FroreroUTVTT — Die„Annener Zeitung" erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Bezugspreis inkl.„Sonntagsblatt“ u.„Humoristische Blätter“. — monatlich 40 Pfg.— — Telephon-Nr. 334.— Nr. 119. 1909. verbunden mit der„Annener Volkszeitung“. Anzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. Amtliches Organ. Anzeigegebühr für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg. Inserate finden bei der großen Auflage der Anneuer Zeitung weite und billige Verbreitung. — Telephon=Nr. 334.— Derisches Veich. — Der Kaiser weilt zurzeit auf dem Jagdschloß Hubertusstock, wohin sich auch die Kaiserin begeben hat. Der Aufenthalt hier ist für mehrere Tage vorgesehen. Das Kaiserpaar traf Sonnabend auf Hubertusstock ein. — Grauer Himmel und rieselnder Regen ungaben das Jagdschloß Hubertusstock in der Mark, als der Reichskanzler dort zur Begrüßung der kaiserlichen Majestäten und zum Vortrag beim Kaiser verweilte. Herr von Bethmann Hollweg wurde auch zur Tafel gezogen. Zum letzten Male hatten Kaiser und Kanzler bei der Einweihung der neuen SchackGallerie in München mit einander gesprochen. Der Kaiser dürfte auch in Hohenfinow, der Besitzung des Reichskanzlers, von Hubertusstock aus einen Besuch abstatten. — Doch eine Freude. Die Kunde von einer bevorstehenden neuen deutschen Reichsanleihe in der Höhe von 500 Millionen Mark ist nicht zutreffend; aus den sogenannten Rückständen in den letzten Jahren dürften aber so ziemlich 100 Mill. zusammenkommen. — In Brüssel tagt zur Zeit der 8. Internationale Friedens=Kongreß, der 1908 in Berlin war. Man erörterte verschiedene ganz interessante Themata, z. B. eine allgemeine Friedens=Petition, das Verbot, Explosions=Stoffe aus Ballons hinauszuwerfen etc. Aber wir sind nun einmal erst bei der Theorie und werden kaum sobald zur Praxis gelangen. — Feldmarschall Graf Häseler bei seinem alten Korps. Graf Häfeler verweilte neulich in Metz. Er wollte auch, der„Tgl. Rdsch.“ zufolge, das nach ihm benannte Fort auf dem St. Bleise, welches das Moseltal beherrscht, aufsuchen. Der Posten am Tor präsentierte, aber— bat um die Einlaßkarte. Der Marschall war ganz verdutzt, fragte den Posten, wer er sei, und mußte, obwohl der Soldat das genau wußte, doch draußen bleiben, da er seine Karte vergessen hatte. Der Wachtpösten handelte strikt nach der Instruktion, laut melcher nur der kommandierende General und der Gouverneur von Metz, sowie die direkten Vorgesetzten der in den Forts belegenen Truppen Zutritt haben. Graf Häseler lobte den Soldaten wegen der strengen Beachtung der Vorschriften, kehrte aber dann wohl oder übel wieder um. — Generaloberst von der Goltz soll in 2 Jahren in den Dienst der Türkei übertreten wollen. Das ist wohl nur ein Gerücht, das sich an die in kurzer Zeit stattfindende Reise des erfahrenen Strategen nach Konstantinopel knüpft. — Der Hansa=Bund teilt mit, daß viele BeitrittsErklärungen von Deutschen in Amerika, Ostasien, Süd=Afrika und vielen Teilen des außerdeutschen Europa bei ihm eingegangen sind. Richt zu verschweigen ist es aber auch, daß die neuliche Erklärung, der Hansabund wolle zu den auseinandergehenden Interessen von Groß=Industrie, Handwerk rc. keine Stellung nehmen, nicht eben günstig aufgenommen ist. — Die Enthüllungen über die letzte Amts=Periode des Fürsten Bülow, die in allerlei sensationellen Behauptungen gipfelten, namentlich darin, daß der Sturz des früheren Kanzlers schon im November entschieden gewesen sei, werden bestimmt für falsch erklärt. Fürst Bülow hat, wie bekannt, ein Eingehen darauf abgelehnt, es wird aber für die ersten Tage dieser Woche eine Kundmachung seines Rachfolgers in der„R. A..“ erwaret. Berlin, 11. Okt. Der Reichsbankdiskont ist auf 5 Prozent, der Lombardzinsfuß auf 6 Prozent erhöht worden. Ausland. Oesterreich=Ungarn. Im Landtage zu Sailach kam es zu tollen Szenen. Es wurde mit Trompeten, Pfeifen und Trommeln eine Höllenmusik gemacht, so daß es niemand mehr in dem Raume auszuhalten vermochte. Die Sitzung mußte gänzlich geschlossen werden. Hoffentlich kommt es bei den nunmehr bald wieder beginnenden Parlaments=Verhandlungen in Wien nicht ebenso. Serbien. König Peter von Serbin soll die weitere Auszahlung der Apanage an seinen in Paris lebenden Bruder Arsen eingestellt haben, weil dieser verschiedene von ihm ausgegebene Wechsel nicht einlöste. Das klingt wenig glaublich, denn Prinz Dienstag, den 12. Oktober. Spanien. Zur Lage. Der Prozeß gegen den Freidenker Farrer in Barcelona, der beschuldigt ist, den großen Anarchisten=Aufstand in dieser Stadt angezettelt zu haben, beschäftigt heute Spanien mehr, wie die Marokko=Sache. Es handelt sich darum, Farrer, der seine Schuld entschieden bestreitet, vor der Strafe des Kriegsgerichts zu retten. Dem Könige Alfonso sind viele Gesuche um Begnadigung zugegangen.— Wie Musik klingt es in die Ohren der Spanier, daß mehrere Kabylen=Stämme in Afrika wegen Mangels an Lebensmitteln ihre Unterwerfung angeboten haben. Eine Hand voll Gold an die Stammes=Häuptlinge hat wohl diese friedliche Absicht beschleunigt! Rußland. Der Streit in Charbin ist, wie auch die„R. A..“ bestätigt, definitiv beigelegt. Die deutsche Fahne ist nicht beleidigt. Es sind alle Vorkehrungen getroffen, für die Folge solche Zusammenstötze zu vermeiden. Der Zar reist am 19. Oktober nach Italien und zwar über München und den Drenner. Großbritannien. um das englische Budget. London, 9. Okt. Im nationalliberalen Klub hielten gestern 2 Minister Reden über die politische Situation. Herr Winston Churchill sprach über die Aussichten des Budgets im Oberhause. Er neigt der Ansicht zu, daß die Peers die Finanzbill schließlich annehmen werden. In jedem Falle könne von einem Eingehen auf die Wünsche der Lords keine Rede sein. Ein Kompromiß, erklärte der Handelsminister nachdrücklich, nehme die liberale Partei nicht an. Diese Kundgebung Churchills ist in Anbetracht der bevorstehenden Rückkehr des Premierministers von Balmoral bemerkenswert, obwohl unter den radikaleren Abgeordneten noch gestern Befürchtungen laut wurden, daß Herr Asquith Konzessionen machen würde. Nach Churchill sprach der Lordkanzler Lord Loreburn. Er zog besonders die ökonomisch=soziale Seite des Budgets in Erwägung und gab noch stärker als sein Ministerkollege der Ansicht Ausdruck, daß die gemäßigt konservative Meinung über die Extremisten siegen und das Budget passieren werde. Amerika. Peinliche Ueberraschung hat es erregt, daß von demenglischen Geschwader, das an der internationalen Flottenparade anläßlich der Hudson=Fulton=Feier teilnahm, wohl über 200 Matrosen desertiert sind. Einige hat man ergriffen, das Gros aber ist und bleibt verschwunden. Es scheint in der englischen Marine doch vieles nicht so glänzend zu sein, wie es von außen aussieht. Umso unangenehmer sind die Dorkommnisse, als sie sich unter dem Kommando des alten, tapferen Admirals Seymour ereigneten. Das deutsche Geschwader mit Großadmiral von Köster an Bord hat Newyork unter lauten Ovationen nach Abschluß der Jubelfestlichkeiten wieder verlassen und die Heimreise nach Deutschland angetreten. Es war eine Reihe von müde machenden Bankett= und Feiertagen. Schade, daß das freundschaftliche Beisammensein der amerikanischen, englischen und deutschen Seeleute bei dieser Gelegenheit nicht auf alle Verhältnisse übertragen werden kann, aller politischer Zank wäre mit einem Male aus und porhe. Aus New=York kommen über das Schluß=Essen bei der Hudson=Feier und die dabei gehaltenen Reden unseres GroßAdmirals von Köster und seines englischen Kameraden Seymour noch spaitenlange Berichte. Der Ton der Reden war durchaus liebenswürdig, und die deutsch=englische Freundschaft soll nun wieder einmal besiegelt sein. Wir erkennen es gern an, Dieles ist ja besser geworden, aber das Dichten von deutschen Invasionsstücken hat in England geradeso wenig aufgehört, wie die Putschereien in den Zeitungen. Wenn die britischen Offiziere zu Hause einmal den chauvinistischen Zeitungen zurufen wollten: „Haltet den Mund!“— Das wäre die beste, weil wirksamste Rede. Der amerikanische Humorist Mark Twain vermählte seine Tochter mit dem russischen Klaviervirtuosen Ossip Gabrilowitsch. Nachdem die beiden getraut waren, meinte Twain, den Rest meines Lebens werde ich damit verbringen, den Ramen meines Schwiegersohnes aussprechen zu lernen! lebt in Frankreich Ein Verbrüderungsf schlicht bürgerlich und ohne jeden Aufwand. fest bulgarischer und türkischer Offiziere soll demnächst in Konstantinopel stattfinden. Die Kultur schreitet auf der Balkan=Halbinsel wirklich schnell vorwärts. Türkei. Die Meldung von einem neuen Fluchtversuch des Ex=Sultans Abdul Hamid aus seiner Billa Allatini in Saloniki, die von verschiedenen Blättern verbreitet worden war, ist als unrichtig zu bezeichnen. Der Sultan hat sich in sein unabänderliches Schicksal ergeben. Frankreich. Ministerpräsident Briand hielt in Parigeux eine große politische Rede, worin er seine Politik, als eine alle Republikaner einigende, in sehr warmen Worten verteidigte. Er ging dann ausführlich auf die von ihm geplanten sozialen und finanziellen Reformen ein, sprach über Altersversorgung und andere neue Pläne und erntete großen Beifall. Auf der Straße gab's eine kleine Demonstration.