Nr. 282.(1. Blatt.) Freitag, den 5. Dezember 1913. 45. Jahrgang. 2 I. Nnse m“ gegrumnder 1868(Mssafte Machnschten) (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, Erscheint täglich mit Ausnahne der Somn= und Feisertage gund kostet (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts# 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin=; zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Jahlung sofort nach: Erhalt der Rechnung. 3 3 eee Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung“ erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. 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Kampmann(Wattenscheid), Sieburg (Gelsenkirchen), Bankdirektor Jötten(Essen) und Bergrat Müller von Zeche Consolidation. Der Wahlvorstand bestand aus Fabrikbesitzer v. Oerdingen als Vorsitzenden und Bergrat Liebig und Prokurist Schlenkert als Beisitzern. Besonders interessiert die Wattenscheider die Wiederwahl des Beigeordneten Kampmann, der nun schon seit 1904 eins der eifrigsten Mitglieder der Kammer u. ebenso Handelsrichter beim Landgericht Bochum ist. Kohlen=Schenkung. * Die Zeche Centrum, welche in jedem Jahre vor Weihnachten eine Menge Kohlen unentgeltlich zu verteilen flegt, hat auch jetzt wieder in hochherziger Weise 950 Zentner kohlen zu Geschenkzwecken zur Verfügung gestellt. Es erhielten die städtische Armenverw altung 400 Zentner, das Lutherstift 200, das kathol. Krankenhaus und das Waisenhaus je 100, der Vinzenzverein, das Presbyterium der hies. ev. Kirchengemeinde und die Armen von Königssteele je 50 diese hochherzige Große politische Versammlung. * Wie der Vorstand der hiesigen nationalliberalen Partei im Inseratenteil der heutigen Nummer bekannt gibt, findet am Sonntag nachmittag 6 Uhr im Ahlmannschen Saale eine Versammlnug statt, in welcher Landtagsabgeordneter Fuhrmann über die politische Lage sprechen wird. Abgeordneter Fuhrmann, welcher bekanntlich den Wahlkreis Hamm=Soest vertritt, ist in den letzten Jahren wiederholt in politischen Fragen hervorragend aufgetreten. Zentner. Der Zeche Centrum gebührt für Spende öffentlicher Dank. Von der Feuerwehr. * Die Feuerwehr hält morgen abend 8,30 Uhr im Vereinslokal Ahlmann die jährliche Hauptversammlung ab. Die Tagesordnung, welche im Inseratenteil veröffentlicht wird, enthält u. a. Vorstandswahl, Wahl eines Oberbrandmeisters, Statutänderung etc. Vergarbeiterversammlung in Wattenscheid. * Am Montag, 8. Dez.(Mariä Empfängnis) findet im Kaisersaal(Koch) eine öffentliche vom Gewerkverein christlicher Bergarbeiter einberufene Bergarbeiterversammlung statt. Als Redner wird Gewerkschaftssekretär Fiege(Dortmund) erscheinen. Es soll Protest gegen die Beschlüsse der letzten Generalversammlung des Allgem. Knappschaftsvereins erhoben werden. Die Versammlung beginnt um 11 Uhr. Hypnotiseur Knieb in Wattenscheid. * Der Beamtengesangverein der Zeche Holland veranstaltet am Sonntag abend, 7 Uhr beginnend, in seinem Vereinslokal„Jägerhof“(H. Voortmann) eine geschlossene Feier und hat hierzu den Hypnotiseur Th. Knieb aus Vochum gewonnen. Dieser ist in Wattenscheid nicht unbekannt und hat bei einer Vorstellung hierselbst mit seinen überraschenden Experimenten bereits große Erfolge erzielt. So. innere Mission für die Mark. * Die 39. Jahresversammlung des ev. Vereins für innere Mission in der Mark, der durch seine mannigfachen erfolgreichen Gründungen und Arbeiten auf dem Gebiet des kirchlichen, des sozialen und des sittlich=religiösen Lebens weit über die Grenzen seines Arbeitsgebietes hinaus bekannt ist, wurde in Schwerte abgehalten. Die Bevölkerung nahm an den Veranstaltungen sehr lebhaften Anteil; zahlreiche Vertreter von auswärts waren erschienen. Das Königl. Konsistorium war durch Generalsuperintendent D. Zoellner vertreten, die Königl. Regierung in Arnsberg durch Regierungspräsidenten von Bake. An die stark besuchten Festgottesdienste schloß sich ein großer festlicher Kindergottesdienst an, in dem Pastor Kram=Witten in anschaulicher Weise das Herz und die Liebe der Kinder für die Arbeit der inneren Mission zu wecken und zu erwärmen verstand. In der Festversamlung nachmittags 5 Uhr konnte der große Saal des Gemeindehauses die stattliche Zahl der Besucher kaum fassen. Pfarrer Terberger=Schwerte richtete an die Erschienenen, von denen außer den bereits Erwähnten noch Oberregierungsrat v. Neefe und Obischau und Bürgermeister Rohrmann zu nennen sind, herzliche Worte der Begrüßung und gedachte besonders des hochverdienten Präses D. König, unter dessen zielbewußter energischer Leitung der Verein emporgeblüht ist. Pastor zur Nieden=Hagen— durch seine historischen Arbeiten weithin bekannt— sprach über das Thema: 1813 und die innere Mission". Wenn von der letzteren auch erst seit zirka 1850 ofiziell die Rede sein kann, so wie se rdoch die Anfänge für diese große Arbeit schon nach in dem Aufschwung des deutschen Volkes auf politischem, religiösem und sittlichem Gebiet in der Zeit der Freiheitskriege, die außerdem bereits einige Anfänge von Werken der inneren Mission aufzuweisen habe. Sie sind mit den Namen Falk, v. d. Recke, Zeller, Volkening u. a. eng verbunden.— Pastor Ohl=Langenberg sprach über:„1913 und die innere Mission". Redner ließ aus jenen kleinen Anfängen von 18813 das große Werk der heutigen inneren Mission erstehen und zeigte damit auf der anderen Seite gleichzeitig jenes Meer von Elend, Entsittlichung und Entkirchlichung u. a., dem wir gegenüberstehen und das alle Hände zu tätiger Mithilfe aufrufen muß. Er schloß mit einem warmen Apell zu tatkräftiger Mit arbeit. Am Vormittage des 2. Tages fand die Hauptversammlung stat, die nach einer biblischen Ansprache von Pastor Winkelmann Elsey durch den Vorsitzenden, Präses D. König, eröffnet wurde. Wohl ist seit dem Weckruf von Johann Hinrich Wichern im Jahre 1848, so führte er aus, viel geschehen, insonderheit auch in unserer industriellen Grafschaft Mark. Betrübend sind dennoch heute die Erscheinungen des öffentlichen Lebens, wie die Massenaustrittsversammlungen in den letzten Tagen wiederum gezeigt haben. Da ermachsen wieder neue große Aufgaben! Den Hauptvortrag hielt der Vereinsgeistliche Pfarrer, Thomä=Witten, über das Thema:„Christentum und modernes Berufsleben“, wobei er ausging von der Tatsache der Unwirksamkeit christlicher Motive für die Gestaltung des modernen Arbeitslebens, was sich in mehrfacher Beziehung nachweisen lasse. Die Gründe dafür sah er sowohl bei den Berufstätigen, die genüber der Aufgabe, die neuen Arbeitsmöglichkeiten zum Zwecke reicherer Entfaltung persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens zu verwnden, fast völlig versagt hätten; als auch bei der Kirche selbst, die von Anfang an das von Gott gewollte Ziel der Industrie, nämlich die Erhöhung des inneren Lebens durch Befreiung des äußeren, fast überhaupt nicht erkannt und deshalb auf ihre Entwickelung einen Einfluß vielfach weder ausgeübt, noch gesucht hat. Demgegenüber ist es Aufgabe der modernen Christen, die Wahrheiten des Evangeliums kraftvoll zu vertreten und das Bewußtsein für die Zusammengehörigkeit jedes einzelnen Berufes mit dem großen Zusammenhang sittlicher Zwecke zu zeigen, und zur Befestigung der christlichen Auffassung des Berufes christliche Gemeinschaft und christliche Sitte zu bilden, sowie durch Benutzung der Massen Einfluß auf den einzelnen zu suchen. Vor allem ist es auch Aufgabe des modernen Christentums, auf die Umgestaltung menschenunwürdiger Arbeit hinzuwirken. Der tief angelegte Vortrag löste eine lebhafte Diskussion aus, in der u. a. Generalsuperintendent D. Zoellner ausführte, daß die Maschine nicht die Menschen zu entgeisten braucht. Er sah den Grund für diese Wirkung im Rationalismus und wies ferner daraufhin, da ßdie Kirche die gewaltige industrielle Entwicklung nicht habe ahnen können. An gutem Willen und an Weitblick habe es ihr nicht gefehlt. Er betonte ferner die große Bedeutung wirklich christlicher Persönlichkeiten für die Beeinflussung des modernen Berufslebens und des modernen Lebens überhaupt. Die Frage nach der Gewinnung der Massen beantwortete er u. a. dahin, daß die einzelnen um das feststehende unverrückbere Zentrum des Christentums zusammengefügt werden müßten. Kompromisse an die Massen dürften nicht gemacht werden. Die Tagung schloß mit Beratungen des Vorstandes über wichtige Einzelfragen der Arbeit. 4. Dezember 1813. * Gedrängt von Caulaincourt, der Napoleon riet, jetzt Frieden zu schließen, und um dem Anscheine nach dem allgemeinen Verlangen der französischen Nation nach Frieden entgegenzukommen, fand sich Napoleon genötigt, auf die ihm durch St. Aignan am 15. November überbrachten Anträge noch einmal, diesmal mit wirklicher Antwort, zurückzukommen. Er hatte zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten Caulaincourt ernannt, weil dieser bei den Verbündeten für friedliebend galt. Dieser beantwortete Metternichs neue Zuschrift vom 2. Dezember wie folgt:„Mein Fürst! Ich habe das Schreiben, welches Ew. Exzellenz unter dem 25. November an den Herrn Herzog von Bassano erlassen haben, Seiner Majestät unterbreitet. Indem Frankreich ohne Einschränkung die Unabhängigkeit aller Nationen, sowohl inbetreff des Festlandes als der Meere, als Grundlage des Friean erkannte, nahm es als Grundsatz an, was die Verbündeten zu verlangen schienen. Seine Majestät hatte dadurch allein schon alle Folgen des Grundsatzes angenommen, deren endliches Ergebnis ein Friede, gegründet auf das Gleichgewicht von Europa, auf die Anerkennung der Integrität aller Nationen innerhalb ihrer natürlichen Grenzen, sowie der absoluten Unabhängigkeit aller Staaten sein muß, sodaß keiner über den anderen sich einer Oberlehnsherrlichkeit oder Souveränität, es sei unter was immer für einer Form, weder zu Lande noch zur See anmaßen darf. Hierüber geschieht es mit lebhafter Freude, daß ich Ew. Exzellenz anzeige, wie ich von dem Kaiser, meinem erhabenen Herrn, beauftragt bin, zu erklären, daß Se. Majestät den allgemeinen und summarischen Grundlagen, wie sie durch den Baron St. Aignan mitgeteilt wurden, beitrete. Sie werden große Opfer auf seiten Frankreichs nach sich ziehen; aber Se. Majestät wird dieselben ohne Bedauern bringen, wenn England durch ähnliche Opfer die Mittel gewährt, zu einem allgemeinen und für jedermann ehrenvollen Frieden zu gelangen, was, wie Ew. Exzellenz versichern, der Wunsch nicht nur der Kontinentalmächte, sondern auch Englands ist.“ Versammlungen in Privatwohnungen. * Ein kommunaler Bürgerverein wollte ausnahmsweise eine vertrauliche Vereinsversammlung in der Wohnung seines Vorsitzenden abhalten. Die Polizeibehörde untersagte solches mit der Begründung, die Wohnung entspreche nicht den Vorschriften über die bauliche Anlage und die innere Einrichtung von öffentlich Versammlungsräumen. Die Wohnung sei für die Mitgliederzahl des Vereins nicht ausreichend. Die einzige Treppe zu der im 1. Stockwerk befindlichen Wohnung sei nur eine gewöhnliche, also feuergefährliche Holztreppe. Eine weitere Feuersgefahr entstehe durch das gewohnheitsmäßige Tabakrauchen bei solchen Versammlungen. Der Bürgerverein erhob Verwaltungsklage und gewann den Prozeß. Das Oberverwaltungsgericht entschied, da es sich um eine nichtöffentliche Bürgervereinsversammlung handele, sei es unerheblich, ob die erwähnten Privaträume den polizeilichen Anforderungen entsprechen, die an öffentliche Versammlungsräume zu stellen sind. Selbst die Zulassung von Gästen mache solche Vereinsversammlungen noch nicht zu öffentlichen. Einer gefahrdrohenden Ueberfüllung der Wohnung hätte die Polizei durch Beschränkung der Teilnehmerzahl begegnen können. Stände ferner die Beschaffenheit der Holztreppe mit polizeilichen Bestimmungen im Widerspruch, so hätte die Polizei deren entsprechende Herstellung ohne Rücksicht auf die Versammlung anordnen müssen. Bisher habe sie aber den Aufenthalt von Menschen zu anderen Zwecken gestattet. Städtereinlichkeit und Städtegesundheit. * Wer die gesamten Maßnahmen aufzählen wollte, die in tüchtig verwalteten Gemeinden zum Schutze der Gesundheit ihrer Bevölkerung veranstaltet werden, der müßte eine fast endlose Reihe von Zeilen füllen. Es ist so vielerlei, was der Alltagsmensch gar nicht sieht, und so manches, was mit der Gesundheit in engstem Zusammenhange steht, obwohl das nur selten erkannt wird. Und in die Tausende und Hunderttausende laufen die finanziellen Aufwendungen dafür. Jeder genießt mit stillem Behagen diese städtischen Vorteile, von denen das Dorf nur wenig, und rückständige Länder gar nichts wissen, und jeder regt sich auf, wenn einmal eine dieser städtischen Einrichtungen nicht richtig funtioniert. Nur wenige aber denken daran, daß der Einzelne sehr viel mit dazu beitragen kann, die Stadt gesund und sauber zu erhalten. Welch großes Gebiet der Selbsterziehung hier offen steht, erkennt man sofort, wenn man nur an eine unscheinbare Kleinigkeit erinnert; an das bei Landpartien achtlos fortgeworfene Stullenpapier, das sich in mancher Landschaft so anhäuft, daß es dem Wanderer fast zum Ekel wird. Dabei brauchte ein jeder nur ein klein wenig auf sich zu achten und sein Papier entweder in die Tasche zu stecken oder es zu verbudeln, um diesen Mißstand ein für alle mal zu beseitigen. Das ist der Gedankengang, in dem sich Dr. Rasser=Dresden bewegt, wenn er in der Städtezeitung unter der Ueberschrift„Auch eine Städtereinigung" das unleidliche Kapitel vom Ausspucken auf der Straße wieder einmal anschlägt. Es handelt sich auch hier nur um eine Kleinigkeit, leider um eine, die den meiste nzu klein erscheint, als daß sie sich Gedanken darüber machen. Rasser nennt das Spucken auf die Straße nicht nur eine häßliche, unsaubere, unmanierliche Angewohnheit, sondern vor allem eine gesundheitsschädliche Unsitte. Der Auswurf wird auf dem Erdboden vertreten und verschleppt, oder er vertrocknet und der Staub fliegt den Menschen in das Gesicht und wird mit den darin vorhandenen Krankheitskeimen eingeatmet. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dadurch der Ausbreitung ansteckender Krankheiten Vorschub geleistet wird. Ja, es kann behauptet werden, daß die heimtückischste und verheerendste aller Krankheiten, die Tuberkulose, ausschließlich durch unvorsichtiges Umgehen mit dem Auswurf weiter verbreitet wird. Wo kein Sonnenlicht hinfällt, da vermögen sich die Tuberkelbazillen lange lebend zu erhalten und bewahren ihre volle Ansteckungsfähigkeit. Besonders für Kinder bietet das Ausspucken auf die Erde auch im Freien eine große Gefahr. Ihre Bälle rollen durch den Sand, die Hände graben darin, fassen ungewaschen das Butterbrot an, kratzen die Haut, greifen in das Gesicht, stecken den Finger in den Mund, und die Kinder haben keine Ahnung davon, daß sie si chvielleicht mit einer schrecklichen Krankheit infizieren. Manches Kleine wird für gesund gehalten, und es trägt doch vielleicht schon den Schwindsuchtskeim in sich. Dr. Rasser weist darauf hin, wie einzelne Städte angefangen haben, an den Straßen Spuckgelegenheiten einzurichten. Das wird aber doch wohl vergebliches Bemühen sein. Es muß vielmehr an die Erziehung appelliert werden, und zwar schon von der Schule an, Und wenn jemand zu spucken genötigt ist, so soll er sich daran erinnern, daß die einzige Stelle auf der Straße vielleicht an den Wassereinläufen unter den Bordschwellen ist, wo der nächste Regen oder die nächste Straßenwaschung alles in das Innere der Kanalisation spült. Wie man auf Bahnhöfen das Plakat liest, das das öffentliche Ausspucken untersagt, so sollte man auch im Stadtinnern, besonders auf verkehrsreichen Plätzen und Straßen Schilder dieser Art aufstellen. Leider braucht der Deutsche in dieser Hinsicht immer noch das zwangsweise„Du sollst nicht". Aber vielleicht kommt es noch einmal dahin, daß das bewußte„Ich will nicht"! doch stärker ist, wie alle gewaltsamen Polizeimaßnahmen und Strafandrohungen. Gl. Turverein der Lehrerinnen. * Der Turnverein der Lehrerinnen von Stadt und Amt Wattenscheid, welcher ca. 30 Mitglieder beider Konsessionen umsaßt, wurde auf seinen Antrag in die deutsche Turnerschaft aufgenommen. Bisher gehörte von den hiesigen Turnvereinen nur der im Restaurant Koch tagende Turn=Verein der deutschen Turnerschaft an. Lehrer Heynen ist der Spiel= u. Turnleiter des LehrerinnenTurnvereins. Großer Mittelstandstag für Stadt und Amt Wattensechid. gestern Avend hatte der Innungsausschuß für Stadt und AmtWattenscheid die Meister des Handwerks zu einer öffentlichen Kundgebung aufgerufen. Die Kommunal=Wirtschaftliche Vereinigung hatte sich diesem Appell angeschlossen und die in ihr vertretenen wirtschaftlichen Vereine der Stadt ebenfalls eingeladen. So war denn eine Versammlung zustande gekommen, die in Bezug auf die Zahl der Besucher, auf die Einmütigkeit der Kundgebung und den Erfolg der Beschlüsse mustergiltig dasteht. Besonders erfreulich ist es zu begrüßen, daß auch aus den Teilen des Amtes die Vertreter des Mittelstandes verbeigeeilt waren, selbst aus Eppendorf en wir mehrere Herren, unter anderem den ehrwürkopf aus den Reiß des Handy marlanter Charaler. ropj aus den Reihen des Hanowerks war zu schauen; Männer der schaffenden Arbeit, des Fleißes u. der Rechtschaffenheit. Geleitet wurde die große Versammlung von dem Vorsitzenden des Junungsausschusses, Obermeister Breul von der Metzgerinnung. Weiter saßen am Vorstandstisch die Führer des Handwerks: Obermeister Plato als Schriftführer des Innungsausschusses, Malermeister Werdelmann als Kassierer, Obermeister Mutz von der Schreinerinnung und Obermeister Blambeck von der Schuhmacherinnung als Beisitzer des Innungsausschusses, Obermeister Schlenkhoff von der Bäcker= und Konditorinnung, Obermeister Wiese von der Schreinerinnung, Obermeister Maas von der Schneiderinnung. Auch der Vorstand der Kommunalwirtschaftlichen Vereinigung war vertreten. Die Stadt Wattenscheid war vertreien durch Oberstadtsekretär Krengel, der für die untere Verwaltungsbehörde(Bürgermeister) das Dezernat der Innungen bearbeitei, und Stadtbaumeister Wallraven. Besonders freudig wurde es begrüßt, als im Laufe des Abends auch Rechtsanwalt Beckmann, der Vorsitzende des Verkehrsvereins, erschien, da gerade Erörterungen gepflogen werden sollten, zu denen man die Ratschläge eines Anwalts sehr wohl benötigte. Nachdem Vorsitzender Obermeister Breiil die Erschienenen mit herzlichen Worten begrüßt hatte, erteilte er dem für den Abend gewonnenen Reserenten, Lehrer Morschhäuser von hier das Wort zu folgendem Thema:„Handwerk und Industrie“. In formvollendetem und in allen seinen Konsequenzen wohlerwogenen Vortrag behandelte Redner dieses gewiß nicht einfache Material. Es müsse, so führte er in 1½ stündigem Referat aus, freudig berühren, wenn in letzter Zeit angehoben würde, die bisher oft sehr entzweiten Brüder, das Handwerk und die Industrie, zusammenzuführen. In Wahrheit seien beide Brübern, müßten es sein. Alle bisherige Trennung beruhe auf gegenseitiger Verkennung, auf falschen Voraussetzungen, zum guten Teil auch auf politischen und religiösen Kämpfen. So wenig man es jemandem verarge, wenn er seiner politifchen Ueberzeugung und religiösen Auffassung treu bleibe, ebenso sei es zu verurteilen, wenn diese nun einmal bestehenden Divergenzen auch auf das wirtschaftliche Leben hinübergrissen und nicht nur den Mittelstand in sich zersplitkerten, sondern auch den durch so viele Berührungspunkte verwandten Zweigen Handwerk und Industrie verschiedene, ost diametral einander gegenüberstehende Wege hätten zuweisen können. Die Hauptberührungspunkte zwischen den„seindlichen Brüdern", die trotz allem vorhanden seien, müßlen vor allen Dingen erblickt werden in der nationalen Gesinnung, in den sozialen Aufgaben, in der Heranbildung guier Angestellter und in den gemeinsamen Fragen der Technik und der Kaufmannschaft. Die Vernichtung so vieler Mittelstandsexistenzen durch die Fabriken und durch deren Großkapital müsse endlich aufhören. Das sei zum Schaden beider Komparenten. Der Mittelstand, insbesondere das Handwerk, habe durch allen Zwist den Schaden erlitten, nicht genügend Kapital bekommen zu haben und aus manchen Posten vertrieben zu sein; die Indutstrie der Fabrikbetriebe habe den Schaden erlitten, auf einen technisch ausgebildeten, tüchtigen Lehrlings= und Gesellenstand verzichten zu müssen, den ihr doch nur das Handwerk und der Kaufmann von Fall zu Fakl versorgen müßten, da hier individuelle, spezialisierte Arbeit, nicht die verflachende, schablonenmäßige Arbeit der Großbetriebe geleistet werde. Auf der anderen Seite müsse man aber nicht verkennen, daß die Industrialisierung so mancher Erwerbszweige— Redner erinnerte nur an das Schuhmacherhandwerk, an die Kleider=Konjektion— trotzdem auch wieder manch neue, handwerkliche Berufe habe schaffen helfen, sodaß mancher Mittelständler einen Umwandlungsprozeß in der Erzeugung der Güter oft= sogar zu seinem Segen durchgemacht habe. Wenn auch die hiesige Großindustrie, der Bergbau, in Bezug auf technische Fragen und die des kaufmännischen Betriebes nicht so viele Berührungspunkte habe, wie die Fabrikbetriebe, so blieben trotzdem noch manche gemeinsame Aufgaben offen, und es sei daher nur zu begrüßen, wenn die Groß= und Schwerindustrie sich in Leipzig damit einverstanden erklärt habe, das Karteil der schaffenden Stände zu bilden. Wie dem auch sei, die Industrie sei die Nährmutter aller, und wenn die Industrie mit ihren Arbeitermassen verschwände, würde es auch dem Handwerk und dem Kleinkaufmann schlecht ergehen. Die Sträubung so mancher Fabriken, zu den Handwerkskammern hinzugezogen zu werden, sei sehr unrecht. Der Einwand, man zahle ja schon zur Handelskammer, sei vollständig verfehlt. Die Hande'skammer schütze doch nur das kaufmännische Großinteresse, die Handwerkskammer aber das techn she Interesse auch der größeren Betriebe. Es sei zu hoffen, daß die maßgebenden Instanzen nun bald zu einer günstigeren Interpretation des Begriffes Fabrik und des Begriffs Handwerk kommen würden. Man sei auf dem besten Wege, Gesetzlich sei das nicht festzulegen, da die Grundbegrisse zu verschieden wären. Es müsse daher danach geirachtet werden, von Fall zu Fall eine für den Mittelstand gesundere Auslegung und Anwendung zu fuden. Zu dem Ende müßten Instanzen aus beiden Kreisen vereinigt werden und vor den Entscheidungen Ortsbesichtigungen vornehmen. Die bisher entscheidenden 9 Merkmale des Reichsgerichts: Art der Werkstätten resp. Fahriken, Größe der Räume, maschinelle Technik, Zahl der Arbeiter, kaufmännische Buchführung, Handelsregister=Eintragung, bestimmte Lehrverträge, Produktion aus Beste lung resp. Vorrat, individuelle Handarbeit in gravitierender Weise, all diese Momente dürften nie einzeln und getrennt maßgebend sein, sondern nur bei Vorhandensein in ihrer Mehrzahl. Danach sei dann auch der Beitrag abzustusen, eventuell auf Handelskammer und Handwerkskammer zu verteilen, letzteres besonders bei den gemischten Betrieben, deren Beurteilung ja besonders schwer sei. Endlich müsse auch der bisher viel zu komplizierte Instanzenweg im Interesse des Mittelstandes beseitigt und vereinsacht werden. Die bisherige Langwierigkeit des vielgestaltigen Verfahrens könne ja ein Mann des Mittelstandes gar nicht aushalten. Zum Schluß seiner warmherzigen, mit größtem Beifall ausgenommenen Worte verwies Redner die Anwesenden auch auf die neu geschaffene Arbeit des Reichsdeutschen Mittelstandsverbandes. Die dort am Sonntag stattgehabte Versammlung habe deutlich gezeigt, wie wertvoll und wie realisierbar es sei, wenn die Großbetriebe mit den mittleren und kleineren Bet ieben zusammen gehen wollten. Freiherr von Loe als Vorsitzender des rhein. Bauernvereins, Geh. Kommerzienrat Vorster als Vorsitzender des inoustriellen Verbandes, Dr. Tewes als Geschäftsführer der kath.