— 1 1 Nr. 151. (1. Blatt.) Samstag, den 4. Juli 1896. 28. Jahrgang. E„ G#ngr Organ für Stadt& Amt Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet vierteljährlich inel. Botenlohn 2 Mk., in der Geschäftsstelle 1.75 Mk. vorauszahlbar.(Im Postgebiet 2 Mk.) Kartenscheid& Lcmr Kemendorf. Anzeigen werden die Petitzeile oder deren Raum mit 15 Pfg., für Auswärts mit 18 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile berechnet. Eine Zusage für bevorzugte Stellung kann nicht gegeben werden, billige Wünsche werden gern erfüllt. Schriftleitung, Druck und Verlag von Carl Busch in Wattenscheid. Die deutsche Rechtseinheit. Der 1. Juli ist für Deutschland zu einem geschichtlichen Gedenktage geworden. Die 3. Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches wurde an ihm beendet und das große nationale Werk selbst mit 222:48 St. angenommen. Nur die Sozialdemokraten, die bayerischen Bauernbündler und 2 Konservative stimmten gegen dasselbe; die Antisemiten und Welfen enthielten sich der Abstimmung. Da der Bundesrath den Beschlüssen des Reichstages zweifellos zustimmen wird, erfreut sich die ddeutsche Nation nunmehr einer Errungenschaft, deren Größe nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Den großen nationalen Justizgesetzen, dem Gerichtsverfassungsgesetz, der Civilprozeß= und Strafprozeßordnung und dem einheitlichen Strafgesetz reiht sich das einheitliche Bürgerliche Gesetzbuch ebenbürtig an. Von heute ab ist die deutsche Rechtseinheit, die zwar erst mit 1. Jan. 1900 ins Leben tritt, eine vollzogene Thatsache und damit der heißersehnte, aber kaum für erfüllbar (gehaltene Wunsch der besten Patrioten verwirklicht. Mit lebhaftem Danke wendet sich das Auge der Nation unwillkürlich den Männern zu, die in 20jähriger unermüdlicher Pflichterfüllung ihre ganze Kraft dem großen Werk gewidmet haben. Viele von ihnen vermochten leider den Lorbeer ihrer Mühen nicht mehr selbst zu pflücken. Sie haben der Endlichkeit alles Irdischen ihren Tribut gezollt; aber ihr Geist lebt fort in dem großen Gesetzgebungswerk und ihr Name wird verzeichnet bleiben auf der nationalen Ehrentafel an der Seite der Geistesheroen, welche Deutschlands Einheit begründet und den vaterländischen Schöpfungen Form und Inhalt gegeben haben. Dem großen Werk haften natürlich auch Mängel und Schwächen an. Man wird dies verstehen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß seine Bestimmungen das gewaltige Gebiet aller aus den vielgestalteten Wechselbeziehungen des nationalen Zusammenlebens sich ergebenden bürgerlichen Rechtsverhältnisse, soweit sie nicht Sondergesetzen vorbehalten sind, umfassen sollen und nur zu oft ein Kompromiß der sich widerstrebenden Rechtsanschauungen und Sonderinteressen darstellen. Aber diese Fehler verschwinden gegenüber den unermeßlichen Vorzügen des neuen Gesetzbuches, in welchem sich nicht nur ein nationales Recht, sondern auch eine geläuterte Rechtsauffassung der Nation darbietet und gewissermaßen die Größe des geistigen und sittlichen Vermögens und mit ihr die Höhe der Kultur des lebenden Geschlechts einen scharf bezeichnenden Ausdruck erhält. Einen Dank verdienen auch die Parteien des Reichstages, welche das Gelingen des Werkes in der gegenwärtigen Tagung durch hingebende Arbeit und mannhafte Thatkraft, oft genug unter Verleugnung tief empfundener, individueller Wünsche ermöglicht haben. Es war ein Zug von Seelengröße, der sich hier im Handeln sowohl, wie im Entsagen zu erkennen gab; ein großer Moment fand hier endlich einmal ein großes Geschlecht! Somit tritt das Bürgerliche Gesetzbuch unter den günstigsten Auspicien ins Leben; möge die Zukunft halten, was die Gegenwart so verheißungsvoll verspricht. Wian dier Boahlck. Roman von James Canterbury. 40 Sie hatte ihren Vormund niemals noch um einen Heller gebeten, und die Notwendigkeit, sich an ihn zu wenden, schien ihr eine harte Demütigung. Doch was blieb ihr übrig? „Selbst Salomon in seiner Pracht würde verschwinden neben einer so leuchtenden Sonne, wie ich!“ sprach plötzlich eine Stimme hinter Regina und Olga stand auf der Schwelle. Bei dem Klange von Olgas Stimme verbarg Reging das Geld wieder in ihrer Schublade und wendete sich, um Olga zu bewundern. Die elegante Toiletie bestand aus goldgelber Seide und echten Spitzen, mit prachtvollen Theerosen geziert, während an Hals und Armen schöne Topase glänzten. Olga sah mit ihren sprühenden Augen, frischen Farben und rötlichen Haaren wie eine Vision aus, die Regina mit unverhohlener Bewunderung betrachtete. „Herrlich“, rief Regina entzückt,„Sie sind herrlich, Olga!“ „Sind Spitzen und Seide so unwiderstehlich oder meine Person?" „Beides, der Anzug und die Trägerin, ich habe Sie noch nie so schön gesehen.“ „Danke! das Ergebnis meiner Selbstverleugnung, das Resultat eines ruhigen Tages im Bett, nur in Gesellschaft meiner Träume und schwellenden Kissen. Ich hatte die Wahl zwischen Frau Artens Frü stück und Frau Tarrants Ball, und ich wählte den letzteren. Ich erscheine mir heute wie der verkörperte Sonnenschein, während Sie wirklich totenbleich sind. Kommen Sie näher, und erwärmuen Sie sich in der Sonne meiner Gnade,“ sagte Olga lachend und nach einer Pause fuhr sie fort:„Heute wurde ich angenehm überrascht. Nachdem Sie und Mama mich verlassen, träumte ich von dem Zauber meiner Toilette, als plötzlich die Dienerin mir eine Kassette mit dem reizenden Schmuck, den ich jetzt trage, brachte.“ Dabei lag eine Karte von Arthur Palma, worauf er geschrieben hatte, er glaube, dieser Schmuck dürfte mit meiner Toilette harmonieren und erlaube sich deshalb, ihn mir zu Füßen zu legen. Es wird mich gar nicht wundern, wenn die Welt demnächst untergeht. Ich verstehe jetzt, daß nur die stolze Olga Neville vor Palmas Augen keine Gnade finden konnte, daß aber die zukünstige reiche Frau Silvius Congreve mit jedem nur denkbaren Luxus umgeben werden soll. Mama teilte mir eben mit, daß ihr edler, großmütiger Stiefsohn meinem zukünftigen Gemahl an meinem Hochzeitstage zehntausend Dollars auszahlen werde.“ Deutschland. Berlin, 3. Juli. Die 2 ältesten kaiserlichen Prinzen sind gestern Nachmittag 5,30 auf der Matrosenstation angekommen und von der Kaiserin, den Prinzen Adalbert und Joachim und der Prinzessin Viktoria Louise empfangen worden. — Der Kaiser ist heute Vormittag an Bord der Yacht Hohenzollern von Christiansand in See gegangen; das Wetter hat sich aufgeklärt. — Der Kaiser richtete an den Reichskanzler folgendes Telegramm:„Christiansand, 3. Juli. Ew. Durchlaucht spreche Ich Meine hohe Befriedigung für die endgültige Erledigung des großen Weckes aus, das Deutschland ein einheitliches bürgerliches Recht sichert. Mit dem Ausdruck Meiner Anerkennung verbinde Ich gern Meinen besondern Dank für Ihre angestrengte Mitwirkung und erfolgreiche Leitung bei dieser Arbeit, in deren Abschluß ich ein neues Bindemittel für das im Reich geeinte Vaterland erblicke.“ Der Kaiser hat dem chinesischen Vicekönig Li=HungTschang das Großkreuz des Roten Adlerordens in Brillanten verliehen. — Der Reichskanzler hat Berlin verlassen und sich über Nürnberg, wo er voraussichtlich die Ausstellung besuchen wird, nach seinem Schloß Alt=Aussee in die Sommerfrische begeben. Das Staatsministerium hielt heute Nachmittag eine Sitzung ab. — Auf der Tagesordnung der am 19. und 20. August zu Dresden stattfindenden Hauptversammlung des Deutschen Apothekervereins stehen Anträge auf Ausarbeitung einer homöopathischen Pharmakopöe, auf Aenderung der getroffenen Maßnahmen bei der Prüfung der Waagen und Gewichte in den Apotheken, auf Aenderung der Vor= und Ausbildung der Lehrlinge sowie auf Anstrebung der Wahl der pharmazeutischen Mitglieder des Apothekerbeiraths durch die besitzenden bezw. konditionierenden Apotheker. Schließlich wird ein Antrag zur Berathung kommen, in welchem Leipzig als Ort für die nächstjährige Hauptversammlung des Deutschen Apothekervereins in Vorschlag gebracht wird. — Die Akademie der Wissenschaften hielt gestern eine Festsitzung anläßlich des 250. Geburtstages ihres Stifters Leibniz ab. Schmoller hielt die Gedächtnisrede für Professor v. Sybel und v. Treitschke. — Ein Verein zum Schutz des Detailreisens, der über ganz Deutschland seine Wirksamkeit erstrecken soll, wird in den nächsten Tagen gegründet werden. Das vorbereitende Komitee erläßt einen Aufruf, um mit vereinten Kräften für das durch die Gewerbenovelle so arg bedrohte Detailreisen einzutreten. Chrstiansand, 2. Juli. S. M. Yacht Hohenzollern ist nach guter Ueberfahrt 6 Uhr nachmittags vor Christian= sand eingetroffen, von wo die Reise morgen nach Hardangerfjord fortgesetzt werden soll. An Bord ist alles wohl. All dies hatte Olga hastig gesprochen, als wenn sie eine Unterbrechung befürchtet hätte, während sie sich im Spiegel besah und bald ein Blatt, bald eine Spitze sorgsam ordnete. Regina sah recht gut, daß Olga auf diese Weise die unverhoffte Begegnung beider ignorieren wolle und beschloß, deshalb nichts davon zu erwähnen. Olga fuhr fort:„Waren Sie wirklich nicht wohl und konnten nicht bei Tisch erscheinen, oder übten Sie nur jeue Verstellung, die ich Ihnen so warm empfohlen habe? Sie haben freiwillig einem außergewöhnlich guten Mahl entsagt. Als Ihr Platz leer blieb, verfinsterte sich das Antlitz Ihres hochverehrten Vormundes, wie der Himmel an einem Gewittertag und der arme Emil Rolton blickte darein wie ein verhungernder Wolf. Jedenfalls glaubte er, Sie und Arthur Palma sännen auf sein Verderben.“ „Gehen Sie freundlich mit ihm um. Er ist besser, als sein Vetter, überhaupt der beste von uns. Was haben Sie ihm denn angethan, daß er so sehr zum Verzweifeln geneigt ist?“ „Ich habe Herrn Rolton seit einer Woche gar nicht gesehen.“ „Jedenfalls glaubt er, Sie erst heute nachmittag gesehen zu haben: doch der Schein kann trügen und Aehnlichkeiten täuschen oft. Soll ich Emil sagen, daß er geträumt und Sie nicht gesehen habe?“ „Sagen Sie ihm gar nichts; es ist leicht möglich, daß ich ihm heute im Laufe des Tages auf der Straße begegnet bin, doch jedenfalls ist das nicht von Wichtigkeit. Olga, Ihr Armband geht auf.“ Während Olga sich niederbeugte, um das Schloß zu befestigen, legte sie ihre Hand auf Reginas Schulter. „Es ist Ihnen ein herber Schmerz widerfahren und Ihr Antlitz hat die große Frauenkunst noch nicht erlernt, das Elend hinter einem heiteren Lächeln zu verbergen. Verstehen Sie mich recht, liebes Kind! Ich will Ihr Geheimnis nicht erforschen. Ich will die Wunde nicht kennen, ich würde sie mit meiner philosophischen Weltanschauung nur noch verschlimmern. Vertrauen Sie Arthur Palma. Er kann Ihnen helfen und daß er es will, das weiß ich Schlafen Sie jetzt, meine zarte Blume, und träumen Sie von besseren künftigen Tagen.“ Sie beugte sich nieder, küßte Regina zärtlich auf die Stirne und sah ihr mitleidig auf die Augen; dann drückte sie die Freundin ungestüm an das Herz. Sie eilte von dannen und einen Augenblick später klang ihr fröhliches Lachen aus der Vorhalle in Reginas stilles Gemach herauf. Telephon 181 Gelsenkirchen. 