— Der zeitweise zur Disposition gestellte General 'Amade wird schwerlich lange außer Dienst bleiben. Spätestens um Frühjahr dürfte er eine Korps=Kommandeurstelle erhalten ind damit entschädigt sein. Lokale und provinzielle Nachrichten. * Annen, 12. Okt.(Die Kartoffelernte) ist jetzt zum größten Teile beendet und ist der Ertrag als ein ziemlich günstiger zu bezeichnen. Der Preis für hies. Kärtoffeln beträgt pro Zentner —3,50 Mark, fremde Kartoffeln werden auf den hies. Werken schon von.50 an Mark geliefert. Auch die Kappusernte hat begonnen und ist auch hierbei ein gutes Ergebnis zu verzeichnen. Der Preis für 100 Köpfe beläuft sich auf—7 Mark. —(Ueberfahren) wurde auf dem Hellweg von einem auswärtigen Radfahrer der ca. 70 Jahre alte Invalide Klusmann. Hierbei wurde K. derart verletzt, daß er dem Krankenhause in Witten zugeführt werden mußte. Der unvorsichtige Radfahrer wurde von herbeieilenden Leuten festgehalten, bis seine Personalien festgestellt waren. —(Unfall.) Der Arbeiter G. stürzte auf einem hiesigen Werke in einen Kanal und erlitt außer kleinen Verletzungen einen bösartigen Armgelenkbruch. (Abgefaßt) wurden in der Sonntag Nacht von den Sicherheitsbeamten eine Anzahl Radaubrüder, welche auf der Herdeckerstraße und im Ardey durch ihr Brüllen und sonstigen Unfug die 25. Jahrgang. nächtliche Ruhe der Anwohner störten. Die diesbzgl. Diplome werden folgen...,„.( Mari ,) Am Ereit§ Annen, 11. Oktober.(Kolonial=Volklag.] am Freitag abend findet in Witten ein Kolonial=Dortrag statt auf den wir noch besonders aufmerksam machen.(Siehe Annonce.) * Annen, 11. Okt.(Neues Adreßbuch.) Für das Jahr 1910 wird von Herrn Amtssekretär Schwalbenbach ein neuer Annener=Adreß=Kalender zusammengestellt. Die Ausgabe desselben wird bestimmt Mitte Dezember 1909 erfolgen. § Stockum, 11. Okt.(Die Rache der Automobilisten.) Bekanntlich geht unsere Bürgerschaft gegen die unsinnigen und tollen Automobilfahrten ganz energisch und mit Recht vor, indem sie alle Autos, die mit einer Geschwindigkeit, die über das gesetzlich gestattete Maß hinausgeht, unsere Provinzialstraße dahin rasen, unachsichtlich zur Anzeige bringt. Diese Anzeigen und die darauf erfolgten Strafen haben nun bei den Automobilisten und Chauffeuren eine recht gehässige Stimmung gegen unsere Bürgerschaft hervorgerufen, die sogar schon in recht bezeichnenden Ausbrüchen ihr Spiegelbild gefunden hat. So wurden dem hies. Metzgermeister B. vor einigen Tagen die Fensterscheiben eingeschlagen, während man den Uhrmacher R. ob seines Selbsthilfeaktes energisch zur Rede stellte, ihn eine Strecke mit dem Auto verfolgte und ihn schließlich sogar bedrohte. Solche durch nichts gerechtfertigte Racheausbrüche sind nur geeignet, das gespannte Verhältnis zwischen unserer Bevölkerung und den Automobilfahrern immer wbeiter zu treiben. Man sollte doch zu der Einsicht kommen, daß unsere zur Selbsthilfe gegriffene Bürgerschaft nür einen Akt der Rotwehr begeht, wenn sie es nicht stillschweigend duldet, daß sie von gewissen Automobilisten zu Krüppeln oder gar tot gefahren wird. Witten, 11. Okt.(Der Westfälische Provinzialverband für Knaben=Handarbeit veranstaltet am 17. und 18. Oktober seine diesjährige Tagung, mit der eine Ausstellung verknüpft ist. Unter dem Vorsitz des Ehrenbürgermeisters Dr. Haarmann hat sich ein Ehren=Ausschuß gebildet. § Kruckel, 11. Oktober.(Berichtigung.) In Rummer 24 und 25 der Annener Zeitung wurde unter der Spalte„Aus den Gerichtssälen" der Gastwirt August Brinkhoff in Kruckel erwähnt. Die Redaktion hat sich inzwischen davon überzeugt, daß die in dem Artikel bezüglich des Herrn Brinkhoff aufgestellten Behauptungen der Wahrheit nicht entsprechen, daß dem Herrn Brinkhoff insbesondere ein Vorwurf nicht gemacht werden kann. Die Redaktion hält es deshalb für ihre Pflicht, solches nochmals auszusprechen und zwar mit dem Ausdrucke des Bedauerns. Wir haben uns auch davon überzeugt, daß nicht Herrn Brinkhoff, sondern die Witw. Wenzel die Schuld an den ganzen Zerwürfnissen traf. Bochum, 9. Okt.(Das Dynamit=Attentat) auf die Hochzeitsgesellschaft in der Bahnhofstraße hält die Gemeinde Riemke noch immer in Aufregung. Man scheint den Täter noch nicht zu haben, denn um ihn zu finden, war der Polizeihund Pan herbeigeschafft worden. Die Spuren waren aber infolge des strömenden Regens und durch die große Menschenmenge, die alsbald nach der Tat die Umgebung des Hauses belagerte, verwischt. S Ein Drama in der Lebewelt. Die Ermordung der Gräfin Strachwitz. Ungeheueres Aufsehen erregt in der Berliner Lebewelt ein Attentat, dem Samstag nacht die Gräfin Auguste Strachwitz zum Opfer fiel. In dem Hause Friedrichstraße Nr. 30 erschoß gegen Mittemnacht der 24 Jahre alte Kaufmann Alfred Friedländer die 37 Jahre alte, als„Schriftstellerin“ gemeldete Gräfin Auguste Strachwitz und verletzte sich dann selbst ebenfalls durch Revolverschüsse so schwer, daß er noch in der Nacht seinen Verletzungen erlag. Am 17. Januar 1907 war die Gräfin Strachwitz nach der Friedrichstraße 30 gezogen, wo sie die Hälfte des ersten Stockwerks bewohnte. In diesem Hause ging der Kaufmann Alfred Friedländer, der bei seinen Eltern in der Rettelbeckstraße 21 zu Charlottenburg wohnte und bei seinem Dater in einem Agenturgeschäft tätig war, schon seit Jahresfrist bei der Gräfin aus und ein. Gestern nachmittag kam er viermal umsonst, weil die Gräfin ausgegangen war. Erst abends um 11 Uhr kamen beide zusammen nach Hause. Kurz vor Mitteinacht hörten Gäste der Schankwirtschaft von Lau, die unter der Strachwitzschen Wohnung liegt, in dieser mehrere Schüsse fallen. Einige Gäste und ein Arbeiter von der Straße eilten hinauf und fanden die Gräfin, die nur mit Hemd und Strümpfen bekleidet war, blutüberströmt auf dem Treppenabsatz liegen. Wie die Polizei, die bald erschien, feststellte, hatte sie einen Stich in der linken Schulter, in der Herzgegend, eine Schußwunde an der linken Halsseite und eine erhebliche Verletzung am linken Auge. Die Schwerverletzte wurde mit einer Droschke nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer und dann nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Dort starb sie bald nach der Aufnahme. Die Wohnung der Gräfin fand man geschlossen. Die Polizei mußte sie aufbrechen und fand dann den jungen Friedländer schwer röchelnd angekleidet auf dem Fußboden liegen. Auf dem einen Bett im Zimmer, das aufgeschlagen und zerwühlt war, während das andere geordnet dastand, lagen die blutbesudelten Kleider der Gräfin, auf dem Nachttische ein Schlangendolch, der ebenso wie das Futteral blutbefleckt war. Am Fußboden neben Friedländer lag ein zierlicher Revolver. Ein drittes Mordwerkzeug lag im Bett, eine Scheiben= oder Zimmerpistole mit zer trümmertem Griff. Wahrscheinlich hat mit diesem Griff die Gräfin einen Schlag auf das Auge bekommen. Auch nach anderen Zeichen muß zwischen ihr und dem eifersüchtigen Liebhaber ein harter Kampf stattgefunden haben. Friedländer wurde ebenfalls nach dem Urban gebracht und starb dort um 3 Uhr. Die„Oreschgräfin“. Die ermordete Gräfin Auguste Strachwitz war eine in der Berliner Lebewelt wohlbekannte Persönlichkeit, mit der sich auch wiederholt die Gerichte in aufsehenerregenderweise zu beschäftigen hatten. Sie war niederer Herkunft, die Tochter kleiner Bauersleute namens Lukoskus. Nachdem sie in Berlin aufgetaucht war, erwarb sie sich beim Stammpublikum der Nachtlokale bald ein gewisses Renommee als Vertreterin einer besonderen Spezialität, die ihr den Spitznamen„Die Dreschgräfin“ einbrachte. Als ihre Popularität in den Kreisen der Lebewelt zu wachsen begann, wuchs auch ihr Ehrgeiz, und sie kaufte sich einen adligen Gatten in der Person eines schlesischen Grafen Strachwitz, der bis dahin als kleiner Schreiber bei einem Anwalt sein Leben gefristet hatte und dessen sie sich alsbald wieder zu entledigen wußte. Die nunmehrige Gräfin Strachwitz trat jetzt mit großem Aplomb auf, unternahm Reisen, die sie in alle Kurorte und mehrfach an die Riviera führten. Nach Berlin zurückgekehrt, nahm sie in der Charlottenstraße 2 Wohnung, deren sonderbare Einrichtung bald das Augenmerk der Polizei auf das Treiben der Gräfin lenkte, die unter dem Aushängeschild einer „Massage=Anstalt“ ein veritables Marter=Institut betrieb. Bei einer damals— im