FrereroTENT — Die„Annener Zeitung" erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Bezugspreis inkl.„Sonntagsblatt“ u.„Humoristische Blätter“. monatlich 40 Pfg. — Telephon-Nr. 334.— Nr. 72. 1909. Anzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. Klltriches Hrgall.l Anzeigegebühr für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg. Inserate finden bei der großen Auflage der Annener Zeitung weite und billige Verbreitung. — Telephon=Nr. 334.— Solferino.*) Ein halbes Jahrhundert vollendet sich an diesem Donnerstag, dem 24. Juni, seit bei dem Dörfchen Solferino in der heutigen italienischen Provinz Mantua jene blutige weltgeschichtliche Entscheidungsschlacht geschlagen wurde, durch welche die habsburgische Monarchie ihrer historischen Stellung auf italienischem Boden für immer verlustig ging. Mit dieser letzten großen Niederlage der österreichischen Waffen im Feldzuge von 1859 gegen die verbündeten Franzosen und Sardinier, der gleich von Anfang an trotz der glänzendsten Tapferkeit der braven österreichisch=ungarischen Truppen einen unglücklichen Verlauf für das Reich des Doppelaars infolge der erstaunlichen Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit der österreichischen Heeresleitung wie der österreichischen Armeeverwaltung nahm, hatte Oesterreich seine einflußreiche jahrhundertelange Rolle auf der Apenninenhalbinsel ausgespielt. Zwar behielt es nach dem Verluste der Lombardei einstweilen noch Denetien, Dank der Treulosigkeit des dritten Rapoleon gegenüber den Italienern, der ihnen im Friedensvertrage von Billafranca sein Versprechen,„ein freies Italien bis zur Adria“ nicht hielt. Aber bereits sieben Jahre später brach auch diese letzte Säule der österreichischen Herrschaft in Italien dank den Siegen der preußischen Waffen auf den Schlachtfeldern von Böhmen zusammen und Denetien wurde dem neuen italienischen Einheitsstaate einverleibt.. an Saltas Runmehr sind 50 Jahre seit dem Tage von Soiferino verflossen, und er mag wohl in patriotischen Kreisen Oesterreich= Ungarns ein peinlich=schmerzliches Erinnerern im Bewußtsein dessen wecken, daß er in seinen Folgen die habsburgische Monarchie zum Verzicht auf die Lombardei nötigte. Aber in diesen 50 Jahren hat sich auch die politische Konstellation in Europa gründlich geändert, und wahrlich nicht zu ungunsten des Donaukaiserstaates. Heute steht er geachteter denn je da, als ein anerkannter Machtfaktor im europäischen Völkerareopag, wie dies erst jüngst wieder der den österreichischen Interessen voll entsprechende Verlauf der Balkankrisis bewies. Und vielleicht die wunderbarste Wandlung in der politischen Geschichte dieses halben Säkulums ist die, daß Oesterreich=Ungarn und Italien, die erbitterten einstigen Gegner, heute seit nun fast 25 Jahren Verbündete sind, im Verein mit dem deutschen Reiche, mit dem sie den noch immer mächtigen friedebewahrenden Dreibund bilden. Das Kaiserreich. der Napoleoniden jedoch, dessen Heerscharen Habsburgs Doppelaar bei Solferino im wesentlichen erlag, ist längst von seiner glänzenden Stellung herabgestürzt und zertrümmert worden, damals, als durch die Sedanschlacht Rapoleon und sein Heer in deutsche Gefangenschaft gerieten, hiermit war von den deutschen Waffen die Niederlage Oesterreichs auf den Schlachtgefilden der lombardischen Ebene glänzend gerächt. Neun Jahre darauf erfolgte der Abschluß des deutsch=österreichischen Bündnisses, der dann durch den Beitritt Italiens zur Tripleallianz erweitert wurde, die nach wie vor als das eigentliche Bollwerk des europäischen Friedens gelten darf. Zwar hat es an öfteren„Unstimmigkeiten“ im Dreibund nicht gefehlt, besonders sind in den letzten Jahren wiederholt Verstimmungen zwischen Oesterreich=Ungarn und Italien aufgetreten, aber sie sind glücklich beseitigt worden, und heute, angesichts des Erinnerungstages von Solferino, kann die Harmonie zwischen Wien und Rom als wiederhergestellt betrachtet werden. Dies kommt vor allem auch dadurch zum Ausdruck, daß Oesterreich durch seine Vertreter an der Gedenkfeier mit teilnimmt, die am 24. Juni in Solferino stattfindet, und zu der auch die französische Armee Abordnungen entsendet. Die Solferino=Feier wird sich zweifellos zu einem erhebenden und versöhnlichen Moment gestalten. Solferino*) Dorf, ital. Provinz Mantua, Distrikt Castiglione, 10 Klm. westl. vom Mincio, 11 Klm. südl. vom Gardasee auf einer Bodenwelle gelegen; 1282 Ew.; vordem Residenz eines Principatos, das 1773 an Oesterreich fiel; denkwürdig durch den am 24. Juni 1859 erfochtenen Sieg der verbündeten Franzosen und Sardinier über die Oesterreicher. 150000 Mann der Verbündeten stießen am Morgen des genannten Tages auf 170000 Mann österreich. Truppen unter dem Oberbefehl des Kaisers. Solferino war Hauptpunkt der österreich. Aufstellung; auf ihn dirigierte Napoleon III. den Angriff. der trotz heftigster Verteidigung gegen 4 Uhr mit dem Rückzug der Oesterreicher endete. Die Sardinier mußten nun gegen Peschiera vorgehen, hatten aber einen schweren Stand gegenüber Benedek, der ihnen, ehe auch er den Rückzug antrat, empfindliche Verluste beibrachte. Die Oesterreicher verloren 22350, die Franzosen 11670, die Sardinier 5520 Mann. Denkmal seit 1870. Donnerstag, den 24. Juni. Aufstandes in Deutsch=Südwestafrika der Rechnungskommission überwiesen worden..,.. 4. Jha M g6ue(So.) Im Laufe der Debatte hierüber erhien Abg. Noour(Soz.) einen Ordnungsruf, weil er von einer Schlamperei bei den Kriegsausgaben sprach.., 436 Gesat, 6s. 8. M4 u. 1. Die Novelle zum Schankgefaß=Gesetz, die die Aichung in Stufen von Zwanzigteilen des Liters zuläßt, wurde ohne Debatte angenommen, die Vorlage über die Beschaffung von Truppenübungsplätzen für den Erlös aus dem Verkauf des Tempelhofer Feldes bei Berlin wurde der Budgetkommission überwiesen. Runmehr wurde die Kotierungssteuer fortgesetzt. Für die Steuer sprechen zunächst Abg. Raab(wirtsch. Vg.): Das immobile Kapital ist schon übermäßig besteuert, während das mobile sich nach wie vor der Besteuerung zu entziehen sucht. (Gelächter links.) Wenn eine Reichsvermögenssteuer zu erlangen wäre, würde sie auch von meinen Freunden willkommen geheißen werden. Ich bedauere sehr, daß der Abgeordnete von Gamp die Kotierungssteuer ablehnt, obwohl auch er überzeugt ist, daß die Börse eine Steuer noch sehr gut tragen kann. Redner verliest einen Brief des früheren Landrats Heydtweiler, den die Nationalliberalen abgesägt hatten. Dieser Brief enthält eine scharfe Verurteilung der nationalliberalen Politik in Sachen der Reichsfinanzreform...:(6gl), Mir.5; une en. Abg. Graf Mielczynsui(Polc). Wir haben uns für das kleinere Uebel entschieden und nehmen die Kotierungssteuer an. Die Erbanfallsteuer lehnen wir selbstverständlich ab. Abg. Weber(ntl.): Unser Fraktionsgenosse Büsing hat die ihm vom Abgeordneten Müller in den Mund gelegte Aeußerung zu Gunsten der Kotierungssteuer nicht getan. Menschliche Rücksichten verbieten uns hier öffentlich auf die Verhältnisse des Herrn Heydtweiler einzugehen. Die Abg. Müller, Fulda(Ztr.) und Rösicke(Bd.d. Ldw.) traten noch einmal für die Kotierungssteuer ein, die Abg. Mommsen(frs. Dg.) nochmals bekämpft. Als Redner erwähnte: Mir sind Fälle bekannt, in denen sich in einem Landkreise Personen richtig einschätzen wollten, damit aber so großen Unwillen hervorriefen, daß sie sich der Volksgewohnheit unterworfen, wurden rechts Pfui=Rufe laut. Bizepräsident Paasche ruft den Pfut=Rufer zur Ordnung. Abg. Rösicke(kons.) fordert den Vorredner unter dem Beifall der Rechten auf. Ramen zu nennen. Nach kurzen Bemerkungen des Abg. Weber(ntl.) schließt die Oebatte. W unn tasteen, Mgel. Die Hauptbestimmungen der Korterungssteuer=Vorlage werden, wie schon eingangs gesagt, mit 203 gegen 155 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung, angenommen. Die übrigen Bestimmungen gelangen in einfacher Abstimmung sur Annahme.