Nr. 42. (1. Blatt.) Mittwoch, den 21. Februar 1900. 32. Jahrgang. . Stadt& Amr Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet vierteljährlich incl. Botenlohn 2 Mk., in der Geschäftsstelle 1.75 Mk. vorauszahlbar.(Im Postgebiet 2 Mk.) Karttnscheid a Amt Reckendors. Anzeigen werden die Petitzeile oder deren Raum mit 15 Pfg., für Auswärts mit 18 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile berechnet. Eine Zusage für bevorzugte Stellung und für bestimmte Tage kann nicht gegeben werden. Telear.=Adr.: Schriftleitung, Druck und Verlag von Carl Busch in Wattenscheid. Telephon Nr. 181 Zum gewerblichen Arbeitsvertrag. Was man aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch für den gewerblichen Arbeitsvertrag wissen muß, ist Folgendes: Eine Reihe von Einzelheiten im gewerblichen Arbeitsverhältniß ist bisher durch die Gewerbeordnung nicht geregelt. Wo es sich nun um derartige Einzelheiten handelt, gelten jetzt eventuell die darauf Bezug habenden Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das ist z. B. der Fall, wenn sich die Annahme der für einen bestimmten Zeitpunkt vereinbarten Dienstleistungen seitens des Arbeitgebers verzögert; dann kann(§ 615 B. G. B.) der Arbeiter für die in Folge der Verzögerung von ihm nicht geleistete Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein. Er muß sich jedoch den Wert desjenigen anrechnen lassen, was er in Folge des Unterbleibens der Dienstleistung erspart oder durch anderweitige Verwendung seiner Dienste erwirbt oder zu erwerben böswillig unterläßt.— Ferner wird(§ 616) der Arbeiter des Anspruches auf Lohn nicht dadurch verlustig, daß er für eine verhältnißmäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Er muß sich jedoch den Betrag anrechnen lassen, welcher ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken= und Unfallversicherung zukommt. Dieser § 616 gilt jedoch nicht, wenn durch besonderen Vertrag oder Arbeitsordnung rc. seine Geltung ausgeschlossen wird. — Ist ein Arbeiter(z. B. Gehülfe, Lehrling) in die häusliche Gemeinschaft des Arbeitsgebers aufgenommen, so hat dieser für Wohn= und Schlafraum, Verpflegung, ArbeitsErholungszeit des Arbeiters so zu sorgen, wie es mit Rücksich auf Gesundheit, Sittlichkeit und Religion des letzteren erforderlich ist, widrigenfalls der Arbeitgeber eventuell auf Schadenersatz verklagt werden kann(§ 618). Diese Verpflichtung des Arbeitgebers kann nicht wie die des§ 616 im Voraus durch Vertrag aufgehoben oder beschränkt werden.— Ist ein Dienstverhältnis für Lebenszeit oder für länger als 5 J. eingegangen, so kann es von dem Dienstverpflichteten, Arbeiter 2c. trotzdem nach Ablauf von 5 mit 6monatlicher Kündigungsfrist gekündigt werden(§ 624). Das ist eine sehr bedeutungsvolle Bestimmung, denn es können immer Verhältnisse eintreten, die es wünschenswert oder nothwendig machen, ein auf Lebenszeit eingegangenes Arbeitsverhältnis zu lösen; hierzu bietet nun das neue Bürgerliche Gesetzbuch eine Handhabe, die vorher fehlte. Die beiden letztgenannten Bestimmungen gelten auch für das Gesinde.— Nach durch den Arbeitgeber erfolgter Kündigung muß der Arbeitgeber dem Arbeiter auf Verlangen angemessene Zeit zum Aufsuchen anderer Arbeit gewähren (629).— Weiterhin ist zu bemerken, daß die Ehefrau ohne an die Zustimmung des Gatten gebunden zu sein, ständige Arbeitsleistung übernehmen kann. Nur wenn die von der Frau persönlich zu leistenden Arbeiten die ehelichen Interessen beeinträchtigen, kann der Mann auf Antrag vom Vormundschaftsgericht zur Aufhebung des betr. Arbeitsverhältnisses ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist ermächtigt werden, sofern er nicht selbst vorher seine Zustimmung gegeben hatte. Uebrigens kann die Zustimmung des Mannes bei Krankheit, Abwesenheit oder mißbräuchlicher Weigerung desselben auch vom Vormundschaftsgericht ersetzt werden (§ 1358).— Minderjährige bedürfen bei Eingehung eines Arbeitsverhältnisses der Einwilligung des Vaters, bezw. Vormundes; sobald dieselbe aber für einen einzelnen Fall einmal gegeben und nicht ausdrücklich zurückgenommen oder beschränkt wurde, gilt sie auch für alle folgenden Fälle (§ 113). Das neue Bürgerliche Gesetzbuch enthält also sehr beachtenswerte Bestimmungen auch für den gewerblichen Arbeitsvertrag. Landtag. Berlin, 20. Febr. Das Abgeordnetenhaus setzte die 1. Beratung der Sekundärbahnvorlage fort. Die Redner brachten Wünsche von nur lokaler Natur vor. Minister Thielen beantwortet die verschiedenen Wünsche. Die Frage hinsichtlich der Umwandlung der Kleinbahnen in Nebenbahnen sei nicht prinzipiell zu regeln, natürlich werde den Wünschen, wenn die Verhältnisse irgendwie darnach geartet seien, entsprochen. Eine Aenderung der Spurweite bei den Kleinbahnen sei nicht beabsichtigt, da dieselbe sich gut bewährte. Besondere Tarife für einzelne Güter ständen den Kleinbahnen nicht zu, wo indessen der dringende Wunsch nach solchen Vergünstigungen bestehe, solle er entsprechend berücksichtigt werden; zur Prüfung dieser Frage sei eine Kommission eingerufen. Die Beschränkung der Konzessionierung von Privatbahnbauten sei darauf zurückzuführen, daß diese Bahnen den Durchgangsverkehr der Staatsbahnen nicht auf sich ablenken wollen, das kann der Staat natürlich nicht zugeben. Nach weiterer Debatte wird die Weiterberatung auf morgen 11 Uhr vertagt. Während der Sitzung erschien Minister v. Miquel im Hause. Morgen außerdem kleinere Vorlagen. Deutschland. Berlin, 20. Febr. Ein Nachtragsetat für das Kiautschougebiet wird im Reichstag eingebracht werden. Es werden darin noch Mittel für ein Kabel gefordert werden, das sich an die von den Vereinigten Staaten nach den Philippinen geplante Kabelkeitung anschließen und die Hauptpunkte unseres Kolonialbesitzes im fernen Osten verbinden wird. — Nach Ausspruch der Aerzte ist der Schultergelenkbruch, den sich Cultusminister Dr. Studt zugezogen hat, nicht allzuschlimm. Der Minister wird aber längere Zeit das Zimmer nicht verlassen dürfen, weshalb wohl anch die Beratung des Cultusetats im Abgeordnetenhause hinausgeschoben werden wird. — Das Befinden des Staatssekretärs Grafen Bülow hat sich etwas gebessert; er ist aber immer noch bettlägerig, sodaß er seine Thätigkeit auch in beschränktem Umfange noch nicht hat wieder aufnehmen können. — In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses erschien der Vizepräsident des Staatsministeriums Finanzminister Dr. v. Miquel. Der Minister sieht noch recht angegriffen aus, verweilte aber in munterm Gespräche mit vielen Abgeordneten, die ihn lebhaft begrüßten. — Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau, ist hier eingetroffen und hat zu mehrtägigem Aufenthalt im Hotel Royal Wohnung genommen. Der Kirchenfürst ließ sich bereits nach dem Befinden des Abg. Dr. Lieber erkundigen. Der mit der Verwaltung des deutschen Generalkonsulats in New=York betraute bisherige Consul in Chicago, Bünz, ist zum Generalconsul in New=York und der bisherige Consul in Sao Paulo, Victor Eschke, zum Consul daselbst ernannt worden. Die commissarische Verwaltung des Consulats in Philadelphia ist, nachdem der Consul Marheinecke eine anderweitige dienstliche Verwendung gefunden hat, dem bisherigen Consul beim Generalconsulat in New=York, Ritschl, übertragen worden. — Zum 1. April werden voraussichtlich, wie die„D. Verkehrsztg.“ erfährt, diejenigen nicht angestellten, aus der Klasse der Civilanwärter hervorgegangenen Postassistenten etatsmäßig angestellt werden, die bis einschließlich 17. Nov. 1894 die Postassistentenprüfung bestanden haben oder denen anderweit das entsprechende Dienstalter beigelegt ist. Danach würden über 800 Assistenten mit dem neuen Rechnungsjahre die etatsmäßige Anstellung erlangen. — Der hier eingetroffene Cardinal=Fürstbischof Dr. Kopp besuchte den in einer hiesigen Heilanstalt weilenden Erzbischof von Posen. Dieser begiebt sich heute zu längerem Aufenthalt nach der Riviera und wird, falls er dort die erwartete Genesung bald findet, zur 900jährigen Feier des Bestehens der Erzdiözese am 23. April nach Posen zurückkehren. — Der Landgerichtsdirektor Dr. Felisch in Berlin ist in das Reichsmarineamt zunächst als Hülfsarbeiter einberufen worden. Der bisherige Justitiar Geh. Admiralitätsrat Dr. Herz soll als Senatspräsident bei dem am 1. Oktober in Kraft tretenden Reichsmilitärgericht in Aussicht genommen sein und Dr. Felisch dürfte dann sein Nachfolger werden. — Am 14. Febr. verhandelte die Budget=Commission des Abgeordnetenhauses über den 3. Nachtrag zum Normaletat von 1892, durch den die Gehälter der Zeichenlehrer und der sonstigen seminarisch gebildeten Lehrer an höhern Schulen neu geordnet werden sollen. In der Begründung dieses Nachtrages ist hervorgehoben, daß durch diese neuen Gehaltssätze letztgenannte Lehrer mit wenigen Ausnahmen den Volksschullehrern der betreffenden Orte gleichgestellt werden sollen. Da ist denn nicht zu verwundern, daß von nationalliberaler und freisinniger Seite die Gehaltszuwendung als zu niedrig bemängelt wurde, denn die Regierung baut dieselbe auf unrichtiger Grundlage auf. Wenn die von den Gemeinden auf Grund des Volksschullehrer=Besoldungsgesetzes festgesetzten Gehaltssätze maßgebend sein sollen, so ist es doch ganz selbstverständlich, daß die Besoldung der städtischen speziellen Amtsgenossen dieser Lehrer, nicht aber das Gehalt der Volksschullehrer, die Grundlage bilden muß. — Der Gemeindewahlrechts=Reformentwurf wird auch in der„Köln. Vztg.