April 1905— in ihrer Wohnung vorgenommenen polizeilichen Haussuchung wurden verschiedene recht auffällige Apparate beschlagnahmt, vor allem ein Hängeapparat und eine Kollektion Hundepeitschen. Kommissar von Treskow beschlagnahmte damals alles, was er fand: Hängegerüste, Ruten, Peitschen, Knuten, Trensen, Kandaren, Stiefel mit Sporen, Hundeketten, Stachelhalsbänder und dergleichen mehr, auch den Thron, auf dem die Masseuse in durchsichtigen Gewändern vor ihren Besuchern zu sitzen pflegte. Die Gräfin wußte damals das Vorhandensein dieser Folterwerkzeuge auf harmlose Weise zu erklären, indem sie behauptete, die Apparate seien Turnapparate, die sie zur Kräftigung ihres Körpers benutze, die Peitschen benötige sie zur Erziehung ihres Bernhardinerhundes. Schon daznals waren mehrere Anzeigen wegen Kuppelei gegen dies Gräfin ergangen, die in ihrer Wohnung Mädchen in schulpflichtigem Alter Lebegreisen zugeführt haben soll. Die beschuldigte Gräfin wurde damals freigesprochen; aber vor etwa Halbjahresfrist stand sie unter noch schwererer Anklage. Sie soll damals nach Behauptung ihres geschiedenen Gatten erster Ehe, eines Hamburger Schneiders namens., ihr eigenes, in einem Hamburger Pensionat untergebrachtes 17jähriges Töchterchen, das dem Vater zugesprochen war, von dort entführt haben, um es an ihre Berliner Kundschaft zu verkuppeln. Auch damals wurde die Gräfin auf Grund der Aussage ihrer Tochter von der Anklage der Kuppelei freigesprochen, aber wegen Entführung zu 6. Wochen Gefängnis verurteilt. Ein Grafentitel für 75 Mark. Ueber die beiden Ehen, die Wanda Schilten, wie sie sich damals nannte, eingegangen war, sei noch das folgende nachgetragen: Auguste Lukoscus hatte früher einen Schneidermeister Paustian geheiratet. Aus der Ehe, die nach einigen Jahren geschieden wurde, ging eine Tochter hervor. Diese wurde dem Ehemanne zugesprochen, und er zog mit ihr nach Hamburg. Vor etwa acht Jahren heiratete die schöne Masochistin den Grafen Strachwitz, einen kleinen verwachsenen Mann, der als Schreiber bei einem hiesigen Rechtsanwalt tätig war. Ihr kam es nur darauf an, einen klangvollen Ramen zu erhalten. Irgend einen Verkehr mit ihrem neuen Ehemann ging sie nicht ein. Das ganze Gemeinschaftsleben beschränkte sich auf die standesamtliche Trauung und ein Frühstück, daß sich an diese anschloß. Für die Trauung hatte die hübsche Frau dem Grafen Strachwitz einen neuen Anzug gestiftet, außerdem gab sie ihm noch nach einer Darstellung 75, nach einer anderen 125 Mark. Damit hörten die Beziehungen auf. Beherzigenswerte Worte schreibt die„Doss. Ztg..“ zum Strachwitz=Drama:„Jetzt,... da die tolle Gräfin tot ist, werden manche, die ihr die Tür geöffnet, ihr auf glattem Estrich glatte Höflichkeiten gesagt haben, verwundert erfahren, was sie bei Lebzeiten getrieben hat, in Bars und Nachtkneipen und in ihrem absonderlichen Institut für Gymnastik. Und die Moral von der Geschichte ist, daß man den Menschen nicht nach seinem Ramen, sondern nach seiner Person schätzen soll. Weniger falsche Exklusivität auf der einen, mehr richtige Selbstachtung auf der andern Seite, und es wird mancher Anlaß zu bitterem Spott schwinden.“ Ein neuer Raubmord. Im Elbinger Stadtwalde wurde der 53jährige Arzt Dr. Ernst Krause von einem unbekannten Täter ermordet und beraubt. Auf bestialische Weise hat der Mörder sein Opfer niedergemacht. Dr. Krause wurde nach der Darstellung Berliner Blätter hinterrücks in den Kopf geschossen, dann mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen und durch einen Messerstich ins Genick vollends getötet. Uhr und Portemonnaie wurden geraubt. Das ist jetzt der dritte Raubmord, den wir binnen kurzem in Deutschland zu verzeichnen haben. Der Mörder des Direktors Friedrich im Harz, ebenso der des Pastorpaares Vermehren auf Rügen sind noch nicht festgestellt, wird dem Elbinger Mordbuben das Geschick in gleicher Weise günstig sein? Ueber den sensationellen Mord in Elbing wird weiter berichtet:„Es ist festgestellt, daß der Mörder seinem Opfer aus dem Hinterhalt einen Schuß ins Genick beigebracht und ihm dann mit dem Kolben des Revolvers den Schädel eingeschlagen hat. Mit Hilfe von Polizeihunden suchte man nach dem Verbrecher. Der getötete Dr. Krause hatte in Elbing keinen Feind, er lebte ganz seiner Familie und seinem ärztlichen Berufe. Er war 53 Jahre alt, stammte aus Altmarkt im Kreise Stuhen und lebte seit langen Jahren in Elbing. Aus den Taschen des Toten fehlte das Portemonnaie, die goldene Uhr war von der Kette gerissen. Als eine Reisig sammelnde Frau die Leiche auffand, bemerkte sie noch die letzten Zuckungen. bevor die Markwährung des neuen deutschen Reiches eingeführt wurde, kannte man die Pfennigrechnung und den Wert des Pfennigs hier eben so gut, als jetzt noch in Süddeutschland. Damals hatte ein Silbergroschen noch 12 Pfg. und bei keinem Käufer fiel es auf, wenn er etwa 4 Groschen und 11 Pfg. zahlte und jeder Verkäufer nahm ruhig die einzelnen Pfennige an oder gab solche zurück. Die Zeiten änderten sich. Die Pfennige verloren in den flotten Jahren ihren Einzelwert, namentlich in den Wirtschaften, und heute ist es so, daß die Hauptrufer gegen die Pfennigrechnung— die Herren Wirte sind. Hier in unster Gegend kennt man in den Wirtschaften, ganz gleich ob erstklassig oder nur so so la la, nur eine Bezahlungssumme, die durch 5 teilbar ist. Es liegt doch absolut kein Grund vor, die Preise dort in sprunghafter Höhe von 5 oder gar 10 Pfg. zu halten— aber es ist alter Brauch. Andere Geschäfte müssen mit einzelnen Pfennigen rechnen und beide Parteien, Käufer und Verkäufer stehen sich gut dabei. Weshalb soll das denn in den Wirtschaften hier nun einfach unmöglich sein?— In Süddeutschland geht es doch! Dort kann man ruhig in den größten Ausschank gehen, für 12 Pfg. Bier, für 3 Pfg. Brot und einen Radi verlangen— man wird es bekommen. Run versuche man dasselbe mal hier in unster Gegend, ganz gleich ob in einem Dortmunder Bierpalast oder in einer kleinen Dorfschenke,— ich glaube, der Mann, der solches wollte würde k. H. von den entrüsteten Blicken der Wirte, der Kellner und auch der übrigen Gäste einfach erdolcht werden. Eine solche Pfennigrechnerei gibt es hier ja nicht— wir sind hier zu vornehm dazu, zu„anständig", wie man wirklich ohne Berechtigung sagt. Im Süden geniert sich kein Gast, bestellt sich in einem=beliebigen Restaurant sein Maß, verlangt für—4 Pfg. Brot, zieht ein Stück Wurst aus der Tasche und erquickt sich so für wenig Geld recht gründlich. Seine Zeche macht höchstens 28 Pfg.„Robelig“ aber gibt er, wenn es ihm gut geschmeckt hat, auch 2 Pfg. Trinkgeld, wofür die Bedienung noch einen herzlichen Dank hat. Hier in Norddeutschland ist solches einfach undenkbar. Man riskiere es mal, dem Herrn„Ober“ ein 2 Pfgstück in die Hand zu drücken! Wehe ihm! Nur bei ganz geringem Verzehr nimmt der Ober, meistens mit einer Miene, als wenn er eine Gnade erwiese, ein 5 Pfgstück an. Seine Würde, in die sich die meisten Ober gefallen, sein Benehmen, daß er sich dem Gros der von ihm bedienten Gäste weit an Bildung und Stellung überlegen fühlt, zeigen es deutlich, daß ihm die kleinliche Pfennigfuchserei gründlich verhaßt ist. Ausnahmen bestätigen die Regel! Run ist es ja so, daß hier grade im Wirtshaus ein Parvenüstandpunkt und unbewußt eine Protzigkeit von vielen Menschen hervorgekehrt wird und daß deshalb die Herren Kellner durch das sinnlose und an sich vollständig unberechtigte Trinkgeldgeben einfach verwöhnt sind. Die Reaktion tritt aber jetzt ein, aus den gewiß berechtigten Rotschreien der Kellner ist solches zu konstatieren. Jetzt haben die Brauereien und Wirtevereinigungen den Beschluß gefaßt, von den Gästen erheblich mehr zu verlangen, als die Steuererhöhung ausmacht. Es ist dieses aber ein zweischneidiger Beschluß und wird er wohl, da die Presse genügend für Aufklärung gesorgt hat, ein Schlag ins Wasser sein. Die Konsumenten haben eingesehen, daß die ungeheure prozentuale Preiserhöhung weniger dem Steueraufschlag als der Profitwut gewisser Kreise zu verdanken ist. Lieber aber versagt sich der Bürger und Arbeiter den Labetrunk, als die enorme Preiserhöhung mitzumachen. Mußten denn die kleinen Finkennäpfchen ¾0 ltr. für 10 Den Pfennig in Ehren! Annen, 9. Okt. Ehret den Pfennig!— Dieser Mahnruf taucht in letzter Zeit immerwieder auf und sucht immermehr Boden in unserm Volksleben zu gewinnen. Und weshalb auch nicht? Warum denn keine Pfennigrechnung hier in unsrer Gegend, wie sie im Süden Deutschlands gang und gäbe ist?— Da erhebt sich aber, so wie ein derartiger Wunsch geäußert wird, ein mißbilligendes Kopfschütteln und mit ernster Miene wird es verkündet: Die Pfennigrechnung ist hier nicht beliebt! — Ja, warum denn in aller Welt ist sie nicht beliebt? Wer und was hat man gegen sie? Bis vor wenigen Jahrzehnten, Pfg. gegeben oder konnten nicht besser und einfacher für das altgewohnte 1 ltr. Glas wenn es durchaus nötig war— 11 Pfg. und für das halbe ltr. Glas 18 Pfg. verlangt werden?