„..4 24 u.. e..44 Dizepräsident Paasche tein noch mit, daß der Reichskanzler bereit sei, die sozialdemokratische Interpellation wegen Suspension der Getreidezölle am 30. d. Mts. zu beantworten. Mittwoch 2 Uhr: Weiterberatung der Steuerbeschlüsse der Finanzkommission. Schluß 6 Uhr. 25. Jahrgang. Deutsches Reich. die 2. Deutscher Reichstag. Sitzung vom 21. Juni. Der Reichstag setzte am Montag bei mäßig besetztem Hause ?. Lesung der Kommissionsbeschlüsse zur Reichsfinanzreform fort. Abg. Rösicke(kons.) befürwortete die Kotierungssteuer und bezeichnete die Erbanfallsteuer als unannehmbar. Das sei früher auch die Meinung der Minister gewesen. Schatzsekretär Sydow bestritt, daß die Regierung je für die Kotierungssteuer eingetreten sei. Abg. Kämpf(frs. Op.) hofft, daß die Regierung nach wie vor an der Erbanfallsteuer festhalten werde und wandte sich gegen die Koternngsstener, guldg grmgstet. W.. Sat1. Abg. Müller, Fuloa erwartere von der Kotierungssteuer einen gerechten Ausgleich. Präsident Havenstein legte nochmais die Bedenken der Regierung gegen die Kotierungssteuer dar. Als letzter Redner sprach sich Abg. Frank(Soz.) gegen die Kotierungssteuer aus. Sitzung vom 22. Juni. Der Reichstag nahm am Dienstag die Kotierungssteuer in 2. Lesung mit 203 gegen 155 Stimmen bei einer Stimmenthaltung an, obwohl diese Steuer von der Regierung aufs entschiedenste bekämpft worden war. Vorher war die RechnungsVorlage über die 4 Millionen=Ausgabe zur Niederwerfung des Das Stimmenverhältnis bei der Annahme der Kotierungssteuer— 203 gegen 155— ist nicht symptomatisch für die Entscheidung über die Erbanfallsteuer. Die Aussichten, dieser Steuer haben sich trotz ihrer mit Stimmengleichheit erfolgten Ablehnung in der Kommission gebessert, da die Sozialdemokraten wider Erwarten doch für sie eintreten. Bei gleichem Verhalten der äußersten Linken im Plenum ist die Annahme der ErbanfallDer Präsident des Reichstags Graf Stolberg, der durch die Folgen einer leichten Erkältung während einiger Tage an der Wahrnehmung der Präsidialgeschäfte gehindert ist, gehört zu denjenigen konservativen Abgeordneten, welche die RegierungsVorlage annehmen werden..: 41,.chamfasstiuner fab Don einer Gesamtabstimmung über die Erbanfausteuer sut die Finanzkommission ab, begnügte sich vielmehr mit der ablehnenden Beschlußfassung über ihre einzelnen Bestimmungen. Es heißt, die verbündeten Regierungen würden auch die Kotierungssteuer annehmen, wenn sie nur die Erbanfallsteuer erhalten.„.468 Das preußische Herrenhaus trat am Dienstag nochmals zu einer kurzen Tagung zusammen. Das Haus war nur schwach besetzt. Zur Beratung stand zunächst die Berggesetznovelle. Die Herren von Burgsdorff und von Puttkamer hatten Bedenken gegen das Gesetz, namentlich gegen den§ 1, der die Wahl von Arbeiter=Ausschüssen vorsieht. Der erste Redner meinte, daß die Regierung in dem Gesetz eine zu liberale Richtung eingeschlagen habe. u1, Js. Handelsminister Delbrück nannte die Vortage einen Akt staatserhaltender Einsicht. Auf den Dorwurf des Herrn von Burgsdorff erwiderte der Minister, daß eine wirklich konservative Regierung ihre Stärke darin zeige, den Strom der Ereignisse zu fassen und zu leiten. Auch Professor von Schmoller wandte sich gegen Herrn von Burgsdorf. 4 4 8 Schließlich wurde die Berggesetnovelte nach den Beschlüssen der Kommission en bloo angenommen. „* Die Justizkommission des preußischen Herrenhauses hat den Entwurf über die Haftung des Staates für Amtspflichtverletzungen von Beamten angenommen. Damit ist auch festgesetzt worden, daß die Schulverbände für die Lehrer und Lehrerinnen die Haftpflicht zu übernehmen haben. Die Bestimmung über die Uebernahme der Haftpflicht durch den Staat wurde gestrichen. Man muß nun abwarten, ob das Abgeordnetenhaus diesen Beschlüssen zustimmen wird. — Der Kaiser in Hamburg. In Hamburg hat der Kaiser auch die neue Dulkanwerft besichtigt. Interessant ist, daß die englische deutschfeindliche„Times“ dieser Tatsache eine besondere Würdigung verleiht, indem sie auf die militärische Bedeutung der Kriegsschiffwerften an der Elbmündung hinweist und die Einrichtung der Werfte als mustergiltig hinstellt. — Unser Kaiser besichtigte in Hamburg u. a. auch den neuen großen Festsaal des Hamburger Rathauses und machte besonders die Fresken von Professor Vogel zum Gegenstand eingehender Betrachtung. Er sprach sich höchst anerkennend über die Arbeiten aus, betonte lobend die schöne Einheitlichkeit in den Gemälden und verglich den Saal in seiner Gesamtwirkung mit den schönsten Sälen Italiens. — Zum Militärattachee bei der deutschen Botschaft in Paris wurde, unter Belassung im Generalstabe, der Major von Winterfeldt ernannt, der bisher bei der Botschaft kommandiert war. — Von der Kieler Woche. Die Kieler Woche, die zu besuchen der Kaiser sich nicht nehmen läßt, ist am Dienstag bei warmem Sommerwetter und leichter Brise aus Süd mit einer Regatta für Marineboote eröffnet worden. Zur Kieler Woche sind auch der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Adalbert bereits eingetroffen. Am gestrigen Mittwoch fand Bienenwettfahrt des kaiserlichen Jacht=Klubs statt. Zahlreicher Fremdenbesuch ist eingetroffen. — Die Wahlprüfungskommission des Reichstags hat die Wahl des Abgeordneten Sievers(ntl., 16 Hannover) beanstandet und Beweiserhebungen beschlossen. — Das preußische Abgeordnetenhaus ist gestern Mittwoch wieder zusammengetreten. — Die Erbanfallsteuer=Vorlage der Regierung wurde von der Finanzkommission des Reichstags mit 14 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Die Kommission beschäftigte sich in ihrer Dienstags=Sitzung von den neuen Regierungsvorlagen zunächst mit derjenigen über die Erbanfallsteuer. Es wurde mit dem§ 9, der den Betrag der Steuer regelt, begonnen. Die Reichspartei machte die Zustimmung zu der Vorlage von der Annahme verschiedener Abänderungs=Vorschläge abhängig und beantragte, die Erhebung von 4% Steuer nicht schon, wie die Regierungsvorlage will, bei 750000 Mark, sondern erst bei 1000000 Mark eintreten zu lassen. Die Sozialdemokraten beantragten wesentlich höhere Steuersätze, auch die wirtschaftliche Vereinigung stellte einige Abänderungsanträge. Alle diese Anträge wurden mit wechselnden Majoritäten abgelehnt, worauf mit Stimmengleichheit die Ablehnung der Regierungsvorlage erfolgte. Tritt das Plenum der Entscheidung seiner Kommission bei, dann ist nicht nur die Erbanfallsteuer, sondern auch die ganze Finanzreform, wie sie die Regierung fordert, gefallen. Es handelt sich dann um die Konsequenzen der verbündeten Regierungen aus dem ablehnenden Dotum: Kanzler=Rücktritt oder ReichstagsAuflösung. Ueber die Pläne der neuen Mehrheit hat der Berliner Vertreter der Wiener„Neuen Fr. Pr.“ von kompetenter Seite in Erfahrung gebracht: Sollte wider Erwarten die Erbanfallsteuer doch angenommen werden, so werden Zentrum und Konservative gegen die ganze Finanzreform stimmen. Da die Erbanfallsteuer in der 2. Plenar=Lesung voraussichtlich aber fallen wrd, so wird vielleicht bei der 3. Lesung vom Zentrum eine Erbanfallsteuer auf den mobilen Besitz beantragt werden, wogegen dann eine Wertzuwachssteuer für Grundstücke als eine vom immobilen Besitz zu tragende Last zu gelten hätte. Auf diese Weise würde dann bei Schluß der 3. Lesung die neue Mehrheit die verlangten 500 Millionen Steuern darbieten, und in den Kreisen dieser Mehrheit ist man davon überzeugt, daß, wenn nicht Fürst Bülow, so doch ein neuer Kanzler, und der Bundesrat sich schließlich bereit finden werden, die 500 Millionen in dieser Form anzunehmen. Rach der gleichen Quelle übersandte unser Kaiser dem Fürsten von Bülow nach dessen Reichstagsrede über die Finanzreform ein Glückwunsch=Telegramm.— Die Handelskammern von Stuttgart, Heilbronn, Rürnberg und anderen Orten bildeten Komitees zur Werbung von Mitgliedern für den Hansabund. Die Wirkung der Mühlenumsatzsteuer auf die Mehlpreise würde eine ganz gewaltige sein. Die Einführung der Steuer, die den deutschen Konsum zu Mehlbezügen aus dem Auslande zwänge, würde bei einem Roggen= und WeizenVerbrauch von 15 Millionen Tonnen eine Mehrbelastung des deutschen Volkes um etwa 225 Millionen Mark ergeben. — Die Finanznot im Auslande ist nicht geringer als daheim, sie pocht begehrlich auch an die Pforten der Staaten, die bisher im Golde zu schwimmen pflegten. Frankreich und England haben ihre Finanzresorm=Entwürfe und ihre Steuerdebatten. Dabei ist es immerhin beachtenswert, daß der Reformentwurf des französischen Finanzministers Caillaue große Aehnlichkeit mit der deutschen Regierungsvorlage hat. Es wird in Frankreich eine Nachlaß= resp. Erbanfallsteuer gefordert, sowie eine Verbrauchssteuer auf Essenzen, eine Erhöhung der Plakatsteuer und mehreres andere, was lebhaft an die deutsche Steuervorlagen anklingt.