Nr. 127. Freitag, den 5. Juni 1896. 28. Jahrgang. ien Stgan für Itadr& Timr Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet vierteljährlich incl. Botenlohn 2 Mk., iw der Geschäftsstelle 1.75 Mk. vorauszahlbar.(Im Postgebiet 2 Mk.) S Nchrid& Amr Keikendorf. Anzeigen werden die Petitzeile oder deren Raum mit 15 Pfg., für Auswärts mit 18 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile berechnet. Eine Zusage für bevorzugte Stellung kann nicht gegeben werden, billige Wünsche werden gern erfüllt. Schriftleitung, Druck und Verlag von Carl Busch in Wattenscheid. Telephon 181 Gelsenkirchen. Nochmals das Unglück in Moskau. Die Moskauer Festlichkeiten, die mit so märchenhafter Pracht begonnen haben, sind durch ein entsetzliches Unglück getrübt worden. Bei der Vertheilung von Festgaben entstand am Sonnabend auf dem Chodynskyfelde ein großes Gedränge der dort versammelten Volksmenge. Mehr als 1200 Personen wurden getödtet, eine noch größere Zahl wurde verletzt. Neuere Berichte sprechen sogar von 2000—3000 Todten. Das Unglück erinnert an das Vorkommniß bei der Hochzeit Marie Antoinettes mit dem Dauphin von Frankreich, dem nachmaligen König Ludwig 16. Bei dem Feuerwerk, welches die Stadt Paris zur Feier dieses Ereignisses am 16. Mai 1770 veranstaltete, entstand ein ähnliches Drängen, wobei 300 Personen getödtet und sehr viel mehr verwundet wurden. Aber die Moskauer=Katastrophe übertrifft die französische an Umfang und Gräßlichkeit weitaus und dürfte zu den schrecklichsten Vorkommnissen dieser Art zählen, von welchen die Annalen aller Länder und Zeiten berichten. Für die großen Massen des Volkes, die in Moskau zusammengeströmt waren, um die Krönungsfeier zu begehen, sollte das Fest auf dem Chodynskyfelde den Gipfel und den Abschluß des Festjubels bilden. Eine wahre Völkerwanderung ergoß sich nach dem Festplatze; auf mehr als eine halbe Million werden die Massen geschätzt, die im Petrowskyparke übernachtet haben, um am frühen Morgen die Krönungsbecher zu empfangen, die als Geschenk des Zaren wie heilige Trophäen aufbewahrt werden, und um an der Vertheilung von Speise und Trank theilzunehmen. Obwohl die Vertheilung erst um 11 Uhr vormittags beginnen sollte, begannen die Massen schon um 5 Uhr gegen die am Rande der Felder errichteten Schaubuden vorzudringen, in denen die Gaben aufgespeichert waren. Die Menge brach gewaltsam in die Buden ein. Infolgedessen wurde schon um 6 Uhr beschlossen, mit der Vertheilung zu beginnen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht unter den auf dem Felde lagernden Menschen. Sofort erhoben sie sich und stürzten auf die Buden zu, und das Unglück brach herein. Die Katastrophe wurde dadurch vergrößert, daß die Buden mit Gräben umgeben waren; die Herandrängenden stürzten infolgedessen nieder, während die Masse unaufhaltsam nachdrängte, alles unter sich zermalmend. Dazu kommt noch der Umstand, daß die Zugänge zu den Zelten, wo die Gaben vertheilt wurden, so spitz zuliefen, daß immer nur 2 Beschenkte wegtreten konnten. In diesen Engen wüthete dann schreckliches Ringen um Leben und Tod. Das Chodynsky=Feld glich einem Schlachtfelde; der zerstampfte und durchwühlte Boden war mit Kleiderfetzen, Kopfbedeckungen, Stiefeln und Bastschuhen, Resten von Körben und Blechgefäßen, kurzum mit lauter Gegenständen besäet, welche den Leuten im Gedränge und beim Kampfe vom Leibe gerissen wurden. Die Frage, wem die Schuld an dem Unglück zuzuschreiben ist, dürfte schwer zu beantworten sein. Vermuthlich haben mehrere Faktoren zusammengewirkt: Der Leichtsinn und die Unbedachtsamkeit der ungebildeten Menge und der Genuß von Branntwein. Die Hauptschuld aber dürfte der Polizei beizumessen sein, die umfassende Vorkehrungsmaßregeln hätte treffen müssen. In Deutschland hat das Unglück die allgemeine Theilnahme gefunden. In innigem Mitgefühl wenden sich die Herzen der Stätte zu, wo der Uebergang von der höchsten Festesfreude zur tiefsten Trauer in so tragischer Weise sich vollpat be. Reichstag. Berlin, 3. Juni. Beratung des Antrages Auec und Genossen über das Vereinsrecht, verbunden mit dem Antrag Anker und Genossen über das Vereinswesen. Abg. Rickert betont die Nothwendigkeit eines Gesetzes bei den zumal in Preußen völlig unhaltbaren Zuständen. Der von der Kommission ausgearbeitete Entwurf entspreche nicht ganz seinen Wünschen, doch wolle er das Gute nehmen, da das Bessere nicht zu erreichen sei. Redner verlangt von der Regierung die Einlösung des vor 24 J. gegebenen Versprechens, ein Vereinsgesetz zu erlassen. Dann dürften wir auch bis zur Durchberatung des Bürgerlichen Gesetzbuches hier bleiben. Staatssekretär Dr. v. Bötticher führt aus, die verbündeten Regierungen pflegten zu Initiativanträgen erst nach der 2. Lesung Stellung zu nehmen, hiervon in diesem Falle abzuweichen, da sich die verbündeten Regierungen seit 1894 nicht wieder mit den Vereinsfragen befaßt haben, läge kein Grund vor. Erfolgten Beschlüsse des Reichstages, so würden die verbundeten Regierungen selbstverständlich dazu Stellung nehmen. Daß sie sich an den Verhandlungen der Kommission über das Vereinsgesetz nicht betheiligt hätten, liege daran, daß sie nicht eingeladen waren. Abg. Lenzmann betont, wenn für die Regelung des Vereinsgesetzes von Reichswegen nichts geschehen sei, so sei dies eine böswillige Nichterfüllung der Verheißungen in der deutschen Reichsverfassung. Präsident Freiherr v. Boul weist den Ausdruck„böswillig Nichterfüllung" als unparlamentarisch zurück. Staatssekretär v. Bötticher erkenut an, daß die Materie Vereinsrecht vom Reichstag verhandelt werden kann. Sollte sich aus dem Prozeß gegen die Sozialdemokratie eine Verletzung der Reichsgesetze ergeben, so würden die verbündeten Regierungen natürlich dazu Stellung nehmen. Abg. Auer meint, daß man zu keiner Einigung komme, liege daran, daß die leitenden Kreise unter dem Druck der Furcht vor der Arbeiterschaft und der Sozialdemokratie stehen. Ab. Lenzmann glaubt, er würde keine Rüge vom Präsidenten erhalten haben, wenn er statt„böswillig“„absichtlich“ gesagt hätte; es sei eben die Absicht der Regierung, sich in der Polizeimacht nicht beschränken zu lassen. Abg. Förster hält eine Abänderung des Vereinsgesetzes für ebenso notwendig, wie die des bürgerlichen Rechts überhaupt. Abg. Rickert stellt fest, daß das Bureau des Reichstages den Ministerien von Sitzungen der Kommission jedesmal Kenntnis gegeben habe. Abg. Lieber erklärt, das Centrum werde für§ 1 stimmen, um bis zur 3. Beratung Aenderung einiger Punkte zu ermöglichen. Damit wird die Erörterung geschlossen. Bei der Abstimmung wird§ 1 angenommen, ebenso§§ 2 und 3. Zu§ 4 bemerkt der Abg. Bebel: Wenn im Saale