— Das wäre jedenfalls der Sachlage am besten angepaßt gewesen und manche böse Störung und unangenehme Erfahrung, die jetzt zu verzeichnen ist, wäre vermieden worden. Aber die Herrn Wirte verkündeten es der staunenden Welt: Die Pfennigrechnung ist nicht beliebt! Deshalb unterblieb sie. Deshalb mußte aber auch an vielen, vielen Orten die angekündigte Preissteigerung wieder zurückgezogen werden und zum Leidwesen mancher Interessenten in der Versenkung verschwinden.— Unsre Zeit verlangt gebieterisch die Pfennigrechnung! Im Handel und Gewerbe ist sie langsam wieder zur Geltung gekommen, mögen die Herren Wirte ihren Widerspruch dagegen mal fallen lassen und sie in ihren Betrieben allgemein auch einführen. Müssen denn etw. Erhöhungen stets 5,10 oder mehr Pfg. betragen, wo doch ev. ein Aufschlag von.4 oder 6 Pfg. genügte?— Zurück zur alten Pfennigrechnung, zur Wertschätzung des einzelnen Pfennigs. Es liegt im Allgemeininteresse, es dient zur Gesundung, zur Besserung der bei uns jetzt so viel herrschenden Großmannssucht, wenn wir wieder zur alten deutschen Einfachheit zurückkehren, die immermehr schwand, als die bescheidenere, aber den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Lebenshaltung der breiteren Volksmasse manchmal bis ins Unangemessene wuchs, als sich viele Leute eine viel zu hohe Meinung von sich und ihrem Arbeitsverdienst aneigneten. Gewiß, der Verdienst war gut, das Geld ging nicht auf und die wahren„Volksfreunde" fehlten nicht, die dem Volke unaufhörlich vorpredigten:„Was der Mensch haben muß, das muß er haben“ und„Fort mit der verfl... Bedürfnislosigkeit!“ Der Pfennig, der ominös„Kupferlappen“ genannt wurde, verschwand sozusagen fast ganz aus dem Verkehr und war so unbeliebt, als wenn nicht 100 Stück eine Mark ausgemacht hätten. In den letzten Jahren hat sich hierin eine allmähliche Wandlung vollzogen. Der Traum von dem nicht klein zu bekommenden Gelde ist verflogen und die neuerdings erfolgte Steuerreform hat es selbst dem Unbefangensten klar gemacht, daß er unbedingt wieder mit Pfennigen rechnen muß. Jeder Haushalt hat doch an all den neuen Steuerobjekten sein Teil beizutragen und wahrlich nicht zu knapp. Es ist deshalb eine unbegreifliche Handlungsweise der Wirte und fonstiger Interessenten, daß sie von der Pfennigrechnung nichts wissen wollen, im Gegenteil die heutige mißliche Lage noch benutzen möchten, um für sich noch ein Extraprofitchen herauszuschlagen. Das Letztere ist wohl der Grundgedanke des Sträubens der Wirte, der Hauptgegner der Pfennigrechnung und deshalb: Fort mit deren Widerspruch, der sich durch nichts rechtfertigen läßt! Unsre Hausfrauen wissen den einzelnen Pfennig am besten zu schätzen und kaufen da gerne ein, wo die Waren ein paar Pfennige blilliger sind wie anderswo. Soll der Mann nun nicht grade so gut rechnen können? Auch er ist in der Lage den Pfennig an seinem Teil wieder zu Ehren zu bringen und das vor allem in den Wirtschaften und sonstigen Kleinbetrieben. Die Pfennigrechnung ist in jedem Geschäftsbetriebe angebracht. Den besten Beweis erbringen uns die modernen Geschäfts= und Warenhäuser mit Pfennigartikeln, die Milchausschankbuden mit ihrem Glas Milch für 6 Pfg. usw. Sie muß und kann überall eingeführt und durchgedrückt werden,— selbst bei den Wirten, die bislang nur mit 5 oder 10 Pfg. rechnen. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert— sagten unsere Däter mit Recht. Zeute hat der Pfennig noch eine größere Bedeutung im wirtschaftlichen Leben als früher und darum muß er wieder zu einer gangbaren Münze gemacht werden. Sorge bis jetzt so verächtlich angesehene Pfennigrechnung hier in unserer Gegend zur vollen Geltung kommt. Das Geschrei der Gegner 'e Pfennigrechnung ist nicht beliebt! ist unwahr. Aug. Jacobi. Aus dem Gerichtssaal. Dahsel. Im Erpressungsprozeß Dahsel, der seinem Ende entgegengeht, wurden verschiedene Anträge der Verteidiger auf Ladung von Zeugen, die dartun sollten, daß der Verleger der„Wahrheit“ der antisemitische Abgeordnete Bruhn, durchaus unglaubwürdig sei, abgelehnt.-Ebenso lehnte der Gerichtshof Anträge von Zeugenladungen, durch die bewiesen werden sollte, daß die „Wahrheit“ nur von Erpressungen existiere, als unglaubwürdig ab.— In der Tat ist durch die bisherige Verhandlung erwiesen worden, daß die„Wahrheit“ ein Skandalblatt allertraurigster Sorte ist. Es war gang und gäbe im Betriebe dieser Zeitung, daß Groß=Inserenten, die Aufträge für die„Wahrheit“ nicht erteilen wollten, durch Klatsch=Artikel einfach dazu gepreßt wurden. Wurde gezahlt, so hörten auch die Artikel auf. Es ist kein Wunder, daß die Cxistenz der„Wahrheit“ in den beteiligten Kreisen der Berliner Geschäftswelt dauernd als Beunruhigung empfunden wurde. Damit hat es jetzt aber aufgehört. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung wurde der Erpressungsversuch Dahsels gegen den Fürsten Hohenlohe zur Sprache gebracht. Die Erpressung soll Dahsel in bekannter Weise in dem von dem ehemaligen Rektor Ahlwardt gegründetem Blatt„Die Freiheit" begangen haben.= Tahsel selbst versuchte in diesem Fall, alle Schuld auf dem Rektor Ahlwardt zu schieben. Ahlwardt habe seinerzeit verzweifelte Versuche gemacht, das Rudolstädter Bergwerk, für dessen Verkauf er bestellt war, dem Fürsten Hohenlohe für—6 Millionen aufzudrehen". Der Fürst aber wollte nicht mitmachen. Run gründete Ahlwardt die„Freiheit", deren ganzer Zweck nach seiner, Dahsels, Ueberzeugung gewesen sei, ein Kesseltreiben gegen den Fürsten zu eröffnen, und diesen zu zwingen, das Bergwerk zu kaufen. Der als Zeuge vernommene Vertreter des Fürsten Hohenlohe Justizrat Lobe sagte jedoch anderes aus. Seiner Ansicht nach seien die Erpressungsversuche, die in den Spalten der„Freiheit" enthalten waren, von dem Angeklagten ausgegangen. Eines Tages sei auch die Frau Schuwardt, Dahsels Redaktionsgehilfin, bei ihm erschienen und habe ihn darauf aufmerksam gemacht, daß in der„Freiheit“ Artikel veröffentlicht werden sollten, durch die der Fürst Hohenlohe schwer kompromittiert werden würde, insbesondere sollten seine Beziehungen zur Gräfin Danka erörtert werden. Man habe sofort den Eindruck eines Erpressungsversuchs gewinnen müssen. Dahsel zu 1° Jahren Gefängnis verurteilt. Im Erpresserprozeß Dahsel=Schuwardt hat die Berliner Strafkammer gestern nachmittag um 4 Uhr das Urteil gefällt. Dahsel wurde zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt, sechs Monate werden auf die Untersuchungshaft angerechnet. Frau Schuwardt wird zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, wovon sechs Monate als verbüßt gelten. Der Staatsanwalt hatte gegen Dahsel fünf Jahre, gegen Frau Schuwardt ein Jahr drei Monate Gefängnis beantragt. Sport. Straß ufahrten vom 26. September. Die Meisterschafts=Fernfahrt „Berlin—Görlitz“ über 280 Kilometer gewann der Weltrekordmann Hauptmann auf Brennabor; G. Hübner, der dieselbe Marke fährt, sicherte sich den fünften Auch im Meisterschaftsrennen„Gelsenkirchen—Dorsten und zurück“ wurde auf Brennabor erruugen und bei der Landstraßen=Meisterschaft von Mülhausen i. Els. siegte der Brennaborfahrer Klingelschmidt, während Tschemperly auf Brennabor Zweiter wurde. Standesamts-Nachrichten. Annen. Geburten: 1 Sohn: Bergmann Heinrich Plätz, Bergmann Karl Imke, Bergm. Heinrich Desper, Zimmermann Wilhelm Hopf. 1 Tochter: Fabrikarb. Ludwig Szymkowiak, Bergmann Heinrich Küper, Former Ernst Kirchhoff, Zechenmaurer Gustav Dombrowski. Aufgebote: Schlosser Wilh. Schulte u. Lisette Ernst, Essen. Kaufmann Herm. Reumann und Martha Distelkamp, Dortmund u. Annen. Schlosser Max Krächter u. Hedwig Hegemann, Annen. Kaufmann Max Kaufmann u. Pauline Rathan, Annen u. Ballendar. Bäcker Paul Schlickau u. Katharina Holtkamp, Dortmund. Maurer Herm. Scheller u. Sofie Busch, Annen u. Holzhausen. Bergm. Wilh. Brinkmann u. Emma Ritter, Annen u. Langendreer. Kaufmann Emil Anders u. Margareta Friedrich, Annen und Aschaffenburg. Dachdecker Heinrich Hobrecht u. Kath. Zannone, Witten. Bergmann Karl Lötzzer u. Anna Kasper, Annen. Eheschließungen: Bergmann August Krebs u. Emilie Heintze, Annen und Witten. Bergmann Gustav Hahn u. Ida Herhold, Annen. Ingenieu Heinrich Görttz u. Paula Hartmann, Dortmund u. Annen. Sterbefälle: Witwe Wilhelmina Specht, geborene Beierhenke, 79 Jahre, 164 Tg. Heinrich Plätz, ¾ Stunden, Ehefrau Elisabetha Triebeler geborene Döring, 27 J. 260 Tg. Alfred Hoffmann, 2 J. 78 Tg. Neueste Nachrichten. Koblenz, 9. Okt. Die Stadtverwaltung hat, ermutigt durch den Erfolg des Besuches und der Landung