Sidrere PPoTT Die„Annener Zeitung" erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Bezugspreis inkl.„Sonntagsblatt“ u.„Humoristische Blätter“ monatlich 40 Pfg. — Telephon-Nr. 334.— Nr. 80. 1909. für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. = A m t l i c h e s O r g a n. *— Anzeigegebühr für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg. Inserate finden bei der großen Auflage der Annener Zeitung weite und billige Verbreitung. — Telephon=Nr. 334.— Der Reichstag tritt am heutigen Dienstag die große Sommerpause an, um sich erst im Spätherbst wieder zur Fortsetzung seiner Beratungen in Berlin zusammenzufinden. Es sind ja gerade im abgelaufenen Sessionsabschnitt zahlreiche Gesetzesvorlagen in den Kommissionen zwar mehr oder weniger weit gefördert, aber durch das Plenum nicht verabschiedet worden. Dieses hat vielmehr, nachdem der Etat kurz vor dem Osterfeste erledigt worden war, wiederholt in seinen Verhandlungen Kunstpausen eintreten lassen, um der Finanzkommission Raum für die Vorberatung der großen Reformvorlage zu gewähren. Bis um die Julimitte ist eine Reichstagssession nur ganz ausnahmsweise einmal ausgedehnt worden; selbst in der neueren Periode der langen Sessionen pflegte doch kurz vor Pfingsten der Schluß oder, wie das nun auch schon Jahr und Tag unverletzliche Modesache geworden ist, die Vertagung der Session zu erfolgen. Und noch seltener und rühmlicher ist die Präsenz, die das Haus während der Finanzreform=Debatten Tag für Tag aufwies. Während die Entscheidung über den Zolltarif am 13. Dezember 1902 mit 202 gegen 100 Stimmen erfolgte, im ganzen also 302 Abgeordnete anwesend waren, ergaben die maßgebenden Abstimmungen über die Reichsfinanzreform die durchschnittliche Anwesenheit von 360 bis 370 Abgeordneten. Mag zu dieser einfach beispiellosen Präsenz immerhin die Gewährung von Tagegeldern etwas beitragen, die 1902 bekanntlich noch nicht gezahlt wurden, so kann doch niemand dem Reichstage die Anerkennung versagen, daß er während des verflossenen Sessionsabschnitts außerordentlich fleißig gearbeitet hat. Entspricht diesem Fleiß der Preis? Die Antworten auf diese Frage lauten verschieden. Es gibt niemanden im deutschen Daterland, der nicht die dringende Notwendigkeit, der Finanznot des Reiches abzuhelfen, anerkannte. Und das Reich kann jetzt wieder aufatmen; es sind ihm die Mittel zu seiner finanziellen Sanierung zur Verfügung gestellt. Da es sich um gewaltige Summe von 500 Millionen jährlicher Mehreinnahmen handelt, so erfordett es die Gerechtigkeit, die Leistung anzuerkennen, der die verbündeten Regierungen die Befreiung von den drückenden Geldsorgen zu danken haben. Aber dieser Erfolg wurde mit dem Sturze des vierten Reichskanzlers erkauft? Mußte das sein? Fürst Bülow selbst soll gesagt haben, die Entwickelung hätte einen andern Ausgang nehmen können, wenn die konservative Reichstagsfraktion es gewollt hätte. Und darüber kann wohl kein Zweifel bestehen: Würde eine Volks=Abstimmung vorgenommen, sie würde mit der Annahme der Regierungsvorlage, insonderheit der Erbanfallsteuer geendigt haben. Gegen diese Steuer, für die Fürst Bülow sich persönlich eingesetzt hatte, bestehen im Lande nicht solche Bedenken, wie sie von der neuen Mehrheit in der entscheidenden Abstimmung am Johannistage bekundet wurden. Die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes hätte den Fürsten Bülow nicht fallen lassen, wie sich übrigens auch aus der Tatsache ergibt, daß hinter den Reichstagsabgeordneten, die gegen die Erbanfallsteuer stimmten, nur rund 4 Millionen, hinter denen aber, die für diese Vorlage eintraten, rund 7 Millionen Wähler stehen. Das letzte Wort über die neuen Steuervorlagen wird sich erst sprechen lassen, wenn deren Wirkungen erprobt sind, wozu mindestens der Zeitraum eines Jahres und noch mehr erforderlich ist. Denn auch hier gilt das Wort:„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ seit ich in jungen Jahren in das Auswärtige Amt eingetreten bin, an dessen Spitze damals als Staatssekretär des Aeußern mein seliger Dater stand. 2 Jahrzehnte später bin ich selbst Staatssekretär geworden. Seit dem 26. Juni 1897 habe ich die auswärtigen Geschäfte des Reiches geführt. Auch nach meiner Ernennung zum Reichskanzler habe ich an dem engeren Berhältnis zu Ihnen festgehalten. Von Jugend auf mit dem Auswärtigen Amte verwachsen, bin ich ganz besonders in der Lage, zu wissen, wie viel Arbeit in Ihrer Behörde geleistet wird. Für seinen Anteil an dieser Arbeit danke ich jedem einzelnen von Ihnen. Ich bitte Sie alle, mir ein freundliches Andenken zu bewahren. Ichsage Ihnen Lebewohl mit dem Wunsche und der Zuversicht, daß das Auswärtige Amt, den Blick gerichtet auf die mahnende Gestalt des größten deutschen Mannes, des ersten deutschen Reichskanzlers, der ihm seinen Stempel aufgedrückt hat, stets auf dem Posten bleiben wird für Deutschlands Interessen, für Ehre und Wohlfahrt unseres Volkes, für Kaiser und Reich!“ Ueber den Umzug des Fürsten Bülow wissen die„L. R..“ mitzuteilen:„Gleich nach der Reise setzte die geheimnisvolle Tätigkeit vor dem Kanzlerpalais ein. 3 Packer und 4 Zuträger sind die ganze Zeit vom 28. Juni an tätig gewesen, das umfangreiche Besitztum des mit Gütern gesegneten Fürsten aus allen Teilen des weitläufigen Palais zusammenzutragen und zu„vernageln“. Einzeln wurden die Kisten auf unscheinbaren Rollwagen befördert. Auf diese Weise hat sich der Umzug in aller Stille vollzogen, und erst am Sonnabend Vormittag, als die letzten Sachen nach Norderney abgingen, rollte der offizielle Möbelwagen durch die Wilhelmstraße. Die Mehrzahl der heimlich versandten Möbel geht nach Italien in die römische Billa der Fürstin Bülow, die als sorgsame Hausfrau den Umzug in allen Einzelheiten verfolgt. Auch der Aerger über zerbrochene Platten und Spiegel fehlte nicht. Der Kanzler ging von Zeit zu Zeit schweigend durch die Räume und musterte die Umzugsarbeit. Die riesenhafte Bibliothek, der ganze Stolz des Fürsten, ist sein Spezialressort. Er sucht aus und sortiert, welche Bücher hierher, welche dorthin kommen. Der größte Teil der Bibliothek geht nach Klein=Flottbeck. Nur die„Lieblinge" wandern mit nach Norderney. Der Rest geht nach Rom. Nach Flottbeck kommen auch die wertvollen Stücke des mobilen Besitzes, die Geschenke des Kaisers und anderer Monarchen. Fürst Bülow äußerte auch beim Packen, daß er in Deutschland seinen Hauptwohnsitz nehmen werde.