Nr. 242. (2. Blatt.) Freitag, den 17. Oktober 1913. 45. Jahrgang. " g e g r ö d e l 1 8 6 8 4„„— Geuers! Au.*.. gegthun to(Monoste Nachrichten.) (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Aeckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, s Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet s inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet S 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Hevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. esssenerneneeen : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Terminzusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Ade.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. S Wetteraussichten. Wetter für Samstag. Angenehmes Herbstwetter, nachts leichter Reif. Aus Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 17. Okt. Waterloo=Höntrop=Leipzig. * Zur Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig veranstaltet, wie wir bereits mehrfach berichteten, die Deutsche Turnerschaft aus allen Teilen des Deutschen Reiches von vaterländisch denkwürdigen Plätzen aus große Eilbotenläufe nach Leipzig. Durch insgesamt 37·835 Läufer soll durch die von Hand zu Hand gehenden Urkunden bezeugt werden, wie ganz Deutschland an dem festlichen Ereignis freudigen Anteil nimmt. Auch aus Oesterreich und Belgien werden Turner ihre Botschaft nach der Feststadt bringen. Ja, selbst die Deutschen Amerikas werden bei dieser Gelegenheit dem Mutterlande ihre Sympathien bezeigen. In Nordamerika wurde ein Eilbotenlauf von Washington über Philadelphia(200 Kilometer), in Südamerika von Santa Maria da Bocca de Monte in Brasilien nach Porto Allegro unternommen(400 Kilometer). Diese amerikanischen Botschaften wurden dann auf einem Ozeandampfer übernommen und von Lehe=Bremerhaven weiter nach ihrem Bestimmungsort befördert. In Brasilien wurden diese Botschaften teils zu Fuß und teils zu Pferde befördert. Fast alle denkwürdigen Plätze in Deutschland werden von den Läufen berührt. Es werden insgesamt 7319,9 Kilometer von 37.835 Läufern durcheilt werden. Der 1. Bezirk des Ruhrturngaues Gelsenkirchen=Wattenscheid und Umgegend war in der vergangenen Nacht an den Läufen von Waterloo und Wesel wie folgt beteiligt: Gruppe 1. Führer P. KühnelCaternberg: Turnverein Horst=Emscher 5 Läufer, Turnverein =Altenessen 6, Turnverein Stoppenberg 6, Turnverein Kray 4. Gruppe 2. Führer Lehrer Blachmann=Gelsenkirchen: Turnverein Katernberg 3 Läufer, Turnverein Ueckendorf 8, Lehrerspielvereinigung Gelsenkirchen 5, Turnklub Gelsenkirchen 5, Turnverein Wattenscheid 13. Die Turner des 1. Bezirks hatten die Strecke Steele=Höntrop= Bochum zu durchlaufen. Heute vormittag 4,45 Uhr mußten sämtliche Läufer zum Ablauf bereit stehen. Zu diesem Zwecke begaben sich die Wattenscheider Turner, 13 an der Zahl, bereits gestern Abend mit dem Zuge 9,05 über Höntrop nach Steele=West, dem Sammelpunkt der Teilnehmer des 1. Bezirks. Pünktlich trafen sie an ihrem Bestimmungsort ein und begaben sich nach einer kurzen Besprechung über die Verhaltungsmaßregeln unter Führung des Bezirksvertreters Oberrealschulturnlehrer Brackhahn=Quisburg, unter dessen Leitung der 1. Bezirk steht, in die Jugendherberge nach Königssteele. Die Turnhalle des Königssteeler Turnvereins war in ein Massenquartier umgewandelt. Inzwischen hatte sich Amtmann Bock von Wülfingen anmelden lassen, welcher dann erschien und die Turner als seine Gäste auf das herzlichste begrüßte. Hierauf legte man sich allgemein zum Schlafe nieder. Wer schon einmal ein Massenquartier mit etwa 50 Teilnehmern bezogen hat, der weiß nur zu gut, in welchem Maße dort der Ruhe gepflegt wird. Vor freudiger Aufregung und vielleicht hauptsächlich durch fortwährende Bemerkungen verschiedener Witzbolde, die bei solcher Gelegenheit ja auch niemals fehlen, dann aber auch, weil der Platz ein wenig beschränkt war, sodaß die Turner kreuz und quer durcheinander lagen und aßen, kam wohl in wenig Augen der feste Schlaf. Trotzdem verging die Zeit nur zu rasch und kaum hatte es 3 Uhr geschlagen, als sich der fürsorgliche Vertreter von seinem Lager erhob und für sämtliche Läufer einen Kaffee kochte. Dann gingen die einzelnen Gruppen unter Leitung ihrer Führer ihren Standorten zu, wobei ein munteres Liedchen angestimmt wurde. Sehr gutes Wetter begünstigte den langen Marsch und pünktlich standen die Turauf der Chaussee Steele=Sevinghausen=Höntrop bis an der Grenze Bochums. In obengenannter Reihenfolge reihten: die einzelnen Vereine sich aneinander, sodaß Wattenscheid die letzte Strecke vor Bochum zu durchlaufen hatte. Von dem hiesigen, bei Koch tagenden Turnverein D. T. nahmen folgende Mitglieder an dem Laufe teil: Der Turnwart Hubert Jerabek, ferner die Mitglieder Gustav Kuhlmann, Franz Schulte, Karl Spielmann, Johann Grzella, Fritz Reiter, Fritz Kroll, Hans Baum, Wilhelm Scheuerl, Hans Tappe, Alwin Schlapper und Fritz Korte. Planmäßig mußte der 1. Bezirk die Urkunde, welche in einem blechernen Köcher wohl versiegelt war, heute Vormittag um 5,57 Uhr von dem Essener Bezirk in Empfang nehmen und um 7,30 Uhr an den Bochumer Bezirk abliefern, aber schon um 6,08 Uhr konnte die Urkunde von letztgenanntem Mitgliede dem Bochumer Turnverein eingehändigt werden, sodaß bereits ein Vorsprung von 22 Minuten erreicht war. Begleitet wurden die Läufe von 2 Automobilen, deren erstes die Ankunft der Urkunde anzeigte und deren 2. die Läufer beaufsichtigte. Dieses war zu diesem Zwecke mit Sanitätspersonal besetzt und mit allen möglichen Hilfsmitteln ausgerüstet. Auch der 1. Vorsitzende des Wattenscheider Turnvereins, Lehrer Gold. der 2. Vorsitzende und Kassierer Vossiek und der Schriftführer des hiesigen Vereins Best hatten es sich nicht nehmen lassen, ihre Mitglieder zu diesem denkwürdigen Ereignis zu begleiten. Nachdem die Urkunde glücklich bis Bochum gelangt war, versammelten sich die Wattenscheider Turner wieder und begaben sich frohen Mutes, in dem Bewußtsein, auch zu dem Gelingen dieses großzügig ausgearbeiteten Beweises echter deutscher Anhänglichkeit an Se. Majestät unserm geliebten Kaiser mitgewirkt zu haben, wieder nach Wattenscheid und konnten ohne Zeitversäumnis ihrer täglichen Beschäftigung wieder nachgehen. Hoffentlich gelingt es der vorzüglichen Leitung, die Urkunde der hiefigen Strecke (Lauf 9) pünktlich am Samstag, den 18. d. Mts., vormittags 8 Uhr als erste Sr. Majestät im Augenblick der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals zu überreichen. Die Namen sämtlicher an diesen Eilbotenläufen beteiligten Turner und Vereine werden auf Urkunden gsammelt und in das Völkerschlachtdenkmal eingemauert. Die Urkunde hat folgenden Weg genommen: Sie begann auf dem Schlachtfelde zu Waterloo, von wo eine Eilbotenkette von 15 deutschen Radfahrern sie über Löwen und Lüttich nach der nächsten deutschen Grenzstadt, Eupen, brachte. Hier wurde das Schriftstück abends 7 Uhr den Eilbotenläufern übergeben. Im schnellsten Laufe ging die Urkunde weiter über Aachen, M.=Gladbach, Krefeld, Duisburg, Essen, Höntrop, Bochum, Witten, Dortmund, Unna, Soest, Lippstadt, Paderborn, Scherfede, Warburg, Kassel, Münden, Göttingen, Heiligenstadt, Roßla, Sangerhausen, Eilsleben, Halle a. S., nach Leipzig. Der Gesamtlauf wird gegen 40 Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Unterwegs münden 7 Nebenläufe in ihn ein, vom Schilldenkmal in Wesel, vom Arndtshaus in Bonn, von Engelskirchen, vom Hermannsdenkmal, von Eschwege vom Brocken und vom Kysfhäuser. Die Urkunde liegt in einem Köcher aus Zinkblech, welcher 32 Zentimeter lang und 3 Zentimeter Durchmesser hat. Der Köcherkasten, in dem alle Köcher der Nebenläufe mit dem des Hauptlaufes vereinigt werden, ist rund und hat seitlich zwei feste Griffe, die mit Sackleinen umhüllt sind. Den Verschluß bildet ein Deckel, der durch ein sicheres Schloß festgehalten wird. Der Trompeter von Säckingen. * Die Gelsenkirchener Stadtverwaltung hat mit den von ihr arrangierten Gastspielen des Essener Stadttheaters und des Düsseldorfer Schauspielhauses unleugbar einen vollen Erfolg zu verzeichnen und so eine ganz annehmbare Lösung der in unserem Bezirke so sehr akuten Theaterfrage herbeigeführt—, ein Fingerzeig für andere Städte, es gegebenenfalls auf dem gleichen Wege zu versuchen. Die Vorstellungen sind nicht nur in künstlerischer Hinsicht durchaus zufriedenstellend, sondern auch, was für den Erfolg besonders ausschlaggebend ist, stets recht zahlreich besucht. Dies bewies wiederum der Opernabend am Mittwoch in der Stadthalle. Das Essener Stadttheater hatte hierfür das bekannte Scheffelsche Werk:„Der Trompeter von Säckingen“ gewählt und hiermit unzweifelhaft eine ganz gute Wahl getroffen. Diese Volksoper, 1853 entstanden und mittlerweile in einer Viertelmillion von Exemplaren verbreitet, hat eine einzigartige Popularität erlangt, wird aber in neuerer Zeit ein wenig von übereifrigen Realisten zurückgedrängt— z. Teil mit Unrecht, denn die Originalität, die prächtige Frische und nicht zuletzt der köstliche Humor lassen sie für immer ein Lieblingswerk unserer Jugend bleiben, wenn auch die Neßlersche Musik nicht jedem zusagen dürfte. Auch am Mittwoch Abend gab sich das gesamte, sehr zahlreich erschienene Publikum ganz dem liebenswürdigen Zauber der mit echter Romantik umwobenen Oper hin, dies um so mehr, als sowohl die Aufführung wie die musikalischen Leistungen durchaus den künstlerischen Anforderungen gerecht wurden. Der ansprechende Baritons des Hauptdarstellers Werner (Hahn)— allerdings wäre hier etwas mehr Lebhaftigkeit am Platze gewesen— der herrliche Sopran der anmutigen Marie von Schönau(Frl. Voß) und den volltönende: Baß des Landsknechts Kouradin(Hoff) und