“ vom Montag nachdrücklich verurtheilt. Das Centrum habe kein Interesse an dem Zustandekommen dieses Gesetzes. Was speziell die rheinische Centrumspartei anlange, so müsse sie die Vorlage als eine gesetzgeberische Vergewaltigung empfinden. Von den 3 Entwürfen, die bisher dem Landtage gemacht worden, sei dieser weitaus der schlechteste. Es könne für die innerpolitische Lage in Preußen nichts charakteristischeres geben, als daß man mit einer solchen Arbeit hervorträte. — Von der Durchführung der Eisenbahnverstaatlichung seit 1880 bis zum Ende 1898 sind nahezu 1 Milliarde Mk. an Eisenbahnbaukrediten bewilligt worden. Mit Hilfe dieser Kredite sind in diesem Zeitraume nahezu 10000 km. neue Bahnen hergestellt worden. Unter den neuerbauten Bahnen befinden sich neue Hauptbahnen nur in verschwindend kleiner Zahl. Erst in der jetzt vorliegenden Eisenbahnvorlage wird wieder eine größere Zahl von Hauptbahnen, zum Teil aus militärischen Rücksichten, zum anderen Teil aber zur Entlastung besonders verkehrsreicher Eisenbahnstrecken in Aussicht genommen. Die ganz überwiegende Mehrzahl der seit 1880 hergestellten Bahnen sind Nebenbahnen, welche den Anschluß bisher mit Schienenwegen nicht ausgestatteter Landesteile an das Staatsbahnnetz bezwecken. — Nach einer an die„Danziger Zeitung“ gerichteten Mittheilung des kommandierenden Generals des 17. Armeekorps v. Lentze sind die Blättermeldungen über seinen Abgang unbegründet. Der General hat bisher kein Abschiedsgesuch eingereicht. — Die amtl. Berl. Korresp. schreibt: Nachdem verschiedentlich die Regelung der Arbeitszeit in Bergwerken auf Grund der Reichsgesetzgebung verlangt worden ist, wird darauf aufmerksam zu machen sein, daß die Reichsgesetzgebung hierfür keine Handhabe bietet. Es sind aber die Oberbergämter befugt, für solche Betriebe, in welchen durch übermäßige Dauer der Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird, Dauer, Beginn und Ende der zulässigen Arbeitszeit und der zu gewährenden Pausen vorzuschreiben und die für Durchführung dieser Vorschriften erforderlichen Anordnungen zu erlassen. — Das Reichsversicherungsamt hat anläßlich eines Spezialfalles die allgemein bei der Unfallversicherung wichtige Entscheidung ausgesprochen, daß nicht blos die eigentlichen Arbeiten im Betriebe, sondern auch die vom Betriebsunternehmer für die Arbeiter veranstalteten Festlichkeiten unter Umständen dem Betriebe zugerechnet werden können, Unfälle die sich dabei ereignen, also auch entschädigt werden müssen. In dem vorliegenden Falle hatte der Unternehmer aus Anlaß seines Geburtstages die Leute früher mit der Arbeit aufhören lassen, ihnen trotzdem den entgangenen Lohn gezahlt und sie zu einem Glase Bier eingeladen. Wie im Urteil hervorgehoben wurde, ist dies in vielen Betrieben Sitte zur Erhaltung und Erhöhung der Arbeitsfreudigkeit, während andererseits die Arbeitnehmer sich von der Teilnahme an der Feier nicht ausschließen können, und, falls es doch geschieht, dies wiederum auf die eigentliche Betriebsthätigkeit Rückwirkung haben müßte. Ist nicht blos der örtliche und zeitliche, sondern auch der ursächliche Zusammenhang zwischen Unfall und Betrieb gegeben, findet also die Feier in Werkstattsräumen statt, oder wird dabei Betriebsmaterial benutzt, so ist der Entschädigungsanspruch um so eher berechtigt. — Die Petition des„Vereins zum Schutze der Viehzüchter und Händler in der Provinz Posen“ an den Reichstag und das Abgeordnetenhaus betreffend Abänderung des Reichsversicherungsgesetzes und der Ausführungsbestimmungen sind jede von über 30,000 Unterschriften unterzeichnet. — In der Sitzung der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur hielt Frau Adele Gerhard einen Vortrag über die „Konsumgenossenschaft, ein Faktor der ethischen und ökonomischen Entwicklung". Die Rednerin erörterte eingehend Wesen und Charakter der Konsumgenossenschaft, sowie den prinzipiellen Unterschied zwischen ihr und der Produktiv= genossenschaft. Sie wies dann nach Darlegung der näheren wirtschaftlichen Vorteile der Konsumgenossenschaft darauf hin, daß diese schon heute ein wichtiger Faktor in der ökonomischen Entwicklung sei, wie ihr auch ein hoher Wert als treffliche Schule demokratischer Selbstverwaltung zuerkannt werden müßte. Detmold, 20. Febr. Der Lippesche Landtag trat gestern wieder zusammen. Der stellvertretende Präsident, Abg. Wolff, begrüßte das neue Mitglied Schloßhauptmann von Lengerke und den neuen Minister Gevekot. Die General= debatte über den Voranschlag gab mehreren Abgeordneten Veranlassung, die wenig hoffnungsvolle Fianzlage des lippischen Staates zu beleuchten. Köln, 20. Febr. Der Tag der Inthronisation brachte das schönste Frühlingswetter. Die reichgeschmückten Straßen, durch die sich der feierliche Zug vom erzbischöflichen Palais nach dem Dom bewegen sollte, waren von einer freudig bewegten, erwartungsvollen Menge gefüllt. Der Dom war für das große Publikum gesperrt. Nichdem im Palais die vom Zeremoniell vorgeschriebenen Zeremonien, insbesondere die Ueberreichung des Kreuzes durch den Senior des Domkapitels, Domkapitular und Dompfarrer Camphausen, stattgefunden, geleitete das Metropolitankapitel 8 30 Uhr früh den Erzbischof nach dem Dom. An dem Zug nahm die übrige Geistlichkeit und zahlreiche, ihre Banner mitführende Vereine teil. Der Erzbischof schritt, in Purpur in Hermelin des päpstlichen Legaten gekleidet, im Zuge, geleitet von 2 Domherren, gefolgt von den Spitzen der Behörden, den Vertretern des rheinischen Adels und dem Festkomitee. Nachdem der Kirchenfürst den Dom betreten, kniete er vor dem Sakramentsaltar zum Gebet nieder; von dort begab er sich zum Hauptaltar, an dessen Stufen knieend, wo er der Absingung der vorgeschriebenen Versikeln nebst der Oration durch den Offiziator beiwohnte. Sodann wurde von letzterem das Hochamt zelebriert. Nach dem Hochamt wurde dem Erzbischof das Pallium überreicht, das Zeichen der erzbischöflichen Würde. Hierauf folgte die Verlesung der päpstlichen Präkonisationsbulle, sodann eine lateinische Ansprache des Erzbischofs an den Klerus auf dem Chore und hierauf eine deutsche Ansprache an die Gläubigen von einem in der Vierung errichteten Podium aus. Nach den Ansprachen des Erzbischofs wurde das Te Deum gesungen, während der Klerus dem Erzbischof huldigte. Hierauf zog der Klerus mit dem Erzbischof zum Südportale des Domes, vor dessen Hauptthor der Erzbischof den Segen erteilte. Hierauf fuhr der Erzbischof in das Palais zurück, während die Vereine Spalier bildeten. Nachdem der Erzbischof im Palais die Vertreter der Behörden und Korporationen, darunter die des rheinischen Adels und der katholischen Fakultät Bonn empfangen hatte, fand um 3 Uhr nachmittags rin vom Erzbischof gegebenes Festmahl statt, woran der Oberpräsident v. Nasse, die Regierungspräsidenten v. Holleufer und Hartmann, Generaloberst v. Loe und der Gouverneur von Köln, die Spitzen der Behörden, hohe Geistliche u. a. teilnahmen. Der Erzbischof hielt bei dem Fest mahl im Palais eine Rede, in welcher er seinen Dank ausdrückte für die Ehrungen und das Versprechen abgab, er wolle der Erzdiözese allezeit ein wachsamer, treuer und opferwilliger Hirte sein. Er fuhr, wie die Köln. Volksztg. berichtet, fort: Wie bisher, so soll auch in aller Zukunft mein einziger Ehrgeiz sein, den Ruf eines treu katholischen Bischofs zu wahren und damit zugleich den eines treu patriotischen Bischofs, der eine kann ja vom andern nimmer getrennt werden, solange mit dem hehren Namen des Patriotismus eine der edelsten Tugenden bezeichnet wird: Die Liebe zu Fürst und Vaterland. Indem die Bischöfe christlichen Glauben und Sitte pflegen, stützen sie die unentbeyrliche Grundlage aller gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung, fördern sie eine der vornehmsten Bedingungen dauernder Größe und Wohlfahrt der Völker. Ich bitte Sic, hochgeehrte Herren, es als Bekräftigung meines soeben ausgesprochenen Gelöbnisses betrachten zu wollen, wenn ich Sie nunmehr einlade, unseren geliebten Kaiser, den treuen und starken Schirmherrn des Völkerfriedens und dem weisen und unermüdlichen Lehrer und Verteidiger der göttlichen Weltordnung und ihrer sozialen Gesetze auf Sankt Petri Stuhl den Ausdruck unserer dankbaren Verehrung darzubieten in dem Rufe: Se. Majestät unser allergnädigster Kaiser und König Wilhelm 2., Se. Heiligkeit Papst Leo leben hoch! — Heute vorm. fand im Dom die