Nr. 293.(1. Blatt). Donnerstag, den 21. Dezember 1899. 31. Jahrgang. Organ für Stadt&a. Amt täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet vierteljährlich inel. Botenlohn 2 Ukk., in der Geschäftsstelle 1.75 Mk. vorauszahlbar.(Im Postgebiet 2 Mlk.) Wallenscheid&a Amt Reckendorf Anzeigen werden die Petitzeile oder deren Raum mit 15 Pfg., für Auswärts mit 18 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile berechnet. Eine Zusage für bevorzu##e Stellung kann nicht gegeben werden, billige Wünsche werden gern erfüllt. S Schriftleitung, Druck und Verlag von Carl Busch in Wattenscheid. Der kommende starke Mann. In der vorwöchigen Etatsdebatte hat ein großer Unbekannter, der sogenannte„starke Mann“— abwechselungsweise auch der„große Mann“ oder der„Mann mit starken Nerven“. genannt— eine große Rolle gespielt. Es verlohnt sich, ihn nachträglich etwas genauer anzusehen. Am 3. Tage der Etatsdebatte führte Staatssekretär Graf Posadowsky, indem er besonders auf Aeußerungen des Grafen Limburg=Stirum und des Abgeordneten v. Kardorff entgegnete, wörtlich Folgendes aus: „Die Aeußerungen, die während der Generaldebatte gegen die verbündeten Regierungen gefallen sind, rufen in mein Gedächtnis lebhaft einen Artikel zurück, den ich vor einiger Zeit in einem politischen Journal gefunden habe. Dort wurde ausgeführt: wir müssen einen starken Mann haben! — der fehlt uns, und dieser starke Mann hat die Aufgabe, die Sozialdemokratie an der Gurgel zu fassen und zu erwürgen. Das war ungefähr der kurze Sinn dieses längeren Aufsatzes. Wenn ein solcher starker Mann in Deutschland existierte, so wünschte ich, daß er in diesem hohen Hause recht bald zum Vorschein käme(große Heiterkeit), oder was mir noch erwünschter erschiene, daß er hier an diesem Platze gütigst sich einfinden wollte. Dieser starke Mann würde nämlich sehr bald die Erfahrung machen, daß man eine Partei, wenn sie einer Regierung auch noch so unsympathisch ist, in einem Rechtsstaate nur behandeln kann auf Grund der bestestehenden Gesetze(Sehr richtig!), und daß man Gesetze in einem konstitutionellen Staate nur machen kann mit der Volksvertretung(Sehr richtig!), und ob es diesem starken Manne gelingen wird, bei der gegenwärtigen Stimmung des hohen Hauses Gesetze zu Stande zu bringen, auf Grund deren er die Sozialdemokratie an die Gurgel fassen und erwürgen kann, das ist mir sehr zweifelhaft.(Sehr richtig!) Meine Herren, ich würde auf solche Preßäußerungen, die ich für recht unverantwortlich halte, hier im hohen Hause nicht zurückkommen; wenn sie nicht geeignet wären, in weiten Kreisen Wahnvorstellungen von der Macht der Regierung und von staatsrechtlichen Möglichkeiten zu erwecken, die meines Erachtens äußerst bedenklich und verhängnisvoll wirken können.(Sehr gut! in der Mitte und links.) Wer sich vollständig bewußt ist der ungeheuren Verantwortlichkeit, die eine Regierung trägt bei unserem komplizirten wirtschaftlichen und politischen Leben gegenüber einer Volksvertretung, die so viele Parteien und so viele politischen Richtungen aufzuweisen hat, der sollte nicht dazu beitragen, Phantasien auszumalen, die meines Erachtens in dieser Form nie realisirbar sind, es mögen die Männer sein und heißen, wie sie wollen, die einmal an diesem Platze stehen werden.“ Es sei daran erinnert, daß, ehe Graf Posadowsky zu dieser Darlegung das Wort nahm, Herr v. Kardorff sein Urteil über die jetzige Regierung dahin zusammengefaßt hatte: Die „gegenwärtige Politik nach dem Grafen Caprivi“ sei eine Politik des Zickzackkurses, nur eins sei in der Politik der verbündeten Regierungen zu erkennen, nämlich„abwechselnde Bücklinge vor der Sozialdemokratie und dem Großkapital"; in der inneren Politik fehle das Verständnis für die Aufgaben, die Preußen besonders in den östlichen Provinzen zu erfüllen habe;„mangelhafte Kenntnisse der grundlegenden Verhältnisse“ mache den Ministern die Behandlung dieser Landesteile schwierig. Die Antwort hierauf erteilte Tags darauf im Auftrage der konservativen Reichstagsfraktion der Abg. v. Kröcher, der noch in letzter Stunde, bevor der Reichstag in die Ferien ging, den Staatssekretär des Reichsamts des Innern in das Mißtrauensvotum einbezog, das 2 Tage vorher Graf LimburgStirum dem Reichskanzler ausgestellt hatte. Der erste Teil der Rede des Abg. v. Kröcher war der Absage an den Grafen Posadowsky gewidmet; im zweiten Teil beschäftigte er sich mit dem„starken Mann“, indem er ausführte: „Der Herr Staatssekretär hat übersehen, daß der starke Mann nicht kommen und sich an den Platz des Herrn Staatssekretärs des Innern setzen kann(Heiterkeit), sondern daß er dazu berufen werden muß. Glaubt denn der Herr Staatssekretär und glauben Sie, m. H., daß die Moltke, die Bismarck, die Roon ihre Stärke hätten erweisen können, wenn sie nicht in den Generalstab und in das Ministerium berufen wären, und wenn ihnen nicht Bewegungsfreiheit gelassen wäre, ihre Kräfte zu zeigen? M. H., darauf kommt es doch recht wesentlich an, und ich glaube, daß wir auch heute noch solche starken Männer haben.—(Zuruf bei den Sozialdemokraten. — Glocke des Präsidenten)... Das hatte ich wirklich nicht erwartet, daß Sie diese so billige Bemerkung(der Abg. Bebel hatte Herrn v. Kröchers Namen gerufen) machen würden. (Heiterkeit). M. H., solche starken Männer haben wir und haben sie vielleicht sogar in der Regierung. Denn meines Erachtens kommt es nicht so sehr darauf an, daß man die Intelligenz eines Bismarck hat, daß man ein großer Mann ist, um gegen die Sozialdemokratie zu kämpfen. Wenn man nur die Bildung und die nötigen Kenntnisse zum Minister hat, dann kommt es im Wesentlichen darauf an, daß man den Willen hat, zu kämpfen,— und dies ist allerdings die Hauptsache— die Nerven. M. H., der Fürst Bismarck hat mal in schwerer Zeit zu seinem König gesagt:„Unter Umständen kann ich mir keinen ehrenvolleren Tod denken als den Tod auf dem Schafott.“ Aus diesem Diktum des Fürsten Bismarck ziehe ich den Schluß, daß in ernsten Zeiten— und das unsere Zeiten ernste sind, werden Sie mir alle zugeben— es für Regierungen darauf ankommt, Nerven bis zum äußersten zu haben.(Lebhaftes Bravo! rechts.)“ In diesem Abschnitt der Kröcherschen Rede liegt nicht mehr und nicht weniger als die Aufforderung an die Krone, einen „starken Mann“, einen„Mann mit Nerven bis zum Aeußersten“. zum leitenden Staatsmann zu ernennen, damit er als solcher, mit der nötigen„Bewegungsfreiheit" ausgerüstet, die Sozialdemokratie mit Gewalt vernichte oder ausrotte. Herr v. Kröcher versichert gleichzeitig, daß„wir solche Männer haben“; es kommt nur darauf an, daß ein solcher starker Mann, der den Willen, die Nerven, die nötige Bewegungsfreiheit und eine gewisse Durchschnittsbildung besitzt— auf Intelligenz kommt es weniger an—, auf den Reichskanzlerposten berufen wird. Wenn er nur erst berufen ist, dann wird sich das Uebrige schon von selbst finden. Deutschland. Berlin, 20. Dez. Der Kaiser hörte heute Vormittag im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Civilkabinetts v. Lucanus, des Ministers des Innern und des Polizeipräsidenten von Berlin. — Die Staatsministerialsitzung, die am Montag stattfand, dauerte beinahe 6 Stunden. Heute Nachmittag trat das Staatsministerium unter dem Vorsitze des Fürsten Hohenlohe wieder zu einer Sitzung zusammen. In einem Artikel, überschrieben„Fürst zu Hohenlohe und die konservative Partei“ tritt die Nordd. Allg. Zig. den von konservativer Seite gegen den Reichskanzler gerichteten Angriffen entgegen. Das Blatt schließt: Bei allem, was Hohenlohe thut und unterläßt, ist er der Thatsache eingedenk, daß nach menschlichem Ermessen seine Laufbahn sich dem Ende nähert. Er glaubt, die ihm verliehenen Fähigkeiten nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohle des deutschen Vaterlandes und Preußens angewandt zu haben. Er fürchtet auch nicht, daß sein im Laufe eines langen und arbeitsreichen Lebens erworbener staatsmännischer Ruf durch die Gegnerschaft einzelner politischer Gruppen geschädigt werden könnte. — Vizeadmiral Diederichs ist zum Chef des Admiralstabes der Marine und Vizeadmiral Bendemann zum Chef des Kreuzergeschwaders ernannt worden. Vizeadmiral Prinz Heinrich ist von seiner Stellung als Chef des Kreuzergeschwaders mit dem Zeitpunkte seiner Ausschiffung in Singapore enthoben. — Die Berl. Corr. schreibt: Durch die Presse ging die Nachricht von einer Beteiligung deutscher Offiziere an dem südafrikanischen Kriege auf Seiten der Burenstaaten. Demgegenüber kann auf das Bestimmteste versichert werden, daß kein preußischer Offizier die Erlaubnis nach den Burenstaaten zu gehen oder Urlaub dorthin erhielt. — Der hiesige Verein der deutschen Kaufleute hat den Bundesrat gebeten, dem Beschluß des Reichstages betr. den einheitlichen 9 Uhr=Ladenschluß seine Zustimmung zu erteilen. — Um den Deutschen im Auslande die Erhaltung ihrer Reichsangehörigkeit zu erleichtern, ist bekanntlich in letzter Zeit mehreren deutschen Schulen im Auslande die Berechtigung zur Ausstellung des Zeugnisses für den 1jährigen Dienst und deutschen Aerzten die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen über die etwaige Untauglichkeit militärpflichtiger Deutscher erteilt worden. Hamburg, 20. Dez. In einem Blumenladen in der Peterstraße brach heute früh Feuer aus, welches das ganze Haus ergriff. Die Feuerwehr fand bei ihrem Vordringen in das Dachgeschoß in der Wohnung des Schneiders Wipke die Ehefrau Wipke, deren Mutter und 2 kleine Töchter des Wipke'schen Ehepaares als Leiche vor, wahrscheinlich sind dieselben erstickt. Die übrigen Bewohner des Hauses, die ehnfalls in größter Lebensgefahr schwebten, wurden durch die Feuerwehr gerettet. Das Feuer wurde bald gelöscht. Kiel, 20. Dez. Der Kaiser ordnete die Umtakelung der Seekadetten= und Schiffsjungenschulschiffe„Charlotte",„Stosch“, „Stein“,„Molktke“ und„Gneisenau“ mit der Volksschiffstakelage der modernen Handelsschiffe an. M.