— Die neuen Steuersätze Englands bestehen aus 74 Artikeln, zu denen jetzt schon 100 Bogen füllende Abänderungsanträge vorliegen. Wie in Berlin, so sind auch Paris und London heftige parlamentarische Kämpfe um die neuen Geuemodoger snbrenst. Aushand. Oesterreich=Angarn. Deutschenfurcht in Oesterreich. Zu welch tollen Vermutungen bei dem Nationalitätenhader in der uns verbündeten Donaumonarchie das Tragen einer so harmlosen Blume wie die Kornblume durch Schulkinder führen kann, zeigt folgende Meldung: Wien, 20. Juni. In Linz wurde kürzlich ein großes Spiel= und Turnfest gehalten, wobei ein großer Teil der mitwirkenden Mittelschüler Kornblumenschmuck trug. Darauf richtete der oberösterreichische Landesschulrat an die Direktionen einen Erlaß, worin das Tragen von Kornblumen als unpatriotisch verurteilt wurde, weil diese Blume keineswegs nur ein deutschnationales Abzeichen, sondern im öffentlichen Leben ein Symbol jener programmatisch ausgesprochenen Tendenzen sei, die auf Einordnung der österreichischen Länder in das Deutsche Reich unter dem Szepter der Hohenzollern abzielen. Dieses Vorgehen der klerikalen Schulbehörde Ober=Oesterreichs wurde von deutschnationaler Seite im Laufe der Haushaltserörterung aufs schärfste kritisiert, und in der vorgestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses waren fast alle deutsch=nationalen Abgeordneten demonstrativ mit Kornblumen im Knopfloch erschienen. Unterrichtsminister Stuerghk teilt nun dem oberösterreichischen freiheitlichen Abgeordneten mit, daß alle in dem erwähnten Erlaß des Landesschulrats enthaltenen Bemerkungen über die politische Bedeutung der Kornblume zurückgenommen würden. Frankreich. Die Rede des Ministers der öffentlichen Arbeiten Barthou in Donbasle in Französisch=Lothringen, in der er mit Bezug auf den Casablancastreit mit Deutschland von einer„schrecklichen Stunde“ sprach, in der Frankreich sich befunden habe,— etwas theatralisch, wie der Leser wird zugeben müssen!— hat nur unliebsames Aufsehen in Frankreich erregt. Die vernünftigen Blätter meinen, Herr Barthou hätte besser getan, alte, abgetane Sachen nicht aufzuwärmen. Spanien. Mutterglück am Königshof. Die Königin von Spanien wurde am Dienstag von einer Tochter entbunden. Die kleine Prinzessin ist das dritte Kind des spanischen Königspaares. Der Thronfolger ist der am 10. Mai 1907 geborene Infant Alsonso, sein Bruder Prinz Jaime wurde am 23. Juni 1908 geboren. Großbritannien. Die englischen Geistlichen, die unlängst die Besuchsreise durch Deutschland machten, lassen es sich angelegen sein, in den englischen Blättern lange und dankbare Mitteilungen über ihre Erlebnisse und Eindrücke in Deutschland zu veröffentlichen. Die Duma=Abgeordneten in England. Die Duma=Abgeordneten, die Berlin sowohl wie Paris schnitten, sind in England eingetroffen, haben aber nur einen flauen Empfang gefunden. Sie wurden im Unterhause bewirtet, Asquith und Balfour hielten Reden, die farblos gehalten waren. Alles in allem: es ist nichts. Serbien. Aus Serbien. Die Geschichte Serbiens unter Peter Karageorgiewitsch ist das Kapitel des unfreiwilligen Humors in der Weltgeschichte. Man erinnert sich, daß Exkronprinz Georg die Kartellträger des Obersten Okanovic, die ihm kürzlich eine Forderung überbrachten, einfach zur Tür hinauswarf, was die Herren natürlich sehr kränkte, den Obersten aber noch mehr. Und letzterer hat beschlossen, furchtbare Rache zu nehmen. Er will eine Broschüre schreiben, in der er alle Schandtaten des Prinzen Georg aufzählen will. Gleichzeitig veröffentlicht dieser des Schreibens kundige serbische Offizier in den Blättern einen Artikel, in dem er unverfroren darauf hinweist, daß es doch nur die Königsmörder gewesen seien, die die Karageorgiewitschs ins Land geholt und zu Ehren gebracht haben! Eine Belgrader Zeitung fordert König Peter auf, doch endlich die Schulden für den Prinzen Georg bezahlen zu wollen, für die er sich ehrenwörtlich verpfändet habe!— Läßt sich etwas Lächerlicheres denken? Türkei. Zur Lage. Die Türkei soll vor der Errichtung einer Militär=Diktatur stehen, die dem jungtürkischen Regiment sowie der Selbständigkeit des Parlaments ein Ende machen wird. Meldungen darüber, die alletdings noch der Bestätigung bedürfen, entnehmen wir: Schewket Pascha, der„Rationalheld" und Führer der jungtürkischen Armee, die Konstantinopel und den Jildiz einnahm, hat keinen Einfluß mehr. Auch der Großwesir Hilmi Pascha sowie die radikalen Mitglieder des Parlaments sind zu Marionetten in der Hand des Generals Hassem=Riga=Pascha herabgesunken. Unter dem Befehle dieses Generals und Großmeisters der Artillerie steht die Konstantinopeler Garde, die ihrem Chef bedingungslos ergeben sein soll. Wir können noch nicht recht glauben, daß die Gegenrevolution schon jetzt wieder einsetzen sollte, wenn sie natürlich auch nicht für alle Zukunft ausbleiben wird.— Die Konstantinopeler Nachrichten über Unruhen von Griechen und Albaniern usw. sollen unbegründet sein. Berlin, 21. Juni. Grauenvolle Entdeckung. Londoner Blätter berichten aus Konstantinopel: In einem Vororte wurde in der Nähe des Jildis ein Keller entdeckt, in dem zahlreiche Opfer Abdul Hamids eingekerkert waren. Als der Keller geöffnet wurde, stellte sich heraus, daß die Gefangenen ihren Qualen längst erlegen waren. U. a. fand man auch den Schädel des früheren Großwesirs Midhat Pascha, der das erste türkische Parlament geschaffen und später in Ungnade gefallen und 1882 in Süd=Arabien auf Befehl Abdul Hamids ermordet worden war. Abdul Hamid hatte sich zur Sicherheit den Schädel übersenden lassen. Lokale und provinzielle Nachrichten. * Annen, 24. Juni.(Knappschaftliches.) Die nächstmonatliche Auszahlung der Knappschaftsgelder findet für den Zahlbezirk Annen l. am Freitag, den 2. Juli kr. und für Annen 1 am Samstag, den 3. Juli kr. jedesmal 2 Uhr nachm. beginnend, im Saale des Herrn van Pluer statt. —(Appell.) Im Grethen'schen Saale hielt der hies. Landwehr= und Kriegerverein einen sehr starkbesuchten Appell ab, der unter Leitung des Herrn Lehrer Trelle stand. Rach Aufnahme 2 neuer Mitglieder und Zahlung der Beiträge wurden als Vertreter zu dem am Samstag in Langendreer stattfindenden Delegiertentag des westf. Provinzialverbandes des Kriegerbundes die Kameraden Gust. Sprave jun. und Emil Koch gewählt. Verschiedene Sachen wurden bis zum nächsten Appell vertagt. (Besitzwechsel.) Wie man uns mitteilt, soll die hier an der Wittenerstraße belegene Besitzung des Herrn Ed. Pracht von Herrn Kaufmann Gust. Tepel gestern angekauft worden sein. Dem Vernehmen nach beläuft sich der Kauspreis auf 42000 Mk. § Annen, 23. Juni.(Unfall.) Im Eifer des Geschäftes — um einen eiligen Kunden schnell zu bedienen— schnitt der Metzgerlehrling Berghaus beim Metzgermeister Herrn D. Schmitz sich ein ganzes-Stück vom linken Mittelfinger. Also Vorsicht künftig und— Eile mit Weile! * Borbach, 23. Juni.(Das Aufräumen) der abgebrannten Waldflächen hier und am Wartenberg hat begonnen und stellt sich leider der Schaden als bedeutend höher heraus, als es zuerst den Anschein hatte Der durchweg schöne Bestand, der stellenweise schon vor 20 Jahren aufgeforstet war, ist vollständig vernichtet und sozusagen wertlos geworden. Nach den trüben Erfahrungen, welche die Waldbesitzer in der letzten Zeit gemacht haben, sind sich diese noch nicht schlüssig, ob fie aufs neue die abgebrannten Flächen aufforsten oder sie lieber in Wildnis liegen lassen und sich so die ganz= erheblichen Unkosten sparen. (Letzteres wäre im Interesse der Gesamtheit doch sehr zu bedauern. Anm. d. Red.) Hattingen a. d. Ruhr, 22. Aprit. drei Wochen vermißte Lehrköchin Klara Kuhlmann aus Dahlhausen ist wieder da. Sonntag Nachmittag, als die Familie des Wirts Orenhaus,# dem sie bekanntlich wohnte, die Fahne aushängen wollte, wurde das Mädchen auf dem Boden entdeckt. Die Leute fielen fast in Ohnmacht, als sie die seit Pfingsten Verschwundene auf einmal vor sich sahen. Das Haar hing ihr wirr um den Kopf und Gesicht und Hände waren rabenschwarz. Nachdem dem Mädchen in Gegenwart eines Arztes stärkende Mittel gereicht worden waren, wurde es zweimal gewaschen— das war durchaus nötig— und unter dem Beistande eines Verwandten im Kutschwagen den tief bekümmerten Eltern zugeführt. Das Versteck liegt am Schornstein, dicht unter den Dachpfannen, und war durch ein Brett verdeckt. Als Lager diente dem Mädchen Bettzeug, daß auf dem Boden lag. Man kann nur annehmen, daß es Nachts sein Versteck verlassen und sich in der Küche unten im Hause gestärkt hat. Seit fünf Tagen war ihr Weg dorthin allerdings versperrt, da die Bodenluke eingehakt und verschlossen war und vom Boden her nicht geöffnet werden konnte. Das Mädchen ist krank und vorläufig nicht vernehmungsfähig. Hamm, 21. Juni.