feierliche Inthronisation des neuen Erzbischofs Simar statt. Es waren anwesend: General=Oberst der Kavallerie Frhr. v. Loe, der Oberpräsident der Rheinprovinz Nasse, sowie die übrigen Spitzen der Civil= und Militärbehörden, Frhr. v. Hertling aus München, der Kurator der Universität Bonn v. Rothenburg, die Regierungspräsidenten von Aachen und Düsseldorf, Oberpräsidialrath v. Koels; der Oberbürgermeister von Paderborn, die Stadträthe von Paderborn, der Landrath von Paderborn, 30 Maltheserritter, Vertreter aller Familien des rheinischwestfälischen Adels 2c. Das Pallium, das Zeichen der erzbischöflichen Würde, überreichte Domkapitular Kamphausen dem neuen Erzbischof, nach der Inthronisation huldigte der gesammte Klerus dem Erzbischof. Dann hielt der Erzbischof eine lateinische Ansprache an die Geistlichkeit und eine in deutscher Fassung an die Gemeinde. Der Erzbischof begab sich nach der Feier im Dom zum Südportal, um der dort versammelten Menge den erzbischöflichen Segen zu spenden. Die Stadt ist reich geflaggt. Nach 3 Uhr findet im erzbischöflichen Palais Tafel zu 50 Gedecken statt. — Die Centrumsfraktion des Abgeordnetenhause sandte heute folgendes Telegramm an Erzbischof Simar: Euer Erzbischöflichen Gnaden bringt die Centrumsfraktion des Preußischen Abgeordnetenhause am Tage der feierlichen Inthronisation auf den altehrwürdigen Erzstuhl Köln die ehrfurchtsvollsten Segenswünsche dar und fleht Gottes reichste Gnade auf den Träger eines für die kathol. Kirche Deutschlands so bedeutungsvollen Hirtenamtes herab. v. Hecreman, Fritzen, Dr. Porsch. Wien, 20. Febr. In der heutigen Sitzung der Verständigungs=Konferenz beendeten die Vertrauensmänner Mährens die Erörterung über die Anwendung beider Landessprachen im äußeren Dienstverkehr der Staatsbehörden in Mähren. In den wesentlichen Punkten wurde jedoch eine Uebereinstimmung erzielt. In anderen Punkten der Grundzüge wurden von beiden Seiten Abänderungs= und Ergänzungs=Anträge gestellt. Bern, 20. Febr. Zwischen der Schweiz und Oesterreich wurde eine Vereinberung zur Einführung direkten Verkehrs der beiderseitigen Gerichte getroffen. Brüssel, 20. Febr. Dem„Soir“ zufolge traf hier eine Depesche Krügers ein, die den Rückzug Cronjes für einen strategischen Schachzug und den Sieg Frenchs als ganz bedeutungslos erklärt. Krüger hegt die festeste Siegeszuversicht. Paris, 20 Febr.(Kammer.) Bei Beratung des Kriegsbudgets beantragt Sembat Streichung von 10 000 Frcs. in Zusammenhang mit der Abschaffung des Militärattachees. Der Kriegsminister fordert Aufrechterhaltung des Militär= attachees, welche niemals zu irgend einer Klage Anlaß gegeben hätten. Sembach hält seinen Antrag aufrecht. Der selbe wird vom Ministerpräsident bekämpft und vom Hause abgelehnt. — Der Staatsgerichtshof entschied nach langer Beratung in geheimer Sitzung, daß die am 28. Jan. wiedergewählten Senatoren an den Verhandlungen nicht teil nehmen dürfen und lehnte den vom Verteidiger Haberts gestellten Antrag, daß der Senat sich für unzuständig erkläre, ab. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. London, 20. Febr.(Unterhaus.) Der Staatssekretär für Indien Lord Hamilton erklärt, daß von verschiedenen Seiten Nachrichten eingegangen seien, die auf eine Vermehrung der Zahl der russischen Truppen in Centralasien hindeuten. Die Beziehungen der indischen Regierung zum Aemir von Afghanistan seien solche, welche den Bestimmungen der Abmachung Englands mit Afghanistan entsprechen und haben keine Veränderung erfahren. Unterstaatssekretär des Aeußern Brodrick erklärt, die britische Regierung habe im Hinblick auf die von dem britischen Botschafter in Petersburg im Jahre 1876 gemachte Zuziehung im August v. Is. ihre Bereitwilligkeit ausgedrückt, einem Ansuchen der russischen Regierung wegen Errichtung eines russischen Consulats in Bombay stattzugeben, wobei sie voraussetzte, daß die russische Regierung bereit sei, in die Ernennung eines britischen Consuls in Tiflis zu willigen. Bisher sei eine Ernennung eines russischen Consuls in Bombay nicht notifiziert worden; wenn ein solches Consulat errichtet werde, stände es England frei, das Recht der Ernennung eines Consulats in Tiflis zu beanspruchen. Das Haus nahm die Vorlage betr. die Vornahme einer Volkszählung im nächsten Jahre an.— Das Haus beriet über den Nachtragskredit u. Posten„Mannschaften". Nach einer mehrstündigen von den irischen Nationalisten angeregten Debatte wurde der Posten mit 164:32 Stimmen und ein Kredit von 13 Mill. Pfund nach weiterer Demission, in welche die irischen Nationalisten gegen den Krieg von neuem energisch protestirten, mit 207:31 St. angenommen. Cowes, 20. Febr. Die Königin Viktoria besichtigte heute Vormittag ein Milizregiment, wobei sie sichtlich erfreut die Mitteilung machte, heute früh seien gute Nachrichten vom Kriegsschauplatze eingegangen. Petersburg, 20. Febr. Der Herzog von Coburg sowie der Erbprinz und die Erbprinzessin von HohenloheLangenburg sind gestern nach Deutschland; zurückgereist. Der Kaiser und sämtliche Großfürsten, ferner der deutsche und der englische Botschafter waren zur Verabschiedung am Bahnhofe erschienen. Chieveley, 20. Febr. Die britischen Truppen haben jetzt alle Hügel rechts von Colenso, diesseits des Tugela, besetzt, auch den Ilanghwani, der vom Feinde in der letzten Nacht geräumt worden ist. Die Einnahme des Ilanghwani ist von großer strategischer Wichtigkeit, da er die Flanke der Verteidigungslinie der Buren bei Colenso beherrscht. Valparaiso, 20. Febr. Die Nachricht von der Entdeckung eines Geheimvertrages zwischen Peru, Bolivia und Argentinien in Verbindung mit der Offenbar gegen Chile gerichteten Verstärkung der Rüstungen Argentiniens verursacht hier Erregung. Eine militärische Kommission ist in der vergangenen Woche nach Europa abgereist, wie man glaubt, in wichtigen militärischen Angelegenheiten. Der chilenische Generalstab arbeitet Bestimmungen für die Militärdienstpflicht aus. Kalkutta, 19. Febr. Der deutsche Generalkonsul Waldthausen steuerte zur Sammlung für die von der Hungersnot Betroffenen 5000 Rupien(ca. 10000 M.) bei. Gerichtssaal. § Bochum, 20. Febr. Ein gefährlicher Bursche ist der Arbeiter Heinr. Teubert von Baukau, der sich wegen Betruges in 5 Fällen zu verantworten hatte. T. hat nicht allein eine Reihe Gefängnisstrafen, sondern auch 7 J. Zuchthaus erlitten. Die Witwe Mathilde Weiß betrog er um 20 Mk., 7,50 Mk. und 4 Mk. und die Bergarbeiter Aug. Brockhoff und Aug. Hackenberg um 35 bezw. 36. Mk. Er wurde zu 1 J. 6 Mon. Zuchthaus, 100 Mk. Geldbuße und 2 J. Ehrverlust verurteilt.— Am 1. Nov. wurde Schneider Jos. Grewe von hier aus dem Gefängnis entlassen und im Januar machte er sich wieder des Diebstahls schuldig. Ein Lehrer hatte ihm einen Ueberzieher im Werte von 25 Mk. zur Abänderung übergeben, den er ins Pfandhaus wandern ließ und aus einem Restaurant stahl er einen Mantel, was ihm 6 Mon. Gef. einbrachte.— Am 12. August stahl der Arbeiter Aloysius Michalski in Weitmar aus einem verschlossenen Koffer dem Bergm. Aug. Sendatzki 26 Mk. und am 13. Febr. dem Gastwirt Grube einen Koffer im Werte von 30 Mk. M. wurde zu 1 J. Gef. verurteilt und wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. Dortmund, 20. Febr. Wegen Betruges ist am 1. Dezember v. Is. vom hiesigen Landgerichte der Versicherungsinspektor Peter Wrede zu 5 Mon. Gef. verurteilt worden. Er hatte sich von der Bremer Lebensversicherungsgesellschaft als Reisevertreter anstellen lassen und versprochen, nur für diese Gesellschaft zu arbeiten. Gleiche Verträge hat er aber mit 2 anderen Gesellschaften abgeschlossen, sodaß er die Reisespesen 3fach erhielt. Auf die Revision des Ange klagten hob heute das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück, weil das subjektive Schuldmoment nicht ausreichend festgestellt sei. Der Einwand des Angeklagten, er habe nicht mit dem Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gehandelt, sei nicht genügend widerlegt worden. Dort mund, 21. Febr, Wegen Beleidigung der Zuchthausdirektion zu Werden stand gestern vor der hiesigen Strafkammer Termin an gegen den Redakteur der„Rh.=Westf. Arb.=Ztg. Lebius. Der Angeklagte war nicht erschienen. Der Termin wurde deshalb aufgehoben und die Vorführung des Angeklagten beschlossen. Der mitangeklagte Graeff, bekannt durch den Essener Meineidsplozeß, der Gewährsmann des Redakteurs Lebius, hat sich ins Ausland begeben, weshalb das Verfahren gegen ihn nicht stattfinden konnte. Schwelm, 21. Febr. Ein hartnäckiger Betrüger ist der Händler A. Weimann aus Barmen, der im September v. J. in Schwelm eine Gastrolle gab. In 3 verschiedenen Lokalen, die er mit Damenbegleitung besuchte, bemühte er sich, eine Kaiser Friedrich=Denkmünze für 20 Mark zu verausgaben. W. wurde vom Schöffengericht zu 3 Mon. Gef. verurteilt, er legte aber Berufung ein und brachte vor die Strafkammer nicht nur die„Damen“, die ihn herausreden sollten, sondern auch den angeblichen„Thäter". Dieser verweigerte sein Zeugniß! Trotz dieser schlauen Schiebung lag die Sache durchsichtig genug, so daß die famosen Ent lastungszeugen, die die Bekundungen der mit aller Bestimmtheit auftretenden Kellner nicht entkräften konnten, nicht vereidigt wurden. W. behielt seine Strafe. Paderborn, 20. Febr. Eine Wilddiebgeschichte wurde Samstag vor der Strafkammer verhandelt. Angeklagt waren der Arbeiter Bernh. Boedefeld und der Kutscher Joh. Wietfeld, beide aus Fürstenberg. Der erste soll während der Schonzeit nachts in der Jagd des Amtmanns Stennes daselbst unberechtigt die Jagd ausgeübt und der zweite den ersten begünstigt haben. Das Urteil lautete gegen B. auf 9 Mon. und gegen W. auf 1 Mon. Gef. Duisburg, 19. Febr.