irgend Jemand dem§ 8 des preuß. Vereinsgesetzes zuwidergehandelt habe, so sei dies der Oberpräsident von Hannover, v. Bennigsen, in seiner Eigenschaft als Mitglied des Ausschusses der nationalliberalen Partei. Freilich habe diese Partei nach dem Urtheil in dem Prozeß gegen die Socialdemokraten ein Circular mit der Anweisung versandt, wie sie sich nunmehr halten müsse, um nicht gegen den§ 8 zu verstoßen. Abg. Auer hält den Kommissionsentwurf gegenüber den derzeitigen Zuständen für einen Fortschritt und glaubt Namens der Fraktion die Zustimmung versprechen zu können. Abg. v. Bennigsen erklärt den Wunsch nach einer reichsgesetzlichen Regelung der Vereinsgesetzgebung als berechtigt. Abg. Dziembowsky erklärt sich im Namen seiner Partei für die Kommissionsfassung. Abg. Stolle schließt sich dieser Erklärung an. Redner beschwert sich des weiteren über den Prozeß gegen die Sozialdemokraten. Abg. Rickert erwähnt einen Fall, wo die Aufforderung, einem liberalen Vereine beizutreten, als Hauskollekte angesehen wurde. Minister v. d. Recke will den Fall untersuchen lassen, vermuthet aber, daß in der Aufforderung zum Beitritt die Aufforderung zu Beiträgen enthalten sei. Abg. v. Bennigsen stimmt dem§ 4 zu; dieser wird sodann angenommen, ebenso die§§ 5—18 und damit der ganze Entwurf.(Schluß.) Deutschland. Berlin, 4. Juni. Ehe der Kaiser seine diesjährige Nordlandsreise an Bord der„Hohenzollern“ antritt, die in unmittelbarem Anschluß an die Regatten des kaiserlichen Yachtclubs in den Kieler Gewässern geplant ist, wird er sich nach Wilhelmshaven begeben, um dem Stapellauf und dem Taufakt des Panzerschiffes 1. Klasse„Ersatz Preußen" beizuwohnen. — Der Kaiser hat dem Oberpräsidenten Grafen Bismarck telegraphisch die Nachricht zugehen lassen, daß er bei dem ihm kürzlich geborenen Sohne eine Patenstelle übernehmen wolle. — Das Staatsministerium trat heute Nachmittag im Dienstgebäude zu einer Sitzung unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe zusammen. — Die preußische Staatsregierung läßt gegenwärtig Erhebungen bei allen Central=Verwaltungen und ProvinzialBehörden darüber anstellen, wie hoch die in einem Verwaltungsjahre sich ergebenden Kassendefecte sind, und auf welche Summe sich die von allen Staatsbeamten hinterlegten Cautionen belaufen. Das Ergebniß dieser Ermittelungen soll im nächsten Jahre dem Landtage vorgelegt werden und Anlaß zu einer allgemeinen Herabsetzung der Cautionen geben. — Zu der Einweihung des Kaiser Wilhelm=Denkmals auf dem Kyffhäuser am 17. Juni begeben sich 350 Mitglieder Berliner Kriegervereine dorthin. — Der Generallieutenant v. Münnich, Kommandeur der 15. Inf.=Division in Köln, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches(59 J. alt) zur Disposition gestellt worden. — Heute fand zu Berlin eine Sitzung des Ausschusses des Centralverbandes Deutscher Industrieller mit anschließender Delegierten=Versammlung statt. Zum 5. Mitgliede des Direktoriums wurde an Stelle des verstorbenen Geh. Kommerzienrath E. Langen=Köln der Vorsitzende des Vereins für die deutsche Rübenzuckerindustrie König=Berlin gewählt. Die bisherigen Mitglieder des Ausschusses nebst deren Stellvertreter wurden wiedergewählt, aber an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten ausgeschiedenen Geh. Kommerzienrath Baare=Bochum wählte man Kommerzienrath Haarmann=Osnabrück und an Stelle des aus gleichem Grunde ausgeschiedenen Geh. Kommerzienrath Erckens=Aachen Fabrikant Starck=Chemnitz. Der Generalsekretär Bueck behandelte in seinem Referat eingehend die Arbeiterbewegung, betonte die Nothwendigkeit einer Einigkeit der Arbeitgeber gegenüber den Forderungen der durch Agitatoren aufgehetzten Arbeiter. Er sprach unter lebhaftem Beifall den Dank an Herrn von Stumm aus für dessen Kampf gegen die christlich=soziale Gefahr. Er betonte schließlich die Solidarität der Industrie und der Landwirthschaft. Die Versammlung nahm ein Gesuch an den Reichstag um Wiederherstellung der Bestimmungen über Rechtsfähigkeit der Vereine im Bürgerlichen Gesetzbuch an, sowie eine Resolution gegen die Verordnungen für das Bäckereigewerbe und gegen den Achtuhrladenschluß. — Auf Befehl des Kaisers soll die gesammte Berliner Garnison die Gewerbeausstellung kompagnieweise besichtigen, womit bereits gestern begonnen wurde. Zur Deckung des Entreees soll der Kaiser aus seiner Privatschatulle einen Betrag ausgesetzt haben. — Nach dem Geschäftsbericht des„Deutschen Kriegerbundes“ pro 1895 zählt die Rheinprovinz 1085 Kriegervereine mit 85 796 Mitgliedern. — Die Rede des Kaisers Franz Joseph beim Empfange der österreichischen und ungarischen Delegationen hat in der ganzen deutschen Presse lebhafte Zustimmung gefunden; sie wird allseitig als eine wiederholte, sehr erfreuliche Bestätigung aufgefaßt, wie sehr sich der Dreibund in der Ueberzeugung aller Beteiligten als eine Notwendigkeit und als ein sicheres Friedensbollwerk festgesetzt hat. — Zu den Kaisermanövern verlautet, daß der Kaiser den großen Operationsplan für die im September stattfindenden Manöver selbst ausgearbeitet habe. Während der großen Kavallerieübungen wird auch ein großes Kavallerie=Nachtmanöver stattfinden. Für die Kaisermanöver ist“ gleichfalls ein solches in Aussicht genommen. Die Budgetkommission des Reichstages begann heute die Berathung des Gesetzentwurfs betr. Abänderung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke. Der Kriegsminister erklärte, die Durchführung des jetzigen Entwurfs sei möglich mit der 2jährigen oder 3jährigen Dienstzeit. Bedingungslos seien die Anfragen wegen der 2jährigen Dienstzeit von keiner Kommandobehörde beantwortet worden. Der weitere Versuch der 2jährigen Dienstzeit scheine nicht in Frage gestellt. Mit dem Säbel brauche man nicht zu rasseln, denn der Friede scheine auf lange Zeit gesichert. Ueber die 2jährige Dienstzeit werde die Regierung bis 1899 nicht zu einem abschließenden Urtheil gelangen. Im Frieden hätte dieselbe sich bewährt, wie es damit im Kriegsfalle stehe, bleibe abzuwarten. Königsberg, 3. Juni. Die Krankheit des Oberpräsidenten Grafen Wilhelm Bismarck begann mit einem Gallenleiden, zu dem ein anhaltender Gichtanfall trat. Jetzt ist eine kleine Besserung zu verzeichnen. Derselbe hofft, in einiger Zeit die Geschäfte wieder aufnehmen zu können. Kiel, 2. Juni. Der für die Fahrt zwischen Hamburg und Helgoland=Norderney, auf der Werft von Blohm u. Voß in Hamburg neu erbaute Schnelldampfer Prinzessin Heinrich der Hamburg=Amerika=Linie traf, durch den Kaiser WilhelmKanal kommend, gestern Abend hier ein, um in der Eckernförder Bucht die vertragsmäßige Probefahrt zu machen. Heute Mittag begab sich die Prinzessin Heinrich mit dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen an Bord des Schiffes, das bald darauf seine Probefahrt antrat; das Ergebnis war ein ganz außerordentlich günstiges, das Schiff erzielte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von annähernd 17 Seemeilen(30 km) die Stunde. Die Prinzessin Heinrich schenkte dem Schiff ihr Bild. Darmstadt, 2. Juni. Die Kammer lehnte nach mehrstündiger Debatte mit 24:17 St. den Antrag Wasserburg, die Kammer solle die Regierung ersuchen, im Bundesrath auf Aufhebung des Jesuitengesetzes hinzuwirken, ab. Pest, 3. Juni. Die Nachricht, daß 8 Mitglieder des Reichstages und des preuß. Herrenhauses nach Pest zu reisen beabsichtigen, um den Millenniumsfeierlichkeiten am 8. Juni beizuwohnen, hat in Ungarn allgemein aufrichtige Freude erweckt. Man erblickt hierin eine sichere Gewähr dafür, daß die maßgebenden Kreise Deutschlands, weit entfernt, den Märchen über deutschfeindliche Strömungen in Ungarn Glauben zu schenken, es mit jenem sympathievollen Interesse, das sie dem Lande entgegenbringen, ernst meinen und durch kleinliche Machenschaften sich nicht davon abbringen lassen wollen. Die Deputation des deutschen Reichstages darf seitens der ungarischen Hauptstadt des wärmsten Empfanges sicher sein. Bern, 3. Juni. Der Ständerat bewilligte einen Bundesbeitrag von 1 Million für die Fortsetzung des Hüninger Kanals bis Basel. Die Gesamtkosten betragen 3,75 Millionen Frc. Paris, 4. Juni.(Deputirtenkammer.) Finanzminister Cochery bringt den Gesetzentwurf über die direkte Besteuerung des Einkommens und die damit verwandten Abgaben ein. Der Entwurf geht an den Budget=Ausschuß. Das Haus vertagt sich auf Samstag, wo die Interpellation Jaures über die neuesten Ernennungen in der Verwaltung zur Berathung kommen soll. Der Radikale Bodin wurde ohne Gegenkandidaten mit 54 Stimmen zum Präsidenten des Gemeinderaths von Paris Lissabon, 3. Juni. Der König stattete gestern in Begleitung des Marineministers und des Ministers des Aeußern sowie der Admiräle der englischen Flotte einen längeren Madrid, 4. Juni. Infolge eines persönlichen Zwistes hatten sich Marschall Campos und General Borrero ihre Zeugen geschickt. Das Duell sollte eben im Hause eines hiesigen Rentners beginnen, als der Generalkapitän von Madrid eintrat und es verhinderte. — Der Gemeinderat von Barcelona hat die Mittel zum Ankauf eines Panzerschiffes bewilligt, das der Regierung geschenkt werden soll.— Das unterseeische Kabel zwischen Tanger und Spanien ist infolge einer Beschädigung durch 1 Schiff Rom, 3. Juni. Gestern richtete König Humbert an den Kaiser Franz Josef ein Telegramm nach Pesth, worin er ihm Poier Srouz Abptesiens Nar., die Gefühle der Dantlbarteit verrathen möge. In der Voruntersuchung hatte er bekannt, daß er das Atropin auf Anrathen eines der Angeklagten gebraucht und daß dasselbe ihm von seiner Schwester zugesandt sei. Eine auffallende Erscheinung war es, daß sowohl die 3 angeklagten Männer, als auch andere Familienmitglieder wegen Augenleidens von dem Militärdienst befreit geblieben sind. Die Strafe lautete gegen die beiden Rathgeber auf je 6 Mon. Gef., der 3. erhielt 3 Monate und die beiden Mädchen je 14 Tage Gef. Düsseldorf, 4. Juni. Zum Vorsitzenden des am 30. Juni beginnenden Schwurgerichts wurde Herr Landgerichts=Direktor Wolff ernannt. Mannheim, 3. Inni. Wegen Beleidigung einer Justizbehörde wird sich der Professor des Strafrechts an der Heidelberger Universität, Dr. v. Kirchenheim, am 5. Juni d. J. vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten haben Vom Amtsrichter Sautier in Mosbach waren einige dem Professor Dr. v. Kirchenheim gehörige Schriftstücke zurückbehalten worden, welche die Angelegenheit der entmündigten Frau Ott zu in seinen zmen die Gefühle der Dankbarten. Mosbach behandelten. Es gelang dem Professor Dr. v. KirchenAufforderung des Professors von Kirchenheim auf Rückgabe der Papiere nicht entsprach, und auch die Mosbacher Staatsanwaltschaft ein Einschreiten ablehnte, richtete Professor von Beweise herzlicher Sympathie zum Ausdruck bringt. — Deputirtenkammer. Am Ende der heutigen Sitzung erklärt sich Ministerpräsident di Rudini in Beantwortung der Prinetti, Capelli und anderer über das Eintreten des Papstes zu gunsten der italienischen Gefangenen bei dem Negus Menelik. Er glaube, daß der Papst bei ver veim zu gar Menelik. Er glaube, daß der Papst diesem Schritt dem tiefen Gefühle der Christlichkeit und Menschlichkeit sowie dem Gefühle der Zuneigung gegen das große italienische Vaterland gefolgt sei. Naturgemäß entspreche dieser Gesinnung des Papstes ein lebendiges Dankbarkeitsgefühl der italienischen Regierung. Die Interpellanten erklären sich durch diese Antwort des Ministers für befriedigt. Bukarest, 3. Juni. Der Prozeß gegen den Erzbischof Primas ruft ungeheure Aufregung hervor. Man ist gegen die Regierung, welche sich auf Seite der Synode gestellt, erbittert, was die liberale Partei gegen die Regierung auszunutzen sucht. Umfassende polizeiliche Maßregeln wurden getroffen, da man große Demonstrationen befürchtet. 3. Juni. Nachträglich wird konstatirt, oaß bei der Katastrophe ganze Familien und bei Weitem mehr Kinder, als ursprünglich angenommen, zu Grunde gegangen. Man spricht von weit über 1000 Kindern. Herrschende Windstille und furchtbare Hitze beförderten das Unglück. Schon bevor die Katastrophe erfolgte, kamen viele Hitzschläge unter der — Von unterrichteter Seite wird die Zahl der Todten bei der Katastrophe von Samstag auf 3600 beziffert. In den Hospitälern liegen 1200 Schwerverwundete. Die Stadt hat ihr gewöhnliches Aussehen, nichts erinnert mehr an das furchtbare Unglück., 445 — Maßgebende Kreise erklären auf das Bestimmteste, daß die Katastrophe von Sonnabend keine politische Ursache gehabt, noch politische Folgen haben werde. Die genaueste Untersuchung habe ergeben, daß lediglich die untersten Volksschichten unterstützt von lichtscheuem Gesindel und Taschendieben, die Hauptursache der Katastrophe waren. Athen, 3. Juni. Berichte aus türkischen Quellen besagen, daß bei der Entsetzung von Vamos 75 Türken und 40 Christen gefallen sind. Die Lage auf Kreta ist unverändert. Einige Mohammedaner haben in Kanea ein Haus in Brand gesteckt. Kairo, 3. Juni. Gestern waren in Alexandrien 5, in Kairo 35, in andern Orten 45 Cholera=Todesfälle zu verzeichnen. In Kairo sind noch 162 Cholorakranke in Behandlung. Seit Sept. sind 3300 Cholerafälle, von denen 2523 tödtlich verliefen, vorgekommen. Washington, 2. Juni. Das Repräsentantenhaus hat mit 220:60 St. entgegen dem Veto des Präsidenten Cleveland den Gesetzentwurf angenommen, wodurch eine große Summe für Verbesserung und Erhaltung von Flußläufen und Hafenanlagen bestimmt wird. Präsident Cleveland hatte die Genehmigung zu diesem Gesetz wegen der außerordentlichen Höhe der Ausgaben verweigert. Havanna, 2. Juni. Die Aufständischen legten eine Dynamitbombe auf die Schienen bei Sanillada. Die Lokomotive und 1 Wagen flogen in die Luft, 1 Passagier ist tot, mehrere verwundet. Die Aufständischen zündeten 3 Dörfer an. Eine andere Schaar griff San Jago und Vegas, 20 Kilometer südlich.von Havanna an, wurde aber zurückgeschlagen. Maceo steht mit 3000 Mann bei Lomas. Steigen der Flüfse droht die Operationen zu lähmen. Gerichtsal. Bochum, 2. Juni.