„Ich werde Preußen nicht den Rücken kehren. Abg. Hieber(natl.) bezeichnete die Finanzreform als verfehlt und bedauerte den Bruch des Blocks wie den Rücktritt des Reichskanzlers. Abg. v. Hertling(Ztr.) betonte, seine Freunde hätten sich der schwierigen Mitarbeit an der Finanzreform unterzogen, als sich herausstellte, duß der alte Block außer Stande sei, das Werk fertig zu bringen. Sollte es einmal eine große liberale Partei von Bebel bis Bassermann geben, dann würde es auch eine große konservative Partei geben, in der das Zentrum nicht fehlen würde. Nachdem noch die Abg. Wiemer(freis. Dolksp.), v. Dirksen(Rpt.), Czarlinski(Pole). Raab(wirtsch. Vg.) und Zimmermann(Refp.) den Standtpunkt ihrer Parteien zu der Reform dargelegt, erfolgen die Abstimmungen, die zum Teil namentliche sind und die Annahme aller Teile des Gesetzes nach den Beschlüssen der Mehrheit ergeben.(Lebhafte Bravos bei den Mehrheitsparteien.) Montag 11 Uhr: 2. Lesung Besoldungsvorlage. „* * Die Preßstimmen zur Erledigung der Reichsfinanzreform die der Zustimmung des Bundesrats sicher ist, und diese vielleicht schon gefunden hat, bieten nichts Neues oder Bemerkenswertes. Das ist auch nicht gut möglich, nachdem in der ausgedehnten Sonnabend=Sitzung die Parteiführer den Standpunkt der von ihnen vertretenen Parteien zur Reichsfinanzreform noch einmal ganz ausführlich dargelegt und begründet hatten. Auch die konservativen Organe stimmen keine Siegeshymnen an, sondern beschränken sich in der Hauptsache auf eine Rechtfertigung der Haltung der konservativen Fraktion. Sie geben dabei ihrem Bedauern über den Rücktritt des Fürsten Bülow Ausdruck und wiederholen, daß ein zureichender Grund für diesen RücktrittsEntschluß nicht vorgelegen habe. Die„Kreuz. Ztg.“ kann nicht begreifen, wie der klarblickende und konservative Politiker Bülow den Bedenken der konfervativen Reichstagsfraktion gegen die sozialistische Tendenz der Erbanfallsteuer habe unzugänglich bleiben können. Die freisinnigen und nationalliberalen Blätter bekämpfen in schärfster Tonart das Machwerk der neuen Mehrheit, das alles andre, nur keine Reichsfinanzreform sei. Deutscher Reichstag. Zur Kanzlerkrise. Der Kaiser trifft laut„Otsch. Tagesztg.“ am heutigen Dienstag in Berlin ein, um den Schlußvortrag des Fürsten Bülow entgegenzunehmen und die Ernennung des neuen Reichskanzlers zu vollziehen. Auch in der Fahrt des Kaisers nach Berlin spiegelt sich, wie die„Nat.=Ztg.“ bemerkt, die Bedeutung, die dem Kanzlerwechsel inne wohnt. Der Kaiser kehrt, obwohl die Ernennung des neuen Kanzlers natürlich auch von einem andern Orte erfolgen könnte, in die Reichshauptstadt zurück, um am Sitze der Regierung die Entschließung zu treffen oder wenigstens zu vollziehen. Darin ist zugleich eine Zuvorkommenheit gegen die Person des abgehenden wie des künftigen Kanzlers enthalten. Die Anwesenheit des Kaisers in Berlin wird 2 Tage dauern. Ein Schlagwort des Kaisers zur Krise, das jedoch noch der Bestätigung bedarf, wird in folgendem übermittelt: Als Fürst Bülow am 26. Juni nach Kiel kam, um seinen Abschied vom Kaiser zu erbitten, blieb bekanntlich auch der Führer der Kaiserjacht„Meteor“ krankheitshalber aus. Da soll der Kaiser gesagt haben:„Ra, dann hätte ich keinen Kanzler, keinen Skipper und keinen Wind, und was fange ich nun an.“ Des Fürsten Abschied. Fürst Bülow verabschiedete sich am Sonnabend bei einem im Kongreßsaale des Kanzlerpalais veranstalteten Diner von den Herren des Auswärtigen Amtes, nachdem er schon vorher die in Berlin weilenden Botschafter zu längeren Unterredungen lempfangen und auch von den Mitgliedern des Bundesrats Abschied genommen hatte. In einer Abschiedsansprache an die Vertreter des Auswärtigen Amtes sagte Fürst Bülow u. a. „Es ist mir bei meinem Scheiden aus dem Allerhöchsten Dienste Bedürfnis, Ihnen persönlich zu danken für die treue und treffliche Unterstützung, die ich während meiner Amtsführung bei Ihnen gefunden habe. Ich brauche nicht zu sagen, wie sehr ich mich den Beamten meiner Reichskanzlei, vor allem meinem verehrten Freunde v. Löbele verpflichtet fühle die in täglicher, anstrengender Arbeit meine nächste Umgebung bildeten. Ich brauche nicht näher auszuführen, wie wichtig für mich als Reichskanzler meine Stellung im preußischen. Staatsministerium war. Fast 36 Jahre sind dahin gegangen, Sitzung vom 9. Juli. Bier und Branntweinsteuer. In seiner 11 Uhr vormittags beginnenden und bis abends 7 Uhr ausgedehnten Freitag=Sitzung nahm der Reichstag zunächst in 3. Lesung mit 204 gegen 160 Stimmen die Brausteuer an. Dazu wurde u. a. ein Antrag angenommen, wonach Kommunal=Biersteuer über 65 Pfg. pro Hektoliter über den 1. Oktober 1915 hinaus(statt 1909, wie in 2. Lesung beschlossen) nicht mehr erhoben werden dürfen. Ein sozialdemokratischer Antrag auf Entschädigung beschäftigungslos werdenden Arbeiter wurde abgelehnt. Das Tabaksteuergesetz wurde mit 197 gegen 165 Stimmen angenommen. Ein Antrag Giesbert(Ztr.) auf Unterstützung zunächst, bis zur Höhe von 4 Millionen M. an beschäftigungslos werdende Arbeiter, wurde angenommen. Auch das Branntweinsteuergesetz wurde in der Fassung der neuen Mehrheit mit 229 gegen 137 Stimmen angenommen. Ein nationalliberaler Antrag, ein Hundertstel des Steuerertrages aus diesem Gesetz zur Trunksuchts= Bekämpfung zu verwenden, wurde mit 207 gegen 151 Stimmen abgelehnt. Am Sonnabend wurde die 3. Lesung der Finanzreform beendet. Sitzung vom 10. Juli. Endgültige Erledigung der Finanzreform. Der Reichstag erledigte am Sonnabend in einer Sitzung von 10 Uhr früh bis ¾7 Uhr Abends die Finanzreform endgültig in dritter Lesung. 93 Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg erklärte in der Generaldebatte obgleich der Reichstag den Vorschlägen der Verbündeten Regierungen nur zum Teil gefolgt sei, habe diese sich einstimmig dahin entschieden, das Gesetz als ein einheitliches Ganzes zur Verabschiedung zu bringen. Eine Reichstagsauflösung hätte die dringendnotwendige Reform verzögert und sachlich auch nichts gebessessert. Auch sei der Anblick in die Zukunft weniger wert als die Tat der Gegenwart. Die Forderung der Regierung wiegt schwerer als die Mängel der Vorlage. Regierung und Reichstag haben durch ihre Einigung über die Reform demDaterlande einen Dienst geleistet, der ihnen die Verantwortung für das Wohl des Landes auferlegt. Abg. Heydebrand(ks.) erklärt, seine Freunde hätten die Erbanfallsteuer abgelehnt, weil diese eine reine Besitzsteuer sei, deren Regeluug nicht einer aus gleichem Wahlrecht hervorgegangenen Volksvertretung wie dem Reichstage anvertraut werden könne. Fürst Bülow beging einen Fehler, als er den Block unter Ausschaltung des Zentrums bildete. Den Rücktritt des lieben Kanzlers, dem die deutsche Landwirtschaft viel zu danken habe, bedauerten seine Freunde, die den Sturz des Fürsten natürlich nicht beabsichtigt hätten. Abg. Singer(Szd.) schwur der Reaktion den Kampf auf Leben und Tod. Deutsches Reich. — Der Kaiser wurde gestern in Berlin erwartet zwecks Erledigung wichtiger politischer Geschäfte. Mitte dieser