des Freiherrn von Schönau(Scheffel) verbanden sich zu einem harmonischen, wirkungsvollen Ganzen. Auch die Musik unter Kapellmeisters Andrées Leitung und die Regie(Schäffer) waren durchaus auf der Höhe. Diese guten Leistungen wurden vom Publikum denn auch dankbar bewertet und mit reichem Beifall belohnt, der sich ferner auf eine reizende Ballett=Einlage „Mai=Idyll“ erstreckte. Militärkonzert des Gardevereins. * Wie mitgeteilt, ist es dem hiesigen Gardeverein gelungen, die unter Leitung des Obermusikmeisters L. Löser stehende Kapelle des 1. Garde=Ulanen=Regiments zu einem am morgigen Samstag im Vereinslokal H. Voortmann stattfindenden Konzert zu gewinnen. Außerdem wird der bekannte Opernsänger Kraus aus Elberfeld auftreten, sodaß das Programm sehr reichhaltig ist. Es besteht aus folgenden Darbietungen: Ouverture über das Lied: Was ist des Deutschen Vaterland? von Gerstenberg, Fantasie aus der Oper„Hoffmanns Erzählungen“ von Offenbach, Melodien aus der Oper„Rigoletto“ von Verdi, Lied aus dem Freischütz:„Wir winden dir den Jungfernkranz," Ouverrüre zur Oper„Stradella“ von Flotow, Lied:„Ich schieß den Hirsch,“ Traum eines alten Veteranen und Erwachen, Charakterbild von Friedmann, Potpourri, Lied:„Es liegt eine Krone“, Phantasie aus der Oper„Mignon“ von Thomas. Lied:„Die Uhr“ von Löwe. Mit Gott für König und Vaterland! Tongemälde von Reckling, Retraite der Cavallerie und Gebet, bearb. Roßberg. Die Lieder werden von dem Opernsänger vorgetragen. Den Besuchern steht somit ein genußreicher Abend bevor. Aus der gestrigen Schöffensitzung. * Eine polizeiliche Strafverfügung in Höhe von 6 Mk. hatte der Bergmann Friedrich G. von Günnigfeld wegen groben Unfugs erhalten. G. trug richterliche Entscheidung an mit der Begründung, sich nicht schuldig gemacht zu haben. Das Gericht ließ aber die Strafe bestehen.— Angeklagt wegen Hausfriedensbruchs und Widerstand gegen die Staatsgewalt war der Bergm. Johann F. von hier. Der Angeklagte hatte am 27. Mai in einem hiesigen Restaurant mit einem Arbeitskollegen eine kleine Auseinandersetzung wegen einer Runde Bier, wobei F. seinem Kollegen ins Gesicht schlug. Als die Polizei hinzukam, widersetzte sich F. der Verhaftung, sodaß diese gezwungen war, ihn mit Gewalt zur Wache zu führen. F. ging nun gleich hin und bezichtigte die Beamten der Mißhandlung und Körperverletzung, womit er aber in allen Instanzen abgewiesen wurde. F. erhielt wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt eine Geldstrafe von 10 Mk. Die Anklage wegen Hausfriedensbruchs wurde fallen gelassen.— Auf Grund der Regierungspolizei=Verfügung hatte der Händler Gustav F. von Gelsenkirchen wegen Gewerbevergehens eine Geldstrafe von 6 Mk. erhalten. F. legte Berufung ein mit der Begründung, nicht ohne Gewerbeschein hausiert zu haben. Das Gericht ließ die Strafe bestehen, weil von den Zeugen das Gegenteil bewiesen wurde.— Zu einer Geldstrafe von 30 Mk. wurde der wiederholt vorbestrafte Anstreicher Adolf P. von hier wegen Hausfriedensbruchs und Widerstand gegen die Staatsgewalt, dessen Schwager Julius K. wegen versuchter Gefangenenbefreiung zu einer Geldstrafe von 30 Mk verurteilt.— Einen Verweis erhielt der Schüler Friedrich I. von hier wegen Diebstahls von 1,50 Mark.— Angeklagt wegen Diebstahls von 18 Pfund Butter und Käse war der Bäcker B. von Westenfeld. Er hatte im hiesigen Güterschuppen oben erwähnten Diebstahl begangen und die Butter nachträglich für 6 Mk. verkauft. Der Angeklagte schützte Trunkenheit vor und will von der Angelegenheir nichts wissen. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 3 Tagen.— Ein nicht sehr liebenswürdiger Ehegatte scheint der Bergmann Kasimir K. von hier zu sein. Er hatte seine Frau widerholt mit Gegenständen geschlagen und gestoßen. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 5 — 3 Tage Gefängnis erhielt die Dienstmagd Wilhelmine K. von Gelsenkirchen wegen Diebstahls von Wäsche im Werte von 10 Mk.— Der Mißhandlung mittels eines Spazierstockes angeklagt war die Ehefrau Bergmann Auguste O. von Westenfeld. Sie gab die ihr zur Last gelegte Straftat zu, will aber in Notwehr gehandelt haben. Die Angeklagte wurde freigesprochen. 3 Sachen wurden vertagt. Ueberfahren und getötet. * Ein betrübender Unglücksfall ereignete sich gestern abend gegen 6 Uhr auf der Bochumerstraße vor dem Hause des Wirts Rörig. Kinder vergnügten sich damit, auf einem Wagen über das an dieser Stelle sehr abschüssige Trottoir zu fahren. Hierbei muß der Wagen wohl etwas zu nahe an den Bordstein gekommen sein, denn plötzlich schlug der Wagen um und die 5½ jähr. Emma Schmidt, Tochter des Zechenboten Wilhelm Schmidt fiel auf die Straße direkt vor ein Kohlenfuhrwerk eines Bochumer Unternehmers! Das Rad des Fuhrwerks ging dem bedauernswerten Geschöpf über den Kopf und zerquetschte diesen, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Den Kutscher trifft an dem Unglück keine Schuld. Den Eltern des Kindes bringt man die größte Teilnahme entgegen. Flamme empor! * Zur Feier des 18. Oktobes haben die Jugendvereine der Stadt Wattenscheid sich= bekanntlich vereinigt, ein Freudenfeuer anzuzünden, wie dies in den ersten Jahrzehnten nach der Leipziger Schlacht in deutschen Landen allgemein üblich war. Zum letzten Mal fand eine derartige allgemeine Gedenkfeier, der Völkerschlacht am 18. Oktober 1863 der 50. Wiederkehr des denkwürdigen Tages statt. Dann traten die Ereignisse in der vaterländischen Geschichte ein, die von 1864 und 1866 bis 1870=71 zur Einigung des deutschen Reiches und zum Kaiserreich geführt haben, vor deren glorreichen und wunderbaren Entfaltung die früheren Begebenheiten zurücktraten. Die 100jährige Gedächtnisfeier rift nun die deutsche Jugend wieder auf, der Taten der Vorväter und der Hülfe des Allmächtigen dankend zu gedenken. Um 7,30 Uhr treten die Vereine auf dem Kaiserplatz an, ordnen sich zum Zuge und marschieren zum Spielplatz bei der Zeche Centrum. Es ist kein Fackelzug; doch werden einige Fackelträger und ein Musikkorps den Zug begleiten. Draußen ist ein Holzstoß errichtet, der dann angezündet wird. Es wird das Lied angestimmt: Flamme empor! Sodann werden noch andere patriotische Lieder gesungen werden. Eine kurze Ansprache wird gehalten. Und zum Schluß stimmen alle den ambrosianischen Lobgesang an: Großer Gott, wir loben Dich!— Am Samstag und Sonntag abend wird der große Adler vor dem Kriegerdenkmal angezündet. Neues aus Höntrop. * Höntrop, 17. Okt. Einen Unfall erlitt der Händler Sch. von hier. Er geriet unter sein eigenes Fuhrwerk und erlitt eine Verletzung an der Kniescheibe.— Auf einer benachbarten Zeche wurde der Bergmann K. von hier erheblich verletzt. Er mußte dem Krankenhause zugeführt werden. Kundgebung des Kronprinzen in der Welfenfrage. 17. Okt. Die Leipziger Neuesten Nachrichten bringen folgende Meldung: Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, hat der Kronprinz ein Schreiben an den Reichskanzler gerichtet, in welchem er seine Auffassung von der braunschweigischen Thronfolge niederlegt. Es wird darin betont, daß der Prinz Ernst August erst dann in Braunschweig einziehen dürfe, wenn er vorher klipp und klar für sich und seine Nachfolger auf Hannover verzichtet habe. Der Fahneneid sei kein staatsrechtlicher Akt. Diese Veröffentlichung in dem Leipziger Blatt, von dem gesagt wird, daß es dem Kronprinzen nahesteht, erregtnaturgemäß großes Aufsehen. Nach Erkundigungen beruht die Meldung auf Richtigkeit. Der Kronprinz hat tatsächlich in einem Schreiben an den Reichskanzler seine Bedenken gegen die Thronbesteigung des Prinzen Ernst August ohne ausdrücklichn Verzicht auf Hannover geäußert. Der Kanzler hat in seiner Erwiderung dem Kronprinzen eingehend die Gründe, welche die Haltung der Staatsregierung bestimmten, auseinandergesetzt. Preßstimmen zum Kronprinzenbriefe. Zu dem Schreiben des Kronprinzen in der Welfenfrage und der Erklärung der„Norddeutschen Allg. Ztg. liegen u. a. folgende Pressestimmen vor: Die„Post“ schreibt:„Es ist erfreulich, daß der Thronfolger aus seiner Sympathie für die Stellungnahme der nationalen Kreise kein Hehl macht. Dies ist um so lebhafter zu begrüßen, als es nicht das erste Mal ist, daß der künftige Träger der Kaiserkrone sich mit erfrischendem Freimut zu den Anschauungen bekannt hat, von denen die nationalen Vorkämpfer unseres Volkes erfüllt sind. Es sei hier nur an die Marokkokrisis und ihre Erörterung im Landtage erinnert, an jene düsteren Novembertage, als deren einziger Lichtblick das warmherzige Eintreten des Thronfolgers für eine stramme deutsche Auslandspolitik zu verzeichnen war.“— Das„B. T.“ meint aber gerade entgegengesetzt:„Auch denjenigen, die in der Welfenfrage im Grunde auf dem Standpunkte des Kronprinzen stehen, muß vor allem der Umstand, daß das persönliche Eingreifen des Kronprinzen öffentlich bekanntgegeben werden konnte, sehr unerfreulich erscheinen.“— Die„Nationalzeitung“ schreibt:„ Es mag erfreulich wirken, wenn ein so hohes Mitglied des Kaiserhauses genug Objektivität besitzt, um eine Verfassungsfrage über dynastische Interessen zu stellen, ob aber der kaiserliche Vater Friedrich Wilhelms mit einer solchen demonstrativen Kundgebung, wie der Brief an den Reichskanzler sie nun einmal darstellt einverstanden sein wird, ist mehr als fraglich, kündet ja dieses Schreiben beinahe einen Gegensatz zwischen Kaiser und Kronprinz an und gibt auf jeden Fall Zeugnis davon, daß die Meinungen zwischen Vater und Sohn auseinander gehen. Es ist eigentlich recht unnötig, die breite Oeffentlichkeit von derartigen Differenzen, die, mögen sie aus welcher Ursache auch immer hervorgegangen sein, an und für sich doch nur privater Natur bleiben, zu unterrichten. Aus diesem Grunde schon muß der Brief des Kronprinzen als ein Eingriff in die Staatsgeschäfte aufgefaßt werden, der sich durch eine vielleicht sympathisch erscheinende Impulsivität entschuldigen läßt, der aber unbedingt besser ungeschehen geblieben wäre. Der Kronprinz hat bei der ganzen braunschweigischen Angelegenheit nur die Rolle eines Privatmannes. Für den Beschluß der preußischen Regierung und für die Haltung des Bundesrats kann und darf seine Ansicht weder maßgebend noch auch von Einfluß sein.