=kaufm. Vereine hätten auf jener Versammlung so überzeugend und einwandfrei die Bedeutung der Jetzkzeit und die Notwendigkeit des Zusammenschlusses zur endlichen Befreiung u. Aufbesserung des Mittelstandes gezeichnet, daß man diesen Arbeiten nur den besten Erfolg wünschen könne. Der Vorsitzende Obermeister Breul, stattete nach dem nicht enden wollenden Händeklatschen dem vortrefflichen Redner den Dank der Versammlung ab. Dann erteilte er nach kurzer Pause dem Doktor der Staatswissenschaften Vogt von der Handwerkskammer in Dortmund das Wort zu dem Referat: Kredit= und Einziehungswesen. Das bisher in so bescheidener Weise vom Handwerk und dem anderen Mistelßtand geübte Verfahren. selbst kein Kapital und keinen Kredit in Anpruch zu nehmen, hingegen aber allen Kunden den längsten Kredit einzuräumen bis zur vollständigen Gefährdung der Forderungen überhaupt, geradezu bis zur Bewußtlosigkeit, das müsse endlich mal aufhören. Durch entschiedene Remedur könne sich der Mittelstand nur Respekt verschaffen. Das Borgunwesen sei ungesund und volkzwirtschaftlich der Ruin vieler sonst lebensfähiger Existenzen. Um aber diesen Nöten abzuhelsen, sei die Schaffung eines Einziehungsamtes erforderlich, zu dem die Handwerkskammer gewiß gern und freudig die Hand böte. Es sei schon festgestellt, daß die verborgten Summen in einer mittleren Stadt wie Wattenscheid sich fortgesetzt auf 6= bis 800000 Mark jährlich beliefen. Man möge sich diesen Zinsverlust mal vergegenwärtigen! Das Einziehungsamt werde hier Hilfe bringen. Man werde es bei den borgenden Leuten schon zu fürchten wissen und zahlen. Allein auf dem Wege der Abzahlung hätten die bereits bestehenden Einziehungsämter zahllose, sonst verloren gegangene Forderungen gerettet. Den Anwälten wolle man dabei nicht schädigend in den Weg treten, man wolle vielmehr gern gemeinsam mit ihnen arbeiten, wie es in Dortmund so schön geschehe. Zudem könnten die Einziehungsämter die ausstehenden Forderungen billiger eintreiben als die Anwälte. Kommen juristische Fragen heran, so sei natürlich der Anwalt zu hören. Die Kostenfrage regele sich von selbst, da das Einziehungsamt 6% der einkassierten Beträge einhalte. Auch diese Rede wurde mit vielem Beifall aufgenommen. Der Vorsitzende stattete den Referenten den Dank der Versammlung ab. In der Diskussion ließ Carl Busch jun. zunächst feststellen, wie hoch sich denn eigentlich die für das Einziehungsamt entstehenden Kosten jährlich belaufen würden. Der Referent erklärte, daß in Summa jährlich 6000 Mark an Gesamtkosten für Beamte und Spesen entstehen würden. Rechtsanwalt Beckmann ergriff dann das Wort, um in längerer Rede und selbstloser Weise die so bedeutungsvolle Frage juristisch und wirtschaftlich zu beleuchten. Das Einziehungsamt sei eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Anwälte dürften und könnten ihnen nicht widersprechen. Der Anwalt sei kein Inkassoagent, er sei nur zur Klärung rechtlicher Momente und gesetzestechnischer Dinge da. Wenn die schaffenden Stände zu threr Aufbesserung der Einziehungsämter bedürften und wenn diese die Arbeit billiger leisten könnten, als die Anwälte, was ja nur naturgemäß sei, dann müsse eben der Anwaltstand zurücktreten. Die Selbsthilfe des Mittelstandes sei volkswirtschaftlich nur zu billigen. Auch müßte das Einziehungsamt bei einfachen Klagen vor Gericht auftreten dürfen als Vertreter seiner Mandanten. Viele Richter hätten dem auch schon stattgegeben, wenngleich die Zivilprozeßordnung Schwierigkeiten in dieser Hinsicht böten. Carl Busch jun. betonte als Vorsitzender der Kommunalwirtschaftlichen Vereinigung ebenfalls, daß man das Projekt nur freudig begrüßen könne. Er leg e aber großen Wert darauf, daß auch der Kaufmannsstand und die Gewerbetreibenden das Einziehungsamt mitbenutzen dürften, 1) um die hohen Kosten aufbringen zu helfen und den Plan nicht scheitern zu lassen, 2) damit auch die Kaufmannschaft an den Vorteilen der Einziehungsämter partieipiere. Redner beantragte, den Innungsausschuß und die Vorstände der Kommunalwirtschaftlichen Vereinigung und der ihr angeschlossenen Vereine gemeinsam mit der Lösung dieser Frage zu betrauen.. Was die Zulassung der Einziehungsämter bei den Gerichten angehe, so habe z. B. auch Oberlandesgerichtspräsident, Exzellenz Dr. jur et phil. Holtgreven=Hamm, der stets ein warmes Herz für den Mittelstand gezeigt habe, festgestellt, daß ein Richter in Essen, der in seiner vormaligen richterlichen Tätigkeit das Einziehungsamt nicht zuließ, es auf die Anfrage des Chefpräsidenten nunmehr zuließ. Obermeister Schlenkhoff unterstützte mit lebhaften Worten den Antrag Busch und forderte alle Innungsbrüder auf, treu zusammenzuhalten. Bäckermeister Rumpf plädierte ebenfalls für Schaffung des Amtes, mit dem auch die Aufstellung einer Liste schlechter Zahler zum Nutzen des Mittelstandes verknüpft werden müsse. Zum Schluß wurde der Antrag Busch einstimmig angenommen. Vorsitzender schloß mit Worten des Dankes die so schön und einmütig verlaufene Versammlung., Rückgang der Schweinepreise. * Auf dem letzten Viehmarkt war ein weiterer Rückgang der Schweinepreise zu konstatieren. Hoffentlich trägt der Rückgang der Vlehpreise dazu bei, daß die Fleischpreise ermäßigt werden. Hühnerdiebstahl. * Leithe, 5. Dez. Hünerdiebe haben gestern nacht den Hühnerstall an dem Hause Wasserturmstraße 138° erbrochen. 2 Enten, ein Hahn und 9 Hühner, im Werte von etwa 30 Mark wurden entwendet und in der Nähe gleich abgeschlachtet. Zentrumsversammlung in Günnigfeld. * Günnigfeld, 5. Dez. Am Sonntag nachmittag findet um 5 Uhr eine Versammlung der Zentrumspartei Günnigfeld statt. Es sind auch Frauen zu dieser Versammlung eingeladen. Chefredakteur Paffendorf(Gelsenkirchen), wird über die politische Lage reden. Die Versammlung findet im großen Darenrechtschen Saale statt. Vergiftungsversuch. * Gelsenkirchen, 5. Dez. Eine in der Sellhorststraße wohnende Frau machte gestern einen Vergiftungsver. such, indem sie aus einer Flasche Kampferspiritus trank. Sie wurde indessen bei ihrem Vorhaben überrascht und der Polizei übergeben, die die lebensmüde, ledige Frau in das Marienhospital schaffte. Stadtverordnetensitzung zu Gelsenkirchen. * Gelsenkirchen, 5. Dez. Die Stadtveroroneten beschlossen den Beitritt der Stadt zum neugegründeten Kanalverein Rhein=Herne. Der Abnahme der Jahresrechnung für 1912 wurde zugestimmt. Der Einlagebestand der Spare Seilche Kceäene Klabs de Posie Aascelchche 15000 M., für den Vaterländischen Frauenverein 5000 M., für Volks= und Jugendspiele 11 000 Mk., für Ferienspiele der Volksschulen 7500 Mk., für die städtische Bücherei 8000 Mk., zur Unterstützung des Verkehrsvereins 3000 Mk., für Zwecke der Jugendpflege 3000 Mk., und zur weiteren Auffüllung des Theaterfonds 87 589 86 Mk. aller Welt. Eisenbahnarbeiterwünsche. T Berlin, ö. Oez. Die Eisenbahnhandwerker und Eisenbahnarbeiter hatten sich gestern abend in einer Zahl voit 4000 Personen versammelt, um ihre Wünsche wegen früherer Gewährung und weiterer Ausdehnung des Erholungsurlaubs und wegen Einführung der ungeteilten Arbeitszeit in den Werkstätten zu formulieren. Ein verschollener Dampfer. * Hamburg, 5. Dez. Der verschollene Hapag=Dampfer „Acinia“ gilt für verloren. Der Dampfer ist am 23. Oktober nach Montevideo abgegangen und hatte 50 Mann an Bord. Eine Brücke eingestürzt. T Wien, 5. Dez. Bei dem Elektrizitätswerk von Faal in Süd=Steiermark brach eine Holzbrücke unter einem Lastzug ein. 3 Waggon stürzten in die Tiefe. 3 Arbeiter wurden getötet. Revolverattentat in einer Sparkasse. P Graz, 5. Dez. In der Sparkasse hat sich gestern eine aufregende Szene abgespielt. Der Beamte Adolf Kraus, der nervenleidend war und wegen Renitenz vom Amte suspendiert war, gab im Direktionszimmer Revolverschüsse auf den Direktor Kelz, das Direktionsmitglied Krautforst und den Vorstand Niemann ab. Er verletzte alle drei schwer und erschoß sich darauf. Verhaftung eines Deutschen in Amsterdam. Amsterdam, 5. Dez. Hier ist ein Deutscher wegen Mordverdachtes verhaftet. Er hatte in voriger Woche bei einer Dame Wohnung genommen. Die Polizei erfuhr, daf der Fremde in dieser Wohnung krank lag. Es ergab sich, daß der Mann zahlreiche Schrotschußwunden im Rücken hatte. Hierüber verweigerte er jede Auskunft. Die deutschen Behörden wurden benachrichtigt und haben bereits die Auslieferung beantragt. Beendeter Generalstreik. T Mailand, 5. Dez. Der Generalstreik ist nach Ttägiger Dauer beendet. 5 Fischer ertrunken. Sebastopol, 5. Dez. Eine Fischerbarke wurde von der Strömung auf das Meer getrieben. 5 Fischer ertranken. Sicherung gegen die Eisberggefahr. Washington, 5. Dez. Der Schatzamtssekretär Me Adoo kam in seinem Kongreßbericht auf die internationale Konferenz zur Sicherheit des Lebens auf dem Meere zu sprechen. Er erwähnte dabei, daß auf der Konferenz die Frage der Abpatroullierung des Eisgürtels im nördlichen Atlautischen Ozean erörtert werden würde. Man sollte sich über die Festsetzung der Fahr straßen auf dem Atlantischen Ozean einigen, damit allen von Eisbergen während der Monate April bis Juni drohenden Gefahren aus dem Wege gegangen würde. Sie sollten die Schiffahrtsgesellschaften zwingen, die festgesetzten Fahrstraßen innezuhalten. Wenn die Schiffahrtsgesellschaften bei ihren jetzigen Kursen beharrten, sollten sie gezwungen werden, auf eigene Kosten eine wirksame Abpatroullierung des Eises durchzuführen. kags schte 8 Södener illineral-Paltillen“? werden aus den Bellquellen III u. KVIII der Gemeinde Bod Soden am Taunus bergelell, die sich vell Jahrhundenen s bei Bulten, Beilerkeit, Bronchidlkstarch## verrügüch busshrs haben.“ A en ai Per a. eer ae, eunneuene. Schntag Eind die Geschäfts bie abende Pom geennet. 8 — 0 Die deutsche Milikärmission. dem alten küchtigen Lehrmeister freu: der Kaiser? Der„Braunschw. Landesztg.“ schreibt man: Wenn man aus der in diesen Tagen vielgenannten Kabinettsorder des Kaisers, die sich allerdings nur in einen Wunsch verflüchtigt hat, über das Tangotanzen im Heer und bei der Marine etwa schließen wollte, daß der Kaiser ein Gegner des Tanzes an sich ist, so wäre das ein Irrtum. Kaiser Wilhelm hat nur, u. das ist das einzig Wahrscheinliche an dem Erlaß, eine starke Abneigung gegen die„modernen Tänze“, die er als unschöne Auswüchse" bezeichnet, eine Abneigung, in der er mit seiner Gemahlin vollkommen einer Meinung ist. Der Kaiser ist ein leidenschaftlicher Tänzer, und noch heute läßte er selten eine Gelegenheit vorübergehen, bei der er nicht selbst wenigstens einmal zum Tanze antritt. Auf den großen Festlichkeiten tanzt der Kaiser niemals, und zwar aus dem Grunde, weil es die Etikette vorschreibt, daß, wenn ein Mitglied des königlichen Hauses tanzt, alle anderen Paare auf den Plätzen verharren müssen, eine Bestimmung, über die zwar bei den Prinzen und Prinzessinnen meist auf eigenen Wunsch hinweggesehen wird, die sich aber bei der Person des Monarchen nicht gut umgehen läßt! Der Monarch liebt den Tanz nur, wenn er nicht nur an sich schön und graziös ist, sondern auch ebenso ausgeführt. In früheren Jahren, als junger Prinz, war er in der Tanzstunde und als junger Leutnant einer der eifrigsten Tänzer in Potsdam, und manche Dame, die mit dem Kaiser jung gewesen ist und an der Tanzstunde im Kronprinzen=Palais teilnehmen durfte, oder dem Prinzen Wilhelm auf Bällen begegnete, weiß sich sicher zu entsinnen, wie unermüdlich PrinzWilhelm das Tanzbein schwang, wie er ein sehr begehrter Tänzer war, nicht nur, weil er ein Prinz war, sondern weil er auch wirklich vollendet tanzte. Bei Gesellschaften oder kleineren Festlichkeiten im Familienkreise oder bei den Freunden des Kaisers gibt er selbst häufig die Anregung, daß„ausgeräumt“ wird, und fordert dann galant als Erster die Frau des Hauses zum Tanz auf. Auch auf den Hochzeitsfeierlichkeiten am Kaiserhofe konnte man den Monarchen als Tänzer sehen. So hat er zum Beispiel auf der Hochzeit seiner einzigen Tochter nicht nur mit der Braut, sondern auch mit seinen sämtlichen drei Schwiegertöchtern mehrfach getanzt und schließlich sogar seine kaiserliche Gemahlin aufgefordert, bei der er aber zuerst wenig Gegenliebe fand. Die Kaiserin ließ sich erst nach langem Ueberreden bewegen, mit ihrem hohen Gemahl ein Tänzchen zu wagen. Auf der„Hohenzollern“, wo es der Kaiser bekanntlich liebt, in erster Linie Mensch unter Menschen zu sein, wird oft und viel getanzt, und es ist schon mehr als einmal vorgekommen, daß der Kaiser zu diesem improvisierten Schiffsballe die weibliche Jugend eines Dorfes, in dessen Nähe die„Hohenzollern“ gerade ankerte, an Bord holen und es sich nicht nehmen ließ, an Deck seines Schiffes mit einer blonden norwegischen Dorfschönheit selbst zu tanzen. Aus alledem geht hervor, daß der Kaiser alle natürlichen Tänze bevorzugt, und diese Annahme trifft auch tatsächlich zu, denn er findet, wie er schon so oft geäußert hat, die Körperverrenkungstänze, mit denen uns die Mode der letzten Jahre beglückte, nicht nur unschön, sondern zumteil sogar direkt unpassend, und so sehr er sich freut, wenn überhaupt und gern getanzt wird, so legt er auch Wert darauf, daß in seiner Gegenwart nur die Tänze getanzt werden, die man vom künstlerischen und ästhetischen Standpunkte auch wirklich als schön bezeichnen kann. Diese Stellungnahme ist bezeichnend für die ganze Charakteranlage des Monarchen; er hat immer seine Freude daran, wenn man in seiner Umgebung lustig und vergnügt ist, er selbst kann, einer der Lustigsten und sogar Ausgelassensten sein(man denke nur an die sogenannten„Heiteren Abende“ im intimsten Kreise auf der„Hohenzollern"), aber er liebt es eben nicht, wenn beim Vergnügen gewisse Grenzen überschritten werden. Weihmachtsbitte. Die Waisenkinder von Schweicheln, Die kommen nun wieder und schmeicheln. Ihr lieben Freunde weit und breit, Es naht die selige Weihnachtszeit Mit Tannenduft und Kerzenlicht. Ihr lieben Freunde, vergeßt uns nicht! Wir sind eine große, große Schar, Hunderfünfundsechzig und mehr noch gar. Wir haben gern Puppen, Soldaten, Trompeten, Baukästen, Gewehre, Trommeln und Flöten, Warme Strümpfe und bunte Tücher, Mäntel und Kleider und schöne Bücher. Wenn jedes davon nur ein wenig hätt, Ihr glaubt nicht, wie es sich freuen tät! Christkindleins Augen schauen Euch an: Was ihr einem dieser geringsten getan, Das tut ihr„mir"— so hat er gesagt, Drum haben wir diese Bitte gewagt. Nun segne Euch Gott und schenk Euch das Best: Ein gläubiges Herz und ein fröhliches Fest. Im Namen unserer Kinder: Pastor Siebold, Pastor Rüchsel. Schweicheln bei Herford. Schöne Zeit der Pfefferkuchen, Bilderbücher, Schaukelpferde! Weißgekleidet harrt die Erde, Die das Christkind kommt besuchen. In den Fenstern der Geschäfte, Welche Hochflut schmucker Gaben! Leute wählt: was wollt ihr haben? Ja, das fordert Urteilskräfte.... Die ihr starrt mit offnem Munde Und nicht Rat wißt früh und spate: Lest die Zeitungsinserate, Die vom Besten bringen Kunde! Selbst dem Kaufmann, der sonst stumpf ist Für der Praxis goldne Mahnung, Dämmert jetzt die helle Ahnung, Daß nur Inserieren Trumpf ist! Zum Backen gehört Hefe! Hese macht das Gebäck locker. schmackhaft und wohlbekömmlich. Hefe ist täglich frisch in allen Bäckereien erhältlich. Backanleitung mit 199 Rezepten gratis und franko durch den Verband Deutscher Preszhefefabrikanten G. m. b. H., Berlin SW. 11. W FSSS KEE * Mandelmülch-Olanzenbulter-Aurgarina ist nur echt mit dem Mamenszuo Sana-es.m.bKCleve. Stats bischerhältten ## den einschlägigen Gertäfften. Silmmmimmmmmmmmmmmimmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Auf fremdem Boden Ein Roman aus Ostvreußen von Dr. Fritz Skowronnek. 