=Gladbach, 20. Dez. Es droht in der Textilbrauche zu ernsten Zerwürfnissen zwischen Fabrikanten und Arbeitern zu kommen und zwar infolge von Forderungen, welche seitens der Arbeiter gestellt werden. Dieselben beanspruchen die Einführung des 10stündigen Arbeitstages, Lohnerhöhung und zum Teil auch die Freigabe der nicht gesetzlichen, katholischen Feiertage. Kündigungen des Arbeitsverhältnisses haben von Seiten der Arbeiter bereits stattgefunden. Oldenburg, 30. Dez. Der Kaiser hat an den ErbSeechen Nr. 160. großherzog von Oldenburg folgendes Telegramm gerichtet: „Indem Ich dir für die Meldung von der finanziellen Basierung des Deutschen Schulschiffvereins danke, freue Ich Mich mit Dir, daß die Konstituierung des patriotischen Unternehmens nunmehr in sicherer Aussicht ist, und begleite seine Weiterentwickelung mit den anteilvollsten Wünschen. Ausland. Wien, 20. Dez. Als Erzebnis des Kronrates ist die Demission des Kabinetts Clary zu verzeichnen, wenn auch ein formelles Demissionsgesuch noch nicht unterbreitet worden ist. An der Spitze der neuen Regierung tritt der Eisenbahnminister Witteck, wilchem von den Mitgliedern des Kabinetts Graf Welsersheimb, Uibral und Chlendowski folgen. Ciary, Körber, Kniazioluckt und Hertel ziehen sich zurück. — Der Gemeinderat beriet das Gemeindebudget für 1900. Die Generaldebatte dauerte von 5—11 Uhr abends, worauf der Eintritt in die Spez'aldebatte beschlossen wurde. Als während der Spezialdebatte der Vorsitzende Strohbach erklärte, die erste Gruppe des Voranschlages müsse noch in der heutigen Sitzung erledigt werden, wogegen die Opposition lebhaften Einspruch erhob, kam es zu erregten Szenen zwischen der Minorität und der Majorität und zwischen ersteter und dem Vorsitzenden. Die Gemeinderäte Sonntig und Mittler wurden wegen beleidigender Rufe gegen den Vorsitzenden von der heutigen und den 3 nächsten Sitzungen ausgeschlossen. Sie weigerten sich jedoch, den Saal zu verlassen, worauf sich der Lärm derart steigerte, daß der Vorsitzende die Sitzung schließen mußte. Bern, 20. Dez. Der Nationalrat beschloß gestern mit 102:24 Stimmen auf die Beschwerden einiger, vom Bundesrat aus politischen Gründen ausgewiesene Italiener nicht einzugehen. Damit billigt der Nationalrat die Ausweisungsprexis des Bundesrates. London, 20. Dez. In der St. Pauls=Kathedrale fand gestern ein Gedächtnis=Gottesdienst für die im Kriege Gefallenen statt. Der mächtige Dom war bis auf den letzten Platz von Andächtigen angefüllt, fast alle in Schwarz und viele Weinende darunter. Der Herzog von Cambridge, Lord Landsdowne, der Lordmayor und andere Würdenträger waren zugegen. Es wurden Gebete für die Gefallenen, Verwundeten und die Kämpfenden gesprochen. Alieante, 20. Dez. Dem Vernehmen nach ertranken 8 Passagiere(Italiener) vom franz. Dampfer Meuse„beim“ Zusammenstoße mit dem ital. Dampfer Perseo. Rom, 19. Dez. Die ital. Deputiertenkammer vertagte sich bis zum 31. Januar 1900, nachdem sie dem Präsidenten den Dank des Hauses für die Leitung der Geschäfte ausgedrückt hatte. Der Senat vertagte sich auf unbestimmte Zeit. Rom, 20. Dez. Der Majordomus des Papstes della Volpe begab sich gestern nach Sankt Peter, um den Vorarbeiten zur Niederreißung des heiligen Thores beizuwohnen. Die Arbeiter, welche den unteren Teil der Mauer fortnahmen, fanden mehrere Marmorsteine mit den Namen mehrerer Würdenträger der Basilika in der letzten Epoche des Jubeljahres 1825, ferner eine kleine Kassette mit dem Siegel des ehemaligen Majeradomus. Auch wurden mehrere goldene, silberne und bronzene Münzen und Medaillen gefunden. Diese tragen das Bildnis Leo 12., unter dessen Pontisikat das letzte Jubiläum gefeiert wurde. Petersburg, 20. Dez. Hier erregt es Aufsehen, daß der englische Botschafter vom Zaren in Privataudienz empfangen wurde, nachdem ein viermaliger Depeschenwechsek zwischen dem Zaren und dem hiesigen auswärtigen Amte(der Zar weilt in Zarskofe Sele) stattgefunden hatte. Man bringt diese Audienz mit den Ereignissen in Südafrika in Verbindung. Kairo, 20. Dez. Heute geht General Kitchener an Bord der Isis nach Malta und von dort mit dem Kreuzer nach Madeira. Ottawa, 20. Dez. Infolge des vom Kriegsminister erlassenen Aufrufs melden sich aus allen Teilen Kanadas zahlreiche Freiwillige für das engl. Mutterland nach Afrika. Manila, 20. Dez. Einer Depesche des Generals Otis pielge wurde General Lavten gestern morgen, als er die undischen aus Samateo, nordöstlich von Manila, zu vertreiben suchte, von einer Kugel tötlich getroffen. Gerichtssaal. Siegen, 19. Dez. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Schuhmacher Koch, der im Oktober d. J. bei hellem Tage auf dem Wege von Weidenau nach Dreisbach einen fremden Arbeiter beraubte, zu 3 J. Zuchth. und 5 J. Ehrverlust. In derselben Sitzung wurde der 20jährige Bergmann Weber aus Wahlbach mit 6 Mon. Gef. bestraft, weil er 26 Bänmchen an der Chaussee die Kronen abgehauen hatte. Köln, 18. Dez. Der Schutzmann Wilhelm Moseler wurde wegen wissentlich falscher Anzeige zu 2 Mon. Gef. verurteilt. Er hatte in der Nacht zum 7. Oktober Dienst vor dem Schloß=Cafer an der Riehlerstraße. Nach seiner Angabe hatte er morgens vergessen, auf di: Uhr zu sehen und versäumte deshalb morgeas zum Appell anzutreten. Kurz vorher hatte er eine 3tägige Arreststrafe wegen Versäumniß im Dienst erhalten. Als er hörte, der Kommissar W. habe ihn nachts revidiert, aber nicht auf dem Posten gefunden, entschuldigte er sein Nichterscheinen auf dem Appell durch falsche Angabe, er habe in der Cleverstraße ein Protokoll aufnehmen müssen, weil dort der Wagen des Fuhrunternehmers Pütz aus Bickendorf eine Viertelstunde ohne Aufsicht auf der Straße gestanden habe. Er reichte das Protokoll darüber ein. Kommissar W. bekundete, der Angeklagte sei nicht auf seinem Posten gewesen, sondern habe geschlafen. Pütz bestätigt, daß der Angeklagte sich in angegebener Weise geäußert habe. Der Angeklagte ist sofort aus dem Dienst entlassen worden. Wiesbaden, 19. Dez. Wegen betrügerischen Bankerotts — hatte sich gestern der Kaufmann Albert Niederheitmann von Bochum, früher in Flörsheim am Main, vor der Strafkammer hier zu verantworten. Der Angeklagte hat, wie wir zur Zeit berichteten, mit Dr. Steinau in Flörsheim eine chemische Fabrik„gegründet" und nach dem Austritte seines Kompagnons den Apotheker Hellinger aus dem Obereisas veranlaßt, im März 1897 in dieses„Unternehmen“ 27·000 Mk. einzuschießen. Der Apotheker ließ sich 5 pCt. Zinsen G.winnanteil und eine Anstellung gegen ein Jahresgehalt von 4000 Mk. zusichern. Nach 2 Monaten erfolgte der Zusammenbruch der„chewischen Fabrik“. Die Anklage wirft dem Niederheitmann vor, daß er den Apotheker Hellinger durch Vorspiegelungen, insbesonder unte: Verschweigen seiner schwiertigen Lage, zur Hergabe des Geldes bestimmt habe. Das Gericht vermochte sich hiervon nicht zu überzeugen und erkannte auf Freisprechung. Lyck, 20. Dez. Im Wiederaufnahmefahren wurde der Stellmachermeister Groenig aus Sensburg, der wegen Meineides zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde und ein Drittel seiner Strafe bereits verbüßt hat, jetzt vom Schwurgericht freigesprochen. Stadt, Amt und Kreis. * Wattenscheid, 21. Dez. Heute Nachmittag 5 Uhr hält Herr Bürgermeister Wibberding im Rathaussaale wieder eine öffentliche Stadtverordnetensitzung ab. Es ftehen die verschiedensten, wichtigen Punkte auf der Tagesordnung. Zunächst soll Herrn Rendanten Stock Entlastung erteilt werden für die von ihm aufgestellte Stadtkassenrechnung pro 1898—99 mit Nebenrechnungen. Die Revisionskommission hat alles in bester Ordnung vorgefunden, sodaß der Decharge nichts im Wege stehen wird. Die Rechnungen balancleren in Einnahme und Ausgabe mit der ganz erklicklichen Summe von ca. einer halben Million Mark. Alsdann wird ein neuer, von Herrn Stadtbaumeister Wallraven ausgearbeiteter Bebauungsplan das Kollegium beschäftigen. Da weder Siemens u. Halske noch Birnbaum mit dem Bau des seit Jahren proj-ktierten, notwendigen