“ Der Kaiser im Rheinland. Bonn, 17. Okt. Der Kaiser machte gestern morgen wieder einen längeren Spaziergang am Rhein. Er begegnete dort einem alten Bekannten aus seiner Bonner Studienzeit, dem Bademeister Wilhelm Busch, der trotz seiner fast 80 Jahre noch immer rüstig ist. Der Kaiser unterhielt sich einige Zeit in freundlicher Weise mit Herrn Busch, der sich gern an die Zeit erinnert, wo er dem Prinzen Wilhelm als Bootssteuermann Dienst tun durfte. Um 12 Uhr empfing der Kaiser den Abt von Maria Laach. Um 1,50 Uhr trat der Kaiser im Kraftwagen den geplanten Ausflug ins Oberberg. Land an. Bonn, 17. Okt. Der Kaiser ist von seinem Ausflug ins Oberbergische Land gestern nachmittag 5.45 Uhr nach Bonn zurückgekehrt. Er ist im Auto über Siegburg, Overath, Wipperfürth, Gummersbach, Waldbröl und Eitorf gefahren, ohne den Wagen zu verlassen. Begleitung des Kaisers befanden sich Prinz und Prinzessin Adolf zu Schaumburg=Lippe, Oberpräsident Frhr. von Rheinbaben und Herren des Gefolges. Für Freitag morgen ist eine Autofahrt über Oberkassel, Heisterbach und Oberpleiß im Siebengebirge; für nachmittags ein Besuch des Kaisers in Maria Laach vorgesehen. Bonn, 17. Okt. Gestern abend war beim Prinzen Adolf zu Schaumburg=Lippe Tafel, an der der Kaiser teilnahm. Deutschland. Berlin, 17. Okt. Das Staatsministerium hat in seiner gestrigen Sitzung in der braunschweigischen Thronfolgefrage wie gestern angekündigt, Beschluß gefaßt. Berlin, 17. Okt. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ warnt jetzt vor den spanischen Schatzschwindlern, die neuerdings wieder einmal in Deutschland besonders lebhafte Tätigkeit, die bekanntlich darauf hinausläuft, denen, die nicht alle werden, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Entwurf des Reichsluftgesetzes. Berlin, 16. Okt. Der Entwurf des Reichsluftgesetzes, der den Verkehr mit Luftfahrzeugen regeln soll, ist fertiggestellt und wird schon in den nächsten Tagen an den Bundesrat gelangen. Es ist aus diesem Grunde nicht ausgeschlossen, daß dieser Gesetzentwurf zu den 1. Vorlagen gehören wird, mit denen sich der Reichstag nach der Wiederaufnahme seiner Arbeit beschäftigen wird. Zur Regelung des Verkehrs mit Luftfahrzeugen wird der Entwurf eine Reihe verkehrspolizeilicher und gewerbepolizeilicher Vorschriften in Vorschlag bringen. Außerdem ist aber auch die Regelung der Haftpflicht in den Gesetzentwurf einbezogen. Keine Herbsttagung des Landtages. Berlin, 17. Okt. Entgegen ander slautenden Meldungen haben Berliner Blätter an zuständiger Stelle erfahren, daß sich das Staatsministerium vorläufig noch nicht mit der Einberufung des Landtages befaßt hat und auch nicht einmal die Wahrscheinlichkeit einer Einberufung vor Weihnachten vorliegt. Telefunkenverbindung nach unsern Kolonien. Berlin, 17. Okt. Das Reichspostamt hat bestimmt, daß der funkentelegraphische Verkehr zwischen Deutschland und den Afrikanischen Kolonien vont der Funkenstation Nauen aus am 15. Mai 1914 eröffnet wird. Auf der Station Nauen wird Tag und Nacht gearbeitet, um die nötigen Einrichtungen hierfür instandzusetzen. Behufs Sicherstellung des Verkehrs für alle Fälle wird außer den 5 Türmen von je 120 Meter Höhe ein Riesenturm von 250 Meter Höhe gebaut, der wöchentlich um 20 Meter wächst. Ebenso kommt eine Riesen=Arco=Hochfrequenzmaschine zur Verwendung, die mit mehr als 15 Kilowatt Hochfrequenzleistung die größten bisher gebauten drahtlosen Sender und Hochfrequenzmaschinen übertrifft. Entsendung eines deutschen Kriegsschiffer nach Mexiko. Berlin, 17. Okt. Der Kreuzer„Hertha“, der in den nordamerikanischen Gewässern weilt, hat den Befehl erhalten, zum Schutze der deutschen Interessen in Mexiko nach Veracruz zu gehen. Sie wird später durch den kleinen Kreuzer Bremen“, den Stationär in den amerikanischen Gewässern, abgelöst werden. Die„Hertha“ ist am 13. d. M. von Halifax in See gegangen. Dem Gedächtnis der Völkerschlacht. Leipzig, 17. Okt. Gestern vormittag um 11 Uhr erfolgte in Anwesenheit des Großfürsten Kyrill in der russischen Kirche die feierliche Beisetzung der sterblichen Ueberreste dreier in der Schlacht bei Leipzig gefallenen russischer Offiziere sowie mehrerer unbekannter russischer Krieger. Die Feier begann mit einer Seelenmesse in der Halle des Johannesfriedhofes, auf dem die Leichen 1813 beigesetzt waren und bis jetzt ruhten. Sodann wurden die Särge auf Lafetten von Feldgeschützen in feierlichem Zuge unter dem Geleit von vier Kompagnien Infanterie und zwei Eskadrons Ulanen und einer Batterie des 77. Feldartillerieregiments nach der russischen Kirche übergeführt. Die Lafetten mit den Särgen wurden bis an den Eingang des Grabraumes gefahren und sodann wurden die Särge von Offizieren der russischen Armee nach dem Grabraum getragen. Es folgte die Trauerfeier. Nach Beendigung derselben betrat der Großfürst mit Gefolge den Grabraum und wohnte der Beisetzung der Särge in der Gruft bei. Er legte an den Särgen einen Kranz des Zaren und einen von ihm selbst gestifteten Kranz nieder. ferner hat die Stadt Leipzig einen Kranz niederlegen lassen. Lährend der Feier gaben Infanterie und Artillerie drei Ehrensalven ab. Die bayerische Königsfrage. München, 17. Okt. Die einzelnen Fraktionen haben gestern bis in die Nacht hinein Sitzungen abgehalten. Aus der Zentrumssitzung ist als besonders wichtig hervorzuheben, daß Dr. Pichler eine ausführliche Rede hielt, die darin gipfelte, daß eine Erledigung der Königsfrage nunmehr stattfinden müsse. Die liberalen Fraktionen sollen dahin schlüssig geworden sein, an der Sache mitzuarbeiten, aber von sich aus die Initiative nicht zu ergreifen. Notstandsarbeiten. München, 17. Okt. In den Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten wurde zur Behebung der Arbeitslosigkeit die Ausführung von Notstandsarbeiten erwogen. Bauten, die im Etat für Straßen=, Brücken= und Wasserbauten angefordert sind, sollen als dringlich behandelt und vorweg genehmigt werden. Bei dieser Gelegenheit kam auch die Dringlichkeit eines Straßengesetzes zur Sprache. Alle Abgeordneten waren einig über seine Notwendigkeit, verhehlten sich aber auch nicht die finanziellen Schwierigkeiten. Der Minister des Innern, Freiherr von Soden, versprach, dem Hause demnächst wenigstens eine Denkschrift zur Vorbereitung dieses Gesetzes vorzulegen. Die für Straßenbauten geforderte Summe genehmigte das Haus. Oesterreich. Des österreichischen Thronfolgers Fahrt nach Leipzig. T Wien, 17. Okt. Der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand hat sich gestern abend nach Beneschau begeben. Von dort wird er heute über Prag, wo sich auch das große Gefolge anschließt, nach Leipzig fahren. Belgien. Die strategische Eisenbahn in Velgien. Brüssel, 17. Okt. Die Eisenbahnlinie MalmedyStavelot soll, wie das belgische Eisenbahnministerium mitteilt, Anfang Januar dem Betriebe übergeben werden. Diese Strecke wird sett vielen Jahren von den französischen und belgischen Chauvinisten als eine strategische Linie bezeichnet, die angeblich im Falle eines deutsch=französischen Krieges für die Beförderung des deutschen Heeres nach Belgien die größte Bedeutung hat. Frankreich. Delcasse Kriegsminister? Paris, 17. Okt. Es geht das Gerücht, daß Delcasse demnächst als Nachfolger Etiennes zum französischen Kriegsminister ernannt werden solle. Man hält die Nachricht in dem gegenwärtigen, für den Leiter des französischen Kriegsressorts schwierigen Augenblick als durchaus glaubhaft. Die Ernennung Delcasses könne dem gegenwärtigen Kabinett nur zur Festigung dienen. Der Beschluß des Ministerrats. Paris, 17. Okt. Der Ministerrat hat die Beschlüsse des obersten Kriegsrats gebilligt, wonach 3 Korpskommandanten und 2 Brigadegenerale zur Verfügung gestellt werden. Der General Faurie, der in einem offenen Schreiben an den Kriegsminister gegen die Maßregelung protestierte, wird wegen Vergehens gegen die Disziplin vor einen Untersuchungsrat gestellt werden. Oberstleutnant von Winterfeldt erneut operiert. Grisolles 17. Okt. Der Zustand des Oberstleutnants von Winterfeldt machte einen chirrurgischen Eingriff nötig. Heute hat sich das Befinden etwas gebessert. Italien. Pilgerempfang beim Papst. T Rom, 17. Okt. Gestern nachmittag empfing der Papst im Damasushofe 250 Pilger aus Köln. Als der Papst auf der Loggia erschien, wurde er mit der Papsthymne und begeisterten Zurufen begrüßt. Die Kapelle der deutschen Kirche St. Maria del Antma spielte eine neue von Maestro Müller komponierte Papsthymne. Nachdem der Papst den Segen erteilt hatte, wiederholten sich die enthusiast. Kundgebungen. Die Völkerschlachtfeier in Wien. Wien, 17. Okt. Mit großer Feierlichkeit unter Entfaltung eines großartigen militärischen Gepränges und unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung wurde gestern morgen die Gedenkfeier der Schlacht bei Leipzig begangen. Der Aufforderung des Bürgermeisters folgend, hatte die Stadt Festschmuck angelegt; in den Schulen wurden Feierlichkeiten veranstaltet, während die Bevölkerung in dichten Scharen in das Innere der Stadt zog, zu beiden Seiten die Ringstraße, den Schwarzenbergplatz und die umliegenden Straßen besetzend. Auf dem