2. Juli. Es verlautet, der Fürst von Montenegro werde die verschobene Reise nach Konstantinopel Ende August antreten; unmittelbar darauf werde er Sofia besuchen, wo sich gleichzeitig der König von Serbien einfinden werde. Der Gegenbesuch des Königs von Serbien in Cetinje werde wahrscheinlich Ende Juli erfolgen. — Nachdem die Armeespenden für ein im Brucker Lager zu errichtendes Erzherzog=Albrecht=Denkmal die unerwartete Höhe von 150000 fl. erreicht haben, ist das Kriegsministerium im Einverständniß mit den beiden LandesverteidigungsMinisterien von der Errichtung eines Denkmals in Bruck abgegangen und hat den Kaiser gebeten, das Denkmal als eine Widmung der österreichisch=ungarischen Wehrmacht zu seinem 50jährigen Regierungsjubiläum anzunehmen und in Wien im Rayon der Hofburg oder eines im kaiserlichen Besitze befindlichen Gebäudes aufstellen zu lassen. Der Kaiser hat hierzu im Grundsatz seine Genehmigung ertheilt. Marseille, 2. Juli. Die letzte Post aus Tonkin meldet schreckliche Details über die besonders in den Norddistrikten herrschende Hungersnot. Das Hauptnahrungsmittel Reis fehlt seit 7 Monaten völlig. In der Provinz Langson stürmten die Bauern vielfach die Magazine. Infolge Hungertyphus sterben täglich eine große Anzahl Persenen. Es gehören mindestens drei gute Jahre dazu, damit sich Tonkin wieder von dem Elend erholen kann. Brüssel, 3. Juli. Lihungtschang wird am 11. ds. Mts. nach Lüttich reisen und in Seraing, in der Wohnung des Direktors der Cockerillwerke, dem ehemaligen Landschloß der Lütticher Fürstbischöfe, absteigen, um diese Werke, und von Seraing aus die Krystallfabrik Val St. Lambert, das Fort Chaudfontaine, die Herstaler Landeswaffenfabrik und die Tuchindustrie in Verwiers zu besichtigen. Nom, 3. Juli. In der Kammer bezeichnete gestern Imbriani die Erklärungen des Herzogs von Sermoneta über die Kapitulation in Tunis als nicht klug. Die Erklärung stelle Italien vor die Alternative, eine Demüthigung zu erfahren oder den Krieg zu erklären. Der Minister erklärte, daß die Kapitulation bezüglich der Konsularjurisdiktion durch den Vertrag von 1884 aufgehoben worden sei. Was den Handelsvertrag betreffe, so habe er die Kapitulation nur bezüglich des Zollregimes geändert. Ein anderer Redner billigte die Erklärung des Ministers. — 3. Juli. In der Sitzung der Deputirtenkammer von Mittwoch gab der Ministerpräsident di Rudini in Erwiderung auf die Ausführungen des Abgeordneten Fortis, der gesagt hatte, man müsse die Bestimmungen der Dreibundverträge verbessern, die Versicherung, nichts stehe dem entgegen, das im Einverständniß mit den Vertragsmächten zu thun, wenn man das Vortheilhafte einer Verbesserung erkennen sollte. di Rudini versichert aber auch, daß der Dreibund voll und ganz die Interessen Italiens sichere. Jede Auslegung die Unfähig, den peinlichen Eindrücken des Tages zu entrinnen, and ihre Gedanken abzulenken, war es für Regina ein angenehmes Bewußtsein, daß Frau Palma und Olga das Haus verließen. Dadurch wurde sie neugieriger Fragen wegen ihres auffallenden Aussehens überhoben. Sie hoffte, daß Herr Palma sie vergessen und sich direkt von seinem Bureau auf den Ball begeben werde, so daß es ihr gestattet wäre, sich bis zum Morgen zu sammeln. Während des zweiten Jahres ihres Aufenthaltes in seinem Hause hatte sie auf Herrn Palmas Wunsch stets ihr Frühstück mit ihm zusammen eingenommen, bei welcher Gelegenheit sie auf demselben Platze saß, von welchem Frau Palma die Mahlzeiten zu präsidieren pflegte. Olga und ihre Mutter schliefen gewöhnlich lange und somit sah Regina dem morgigen Frühstück mit Bangen entgegen. Einige Tage, nachdem ihr Vormund sie in die Kirche begleitet hatte, war sie angenehm überrascht worden, in der Bibliothek eine schöne Orgel zu finden, auf welcher ein Streifen Papier lag. Herrn Palmas Hand hatte auf diesen Streifen die Worte geschrieben, er hoffe, Regina werde das Instrument als ihr ausschließliches Eigentum betrachten, und ihm zeitweise darauf etwas vorspielen. Schüchternheit war die Veranlassung gewesen, daß dieser letzte Wunsch noch nicht in Erfüllung gegangen war. Heute aber fühlte sie sich ganz sicher, ungehört zu bleiben, gerade heute auch hoffte sie Beruhigung im Orgelspiel zu finden, und somit ging sie in die Bibliothek. Wie gewöhnlich war das Zimmer hell erleuchtet und, eine leise Bewegung des einen schweren Vorhangs nicht beachtend, schloß Regina die Thür und schritt auf den Kamin zu. Unter dem Bilde ihrer Mutter lag die gewöhnliche Blumenspende und Regina blickte ernst und sinnend zu den geliebten Zügen empor. Konnte dieses stolze, liebliche Gesicht einem so tief unter ihr stehenden Gatten angehören? Worin bestand das Geheimnis und wie konnte die Lösung sein? „Nicht Du, teure, geliebte Mutter, kannst eine Schuldige sein. Möge die ganze Welt Dich verdammen, Dich mißachlen, mögen alle Dich verlassen: mein Glaube, mein Vertrauen werden unerschütterlich bleiben. Mutig wollen wir vereint kämpfen und im gemeinsamen Kampfe unsere Stärke suchen." „. Wie Regina so dastand in ihrem Schmerz, sah sie nicht mehr so rindlich, sojung aus, wie vor wenigen Stunden: sie machte den Eindruck eines gereiften Mädchens. * Sie wendete sich plötzlich ab und öffnete die Orgel, ließ sich I davor nieder und begann zu spielev. 40,20 darauf hinausgeht, glauben zu machen, man wolle in dem Vertrag Abänderungen vorneymen, ist durchaus unbegründet. Konstantinopel, 2. Juli. Die Vollstreckung der Todesurtheile rief unter den Armeniern große Erregung hervor. Gestern wurden in Stambul Plakate mit armenischem und türkischem Texte folgenden Inhalts aufgefunden:„Geliebte Brüder, erschreckt nicht über die Grausamkeiten der Regierung, auch die Bulgaren erduldeten unter Midhat=Pascha Ungerechtigkeiten, erlangten aber schließlich doch die Unabhängigkeit. Unter den Armeniern wurden neuerdings zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. 12 Redifbataillone des 3. Armeckorps in Saloniki erhielten Mobilmachungsbefehl. Athen, 3. Juli. Die türkischen Verluste in dem Kampfe bei Kissa sind beträchtlich. Man berichtet von 200 Toten. 3 Kanonen wurden erbeutet, die Türken wollten 1600 in Kambana von den Aufständischen belagerte Soldaten entsetzen. — Die türkischen Truppen haben wieder die Offensive ergriffen und versuchten gestern die strategischen Punkte zwischen Kissa und Warina zu befestigen und die Aufständischen zu umgehen. Nach blutigem Kampfe schlugen die Aufständischen die türkischen Truppen zurück und brachten ihnen ernste Verluste bei. New=York, 2. Juli. Nach Depeschen, die in Lima von La Paz eingetroffen sind, soll in Sucre(Bolivia) eine Revolution ausgebrochen sein. Bochum, 2. Juli.(Schwurgericht.) Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde heute verhandelt gegen den 21 J. alten Bergm. Heinrich Döll von Annen, wegen versuchter Nothzucht. Angeklagter stand bereits einmal wegen räuberischer Erpressung vor den Schranken des hiesigen Schwurgerichts, wurde s. Zeit aber nur der einfachen Erpressung für schuldig befunden und zu 6 Mon. Gef. verurtheilt. Da die Geschworenen die Schuldfrage wegen versuchter Nothzucht verneinten, solche aber wegen thätlicher Beleidigung bejahten, so wurde gegen den Angeklagten auf 6 Mon. Gef. erkannt. Dortmund, 2. Juli. Von der Strafkammer wurde am 13. Sept. 1894 der Fabrikant Reinold aus Hamm zu 2 J. Gef. verurtheilt. R. beschäftigte seit 1877 in der Strafanstalt zu Hamm einen Theil der dortigen Gefangenen mit Bürstenmachen; er sollte nun die Beamten zu Unterschleifen verleitet und die Gefangenen gegen Schenkung von Kautabak um die gemachten Ueberpensas gedrückt, bezw. den Fiskus um dieselben benachtheiligt, vor allem aber einen Theil der fertigen Waaren der amtlichen Kontrolle entzogen haben. R. hatte von seiner Strafe bereits 13 Monate verbüßt, als das Oberlandesgericht in Hamm das Wiederaufnahme=Verfahren anordnete und ihn vorläufig aus der Haft entließ. Die Sache wurde gestern und heute vor der hiesigen Strafkammer verhandelt; sie endete nach glänzenden Vertheidigungsreden der Rechtsanwälte Wallach=Essen und Kohn=Dortmund mit der Freisprechung des Angeklagten. 2 vereidigte Gutachter deponirten, daß über die Thätigkeit des Angeklagten in der Strafanstalt zu Münster nichts Belastendes gesagt werden könne; die laxe Kontrolle in der Anstalt habe Unterschleife möglich gemacht, womit aber nicht gesagt werden soll, daß dieselben vorgekommen seien. Viele Zeugen sagten zu Gunsten des R. aus. Düsseldorf, 2. Juli. Der Korbmacher Bernh. Küppers aus Aachen wurde heute vom Schwurgericht wegen Unterschlagung und betrügerischen Bankerotts zu 2 J. 9 Mon. Zuchth. verurtheilt. Er hatte, nachdem er bereits 1875 Bankerott gemacht und einen Vergleich mit 5 Proz. abgeschlossen hatte, Ende v. J. in Neuß und Gladbach 2 neue Geschäfte gegründet, über die am 30. Dez. v. J. der Conkurs verhängt wurde. Eine Masse war nicht vorhanden. Wechsel im Betrage von 16 500 M., die er von einer Frau B. für den Verkauf seines Aachener Geschäftes erhalten, waren nicht auffindbar. Elberfeld, 3. Juli. Daß die Dummen nicht alle werden, zeigte wieder einmal folgende ergötzliche Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer, in der die Ehefrau des Dachdeckers Emil Sporkel von Barmen wegen Betruges angeklagt war. Die Sporkel stand in dem Rufe,„wunderthätige Salben“ * Der Sieg der Wahrheit. Roman von James Canterbury. 41 Sie sang lange und alle jene Lieder, welche sie mit Douglas so oft geübt; die feierlichen Töne der Orgel begleiteten Reginas liebliche Stimme. Traute, liebe Erinnerungen überwältigten sie, und unfähig, weiter zu singen, schlug sie endlich laut schuchzend die Hände vor das Gesicht, dabei sah sie so erschöpft und unglücklich aus, daß Herr Palma, der die ganze Zeit hindurch sie beobachtet hatte, aus seinem Versteck hervor und rasch auf sie zutrat. Er war in elegantem Gesellschaftsanzug gekleidet, der seiner shohen Gestalt sehr vorteilhaft stand. Bei seinem Anblicke sprang sie hastig empor und wischte rasch die verräterischen Thräuen vom eicht =„O, Herr Palma! Ich hatte gehofft, Sie würden gleich vom Bureau aus auf den Ball gehen. Ich wußte nicht, daß Sie im Hause seien.“ „Ich vergesse meine Pflichten nie, wenn ich daram auch später zzum Ball erscheine.“ Selbst in all' ihrem Elend konnte Regina sich des Gedankens nicht erwehren, daß sie ihn nie erhabener gefunden habe als heute. „Ich wünsche einige Fragen an Sie zu richten. War es wirklich physisches Unbehagen, das Sie verhinderte, bei Tisch zu erscheineu, obwohl ich Ihre Anwesenheit gewünscht hatte?“ „Ich war nicht ernstlich unwohl.“ „Warum sind Sie denn nicht erschienen?“ „Ich fühlte mich sehr unglücklich und wollte nicht mit Menschen zusammenkommen; schon gar nicht mit fremden. „Unglücklich, weshalb?“ „Ich hatte Herzeleid und wollte allein sein.“ „Herzeleid? So früh schon? Doch ich vergesse, daß Sie siebzehn Jahre alt sind, also alt genug für derlei bedenkliche Symptome. Weshalb hatten Sie Herzweh?" Sie erwiderte nichts. „Sie fürchteten meinen Unwillen, wohl wissend, daß er gerechtfertigt sei, weil Sie mein Bureau verließen, bevor ich zurückgekehrt war. Warum erwarteten Sie mich nicht?“ .„Ich fürchtete, Sie würden mir die Erlaubnis, zu Frau Mason zu gehen, nicht erteilen und ich wünschte es so sehr.