wurde, fand man in seinem Strumpf 20 Mark, und schließlich entdeckte die findige Polizei noch in seinem Munde 15 Mark. Es gelang jedoch nur, 5 Mark zu retten, denn ein Zehnmarkstück schluckte der Dieb einfach hinunter. Gevelsberg, 14. Okt.(Erstickungstod.) Der 4jährige Sohn des Fabrikarbeiters Beate ist gestern im Feuer erstickt. Er hatte anscheinend im Stalle ein Feuer angezündet. Als Rachbarn herbeieilten, um das Feuer zu löschen, fanden sie den Jungen erstickt. Haspe, 15. Okt.(Der Streit um die Bürgermeister= und Magistratsverfassung) zeigte dieser Tage folgendes ergötzliches Geschichtchen. In einer Kneipe an der Ennepestraße hatten es sich zwei derbe, alte Westfalen hinterm Biertisch gemütlich gemacht. Die Ellenbogen breit auf den Tisch gestützt, bliesen sie sich aus ihren kurzen Pfeifen dichte Rauchwolken zu, ein sichtbares Zeichen, daß es ihnen nicht leicht wurde, den Beschluß der Stadtvertretung zu begreifen. Daß die Magistratsverfassung für Haspe nichts sei, darüber waren sie sich einig, aber daß man durchaus einen neuen Bürgermeister haben wollte, das wollte ihnen nicht in den Sinn.„Ja,“ sagte der Aufgeklärtere der beiden,„Se wet en Jurist hewwen, dat es dä Sake.“„Hm, hm,“ nickte der andere bedächtig. Nach einer Pause:„Du, wat es egentlich en Jurist?“—„Hat west du nit?— Dat es en Mann, weker im Summer op de Alpen stiegt!“ Haspe, 14. Okt.(Schweres Roheitsverbrechen.) Gestern früh wurde in der Oege am Wege liegend eine 78jährige Frau aus Wetter bewußtlos aufgefunden. Man nahm anfänglich an, daß die Frau erschöpft zusammengebrochen sei. Wie nun aber die ärztliche Untersuchung ergab, sind der Frau schwere Verletzungen am Unterleib beigebracht worden, die von verbrecherischer Hand ausgeführt worden sind. Heute vormittag weilte hier eine Gerichtskommission zur Untersuchung. Der Täter ist noch unbekannt. Die Frau hat das Bewußtsein noch nicht wieder erlangt. Bochum, 14. Okt.(Unsichere Kantonisten.) Die hiesige Strafkammer verurteilte 13 Personen, die sich durch die Flucht der Militärpflicht entzogen haben, zu ie 160 Mark Geldstrafe. Anna, 14. Okt.(Das Fest der Eisernen Hochzeit) konnten die Eheleute Maschinenwärter Johann Drücke von hier begehen. Der Mann ist 93, die Frau 86 Jahre alt, sie sind noch recht rüstig. Münster, 15. Okt.(Die Landesversicherungsanstalt Westfalen) hat im Jahre 1908 wiederum ein äußerst günstiges Ergebnis erzielt. Sie nahm an Beiträgen über 9 Millionen Mark ein, während an Renten noch nicht 5 Millionen zu zahlen waren. Für das Heilverfahren wurden rund 900000 Mark ausgegeben. Die reinen Verwaltungskosten betrugen rund 400000 Mark; dazu kamen 200000 Mark für Erhebungen, Revisionen und Kontrolle. Einschließlich 2½ Millionen Zinsen aus Kapitalanlagen betrug 1908 die Gesamteinnahme 13 Millionen Mark, denen eine Gesamtausgabe von 7 Millionen gegenüberstand. Das Vermögen der Anstalt beträgt 76½ Millionen Mark. Essen, 14. Okt.(Folgenschwerer Ausgang einer Vereinsfestlichkeit.) In der benachbarten Gemeinde Schonnebeck veranstaltete ein Verein eine Vereinsfestlichkeit. Zwischen verschiedenen Teilnehmern brach ein Streit aus, der schließlich zu einer Revolverschießerei wurde, wobei ein junger Mann durch vier Revolverschüsse getroffen und getötet wurde. Der Täter ergriff die Flucht; die Freunde des Erschossenen verfolgten ihn jedoch und verletzten ihn durch Messerstiche so schwer, daß er nach kurzer Zeit starb. In der Angelegenheit sind schon vier Verhaftungen erfolgt, weitere stehen bevor. Bottrop, 14. Okt.(Blutige Hochzeit.) Die Tochter des Invaliden Wiazocka feierte hier ihre Hochzeit. Als vor dem Hause ein Tumult entstand, stürzte Wiazocka aus dem Hause und erschlug ohne weiteres mit einem Hammer den zufällig vorbeikommenden Bergmann Zahlowki, außerdem verletzte er zwei andere Personen schwer. Der Täter ist verhaftet. Quisburg, 15. Okt.(Sich selbst gestellt.) Der hiesigen Polizei selbst gestellt hat sich der Reisende Scholz, der bei der Getreidefirma Eickelbaum angestellt war und vor etwa drei Wochen nach Holland flüchtete, nachdem er bei der genannten Firma Unterschlagungen von etwa 6000 Mk. gemacht hatte. Den größten Teil des Geldes hatte er für Anschaffungen für ein hiesiges Mädchen, mit dem er ein Verhältnis unterhielt, aufgewendet, der er vor seinem Verschwinden noch 1000 Mk. in bar gab. Eine in der Wohnung des Mädchens vorgenommene Haussuchung förderte noch 900 Mk. zutage. Scholz ist zum zweitenmale verheiratet. Köln, 14. Okt.(Echt Kölnisch.) Eine feuchtfröhliche Wette fand in einem Weinhause am Laurenzplatz ihren Austrag. In der Unterhaltung am Stammtisch kam die Rede auch aufs Tanzen. Ein älterer Herr erbot sich,„wenn jett för de ärm Schullkinder dobei dran erut kütt“, auf dem Stammtisch einen Solowalzer zu tanzen. Sofort wurde gewettet und alsbald lag ein ansehnliches Sümmchen auf dem Tisch. Unter dem Jubel der Freunde bestieg der 60jährige Solotänzer den Tisch und tanzte unter provisorischer Musikbegleitung die angebotenen Runden in tadelloser Weise. Das Tanzgeld wurde sofort der Büchse des Zigarrenabschnittsammelvereins überwiesen und das Ereignis dann in gebührender Weise gefeiert. Köln, 13. Okt.(Verbrüht.) Zwei Kinder einer hiesigen Familie fielen in einem unbewachten Augenblick während des Spielens in ein Kübel heißen Wassers. Der sechsjährige Knabe verstarb alsbald, während das siebenjährige Schwesterchen mit schweren Brandwunden ins Hospital geschafft werden mußte. Krchen(Sieg), 14. Okt.(Unterschlagung.) Der bei einer hiesigen Fabrik angestellte Buchhalter Kollhoff ist unter Mitnahme von 5000 Mark flüchtig geworden und hat seine Familie im Stich gelassen. Er war der Nachfolger des kürzlich wegen Unterschlagung verurteilten Buchhalters Emde, der ebenfalls einige tausend Mark Gelder derselben Firma an sich gebracht hatte. Heinsberg, 15. Okt.(Tod durch Verbrennen.) Im benachbarten Dremmen hatte eine Arbeiterfrau ihr 3jähriges Kind zu Bett gebracht und war dann wieder an die häusliche Arbeit gegangen. Plötzlich hörte sie Gepolter und Geschrei aus dem Schlafzimmer. Sie eilte herbei und fand das Bettchen des Kindes und auch dieses in hellen Flammen stehen. Es gelang der Frau zwar bald, das Feuer zu ersticken, jedoch starb das Kind nach wenigen Stunden. Koloniales. In unseren Kolonien mangelt's bekanntlich noch immer an weißen Frauen. Um dem Uebelstande etwas abzuhelfen, werden den Beamten, Militärpersonen und Regierungsangestellten jetzt Beihilfen für die Ausreise und Heimreise ihrer Familienangehörigen gewährt. Dadurch wird den Beamten natürlich die Gründung eines Ehestandes bedeutend erleichtert. Ein Ersatz für Baumwolle soll in den Fasern einer in den deutschen Kolonien wachsenden Pflanze,„Calotropis proccra“ genannt, ebenso in den Fasern des Kapokbaumes gefunden worden sein. Eine Chemnitzer Weberei hat bereits Versuche zur Verwebung der Fasern gemacht, die ein befriedigendes Resultat Das Enteltino. Von G. Struder. (Nachdruck verboten.) Drittens verpflichten Sie sich, diese Gegend sofort zu verlassen und mit dem nächsten Dampfer nach Amerika zurückzureisen. Damit Ihnen aber die Eingehung dieser Verpflichtung und das Festhalten derselben möglichst erleichtert werden, gebe ich Ihnen kein baares Geld, sondern einen Brief an mein Bankhaus in Newyork, worin ich dasselbe ersuche, dem Herrn Richard Thomas, insofern sich derselbe persönlich mit dem Briefe dort einfindet, 25,000 Mark, also cirka 6000 Dollars, auszuzahlen. Also nur, wenn Sie in Person zu dem Herrn kommen, erhalten Sie Geld, das heißt, Sie müssen von hier abreisen, um in den Besitz jener Summe zu gelangen. Das sind meine Bedingungen, von denen ich nicht abgehe, und nun entscheiden Sie sich.“ Thomas hatte diese stellenweise sehr derbe Rede schweigend, aber mit vor Zorn und Aerger funkelnden Augen angehört. Jetzt, als Neubert geendet, sprang er auf und stellte sich dicht vor ihn hin. „Und wenn ich mich nun weigere, auf Ihre Bedingungen einzugehen?“ fragte er heftig.„Wenn ich auf unserem Kontrakte bestehen bleibe?“ „Dann," versetzte Reubert ruhig,„dann werde ich Sie zunächst ersuchen, die Türe von außen hintersich zuzumachen, und wenn Sie alsdann später versuchen sollten, mir irgendwie lästig zu werden, so werde ich mir die Freiheit nehmen, die Polizei ein wenig auf Sie aufmerksam zu machen. Der Straßenraub ist noch nicht verjährt, mein Bester.