(Schwurgericht.) Die Verhandlung gegen die ledige Dienstmagd Sybilla Tofahrn aus Saarn wegen Mordes(Kindsmordes) endete am Samstag mit Freisprechung der Angeklagten, da das Gericht annahm, daß die Tofahrn, als sie ihr 14 Tage altes Kind in den Rhein warf, geistesgestört gewesen sei. Stadt, Amt und Kreis. * Wattenscheid, 21. Febr. Die Mitglieder der hier bestehenden 3 Brieftaubenvereine:„Blitzschnell",„Blitzpost" und„Courrier“ werden sich am Sonntag Nachmittag 5 Uhr im Lokale des Hrn. Th. Ahlmann behufs Besprechung der bevorstehenden Ausstellung und sonstiger Vereinsangelegenheiten versammeln. * Herr Bürgermeister Wibberding hat für Freitag die Herrn Stadtverordneten zu einer Sitzung einberufen. Es stehen 5 Punkte auf der Tagesordurng der öffentlichen Sitzung.(S. Anz.) * Herr Pfarrer Hausmann macht bekannt, daß die Kirchensteuerzugangsliste 14 Tage lang beim Herrn Rendanten Oeben zur Einsicht der Beteiligten offen liegt. * Am 1. April werden es 25 Jahre, daß Herr Hauptlehrer Krumme in städtischen Diensten als Lehrer der hiesigen kath. Volksschule gewirkt hat. Dem allverehrten Herrn wird Stadt und Bürgerschaft eine wohlverdiente Ovation aus diesem Anlaß nicht versagen. * Herr Vikar Jos. Tebbe, früher dahier mehrere Jahre angestellt, später seit 20. März 1896 am Marienhospital in Dortmund wirksam, ist zum Pfarrer in Callenhardt Dekanat Rüthen ernannt worden. ** Am Sonntag feierte der Gesangverein Germania im festlich geschmückten Saale des Herrn Th. Ahlmann sein diesjähriges Winterfest. Die von dem vorzüglich geschulten Chor gebotenen Vorträge ernteten reichen Beifall und konnte man in jedem Vortrage die Schulung des Vereins merken. Der große Saal war schon zu Anfang des Konzerts bis auf den letzten Platz gefüllt. Während der Pause führten die gewählten Vergnügungskommissare das Stück, die Bremer Stadtmusikanten unter großem Beifall des Publikums auf. Das ganze Fest verlief in der herrlichsten Weise. Zwischen dem ersten und zweiten Teil des Konzerts hielt der Vorsitzende des Vereins Herr Gasmeister Vorast solgende Rede: Hochgeehrte Festversammlung! Im Auftrage des Gesangvereir's Germania heiße ich Sie zu unserm heutigen Winterfeste herzlich willkommen, ich danke Ihnen für Ihr zahlreiches Erscheinen und wünsche, daß Sie auch heute einige genußreiche Stunden in unserer Mitte verleden mögen. Geehrte Anwesende, mit Zustimmung unserer passiven Mitglieder haben wir den einstimmigen Beschluß gefaßt zur würdigen Feier des 25jäyrigen Bestehens des Gesangvereins Germania am 5. und 6 August d. J. einen nationalen Gesangwettstreit deutscher Männerchöre zu veranstalten Ich kann es nicht verhohlen, daß wir mit einigem Bangen den Beschluß gefaßt haben; sind es doch große Opfer welcher unser Verein durch die Stiftuug namhafter Geldpreise sowie kunstvoller Ehren= und Hauptehrenpreisen bringen muß. Wir haben uns aber auch gesagt, was in anderen viel kleineren Gemeinden möglich gewesen ist, das wird uns auch hier in Wattenscheid gelingen, und mit herzlichem Dank kann ich konstatiren, daß unser Unternehmen bei den wohllöblichen Behöcden und bei der geeh tin Bürgerschaft von Wattenscheid und Umgegend das freundlichste Entgegenkommen gefunden hat, welches sich in der Thatsache kundgiebt, daß sich durchweg die angesehnsten Männer von Wattenscheid und Umgegend als Ehren=Komitee an die Spitze unseres Vereins gestellt haben. Wir haben auch zu der geehrten Bürgerschaft, welche unserm Verein noch nicht nähr getreten ist, das feste Vertrauen, daß sie unser Unternehnen als eine Ehrensache der ganzen Stadt thatkräftig unterstützen und gegen andere Gemeinden nicht zurückvleiben wird. Denn nur wenn die ganze Bürgerschift unserm Unternehmen wohlwollend gegenübersteht, wird unser 25jähriges Jubelfest großartig verlaufen, wir hoffen umsomehr auf die Unterstützung der geehrten Bürgerschaft, da dieselbe durch die Anwesenheit der vielen fremden Verine wieder in etwa entschädigt wud. Meine geehrten Damen und Herren! Es ist etwas Großes um einn Gesanzwettstreit, es ist eine Freude zu sehen, wie die Scharen aus allen Tilen unserer Provinz und darüber hinaus zum friedlichen Kampfe zusammenströmen, wenn über 3) Vereine, auf wlche Beteiligung wir bestimmt rechnen, im festlichen Zuge unsere Straßen durchziehen, wenn sich am Nachmittage in fast allen Lokalen die Sänger durch eifriges Proben zum friedlichen Kampfe rüsten, wenn es dann an allen Eken und Enden in unserm lieben Wattenscheid von den deutschen Männergesange wiederhallt, es ist ein: Freude zu sehen und zu hören wie der Veren sein. ganzes Können einsetzt, um die Palme des Tages zu erringen, man muß es selbst mitgemacht haben, um die Begeisterung der Sänger zu begreifen, wenn die monatelangen Mühen, welche die Teilnahme an einen Gesangwettstreit bedingen durch einen Preis gekrönt werden. Wir glauben auch, daß die geehrte Bürgerschaft von Wartenscheid in Bezug auf die festliche Ausschmückung unserer Häuser und Straßen auch zu unsern 25jährigen Jubelfeste ihr ganzes Können einsetzt, um den fremden Vereinen einen freundlichen Empfang zu bereiten, es macht für den fremden Sänger einen überaus sympathischen Eindruck, wenn die Häuser und Straßen, wie es auh in dei beiden Orten, welche wir im vorigen Jahre besucht haben, der Fall war, reichlich durch Kränze und Guirlanden ausgeschmückt sind, und glaube ich, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um die geehrte Bürgerschaft von Wattenscheid ebenfalls zu einem Wettstreitt in der Ausschmückung ihrer Häuser zu veranlassen, und daß der Gesangverein Germania in dieser Beziehung ruhig sein kann, ist es doch schon sprichwörtlich geworden, daß die Bürgerschaft von Wattenscheid Feste zu arran ieren und zu feiern versteht. Und so möchte ich die geearte Bürgerschaft nochmals herzlich bitten, lassen Sie uns nicht in Stich, unterstützen Sie nnsern Verein mit Rach und That, bann werden wir am 5. und 6. August hier ein Fest feiern können wie noch keins hier gefeiert ist Hochgeehrte Festversammlung! Wie uns ja allen bekannt, ist vor 3 Wochen der Geburtstag unseres geliebten Landesvaters unseres Kaisers und Königs gewesen, und da dieter Tag überall soweit die deutsche Zunge klingt und in allen patriotischen Vereinen(zu welchn sich die Gesanzvereine gewiß rechnen dürfen) festlich begingen wird, so wollen auch wir noch nachträglich unserm geliebten Fürsten unsere Verehrung darbriigen. In diesem Sinne bitte ich alle Anw senden mit einzuseimmen in den Ruf, Unser vielgeliebter Lundesvater Seine Majestät unser allergnädigster Kaiser und König Wilhelm 2 lebe hoch! hoch! hoch! * Sonntags Nachts haben 7 Burschen zuerst in der Wirtschaft M. zu Günnigfeld sich unanständig betragen, dann auf der Straße den Radau fortgesetzt. Die Beamten, die Herren Gend. Pfingsten und Polizeisergt. Mai, welche dieselben zur Ruhe aufforderten, haben dieselben verhöhnt und beschimpft. Als die Beamten zur Feststellung der Thäter schritten, hat Herr Pfingsten von einem der Betheiligten einen Schlag über den Kopf bekommen, sodaß der Helm entzwei gegangen ist und Herr Pf. eine Wunde am Kopfe erhalten hat. In Folge der Verwundung des Hrn. Pf. gelangte es bei der stirk herrschenden Dunkelheit, den Thätern zu entkommen. Dieselben sind nun ermittelt, die 4 Hauptbetheiligten festgenommen und dem Amte Watten scheid vorgeführt. Der Hauptthäter, welcher den Hrn. Pf. verletzt hat, heißt Johann Plesch aus Ueckendorf, der die Beamten beschimpft hat: Stanislaus Maliczewski von hier. Ferner sind dabei gewesen: Valentin Koschikowski, die Gebrüder Ignaz und Franz Grazk, Johann Lewalski aus Wattenscheid und Franz Jablonski aus Ueckendorf. * Zum Polizeiwachtmeister des Amtes Ueckendorf ist der Vize=Wachtmeister Herr Schöppe vom 8. Trainbataill. zu Ehrenbreitstein ernannt und gestern in sein Amt eingeführt worden.