Schwarzenberg=Platz waren am Denkmal des Fürsten und Heerführers Schwarzenberg 2 große Tribünen errichtet, die mit Fahnen, Blumen und Blattpflanzen verziert waren. Hier versammelten sich der Hof, die Generalität, die Bürgermeister mit der Stadtvertretung, zahlreiche Abgeordnete und die Mitglieder der Familien Schwarzenberg und Radetzky. Um 10 Uhr ertönten von der Burg her stürmische Hochrufe. Der Kaiser rm mit Mantel fuhr im offe in Generalsuniforn — eenen Leibwagen im Schritt auf den Festplatz. Dort verließ der Kaiser den Wagen und begrüßte zunächst den Erzherzog Franz Ferdinand und die übrigen Erzherzöge. Hierauf begab sich der Kaiser, während der Schubertbund das Lied„Gebet vor der Schlacht“ anstimmte, zum Denkmal, an dessen Fuß er einen prächtigen Lorbeerkranz niederlegte, dessen Schleifen die Inschrift trugen: dem glorreichen Feldmarschall Karl Fürsten zu Schwarzenberg. Franz Josef I. Eine Salutbatterie gab 20 Schüsse ab, während die Kapelle die Volkshymne spielte. Darauf begrüßte der Kaiser die Schwarzenbergischen und Radetzkyschen Familienmitglieder. Dann nahm er den Vorbeimarsch der Truppen entgegen. Nach dem Vorbeimarsch schritt er die Front des Regiments und der Abordnungen mit den lorbeergeschmückten historischen Feldzeichen, die vor ihm gesenkt wurden, ab. Nach erneuten Klängen der Volkshymne bestieg der Kaiser dann den Wagen zur Rückfahrt nach der Hofburg. T Wien, 17. Okt. Die gestrige Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig fand mit einem militärischen Empfang im Schönbrunner Schloß einen glanzvollen Abschluß. Die Bischofsfeier in Munster. Bischof Poggenburg von Münster. Münster, 16. Okt. Bischof Johannes Poggenburg leistete gestern im Schlosse den Huldigungseid vor dem Oberpräsidenten. Heute folgte im Dom die Konsekration und Inthronisation. Die Weihe vollzog Erzbischof Felix von Hartmann unter Assistenz der Bischöfe Schulte von Paderborn und Voß von Osnabrück. Abends wurde ein Fackelzug dargebracht. — Die Feierlichkeit wurde gestern abend und heute morgen durch das Festgeläute aller kath. Kirchen der Stadt eingeleitet. 8 Uhr versammelten sich im Dom die Spitzen der Militär= und Zivilbehörden, der Oberpräsident Dr. Prinz von Ratibor und Corvey, der kgl. Wahlbevollmächtigte bei der Erwählung Bischof Poggenburgs. Prozessionaliter geleiteten der Ordens= und Weltklerus, die Chargierten der kath. Studentenkorporationen unserer Universität sowie 21 Fahnendeputationen kath. Vereine Münsters die Bischöfe vom bischöflichen Hof zum Dom. Zwischen den Bischöfen Dr. Hubertus Voß von Osnabrück und Dr. Karl Joseph Schulte von Paderborn schritt der zu weihende Bischof, am Schlusse der Prozession Erzbischof Dr. Felix von Hartmann von Köln als Konsekrator. Beim Einzug in den Dom sang der Domchor das mehrstimmige„Ecce sacerdos". Nachdem die Bischöse vor dem Altare in der Mitte der Kirche und der Klerus auf seinen Plätzen im hohen Chore ein stilles Gebet verrichtet hatten, begann die hl. Weihe. Der als Konsekrator fungierende Herr Erzbischof u. die hochwürdigsten Herren Bischöfe von Osnabrück und Paderborn als Assistenten dieser heiligen Handlung legten die bischöflichen Gewänder an, worauf sich der Erzbischof vor dem Altare niederließ; der zu Weihende, mit dem Chormantel bekleidet und das Birret auf dem Haupte, nahm gegenüber dem Konsekrator Platz. Nun wurde die Apostolische Bulle,„diesen gegenwärtigen Priester zur Würde des bischöflichen Amtes zu erheben", verlesen. Vor dem Konsekrator niederknieend, leistete der erwählte Bischof den Eid der Treue und des Gehorsams gegen die Kirche, den Papst und seinen rechtmäßigen Nachfolger mit den Worten:„So wahr mir Gott helfe und diese heiligen Evangelien Gottes!“ Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Bischofsweihe war die Prüfung in bezug auf den Glauben des Erwählten, die hl. Messe, die bis zum Offertorium vom Konsekrator und Konsekrandus an 2 verschiedenen Altären zelebriert wurde. Nach dem Graduale forderte der Konsekrator zum gemeinsamen Gebet für den zu Weihenden auf und es wurde, während dieser vor dem Altare niedergestreckt lag, die Litanei von allen Heiligen gebetet. Es folgten nun die weiteren Akte des Konsekrationsritus: Das Auflegen des Evangelienbuches, die bischöfliche Handauflegung, die Salbung des Hauptes und der Hände mit dem hl. Chrisam und die Ueberreichung des Hirtenstabes sowie des Ringes und des hl. Evangeliums. Die Feier der hl. Messe wurde mit der Absingung des Evangeliums fortgesetzt. Beim Offertorium opferte der neu konsekrierte Bischof Wachs, Brot und Wein, um auszudrücken, daß er sein ganzes Leben Gott weiht und allen Gläubigen mit dem Lichte eines guten Beispiels voranleuchten will, und zelebrierte von jetzt an bis zum Schluß der hl. Messe gemeinsam mit dem Konsekrator an demselben Altar. Nach Beendigung des hl. Opfers erteilte dann der Konsekrator den Segen, worauf der neue Bischof, mit der bischöfl.Mitra und den pontifikalen Handschuhen bekleidet, vom Konsekrator und dem ältesten assistierenden Bischofe, dem hochw. Herrn Dr. Hubertus Voß von Osnabrück, zu dem auf dem hohen Chor befindlichen bischöflichen Thron geführt wurde, um dort inthronisiert zu werden. Als diese feierliche Handlung vollzogen, stimmte der hochwürdigste Bischof den Ambrosianischen Lobgesang an, der, vom Chor aufgenommen, mächtig durch die weiten Hallen des Gotteshause brauste. Während des Gesanges führten die beiden assistierenden Bischöfe den Neukonsekrierten durch das Mittelschiff der Kirche bis zum Alten Chor hinaus, damit er den Gläubigen zum 1. Male als Nachfolger auf dem Stuhle des hl. Ludgerus seinen oberhirtlichen Segen spende. Zum hohen Chore folgten dem neuen Bischof, der wieder auf dem bischöflichen Thron Platz genommen hatte, das Domkapitel, der Domklerus, die Landdechanten und die Pfarrer, um ihrem Bischof Johannes die Obedienz zu leisten. Sodann erteilte er vom Mittelaltare aus feierlich den pontifikalen Segen, dem sich der 3malige feierliche Gesang des„Ad multos annos“ anschloß. Angetan mit Stab und Mitra, bestieg der hochwürdigste Herr Bischof Poggenburg alsdann die Domkanzel und hielt mit weithin vernehmbarer Stimme die Festpredigt, woraus folgender Schlußabsatz heroorzuheben ist:„So will ich denn heute mein bl. Amt antreten mit dem festen Entschluß, unter Gottes Beistand der Diözese Münster ein guter, wahrhaft katholischer Bischof zu sein; ich will Euch wahre Hirtenliebe und Hirtensorge entgegenbringen. Und Ihr werdet dann, dessen bin ich gewiß, meine Schwachheit mit Euerem Gebet unterstützen. Erhebend und ermutigend ist heute für mich der Gedanke, daß fortan Tausende, angeregt durch ihren frommen Sinn und durch meine dringende Bitte, meiner in Andacht eingedenk sein, ihre Bitten für mich vor den Thron des Allerhöchsten bringen werden. Ich will mein Hirtenamt antreten zugleich im Vertrauen auf die mächtige Fürbitte der lieben Mutter Gottes, des hl. Ludgerus und meines Namenspatrons, des hl. Johannes, und aller Heiligen, die unserer Diözese nahe stehen. Und da ich das Glück habe, in dem Monat konsekriert zu werden, in dem die Himmelskönigin durch den Rosenkranz besonders verehrt wird, so wolle sie, so lange ich lebe, mir erflehen, meinen Pflichten so nachzukommen, daß ich vor Gottes Richterstuhl sagen kann:„Siehe Herr, von allen Seelen, die du mir anvertraut hast, ist keine verloren gegangen durch meine Schuld.“ Gelobt sei Jesus Christus!“ Kniend empfingen die Gläubigen den oberhirtlichen Segen, worauf der Konsekrator und die 3 anderen Bischöse in großer Prozession, wie vor Beginn der Weihehandlung, zum Bischöflichen Palais zurück geleitet wurden. Geschenk und Handschreiben des Papstes an Bischof Poggenburg. dem Bischof wurde gestern ein großes Papstbild überreicht, unter das der Papst eigenhändig folgende Begleitworte geschrieben hat: Dem ehrwürdigen Bruder Johannes Poggenburg, erwählten Bischof von Münster, erflehen wir vom Herrn die Fülle aller Gnaden durch den Empfang der h. Weihe und viel Glück in der Leitung der Diözese und erteilen zum Zeichen unseres ganz besonderen Wohlwollens von Herzen den Apostolischen Segen. Gegeben im Vatikan am 25. August 1913. Pus X., Papst. Gerichtssaal. Köln, 16. Okt. Am 25. Nov. 1912, 7 Uhr abends stieß an der Mülheimer Schiffsbrücke der Personendampfer „Christof Musmacher" und der Frachtdampfer„William Egan“ zusammen. Der Personendampfer, von Mülheim kommend, wollte talwärts fahren, als er bei der Durchfahrt durch die Brücke mit dem entgegenkommenden Frachtdampfer zusammengeprallt war. Dem Musmacher war bei dem heftigen Zusammenstoß die Spitze glatt abgebrochen, der Dampfer sank alsbald und liegt noch heute ungeborgen im Rhein. Von den Fahrgästen ertrank das Ehepaar Langenhövel aus Hitdorf in den Fluten, ein anderer Fahrgast ist seit dem Dampferunglück verschollen geblieben. Die Schuld an dem Unfalle wurde dem Kapitän Georg Schmitt, dem Kapitän des Frachtdampfers, beigemessen, der deshalb auch von der hiesigen Strafkammer am 16. Febr. d. J. wegen fahrlässiger Tötung zu 5 Monaten Gef. verurteilt ist. Seine beim Reichsgericht eingelegte Revision ist als unbegründet verworfen worden. Koblenz, 17. Okt. Der Küster Philipps der hiesigen evang. Gemeinde wurde gestern von der Strafkammer wegen Unterschlagung von 3000 Mark und wegen Fälschung eines Sparkassenbuches zu 15 Mon. Gef. verurteilt. Wie das Urteil ausführte, wurde das Vergehen des Angeklagten durch mangelnde Kontrolle begünstigt; sonst hätte Zuchtbausstrafe eintreten müssen. Aachen, 17. Okt. Vom Schwurgericht sind am 27. Juni der Bergmann Bernhard Puhl und der Klempner Paul Kienbaum aus Alsdorf, die den Bergmann Hähnel auf der Straße überfallen, schwer mißhandelt und beraubt hatten, ersterer zu 6 J. Zuchth., letzterer, der noch unbestraft war, zu 15 Mon. Gef. verurteilt worden. Nachdem das Reichsgericht ihre Revision bereits zurückgewiesen hatte, hat jetzt Puhl die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. M.