“ Ihre große Wahrheitsliebe war stets die Eigenschaft gewesen, zu besitzen und Beziehungen zu einer„geheimen Gesellschaft“ zu haben. Daher war es ihr auch ein Leichtes, mit der Frau des Bandwirkers Ferdinand Posthaus in Barmen, die auf eine russische Erbschaft hoffte, anzubändeln. Sie log dieser Frau vor, sie habe Beziehungen zu einer geheimen Gesellschaft in Elberfeld, die ihr durch Vermittelung hoher und allerhöchsten Personen in Deutschland und in Rußland die russische Erbschaft verschaffen könne. Das kostete natürlich etwas, jedoch zunächst für die vorbereitenden Handlungen und Untersuchungen nur 5 Mk. Nach und nach erhielt die leichtgläubige Bandwirkersfrau durch die Angeklagte eine Menge Briefe von der„geheimen Gesellschaft aus Elberfeld“, die sämmtlich unterzeichnet waren:„Achtungsvoll! Die Gesellschaft.“ Zunächst erhielt sie am 15. Juni vor. Is. den Bescheid, die Erbschaftsgeschichte sei im vollen Gange, es werde „ein Mitglied der Gesellschaft" nach Rußland reisen, sie müsse aber zu den Reisekosten 20 Mk. beitragen. Das that sie. Dann erhielt sie die Nachricht, das betreffende Mitglied sei glücklich in Rußland angekommen und habe festgestellt, daß sie die Erbin sei. Kostenpunkt 5 Mk. Im nächsten Briefe bekam sie Bescheid, die Akten von Rußland lägen schon auf dem hiesigen Rathhause; doch müßten noch einige darin befindliche russische und französische Briefe übersetzt werden, was wiederum annähernd 30 Mk. kostete. So ging es weiter, bis die Angeklagte 280 Mk. geschluckt hatte. Dann kam die Betrogene endlich dahinter, daß sie einer Gaunerin in die Finger gefallen war.— Die Angeklagte legte ein volles Geständniß ab, sie wollte, weil ihr Mann 7 Monate arbeitslos gewesen, ihre 3 Kinder viel und lange krank gewesen waren, durch die Noth zu den Schwindeleien getrieben sein. Das Gericht billigte ihr aus diesem Grunde mildernde Umstände zu und verurtheilte sie nur zu 2 Mon. Gef. Das Schwurgericht verhandelte heute gegen den 50 J. alte Erdarbeiter Jos. Duda, welcher angeklagt war, am 6. Januar dieses Jahres seine Stieftochter Emma Busch durch Beilhiebe und Messerstiche ermordet und gegen seine Ehefrau einen Mordversuch verübt zu haben. Duda war trunksüchtig und führte ein sehr trauriges Eheleben; sowohl seine Frau wie seine Stieftocher waren der Unsittlichkeit ergeben. Nach längerer Berathung verneinten die Geschworenen in Sachen der Stieftochter die Frage der Ueberlegung und bejahten bezüglich der Frau die Frage des Mordversuchs. Das Gericht verurtheilte den Angeklagten wegen Todschlags zu 10 J. und wegen Mordversuchs zu 4 J., insgesammt zu 13 J. Zuchth. und Verlust der Ehrenrechte auf 10 J. Hamburg, 2. Juli. Der Registrator für die Standesämter Powell wurde heute vom Landgerichte wegen fortgesetzter Unterschlagungen in Höhe von 23653 M. und Unterdrückung von Urkunden in 43 Fälles zu 4 J. 6 Mon. Gef. verurtheilt. Aus Stadt, Amt und Kreis. * Wattenscheid, 4. Juli. Die Ermittelungen über das am Montag nachmittag auf dem Prozessionswege versuchte Unsittlichkeits=Attentat haben leider zu einem Resultat noch nicht geführt. Es liegt die Vermuthung vor, daß der Bursche in Ueckendorf oder Aschenbruch seinen Wohnort hat. Dem Vernehmen nach ist auf die Ermittelung des Thäters eine Belohnung von 50 M. ausgesetzt. * Als Schluß=Akkord, zur Bischofsfeier bringen wir noch auf Wunsch von betheiligter Seite ein Gedichtchen zum Abdruck, welches das 4jährige Töchterchen des Bergmanns Heinrich Werner, eine Schülerin der Verwahrschule, beim Eintritt des hochw. Herrn Weihbischofs in das Marienhospital unter gleichzeitiger Ueberreichung eines prächtigen Blumenstraußes vorgetragen hat. Heut die Glöcklein heller klingen!] Sieh' wir Kleinen beten oft, Heut die Vöglein schöner singen!] Für dein Heil und deinen Frieden Sieh' dies Haus ein Blumengarten] Was die Liebe wünscht und hofft, Fröhliche Gesichtchen warten,] Wird vom Himmel dir beschieden. Rufen Alle fröhlich wir:1 Lang genieß es hier in Ruh, Willkommen lieber Bischof hier!] Bis du ziehst dem Himmel zu. * Herr Gerichtsassessor Schulte=Kemna aus der Leithe, welcher auch am hiesigen Kgl. Amtsgericht längere Zeit thätig war, hat sich in Essen als Rechtsanwalt niedergelassen. * Gestern Nachmittag zwischen 3—4 Uhr ging hier ein welche er an ihr bewunderte, um deretwillen er sich auch so sehr zu ihr hingezogen fühlte. „Kleines Mädchen! Bin ich denn ein so hartherziger Mensch?“ Ein freundliches Lächeln erhellte seine Züge und verlieh ihnen einen Ausdruck, den die Welt an dem stolzen Arthur Palma noch nie bemerkt haben mochte. „Welch' fesselude Persönlichkeit jene alte Frau Mason doch sein muß; sie veranlaßt Sie sogar zum Ungehorsam! Wechselt sie auch Briefe mit Ihrem indischen Freunde?" „Wenigstens mit dessen Mutter.“ „War es vielleicht die Trauerkunde, daß ein ansteckendes Fieber in jenen Gegenden herrsche, welche Ihren Appetit vernichtete, Sie den geselligen Freuden des Mahles entzog und Ihnen schließlich auch noch Herzweh verursachte?“ „Wenn Frau Mason eine solche Trauerbotschaft wirklich erhalten hat, so habe ich doch nichts davon vernommen, denn Frau Mason war nicht zu Hause.“ „Wirklich? Wen haben Sie also sonst gesprochen?“ „Als ich erfuhr, daß sie abwesend sei, war der Wagen schon fort und so ging ich denn zu Fuß nach Hause, nachdem ich einige Augenblicke unterwegs aufgehalten worden war.“ Sie wurde totenbleich und ihre Lippen bebten. „Regina, wer hielt Sie auf?“ Keine Antwort erfolgte, und sich vorbeugend, sprach er in weichem, gütigem Ton, den sie noch nie von ihm vernommen:„Lily, vertrauen Sie Ihrem Vormund!“ Sie blickte in seine leuchtenden Augen und hätte ihn am liebsten rückhaltslos alles gesagt, seinem klugen Urteil blindlings vertraut; doch das Antlitz Peter Hulls tauchte wie ein drohendes Gespenst vor ihren Augen auf. Herr Palma las den Ausdruck wechselnder Gefühle in ihren Zügen und fuhr fort:„Sie möchten mir gerne Ihren Kummer mitteilen, doch Sie fürchten sich. Lily, was haben Sie gethan, daß Sie vor einem Geständnis erröten?“ „Nichts, mein Herr.“ „Warum zögern Sie also?“ „Weil es sich um andere Personen handelt! O, Herr Palma, ich bin sehr, sehr unglücklich!“ Sie schlug die Hände zusammen und ließ ihr Haupt darauf ruhen, eine ihr eigentümliche Bewegung, wenn sie traurig war. „Das sehe ich an Ihrem ganzen Wesen. Es thut mir leid, schweres Gewitter nieder. Unter wiederholten elettrischen Entladungen erfolgte ein anhaltender Platzregen und es trat eine Dunkelheit ein, wie zur Zeit der Abenddämmerung. * Der in der Bernardstraße wohnende verheirathete Bergmann Jak. Domanitzky wurde vor einigen Tagen plötzlich geisteskrank. Heute ist er zum Marienhospital gebracht. Vermuthlich wird er demnächst nach einer Irrenanstalt überführt werden. * In Gelsenkirchen wird in diesen Tagen die Generalmusterung abgehalten. Wie verlautet, erfolgen zahlreiche Festschreibungen; was eben tauglich ist, wird genommen. * Für die Lehrerinnen des Kreises Gelsenkirchen wird anfangs nächster Woche ein Kursus für Handarbeit abgehalten werden. Bekanntlich sind solche vorher in Bochum und in größeren Städten abgehalten und haben das Interesse der Behörden in hohem Maße gefunden. Einzelnen Damen ist bereits eine diesbezügliche Mittheilung seitens der Behörde zugegangen. *(Schutz der Getreidefelder.) Bestraft wird, um die noch bei vielen Menschen herrschenden Irrtümer zu beseitigen, das Niedertreten des Getreides, denn§ 368 Abs. 9 des ReichsStrafgesetzbuches droht Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder Haftstrafe bis zu 14 Tagen dem an, der unbefugt vor beendeter Ernte über Wiesen oder bestellte Aecker geht. Es erscheint in dieser Zeit, da so mancher beim Blumenpflücken rücksichtslos in die Getreidefelder hineindringt, ganz angebracht, an jene Gesetzesbestimmungen zu erinnern. * Das 16. Harkortbergfest findet am 2. August er. auf dem„alten Stamm“ am Harkortdenkmal bei Wetter statt. Um 8 Uhr morgeus: Sitzung des Kampfgerichts im Gasthof Schemann daselbst. Die Aufstellung der Turner erfolgt um 10 Uhr am Hackortdenkmale. Vorherige schriftliche oder mündliche Anmeldung der Wetturner ist nicht nothwendig. Geturnt wird nach der Kreisturnordnung im Stabweitspringen, Weithochspringen, Handelstemmen(50 Kg. mit beiden Händen), Laufen, Hangeln, Steinstoßen und Ringen. Den umzäunten Wettturnplatz dürfen nur Festordner, Wettturner und Kampfrichter betreten. Die Anmeldungen für Freiquartiere müssen bis spätestens den 25. Juli cr. zu Händen des Turngenossen Wilhelm Rothöft daselbst erfolgt sein. Der Ortsausschuß wird im Verein mit den beiden dortgen Turnvereinen am Vorabend des Festes, Samstag den 1. August cr., eine Festkneipe im Lokale des Turnvereins„Harkort“ beim Wirth Herbertz, Kaiserstraße, veranstalten, wozu herzlich eingeladen wird. * Der westfälische Kriegerverband zählt gegenwärtig 512 Vereine mit 77·080 Mitgliedern. Davon haben ca. 20000 die letzten Feldzüge mitgemacht. Invalidenpension beziehen 1024. Der Verband hatte im abgelaufenen Jahre eine nahme von 8081 Mk. und eine Ausgabe von 7943 Mt. *(Für Militär=Anwärter.) Folgende Stellen sind zu besetzen: Im Bezirk des 7. Armeekorps: Altenhagen bei Hagen Amtsverwaltung, Amtssekretär und Bureauvorsteher, 2000 Mk. Anfangsgehalt, steigend bis 2800 Mk. Benrath, Kgl. Schloßverwaltung, Wasser= und Park=Aufseher, Gehalt 600 Mk. jährlich, freie Dienstwohnung, Dienstgarten. Düsseldorf, Oberbürgermeisteramt, 2 Hafen=Aufseher, Anfangsgehalt je 1300 Mk. jährlich. Essen(Ruhr), Landgericht, Lohnschreiber, 5—10 Pfg. Schreiblohn für die Seite. Hattingen, Magistrat, Stadtsekretär, Gehalt 1500 Mk., Kaiserl. Postanstalten, 4 Landbriefträger, Anfangsgehalt je 700 Mk. und Wohnungsgeldzuschuß; Anträge an die Kaiserl. Ober=Postdirektion Dortmund. Recklinghausen Amt, Meldesekretär, Gehalt 1200 Mk. Ueckendorf, Polizeiverwaltung, Schutzmann, Gehalt 1080 Mk. und 75 Mk. Kleidergeld. Uerdingen, Bürgermeisteramt, Bureaugehülfe, Gehalt 1050 Mk. Wattenscheid, Kaiserl. Postamt, Landbriefträger, Anfangsgehalt 700 Mk. und Wohnungsgeldzuschuß; Anträge an die Kaiserl. Ober=Postdirektion in Dortmund. * Eine bemerkenswerthe Entscheidung hat das Reichs=Versicherungsamt getroffen. Fabrikanten, die eine Treibjagd gepachtet haben, hatten Gutsarbeiter als Treiber angenommen. Einer dieser Treiber erhielt einen Schuß ins Auge und nahm die landwirthschaftliche Berufsgenossenschaft um Zuerkennung einer Unfallrente in Anspruch. Diese weigerte sich, die Rente zu bewilligen, weil die Jagdpächter Fabrikanten seien und daß mein Haus kein glückliches Heim für Sie ist. Hat Sie ein Mitglied meiner Familie beleidigt?“ „Nein, o nein! Alle sind so gütig and rücksichtsvoll gegen mich. Doch ich werde nie glücklich sein können, so lange ich fern von meiner Mutter bin. Ichwill ihr heute noch schreiben und sie um die Erlaubnis anflehen, zu ihr nach Europa zu dürfen. Bieten Sie doch Ihren ganzen Einfluß zu Gunsten meines Wunsches auf. Herr Palma, helfen Sie mir, damit ich zu meiner Mutter komme.“ Sein Lächeln erstarrte, seine Züge nahmen einen kalten Ausdruck an und er geleitete sie zu einem Sofa, auf welchen nur zwei Personen Raum hatten. „Frau Albany wünscht ihre Tochter noch nicht zu sich zu nehmen.