des„Parseval“, die Luftschiffbaugesellschaft Zeppelin gebeten, ein Luftschiff in Koblenz landen zu lassen. Direktor Colsmann hat die Bereitwilligkeit der Zeppelingesellschaft in Aussicht gestellt, da„Z. 3“ im nächsten Jahre doch einige Fahrten durch Rheinland und Westfalen mache. Eine neue Luftreise Parsevals. Frankfurt a.., 10. Okt. Der Parsevalballon ist heute morgen 8½ Uhr zu einer Fernfahrt nach Gießen aufgestiegen. In der Gondel befinden sich 7 Personen. Frankfurt, 10. Okt. Mittags 12 Uhr trat der Parsevalballon von Gießen, wo die Stadt auf dem Landungsplatze der Besatzung ein Frühstück gegeben hatte, die Rückfahrt nach gemacht werden. Sorge Frankfurt an. Um 1 Uhr 50 Minuten erfolgte hier die Landung jeder Bürger und jeder Arbeiter an seinem Teil dafür, daß die dicht vor der Halle. Bork, heute nachmit den ersten gr etwa 13 Kilo der Luft, das der Berliner Lanzpreis in sondern den Grade nächst Lanzpreis vo wahrscheinlich 50 Kilometer, Dresde war von sein witz mit Flei Mark einkas meuchlings ü gespalten Knecht, der i als der Tat Bochur tag Abend Arbeiter von fahren. Der Stelle getötel litt schwere hat noch nich Bonn, 62 jährige 2 städtischen D straße zu Ke Berlin Rentier Mo treten hatte, Manne, der tasche drei T den Verlust Potsd Max Hackra Frau Joseph in Idealkon Verlust der nahm das 1 Bresl. der Station De innigst nach lat im vol sich in vorbere mahles Tie Annen, A Die Uhr, von der Treitag 9 „Pa (353 hier in unserer i der Gegner Jacobi. nde entgegenauf Ladung er„Wahrheit“ inglaubwürdig Anträge von illte, daß die unglaubwürdig dlung erwiesen allertraurigster ieser Zeitung, heit“ nicht erepreßt wurden. Es ist kein en beteiligten Beunruhigung ehört. urde der Erhohenlohe zur in bekannter st gegründetem elbst versuchte rdt zu schieben. ht, das Rudol; d e m F ü r s t e n r Fürst aber die„Freiheit", gung gewesen , und diesen Zeuge verit Lobe sagte Erpressungsen waren, von auch die Frau rschienen und er„Freiheit“ irst Hohenlohe sollten seine Man habe innen müssen. eurteilt. die Berliner rteil gefällt. Befängnis und erden auf die wird zu acht ste als verbüßt Jahre, gegen beantragt. schafts=Fernfahrt nann Hauptmann sich den fünften d zurück“ wurde von Mülhausen Tschemperly auf sen. Karl Imke, opf. ik, Bergmann naurer Gustav n. Kaufmann ind u. Annen. en. Kaufmann lendar. Bäcker und. Maurer ausen. Bergm. Langendreer. Annen und ith. Zannone, Annen. e, Annen und inen. Ingenien Annen. ike, 79 Jahre, isabetha Trieoffmann, 2 J. ermutigt durch „Parseval“, Luftschiff in it die Bereitt, da„8. 3“ heinland und illon ist heute aufgestiegen. der Parsevalingsplatze der ckfahrt nach die Landung Grade's Erfolg. Bork, 10. Okt. Der Flugkünstler Ingenieur Grade hat heute nachmittag auf dem Flugfelde Mars am Bahnhof Bork den ersten größeren Flug wieder ausgeführt. Er flog 6½ Runde, etwa 13 Kilometer, und war 11 Minuten und 12 Sekunden in der Luft, das ist die vierfache Entfernung des Lanzpreises. Da der Berliner Verein für Luftschiffahrt dem Wunsch Grades, den Lanzpreis in Bork bestreiten zu dürfen, nicht nachkommen will, sondern den Flugplatz in Johannistal vorgeschrieben hat, wird Grade nächsten Sonntag in Bork vor Unparteiischen den vom Lanzpreis vorgeschriebenen Weg fliegen und nach Johannisthal wahrscheinlich erst dann gehen, wenn er den Weg dorthin, etwa 50 Kilometer, durch die Luft zu nehmen wagen kann. Wieder ein schrecklicher Raubmord. Oresden, 11. Okt. Der 14¼jährige Lehrling Paul Hech war von seinem Meister, dem Schlächter Schumann aus Lentewitz mit Fleisch über Land geschickt worden und hatte etwa 60 Mark einkassiert. Auf dem Rückwege ist ei in der Dunkelheit meuchlings überfallen und ihm der Kopf mit einem Beil gespalten worden. Das Geld wurde geraubt. Ein stellenloser Knecht, der in der Mühle den Lehrling auffällig beobachtete, ist als der Tat verdächtig verhaftet worden. *** * Bochum, 11. Okt.(Ein schweres Unglück) hat sich Samstag Abend auf der Blumenstraße zugetragen. Dort wurden 2 Arbeiter von einem Gefangenentransportwagen erfaßt und überfahren. Der Tagelöhner Ferdinand Wandhoff wurde auf der Stelle getötet, sein Begleiter, der Arbeiter Wilh. Lebejohann, erlitt schwere Verletzungen. Wer an dem Unfall die Schuld trägt, hat noch nicht ermittelt werden können. Bonn, 11. Okt.(Unter die Straßenwalze geraten.) Der 62 jährige Arbeiter Paul Maurer, der als Begleitmann bei der städtischen Dampfstraßenwalze beschäftigt war, geriet in der Burgstraße zu Kessenich unter die Walze und wurde sofort getötet. Berlin, 11. Okt.(Auf der Treppe bestohlen.) Als der Rentier Mannheimer das Haus Kaiser Wilhelmstraße 3 betreten hatte, wurden ihm anf der Treppe von einem etwa 20jähr Manne, der sich dicht an ihn herandrängte, aus der Manteltasche drei Tausendmarkscheine entwendet. Mannheimer bemerkte den Verlust erst später. Potsdam, 11. Oktober.(Todesurteil.) Der Schriftsetzer Max Hackradt wurde vom Schwurgericht wegen Ermordung der Frau Josephine Rudolphi, die in Bornium, Amtsstraße 1, wohnte, in Idealkonkurrenz mit schwerem Raub zum Tode und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Der Angeklagte nahm das Urteil vollständig ruhig entgegen. Breslau, 11. Okt.(Dom Schnellzuge überfahren.) Rahe der Station Kattern wurde das Fuhrwerk des Besitzers Persitzky aus Sambowitz von dem Breslauer Schnellzuge überfahren. Von den in dem Wagen befindlichen 5 Kindern des Besitzers im Alter von 9 bis 18 Jahren wurde das 17jährige Mädchen getötet, zwei Kinder erlitten lebensgefährliche, die anderen leichtere Verletzungen. Weimar, 11. Okt.(Verlobung des Großherzogs von Sachsen=Weimar.) Aus Weimar kommt die offizielle Meldung, daß der im 34. Lebensjahr stehende, seit Anfang 1905 verwitwete Großherzog Ernst von Sachsen=Weimar sich verlobt hat und zwar mit Prinzessin Karola Feodora von Sachsen=Meiningen. Es wird hierzu depeschiert: Weimar, 11. Okt. Der Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen=Weimar, der auf Schloß Altenstein bei Liebenstein weilt, hat sich mit der Prinzessin Karola Feodora von SachsenMeiningen verlobt. Spielplan des Dortmunder Stadttheater. Mittwoch, 13. Oktober. Anfang 7½ Uhr. Schauspielpreise. Serie C, Nr. 7, rote Karten. Zum 3. Male.„Moral“. Komödie in 3 Aufzügen von Ludwig Thoma. Donnerstag, 14. Oktober. Anfang 7½ Uhr. Opernpreise. Serie 4, Nr. 8, grüne Karten.„Tiefland". Musikdrama in 1 Vorspiel und 2 Aufzügen von Eugen'Albert. Erklärung. Die Behauptung der„Arbeiter=Zeitung", als hätten wir die Entfernung des Angestellten Otto Krächter aus der Druckerei gewünscht, erklären wir hiermit als eine grobe Lüge. Die Gehilfen der Druckerei Fritz Küching. * Rechnungstormulare: Fritz Küching. „Und willst Du nicht mein Bruder sein, Dann schlag' ich Dir den Schädel ein!“ Nach dieser Devise handelt die Arbeiter=Zeitung fortgesetzt und darum zieht sie in ihrer gestrigen Nummer wieder aufs neue gegen uns vom Leder. Sie sucht unsere Annener Zeitung noch einmal in der schäbigsten Weise herabzuwürdigen und rührt dabei den alten Brei betreffs des Buchdrucker=Tarifs wieder auf. Diese Angelegenheit haben wir aber der Tarifgemeinschaft der deutschen Buchdrucker unterbreitet, deren Entscheidung wir'abwarten. Was nun die in Frage gestellte Auflage unseres Blattes betrifft, so scheint die Arbeiter=Zeitung in diesem Punkte doch schlecht unterrichtet zu sein; erfreut sich unsere Annener Zeitung doch in allen Schichten der Bevölkerung Annens und der Umgegendeiner außerordentlichen Beliebtheit und einer weit größeren und ausgedehnteren Verbreitung, als die Arbeiter=Zeitung sich das in ihrem blassen Neide auch nur träumen lassen kann. Im übrigen ist der Klageweg gegen die A. Z. beschritten und wird das weitere sich finden. Die Redaktion. Auf der Jubiläumsausstellung für Kochkunst in Berlin wurde der Maggi=Gesellschaft außer der goldenen Ausstellungsmedaille als besondere Auszeichnung auch noch die von der Stadt London gestiftete Fein=Gold=Medaille der„Universal Cookery and Food Aßociation, London“, zuerkannt. Der Sanerntalender für 1910 ist soeben erschienen und bildet einen bedeutenden Beitrag zur Pflege echter Volks= und Heimatkunst im edelsten und wirksamsten Sinne. Der erzählende Teil läßt Erzähler zu Worte kommen mit gemütlich=derber Auffassung; auch der praktische Teil bietet viel Interessantes für Gartenfreunde, Hausfrauen und Landwirte. Den Kalender selbst schmücken 12 herrliche Illustrationen des angesehenen westfälischen Heimatkünstlers W. Ehringhausen. Ferner liegt jedem Kalender als Kunstgabe„Millets Abendläuten“ in schöner Reproduktion bei. Der Ladenpreis beträgt 50 und ist der Kalender durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Auch in der Geschäftsstelle d. Bl. zu haben. Par unsere Kdche sagt die erfabrene Mutter zu ihrer Techter. Wir verwenden deshalb nur das echte MCAGGI. Dann wissen wir, was wir haben! Ich bin beim Königl. Amtsgericht und Landgericht in Bochum als Rechtsanwalt zugelassen.