(Einbruch.) Geldschrankknacker haben in der Lack=, Firnis= und Farbenfabrik von Herrn Robert Garschagen hier den Geldschrank zu demolieren und zu berauben versucht. Der aus der Geldschrankfabrik von Pohlschröder& Co, Dortmund, stammende Geldschrank hat aber widerstanden, und die Langfinger mußten wieder abziehen. Lünen, 22. Juni.(Brand.) Gestern nacht kurz nach 2 Uhr brannte auf der Eisenhütte die große Schreinerei und das Modellager der Firma Potthoff& Fluhme. Wie das Feuer dort entstanden ist, ist noch unerklärlich. Das Feuer, welches an den großen trockenen Holzvorräten und Modellen(darunter noch funkelnagelneue, die noch kurz vorher von auswärts bezogen waren) reichliche Rahrung fand, äscherte das ganze Gebäude bis auf die Umfassungsmauern nieder. Die schnell herbeigeeilte Feuerwehr konnte nur mit großer Mühe das Feuer auf seinen Herd beschränken. Vor etwa 14 Tagen ist es zweimal von frevelhafter Hand versucht worden, Feuer auf dem Lager einer anderen hiesigen Fabrik anzulegen, das aber glücklicherweise noch vor einem größeren Ausbruch gelöscht werden konnte. Ob auch in dem jüngsten Fall Brandstiftuug vorliegt, wird die Unterfuchung wohl ergeben. Uebrigens ist der Brandschaden zum größten Teil durch Versicherung gedeckt. Auch erleidet der Fabrikbetrieb keine Unterbrechung. Münster i.., 22. Juni.(Goldenes Priesterjubiläum.) Die heutige Feier des goldenen Priesterjubiläums des Bischofs Dr. Hermann Dingelstad wurde in der ganzen Diözese, namentlich aber in der Provinzialhauptstadt, festlich begangen. Zur Einleitung fand gestern Abend ein großartiger Fackelzug der Bürgerschaft statt, dem sich auch eine über 2000 Mann starke Abordnung aus fast allen Pfarreien der Diözese angeschlossen hatte. Auf dem Domplatz sang der annähernd 1000 Mann starke Männerchor, der sich anläßlich des letzten Kaiserbesuchs gebildet hatte, unter der Leitung des UniversitätsMusikdirektors Dr. Nießen mehrere Lieder, worauf Oberbürgermeister Dr. Jungeblodt eine Ansprache an den inmitten von 10 Bischöfen vor seinem Palais stehenden Jubilar hielt. feierte dankte und erteilte den Tausenden von Teilnehmern den bischöflichen Segen.. Die Studenten hatten sich an dem Fackelzuge nicht beteiligt. Heute Vormittag fand im hohen Dome ein Pontifikalamt statt, währenddem Kardinal Fischer eine Ansprache hielt. Rach der kirchlichen Feier kamen die Vertreter der Behörden, Korporationen, Vereine und der Klerus zur Gratulation. Letzterer überreichte als Ehrengabe der Diözesanen 25000 Mark zur freien Verfügung. Der Klerus überreichte ferner einen kostbaren Hirtenstab. Unzählbar sind ferner die Telegramme, Blumenarrangements und Geschenke, die im Palais abgegeben wurden. Die Vertreter der Stadt Münster überreichten eine kostbar ausIn Kampf und Aot. Roman von Richard Donovan. Autorisierte Uebersetzung. 41*.(Nachdruck verboten.) „Palmer begleitet mich“, hieß es in dem Telegramm, das die Mutter immer wieder mit neuem Erstaunen las. Mit dem Mangel an Logik, der Damen eigen ist, kam sie zu dem Schluß, daß Palmer sich einer Täuschung schuldig gemacht habe, dadurch, daß er ihre Tochter besuchte, ohne ihr etwas davon mitzuteilen. Das erschien ihr sehr unschicklich, und sie hielt es für ihre Pflicht als Mutter, ihn dafür ernsthaft zur Rechenschaft zu ziehen. Die Dame hatte das Gefühl, daß ihre Würde beleidigt worden sei und war darüber heftig erzürnt. Dierundzwanzig Stunden nach dem Eintreffen des Telegramms fuhren Frieda und Palmer in der Curzonstraße vor. Als ihre Ankunft Frau Bovingdon gemeldet wurde, begab sie sich sogleich in den Salon, um sie zu empfangen, und wiederholte sich inzwischen alle die bitteren Worte, die sie für Palmer bereit hielt. Vor wenigen Wochen war Frieda als blühende Frau in die Welt gegangen, jetzt kehrte sie zurück, bleich, müde und so schwach, daß sie sich auf Palmers Arm stützen mußte. Als ihre Mutter ihren Zustand sah, war ihr ganzer Zorn sofort verraucht, und mit einem Ausruf des Schreckens zog sie ihr Kind an ihre Brisft. „Was ist geschehen?“ rief sie. Mehr konnte sie nicht sagen, denn der Anblick ihrer Tochter hatte sie so erschüttert, daß sie in Tränen ausbrach. Sie führte Frieda zu einem Stuhl und nahm ihr den Hut ab. „Frieda, mein Kind, was ist geschehen?“ stieß sie endlich noch einmal voll Verzweiflung hervor. Frieda versuchte zu sprechen, aber vergebens. Sie war wie betäubt und wandte ihre Blicke hilfesuchend nach Palmer. Er verstand sie: „Erlauben Sie mir, gnädige Frau, Ihnen alles kurz zu erklären. Ihr Schwiegersohn ist davongegangen. Er hat einen Brief hinterlassen, worin er sagt, daß er nicht zurückkehren werde. Da Frau Thalberg mir vor einiger Zeit in Paris das Versprechen gegeben hatte, wenn sie Hilfe brauche, nach mir zu senden, so schrieb sie mir, und nun habe ich sie zu Ihnen zurückgebracht.“ Mit einem lauten Schrei schlang die arme Frau ihre Arme um Frieda. Thalbergs Flucht war der letzte und schlimmste Schlag, der sie noch treffen konnte. Ihr Stolz und ihr Selbstbewußtsein waren jetzt vernichtet, und zum zweitenmale fühlte sie sich tief gedemütigt vor dem Manne, den sie schon einmal um Entschuldigung angefleht und den sie jetzt wiederum in ihren Gedanken so häßlicher Taten beschuldigte. Und heute mußte sie von neuem erkennen, daß der Mann, dem sie so oft mit Groll und Geringschätzung begegnet war, der treueste Freund ihrer Familie war und daß er einen Edelmut gezeigt hatte, der ihn zu einem Helden erhob. Auch heute besiegte, wie nach dem Tage der Gerichtsverhandlung, Palmers guter Charakter ihren Zorn und ihre Feindschaft. Sie erhob sich und reichte ihm die Hand. „Herr Palmer,“ sagte sie,„ich finde keine Worte, Ihnen zu danken. Diele Fehler habe ich in meinem Leben begangen, aber der größte war der, daß ich Sie verkannt habe. Seien Sie mein Freund, denn in dieser Stunde des Schmerzes sind Freunde unschätzbar.“ Sie sprach mit von Tränen fast erstickter Stimme und zeigte eine Bewegung, wie sie Palmer noch nie an dieser sonst so stolzen Frau gesehen hatte. Aber Frau Bovingdon war eben jetzt nicht mehr die vornehme, stets sich gleich bleibende Dame von Welt, sondern eine schwache, zitternde Mutter, welche wirkliches Mitgefühl erregen mußte. Und Palmer war nicht der Mann, ihr dies zu versagen, sondern sofort bereit, ihr alles zu vergeben, schon um ihrer Tochter willen. „Wenn meine Freundschaft Ihnen etwas wert ist,“ erwiderte er mit Wärme,„so gehört sie Ihnen, gnädige Frau, und Ihrer Familie, und hat Ihnen immer gehört, und es wird mein größtes Glück sein, wenn ich Ihnen in irgend einer Weise nützlich sein kann.“ Sie konnte ihm nur stumm die Hand reichen; gleich darauf verabschiedete sich Palmer, denn er hielt es für besser, in diesem Augenblick Mutter und Tochter allein zu lassen. Er überlegte, was er in der nächsten Zeit zu tun hatte. Die Nachricht, daß das Gericht ihn vielleicht vorfordern werde, war ihm nach Monako nachgesandt worden und fast zugleich mit ihm dort eingetroffen. Er mußte also einige Tage in England sich aufhalten. Was aber dann? Er hatte seine Ueberfahrt auf dem Dampfer„Hindostan" bezahlt, aber es war ihm erklärt worden, daß dies auch für den nächsten Dampfer Giltigkeit habe. Er beschloß jedoch, vor Beendigung der Gerichtsverhandlung keine Entscheidung zu treffen. Zunächst ging er nach der Leadenhallstraße, um Bovingdon zu besuchen, und teilte diesem die Veranlassung seiner Reise nach Monako kurz mit. Die Wirkung dieser Nachricht auf Bovingdon war kaum geringer als auf seine Frau, vielleicht sogar fühlte er den Schlag innerlich noch stärker als sie ihn empfinden konnte, denn Neue und Beschämung vor Palmer durchwühlten sein Hirn. Hätte er nicht alle Warnungen seines Sekretärs in den Wind geschlagen, so hätte er sich nie mit Thalberg eingelassen, der der Familie nur Unglück gebracht und auch seinem Geschäfte nur geschadet hatte. Denn wie sollte er der Firma das alte Ansehen zurückgewinnen, nachdem er sich mit einem anerkannten Schurken verbunden hatte? Was bedeuteten Thalbergs 50000 Pfund für ihn jetzt? Sie hatten den Stand seines