(Strafkammer.) Der Bgm. Joh. Finke von hier wurde wegen Kuppelei mit 4 Mon. Gef. bestraft.— Fuhrmann Jos. Schmitz erhielt wegen Uebertretung 1 T. Gef.— Wegen Mißhandlung wurde der Bgm. Aug. Menke von Hiltrop mit 2 Mon. Gef. bestraft.—1 Woche Gef. erhielt der frühere Postbote Ferdinand Schulte von hier wegen Urkundenfälschung.— Wegen Verleitung zum Meineide wurde der Kaufmann Herm. Oppenheimer von hier zu 18 Mon. Zuchth. und 2 J. Ehrverl. verurtheilt.— Wegen Beleidigung erhielt der Redacteur Herm. Schumacher von Witten 75 Mt. Geldstrafe. Paderborn, 3. Juni. Am Montag standen 5 Leute aus Anreppen vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts unter der Beschuldigung, es versucht zu haben, einen Soldaten durch Rath und That der Militärpflicht zu entziehen. Der Musketier Wilhelm L. zu Wesel war durch kriegsgerichtliches Erkenntniß zu 7 Mon. Gef. verurtheilt worden, weil ihm nachgewiesen wurde, daß er durch absichtliches Eintropfen von Atropin in die Augen sich eine Augenkrankheit zugezogen, um sich der Militärpflicht zu entziehen. Der Arzt Dr. Trompeter aus Cleve, dem der Kranke zugeführt war, hatte sofort erklärt, daß die Krankheitserscheinung der Augen von Atropin herrührte und bei einer Nachsuchung fand man in dem Spinde des Angeklagten ein Gläschen mit Atropin, welches noch das Etiquett der Apotheke in Delbrück zeigte. Die weitere Untersuchung ergab, daß Herr Dr. Gockel zu Delbrück das Atropin gegen ein Augenleiden einem der Angeklagten verschrieben hatte. Der Soldat hatte im Arrest einen Brief an seinen Vater geschrieben, in welchem er diesen bat, daß er sich nicht Kirchenheim eine Eingabe an den Präsidenten des Landgerichts in Mosbach, in der es hieß:„Ohne meine Auffassung von der strafbaren Handlungsweise zu wiederholen, spreche ich hier nur den Wunsch aus, daß die Korrespondenz zwischen mir und einer Privatperson nicht in den Händen einer Behörde bleibt, der ich nach allem Vorangegangenen nicht den rechten, für meine Klientin nützlichen Gebrauch zutrauen kann. Ich bitte daher um Rückgabe der meines Erachtens nur durch unrechtmäßiges Handeln erlangten vertraulichen Schriftstücke.“ In diesem Schreiben erblickt die Staatsanwaltschaft eine Beleidigung der Justizbehörde. Spandau, 4. Juni. In der Schöffengerichtssitzung durchschnitt sich gestern ein Angeklagter in einem Anfall von Raserei die Pulsader und brach sofort zusammen. Er wurde nach dem Krankenhause gebracht. Aus Stadt, Amt und Kreis. * Wattenscheid, 5. Juni. Am Mittwoch nachmittag ging hier ein schweres Gewitter nieder, welches auch den langersehnten, überaus nothwendigen Regen in ziemlich auskömmlichen Mengen brachte. Völlig genügend war der Regen für unsere ohnehin wasserarmen Felder nicht. Das Gewitter dauerte von 3 bis 5 Uhr und war von heftigen Blitz= und Donnerschlägen begleitet. Wiederholt ist der Blitz auch in die Telegraphen= und Telephondrähte gefahren, ohne jedoch Schaden anzurichten. Nach Berichten aus der Umgegend soll das Gewitter strichweise von Hagelschlag begleitet gewesen sein, namentlich in Braubauerschaft und Wanne. * In Verfolg unserer Mittheilung in letzter Nummer betr. den Verkehr der Straßenbahn während der bevorstehenden Feldprozession erfahren wir heute aus zuverlässiger Quelle, daß die Betriebsleitung der Bahn den Verkehr auf der Strecke von der Gasanstalt bis zur Stork'schen Haltstelle beim Ein= und Ausgang der Prozession, also um 9 und 2 Uhr, ganz einstellt, sodaß die Andacht während des Bittganges nicht gestört wird. Die Passagiere müssen die gen. Strecke zu Fuß zurücklegen. +t Die Feier des silbernen Berufs=Jubiläums der Hebamme Frau Roderjan am Mittwoch im Restaurant Küpper ist in schönster Weise verlaufen. Beim Eintritt in das Festlokal, wurde die Jubilarin durch das Töchterchen der Kollegin Frau Schäfer unter Ueberreichung eines schönen Blumenstraußes durch den Vortrag eines sinnigen Gedichts überrascht, sodann trat die 1. Vorsitzende des Wattenscheider Hebammen=Vereins Frau Schilling an die Jubilarin heran und überreichte derselben, welche Schriftführerin des Vereins ist, im Namen der Colleginnen ein prachtvolles Ehrengeschenk mit einer kurzen Ansprache. Hierauf stattete die Jubilarin ihren Dank ab, welche etwa folgenden Wortlaut hatte:„Durch die hier an den Tag gelegte collegialische Gesinnung fühle ich mich sehr geehrt und spreche den Colleginnen hierfür, sowie für das schöne Ehrengeschenk, meinen, aus tiefstem Herzen kommenden Dank aus. 25 Jahr, wenn sie vor uns liegen, dünkt uns eine lange Zeit, liegen sie hinter uns, ist es nur eine kurze Spanne, jedoch können wir, wenn wir auf eine 25 jährige Amtsthätigkeit zurückblicken mit den weisen Sirach sprechen „Die Krone der Alten ist reiche Erfahrung,“ ja, Colleginnen, unser Leben im Hebammenstand ist auch reich an Erfahrungen, es gehen fröhliche, aber auch trübe Tage an Jeden von uns vorüber, ganz besonders aber an einer gewissenhaften Hebamme. So lassen wir uns denn stets bestrebt sein, gewissenhaft unsere Praxis auszuüben.“ Rednerin schloß mit einem nochmaligen Dank für die erwiesene Ehrung. Hierauf wurde gemeinsam der Kaffee eingenommen, derselbe ließ nichts zu wünschen übrig und gebührt hierfür dem Vereinswirth der beste Dank. Während der Unterhaltung wurde der Jubilarin von der 1. Vorsitzenden ein kräftiges Hoch ausgebracht. Das schöne Fest hielt die Colleginnen bis zu später Stunde in gemüthlicher Weise zusammen. * Der Bergmann Wilh. Kotgöde von hier wurde am Mittwoch von der Strafkammer Bochum wegen Sittlichkeitsverbrechens zu 2 J. Zuchthaus verurtheilt. * Das Garten=Concert in den hübschen GartenAnlagen im Restaurant Langensiepen am vor. Sonntag erfreute sich eines lebhaften Besuchs, wenn auch die Kirmeß die Frequenz etwas beeinträchtigt hat. Für angenehme abwechselnde Unterhaltung sorgte der hiesige Orchesterverein, und des Werdelmann'sche Quartett, welche ihre besten Weisen zum Vortrag brachten. Die Verpflegung seitens des Herrn Gastgebers war wie immer vorzüglich. * Gestern Nachmittag wurde in einem hiesigen Schuhwarengeschäft