18)(Nachdruck verboten.) Der Assessor nickte vergnügt. Er hatte schon mehrmals mit seinem Lehrmeister solche kleinen Durchdrückereien betrieben und dabei mit Vergnügen die sanste Erregung der Erwartung ausgekostet. Vorsichtig, wie auf dem Pürschgang hatten sie sich an das Bruch herangezogen, der Förster hatte ihm mit einer Handbewegung an einer dicken Kiefer seinen Stand angewiesen und war dann noch ein Stück weitergegangen. Von seinem Platz aus konnte er sehen, wie die Waidarbeiter das andere Ende des nicht sehr ausgedehnten Dickichts betraten. Er mochte etwa zwei Minuten gestanden haben, als es vor ihm in dem dichten Unterholz zu prasseln begann, als wenn dort ein großes starkes Tier durchbrach. Natürlich flog ihm die Geschichte von dem rätselhaften Raubtier durch den Sinn. Ob vielleicht doch etwas daran war? Eine Aufregung überkam ihn, daß er in der Stille des Waldes sein Blut in den Adern hämmern hörte, es schlug ihm, wie man ganz richtig zu sagen pflegt, bis zum Halse hinauf, denn in den Schlagadern am Halse fühlte er es deutlich zucken und pucken. War das Furcht oder die Jagdvassion, die jeden Jäger bei solchen Anlässen befallen soll? Er brachte sein Gewehr an die Backe um auf jeden Fall schußbereit zu sein. Es flatterte wie ein Lämmer= schwanz. Mit Aufbietung aller seiner Geisteskraft straffte er seine Muskeln, den Blick fest auf das Dickicht gerichtet, in dem das Prasseln immer stärker wurde. Im nächsten Augenblick suhr ein dunkler gewaltiger Körper aus dem Bruch auf die lichte Fläche heraus. Jetzt hatte die Jagdpassion wirklich von ihm Besitz genommen. Trotzdem gelang es ihm mit Aufbietung aller Energie für einen Augenblick seiner Erregung Herr zu verden. Das Wild mochte höchstens zwanzig Schritt von ihm entfernt sein. Er kam gut auf das Blatt ab und machte mit dem rechten Rohr Dampf. Der Keiler ruckte stark zusammen, stand einen Moment still, dann wandte er sich und nahm den Schützen an... Mit Blitzesschnelle fuhren dem Assessor die Gedanken durch den Kopf. Der erste war: Hinter dem Baum Deckung zu suchen! Doch gleich bäumte sich in ihm der Widerstand gegen einen solchen feigen Rückzug auf. Er brachte das Gewehr schnell wieder an die Backe, hielt dem heranstürmenden Keiler ganz vorn auf das Gebräch und machte zum zweitenmal den Finger krumm. Der Schuß saß, und auf die kurze Entfernung tat auch das etwas zu feine Schrot seine Wirkung. Der starke Basse brach vorn zusammen, richtete sich mit gewaltiger Kraftanstrengung noch einmal auf und warf dann um.„.... Sum ekr m me. Schnell klappte Burmeister oas Gewehr auf und schob zwei neue Schrotpatronen ein. Die Vorsicht war überflüssig. Der zweite Schuß hatte seine Wirkung getan. Atemlos kam der Förster, der das Prasseln ebenfalls vernommen hatte, angelaufen. Salutierend legte er die Hand an die Mütze. „Weidmannsheil, Herr Assessor! Das nenne ich wackere Jagd! Tausend ja, ein Prachtkerl! Wiegt mindestens seine drei Zentner. Gratuliere von Herzen.“ Wie im Traum nahm der Assessor den Glückwunsch und den Bruch in Empfang. Ihm war so märchenhaft glücklich zumute, daß er den Glückwunsch vorerst nur durch einen Händedruck erwidern konnte. Er fühlte, daß etwas Neues in sein Leben getreten war: Die JagdDie Treiber, denen das Wegschaffen der riesigen Beute anvertraut wurde, erhielten ein fürstliches Geschenk, das zu einer fröhlichen Kneiperei für die ganze Genossen#uft ausreichte. Dann wurde wieder der Reitwagen bestiegen.„„„ „Jetzt mussen Sie noch den Relfbock schießen, dann fahren wir mit beiden Beutestücken zur Oberförsterei, und abends gibt's eine solenne Kneiperei. Das bitte ich mir als Belohnung aus.“ Kreuz und quer waren sie noch eine Stunde lang durch den Wald gefahren, ohne den starken Bock, den der Förster suchte, zu finden. Endlich verhielt er den Braunen. „Dort drüben, am Rand der Wiese steht er. Wenn ich mit dem Kopf nicke, steigen Sie ab. Streichen Sie an einer Kiefer an und kommen Sie ruhig ab. Unten Blatt antalter“ Wieder die seltsame Erregung, ais er auf das Zeichen des Graubarts mit einem Schritt vom Wagen getreten war und den Drilling an die Backe brachte. Getreu der Aufforderung legte er das Gewehr an den Baum, an dem er stand, und visierte sorgfältig. Als der Schuß krachte, war ihm das Wild im Pulverdampf verschwunden. Der Förster kam langsam heran...... K7 46chrs „Er hat sehr gut gezeichnet. Es scheinr Blatrschuß zu sein. Vielleicht ein wenig hoch. Zur Vorsicht wollen wir einige Minuten warten.“ Er holte seine Pfeife hervor und setzte sie in Brand. Nach kurzer Suche fanden sie den Bock. Er hatte noch eine Flucht von etwa dreißig Schritten gemacht, trotz des guten Schusses.. 46 Mit zwei Bruchen am Hur fuyr der Assessor heim. Er mußte sich selbst zusammennehmen, um seiner Freude nicht allzu energischen Ausdruck zu geben. 10. Kapitel. Eine Stunde später saß eine fröhliche Tafelrunde im großen Gastzimmer von Kelterborns Hotel. Der Förster war bei der Fahrt zur Oberförsterei, die unmittelbar an der Stadt romantisch auf einer Insel im See liegt, schnell bei einigen Mitgliedern des Jagdschutzvereins angesprochen und hatte die Nachricht von dem seltenen Jagdglück des Assessors verbreitet. Einige Gutsbesitzer, die gerade in der Stadt weilten, einige Offiziere der Garnison hatten sich zufällig eingefunden. Vor dem glücklichen Schützen lag das starke, reichgeperlte Gehörn des erlegten Rehbocks und die gewaltigen Gewehre des Keilers, die der Förster mitgebracht hatte. Der Assessor hatte eine Bowle ansetzen lassen, die der Größe seiner Freude entsprach. (Fortsetzung folgt.) — Holänd. Lihöre. Cherry Brandy. Halt om Hall, Aprice Brandy, Bananen Likör. Mareskino, densser. Likörgeschäft Walterscheid, Oststraße 20. Zwungsverkauf. Samstag, den 6. Dez. er, vormittags 10 Uhr werde ich im hiesigen Pfandlokale, Oststraße 38 öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Grießmann, Gerichtsvollz., Wattenscheid. Mitbewohner für möbliertes Zimmer gesucht. Hauptstr. 53. Anständiger Mann erhält ost und Logls. Vödestraße 58. Haus- und Grundbesitzer-Verein Wattenscheid. Sonntag, den 7. Dezember. vormittags 11 Uhr Monatsversammlung nebst Vortrag des Vorsitzenden liber die Wehrsteuer im Lokale des Mitgliedes Herrn Floren, Vödestrasse. Es wird freundlich um vollzähliges Erscheinen gebeten. Auch die Mitglieder des Haus- und Grundbesitzervereins aus dem Amte Wattenscheid sind willkommen. Der Vorstand. Haarschmuck Haarwässer Parfümerien Toilette-Artikel Kamm- u. Bürstenwaren kaufen Sie vorteilhaft in der Farfümente Heinrich Bahr, Nordstraße 3. 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Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach; Erhalt der Rechnung. 3 Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.: Zeitung. Teleson 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, I Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet; § 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).: Die Etatsrede des Reichsschatzsekretärs Der Kernpunkt der am Dienstag gehaltenen Etatsrede des Reichsschatzsekretärs Kühn war die Frage, wie es um das finanzielle Fundament des Etats für 1914 bestellt sei. Angesichts der Ausführungen des Chefs der Reichsfinanzverwaltung darf man sich nicht verhehlen, daß die Lage ernst ist oder wenigstens ernst werden kann. In der Gleichung zwischen Einnahmen und Ausgaben, die aufzustellen war, sind 2 Unbekannte vorhanden: die Höhe des Aufkommens aus dem Wehrbeitrage und die künftige Gestaltung der Konjunktur. Was der Wehrbeitrag einbringt, ist noch völlig ungeklärt; insofern bewegt sich die Etatsaufstellung für 1914 auf unsicherem Boden. Gehen die Erwartungen in bezug auf den Ertrag des Wehrbeitrages nicht in Erfüllung, dann sieht sich das Reich einer überaus schwierigen Situation gegenüber, die auf das ernsteste im Auge zu behalten, der Reichstag schon heute veranlaßt werden muß. Der ernste Nachdruck, den der Schatzsekretär auf diesen Hinweis legte, läßt deutlich erkennen, daß der Chef der Reichsfinanzverwaltung nichts verschwieg und nichts hinzusetzte, sondern die Lage des Reichshaushaltes so schilderte, wie sie sich tatsächlich darstellt. Die andere unbekannte Größe ist die Wirtschaftskonjunktur. Nach ihrer bisherigen Gestaltung im laufenden Jahre möchte die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß ein wirtschaftlicher Niedergang, wenn er eintritt, nicht so plötzlich kommt und nicht so nachteilig auf die Reichsfinanzen einwirkt, wie dies früher mehrfach der Fall war. Demnach läßt sich zurzeit nicht übersehen, ob die Annahmen, auf denen der Etat 1914 beruht, durch die Wirklichkeit gerechtfertigt werden. Aus der üblichen Uebersicht über das vergangene, das laufende und das kommende Rechnungsjahr verdient hervorgehoben zu werden, daß im lausenden Rechnungsjahr mit einem Aufkommen aus den Zöllen, Steuern und Gebühren in Höhe des Etatsansatzes gerechnet werden kann, wenn die Zölle nicht einen Strich durch die Rechnung machen, und ferner, daß in den letzten Jahren der außerordentliche Etat fortlaufend entlastet, die Effektivanleihe fortlausend vermindert und der Zeitpunkt, wo eine effektive Schuldentilgung einsetzen kann, mit dem Herankommen der Tilgungssummen an die Zugänge aus dem außerordentlichen Etat näher gerückt ist. Die Effektivanleihe von 1914 beträgt nur noch 17 Millionen, sie betrüge nur 7 Millionen, wenn der Münzgewinn abgesetzt worden wäre. Die Begebung neuer Anleihen wird sich nicht vermeiden lassen, denn es harren rund 300 Millionen offene Kredite der Realisierung. Aber die Finanzverwaltung wird so schonend wie möglich vorgehen und erst dann, wenn die Entspannung des Geldmarktes weitere Fortschritte gemackt hat, mit Anleihen herauskommen. Der Schatzsekretär kam weiter auf die spätere Deckung der neuen Wehrausgaben bis 1917 zu sprechen. Man braucht deswegen zurzeit keine Besorgnisse zu hegen, denn, wenn jetzt in durchaus unbedenklicher Weise die Ueberschüsse der Rechnungsjahre 1911 und 1912 herangezogen wurden, so werden später Einnahmen im ordentlichen Etat, die im Laufe der nächsten Jahre wegfallen, zur Verfügung sthen; außerdem sind eine Reihe von Ausgaben vorweggenommen. Die Bildung des Goldbestandes hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Der Goldbestand der Reichsbank belief sich im Oktober 1913 auf 1219 Millionen Mark. Es ist dies der höchste überhaupt bisher erreichte Stand: der Bestand belief sich im Oktober 1912 auf 769 Millionen, im Oktsber 1911 auf 809 Millionen, im Oktober 1910 auf 738 Millionen Mark. Somit sehlt es in der Etatsrede des Reichsschatzsekretärs keineswegs an Lichtblicken und erfreulichen Momenten, und es ist durchaus die Möglichkeit gegeben, daß diejenigen, die hinsichtlich der Entwickelung der Reichsfinanzen mit Besorgnis in die Zukunft blicken, angenehm enttäuscht werden. Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß die Entwicklung sich auch reihlich ungünstig gestalten kann; es kommt eben, was die Fundamentierung des Reichshaushalts jetzt und in der nächsten Zukunft angeht, alles darauf an, ob die Einnahme aus dem Wehrbeitrag tatsächlich 1200 bis 1300 Millionen Mark beträgt, und ferner, ob die Verhältnisse auf dem Geschäfts= u. Arbeitsmarkte sich in der Folge leidlich erträglich gestalten werden. Auf diese Eventualitäten in dem denkbar frühesten Stadium sogleich hingewiesen zu haben, ist das Verdienst der in jeder Beziehung sachlichen und völlig ungeschminkten Etatsrede, mit der der Chef der Reichsfinanzverwaltung die demnächst bevorstehenden Etatsverbandlungen eingeleitet hat. Oritter Deutscher Arbeitellungtes. Berlin, 4. Dez. Die Diskussion über das von Stegerwald behandelte Thema der Lebensmittelteuerung wurde zunächst verschoben, und der Kongreß beschäftigte sich weiter mit dem Thema: Die Bedeutung der Koalitionsfreiheit und des Vereinigungsrechts für die Angestellten und Arbeiter. Der Berichterstatter Arbeitersekretär und Landtags=Abg. Zu den Uebatten üben die Zaberner Altäre. — Josef Andre(Stuttgart) legte hierzu eine Resolution vor, die entschieden das terroristische Verhalten der freigewerkschaftlichen Organisationen gegenüber nicht sozialdemokratisch organisierten Arbeitern verurteilt, andrerseits jedoch ebenso energisch die Förderung und Protegierung von gelben, direkt oder indirekt in Unternehmerdiensten stehenden Werkvereinen durch Arbeitgeber= oder sonstige Kreise. Positiv fordert die Entschließung: 1. Die Aufhebung des§ 153 der Gewerbeordnung als eines gegen die Arbeiter und Angestellten gerichteten Ausnahme-Gesetzes; 2. den Ausbau des Koalitionsrechts in dem Sinne, daß der rechtmäßige Gebrauch desselben gewährleistet und Vereinbarungen oder Maßnahmen zur Verhinderung des Gebrauches des Koalitionsrechtes, von welcher Seite sie auch kommen mögen, unter Strafe gestellt werden; 3. das Streikpostenstehen ist gegenüber der P lizeiwillkür ols ein im wirtschaftlichen Kampfe erlaubtes Mittel zu erklären; 4. die Sicherung und weitere Ausgestaltung des Tarifvertrages mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern nebst der Errichtung einer Zentralstelle zur Förderung der Tarifverträge und Ausbau derselben zu einem Reichseinigungsamt; 5. das Vereinsrecht der Landarbeiter ist für das ganze Deutsche Reich einheitlich zu gestalten und auszubauen; 6. die Schaffung eines einheitlichen Staatsarbeiterrechtes. Schließlich verlangt die Resolution: Der Kongreß spricht der Reichsregierung und dem Reichslag Dank und Anerkennung aus für die wiederholte Ablehnung scharfmacherischer Bestrebungen, die gegen die organisierte Arbeiterschaft gerichtet sind und gibt der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß auch die neuesten Versuche des vereinigten Unternehmertums, die Koalitionsfreiheit der Angestellten und Arbeiter einzuschränken, aus wirtschafts=, sozial= und staatspolitischen Gründen entschieden Ablehnung erfahren werden. Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter beantragt folgende Zusatzresolution: Da in den letzten Jahren den christlich= nationalen Arbeitern sehr oft das Abhalten von Versammlungen und das Verteilen von Flugblättern durch die in Frage kommenden Behörden unmöglich gemacht wur. de, spricht der 3. deutsche Arbeiterkongreß die Erwartung aus, daß in Zukunft die Bestimmungen des Reichsvereinsgesetzes bezüglich des Versammlungswesens und der Flugblattverteilung loyaler und freiheitlicher gehandhabt werden. In der Diskussion über die von den Antragstellern vertretenen Resolutionen traten auch Redner der kath. Arbeitervereines(Sitz Berlin) auf, die mit der Zitierung der päpstlichen Gewerkschaftsenzyklika lebhaften Widerspruch und Unwillen errecten. Nach einem Schlußwort wurden die Leitsätze des Referenten des Gewerkvereins christlicher Vergarbeiter angenommen. Der 4. und letzte Beratungstag des 3. Deutschen Arbeiterkongresses wurde eingeleitet mit einem Referat des Stadtrats Dr. Bold(Dortmund) über die Wohnungsfrage. Der Referent ging aus von dem Ausspruche des Grafen Posadowsky, daß die Wohnungsfrage die soziale Frage sei, und führte weiter aus: Die Hauptschuld an der Wohnungsnot tragen die hohen Bodenpreise, die den Kleinhausbau für Minderbemittelte ganz unmöglich machen. Diese Verhältnisse müssen geändert werden, zunächst durch eine Verbilligung des Bodens. Die Stadt muß eine großzügige Bodenpolitik treiben durch Hergabe billiger Bangründe entweder im Erbbau oder gegen Rückkaufsrecht. In den Landkreisen müssen diese die Bodenerschließung in die Hand nehmen. Der Korreferent Arbeitersekretär Weyer(M.=Gladbach) nahm im besonderen Stellung zum Wohnungsgesetzentwurf. Die Referenten legen gemeinsam eine Resolution vor, in der es u. a. heißt:„Die im Deutschen Arbeiterkongreß vereinigten Organisationen der christlich=nationalen Arbeiter und Angestellten begrüßen darum jede Maßnahme, die eine Reform des Wohnungswesens herbeizuführen geeignet ist. Den preußischen Wohnungsgesetzentwurf begrüßen sie deshalb, weil er gegenüber den bestehenden Zuständen immerhin wervolle Verbesserungen bringt. Unter Berücksichtigung der mangelhaften, schlechten Wohnungsverhältnisse in fast allen Großstädten und ganz besonders in den aufstrebenden Industrieorten erscheint der Entwurf jedoch keineswegs ausreichend, um eine wirklich durchgreifende und wirksame Abhilfe zu sichern. Der Kongreß erachtet es deshalb als dringend notwendig, daß der vorliegende Entwurf des preußischen Wohnungsgesetzes entsprechend der am 22. Mai 1912 im Reichstage angenommenen Resolution ergänzt wird.“ Eine weitere Resolution liegt vor vom Gewerkverein christlicher Bergarbeiter, wonach 1) bei den Werkswohnungen jede Verquickung des Mietsvertrages mit dem Arbeitsvertrag vermieden werden, und 2) die Knappschaftskassen angehalten werden sollen, größere Summen freizumachen, die sie den Bergarbeiiern als Baudarlehen zum Bau von Arbeiterwohnhäusern zur Verfügung stellen.— Eine 3. Resolution hat der Verband der Heimarbeiterinnen eingebracht. Sie fordert die Errichtung von billigen Kleinwohnungen möglichst mit der Zuführung von elektrischem Strom. Vermischtes. Hat einen guten Schlag. Unter dieser Spitzmarke teilt der in Baltimore erscheinende deutsche Korrespondent folgende Episode mit: Daß die dem Polizeihauptquartier zugeteilte Polizistin Frau Elisabeth Faber, was Mut und Entschlossenheit anlangt, hinter keinem männlichen Mitglied der Polizei zurücksteht, bewies sie gestern abend 5 Uhr, als sie den in der Nord=Frontstraße wohnhaften Louis Meyers wegen Angriffs auf die Frau eines gewissen Glaser in der Ost=Prattstraße, verhaftete. Glaser, auf der Suche nach einem Polizisten, wurde an Frau Faber verwiesen, die gerade in Gyenes Restaurant Nr. 810, OstBaltimore=Str., beim Abendessen sich befand. Kurz entschlossen folgte sie Glaser nach der Nord-Frontstraße, wo sie den besagten Louis Meyers mit ein paar wohlgemeinten Hieben ihres Totschlägers zur Raison brachte, sodann zum Meldeamt an Fayette= und Front=Straße führte und späterhin im Polizeiauto nach der Zentralpolizeistation fahren ließ, wo Meyers wegen tätlichen Angriffs eingelocht wurde. 8 Ein Mißtrauensvotum gegen den Reichskanzler. Berlin, 4. Dez. Am Tische des Bundesrats: v. Bethmann Hollweg, Dr. Delbrück, v. Falkenhayn, Lisco, Dr. Kühn. Das Haus und die Tribünen sind voll besetzt.— Der Gesetzentwurf über die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche wird in driter Lesung und in der Gesamtabstimmung angenommen. Die Besprechung der Interpellationen über die Vorgänge in Zabern wird fortgesetzt. Präsident Dr. Kaempf: Ich habe gestern den Zwischenruf„Unverschämt“, den ich gegenüber dem Kriegsminister vernommen habe, mit einem Ordnungsruf belegt. Aus dem stenographischen Protokoll habe ich ersehen, daß noch mehrere Zwischenrufe gefallen sind. Hätte ich sie gehört, was bei der Unruhe im Hause und bei dem häufigen Gebrauch der Glocke nicht möglich war, dann hätte ich diesen Zwischenrufen die gleiche Rektifizierung zuteil werden lassen, wie dem erwähnten. Dies veranlaßt mich, die Herren zu bitten, solche Zwischenrufe, wie sie gestern vorgekommen sind, die es dem Redner solange unmöglich machen, zu sprechen, in Zukunft nach Möglichkeit zu unterlassen.(Beifall rechts.) Reichskanzler Dr. v. Bethmann=Hollweg: Der Abg. van Calker hat gestern die Frage an mich gerichtet, wie denn nun weiter die Politik in Elsaß=Lothringen geführt werden soll. Ich will darauf sofort antworten und zugleich auf einige Angriffe eingehen, die gestern gegen mich gerichtet worden sind. Man hat mir vorgeworfen, ich hätte von den Zivilbehörden in Elsaß=Lothringen gänzlich geschwiegen. Mir ist es nicht eingefallen, durch mein Schweigen eine Kritik an der Haltung der Zivilbehörden in ElsaßLothringen zu üben. Worum handelte es sich gestern und wahrscheinlich auch heute? Um Angriffe auf die Militärverwaltung, daß ist doch der Kern der Sache, darüber habe ich gesprochen.(Großer Lärm.) Mir ist weiter vorgeworfen worden, daß ich bei meiner Darstellung lediglich auf Militärberichte und nicht auf die Zivilberichte bezogen habe.(Fortgesetzte Unruhe links.) Das ist unrichtig. Ich kenne die Zivilberichte ganz genau. Ich habe ausdrücklich betont, daß über die Frage, ob die zivile Sicherheit versagt hat, ein scharfer Widerspruch der Ansichten zwischen mir und der Zivilverwaltung besteht. Ich habe weiter ausdrücklich hervorgehoben, daß die mangelnde Kooperation zwischen Militär und Zivilbehörde zum größten Teile schuld ist an den unerfreulichen Vorgängen in Zabern, und daß nur der andauernde Kontakt beider wieder zu normalen Zuständen führen kann. Die Aussage der Zivilverwaltung über die Vorgänge vom 28. November beziehen sich im wesentlichsten auf die Ereignisse bei der Räumung des Schloßplatzes und auf die Behandlung der Verhafteten. Ich habe von allen diesen Dingen ganz ausdrücklich gesagt, daß sie im Gesetz keinen Grund finden. Wie kann man denn unparteiischer über derartige Sachen urteilen?(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn ich das gestern ruhig und leidenschaftslos vorgetragen habe, so ist das mit Absicht geschehen, weil die tiefe Beu nruhigung weite Kreise der Bevölkerung erfüllt, die ein Verständnis dafür haben, daß es sich hier um Ruhe und Ordnung handelt. (Lärm links.) Nun hat Herr van Calker aus meiner Rede Zweifel darüber herausgehört, wie meine Stellung zu der künftigen Politik in Elsaß=Lothringen ist. Ich habe mich über meine Stellung in diesem hohen Hause schon oft ausgesprochen und ich bin auch vielen Anfeindungen deshalb ausgesetzt worden. Daß darin kein Zweifel ist, mögen die Herren daraus ersehen, daß auch die traurigen Ereignisse in Zabern mich in meiner Ansicht nicht wankend gemacht haben. Das ist nicht der Fall. Sie haben mich gezwungen, über meine Stellung in der Politik gegenüber Elsaß=Lothringen zu sprechen. Ich will mit einigen Worten mich noch einmal darüber aussprechen, obwohl ich weiß, daß ich sehr viele Widersprüche erfahren werde. Meine Herren! Ich bin konsequent in meiner Politik. (Lebh. Widerspruch links, Heiterkeit.) Wie liegen denn die Dinge? Ich habe mich in voller Uebereinstimmung mit dem Statthalter Grafen v. Wedel dafür eingesetzt, daß die Verfassungszustände, wie wir sie jetzt dort haben, eingeführt werden. Ich habe das nicht getan aus Verlegenheit oder aus Nachgiebigkeit gegen demokratische Doktrinen. Ich habe diese Politik verfolgt, weil ich überzeugt bin, daß wir dort nicht vorwärts kommen können, wenn wir nicht ganze Arbeit machen, da es schwer hält, aus Südbeutschen neue Preußen zu machen.(Heiterkeit, Unruhe.) Denn ich will eine Politik führen unter Berücksichtigung der Stammeseigenschaften, wie sie sich aus der Geschichte herausgebildet haben. Weil ich so denke, erlaube ich mir, heute diesen Appell an die Bevölkerung zu richten. Sie soll daran mitarbeiten und nicht mit einer übertriebenen Empfindlichkeit sich abseits stellen. Mir ist vorgeworfen worden, gerade dadurch die schlechten Zustände herbeigeführt zu haben. Das höre und lese ich jeden Tag. Wie sind denn die Dinge? Gewiß, es wird manchen Alt=Elsässer, manchen Altdeutschen geben, die beide in Uebereinstimmung ihre besten Kräfte dafür einsetzen, das Reichsland enger mit dem Reich zu verschmelzen, die mit mir viele unerfreuliche Erscheinungen beklagen. Ich leugne diese Erscheinungen gar nicht. Ich warne nur davor, aus einem post hoc ein propter hoc zu machen. Wir haben von der Verfassung leider eine Fülle von unerfreulichen Dingen gehabt, die kein Mensch hat erwarten können. Es war nicht zu erwarten, daß mit der Einführung der Verfassung eine große Verselbständigung des Landes eintrat, eines Landes, das jahrhundertelang unselbständig zwischen 2 Nationen hin= und hergezerrt wurde. Wenn wir vorwärts kommen wollen, müssen wir eine ruhige und feste Hand in der Politik zeigen. Wir müssen Ausdauer und Geduld zeigen. Es ist hier gestern in leidenschaftlichem Tone das Wort gesprochen worden, jetzt sei in ElsaßLothringen alles vernichtet, was in Jahrzehnten geschaffen worden ist. Ich kann mich nicht zum Träger eines solchen Pessimismus machen. In einer ernsten Stunde— und wir stehen in einer ernsten Stunde(lebhafte Zurufe), müssen wir den Blick auf die Zukunft richten. Meine Herren, ich nenne die Stunde nicht ernst, weil etwa meine Stellung hier gefährdet wäre, oder weil die Herren gestern die Mißbilligung gegen mich beantragt haben und nachher beschließen werden. Deshalb nenne ich die Stunde nicht ernst.