Geschäfts zwar verbessert, aber hätte er sein Gut in Pottleton zum Opfer gebracht, so hätte die Firma die zeitweilige Erschütterung auch ohne Thalbergs Hilfe ertragen. Jetzt aber war seine Stellung ins Wanken geraten, das Glück seiner Tochter zerstört, und Kummer und Beschämung traten ihm überall entgegen. Er befand sich in derselben Lage, wie der Schiffer in der brüllenden Brandung, vor sich Klippen und hinter sich die rasende See. Es war eine gefährliche Situation, aber er hatte sie selbst verschuldet. Er war sogar geneigt das Unheil noch zu überschätzen, denn er hatte nicht mehr die Elastizität der Jugend, und so fürchtete er, daß alle mit Fingern auf ihn weisen, alle bösen Zungen ihn verlästern würden, und daß seine angesehene, soziale Stellung ein= für allemal unwiederbringlich verloren sei. „Palmer,“ sagte Bovingdon endlich, nach dem er sich etwas gefaßt hatte,„Sie dürfen mich jetzt nicht verlassen! Im Ramen der Freundschaft bitte ich Sie, noch einige Zeit zu bleiben. Mein Lebensschiff ist im Sinken, aber verlassen Sie mich nicht. Ich kann Ihnen zwar keine Belohnung für ihre Treue bieten, Geld würde Sie beleidigen, und meine Tochter habe ich nicht mehr zu vergeben, das Bewußtsein aber, daß Sie meiner Familie als Freund gedient haben, wird ihr Lohn sein. Dieser letzte Schlag bringt mich meinem Grabe nahe, ich fühle es, und daher muß ich die wenige Zeit, die mir noch bleibt, benutzen, um mein Haus zu bestellen. Und dazu ist mir Ihr Beistand unentbehrlich; sprechen Sie, wollen Sie mir den leisten, wollen Sie bei mir bleiben?“ „Ja,“ erwiderte Palmer ohne Zögern. Er vergaß seine eigenen Interessen über dem Wunsch, dem Dater derjenigen zu dienen, die er geliebt hatte und noch liebte, der er aber niemals näher stehen konnte, weil eine Schranke zwischen ihnen lag.— Eine schwere Probe auch für den edelsten Charakter. „Ich werde noch einige Zeit bei Ihnen bleiben,“ fuhr er fort, „und Ihnen helfen soviel ich kann. Aber wie ist es mit Ihrem Teilhaber? Wäre es nicht besser, einen Versuch zu machen, ihn zum Rücktritt zu bewegen? Ich bin überzeugt, daß Ihr Geschäft ohne ihn besser blühen wird.“ „Ich würde tun, was Sie raten, wenn das ausführbar wäre; aber so lange er verschwunden ist, kann ich nichts unternehmen. Mir scheint es allerdings sicher, daß der saubere Vogel nicht zurückkehren wird; außerdem sagte mir Walter gestern, er habe einen Verhaftsbefehl für ihn und dazu den Auftrag, ihn zu suchen.“ „Das höre ich fast mit Bedauern,“ bemerkte Palmer. „Warum mit Bedauern? Das Schlimmste ist ja schon bekannt geworden. Wenn dieser Mensch an dem Tode von Esther Wilding mitschuldig ist, so soll er dem Arm der Gerechtigkeit nicht entgehen, wenn es möglich ist. Außerdem wird seine Verurteilung Frieda die Handhabe geben, eine Scheidung zu erlangen.“ Bei diesen Worten blickte Palmer überrascht auf, als ob ein Lichtstrahl auf seinen Pfad gefallen sei. Gab es doch noch eine Möglichkeit, daß Frieda sein werden konnte? Freudig erregte ihn dieser Gedanke, aber sofort trat die beunruhigende Tatsache ihm vor Augen, daß Frieda krank war, und daß die Aerzte ihren Zustand für gefahrvoll erklärten. Er hatte sich zwar an den Gedanken gewöhnt, daß Frieda ihm nie angehören könne, aber jetzt wußte er, daß, wenn sie sterben sollte, ihm mit ihr ein Teil seines Lebens verloren gehen würde, und daß dann wenig in der Welt übrig blieb, was noch Reiz für ihn haben könnte. Der Tag für die Hinrichtung von Lina Rißling war festgesetzt worden, obgleich man allgemein glaubte, daß es nicht dazu kommen werde, denn sie war augenscheinlich nur ein Werkzeug in der Hand eines größeren Verbrechers gewesen. Während dieser Zeit beobachtete die Hauptperson, nämlich die Verurteilte, ein mürrisches Schweigen. Sie schien allen trotzen zu wollen und weigerte sich hartnäckig, auf die Ermahnungen des GefängnisGestlichen zu hören.(Forsetzung folgt.) = Protest. Richter:„Wie alt, deugin. Zeugin(zögernd): „Zweiund...“ Richter ermunternd):„Run, dreißig, vierzig fünfzig....?“ Zeugin:„Oho!“ geschmückte Adresse. Heute Nachmittag fand zum Abschluß der Feierlichkeiten auf dem Schützenhofe ein großes Volksfest statt. Essen, 22. Juni.(Der Direktor des Königlichen Gymnasiums in Essen Dr. Biese,) ist an das Königliche Gymnasium in Bunzlau(Schlesien) versetzt worden. Die Verhältnisse am Königlichen Gymnasium in Essen, besonders die Verteilung der Schüler auf die Cöten A und B waren jüngst in der Beratung des Kultusetats im preußischen Abgeordnetenhause wiederholt erörtert worden. Das Ergebnis der gründlichen Untersuchung, die damals die Vertreter des Ministeriums in Aussicht##n, hat jetzt zur Versetzung des Direktors geführt. 19.Westf. geuerw.„g 20 aul „ Walen, 2o. Jum. Gestern und heute fand hierselbst unter dem Vorsitz des Fabrikanten Franken=Schalke der 19. Verbandstag des westf. Feuerwehr=Verbandes statt, zu dem auch Vertreter der Amtmänner und Bürgermeister erschienen waren. An 696 Wehrmänner wurden Ehren=Urkunden für 25jährige treue Dienste überreicht. Nach dem Jahresberichte zählte der Verband 322 Wehren mit 21300 Mitgliedern. Neu hinzugekommen sind 24 Wehren mit 1570 Mitgliedern. Der Kassenbericht wies eine Einnahme von 8970 und eine Ausgabe von 7449 Mk. auf. Bei der Aachen=Münchener Feuerwehr=Unterstützungskasse stellte sich Einnahme und Ausgabe auf 1376 M. Der MummenhoffFonds beträgt 9175 M. Sobald derselbe 10000 M. erreicht hat, dienen dessen Zinsen zu Unterstützungen verunglückter oder hülfsbedürftiger Wehrleute. Da die Wehrleute oft auf Anordnung der Behörden auch zu. der Allgemeinheit dienenden Hülfeleistungen bei drohender Gefahr herangezogen werden, so war von verschiedenen Wehren der Antrag gestellt, die Feuerwehr=Unfall=Hülfskasse in eine westf. Unfallkasse umzuwandeln und das Statut entsprechend abzuändern, auch höheren Orts um Unterstützung zu bitten. Angenommen wurde dazu folgende Entschließung:„Der Verbandsausschuß wird beauftragt 1) höheren Orts wiederholt vorstellig zu werden, daß alle in Preußen arbeitenden Feuerversicherungs=Gesellschaften zu den Kosten des Löschwesens herangezogen werden und daß die eingesandten Beträge vor allem auch zur Entschädigung verunglückter Feuerwehrleute verwandt werden. Er wird 2) beauftragt, baldmöglichst mit verschiedenen Privatversicherungsgesellschaften zu verhandeln, um, so lange anderweitige Entschädigungen für nicht im Branddienste oder bei Uebungen zu solchem nicht geleistet werden, den Wehren die Möglichkeit einer nicht zu teueren Privatversicherung zu schaffen.“— Ferner wurde beschlossen, den Verband in Unterabteilungen(Kreise oder Gaue) einzuteilen und einen Ausschuß einzusetzen, der ein diesbezügliches Statut ausarbeite.— Als nächstjähriger Tagungsort wurde Lippstadt gewählt. Die 696 Feuerwehr=Jubilare die aus Anlaß ihres 25jährigen Dienstjubiläums Ehren=Urkunden erhielten, gehören 58 Vereinen. an. Beteiligt sind von den Vereinen unseres Bezirks laut „Dortmunder Zetung“ folgende:. Bechhoß 4 Annen: 1. H. Gräbner, 2. A. Kämper, 3. F. Erachoss 4. D. Köster und 5. Fr. Seifarth. Barop=Menglinghausen: Fritz Kölling. Dorstfeld: 1. Heinrich Kölling, 2. Wilh. Körfgen, 3. Th. Willbur, 4. H. Schnettler, 5. H. Hiltrop. Hörde: Jos. Klasen. Langendreer: 1. Heinrich Wevelsiep, 2. Gustav Kuper. Lütgendortmund: W. Kersten. Zeche Neu=Iserlohn=Somborn: Karl Blennemann. Zeche Reu=Iserlohn II: 1. Phzl, Deusner, 2. Friedr. Manz und 3. Joh. Wagehals. Unna: K. Movelsohn. Wetter: Louis Brust. Witten: 1. Christ. Steffensen und 2. Fritz Schöneberg. Das Festessen und der nachfolgende Kommers, welche den gestrigen Verbandstag beschlossen und im Borgmannschen stattfanden, haben bei äußerst regem Besuch den schönsten VerHeim Festessen gelangte folgendes Antwortelegramm des o„S. zn. der König lassen herzlich danken für das Gelöbnuis trug einen Prolog, den Herr Redakteur W. Hoppstädter gedichtet hat und der die Roburitkatastrophe vom 28. November 1906 behandelt, in formvollendeter Weise vor und erntete lebhaften Verschönt wurde der Kommers durch turnerische Vorführungen der Turngemeinde und des Allgem. Turnvereins, die als Glanzleistungen bezeichnet werden müssen. Auch die zur Darstellung gebrachten vier lebenden Bilder aus der Geschichte der Grafschaft Mark fesselten das Interesse der großen Versammlug und wurde den Darstellern lebhafter Beifall gesendet. So hat denn dieser Festabend einen in jeder Beziehung con Aim heutigen Sonntage, dem eigentlichen Festage, trasen vormittags die Wehren ein und wurden- feierlichst abgeholt. Jupiter Pluvius hielt seine Schleusen geschlossen, so daß auch der imposante Festzug, in dem sich 149 Wehren mit 56 Musikkapellen und Spielleuten befanden, in vollstem Maße zur Geltung kam. Er bewegte sich durch die Straßen unserer reichgeschmuckten Feststadt zum Humboldtplatz. Hier richtete Herr Oberbürgermeister Dr. Haarmann eine packende Ansprache an Pehtfgong,„pey leute, die er in herzlichen Worten begrüßte und den Ertounde ein ferneres Blühen und Gedeihen wünschte. Dem Dank der Wehren gab darauf der 2. Verbandsvorsitzende Herr Stadtbaurat Modersoh Unna in zündenden Worten Ausdruck und in das Hoch auf das gastfreundliche Witten stimmten die Wehrleute freudig ein. Darauf hatte unsere freiw. Feuerwehr eine Probe ihres Könnens abzulegen. Ein donnerndes Bravo und lebhaftes Händeklatschen des mit der Sache vertrauten großen Auditoriums drückte den übenden, Zehr, leuten die vollste Zufriedenheit aus.