von einem Käufer ein falsches, äußerst gut nachgemachtes Zehnmarkstück mit der Jahreszahl 1874 ausgegeben. Der Kaufmann erkannte das Falsisikat sofort daran, daß das Stück keinen Klang hatte. Der Inhaber, ein Bergmann, wollte das Geldstück bei der Lohnzahlung von einer hiesigen Zeche erhalten haben. Da kein Verdacht der absichtlichen Ausgabe vorlag, ließ man den Mann laufen. * Die Ankäuferin der Ossendoth'schen Besitzung ist die Firma Jos. Rosenthal, deren großartig angelegtes Kaufhaus bekanntlich an die Ossendoth'sche Besitzung grenzt. Das Ossendoth'sche Haus soll theilweise abgebrochen und dem Vernehmen nach namentlich zur Schaffung eines Hofraumes verwendet werden. Infolge des schweren Gewitters am Mittwoch Nachmittag, welches übrigens der Landwirthschaft wegen der starken Regengüsse sehr willkommen war, sind der elektrischen Straßenbahn Gelsenkirchen=Bochum mehrere Wagen durch Blitzschlag defekt geworden; auf der Strecke Soolbad Centrum=Gelsenkirchen waren es 3 Wagen, 1 erheblich und 2 minder schwer. Bei dieser Gelegenheit bemerken wir noch, daß für die Insassen der Straßenbahnwagen während eines Gewitters durchaus keine Gefahr, vom Blitz erschlagen oder auch nur verletzt zu werden, vorliegt. Die Wagen sind sämmtlich mit äußerst empfindlichen Blitzschutzvorrichtungen versehen, welche etwaige Entladungen atmosphärischer Elektricität sicher auffangen und ableiten. Die Furcht der hiesigen Bevölkerung, während eines Gewitters die„Elektrische" zu benutzen, ist vollständig grundlos und unnötig. * Durch anerkennenswerthe Umsicht und Geistesgegenwart des Wagenführers eines Motorwagens der Straßenbahn ist heute Morgen ein Unglück verhütet worden. Gegen 10 Uhr befanden sich 2 kleine Kinder des im Restaurant Kuhnen wohnenden Bergmannes Bo. mitten im Geleise, als der Wagen beim Kgl. Amtsgericht von Küpper her allerdings langsam um die Ecke bog. Es gelang dem Führer durch angestrengtes Bremsen kaum 1—2“ vor den Kindern den Wagen zum Stehen zu bringen. Mögen die Eltern doch ein wachsames Auge auf die Kinder haben! *(Knappschaftliches.) Folgendes Rundschreiben erläßt der Vorstand des Allgemeinen Knappschaftsvereins an die Herren Knappschaftsärzte: Für den vom Herrn Oberarzt zu bearbeitenden Sanitätsbericht ist es von Wichtigkeit, festzustellen, wie viele Bergleute in den letzten Jahren an der Lungentuberkulose erkrankt und wie viele Todesfälle infolge dieser Krankheit unter den Bergleuten vorgekommen sind. Diese Fragen werden sich aus den von den Knappschaftsärzten geführten Kranken=Journalen annähernd richtig beantworten lassen. Wir ersuchen Sie daher, die anliegende Uebersicht ausfüllen und binnen längstens 14 Tagen an uns zurücksenden zu wollen. Es wird bemerkt, daß nur die Fälle von Lungentuberkulose, nicht die von emphysematösen und sonstigen chronischen Lungenentzündungen gewünscht werden, und daß die Erhebungen sich nur auf die Jahre 1893, 1894 und 1895 erstrecken sollen. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit dürfen wir wohl erwarten, daß die Erhebungen sorgfältig und gewissenhaft gemacht werden. * 50 Explosionen sind 1895 auf den Zechen im Oberbergamtsbezirke Dortmund infolge Schlagwetter vorgekommen. Hiervon waren 36 reine Schlagwetterexplosionen, solche, bei denen auch Kohlenstaub mitwirkte, 9, reine Kohlenstaubexplosionen kamen 5 vor. In 20 Fällen strömten die Wetter stetig aus, in 4 wurden sie durch niedergehendes Gestein gegen die Lampe getrieben, in 5 traten sie als Bläser auf, in 7 Fällen traten sie plötzlich aus. Die mittelbaren Ursachen der Entzündung waren bei den reinen Schlagwetterexplosionen: offenes Licht in 5, Oeffnen der Sicherheitslampe in 3, Beschädigung der Lampe in 5 Fällen. Die Flamme schlug durch den Drahtkorb: bei unvorsichtiger Bewegung in 7, bei starkem Wetterzug in 3, beim Wiederanzünden in 1, beim Glühen des Drahtkorbes in 1, aus nicht ermittelten Gründen in 5 Fällen. Bei den gemischten Explosionen waren 5 auf das gewöhnliche stetige Austreten, 4 auf das plötzliche Austreten zurückzuführen. Die mittelbaren Ursachen waren: Oeffnen der Lampe 1, nicht ermittelt 1. *(Patent=Liste westfälischer Erfinder.) Mitgetheilt durch das Patent=Bureau von Otto Wolff in Dresden. Angemeldet von: Engelbert Tacke und Siebert Menke, Hagen: Schlittschuhbefestigung mittels Längsschraube. Erteilt an: Dr. O. Kaysser, Dortmund: Zahnbürste mit zugleich die Borstenbüschel reinigender Flüssigkeitszuführung. Nr. 87604. * Die Briefpostsendungen nach dem Großherzogthum Luxemburg werden von den deutschen Absendern häufig unrichtig nur nach der deutschen Partotaxe, statt nach den Weltpostsätzen, frankirt und unterliegen dann in Luxemburg einem erhöhten, vom Adressaten zu zahlenden Nachschußporto. Es folgen daraus für die Betheiligten nach weitere Uebelstände, als Beschwerde, Annahmeverweigerungen und dergleichen. Es wird empfohlen, auf die richtige Frankirung der Briefsendungen nach Luxemburg zu achten, welche zu bewirken ist für Briefe mit 20 Pfg. für je 15 Gramm, für Postkarten mit 10 Pfg., für Drucksachen, Waarenproben und Geschäftspapiere mit 5 Pfg. für je 50 Gramm, jedoch mit dem Mindestsatze von 10 Pfg. für Waareuprobe und 20 Pfg. für Geschäftspapiere. + Günnigfeld, 5. Juni. In den letzten Tagen voriger Woche sind dem Metzger Herrn Thiesbürger hierselbst 2 schöne, große Hunde aus dem Stalle gestohlen worden. Man ist jedoch dem Diebe auf der Spur und dürfte ein entsprechendes Strafverfahren demselben nicht vorenthalten werden. — Die Fertigstellung des hiesigen Pfarrhauses ist so ziemlich dem Ende nahe; auch werden die Arbeiten in der Kirche bis zum 1. Juli er. ihren Abschluß gefunden haben. Die Orgelbühne ist in geschmackvoller Ausführung ebenfalls fertig gestellt und hat der Aufbau der Orgel am Mittwoch seinen Anfang genommen. Bis zur Fertigstellung dürften immerhin noch einige Wochen vergehen. — Die Nivelierungsabmessungen der Schröer'schen und Ahlmann'schen Wege haben in diesen Tagen stattgefunden und werden dieselben demnächst der Oeffentlichkeit übergeben werden. Den Baukonzessionen steht dann also nichts mehr im Wege. □ Höntrop, 3. Juni. Unvorsichtigkeit beim Umgehen mit einem Gewehr hätte am Sonntag hier leicht ein Menschenopfer im Gefolge haben können. Einem jungen Bergmann, welcher seinen Hinterlader entladen wollte, ging hierbei der Schuß los, der seine in der Thür stehende Cousine, die 16jährige Tochter des Bergmanns Alois B., streifte. Es 98* drangen ihr 2 Schrotkörner in die Stirn, welche jedoch vom Herrn Dr. Fischer bereits ausgegraben sind. Das Mädchen ist dabei wohlauf. X Ueckendorf, 2. Juni. Der Bureaugehülfe Wilh. ennig von Zeche Rhein=Elbe ist vorgestern Abend auf der ray=Wanner Strecke, in der Nähe von Schulte im Hofe, von 3 Männern überfallen und ihm die Börse mit 27 Mk. Inhalt geraubt, sowie die Taschenuhr zertrümmert worden. Die Räuber sind unerkannt entkommen. Herr Amtmann v. Wedelstaedt erläßt am heutigen Tage folgende Bekanntmachung: „Den Besitzern von Rindvieh in der Gemeinde Ueckendorf wird hiermit bekannt gemacht, daß in diesem Jahre Beiträge zur Bestreitung der Entschädigungen, welche für das auf polizeiliche Anordnung getödtete oder an Seuche gefallene Rindvieh zu leisten sind, erhoben werden. Der Beitrag für jedes Stück Rindvieh beträgt 10 Pfennige. Das Verzeichniß des abgabepflichtigen Rindviehs liegt vom 10. Juni cr. ab 14 Tage lang zur Einsicht der Betheiligten auf dem hiesigen Polizei=Bureau während den Bureaustunden offen und können Anträge auf Berichtigung desselben während gedachter Zeit bei dem Unterzeichneten angebracht werden.