“ „Aber ich bedarf meiner Mutter, o, ich muß fort!“ Er ergriff Reginas beide zarten Hände, die gefaltet in ihreme Schooß gelegen und streichelte sie sanft, während seine dunklen Augen seltsam leuchteten.„Bin ich hart und grausam mit meiner Lily, weil sie sich so sehr von mir wegsehnt?“ „Nein, Herr Palma! O nein! Sie sind freundlich und gut, stets auf mein Wohl bedacht. Sie können aber trotzdem den Platz nie einnehmen in meinem Herzen, welcher der Mutter gehört.“ „Ich versichere Sie, kleines Mädchen, ich strebe gar nicht nach dem Platz Ihrer Mutter.“ Ein unbestimmtes Etwas in seinem Tone zog ihre Aufmerksamkeit auf sich und indem sie ihre schönen, traurigen Augen emvorhob, blickte sie ihn fragend an. „So ist's recht,“ sagte er,„richten Sie Ihre Blicke fest auf mich, während ich trachte, mich einer sehr heiklen Angelegenheit zu entledigen, welche zeitweise den gestrengen Vormündern hübscher junger Damen zufällt. Während der Abwesenheit Ihrer Mutter bin ich mit den Rechten derselben betraut. Sollten Sie, wie die meisten Mädchen Ihres Alters, kleine Geheimnisse haben, so müssen Sie in mir Ihren Beichtvater erkennen. Sie wissen, daß Ihre Mutter mir unbeschränkte Vollmacht in meinem Verhalten gegen Sie erteilt hat; deshalb verzeihen Sie, wenn ich mich etwas inquisitorisch nach Ihren Gefühlen erkundige. Ich habe eine Frage an Sie zu stellen. In meinen Augen erscheinen Sie noch viel zu jung für derlei Fragen, trotzdem muß ich sie als Mittelsperson, im Namen eines anderen, an Sie richten. Auf das weiche, leicht empfängliche Herz Emil Roltons haben Sie einen so mächtigen Eindruck gemacht, daß er sogar sich unfähig fühlt, der Anwalt seiner eigenen Angelegenheit zu sein.“ 40,20 keinen landwirthschaftlichen Betrieb hätten. Das Schiedsgericht erachtete indessen einen landwirthschaftlichen Betriebsunfall für vorliegend und verurtheilte die Berufsgenossenschaft zur Zahlung der Unfallrente. Das Reichsversicherungsamt bestätigte diese Entscheidung aus folgenden Gründen: Die Jagd könne nicht als versicherungspflichtig angesehen werden. Pachte ein Fabrikant eine Jagd und verwende er hierbei landwirthschaftliche Arbeiter als Treiber, so seien diese zwar für die Zeit dieser Thätigkeit als aus dem landwirthschaftlichen Betriebe ausgetreten anzusehen. Der Verletzte habe indessen auch während der Treibjagd landwirthschaftliche Interessen wahrzunehmen gehabt und sei deshalb nicht gänzlich aus dem Betriebe der Landwirthschaft ausgetreten. * Das gestrige Militärkonzert der 97er aus Saarburg in dem Fichtner'schen Gartensaale, worin es wegen der ungünstigen Witterung verlegt war, erfreute sich trotzdem eines recht guten Besuches. Es war wiederum ein Kunstgenuß ersten Ranges. Der umsichtige Leiter der vorzüglich geschulten Kapelle, der Kgl. Musikdirektor Herr C. Leutsch, verstand es meisterhaft, mit seinen Künstlern nur tadellose Sachen zu Gehör zu bringen und erntete viele Beifallsbezeugungen. Das Programm wurde flott und schneidig abgewickelt. Von den Perlen desselben, welche ganz besonderen, stürmischen Applaus hervorriefen, seien hier genannt: Deutschlands Erinnerungen an die Kriegsjahre 1870—71, großes militärisches Potpourri mit Schlachtenmusik von Saro, Unter dem Siegesbanner, Marsch von F. v. Blom, Ungarische Tänze von Brahms, Neapolitanischer Marsch von Pehel, La Czarine= Mazurka von Ganne. Der gute Erfolg giebt der Kapelle hoffentlich Veranlassung, nach kurzer Pause diesem genußreichen Konzert ein 2. folgen zu lassen. * 136 Wittwen von Bergleuten im Bereiche des Oberbergamtsbezirks Dortmund haben sich 1895 wieder verheirathet. Diese erhielten von der Kasse der Berufsgenossenschaft eine Abfindungssumme von insgesammt 88 50219 Mk., jede Witwe bekam also 650,75 M.; ein nettes Sümmchen zur Begründung des neuen Hausstandes. Unter den Witwen waren 26 im Durchschnittsalter von 34 J. ohne Kinder; 34 hatten 1, 34 2, 20 3, 13 4, 8 5 Kinder, eine 33jährige Witwe fand auch mit 6 Kindern einen 2. Mann. * Günnigfeld, 3. Juli. Am 19. Juli wird der hochw. Herr Bischof Hubertus die feierliche Einweihung unserer neuen Kirche vornehmen. Am folgenden Tage findet in den Anlagen des Herrn Opgen=Rhein ein großes MerkertConcert statt. Die ganze Kapelle des Herrn MerkertBochum(25 Mann) wird am genannten Tage hierselbst con certiren. Der Eintrittspreis ist sehr niedrig gesetzt, um vielen diesen schönen Kunstgenuß zu verschaffen. Hoffentlich wird Pluvius der Sache günstig sein.— Nur noch wenige Tage und unsere Kirche ist im Jnnern vollständig fertig gestellt. Der Hochaliar ist zum Theil in voriger Woche gesetzt. Heute ist ein provisorischer Tabernakel angekommen, der vorläusig auf dem Unterbau des Altars angebracht werden wird. Der geschenkte Hochaltar wird erst in einigen Monaten aufgebaut werden können. Auch werden die Fenster der beiden Seitenschiffe nächste Woche bunte Bleiverglasung erhalten, und hiermit werden die Arbeiten in und an der Kirche wohl ihren Abschluß gefunden haben. * Ueckendorf, 4. Juli. Ein Bettler, der vorgestern hier aufgegriffen wurde, hat sich gestern in seiner Zelle im Amtsgefängniß er hängt. Furcht vor der unvermeidlichen Ueberweisung nach Benninghausen scheint den Stromer zu dem traurigen Entschluß geführt zu haben. Derselbe stammt von auswärts. Gelsenkirchen, 3. Juli. Vor längerer Zeit wurde in der Menage der Zeche„Schlägel u. Eisen", bei Recklinghausen durch Erbrechen mehrerer Schränke Anzüge, Schuhe und Geld gestohlen; ein Theil der Sachen wurde auch im hiesigen Leihhause versetzt, ohne daß man des Thäters habhaft wurde. Heute nun versuchte dieser saubere Patron, der sich arbeits= und obdachlos umhertreibt, wieder 3 Röcke bei der hiesigen Leihanstalt zu versetzen, wurde jedoch erkannt und festgehalten. Nach näherer Feststellung ergab sich, daß er die Röcke aus der Waschkaue der Zeche Holland gestohlen hatte. Er wurde dem Amtsgericht vorgeführt. Landwirthschaft und Industrie. (Eingesandt.) Die Gegensätze zwischen Landwirthschaft und Industrie haben hier bedauerlicher Weise einen sehr schroffen Charakter angenommen, der sich in verschiedenen Artikeln in der Presse widerspiegelt. Der Vorsitzende unseres landw. Casinos Herr W. Beckmann hatte bekanntlich in der Generalversammlung des Westf. Bauern=Vereins am 28. Nov. 1895 sich über Mängel in der Gesetzgebung beklagt und erörtert, daß die Landwirthschaft in Bezug auf die ihr zugefügten Bergschäden nicht zu ihrem Recht käme: Hierüber wurde Herr Beckmann im Frühjahr in der Rh. Westf. Ztg. scharf mitgenommen und ihm namentlich auch zum Vorwurf gemacht, daß er dem : Hrn. Oberpräsidenten die Sachlage unrichtig dargestellt habe. Hierauf hat Herr Beckmann in der am 2. Juni in Münster stattgehabten Vorstands= und Ausschußsitzung des obengenannten Vereins in einer langen Ausführung die Antwort gegeben. Aus derselben heben wir folgenden Abschnitt heraus: „Dann bezeichnet der Artikel meine Appellation an den Herrn Oberpräsidenten als einen Excellenzenfang. Nun, meine Herren, ich habe die Ehre gehabt, aus dem Munde Sr. Excellenz bestätigt zu finden, daß diese Apellation hochgeneigtest aufgenommen, und hochderselbe bereit sind, nach Möglichkeit für uns einzutreten, welches ich hiermit mit bestem Danke gegen den hohen Herrn öffentlich konstatiren möchte. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, Ihnen einen Fang mitzutheilen: Ich war nämlich vor nicht langer Zeit Augen= und Ohrenzeuge, wie der Direktor einer Zeche einem hochgestellten Beamten gegenüber, gelegentlich der Besprechung von Bergschäden, folgende Erklärung machte: Ich habe bis heute, wenigstens im Stadtbezirke, noch keinen einzigen Prozeß gehabt, sondern alles in der koulantesten Art und Weise entschädigt und erledigt. Der hohe Beamte antwortete darauf: Das freut mich zu hören! Nun ist es Thatsache: daß in jenem Stadtbezirke, unter dem Regime des betr. Zechendirektors, mehrere Dutzend von Prozessen wegen Bergschäden geschwebt haben bezw. noch schweben. Was meinen Sie hierzu, meine Herren? Welchen Eindruck wird der hohe Beamte mit von dort genommen haben?— Derselbe ist belogen.“ Die Rh. Westf. Zig. giebt hierauf in Nr. 181 folgende Antwort: „Es bleibt nun noch eine 4. Richtigstellung übrig. Herr Beckmann behauptet, ein Zechendirektor habe bei Anwesenheit des Oberpräsidenten in Wattenscheid gesagt, er habe bis heute im Stadtbezirke noch keinen einzigen Prozeß gehabt, während Herr Beckmann mittheilt, daß im Stadtbezirk mehrere Dutzende von Prozessen geschwebt haben. Wir werden ersucht, demgegenüber festzustellen, daß der betreffende Zechendirektor aus. drücklich von Prozessen zwischen Landwirthschaft und Bergbau gesprochen hat. Und das ist auch ohne weiteres klar. Es handelt sich ja in der ganzen Angelegenheit nur um einen angeblichen Gegensatz zwischen diesen beiden Erwerbszweigen. Es konnte also dem betreffenden Direktor unmöglich beikommen. in Gegenwart von Ortskundigen und Sachverständigen die Thatsache, daß mit Grundbesitzern im Stadtbezirk Prozesse geschwebt haben oder schweben, zu bestreiten, sondern seine Aeußerung konnte sich nur beziehen und bezog sich nur auf die von Hrn. Beckmann behaupteten und zum Beweise gestellten Prozeßstreitigkeiten gegen Landwirthe. Wenn Herr Beckmann deshalb anschließend an seine Erzählung sagt,„der Oberpräsident ist belogen“, so können wir nur erwidern, der Westfälische Bauernverein ist mit Fahrlässigkeit falsch berichtet.“ Westdeutschland. Bochum, 2. Juni. Im„Victoria=Hotel“ hier wurde gestern die diesjährige Haupt=Versammlung der Lehrer=Witwenund Weisenkasse für Stadt= und Landkreis Bochum und die Kreise Gelsenkirchen und Hattingen abgehalten. Die Gesamteinnahmen der Kasse für 1895 stellen sich auf 45428,29 Mk. die Gesammtausgaben auf 37•297,15 Mk. Die Inanspruchnahme der Kasse hat sich in den letzten Jahren wesentlich gesteigert; im Berichtsjahre waren 58 Unterstützungsberechtigte vorhanden, für die im ganzen 17528,32 Mk. aufgewendet verden mußten.„. F. i6 unse ans. Herne, 2. Juni. Mit gestrigem Tage ist unser aufstrebender Ort in die Reihe der Postämter 1. Klasse eingetreten. Der bisherige Vorsteher des hiesigen Postamtes, Herr Grothe, der sich allgemeinster Beliebenheit erfreute, hat uns infolgedessen verlassen und ist nach Gesecke versetzt worden. Die Verwaltung des jetzigen Postamts 1. Klasse ist dem Herrn Postdirektor Martin übertragen worden. Bielefeld, 1. Juni. Folgende Depesche ist an den Vorstand des westfälischen Kriegerverbandes in Beantwortung des am Samstag abgesandten Huldigungstelegramms gelangt: Seine Majestät Kaiser und König lassen den Theilnehmern an dem Abgeordnetentag des westfälischen Kriegerverbandes für die Erneuerung des Treuschwurs wärmstens danken. Auf Allerhöchsten Befehl: v. Lucanus, geheimer Kabinetsrath.