“ Mit einer heftigen Bewegung schleuderte Thomas ein Päckchen Papiere auf den Tisch und dann sagte er: „Hier ist Alles, was Sie wünschen. Schreiben Sie mir den Brief, ich füge mich.“ „Run ja, ich wußte ja doch, daß Sie ein verständiger junger Mensch sind, erwiderte Reubert in bester Laune, worauf er die Papiere sorgfältig durchsah und sie hierauf in seinem Kassenschrank verschloß. Alsdann setzte er den Kreditbrief für Thomas auf und übergab ihm denselben mit dem freundlichen Wunsch, daß es ihm drüben recht wohl ergehen, und daß er sein junges Leben dort nicht am Galgen beschließen möchte. 2.„Vielleicht hören Sie vorher nochmals von mir,“ rief ihm Thomas mit einem haßerfüllten Blicke zu, worauf er die Türe hinter sich zuschlug und die Treppe hinunter eilte. 11. Kapitel. Seitdem Graf Lindenberg Irma mit ihrem Großvater begegnet war, hatken die Gedanken an das charakterlose Mädchen, wie er sie bei sich nannte, nicht aufgehört, ihn zu quälen. Er zaubte sie jetzt verabscheuen zu müssen, daß er ein solches Geschöpf jemals hatte heiraten wollen, aber wenn er es sich genügend eingeredet zu haben vermeinte, daß diese Gefühle an Stelle der früheren Zuneigung getreten seien, dann stellte sich mit einem Male ihr Bild vor seinem geistigen Auge ein, wie sie so schön und so unbeschreiblich reizend und anmutig in dem Wagen gelessen hatte, und dann gestand er sich zuletzt mit Scherz und mit Ingrimm, daß er jenes Mädchen noch immer tief und leidenschaftlich liebe. Wäre er ein stärkerer Charakter gewesen, so hätte er es wenigstens versucht, gewaltsam jede Erinnerung an die„Unwürdige“ aus seinem Herzen zu reißen, aber hierzu war er eben nicht im Stande. Widerstandslos überließ er sich den sich ihm unaufhörlich aufdrängenden Erinnerungen an das schöne Mädchen, und je mehr er an sie dachte, desto stärker wurde seine Sehnsucht, dasselbe wenigstens noch einmal wiederzusehen, sich in den Blick ihrer Augen zu versenken und ihr dann das Berächtliche ihres Benehmens in energischen, sie wie mit Keulenschlägen treffenden Vorwürfen vorzuhalten. Und noch waren keine vierundzwanzig Stunden seit der letzten Begegnung verflossen, da war jenes Verlangen so stark in ihm geworden, daß er ihm nicht länger zu widerstehen vermochte. Auf der Billa war es ohnehin unerträglich geworden, da der Baron und seine Gemahlin seit dem Besuchein Rübenheim äußerst niedergeschlagen waren und sich eigentlich zu Richts mehr aufgelegt zeigten, und auch dieser Umstand trug nicht wenig dazu bei, daß der Graf den Entschluß faßte, der Billa einmal den Rücken zu kehren und sich in Rübenheim umzusehen, ob ihn dort nicht vielleicht der Zufall mit Irma zusammenführen würde. So trat er denn am Tage nach der letzten Begegnung des Nachmittags den Marsch nach dem Dorfe an. In der Hand trug er einen schweren Stock, den er sich für den Fall mitgenommen hatte, daß es mit seiner Rückkehr etwas spät werde, und so wanderte er, ganz in seine Gedanken versunken, und ohne auf den Weg weiter zu achten, langsam dahin. Dabei geschah es denn, daß er auf einen verkehrten Weg geriet, und als er endlich seinen Irrtum einsah, gebrauchte er beinahe eine ganze Stunde, ehe er auf den richtigen Weg zurückgekehrt war. Darüber war es allmählich so spät geworden, daß er sich überlegte, ob es nicht besser sei, den beabsichtigten Gang auf einen andern Tag zu verschieben, aber schließlich siegte doch die Sehnsucht über alle Bedenken, und entschlossen setzte er den Weg weiter fort. Als er am Ende des Waldes angelangt und also nur mehr zehn Minuten von dem Dorfe entfernt war, setzte er sich auf einen Chausseestein, um sich nochmals in aller Ruhe zu überlegen, was er nunmehr tun sollte. Während er hierbei vor sich auf die Erde starrte, fiel sein Blick zufällig auf einen neben Chausseesteine liegenden Brief, und gleichgültig hob er denselben auf und betrachtete sich das Couvert. Aber seine Interesse wurde sofort geweckt, als er auf demselben die Aufschrift Herrn R. Thomas in Rübenheim las, und ohne daran zu denken, daß er eine arge Indiskretion beging, entfaltete er den Brief, der folgenden Inhalt hatte: Herr Thomas! Nachdem Sie von uns weggegangen waren, habe ich mir Ihren Vorschlag mit meiner Frau nochmals überlegt und nehme denselben an. Werde also morgen abend um 7 Uhr an der bezeichneten Stelle halten und einen starken Mann mitbringen, der das Fräulein schon bändigen soll. Verlange aber, daß mir die 500 Mark vorher ausbezahlt werden, wogegen meine Frau bereit, das Frauenzimmer bei sich unterzubringen und es schön zahm zu machen. Werde also morgen da sein, mit einem guten, zweispännigen Wagen. Es grüßt Sie Sie wissen schon wer. Der Poststempel zeigte, daß der Brief gestern abend um 11 Uhr in der nahen Stadt aufgegeben und daß also das Unternehmen für heute geplant war, aber wer mochte wohl das Frauenzimmer sein, gegen welches hier etwas im Schilde geführt wurde? Mein Gott!" rief Robert plötzlich aus, indem er erregt aufsprang,„wen kann der Schreiber dieses Briefes sonst wohl meinen, als Irma, welche von Thomas ja ohnehin stets verfolgt worden ist? Zweifellos ist sie gemeint, es ist da ein Schurkenstreich im Werk, und dem muß unbedingt vorgebeugt werden. Alle seine Erbitterung gegen Irma waren in diesem Augenblicke vergessen, er dachte nur an seine Pflicht, die ihm gebot, dem gefährdeten Mädchen zur Hilfe zu eilen und es zu warnen und ohne Verzug setzte er daher in schnellem Schritte seinen Weg nach dem nahen Dorfe weiter sort. Ungeduldig riß er an der Schelle der Reubertschen Wohnung, die er sich von einem Jungen hatte zeigen lassen, und frug aufgeregt die ihm öffnende Frau Reiz, ob er den Hausherrn sprechen könnte. „Das wird schwerlich angehen,“ erwiderte dieselbe,„denn Herr Neubert hat soeben eine Depesche bekommen und steht im Begriffe, zu verreisen.“ „Aber ich muß ihn unbedingt sofort sprechen,“ wiederholte Robert stürmisch.„Sagen Sie dem Herrn, es hinge außerordentlich viel für ihn und für— das Fräulein von der Unterredung ab, und ich sei eigens zu dem Zwecke hierhingekommen, um ihm eine sehr dringende Mitteilung zu machen.“ „Ich will es dem Herrn sagen,“ entgegnete Frau Reiz phlegmatisch, und einige Augenblicke später kam sie mit der Meldung zurück, daß Herr Reubert ihn erwarte. Dieser empfing den Grafen ziemlich unwirsch. „Wenn Sie mir etwas mitzuteilen haben, so beeilen Sie sich, sprach er ungeduldig.„Ich erwarte jeden Augenblick meinen Wagen, und dann muß ich sofort abreisen.“ „Bitte, lesen Sie einmal diesen Brief," versetzte der Graf, indem er das an Thomas gerichtete Schreiben hervorzog. Reubert hatte kaum einen Blick auf dasselbe geworfen, als sich die größte Erregung auf seinen ehernen Gesichtszügen ausprägte und ein lauter Fluch seinem Munde entfuhr. „Der Schurke“ rief er aus,„also darauf lief seinegletzte Drohung hinaus, und deshalb erhielt ich auch vorhin die Depesche, die jedenfalls gefälscht ist. Aber ich werde Dir Deinen sauberen Plan versalzen, Hallunke, es soll die letzte Schandtat sein, die Du begehen wolltest. Ihnen, Herr Graf, danke ich herzlichst, Sie haben uns vor einem vielleicht entsetzlichen Unglück bewahrt.“ Damit drückte er dem Grafen so kräftig die Hand, daß diesem beinahe ein Ausruf des Schmerzes entschlüpft wäre und er unwillkürlich mit scheuer Ehrfurcht zu dem trotz seines Alters noch immer so ungemein starken Manne emporblickte. Fortsetzung folgt. Bedenklich.„Was mache ich bloß mit meinen grauen Haaren! Ob das Haarfärben wohl gefährlich ist?“—„Freilich sehr! Ich hatte einen Bekannten in Ihrem Alter, der tat es auch, und schwupp— war er mit einer Witwe mit sechs Kindern verheiratet.