— Weiter wurde der Schutzmann Schneider, von Coesfeld kommend, als Schutzmann hier neu eingeführt. * Nach den Veröffentlichungen des Kais. Gesundheits amtes zu Berlin über die Gesamtsterblichkeit im Dez. 1899 sind in den Städten Westfalens mit 15000 und mehr Einwohnern folgende Sterblichkeitsziffern auf je 1000 E. auf den Zeitraum 1 Jahres berechnet— ermittelt worden: In Minden 12,4, Recklinghausen 12, 8, Siegen 12,9, Lüdenscheid 13,8, Herford 15, Iserlohn 16,2, Hagen 18,9, Hamm 18,9,(ohne Ortsfremde 18,1), Langendreer 19,1, Bielefeld 20,0, Soest 22,2, Münster 22,5, Schalke 22,7, Wattenscheid 22,8, Schwelm 23,1, Witten 24,0, Wanne 24,8, Dortmund 25,6, Bocholt 25,8, Bochum 26,3, Hörde 26,5, Ueckendorf 27,6 Braubauerschaft 28,5, Gelsenkirchen 29,9, Bottrop 31,7, Buer 36,0 und Herne 38,8. *(Knappschafts=Angelegenheit.) Infolge der Aenderung des Invalidenversicherungsgesetzes ist auch eine Aenderung der Knappschafts=Satzungen erforderlich geworden und diese ist von dem Königlichen Oberbergamte zu Dortmund durch Beschluß vom 20. Dez. 1899 mit Gültigkeit vom 1. Januar 1900 auf Grund des der Aufsichtsbehörde gesetzlich zustehenden Rechts angeordnet worden. Die Aenderung erstreckt sich nur auf die Invaliditäts= und Alterskasse, die Krankenkasse, die Pensions= und Unterstützungskasse werden von der Aenderung nicht berührt, die Bestimmungen über diese 2 Kassenzweige bleiben unverändert. Der Neudruck der Satzungen erfordert bei der großen Belegschaft geraume Zeit, sodaß den Mitgliedern die neuen Satzungen erst nach 4 Wochen behändigt werden können. Eine wichtige Aenderung wird jedoch den Mitgliedern bereits bekannt gegeben: Das neue Gesetz hat auch eine Lohnklasse 5, entsprechend einem Jahresarbeitsverdienst von 1150 Mk. eingeführt. Auf Grund der heutigen Lohnverhältnisse hat der Vorstand in seiner Sitzung vom 8. Januar d. J. unter Zugrundelegung eines durchschnittlichen täglichen Arbeitsverdienstes von 4,50 Mk. die gesamten versicherungspflichtigen Mitglieder der Lohnklasse 5, einstweilen nur für das Jahr 1900 zugewiesen. Der Beitrag zur Lohnklasse 5 beträgt wöchentlich 18 Pfg. Dem Beitrage zur Lohnklasse 5 stehen die höheren Rentensätze der Lohnklasse 5 gegenüber, die den Mitgliedern wiederum unverkürzt zu Gute kommen. Die Beiträge zur Lohnklasse 5 werden vom 1. Jan. d. J. ab erhoben. * Dem Vernehmen nach hat der Herr Eisenbahnminister die preußischen Staatsbahnverwaltungen angewiesen, zum Besuche der Pariser Weltausstellung keine besonderen Fahrpreisermäßigungen, weder für Einzelreisen, noch für Gesell schaftsreisen zu gewähren, weil auch die französischen Bahnen solche ablehnen. Auch die ursprünglich beabsichtigte Verlängerung der Geltungsdauer der bestehenden Rückfahrkarten nach Paris mußte mit Rücksicht auf die von den französischen Bahnen hieran geknüpften Bedingungen fallen gelassen werden. * Am 30. Jan. wurde in Berlin eine Konferenz des Landes=Feuerwehr=Ausschusses abgehalten, welcher als Vertreter des westf. Feuerwehr=Verbandes Herr Stadtbaumeister Modersohn=Unna beiwohnte. Bei den Verhandlungen waren auch je 1 Vertreter des Ministeriums des Innern und des Arbeits=Ministeriums anwesend. Vön ersterem Vertreter wurde ein Muster des geplanten allgemeinen FeuerwehrDienstabzeichens vorgelegt. Dasselbe besteht in einem auf 2 gekreuzten Beilen rühenden Feuerwehrhelm aus Metall und wird auf dem linken Oberarm getragen. Die Freiwilligen Feuerwehren taagen unter dem Abzeichen einen Winkel aus schwarzweißen Schnüren; außerdem wurden die Abzeichen für die Chefs, die Abteilungs= und Unterführer festgesetzt und soll nunmehr für die Abzeichen die landesherrliche Genehmigung eingeholt werden. Im Laufe der weiteren Verhandlung wurde auch mitgeteilt, daß die be####ligten Ministerien für im Feuerwehrdienste erkrankte Kameraden in den staatlichen Bädern(Oeynhausen, Ems usw.) eine Anzahl ganze und halbe Freistellen geschaffen haben. Aus Feuerwehrkreisen war der Erlaß von allgemeinen Vorschriften beantragt worden, welche den feuer sicheren Schutz für Eisenkonstruktionen, Nottreppen usw. in Warenhäusern, größeren Geschäften und dergl. bezwecken. Hierzu wurde von dem Vertreter des Ministeriums mit geteilt, daß diesbezügliche Erhebungen eingeleitet seien und nach dem Ergebnis derselben entsprechende Vorschriften erlassen werden sollen. * Günnigfeld, 21. Febr. In der Meinhold'schen Wirtschaft gerieten am Sonntag Abend mehrere Gäste in Wortwechsel. Der Wirt sah sich veranlaßt, dem Störenfried die Thür zu zeigen. Auch draußen setzte sich der Skandal fort, sodaß sich die Polizei ins Mittel legen mußte, um Frieden zu stiften. Hierbei stießen sie aber auf Widerstand und Einer schlug einen Beamten mit einem Stein, worauf diese von ihren Waffen Gebrauch machen mußten. Ein schöner Denkzettel wird schon nachkommen. Gelsenkirchen, 20. Febr. Aufgegriffen wurde gestern Nachmittag ein Schneider aus Wattenscheid, welcher in Wirtschaften der Neustadt bettelte. Bei seiner Vernehmung bestritt e;, gebettelt zu haben, er hätte vielmehr nur„Reisegeld“, um mit der Straßenbahn nach Wattenscheid zurückfahren zu können, zusammen kollektiert. Da er zur Zeit arbeits= und wohnungslos, erfolgte seine Ueberführung in das Amtsgericht hierselbst. Am Samstag abends brach in dem Schaufenster eines Damenhut=Geschäfts Feuer aus. Die ausgestellten Hüte 2c. fielen dem Elemente zum Opfer, auch die große Spiegelscheibe sprang durch die Hitze. Aus Westdeutschland. Bochum, 20. Febr. Der 16jährige Lehrling Paul Brockhaus, Sohn des Gastwirts Wilh. Brockhaus von Hattingen, der bei der Firma Bürger an der Hellwegstraße in der Lehre war, fiel in der Nacht aus dem Fenster seiner Schlafstube im 3. Stock. Man fand den Schwerverletzten des morgens noch lebend auf dem Hose liegen. Nach 3 qualvollen Stunden starb er. Werne, 19. Febr. Das 3jährige Kind des Maschinenwärters H. Brüggestraß, fiel gestern Mittag in ein Becken kochendes Wasser. Der ganze Körper des Kindes ist stark verbrannt. Weitmar, 20. Febr. Seinen Tod hat der Bergmann Kaus von der Brüderstraße hier auf Zeche„Glückwinkelsburg“ erlitten. Der Aermste wurde am Samstag durch hereinbrechendes Gestein verschüttet. Hattingen, 20 Febr. Am Samstag wurde die Frau des Polirs Schulz hier von Drillingen(Mädchen) entbunden. Mutter und Kinder befinden sich wohl. Dahlhausen, 20. Febr. Gestern wurde hier ein Kind von 9 Monaten auf gräßliche Weise verbrüht. Als die Frau, welche das Kind trug, das Feuer im Herd etwas zusammenstoßen wollte, stürzte ein Topf um, und die glühende Suppe ergoß sich über den Körper des armen Würmchens, das infolgedessen tötliche Brandwunden davontrug. Dortmund, 20. Febr. In einer Sitzung des TheaterKomittees wurde bekannt gegeben, daß als Fonds zum Bau eines hiesigen Stadttheaters rund 420000 M. gezeichnet sind. # Die Gewerkenversammlung der Zeche Minister Achen„bach genehmigte den Verwaltungsbericht und die Bilanz und beschloß einstimmig eine Zubuße von 1 Million Mark. Hagen, 20. Febr. In der Volme bei Eckesey ist gestern das 5 J. alte Söhnchen des Fabrikarbeiters Jaschinsky ertrunken. Paderborn, 20. Febr.„Eu half Pund Liäwerwurst“, forderte kürzlich eine Bauersfrau in einem hiesigen Metzgerladen. Sie hatte einen schweren Korb am Arme und auf die Frage des Metzgers, was sie darin habe, antwortete sie: „Fleisch!“ wollte es aber nicht zeigen. Als der Meister nun unter das Tuch sah, bemerkte er, daß es Pferdefleisch war. Auf die weitere Frage, was sie mit einer solchen Menge mache, erwiderte sie:„Dat dau wie mang de Mettwürste." Münster, 20. Febr. Der kommandirende General v. Bülow hielt am Samstag morgen über das 13. InfantrieRegiment eine Parade auf dem Neuplatz ab. Darauf hielt er eine Ansprache an die Offiziere und Mannschaften, worin er seine Befriedigung ausdrückte. Ein„schwerer Junge", der auch hier mehrere Diebstähle verübt hat, der Schneider Joh. Hübner aus Elberfeld, wurde hier festgenommen. In seinem Besitz fand man 70 Schlüssel, ein Stemmeisen, braune Seife(für das Eindrücken von Fensterscheiben), Kerzenstümpfchen und anderes Diebsgerät. Er sitzt hinter den schwedischen Gardinen. Essen, 20. Febr. Den hiesigen Wirten hat die Polizei nachstehendes Schreiben zugehen lassen: Nach einem neuerdings ergangenen Ministerial=Erlaß soll dem Ueberhandnehmen der öffentlichen Tanzlustbarkeiten und besonders den auf dem Gebiete des Vereinslebens zutage getretenen Auswüchsen derselben auch polizeilicherseits entgegengewirkt werden. Als öffentliche Tanzlustbarkeiten in diesem Sinne werden namentlich solche Tanzvergnügen anzusehen sein, welche von den Wirten selbst oder von Vereinen veranstaltet werden, die vornehmlich zum Zwecke der Abhaltung von Tanzbelustigungen zusammentreten, und entweder jedermann oder doch unbestimmten Personen aus dem Publikum den Zutritt gegen oder ohne Entgelt gestatten. Dergleichen Tanzlustbarkeiten unterliegen der besonderen rechtzeitig vorher einzuholenden Genehmigung des Regierungs=Präsidenten. Doch ist für dieses Jahr mit Rücksicht auf die schon vorgerückte Karnevalszeit an 1 oder 2 Tagen die Erlaubnis zur Abhaltung von Tanzlustbarkeiten zu erteilen. Dahingehende Anträge sind rechtzeitig bei der Polizeibehörde zu stellen. Oberhausen, 19. Febr. Sämmtliche 14 Abiturienten des hiesigen Realprogymnasiums wurden nach einer Konferenz unter dem Provinzialschulrat wegen Unregelmäßigkeiten bei der schriftlichen Prüfung von der mündlichen Prüfung zurückgewiesen. Düsseldorf, 20. Febr. Gestern Abend wurde der 65jährige Wagenmeister Rottländer am hiesigen Hauptbahnhof gegen 11 Uhr besinnungslos neben den Geleisen im Bahnhofe aufgefunden. Der rasch hinzugezogene Bahnarzt constatirte Schädelverletzung, durch einen Fall oder Stoß herbeigeführt. Der alte pflichtreue Beamte hinterläßt Frau und 2 schon erwachsene Kinder. M.