(Stürm. Zurufe. Glocke des Präsidenten.) Ich nenne die Dinge ernst, weil sich aus der tiefen Erregung die Gefahr aufgetan hat, daß eine Kluft zwischen Armee und Volk geschaffen wird.(Zurufe. Lange andauernde Bewegung. Glocke des Präsidenten.) Weil ich diesen Ernst erkannt habe, habe ich Ihnen gestern ausdrücklich und absichtlich gesagt, daß die erste Aufgabe wäre, eine Harmonie zwischen Militärund Zivilverwaltung herzustellen.(Erneute Zwischenrufe. Abg. Ledebour ruft:„Harmonie mit dem Kriegsminister!") Ich befinde mich in vollem Einvernehmen mit dem Herrn Kriegsminister.(Stürm. Beifall rechts, langandauernder Lärm links. Der Kriegsminister, der inzwischen in dem Saal erschienen ist, verbeugt sich gegen den Reichskanzler. Glocke des Präsidenten. Der Lärm legt sich nur langsam.) Ich habe gestern ausdrücklich und mit Absicht gesagt, die Herstellung dieser Harmonie sei die Hauptaufgabe für die Zukunft, und das ist keine Redensart. Ich wiederhole das heute noch einmal. Und wenn gestern hier auf eine Rebenregierung hingedeutet worden ist, so betone ich, eine solche Rebeuregierung existiert nicht. (Zwischenrufe.) Rein, es existiert eine Hauptregierung, für die ich dem Kaiser verantwortlich bin. Und wenn ich diese Verantwortung nicht mehr tragen zu können glaube, so werden Sie mich nicht mehr an diesem Platze sehen. Alle maßgebenden Instanzen sind darin einig, daß ohne ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten von Militär= und Zivil, wie es leider in Zabern gefehlt hat, nichts gebessert werden kann. Und dieser Gesichtspunkt ist von der obersten Stelle den beteiligten Behörden und Beamten im Anschluß an die Vorgänge in Zabern wiederholt und nachdrücklich ins Gewissen geschrieben worden.(Bewegung und Unruhe. Glocke des Präsidenten.) Es ist selbstverständlich, daß der kommandierende General die Weisung hat, dafür zu sorgen, daß nirgends das Gesetz überschriten wird, und es ist ebenso selbstverständlich und beruht auf dem Willen der allerobersten Stelle, daß Militär= und Zivilverwaltung Hand in Hand gehen bei voller Wahrung der gegenseitigen Kompetenzen unter voller Wahrung von Gesetz und Recht. Was in der Vergangenheit gefehlt worden ist,— ich habe gestern darüber gesprochen— es wird gesühnt werden. Wir können für die Zukunft wiederherstellen, was gefährdet wurde, nur auf der Grundlage von Gesetz und Recht!(Beifall rechts, Zischen links, Glocke des Präsidenten, erneutes Zischen links, das sich allmählich legt.) Nach Schluß der Rede des Reichskanzlers teilt Präs. Kaempf mit, daß auch die Sozialdemokraten einen Antrag eingebracht haben, wonach die Behandlung der Frage durch den Reichskanzler den Anschauungen des Reichstags nicht entspricht. Ueber diesen Antrag und über den Antrag der Volkspartei wird namentlich abgestimmt werden. Der Sprecher der Konservativen. Abg. Rogalla v. Biberstein(Kons.): Auch wir wünschen, daß der Kontakt zwischen den Militär= und Zivilbehörden in Zabern recht bald wiederhergestellt werde. (Lachen b. d. Soz.) Wenn man ruhig, objektiv die Ursache und die Wirkung betrachtet, so findet man, daß sie sich kaum vereinigen lassen. Herr Fehrenbach hat erklärt, der gestrige Tag könnte für Deutschland ein schwarzer werden. Zu meinem lebhaften Bedauern muß ich feststellen, falls das eintreten sollte, dann hat nach meiner Ansicht die Rede des Herrn Fehrenbach wesentlich mit dazu beigetragen.(Beifall rechts, Unruhe im Zentr. und links.) Der Verteidigung des Herrn v. Deimling schließen wir uns gern an. Wir haben ihn noch von 1906 in guter Erinnerung.(Lachen b. d. Soz.) Ich kann namens meiner Freunde erklären, daß wir selbstverständlich mit dem Verhalten des Herrn v. Forstner absolut nicht übereinstimmen: wir verurteilen es genau so wie der Reichskanzler und der Kriegsminister, die dies gestern in voller Objektivität dargelegt haben. Wir müssen uns aber entschieden gegen die Ausführung des Abg. Peirotes über die ostelbische Kultur wenden. In der Zeit vom 28. Oktober bis 6. November sind in der elsässisch=lothringischen Presse Hetzartikel erschienen und diese wurden sogar in den Kästen des „Zaberner Anzeigers“ angeschlagen. Die Militärbehörde hat sofort eine Untersuchung eingeleitet und Berichtigungen erlassen. Als sich nun der Kommandeur des 99. Regiments bei den Straßenanfammlungen an die Polkzei wandte mit der Aufforderung, die Menge zu zerstreuen, da war nur ein Polizist auf der Wache, der erklärte, er sei nicht abkömmlich. (Rufe rechts: Hört! hört!) Am 9. November teilte der Kreisdirektor dem Kommandeur mit, daß abends neue Demonstrationen zu erwarten seien, und ersuchte um Unterstützung des Militärs.(Hört! hört!) Der Kriegsminister hat gestern schon erklärt, wie wertvoll für die Truppe die jungen frischen Offiziere sind. Bismarck hat einmal gesagt: den preußischen Leutnant macht uns niemand nach! Heiterkeit links.) Heute würde er sagen: den deutschen Leutnant macht uns niemand nach!(Zurufe: Den Leutnant v. Forstner auch nicht!) In Zabern sind die Offiziere fortgesetzt verhöhnt worden, ohne daß die Lokalbehörden Ruhe schaffen konnten. Sollte das Militär sich diese niederträchtigen Beschimpfungen gefallen lassen? Das wäre zum Schaden der ganzen Armee gewesen.(Sehr richtig! rechts.) Ob alle Maßnahmen richtig waren, darüber wird die Untersuchung Aufschluß geben. Wären die Lokalbehörden auf dem Posten gewesen, so wäre uns der gestrige Tag erspart geblieben! Wir haben das Vertrauen, daß die Armee für Reinhaltung ihrer Ehre stets und unter allen Umständen eintreten wird. Sie wird das Volk in seiner großen Mehrheit hinter sich haben und auch die besonnenen und anständigen Elemente der elsaßlothringischen Bevölkerung(Beifall rechts). Der Vertreter der Polen. Abg. Dr. von Trampezynski(Pole): Wir stehen in dieser Frage auf dem Standpunkt der Mitleidenden. In Zabern handelt es sich um keinen A usnahmefall, sondern um ein System, um den Grundsatz: Run gerade! Der Fall Zabern ist nicht, wie der Reichskanzler meint, vereinzelt. Die polnischen Soldaten haben fortgesetzt unter Beleidigungen ihres Volkstums durch die Vorgesetzten zu leiden. Der Redner der Reichspartei. Abg. Freiherr von Camp(Reichsp.): Man hätte annehmen müssen, daß die„Wackes“=Frage schon längst erledigt wäre. Das Wort ist ja seit langer Zeit verboten worden. Wir erfahren aber erst im Reichstage davon. Weshalb hat die Militärbehörde nicht schon früher für genügende Bekanntgabe des Verbots gesorgt? Ebenso hätte die Militärverwaltung schnelle Sühne der Verfehlung eintreten lassen können. Wieviel Sorge und Aufregung wäre uns erspart geblieben! Die Zivilbehörde hat das Ersuchen, den Leutnant zu schützen, mit Recht abgelehnt. Das kann keine waltung. Der Reichskanzler hat heute seine gestrigen Ausführungen nur wiederholt und in einigen Punkten unterstrichen. Hätten die Herren von links den Reichskanzler angehört, dann hätten sie ihn gleich richtig verstanden. Das war freilich bet den wüsten Lärmszenen schlecht mög lich. Die Verhafteten durften nicht in den Keller geschleppt werden; man hätte sie wenigstens in einem Mannschaftszimmer unterbringen sollen. Ich gewinne fast den Eindruck, als ob die Zivilverwaltung sich absichtlich nicht in die Sache gemischt habe, um die Militärverwaltung die Suppe allein ausessen zu lassen. Nun ist zur Beruhigung der Bevölkerung eine Proklamation erlassen worden. Warum ist das nicht schon vor drei Wochen geschehen.(Sehr gut!) Die Mehrzahl der elsaß=lothringischen Bevölkerung steht auf dem Boden der Gegenwart, die schlimmsten Feinde einer ruhigen Weiterentwicklung sind aber die Nationalisten. Wir wünschen alle, daß die Reichslande möglichst bald mit Deutschland sich verbunden fühlen mögen. Beifall rechts.) Ein Sozialdemokrat als Redner. Abg. Dr. Weil!(Soz.): Ich begreife es, daß der Kanzler Erläuterungen zu seiner gestrigen Rede für erforderlich hielt, aber die heutigen Erläuterungen waren nutzlos. Außerdem hat er sich heute mit dem Kriegsminister solidarisch erklärt und damit mit der ganzen Auffassung, die gestern solche Entrüstung hervorgerufen hat. Ich weiß nicht, ob der Kanzler heute Eindruck gemacht hat. Was uns gestern geboten wurde, darauf war niemand gefaßt. Wir konnten einen solchen Mangel an Einsicht und Selbstgefühl bei einem leitenden Staatsmann nicht vermuten. Die Harmonie, von der er heute sprach, kann nichts anderes sein als die Abdankung des Reichskanzlers und der elsässischen Zivilverwaltung.(Stürmische Zustimmung links.) Ich stelle fest, daß die gestrige Rede des Kanzlers in vollem Widerspruch zu seiner Erklärung am Beginn der Woche steht. Man wird im Volke vermuten, daß der Kanzler nicht nur zu einer Abdiktation vor der Militärdiktatur, sondern auch vor dem Militärkabinett gelangt ist. Zu der Unterredung in Donaueschingen ist wenigstens bisher der Kanzler nicht zugezogen worden. Ein selbstbewußter Leiter hätte erklären müssen: Das decke ich nicht, diese Politik mache ich nicht mit. Herr von Deimling ist Sieger auf der ganzen Linie geblieben. Der Herr, von dem der Kriegsminister am Ende einer seiner glücklichen Reden(Heiterkeit) sagte, das sei das Beste an ihm, daß er geblieben sei, wie er früher war. Ueber die wirklichen Vorgänge konnte sich ja der Kanzler beim Statthalter und bei der Straßburger Stadtverwaltung erkundigen, wenn er noch das Vertrauen zu diesen Behörden hat. Es kann nicht geduldet werden, daß hier in schnodderigem Ton die Verantwortung abgelehnt wird, in dem Augenblick, wo man sich verantworten soll. (Stürmische Zustimmung bei den Soz.)— Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner wegen Beleidigung des Kriegsministers zur Ordnung.— Dr. Weill fortfahrend: Das frühere Einverständnis zwischen dem Kanzler und dem Grafen Wedel scheint nicht mehr zu bestehen. Die gestrigen Worte des Kriegsministers waren nur eine Beschönigung, keine Verurteilung der Fehler. Der Ton des Kriegsministers ist sehr charakteristisch. Es ist hohe Zeit, daß sich die Bürger des Bürgerrocks und der Bürgerehre bewußt werden und sie höher achten als den Militärrock. Erbitterung ergreift die Bevölkerung, und es gehört ungeheuer viel Geduld für die Altelsässer dazu, diese neueste Reichspolitik zu ertragen. Es ist nicht richtig, daß die Elsässer übertrieben empfindlich sind, sondern das Verhalten des Militärs erinnert uns stark daran, daß in einem eroberten Gebiet die Truppenmacht der Herr sein will Heute haben wir gehört, wie gering der Reichskanzler das ihm drohende Mißtrauensvotum einschätzt. Leider hat ja in Deutschland die Volksvertretung nicht die Macht, über das Geschick eines leitenden Staatsmannes zu entscheiden. Aber immerhin, das Ansehen des Kanzlers ist durch diese Angelegenheit, durch seine gestrige Rede und seinen heutigen mißlungenen Rückzugsversuch derart erschüttert worden, daß das Volk in seiner überwiegenden Mehrheit nach dem heutigen Ta ge wissen wird, wie es die Reichspolitik einzuschätzen hat. Der Reichstag wird zeigen, daß er, wenn nicht alle Macht, so doch genug Macht gegen die Regierung besitzt. Bei der Etatsberatung wird sich hoffentlich zeigen, daß die Regierung gezwungen werden kann, dem Volke Genugtuung zu leisten. Ich hoffe, daß dieselbe Mehrheit, die sich heute zu dem Mißtrauensvotum gegen den Reichskanzler zusammenfinden wird, auch beim Etat ihn ihre Macht fühlen lasse. Heute handelt es sich nicht mehr um die Autorität der Regierung und der Gesetze, heute handelt es sich darum, die Autorität der Volksvertretung und das Ehrgefühl des Volkes zu wahren.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Haas(Volkspartei): Der Reichskanzler und der Kriegsminister haben gestern die Vorgänge in Zabern nur beschönigt. Der Reichskanzler hat sich nicht als Vertreter der Rechte des Volks gezeigt. Als Vertreter dieser Rechte erwies sich aber der Abg. Fehrenbach.