“ zeitigten. Ob dem neuen Pflanzenstoff erhöhte Bedeutung zukommt, ob er gar der Baumwolle Konkurrenz machen wird, mus abgewanet werden. Volkswirtschaft, Handel und Industrie. Dem Bierkriege ist im allgemeinen der Bierfriede gefolgt. Wo aber in vereinzelten Ausnahmefällen Brauereien oder Gastwirte einen ungebührlichen Extra=Aufschlag erheben, da werden ihnen die Zähne gewiesen. So erließ in München-Gladbach das Kartell der christlichen Gewerkschaften eine Boykotterklärung gegen alle Wirte, die Biergläser von zwei Zehntel Liter führen. Da wird also bald ein Ausgleich erfolgen müssen. Ueber die Tabakindustrie und die in dieser auf Grund der neuen Steuern erfolgten Arbeiterentlassungen finden z. Z. amtliche Erhebungen statt, die von dem Reichsschatzamt angeregt wurden. Es handelt sich dabei um die Gewinnung eines Maßstabes für die Verteilung des 4 Millionen=Fonds an beschäftigungslos gewordene Arbeiter. Die Einrichtung eines arbeitsnachweises fur oas ganze rheinisch=westfälische Steinkohlen=Bergbaugebiet durch das Kohlensyndikat verdient als eine sozialpolitische Tat um so höher gewertet zu werden, als gleichzeitig die bekannten„schwarzen Listen“wegfallen werden. Aus dem Gerichtssaal. Hagen, 14. Okt. Das Schwurgericht hatte sich mit einer Falschmünzer=Angelegenheit zu beschäftigen, die vor einiger wegen der darin verwickelten, hier sehr bekannten Personen großes Aussehen erregte. Angeklagt waren die Kaufleute Kaspar Koch, Wilhelm Lichtenberg, Heinrich Schwarze und der Schachtmeister Heinrich Bewerungen. Alle vier Angeklagte waren beschuldigt, Zwei= und Fünfmarkstücke nachgemacht und in den Verkehr gebracht zu haben. Die Angeklagten behaupteten, daß sie zwar den Versuch gemacht hätten, falsches Geld herzustellen, jedoch sei dies nur der Wissenschaft halber geschehen, nicht um die Falschstücke in den Verkehr zu bringen. Das Gericht kam zu anderer Auffassung. Das Urteil lautete für Lichtenberg auf 1 Jahr Gefängnis, für Koch auf 1 Jahr 3 Monate und für Bewerungen auf 6 Monate Gefängnis, während Schwarze freigesprochen wurde. Berlin, 14. Okt.(Die Doruntersuchung gegen Bruhn.) Die Staatsanwaltschaft hat nunmehr die Eröffnung der Voruntersuchung gegen den Reichstagsabgeordneten und Verleger der„Wahrheit", Paul Bruhn, beantragt. Nachdem die Verhandlung genügend Material ergeben hatte, wurde dem Antrage stattgegeben; mit der Führung der Doruntersuchung ist Landgerichtsrat Schmidt beauftragt worden, der auch in den Prozessen Eulenburg und Dahsel die Voruntersuchung in den Händen hatte. Es ist wahrscheinlich, daß auch die Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Dr. Puppe Strafantrag gegen Bruhn wegen Beleidigung stellen werden.— Der frühere Mitarbeiter der„Wahrheit", Dahsel, wird gegen das Erkenntnis der Strafkammer, welches. auf 1½ Jahre Gefängnis lautet, Revision anmelden. Freund, der,„natürlich ganz unschuldig“, irgendwo hinter spanischen Gardinen säße. Es kam auch ein ganz hübsches Sümmchen zusammen. Auf diesen gewiß eigenartigen Wohltätigkeitsakt wurde auch die Polizei aufmerksam, sie sah sich den Sammler näher an und entdeckte in ihm den Komplicen jenes bereits internierten Verbrechers; beide hatten schwere Ein— Die' spinale Kinderlähmung ist jetzt auch auf das Gebiet des Fürstentums Waldeck übergegriffen. — Im Petersburger Dumagebäude stürzte die Glasdecke des Lesesaales ein, verletzt wurde niemand. Vor einigen Jahren stürzte bekanntlich schon die Decke des Sitzungssaales ein. Echt russische Loddrigkeit! Hat man doch in den Leitungsröhren der Petersburger Wasserleitung kürzlich sogar Reunaugen gefunden! — Ein Riesenehepaar. In der Grafschaft Carnonailles feierte ein junges Ehepaar vorige Woche Hochzeit. Der Gatte ist 2,20 Meter, die Braut 2 Meter groß. Die beiden Ehrenjungfern die Richten der Braut, maßen 1,98 und 2 Meter. Von den 3 Brüdern des Bräutigams maß der kleinste 2,05 189665. Standesamts-Nachrichten. Annen. Geburten: 1 Sohn: Bergm. Emil Plätz, Schlosser Peter Kopler, Bergm. Heinrich Flic. Bergm. Carl Blome; 1 Tochter: Former Julius Krix, Fahrhauer Constanz Rüping, Fabrik=Arbeiter Johann Sträter, Bergm. Waldemar Korn, Bergm. Heinrich Höffken, Portier Carl Flöhren. Aufgebote: Bergm. Stanislaus Prochowski und Leokadia Polack, Annen und Bövinghausen; Metzger Max Feldheim und Maria Schwärzell, Annen und Hörde; Bergm. Diedrich Wegmann und Laura Schulte, Annen und Rüdinghausen, Anstreicher Alfred Thon und Maria Peters, Witten; Sattler Wilhelm Severing und Emma Meier, Annen; Bergm. Friedr. Hense und Rosa Brauer, Annen; Dreher Carl Schroeder und Sophie Pflüger, Annen; Bergmann Heinrich Böckmann und Amanda Schroer, Stockum und Annen; Bürogeh. Otto Krächter und Anna Rüßmann, beide Annen. Eheschließungen: Fabrikarb. Heinrich Hedderich und Ida Pamp, Annen. Bergmann Franz Hosfeld und Emma Heupel, Annen. Ingenieur Wilhelm Kothe und Emmy Bahle, Annen. Schlosser Wilhelm Demtröder und Auguste Scheibelhut, Witten und Annen. Former Wilhelm Dümpelmann und Elfriede Koch, Annen und Witten. Bergmann Albert Zarges und Louise Brandau, Stockum und Annen. Fabrikarbeiter Andreas Ommert und Anna Wolf, Annen. * Sterbefälle: Helene Flink, 149 Tg. Ludwig Fürstenau, 6 J. 196 Tg. Ehefrau Clara Teich, geb. Reichenau, 29 J. 7 Tg. Maschinist Fritz Albrecht, 20 J. 147 Tg. man sich erzählt, machte insbesondere Königin Ena ihren ganze Einfluß bei dem König geltend, daß er den Verurteilten dige. Die Königin stützte sich insbesondere auf Depeschen, d ihr von England aus, wie man sagt, auch vom König Eduard, sugegangen waren und die insgesamt die Begnadigung Ferrers erbaten. Alfons erklärte zuerst rundweg, daß er sich nicht vor der ganzen gebildeten Welt als Mensch bloßstellen wolle un es mit seinen modernen Ideen der Humanität nicht sei, wenn er den Tod eines solchen Menschen verschulde. Erst bei der Regierung wäre, wenn sie dem Drängen revolutionär König eine Reihge von Dropbriesen in denen diesem bitter berenen würde. Der Bönignagogag den enez, die Königin mit aller geziemenden Ehrfurcht,nosig, Der weiter zu beinflussen und dieser unterschriehzgg, gg.# Verteidiger Ferrers, der das Urteil gesehen, erza.,„ die königl. Unterschrift in zitternden Schriftzügen hingeworsen war. Die ersten Bomben. Richt weniger als drei Bombenattentate, so wird haben seit Ferres Hinrichtung in Auch in Barelona explodierte gestern eine Vombe. Es wurde be wemnv Eine zweite Vombe in Barelona. Paris, 15. Okt. Wie die Agence Havas aus Barcelona meldet, ist dort gestern abend gegenuber dem bischöflichen Palaste noch eine zweite Bombe explodiert. Von der Luftschiffahrt. Die Triumphfahrt des„Parseval 3“ von Frankfurt a. M. nach Rürnberg, von hier über Augsburg nach München und dann retour hat einen in allen Teilen höchst befriedigenden Verlauf genommen. Heute Freitag früh wurde die Rückfahrt angetreten. In München, der letzten Station auf der großen Fernfahrt, wurde das Luftschiff von einer jubelnden Menschenmenge erwartet. Die Führer des Ballons wurden auf der Landungsstelle vom Prinzen Rupprecht, dem Generalfeldmarschall Prinzen Leopold und dem Prinzen Karl von Bayern empfangen. Die Bayern bringen Major v. Parseval umsomehr Sympathien entgegen, als er ein Landsmann von ihnen ist. Einen Ballon durch drahtlose elektrische Fernwirkung zu lenken, soll laut„Frkf. Ztg.“ einem amerikanischen Ingenieur gelungen sein. Praktisch ist die Sache vorläufig aber noch nicht zu verwerten.— Auf dem Pariser Flugfelde Juvisy, auf dem es kürzlich erst wegen schlechter Bahnverbindungen zu groben Ausschreitungen des Publikums kam, fand sich auch# Fallieres, begleitet von einigen Ministern und Botschaftern ein. Tags zuvor war Latham, der in Berlin achtenswerte Erfolge zu verzeichnen hatte, mit seinem Aeroplan gestürzt, aber unverletzt geblieben. Sport. Neuer Weltrekord, Im Sportpark Steglitz stellte Fritz Theile beim klassischen 100 Kilometer=Rennen um die Meisterschaft von Europa am Sonntag auf Brennabor einen neuen Weltrekord über 20 Kilometer auf. Im 1. Vorlauf des Hauptfahrens waren Br. Wegener Erster, W. Tadewald Zweiter, im 4. Vorlauf O. Pawke Erster und A. Tetzlaff Dritter vor dem Weltmeister W. Arend. Br. Wegener und F. Kurzmeier waren im 1. Zwischenlauf Erster bezw. Zweiter, im Endlauf Zweiter und Dritter; im 1. Zwischenlauf ging O. Pawke als Driteer durchs Ziel und O. Pawke gewann das Erste Prämienfahren, in dem Tetzlaff vor Arend Dritter wurde. Die angeführten Erfolge auf Brennabor erstritten. Verschiedenes. :— Ab und zu knallts in Petersburg, da ist's entweder ein Attentatsversuch oder eine Bombenexplosion in einem Arsenal der Revolutionäre. So flog kürzlich auch das Haus eines finnischen Bahnwärters im Norden der Stadt in die Luft, es enthielt in seinem Keller ein Lager fertiger Bomben. Verschiedene Personen wurden verletzt, die Polizei vergewisserte sich ihrer. — Russische Räuber lassen selbst die Autorität des Geistes nicht gelten. Sie überfielen Leo Tolstois Schwester, die als Ronne in einem Kloster lebt, in ihrer Zelle und raubten ihr ihre gesamte Barschaft. Wenn die Meldung, die wir dem„Berl. Lok.=Anz.