=Gladbach, 20. Febr. Der vor 3 Jahren gegründete Gladbacher Spar= und Bauverein hat bis jetzt 7 größere Häuser erbaut, in welchen 44 Familien mit 300 Kindern wohnen; ferner 2 besserc 3familienhäuser; im Laufe des Jahres sollen von letzteren noch 2 gebaut werden. Der Verein zählt 233 Mitglieder; die Baukosten sämmtlicher Häuser betragen 171304 Mark, wovon 107261 Mark als Hypotheken. Düren, 20. Febr. Bei Station Call wurde der Geschäftsreisende Matheis von einem Eisenbahnzug überfahren und getötet. Köln, 20. Febr. Das Programm zu den 3 Carnevalstagen ist nunmehr festgestellt. Darnach bringt der SamstagAbend zunächst die übliche Serenade zu Ehren des Prinzen Carneval. Sonntag Nachmittag 4 Uhr halten die beiden großen Gesellschaften in ihren Heimstätten in der Philharmonie und der Lese Fremdensitzungen ab. Früh 6 Uhr am Rosenmontage ertönt die Reveille der Funken=Tambours und=Hornisten, von 11 Uhr ab ist das von 16 Musikka pellen ausgeführte große Conzert auf dem Neumarkte, wo sich die Theilnehmer am Maskenzuge versammeln. Die Zugordnung selbst ist schon bekannt. Der Zug wird sich durch folgende Straßen bewegen: Neumarkt links, Laach, Marsilstein, Apostelnkloster, Neumarkt rechts(Casernenseite), Schildergasse, Hohestraße links, Obenmarspforten, Marsplatz, Altermarkt rund, Unter Käster, Heumarkt(30 Minuten Pause), Malzmühle, Mühlenbach, Waidmirkt, Hohepforte, Hohestraße, Wallrafsplatz, Rechtschule, Drususgasse, Breite straße, Apostelnstraße, Neumarkt(Schluß). Die Inhaber von Karten zum Neumarkt können sämtliche Zugänge benützen, ausgenommen den Zugang an der Schildergasse. Vermischtes. Bromberg, 19. Febr. Aus Labischin wird gemeldet, daß 2 Brüder Fellmuth aus Schlochau und der Briefträger Post bei dem jüngsten Schneesturm ihren Tod fanden. Tarnowitz, 40. Febr. In Trockenberg warf ein Bergarbeiter eine mit einer angezündeten Zündschnur versehene Dynamitpatrone in eine Eßschüssel, weil das Mittagessen noch nicht fertig war; es erfolgte eine heftige Explosion, durch welche Frau und Kinder des Bergmanns furchtbar zugerichtet wurden. Der Thäter wurde verhaftet. Wien 20. Febr. Gestern gelangten an ausständische Kohlengräber 50000 Kr. zur Verteilung. Telegramme der Wattenscheider Zeitung. Berlin, 21. Febr. Der Kaiser hörte im Jagdschloß Hubertusstock gestern Vormittag die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs=Marincamis, Vizeadmirals Tirpitz, und des Chefs des Admiralstabs der Marine. Vizeadmirals v. Diederichs, und heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Marinekabinets, Vizeadmirals Freiherrn v. SendenBibrau. — Der Kaiser hat den Aeltesten der Kaufmannschaft für ihre Geburtstagswünsche ein Dankschreiben zugehen lassen, das als besonders bemerkenswerth bezeichnet werden darf. Es lautet:„Die Glückwunschadresse, welche Mir die Aeltesten im Namen der Berliner Kaufmannschaft zu Meinem Geburtstage gewidmet haben, hat mich durch ihre geschmackvolle Ausführung wie ihren freundlichen Inhalt angenehm berührt. Ich habe gern die Versicherung entgegengenommen, daß Handel und Industrie, überzeugt von der Nothwendigkeit eines kräftigen Schutzes unserer übersecischen Interessen, Meinen auf die Schaffung einer starken Flotte gerichteten Bestrebungen freudig zustimmen. Indem ich den Aeltesten für den Ausdruck treuer Ergebenheit meinen herzlichen Dank ausspreche, gebe Ich dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzige erfreuliche Blüthe von Handel und Gewerbe andauern und an ihren Segnungen die Berliner Kaufmannschaft reichen Antheil nehmen möge. Wilhelm. Kiel, 21. Febr. Zu Ehren des Prinzen Heinrich fand gestern ein Festessen der Stabsoffiziere der Ostseestation im Offizier=Kasino statt, welchem Admiral Köster präsidirte. Der Prinz wohnte der Tafel und dem sich daran anschließenden geselligen Beisammensein bei. Wien, 21. Febr. Kaiser Franz Josef ist leicht erkältet und muß das Zimmer hüten. Der geplante zdausflug unterbleibt. Zu Besorgnis giebt das Befinden jnoch keinen Anlaß. London, 21. Febr. Buller telegraphiert von## owsfarm: Die Desilierbrigade nahm gestern den Langbannberg, der Colenso beherrscht. Der Feind zog alle seine Truppen nordwärts des Tugela zurück. General Hart besetzt heute Colenso nach geringem Widerstande eines schwachen Nachtrabes der Buren. Die Engländer halten das Südufer des Tugela von Colenso bis Eaglesnest besetzt. Der Feind scheint im vollen Rückzuge zu sein und nur eine Position an der Bahnlinie Colenso=Ladysmith mit schwachen Nachtrabmannschaften zu halten. Hart's Vortrab überschritt heute den Fluß bei Colenso. Ich hoffe, daß meine Verluste von gestern und heute nur gering sind. Sofia, 21. Febr. Die Gerüchte von dem bevorstehenden Abbruch der diplomatischen Beziehungen Bulgariens mit Serbien wegen angeblich starker bulgarischer Truppenconzentrationen an der serbischen Grenze werden kategorisch dementiert. Petersburg, 21. Febr. Die Großfürstin Olga, die jüngste Schwester des Zaren ist an den Pocken bedenklich erkrankt. Bulawajo, 21. Febr. Vom 12. ds. wird gemeldet: Eine 2000 Mann starke britische Streitmacht aus Rodesia griff heute ein von Buren besetztes Kopje bei Krokodilspools an. Die Stellung war jedoch zu stark. Die Engländer zogen sich mit einem Verluste von 2 Offizieren und 19 Mann zurück, 1 Offizier und 9 Mann werden vermißt. Cradock, 21. Febr. Hier gingen Einzelheiten über die Wegnahme von Wagen am Riedflusse ein. Die Wagen waren an einer Drift zu einem Lager geordnet, als sie von 1800 Buren mit 4 Geschützen angegriffen wurden. Das Schießen dauerte den ganzen Tag. 180 Wagen mit Lebensmitteln für Menschen und Vieh wurden von den Buren erbeutet. Die Hälfte der Treiber und Führer wurden getötet oder vermißt. Peking, 20. Febr. Nach einer Reuter=Meldung empfing der Kaiser gestern das diplomatische Corps. Er soll schlecht und angegriffen ausgesehen haben. Die Kaiserin war bei dem Empfang nicht zugegen. Linde's Radenz wird in Tassen, Gläsern und anderen Gefässen verkauft, die in jedem Haushalt praktische Verwendung fl dm können. 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Dioses statt beso derer Anzeige. Todes-Anzeige. In Ausübung seines Berufes verunglückte am Sonntag, d. 18. Febr. cr. unser Mitglied Sonl. Stall. Derselbe war uns stets ein treuer College u. werden wir sein Andenken in Ehren halten. Wattenscheid, 20. Febr. 1900. Der Vorstand des Dilettanten-Vereins„Frohsinn“. NB. Zur Beerdigung treten die Mitglieder am Freitag, 23 Febr. cr., morgens 8,45 Uhr im Vereinslokale Johannishalle an Einladung. Die Herren Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung werden hierdurch zu einer Sitzung auf 25. Sehan 3öi, Aetzallge 3 15. im Rathhaussaale ergebenst eingeladen. Wattenscheid, den 20. Februar 1900. Der Bürgermeister: Wibberding. Tages=Ordnung: 1. Vorlage und Festsetzung des Stadthaushaltsplanes für 1900 und Erstattung des Verwaltungsberichts. 2. Beschlußfassung über die Einführung einer Gemeinde=Grundsteuer. 3. Antrag eines Consumenten auf Gaspreisermäßigung. 4. Pflegekosten=Vergütung an die hiesigen Kranken=Anstalten betreffend. 5. Verschiedene Mittheilungen. Hiernach Sitzung unter ausschluß der Oefsentlichkeit. der Bürgermeisterei Kupferaren verzinst Einlagen in jeder Höhe mit 4 Prozent. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, Dienstag morgen um 6 Uhr unsern lieben Sohn, Bruder, Schwager und Vetter, den Bergmann Paul Kurowski im Alter von 18½ Jahren nach längerem mit grosser Geduld ertragenem Krankenlager, gestärkt durch die hl. Sterbe-Sakramente unserer röm.-kath. Kirche zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Wattenscheid, 21. 2, 1900. Die trarernden Hinterbliebenen Die Beerdigung dindet Freitag moggen 8 Uhr vom Sterbehause, Schulstrasse Nr. 6, aus statt; die feierlichen Excquien darnach in der Pfarrkirche zu Waltensche d. Allen, de aus Versehen keine Einl-dung erba ten, dieno dieses als solche. Bekanntmachung. Zum 1. April cr. wird für die hie sige Verwaltung ein Schreiber= lehering gesucht Selbstgeschriebene Meldungen mit Darstellung des Lebenslaufes sind bis zum 10. März cr. an den Unterzeichneten zu richten. Ueckendorf, den 19. Febr. 1900. Amtmann von Wedelstaedt. Zwangs-Verkauf. Donnerstag, den 22. F.br. 1900, Nachmittags 3 Uhr, werde ich in Günnigfeld bei Wirth Zimmermann 1 Glasschrank, 1 Comode, 1 Nachtkonsole, 1 Nähmaschine, 1 Sopha, 1 Tisch, 1 Spiegel mit Console, 1 Mantelofen, 1 Vertikow öffentlich meistbietend gegen Baar versteigern. Griessmann, Gerichtsvollzieher, Wattenscheid. Feinster VarinasTabak in Rollen a Pfund 8 Mark, bei Abnahme von 5 Pfund per Pfd. 2,85 Mk empfiehlt AdolfMarten. 