Verkehrsmittels der Straßenbahn zwischen Wattenscheid und Eickel einerseits und Wattenscheid und Steele andererseits beginnen und die diesbezüglichen Verhandlungen schier endlos zu werden scheinen, so werden unsere Stadtväter heute Nachmittag weiter sich mit dem Beschluß der jüngst in Gelsenkirchen gethätigten Versammlung beschäftigen, die Bahn auf eigene Rechnung zu bauen gemeinsam mit den übrigen beteiligten Gemeinden. Die folgenden Punkte betreffen die Wahl der Etatvorprüfungskommission, der bisher die Herren Beigeordnete K. V’etor und Stadtverordnete Bomers, Dr. Bonnin, Platzmann und Rumpf angehörten, Ulbernahme der kirchlichen sogenannten Kopffleuer, Vergütung für Aufnahme der amtlichen Publikationen in der Pesse und Kaisersgeburtstagfeier. * Am kgl. Amtsgericht wurde gestern eine Civilsitzung abgehalten. Der Terminzettel führte 19 Prozeßsachen auf. Wegen der Weihnachtsferien findet heute eine Schöffensitzung nicht statt. * Der Nebel hat sich jetzt hier in Permanenz erklärt; ebenso hält der gelinde Frost an. Von allen Seiten hört man zufriedene Stimmen über die zeitgemäße Witterung. * Heute(21.) haben wir den kürzesten Tag im Jahre. Die Sonne ist auf dem südlichen Wendekreis angelangt und nähert sich von jetzt an wieder der nördlichen Halbkugel. Der Kirchen=Patron des Tages ist der hl. Thomas; ihm zu Ehren wirden die Langschläfer in jeder Famlie, welche zu spät heute aufstehen, Thomas=Esel genannt. * Gefunden ist am 18. Dezember 1899 im hiesigen Stadtbeziik eine Wagenlaterne, die der Verlierer im Rathauszimmer 7 abholen kann. Am Montag Abend tagten im Restaurant Kammann die Vorstände der hiesigen 7 Innungen; die Versammlung wurde 7 Uhr eröffnet und Herr Obermeister Gilly wurde zum Vorsitzenden gewählt. Der 1. Punkt der Tagesordnung betraf die Wahl von 14 Vorstandsmitgliedern nämlich von jeder Innung 2 Herren; nachdem das geschehen war, traten die 14 Gewählten zusammen, um die Wahl von 2 Mitgliedern für die Handwerkerkammer vorzunehmen. Die Wahl erfolgte durch Stimmzettel und wurden gewählt die 2 Herren Obermeister Gilly und Anstreicher A. Bomers; als Stellvertreter Obermeister Schlenkhoff und Obermeister Blambeck. * Gestern Abend gegen 8,30 Uhr sind aus dem Vorflur eines Delikateßgeschäfts an der Oftstraße 3 schwere Hasen gestohlen. In einen gegenüber liegenden Manufakturgeschäft wurde dies bemerkt, wie 3 Männer sich je 1 Hasen fortnahmen und eiligst mit ihrer Beute davon liefen. Sofoit eilten 2 Kaufmannslehrlinge den Dieben nach und verfolgten sie bis zur Gasfabrik; dort kehrten sie um, während die Hasenliebhaber nach Ueckendorf zu entkamen. * Die Kohlen=Förderung auf dem neuen Schacht Centrum Ne. 4 in Leithe ist nunmehr eröffuet worden. Für die Zeche ist diese Thatsache von großer wirtschaftlicher Bedeutung. * Der Waggoumangel im hiesigen Bezirk nimmt nun doch trotz der umfangreichsten Vorsichtsmaßregeln der Kgl. Eisenbahndirektion von Tag zu Tag größern Umfang an. Deu wie in jedem Winter so auch jetzt wieder ganz enorm an di: hiesigen Eisenbahnen gestellten Anforderungen kann man un so winiger gericht werden, als der Rhein seit 14 Tagen gefroren, dadurch der gesamte Schiffahrtsverkehr brach gelegt und elle Kohlen nur noch per Achse weiter befördert werden könnnen; der Bedarf an Waggons ist deshalb in diesem Winter enormer denn je zuvor. Dieser Mangel hat einen empfindlichen Rückschlag auf unsere Industrie und deren Arbeiter. So mußten auf Ziche Centrum Schacht 2 gestern Nachmittag 500 Bergleute wegen Wagenmangels feiern. * Auf Zeche Unser Fritz, Schacht 1, bei Wanne, brach am Dienstag Mittag, wie schon kurz erwähnt, im Flötz 12 auf der 4. Tiefbausohle durch Selbstentzündung der Kohle im alten Mann(im abgebauten Betriebe) ein Grubenbrand aus. Die sehr plötzlich mit großer Heftigkeit auftretenden Brandgase brachten das Leben zahlreicher Arbeiter in der stark belegten Grubenabteilung in Gefahr. Die Mehrzahl der Arbeiter konnte glücklicherweise so rechtzeitig benachrichtigt werden, daß sie flächten konnte. Nur dem energischen und mutigen Eingreifen des zufällig die gefährdete Grubenabteilung befahrenden Vertreters des königlichen Bergrevierbeamten und des ihn begleitenden Direktors der Zeche, Herrn Hohendahl, ist es zu danken, daß von 8 ursprünglich vermißten Bergleuten 5 Betäubte durch Zuführung frischer Wetter wieder zum Leben erwachten und sich auch noch retten konnten. Die übrigen 3 sind leider erstickt. Die Gefahr einer Schlagwetter=Explosion durch den Grubenbrand ist glücklicherweise ausgeschlossen, da das Feuer in einem Flöze der an Schlagwettergasen sehr armen Gaskohlenpartie ausgebrochen ist. Der Brand wird durch Vermauern des Feldesteiles, in dem er herrscht, abgedämmt und dadurch zum Erlöschen gebracht. * Der Bezirks=Ausschus in Arnsberg hat den Beginn der Schonzeit für Auere, Birk= und Fasanenhennen, Haselwild, Wachteln und Hasen für den gesamten Regierungsbezirk Arnsbera auf Mittwoch, 17. Jon tar 1900 festgesetzt. * Zum Züchtigungsrecht in den Volksschulen läßt sich die „Rh.=W. Ztg. aus Arnsberg schreiben. Die hiefige Bezirksregierung wollte, wie wir seiner Zeit berichteten, erst den Lehrern ihres Bezirks Kenntnis von den beiden vielbesprochenen Versügungen dis früheren Kultusministers Bosse über das Züchtigungsrecht in den Volksschulen geben, nachdem die Kreisschulinspektoren=Konferenz des Regierungsbezirks zu der wichtigen Angelegenheit Stellung genommen habe. Sie läßt jetzt durch ihre Kreisschulinspektoren die oben genannten beiden Erlasse mit der von ihr dazu getroffenen Auslegung, welche die Schärfe der Bestimmungen etwas mildert, den Lehrern mitteilen. Wir glauben, daß diese Erlasse schließlich wie in den 80er Jahren wieder zurückgezogen werden, wenn ihre ungünstigen Wirkungen auf die Disziplin allgemein zutage getreten sein werden. * Durch das Reichsgesetz vom 1. Juli 1899 sind Mittel zur Gewährung von Zuschüssen an diejenigen bedürftigen Wittwen von Personen des Soldatenstandes vom Feldwebel abwärts und von unteren Militärbeamten zur Verfügung gestellt, welche ihren Ehemann durch den Krieg verloren haben. Diese Beihülfen betragen monatlich 27 Mk. für die Feldwebels=, 21 Mt für die Serg anten=, und Unteroffiziers=, 15 Mk. für die Gemeinenwittwe. Da die Wohlthat dieses Gesetzes bis jetzt verhältnißmäßig wenige Wittwen in Anspruch genommen haben, sei darauf hingewiesen, daß diejenigen Wittwen, welche auf den Zuschuß des citirten Gesetzes glauben Anrecht zu haben, sich nur unter Vorlegung der Ausweise über ihr Bezugsrecht an die Polizel=Verwaltung oder an das Landraths=, Bezirks= oder Kreisamt ihres Wohnortes zu wenden haben mit der Bitte um Auswirkung des betreffenden Zuschusses. * Um das Beschlagen und Gefrieren der Fensterscheiben zu verhüten, bereite man eine Mischung von einem Teil Glycerin und 20 Teilen verdünnten Spiritus, dem man, um einen angenehmen Geruch zu erzielen, etwas Bernsteinöl zufügen kann. Sobald die Mischung wasserklar erschelnt, wird die innere Fläche des Fensters damit abgerieben. So kann man mit Hilfe dieser einfachen und in jedem Haushalt vorhandenen Flüssigkeit dauernd die Aussicht frei halten. Das Mittel empfiehlt sich natürlich auch für Schaufenster kaufmännischer Geschäfte. * Von der neuen„Postkarte für 1900“ sind schon 5 Millionen Stück hergestellt. Da mit dem Druck fortgefahren wird, so dürfte zu Neujahr allen Ansprüchen genügt werden können. Auch im Verlaufe des nächsten Jahres soll mit der Ausgabe der Karte fortgefahren werden, um jeder Preistreiberei mit der Karte vorzubeugen. Die Verteilung an die OberPostdirektionen hat bereits begonnen. Die Postanstalten werden jedoch erst vom 28. Dez. an ermächtigt, die Karte auszugeben. Ihre Gültigkeit erlangt die Karte, wie alle neuen Wertzeichen, erst von Neujahr an. Doch soll bei Auflieferung einzelner Karten von einer Nachtaxierung abgesehen werden. * Gelsenkirchen, 19. Dez. Ein zwiispänniger Schlitten, welcher gestern Nacht vor dem hiefigen Kaiser=Caffee unbeaufsichtigt stehen gelassen worden war, hatte nach kurzer Zeit Liebhaber gefunden und war verschwunden, als der Besitzer mit ihm nach Hause fahren wollte. * Schalke, 20. Dez. Sechs bei der Gewerkschaft Grillo, Funke u. Co. hier beschäftigte Arbeiter wurden für 25jährige ununterbrochene Thätigkeit von dem Vorstande des Werkes dadurch ausgezeichnet, daß Herr Direktor Eichhoff denselben je eine prachtvolle goldene Uhr nebst 100 Mark in Baar überreichte. XXIV. Das Bürgerliche Gesetzbuch. Vormundschaft. Eine Anzahl von Personen ist vermöge ihrer geistigen oder köperlichen Eigenschaften überhaupt nicht oder doch nur in mehr oder weniger beschränkter Weise imstande, für ihre persönlichen und Vermögens=Interessen zu sorgen. Es sind dies vor allem die Minderjährigen, sodann die wegen Geisteskrankheit oder Geistesschwäche, wegen Verschwendung oder Trunksucht Entmündigten und andere hilfsbedürftige Personen. Solange solche Personen unter elterlicher Gewalt stehen, ist der Inhaber dieser