Woche soll der Antritt der Nordlandreise erfolgen. Die Hauptwoche des deutschen Bundesschießens in Hamburg hat am Sonntag ihren Anfang genommen, nachdem die Vorwoche in der Hauptsache das Festprogramm für Hamburgs Bürger gebracht hatte und den internationalen Gewehrmatch wie den internationalen Revolvermatch zum Austrag hatte kommen lassen. Im Gewehrmatch haben die deutschen Schützen ziemlich ungünstig abgeschnitten, folgende Resultate wurden erzielt: Schweiz 4840 Punkte, Frankreich 4838, Belgien 4748, Italien 4730, Argentinien 4097, Holland 4671, Deutschland 4671, Dänemark 4476, Oesterreich 4369 Pkte. Der beste Schütze blieb der Schweizer Stacheli mit 1009 Punkten. An dem zur Feier der Eröffnung gegebenen Bankett nahmen über 4000 Personen teil. Eine Augenweide bildete der SchützenFestzug mit seinen vielen historischen und symbolischen Gruppen. Der Vorbeimarsch des Zuges dauerte etwa 4 Stunden. Die Eröffnung des Hauptteils des großen deutschen Bundesschießens in Hamburg hatte unter der Ungunst des Wetters zu leiden. Der Kaiser hatte seinen Besuch veränderter Dispositionen wegen aufgeben müssen. Der Brief des deutschen Kronprinzen. In einigen Blättern war davon die Rede, der Kronprinz habe an den Bismarck=Biographen und Chefredakteur der„Leipziger R. .“ Dr. Simon ein Schreiben gerichtet, in dem Angriffe gegen die Konservativen enthalten seien. Das ist natürlich unwahr. Richtig ist, wie das genannte Leipziger Blatt feststellt, nur, daß der deutsche Kronprinz ein paar wohlwollende Worte an Dr. Simon in Bestätigung eines ihm übermittelten völlig unpolitischen Buches gerichtet hat. Das Schreiben ist schon vor längerer Zeit eingegangen und beschäftigt sich überhaupt nicht mit politischen Fragen. — Ein preußischer Prinz als Landrat. Prinz Friedrich Wilhelm, der jüngste Sohn des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen, wird in seinem verwaltungsrechtlichen Studiengang auch die Stufenleiter Amtsvorsteher, Kreistagsabgeordneter, Landrat erklettern. Der Prinz ist mit Leib und Seele bei seinem Studium. — Die liberale Einigung. Der Einigungsausschuß der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft trat am Sonnabend unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Wiemer zum erstenmal zusammen, um über die Fusion der drei freisinnigen Parteien zu beraten. Der Ministerwechsel. Für den Fall, daß Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg der Nachfolger des Fürsten Bülow wird, soll der jetzige Handelsminister Delbrück das Reichsamt des Innern übernehmen und seinerseits durch den Unterstaatssekretär Wermuth ersetzt werden. — Die Verleihung des„Doktor=Ingenieurs“ an den preußischen Finanzminister Frhrn. v. Rheinbaben durch die Königliche Technische Hochschule in Aachen erfolgte in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Förderung des Unterrichtswesens und der wissenschaftlichen Forschung. Auch Fürst Bülow ist„Dr. ing.“ — Zum Direktor der Kriegsakademie, der höchsten Militärschule, die wir haben, ist der Freiherr v. Manteuffel, Kommandeur der 38. Division, an Stelle des verabschiedeten Generals v. Flatow ernannt worden. Nur erste Strategen erhalten die Würde des Leiters der Kriegsakademie. — Aus der nationalliberalen Partei scheint auch der vierte Abgeordnete, der der Abstimmung über die Erbanfallsteuer am Johannistage ferngeblieben war, der Abgeordnete Haas, ausscheiden zu wollen. Haas, der ausdrücklich erklärt hatte, kein Gegner der Erbanfallsteuer zu sein und nur durch Krankheit von der entscheidenden Reichstagssitzung ferngehalten gewesen zu sein, ist Generalanwalt des Reichsverbandes deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften. Heer und Flotte. Die Einführung der neuen Pistole 08 in unser Heer anstatt des Armeerevolvers, die für den Herbst geplant ist, bedeutet eine wesentliche Verbesserung der Ausrüstung unserer Truppen. Die Pistole 08 ist ein Selbstlader, der Druck der Pulvergase treibt das Geschoß nicht nur vorwärts, er bewirkt auch, in Verbindung mit dem Rückstoß, das Oeffnen und Schließen des Verschlusses, das Auswerfen der Patronenhülse und das Spannen des Schlagbolzens. Das Magazin hat acht Patronen. Das Kaliber des Laufes beträgt 9 Millimeter. Ausland. Oesterreich=Ungarn. Die parlamentarische Krisis harrt nach wie vor ihrer Lösung. Die führenden Blätter glauben nicht recht daran, daß es den Obstruktionsparteien gelingen wird, das Kabinett Bienerth zu stürzen, wenngleich die Christlich=Sozialen bei diesem Beginnen auch mithelfen wollen. Die Erinnerung an eine der stürmischsten Perioden des österreichischen Parlamentarismus wird wach gerufen durch den Tod des Grafen Kasimir Badeni, des ehemaligen Ministerpräsidenten. Er leitete die Geschicke des Reiches mit leidlichem Erfolg, als er es aber unternahm, die tschechische Amtssprache in Böhmen und Mähren einzuführen, machten die deutschen Parteien gegen ihn Front und ihrer entschiedenen Obstruktion gelang es, Badeni zum Gehen zu veranlassen. Türkei. Zur Lage. Die Jungtürken sind entschlossen, den Krieg zu erzwingen, wenn sie in der Kretafrage nicht einen vollen diplomatischen Erfolg erreichen. Lokale und provinzielle Nachrichten. der Hohensyburg ist lt. amtlicher Mitteilung von Sr. Majestät dem Kaiser Dienstag der 10. August bestimmt worden. Wie uns mitgeteilt wurde, hat auch die hies.„Freiw. Feuerwehr“ in ihrer letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, an dieser Feier in corpore teilzunehmen. * Anneu, 13. Juli.(Kirchliches.) Infolge der schweren Erkrankung des Herrn Pastor Brasse fällt laut Bekanntgabe von der Kanzel der Katechumenenunterricht vorläufig aus. Herr Pastor Müller erteilt für beide Jahrgänge den Konfirmandenunterricht. —(Evang. Arbeiterverein.) Am nächsten Sonntag hält der evang. Arbeiterverein seine diesmonatliche Versammlung ab und wird die Tagesordnung noch durch Inserat bekannt gegeben. Es sei jetzt schon darauf hingewiesen, daß im Anschluß daran eine Gemeindefeier aus Anlaß des 400jährigen Geburtstages des Reformators Johann Calvin stattfindet, in welcher Herr Pastor Müller in einem Vortrage die Verdienste des großen Mannes würdigen wird. —(Jubelfest.) Unter größter Beteiligung der Kameraden und Freunde beging am Sonntag die hies. Zahlstelle des Bergarbeiterverbandes ihr 25jähriges Jubelfest. Nach einem imposanten Festzuge durch die Gemeinde setzte sich die Feier durch Konzert, Festakt und Ball im Peick'schen Lokale fort. —(NeuenlageZ Augenblicklich werden unsere Bürgersteige der Hauptstraßen, die erst vor wenigen Jahren in rönung gebracht sind, zum Teil wieder aufgerissen, da die Haupttelegraphenund Telephonleitungen unterirdisch verlegt werden. Die Wiederfertigstellung der Bürgersteige soll nach Möglichkeit beschleunigt werden. —(Unfall.) Der Schlosser K. zog sich vor einigen Tagen auf einer hies. Fabrik eine bösartige Verletzung und Quetschung des rechten Armes zu. Anscheinend ist noch Rost in die Wunde gekommen, sodaß sich dazu noch Blutvergiftung entwickelt hat. (° Annen, 13. Juli.