9 je 1 Postkolli portofrei gegen Nachn. 10 Pfd. garant. naturreine Kuhbutter Mr. 6,10; 10 Pfd. garant. naturreinen Bienenhonig Mk. 5, halb Butter, halb Honig Mk. 5,50. D. Goldstein, Exporthaus, Buczacz Nr. 15. * 4e zu haben in der Bäckerei von Carl Ascherfeld, Bochumerstr. 50. 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Eine Zusage für bevorzugte Stellung und für bestimmte Tage kann nicht gegeben werden. Schriftleitung, Druck und Verlag von Carl Busch in Wattenscheid. Vermischtes. Berlin, 20. Febr. Zur Affäre Sternberg, der wegen mehrfacher Sittlichkeitsverbrechen in Untersuchungshaft sitzt, wird gemeldet: Der Bankier Sternberg hat, trotzdem er neuerdings eine Kaution von 5 Millionen Mark anbot, seine Haftentlassung nicht erwirken können. In 5 Fällen ist die Voruntersuchung geschlossen, aber es gehen immer neue Anschuldigungen bei den Behörden ein, die der Strafsache eine umer größere Ausdehnung geben. Neuerdings hat die Lolizei einen Brief ermittelt und zu den Akten gegeben, den die von Sternberg nach Newyork abgeschobene Frau Fischer an ihre hier lebende Schwester gerichtet hat. Dieser Brief erscheint nach mehreren Richtungen hin bemerkenswerth. Einmal werden darin die belastenden Angaben des 12jährigen Mädchens bestätigt, und dann stellt die Fischer ihre Rückkehr in Aussicht. Ferner sucht die Fischer, ihre eigene Sache, die Beihilfe zu den Sternbergschen Machenschaften in ein für sie günstiges Licht zu rücken, indem sie angiebt, daß sie selbst getäuscht worden sei, da sie von Stergbergs verbrecherischen Absichten nichts gewußt habe. Der Blief wurde zu den Akten genommen. Bremen, 20. Febr. Man hegt um das Schicksal des Schiffes„Jeanette“, Kapt. Wallenstein, große Besorgniß. dreimastschooner war auf der Reise von Liverpool Dieser Dreimastschooner war auf der Reise nach Gibraltar mit einer Ladung Kohlen. fehlt jede Nachricht. „ Seit 2 Monat Nakel, 19. Feb. In der Wohnung des Arbeiters Borzyk in der Chobilin=Mühle brach Abends Feuer aus. Die Eheleute hatten ihre 4 Kinder eingeschlossen zurückgelassen und sich nach Wymyslowo begeben. Plötzlich sahen die Nachbarn Flammen aus der Wohnung des W. schlagen und hörten gleichzeitig das älteste Kind rufen, man solle die Thür einschlagen, denn es brenne! Nachdem hierauf sofort die Thür gewaltsam geöffnet worden war, wollten 3 Männer in die Stube dringen, um die dort weilenden Kinder im Alter von 7 bis 1 J. zu retten, doch mußten sie ihr Vorhaben infolge des Qualms aufgeben. Da, im höchsten Moment der Gefahr, stürzte sich die Ehefrau des Arbeiters Obremki beherzt in das brennende Zimmer und holte nacheinander die besinnungslos auf dem Fußboden liegenden 4 Kinder heraus. Als Frau O. mit dem letzten Kinde das Freie erreicht hatte, brach sie ohnmächtig zusammen. 3 Kinder sind bereits wieder genesen, während das 4. noch krank darniederliegt; doch soll keine Gefahr für sein Leben vorliegen. Ofen=Pest, 19. Febr. Der rumänische Bauer Negro ebte giucklich und zufrieden mit seinem jungen Weibchen n Natas, bis ihm dieses eines schönen Morgens mit dem Nachbar davonlicf. Negro ließ sich deshalb von der Unjetreuen scheiden und heiratete zum 2. Male. Aber auch sie 2. Frau blieb ihm nicht treu und eines Tages verschwand luch sie. Negro verließ hierauf das Dorf und zog ins Hebirge, wo er eine Art von Höhle bewohnte. Er kam on Zeit zu Zeit ins Dorf hinab, doch in den letzten Lochen ließ er sich nicht mehr blicken. Schließlich fand dies auffällig und die Dorfbewohner gingen auf die nach dem sonderbaren Anachoreten. Man fand die sle, die er bewohnte, vermauert und nach Abräumung es Mauerwerks die Leiche Negros. Er hatte sich selbst ngemauert und war des Hungertodes gestorben. Antwerpen, 19. Febr. In einem Gasthofe der Avenue Kayser erschoß sich ein Reisender, der sich in das Fremdenbuch unter dem Namen Ernst Müller aus Krefeld eingetragen hatte. 44=6 — Graf Gebhard v. Blücher, der nach langen Irrfahrten in Amerika, wo er Soldat, Kellner, Nachtwächter u. s. w. war, endlich in der Soldatenheimat in Washington eine Zufluchtsstätte gefunden hatte, ist seit Oktober v. J. spurlos verschwunden. Seine Frau, die in New=York als Krankenwärterin ihren Lebensunterhalt erwirbt, erhielt vor einiger Zeit die Nachricht, daß ihr Mann ein großes Vermögen in Deutschland geerbt hat, und sie bringt damit das Verschwinden desselben in Verbindung. Bisher hat sie vergebens nach dem Aufenthalte des Grafen geforscht und auch von der deutschen Botschaft in Washington erhielt sie die Nachricht, daß man keine Spur von dem Verschwundenen entdeckt habe. (Ein Zwischenfall im Circus.) Eine überaus aufregende Scene spielte sich kürzlich abends im Circus Henry in Wien ab. Als Miß Helliot, von rauschender Musik und dem Applaus des Publikums begrüßt, in den großen Manegekäfig eingetreten war und die 8 Löwen zu sich eingelassen hatte, commandierte sie ihnen lächelnd, daß sie die für sie bestimmten Plätze einnehmen sollen. Statt zu gehorchen, wurden die Löwen von Augenblick zu Augenblick .widerspenstiger, fauchten die Dresseurin an und verbissen sich ineinander. 10 Minuten lang gab sich Miß Helliot mit bewunderungswürdiger Energie und Furchtlosigkeit Mühe, die Bestien zum Gehorchen zu bringen. Aber alles war vergebens. Angstlos unter den ergrimmten Leuen stehend, richtete Miß Helliot an das Publikum die Frage, ob es auf Fortsetzung der Produkton bestehe. Das Publikum verneinte, worauf Miß Helliot die Löwen in ihre Käfige zurücktrieb und unter Beifall des Hauses die Manege verließ. Aug —(Die Betrügereien eines Notars.) Seit einigen Tagen ist der vor allem in den Kreisen der römischen Lebewelt bekannte Notar Angelo Bacchetti, Exleutnant der palatinischen Pontificalgarde, verschwunden. Als seine Clienten den Nachlaß durchsuchen ließen, fand man, daß 700000 Lire ihm anvertrauter Gelder verschwunden waren. Der etwa 50jährige Notar hatte nicht zum ersten Male mit den Behörden zu thun. Es war bekannt, daß er bereits im vorigen Jahre wegen Unterschlagung von 16000 Lire Mündelgelder verhaftet werden sollte, aber Bacchetti fand Mittel, sich aus dieser Klemme zu befreien. Vor kurzem aber erfolgte eine Anklage wegen des Verbleibs von 95000 Lire, welche er für die Kinder einer in das Irrenhaus gebrachten Courtisane zu verwalten hatte. Inzwischen verschwand aber der Notar. Bacchetti pflegte das Geld mit vollen Händen auszugeben. Seine Geliebte, Elvira Nardoni, erhielt von ihm monatlich 1000 Lire Nadelgeld. Als er aber in den letzten Monaten in Verlegenheit war, entlockte er ihr wieder, indem er mit Selbstmord drohte, über 16000 Lire und veranlaßte die Demimondaine, auch ihre in ganz Rom bewunderten Brillanten zu versetzen, um ihn vor dem Ruin zu retten. Unbegreiflich bleibt, wie so viele Geschäftsleute, welche seine Verhältnisse kennen mußten, sich ihm noch anvertraut hatten. — Die Heiratsaussichten der Mädchen in verschiedenen Lebensaltern hat neuerlich ein Pariser Statistiker festgestellt. Die allgemeine Annahme, daß ein Mädchen im Alter von 15—20 J. dem Manne am reizendsten erscheint, wird von diesem Statistiker über den Haufen geworfen; aus seinen Ziffern ergiebt sich vielmehr, daß von 100 Bräuten nur Telephon Nr. 181 13 in diesem Alter an den Traualtar gelangen, kaum viel als in dem Alter von 30—35 J. Die meisten Mädchen schreiten im Alter von 20—25 J. zum Traualtar, nämlich 36 aus jedem Hundert. Bemerkenswert ist, daß das nicht nur auf Frankreich zutrifft, sondern auf fast jedes andere civilisierte Land, daß das Heiraten fast durchweg in gereiftem Alter geschieht. Von 20—25 J. sind, wie gesagt, die Aussichten am günstigsten; je weiter das Mädchen das 25. J. hinter sich läßt, desto geringer werden sie. Bis zu 30 läuten immerdar noch 22 von 100 Zukünftigen die Hochzeitsglocken. Dann aber geht es schnell abwärts. Von 30—35 heiraten nur 12 von 100; von 35—40 6 von 100; von 40—45 5 von 100. Im Alter von 45—50 J. wird von 40„späten Mädchen“ nur eine glückliche Braut und Frau. Daß es auch für 60jährige Jungfrauen noch einen Liebesfrühling giebt, beweist die Thatsache, daß in dem patriarchalischen Alter von 60—65 J. eine von 365: Jungfrauen unter die Haube kommt. Die größten Concourrentinnen der Jungfrauen sind die Wittwen. Auf fast jeder Altersstufe verheiraten sie sich bei gleicher Zahl„sicher und flotter" als die jungen Mädchen. Von je 1000 Heiraten werden 858 zwischen Personen geschlossen, die nie vorher verheiratet waren, 66 zwischen Witwen und Jungfrauen, 35 zwischen Junggesellen und Witwen und 41 zwischen Witwern und Witwen. Hieraus ergiebt sich, daß Fräulein, die schon das 20. Lebensjahr überschritten haben, nicht zu verzagen brauchen, daß diese vielmehr dann noch bis zu ihrem 26. J. die besten Heiratsaussichten haben, bis zum vollendeten 30. J. noch bessere Aussichten als die Mädchen zwischen 15 und 20 J., und selbst bis zum 36. fast noch ebenso gute wie die„Backfische". Wie weit der franz. Statistiker bei dieser Berechnung das Fallen und Steigen der Mitgift in Betracht gezogen hat, wird aich gsogt. —(Naive Kritik.) 