Gewalt der gesetzliche Beschützer, und nur in Ausnahmefällen wird hierbei noch ein besonderer Schutz rötig. Wo aber eine elterliche Gewalt nicht besteht, bedarf es der Anordnung eines besondern Schutzes, und dies geschieht durch Einsetzung einer Vormundschaft. Sobald die Voraussetzung für den Eintritt einer Vormundschaft über einen Minderjährigen gegeben ist, muß das Vormundschafts=Gericht die Vormundschaft von Amtswegen, d. h. ohne eine Auregung von beteiligter Seite abzuwarten, anordnen und hierauf einen Vormund, in besondern Füllen auch mehrere, bestellen. Das Bürgerliche Gesetzbuch verlangt, daß die vom Vater oder von der Mutter des Mündels benannten Personen und in deren Ermangelung die Großväter als Vormünder bestellt werden, und verbietet, sie ohne wichtig: Gründe zu übergehen. Ist ein solcher„berufener Vormund" nicht vorhanden, so hat das Vormundschafts=Gericht nach Anhörung des Gemeinde=Waisenrates den Bo mund auszuwählen, wobei es sich durch das Interesse des Mündels leiten lassen soll. Da der Staat Vormünder haben muß so hat das Gesetz eine allgemeine Verpflichtung zur Uebernahme der Vormundschaft aufgestellt. Es hat sie jeder Angehörige des deutschen Reiches, auch weun er dem Bundesstaate, in welchem die Bevormundung einzutreten hat, nicht angehört. Nur aus bestimmten wichtigen Glünden kann die Uebernahme der Vormundschaft abgelehnt werden. So kann z. B. eine Vormundschaft ablehnen, wer das sechzigste Lbensjahr vollendet hat, wer mehr als vier minderjährige eheliche Kinder hat, wer durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, die Vormundschift ordnungsmäßig zu führen, wer mit einem andern zur gemeinschaftlichen Führung der Vormundschaft bestellt werden soll, wer mehr als eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt u. s. w. Wr die U bernohne der Vormundschaft ohne Grund ablehnt, ist für den Schaden verantwoitlich, dir dem Mündel dadurch entstiht, daß sich die Bestellung des Vormundes verzögert. Auch kann das Vormundschafts=Gericht den zum Vormund Ausgewählten durch Ordnungsstrafen zur Uebernahme der Vormundschaft anhalten, doch darf die einzelne Strafe den Betrag von 300 Mark nicht übersteigen. Der Vormund hat dis Recht und die Pflicht, für die Person und das Vermögen des Mündels zu sorgen, insbesondere auch den Mündel vor Gericht zu vertreten. In Fällin aber, in welchen die Interessen des Mündels zu denen dis Vormundes oder eines seiner nächsten Ang hörigen in erheblichem Gegensatze stehen, kann das Vormundschafts=Gericht dem Vormunde die Vertretung für gewisse Angelegenheiten entzüben. Mehrere Vormünder, wie solche bei größern Vermögens=Verwaltungen eingesetzt werden, führen die Vormundschaft gemeinsam. Bei Meinungs=Verschiedenheiten zwischen den Vormündern entscheidet das Vormundschafts=Gericht, welches einer oder der andern Meinung beitceten, nicht aber eine von beiden abweichende Meinung durchsetzen kann. Die Vorwundschaft endigt aus Gründen, die in der P.rson des Mündels liegen, mit dem Eintritte der Volljährigkeit des Mündels, mit dem Eintritte der vollen elterlichen Gewalt über den Mündel und mit dessen Tode. Aus Günden, die in der Person des Vormundes liegen, endigt dessen Amt mit seiner Entmündigung, Todes Erklärung, gerechtfertigter Entlassung oder erbetener Verabschiedung. Nach Beendigung seines Amtes hat der Vormund dem Vormundschafts=Gerichte Rechnung zu legen und das verwaltete Vermögen dem Mündel herauszugeben. Westdeutschland. Bochum, 20. Dez. Dem Vernehmen nach ist Hotel Halverscheid an der Bahnhofstraße, früher Herrn Herm. Siebeck gehörend, für den Preis von 150000 Mk. in den Besitz eines Herrn aus Essen übergegangen. Recklinghausen, 19. Dez. Gestern Morgen wurde am Gymnasium eine Fenste scheibe der Obertertia von einer Flobertkugel durchschlagen und ein Schüler am Kopfe leicht getroffen. Der jugendliche Schütze, ein Handlungsgehülfe, ist bereits zur Verantwortung gezogen. Gladbeck, 19. Dez. Gestern Nacht ist das dem Frhrn. v. Vittinghoff=Schell in Schelleaberg gehörige Pachtgut abgebrannt. Dusselbe war aus Fachwerk eibaut und wurde vom Kötter Gellenbeck bewohnt. Fist sämtliche Mobilien und 1 Schwein sind verbrannt. Erle, 18. Dez. Gestern und heute wurden von der hiesigen Polizei mehrere Bierhändler, welche die nach der Reg.= Pol=Verod. vom 1. Nov. cr., die sofort nach der Publikation in Kraft getreten ist, vorgeschriebenen Aufschriften auf den Bierflaschen nicht hatten, zurückgewiesen. Es sei dies den übrigen Bierhändlern zur Warnung ewpfohlen. Dortmund, 20. Dez. Im Banne der alten Ring= mauern sind nur noch 2 große B.sitzungen vorhanden, die bisher landwirtschaftlichen oder ähnlichen Zwecken dienten. Die Stadtverordneten beschlossen, die eine, dem Geh. Bergrat Hiltcop gehörend, von etwa 500 Geviertruten Größe für 400000 Mk. anzukaufen. Falls einmal die Regierung nach Dortmund verlegt werden sollte, kann die Stadt dem Staate einen schönen Bauplatz anbieten; er liegt dem Oberpostdirektionsgebäude gegenüber. — Nach langer Debatte wurd: auch mit knapper Mehrheit beschlossen, Herrn Musikdirektor Hüttner eine Subvention von 10000 Mk. zu gewähren, anstatt 3000 Mk. wie bisher. agen, 19. Dez. Gestern Morgen brach in der Aula der neuen Realschule Feuer aus, das noch rechtzeitig unterdrückt werden konnte, ehe es größere Dimensionen annahm. Anscheinend ist der Brand durch die Centralheizung verursacht worden, die denn auch einer gründlichen Revision unterzogen wurde. Arnsberg, 19. Dez. Ein Raubmord ist in der Nacht zum Montag in Hachen verübt worden. Ein Schäfer aus Estinghausen, der viel Geld bei sich sstrug, wurde in räuberischer Absicht angefallen und seines Geldes beraubt. Wahrscheinlich infolge eines Kampfes ist dem Angefallenen von dem Räuber die Pulsader aufgeschnitten worden, worauf der Tod durch Verblutung nach kurzer Zeit eingetreten ist. Der Thäter ist nicht ermittelt. Rheine, 18. Dez. Einen unheimlichen Fund machte am Samstag ein Arbeiter in Eschendorf. Er fließ beim Ausroden einer Wallhecke auf ein menschliches Skelett. Gericht und Polizei waren gestern an Ort und Stelle. Quisburg, 20. Dez. Heute traf bei dem Komite für die im Frühjahr 1900 hier stattfindende Allgemeine Kochkunstausstellung die Mitteilung ein, daß der Oberpräsident Nasse das Protektorat über die Ausstellung übernommen habe. M.=Gladbach, 19. Dez. Ueber die Bluttat, die sich gestern Abend in Dahl abspielte, erfahren wir weiter, daß der 45jährige Erdarbeiter Mentsches seinen 19jährigen Sohn, der schon wegen gefährlicher Körperverletzung mittelst Messer vorbestraft ist, aus dem Wirtshause holte. Dort kam es in *• 10 Zwistigkiten, die sich nachher in de Wohnung forisetztev. Der Beter machte seinem Sohne Vorhaltungen über dissen lnd rlichen Leb nswandel, worauf deser ein Brotmisser ergeiff und mit aller Gewalt einen Stoß nach dem Vater führte. Der Stch draug sofort ins Herz; der Mann stürzte noch in seiner Todesnot auf die Straße, wo er aber blutüberstiönt tot zusammenbroch. Zur selben Zeit verletzte der Lagerarbeiter Heinrich Essers auf offener Straße den Ackerer Görtz, mit dem er in Streit geraten war, durch einen Schuß in den Krpf. Glücklicherweise war der Revolver nur mit Schrot patronen geladen, sodaß die Verletzungen zwar schwe: aber nicht tötlich sind. — 20. Dez. Die Bildung einer sozialen Kommission als Schiedsgericht bei Streiks ist endlich zustaude gekommen. Derselben gehören je 4 Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. Aachen, 20. Dez. Einer unser geachtesten Großinduftr ellen, der Geh. Kommerzienrat Gottfr. Paster, und seine Gemahl u, geb. Rouy, begingen gestern die diumantine Hochzeit. Leider mußte von allen Veranstaltungen Abstand genommen werden, weil Geheimrat Pastor seit Wochen schwerkrank darniederliegt. Elberfeld, 19. Dez. Stadtverordneter Gust. Blank überwies der Stadt aus Anlaß seiner 25jährigen Geschäftsthätigkeit 10000 Mk., aus deren Zinsen in außergewöhnlichen Fällen Guben nicht unter 50 Mk. zur Vermeidung der Armenpflige verwondt weidn sollen. Die Stadtverordneten nahmen das Geschenk mit Dank an. Elberfeld, 20. Dez. Der in der Königstraße wohnende Witt Jean Pitiy ist gestern festzenommen und nach der Garnison Wesel eransportirt worden. P. war in die Militärbefreiungsgeschichte verw ckelt. Opladen, 20. Dez. Eine äußerst rohe That verübte hier gestern Nicht der Fabrikarbeiter Heinr. Aitzern; derselbe als brutalei dem Trunke ergeheuer Mann bekannt, mißhaudelte schon seit Jahren siire Familie, namentlich seine Frau, die trotz ihrer s##wächlichen Konstitutio durch Waschen und Putz u bei fremden Luten das Brot für ihre hungernden Kinder zu erwerden suchte. Obwohl die erre Dulderi am Sonntag von einem Küäblen entbunden wer, mißhandelte der entartete Mensch gestern Nacht die torkranke Frau derart, daß dise hilfesuchend durch die Fenster flütten wollt;, worauf er sie hlnausstieß und ihr das kaum 1 Tag alte Kindchen nachwarf. Mitleidige Nachbarn gewährten der schwergeprüften