“ Essen, 3. Juli. Heute Nacht 2 Uhr verschied im Alter von 50 J. infolge Herzlähmung Herr Karl Hager, einer der Direktoren des Rheinisch=Westfälischen Kohlensyndikats in Essen. Herr Hager, ein geb. Bochumer, war früher Direktor des Essener Kohlenverkaufs=Vereins und trat von diesem später in den Vorstand des Rheinisch=Westfälischen Kohlensyndikats über. Vor 25 J. war derselbe Buchhalter auf Zeche Centrum. Duisburg, 3. Juli. Eine Anzahl Criminalbeamte sollen mit Fahrräder ausgerüstet werden. Mit der Einführung dieses neuesten Hülfsmittels der Strafrechtspflege geht Duisburg allen rheinisch=westfälischen Städten voran. Elberfeld, 3. Juli. Gestern Morgen stürzte der 21 J. alte Anstreichergehülfe Rob. Schmitz von einem Gerüst an dem Hause Bohnhofsstraße Nr. 74 hinab und trug anscheinend schwere innere Verletzungen davon; er wurde ins St. Josephshospital verbracht. Radevormwald, 3. Juli. Beim Stelzenlaufen kam das 7 J. alte Töchterchen des H. Fahlenbrach so unglücklich zu Fall, daß es sich eine Gehirnerschütterung zuzog, welche schon am Zten Tage den Tod zur Folge hatte. Coesfeld, 2. Juli. Nach einer Berathung von Regierungs= und Bauräthen und hiesigen Behörden in Angelegenheit der Eisenbahn Münster=Empel steht nunmehr fest, daß die Bahn im nächsten Jahre vom Staate ausgebaut wird. Köln, 2. Juli. Gegen 10,30 Uhr morgens traf der chinesische Vizekönig Li=Hung=Tschang auf dem hiesigen Zentralbahnhof mit großem Gefolge ein. Er wurde von den Spitzen der Zivil= und Militärbehörden, den Vertretern der Handelskammer und des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Köln empfangen. Nach kurzer Begrüßung und Vorstellung fuhr Li=Hung=Tschang mittels offenen Wagen nach dem Domhotel, von der sehr zahlreichen Menschenmenge begrüßt. Am Nachmittag wird der Vizekönig mehrere Deutzer Werke besuchen und eine Besichtigung der Langenschen Schwebebahn vornehmen. Um 6 Uhr findet auf dem Gürzenich ein Festessen statt. Schaaff — Eine Dame von hier hatte gestern an der Schauffhausenschen Bank 1560 Mk. erhoben, welche sie in ein Geldtäschchen steckte und damit in den Dom ging. Neben die Dame kniete sich ein feingekleideter Engländer, der das Täschchen öffnete und 15 Hundertmarkscheine daraus entnahm. Die Dame merkte den Diebstahl und verfolgte hülferufend den Menschen. Dieser wollte durch eine Thür des Domes verschwinden, die glücklicherweise verschlossen war, wodurch die Dame und verschiedene andere Personen den Menschen einholen konnten. Letzterer warf die Scheine von sich und flüchtete, wurde aber am Hotel du Nord von einem Schutzmann festgenommen. 2 Complicen des Räubers versuchten die Dame von der Verfolgung desselben abzuhalten, wobei sie ihr den Spitzenumhang zerrissen. Leider sind die Complicen enkommen. Der Festgenommene will kein Deutsch sprechen können und befand sich im Besitz mehrerer Hundertmarkscheine. Man vermutet, daß der Verhaftete auch an dem Diebstahl von 20000 Mk., der vor kurzem an der Reichsbank verübt wurde, beteiligt ist. Ssnemers iesbaden, 30. Juni. Der Konig von Banemart, der fast jedes Jahr mit seinem Bruder, dem Prinzen Johann von Schleswig=Holstein=Sonderburg=Glücksburg, zum Curgebrauche hierher kommt, geht geräuschvollen Festlichkeiten aus dem Wege. Abends sieht man ihn gewöhnlich im königlichen Theater, tagsüber unter den Spaziergängern im Parke oder unter den Concertbesuchern im Kurgarten. Der 78jährige hohe Herr erfreut sich noch großer Rüstigkeit und Beweglichkeit. Von hieraus stattet er den in der Nähe wohnenden fürstlichen Persönlichkeiten Besuche ab, so dem in seinem Schlosse zu Königstein verweilenden großherzoglich luxemburgischen Paare. Hamburg, 3. Juli. Hier ist die Nachricht eingegangen, daß bei Hiroshima der japanesische Passagierdampfer Hozui=Maru nach einem Zusammenstoß mit einem fremden Dampfer untergegangen sei; 178 Personen seien ertrunken. Wien, 3. Juli. In Zwodau im Egerlande wurde der Großindustrielle Schmieger heute Nacht im Schlafzimmer durch einen Schuß ins Ohr getötet; die That gilt als Rache=Akt des entflohenen Nachtwächters Kreidl. Schmieger hat für seine tausend Arbeiter großartige Wohlfahrtseinrichtungen getroffen. Standesamt(Stadt Wattenscheid.) Vom 26. Juni bis 2. Juli 1896. Geburten: Sohn: Bgm. Robert Günther Günnigfelderstr., Bgm. Thomas Herkt Bochumerstr., Bgm. Carl Böltmann Westfeldmark, Wirthschaftsverwalter Wilh. Fischer Bochumerstr., Metzgermstr. Heinr. Ahmann Bochumerstr., Bgm. Jos. Zurwehn Voedestr., Tagesarb. Wilh. Pohl Nordstr., Schuhmachermstr. Aug. Blambeck Hochstr., Bgm. Jos. Hilge Grabenstr. Tochter: Bgm. Adolf Karsch Westfeldm., Kaufm. Wilh. Groß=Albenhausen Oststr., Bgm. Herm. Luthe Wasserstr., Kesselwärter Paul Chmara Sommerdellenstr., Bgm. Heinrich Tute Günnigfelderstr., Bgm. Peter Merl Chausseestr., Unfallfallinvalide Joh. Köller Bochumerstr., Bgm. August Aster Voedestraße. Aufgebote. Bgm. Johannes Piorunek hier und Anna Röhrig zu Dortmund, Bgm. Christ. Rettkowski und Emilie Schröder beide hier, Bgm. Friedr. Wilh. Falatyk und Anna Emilie Berg beide hier, Bgm. Franz Reinhard und Johanna Mathilde Bax beide hier, Bgm. Joh. Schlisgi und Rosine Wilhelmine Hensel beide hier. Standesamt(Amt Wattenscheid.) Vom 26. Juni bis 3. Juli. Geburten. Sohn: Bgm. Carl Bösch Eppend., Bgm. Theod. Herzog Westenf., Bgm. Adam Budzinsky Günnigf., Bgm. Wilh. Heiser Eppend., Steiger Conrad Ubrig Westenf., Bgm. Matthäus Dratwinski Höntrop, Zechenbote Carl Resengarth Sevingh., Bam. Franz Buschmann Sevingh., Bgm. Josef Plum Günnigf. Tochter: Bgm. Aug. Wegener Günnigf., Bgm. Peter Fries Günnigf., Bgm. Heinr. Bömmer Höntrop, Bgm. Th. Dahme Höntrop, Bgm. Aug. Schmidt Höntrop, Bgm. Carl Berensmeier Leithe. Sterbefälle. Anna Schürmann 3 Mon. 16 T. Günnigf., Heinr. Ruben 3 Mon. Höntrop, Andreas Nowatschik 2 Mon. 8 T. Sevingh., Anna Macziassek 5 Mon. 15 T. Westenfeld. Damenkleiderstoffe. Grösste Auswahl alle. Gattungen v. Einfachsten b. z. Elegantesten. Waschstoffe Muster a Housselne aite garan irt waschächt □ auf Verlangen# garantirt seine medernste Dessins Atranco ins Haus. Wolle a 28 Pf. p. Meter a 65 Pf. p. Neter versenden in einzelnen Metern fr. ins Haus, neueste Modebilder grat. OETTINGER& Co., Frankfurt a. M. Separat-Ab helung für Herrenkleiders offe. Buxkin von N. 1,35 pes Mete an. Veranntmachung. Die nachbenannten Wehrpflichtigen: 1) Aug. Lambert Elbmann aus Eickel, geb. am 25. Juni 1872 daselbst, kath, 2) Bernh. Jos. Feldmann aus Eickel, geb. am 25. Mai 1872 daselbst, kath., 3) Heinr. Emil Knabe aus Eickel, geb. am 8. Mai 1872 daselbst, evang., 4) Heinr. Wilh. Schmidt aus Eickel, geb. am 24. April 1872 daselbst, kath., 5) Ant. Bröcker, geb. am 12. Jan. 1872 zu Wattenscheid kath., 6) Heinr. Bröcker geb. am 16. April 1872 zu Wattenscheid kath., 7) Heinr. Wilh. Groß geb. am 22. März 1872 zu Wattenscheid kath., 8) Emil Wilh. Grabruch geb. am 19. März 1872 zu Wattenscheid kath., 9) Herm. Kirchhoff geb. am 5. April 1872 zu Wattenscheid kath., 10) Wilh. Mertens geb. am 1. Aug. 1872 zu Wattenscheid ev., 11) Wilh. Roderjan geb. am 21. Dez. 1872 zu Wattenscheid kath., 12) Jak. Schreiber geb. am 25. Juli 1872 zu Wattenscheid ev., 13) Heinr. Vaupel geb. am 15. Sept. 1872 zu Wattenscheid ev., 14) Ant. Liska geb. am 4. Juni 1872 zu Günnigfeld kath., 15) Heinr. Jos. Behrens geb. am 10. April 1872 zu Höntrop kath., 16) Franz Jos. Kropp geb. am 14. Sept. 1872 zu Höntrop kath., 17) Wilh. Nocke geb. am 15. Mai 1872 zu Höntrop kath., 18) Ernst Alb. Schroer geb. am 11. März 1872 zu Höntrop kath., 19) Jos. Hr. Todt geb. am 22. Mai 1872 zu Höntrop kath., 20) Wilh. Carl Wattrodt geb. am 29. Jan. 1872 zu Leithe ev., 21) Friedr. Wilh. Dieckenbrock geb. am 19. Juni 1872 zu Westenfeld ev., 22) Heinr. Wellmann geb. am 4. Febr. 1872 kath., deren gegenwärtiger Aufenthaltsort diesseits unbekannt ist, werden beschuldigt, als Wehrpflichtige in der Absicht, sich dem Eintritte in den Dienst des stehenden Heeres oder der Flotte zu entziehen, ohne Erlaubniß das Bundesgebiet verlassen oder nach erreichtem militärpflichtigen Alter sich außerhalb des Bundesgebiets aufgehalten zu haben, Vergehen gegen§ 140 Abs. 1 Nr. 1 St.=G.=B. Dieselben werden auf den 16. Sept. 1896, vormittags 9 Uhr, vor die Strafkammer des Königl. Landgerichts zu Bochum Zimmer Nr. 5 zur Hauptverhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben werden dieselben auf Grund der nach§ 472 der Strafprozeßordnung vom Königl. Landrathsamte zu Gelsenkirchen über die der Anklage zu Grunde liegenden Thatsachen ausgestellten Erklärung verurtheilt werden. Bochum, den 29. Mai 1896. Erste Staatsanwalt. 2e Für jeden Tisch! Für jede Küche! SUPPENWURZE Evang. Gottesdienst. Friedenskirche. Sonntag den 5. Juli. (5. u. Trinitatis.) 8 Uhr Frühgottesdienst Pfarrer Bonne. Kollekte für unsere Armen. 10 Uhr Hauptgottesdienst Pfarrer Kuhlmann. Kollekte wie oben. Feier des hl. Abendmahls. 5 Uhr Dankgottesdienst und Missionsstunde Pfarrer Engelbert. Krankenhaus. 10 Uhr Hausandacht Pfarrer Bonne. Alte Kirche. ½ 4 Uhr Polnischer Gottesdienst Pastor Korn. Die Amtswoche hat Pfarrer Engelbert. Samstag, den 4 Juli. 5 Uhr Vorbereitung zum heil Abendmahl. Sonntag Nachmittag 5 Uhr in der evangel. Kirche Predigt über die wichtige Frage: Was wird Jesus dazu sagen? wozu Jedermann herzlich eingeladen wird. Pfarrer Engelbert. Evangl. Gemeinde zu Ueckendorf. Sonntag, den 5. Juli. 8 Uhr Frühgottesdienst Pastor Kraemer. 10 Uhr Hauptgottesdienst Pastor Hußmann. Feier des hl. Abendmahls. 2 Uhr Jugendgottes dienst Pastor Kraemer. Kathol. Gottesdienst. Sonntag, den 5. Juli 1896. 6 Uhr hl. Messe. 7¼ Uhr hl. Messe. 8 Uhr heil. Messe. 8¾ Uhr Schulmesse mit Pred. 10 Uhr Hochamt mit Predigt. 2½ Uhr Rosenkranz=Bruder= schaft und Prozession um die Kirche. Pfarrkirche in Ueckendorf. 6 Uhr hl. Messe. 7 Uhr hl. Messe mit Predigt. 8½ Uhr hl. Messe mit Predigt. 10 Uhr Hochamt mit Predigt. 2½ Uhr Christenlehre und Andacht zur Mutter Gottes. Schuhsohierrt beste Handarbeit schnell und billig Rob. Vorchard, Nordstr. 5. Erhalte jeden Dienstag und Sonnabend einen Transport preiswürdiger Fasel= u. Einlegeschweine Rich. Häger, Hochstr. 511. Bammete Wetel Gelsenkirchen. Direction: G. Sonntag, den 5. Juli: Grosses Concert. Entree frei! Mittwoch, den 3. Juli 1896: von Abends 8½ Uhr ab: Ausser Abonnement. Ausser Abonnement. Grosses ExtraMéilitär-Concert, ausfgeführt von der ganzen Capelle(44 Mann) des Infanterie=Regiments Nr. 97 aus Saarburg unter Leitung des Piston=Virtuosen Herrn C. Lenzsch. Programm: 1. Theil. 1. Mit Gott für Kaiser und Reich, Marsch.. Lehnhardt. 2. Quverture z. Cantate„Die vier Menschenalter“. Lachner. 3. Weaner Madl'n“, Walzer... Ziehrer. 4. Phantasie a. d. Op.„Der fliegende Holländer“, R. Wagner. 5. Finale und Chox a. d. Op.„Der Wildschütz“, Lortzing. 2. Theil. 6. Ouverture zur Oper„Oberon"..... C. M. v. Weber, 7. Toréador et Andalouse a.„Bal costume“" Rubinstein. 8. Phantasie a. d. Op.„Der Sommernachtstraum“, Mendelssohn. 9. Ungarische Rhapsodie Nr. 2. Liszt. 10. Nachtigall und Drossel, Concert=Polka. Solo für 2 Piccolo Flöten.... Kling. Vorgetragen von Herren Nullmeyer und Götz. 8. Theil. 11. Der musikalische Wanderer, Potpourri.. Saro. 12. Schwarzwälder Spieluhr, Characterstück. Michaelis. 13. Große Phantasie a. d. Op.„Der Bajazzo“.. Leoncavallo. 14. a) Alter Berner Landsknecht=Marsch(zuerst gespielt zum Einzuge der Schweizergarde in Rom im 13. Jahrhundert). Reckling. d) Waidmanns Heil! Marsch...... Reckling. Euttee im Vorverkauf 40 Pfg., Kassenpreis 50 Pfg. Hochachtungsvoll! Die Direction: G. Pooshoff. Im Sonmer-Ausverkauf empfehlen wir besonders billig: Deren Gebrauch wird damit ausserordentlich erleichtert,— sauber und bequem,— und ermöglicht auch die nur tropfenweise Verwendung der Würze. Zu haben in allen Geschäften, die Maggt’s Suppenwürze führen. Wirthe=Vereinigung. Montag, den 6. Juli, Nachm. 