(Sein 4. Stiftungsfest) beging am vergangenen Sonntag im Lokale des Herrn Fritz Klamor=Annenerberg der beliebte Kegelklub„Bergeshöh". Der Verein kann mit dem Verlauf des Festes voll und ganz zufrieden sein. Die Räumlichkeiten waren, wie man das bei dem gen. Verein nicht anders gewohnt ist, bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Außer den musikalischen Darbietungen trugen noch einige Theaterstücke u. a.„Die fidelen Handwerksburschen“, die sämtlich mit einem § Annen, 12. Juli.(Die Landeskultur=Ausstellung) auf dem Diehmarkt in Dortmund war gestern von 15—20000 Personen besucht. Es war ein Kunststück, das gewaltige Menschengewoge zu durchbrechen, um vorwärts zu kommen. Der Sonntag hat alles wieder gut gemacht, mit einem Defizit wird das Ausstellungskomitee nicht zu rechnen haben. Die gestrigen Vorführungen in dem großen Riug boten interessante Abwechselungen. Heute werden sämtliche Ausstellungsbauten wieder abgebrochen, damit der Diehmarkt wieder seiner alten Bestimmung übergeben werden kann. Glänzend abgeschnitten auf der Ausstellung hat Annen. Dort erhielten nämlich 1. Herr Auktionskommissar H. Günedler den 1. Preis auf seine Langshans, 2. der Konsumverwalter Goldkuhl den 4. Preis auf seine Rouen=Enten und 3. der Ziegenzuchtverein Annen den 3. Preis und Ehrenpreis auf seinen Vereinsbock, und das alles bei starker Konkurrenz.(Siehe auch unsern ausführlichen Sonderbericht. D..) § Annen, 12. Juli.(Der Kaiserbesuch auf HohenInburg.) Als Tag für die Jubelfeier der Grafschaft Mark auf gesunden, kräftigen Humor gewürzt waren und wahre Heiterkeitsstürme hervorriefen, szur Erhöhung der Feststimmung bei. Die Mitwirkenden waren alle gut bei der Sache; man merkte, daß sie fleißig geübt hatten, weshalb auch eine vollendete Aufführung zu stande kam. Nach Verlauf einiger Stunden inszenierte die Vereinsleitung ein Preis=Kegeln, wobei der Verein in pekuniärer Hinsicht sehr gut abgeschnitten hat. Ein froher Festball bildete den Schluß der schön verlaufenen Feier. Die Bedienung seitens des Festwirtes war ohne jeden Tadel. Gut Holz! (2 Annen, 13. Juli.(Aus dem Ruhrkohlengebiet.) In den gestrigen Bergarbeiter= und Zahlstellenversammlungen der Bergarbeiterverbände wurde vornehmlich Stellung genommen zu dem negativen Verlauf der außerordentlichen Generalversammlung des Allgemeinen Knappschaftsvereins. Das schroff ablehnende Verhalten der Werksbesitzer den berechtigten Anträgen der gesamten Aeltestenschaft gegenüber wurde auf das Schärfste verurteilt. Eine Erweiterung der Befugnisse der Aeltesten bei der Invalidisierung der Bergleute, um die sich herausgebildeten unhaltbaren Zustände, die eine schwere Benachteiligung der Bergleute zur Folge hätten, zu beseitigen, sei dringend notwendig. Die neueingeführte Wahlordnung stelle sich als geschickter Schachzug des Bergbauvereins und der Werksbesitzerschaft dar, um so die frühere Zechenpartei mit ihren den Werken gegenüber gefügigen Elementen wieder aufleben zu lassen. Der Verlauf der letzten Generalversammlung des Allgemeinen Knappschaftsvereins zeige den Bergleuten wieder, wie man auf Werksbesitzersseite gemachte Versprechungen zu halten pflege, aber auch wohin der Weg gehe, man erstrebe die allmähliche Schaffung einer gefügigen Mehrheit im Knappschaftsvorstande. Die ablehnende Erklärung der Werksbesitzer wurde allgemein als eine Kriegserklärung an die Bergleute ausgenommen. Den Aeltesten wurde für ihre einmütige Stellungnahme Dank abgestattet, sie aber auch aufgefordert, den Kampf für die Satzungsanderung weiterzuführen ev. durch Antrag auf weitere Generalversammlungen des Knappschaftsvereins. Der Verlauf der verschiedenen Versammlungen bekundete eine tiefe Erbitterung der Bergarbeiterschaft gegenüber den Werksbesitzern. Die Annahme der Anträge der Bergleute würde dem so notwendig sozialen Frieden gedient haben In den Zahlstellenversammlungen des christlichen Gewerkvereins wurde die Eingabe desselben an das Kriegsministerium gegen das Verhalten der Knappschaftsverwaltung Reservisten und Landwehrleuten gegenüber begrüßt. Den Bergleuten, welche von einer zur anderen Zeche abkehrten und eine Schicht dadurch feierten, insbesondere den von der militärischen Uebung heimkehrenden Reservisten und Landwehrleuten ein neues Attest abzuverlangen und ihnen die durch langjährige Beitragsleistung erworbenen Rechte zu beschneiden, würde nicht allein als satzungswidrig, sondern auch als eine unheilvoll wirkende, schwere soziale Ungerechtigkeit bezeichnet. Das Vorgehen leiste geradezu der antimilitärischen Propaganda der Sozialdemokratie unter den jungen Bergleuten Vorschub. Im ureigensten Staatsinteresse habe der Kriegsminister gegen diese Bestimmungen Front zu machen. Bei Besprechung der neuen Berggesetznovelle wurde den Bergleuten geraten, sich die neuen gesetzlichen Bestimmungen zu Rutze zu machen. § Stockum, 12. Juli.(Ausflug des Gesangvereins„Eintracht“ Stockum=Annen.) Am vergangenen Sonntag unternahm der genannte Verein seinen diesjährigen Sommer=Ausflug, der sich zu einem höchst gemütlichen und amüsanten gestaltete. Gegen ½9 Uhr— vertragsmäßig hätten sie schon eine Stunde früher dort sein müssen, doch mit des Geschickes Mächten— trafen, von Marten kommend, am Vereinslokal 4 Kremser ein, die etwa 70 Teilnehmer, Männlein und Weiblein, aufnahmen und dann dem Ziele— Unna=Königsborn— zusteuerten. Flott ging die Fahrt über Dortmund von statten; wohl bangte es uns ob des in Grau gehüllten Firmaments vor bös Wetter, doch mit fröhlichen Menschen und mit Sängern von Gottes Gnaden hat Petrus immer ein Einsehen, denn auch diesmal drückte er noch einmal ein Auge zu, hielt für heute seine Schleusen geschlossen.— Nach einigen wohltuenden Erfrischungen gelangte man gegen Mittag in Unna an, allwo im Restaurant Distelhoff das Mittagsmahl eingenommen wurde, das allen Erwartungen vollkommen entsprach. Der Dirigent, Herr Lehrer Retzlaff, verfehlte darum auch nicht, in seiner Ansprache, in der er der Verdienste der Herren Vorstandsmitglieder um das glückliche Arrangement des Ausfluges gedachte, in anerkennenswerter Weise auch die vorzüglichen Leistungen des Herrn Wirtes in Küche und Keller rühmend hervorzuheben. Rach einer kleinen Exkursion nach Königsborn und den sehenswürdigen Salinenwerken kehrte man, befriedigt von allem Genossenen, zum Haupt=Quartier zurück, um sich dort an einem erquickenden Kaffee gütlich zu tun. Hier entwickelte sich dann auch bald eine recht gehobene Stimmung; der Verein ließ ein paar frisch gesungene Liedchen vom Stapel und dann gemahnte die bald heranrückende Zeit zum Aufbruch. Auch die Rückfahrt, die über Aplerbeck= Freischütz=Hörde usw. ging, war eine recht fidele und feucht=fröhliche.