Frau und ihrem Säugling für die Nacht ein Unte kommen. Anzeige ist erfolgt. Köln, 20. Dez. Der Schleppdampfer„Büteführ“ fuhr an der Deutzer Seite unterhalb der Sch ffbrücke infolge des niedrigen Wasserstandes auf den Grund und erlitt dadurch L.ckoge. Während 2 Schffe den Dampfer aus seiner schlimmen Lage zu befreten suchten, mußte das in den Sch ffsraum eindringene Wesser fortwährend ausgepurpt werden. Nach mehrstündiger Arbeit gelang es eist, das Schff wirder flott zu machen. Der Dampfer„Köla“ schl ppte es in den Hafen. Neuwied, 19. Dez. Bei der heutigen Ersatzwahl für den verstorbenen Stadtverordneten Joh. Hermann hatt: das Centrum den Bruder des Verstorbenen, Rentner Jos. Hermann, und die Liberalen den Direktor des Krupp'schen Hüttenwerks, C. Diefenthäler als Kundibaten ausgestellt. Litzterer wurde mit 163 Stimmen Mehrheit gewählt. Coblenz, 20. Dez. In Cobern entglesten von einem Güterzuge mihrere Wagen. Der Zugführer blieb sofolt tot. — Auf einem Schiff erstickte ein 14 J. alter Junge durch Kohlengas: ein 19jähriger junger Mann wurde in bewußtlosem Zustand. ins Krankenhaus gebracht Man hat kein: Hoffgung ihn am L.ben zu erhalien. Trarbach, 20. Dez. Heute Mittag wurde die niue Moselbrücke in Anwisenheit des Oberpräsidenten und des Regierungsptäsidenten ftierlich eingeweiht. Nach einm Festessen im Kafino wurde am Abend die Bücke festlich beleuchtet. Sarbrücken, 20. Dez. Ein Verbrechen wurde an einem 11jährigen Mädchen aus Winterbach begengen, einer Vergewaltigung folgte ein Mordversuch; schrecklich zugerichtet wurde das Mädchen an der Landstraße gefunden, sein Aufkommen erscheint zweifelheft. En italienischer Gepser aus St. Wendel ist als verdächtig verhaftet. Die Macht der Liebe. Roman von Theodor Forster. 15 „Gieb mir Deine Tochter zum Weibe! Ich habe noch nie im Leben etwas so ernst gemeint; ich liebe Deine Tochter und will sie heiraten. Es ist wahr, wir kennen uns erst seit einer Woche; die Liebe muß sich aber nicht erst langsam entfalten, sie kommt, und sie ist da!“ Der alte Betrüger wandte sich dem Fenster zu und wischte sich allem Anscheine nach die Thränen aus den Augen, in Wahrheit aber mochte er das Lachen verbeißen über meinen blöden Eifer. „Und sie, meine Eugenie,“ sprach er endlich mit bewegter Stimme,„welche kaum vor einem Jahre noch mit ihrer Puppe spielte, ist es denn möglich, ist es denn wirklich schon ein gereiftes Wesen, erwidert sie denn Deine sehr schmeichelhafte Neigung?“ Ich lächelte selig in dem Bewußtsein, daß ich ihr am Abend vorher eine sehr leidenschaftliche Liebesgeschichte aus einem Roman erzählt hatte und dabei ihre Hände in den meinen geruht, sie dieselben nicht zurückgezogen, die Augen nicht gesenkt und mir mit bebender Stimme ein Geheimnis zugeflüstert hatte, das mich zum Glücklichsten aller Sterblichen gemacht. Ich versicherte dem Major, daß alles in vollster Richtigkeit sei, daß Eugenie eingewilligt habe, meine Gattin zu werden, daß nichts zu unserem Glücke fehle, als seine Einwilligung Ich hoffe mithin, er werde zugeben, daß wir sogleich heiraten Weshalb zögern? Ich war volljährig und wollte des Preises gewiß sein. Ich war damals toll, durchaus toll, anders kann ich mir meine unerklärliche Dummheit nicht enträtseln Der alte Fuchs that anfangs so, als wollte er seine Einwilligung nicht erteilen. Sie sei so jung, wir kennten uns nicht lange genug; was würde man im ganzen Orte darüber sprechen, was würden meine Eltern sagen; es wäre nicht an die Sache zu denken! Doch ich wollte alle seine Einwände nicht hören; was lag mir an der Meinung des ganzen Ortes? Meine Eltern waren nur für mein Glück besorgt, an ihrer schließlichen Einwilligung war keinen Augenblick zu zweiseln. Im übrigen könne die Trauung ja ganz in der Stille vor sich gehen, und in einen oder zwei Monaten würde ich dann mit meiner jungen Vermischtes. Berlin, 20. Dez. Der Schauspieler Kail Helmerding ist heute früh hier gestorben. Göttingen, 19. D z. Bei einem Pistolenduelle zwischen einem Referendar und einem Studenten echtelt litz ecer einen Schuß. Die Verwundung ist nicht lebensgefährlich. Leipzig, 20. De. Bei Schleuditz auf der Migdeburger Bahn fuhr gestern ein Personenzug auf eine entgleiste Lokomotive auf. 2 Personen wurden getötet, 3 schwer verletzt. Chrisiania, 19. Diz. Ja Sundsvaal in Schweden wurde eine gefährliche Gestmischerin verhaftet. Eine 30jährige Wuwe, die schon ihren Mann und ihre Schwiegermutter veraftit hatte, vnrsuchte auch eine Frau zu vergiften, deren Mann si: liebte. Die Verbrecherin ist geständig. New=York, 19. Dez. Bei dem Brande von 2 Mietshäusern sind heute Nacht 7 Personen umgekommen. — Eine schreckliche Viertelstunde. Ein aufregender Vorfall trug sich in Wien zu. Die 15jährige Magd Ilona Szabo war im 3. Stockwerk eines Hauses auf dem Schottenring mit dem Reinigen der Ferster beschäftigt. Die Fenster on den Wiener Häusern wirden meist nach außen geöffnet. Das Mädchen hatte den Sicherheitsgürtel bereits um den Leib gescnallt und war eb.n im Begriff, ihn an dem Fensterkreuze zu befestigen, als sie ausglitt und dim Lichthofe zu hinabfiel. In letzten Monent gelung is ihr, sich mt beiden Händen am Fensterbrett festzuhalten. Frei schw.bind hing sie zw sch n Himmel und Erde. Ihre gellenden Rufe machten die Dienstgeberin, Frau Löw, auf die Gefahr aufmerksam. Sie eilte ans Fenster und bemühte sich, oas Dienstmädchen aus seiner furchtbaren Lage zu befreien, doch waren die Kräfte der Dame zu gering, um die Hülferufende ins Zimmer zu ziehen. Minute auf Minute verging, ohne das einer der Hausbewohner die schreckliche Situation wahrgenommen hätte. Endlich, nachdem Frau Löw die Szako auf 12 Minuten krampfhaft mit den Händen gehalten hatte, kam die ersehnte Hülfe. Mon soh das Mädchm zwischen Himmil und Erde schweben und luf auf die Straße, um Rettung zu bringen. 2 Sichtrheitswachleute ellten in den 3. Stock, fanden jedoch die Wohnungsthür versperrt. Mit aller Kraft stemmien sie sich gegen diTzür, und es gelang ihnen auch, dieselbe eufzusprengen. Nach einiger Anstreugung konnten sie die bereits stark erschöpfte Dienstmagd in das Zmmer ziehen. Sie war gänzlich undersehrt geblieben und erholte sich nach kuczer Z it. Frau Löo# erlitt infolge der Auftigung einen Ohnmachtsanfall, doch erholte auch sie sich nach winigen Minuten. —(Eine Ehrenpflcht) Doktor Scherz2ann zu einem iner Freunde:„Leber Schulz“, Du wirst dem Gerichtsrat Schmidt Deine Zeugen schicken":„Weshalb?“„Er hat Och schwer beleidigt.“„Wo? Wanr? Wodurch?“ hat mich öffentlich einen Behdoktor genannt. Du wirst begreifen, daß das mir egal sein kann, denn das Metischändet nicht, aber Du bist als Patient wiederholt von ni behandelt worden, Du kannst die B.leitigung nicht auf Du sitzen lassen.“ —(Kache.) Der Kötter Mattutis aus Wannagen schickte en das Amtsgericht in Prökuls, um sich für ungünftige Berichtsntscheide zu rächen, eiren beleidigenden Brief und inliegend eine Unmasse von— Läusen; eine weitere Sendung stellte er in Aussicht. Für diese immerhin nue Art von Rache wurke er verhaftet und nach Memel abgeführt. —(Ernüchterung.) Dame(die vom Chef bis zur Thüt des Geschäftes higausbegle iet wird):„O, das war garnicht nötio, ich hätte auch so h'nausgefunden; danke für gütige Begleitung.“ Chef:„Eire Ulsicht, weine Dame, des ist bei uns Geschäftsusus,— es wird nämlich in letzter Zeit— so schricklsch viel gestoßl n!“ —(Ambrosia und Nktar.) Ein Lehrer erzählt in der Religionsstunde von dem Auszuz de: Kinder Israils aus Egypten, von der Not in der Wüste, und wie Gett hren als Nahrung Wachteln gesandt habe. Er kemerkt, daß ein Schüler nicht aufpaßt, und wendet sich on ihn mit der Frage:„Nun Karl, wis schickte Gott den Kindern Isr###s?!"„Ein Achtel!