5 Uhr: Versammlung beim Kollegen Wilhelm Kesten. Der Vorstand. Sehrbauren **** Pischsschen 8 A etc. etc. Bschuhf, Obere Marktstrasse 35, Obere Marktstrasse 35. * * * * * * * * * * * * * 8— 20 Gesangverein Germania Wattenscheid feiert am Sonntag, den 12. Juli er. sein EI. Stistungs=Fest unter Mitwirkung mehrerer tüchtiger hiesiger und auswärtiger Gesangvereine durch Concert und Ball in seinem Vereinslokal bei Herrn Theodor Ahlmann. Anfang des Conoerts 4 Uhr, „„ Balles 8„ Karten sind zu haben im Vorverkauf für Herren 75 Pfg., für Damen 25 Pfg., bei den Vereinsmitgliedern, sowie im Vereinslokal. Kassapreis für Herren 1.— M., für Damen 0,30 M. Es ladet freundlichst ein Der Vorstand. NB. Mädchen unter 16 und Knaben unter 17 Irhren haben zum Ball keinen Zutritt. * * * * * * * * * * * * AN * Gesiebte rothe ASCHe ist zu haben bei attenscheid. Legehühner diesjähr. Italiener, allen Farben, beste Winterleger, 6 Stück frei jed. Postort 6,50 M. Garantie leb. Ankunft. Andor Schöller, Geflügelhof in UjSzt.Anna(Ung.) Alte Kartoffeln abzugeben 150 Pfd. 3,25 M. 2 Wohnungen (je 2 Zimmer) per 1. August zu vermiethen. S. Fryda, Wattenscheid, Hochstr. 21. Die Wöhlung in meinem Wohnhause ist auf Herbst an eine ruhige Familie zu vermiethen. Herm. Köster. In meinem Hause an der Chausseestraße habe ich per sofort vder später ein geräumiges Labenlokal mit Wohnung von 4 bis 7 Zimmern preiewerih zu vermiethen. Das Lokol kann auch getheilt vermiethet werden. P. Wallrawen. zur Kaiser Wilhelmshalle. Sonntag. den 5. Juli er., Nachmittags 4 Uhr: Versammlung. 3½ Uhr: Vorstandssitzung. Tages= Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Wahl eines 1. Vorsitzenden. 4. Verschiedenes. Um zohlreiches Erscheinen bittet Der Turnrath. Allgemeiner Turn-# Verein Wattenscheid. Sonntug, den 5. Juli er., Morgens 11½ Uhr: Versammlung. Der Vorstand. TurnClub Wattenscheid. Sonntag, den 5. Juli 1896, Nachmittags 4 Uhr: ersommlung. 3 Uhr: Vo standssitzung. Zahlreiches Erscheinen erwartet. Der Vorstand. Ev. Knappenverein Wattenscheid. Sonntag, den 5. Juli 1896, Nachmittags 4 Uhr: General=Versammlung. 3½ Uhr: Vorstandssitzung. Der Vorstand. Rover König bestes Fahrrad der Welt z. Fabrikpreis. Baxelbert Baunane, Vertreter s Wattenscheid. Fur bevorstehenden Fahrrad=Saison ist der „Rover König“ als bestes und billigstes Fabrikat der. Gegenwart besonders zu empfehlen. Zur gefl. Ansicht ist bei unserem Vertreter ein Rad unserer ausgestellt. Dasselbe wird eventl. preiswerth abgegeben. A. Eich. Bochum, ABCstrasse 11. Portemonnaies, Handtaschen, Holzkoffer, Reise-Körbe, Kinderwacen giebt billig ab Elek. #0 70+ 151.(2. Blatt.) Samstag, den 4. Juli 1896. 28. Jahrgang. * Stgan für Itadr& Amr Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet vierteljährlich incl. Botenlohn 2 Mk., in der Geschäftsstelle 1.75 Mk. vorauszahlbar.(Im Postgebiet 2 Mk.) Wartenscheid& Amr Kemendorf. Anzeigen werden die Petitzeile oder deren Raum mit 15 Pfg., für Auswärts mit 18 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile berechnet. Eine Zusage für bevorzugte Stellung kann nicht gegeben werden, billige Wünsche werden gern erfüllt. Schriftleitung, Druck und Verlag von Carl Busch in Wattenscheid. Telephon 181 Gelsenkirchen. Die neue Bäckereiverordnung. Die von dem nunmehr aus seinem Amte geschiedenen Handelsminister Freiherrn v. Berlepsch so lebhaft vertheidigte Verordnung über die Bäckereibetriebe ist seit 1. Juli in Kraft getreten. Der Widerstand, den dieselben sowohl im Reichstage wie im Abgeordnetenhause bei fast allen Parteien gefunden, hat den bisherigen Handelsminister nicht von seiner Ansicht abgebracht. Man wird in den durch die neue Verordnung betroffenen Kreisen sich natürlich den erlassenen Bestimmungen, obgleich deren Rechtsgiltigkeit bestritten wird, fügen müssen, bis etwa gerichtlich festgestellt sein wird, daß die Bäckereiverordnung der rechtlichen Grundlage entbehrt. Indeß berechtigt der Wechsel im Handelsministerium zu der Hoffnung, daß die Unzuträglichkeiten, die sich aus der Durchführung der Bäckereiverordnung ergeben dürften, vom Minister Brefeld, der nicht, wie Herr v. Berlepsch, sich für diese Bestimmungen engagirt hat, einer vorurtheilsfreien Prüfung werden unterzogen werden. Auf Abhilfe ist um so eher zu rechnen, je mehr die betheiligten und interessirten Kreise sich bemühen, die in ihrem Gewerbe thatsächlich vorhandenen Uebelstände abzustellen. Geschieht dieses, und verstehen die Bäckereibesitzer die maßgebenden Kreise im Reich davon zu überzeugen, daß es mit der Bäckereiverordnung nicht geht, so dürfte eine Milderung oder Aufhebung der drückenden Bestimmungen zu erreichen sein. Anderen Gewerbetreibenden aber, über deren Haupt ebenfalls einem Damoklesschwert vergleichbar bereits Verordnungen ähnlicher Art drohend schweben, möge das Schicksal der Bäcker eine Mahnung sein, berechtigten Wünschen ihrer Angestellten und Arbeiter nachzugeben, ehe der Staat eingreift. Daß dieser eine rauhe Hand besitzt, hat er wieder einmal bei der Bäckerverordnung bewiesen. Vermischtes. Berliu, 3. Juli. Unter dem Verdacht, 5 Kinder durch Messerstiche verletzt zu haben, wurde gestern ein junger Mensch verhaftet. München, 2. Juli. Heute hat ein blutiges Pistolenduell bei Groß=Hesselohe stattgefunden. Die Betheiligten sind Dder Kaufmann und Reserveoffizier Max Irlbeck aus München und der Student N. Rosenblum aus Hamburg. Metz, 1. Juli. Die Aufregung über den Brand des Zeughauses in Devant=les=Pont dauert in der Stadt fort. Das Zeughaus, welches im wesentlichen aus Holz gebaut ist, ist völlig zerstört. Der Brand dauerte bis auf Mitternacht unter fortdauernden Explosionen der Geschoßkörper. Die große Explosion wurde bis im Centrum der Altstadt verspürt. Zahlreiche Fensterscheiben zersplitterten. Eine große Zahl von 4 Kilo schweren Eisen= und Holztrümmern wurden 500 Meter weit geschleudert. 2 Kinder wurden in einer Entfernung von 400 Meter vom Brandherde durch umherfliegende Trümmer verletzt. Ein etwa 500 Meter entferntes Gartenhaus und 1 Stall wurden vom Feuer ergriffen und brannten nieder. Der Schaden ist voraussichtlich sehr groß. Königgrätz, 3. Juli. Während der letzten 3 Tage fanden auf den Schlachtfeldern erhebende Gedenkfeiern für die im Kriege 1866 gefallenen Soldaten statt. Militär= und Civilbehörden, sowie zahlreiche Vereine und ein großer Teil der Bevölkerung nahmen an den Feiern teil. Rom, 30. Juni. Die Kunde von einem sensationellen Mord durcheilt in später Abendstunde die Stadt. Die Tochter des reichen Bauunternehmers Benvenuti, ein 20jähriges Mädchen Namens Inez, unterhielt seit einiger Zeit gegen den Willen ihres Vaters und Bruders ein Verhältniß mit einem Studenten der Pharmacie Namens Segnieri. Der Bruder des Mädchens überraschte nun heute Abend das Liebespaar im Schlafzimmer der Schwester und feuerte auf die Liebenden 5 Schüsse seines Revolvers ab. Die Schwester blieb sofort todt, der Verführer erhielt einen Schuß in den Kopf und liegt im Sterben. Dann stellte sich der Mörder der Polizei. Barcelona, 2. Juli. Die Polizei hat den Präsidenten des Clubs der Schlosser und den früheren Präsidenten des Clubs der Fuhrleute, beide bekannte Anarchisten, verhaftet. Gibraltar, 30. Juni Während des Konzerts auf der Alanieda=Promenade fand auf derselben ein Polizist eine Dynamit=Bombe mit brennender Lunte. Der Beamte löschte die Lunte aus. Petersburg, 30. Juni. Eine 25 Mann starke Räuberbande überfiel die Station Moloknoro an der baltischen Bahn, gerade als ein Personenzug dort anhielt. Zwischen dem Stations= und Zugpersonal und den Passagieren einerseits und den Räubern andererseits entspann sich ein blutiger Kampf. 4 Räuber wurden tödlich verwundet, die übrigen entflohen. New=York, 2. Juli. Beachtler=Stowe, die Versasserin von Onkel Toms Hütte, ist gestorben. Yokohama, 29. Juni. Die Zahl der bei der jüngsten Hochfluth an der Nordostküste ums Leben Gekommenen wird auf 27000, die Zahl der Verletzten auf 8000 geschätzt. — Eine hübsche Anekdote vom Kaiser Friedrich erzählte der Königl. Küchenmeister a. D. Larras, der vor 8 Tagen in Berlin gestorben ist. Larras war 1882 Küchenmeister des ehemaligen Kronprinzen, und dieser erklärte ihm eines Tages: „Heute Abend essen wir Kommißbrod und Käse!“—„Kaiserliche Hoheit,“ wandte der Küchenchef ein,„Kommißbrot?“— „Na, seien Sie nur ruhig, ein guter Hausvater sorgt für Alles; ich habe es schon mitgebracht.“ Nun erfuhr Larras folgendes Geschichtchen: Der Kronprinz hatte an demselben Tage in Civilkleidung die Stallstraße durchwandert und dort Soldaten bemerkt, die ihr Brot zum Kauf anboten. Im Berliner Dialekt fragte er einen ihn nicht erkennenden Soldaten: „Wat kost' denn del?" Der Kronprinz kaufte das Brot unter der Bedingung, daß der Soldat es zu seiner Frau bringen müsse. Wie nun der Prinz unterwegs überall ehrfurchtsvoll begrüßt wurde, ward es dem Soldaten schon unheimlich, als er aber die Rampe zum Palais hinaufschreiten sollte, weigerte er sich mit den Worten:„Nee, da jeh' ick nich rin, da wohnt der Kronprinz!“ Inzwischen präsentirte der Doppelposten und der Soldat merkte nun, was mit ihm geschehen war. Zögernd folgte er in das Palais, wo der Kronprinz seiner Gemahlin zurief:„Viki, ick habe Dir'n Kommißbrot jekooft!" Der Soldat erhielt 1 Thaler für sein Brot, freute sich aber, als er wieder draußen war. — Miß Getrude Vanderbilt, eine Tochter des NewYorker Millionärs, hat sich mit Henry P. Whitney verlobt. Das Vermögen der jungen Dame wird auf 100 Mill. M. geschätzt. Sie ist eben 20 Jahre alt geworden. Erst im letzten Jahre führte sie ihr Vater in die Gesellschaft ein. Der Bräutigam ist ein Sohn des früheren Marinesekretärs Whitney. — Die gesammte Nationalschuld Chinas beträgt gegenwärtig etwa 800000000 Mk. Obgleich dieses eine wahre Bagatelle ist angesichts des riesigen natürlichen Reichthums Chinas, bildte sie doch, wie der britische Generalkonsul Sir N. Hannen berichtet, unter dem jetzigen Regierungssystem keine unbedeutende Last. Das chinesische Schatzamt wird kaum weniger als 15—16000000 Taels an Zinsen und Tilgungssummen jährlich zu zahlen haben. Wenn auch die Zolleinnahmen dafür ausreichen, bleibt der chinesischen Regierung dabei aber auch kein Ueberschuß. In einer oder der anderen Weise wird sie neue Steuern ausschreiben müssen. Weder die Pekinger Regierung noch die Provinzialregierungen kennen etwas von einem europäischen Budget. Die chinesische Reichsregierung theilt den Provinzialregierungen im November jedes Jahres mit, wie viel Geld sie für das nächste Jahr braucht. Manchmal giebt sie die Quelle an, woher diese Summe aufzubringen ist. Die Forderung ist selten in einem Jahre viel höher als in dem andern. —(Angenehme Aussicht.) Mieter:„Entschuldigen Sie, ich spiele leidenschaftlich Zither, es wird doch nicht geniren?“ Hausherr?