— Gegen 12 Uhr langte man hier wieder an und herrschte bei allen nur eine Stimme der Befriedigung über die so schön verlaufene Parie. schöne Mädchen von Bellemon. 6 Roman von Wilhelm Kunde. (Nachdruck verboten.) „Schön,“ sagte Jan,„du benützest den Pariser Zug, da halte ich es für vorteilhafter, wenn du abends fährst. Richte dich also ein, daß du den Schnellzug von Brüssel noch antriffst, dann bist du morgen früh an Ort und Stelle. Du mußt hier um halb 8 Uhr abfahren. Hast du alles in Ordnung?“ „Gewiß Jan,“ sagte das Mädchen,„wenn ich zu den Schwestern fahre, brauche ich nicht viel. Aber da werde ich zum Ohm gehen und von ihm Abschied nehmen.“ „Das laß nur hübsch bleiben,“ sagte Jan:„Du weißt daß der Ohm keine Frauensleute leiden kann, auch dich nicht. Er hat mich extra gebeten, dich von einem Abschiedsbesuche bei ihm abzubringen.“ „Ist der Onkel der Vormund Ihres Fräuleiu Schwester?“ fragte Molski dazwischen. „Ja,“ knurrte Jan und ein schöner Vormund dazu; er hat sein Mündel überhaupt erst einmal gesehen und bekümmert sich nicht um sie.“ Maria ging, doch nicht, ohne Erwin vorher einen tiefen, rätselhaften Blick zugeworfen zu haben. Sie war fortgegangen, da kam ein kleiner Junge und brachte Jan einen Zettel. „Was ist denn los?“ fragte Molski, als Jan einen derben Fluch ausstieß. „Ach, wenn der Teufel seine Hand im Spiele hat geht alles verkehrt,“ sagte Jan, dem Jungen aber schenkte er eine Cigarette und hieß ihn bestellen, es wäre alles in Ordnung. Der Junge ging. Dann sagte Jan zu Molski: „Ich muß heute Abend noch Geld haben oder ich kann mich aufhängen. Der Weihnachtsklub meldet für heute eine Sitzung an. Ich habe neulich mit dem Nachschlüssel 600 Francs der Kasse entnommen, die müssen bis Abend wieder da sein. Ich hoffte bestimmt gestern den großen Schlag ausführen zu können, aber du hast ja deinen Dickkopf durchgesetzt. Run schaff Geld heran oder wir können einpacken!“ Molski griff in die Tasche. „Gold oder Scheine?“ fragte er. Scheine! „Du Tor, merken sich die Leute denn die Rummern nicht?“ „I wo! Der Vorsitzende, unser Küster, ist ein so vertrauensseliges Schaf, daß er gar nicht im Traum daran denkt, es könnte etwas abhanden kommen.“ „Und der Onkel? Meinst du, der handelte auch so fahrlässig „Ich glaube bestimmt.“ „Wie hoch schätzt du die Summe, die er bei sich hat; du hast doch genug spioniert?“ „40—50,000 Franks.“ „Gut,“ erwiderte Molski,„hier sind 600 Franks. Lege sie in die Kasse zurück, daß der wackere Küster nicht in Ohnmacht fällt.“ Jan nahm das Geld ohne Dank entgegen, im Gegenteil er knurrte noch. „Wenn du meinem Rat gefolgt wärst, hätten wir das nicht nötig gehabt. Sie sprachen noch eine Weile aus Blämisch miteinander; Erwins Ohr hatte sich schon etwas an den fremden Klang gewöhnt.. Jedenfalls merkte er soviel, daß die beiden nichts gutes im Schilde führten. Es wurde Nachmittag. Molski war wieder fortgegangen und Jan in den Keller hinabgestiegen. Diese Gelegenheit benutzte Maria, aus ihrem Zimmerchen hinabzuschlüpfen. Sie trat auf den frohbewegten Erwin zu, und überreichte ihm einen Brief, indem sie flüsterte: „Denken Sie nichts Böses von mir, aber ich möchte nicht ohne Abschied von Ihnen fortgehen. Lassen sie den Brief nicht sehen.“ Sie hatte seine Hand gedrückt und war, ehe er sich von seinem Staunen erholt hatte, wieder verschwunden. Erwin wähnte zu träumen, aber das Briefchen in seiner Hand bewies ihm die Wirklichkeit. Sein Herz klopfte stürmisch und so sehr er sich auch sehnte, den Inhalt kennen zu lernen, wagte er es doch nicht, das Schreiben hier zu öffnen. Und er tat recht daran, denn kurz darauf kam Jan schmutzbedeckt aus dem Keller nach oben und blickte, wie immer, mißtrauisch auf ihn. Einige Minuten später traf Molski ein und zu diesem sagte Erwin: „Ich möchte jetzt einen kleinen Spaziergang machen. Ich bin heute noch nicht fortgekommen. „Aber natürlich, bitte,“ erwiderte der Dicke.„Solange Sie sich meinen Wünschen fügen, sind Sie innerhalb der angemessenen Grenzen durchaus Ihr freier Herr. Sie wissen ja übrigens, welches Schicksal für den Fall, daß Sie mir entfliehen, Ihrer Tante droht.“ Ehe Erwin aber seinen Entschluß wahr machen konnte, hatte Jan sich freundlich, wie nie zuvor, an ihn gewendet und geoot „In dem dünnen Rock wird Ihnen zu kalt werden; trinken Sie erst noch ein Glas Grog und dann sehen Sie sich unser Dörschen an.“ Ehe Erwin noch abwehren konnte, hatte er ihm auch schon das angebotene gebracht. Erwin, der durch den Brief aus Marias Hand in eine ganz wundersame Stimmung versetzt war, dankte mit einem freundlichen Wort. Er trank hastig, doch dauerte es immerhin eine Zeit, ehe das Glas geleert war; dann aber wollte er hinaus, konnte es aber jetzt auch nicht verhindern, daß Jan ihn auf das liebens würdigste zur Tür hinaus geleitete. „Gott sei Dank,“ sagte Jan, als Erwin den Raum verlassen hatte,„ein wahrer Segen, daß der deutsche Muff mal endlich ausgeht. Es war auch die höchste Zeit. Zwischen Molski und Jan schien ein tiefer Zwiespalt eingerissen zu sein; den ganzen Nachmittag sprachen sie kaum noch ein Wort miteinander. Es schien, als habe jeder vor dem andern ein Geheimnis zu bewahren. Maria kam während des Nachmittags nicht mehr nach vorn; sie saß entweder oben in ihrem Stübchen, oder im Hinterzimmer bei ihrer Stiefmutter. Als es zu dunkeln begann, füllte sich das Schankzimmer mehr und mehr mit Gästen, die aufgeregt und laut miteinander disputierten. Jan hatte alle Hände voll zu tun, rief aber vorläufig Frau de Knocker nicht zu Hülfe. Er hatte Maria schon vorher mitgeteilt, daß Molski sie mit dem Kutscher zur Bahn geleiten werde. Molski war Maria zwar sehr widerwärtig, aber sie überlegte, daß der Weg zum Bahnhofe ja nicht weit sei und hoffte, Erwin würde den Dicken begleiten. Aber die Stunde der Abfahrt rückte heran, ohne daß Erwin sich wieder eingestellt hätte. Molski war im Innern ziemlich besorgt, aber er ließ nichts merken. Marias Abschied von Jan war nur flüchtig, denn ein wirklich liebevolles Band knüpfte sie nicht ihrem Pflegebruder an: Jan drückte ihr die Hand, wünschte gute Reise und verschwand wieder nach vorn, was auch weiter nicht auffiel, da gerade wieder Bier verlangt wurde. Maria und Molski verließen das Haus; der vlämische Kutscher folgte mit dem Gepäck. Kurz darauf trat ein neuer Gast herein, ein herkutisch gebauter Mann mittleren Alters. Er wurde von allen: Seiten lebhaft begrüßt und auch Jan schüttelte ihm herzlich die Hand. „Wie gehts dem Onkel?