2 Bauern sehen in einem Gasthause in der Stadt 2 Herren in Hemdsärmeln Billardspielen. „Siehst', Sepp“, sagte der Hansl,„nicht mal a Rock haben s’ am Leib an, aber Billard spielen müssen's diese Stadtherren!“ —(Ehrlich.) Banquier:„.. Alles wäre mir recht, nur nicht, daß Du so enorme Schulden hast!“— Schwieger= sohn:„Aber Papa, deine Mittel erlauben mirs ja!“ —(Begreiflich.)„Nun, Klärchen, hast Du was von dem furchtbaren Erdbeben gespürt?“—„Nein! Ich probirte gerade das neue Kleid, das mir die Schneiderin gemacht hat!“ Sebehen u. Welmmlchilen u. werden zu Fabrikpreisen (M. 1.20—M. 2.20 das Pfund) direkt an Private frisch von der Fabrik Kakao=Compagnie Theodor Reichardt, Wandsbek=Hamburg, geliefert. Rusien un Hen grchen Sichier. Auf Bahnsendungen Kabatt Kostproben und Preislisten umsonst und Keine nassen Füsse mehr. Schmiere dein Schuhzeug mit dann wird es weich, wasserund dauerhoft. Ueberall zu haben in Dosen a 10, 20 und 40 Pfg. Gebr. Meyer, K M K Chsere Jolzigen-Kachämfne-Preise-Naben K noch die zum Le. Vösraur- Gumigken. Wienscheie. 9 Grösstes und billigstes Waarenhaus. „Menkel’s seit 25 Jahren bewährt als bestes und billigstes Wasch= und Henkel u. Co. Düsseldorf. Sr BVMer& Sich 3e5CI! A, Oststl Bilte unserer heutigen beiliegenden Offerte ganz besondere Aufmerksamkeit zuwenden zu wollen und angeführte Qualitäten nicht mit den marktschreierischen Qualitäten zu vergleichen, da für Solidität weitgehendste Garantie übernehmen. Für die Geschäftswelt Die neuen Fracktbriefe „liefert schnell und billig Carl Busch. 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Schwere Kämpfe. Roman von Arthur Lauterburg. 18 Dennoch war das hübsche und alle Zeit fröhliche Kind mit seinen srischen, roten Backen und seinen so vergnügt in die Welt schanenden lachenden Augen der Liebling von allen, die es kannten. Nach der Schule kam die Arbeit und mit ihr ein ruhigeres und gesetzteres Benehmen, wie es der Ernst des Erwerbslebens unn einmal mit sich bringt. Doch die tägliche, sich immer gleich bleibende Arbeit der Fabrik konnte dem regen, aufgeweckten Geist Agues' und ihrem lebhaften Interesse für alles Schöne und Gute auf die Dauer nicht genügen. Darum sah sie denn auch mit der Entlassung aus der Schule ihre Lernzeit durchaus nicht für abgeschlossen an, sondern bemühte sich vielmehr, die geringen Kenntnisse, die sie auf der Volksschule erworben hatte, durch die Lektüre guter und lehrreicher Bücher zu vermehren. Wenn sie ihr Tagewerk vollendet hatte, verbrachte sie besonders im Winter fast jeden Abend damit, sich in die von der Volksbibliothek entliehenen Bücher zu vertiesen. Je mehr sie las, desto größere Freude hatte sie am Lesen, und je mehr sie lernte, desto größer wurde ihre Begierde, den Kreis ihres beschränkten Wissens noch immer weiter auszudehnen. Nach und nach zeigten sich den auch die guten Früchte ihres eifrigen Strebens. Ihre geistigen Fähigkeiten wurden immer mehr angeregt und geschärft, ihr Begriffsvermögen erweitert und vertieft und ihre Anschanungen geklärt und geläutert, so daß sie schließlich die Welt und die Menschen mit allen ihren Idealen und mit allen ihren Lasten und Fehlern soweit kannte, wie man sie überhaupt aus Büchern kennen ternen kann. Das stille, friedliche Glück, das so lange das Leben der Familie Keil erfüllt hatte, erfuhr vor munmehr drei Jahren am Weihnachtsheiligenabend ein jähes und schreckliches Ende. Das Bergwerk, in dem Robert Keil arbeitete, wurde durch schlagende Wetter zerstört und er selbst besand sich unter den Opfern der Kalastrophe. Als die Christglocken von allen Türmen das hohe Fest der Freude und Liebe einläuteten und tausend und aberrausend glückliche Menschen unter dem brennenden Weihnachtsbaum versammelt waren, wurde Robert Keil seiner nichts ahnenden Familie als ein toter Mann ins Haus getragen. Nach diesem furchtbaren Ereignisse folgten schwere Tage für die beiden armen Frauen; während sie bisher in auskömmlichen Verhältnissen gelebt hatten, mußten sie sich jetzt sehr einschränken, um die geringen Bedürfnisse ihrer bescheidenen Haushaltung befriedigen zu können. Trotz angestrengter Arbeit würde es ihnen aber vielleicht doch nicht möglich gewesen sein, in den gemütlichen Räumen des ihnen so lieb gewordenen kleinen Häuschens zu verbleiben, wenn nicht der Verstorbene, der stets ein sehr ordentlicher und fleißiger Mann gewesen war, ein hübsches Sümmchen erspart hätte, das ihnen jetzt über die Schwierigkeiten der ersten Zeit hinweg half. Meta Keil war noch immer eine hübsche Frau, über welche die Stürme eines sorgenvollen Lebens fast spurlos hinweggegangen waren; darum hätte sie sich wohl noch zum zweitenmal verheiraten können, wenn sie es gewollt hätte. An Bewerbern fehlte es nicht. Erst vor wenigen Wochen war ein alter Verehrer von ihr gekommen, um sie um ihre Hand zu bitten, doch sie gedachte des Verstorbenen, schültelte traurig ihr Haupt und sagte„nein.“ Es war jetzt gerade vier Wochen her, daß die große Feuersbrunst, durch welche ein Teil von Rudolf Erlachs Fabrik zerstört war, alle Gemüter in Aufregung versetzt hatte, und bis zu diesem Tage bildete jenes Ereignis noch fast das alleinige Gesprächsthema aller Einwohner von Neuburg. Agnes Löhner stand vor dem Spiegel, um die reiche Fülle ihres schönen Haares zu arrangieren, während ihre Pflegemutter neben ihr saß und mit sichtlicher Liebe und Freude alle Bewegungen des hübschen, graziösen Mädchens bevbachtete.„Wie hübsch Du bist, Aques!“ sagte sie endlich, während ein glückliches Lächeln ihr Gesicht umspielte.„Wahrhaftig, Du bist ein bildhübsches Mädel und in Deinem schönen Sonntagsstaat siehst Du wirklich wie eine feine, vornehme Dame aus. Seit Du erwachsen bist,“ fuhr sie nach einer kurzen Pause fort,„kann ich Dich nie mehr ansehen, ohne an Deine arme Mutter zu denken, die ich in jener schrecklichen Nacht erfroren im Schnee fand.“ „Sehe ich meiner Mutter ähnlich?“ fragte Agues, indem sie sich umwandte und ihrer Pflegemutter voll ins Gesicht sah. „Ja, Du hast dieselben schönen Züge wie sie, nur daß Du frisch und glücklich aussiehst, während ihr Gesicht von Kummer und Sorgen gefurcht und entstellt war. Ich möchte wohl wissen, wer sie war," sagte sie nachdenklich. Ihre Worte versetzten Agnes in eine traurige, melancholische Stimmung, die sie vergeblich niederzukämpfen bemüht war.„Ich fürchte, wir werden niemals etwas über meine Mutter erfahren,“ sagte sie mit verschleierter Stimme,„und doch sehne ich mich so danach, alles von ihr zu wissen.“ Sie senkte das Haupt und blickte betrübt zur Erde; wie sie so inmitten des Zimmers dastand und der Schein der über ihre Kopfe häugenden Lampe ihr Gesicht erhellte und das lustig flackernde Herdfeuer ihre schlanke Figur beleuchtete, da bot sie in der That ein Bild vollkommenster Schönheit und echtester Weiblichkeit dar. Sie trug ein einfaches, aber geschickt gefertigtes graues Tuchkleid, das sich ihrer schlanken Figur eng auschmiegte und die Schönheit derselben dadurch um so vorteilhafter zur Geltung brachte. Darüber hatte sie ein langes Winterjacket gezogen, welches ebenso wie der kokette, kleine Hut reich mit Pelz besetzt war. „Ich muß jetzt gehen,“ sagte Agues nach einer langen Pause, „denn sonst komme ich zu spät; wir sind zu 6 Uhr eingeladen.“ „Du kommst nicht zu spät wieder nach Hause, Kind?" fragte Meta, nachdem sie sich erhoben und ihre Pflegetochter innig auf die Stirn geküßt hatte. „O nein, Clara Brann und ich gehen zusammen und wir werden frühzeitig wieder zu Hause sein.“ Nachdem sie noch einen letzten flüchtigen Blick in den Spiegel geworfen und das Hütchen nochmals zurecht gerückt hatte, trat sie hinaus auf die Straße, um ihren Weg nach dem„Weißen Elefanten“ zu nehmen.“ Als sie eben die Mittelstraße erreicht hatte, klopfte ihr plöplich jemand familiär auf die Schulter, und wie sie sich umschaute, erkannte sie zu ihrem nicht geringen Erstannen Herrn Bruno Arlt, von dem wir bereits gehört haben, daß er als Volontär in der Erlachschen Fabrik beschäftigt war. Arlt war ein ziemlich großer, überaus schlanker, junger Mann von kaum dreiundzwanzig Jahren mit semmelblondem Haar und einem spärlichen, dünnen Schnurrbärtchen, das so blond war, daß man es füglich mit weiß bezeichnen konnte. Er war nicht gerade häßlich zu nennen, doch machte sein schmiales, blasses Gesicht mit den stechenden, kleinen Augen keinen günstigen Eindruck, und man brauchte nicht gerade ein geübter Menschenkenner zu sein, um aus seinen Zügen Falschheit, Verschlagenheit und Grausamkeit herauszulesen. Wir werden Gelegenheit haben, im Laufe unserer Geschichte zu sehen, in wie weit sein Charakter seiner Physiognomie entsprach. 74,20