“ entnehmen, stimmt, müssen ja russische Ronnen über ganz respektable Reichtümer verfügen, wenn sich ein Einbruch bei ihnen lohnt!.... Ffagung i. S — Etwas überrascheno ist bie Aufklätung in dem Kieler Aktendiebstahl gekommen. Es verschwanden bekanntlich seinerzeit auf rätselhafte Weise Akten, die das Belastungsmaterial gegen den in der Wertaffäre kompromittierten Millionär Frankenthal enthielten. Von dem Täter fand sich auch nicht die leiseste Spur. Jetzt ist herausgekommen, daß der in Untersuchungshaft sitzende Frankenthal den Diebstahl selbst begangen hat. Er hatte sich die Akten in die Zelle bringen lassen und dort nicht weniger als 45 Dokumente, die ihn schwer belasteten, entfernt. So meldet wenigstens die„B. Z. am Mittag.“ Man muß nur sagen, weshalb man dem so stark Verdächtigen die Akten ohne jeden Argwohn überlassen konnte!... 66 — Kinder=Liebestragödien sind ja nichts Neues mehr, was aber aus Reustadt a. d. H. gemeldet wird, setzt allem die Krone auf. Der 20jährige Korbmacher Hoffmann wurde wegen seines Liebesverhältnisses mit einem 12jährigen(!) Schulmädchen zur gerichtlichen Verantwortung gezogen. Als der Bengel vom Gericht zurückkam, suchte er die Mutter des Mädchens auf und verletzte sie durch zwei Revolvers melden. In einer Kaschemme schüsse schwer. Eine schnurrige Verbrechergeschichte ist aus Berlin zu sammelte ein Tischler für einen Neueste Nachrichten. Hattingen, 15. Okt.(Schwerer Unglücksfall.) Beim Eingleisen des Förderkübels in einen Hochofen auf der Henrichshütte in Hattingen schlug dieser um und verursachte dadurch den Bruch eines Holzes, mit welchem die Förderschale in die richtige Lage zurückgebracht werden sollte. Ein Obermeister wurde dabei gegen einen eisernen Fülltrichter geworfen, wobei er einen Schädelbruch erlitt, der seinen sofortigen Tod herbeiführte. Ein ebenfalls dort beschäftigter Schlosser erlitt einen Beinbruch und eine leichte Kopfverletzung. Köln, 15. Okt.(Messerduellanten.) In verflossener Nacht kam es im Dorort Kalk zwischen 2 Kostgängern aus geringfügiger Ursache zu Streitigkeiten, in deren Verlauf der eine Kostgänger dem andern den Hals durchschnitt, sodaß der Tod sofort eintrat. Ihm selbst wurde im gleichen Augenblick die Schlagader des Oberschenkels durchschnitten und eine schwere Stichwunde im Kopf beigebracht. Er wurde sterbend in das Krankenhaus gebracht. Hannover, 15. Okt.(Der Selbstmord des Hauptmanns Hildebrand.) Der Selbstmord des Hauptmanns vom 34. Artillerieregiment in Wesel, der sich an seinem Hochzeitstage erschossen hat, scheint nunmehr in seinen Motiven aufgeklärt zu sein. Hauptmann v. Hildebrand hatte im Jahre 1901 in einem Duell in Insterburg einen Oberleutnant vor seinem Hochzeitstage erschossen. Er hatte vorbeischießen wollen, aber ohne seine Absicht traf der Schuß seinen Gegner tödlich. Seit jenem Tage war Hauptmann Hildebrand schmermütig und menschenscheu und schließlich hat die Erinnerung an den Tod des Oberleutnants ihn in einem Moment geistiger Verwirrung in den Tod getrieben. — Rach einem umlaufenden Gerücht soll eine Krankheit, welche Hildebrand für unheilbar hielt, die Todesursache gewesen sein. Allenstein, 15. Okt.(Deckeneinsturz im Kasernenneubau.) Bei dem Kasernenneubau am Langsee erfolgte heute mittag ein Deckeneinsturz in der fünften Etage. Die Trümmer durchschlugen sämtliche Stockwerke. Drei Maurer wurden verschüttet und tödlich verletzt. Schwere Anschuldigungen gegen Cook. New=York, 15. Okt.=Der Führer Barille, der Cook bei seiner Besteigung des Mount Me. Kinley in Aleska im Jahre 1903 begleitete, hat ein schriftliches Zeugnis abgelegt und eidlich bekräftigt, wonach der höchste von Cook damals erreichte Punkt noch mindestens 14 Meilen vom Gipfel entfernt gewesen sei. Cook sei überhaupt nur bis zu einer Höhe von 10000 Fuß gekommen. Barille behauptet ferner, Cook habe ihn veranlaßt, einen Teil des Tagebuches der Expedition umzuschreiben, und mit Cook Angaben, den Gipfel erreicht zu haben, in Einklang zu bringen. Die Photographie, auf der Cook den Gipfel des Mount Me. Kinley darstellt, sei in einer Höhe von 7000 Fuß aufgenommen worden. Andere Illustrationen und Ereignisse seien ebenfalls den Tatsachen nicht entsprechend. Der Photograph, namens Miller, bestätigt diese Anklage ebenfalls unter seinem Eide. Zur Hinrichtung Ferrers. König Alfons in Nöten. Wie der Madrider Korrespondent der„Inf.“ aus spanischen Hofkreisen erfährt, soll sich König Alfons lange geweigert haben, das ihm vorgelegte Todesurteil Ferrers zu unterzeichnen. Wie Eingesandt. Dem Einsender„Leben und leben lasenzzesgachisch, Gigaize te Ssct 4ch6. Gache Ssche er'g eim Erscheinen der erten Auslage dieser Gedichte scheieb A. K. T. Tielo im„Literarischen Echo“ einen sehr anerkennenden längeren Artikel Leitgenachsichen Brik obendbrseigenden Lege 1hs: eiues Buches„Von lch Zoch guch da, wo er des Lebens golöhele Tropen Sützigket entgegen. Er verzweielt en Goo,. ien Spt, aßzen, ais konne er mimmermnegr Spielplan des Dortmunder Stadttheater. Opernpreise.„Die Afrikanerin.“ Große Oper mit Ballett in Serie 4, Nr. 9, grüne Karten.„Die Ehre“, Schausoiel in Operette in 3 Aufzügen von Otto Schwartz. Kirchliche Nachrichten. Sonntag Vorm. 10 Uhr: Gottesdienst. 11¼, Kirchentaufen. 11½, Kindergottesdienst. Mittwoch Nachmittag 5½ Uhr: Bibelstunde im Nachn 5 ühr: Feaun=Misonvperein i. Verkushzule. Nach Stockum. Sitzung der Gemeindevertretung in der Oienstag=Rummer.(9. Red.) Unserer heutigen Auflage liegt teilweise ein Prospent des Familienblattes„Fürs Haus“ bei, welchem wir eine neigte Beachtung zu schenken bitten. Tonangebend! Unerreicht! Riesen-Schnittbogen. unsen Hek allen Postastot u Snechanfl. Farbenprächtige Colorts, Gratis-Probenummern bei 9 John Henry Schwerin, Berlin W. ue Frau(unerwartet mit ihrem Gatten heimkommend, zu ihrer Köchin):„Aber, Minna, ich bin erstaunt...!“ Köchin:„Nich wahr, Madameken, dat is'n anderer Kerl, mein Fritze, als... als Ihr Kleener!“ Vexierbild. — 336— Humoristisches. Unbegreiflich. Zum Anfange... Mann:„Weißt du, liebes Frauerl, ich würde dir ganz gern einen Motorwagen kaufen, aber zuerst möchte ich, daß du mit Maschinen überhaupt etwas vertrauter würdest, um die Sache richtig zu handhaben... Deshalb werde ich dir zunächst eine Nähmaschine kaufen!" (Im frischgebackenen Luftkurort.) Kurgast:„Nun, wie steht's denn hier um die Unterkunft?“— Zimmervermieter:„O, Sie können zum Schlafen sogar ein Bett bekommen!" *(Kritik.).: Meinen Sie nicht, daß die Dame mit Gefühl singt?“—.:„Nicht im mindesten! Wenn sie Gefühl hätte, würde sie nicht singen!“ (Verplappert.) Bürgek:„Sie, Ihre Wilden sind aber zahm!“— Budenbesitzer: „O, die sollten Sie mal zu Hause bei der Kirchweih=Tanzmusik sehen...!“ Herr Schnüffel:„Sehen Sie, dort geht der reiche Lehmann, der hat soeben wieder zehntausend Mark von der Bank geholt...“ Herr Süffel:„Was...? Und mit so viel Geld in der Tasche kann der Mensch so ruhig am Ratskeller vorübergehen?!“ (Vorgebeugt.) Unteroffizier:„Nächste Woche geht's auf den Schießplatz. Unsere Kompagnie wird dort in einem Pferdestall logieren. Deswegen braucht ihr euch aber etwa nichts einzubilden... ihr bleivt doch, was ihr seid...!“ (Immer derselbe.) Student(im Wohltätigkeits=Basar):„Was kost' die Bulle Sekt?“— Verkäuferin:„Zwanzig Mark.“— Student(die Flasche an sich nehmend):„Gut, kreiden Sie's an!“ (Der Pedant.)„Adien! Reisen Sie mit Gott!“—„Sie sehen doch, daß ich mit meiner Schwiegermutter reise!" (Ihr größter Schmerz.) Freundin:„Schwarz kleidet dich wirklich großartig, Paula.“— Junge Witwe(die um ihren jüngst verstorbenen Mann trauert):„Ich weiß, aber es ist schade, daß man in dieser Kleidung kein Vergnügen mitmachen darf." Gegensühck. □ 90 3 0 95 S * 95 8 8 8 Ni 42 1900 Gratisbeilage für unsere Abonnenten. Redaktion, Druck und Verlag der Kgl. Bayer. Hofbuchdruckerei von Gebrüder Reichel in Augldung. Drei Frauenbilder. Von Kerimée Hanoum. Verfasserin von:„Was der Außenwelt verschlossen“,„Haremsbilder“ 2c. 2c. (2. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Rücksichtslos, nur an sich und seine Wünsche denkend, ging Lörrach auf sein Ziel los und machte der Tante seinen Besuch, sprach ihr offen von seiner Liebe für Irma, teilte ihr vertrauend seine Lage der Mutter gegenüber mit, und daß er vor der Hand nur im geheimen sich verloben könne, bat um ihren Schutz und ihren Segen und versprach alles, was sie wollte. Die Doktorin, eine gute, verständige, einfache Frau ohne Mißtrauen und Argwohn, hatte Lörrach bald für sich gewonnen. Er hatte aller Form Rechtens um Irmas Hand angehalten, und glücklich, stolz, ihr Herzblatt versorgt zu wissen, legte sie die Hände der beiden Liebenden ineinander. Lörrach schwamm in einem Meer von Glückseligkeit, und ohne sich recht klar zu machen, wie es mit seiner Mutter enden könne oder werde, lebte er, ein rechtes Kind des Augenblicks, nur der Gegenwart. Trat einmal eine Wolke auf die Stirn Irmas, wenn sie an die noch ungewisse Zukunft dachte, wußte er ihr und. der Tante so überzeugend von seinen Hoffnungen und Plänen zu sprechen, daß sie ihm still zuhörten und beglückt schwiegen. Lörrach war ein Charakter, der, stets in Illusionen lebend, ohne die geringste Aussicht, dennoch in allerlei Pläne und Hoffnungen sich vertiefen konnte, immer in der Erwartung, es werde sich ganz etwas Besonderes ereignen, das ihn dann schnell an das Ziel seiner Wünsche bringe. Im ersten Eifer betrieb er auch wohl etwas mit Energie, aber sehr bald ließ das nach, und mit dem Besitz desjenigen, was er heiß erstrebt und ersehnt, schwand auch gewöhnlich die Freude daran, es ward ihm langweilig. Ausgestattet mit allen äußeren Vorzügen, aus alter Familie mit beträchtlichem Vermögen, war er in die blick auf das Offiziersheim in faldenstein im Lannus. diplomatische Karriere getreten, hatte aber bald, des ewigen Wechsels müde, und auch weil er, auf seine Gesundheit stürmend, leidend geworden war, den Bitten der Mutter Wg N Wot h ung t M h# un ue u u biiteh zl0 wall Svg W S M — 188— 330 nachgegeben und auf ein Jahr Urlaub genommen. Dann war er an die Gesandtschaft in Athen versetzt worden, wohin die Mutter, die in ihm ihren Abgott sah, ihm gefolgt war....„(enem aahfrei. Die alte Gräfin bildete mit ihrem offenen, gastfreien, im größten Stil gehaltenen Hause so ziemlich den Mittelpunkt der vornehmen Gesellschaft. So rücksichtslos Lörrach sein konnte, wenn ihm etwas nicht nach Wunsch ging, so liebenswürdig, so bestrickend, so aufmerksam konnte er anderseits sein, wenn er es sein wollte. Die sonst kalten, blauen Augen erhielten dann einen so wohlwollenden freundlichen Ausdruck, er konnte in so beredter Sprache mit denselben reden; und vorzüglich waren es die älteren und nicht allein die jungen Damen, deren Herzen ihm zuflogen. Sprachgewandt, von vornehmen Formen, hatte er jene Sicherheit und Ruhe, die dem gebildeten, vornehmen Manne anerzogen wird; dazu kam eine hohe, imponierende Gestalt, der Nimbus von allerlei Abenteuern, eben genug, um ihn in der hohlen, oberflächlichen Gesellschaft, in der er und seine Mutter tonangebend waren, zum Löwen des Tages zu erheben. Er galt für die beste Partie im diplomatischen Korps; seine Mutter, eine reiche Bankierstochter, hatte dem Vater noch ein großes Vermögen eingebracht, so daß dessen schon bedeutendes Vermögen sich verdoppelt hatte und somit der einzige Sohn als gute Partie gelten konnte. Obgleich er ein weiches Herz hatte, so waren doch Genußsucht und Leichtsinn die Devise seines Lebens. Pflicht, ernste Arbeit, tiefes Denken, Ringen und Streben kannte er nicht— mit einem Worte, er war wohl intelligent genug, um sich selbst zu erkennen, aber zu schwach, um sich selbst zu leiten. Es war daher ganz natürlich, wenn die alte Doktorin voll Vertrauen und Bewunderung zu ihm aufschaute, und nur eines machte ihr Sorge, daß sie Irma, ohne die Verlobung veröffentlichen zu können, ohne Schutz nach Athen zurückziehen lassen mußte, wo dieselbe den sengenden Strahlen der leidenschaftlichen, oft zügellosen Liebe Lörrachs allein gegenüberstehen sollte. Sie fühlte sich doppelt verantwortlich für Irma, da sie oft schmerzlich die Lüge empfand, mit der Irma über ihre Geburt getäuscht worden war. Irma glaubte eine Waise zu sein, und nie hätte die Doktorin das Herz gehabt, ihren Abgott aufzuklären. Hatte sie doch auch mit heiligem Schwur Schweigen gelobt... Als daher der Tag des Abschieds näher und näher rückte,= nahm sie Lörrach das feierliche Versprechen ab, Irmas Ruf zu wahren und nie das junge Mädchen zu bestürmen, ihn bei sich zu empfangen, ehe seine Mutter die Verlobung sanktioniert habe und er selbst ihr die Braut zuführen durfte. Zu dem Zwecke verlangte sie auch, daß Lörrach einen Tag früher reise, und Irma, die ein selbständiger Charakter, und seit früher Kindheit gewohnt sei, sich selbst zu leiten und für sich zu sorgen, allein die Fahrt zurückmachen olte....„. 4. umm e. 8. Nach verschiedenen Versuchen und Birren, die Tante umzustimmen, fügte er sich denn scheinbar ruhig, und als er beim Abschied die Hand der alten Dame ehrfurchtsvoll an seine Lippen zog, segnete sie ihn und sagte gerührt: „Ich glaube, ich vertraue Ihnen von ganzer Seele, Lörrach, und weiß, daß sie mein Kleinod hüten und schützen werden, wie ich selbst.“ „Sie ist mir teurer als mein Leben,“ antwortete Lörrach;„Sie können überzeugt sein, daß mir das Weib, das ich so liebe, heilig sein wird.“ Noch eine lange, lange Umarmung, als müsse er Abschied nehmen für immerdar. Fast gewaltsam riß er sich los, um zum Schiffe zu eilen, das ihn nach Konstantinopel und von dort nach Athen führen sollte. Die Damen waren, um alles Aufsehen zu vermeiden, nicht einmal bis Konstantinopel, das nur eine halbe Stunde von Belek liegt, mitgefahren. War doch Irmas Schönheit längst aufgefallen, und die Kollegen Lörrachs beneideten ihn laut um sein beispielloses Glück. Von dunklen Ahnungen gequält, lehnte Irma ihr Haupt an die Brust der teuren Frau, der ihr Herz in so warmer Liebe und Dankbarkeit gehörte, und weinte bitterlich. Es war dies etwas so Außergewöhnliches an dem sonst verschlossenen Mädchen, daß die Doktorin sie besorgt ansehend nach der Ursache fragte; schluchzend flüsterte sie: „O Tante, laß mich nicht allein nach Athen, es ist so unsagbar schwer, was man mir zumutet, dieselbe Luft mit ihm atmen, ihn sehen und doch ihn nicht sprechen dürfen— ihm nahe sein und doch so fern, wie wird es durchzuführen sein? Ich fürchte mich vor der Wiederholung seiner flehentlichen Bitten! Jede derselben wird ein Sturm auf meine Festigkeit sein, ich fürchte mich vor meinem eigenen Herzen, das ihn so innig liebt,“ fügte sie dann leiser, ja verschämt hinzu und senkte das Haupt. Aber nur einen Moment. Schon schämte sie sich der Schwäche, und zärtlich mit tränenvollen Augen die alte Frau anblickend, fuhr sie fort:„Vergib! Du kennst mich gar nicht so weich? Nicht wahr, die Liebe wandelt? Ich kenne mich selbst kaum wieder, so ist mein„Ich“ in Kurt aufgegangen.“ Sie trocknete die Tränen, und es leuchtete aus ihren wunderbaren Augen die Energie einer starken Seele, als sie fortfuhr:„Zur Schwäche aber darf diese Liebe nicht führen, sei darum ohne Sorge, Tante, ich bin schon wieder die Irma, die du kennst, und die kann, was sie will.“ Ja, sie hatte bisher stets gezeigt, daß sie konnte, was sie wollte; war sie doch ein wundersames Gemisch von Weichheit und Härte, ein Wesen, daß man in Wahrheit ein Meisterwerk des Schöpfers nennen konnte. Hatte sie den rechtlichen Sinn, die strenge Wahrheitsliebe, die bis ins Kleinste führende Gewissenhaftigkeit vom Vater geerbt, so war doch die Leidenschaftlichkeit, die Heftigkeit und das heiße Blut der Mutter ihr eigen, die, Spanierin von Geburt, gestorben sein sollte, als sie Irma das Leben gegeben hatte. 66 Irmas Vater sollte arzt in einem sudlichen Kurort, Korfu, gewesen sein. Das war alles, was Irma von ihren Eltern wußte. Ihr Leben hatte mit einer großen Lüge begonnen. Arme Irma! Es rächte sich an dem schuldlosen Kinde. Die Erziehung der kleinen Irma war keine leichte Aufgabe für die Doktorin gewesen. Zuerst war es Irmas leidenschaftliches Wesen, das ihr schweren Kummer bereitete, und dann trat sehr oft der Hang zum Abenteuerlichen bei der Kleinen hervor, so daß der braven Frau oftmals angst und bange geworden war. Nach und nach hatte derselbe sich zwar gelegt, und Irma hatte ihr ganzes Herz an die Tante gehängt, die in Liebe alles von dem Kinde erlangen konnte, während ein hartes Wort gar nicht bei ihr fruchtete. Hatte ihr die Tante Vorwürfe gemacht, daß sie nie einen Mittelweg finden könne und sich noch oft im Leben das harte Köpfchen anrennen werde, dann war ihr Irma um den Hals gefallen, hatte schmeichelnd gebeten, ihr zu vergeben, und gesagt, sie könne nur lieben oder hassen, es gebe eben für sie keine Mittelstraße. Der Einfluß des Predigers hatte zur Zeit der Konfirmationsstunden mildernd auf sie gewirkt, und die Religion hatte sie veredelt. So war sie mehr und mehr der Stolz und die Freude der Doktorin geworden. Ihr anmutiges Wesen, die strenge Wahrheitsliebe aber hatte ihr die Liebe und das Wohlwollen aller ihrer Lehrer erworben, so daß, als sie nach vorzüglich bestandenem Lehrerinexamen in Wien eine Stelle in dem Deutschen Institut in Athen erhielt, ihr die allgemeinste Teilnahme und Liebe nachzog. Ihre ungewöhnliche Schönheit, die strenge Zurückhaltung, die Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung ihrer Pflichten hatten ihr auch bald in Athen die Liebe der Kolleginnen und der Vorsteherin erworben. Stun li ui uuct e achP ng— Jogv u u stuuiigglg o vl wva W uht i it in W e ii uinn ch ut — 589— — 335— Du hast dös net richtig begriff'n; so verruckt is der Hamlet net, er is mehr— waßt, er is a Rückenmärker!" Sag' ich: Was is er? „A Rückenmärker is er,“ sag't er,„er schlenkert so mit dö Füaß und mit dö Arm'!