“ — Uat roifizier zu einem G.freiten, der beim RekrutenFrau nach England reisen Wenn die Tranung einmal zur unwiderruflichen Thatsache geworden war, würden die müßigen Schwätzer sich schon beruhigen Heiraten müsse ich meinen Engel, ein Leben ohne Eugenie sei unerträglich und so weiler Ich kann an jene Zeit noch heute nicht mit Ruhe zurückdenken, Leonie. Und doch war ich unaussprechlich glücklich, wie man es nur im beseligenden Rausche der ersten Liebe sein kann Wir heirateten. Eugenie hatte nur eine weibliche Bekannte, eine Klavierlehrerin; sie wurde Brautjungfer, und Rudolf Vriendt von meinem Regiment war der Brautführer. Eugenie blieb in der Wohnung ihres Vaters wie zuvor; ich behielt mein Zimmer in der Stadt Ich schrieb nicht nach Hause, um meine Vermählung anzuzeigen: ich dachte dazu sei noch immer Zeit. Sobald ich Urlaub erhalten konnte, wollte ich mit meiner Frau zu den Eltern; ein Blick in ihr wunderbar schönes, liebliches Antlitz mußte genügen, um sie Eugenies Armut vergessen zu lassen Doch Tage, Wochen, Monate vergingen, und ich konnte einen Urlaub erhalten Wie man hatte vorhersehen können, war unser Geheimnis nach Verlauf von vier Monaten allgemein bekannt Die Geschichte meiner wahnwitzigen Vermählung cirkulierte in der ganzen Stadt, und wäre ich nicht mit Blindheit geschlagen gewesen so hätte ich erkennen müssen, wie mich die Leute mitleidsvoll anblickten, nur war dieses Mitleid zeitweise mit leisen Spott gemischt. Doch ich sah und hörte nichts und als endlich der Schlag fiel, traf er mich mit voller Wucht Ich wiederhole, das Wesen, welches ich geheiratet, war eine vollendete Schauspielerin. Sie hielt mich erbarmungslos zum besten, sie verstand es Liebe zu heucheln, mich in dem Glauben zu erhalten, daß ihr ganzes Herz mein eigen sei. Ihr Antlitz leuchtete auf, wenn ich kam, trübte sich, wenn ich ging Nach viermonatlicher Ehe täuschte sie mich noch gerade so, wie sie mich am ersten Tage getäuscht hatte Ich gewahrte nur, daß zeitweise etwas ihre Seele belaste; sie sah mich manchmal an, als ob sie mich fürchte, und ihren Vater blickte sie auf die gleiche Weise an. Der Alte hatte nach meiner Verheiralung wiederholt Anfälle von Säuferwahnsinn gehabt und, wie ich später erfuhr, in diesen Anfällen so manches ausgeplaudert. „O. Du mein Himmel, was doch die jungen Männer für Thoren sind: ein hübsches Mädchen kann sie um den Finger wickeln; mir sind schon viele solche vorgekommen, aber ein Narr, drillen ungebührlich flucht:„Zum Kuckuck, halten Sie Ihre Fluchmaschine!“ —(Bitter.) A.:„Die Ehe meines Bruders war ein wahrer Roma:. Ec hat sein: Frau im Eisenbahnzuge kennen gelernt.“ B.:„Warum hat er die Dtrektion nicht verklagt?“ —(Mißoerständnis.)„Luben gnädiges Fäulein Landpactien?“—„Nun, winn es ein Gutsbesitzr ist, warum nicht!“ —(Das schrickliche Kind.) B.such:„Oh, die herzigen Kleinen— und so artig!“ Haushre:„Ja meine Kinder erhalten von wener Frau eine ausgezeichnete Erziehung!— Eischen:„En aber auch, Papa!“ 21. Dez. D.roul de wurde gestern wegen Beleidigung des Staatsgerichtshofs zu 2 Jahren G.sängnis und Ausschluß von den weiteren Sitzungn bis zum Plaidoyer verurcit Marseille, 21. Lez. Machmud Pascha ist mit seinen beiden Söhnen en Bord des Dampfers Georgia=Neap l gestern ebnd angekomzen. Rom, 21. Tez. Der Papst empfing gesten Nachmittag din Eczbischof von Lion in längerer Audienz. Hierdurch widerlegen sich die Gerüchte, daß der Pipst krank sei. Washington, 21. Dez. Der Sen#tsausschuß für auswä tige Angelegenheiten sprach sich zustimmend zu dem Samol=Abkommen aus. Bombey, 21. Dez. Die Sterblichkeit dabier steigt wieder bedenklch. Gestein kamen wieder 246 Todesfälle, zumist an Best, vor. Standesamt(Stadt Wattenscheid.) Vom 8. Dez. bis 14. Dez. 1899. Geburten. Sohn: Steiger Wilh. Götte, W.ststroße; Bergw. Heinr. Miitner, Querstraße; Schankwirt Eduard Friedhoff, Voedestraße; Schutzmocher Heinr. Streppelhoff, Freiheitstr; Saitler= meister Romanus Kaltwasser, Feheitstr; Bergm. Hermann Fnk, Hochstr.; Bergm. Philipp Klein, Bochumerstr.; Berzw. Josef Wrotny, Südstr.; Bergm. Gustav Wiczonek, Sommer= dellenstr.; Tagesorbeiter Job. Kate;, Sommerdellenstr.; Bergm. Ferd. Klamm, Hüllerstr; Berom. Geerg Fischer, Günnigfelderste.; Bergschüler Rudolf Baran, Bochumerstr.; Zechenschwied Gistao Paplowek, Vorstodtstr.; Bergm. Martin Nocheiski, Freiheitstr.; Bergm. Justus Rode, Bochumerstr.; Tochter: Bergm. Heim. Göer, Westseldwark; Brgm. Ferd. Zimmermarn, Vordestr.; Beram. F ied. Llittko, SommerdeDenstr.; Togesarbeiter Joh. Zmioncewekt Sommerdellenstr.; Schneidermeister Gustav Gollisch, Voedestr.; Bergm. sloh. Griomatzk, Johannesstr.; Bergm. Frapz Dünschede, Nordste.; Bergw. Kal Pulgrzynows!, Sedanstr.; Bergm. Johann Kaminskt, Nordstr. Aufgebote. Tazes arbeiter Lu####ie Czeelck und Maria Tabaczus beide hier. Sterbefälle. Berzw. August Pocha##ke, 32 J. 9 Mon. alt, Günnigfeld; Ferdinand Körres, 2 Mon. 24 Toge olt, im katy. Wasenhause; Frarz Drecs, 1 Mon. 8 Tage alt, im kath. Waisenh.; Augus Otto Broschzk, 5 Mon. 14 Tage alt, Bochumerstr.; Gellinus, 8 Tage olt, Westfeldmark. Teuals Prid. Abbi Nr. 15.80 und höher— 14 Meter!— porto= und zollfrei zugesandt! Muster umgehend; ebenso von schwarzer, weißer u farbiger„Henneberg=Seide, von 75 Pfg. bis 18,65 per Meter. G. Henneberg’s Seiden-Fabriken(k. u. k. Hofl.) Zürich. Guter Rath! Tausende suchen nach einer schönen und nützlichen Beigabe zum Weihnachts=Geschenk und treffen nie das Richtige. Nun denn, kaufen Sie doch in diesem Falle einen der hocheleganten Weihnachts-Carton mit Doering’s Seife mit der Eule. Diese Cartons enthalten 2 Stück der weltberühmten Doering’s Seife und 1 Stück hochfeinste in Blumenduft parfümirte Kulen-Seife. Besseres können Sie nicht wählen, Nützlicheres nicht schenken. Willkommeneres nicht bieten. wie dieser junge Ghitton, einen solchen habe ich doch im Leben noch nicht gesehen. Solche und ähnliche Bekenntnisse machte er einem jeden, wenn er gerade berauscht war Eines Tages hatte er einen besonders heftigen Anfall dieser Krankheit gehabt, sich daraufhin erkältet, und die Aerzte hatten ihn für rettungslos verloren erklärt. Eugenie pflegte ihn treulich und suchte um jeden Preis zu verhindern, daß ich zu ihm kam „Du kannst ihm nicht helsen, Sigurd, und bekommst am Ende selbst Fieber,“ sagte sie„er verlangt nach keiner Seele, er will nur mich sehen. Schon der bloße Gedanke, daß ich das Krankenzimmer betreten könne, war ihr unerträglich Sie wollte keine Wärterin nehmen, wollte ihn ganz allein bedienen und zwang mich fast mit Gewalt, nicht zu ihm zu gehen Manchmal war er bewußtlos, doch meistens hatte er seine fünf Sinne ganz klar. „Sie fürchtet, ich könne es verraten. Ghitton," flüsterte er mir eines Tages zu, als es mir doch gelungen war, einen Augenblick zu ihm zu dringen„Und, weiß Gott, ich thue es auch noch, ich habe sie nie leiden mögen, und es wäre doch eine Schlechtigkeit, zu sterben, ohne es Dir zu bekennen!" „Was zu bekennen?“ sorschte ich strenge. „Du hörst es so noch früh genug. Sigurd, mein Junge Du bist ein guter Mensch, und mir thut es leid um Dich Ich habe schlecht an Dir gehandelt und bereue es, aber es war seinerzeit eine große Unterhaltung und ein gelungener Streich. Still, sie kommt, kein Wort vor ihr ich werde Dir schon noch alles mitteilen“ Ich war befremdet, hielt aber seine Reden noch immer für wilde Fieberphantasien Sie trat ein und blickte angstvoll von dem Kranken auf mich „Hat er geredet?“ fragte sie. „Nichts, was Dich interessieren könnte. Eugenie, mein Mädchen,“ sprach der Kranke mit schwacher Stimme.„Kein Wort von Dir, frage ihn, wenn Du mir nicht glaubst!“ Ich hielt noch alles für Delirium. Wen Gott strafen will, den schlägt er mit Blindheit! Mein wahnsinniger Rausch hatte schon vier Monate gewährt, es war Zeit, daß ich erwachte. Der Major wurde kränker und kränker, seine letzte Stunde nahte heran, Eugenie verließ ihn fast nie und versuchte es nech immer mit aller Macht, mich fern von ihm zu halten. 68,20 Ge Die Mitglieder der hiesigen Brieftaubenvereine„Blitzpost",„Blitzschnell",„Courier" und„Vereinte Freunde" haben ihre Tauben der Militär=Verwaltung zur Verfügung gestellt, weßhalb diese Tauben den Schutz des Gesetzes vom 28. Mai 1894(R.=G.=Bl. S. 463) genießen, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Wattenscheid, 19. Dezember 1899. Der ese e Gefunden. Am 18. Dezember 1899 ist im hiesigen Stadtbezirk eine Wagenlaterne gefunden worden. Der Verlierer der obenbezeichneten Fundsache wird hierdurch aufgefordert, sich zur Geltendmachung seiner Rechte innerhalb 3 Monaten bei der unterzeichneten Behörde zu melden. Nach Ablauf dieser Frist wird mit dem Funde gemäß§§ 6 u. f. des Reglements über die polizeiliche Behandlung der Fundsachen vom 21. April 1882 verfahren. Wattenscheid, 19. Dez. 1899. die Stadt=Polizeiverwaltung: Der Bü gerweister Wibberding Bekanntmachung. In theilweiser Abänderung meiner Bekanntmachung vom 27. v. Mts. wird für die Amtsbezirke des Kreises der Verkauf in den offenen Handelsgeschäften und die Beschäftigung von Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern in allen Zweigen des Handelsgewerbes für folgende Stunden zugelassen: 1. Am Sonntag, den 24. d. Mts. von 12 Uhr Mittags bis 10 Uhr Abends. Die Verkaufszeit während des Vormittags fällt fort. 2. Am Sonntag, den 31. d. Mts. von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends mit Ausnahme der Stunden von 9,30 bis 11,30 Uhr Vormittags Gelsenkirchen, 14, Dezember 1899. Königl. Landrath V.: Schmidt, Regierungs=Assessor. Wird hiermit veröffentlich. Wattenscheid, 20. Dezember 1899. Der Amtmann Emisch. Bekanntmachung. Am 24. Dezember, Sonntag, sollen der Annahme= und Ausgabe=, sowie der Telegraphendienst in der für die Werktage festgesetzten Ausdehnung abgehalten werden. Wattenscheid, 20. Dezember 1899. Kaiserliches Postamt. Völlmeke. Zwangs-Verkauf. Freitag, 22. Dezember 1899, Vormittags 9 Uhr, werde ich im Pfandlokale Hochstraße 5 hier complette Zimmereinrichtungen öffentlich meistbietend gegen Baar versteigern. Griessmann, Ortichspolscher Matterthch. Freiwillige Versteigerung. Freitag. den 22. Dez. er., Vorw. 9 Uhr u. Nachm. 