“ fragte er. „O gut,“ sagte der Riese nach einem mit Schnaps gefüllten Bierglase greifend und es halb hinabstürzend.„Ja, es geht ihm gut, aber was da mit unserm verdammten Tyras ist, weiß ich nicht! das Dieh liegt wie tot und rührt kein Glied.“ „Wird sich überfressen haben,“ sagte Jan leichthin,„morgen ist es wieder gut.“ „Wollens hoffen,“ sagte der andere,'s ist ein treues Tier, man hat sich recht daran gewöhnt. Damit kehrte er zu den anderen zurück und eine Debatte über die Weihnachts=Bescherung begann mit all dem Eifer, dessen die Blamen fähig sind, wenn es sich um Geldausgaben handelt. 38•4 Als nun Jan einen Augenblick Ruhe hatte entzündete er eine kleine Laterne und sagte zur Mutter: „Ich gehe jetzt in den Keller, um mal nach dem Apparat zu sehen, und danach muß ich ein neues Faß anstechen. Jetzt trinken sie doch nicht, die Gläser sind übrigens alle gefüllt.“ Die Mutter stimmte ihm zu und setzte sich auf den Stuhl neben den Ofen, still vor sich hinträumend. Vernehmlich drangen die Hammerschläge des Jan aus dem Keller, dann aber wurde alles still. Es dauerte wohl eine Viertelstunde, dann kam Jan wieder hinauf. Er reinigte sich mit einer Bürste die Beinkleider ein wenig, füllt sich ein großes Glas mit Schnaps und trat mit diesem in der Hand an den Tisch der noch immer laut diskutierenden Bauern. Er brachte ein allseitiges„Sankte!“ aus und jedermann tat dem beliebten jungen Gastwirt Bescheid. Dann aber, als sich die Bauern wieder ihren Interessen hingaben, ging Jan, der inzwischen den Schnaps hinuntergestürzt hatte, zur Mutter und sagte: „So jetzt werde ich das Faß anlegen. Das ganze Rohr hatte sich verbogen. Ich habe eben schon gehämmert, aber ich muß es mit den Händen umbiegen, sonst schlage ich es entzwei. Er füllte sich wieder ein Glas mit Schnaps und rief vom Schanktisch mit lauter Stimme:„Sankte, Ihr Herren!" und als ihm Bescheid getan war, fügte er hinzu:„Trinkt nur immer aus; ich lege just ein neues Faß an.“ Allgemeiner Beifall folgte diesen Worten und naa juns Minuten floß der Gerstensaft wieder in vollem Strahl aus dem Agparat. * Stocku am Preisturnse Wilh. Leese der Leese den 3. P Turnern! -0 Kirch In der verg. R der.=schen tüchtige Keilerei hausen einen g letzt haben so Frage kommer heute morgen Dortmund zuge Dortmur 4jährige Tochte aus einem Fen schweren innere geschafft. Bochum, Werk der We beim Gießen Formkasten in über 5 Arbeite wurden leichten letzten wird ge Münste: ehemälige Pro zuletzt in Innmit Abschrifter etwa 10000! Gütersl Der allen Güt kamp, ist im hat er in E ausgeübt. 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Die 4jährige Tochter des Lademeisters Hartmann, Alsenstraße 55, fiel aus einem Fenster des dritten Stockwerks auf die Straße. Mit schweren inneren Verletzungen wurde das Kind ins Krankenhaus Bochum, 10. Juli.(Der Formkasten geplatzt.) Im MartinWerk der Westfälischen Stahlwerke platzte gestern Nachmittag beim Gießen einer Walze in einer hochstehenden Form der Formkasten in der Mitte durch. Die glühende Masse ergoß sich über 5 Arbeiter, von denen 2 schwer verletzt wurden. Die übrigen wurden leichter verletzt. An dem Aufkommen der Schwerverletzten wird gezweifelt. Münster i.., 10. Juli.(Vermächtnis.) Der verstorbene ehemälige Professor der Berliner Universität, Dr. Karl Horstmann, zuletzt in Innsbruck, hat der Universitätsbibliothek 12 Konvolute mit Abschriften von alten englischen Handschriften im Werte von etwa 10000 Mk. testamentarisch vermacht. Gütersloh, 10. Juli.(Ein Prachtexemplar von Sonderling.) Der allen Güterslohnern bekannte Eigenbrödter Theodor Kotienkamp, ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Etwa 20 Jahre hat er in Güterloh gelebt und seinem Beruf als Lohngärtner ausgeübt. Obwohl er aus wohlhabender Familie war, und ein nicht unbedeutendes Vermögen besaß, lebte er denkbar dürftig, ging stets barhäuptig und in Holzschuhen einher, nähte sich die Kleidung selbst, ruhte des Nachts auf dürftigem Lager und war weder in gesunden noch kranken Tagen zu bewegen, hierin eine Aenderung eintreten zu lassen. Sein Vermögen, soweit er darüber verfügen konnte, hat er vor einigen Jahren der Stadt vermacht zum Bau einer Polizeibeamten=Dienstwohnung. Diel Sorge machte ihm besonders die sozialdemokratische Seite an unserer Regierung und der Obrigkeit geübte Kritik; darum bekämpfe er die Sozealdemokratie wo er ging und stand, verteidigte dagegen energisch die Vorschläge und Maßnahmen der Regierung. Es gehörte zu den ständigen Abonnenten der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, von denen er ein weiteres Exemplar auf seine Kosten verteilte. Seinen sonderbaren Ansichten inbezug auf Ernährung, Kleidung und Wohnung dürfte es zuzuschreiben sein, daß er einen Siechtum verfiel, das seinen Tod verhältnismäßig schnell herbeiführte. Borbeck, 11. Juli,(Gruvenvrano.) Auf der Zeche Carolus Magnus“ in Berge=Borbeck entstand in dem Aufbruchsschacht Flötz Wienhagen ein Brand. Zwei Bergleute sind durch die Flammen von der Außenwelt abgeschlossen. Die Rettungs= und Löschungsarbeiten sind sofort energisch aufgenommen worden. Man hofft, die weitere Ausbreitung des Brandes verhindern zu können...(gmzsig, z ihuns) Essen, 12. Juli.(Eisenbahnunfal.)(Amtliche Mieldung.) Heute Nacht 1 Uhr 15 Minuten sind vom Güterzug 8815 bei der Station Essen=Altendorf vier Wagen entgleist. Personen sind verletzt. Beide Gleise sind bis Mittag 12 Uhr gesperrt. Die Ursache ist noch nicht aufgeklärt; vermutlich Verschiebung der Ladung eines Wagens. Oberhausen, 11. Juli.(Unterschlagung.) Der Prokurist der Buchhandlung Karl Zellerhoff. Wilhelm Darmann, ist nach Unterschlagung von etwa 8000 Mk. flüchtig geworden. Von Lüttig aus hat er an seine Frau einen Brief gerichtet, in dem er seinen Entschluß kundgibt, bei der Fremdenlegion einzutreten. Düsseldorf, 9. Juli.(Jung gefreit,) Mit beinahe 80 Jahren trat ein hiesiger Bewohner noch vor das Standesamt, um die Ehe einzugehen. Die Braut zählt 56 Jahre. Solingen, 12. Juli.(Erschossen. Todessturz.) Anscheinend aus Unvorsichtigkeit schoß in der vergangenen Nacht der Messeraufmacher Friedrich Schmitz zu Gummersberg seinem Freunde, dem Aufmacher Deppmeier, einen Streifschuß in den Kopf. Der Schwerverletzte ist inzwischen gestorben. Schmitz, der verhaftet wurde, behauptet, der Meinung gewesen zu sein, daß das Gewehr nicht geladen sei.— Der 45jährige Fabrikarbeiter Franz Röttger von der Laternenstraße stürzte gestern Racht von der Treppe ab und brach das Genick. Er war sofort tot. Auel(Eifel), 10. Juli.(Ein entsetzlicher Unfall) ereignete sich in der nahe gelegenen Eifeler Mühle. Der Mühlenbesitzer Wirtz war in das Räderwerk der Mühle gekommen. Beide Arme waren in das Räderwerk eingedreht. Der Unglückliche war trotz der gräßlichen Schmerzen noch bei klarem Bewußtsein und wies die Leute an, wie sie die Mühle zum Stehen bringen konnten. Eine Hand war vollständig abgequetscht. Eupen, 12. Juli.