„Das hatte geklappt: Gut Schlauch!“ Auch der vorzüglich ausgeführte Schnellangriff eines Feuerwehrmannes der Mindener freiwilligen Feuerweh Dann rückten die Wehren in ihre Standquariere ab. Die Festkonzerte bei Doß und Borgmann waren sehr gut besucht und Schließen wollen wir unsern Bericht mit der Mitteilung über das pietätvolle Handeln des Verbands=Ausschusses.„Abordnungen desselben begaben sich vormittags zu den Slabern der beiden verstorbenen Wehrleute Wilhelm Hantkappe auf dem ev. Kirchhofe und Paul Echterhoff auf dem kath. Kirchhofe, um an denselben Kranzspenden niederzulegen. Diese beiden##h. leute sind 1906 Opfer der Roburitkatastrophe geworden. So hat denn das Wittener Feuerwehrfest einen schönen Verlauf genommen, es wird bei Westfalens Wehrleuten bleibender Erinnerung stehen. Gut Schlauch! Ein furchtbarer Lustmord. Iserlohn, 23. Juni. Ein furchtbarer Lustmord ist in der Nacht zum Dienstag in Hause den Wetayheizgsi ge, Beagnge iun Schatpentof veribt worden. Der Abver vu. 161, ätuige Hetrich Obert, der Drahtzsieher I. 8. Aotzg. ,e uge, ese Ottilie Zikowsky in ihrem Schlafzimmer in besttaltsche: Wei ermordet. Oberst hatte sich, um sein Verbrechen ausführen zu können, in das Schlafzimmer seines Opfers, das auf dem Speicher liegt, eingeschlichen, sich unter dem Bette versteckt gehalten und erst, als das Mädchen entkleidet im Bette lag, sich auf die Richtsahnende gestürzt und sie in furchtbarer Weise zugerichtet. Durch das Schreien und Poltern in dem zu später Abendstunde ruhigen Hause wurde Quirmbach, in dessen Dienst sich das Mädchen befand, aufgeschreckt; er eilte nach oben und stieß die von innen verriegelte Tür des Mädchenzimmers auf. Dort bot sich ein schrecklicher Anblick dar. Der Leib war bis an die Brust hinauf aufgeschlitzt und der Halz durchschnitten. Ein langer Dolch steckte in der Herzgegend bis an das Heft in der Brust, das Etui des Dolches lag daneben. Außerdem war ihr eine Schußwunde in der Magengegend beigebracht worden. Der Mörder selbst hatte sich eine ungefährliche Schußwunde am Hinterkopfe beigebracht. Er hatte seit einiger Zeit ein eigenartiges Benehmen zur Schau getragen. Von seinem Zimmer aus konnte er jeden Abend beobachten, wenn sich das Mädchen auszog Der Mörder ist dem Krankenhause zugeführt worden. Wie bestimmt verlautet, soll er beabsichtigt haben, noch 2 Mädchen an dem Tage zu ermorden. Er ist noch nicht vernehmungsfähig, da er sich in einem Dämmerungszustande befindet. Die Leiche des Mädchens, welche außer der vorstehend angegebenen schrecklichen Zurichtung 18 Messerstiche hatte, wurde in die Leichenhalle env v 23. Juni. Zu dem Morde, dem die 161 jähr. Dienstmagd Ottilie Zikowski zum Opfer gefallen ist, wird noch gemeldet: Man fand bei dem Mörder, dem 22jähr. Drahtzieher Oberst, einen Brief an die Polizei, in dem er erklärte, er habe die Z. deshalb ermordet, weil sie seine Liebe nicht erwiderte. Wenn dieser Mord glatt von statten ginge, werde er ein anderes Mädchen, das gleich abweisend gegen ihn war, im sogenannten Läger töten. Die Kugel aus dem Hinterkopf des Mörders konnte entfernt werden, sodaß er in einigen Wochen wieder oev e 2 3. Juni. Das grauenvolle nächtliche Drama auf dem Schützenhof hat nunmehr mit dem Tode des Mörders, des 22jährigen Drahtziehers H. Oberst, seinen Abschluß Oberst ist an den Folgen der Kopfwunde, die er sich, als er bei der Abschlachtung des Mädchens betroffen war, mit einem Nevolver beigebracht hatte, gestorben; eine hinzugetretene Lungenentzündung hat sein Ende beschleunigt. In der Bevölkerung herrscht tiefes Bedauern darüber, daß es nicht möglich wurde, den Mordbuben dem Beile des Scharfrichters zu überliefern. Er hat noch furchtbare Qualen ausgestanden, ehe ihm der Tod nahte. Dem an seinem Krankenlager weilenden Bruder legte er gestern Nachmittag, nachdem er den Vormittag über ziemlich wortkarg gewesen war, ein Geständnis unter Erzählung der Einzelheiten des Mordes ab. Die Obduktion ergab, daß das Mädchen annähernd 50 Stiche erhalten hat, darunter einen tödlichen mitten ins Herz. Ein Sittlichkeitsverbrechen ist, an dem Mädchen nicht ausgeführt worden. brechen wird, da ich doch annehme, daß niemand unter ihnen die Verantwortlichkeit auf seine Schultern nehmen wird, das Scheitern einer für unser Daterland nach innen und außen unumgänglich notwendigen Reform zu verantworten. (Bravo.) Sie haben alle mit Interesse meine Reise nach den Finnischen Schären verfolgt, wo ich so warme gastliche Aufnahme seitens des Kaisers aller Reußen und der Seinen gefunden habe. Es freut mich, in der Lage zu sein, gerade Ihnen als Vertretern des Handels und der Geschäftswelt, die Sie Interesse an der friedlichen Gestaltung der Zunkunft haben, Folgendes über die Bedeutung des Besuches sagen zu können: Kaiser Rikolaus und ich sind dahin übereingekommen, daß unsere Zusammenkunst als energische Bekräftigung des Friedens aufzufassen.(Lebhaftes Bravo.) Wir fühlen uns als Monarchen unserem Gott verantwortlich für das Wohl und Wehe unserer Völker, sie soweit als möglich auf friedlichem Wege vorwärts zu bringen und zur Blüte emporsteigen zu lassen. Alle Völker brauchen den Friedenunter seinem Schutze den großen Kulturaufgaben ihrer wirtschaftlichen und kommerziellen Entwickelung ungestört obliegen zu können. Daher werden wir beide danach streben, soweit es in unseren Kräften liegt, mit Gottes Hülfe für die Förderung und Wahrnng des Friedes zu wirken.(Bravv.) Unter diesem Frieden kann sich natürlich Sport in vollkommenster Weise entwickeln. Der Kaiser schloß mit einem Hurra auf die Stadt Hamburg und die Hambung=Amerika=Linie. Schweres Brandunglück. Bern, 22. Juni. In der letzten Racht geriet in der Gemeinde Wattwil, Kanten St. Gallen, ein von vielen Italienern bewohntes Haus in Brand. Das Feuer wurde erst sehr spät bemerkt, und es kam infolgedessen zu einer schweren Katastrophe. Bei der Flucht aus dem brennenden Hause wurden 6 Italiener lebensgefährlich verletzt. Morgens wurden aus den Trümmern 10 Tote geborgen. Man rechnet damit, daß noch mehr Personen umgekommen sind. Die Ursache des Brandes ist noch nicht ermittelt; wahrscheinlich ist das Feuer durch Unvorsichtigkeit Wltenben. * München, 23. Juni.(Schweres Automobilunglück.) Das Automobil des Telegraphenbataillons mit 4 Offizieren und 2 Soldaten geriet in der Rähe von Menterschein in einen Straßengraben. Die Insassen wurden herausgeschleudert und die Leutnants Graf Spretti und Krieg tödlich verletzt. Diemrich,(Ungarn), 23. Juni.(Grubenunglück in Ungarn.) In den Kohlengruben bei Dulkan wurden durch eine Explosion schlagender Wetter sieben Bergleute getötet und acht verletzt. Bei einem Tunneleinsturz verschüttet. St. Gallen, 23. Juni. Gestern abend stürzte eine etwa 25 m lange Strecke im Brügenwaldtunnel der Bahnlinie Bodensee=Toggenburg ein, während die Arbeiten im Tunnel in vollem Gange waren. Acht bis zehn Arbeiter werden vermitzt und sind wahrscheinlich verschüttet worden. Die Rettungsarbeiten haben sofort begonnen. Bern, 23. Juni. Von den bei dem Brüggwaldtunneleinsturz verschütteten Arbeitern sind bis jetzt 9 Tote und 6 Verletzte geborgen worden. Großes Grubenunglück. New=York, 23. Juni. Wie aus Pittsburg gemeldet wird, hat in der Kohlenmine der Lakawana=Gesellschaft eine Explosion stattgefunden, durch die etwa 150 Bergleute von der Außenwelt abgeschlossen worden sind. Es sind bereits mehrere furchtbar verstümmelte Leichen aufgefunden worden. Verschiedenes. — Das deutsche Familienleben in englischer Beleuchtung. Der Bischof von Hereford, der die Deutschlandreise der englischen Geistlichen mitmachte, sagte einem Journalisten, daß die Schönheit und Frömmigkeit des deutschen Familienlebens auf alle einen großen Eindruck gemacht habe.