— Mein Bureau befindet sich Bochum,---Strasse 1 Fernsprech=Anschluß Nr. 629 Dr. jur. Löwenstein, Rektsannat. Gefunden! Am 1. Okt. 1909 ist in Annen Geld gefunden worden. Der Verlierer des obenbezeichneten Gegenstandes wird hierduich aufgefordert, sich zur Geltendmachung seiner Rechte innerhalb eines Jahres bei der unterzeichneten Behörde zu melden Annen, den 4. Oktbr. 1909. Die Polizeiverwaltung: Drees, Amtmann. Frauenbung der deutschen Kolonial-Gesellschaft Abteilung Witten. VerehE mit Lichtbildern. Freitag, 15. Oktober, 8½ Uhr im Borgmann'schen Saale: „Wo sonst der Fuss des Kriegers trat“ „Farmerleben in Südwest nach dem Kriege“. Von Fräulein Maria Korow. Gäste willkommen. Eintritt frei. Annoner Bargmagazin, Anton Lammerskötter, Bismarcstr. Empfehle in vorkommenden Fällen mein Lager in selbstangefertigten, dauerhaften Särgen aller Art, wie Tannen-, Elohen- u. Zinksärge zu billigsten Preisen. Auch sind alle anderen Trauersachen wie Kleider, Strümpfe, Handschube, Hauben, große Kräuze, Myrthen=Kränzchen, Hut= und Arullore ete. ete. bei mir preiswürdig zu haben 140 Anion Lammerskötter. 14 Verloren auf dem Wege vom Schnee nach Annen eine Damenuhr. Der ehrliche Finder wird gebeten, dieselbe gegen Belohnung in der Redaktion dieser Zeitung abzugeben. Verkaufe morgen, Mittwoch, Annen Marktplatz schöne Einmach Pstaumen Möller, Annen. Reinecke, Mennoner. Tahhen, Verloren Samstag Nacht Damenhandtasche, dunkellila, enthaltend Portemonnaie mit Inhalt, silb. Zigarettenetui mit Monogramm, auf dem Wege vom Markt bis Königstraße. Gegen gute Belohnung abzugeben Königstraße „Seit 3 Jahren litt ich an einem heftigen, häßlichen Gesichtsausschlag. Schonnach stäg. Gebrauchv. Zucker's patent=Medizinal=Seife war der Erfolg augenfällig. Die Pickel trockneten ein u. es bildeten sich keine neuen mehr. Nach Verbrauch von 2 Stck. war meine Haut vollständig rein. Paul Neuen in Crefeld.“ 4 Stck. 50 Pf.(15% ig) u. 1,50 M. (35% ig, stärkste Form). Dazugehörige Zuckoob=Creme 75 Pf. u. 2 ., ferner Juckooh=Seife(mild), 50 Pf. u. 1,50 M. Echt bei Otto Blumberg. GUer, N Sih. Mittwoch eintreffend: Ein Waggon feinste westf. Tatel-Aepfel, Technikum Lemgo i.., Bau-, Landbau-, höh. und mittl. Naschinenbau-, Zlegler-, Helzer-, Elektreschule. Satzung. kostenf. Beg. Anf.Nov. Vorunterr. Anf. Okt nur gepflückte, haltbare Sorten zu sehr billigen Preisen.— Ferner offeriere: Prima Speise-Kartoffeln zum Einkellern zu billigsten Tagespreisen. Was hal Räusmann's Sehahshaus grees gemacht! I. Seine über alles erhabene Reoilität. II. Weil jeder Käufer stete das Andet, was er sucht. IIr. Weil Kaufmann's Schuhbaus infelge seines enermen, stetig wachsenden Umpatses billig einkautt und mit kleinem Nutsen arbeitet. IV. Weil jeder Funs, gans gleich en abnerm, breit eder schmal, lang eder kurs, passend beschuht wird. V. Weil jede Neuheit in der Branche nuerst bei Kautmann's Schuhhaus annutreßen ist. Bei den Ausprüchen, die heute an einen Stiefel gestellt werden, ist es nur einem zielbenussten Guternehmen möglich, auf der Höhe der Zeit zu stehen. Was wir zum Herbst und Winter bieten: Damen- und Herren-Stiefel Chevreaux- und Boxcalf-Stiefel mit und ohne Lackkappen, Schnür- und Derby-Fassons, Engl. American, hoher Absatz. Kennen Sie den berühmten Dr. Diehl-Stiefel Haben Sie schon mal unsere Schaufenster beachtet Kädmfame Oshdmaes Brückstrasse 64. Dortmund Telephon 1659. Käufer erhalten bei Vorzeigung dieser Annonce einen Extra-Rabatt von 5 Prozent. Gebrüder Krampen, Annen. hält sich bestens empfohlen für sämtliche photogr. Aufnahmen „„ Einzelportraits, Gruppen, Familien u. s. w. bei tadelloser Ausführung. Wier dich gelet nassen— Diel Gelad proesiern!e Raluneg 100090 junger Leute und Männer giebt es, die sich gerne selbstrasieren möchten, um jeder Gefahr wegen Ansteckung von Hautkrankheiten aus dem Wege zu gehen.— Wir haben uns deshalb entschlossen, um das Selbstrasieren allgemein zu machen, in den nächsten 3 Monaten mehrere 1000 Sicherheitsrasiermesser „Modil“ zu dem erstaunlich billigen Reklamepreise von nur 2 Mk. per Stück in feinem Etui mit Golddruck an Jedermann abzugeben.(Bei Voraussendung des Betrages sind 20 Pig für Porto mitzusenden, Nachnahme kostet 20 Pfg, mehr). Das Messer ist mit Schutz=Vorrichtung versehen, die ein Schneiden unmöglich macht, wir garantieren für 5 Jahre Schneidfähigkeit und nehmen jedes messer, das nicht gefällt, nach 30 Cagen retour.—— Vollständige Rasiergarnitur No: 2, echt Eiche sein poliert, mit Sicherheits=Kaliermesser. Pinsel, Napf, Seife und Streichriemen, pro Stück.75 Mk., Porto extra. Haupt=Katalog mit ea. 4000 Gegenständen über Solinger Stahlwaren. Haus= und Aäckengerlle, Gosde, Sitder. uad lecdermaten Usen Plesen, Mastourtie, Spielwaren ete. gratis und franko an Jedermann. marcusH Hammesfabr,-gagak“- Wald-Solingen Der Stuckateur Ludwig Schlosser zu Rüdinghausen hat die Genehmigung zur Ansiedelung auf dem außerhalb einer im Zusammenhange gebauten Ortschaft in der politischen Gemeinde Rüdinghausen belegenen Grundstücke Flur 1 Parzelle, 964/121 der Katastergemeinde Rudinghausen beantragt. In Gemäßheit des§ 16 des Gesetzes vor 25. August 1876 Geteges vom 25. Auust. 166 Die neuen gesetzlich vorgeschriebenen Werkbucher für Weinhändler, Wirte u. s. w. halten vorrätig Gebrüder Krampen. K Wttate I Me KEI Otto Blumberg Ropuraturen sofort und billig. Paul Schmidt, Annen, neben der Post. Schöller Temt ein zartes reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen, weiße sammetweiche Haut ist der Wunsch aller Damen. Alles dies erzeugt die allein echte Steckenpferd=Lilienmilch=Seife von Bergmann& Co., Radebenl. 9 Stück 50 Pfg. bei O. Blumberg, Drogerie. in Stockum bei Gebr. Rosonthal. 10. August 1904 bringe ich diesen Antrag mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß gegen denselben von den Eigentümern, Nutzungs=, Gebrauchsberechtigten und Pächtern der benachbarten Grundstücke innerhalb einer Ausschlußfrist von 21 Tagen bei der Genehmigungsbehörde, dem Kreisausschuß Hörde, Einspruch erhoben werden kann, wenn der Einspruch durch Tatsachen begründet wird, welche die Annahme rechtfertigen, daß die Ansiedelung den Schutz der Nutzungen benachbarter Grundstücke aus der Land= oder Forstwirtschaft, aus dem Gartenbaue, der Jagd oder der Fischerei gefährden werde. Rüdinghausen, 11. Oktbr. 1909. Der Gemeindevorsteher: Korfmann. Warnung vor minderwertiger Dauer=Wäsche. Vertreter wollen nicht versäumen, sich über meine Dauer=Kragen mit ges. gesch. Gesundheitseinlage zu informieren. Herbstkoll. u. ges. gesch. Musterauf machung sind erschienen. Max Eid Nachfl., Wäschefabrik. Frankfurt a. M.— Dortmund, Stiftstr. 1. ∆ 5500 ne begl. Zeugnisse v. Aerzten : IFrivaten beweisen, daß Kalsers Brust-Karamellen mit den drei Tannen Zetarrh##erschleimung, Katarrh, Krampf= u. Keuchhusten am besten beseitigen. Paket 25 Pfg., Dose 50 Pfg. Kaisers Brust-Ertfrakt so Pieaatg Best, feinschmeck. Malz=Extrakt. Dafür Angeboten, weise zurück. Beides zu, haben bei: Theod. Wilke in Annen Ltto Blumberg„ Emil Daarmann. Heinrich Cordes„ Herm. Wilke Central=Brog. Institut Boltz Ilmenau in Thür. Einj.-, Fähnr.-, Abitur.-(Ex.) Schnell, sicher. Pr. frei. Für mein altes eingeführtes Nähmaschinengeschäft suche für Annen und Umgegend zwei tüchtige Nähmaschinenverkäufer auch als Nebenbeschäftigung gegen hohe Provision. Fr. Chiemann, Witten, Breitestraße 57. Für sofort tüchtige MaschinenPormer — auf kleine Sachen— gesucht. Wedfälische Aedalluerte Goeroke& Co., G. m. b. H. Kräftiger Grosse Möbelausstellung in Essen! Wenn Sie wirklich gute Möbel preiswert kaufen wollen, besuchen Sie unsere Ausstellung von 320 Musterzimmern; sie ist die grösste Westdeutschlands. Katalog für vollständige Aussteuern und Zimmer-Einrichtungen wird franko zugesandt. Freie Lieferung. Rheinische Werketätten für Handwerkekunst Gebrüder Schürmann, Essen-Ruhr. Grosse Auswahl in Tansburfze gesucht. Gebrüider Rogenthal. Stockum. Ein älteres Mädchen. oder alleinstehende Frau zur Führung des Haushaltes auf ½ oder ganze Tage gesucht. Näheres in der Expedition d. Stein-Töpfe (für Sauerkraut.) Irdene Stümen-Topte empfiehlt II. Cordes. Ein ordentliches Dienstmädchen für kleinen Haushalt per 1. Nov. gesucht. Zu erfr. in der Exped. ds. Bl. P. B. Sitte schicken Sie mir 2 Losen Ihrer Kino: Salbe, da ich sie für semand notwendig brauche, sie wirkte brt allen, bei denen ich sie gegen Beineldas oiüer Hallantschig eisgenbene vorzüglich, sie ist mir unentbehrlich. In aller Hochachtung Schwester Sales. ., Waisenhaus, den 11./2. G3. Diese Kino=Salbe wird mit Erfolg gegen Beintelden, Flechten und Hautlelden angewandt und ist in Dosen Mi..15 und Mi. 2. 