(Pferde von Bienen überfallen.) Auf dem Wege von Montzen nach Altenberg wurde Mittwoch Nachmittag ein mit drei Pferden bespannter Karren der Gesellschaft Dieille Montagne von einem Schwarm Bienen überfallen. Die Pferde suchten sich der Angreifer zu erwehren, schlugen um sich und wälzten sich vor Schmerz wiehernd, auf der Erde, aber je mehr sie sich verteidigten, um so stärker wuchs der Bienenschwarm. Ein Pferd ist seinen Verletzungen erlegen, die beiden übrigen hofft man zu retten. Der Fuhrmann ist mit einigen Stichen venonschunnen.. Die Jubiläumsausste... der Landeskultur=Geseuschaft für den Reg.=Bez. Arusberg in Dortmund. (° Annen, 13. Juli. Die in den Tagen vom.—11. Juli zu Dortmund veranstaltete Ausstellung der Landeskulturgesellschaft hat einen glänzenden Verlauf genommen. Trotz des schlechten Wetters war der Besuch ein durchaus zufriedenstellender und was die ersten beiden Tage versäumt hatten, das holte der vergangene Sonntag doppelt und dreifach nach. Die Wahl des Ausstellungsplatzes war der Diehmarkt und darf wohl als ganz besonders glücklich bezeichnet werden, da er nicht nur eine günstige Lage hat, sondern auch für diese Veranstaltung ein umfangreiches Terrain zur Verfügung stellen konnte. Man hat festgestellt, daß die Ausstellung am Sonntage von 15—20000 Personen besucht gewesen ist. Das Leben und Treiben gestaltete sich immer lebhafter und inan Maschinen denkbar ist. In überwiegender Weis, Daren landwirtschaftliche Maschinen vertreten. Die Kraft=Auschinen und Motoren erforderten an erster Stelle besonderes Interesse, weil sie als Krafterzeuger zum Betrieb vieler Arbeitsmaschinen zur Verwendung kommen; es ist dabei zu berücksichtigen, nicht nur der große Grundbesitzer, sondern auch der kleine Landwirt sich der maschinellen Hilfe mit gutem Erfolg bedient. Die im Freien ausgestellten Maschinen hatte man fast sämtlich in Betrieb gesetzt. Ferner waren ausgestellt Feldbahnanlagen mit dem dazu gehörenden Material, Bodenbearbeitungsgeräte, Dresch= maschinen, Erntemaschinen= und geräte. Firmen wie Hermann Lanz=Mannheim und viele andere von Ruf und Bedeutung sah man auf der Ausstellung vertreten. Was die Ausstellung von Tieren betrifft, so war sie beschickt mit Pferden, Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen, Kaninchen, Geflügel und Fischen. Bienen konnte man ebenfalls antreffen. Herr Witte aus Witten erhielt für seine vorzügliche Bienenzucht den 2. Preis. Die Beteiligung der Schafzüchter erwies sich ziemlich umfangreich. Ganz besonders fesselnd gestaltete sich die Altertumsausstellung. Die primitiven Werkzeuge der früheren Zeit ließen den Besucher die großen Errungenschaften un seres Jahrhunderts empfinden. Zu den ausgestellten Wirtschaftserzeugnissen zählten Samen, allerlei Feldftüchte, frisches Obst und Obsterzeugnisse, Butter, Käse 2c. Ferner waren ausgestellt Handelsdünge= und Handelsfuttermittel. Interessante Abwechselungen boten die Vorführungen der preisgekrönten Pferde und Rinder im großen Ring. Es herrschte starker Andrang, so daß es schwer hielt, auf der Tribüne ein Plätzchen zu erwischen. wurde somit tatsächlich Außerordentliches geboten. Das Ausstellungskomite hat sicherlich ein gutes Geschäft gemacht und wird mit einem Defizit nicht zu rechnen haben. Aill dem Abbruch der Ausstellungsbauten hat man bereits begonnen.— Durch diese alljährlich stattfindende Ausstellung werden die Interessen der Landwirtschaft wesentlich gefördert, alle Fortschritte auf dem Gebiete der Landwirtschaft, der Diehzucht sowie der landwirtschaftlichen Rebenzweige werden hier gezeigt und den Fabrikanten wird Gelegenheit geboten, ihre maschinellen Leistungen den Landwirten vorzuführen. Dort sprangen 2 gut gekleidete weibliche Personen im Alter von 25 bis 30 Jahren mit einem etwa 4jährigen Mädchen in d Elbe und ertranken trotz sofort vorgenommener Rettungsversuche. — Eine neue Petroleumquelle ist in Obershagen (Hannover) erbohrt worden. Der Reichtum der neuen Quelle soll außerordentlich sein und angeblich 500 Faß pro Tag betragen. Aus dem Gerichtssaal. Der Kwilecki=Prozeß in neuester Auflage hat gestern Montag in Posen begonnen. Bekanntlich klagte die Bahnwärtersfrau Cecilie Weyer schon seit langen Jahren gegen die Gräfin Isabella Kwilecki auf Herausgabe des kleinen Joseph Kwilecki, der unterschobenes Kind der Gräfin sein soll. Inzwischen starb die Gräfin, der Prozeß geht jetzt gegen deren sstoen vecter. Von der Graf Zeppelin will die Fahrt des„Z II“ nach Köln am 26. d. Ms. persönlich leiten. Die Besuche in Dresden und in Berlin sollen mit dem„ZIII“, der im August fertiggestellt wird, abgestattet werden. Hoffentlich klappt dann alles auf den weiten Fahrten.— Einen glänzenden Auftrag der Türkei auf Lieferung von Luftschiffen hat die Zeppelin=Gesellschaft abgelehnt, desgleichen einen solchen einer französischen Prirggzschlonzt, ue satz, die Zeppeline ausschließlich für Frutschland herzustellen, lassen der Graf und seine Mitarbeiter nicht rütteln. Der„englische Aviatiker Latham wollte seinen wiederholt verschobenen Flug über den Aermelkanal am vergangenen Sonntag zur Ausführung bringen. Da das Wetter ungünstig war, so ist der Versuch wohl noch einmal verschoben worden. Bis zum Augenblick, in dem wir diese Zeilen schreiben, liegt jedenfalls noch keine Nachricht über ein positives Flugergebnis vor. Auf dem Bankett zur feierlichen Eröffnung heißt der Internationalen Lustschiffahrtsgstzriehuigg in Frankfurt a. M. gab General von Rieber der.gg.#usdruck, daß in Frankfurt, das von jeher in der Luftsch#### eine hervorragende Rolle gespielt habe, der erste deutsche Luftschiffahrtshafen entstehen würde. Oberbürgermeister Adickes feierte die Pioniere und Helden der Luftschiffahrt und namentlich den 70jährigen Jüngling, in dem das deutsche Volk den Vertreteg, zir ge, Sohen. Ide sieht, den Grafen Zeppelin.