2 Uhr und Samftag, den 23. Dez er., Vorw. 9 Uhr werde ich im Pfandlokale, Hochstraße 5 hier 1 Glasschrank, Stühle, 1 Tisch, 1 Wasserbank, 1 Küchenbrett, Teller, dann ferner eine große Spiel= u. Galauteriewaaren, Tinten, Papierwaaren, 1 Stuhlschlitten, eine Parthie Damen=Winter=Jachets und Mäntel, Glaces=Handschube, einen großen Posten Maunfatur=Waaren, Buxkin, Cheviot, 2c. öffentlich, weistbietend gegen Baar versteigern. Eriessmann, Gerichtsvollzieher, Wattenscheid. Friechen 1 Krieger-Verband der Stadt Wattenscheid. Der Kamerad Joseph Buhl vom Deutschen Krieger-Verein„Kaiser Wilhelm“ ist gestorben. Zur Beerdigung tritt der Verband Freitag den 22. Dezember vormittags 8,15 Uhr in der Vödestrasse an. Das Präsidium. PncenerP Unterzeichneter empfiehlt seine aufs schönste ausgestatteten Lokalitäten, verbunden mit Winter=Garten und Krippen=Barsiellung zum gesälligen Besuch. Gleichzeitig empfehle mein neues französisches Billard zur gefälligen Benutzung. Achtungsvoll F. Fichtner. 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Jahrgang. 6 „„ 8 für täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet inel. Botenlohn 2 Ukk., in der Geschäftsstelle 1.75 Mk. vorauszahlbar,(I.n Posizebiet 2 Plk.) Wattenscheid& Amt Aeckendor# Anzeigen werden die Peritzeile oder deren Raum mit 15 Pfg., für mit 18 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile berechnet. Eine Zusage für bevorzu### Stellung kann nicht gegeben werden, billige Wünsche werden gern erfücle. Schriftlettung, Druck und Verlag von Carl!Lusch in Wattenscheid. Telephon Nr. 181. ES#.i Sen Sn T S K * 1 in grösster Nuswahl, in allen Farben und Stoffen, ein- u. zweireihig von bole Wattenscheid, Oststrasse 24, Oststrasse! 24. * Einzigstes Geschäft dieser Art am) Platze. Verkaufe p. Pfund: Pflaumen von 18 Pfg. an Audeln 22 pfg. Cafel-Reis 13, 15, 18, 20 Pfg. Apfel=Schnitzel 36 Pfg. Neue Linsen 18 Pfg. Weiche Bohnen 10 pfg. Gelbe Erbsen 11 Pfg. Grüne Erbsen 15 pfg. Libbelbobnen 12 Pfg. Geschälte gelbe Erbsen 20 Pfg. Geschälte grüne Erbsen 24 pfg. Graue Erbsen 16 pfg. 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Bericht über den Newyorker Produktenmarkt, die wichtigst. während der Nachtu des Morgens eingelaufenen Nachrichten usw., sowie ein reichhaltiges Feuilleton. Die Abendausgabe enthält telegraphische Berichte über die bedeutendsten politischen, wirthschaftlichen und lokalen Ereignisse des Tages, die Berliner Börsenkurse desselben Tages, einen großen Teil der Kurse der in= und ausländischen Waaren= börsen vom gleichen Tage, vermischte, feuilletonistische und Familien=Nachrichten aller Art, und den Anfang der Berichte über die Parlaments=Verhandlungen desselben Tages. 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Sie hat mir befohlen, ihr für immer aus den Augen zu geyen, so etwas läßt man sich nicht zweimal sagen!“ „Wie hat sie das über sich vermocht!“ murmelte Lady Payron, während sich ihre sanften, blauen Augen mit Thränen füllten.„Du, ihr einziger Sohn, der einzige, der ihr geblieben, den sie so unsäglich liebte. „O, wie konnte sie es thun! Sigurd, auch ich habe einen Sohr, meinen kleinen Felix, und ich liebe ihn so unaussprechlich, daß ich weiß, kein Verbrechen, welches er begehen würde, und wäre es selbst ein Mord, könnte diese Liebe auslöschen. Er könnte thun, was er wollte, und sei es das schlechteste, ich würde ihn dennoch lieben und ihn in meine Arme schließen.“ Ihr sonst bleiches Gesicht glühte, ihre Augen leuchteten, ihre Stimme bebte vor innerer Teilnahme und Erregung. Ihr Vetter blickte sie freundlich an. „Das will ich Dir glauben, Leonie; aber es giebt eben verschiedene Mütter, und die Vicomtesse Payron und Mistreß Ghitton sind zwei verschiedene Charaktere. Ich habe die spartanisch organisierten Naturen nie verstehen können, die sich stets ein Vergnügen daraus machen, dem Menschen ein zweischneidiges Schwert in die Brust zu stoßen; trotzdem wiederhole ich, das Urteil war hart, aber gerecht.“ „Sigurd, erzähle mir alles, willst Du? Ich weiß so wenig, nur was die Zeitungen darüber brachten.“ „Lohnt es sich der Mühe, Leonie? Es ist keine hübsche, keine lehrreiche Geschichte. Liegt Dir denn wirklich daran, näheres zu wissen?“ „Sigurd!“ „O, ich kenne Deine Teilnahme und Dein Interesse an allem, was mich betrifft, und deshalb will ich Dich auch mit der Erzählung meines Wahnsinns laugweilen. Gott im Himmel, was für ein Narr ich doch gewesen bin! Was für ein lenksamer, blinder, begriffsverwirrter Narr!" „Du.. Du hast sie geliebt, Sigurd?“ „Ich vermutete, jene blinde Raserei wäre Liebe; ihre seltene Schönheit hatte es mir angethan. Sie war eine Zauberin, die fast alle Männer zu fesseln wußte. Warum sie alle anderen bei Seite ließ und nur mich bevorzugte, wo doch das ganze Bataillon zu ihren Füßen schmachtete, das war klar. Ich war der jüngste, der reichste, der leichtgläubigste aller ihrer Bewerber in ganz Nelton. Sie verdrehte alle Köpfe, doch bei keinem durfte sie mit solcher Bestimmtheit auf den Trauring hoffen. Ich hatte sie erst sechsmal gesehen, als ich sie schon beschwor, mich zu heiraten. Daraus allein kannst Du entnehmen, wie unzurechnungsfähig ich war.“ „Sie ist schön, nicht wahr, Sigurd?“ „Sogar mehr denn schön, Leonie. Sie war klein und schlank, hatte zwei schwarze, funkelnde Augen und ein Lächeln, das den Ruhigsten außer Fassung brachte. Alle jungen Leute in Nelton schwärmten für sie, sie war das allgemeine Stadtgespräch. Nur die Frauen mochten sie nicht gerne leiden; ich glaube, sie fühlten instinktiv, daß nicht alles richtig sei Bevor sie eine Woche in Nelton waren, bildete Major Kelvin und seine Tochter das einzig interessante Thema, im Ballsaal, wie in der Kaserne." „Sie war also eine geborene Kelvin?“ fragte Lady Payron in gepreßtem Tone. Ihre eine Hand ruhte noch immer auf seinem Arm, während sie langsam im Gespräche vertieft auf und ab gingen In vergangenen Tagen hatte sie ihren Vetter recht gerne gehabt, er war ihr wie ein Bruder erschienen, sagte sie sich jetzt, denn sie wollte sich selbst nicht eingestehen, daß sie ihn geliebt habe. „Höre nur. Ich war schon ein Jahr vor ihr in Nelton gewesen, nur einige langweilige Bälle unterbrachen die Einförmigkeit der ganzen Zeit Plötzlich erschien sie, und mit ihr kehrte Leben ein. Major Kelvin führte seine Tochter in unsere Kreise, und alles erschien mir anders Kelvin genoß keinen ehrlichen Namen, er war ein Trinker und Spieler, dessen halbes Gehalt wegen seiner namhaften Schulden stets mit Beschlag belegt war. Er war Witwer und hatte nur eine Tochter, welche sich weigerte, bei ihrem nicht sehr ehrenwerten Vater zu leben, und deshutd bei einer befreundeten Familie in Vilmida wohnte. Der Major hatte die Gewohnheit, zeitweise plötzlich auf einige Tage zu verschwinden Nachdem er einmal länger als gewöhnlich abwesend war, erschien er zu unser aller größtem Erstaunen mit seiner Tochter An einem trüben Herbstabend begegnete er mir, ate als ich planlos durch die Straßen irrte, um mich für ein großartiges Diner zu wappnen, das mir bevorstand und mich so sehr langweilte, daß ich alle Gastgeber zum Henker wünschte. Ohne viele Umstände legte Major Kelvin seinen Arm in den meinen. „Auf dem Wege zu Dalkeith?“ rief er lachend,„alter Knabe, Du siehst jetzt schon zu Tode gelangweilt aus. Warum stempelst Du Dich zum Märtyrer, Sigurd, mein Junge, warum bringst Du Dich selbst am Altar der Freundschaft zum Opfer dar? Laß den geldstolzen Handelsherrn fahren, bei den Du geladen bist, komm' in mein einfaches Zelt und laß uns beide Karte spielen. Ich setze Dir ein Glas Sherry vor, wir unterhalten uns, und Du hast noch immer Zeit, zu Dalkeiths zu gehen, wenn das Aergste vorüber ist. Ueberdies,“ fuhr er mit unmerklichen Augenblinzeln fort,„möchte ich Dir mein kleines Mädchen zeigen; Gott schütze es. Endlich hat sie sich doch bewegen lassen, zu ihrem Vater zu kommen, um seine einsamen Stunden zu versüßen!" Ich erhob leise Einsprache, gab aber doch endlich nach. Ich hatte keine besondere Vorliebe für das Kartenspiel. Der Major war ein vorzüglicher Spieler, was wir gern leiden mochten, obwohl ein Spiel mit ihm uns teuer zu stehen kam. „Stollery, Maskeline und noch zwei, drei junge Leute kommen,“ sagte er, indem er, bei seiner Behausung angelangt, hastig voranschritt.„Eugenie wird Dir ein Nachtessen geben und Dir ein Lied vorsingen, wenn Du gern willst. Tritt ein, Sigurd, tritt ein, mein Junge, dreimal willkommen in dem schlichten Heim des alten Kriegers!" Ich kam aus der kalten, finsteren canadischen Nacht in ein hell beleuchtetes Gemach und sah geblendet das lieblichste und schönste Antlitz vor mir, das ich je auf Erden erblickt. Bei unserem Eintritte war sie hastig emporgesprungen, denn nach Katzenart hatte sie ganz zusammengerollt am Kamin gelegen, und zwei große, wunderbar leuchtende, schwarze Augen blickten verwundert zu mir empor. Als ich in Bewunderung versunken vor ihr stand, schlug des Majors rauhe Stimme an mein Ohr:„Meine Tochter Eugenie.. mein junger Freund, Mister Ghitton von Schloß Ghitton in England. Sigurd, mein Junge, sieh' Dir meine kleine Eugenie an.