“ Bulmke, 2. Juni. Heute Mittag wurde auf der verlängerten Karlstraße ern Kind von einem leeren Wagen überfahren. Aus Westdeutschland. Bochum, 3. Juni. Mehrere Bergleute, welche gestern Morgen nach Hause gingen, fanden in der Vertiefung eines Weges nach Zeche„Prinz von Preußen“ einen Fuhrknecht in schrecklichem Zustande liegen. Der arme Mann wurde am Abend vorher überfallen und mit einem Stück Holz durch Schläge auf den Kopf verletzt. Der Mißhandelte wurde ins Krankenhaus transportirt, wo derselbe, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, nach kurzer Zeit gestorben ist.—3 polnische Arbeiter wurden gestern Mittag als der That verdächtig aus den Gruben geholt und dem Gerichtsgefängniß zugeführt. Der Getödtete war über 22 J. in Diensten des Herrn Strätling und galt für einen braven und zuverlässigen Arbeiter. Sein Name ist Joh. Thon. Böse Buben haben gestern Nacht dem Gutsbesitzer Goerdt in Altenbochum einen im Felde stehenden Kornhaufen im Werthe von 500 Mk. in Brand gesteckt und vernichtet. Nachdem der Streit wegen der S traßenreinigungsgebühren in letzter Instanz zu Ungunsten der Stadtverwaltung entschieden worden, muß diese den Hauseigentümern 26000 Mk., welche für das Jahr 1894=95 erhoben worden waren, zurückzahlen. Dieser Ausfall wird, mit Genehmigung der Gerichtsbehörde gedeckt durch einen Zuschlag von 2 Proz. zur Einkommensteuer und 10 Proz. zu den Realsteuern. Buchholz, 3. Juni. Erhängt hat sich gestern der 17= jährige Bäckerlehrling B. von hier an der auf seinem Schlafzimmer stehenden Bettstelle. Derselbe stand bei dem Bäckermeister E. in Witten in Diensten und erhielt darüber eine Züchtigung, weil er sich gegen das 6. Gebot vergangen haben soll. Hattingen, 3. Juni. 7 Knaben hintereinander, alle noch lebend, sind den Eheleuten Handelsmann Friedrich Echternach auf dem Steinhagen dahier geboren worden. Herr Echternach hat sich an den Kaiser mit der Bitte gewendet, bei der Taufe des 7. Jungen Pathenstelle übernehmen zu wollen. Witten, 3. Juni. Ertrunken ist gestern Abend gegen 7 Uhr im Mühlengraben, da wo derselbe unterhalb der Brandt'schen Fabrik in die Ruhr mündet, der etwa 8 jährige Knabe B. von hier. Hamm, 2. Juni. Die Tochter einer hiesigen armen Schreinerfamilie, deren Mutter schon seit 9 Jahren gelähmt darniederliegt, wandte sich vertrauensvoll mit einer Bittschrift an den Kaiser, ihr doch den Betrag für einen Fahrstuhl zu schenken, damit sie ihre kranke Mutter ausfahren könne. Die Bitte ist huldvoll erhört, denn in diesen Tagen ist dem Kinde die Mittheilung zugegangen, daß es bei der hiesigen Steuerkasse den Betrag von 75 Mark für genannten Zweck erheben künne. Soest, 3. Juni. Ein=Wirth in Belecke, benutzte den Ofen der Wirthsstube als Aufbewahrungsort für Pulver. Die Frau des Wirthes, welche nicht darum wußte, wirft brennendes Papier in den Ofen hinein, gleich darauf erfolgt die Detonation. Der Wirth und 8 Gäste, welche sich im Wirthszimmer befanden, erhielten mehr oder minder erhebliche Verletzungen, während die Frau vollständig unverletzt blieb. Paderborn, 3. Juni. Aus Ostenland, Westenholz und andern Orten verlauten lebhafte Klagen seitens der Landwirthe, daß in Folge der Marktsperre dortselbst das Vieh, insbesondere die jungen Schweine, gänzlich unverkäuflich sei und die Vorräthe bedenklich auf die Neige gehen, so daß eine wahre Kalamität entsteht. Der ganze Bezirk ist seuchenfrei und bisher nicht infizirt gewesen, man hofft daher, daß die Behörde einen oder mehrere Nothviehmärkte, am gelegensten auf dem Lippling, schleunigst genehmigen werde. — In der Senne weilen zur Zeit die kommandirenden Generale des 7. Armeecorps General v. Goetze und des 11. Armeecorps General v. Wittich, sowie der Commandeur der 13. Div. Generall. v. Hammerstein=Loxten, der Commandeur der 25. Div. Generall. v. Bülow, ferner der Commandeur der 26. Inf.=Brig. Generalmajor v. Goeßel und der Commandeur der 21. Cav.=Brigade Oberst v. Papen. Münster, 2. Juni. Die Ausschußsitzung des Westfäl. Bauernvereins nahm eine Resolution zu Gunsten der Annahme des Margarinegesetzes in 2. Lesung einstimmig an. Desgleichen einen Antrag an die Staatsregierung auf Vorlage eines Anerbengesetzes für Westfalen. Die Versammlung wählte Dr. Schulte=Halle zum Generolsekretär. — Die Vorstands= und Ausschußmitglieder des Vereins traten heute Morgen im Saale des Lortzing=Theaters zu einer Sitzung zusammen. Der Vorsitzende, Herr Dr. Frhr. v. Landsberg=Velen widmete vor Eintritt in die Tagesordnung dem gestern bestatteten Präsidenten des Rh. Bauernvereins Frhrn. Felix v. Loe einen warm empfundenen und von sämtlichen Anwesenden sehr sympathisch aufgenommenen Nachruf. Die Versammlung ermächtigte den Vorsitzenden, namens des Vereins dem Rheinischen Bauern=Verein und den Angehörigen des Heimgegangenen herzliches Beileid auszusprechen. Aus den Verhandlungen, während welcher Oberpräsident Studt erschien, sei hier folgendes hervorgehoben: Das Vereinsvermögen beträgt, wie der Referent Herr Ockonomierath Winkelmann mittheilte, 230 441 Mk. Die Zahl der Mitglieder, von denen im Berichtsjahr 504 durch Tod rc. ausgeschieden sind, während 735 neue zur Aufnahme angemeldet sind, ist in stetigem Wachsen begriffen. Das Bauamt des Vereins erzielte bei einer Einnahme von 33491 Mk. einen Ueberschuß von 4900 Mk. Der ländlichen Centralkasse, die im Berichtsjahr einen Umschlag von 2 700 000 Mk. hatte, gehören 300 Vereine an. Auch das Forstamt entwickelte eine erfreuliche und besten Erfolg verheißende Wirksamkeit. Die Sammlung der Beiträge für die Schorlemer=Stiftung ist noch nicht abgeschlossen, vielmehr in vielen Gemeinden und bei zahlreichen Grundbesitzern noch im Gange. Indessen sind bis jetzt schon 93000 Mk. eingegangen(darunter erhebliche Beiträge