— Der erste Mpegerg seid, schiffahrts=Programms mußte wegen des 5ö'gjanz“ gete ausfallen. Die Fuchsjagd, an der sich 9 wollten, unterblieb, weil das Wetter sich nicht besserte. Dagegen fanden Taufe und Fahrt des Ballons Ila und Justitia vewemngenth ket. Bauernfang. Kam da ein Bauersmann nach dem schönen Wien, der in seiner Heimat einen Prozeß verloren hate und sich nun beim Justizminister über die ihm zugestoßene Unbill beklagen wollte, Als er ins Ministerium kam, traf er zwar nicht den Minister selbst, aber einen Sektionschef. dem er sein Leid beklagte. Die Antwort siel keineswegs befriedigend aus, denn der Sektionschef überzeugte den Klagenden, daß ihm keinerlei Unrecht geschehen sei. Seufzend machte sich das Bäuerlein auf den Heimweg und begab sich zu diesem Zweck auf den Westbahnhof. Dort war sein Zug gerade weggefahren. Der Bauer überlegte nun, und da es eine wunderschöne Sommernacht war, beschloß er, um die Hotelkosten zu ersparen, einen Spaziergang zu unternehmen, und gelangte so auf den Opernring. Kaum hatte er sich auf einer Bank niedergelassen, als einige nächtliche Beutesucher um ihn verdächtige Kreise zogen; das wurde so arg, daß der Geängstigte, der um sein Bargeld zu fürchten begann, sich an einen Wachtmann wandte. Dieser brachte den Bauern kurzerhand zum Kommissariat. Als er dort erzählte, er habe den Justizminister besucht und fest bei dieser Behauptung blieb, wurde er wegen sichtlicher geistiger Störung nach Steinhof(Irrenanstalt bei Wien) übergeführt, wo man ihn sofort auf das Beobachtungszimmer brachte. Kein Wehren half. Endlich— nach einigen Tagen gelang es dem Bauern, einen Brief an einen ihm befreundeten Gemeinderat zu befördern, wodurch die ganze Sache erklärt und der Aermste endlich in Freiheit gesetzt wurde.— Wie die Wien. Allg. Zig dazu bemerkt, wird jetzt diese Blamage von der Polizei mit der Begründung erklärt, Wachtmann und Kommissar hätten den „echten“ Tiroler Dialekt nichr verstanden! Neueste Nachrichten. Zwei Bergleute von Flammen eingeschlossen. Borbeck, 12. Juli. Auf der Zeche Carolus Magnus in Berge=Borbeck entstand in dem Aufbruchsschachte Flöz Wiehagen ein Brand. Zwei Bergleute sind durch die Flammen abgeschlossen. Die Rettungs= und Löschungsarbeiten sind sofort energisch aufgenommen worden. Man hofft die weitere Ausbreitung des Brandes verhindern zu können. — Heute voxmittag gegen 11 Uhr ist es den Rettungsmannschaften gelungen, die beiden auf der Zeche„Carolus Magnus“ abgeschlossenen Bergleute zu bergen. Beide waren tot. Es sind die Bergleute Franz Altemeier und Franz Becker. Der Brand auf dem Flöz„Wiehagen“ entstand am Samstag abend zwischen 8 und 9 Uhr. Die beiden vorgenannten Bergleute wurden durch den Brand abgeschlossen. Wie die Direktion der Zeche mitteilt, ist es gelungen, den Brand zu ersticken, die Brandstelle wird jedoch vorläufig abgedämmt. Berlin, 12. Juli.(Doppelmord beim Angeln.) Am gestrigen Sonntag wurden in den frühen Morgenstunden in der Nähe von Hindzdorf bei Wittenberge die beiden Handwerker Langwich und Hinrichs beim Angeln durch Erschießen getötet. Anscheinend liegt ein Racheakt vor. L. brach, von 2 Kugeln getroffen, im Kahn tot zusammen, während H. noch das Ufer erreichen konnte. Hier wurde er mit einem Beil vollends erschlagen. Die beiden Getöteten sind verheiratet. H. hinterläßt 5 Kinder im jugendlichen Alter. Dresden, 12. Juli.(Doppelselbstmord 2er Offizierstöchter.) Zwei Töchter eines verstorbenen russischen Offiziers vergifteten sich durch Leuchtgas. Plauen, 12. Juli.(Die Selbstmorderbrucke bei Plauen.) Heute nacht ist wiederum eine weibliche Person— die neunte innerhalb weniger Jahre— von der 80 Meter hohen Friedrich= August=Brücke herabgesprungen. Sie wäre beinahe einem unten gehenden Passanten auf den Kopf gefallen. Die Unglückliche. die mit dem Gesicht aufschlug und dadurch unkenntlich wurde, ist noch nicht identiffiziert. Sie war sofort tot. Czernowitz, 13. Juli.(60 Häuser eingeäschert.) Vorgestern abend brannten in Wiznitz 60 Häuser samt Rebengebäuden nieder. 150 ärmere Familien sind obdachlos, doch sind Opfer an Menschenleben nicht zu beklagen. London, 12. Juli.(Der Flug über den Kanal verschoben.) Der Aviatiker Latham mußte seinen für Sonntag geplanten Flug über den Aermelkanal wegen ungünstigen Wetters auf gestern (Montag) verschieben. Newyork, 12. Juli.(Arbeiterbewegung.) 18000 zu den Zechen der Coal Compagnie gehörige Bergleute beschlossen am nächsten Donnerstag in den Ausstand zu treten. Die genannte Gesellschaft ist eine der Kohlenbezugsquellen des Stahltrustes. Folgenschwere Grubenexplosion. Jusowka, 12. Juli. In dem Bergwerke von Makteoka im Dongebiete fand eine Explosion von Gasen statt. Eine große Anzahl von Bergleuten befand sich zur Zeit der Katastrophe in den Gruben. Die Rettungsmannschaften brachten bisher 17 Erstickte, zwei Schwer= und acht Leichtverwundete ans Licht. Die Rettungsarbeiten werden fortgesetzt. Die Ursache des Anglücks ist unbekannt. 750 Bergleute verschüttet. Lissabon, 12. Juli. In einer Grube in der Nähe von Cordova wurden infolge einer Explosion schlagender Wetter 750 Bergleute verschüttet. Bisher wurden nur 42 Halberstickte zu Tage gefördert. Zu obiger Hiobspost erhalten wir vor Schluß der Redaktion folgende tröstliche Meldung: Lissabon, 12. Juli. Das von einem großen Teil der Presse verbreitete Gerücht über ein großes Grubenunglück in Vortugal entbehrt jeder Begründung. Standesamts-Nachrichten. Annen. Geburten: 1 Sohn: Bergm. Bernhard Harenkamp, Glasm. August Kunkel, Schmied Aloisius Surrey. 1 Tochter: Zimmerer Karl Aßmann, Schreiner Wilh. Klostermann, Bergm. Aug. Meyer, Maurer Josef Wietfeld, Karl Arold, Bergm. Johann Gralewski, Bergm. Wilh. Rabe. Aufgebote: Former Wilh. Dümpelmann und Elfriede Koch, Annen und Witten: Bergm. Heinr. Stute und Emma Howah, Annen; Former Wilh. Hünnecke und Ida Hoffmann, Annen; Zuschläger Adolf Hünnecke und Grete Wischnewski, Annen; Amtssekretär Albert Schwalbenbach und Helene Haarmann, Annen; Mechaniker Ewald Wimmeler, und Amanda Anna Kühne, Annen und Dortmund.. Stelbefälle: Hedwig Liedmann, 5 Jahre, 159 Tage; Ehefrau Lisette Specht geborene Fuhrmann, 68 Jahre, 338 Tg. Sport. Im Treptower 24 Stunden=Rennen siegte am Sonntag Otto Pawke auf Brennabor und legte mit seinem Partner 818,045 km zurück; das bekannte Tandempaar Peter=Kudela behauptete den zweiten Platz; Peter fährt gleichsfalls Brennabor. R. Aschoff gewann in Düsseldorf das Hauptfahren: Zweiter wurde J. Niederau; beide fahren Brennabor. Der bekannte Brennaborfahrer W. Bader gewann in Paris den„prix du commerse et de lsindustrie"; der Weltmeister Darragon eroberte den„Großen Generalratpreis“ auf Brennabor. Verschiedenes. — Das Ende eines Familiendramas scheint der 3fache Selbstmord gewesen zu sein, der in Magdeburg begangen wurde. Bericht Kriegerverein in nächster Rummer. Nach Stockum: Bericht betr. Bürgerverein desgl. 9. R. ae -Kinder. mehl Kankenkost. Hervorragend bewährte Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an Verdauungsstörung. (Melodie:„Steh ich in finst'rer Mittemacht“) Durch Flöh' und Wanzen aufgewacht, Dann denk' ich: Hätt'st du „Zacherlin“ So wären schnell die Quäler hin! ** Die Buchärdckerer Priez-Kuching, Annen ** empfiehlt sich zur schnellen und sauberen Anfertigung von Drucksachen jeder Art :: für Handel und Gewerbe, Behörden, Vereine, Private usw.:: als: Adresskarten o Avise o Ballkarten o Begleitschreiben o Blocks Briefbogen mit Firma u. 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