„Durchaus nicht! Wir haben ja 8 Klaviere und 2 Posaunenvläser im Hause!" —(Starke Zumutung.) Student, in das Professorenzimmer tretend:„Sie entschuldigen, wer von Ihnen ist Herr Professor Müller?"— Professor:„Der bin ich. Was wünschen Sie?“— Student:„Ich möchte Sie bitten, mir den Besuch Ihrer Vorlesungen bescheinigen zu wollen.“ —(Begründung.) Sie:„Hör mal, Emil, wir sind nun bereits seit längerer Zeit verheirathet— warum bist Du denn eigentlich noch immer Mitglied des Junggesellenklubs?“— Er:„Liebe Laura, man will mich eben nicht fortlassen. Beiträge habe ich ja nicht mehr zu leisten, ich soll nur dabei bleiben als— warnendes Beispiel!“ —(Unerhört.) Lieutnant zu einem Rekruten, der während des Parademarsches niest:„Hat der Kerl nun 21 Jahre zum Niesen Zeit gehabt und muß mir gerade jetzt den Parademarsch damit verderben!" Wahrheit. Roman von James Canterbury. 38 „Sie dachte, Du seist glücklich, ut versorgt und würdest eine feine Erziehung genießen, und mir selbst erging es zu schlecht, als daß ich Dich dieser Vorteile hätte berauben sollen. Du weißt, der Konsens ist verbrannt, sonst wir de ich ihn Dir zeigen.“ „Beweist derselbe, daß Sie der wirkliche Gatte meiner Mutter sind?“ „Natürlich, was hätte er mir denn sonst nützen können?“ „Sie beabsichtigten, ihn zu verkaufen Herta sagte mir dies.“ „Das ist nicht wahr. Deine Mutter will mich selbst nicht kennen und ich wollte den Konsens dem Vater des Mannes zeigen, um dessenwillen sie mich verlassen hat. Sie ist ihm nach Europa gefolgt, obschon sie weiß, daß er verheiratet ist.“ „Alles dies ist salsch; wie können Sie wagen, so etwas auszusprechen? Wie dürfen Sie den Namen meiner Mutter verunglimpfen? Sie müssen irgend etwas im Schilde führen, um ihr zu schaden; kein Wort mehr gegen sie, ich dulde es nicht. Was immer geschehen sein mag, ich weiß und fühle, daß meine Mutter schuldlos ist. Sie ist meine Mutter und eher würden die Engel unrecht thun als diese Frau!“ Sie sah totenbleich und starr aus und ihre großen Augen leuchseten in übernatürlichem Feuer. Er sagte nach einer Pause mürrisch: „Elfriede verdient ein solches Kind nicht und es ist hart daß Du, wein eigen Fleisch und But, Dich weigerst, mich anzuerkenven. Regina, ich bin sehr arm, sonst würde ich jetzt auf der Stelle Dich zwingen mit mir zu gehen, und wenn Deine Mutter mein Recht bestreiten wollte, so würde ich den Herren vom Gericht die Entsck eidung anbeimstellen. Vor Gericht würde manches an das Tageslicht kommen, das weder Dir noch Deiner Mutter zur Ehre gereichte. Aber, wie gesagt, die Not in der ich mich befinde, hindert mich, Tich mit mir zu nehmen. Wird mein eigenes Kind es ruhig mit ansehen, wie es mir an Kleidern und Nahrung mangelt, ohne mir hilfreiche Hand zu bielen? Kannst Du nichts thun, um mir beizustehen, bis ich mir selbst wieder Geld verdienen kann? Wenn Du mir nur ein wenig hilfst, will ich Dich lassen, wo Du jetzt bist— in Reichtum und Pracht— ich will Dich dort wenigstens so lange lassen, bis ich mit Deiner Mutter mich schriftlich auseinandergesetzt habe.“ „Warum gehen Sie nicht gleich zu meinem Vormund und verlangen mich von ihm?“ „Wenn Du es wünschest, werde ich es noch heute, noch vor Sonnenuntergang thun. Ich bin bereit. Doch wenn ich es thue, werden alle Thatsachen öffentlich bekannt werden und Du. Deine Mutter und ich werden vereint zu Grunde gehen. Wenn Du die ganze schmachvolle Geschichte in den Zeitungen bekannt gemacht haben willst, dann bin ich bereit, Dich von Deinem Vormund zu begehren.“ Er trat an sie heran, doch sie wich zurück und steckte die Hand in die Tasche, wobei sie gewahrte, daß sie ihr Portemonnaie verloren habe. War es ihr gestohlen worden oder hatte sie es im Wagen fallen lassen? „Ich habe kein Geld bei mir, ich habe meine Börse verloren, seit ich von Haus weg bin.“ Sie sah die drohende Wolke auf seiner Stirn. „Wann kannst Du mir Geld geben? Vergiß aber niht, daß es nicht bekannt werden darf, daß ich bettele. Ich bin eben so stolz, meine Techter, wie Du, und wenn die Leute merken, daß ich von Dir Almosen bekomme, so müßte ich ihnen erklären, daß es mein eigenes Kind ist, welches mich unterstütz:.“ Ein schwacher Hoffnungsstrahl stieg in ihrer Seele auf und sie sann nach über die leichteste Art, ihn los zu werden„Iy habe sehr wenig Geld, aber morgen werde ich Ihnen durch die Post alles übersenden, was ich habe. Wohin soll ich es adressieren?" Er schüttelte den Kopf.„Nein, das würde mich nicht zufrieden stellen, ich will Dich wiedersehen, in Dein holdes Antlitz schauen. Glaubst Du, ich liebe mein Kind nicht? Morgen um diese Zeit findest Du mich wieder hier!" Jedes Wort traf sie wie ein Keulenschlag und er las die Verachtung in ihren Zügen.„Ich werde vielleicht die Stunde nicht pünktlich einhalten können, doch wenn irgend möglich, werde ich kommen.“ „Wenn Du Palma sagst, daß Du mich gesehen hast, so muß er alles erfahren, denn Deine Mutter hat ihn bestochen, damit er ihr helfe, Dich und die Welt zu täuschen. Die Wahrheit hat sie ihm eber stets vorenthalten. Wenn er erfährt, daß Du bei mir gewesen bist, so teile ich ihm alles mit, und sagt er sich dann von Dir und Deiner Mutter los, dann bringe ich Dich an einen Ort, wo Du sicherlich die beiden, die Dich gelehrt haben, Deinen Vater zu hassen, Deine Mutter und Palma, nie mehr siehst. Verstehst Du mich, mein Kind?“ Sie schanderte, als er zu ihr sich niederbeugte, und sagte mit großer Kraftanstreugung: „Ich werde Sie=hier treffen und Ihnen das wenige Geld bringen, welches ich habe; dieses entsetzliche Zusammentreffen soll allen ein Geheimnis bleiben.“ „Du versprichst es?“ „Was bleibt mir denn anderes übrig? Mein Vormund soll nichts erfahren, bis ich von meiner Mutter, der ich noch diese Nacht schreiben werde, Nachricht habe. Halten Sie mich nicht auf; meine Abwesenheit wird Aufsehen erregen.“ „Gute Nacht, meine Tochter!“ Er reichte ihr die Hand. Sie sah ihn an, ihre Lippen zuckten und sie suchte sich den Gedanken zu vergegenwärtigen, daß er ihr Vater sein könnte. Sie zwang sich, ihm ihre linke Hand zu reichen, welche behandschuht war; doch kaum hatten ihre Finger die seinen berührt, als sie auch mit einer Bewegung des Ekels solche zurückzog und von dannen eilte, während er ihr noch nachrief:„Also morgen um diese Zeit!“ Der lichte Glanz ihres sonnigen Daseins war plötzlich erloschen und angstvolle Schattengebilde zeigten ihr eine finstere, grauenvolle Zukunft. Der Tod erschien ihr als eine Erlösung, verglichen mit der lebenslänglichen Schande, die ihr bevorstand; mit Bitterkeit fragte sie das Geschick, warum sie mit so zarter Sorgfalt behütet und gepflegt worden sei, um endlich in die Hände dieses rohen, ungebildeten Menschen zu gelangen? Zu einer anderen Zeit würde sie jedenfalls die wohlbekannten Schritte bemerkt haben, welche ihr von dem Augenblick an, in welchem sie den Kai verlassen hatte, folgten; aber heute eilte sie achtlos weiter und sah weder nach rechts noch nach links. Sie hatte einen weiten Weg bis nach Hause; der Abend brach an, ehe sie die Wohnung erreichte. Rasch eilte sie, als sie endlich daheim war, auf ihr Zimmer, um etwaigen Fragen zu entgehen. Therese ordnete etwas an ihrem Waschtisch und rief, sich umwendend:„Um Gotteswillen, Fräulein, Sie sind ja so weiß wie die Wand, was ist denn geschehen?“ „Ich bin leidend und müde. Sind schon alle zu Hause?" „Ja, es kommen Gäste zu Tisch: zwei Herren. Welches Kleid werden Sie anziehen?“ „Ich kann nicht mit speisen. Wenn nach mir gefragt wird, sagen Sie Frau Palma, daß ich nicht wohl bin und sie bitte, mich zu entschuldigen.“ 40,20 Bilig! Wäsche u. Shlipse Teppe& Beincke. Billig! Ur. Echet!, Specialarzt für Haut=, Geschlechts= u. Blasenleiden. Geisenkirchen, Friedrichstr. 10. Sprechstund. v. 9—12, 3—5 U. Dienst., Donnerst., Samst. Abends v. 6—9 U. #8 1 Vg), Doghbur 26 M Se H. Eick, Dochluld, ABCstrasse 11. P „„ 7 Harmonikas, *Violinen, Tithorn 78 d c Gaa # empfiehlt X Zithern S 5 985 A Eick. 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Ihr angeborner Stolz und ihr an solche Umgebung gewohnter Schönheitssinn bäumten sich auf bei dem Gedanken, alles dies, was ihr so lieb war, verlassen zu müssen, um eines Mannes willen, an dessen Vaterrechte sie nicht glauben mochte. Sie lehnte das Haupt gegen den Marmorsims des Kamins und weinte. Seit Jahren hatie sie geahnt, daß eine dunkle Wolke über ihrem und ihrer Mutter Leben schwebe, doch der Glaube an diese Mutter und die Stütze, welche sie in Pastor Hasting gefunden, hatten ihr über jede Stunde hinweggeholfen. Bis zum heutigen Tage war ihr das Gespenst der Schande und Entehrung noch nie vor die Seele getreten und mit der ganzen hoffenden Leichtgläubigkeit der Jugend hatte sie jeden trüben Gedanken zu verscheuchen gewußt, in dem hehren Glauben, daß im richtigen Augenblick die Mutter ihr jede nötige Erklärung geben werde. Hatte Douglasvielleicht schon von irgend einer Gefahr gewußt, welche ihr die Zukunft bringen könne, als er ihr beim Abschied sagte, er würde sie so gerne schützen vor jedem Leid, das ihr zustoßen könnte? Wußte er alles und würde er sie weniger lieben, wenn jener böse Mann seine väterlichen Rechte zur Geltung bringen sollte? Endlich warf sie sich erschöpft auf ihr Bett und barg laut schluchzend das Gesicht in den Händen. Wenn sie diesem Elend nur entrinnen, nach Indien eilen könnte, wo Donglas sie schützen, bemitleiden, lieben würde. Mit welch inniger Dankbarkeit gedachte sie seiner; wie edel, wie großmütig und gütig war er stets gegen sie gewesen! Welcher Hafen der Ruhe würde 1 s e i n e G e g e n w a r t i h r j e t z t s e i n! S i e h a t t e i h n s t e t s a l s e i n e n t e u r e n Bruder angesehen, doch war ihre Zuneigung, obgleich tief und aufrichtig, doch vollkommen frei von jeder sentimentalen Beimischung. Ihre reine junge Seele war noch gänzlich unberührt von dem verklärenden, beseligenden Hauch der Liebe. Wäre Douglas erreichbar gewesen, so hätte sie sich ohne Zögern in seine schützenden Arme geflüchtet. An wen sollte sie sich jetzt wenden? An ihren Vormund? Würde er ihr noch den Schutz seines Hauses gewähren, wenn er die Ereignisse des heutigen Tages wüßte? Doch selbst auf diese Gefahr hin wollte sie ihm das Geschehene anvertrauen; ihn fragen, was wahr sei und ihn bitten, sie unverweilt zu ihrer Mutter zu bringen. Vielleicht war es ihm möglich, die Angaben jenes Mannes zu widerlegen; er war sicherlich zu vorsichtig, um die Vormundschaft über ein Mädchen zu übernehmen, dessen Abstammung ihm vollkommen unbekannt war. Unbet ingtes Vertrauen zu seiner Ehrenhaftigkeit, innige Dankbarkeit für seine Fürsorge, seit sie ein Mitglied seines Haushaltes geworden, war nach und nach an die Stelle der Furcht und Abneigung getreten, welche sie anfangs für ihn empfunden hatte, und gerade jetzt war der einzige trostreiche Gedanke, der sie erfüllte, der, Hülfe und Stütze bei ihrem Vormund zu suchen, bis sie sich in die Arme ihrer Mutter flüchten könne. Zwei Jahre täglichen Verkehrs mit Palma hatten sie gelehrt, den Ernst seiner Natur zu würdigen, und sein eiserner Wille, der ihr oft eine Quelle banger Sorge gewesen war, erschien ihr jetzt wie ein rettender Anker. Wenn sie aber wirklich das niedriggeborene Mädchen war als welches jener entsetzliche Mann sie hinstellte, und wenn Herr Palma erfahren würde, daß er betrogen worden sei: würde er sie nicht verachten? Es klopfte jemand an die Thüre, aber sie antwortete nicht, in der Hoffnung, daß man glauben würde, sie schlafe. Frau Palma trat ein.