von dem früheren Oberpräsidenten von Westfalen Herrn v. Hagemeister, Minister Dr. Lucius u. a.). Der Aufnahme neuer Mitglieder(735) gab die Bersammlung ihre Zustimmung. Betreffs der Vereinsrechnung für 1895 hob der Referent Herr Nienhausen hervor, daß die Revisionskommission zu Ausstellungen Anlaß nicht gefunden habe. Aus dem durch Kenntnisnahme erledigten Bericht der Kommission über die Abrechnung mit der Stuttgarter Lebens=Versicherungs= und Ersparnis=Bank für 1895 ist hervorzuheben, daß die Versicherungssumme sich im Berichtsjahr auf 634500 Mk. belief. Herr Gutsbesitzer CosackOberstade befürwortete als Referent der betr. Kommission u. a. zur Gründung einer landwirthsch. Winterschule in Laer (bei Iburg) den sonst üblichen Betrag von 200 Mk. als Unterstützung seitens des Vereins zu bewilligen. Der Antrag wurde bewilligt. Zur Beschlußfassung über die Satzungen der Schorlemer=Stiftung stellte Frhr. v. Twickel den Antrag, die Vorteile der Stiftung nicht auf Angehörige der Provinz Westfalen zu beschränken, sondern allgemein den Mitgliedern des westfälischen Bauern=Vereins zugänglich zu machen. Die von der Kommission ausgearbeiteten Satzungen wurden mit diesem Zusatzantrag genehmigt. Besondere Beachtung verdient die im weiteren Verlaufe der Verhandlungen seitens des Herrn Oberpräsidenten unter Bezugnahme auf die in der vorigen Woche in der Generalversammlung der ländlichen Centralkasse geäußerten Befürchtungen betr. Schmälerung bezw. Entziehung des Staatszuschusses abgegebene Erklärung, daß er die von seinem Vertreter Herrn Regierungsrat Hoffmann gemachten Mitteilungen zu dieser Angelegenheit vollauf bestätige. Er könne authentisch erklären, daß der Herr Landwirthschaftsminister nicht daran denke, etwa darum, weil in Westfalen keine Lanwirtschaftskammern errichtet worden seien, Repressalien zu üben. Der bisherige Zuschuß von 3000 Mk. werde auch fernerhin gewährt werden. Die Stellung des Westf. Bauernvereins zu dem Margarine=Gesetzentwurf wurde in folgender Resolution zum Ausdruck gebracht:„Der Ausschuß des Westf. Bauernvereins bedauert zwar, daß nicht alle berechtigten Wünsche der Butter= und Käseproduzenten berücksichtigt sind, ersucht jedoch den Reichstag, in Anbetracht, daß der Entwurf auch nach den Beschlüssen der 2. Lesung eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem jetzigen Zustande darstellt und zu der Hoffnung berechtigt, daß dadurch die unreelle Konkurrenz der Margarine der Naturbutter gegenüber erheblich eingeschränkt wird, dem Gesetzentwurf in der vorliegenden Fassung möglichst einstimmig zuzustimmen. Endlich sei noch erwähnt, daß der Bauernverein der von dem Westf. Provinziallandtag beschlossenen Abänderung der Landgüterordnung der Provinz Westfalen mit Freuden zustimmte. Der Vorsitzende schloß die Sitzung nach Zstündiger Dauer mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Kirchhellen, 3. Juni. Herrn Kaplan Xanten hier ist aus Anlaß seines 70=jährigen Priesterjubiläums der Rothe Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife und der Zahl 70 verliehen. Buer, 4. Juni. Gestern Nacht brannte das Wohnhaus des Bergmanns Wilh. Wieland in Erle vollständig nieder. Duisburg, 4. Juni. 3 Matrosen eines hier ankernden englischen Schoners, welche sich in einer Schaluppe zu ihrem Schiffe begeben wollten, stießen mit einem Dampfer zusammen, infolgedessen sie ins Wasser stürzten. Von den Verunglückten konnte sich einer retten, indem er sich an einem Schiffsanker festhielt, während seine beiden Genossen den Todt in den Wellen fanden. — Ein im 63. Lebensjahre stehender Mann, Namens Becker, auf der Wanheimerstraße wohnhaft, hatte heute Morgen gegen 3 Uhr das Unglück, daß er aus dem Fenster eines oberen Stockwerkes auf den Bürgersteig hinunterstürzte. Der Aermste war auf der Stelle todt. Kupferdreh, 3. Juni. Bei der gestrigen Uebung unserer Freiwilligen Feuerwehr ereignete sich ein recht betrübender Unfall. Man führte die Uebung aus, auf einer freistehenden, durch 4 tüchtige Steiger an Stricken festgehaltenen Leiter mit dem Schlauche zu hantiren. Diese Uebung ist schon oft mit großem Geschick ausgeführt, gestern ließ aber leider einer der Steiger das Seil unglücklicherweise aus den Händen gleiten, die Leiter gerieth aus dem Loth und fiel mit dem eben angehakten Wehrmann zuerst auf eine Mauer, brach dort mitten durch, sodaß der obere Theil mit dem braven Wehrmann auf das Straßenpflaster stürzte. Der Bedauernswerthe, Dachdecker Konrad Jungermann, Vater von 6 unmündigen Kindern, erlitt einen doppelten Schädelbruch und gab bald seinen Geist auf. Das Geschick der interbliebenen erfährt hier allgemeine Theilnahme. Die emeinde hat die Feuerwehr mit 2000 Mi. für jeden Todesfall versichert, trotzdem wird für die unbemittelte Familie noch etwas geschehen müssen. Elberfeld, 3. Juni. Der 21. Verbandstag der Barbier= und Perückenmacher=Innungen Rheinlands wurde gestern hier abgehalten. Auf demselben waren sämmtliche 15 Innungen durch 27 Delegirte vertreten. Nach dem Berichte des Vorsitzenden zählten diese 15 Junungen 524 Mitglieder, welche 318 Gehülfen und 370 Lehrlinge beschäftigten. In den Verhandlungen beschäftigte man sich u. a. mit der Sonntagsruhe. Bekanntlich dürfen nach den bisherigen Bestimmungen die Gehülfen und Lehrlinge nur bis 2 Uhr Nachmittags an Sonntagen beschäftigt werden, während es dem Prinzipal freisteht, länger thätig zu sein. Von Seiten der Innungen ist nun zwar der Beschluß gefaßt worden, an Sonn= und Feiertagen Nachmittags überhaupt von 2 Uhr an zu schließen. Außerhalb der Innungen stehende Meister beachten aber diesen Beschluß nicht, weshalb die Innungsmeister eine gesetzliche Bestimmung wünschen, durch die eine Gleichstellung des Barbier= und Friseur=Gewerbes mit dem Handels=Gewerbe bezüglich der Sonntagsruhe herbeigeführt wird. Die Versammlung beschloß, daß der Bundes=Vorstand in der genannten Richtung weiter thätig sein solle. Ein Antrag der Kölner Innung, dahingehend, daß die Gehülfen unter 25 Jahren sich nicht selbständig machen dürften, wurde, als dem Geiste der Gewerbefreiheit widersprechend, abgelehnt. — 4. Juni. Bei der am 2. Juni in Gegenwart des Kultusministers erfolgten Einweihung des elektro=chemischen Instituts der Universität Göttingen wurde Abgeordneter Böttinger zum Ehrendoktor ernannt. Varmen, 3. Juni. Ein gefährlicher Dieb wurde gestern Abend in der Person'des Fabrikarbeiters Carl Berenschwänger in der Fichtenstraße verhaftet. Derselbe hatte am 2. Pfingstfeiertage in Gemeinschaft mit dem erst kurze Zeit vorher vom Militär entlassenen Franz Falk aus der Hofstraße auf einer Spitzbubenstreife in Obereltringhausen eine alleinstehende alte Frau, in deren