“ Eine kleine, braune Hand streckte sich mir entgegen, ein paar Rosenlippen lächelten mich an und die dunklen Augen leuchteten in heller Freude.. 68.20 SUWIS Nallaurschen kouft man in größter Auswahl, zu wahrhaft stounend billigen Preisen bei NB. Wir machen auf unsere Schaufenster=Decoration ganz besonders aufmerksam! L. Röttgen& Co. Oststrasse No. 13. Feinstes Weizenmehl 000 Pfund nur 11 Pfg. Kaisermehl Blüthenmenl lose und in 5 Pfund BeutelCitronat, Drangeat, Gardamom, Hagelzucker, Staubzucker, Gitronen, Dr. Oetkers Backpulver Dr. Oetkers Puddingpulver Oetkers Bauillin Süße Mandeln Pfund 90 Pf. empfiehlt N. Auismahn. zum ausbraten per Pfd. 45 Pfg. Consum Anstalt e. Grossweischede, Hochstraße 21 gegenübr der kuh. Schule. Neue Rosinen Pfd. 24 Pfg. H. 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Wenn es mein Valir zuließe, würde ich morgen zurückkehren.“ „Papa will aber nicht,“ fiel ihr der Major lachend ins Wort.„Papa kann seinen Liebling nicht entbehren. Mister Ghitton wird sich sicher alle Mühe geben, Dir die Zeit zu verkürzen. Horch, ich höre lautes Klopfen, es werden die anderen sein!" Mit viel Lärm und Gelächter traten drei oder vier andere Ofsiziere ein, welche alle der schönen Eugenie vorgestellt wurden. Wie es den anderen erging, weiß ich nicht; ich aber hatte von dem Augenblicke an, wo ich Eugenie zuerst erblickt, vollständig den Kopf verloren. Du kennst mich hinreichend. Leonie, um zu wissen, daß ich nichts halb thue; nur einmal blickte ich in die wunderbaren, träumerischen Augen und beschloß, wenn es in menschlicher Gewalt liegen würde, Eugenie Kelvin zu meinem Weibe zu machen. Ich versäumte keine Zeit, sondern betrieb meine Werbung sogleich. Kein Wunder, wenn alle anderen mich auslachten. Auchsie bewunderten ohne Zweifel die Tochter des alten Kelvin, aber nicht in so excentrischer Weise; solche Narrerei überließen sie mir. Die herrliche Eugenie lächelte mich verlegen an, sie war an so überwältigende, an so plötzliche Verehrung nicht gewöhnt, der spröde Engel. Und doch lächelte sie und gestattete, daß ich sie zu der entfernten Ecke des Gemaches geleitete, in welcher das Klavier Kand, Währggt, Leir, aut er ghich, den größter Unparteilichkeit jeden der Herren betrog. Sie spielte auf dem verstimmten Instrumente, sie sang ein Lied um das andere mit ihrer herrlichen Altstimme und berauschte mich auf diese Weise vollkommen. Ich sehe sie jetzt noch vor mir sitzen, wie ich sie an jenem Abend gesehen, in rosafarbenem Gewande, mit weißen Rosen im Gürtel und an der Brust! Der Duft weißer Rosen ist mir für mein ganzes übrige Leben unerträglich geworden. Es war schon spät, als wir aufbrachen, und Miß Kelvin wandte sich scheu von den anderen Männern ab und reichte mir mit vertrauensvollem Lächeln die Hand. Ich ging mit wirbelnden Gedanken aus dem warmen, hellerleuchteten Zimmer hinaus in die kalte, finstere Nacht. Die anderen, welche beim Kartenspiel stark mitgenommen worden waren, neckten mich aufangs über die Eroberung, welche ich gemacht, doch der Major hatte ihre Börse so ausgiebig geplündert, daß alle nach und nach sich ihren eigenen Gedanken überließen und monotone Stille herrschte Am folgenden Abend wollte er ihnen Revanche geben und hatte in seiner vorsorglichen Liebenswürdigkeit auch mich eingeladen. „Obwohl Du Dich garnicht mit mir befaßt hast, Ghitton,“ sagte der Major,„kannst Du doch Eugenie zerstreuen und sie davor bewahren, vor Langeweile zu vergehen. Ja, komme morgen und bringe ihr neue Lieder mit. Sie hat eine Leidenschaft fur Musik und eine Stimme, welche die ganze Welt bezaubern würde, wenn ihr armer, alter Vater das nötige Geld hätte, um ihr den Unterricht geben zu lassen.“ In fieberhafter Unruhe verbrachte ich die Morgenstunden. „Eugenie, Eugenie,“ in dem Namen allein liegt schon zu viel Poesie, um zu denken, daß diese kleine, weihevolle Rose die Tochter eines alten Thunichtgut sei, aber ich wollte sie heiraten und sie nach Ghitton zu meiner Mutter bringen und malte mir aus, wie meine Mutter mit offenen Armen die liebliche Braut des Sohnes empfangen werde. Ich fürchtete nicht einen Korb, ich war von Natur sanguinisch und sie vom ersten Augenblicke an so gütig zu mir gewesen, wie ich es gar nicht besser hätte wünschen können, wenn sie nur nicht, und mir wurde kalt und heiß bei dem Gedanken, in Vilmida einen Verehrer zurückgelassen hatte Zur frühest möglichen Stunde kleidete ich mich an und ging auf Eroberung aus. Vorher kaufte ich einen ganMusikelsen und betrat, mit diesen bewaffnet, Major Kelvins Behausung. Der Major sei nicht zu Hause, Fräulein Eugenie aber sei im Wohnzimmer, teilte mir eine finster dreinblickende Magd mit. Ich trat ein, Eugenie kam mir entgegen, um mich zu begrüßen, frischer, jünger und schöner, bei der yellen Beleuchtung des Tages als abends bei Lampenschein. „O, wie viele Noten, wiefreundlich von Ihnen, alle meine Lieblingslieder. Wie kann ich Ihnen je genug danken?“ „Indem Sie mir gestatten, jeden Tag zu kommen, indem Sie mir ein wenig gut sind, indem Sie mir gestatten, auszusprechen, wie glücklich es mich machen wird, wenn ich sehe, daß ich willkommen bin.“ Ich errötete und stammelte wie ein unmündiger Knabe, indem ich ihre Hand an die Lippen zog. Jetzt kann ich es mir lebhaft vorstellen, wie sie in ihrem Innern damals schon über den Thoren gelacht haben muß, der so vertrauensselig in die Falle lief. Ich lauschte Stunden lang ihren Liedern, kam aber doch zu dem dunklen Bewußtsein, daß ihre musikalischen Kenntnisse sehr ungenügend seien, und daß sie eigentlich sehr wenig zu sprechen wisse. Abends kam ich wieder, Eugenie und ich genossen wieder ein ungestörtes trauliches Zusammensein, der alte Gisbert Kelvin rupfte wieder einige unschuldsvolle militärische Schafe, und so ging es eine Woche hindurch jeden Abend; dann wanderte ich eines Tages zu Major Kelvin und warb um die Hand seiner Tochter. Die maßlose Verwunderung des Alten war meisterhaft gespielt. Seine Tochter, seine Eugenie, sein kleines Mädchen, das ich erst seit einer Woche kennen gelernt, und noch dazu die Verschiedenheit unserer Stellung. Ob ich denn wisse, was ich wolle? Er arbeitete sich mit großem Geschick in die Rolle des entrüsteten Vaters; es könne doch nicht meine Absicht sein, ihn zu beleidigen, er sei ein armer Mann, deswegen aber doch gerade so gut wie ich ein Offizier und Ehrenmann. „Habe ich eine Schlange in den Schoß meiner Familie ein. geführt?“ fuhr er tragisch fort.„Sie, Mister Sigurd Ghitton, sind der Erbe großer Reichtümer, sind der letzte Ihres Geschlechtes, stammen aus einer uralten Adelsfamilie, ich..ich. bin wenig mehr als ein Bettler, aber trotzdem „Zum Henker, Kelvin," unterbrach ich ungeduldig die wohlgesetzte Rede,„was für Dummheiten redest Du denn; ich meine in vollem Ernste genau das, was ich ausspreche." 68,20 Nau Auft Damen- us Herren- Confection mns sämmtliche Zunajuctür.. i Wattenscheis se* Gobrador-PhahT 42 Geschäfte. 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Der Verkauf von Back= und Konditorwaren, von Fleisch und Wurst, der Milchhandel und der Betrieb der Vorkosthandlungen darf deshalb auch an den genannten Sonntagen außer den allgemeinen freigegebenen Verkaufsstunden schon vor deren Beginn von 5 Uhr Morgens ab unter Wahrung der für den Hauptgottesdienst bistimmten Paus=, der Milchhandel auch Nachmittags von 7 bis 8 Uhr stattfinden. Gelsenkirchen, den 19. Dezember 1899. Der Königliche Landrath: Dr. Hamnerschmit. Zekanntmachung. Ergänzung und Abänderung meiner Bekanntmachung vom 1. d. Mts, wird für den Bezirk der Stadt Wattenscheid der Verkauf in den offenen Handelsgeschäften und die Beschäftigung von Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern in allen Zweigen des Handelsge werbes am Sonntag, den 24. d. Mts., Vormittags von 8.30 bis 9.30 Uhr und von 12 Uhr Mittags bis 9 Uhr Abends zugelassen. Ferner wird für Sonntag, den 31. d. Mts., der offene Handelsv. kehr über die allgemein zugelassene Zeit hinaus bis 7 Uhr Abends genattet, soweit es sich um den Vertrieb von Erzeugnissen der Papier= Industrie handelt. Endlich wird dann noch genehmigt, daß an den vorgenannten beiden Sonntagen das Barbier= und Friseur=Gewerbe während der angegebenen Geschäftsstunden für das Handelsgewerbe ebenfalls ausgeübt werden kann und die Beschäftigung von Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern in demselben gestattet ist. Wattenscheid, den 18. Dezember 1899. Die Stadt-Polizei=Verwaltung: Der Bürgermeister: Wibberding. Rakao garantirt rein, per Pfund 1,50 Mk., "" 240„ ½ Pfund 30 Pfg. ½" 36„ )" 48„ Bruch-Chokolade, garautiert rein, per Pfund 0,80 Mk., ¼ Pfund 20 Pfg., sowie sehere Cctl=chelcle zu 1,25, 1,60, 2,00, 2. 40 Mk. per Pfd., ewpfiehlt Kaiser's Kaffee=Geschäft Wattenscheid, Oftstraße 22. Resle Betlenung! 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