— Das muß man schätzen, wenn es auch wunder nehmen will, wie die Engländer auf ihrer Besuchsreise einen solchen Einblick ins deutsche Familienleben *— Vom Posten erschossen wurde in Altredwitz bei Küstrin ein Unbekannter, der in den Militärpulverschuppen einbrechen wollte. Er leistete den Anrufen des Postens keine Folge, sodaß dieser gezwungen war, Feuer zu geben. Anscheinend hatte der Samstag=Nr. Fremde eine Freveltat beabsichtigt, man fand in seiner Tasche eine Zündschnur. Die Hand hielt einen Revolver, mit dem er wohl auf den Posten schießen wollte, der ihm zuvorkam. — Erschossen hat sich aus unbekannten Motiven der Leutuant v. Eichstädt, Bataillonsadjutant des 21. InfanterieLokomotiven. Die 7000. Lokomotive wurde in den Borsigschen Werkstätten fertiggestellt. Die Inhaber der berühmten Firma gaben aus diesem Anlaß der gesamten B ven) Die brave Feuerwehr. Ein Zug der Verliner Feuerwehr mußte kürzlich abrücken, weil sich in einem Hause ein kleiner Dogel, ein Fink war’s im Gesims eingeklemmt hatte. Dem Hausbesitzer tat das Tierchen leid, und da es ihm trotz aller Anstrengungen nicht gelang. den Finkenhahn aus seiner Bedrängnis zu retten, so alamierte er kurz entschlossen die Feuerwehr. Die rückte mit der Schiebeleiter an und befreite wirklich den Vogel. Ein donnerndes Bravo des Publikums war der Drei Personen verbrannt. Aus Posen meldet ein Telegramm: Das Dorf Groß=Elsingen bei Rakel wurde gestern von einem Großfeuer heimgesucht, das durch Spielen der Kinde mit Streichhölzern entstanden ist. Dier große Bauernhöfe un 16 Gebäuden wurden eingeaschert, eine Wöchnerin und zwei Kinder kamen in den Klammen um. Neueste Nachrichten. Ein Kaisertoast zur Finanzreform und über die Kaiser= Entrevue. Cuxhaven, 23. Juni. Nach der gestrigen Segelwettfahrt des Norddeutschen Regattavereins auf der Unterelbe begab sich der Kaiser an Bord des vor Altenbruch ankernden HapagDampfers„Deutschland“, wo er die Preisverteilung vornahm Bei dem Festmahl, das sich hieran anschloß, erwiderte der Kaiser auf das von Bürgermeister Dr. Burchard ausgebrachte Kaiserhoch in einer Rede, in der er sagte: Wir treiben hier Sport, keine Politik. Eure Magnisizenz hatten aber die Güte, die Punkte zu berühren, die aller deutschen Herzen jetzt bewegen. Ich hoffe immer noch, daß der Gemeinsinn in unseren Volksvertretern sich über den Parteisinn Bahn Standesamts-Nachrichten. Rüdinghausen, vom 1. bis 31. Mai. Geburten: Einen Sohn: Fabrikarb. Michael Junk Rüdingh. Berginval. Aug. Burkhardt Brunebeck, Bergm. Friedr. Wilh. Hoffmann Schnee. Bergm. Emil Neuhoff Schnee. Eine Tochter: Dreher Gust. Doß Rüdingh. Bergm. Wilh. Schröder Rüdingh. Wirt Bernhard Bröer Rüdingh. Bergm. Josef Klimaschewski Rüdingh. Bergm. Bernhard Schachte dingh. Bergm. Johann Aschemeier Schnee. Bergm. Wih. Vortscheck Schnee. Maurer Josef Maatz Rüdingh. Eheschließungen: Bergm. Carl Schwarz und Mathilde Beckhoff. Sterbefälle: Johann Fromme 5 Monate 16 Tage alt Rüdingh. Chestau Clare Theodore Reuhaus geb. Räuber 53 Jahre 10 Mon. 12 Tage Schnee. Ehefrau Anna Maria Eisenberger geb. Kreggemeier 35 Jahre 10 Mon. 25 Tage, Rüdinghausen. Wilhelm Bandmann 9 Monate 22 Tage, Brunebeck. Verschiedene rückständige Einsendungen in der —.6 Den Preis von Steglitz gewann H. Przyrembel am letzten Sonntag in einem 50 km Rennen vor Rosenlöcher auf Brennavor; Tommy Hall wurde auf derselben Marke Dritter vor Rettelbeck und Pongs. Bruno Wegener und O. Peter waren Erster bezw. Zweiter im Hauptfahren, während Techmar=Wegener als erstes und Althoff=Conrad als zweites Paar aus dem Tandemrennen hervorgingen. Alle letzgenannten Fahrer bestreiten ihre Rennen auf Brennabor. Die 2. Große Fachausstellung des Drogisten=Verbandes von 1873, die vom 3. bis 13. Juni in Halle a. d. Saale stattfand, erfreute sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches weiter Kreise. Besonderes Interesse fand der Stand der KaffeeHandels=Aktien=Gesellschaft, Bremen, deren coffeinfreier „Kaffee Hag“ nicht nur bei dem offiziellen Festessen der DelegiertenVersammlung, sondern auch bei dem zu Ehren Sr. Exzellenz des Oberpräsidenten von Hegel gegebenen Frühstück gereicht wurde. Die vorzüglichen Eigenschaften des„Kaffee Hag“ haben der Kaffee=Handels=Aktien=Gesellschaft, Bremen, die höchste Auszeichnung eingebracht, welche anläßlich dieser Ausstellung zur Verteilung kam, nämlich die Goldene Medaille der Stadt Halle. Möbel auf Kredlt Angungen sefert haute Möbel. u. Waren=credibaus R. Jude, Vortmund, Ostenbelweg 41. Rücksichtsnahme bei Krankheitsfallen und Arbeitslosigkeit pugesichert Breslauer Festwoche. Den Großen Preis gewann am letzten Sonntag Karel Verbist auf Brennavor vor Danderstuyst und Guignard, im ersten und zweiten Lauf 30 bezw. 50 km-Rennen siegten Fr. Huybrechts, E. Wiewerall und W. Ebert, bezw. W. Ebert, E. Wiewerall und Fr. Huybrechts auf Brennabor. Todes-Anzeige. Gestern Mittag um 12 Uhr starb nach langem, schweren, mit grosser Geduld ertragenem Leiden mein lieber unvergesslicher Mann, unser treusorgender Vater, Grossvater, Schwiegervater, Schwager und Onkel, Herr Constanz Jost im Alter von 56 Jahren Dieses zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Annen, Stockum, Witten, Hamborn im Rheinland und Grubenau, den 24. Juni 1909. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, Herdeckerstrasse 28 aus statt. NB. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten, so diene dieses als solche. Zwei junge Leute erhalten Hessischer onterstützungsverein — Annen.— Am 22. d. Ms. verschied unser langjähriges treues Mitglied Herr Constanz Jost. Indem Dahingeschiedenen verlieren wir einen eitrigen Förderer unseres Vereins und einen treuen Landsmann, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Zur Beerdigung tritt der Verein Preitag Mittag 3½ Uhr im Vereinslokal an. Der Vorstand. S Kassteurn frei. Markt 7. Direkt an der Fabrik; können auch je ein Zimmer erhalten. Zimmer sind parterre. Zu erfragen i. d. Exp. ds. Bl. Einige gut erhaltene hompferte Berten (1schläfig) sind unter der Hand sehr preiswert abzugeben. Wo sagt die Geschäftsst. d. Ztg. Schweine-Versich.-Verein Lokal Lindemann. Sonntag, den 27. Juni 1909 nachmittags 4 Uhr General-Versammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Der Vorstand. Heerelrrmin. * Die diesjährigen Landpächte des Ritterguts Rüding= hausen werden erhoben am Mittwoch, 30. Juni d. J. nachmittags 3½ bis 5½ Uhr in der Eckardt'schen Wirtschaft zu Rüdinghausen. Haus Brünninghausen, 18. Juni 1909. Freiherrl. von Romberg'sche Rentei=Verwaltung. Seder Gehndsts in Rheinland und Westfalen, der Wert auf eine erstklassige Tageszeitung legt, beziehe die Rhein.-Westfäl. Zeitung Täglich 3 Ausgaben. Gegr. vor 1738 Politisch unabhängig, behandelt sie freimütig alleinnerpolitischen und auswärtigen Angelegenheiten, schnellstens wird über die wichtigsten Ereignisse berichtet, besonderer Wert auf vornehmen Unterhaltungsstoff gelegt. Es erscheinen wöchentlich 4 Unterhaltungsbeilagen, zu deren Mitarbeiter unsere bekanntesten und beliebtesten Schriftsteller gehören.— Als bedeutendstes Industrie- und Handelsblatt ist die.W. 2. allgemein anerkannt. Aktien-und Kuxenbesitzer schützen sich am besten vor Kursverlusten, wenn sie die Berichte der.W. Z. verfolgen.— Der Bezugspreis beträgt Mk..75 vierteljährlich und Mk..59 monatlich.— Um Gelegenheit zu geben, die.W. Z. kennen zu lernen, haben wir ein halbmonatliches Probe-Abonnement eingerichtet und überweisen nach Einsendung von 70 Pf. in Marken die R. W. Z. vom 15.—30. Juni durch die Post.— Probenummern sindjederzeit kostenlos erhältlich von der Hauptgeschäftsstelle n u u in Essen, Theaterplatz 8. n n u Bestellsettel. An die Geschäftsstelle der Rhein.-Westf. Zeitung, Essen-Ruhr. Unterzeichneter bestellt ein halbmonatliches Probe-Abonnement. 70 Pfg. in Marken anbei. Ort und Datum. Unterschrift. Auf zum„Bürgerhaus Am Sonntag, den 27. Juni findet auf allgemeines Verlangen ein * Grosses Frei-Konzert= statt. 