„Warum haben Sie kein Licht?“ „Ich brauche keines. Ich ruhe mich nur aus.“ „Regina. sind Sie krank, daß Sie sich einschließen, da Sie doch wissen, daß Gäste gekommen sind?“ „Ich fühle mich nicht wohl und hoffte, daß Siemich entschuldigen wiürden:“ „Haben Sie Fieber? Sie schienen doch ganz wohl zu sein, als ich mich heute vov Ihnen trennte.“ „Ich habe kein Fieber, bin aber unfsihzig unten zu erscheinen“ „Arthur ersucht mich, Ihnen mitzuteilen, daß er Sie auf jeden Fall heute abend noch sprechen müßte, und Sie bittet, um 9 Uhr in die Bibliothek zu kommen. Jetzt ist er in seinem Bureau, und Sie wissen, daß er es nicht leiden kann, wenn seine Wünsche nicht berücksichtigt werden.“ „Bitte, Frau Palma, sagen Sie ihm, daß ich nicht kommen kann; er möge mich diesen Abend entschuldigen. Legen Sie ein gutes Wort für mich ein.“ „Das thue ich nie, wenn Arthur einmal einen Befehl erteilt hat. Uebrigens sehe ich, ihn heute nicht mehr. Ich gehe mit Olga aus. und muß bald fort. Schlafen Sie jetzt ein Stündthen, das wird Ihnen wohlthun. Therese soll Sie rufen, sobald Ihr Vormund nach Ihnen verlangt. Brauchen Sie irgend eine Arznei; Sie sehen sehr übel aus?“ „Nein, ich danke. Ich bedarf nur der Ruhe; können Sie Herrn Palma nicht überreden, auf den Ball oder in die Gesellschaft mit Ihnen zu gehen?“ „Er versprach, uns in der Nacht abzuholen undheimzugeleiten — eine seltene Ehre, die er Frau Tarrant erweist, weil deren Gemahl ein hervorragender Advokat und Arthurs Freund ist. Gute Nacht!“ Regina fühlte sich verlassener als je. War Herr Palma böse, weil sie ohne seine Erlaubnis ausgegangen war? Hätte sie seinen oft ausgesprochenen Willen befolgt, so wäre ihr jene furchtbare Begegnung erspart worden. Was mochte aus ihrer Börse geworden sein; wie konnte sie, ohne Aufsehen zu erregen, zu dem Gelde gelangen, das sie mit solcher Bestimmtheit Peter Hull zu geben versprochen hatte? Sie läutete und beauftragte Harley, den Wagen zu durchsuchen, um das verlorene Portemonnaie zu finden. Nach langem Warten kehrte die Dienerin, welche sie mit dem Auftrag an Harley betraut hatte, zurück mit dem Bescheid, daß nichts gefunden worden sei. Das Mädchen eilte dann rasch hinweg, weil Frau Palma nach ihr rief und Regina schloß ihren Schreibtisch auf, um daraus den letzten Rest ihres monatlichen Taschengeldes zu entnehmen. Sie zählte es sorgfältig, fand aber nur noch dreizehn Dollars. Hätte sie ihr Geld zurückbekommen können, so wäre sie wenigstens in der Lage gewesen, jenem Manne zwanzig Dollars zu bieten, und selbst dies erschien, als Kaufpreis für ewiges Schweigen, lächerlich wenig. Was sollte sie nun ihun? 40,20 Krettel für künstliche Zähne und alle zahnärztlichen Operetionen, Zahnziehen, Plombirer erc. etc. 2. Riegel Zahntechniker. Täglich Ees Vanille u. Frucht Conditorei u. Café. Aug: Funrkotter, Sechr. S. Jedes Quantum Mutter=Korn kauft Germania-Apotheke, Wattenscheid. 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Diese Verordnung tritt sofort mit ihrer Verkündigung in Kraft. Arnsberg, den 31. Mai 1896. Der Regierungs=Präsident Winzer. Bekanntmachung der Königl. Regierung. Mit Ermächtigung der zuständigen Herren Minister gestatte ich gemäß§ 105e der Reichsgewerbe=Ordnung hierdurch den Gast= und Schankwirthen den unbeschränkten Ausschank von Wein und Bier vom Faß an Sonnund Festtagen, auch„über die Straße." Dagegen ist der Verkauf von Branntwein, von Flaschenbier und Flaschenwein, von Cigarren, Konditorwaaren, Delikateßwaaren, Wurst, kaltem Aufschnitt und dergleichen,— sofern diese Waaren nicht an Gäste des Schanklokals zum Genuß auf der Stelle verabfolgt werden,— an Sonn= und Festtagen nur während der für das Handelsgewerbe allgemein freigegebenen Stunden erlaubt. Die Lieferung zubereiteter Speisen aus den Küchen der Gastund Schankwirthschaften in fremde Häuser fällt unter den Gewerbebetrieb der Köche und ist als solcher durch meine Bekanntmachung vom 21. März 1895.— A.=Bl. S. 149. 180 — Nr. 1 geregelt. Arnsberg, den 22. Mai 1896. Der Regierungs=Präsident. In Vertretung: Fornet. Crranntmachn, Die nächste General=Versammlung des landwirthschaftlichen Kreis=Vereins Gelsenkirchen verbunden mit dem landwirth= schaftlichen Jahresfest findet am Verannrmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die diesjährigen Herbstferien für die Volksschulen des Landkreises Gelsenkirchen ausschließlich der evg. Schule in Bärendorf— auf die Zeit vom 13. August bis 16. Septbr. festgesetzt sind. Für die evg. Schule in Bärendorf sind wegen des vorzunehmenden Vergrößerungsbaues folgende Ferien festgesetzt: 1) Vom 29. Juni bis 3. August, 2) vom 5. Oktober bis 12. Oktober. Gelsenkirchen, 11. Juni 1896. Königliche Landrath: Dr. Hammerschmidt. Bekanntmachung. Die Gewerkschaft des Bergwerks Centrum hierselbst beabsichtigt, auf ihrem Grundstücke Flur 14 Nr. 1, 2, 3, 4 u. 5 der Steuergemeinde Wattenscheid in der Nähe der Schachtanlagen 1 und 3 eine Kokerei von 60 Oefen mit Gewinnung von Nebenproducten anzulegen. Auf Grund der§§ 16 und 17 der R.=G.=O. und der §§ 34 bis 36 der Ausführungs=Anweisung vom 19. Juli 1884 wird dieses Vorhaben mit der Aufforderung zur öffentlichen Kenntniß gebracht, etwaige Einwendungen gegen die Anlage binnen einer Ausschlußfrist von 14 Tagen, welche mit Ablauf des Tages ihren Anfang nimmt, an welchem das diese Bekanntmachung enthaltende Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg ausgegeben wird, bei der unterzeichneten Behörde schriftlich in 2 Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Beschreibungen und Zeichnungen der Anlage liegen während der vorangegebenen Frist sbei dem Unterzeichneten im Rathhause hierselbst, Zimmer Nr. 3, zur Einsicht aus. Zur mündlichrn Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf Mittwoch, den 8. Juli 1896, vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Vorsitzenden des collegialischen Gemeinde=Vorstandes im hiesigen Rathhause, Zimmer Nr. 3 anberaumt, wozu die Interessenten unter der Verwarnung geladen werden, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Er=, örterung der Einwendungen vorgegangen werden wird. Wattenscheid, den 12. Juni 1896 Der collegialische Gemeinde=Vorstand: Der Vorsitzende Wibberding, Bürgermeister. h, den 15. Juli cr., Nachmittags 2 in dem festlich ausgeschmückten Saale des Wirths E. Heuser und auf den daran anstoßenden Grundstücken in Gelsenkirchen in folgender Weise statt: 1) Beginn der General=Versammlung um 2 Uhr Nachmittags, in welcher nur die Aufnahme neuer Mitglieder und Berathungen bezüglich des Festes zur Tagesordnung stehen. 2) Besichtigung des ausgestellten Viehs— Rindvieh und Schweine sind wegen der Maul= und Klauenseuche von der Ausstellung ausgeschlossen— der landwirthschaftl. Maschinen, Geräthe und Produkte. Sämmtliche Ausstellungs=Gegenstände und nementlich das Vieh müssen um 1½ Uhr auf dem Platze sein. An Prämien aus Vereinsmitteln sind ausgesetzt: 8 Prämien für 1= und 2jährige Pferde im Werthe von zusammen... 170 M. 8 Prämien für Fohlenstuten im Werthe von zusammen 160„ 8 Prämien für Pferde jeglichen Alters und Geschlechts im Werthe von zusammen.... 135„ 4 Prämien für Geflügel im Werthe von zusammen 25„ 3 Prämien für Gartenprodukte im Werthe von zusammen 45„ 3 Prämien für Butter im Werthe von zusammen 20„ 5 Prämien für landwirthschaftliche Maschinen und Geräthe im Werthe von zusammen... 110„ Die Prämien für landwirthschaftliche Maschinen und Geräthe werden in Geld gewährt, die übrigen Prämien bestehen in geeigneten Ehrengeschenken. Es soll nur solches Vieh prämiirt werden, welches Vereinsmitgliedern seit mindestens 3 Monaten gehört. 3) Vertheilung der Ausstellungs=Prämien. 4) Um 7 Uhr Abends großer Festball im Festzelte. Während des Festes findet bis 10 Uhr Abends Concert statt, ausgeführt von der ganzen Kapelle des InfanterieRegiments Nr. 147 unter Leitung des Kapellmeisters. Zu einer zahlreichen Betheiligung an dem Feste, namentlich an der Preisbewerbung, wird eingeladen. Mitglieder des Vereins, welche die Mitgliedskarte tragen, haben mit ihren Familien freien Zutritt. Nichtmitglieder zahlen an Eintrittsgeld: Einzelne Personen 1 M., Familien 2 M. Gelsenkirchen, den 10. Juni 1896. Veranntmachung. Die unentgeltlichen öffertlichen Impfungen für die Gemeinde Ueckendorf finden am 15. Juni 1896, Nachmittags 3 Uhr, „ 22„„„ 2„ „ 30.„„„ 2„ „ 6 Juli„„ 2„ 13.„„„ 2 im Stale des Wirths Börste hierselbst stut. Die Eltern bezw. Pflegeeltern impfpflichtiger Kinder diesseitigen Amtes, denen eine schriftliche Aufforderung nicht zugehen sollte, werden hiermit veranlaßt, mit ihren Kindern zum Impftermin zu erscheinen, oder in demselben den Nachweis der Krankheit oder der Prioatimpfung des Kindes beizubringen. Wird solches unterlassen, so tritt Geldstrafe bis zu 30 Mark oder eventl. Haft ein. Ueckendorf, den 30. Mai 1896. Die Polizei=Verwaltung: v. Wedelstaedt. Bekanntmachung. Während der vom 15. Juli bis zum 15. September dauernden Gerichtsferien werden nur in Feriensachen Termine abgehalten und Entscheidungen erlassen. Feriensachen sind: Strafsachen, Arrestsachen und die eine einstweilige Verfügung betreffenden Sachen, Marktsachen, Streitigkeiten zwischen Vermiethern u. Miethern von Wohnungen und anderen Räumen wegen Ueberlassung, Benutzung und Räumung derselben, sowie wegen Zurückhaltung der vom Miether in die Miethswohnung eingebrachten Sachen, Wechselsachen und Bausachen, wenn über Fortsetzung eines angefangenen Baues gestritten wird. Das Gericht kann auf Antrag auch andere Sachen, soweit sie besonderer Beschleunigung bedürfen als Feriensachen bezeichnen. Auf das Mahnverfahren, das Zwangsvollstreckungsverfahren und das Konkursverfahren sind die Ferien ohne Einfluß. Vorstehendes wird dem Publikum mit der Aufforderung zur Kenntniß gebracht, die Anträge auf diejenigen Angelegenheiten zu beschränken, welche einer Beschleunigung bedürfen. Wattenscheid, den 17. Juni 1896. Konigliches umtsgericht. Vorstand des landwirthschaftlichen Kreis=Vereins: Dr. Hammerschmidt. Veranntmachung. Den Mitgliedern des landwirthschaftlichen Kreis=Vereins wird hierdurch bekannt gegeben, daß bei der bald beginnenden Heuernte seitens des Kgl. Proviantamtes zu Wesel gut gewonnenes trockenes Heu von der Wiese weg angekauft wird. Auf bezügl. Anfrage wird das Proviantamt Mittheilung über Preis=Verhältnisse machen. Gelsenkirchen, den 12. Juni 1896. Der Direktor des landwirthschaftl. Kreis=Vereins: Dr. Hammerschmidt, Königlicher Landrath. Für Jahnkranke. All- zahnär ztlichen Operationen, au Winsch schm zioieret Zehnzieher, Nerotödten, Plom i.en, 2c. verrichtet. Martin Veith, eppr. Hülfs-Chirurg Hochst..5. Hocht. Salatö sog. Mayonnaiseöl à Flasche 1,25 und 0,60 Mk. empfiehlt Germania=Apotheke. Achtung Billiger wie jede Concurrenz das größte und billigste Schwarzbrod, Graubrod und Weißbrod, sowie sämmtliche anderen Backwaaren erhält man Vödestr. 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