Wohnung sie gewaltsam eingedrungen waren, durch Drohung gezwungen, ihnen Speise und Trank vorzusetzen, und hatten dann die ganze Wohnung durchsucht. Falk der wegen eines Vergehens vor seiner Dienstzeit vorläufig wieder entlassen wurde, um hier abgeurtheilt zu werden, ist nicht wieder aufzufinden. Hilden, 3. Juni. Gestern wurde der Bremser Rosendahl aus Oberlahnstein beim Rangiren eines Güterzuges überfahren. Nachdem er mit den hl. Sterbesakramenten versehen, wurde er in's Krankenhaus überführt, wo er nach 1 Stunde starb. Rheydt, 5. Juni. Das vor kurzem vom Kaiser genehmigte neue Stadtwappen der Stadt Rheydt ist heraldisch fein ausgeführt. Das wagerecht geteilte Schild zeigt oben das Wavpen der dem Geschlecht von Eppendorf entstammenden ersten Herren von Rheydt, 6 rote Querbalken in Gold. Am Schildesfuß befindet sich das Wappen der Familie von Bylandt, welche die letzte Besitzerin der Herrschaft Rheydt war: ein gerades, schwarzes Balkenkreuz in Gold. Das auf beiden Wappenteilen gelagerte Herzschild zeigt das Weichbildkreuz des alten Schöffenstuhles zu Rheydt, ein frei schwebendes, breitbandiges, schwarzes Kreuz in silbernem Felde. Der obere Schildesrand trägt die städtische Mauerkrone. esel, 3. Juni. Eine große Aufregung rief gestern 10 Uhr Abends die Nachricht hervor, daß der Hauptthurm der Willibrordi=Kirche brenne. Aus einem der darin befindlichen Gerüstlöcher hatte man die Funken herausfliegen sehen. Es gelang jedoch der rasch aus der Nachbarschaft herbeigeeilten Hülfe, das Feuer noch im Keime zu ersticken. — 4. Juni. Für den Besuch der kaiserlichen Majestäten in Wesel anläßlich der Einweihung des Willibrordi=Domes ist nach soeben eingegangener Nachricht Freitag der 7. August bestimmt worden. Köln, 3. Juni. Ein Anstreicher stürzte am Sonntag spät abends in einem Hause an der Schönsteinstraße zu Ehrenfeld von dem untern Treppenpodeste so unglücklich in den Hausflur, daß er mit blutender Nase bewußlos liegen blieb. Am andern Morgen gegen 5 Uhr hörte man ihn schnarchen. Man schaffte ihn ins Bett und holte einen Arzt; dieser stellte einen complicirten Schädelbruch fest. Der Schläfer ist nicht wieder erwacht, vielmehr in der darauf folgenden Nacht gestorben. — In Brück bei Bensberg überfielen Bauern 9 Solinger Radfahrer, mißhandelten mehrere mittelst Heugabeln und Messern sehr schwer und zertrümmerten die Fahrräder. Während des Streites wuchs die Zahl der kämpfenden Bauern auf mehr als 150 Personen an. Die Haupträdelsführer, darunter ein Soldat des 65. Inf.=Regmts., sind verhaftet. Aachen, 2. Juni. Auf der Waldstrecke der elektrischen Bahn bei Grundhaus stießen heute Nachmittag 2 Wagen zusammen. Mehrere Personen sind verletzt. Einzelheiten fehlen noch. Infolge dessen wurde der Direktion der Kleinbahn das Befahren der Strecke Aachen=Wald, auf welcher erst kürzlich das schwere Unglück erfolgt ist, polizeilich verboten. — Die Firma Honigmann stiftete anläßlich des Jubiläums ihrer Fabrik 50,000 Mk. als Pensionsfonds für ihre Arbeiter. Koblenz, 1. Juni. Bei St. Goar wurde gestern Abend die Leiche eines Mannes gelandet, dessen Kopf bis zur Unkenntlichkeit zerschmettert war. Man vermuthet in ihm einen Matrosen aus Neuendorf, der bei der Schiffskatastrophe bei Aßmannshausen verunglückte. Trier, 4. Juni. Der Maurer Reilinger tötete heute seine Frau durch 3 Stiche in den Rücken und Unterleib und erschoß sich darauf selbst. Seine 2 Kinder gingen währenddessen mit der Fronleichnamsprozession. Hardenburg i. d. Pfalz, 4. Juni. Bei einer Feuersbrunst sind 4 Kinder verbrannt. (Bissig.) Frau:„Wo ist meine Mutter?“ Mann: „Zum Zahnarzt, um sich einen Giftzahn ausziehen zu lassen!“ Veranntmachung. Die unentgeltlichen öffentlichen Impfungen für die Gemeinde Ueckendorf finden am 15. Juni 1896, Nichmittags 3 Uhr, „ 22.„„„ 2 „ 30.„„„ 2„ „ 6 Juli„„ 2„ 13.„„„ 2 „„„„ 2„ im Seale des Wirths Börste hierselbst statt. Die Eltern bezw. Pflegeeltern impfpflichtiger Kinder diesseitigen Amtes, denen eine schriftliche Aufforderung nicht zugehen sollte, werden hiermit veranlaßt, mit ihren Kindern zum Impftermin zu erscheinen, oder in demselben den Nachweis der Krankheit oder der Prioatimpfung des Kindes beizubringen. Wird solches unterlassen, so tritt Geldstrafe bis ze 30 Mark oder eventl. Haft ein. Ueckendorf, den 30. Mai 1896. Die Polizei=Verwaltung: v. Wedelstaedt. 9p.„„ Mligr asche u. Shilt Geppe amp; Aet in grösster Auswahl zu Engrospreisen! O.g** Sei“ „ k. Todes-Anzeige. (Statt besonderer Anzeige) Es hat Gott dem Allmächtigen in seinem unerforschlichen Rathschlusse gefallen, gestern Mittag 1 Uhr meinen lieben Gatten, unsern guten Vater, den Nagelschmiedemeister Johann Günther wohlversehen mit den Heilsmitteln der röm. kath. Kirche und geläutert durch schweres Leiden zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Um stilles Beileid bitten Wattenscheid, Ueckendorf, Gelsenkirchen, Wehn, Niederbreisig, 4. Juni 1896. Die trauernde Gattin nebst Kinder. Die Beerdigung findet Montag Morgen halb 9 Uhr vom Sterbehause, Vödestraße Nr. 37, aus statt, nachher das feierliche Seelenamt in der Pfarrkirche. Hierzu werden Freunde und Bekannte freundlichst eingeladen. Bekauntnachung. Die Gemeindesteuerliste der Gemeinde Ueckendorf liegt auf dem Amtsbüreau 14 Tage zur Einsicht offen. Ueckendorf, d. 29. Mäi 1896. Der e. Amtann: v. Wedelstaedt. KREEFTTTN Lool= und Chermalbad 4400 -Wanne. Sonntag, den 7. Juni 1896, Nachmittags 5½ Uhr: Grosses ausgeführt von der Merkertschen Kapelle aus Dortmund unter persönlicher Leitung ihres Dirigenten. Die Badeverwaltung. KRERNNNT# Empfehle mich den geehrten Herrschaften von Wattenscheid und Umgegend im Fein- und Glanz-Bügeln besonders in der seineren Wäsche. Bestellungen werden bereitwilligst abgeholt. Frau Halm, Querstr. 81. Ich empfehle mich als Näherin in und außer dem Hause Helene Sutor, Vödestr 39. Prozession! Freitag Nachmittag Birken=Bäumchen zu haben bei E. Gruisbourne. Haus=Verkauf. Am Mittwoch, den 10. d. M., Nachmittags von 4 bis 6 Uhr, werde ich in der Wirthschaft W. Küpper zu Wattenscheid die Besitzung der Wittwe Kückelmann, Grabenstr. Nr. 9., gegenüber dem Rathhause öffent. lich zum Verkaufe aussetzen. Die Sedingungen können vorher bei mir eingesehen werden. Ueckendorf. d 3. Juni 1896. H. Dreikauß, amtl. Auct. Commissar u. Gerichtstoxator. KappusPflanzen gute Sorte hat abzugeben Offermann, Ueckenkorf. 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Ich fordere hierdurch die mir O bekonnten Personen, welche in der Nacht von Sonntag auf Montag menen Wagen in den Graben gefohren haben, auf, sich bei mir zu melden, widrigenfalls ich gerichtlich vorgehe. Mathias Jann, Ueckendorf— Lohrheide.