(Beifall links und im Zentrum.) Gestern wäre es noch möglich gewesen, für Ruhe zu sorgen. Der Reichskanzler hat diese Pflicht versäumt. Es hatte sich darum gehandelt, vor der Oeffentlichkeit zu bekunden, daß wir ein Rechisstaat sind und kein Militärstaat. Schwere Rechtsverletzungen sind vorgekommen. Garantien, daß sie sich nicht wiederholen, hat man uns nicht gegeben. Der Geist der Kanzlerrede kommt zum Ausdruck in den Worten„Des Kaisers Rock muß unter allen Umständen respektiert werden". Der Träger des Rockes muß aber der Achtung würdig sein, und ebenso wie der Rock des Kaisers muß auch der Rock des Bürgers respektiert werden. Man darf es nicht dulden, daß Offiziere über Recht und Gesetz hinwegschreiten. Wenn ich auch nicht von Hochverrat sprechen will, so liegt doch unzweiselhaft eine Revolte der Offiziere gegen das Gesetz vor. Unsere fundamentalen Rechtsgarantien können durch militärische Instruktionen nicht beseitigt werden. Wie konnten sich die Offiziere in Zabern für einige Tage die Polizeigewalt anmaßen? Man braucht gar keine Kontrakte. Das Militär soll sich in seinen Grenzen halten. Nur einen Vorwurf habe ich gegen die Zivil=Verwaltung in Zabern, daß sie nämlich nicht Humor genug besaß, Militär zu requirieren gegen die mil tirischen Uebergriffe. (Sehr gut! und Heiterkeit links.) Es sind in Zabern Freiheitsberaubungen verübt worden, wie sie unverschäm. ter seit dem Bestehen des Reichs noch nicht vorgekommen find.(Sehr richtig! links.) Wenn Bürger einen Offizier eingesperrt hätten, so wären sie wegen Freiheitsberaubung hart bestraft worden. Es gibt doch so etwas wie eine Klassenjustiz in Deutschland! Die Vorgänge erklären sich doch nur aus einem gewissen Standesbewußtsein. Wir protestieren dagegen, daß die Verfassung ElsaßLothringens schuld sei an den Zaberner Vorgängen. Freilich hätten wir damit solange warten sollen, bis die Konservativen Elsaß=Lothringen für verfassungsfrei erklären. Dann müßten wir aber genau so lange warten, wie die Meclenburger darauf warten müssen. Die Armee besteht nicht aus eigenem Recht, sondern durch den Willen des deutschen Volkes und nur durch seinen Willen. Neben ihr stehen des deutschen Volkes Rechte und Gesetze.(Beifall links.) Abg. Dr. Ricklin(Els.): Die Reden des Reichskanzlers und des Kriegsministers haben der politischen Entwickelung Elsaß=Lothringens sehr geschadet. Der Schaden ist unberechenbar, unsere Hoffnung auf eine gedeihliche Entwicklung zu schander. geworden. Ich habe immer für nationale Versöhnung gearbeitet. Ich weiß nicht, ob das elsaß=lothring Volk uns auf dieser Bahr folgen wird. Der gestrige Tag war schlimmer als eine verlorene Schlacht. Der Standpunkt des Reichskanzlers kann seiner inneren Ueberzeugung nicht entsprechen. Eine Statthalterkrists besteht, vielleicht auch eine Kanzlerkrisis (Beifall.) Wir kämpfen für die freiheitliche Entwicklung des elsaß=lothringischen Volkes und wir haben dabei die Sympathie der ganzen gesitteten Welt für uns. Ein Aktrag auf Schluß der Besprechung wird angenommen. Abg. Herzog(Wirsch. Vgg.) teilt mit, er werde eine Erklärung seiner Partei über ihre Stellungnahme zu Protokol geben. Die Abstimmung über die Mißtrauensanträge. Auf Antrag Gröbers(Ztr.) wird nur eine Abstiminung vorgenommen, da die Anträge zwar nicht im Wortlaut, wohl aber dem Sinne nach gleich sind. Die Anträge werden darauf mit 293 gegen 54 Stimmen der Rechten(Konservative, Reichspartei und ein Teil der Wirtschaftlichen Vereinigung) bei 4 Stimmenthaltungen angenommen(lebh. Beifall im Zentrum und links). Damit sind die Interpellationen über Zabern erledigt. — Freitag, 12 Uhr: Interpellationen über die Arbeitslosigkeit und die Krankenversicherung. Abg. Haase(Soz.): Der Reichstag sollte jetzt, nach diesen Beschlüssen, eigentlich die Verhandlungen aussetzen, bis die Situation geklärt ist. Bei der großen Bedeutung der Frage der Arbeitslosigkeit wollen wir aber auf einen solchen Antrag verzichten. Zur Zabernaffäre. Die Entscheidung fällt in Donaueschingen. Berlin, 4. Dez. Der Reichskanzler begibt sich heute abend zum Vortrage zum Kaiser nach Donau=Eschingen. Der Statthalter von Elsaß=Lothringen Graf Wedel und der kommandierende General des 15. Armeekorps von Deimling sind ebenfalls dorthin befohlen worden, um über die Angelegenheit Zabern beim Kaiser zu berichten. Wie die„Nationalztg.“ hört, wird der Reichskanzler, der selbst schon das Wort von seiner gefährdeten Stellung gebraucht hat, seine Entschließung von dem Urteil des Kaisers abhängig machen, je nachdem die Zivilbehörden oder das Militär recht bekommen sollte. Wird der Statthalter von Elsaß=Lothringen zur Demission genötigt, weil General von Deimling mit seiner Auffassung durchdringt, dann soll auch der Reichskanzler entschlossen sein, seinen Abschied einzureichen. Würde dagegen der General ebenfalls ins Unrecht gesetzt werden, so daß die Zivil= und Militärbehörden in gleichem Maße Tadel verdienen, dann bestehe für den Kanzler nicht die Notwendigkeit des Rücktritts, weil er eine solche Genugtuung für ausreichend erachte. Die Enttänschung der Reichslande. Straßburg, 5. Dez. Die elsaß=lothringische Presse bringt spaltenlange Berichte über die Reichstagsverhandlungen und nimmt auch in einleitenden Kommentaren Stellung zu dem Ergebnis der Verhandlungen. Der Eindruck ist auch in der Presse der einer allgemeinen bitteren Enttäuschung. Man glaubt sich berechtigt zu der Behauptung, daß der Reichskanzler den Satz aufgestellt hat: Gewalt geht vor Recht. Was der Zaberner Oberst zur Verstimmung übrig gelassen, habe der oberste Reichsbeamte und der Kriegsminister vervollständigt. Man wendet sich von der Reichsbehörde ab und setzt seine einzige Hoffnung nur noch auf das Reichsparlament. In Zabern ist die Stimmung über die Reichstagssitzung sehr aufgeregt; die Bevölkerung verhält sich jedoch durchaus ruhig, so das keine Ausschreitungen zu befürchten sind. Man ist besonders aufgeregt über die durchaus falschen Informationen, die der Reichskanzler und der Kriegsminister über die Zaberner Vorgänge erhalten haben. Der Gemeinderat ist deshalb gestern morgen zu einer eiligen Sitzung zusammengetreten und hat an den Reichskanzler, die Straßburger Regierung und an den Reichstag ein Protesttelegramm abgesandt. Eine Kabinettorder des Kaisers. Berlin, 5. Dez. Es wird mitgeteilt, das die Stelle in der Rede des Reichskanzlers über die Anweisung der obersten Stelle sich auf eine Kabinettsorder bezieht, die der Kaiser dieser Tage an den kommandierenden General v. Deimling erlassen hat und die ihm in der entschiedensten Weise aufgibt, sofort den Frieden zwischen Militär= und Zivilbehörden in den Reichslanden herzustellen. Pressestimmen über die gestrigen Reichstagsverhandlungen. T Berlin, ö. Dez. Im„Tag“ führt Hugo Böttger aus: In der guten Absicht, unser Militär in der kritischen Stunde nicht in Stich zu lassen und für unsere Offiziere mit warmem Herzen einzutreten, wagt ein Teil der bürgerlichen Presse die Verteidigung einer Position zu übernehmen, die zu verteidigen weder dem Reichskanzler noch dem Kriegsminister gelungen ist. Hier ist zur Zeit auch die bürgerliche Kritik schlechthin unentbehrlich und namentlich derjenigen Parteien, welche jedes Opfer für die Entwickelung von Armee und Flotte gebracht und sich redlich im Lande für militärische Ideale herumgeschlagen haben.— Der Berliner„LokalAnzeiger“ meint: Die gestrige Rede des Reichskanzlers habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß die ernsten Lehren der Zaberner Vorgänge für unsere Militär= und Zivilverwaltung nicht verloren gehen würden.— Die„Kreuzzeitung" findet es auffallend, daß der Reichskanzler gestern seine Ausführungen über den Zusammenhang der Vorfälle mit seiner Verfassungspolitik an die Konservativen richtete. Falls seine Absicht gewesen sein sollte, etwaigen Angriffen in dieser Richtung zuvorkommen, so sei das eine irrige Voraussetzung gewesen.— In der„Vossischen Zeitung" vird gesagt, der Reichskanzler habe erklärt, wenn er in seiner Politik nicht konsequent bleiben könne, werde man ihn nicht nehr auf seinem Platze sehen. Das war diplomatisch gesprochen und doch gelinde deutlich. Und deshalb ist es nicht ganz sicher, ob er als Reichskanzler zurückehren wird. Deutschland. Das Befinden des Abg. Berlin, 5. Dez. Das Befinden des Abg. Prälaten Prof. Hitze hat sich bedeutend gebessert. Prof. Hitze hat bereits das Bett verlassen und befindet sich auf dem Wege der Besserung. Kleine politische Nachrichten. Berlin, 5. Dez. Die gestrige Versammlung des Verbandes Deutscher Leinen=Industrieller erklärte sich einstimmig für ein Arbeitswilligen=Schutzgesetz und gegen die Arbeitslosenversicherung. Karlsruhe, 5. Dez. Der sozialdemokratische Vizepräsident der 2. Kammer hat sich ins Residenzschloß und in das Palais des Prinzen Max begeben und durch Einzeichnen in die dort aufliegenden Besuchsbücher die Annahme des Vizepräsidiums angezeigt. Die französische Kabinettskrise. Paris, 5. Dez. Die Ministerkrise hat eine vorlaufige Lösung gesunden. Nachdem Präsident Poincare gestern nachmittag abermals mit verschiedenen politischen Persönlichkeiten, u. a. auch mit Caillaux, Rüsprache genommen hat, empsing er abends den Senator Ribot. Poincare bot Ribot als erstem an, das Ministerium zu konstituieren. Ribot weigerte sich anfänglich, indem er auf sein hohes Alter hinwies. Auf wiederholte Aufforderungen Poincares entschloß sich Ribot, K die Aufforderung zur Bildung eines Ministeriums anzunehmen. Das heißt, er ersuchte Poincare, ihm 12 Stunden Bedenkzett zu lasser. Gerichtssaal. Düsseldorf, 5. Dez. Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich vor dem Kriegsgericht der Matrose Wilhelm Lock von der Kaiserlichen Marine zu verantworten. Er hatte am 12. Sept. während eines Urlaubs in einem Lichtspieltheater zu Gelsenkirchen eine beleidigende Redensart gebraucht, als dort Bilder aus den Kaiserfesttagen in Breslau vorgeführt wurden. Das Kriegsgericht nahm nur Beleidigung eines Vorgesetzten an, da Majestätsbeleidigung nur in Betracht komme, falls mit Absicht und Ueberlegung gehandelt werde. Das sei im vorliegenden Falle nicht geschehen. Das Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis. Essen, 5. Dez. Das Kammergericht hat im Prozeß August Thyssen sen. gegen seinen Sohn August in Berlin wegen Uebertragung der Erbrechte aus dem Thyssenschen Familienvertrage von 1885 zuungunsten des Sohnes entschieden. Essen, 5. Dez. Einen Beitrag zur Ausländerkalamität bildete die Schwurgerichtsververhandlung gegen die 2 Kroaten Andreas Perak und Karl Engelke aus Marl. Sie trafen am 23. Juli in einer Wirtschaft in Marl den Arbeiter Milinowik, der seinen Lohn bei sich trug. Nachdem 4 Runden Schnaps getrunken waren, und M. den Heimweg antreten wollte, veranlaßten die Beiden ihn, noch zu bleiben und mit ihnen gemeinschaftlich den Heimweg anzutreten. Als M. den Hof aufsuchte, beschlossen P. und E. den Zechgenossen auf dem Heimweg zu berauben. Alle 3 machten sich dann auf den Weg. Die Begleiter des M. lockten ihn in ein Wäldchen, überfielen ihn und mißhandelten ihn. Als er auf dem Boden lag, trat ihn Perak mit dem Fuß ins Gesicht, Engelke schlug ihm mit einem Stein auf den Kopf, wobei das linke Ohr durchschlagen wurde. Einer der Straßenräuber rief dem Ueberfel enen zu, jetzt werde er totgeschlagen, damit er keine Anzeige erstatten könne. Nachdem die brutalen Menschen ihr Opfer ausgeplün. dert hatten, entfernten sie sich. Milinowick erholte sich, nachdem er 3 Monate im Krankenhause verweilt hatte. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage. Das Urteil lautete gegen Jeden auf 10 Jahre Zuchthaus. Aachen, 5. Dez. Vor dem Schwurgericht hatte sich der Bierbrauereibesitzer Georg Schöllhorn in Richterich wegen Konkursverbrechens zu verantworten. Der Angeklagte hat auch eingeschmuggeltes Saccharin zur Bereitung von Frischbier verwandt. Als dies aufgedeckt wurde, verschwand er nachts über die belgische Grenze unter Mitnahme eines mit zwei Pferden bespannten Fuhrwerks, 5 Säcken Malz, einem Ballen Hopfen und der ganzen Juni=Einnahme. Da er beim Ueberschreiten der Grenze die Pferde nicht verzollt hatte, wurde er verhaftet und in Verviers wegen Schmuggels zu 4 Mon. Gef. und 2000 Frank Geldbuße verurteilt. Am 5. Juli wurde Konkurs über das Vermögen des Angeklagten verhängt. Für die Gläubiger werden aus der Konkursmasse 6—7 Prozent herauskommen; wenn Sch. die Vermögensstücke nicht beiseitegeschafft hätte, würden die Gläubiger 18 Prozent bekommen haben. Der Angeklagte war gestandig; trotzdem erkannten die Geschworenen bezüglich des Konkursverbrechens auf„Nichtschuldig", worauf das Gericht Sch. freisprach. Aachen, 5. Dez. Die Strafkammer verurteilte den 21jährigen, aus Leipzig stammenden Liftjungen Rudolf Wolters, der schon im vorigen Jahr wegen Verleitung zum Eintritt in die franz. Fremdenlegion eine Gefängnisstrafe von 1 Monat verbüßt hat, zu 8 Mon. Gef., weil er abermals einen beschäftigungslosen jungen Mann für die Fremdenlegion anzuwerben versucht hatte. Trier, 5. Dez. Als Hochstapler verübte ein 19jähr. Fürsorgezögling die geriebensten Gaunereien. Er war aus der Erziehungsanstalt Rheindahlen entwichen, legte sich den hochtönenden Namen Fritz von Hambach bei und staffierte sich in Düsseldorf fein aus, bezahlte aber nur mit seinem klingenden Namen. In Köln trat er als angehender Arzt Dr. von Linden auf. In Koblenz wußte er auch die Geschäftsleute zu rupfen, ebenso in Aachen und in verschiedenen Orten bei Trier, da er seine Rolle als Arzt geschickt spielte. Die Strafkammer verurteilte den Burschen mit Rücksicht auf seine Jugend zu 1 Jahre Gefätlgnis. Bochum, 5. Dez. Ein interessanter Polenprozeß wird demnächst das ziesige Gericht beschäftigen. Die Polen Westdeutschlands hatten am 1. Nov. d. J. in Winterswyk in Holland einen Kongreß veranstaltet, auf dem die Lage der Polen in Deutschland erörtert wurde. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft in Bochum Anklagt gegen die Veranstalter dieses Kongresses erhoben. Münster, 5. Dez. Der wegen eines Revolver=Attentats auf einen essener Kassenarzt zu 12 J. Zuchthaus verurteilte Maler Max Albin, der seine Strafe in Münster absitzt, stand gestern vor der Strafkammer unter der Anklage, den Gottesdienst in der Zuchthauskirche dadurch gestört zu haben, daß er demn amtierenden Geislichen einige Worte zugerufen hat, die sich auch auf seine vermeintliche ungerechte Verurteilung bezogen. Auch heute behauptete der Angeklagte, die neue Straftat nur deswegen begangen zu haben, um in einem neuen Prozeß zu seinem Rechte zu kommen. Der Anstaltsarzt bekundete, daß A. an den Grenzen der Zurechnungsfähigkeit stehe, worauf seine Freisprechung erfolgte. 7 Chemnitz, 5. Dez. Mit einem scheußlichen Verbrechen beschäftigte sich gestern das Chemnitzer Jugendgericht. Des Mordes angeklagt war der 16 Jahre alte Arbeiter Karl Seifert, der am 1. Okt. d. J. in der elterlichen Wohnung seine 23jährige Schwester ermordet und sie beraubt hat. Nach dem Morde verbarg er die Leiche in einem Koffer und trieb sich 2 Tage in der Stadt umher, bis er verhaftet wurde. Das Gericht verurteilte ihn zu der höchst zulässigen Strafe von 15 Jahren Gefängnis. Jekaterinodar, 5. Dez. Vor dem Kriegsgericht in Kuban begann gestern der Prozeß gegen die sogenannte kaukasische Steppenteufelbande, die 67 Mitglieder zählt und 79 Menschen ermordet hat. Ihre Opfer wurden meist mit dem Revolver oder durch Schlingen umgebracht. Es sind 652 Zeugen geladen. Westdeutschland. Köln, 5. Dez. Die 2 Mörder der Frau Wißdorf in der Weißbütengasse haben ein volles Geständnis abgelegt, aus dem hervorgeht, daß es sich bei der Tat um einen überlegten Raubmord handelt. Krajewski soll zu Ranquetti gesagt haben, er müsse Geld haben. Um sich solches zu beschaffen, satzte er den Plan, die Frau Wißdorf zu berauben. Er rief sie auf sein Zimmer und sagte ihr:„Groß, wo ist meine Schachtel?" Als die Frau ihm die Schachtel vom Schrank herunterholen wollte, stürzte Ranquetti auf sie zu und hielt ihr den Hals zu, während Krajewski zu einem Revolver griff und den tödlichen Schuß auf die Frau abgab. Damit von dem Ueberfall im Hause nichts gehört werde, hatte Ranquetti eine * Mundharmonika zwischen die Zähne genommen und lustig drauf los gespielt, während die Frau unter seinen Würgerhänden mit dem Tode rang. Spielend haben die Mordgesellen auch das Haus verlassen. Nach ihrer Angabe belief sich der der Frau abgenommene Geldbetrag auf 18—20 Mk. Nur noch 2 Mark wurden im Besitze der Mörder gefunden. Die Obduktion der Leiche hat ergeben, daß der Schuß sofort tödlich gewirkt hat. Koln, 5. Dez. Gestern abend wurde hier in einem Case der Prokurist Wilhelm Huelshoff der Firma Bamberger, Lerot u. Co., Fabrik für sanitäre Anlagen, verhaftet. Huelshoff hat 100000 Mark unterschlagen. Er setzte sich dadurch in den Besitz des Geldes, daß er Schecks ausschrieb und das Geld dann für sich behielt. Der Verhaftete genoß das größte Vertrauen seiner Firma. Er soll stark spekuliert und hierbei auch den größten Teil der Unterschlagung verloren haben. Köln, 5. Dez. Bei der gestrigen Ergänzungswahl der 2. Abteilung der Handelskammer sind Okto Bertuch, Johann Maria Heimann und Louis Lehmann einstimmig wiedergewählt und Jakob Schmitz=Valckenberg, welcher als Ersatz für den auf eine Wiederwahl verzichtenden Konsul Hugo Röder aufgestellt war, neugewählt worden. Saarbrücken, 5. Dez. Der angebliche Mord auf der Völklinger Hütte stellt sich nach den polizeilichen Ermittelungen als eine haltlose Selbstbezichtigung des Hüttenmeisters Post heraus. Dieser ist inzwischen aufgefunden und von der Polizei wegen Sittlichkeitsverbrechen verhaftet worden. Schleiden 5. Dez. Bürgermeister Dr. Schneeweis wurde gestern durch den Kgl. Landrat Dr. Kreuzberg in Vertretung des Regierungspräsidenten von Sandt aus Aachen in sein Amt eingeführt. Eupen, 5. Dez. Der Raubanfall auf die 2. belgischen Briefträger von Montzen erfolgte abends an der deutschen Grenze. Nachdem die Beamten, die 2 Post säcke trugen, den ersten Schmerz überwunden hatten, lief der eine zur Gendarmerie, während der andere den Räubern nachsetzte. Am nächsten Morgen fand ein Landwirt auf einer Wiese bei Moresnet die gestohlenen Säcke; ihr Inhalt, darunter 9400 Franken in Geld und Banknoten, war unversehrt. Die Räuber hatten ihre schwere Beute offenbar abgeworfen, weil sie ihnen an der Flucht hinderlich war. Aachen, 5. Dez. In ihrer gestrigen, 7stündigen Sitzung berieten die Stadtverordneten über die Pläne zur Neugestaliung des Kur= und Badewesens und ihre Ausführung durch eine Aktiengesellschaft. Die Stadtverordneten genehmigten mit 21 gegen 12 Stimmen den grundligenden Vertrag, wonach die Stadt sich mit 4 Millionen Mark beteiligt, und ermächtigten den Oberbür germeister zum Abschluß eines Vertrages mit Gebr. Lis mann(Frankfurt a. M.) und Baus(Wiesbaden) über eine in 3 Monaten zu gründende Aktiengesellschaft mit 1¼ Million Mark Kapital, bestehend aus 1250 Aktien zu 1000 Mark. Ferner wurde der Oberbürgermeister beauftragt, die Pläne für die Neubauten und die Anlagen durch einen auswärtigen namhaften Architekten nachprüfen zu lassen. Odenkirchen, 5. Dez. In das Postamt, in Mülfort sind gestern Nacht Diebe eingebrochen. Sie ha ben im Paketraum sämtliche Pakete erbrochen und die wertvollsten ihres Inhaltes beraubt. Unter den geraubten Paketen befindet sich u. a. auch ein solches mit Seide im Werte von etwa 500 Mark. M.=Gladbach, 5. Dez. Die Streitigkeiten zwischen den Krankenkassen und Aerzten spitzen sich immer mehr zu. Die Hauptversammlung der hiesigen. Krankenkassenvorstände beschloß einstimmig, die Erlaubnis zur Anwendung des§ 370 der Reichsversicherungs=Ordnung nachzusuchen und, falls bis zum 1. Januar keine Einigung erzielt ist, Kassenärztestellen öffentlich auszuschreiben. Elberfeld, 5. Dez. Die Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und Aerzten haben sich hier zer schlagen. Die Ortskrankenkasse hat an sämtliche Aerzte ein Schreihen gerichtet, in dem angefragt wird, ob sie gewillt sind, gegen ein Firum von 10000 Mark oder eine Pauschalsumme von 8,50 Mark für das Jahr und den Kopf der Mitglieder eine Stelle als Kassenarzt vom 1. Januar 1914 zu übernehmen. Barmen, 5. Dez. Der Offizierverein im Landwehrbezirk Barmen, gegründet am 5. Dezember 1838, blickt in diesem Jahre auf sein 75jähriges Bestehen zurück. Nach den bisher angestellten Nachforschungen ist er der älteste Offizierverein im Deutschen Reich. Düsseldorf, 5. Dez. Es ist beschlossene Sache, daß nach den jetzigen Bebauungsplänen die Absicht bestehe, im füdlichen Stadtteile Park= und Gartenanlagen zu schaffen, während die Industrie im Novden der Stadt angesiedelt werden solle. Die Errichtung eines städt. Nordhafens dürfte danach nur noch eine Frage der Zeit sein, und es ist in der Tat notwendig, daß die Stadt Gelände bereit stellt, das sich zur Ansiedlung neuer gewerblicher Anlagen und für die Verlegung von ortsansässigen Industrieanlagen eignet, wenn sie den Nachbarstädten gegenüber nicht ins Hintertreffen geraten will. Moers, 5. Dez. In der Dunkelheit stieß bei Traar ein unbeleuchtetes Motorrad mit einem Lastautomobil zusammen. Der Führer des Motorrades, Gutsbes. Grimrath aus Capellen, wurde sofort getötet. Velbert, 5. Dez. Velbert soll fortan in der Handelskammer zu Lennep durch 2 Mitglieder vertreten werden. Deshalb fand heute eine Ergänzungswahl zur Handelskammer für das zweite Mitglied statt, bei der der Fabrikant Friedr. Lamm gewählt wurde. Recklinghausen, 4. Dez. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung wurde zunächst ein Dring= lichkeitsantrag betreffend Errichtung eines kath. Lehrerseminars dahier angenommen. Di: 1. Klasse soll.. Oftern 1914 errichtet werden. Das alte Gymnasium soll vorläufig als Unterkunftsraum dienen. Weiter erfolgte die Abnahme der Jahresrechnung der Kämmereikasse für 1912, die mit 2 696 996 M. in Einnahme und 2318 444 Mark in Ausgabe abschließt. Für den Stadthasen soll ein Kran von 17½ Meter Ausladung und 5 Tonnen Tragfähigkeit, dessen Kosten sich auf 45 550 Mark stellen, beschafft werden. Lingen, 5. Dez. Gestern vormittag stürzte an der neuen im Bau begriffenen Eisenbahnbrücke über den Dortmund=Ems=Kanal bei Hanevenfähr wahrscheinlich infolge des Sturmes das Gerüst zusammen, worauf sich der eiserne Brückenbau langsam nach vorn neigte und mitten im Kanal bett aufsetzte. Infolgedessen ist die Kanalschiffahrt bis auf weiteres gänzlich gesperrt. Personen kamen nicht um. Oldenburg, 5. Dez. Der neue Bischof von Münster, Dr. Poggenburg, wurde gestern vom Großherzog in Antrittsaudienz empfangen und zur Frühstückstafel geladen. Zur Diözese Münster gehört auch der große oldenburgische Bezirk Vechta. Städtisches Kaiser=Wilhelm=Bad zu Wattenscheid. 1. Dezember 1913 ab ist die Oeffnungszeit der Anstalt für das Winterhalbjahr, also bis 31. März 1914 in der folgenden Weise festgesetzt: I. Brause= und Wannenbäder an Wochentagen von 10 Uhr vorm. bis 6 Uhr abends mit einer Verlängerung bis 8 Uhr am Freitag=, bis 9 Uhr am Samstag=Abend; an Sonn= und gesetzlichen Feiertagen von 10 bis 12 Uhr vormittags. II. Dampfbäder jeden Montag und Mittwoch für Frauen und jeden Dienstag und Donnerstag für Mäuner und zwar während der vorangegebenen Oeffnungszeit. Mittags, von 1 bis 3 Uhr ist die Anstalt regermußig geschlossen. " Die Bäderpreise betragen: 10 Pfg. für ein Brausebad, 30„„„ Wannenbad II. Klasse. 50„„„„ I. 50„„ eine Massage, 1,00 Mk.„ ein Dampfbad, R„ 1,00„„ eine Massage mit Douche. Dutzendkarten entsprechend billiger. Badetücher, Seife und Badezutaten für medizinische Bäder werden billigst berechnet. Die Anstalt ist komfortabel nach den neuesten Erfahrungen eingerichtet und wird hiermit zur allgemeinen Benutzung empfohlen. Der Bürgermeister Wibberding. elnaenes AErr der„Wattenscheider Zeitung“. eschonanaauten in empfehlende Erinnerung zu außergewöhnlich billigen Preisen in Kistchen von 50 Stück von Mk. 1.50 bis 4,00 Mk. Ferner Sprechapparate, Musikplatten(2 seitig) von 80 Pig. an. Auch werden daselbst Ziehharmonikas repariert oder auf Wunsch umgetauscht. B. Järschke Hordstr. 26. 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Bekanntlich ist die Auflage der Wattenscheider Zeitung gerade im laufenden jahre infolge erheblicher Erweiterung des Inhaltes und vollständiger Modernisierung des Betriebes ganz rapide gestiegen, sodaß die Wattenscheider Zeitung besonders wegen des überaus reichhaltigen lokalen Telles den Bewohnern von Stadt und Amt Wattenscheid sowie der angrenzenden Bezirke geradezu unentbehrlich ist. Trotzdem haben wir uns zu der Herausgabe des Weihnachts-Anzeigers entschlossen, um dadurch der Geschäftswelt eine besonders günstige Gelegenheit zu einer umfangreichen, wirkungsvollen Reklame zu bieten. Der Weihnachts-Anzeiger wird in Massen-Auflagen gedruckt und auch an Nicht-Abonnenten in Stadt und Amt Wattenscheid, Gelsenkirchen-Ueckendorf und Umgebung von Haus zu Haus verteilt. Da das Weihnachtsgeschäft schon seinen Anfang genommen hat, beginnen wir bereits jetzt mit der Herausgabe des WeihnachtsAnzeigers; im übrigen sind die Tage an Hand der Lohn- und Abschlagszahlungen auf den hiesigen Zechen festgesetzt, nämlich auf den 6., 10., 13., 17., 20. und 23. Dezember. Trotz der außergewöhnlich großen Verbreitung des Weihnachts-Anzeigers und der hierdurch gebotenen großen Vorteile tritt keine Erhöhung der Insertionspreise ein. Da eine ausgedehnte und systematische Reklame— namentlich bei der hier so sehr wechselnden Bevölkerung— eine unumgängliche Notwendigkeit ist, liegt eine rege Benutzung des Weihnachts-Anzeigers im eigenen Interesse eines jeden Geschäftsmannes. Wir bitten um baldgefällige Erteilung der geschätzten Aufträge, damit eine sorgfältige Erledigung bewirkt werden kann. veuesereinenen 8 9 9 8 8 * * * „„„ 5 Teieton 181, Amt Gelsenkirchen. Keunts Dad Penzer-vorerunung Eisenstarke für den Stautbezirk Wattenscheid Preis: geheftet 50 Pig. 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