11 Uhr morgens Matinee. Es ladet freundlichst ein Herm. Bottenbruch. Am Freitag, den 25. Juni, mittags 12½ Uhr werde ich in meinem Pfandlokale beim Wirt Jüliger diverse Kleiderschränke, mehrere Nachtkonsolen, Spiegel, Wasserbänke, Steppdecken, Büffets, Anrichten, Waschkonsolen, Küchentische, Ausziehtische, Spiegelkonsolen, Kommoden, komplette Schlafzimmereinrichtungen, Bettstellen mit und ohne Matratze, Spiegelschränke, Teppiche, Sofas, Küchenanrichten, polierte Tische, Kinderwagen, Sportwagen, Paneelbretter, kompl. 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Gicht=Leidenden teile ich aus Dankbarkeit umsonst mit, was meiner lieben Mutter nach jahrelangen qualvollen Gichtleiden geholfen hat. Frlu. Marie Grünauer(402 München, Pilgersheimerstr. 2/II. Redaktion,„Druck und Verlag von Fritz Küching, Annen. Stammtechechmete!. .:„Hast Du schon gehört, der Pr will die Affen studieren." .:„Geht der dazu nun ins Wir zoologischen Garten?“ Schüttelreim. (Von einem ertappten Wilderer gesungen.) Von meinen Bergen muß i scheiden, Auf viele Jahr den Schu 1 meiden. Sin Kenner. Glossen. Frauen, die viel vor der Sate Sppiegel stehn. Sich wenig in der Seele spiegeln seh'n. bene Wer vor den Großen sich bückt. Die Kleinen gerne druckt. ze kleiner die Rolle, Jesto größer die Tol „Was halten der modernen Ku „Es ist eine Kunst!“ dier den Weinhändler Fräulein:„Glaub Jahrgänge zu schätzen. ilder und Texte vorbehalten Abdruck der Kapitän ist lange nicht ihn eben auf Halb,mast gesetzt. Ein Unglückswurm. Erbliche Belastung. gatsschwindler:„Herr Richt wie Sie glauven, schon mein E Herschhüüche: „Wie kommt es denn. so fett wie früher?“ Ja, seine Alte hat Gut gegeben. (zu ihrem Studenten):„Ader Herr sie bnr zit. 1s daß Sie immer Sie, und da schreibt mir noch mein u Tag hineinlebe.“ Weibliebes Stuckium. Stadent verichtich. Ded ut hel., wbierl bon wderVerierbild. .Cossmann Aneinanderreiben von infach den ersten besten ure, warme Speisen gibt es nicht...!“ „Teufel, solcher Reinfall— jetzt muß ne lumpigte Glas Bier'nauswerfen „Ich begreife nicht, wie die Kellner:„Beda Zechpreller: ich mich wegen das e lassen!“ Druck und Verlag von Georg R in Berin Fuhrmann? Behchleur S 6#. E s # S #0 ∆ * 8. S 9 0 85 SEeS%OgTIEg 5/0 E 5E ####D, SgPSISES u G TSEOETTUTLDE SS cATEE O FROENSELANg 400 S 5E S S B SSS ESSSETG ##& Sen Soontllu er S aen 8 1 53 95 S S. Se: S 1— EESGUDSS S85S EPTSES 9 28 E c — SPEEESSOEE„ n FEESETTSCE. g. S50SFEEDSODE„OSUEEGA-DgEERSS S•„- G DESHESNDECTTO TEEOSHSEEEMSET“ &am'TS MOSEGSFTSEGAS B GOnEES ETNBEREZOTE 2 #9S9" SSZG SEESS ENRGSESTETRESMSBEB,SE50H AFSRSOgOBSGTDESTESPSSSESBSOE“„OgLEDg SOSPEUES GS;,„ bnöPgEEOASnEgaBuEgEBESE:DREEESE B• 555 8 32s d THTSSTSETPSDSTSBSOESES—•0 SOS ZURSOSTARNGRNBBADaNane EE S. ECAUZU. E ∆ S SHS.PGE HPGE 83 5 SESSTSTIS E. S SH5 WPEES“Sg„PEE Tör-ESSD ESODEES S —— Unangenehme Wirkung. Lehrer(aus der Geschichte erzählend):„Otto III. hielt den Ungehorsamen eine ordentliche Paukrede.(Zum unaufmerksamen Schüler.)„Was hat er ihnen gehalten?" Schüler:„Er hielt eine ordentliche Bauchrede.“ Neue illustrierte Imperative. Ein verdächtiger Zeuge. Richter:„Zeuge. Sie können sich also sicher erinnern, in der kritischen Nacht den Ankeklagten in der Wirtschaft zum Bären gesehen zu haben?“ Zeuge:„O ja, sogar doppelt und drelfach." Das Kleine. Es geht die Welt heut, ohne drauf zu achten, Dorüber stolz an jedem kleinen Werk, Das große nur will staunend sie betrachten, Sie will den Hügel nicht, will seh'n den Berg. Sie achtet nicht des Reims im Erdenschoße, Der dort der Sonne und des Regens harrt, Doch wird aus ihm der Baum, der riesengroße, Wird von der Welt er stannend angestarrt. Krieg im Frieden. „Wanr werden wir Hochzeit machen, Edgar?“ „Ach, laß mich in Frieden!" Schmerzlich! „Weißt Du noch, Artur, auf dieser Bank fandest Du meinen Pompadour, der unsere Bekanntschaft vermittelte!" „Du hast ein eigenes Talent, einem immer die unvngenehmsten Erinnerungen zu wecken!" Umgestellt. Dame(auf dem Lande zum Besuch):„Nicht wahr, das Leben ist hier surchtbar einfach?" Großstadtdame:„Mehr noch, ich finde es einfach surchtbar!“ 44 Trost. Frau(zu ihrem Manne):„Häng nur unserm Kaffeekränzchen soviele perfide Bezeichnungen an, wie Du magst, Hans!... Einen Friedenskongreß kannst Du es doch nicht nennen!...“ Der Weiberhasser. Sonntagsreiter:„Nun, wie heißt das Pferd, das Sie mir zu dem Ausritt geben wollen?" Pferdeverleiher:„Juno!“ Sonntagsreiter:„Haben Sie kein anderes, ich bin nämlich—— Junggeselle?" Rasiere Dich selbst! Aus dem Examen. Professor:„Was würden Sie bei einem Säufer, der gerade ein Bierglas vor sich stehn hat, tun?“ Kandidat der Medizin:„Es selber trinken!, Folgenschwere Verehrung. Fräulein(zum Verehrer, einem Dichterling):„Mir scheint, Sie dichten mich in vielen Liebesgedichten an und schicken Sie an die hiesigen Redaktionen?— Seitdem ich Sie kenne, grüßt mich nämlich kein Redakteur mehr!“ 5 Kasernenhofblüte. „Mir scheint's, Klebl, Sie haben sich den Dummheitsbazillus einimpfen lassen.“ 3— ∆ 82 Waldl und sein Herr. „Meine Herren“, sprach der Förster Pulverhorn am Stammtisch,„die schönen Geschichten von klugen und gelehrigen Hunden, die Sie soeben erzählt haben, ließen in meinem Gedächtnisse die Erinnerung an einem „Geniestreich“ meines alten, seit langem toten Waldl aufleben. Vor mindestens 15 Jahren hat sich die Sache zugetragen. Ich war damals noch ein recht stattlicher Gesell— alles in allem genommen— obwohl mir auch damals meine Nase schon erfroren war. Meine Herren, Sie wissen, böse Zungen behaupten, die dunkle Glut meines Geruchsorganes habe eine ganz andere Ursache. Nun ja, wer ist vor bösen Zungen sicher?... Kellner, bringen Sie mir ein neues Glas. Sie müssen doch mehr daraufachten, daß ich nicht verdurste.— Auch eine Glatze hatte ich schon vor 15 Jahren, was mir aber wenig Kummer bereitete, bis— na ja! — cherchez la femme. Alma Süßmeier hieß sie und war die Schwägerin meines Kollegen Spechtmeier. Ich hätte es möglich gehalten, daß ich mich noch einmal so närrisch verlieben könnte. Dermaßen war ich von Sinnen gekommen, daß ich mich mit ernstlichen Heiratsgedanken trug; und da ich glücklich zu leben schien, schwebte ich ein paar Wochen im siebenten Himmel. Bis man mir eines Tages die niederschmetternde Mitteilung machte, Schön=Alma könne keine Glatzköpfe leiden. Meine Herren, kachen. Sie mich aus, aber was tut der Mensch nicht, wenn ihn die Liebe verrückt gemacht hat? Richtig verschrieb ich mir eines schönen (Neue illustrierte Imperative. Fortsetzung.) Tages ein in den Zeitungen als „unfehlbar", angepritsenes Haarwuchsmittel. Es war eine Salbe, allabendlich vor dem Schlafengehen auf die kahle Stelle aufzutragen; und dann saßich wochenlang da und salbte und salbte mir die Glatze ein und schaute jeden Morgen mit sehnsüchtiger Spannung in den Spiegel, ob die versprochene üppige Haarmähne noch immer nicht käme. Gott sei Dank, sie kam nicht, mein Schädel blieb glatt und blank wie eine Elfenbeinkugel, und Alma hält heute ihre Gardinenpredigten einem anderen.— Doch zurück zur Sache. Damals lebte asso mein alter Waldl noch, meine Herren— nie hat die Erde ein gescheiteres Hundevich gesehen. Der saß, wenn ich abends die Blöße meines Hauptes einsaldte, vor mir und fixierte mich mit seinen fast menschlich klugen Augen, daß ich mich geradezu schämte; bis mir ein Vorfall verriet, daß ich gar keine Ursache hatte, mich vor dem Köter zu genieren. Dem Waldl war nämlich seiner Zeit beim Brande meines Stalles ein brennendes Stück von einem Dachsparren auf den Kopf gefallen; mein vierbeiniger Freund hatte weiter keinen dauernden Schaden davon getragen, aber ein großes Brandmal, ein kahrer Fleck mitten auf dem Schädel, auf dem kein Härchen mehr wuchs, war zurückgeblieben. Meine Herren, was sehe ich nun eines Morgens, als ich in aller Herrrgottsfrühe aufwache? Sitzt da der Waldl, der sich unbeobachtet wähnt, auf meinem Toilettetisch vor meiner Haarwuchssalbe und salbt sich, mit der Pfote gleichfalls die kahle Stelle auf seinem Schädel ein! Es hat ihm aber auch nichts geholfen.“ Versüße Dein Leben! Klatsch. MS WETT! „Ja, wenn's ihr zu Gesicht stände, würde Sie sich sogar schwarz schminken!“ „Sehen Sie nur, wien affektiert die Frau Maier um ihren Mann trauert!" ämliche Dein Zeim! Kleines Illissverständuiss. von Apfesnen— ces Witel mit Fliessn= Dausfrau:„Ader ih kause niemals Apfelsnen