=Gladbach, 17. Okt. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen die beiden Brüder Heinrich und Wilh. Koux wegen Konkursverbrechens wurde gestern nach 5tägiger Verhandlung zu Ende geführt. Heinrich K. wurde wegen einfachen Bankerotts und wegen Betruges zu 3 J. 6 Mon. Gefängnis verurteilt. Wilhelm K. kam mit 7 Mon. Gef. davon. Essen, 17. Okt.(Straffammer.) Umfangreiche Betrügereien ließ sich 1911 der Kaufmann Boes von hier zu schulden kommen. Er ließ sich von Zigarrenfabriken große Sendungen Zigarren unter der Adresse eines Ziegeleibesitzers Schulte nach Osterfeld bahnlagernd kommen. Dann fälschte er die Unterschrift und erhielt die Sendungen verabfolgt. Wegen Beihülfe zu diesen Betrügereien hatte sich gestern der Kaufmann St. zu verantworten und wurde zu 9 Monaten Gef. verurteilt. Boes hat schon eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren erhalten. T Danzig, 17. Okt. Die Strafkammer verurteilte den Frauenarzt Dr. Levy wegen Anerbietung zum Verbrechen gegen den§ 219 des Str.=G.=B. in 2 Fällen einschließlich einer früher gegen ihn in gleichen Fällen erkannten Strafe zu 4 Jahr. 6 Mon. Zuchthaus. Natibor, 17. Okt. Die Gräfin Chlotilde von Strackwitz war von der Strafkammer am 28. März wegen Abgabe einer wissentlich falschen eidesstattlichen Versicherung zu 5 Mon. Ges. verurteilt worden. Das Reichsgericht hat ihre Revision jetzt als unbegründet verworfen. Die Gräfin war um eine Kleinigkeit aus einem Kaufgeschäfte verklagt worden, hatte aber Zahlung des Kaufpreises verweigert, weil nicht sie, sondern ihre Tochter den Kaufgegenstand bestellt habe. Zur Klärung der Sache war dann die Tochter mehrmals als Zeugin geladen worden, war aber nie erschienen und deshalb mit 150 Mk. Geldstrafe bestraft worden. Um diese abzuwenden, hatte die Gräfin eidesstattlich versichert, die Tochter sei am Terminstage krank gewesen und hätte dringend nach Breslau reisen müssen. Diese Versicherung war wissentlich falsch angegeben worden. Westbeutschland. Köln, 16. Okt. In der Christophstraße fand ein Kampf eines Polizeibeamten mit Einbrechern statt, die auf frischer Tat ertappt wurden. Mit vorgehaltenem Revolver suchten die Ueberraschten den Beamten in die Flucht zu schlagen, doch gelang es diesem, den Dieben die Waffe zu entreißen und sie festzunehmen. Im Verlaufe des Kampfes hat der Beamte einige Verletzungen davongetragen. Köln, 17. Oltbr. Die oumpfen Klänge der Glokken kündeten gestern morgen 10 Uhr vom hohen Dom die Trauernachricht, daß Domkapitular Prof. Dr. Joh. Weinand gestorben ist. Er war am 3. April 1841 in Bonn geboren, wurde am 24. August 1864 zum Priester geweiht und war dann u. a. 18 Jahre als Philologe und Religionslehrer in Neuß tätig. Am 17. April ernannte ihn Kardinand Fischer zum Goreralvikariatsrat. Dr. Weinand war ferner Prosynodal=Examinetor und gehörte der Prüfungskommission für die Erteilung der Approbation pro cura animarum an. Die Ernennung seines Nachfolgers erfolgt durch den Erzbischof, da Dr. Weinand im Oktober, also in einem geraden(10.) Monat des Jahres gestorben ist. Köln, 17. Okt. Gestern feierte der Rechnungsrat Paul Pesch, Rendant der Gymnasial= und Stiftungskasse hier das Fest seiner 50jährigen Dienstzeit. Der Jubilar steht im 68. Lebensjahr und erfreut sich einer selten guten Körper= und Geistesfrische.— Auf dem Friesenwall hat sich vorgestern ein in den 20er Jahren stehender Handlungsgehilfe in einem Anfall von Schwermut vergistet. Bonn, 17. Okt. Der Kaiser hat dem Prinzen Adolf zu Schaumburg=Lippe die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Der Prinz hatte am 2. Sept. in Norderney Freifrau Gabriele Speth von Schnelzburg, geb. Freiin von Schlemacher, aus Stuttgart vom Tode des Ertrinkens gerettet. Der Kaiser übergab dem Prinzen gestern persönlich die Auszeichnung bei seiner Ankunft in Bonn. Niederbreisig, 16. Okt. Baron Max v.Geyr zu Ingenraedt bei Straelen ließ hier eine Tiefbehrung ausführen. Gestern abend wurde eine mächtige Thermalquelle in einer Tiefe von 600 Meter erschlossen. Böllerschüsse verkündeten das freudige Ereignis. Koblenz, 17. Okt. In Bell wurde ein Mann mit seinem mit 2 Pferden bespannten Wagen in einer Sandgrube durch rutschende Erdmassen verschüttet. Der Mann und ein Pferd sind tot. Koblenz, 17. Okt. Die kommandierenden Generäle der deutschen Armee werden auf Befehl des Kaisers an der Einweihungsfeier des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig teilnehmen. Der kommandierende General des 8. Armeekorps v. Tuelff hat sich gestern zu diesemZwecke nach Leipzig begeben. Boppard, 17. Okt. Die Stadtverordneten übertrugen dem Mainwerk in Frankfurt a. M. die Erbauung einer elektrischen Licht= und Kraftzentrale. Aachen, 17. Okt. Zu Ehren des hochw. Erzbischofs von Cöln, Dr. Felix von Hartmann, wird die Stadt am Montag, 20. Oktober, abends 7 Uhr, ein Festmahl in dem Kurhause an der Comphausbadstraße veranstalten, zu welchem der Herr Erzbischof seine Teilnahme zugesagt hat. Aachen, 17. Okt. Der hiesige Arbeiterverein hat beschlossen, zu den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen in der 3. Abteilung eigene Kandidaten aufzustellen. Aachen, 17. Okt. Wie verlautet, beabsichtigt man die Errichtung eines Atriums für das Münster am Domhof (vor der Wolfstüre, westliche Seite), das bis zur alten Taufkapelle auf dem Fischmarkt reichen und sich dem vielgestaltigen Kolossalbau des Münsters harmonisch angliedern soll. Um dies möglichst vollkommen zu erreichen, soll ein KonkurrenzAusschreiben hierfür erlassen werden. Aachen, 17. Okt. Der 1100jährige Todestag Karls des Großen, 28. Januar 1914, soll besonders festlich begangen werden. Ein für diesen Zweck gebildeter Ausschuß hat nachstehendes Programm für den Tag aufgestellt: Nach einem feierlichen Pontifikalamt in der Münsterkirche Festzug der Vereine und Bürger vom Rathaus zur Kirche, nach dem Gottesdienst auf anderm, längerm Wege Zug zum Rathaus, Huldigung vor dem Standbilde Karls des Großen auf dem Markt und Festakt im Kaisersaale des Rathauses; abends im großen Saale des Kurhauses Vorführung lebender Bilder. Außerdem soll aus demselben Anlaß im Sommer ein großer Festzug stattfinden. Aachen, 17. Okt. In der Mariahilfstraße stürzte ein Hauptlehrer beim Birnenpflücken in seinem Garten so unglücklich vom Baume, daß er an den erlittenen Verletzungen alsbald starb. M.=Gladbach, 17. Olt. Die Stadtverordneten genehmigten für das im nächsten Jahre hier stattfindende Rheinische Bundesschießen die Erweiterung des Schießstandes. Wipperfürth, 17. Okt. Die Stadtverordneten haben die von der Regierung in Köln wiederholt angeregte Aufhebung des hiesigen Herbstjahrmarktes einmütig abgelehnt, weil dadurch viele Geschäftsleute erheblich geschädigt würden. Mit der Einrichtung eines vollständigen Viehmarktes in Wipperfürth erklärte die Versammlung sich einverstanden. Solingen, 17. Okt. Die Stadtverordneten haben zur Deckung der Kosten einer nationalen Gedenkfeier der Schlacht bei Leipzig am 18. Okt. 500 Mk. und zur Beschaffung einer Fel' Herisirsähr die obern Jahrgänge der Volkschulen 300 Solingen, 17. Okt. Die Vertreter der Ortskrankenkassen haben einstimmig die Forderungen der Aerzte abgelehnt. Die Kassenvorstände rechneten aus, daß ihr Angebot eine Erhöhung des Honorars um 21 Proz. bedeute, wogegen die Aerzte eine Erhöhung um 42 Proz. forderten. Düsseldorf, 17. Okt. Auf Grund längerer Verhandlungen, die unter dem Vorsitz des Geschäftsführers der Handelskammer, Dr. Brandt, stattfanden, ist zwischen dem Aerzteverein und den Krankenkassen Düsseldorfs über einen Vertrag eine Einigung erzielt, so daß der endgültige Vertrag in der nächsten Zeit geschlossen werden wird. Düsseldorf, 17. Okt. Die Polizeibehörde hat neuerdings infolge der vielen Klagen des Publikums und des Rheinisch=Westfälischen Automobilklubs eine schärfere Handhabung der fuhrpolizeilichen Bestimmungen angeordnet. Die Kraftwagen= und Radfahrerinstitute sowie die Fuhrwerksbesitzer wurden dementsprechend benachrichtigt und auch den im Straßendienste tätigen Organen der Polizeiverwaltung die nötigen Anweisungen gegeben. An bestimmten Verkehrsstellen werden fortan besondere Posten aufgestellt mit der Bestimmung, die Fahrgeschwindigkeit genau zu überwachen. Beachtenswert ist eine Bestimmung, wonach bei besonderen Gelegenheiten die Fuhrwerke an den Haupthaltestellen der Straßenbahnen so lange halten müssen, bis das Ein= und Aussteigen der Fahrgäste beendet ist. Hamborn, 17. Okt. Wie gemeldet, waren 4 Hamborner Bergleute auf dem verunglückten„Volturno", um nachWinkfield(Nordamerika) auszuwandern. Einer, der Bergmann Denbel, ist nunmehr an Bord der„Carmania“ in Rotterdam eingetroffen und seine Rettung seiner hier wohnenden Frau mitgeteilt. Von den übrigen liegt noch keine Nachricht vor. Duisburg, 17. Okt. Gestern weilte hier eine Kommission des Ministeriums um unter Führung des Ministerialdirektors Peters den Mündungslauf des seiner Vollendung entgegengehenden Rhein=Herne=Kanals zu besichtigen. Weiter wurde mit Vertretern der Stadt und der Hafen=Verwaltung über das Schiffahrts=Monopol verhandelt. Essen, 17. Okt. Gestern Nachmittag versammelten sich 7000 Schüler und Schülerinnen der Volksschulen auf dem Sportplatz in Bredeney zu einer Gedenkseier der Völkerschlacht bei Leipzig. Turnerische und gesangliche Darbietungen verschönten die Feier. Schulrat Timm gedachte in einer Ansprache der ruhmreichen