25 in den Apotbeken vorrätig; aber nur echt in Originalpackung grün=weiß=rot und Firma Schubert& Co., Weindöhla=Dresden. Fälschungen weise man zurück. Geräumige (3 Zim. 1 Küche u. Gartenland) ist per 1. Nov. oder später billig zu mieten. Wo sagt die Expedition d Ztg. 1 Wohnung von 2 Zimmern, an ruhige Leute per 1. Januar zu vermieten. Unt. Rüdinghauserstr. 10. Masenleldenten: teile ich aus Dankbarkett gern und unsutgellich muitz, was mir von jahre, langen, guaspollen, Magen= u. Verdanungsbeschwerden geholfen hat. A. Hoeck, Lebrerin, Sachienbentier bef fpastionr a 81 Pertige Fussseden: Farbe empfiehlt billigst R. Cordes. Die neuesten Fahr plänte Ausgabe vom.Obt. 1909 zu haben bei Fritz Küching. (Neben der Apotheke.) 1500 Atelier f. künstl. Zahnersatz, 0 Zähne plombleren, 0 reinigen und ausziehen.# Ewald Höper. 380 Auer-Apoldene, Annen empfiehlt: Sämtliche Sorten Gummi-Sauger, Kinderflaschen, Mundwässer, Zahn pasten, Zahnbürsten. — Sämtliche Tier-Arzuelmittel. Brilagr für Eürep Hemtencr? 44 Nr. 119. 1909. Won der Der von seinen mehrfachen Havarien wieder hergestellte „Parsevall 3“ will am heutigen Dienstag von Frankfurt a. M. aus eine Fernfahrt nach Rürnberg unternehmen. Es handelt sich nach dem„Berl. Lokal=Anz.“ bei dieser Fahrt um die Erringung des von der Stadt Rürnberg gestifteten Preises von 1000 Mk. für Motorluftschiffe, die in Rürnberg landen. Der englische Aviatiker Oberst Cody versuchte, den mit 200000 M. dotierten Flug von London nach Manchester zu unternehmen. Seine Maschine geriet aber in Unordnung und er mußte von seinem Vorhaben abstehen. Die Wettflüge der Aviatiker sind in den letzten Tagen allenthalben durch Regengüsse schwer beeinträchtigt oder ganz unmöglich gemacht worden. Ob ihnen in den ersten Tagen dieser Woche ein freundlicherer Himmel lächeln wird, steht nach den allgemeinen Witterungs=Uebersichten dahin. Auch Militärballon Groß hat seine Fernfahrt Berlin=Metz bis in diese Woche hinein vertagen müssen. Man könnte auch wohl bald Schluß der Saison sagen. Groß und Zeppelin ein Herz und Seele. In einem soeben veröffentlichten Briefe verwahrt sich Major Groß dagegen, Konkurrent des Grafen Zeppelin zu sein. Er betrachtet sich als seinen Mitarbeiter und schreibt:„Ob starr, unstarr oder halbstarr die Luftschiffe gebaut werden, das ist ganz einerlei; die Hauptsache bleibt immer, daß sie gemeinsam unserem lieben deutschen Daterlande zur Ehre und zum Wohle gereichen. Sie haben alle die gleiche Berechtigung und den gleichen Zweck.“ Bravo! Die Bewerbung um den Lanzpreis der Lüfte in Höhe von 40000 Mark soll auf dem Flugplatz Johannisthal=Adlershof bei Berlin zum Austrag gebracht werden. Nur deutsche Flieger dürfen diesmal daran teilnehmen. Die Prämiirung des Ballons„Amerika 2“ mit dem GordonBennet=Preis vom Züricher Wettfliegen hat immer noch nicht vollzogen werden können, da von Neuem Behauptungen auftauchen, der Ballon habe in Ungarn eine Zwischenlandung vorgenommen, um neuen Ballast einzunehmen. Der Inhaber des Ballons bestreitet das bekanntlich ganz enschieden, ein Kaufmann Thun aus Detta in Ungarn bietet sich aber als Zeuge an. Das Preisgericht will nun eine Nach=Prüfung vornehmen. Dienstag, den 12. Oktober. I Altendorf a. d. Ruhr, 9. Okt.(Räuberischer Ueberfall.) Im benachbarten Dumberg griff ein Kerl. der leider unerkannt entkommen ist, den 16jährigen Schüler Schulte auf der Straße an und versuchte, ihm die Taschenuhr zu entreißen. Als ihm dies nicht gelang, versetzte er dem Knaben einen Messerstich in den Kopf und machte sich dann aus dem Staube. Plettenberg, 9. Okt.(Kind ertrunken.) Beim Spielen auf den Elsenwiesen entfernte sich ein zweijähriges Kind des Zimmermanns A. H. von seinen Mitgespielen. Es stürzte in die Else und konnte nur als Leiche ans Land gebracht werden. Remscheid, 9. Oktober.(Achtet auf euere Kinder.) In der Hofmeisterstraße wurde ein 1½jähriges Mädchen von einem Lastwagen überfahren und getötet. Die Räder hatten ihm den Kopf völlig zermalmt. Der Geschirrführer, dem man die Schuld an dem Unglück beimißt, wurde verhaftet. 34. Jahrgang. Provinzielle Nachrichten. Sprockhövel, 8. Oktbr.(Vom Wilddieb angeschossen.) Der Jagdaufseher Düsterloh überraschte in der Durchholzer Jagd 2 Wilddiebe. Als er einen davon ergreifen wollte, erhielt er aus dem Dickicht einen Schuß ins Gesicht. Trotz seiner schweren Verletzung gelang es ihm, einen der Kerle festzuhalten und zu arretieren. Der gefährliche Schütze ist leider noch nicht ermittelt. Einen interessanten archäologischen Fund machte, wie der„Berl. Lok.=Anz.“ meldet, Professor Schuchardt vom Berliner Museum für Völkerkunde, er grub an der Römerschanze bei Redlitz in der Umgebung von Potsdam ein altgermanisches Haus aus. Das Haus mißt in der Länge 9 und in der Breite 6 Meter, die Längsseite war durch 7, die Breitseite durch 4 Pfähle markiert. Im Innern fand man einen im Durchmesser etwa 1½ bis 2 Meter großen Herd auf, das Steingefüge desselben war durch Lehmbewurf verschmiert. Recht interessant waren die Knochenreste, die man im offenen Kochloch fand. Es wurden Rinder=, Schaf= und Wildschweinsknochen in großer Zahl gefunden, wir wissen also, was die Bewohner des Hauses auf den Küchenzettel zu setzen hatten. In der Nähe des Herdes fehlten nicht die sog. Mahl= und Klopfsteine, auch eiserne Messer fand man. In der Nähe dieses germanischen Hauses, dessen Alter etwa auf 200—300 Jahre v. Chr. geschätzt wird, wurden auch die Reste einer altslawischen Siedlung gefunden. Auf dem Herde dieses Hauses befand sich der Kiemenknochen eines Wals, in dem noch die eiserne Angel steckte. Die slawischen Bewohner scheinen demnach Fisch geliebt zu haben, während die Germanen der Fleischnahrung den Vorzug gaben. Humor und Satire. Die Kehrseite der Medaille. Ein amüsanter Fall von Sprachverirrung ist jüngst in Steglitz passiert. Dort wollte ein biederer Barbier, der seinen„schneidigen“ Beruf bisher auf der einen Straßenseite betrieben hatte, sein Geschäft auf die andere Seite verlegen. Die Absicht teilte er seinen Kunden durch folgendes Plakat in seinem Schaufenster mit:„Von morgen ab rastere ich meine Kunden auf der anderen Seite.“ Hoffentlich läßt die treue Kundschaft sich das gefallen. Verschiedenes. — Ueber den Schacher mit preußischen KommerzienratsTiteln hat der Minister des Innern vom Berliner PolizeiPräsidium Bericht eingefordert. Der Agent Schlittmann, der die Sache betrieben hatte, ist nach dem Berl. Tgl.„unbekannt wohin“ Am Vorabend seiner Hochzeit öffnete sich der Hauptmann Hildebrand vom 43. Artillerieregiment in Hannover die Pulsader und stürzte sich aus dem Fenster, nachdem er in vorauf gegangener Gesellschaft die beste Laune gezeigt hatte. — Die Rervosität als moderne Krankheit greift immer mehr um sich. Die Sängerin Wirle vom Hanauer Stadttheater vergiftete sich, weil die Kritiker sie nicht bis in den Himmel hoben. — Die Mordaffären häufen sich in diesen Tagen zu einer bisher selten dagewesenen Zahl. In Kirchenlaibach in der Oberpfalz brachte der über 50 Jahre alte Bahnmeister Preßler in in einem Anfall von Geistesstörung seine Frau und seine beiden Töchter Nachts mit einem Säbel um und tötete sich selbst dann — Eine aus 12 jungen Kaufleuten bestehende Diebesbande wurde in Bozen in Südtirol verhaftet. Ein Mitglied führte genau Buch über seine Kameraden und die Diebstähle, wodurch man Allen auf die Spur kam. — Ein Bomben=Attentat ist aus Stockholm gemeldet. Der Kaufmann Jon Hammer, Vorsitzender des schwedischen ExportVereins, erhielt in einem Paket eine Bombe, die explodierte und dem Empfänger Daumen und Zeigefinger der rechten Hand abriß. Das Sprenggeschoß war in eine sozialistische Zeitung gewickelt. — Ein Millionen=Schwindel ist in Belgrad entdeckt. Die Eisenbahn=Direktion, resp. ihre„geschmierten"Beamten übernahmen halb unbrauchbare, anderswo zurückgewiesene Lokomotiven und Wagen. Der Schaden beträgt eine Million. — Eine Liebestragödie in hohen Kreisen wird dem„B. Lok.=Anz.“ aus Böhmen gemeldet: Die Frau eines österreichischen Oberleutnants verliebte sich in den Freund ihres Gatten; da beide keine Möglichkeit sahen, ein gemeinsames Leben führen zu können, faßten sie den Entschluß, aus dem Leben zu geheu. Sie ertränkten sich. Die Frau war die Tochter eines ehemaligen Tübinger Universtätsprosessors..16,.m,.5 — Römische Liebe. In einer Straße Rom's say man, wie dem„Berl.=Tgbl.