“ Sag' ich: Is mir a recht! Zeig' mir’s amal! Zeigt er mir's also! Jetzt kommt der Ressigeur wieder und bringt den Direkter mit. Wie ich jetzt auf die andere Seit' von der Bühne geh’, fang' ich an zu schlenkern. „Mensch!“ schreit der Ressigeur.„Was ist denn das nun wieder? Was schlenkern Sie denn so mit den Armen und Beinen? Glauben Sie, der Hamlet ist ein Hanswurst?“ Dös net, sag' ich, aber er is doch ein— ein— jetzt hab' ich vergessen'habt, was er für aner is, er hat doch dö Krankheit, wo daß ma so schlenkert! Jetzt hat alles, was auf der Bühne war und in dö Kulissen, ang'fang'n, hellauf zu lachen, der Direkter a und der Ressigeur und der Souffleur in sein' Kasten, und der Direkter sagt:„Wissen Sie, lieber Dominikus, Sie müssen den Hamlet noch mal umstudieren, vielleicht können Sie noch sich einen Veitstanz einlegen, und dann spielen Sie ihn in Kyritz oder wo, aber nicht auf meinem Theater, verstanden?“ Sag' ich: Herr Direktor, sag' ich, ich hab'#tan, was in dö Bücherln steht; geben's mir a anständige Roll' zu spülen, net so an Kerl, wo ka Mensch waß, was'm fehlt! Servus!“ Und bin'gang'n. Z' Haus hab' ich mei Watton'nommen, die Watta raus, vorn aufg'macht und hinten zu, da war's wieder mei Westen. No, und dann bin ich a Chorsänger worden, und dös bin ich heut' noch!“ Er trank den Rest von seinem Bier aus und rüstete sich zum, Heimgeh'n. „Ich versteh' den Kerl, den Hamlet, heut' no net, was der will?! Verruckt is er net,'sund is er net, a Rückenmärker is er net— was is er denn? Was is er denn?!“ Allerlei. Zn unseren Bildern. Das Offiziersheim„Caunus“ in Falkenstein. In dem kleinen, in herrlicher und günstiger Lage gelegenen Taunusort Falkenstein ist am 20. August in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares das neue Offiziersheim feierlich eingeweiht worden. Die Anstalt soll für die Offiziere des deutschen Heeres nach überstandener Krankheit und während der Rekonvaleszenz eine Erholungsstätte sein und auch denjenigen als Aufenthaltsort dienen, die durch die Einflüsse des Tropenklimas gesundheitlich geschädigt sind. Das Heim besteht aus einem Kasino und Hauptverwaltungsgebäude und mehreren Landhäusern und liegt inmitten eines herrlichen Parkes mit uralten Baumgruppen. In dem Hauptgebäude sind die Empfangs= und Gesellschaftsräume, der Speisesaal und die Zimmer der Aerzte sowie die sanitären Einrichtungen untergebracht, während die Landhäuser die Wohnungen für 52 Offiziere enthalten. Die wiederhergestellte Garnisonkirche in Berlin. Die neuerstandene Berliner Garnisonkirche, die in Anwesenheit des Kaisers eingeweiht wurde, ist unter künstlerischer Oberleitung des Geh. Baurats Wutsdorff an Stelle der alten Garnisonkirche errichtet, die am 13. April 1908 bis auf die Grundmauern niederbrannte. Unsere Abbildung zeigt den neuen Altarraum, der, ganz in Weiß gehalten, von imponierender feierlicher Wirkung ist; er ist entworfen von dem Bildhauer Stephan Walter in Wilmersdorf. Das Christusgemälde über dem Altar stammt von Anton v. Werner. Ebenso wie der Altarraum wulde auch die reichgeschmückte Kaiserloge, die auf unserer Abbildung rechts sich zeigt, in veredeltem Barockstil wieder errichtet. Die innere Einrichtung der Kaiserloge, die Kanzel sowie die drei prächtigen Fenster über dem Altar waren vom Feuer merkwürdigerweise verschont geblieben. Alles andere war mit der wertvollen historischen Orgel den Flammen zum Opfer gefallen. Der Wiederaufbau samt der Inneneinrichtung erforderte nur ein Jahr vier Monate. Die Gröffnung der Schack-Galerie.— Kaiser Wilhelm als Fürger der Stadt München in München. In Anwesenheit des Deutschen Kaisers wurde in München unter großen Feierlichkeiten die neue Schack=Galerie eingeweiht, welche die Inschrift trägt:„Kaiser Wilhelm II. der Stadt München zur Mehrung ihres Ruhms und großen Künstlern zum Gedächtnis.“ Graf Schack, der große Münchener Mäzen und Kunstfreund, der Künstler wie Lenbach, Hans v. Marées, Böcklin, Feuerbach, Genelli, Moritz v. Schwind in ihrer Sturm= und Drangzeit gefördert hatte, vermachte seine reichen Kunstsammlungen bei seinem 1894 erfolgten Tod dem Deutschen Kaiser. Zur würdigen Unterbringung der Kunstschätze ließ der Kaiser durch Professor Max Littmann, den bekannten Münchener Architekten, die prachtvolle Schack=Galerie in München erbauen, die unsere Abbildung oben zeigt. Der Palast beherbergt gleichzeitig die preußische Gesandtschaft und vereint so Kunst und Diplomatie. Die Kosten des an der Prinzregentenstraße errichteten Prachtbaues belaufen sich auf 1300000 Mark. Anläßlich der Anwesenheit des Kaisers Wilhelm in München zur Eröffnung der Schack=Galerie wurde diesem von der Stadt München die Goldene Ehrenbürgermedaille überreicht. Nachdem der Deutsche Kaiser zunächst im alten Rathause von den Vertretern der Stadt empfangen worden war, wurde er in feierlichem Zuge nach dem neuem Rathause geleitet. Nach der Ankunft Kaiser Wilhelms in dem Festsaale verlas der Oberbürgermeister von Borscht an den Stufen des Thrones eine Ansprache. Dann überreichten zwei Pagen kniend auf seidenem Kissen den Text dieser Rede und eine goldbeschlagene Prunkkassette, eine Elfenbeinstatuette des Münchener Kindls enthaltend, das die Goldene Bürgermedaille der Stadt München trägt. Zwei Führerinnen der blumenstreuenden Ehrendamen boten dem Kaiser nach dem Vortrag eines Festgedichtes einen Ehrentrunk in goldenem Pokale. Hierauf antwortete der Kaiser auf die Rede des Oberbürgermeisters und gab seiner Freude über die schöne Feier lebhaften Ausdruck und erklärte später, er habe in den einundzwanzig Jahren seiner Regierung noch nie eine so stimmungsvolle Festlichkeit miterlebt. Rätsel=Ecke. Bilderrätsel. (Dachdruck verbaten.) Scharade. Das Erste hat ein jedes Haus, Feld, Au und Wald besteht daraus. Was in dem Andern wird genannt, Ist als Gewässer dir bekannt, Das Ganze gibt ein Zweites an Und fünf der Länder grenzen dran. Auflösungen der Aufgaben in der letzten Nummer. Auflösung des Logogriphs: Auflösung des Zahlen=Stufenrätseld: 0 E I CIS KELN L O GAU EILSEN N AUMANN BERNHARD UNTERROCK RUBINSTT 0 T 8 ate— Tatze. Auflösung des Diamanträtsels: T EIS ROMAN THEODOR I. DENBURG S„ ANDVOEGEL TI MONVONATHEN S CHORNSTEIN CHWALBEN REUTTER BOHNE F.2 N Auflösung des Buchstabenrätsels: Ein Durchtriebener. Auflösung des Anagramms: Auflösung des Homonyms: Herodot— Theodor. Schütze. Auflösung des Bilderrätsels: Was einer im Reiche der Wahrheit erwirbt, hat er allen erworben. Auflösung der Schachaufgabe: 1. De7—es, Ke5 x f5, 2. Des— h5 matt. 1.„ K e5 K 45, 2. Des— b5 matt. RUDINGTEIN GROSSBEEREN „ücgutgiog Wteh W M i l M urhie beeich nu gu Wte stg u i u si tuugt M Wn uc un Mnt u n tllig Mln gun e i ii M (13 fi spgs:61 bve M i Mssi 1 uc ir chnn — 996— 334 Im Herbst nun also! Wie ihr das sagen? Vorwürfe machte sie ihm nicht, aber er hatte ein solch elendes, beschämendes Gefühl von Erbärmlichkeit, wenn sie ihn dann so vertrauend, so glückselig forschend ansah, wenn er kam, und er immer und immer nur dieselben leeren Ausflüchte hatte, für die, die ihm alles geopfert. Sie sollte daran Trost finden, daran glauben, während er selbst nicht daran glaubte, kannte er doch seine Mutter! Nein, diesmal aber sollte es fest sein und bleiben. Im Herbst, sie hatte ihr Wort gegeben, und er würde sie zwingen, es zu halten. Er wollte sofort an Irma schreiben, da sie abends ihn nicht empfing wegen des bösen Leumunds im Hause und auch meistens um die Zeit nach Arbeit in ein Geschäft ging. " Morgen in aller Frühe wollte er zu ihr, zu dem geliebten Mädchen. „Wenn er noch ebenso gesonnen sei,“ hatte die Mutter gesagt. O, ewig würde diese Liebe sein, Zeit und Ewigkeit überdauern, ja, das fühlte er. Die Mutter aber kannte ihn besser; ihr Plan stand lange fest! Zeit gewonnen— alles gewonnen. Sie wußte, wie er zu fassen und zu leiten sei, und mit allen Kräften und Mitteln wollte sie daran gehen. Auch in ihr stand es fest, daß aus dieser Heirat nie etwas werden dürfe; und wir werden bald sehen, wie geschickt sie die Fäden zu leiten wußte, unmerklich, aber fest und sicher ihn fangend. Sie war überzeugt, nur das beste zu wollen für ihren Sohn, und huldigte dem Grundsatz:„Der Zweck heiligt die Mittel".