“ berichtet wird, einen völlig nackten jungen Menschen aus einem Hause stürzen, während ihm ein Herr mit einem Revolver in der Hand folgte. Unter dem Gejohle des Volks ging die wilde Jagd durch mihrere Gassen, bis Gendarmen Beide verhafteten. Der nackte junge Mensch, ein Student, war von dem Verfolger, einem Beamten, bei seiner Frau getroffen. Er konnte von Glück sagen, daß ihn die Polizei in Schutz nahm. 23 Das Enkelkind. Von G. Struder. (Nachdruck verboten.) „Und ich,“ versetzte hartnäckig die Baronin,„erkenne immer deutlicher, daß nur meine frühere Gouvernante sich den alten Goldfisch geangelt haben kann. Was war das doch für ein raffiniertes und durchtriebenes Geschöpf. Amerikaner Thomas wies die Person von sich, weil sie ernunnt hatte, daß derselbe ein Schwindler war, von Dir wollte sie auch nichts wissen, weil Deine pekuntäre Lage ihr im höchsten Grade problematisch erschien, trotz des versprochenen Gehalts von 100,000 Mark, und so gab sie den zwei hübschen jungen Männern den Laufpaß und richtete dafür mit Erfolg ihr Augenmerk auf einen häßlichen Alten, von dessem Reichtum sie vielleicht auf irgend eine Weise Kunde erhalten hatte. Wie froh bin ich jetzt, daß dieses scheinheilige Frauenzimmer aus meinem Hause ist.“ Und ich sage Dir, Du irrst Dich, Nousine,“ rief der Graf aus.„Fräulein Winter ist weder scheinheilig noch auch die Braut des Herrn Reubert, und ich möchte jede Wette darauf eingehen, daß die Zukünftige des Herrn Neubert irgend eine andere, uns völlig fremde Persönlichkeit ist." „Nun, ich wäre aufrichtig froh, wenn dieses Frautein Winter die Braut Reuberts wäre,“ mischte sich hier der Baron zum ersten Male in die Unterhaltung.„Denn Deine Schärt das Mädchen kommt mir doch etwas bedenklich vor, Robert, zumal da es mit den 100,000 Mark pro Jahr nichts mehr ist, und es wäre also für Dich sehr gut, wenn Fräuleigz, gangen an in einer Position befände, die Dich zwänge, alle Gevunma an das Fräulein aufzugeben und Dich nach einer Partie umzusehen, wie Deine Verhältnisse sie für Dich zu einer Rol#engkeit Die Unterhaltung geriet nach dieser Bemerkung des Barons auf eine geraume Weile ins Stocken. Der Graf war erregt und ärgerlich, und den Baron und seine Gemahlin beschäftigten augenscheinlich wenig erfreuliche Gedanken, die ihnen jede Lust an einer anregenden Unterhaltung nahmen. So war man beinahe an der Villa des Barons angelangt, „Siech nur, Beter, dort kommt dieckgutpage die wir vorthn “ erwiderte dieser,„denn sonst müßte sie schon einmal an uns vorbeigefahren sein.“ „Als ob dieselbe nicht auf einem anderen Wege hinausgefahren sein könnte,“ versetzte die Baronin lebhaft.„Gewiß, es ist sie, ich erkenne die Livree des Kutschers und des Bedienten ganz genau wieder. Gleich muß sie an uns vorbeikommen, und dann gib einmal gut Acht, wer in derselben sitzt.“ Die Baronin hatte diese Worte kaum gesprochen, als auch schon die beiden Rappen neben ihr auftauchten und gleich darauf Einen schrelen Bick wor der Goef iun besebe, ih. gnr lehnte er sich mit kreideweißem Gesichte gegen vas Po### des Wagens zurück. Deutlich hatte er Irma erkannt, die ihren Arm in denjenigen Reuberts gelegt unss ihren Kopf zärtlich auf seine Schulter gelegt hatte. Beide waren allem Anscheine nach mit ihren gegenseitigen Empfindungen beschäftigt gewesen, daß der und seine Insassen vollständig ihrer Aufmerksamkeit entgangen Run, mein kluger Herr Detter, habe ich Recht gehabt oder nicht?“ rief die Baronin triumphierend aus.„Du hast sie doch sofort wieder erkannt, dieses unschuldige Täubchen, das so zärtlich und ungeniert auf offener Straße mit demalten, häßlichen Menschen carressierte und jetzt bist Du wohl endlich überzeug. Run, Du kannst Dich wenigstens mit dem Gedanken trösten, daß der Alte diese Zärtlichkeiten teuer bezahlen muß. Denn in ihren Ohren erblickte ich ein Paar Brillantohrringe, die vielleicht noch mehr gekostet haben, als die ganze Equipage.“ „Mögen die Brillanten sie glücklich machen,“ murmelte der Graf kaum verständlich mit fest zusammengebissenen Zähnen, und dann sprach er bis zur Beendigung der Fahrt nein einzeges Wort mehr. 10. Kapitel. Als die beiden Wagen aneinander vorbeifuhren, hatte nur Irma den Wagen des Barons und seine Insassen vollständig übersehen. Der alte Reubert dagegen hatte recht wohl erkannt, wer in dem Wagen saß, und er hatte sogar deutlich den Gesichtsausdruck der einzelnen Personen bemerkt, aber er tat so als ob er dieselben nicht sähe, weil er vor allem die Baronin nicht Zetzt, als der Wagen hinter ihnen war, sagte er lächeind „Du bist aber schrecklich unaufmerksam, Irma. Da fährt soeben Deine frühere Herrin und Gebieterin an Dir vorüber, und Du unterläßt es ganz und gar, derselben eine tiefe Verbeugung zu machen, ich glaube sogar, Du hast dieselbe nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Bezeugst Du auf diese Weise den Respekt, den Du einer so hohen Dame wie die Baronin „Ich habe wirklich Riemand gesehen,“ versetzte Irma erstaunt.„Was soll ich mich auch nun um andere Leute kümmern, so lange ich bei Dir bin, bester Großpapa. Aber war die Baronin en iv, liebes Kind, ihr hoher Herr Gemahl besand sich noch bei ihr und außerdem ihr Detter, der Graf Lindenheim oder biun„Giadenberg heißt der Gras: verbesserte ihn Zema unter leichtem Erröten, worauf der Großvater scherzhaft mit dem Finger „Kind, Kind was soll denn das eigentlich bedeuten, daß Du mit einem Male rot wirst? Ich will doch nicht hoffen, daß dieser Graf Deinem Herzen etwas näher steht, oder daß am Ende bereits irgend welche Beziehungen zwischen Euch beReubert sprach diese Worte scheinbar ganz ruhig, dabei leuchtete aber aus seinen Augen so unverkennbar der Ausdruck der Angst und der Besorgnis hervor, daß Irma tief bewegt wurde. Mit beiden Händen seine Linke umfassend entgeg„Liebster, bester Großpapa, Du brauchst Dir wegen meiner nicht die geringste Sorge zu machen. Wenn ich vorhin errötet bin, so geschah dies deshalb, weil mir meine letzte Begegnung mit dem Grafen plötzlich in die Erinnerung zurückkehrte. Als ich nämlich die Billa verließ, begegnete mir derselbe im Walde und unterhielt sich mit mir einige Zeit, und dabei fragte er mich, ob ich seine Frau werden wollte, eine Ehre, die ich indessen dankend, aber entschieden ablehnte. Das ist alles, was zwischen uns Beiden vorgefallen ist, und Veranlassung zum Erröten war eigentlich für mich ebenso wenig vorhanden, wie für Dich zur brav von Dir, daß Du den vornehmen Herrn abgewiesen hast, denn ich fürchte sehr, daß Dir sonst das nämliche Schicksal wie Deiner Mutter blühen könnte. Wie mein Banktel mir neulich mitteilte, besitzt der Graf noch weniger als. d er Baronz, das heißt also im Grunde genommen so viel wie nicht., und womit hätte der Mann Dich also ernahren sollen? Zum Arbeiten sind solche Leute zu vornehm, und hätten erst einmal die Ror und das Elend an Eure Türe geklopft, so hätte er Dich eines Tages sitzen lassen, insofern seine Absichten auf Dich überhaupt ehrlich und ernst gemeint gewesen sind. „O, das Letztere bezweifle ich durchaus nicht, Irma lebhaft. Der Graf ist ein höchst achtenswerter Mann, der mir während meines Aufenthaltes auf der Villa stets mit dem größten Respekt gegenüber getreten ist, und auch bei jener Begegnung benahm er sich in einer Weise, die es mir nicht erlaubt, anders als mit aufrichtiger Hochachtung und Freundschaft an ihn zurückzudenken. Ich kann es nicht vergessen, daß ich damals doch nicht mehr als eine arme, stellenlose Gouvernänte gewesen war, welcher der Graf mit so viel Ehrerbietung, als stände er einer Prinzessin gegenüber seinen Ramen und das Einkommen von 100,000 Mark anbot, auf welches ihm jener Thomas ja die ebse„ogs ise wahr und er scheint Dich also zu haben, was ich ihm ja auch nicht weiter verdenken will, insofern er Dich von jetzt an in Ruhe läßt. Ich hätte auch keinen Grund zu weiteren Befürchtungen, wenn nicht Deine soeben gefallene Aeußerung von Deiner Hochachtung und Freundschaft für den Mann mich stutzig gemacht hätte, denn die Freundschaft eines jungen Mädchens für einen hübschen, jungen Mann aus dem Grafenstande ist immer eine bedenkliche Sache. Man hat Beispiele, daß derartige Freundschaften sich in der Folge stärker erwiesen haben, als die Liebe zu den eigenen Eltern, von dem bischen Zuneigung für einen alten mürrischen Groß„Zezt hast Hu mir aber sehr wehe getan,(Großpopa, entgegnete Iima im schmerzlichen Tone.„Ja, es ist wahr und ich will es Dir gestehen, daß ich den Grafen noch immer sehr gut leiden kann, aber so weit, daß ich Dich des Grafen wegen im Stiche ließe, könnte mich die Reigung für niemals bringen, hörst Du, niemals. Ich habe niemand mehr so lieb wie Dich, und ich bitte Gott jeden Tag, daß er Dir ein recht langes Leben bescheeren möge, damit ich noch recht lange bei Dir bleiben kann, deshalb darfst Du mich auch nie mehr mit solchen Worten zu kränken suchen.“ Fortsetzung folgt. Humor des Auslandes. Der Direktor eines Heiratsbureaus erzählte:„Die jungen Mädchen fragen immer:„wie ist er?“; die jungen Witwen:„wasist er?“;und die alten Schachteln: „wo ist er?“