(Fortsetzung folgt.) Der verrückte Hamlet. Humoreske aus dem Bühnenleben. Von Albert Borde. —(Nachdruck verboten.) Ciser,- sagte er langsam und strich die Zigarrenasche ab,„man muß net z' hoch'naus wollen! * Ich glaub' schon, daß ich a Talent'habt hab', wie ich zum Theater'gangen bin; der gute Wille war a da, aber du mein God, ich war halt gar viel jung, und der gute Wille langt da net, zum Hamlet schon glei gar net. Der is gar schwer zum Spülen, dös is a Kerl, der Hamlet, er is gar zu verruckt, der waß ja net, was er wüll, i begreif' net, wie ma so a Stuck schreib'n kann?!“ Er war jetzt Chorsänger, eine brave, alte Haut mit einem zerrunzelten Mimenantlitz, aus dem die spitze Nase wie ein Wegweiser in die Welt ragte. Abend für Abend nach der Komödie saß er in der kleinen Kneipe am Damm, holte sich Wurst und Brot aus den Tiefen seines abgetragenen Gehrockes, oder auch einmal einen Hering, in Pergamentpapier gewickelt, und der Wirt brachte ihm Eßzeug, Teller und den Maßkrug(zum 25jährigen Chorsängerjubiläum vom Gesangverein„Harfe"): so saß er da, trank drei, vier Krüge, bis er die nötige Bettschwere hatte, und schob heim, mit den Händen herumsuchtelnd und unverständliche Worte vor sich hinmurmelnd. Heim in seine Mansarde, die einen Ausguck in den Himmel hatte, schiefe Wände, ein Bett und dürftiges Mobiliar. Dann hing er den Semmelbeutel hinaus, stellte den Milchtopf vor die Tür, legte sich auf den Strohsack, murmelte sich in den Schlaf und schnarchte, bis ihn am Morgen die Sonne weckte, die gerade in sein Gesicht schien. Nun hatte er einen Jugendfreund getroffen; der holte ihn vom Theater ab, als„Stradella“ aus war, und ging mit ihm zu Biere ins Stammlokal. Deshalb leistete er sich ein Eisbein, um dem Freunde nicht allzu schäbig vorzukommen, und ließ sich von ihm eine Zigarre anbieten. Sonst rauchte er nur eine am Tag, nach Tische; abends schnupfte er aus der Dose des Wirtes. Und dann erzählte er: „'s war ja a blödsinnige Idee, glei als Hamlet aufzutreten, aber— du lieber God, wann man so unters Theater lauft und hat ka Ahnung von allem, man macht ja's dummste Zeug! Und, wissen's, die Büldung muß a da sein, so bloß Volksschule, mir scheint, damit geht's net. Da war der alte Heiter, der hat mir'sagt:„Junger Freund,“ sagt' er,„a Watton, das is es erschte bein Theater, a Watton! Wann du a Watton hast, daß du nach was ausschaugst, dann ham's glei an Respekt vor dir, und wann's an Respekt ham', dann is schon’wonnen!“ Er hat mir a'sagt, wie ma sich a Watton macht, aus aner alten Westen, die wo ma vorn zunaht und hinten aufschneid't; vo, ich mich also hing'setzt und'naht und 'schnitt'n und drei Lagen Watta drauf und graue Leinwand’rüber, sehr nobel is word'n, und ich schon allweil das Watton z' Haus und auf der Straß'n anzog'n, daß ich mich dran gewöhn', und hab's net aushalten können vor Hitz'n. „Und dann“, sagt' er, hat er'sagt,„mußt dir dö Bücherln kauf'n, wo das dös drin steht, was der Hamlet für a Kerl war. Der war ka so a gewöhnlicher Mensch, wie mir zwa, der war— waßt, er hat a Schraub' locker ’habt im Hirn— net grad, daß er ganz verruckt war, aber so a bissel verdraht war er scho, i kann dir dös a net so sag'n, dös steht halt in dö Bücherln, die mußt dir kauf'!“ No, ich hab daz'mal no a bisserl Geld'habt von mein' Vatern selig, und ich also hin und dö Bücherln kauft. Alles hab ich ja net verstand'n, es waren a so vül Fremdwörter drin, aber so vül hab ich rauskriegt, daß der Hamlet scho a bissel verruckt’wes'n is, und a bissel hat er sich no derzu verstellt. Nu war da der Verghuber=Franzl, waßt, den, wo sei Mutter als klanen Bub'n amal dö Stieg'n hat nunterfall'n lass'n, der hat allweil so'lacht, so— hihi!— und hat a mit'n Kopf so zuckt, so aa bissel verruckt halt. Ich also vor'n Spiegel z' Haus und ’lacht und’zuckt. No, ich komm' auf die Prob' und da redt' doch erscht der König, und der Hamlet steht dabei und sagt nix. Ich zuck' also nur a paarmal. Sagt der Ressigeur:„Was haben Sie denn, Herr Dominikus? Haben Sie Nervenschmerzen?“ O na, sag ich, es is nur a so, und denk' mir: Waß der Mensch net, daß der Hamlet an Sparr'n hat im Kopf? Jetzt kummt mei erschter Satz, und ich denk mir: Jetzt macht es Gelachter! Ich sag' also, wie's in meiner Roll''stand'n is: Mehr als befreundet, wenigev als Freund, Psbith“. „Ja, was lachen Sie denn so?“ sagt der Ressigeur, „da ist doch nichts Komisches bei!“ No, ich bin stad, und denk' mir: Der hat die Bücherln net'les'n, wie kann er's wissen? Beim zweiten Lacher wird er's schon merk'n! Also jetzt kummt mei nächster Satz. Ich sag': Nicht doch, mein Fürst, hihi, ich habe zu viel Sonne, hihihihi! Jetzt der Ressigeur los:„Was soll denn die blödsinnige Lacherei? Sind Sie denn verrückt, Herr Dominikus?“ Ich?! sag' ich und schau ihn an. Ich?! Der Hamlet ist doch verruckt, wissen's denn dös net? „Um Gottes willen!“ schreit der da.„Aber doch nicht so, mit Hihi und dem Zucken mit'm Kopf, die Verstörtheit darf doch nur ganz leise angedeutet werden, die anderen sollen das doch nicht merken, das lehrt doch der gesunde Menschenverstand!" No, sag' ich, von mir aus, mir liegt nix an dem Gelächter, ich hab''les'n in dö Bücherln, er is verruckt! Nu is' weiter'gang'n, der Ressigeur is wie a Bär vorn auf und ab'lauf'n und hat Aug'n auf mich'macht; ich hab' mir denkt: Du schaugst ma lang guat! und red' weiter. Auf amal rennt er furt und laßt mich allein. No, ich red' noch a Weil', dann bin ich still, weil daß ich mir denk': Wann ka Mensch zuhört, was brauch' ich dös zu erzähl'n? Da kommt der alte Heiter, der wo dö sechste Schildwach' markiert hat, und sagt zu mir:„Dös is nix! eg unig lne un senog uu uce ne usbunuhe uetzung uag r unin M zun#plobind Wbuy Tval uhl W t Wh uht u Min uihocll M ud 13 wa uung Mimcueb gnlan aht uis inv gun nagsbobwpou — 088— — 331— We Aus den„Liedern vom Maurergesellen“ von Artur Bitger. raß mich fromm die Lippen senken * Auf die Schwielen deiner Hand; Denn ein ewig Meingedenken Hab' ich selig drin erkannt. Keuchtest, mir ein heim zu schaffen, Unter deiner Steine Last: 6önntest mir zulieb den straffen Sehnen keine Ruh nach Rast. Drängten sich die Werkgenossen Srierend keilerwärts zum Wein. Du in Regensturm und Schlossen hieltest aus und dachtest mein. Ihre Zöglinge aber verehrten das schöne Mädchen, das zwar oft heftig sein konnte, aber dann auch wieder so weich und gut war. So hatte sich Irma denn aus eigener Kraft eine Existenz geschaffen, die sie vor Not sicherte, sobald die Tante die Augen schloß, denn von ihrer sogenannten Patin, der schönen Prinzessin Vera v. St., hatte Irma kategorisch abgelehnt, jemals etwas anzunehmen. Sie haßte diese Patin förmlich— und wohl mit Recht—! Am Tage nach Lörrachs Abschied reiste denn auch Irma nun als Braut zurück, um dort wieder ihre Lehrstunden im Institut zu beginnen. Vier selige Wochen, in denen sie den Besuch des Geliebten täglich empfangen und in denen sie zu dreien Ausflüge in die herrliche Gegend gemacht, lagen hinter ihr; der Hauch der Glückseligkeit, der über dem reizenden Gesicht lag, gab ihrer Schönheit einen neuen unbeschreiblichen Reiz. *** Der Herbst war vergangen, der Winter gekommen. Was Irma gefürchtet damals in ahnungsvollem Weh, war längst eingetreten. Sie hatte den leidenschaftlichen Bitten, dem Flehen Lörrachs nicht widerstehen können. Vertrauend hatte sie ihm ihr kleines Heim geöffnet, und wenn auch zuerst das Bewußtsein der Schuld, der Heimlichkeit ihrer Wohltäterin gegenüber, ihr die glücklichen Stunden, in denen Kurt bei ihr war, zu bittersüßen machte, so war das Gefühl nach und nach schwächer geworden; sie selbst sah keinen Ausweg mehr, nachdem sie einmal nachgegeben hatte. „Ce’est que le premier pas qui coute,“ bewahrheitete sich auch hier. Einmal nur nachgegeben, nahm Kurt als selbstverständlich an, daß er seine Braut besuchen dürfe, und seine süßesten Versicherungen, daß er darin den größten, ihn so beglückenden Beweis ihrer opferfähigen Liebe sähe, beruhigten sie stets wieder, wenn sie in Zweifel, Angst und Sorge war Natürlich hatte die Tante keine Ahnung davon; vergessen waren alle Versprechungen und Versicherungen seinerseits.„Das seien veraltete Ideen, und wozu die alte Frau beunruhigen?“ hatte Kurt gesagt, und Irma hatte schweigend eingewilligt. Was sollte sie ihr auch schreiben? War es doch stets dasselbe; Kurt liebte sie glühend, leidenschaftlich; er schrieb ihr täglich zweimal womöglich, konnte er nicht kommen. Aber mit der Mutter war er nicht weiter, nachdem sie ihn einmal abgewiesen. Ein steter Tropfen höhlt den Stein, hieß es, und er müsse Zeit haben. So war der Frühling ins Land gekommen! Heute hatte sich Kurt fest vorgenommen, mit der Mutter zu sprechen; deshalb folgten ihm Irmas Blicke so innig, so dankbar vom Fenster ihres Stübchens aus, deshalb nickte er so zuversichtlich zu ihr herauf. Am Abend. Sie beim ersten besperläuten Warfen von sich Kell“ und Joch; Letzte Dämmrung auszubeuten, Schwingest du den Hammer noch. Abendrot in längst versunken: Längst schon Stern an Stern entglomm, Und ich rufe sehnsuchtstrunken Durch die Dämmrung: Komm, e komm! Komm, o komm zur warmen Stätte, Cräum' hinweg der Sorgen Wust, Komm, du müder Mann, und bette Weich dein haupt an meine Brust. Aus„Deutsche Lprik“ von Maximilian Bern. War es doch die höchste Zeit, daß etwas geschah. Waren doch die täglichen Besuche des berüchtigten Lebemanns bei der schönen Lehrerin nicht unbemerkt geblieben, und manche zweideutige Bemerkung ihrer Mitbewohner hatte Irma das Blut heiß in die Wangen getrieben. Die Vorsteherin hatte sie Neujahr kommen lassen und ihr unter allerlei Andeutungen gekündigt. Irma, treu ihrem Versprechen an Lörrach, die Verlobung geheim zu halten, hatte der Vorsteherin auf ihre wohlwollenden Fragen jedeweitere Aufklärung verweigert. „Wenn Sie mir nicht glauben können und nicht überzeugt sind— ohne meine Versicherungen, daß ich Ihre Achtung vollkommen verdiene," hatte sie damals geantwortet,„habe ich nichts mehr zu sagen.“ Und als die gütige Frau ihr vorgestellt, wie sie verantwortlich sei für ihre Zöglinge und doppelt bedacht sein müsse auf alles, als sie ihr angeboten, um allen Gerüchten die Spitze abzubrechen, Irma möchte in ihr Institut ziehen, bei ihr wohnen, bis ihre Zukunft sich geklärt habe— da hatte Irma energisch den Kopf geschüttelt, hatte ehrfurchtsvoll die Hand der alten Dame an ihre Lippen gezogen, aber fest und schweigend ihre Entlassung unterzeichnet. So hatte sie auch ihre Stellung verloren, und die Tür der Anstalt hatte sich für immer hinter ihr geschlossen. Ein Schritt weiter auf abschüssiger Bahn, hatte sie einen Moment gedacht, aber als Kurt ihr dann so glühend gedänkt, als er ihr wieder und wieder versichert, daß er ihr lohnen werde und danken ein Leben lang, da hatte sie glücklich gelächelt, leise geflüstert: „Mir ist nichts zu schwer für dich, Kurt, meiner Liebe ist kein Opfer zu groß.“ So lebte sie denn nun von den kleinen Ersparnissen, stolz jede Geldhilfe ihres Verlobten verschmähend, harrend und hoffend, daß die Mutter das bald erlösende Wort sprechen und sie glänzend rechtfertigen werde in den Augen der Tante— der ganzen Welt. *** Das Diner bei der Gräfin war beendet. Die stattliche Fünfzigerin lehnte in einem bequemen Lehnstuhl, sorglos, heiter, und verfolgte mit behaglicher Miene die blauen Ringe, die sie geschickt vom Rauch ihrer Zigarette in die Luft blies... Sie hatte kluge, kalte Augen, deren stechender Blick gemildert ward durch das ewige Lächeln, welches um ihre vollen Lippen schwebte. Sie galt für gutmütig im allgemeinen, vergötterte ihren einzigen Sohn, aber kannte nur den einen Wunsch, ihn mit einem Mädchen aus angesehener Familie zu verbinden; sie hatte daher auch heute ruhig zugehört, was Kurt ihr soeben eröffnet, einige nichtssagende Phrasen getan und nur gelächelt, als er, von seiner ewigen Liebe zu Irma sprechend, sie gebeten hatte, einzuwilligen und ihre Bekanntschaft zu machen. S 9 E S SS%“Sn S SUUEE SStESSSS S EHSEGG" "" 5""02 SSg S SOSSagUTE“ SER. * LO„ug an FS%DTSSF S# S5-S TSET #se Os SSEE gPTETANEEE □ 00 S 5— :m S.2 S#Sö E ES.2„SEg“GGE SEG·HFUETSUREEEDSSLEg VgSSESSS OTST: D TE BSSSG.— SExggES FTBUGgE„SBESESSOGIEUG. SUL“ BEn g-Bn.. TTUGEEEATET * S E ** S 7 PESREE EFTCELS GSEVEEG S S 8 S S 2 S SSSS #GOnE — 332— — 333— Nun schlürfte sie den Mokka, wartend, daß Kurt die Stille unterbrechen möge, der erregt am Fenster stand und mit ungeduldiger Miene dem Diener folgte, der Lampen anzündete und den Kaffeetisch heraustrug. Endlich waren sie allein. Gräfin Lörrach erhob sich, das hörte er am Rauschen der seidenen Robe, ohne hinzublicken. verspreche ich dir, mich ernster in diese Angelegenheit zu vertiefen, gesetzt, daß du dann noch gesonnen bist, das Mädchen zu heiraten; bis dahin aber erwarte ich, daß du meinen Willen ehrst und mich begleitest, du wirst mich dann um so liebevoller und eingehender für deine Wünsche finden. Komm, schlage ein, abgemacht?“ Sie hielt ihm die kleine fette Hand hin, ihn prüfend beschauend. Die wiederhergestellte Garnisonskirche in Berlin. Erst als sie dem Ausgang zuschritt, trat er ihr entgegen und sagte hebend:„War das vorher dein letztes Wort, Mama?“ Sie lachte hell auf. „Herzensjunge, nein! Nimm's nur nicht so tragisch! Im Gegenteil! Ich habe gar nichts gegen diese kleine Liaison; verlange nur, du sollst dich vorerst noch ernst prüfen, ob es auch die rechte ist, und dann will ich der Sache näher treten; nur jetzt nicht, Kurt.— Meine Nerpen sind überreizt, ich muß ins Gebirge, meine Kur beginnen.— Wir reisen in den nächsten Tagen ab, laß es uns dort überlegen, aber verschone mich vorher damit. Du weißt ja, wie lieb ich dich habe,“ fuhr sie weiter fort, als Kurt sich traurig und hastig umwendete.„Sei doch vernünftig, dein Bräutchen“— sie betonte es leicht und lächelnd—„wird sich trösten, wenn du sie indes auch in ein Bad schickst. Zerstreuung tut so viel... Brauchst du Geld?“ fügte sie sich umwendend hinzu, ihm die Hand unter das Kinn schiebend,„so verfüge über meine Kasse." „Ich danke,“ antwortete er gepreßt.„Es tut mir leid, daß du meine Neigung so herabziehst, so auffassest, Mama, Irma will kein Geld.“ „O. so zart besaitet ist die Schöne, das findet sich schon, doch: passons Ià dessus, Kurt. Ich will noch in die Operette, und, wie gesagt, nach unserer Rückkehr im Herbst Die Goldene Ehrenbürger=Medaille, die Kaiser Wilhelm II. von der Stadt München erhielt. Kurt zögerte. „Damit hältst du mich nun schon so lange hin, Mama. Irma grämt sich, und ich leide mit ihr— gib mir wenigstens dein Wort, daß du im Herbst auch dein Versprechen hältst.“ „Feierlichst mein Wort, Junge, ja, wenn du noch gewillt bist, diese Irma heimzuführen. Bist du nun zufrieden?“ „Ja, geliebte Mutter," und er küßte ihr dankbar die Hand. „Dafür reisen wir aber in drei Tagen, Kurt." „Jawohl! Je eher, je lieber; je früher bin ich zurück und bei ihr.“ „Ja, ja! Doch ich dispensiere dich auch vollkommen in diesen drei Tagen, mein Junge, und mache keine Ansprüche an dich.— Genieße sie noch und tröste sie über den Abschied,“ fügte sie leicht hinzu.„Du mußt doch gestehen, daß ich eine verständige, gute Mutter bin. Gute Nacht; denn ich werde dich wohl heute abend nicht mehr zu sehen bekommen, ich halte mich dafür schadlos in Berchtesgaden. Ja, Mutterliebe ist selbstlos!“ Ihnleicht auf die Wange klopfend, verschwand sie eiligst hinter der Portiere, nach ihrer Zofe schellend, um Theatertoilette zu machen... Kurt stand noch wie betäubt, er kam sich klein und erbärmlich vor, nun sollte er wieder mit demselben Trost, dem ferneren Aufschub zu Irma kommen. Er schämte sich seiner Schwäche, und doch hatte er nicht die Energie, ein Machtwort zu sprechen— und voll für seine Liebe, seine Zukunft einzutreten. Wovon sollte er auch leben? „Arbeiten willich für dich!“ Das hatte er wohl oft Irma wiederholt. Gesagt war das wohl leicht— aber ausgeführt schwer. Er und arbeiten! Der sich im Nichtstun wohl fühlte und dem ernste Beschäftigung vollkommen fremd war! Er kannte nicht das wohltuende Gefühl, nach getaner Arbeit auszuruhen— er kannte nur Langeweile oder Genußsucht. vom besuch des Deutschen Kaisers in München am 18. September anläßlich der feierlichen Einwelhung der Schac=Galerie: Kaiser Wilhelm vor dem Münchener Rathaus.