Tage u. schloß mit einem Hoch auf das starke Deutschland. Bochum, 17. Okt. Das schauderhafte Mordverbrechen, das gestern früh der Bergmann Christian Kunkel an seiner Frau und an seinem Kinde verübt hat, bildet fortgesetzt das Tagesgespräch. Aufgeregte Gruppen umstehen das Haus in der Konstantin=Kolonie, in dessen 3 Stockwerk die Tat geschehen ist. Schon Vormittag erschien eine Gerichtskommission. Die Leichen der Ermordeten wurden halbentkleidet in dem blutbesudelten Bett gesunden. Die Stunde der Tat war noch nicht genau festzustellen. Auch über die Ausführung ist man noch nicht im Klaren. An der Leiche der Frau Kunkel fanden sich ein Stich in die linke Seite, ein Schnitt am Halse und eine erhebliche Zertrümmerung der rechten Schädelseite; das Kind ist offenbar durch Schläge auf den Kopf getötet worden. Kunkel hat bei seiner Vernehmung zunächst angegeben, er habe auch den Schlag auf den Kopf mit dem Messer ausgeführt. Das ist aber nicht glaubhaft. Gegen 11 Uhr wurde der Doppelmörder im Polizeiwagen vom Krankenhause zu seiner Wohnung gebracht, um den Leichen gegenübergestellt zu werden. Er ist ein schmächtiger, unscheinbarer Mensch von etwa 30 Jahren. Der Mörder stammt aus Saarbrücken, war zuletzt in Gelsenkirchen tätig und hatte seit einiger Zeit Beschäftigung auf Zeche Konstantin bekommen. Dortmund, 17. Okt. Auf dem Wege von Mengede nach Schwieringhausen fiel ein bisher unbekannter Mann eine Hebamme an, die er vorgeblich zu seiner Frau gerufen hatte.„„ Meinerzyagen, 17. Okt. Wegen Verdachts an dem Riesenbrand durch Brandstiftung beteiligt gewesen zu sein, wurden hier 4 Personen verhaftet, darunter der Bürger Harmann, der bei dem Brande abstürzte und in schwerverletztem Zustand dem Krankenhaus zugeführt wurde. Weitere Verhaftungen sollen bevorstehen. Münster, 17. Okt. Mit Eröffnung des neuen Semesters erfolgte gestern in der Aula der Wilhelmsuniversität die feierliche Uebergabe des Rektorats seitens des Prof. Dr. Krückmann an Prof. Dr. Spannagel.. Der neue Rektor Prof. Dr. Spannagel sprach darauf über die Entwicklung der nationalen Staatsidee im 19. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse des Deutschen Reiches. Bingen, 17. Okt. Gestern fand die feierliche Einweihung der Baugewerk= und Gewerbeschule dahier statt. T Frankfurt=Main, 17. Okt. Die 85jährige Landgerichtspräsidenten=Witwe Frau von Stein unternahm mit dem Zeppelinluftschiff Viktoria Luise von hier aus eine Passagier= fahrt. Die Dame erhielt vom Grafen Zeppelin ein herzliches Telegramm, in dem er sie als die älteste Passagierin eines seiner Luftschiffe freudig begrüßt. T Marburg, 17. Okt. Vor 4 Tagen ist hier der Kandidat des höheren Lehramts Dr. Spieß nachts auf der Straße mit einer schweren Stichwunde im Leib aufgefunden worden, an der er kurz darauf verschied. Jetzt hat sich ergeben, daß der Verstorbene bei einer von ihm gegebenen Abschiedsfeter von einem Freund, einem Oberprimaner, infolge einer Neckerei mit einem Dolch einen Stich erhalten hat, der in die Leber drang. Marineluftschiff L. 2 explodiert, samtliche Insassen tot. Soeben, kurz nach Redaktionsschluß trifft die erschütternde Meldung von einer schweren Luftschiffkatastrophe ein, welcher das neue Marineluftschiff L. 2, der Ersatz für das durch den Sturm zerstörte Marineluftschiff L. 1 zum Opfer gefallen ist. Dies ist wohl das folgenschwerste Unglück, welches je die Zeppelinluftschiffe betroffen hat. Es liegt folgende Meldung vor. T Berlin, 17. Okt. Das Marineluftschiff L. 2 ist heute früh 7,15 Uhr kurz nach seinem Aufstieg vom Flugplatz Johannisthal in einer Höhe von 300 Metern explodiert. Sämtliche Insassen sind tot, außer der Besatzung auch die Marine=Abnahme=Kommission mit Korvettenkapitän Behnich an der Spitze. Führer des verunglück ten Luftschiffes war Kapitän Kluth. Die Unfallstelle lieg westlich vom Flugplatz. Die Ursache des Unglücks ist unbekannt. Weitere Meldungen liegen noch nicht vor. Aus aller Welt. Leipzig, 17. Okt. In der vergangenen Nacht wurde in Borna der Gelegenheitsarbeiter Korca bei einem Einbruch in ein Eisenwarengeschäft von 2 Schutzleuten überrascht. Er flüchtete und feuerte auf die ihn verfolgenden Beamten 3 Revolverschüsse ab und tötete dabei den Schutzmann Roscher. Zürich, 17. Okt. In einem Hause in der inneren Stadt, in dem sich neben Geschäftsräumlichkeiten das deutsche Generalkonsulat befindet, wurde in der vergangenen Nacht ein Einbruchsdiebstahl versucht. Die Einbrecher sprengten in den Räumlichkeiten des Konsulats alle Pulte und Schreibtische auf, die Aktenschränke wurden indes anscheinend unberührt gelassen, ebenso gelang es nicht, den Kassenschrank aufzusprengen. Den Dieben fielen nur einige hundert Franken in die Hände. Da niemand in dem Hause wohnt, wird sehr schwer festzustellen sein, wer den Einbruch verübt hat. Paris, 17. Okt. Wie der Excelsior aus Genua meldet, hat sich der portugiesische Generalkonsul d'Aranjo durch einen Revolverschuß in den Kopf getötet. London, 17. Okt. Die Arbeiten zur Rettung der in dem Bergwerk in Cardiff eingeschlossenen Bergleute mußten gestern morgen eingestellt werden. Liebespaar erschossen aufgefunden. Hamburg, 17. Okt. Gestern mittag 12 Uhr wurden im Wandsbecker Gehölz die Leichen eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens mit Schußwunden im Kopf aufgefunden. Der Mann scheint das Mädchen mit dessen Einverständnis erschossen und sich dann selbst getötet zu haben. Telephon Berlin—Basel—Mailand. Zürich, 16. Oktbr. Die Telephonlinie Berlin— Basel—Brig—Mailand, die jetzt fertiggestellt ist, wurde von Professor Breisig=Berlin, Professor Digiono=Italien und der schweizerischen Telegraphendirektion verschiedenen Prüfungen und Messungen unterworfen. Diese gaben befriedigende Resultate, sodaß die ganze Linie in den nächsten Tagen dem Betriebe übergeben werden kann. Synagogen-Gemeinde Wattenscheld. Gottesdienst Freitag, sden 17. Okt., abends 5,30 Uhr. Samstag, den 18. Okt., morgens 9 Uhr, abends 6,20 Uhr. Suche für sofort ein tüchtiges, katholisches Mädchen nicht unter 20 Jahren. Frau Freienstein, Hochstraße 94. Kaihollsches Halbtagsmädchen sofort gesucht. Schulstraße 5 1. Eig. Aus Anlaß des 100 jährigen Gedenktages der Völkerschlacht bei Leipzig sind die Bureaus der hiesigen Stadtverwaltung am 18. d. Mts. nachmittags geschlossen. Wattenscheid, den 16. Okt. 1913. Der Bürgermeister. I. V. Der Beigeordnete: Kampmann. Bekanntmachung. Die Bureauräume des Amtes Wattenscheid und auch der Standesämter Wattenscheid=Land= und Günnigfeld sind am Samstag, den 18. d. Mts. nachmittags wegen der Feier des Tages der hundertjährigen Wiederkehr der Schlacht bei Leipzig geschlossen. Wattenscheid, den 15. Oktober 1913. Der Amtmann: Emisch. Stadttheater Essen. Ein udentiches M2e Au!.. atnbt= LalbibnetenMabalen. Im anschluß an meine Bekanntmachung vom 30. September d. J. weise ich darauf hin, daß in der Gemeinde Höntrop, von der 3. Abteilung . und in der Gemeinde Munscheid, von der 2. Abteilung je ein Hausbesitzer zu wählen ist. Wattenscheid, den 16. Oktober 1913. Der Amtmann. Emisch. nicht über 20 Jahre, nach auswärts per sofort oder 1. Nov. gesucht. Näheres Hochstraße 63. Wegen Erkrankung meiner Frau suche sofort bei Familienanschluß eine tüchtige zuverlässige kath. Stütze die gut bürgerlich kochen, nähen und Kranke pflegen kann. — Daselbst sofort sehr billig zu verkaufen. 2 Nähmaschinen so gut wie neu, 1 gar. echt gold. 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Abends 7½ Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Oper von Viktor E. Neßler. Stadtheater Dortmund. Freitag, 17. Okt., 7½—11 Uhr: Festvorstellung zur Feier der Erinnerung der hundertjährigen Wiederkehr der Tage der Freiheitskriege und des Regierungsjubilaums Sr. Maj. Wilhelm 2.: „Festspruch“ verfaßt von Wilhelm Uhlmann=Bixterheide; hierauf: Colberg. Historisches Schauspiel in 5 Akten von Paul Heyse. Sonnabend, 18. Okt., 7½ bis 10 Uhr: Martha oder der Markt zu Richmond. Rom.= komische Oper von Fr. von Flotow, Text von W. Friedrich. Sonntag, 19. Okt., 3½—5,45 Uhr: So'n Windhund. Lustspiel von Kurt Kraatz und Arthur Hoffmann. 7½—10¼ Uhr: Die Jüdin. Große Oper mit Ballett, Musik von Jaques Francois Halévy. Text von E. Scribe. Deutsch v. Karl Lichtenstein. Hnahe-Piano bidigsscäningc Vongardt. Gelsenkirchen Weststr. 2 # 8 S5. M8 15 5 5 5 E5RS S325 835 8 55— 25 ullenen ibe Pafkonst durch die Alteste und bekannteste Annoacen-Expedition Nassenstein&Vogler A.-#. Köin e. Rh., Hohestr. 133 Pernsprecher 600 weches Aononcen=#cnahme für sämiliche biesige u. auswärtige Zeitungen zu deren Original- Preisen onne jeden Aufschlag u. ohne Gerechnung d. Chiffre.. gebühe. Makulatur in schönen, großen Gairl Basch Nr. 242. (1. Blatt.) Freitag, den 17. Oktober 1913. 45. Jahrgang. (Generol=Angeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, esesssenssenesrssenn georb de 1868(Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Hevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. * Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., I 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termink zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Echal der Regnung. Nesebdur Stthiunen Guduchur gu * Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet ink. Botenlohn monatlich 70 Pfg, vierteljährlich 2.10 Mk, igr, Postgebiet 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar.#ochentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt(Sseitig). Zur Jahrhundertfeier der Leipziger Schlacht. * Hel und der Keagsmahnte Schlachtenkaiser zu vollenden und auf dem B 18. Oktober 1913. Wie heißet der herrliche Ehrentag, Der Deutschlands Ketten für immer brach? Der Deutschlands Sieg und Freiheit gebracht? Der Deutschland stark und einig gemacht?... Die Leipziger Schlacht! Wann zog ein Frühling durch Deutschlands Gau'n, Wie Menschen auf Erden nur selten ihn schau'n? Wo ging in Aehren Held Scharnhorsts Saat? Und wer brachte heim die köstliche Mahd?... Die Leipziger Schlacht Wo strafte der Herr mit zornigem Blick? Wo beugte den Korsen das Weltgeschick? Die später Sedan uns das Reich gebracht?... Die später uns, das Reich gebracht?... Die Leipziger Schlacht! Vor 100 Jahren, da war die Zeit Des Völkerringens in blutigem Streit; 3 Tage währte der schreckliche Kampf, Das Blitzen und Donnern beim Pulverdampf: O Leipziger Schlacht! Jetzt steht bei Leipzig das Riesenmal, Zur Weihe strömet der Völker Zahl; Nach 1000 von Jahren noch tut es kund Den späten Enkeln, dem Erdenrund: Die Leipziger Schlacht! Berlin=Charlottenburg. Dr. Otto Weddigen. In der ganzen Welt gibt es kein mächtigeres, stolzeres Siegeszeichen als das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig; aber es gibt auch in der Kriegsgeschichte aller Zeiten keine gewaltigere, größere Tat, als es das erbitterte Ringen und der blutige Sieg der deutschen Freiheitskämpfer auf den Schlachtfeldern bei Leipzig gewesen ist. Hier handelte es sich bei jedem der beiden Gegner einfach um alles:„Weltherrschaft oder Sturz von der Höhe“, nur diese Möglichkeit gab es für Napoleon— „Freiheit oder Knechtschaft“, so hieß es für die Verbündeten. Kein Punder, daß„Siegen oder Sterben!“ die unerbittliche Losung auf beiden Seiten war, und daß mit fast übermenschlichem Heldenmute um die Palme des Sieges gerungen wurde. Der 18. Oktober ist der glorreiche Tag, an dem die Entscheidung zu Gunsten der Verbündeten siel, und der sieggewohnte Schlachtenkaiser sich zu einem bald in Flucht ausartenden Rückzuge entschließen mußte. Eine Schlacht war geschlagen, die, wie der alte Feldmarschall Blücher an seine Gattin schreiben konnte, die größte ist, die„uf der erde stadt gefunden hat“, ein Sieg war erfochten, wie er glänzender und erfolgreicher nicht gedacht werden konnte. Denn aus der blutigen Saat der„herrlichen Schlacht", wie sie der glühende Vaterlandsfreund Ernst Moritz Arndt genannt hat, erblühte den deutschen Völkern unter den Verbündeten die langersehnte, heißerstrebte Befreiung von dem verhaßten Joche der Franzosen. Was nach dem Siege von Leipzig noch kam, so schwere Opfer es auch noch gekostet hat, es waren doch nur die letzten Folgerungen jener befreienden Tat, die das Schicksal des Korsaren bereits besiegelt, Deutschland bereits frei gemacht hatte. Das deutsche Volk war frei! War frei geworden durch die Völkerschlacht bei Leipzig! Die Wiedererlangung der Freiheit aber war die erste Vorbedingung zu dem neuen Erstarken der deutschen Volkskraft, zu dem segensreichen Emporblühen von Handel und Verkehr, Landwirtschaft und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft, wie es die Folgezeit gebracht hat. Nie hätten unter fremdem Joche sich die reichen Gaben und Kräfte des deutschen Volkes so glänzend, so glückverheißend und glückbringend entfalten können! Aber weit mehr noch! Die Erringung der Freiheit durch die Völkerschlacht bei Leipzig war zugleich die notwendige Vorstufe zur Erlangung der deutschen Einheit: ohne 1813 wäre 1870 unmöglich gewesen, der 18. Oktober 1813 bereitete den Boden vor für den 18. Jan. 18711 Unfreie deutsche Stämme hätten niemals den alten Traum des einigen Deutschland verwirklichen können. Zwar dieses Ziel lag 1813 noch so fern, daß es eben nur in unsicherem Sehnen den Helden der Freiheitskämpse vor Augen schwebte. Aber erwacht und also vorhanden war es und entschlummerte nie mehr, sondern wuchs sich aus von frommem Wünschen und unklarem Verlangen zum festen Wollen und leidenschaftlichem Erstreben, bis es in den Ereignissen von 1870 zur mannhasten Tat reifte. Kurz vor der Erfüllung dieses Einheitstraumes der Deutschen(am 5. August 1863) hat Heinrich von Treitschke in seiner prächtigen Rede zur Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht(am letzten Tag des 3. deutschen Turnfestes) auf diesen Zusammenhang hingewiesen und mit markigen Worten alle Deutschen ermahnt, durch zielbewußte Einigkeit der Ruhmestat von 1813 die Krone aufzusetzen.„An uns ist es,“ sprach er mit hinreißender Begeisterung,„das Werk unserer Väter Der Gedanke, auf den Leipziger Schlachtfeldern ein Völkerschlachtdenkmal zu errichten, ist fast so alt, wie die Völkerschlacht selbst. Er wurde zuerst von Ernst Moritz Arndt und anderen Patrioten im Jahre 1813 ausgesprochen, geriet damals wieder in Vergessenheit und ist dann im Laufe der Zeit wiederholt aufgetaucht. Vor jetzt 50 Jahren, bei der Halbjahrhundertfeier der Befreiungsschlacht, kamen 1500 Veteranen der großen Zeit nach Leipzig zu einer Grundsteinlegung, an der über 200 deutsche Städte beteiligt waren. Der Grundstein wurde damals zwar gelegt, doch unterblieb die Ausführung des Denkmals unter dem Druck der geschichtlichen Ereignisse, bis schließlich der Kammerrat Clemens Thieme mit Hülfe des von ihm ins Leben gerufenen deutschen Patriotenbundes die Idee erneut und zwar diesmal erfolgreich, aufnahm. Am 18. Oktober 1898 wurde der erste Spatenstich zu dem heutigen Denkmal getan und im Jahre darauf endgültig der Grundstein gelegt. Die Lösung des schwierigen Problems ist künstlerisch in hervorragender Weise gelungen. Der von Professor Bruno Schmitz=Charlottenburg entworfene und von Professor Franz Metzner=Berlin mit Bildwerken versehene Denkmalsbau spricht eine Formensprache trutzig=deutschester Art und von überzeugender Wucht und Lebendigkeit. Schon durch seine riesigen Maße wirkt das 91 Meter hohe Werk, in dem das Denkmal auf dem Kyffhäuser 16 Mal Platz finden könnte, überwältigend. Ganz besonders lohnend ist ein Besuch des Denkmalsinnern. Hier in der steinernen Kühle und Heiligkeit des hochragenden, kühn entworfenen und prächtig gegliederten Gewölbes zwingt die Gewalt einer mit dem architektonischen Gedanken Hand in Hand gehenden eigenartigen, hehren Bildnerkunst zu stiller Einkehr trachtung. Von der Gesamtmenge des beim Bau zu vollenden und auf dem Boden, den ihr Heldenmut uns neu geschenkt hat, jenes einige Reich zu gründen, das nur als eir blassezz Geigeg, Das Ziel in““. Seele schwebte.“ Freiheirt Eingreit Das Ziel ist erreicht! Deutschland ist frei! Deutschland ist geeint! es da nicht mehr als ein bloßes Recht, sollte es da die heiligste Pflicht der Nachkommen sein, die Erinnerung an den Tag, auf den diese ganze kostbare Errungenschaft zurückgeht, als wertvollstes Volksgut zu feiern und festzuhalten? In der Tat, die Millionen, die das stolze Völkerschlachtdenkmal im Bau erfordert hat, sind nicht verschwendet, denn es war Ehrenpflicht der Enkel, einen würdigen Gedenkbau der großen Taten ihrer Vorfahren erstehen zu lassen. Und die feierliche Einweihung kann gar nicht festlich genug sein, wenn es gilt, den Heldenmut und die Vaterlandsliebe derer zu verherrlichen, die uns Freiheit und Einigkeit erkämpft haben. Unvergessen aber sei ganz besonders an diesem Tage auch die stille Mahnung, die uns aus der Ruhmestat jener Helden entgegenklingt, und die uns Treitschke in seiner Rede wie einen Schwur zur Nacheiferung ans Herz legt: „In unsere Hand ist es gegeben, dem großen Geschlecht, das hier blutete, die Unsterblichkeit zu sichern, wenn wir uns bewahren den tapferen, treuen, vaterländischen Geist der Väter und diesen Geist fortbilden mit der wachsenden Zeit und ihren wachsenden Forderungen!“ Die Bölkerschlacht. Auf den schon so oft blutgetränkten Gefilden um Leipzig sollte sich in einem gewaltigen Kriegsdrama die Katastrophe abspielen und die Entscheidung über das Schicksal Europas fallen. Um Leipzig versammelte der Kaiser Napoleon seine gesamten Streitkräfte, nachdem er vergeblich versucht hatte, die schlesische Armee unter Blücher durch seine Uebermacht zu zerschmettern. Blücher wich diesem Kampfe aus, indem er am 11. Oktober nach Halle marschierte, um dann die Saale aufwärts gegen Leipzig vorzurücken und die Verbindung mit einer böhmischen Hauptarmee unter dem Fürsten Schwarzenberg herzustellen, welche im Süden Leipzigs eingetroffen war. Ein Vorspiel der Schlacht brachte der 14. Oktober, als Murat, der König von Neapel, mit der gesamten Kavallerie einen tollkühnen Vorstoß gegen die böh mische Armee machte, aber bei Liebertwolkwitz durch die ver bündete Reiterei besiegt und zurückgetrieben wurde. An selben Tage aber traf Napoleon in Leipzig ein, und Blücher setzte sich von Schleuditz(nordwestlich von Leipzig) her ir Marsch. Der Tag der Entscheidung brach an, an dem allt — rund 100000 Kubikmeter Beton und 15 000 Kubikmeter Granit im Gewicht von annähernd einer Million Zentner— entfällt ein recht an. sehnlicher Teil auf die Metznerschen Bildwerke. Vergleichsweise sei angeführt, daß die 12 Zinnenfiguren des Denkmals, die mit den als Socke! dienenden Löwenköpfen je 14 Meter hoch sind, allein beinahe hunderttausend Zentner wiegen. Der Fuß einer solchen Riesenfigur hat das ansehnliche Gewicht von 50 Zentnern. Im Innern des Denkmals fesseln den Blick besonders 4 große allegorische Steinbilder, in denen die Tatkraft, die Opferwilligkeit, die Glaubensstärke und die deutsche Volkskraft verkörpert sind. Um einen Begriff zu geben von den riesenhaften Ausmessungen dieser Figuren, genügt die Erwähnung, daß der Oberarm der Opferwilligkeit 1,10 Meter im Durchmesser(!) hat, daß der Mittelfinger ebenfalls 1,10 Meter, der Fuß 2,25 Mtr., und die große Zehe von der Wurzel bis zum Nagelende 60 Zentimeter lang sind. Von wunderbarer Wirkung ist die Krypta des Denkmals, die, wenn die Einweihung vorüber ist, von keines Menschen Fuß mehr betreten werden soll, weil sie gewissermaßen das geheiligte Grabmal der in der Völkerschlacht gefallenen Krieger darstellt. Das weite Rund der Krypta flankieren— an 8 zu Pfeilern von je 5 Meter Höhe ausgebildete Schicksalsmasken angelehnt— 16 Ritter, welche, auf breite Schwerter gestützt, in ernstem Sinnen vor sich hinblicken. Die Kuppel, die das Innere krönt, schmücken parallel übereinander angeordnete Reiterfiguren. Von unten gesehen, erscheinen sie dem Auge in winziger Kleinheit, und doch hat jede dieser Figuren, wenn ich rer recht verstanden habe, eine Höhe von anderthalb Meter. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, daß sich die Kosten des Denkmals auf etwa 6 Millionen Mark belgufen. 98. 2. Armeen, mit Ausnahme der Nordarmee unter dem KronPrinzsg Schweden, teilnahmen; dieser blieb unschlüsig ). Saale(nordwestlich Halle) stehen. Erst am dritten Schlachttage griff auch er in den Kampf ein. Da war aber die Entscheidung schon gefallen. Hönig Friedrich Wilheirn M Napoleon hatte am 15. und 16. Oktober seine Hauptmacht(über 138000 Mann) auf der welligen und vielfach bewaldeten Ebene in dem Abschnitt zwischen Pleiße und Parthe aufgestellt, 8—9 Kilometer südlich von Leipzig. Sein rechter Flügel stand bei Konnewitz an der Pleiße, das Zentrum bei Waschau, der linke Flügel bei Liebertwolkwitz am Kolmberg. Dieser Hauptmasse stand die böhmische Armee Zar Aexander l. von Russland. Barclay de Tolly. Hier hielten sich auch die drei verbündeten Monarchen auf und griffen öfter in den Gang der Ereignisse ein; namentlich geschah dies seitens des Kaisers Alexander von Rußland. In dem sumpfigen Abschnitt, zwischen Pleiße und Elster, stand dem Korps des österreichischen Generals Grafen Merveldt das polnische Armeekorps des Fürsten Poniatowski gegenüber, bei Lindenau, an der Straße nach Weißenfels, hatte der österreichische General Gyulai den Marschall BerKaiser franz von Oesterreich. König Friedrichl. v. Sachsen. trand gegenüber, der die einzige Rückzugsstraße nach Westen decken sollte. Im vierten Abschnitt, zwischen Elster und Parthe, nördlich Leipzigs, bei Möckern, an der Straße nach Halle stand das Korps des Marschalls Marmont, der dem Angriff des schlesischen Heeres entgegentreten sollte. Die Lücke zwischen diesem und der böhmischen Armee im Osten sollte die Nordarmee des Kronprinzen Bernadotte ausfüllen, doch diese blieb, wie schon gesagt, aus. Napoleoni. Gegen 9 Uhr Morgens begann der Angriff der böhmischen Armee gegen die Hauptstellung Rapoleons bei Wachau und Markkleeberg=Liebertwolkwitz. Trotzdem der Angriff mit ungenügenden Kräften unternommen wird werden Karte zur Völkerschlacht ber Leipzig.(46.-19. URr. 18 15. Markkleeberg und Liebertwolkwitz nach heftigem Kampfe genommen. Doch gegen 12 Uhr bereitet sich Napoleon zu einem gewaltigen Gegenstoß vor: 150 Geschütze überschütten die der Verbündeten mit ihrem Feuer. Das Zentrum der Verbündeten über Güldengossa soll durchbrochen werden. Ein großer Angriff der gesamten Reiterei Murats soll die Bahn erweitern und den rechten Flügel abdrängen. Kampf steigerte sich von Moment zu Moment; schon fluten die dezimierten Bataillone zurück, da sprengt Yorck auf den Major von Sohr zu, der mit drei Schwadronen hinter der Infanterie steht.„Major Sohr, attackieren!“ ruft er ihm zu. Sohr weist mit dem Säbel auf die rückwärts stehende Kavallerie— ein Adjutant sprengt davon— aber jetzt kommandiert Sohr:„Trompeter, Trab!“ Das Signal erfolgt, die Schwadronen schwenken ein— Galopp!— und die drei Eskadrons werfen sich auf die Masse der feindlichen Infanterie, zersprengen mehrere Karrees, erobern eine Batterie, als sie von feindlicher Kavallerie mit großer Entschiedenheit attackiert werden. Nurst, König von Heapel. Zum Teil gelang dieser Gegenstoß; einige Dörfer werden genommen, andere von den Verbündeten behauptet. Auch der gewaltige Reiterangriff— 4000 Pferde— hat keinen vollen Erfolg. Zwar werden einige Bataillone überritten, einzelne Kavallerieabteilungen zersprengt, aber Murat hat durch das rasende Tempo die Pferde erschöpft: Gardekosaken, die wieder gesammelten russischen und preußischen Regimenter, jagen die französischen Reiter auf die Wachauer Höhen zurück. Jetzt rückt die französische Infanterie auf der gesamten Linie vor, aber inzwischen sind bei den Verbündeten Verstärkungen eingetroffen, der Angriff wird zurückgewiesen. Daß Napoleon hier im Süden keinen durchschlagenden Erfolg erzielen konnte, lag daran, daß Blücher im Norden die französischen Streitkräfte unter Marmont und Ney festhielt, ja sogar einen vollständigen Sieg über sie davon trug. KI Inzwischen hat jedoch General Yorck die übrige Ruvallerie herbeigeholt. Er selbst an der Spitze der schwarzen Hugren, beg. s;abghar# Hand, sprengt zum Angriff dahin mit dem Ruf:„Marsch! Marsch! Es lebe der König!“— Ein geschlagen ist— und nun beginnt unter Yorcks Führung der letzte furchtbare Akt des blutigen Dramas, als die preußische Kavallerie sich hineingräbt in die nach Leipzig zurückflutenden Massen der Gegner. Als die Litauischen Dragoner die feind!' he Linie durchbrachen und die franzöKronpr. Karl Jotr v. Schwreden(Bernadotte.) Am 15. Oktober schon war Blücher von Halle aufgebrochen; das Korps Sacken folgte als Reserve. Am Morgen des 16., als schon der Kanonendonner von dem Schlachtfeld bei Wachau herüberschallte, unternahm Blücher mit der gesamten Kavallerie eine große Rekognoszierung, wobei er en hetzte. Dann gab er den Befehl zum An„Wer heute abend nicht passant einen Hasen passant einen Hasen hetzte. Da griff, wobei er den Soldaten zurief: entweder tot oder wonnetrunken ist, der hat sich geschlagen wie ein infamer Hundsfott!“ seind. horckschen Korps die Aufgabe zufiel, das Dorf selbst, den Kernpunkt der feindlichen Stellung zu nehmen. Mehrmals wurde das Dorf genommen und wieder verloren. Der heftigste Kampf entspann sich im Dorfe selbst, während zur Seite desselben eins der blutigsten Gefechte aller Feldzüge geliefert wurde. Der Feind war entschieden im Vorteil, die preußischen Truppen(Brigaden Horn und Hünerbein) hatten enorme Verluste und wenig oder keine Reserven mehr. Der Gemere V. L. Fürsl Merternich sischen Gardemariniers, obschon sie Pardon erhalten hatten, die Waffen wieder ergriffen, da kannten die Litauer keine Schonung mehr, alles wurde niedergemacht oder unter die Hufe der Pferde getreten. Das Tagebuch des Litauischen Dragonerregiments schreibt über diesen Kampf:„Was die Poesie der Geschichte vom Spartanermut dichten möge, so wird es doch durch das, was bei dieser Schlacht vorging, unendlich übertroffen. Wer Fürst Schwarzenberg überbringt den verbündeten Monarchen die Siegesbotschaft nach der Völkerschlacht bei Leipzig. muß nicht von dankbarer Rührung durchdrungen werden, wenn er sich einen Obersten von Borke, einen Major von Othegraven, einen Major von Krosigk, den edel gefallenen, an der Spitze ihrer Angriffskolonne denkt, wie sie unter dem Hagel der Kartätschen, unter dem Mordgesause der schweren Kugeln, unter dem erschütternden Gekrach berstender Granaten in die feindlichen Massen Tod und Vernichtung unter die sich verzweifelt Wehrenden tragen. Gibt es schönere Handlungen der Unerschrockenheit und Aufopferung als die des Leutnants von Sellin, der mit dem Leutnant Favrat und sieben Soldaten sich in ein mit Ordnung zurückgehendes feindliches Karree hineinwürgt und ein bespanntes Geschütz herausholt?— eines Leutnant Eberhardt, der während der in Heldenmut nach. Das beweisen die Verlustziffern; von dem 20848 Mann starken Korps Yorck waren noch 13.150 übrig, von 16 120 Mann Infanterie nicht einmal mehr 9000. Von den im August eingestellten 13000 Mann Landwehr waren noch 2000 da! Fast alle Offiziere waren verwundet, eine große Anzahl getötet. Aber der Sieg war auch ein vollständiger; 53 Geschütze und mehrere tausend Gefangene fielen in die Hände des Siegers. Das Korps des Marschalls Marmont war gänzlich vernichtet; das Korps des Marschalls Ney stark mitgenommen, und was der größte Erfolg dieses blutigen Tages war: die Gesamtstellung Napoleons war durch den Sieg bei Möckern vollständig erschüttert; sie war bereits am 17. unhaltbar geworden, nur Napoleons Hartnäckigkeit hielt die französische Armee noch bei Leipzig fest zu einem letzten blutigen Kampfe. Am Abend des Schlachttages von Möckern erschallte über das blutige Leichenfeld hin der Gesang aus tausend rauhen Männerkehlen:„Nun danket alle Gott— Mit, Herzen, Mund und Händen.. Fürst von Schwarzenberg: Attacke von einer Kartätschenkugel zu Boden gestreckt, von seinem Bataillon zertreten, doch ehe dieses den Feind erreicht, keuchend mit einer bedeutenden Kopfwunde wieder vor demselben erscheint und ausruft:„Nein, Kinder, ich muß auch mit in den Feind!“— eines Leutnants von Arnstädt, der sich mit dem Leutnant Hübner des Landwehrbataillons Reichenbach das Wort gibt, im nächsten feindlichen Karree die ersten zu sein, und es auch wirklich waren?" Fürst Blücher. Graf Wedell, der zu Beginn des Krieges seine Stelle als Kammerpräsident mit der des Führers eines Landwehrbataillons vertauscht, bittet um die Ehre, den ersten Sturm auf Möckern zu machen. Zu Tode getroffen, ruft er den Seinen zu:„Kinder, rettet das Vaterland! Helf uns Gott!“ Roch manches Beispeil solchen Heldenmutes könnte aneführt werden. Und den Offizieren eiferten die Soldaten Marschall Ney, Fürst von der Koskwa. In einem zweiten Artikel soll der Ausgang des gewaltigen Schlachtendramas einer Betrachtung unterzogen werden. Napoleon selbst mußte nach dem Verlauf des 16. Oktobers einsehen, daß der Feldzug für ihn verloren war. Rings umstellt von einem dem seinigen numerisch überlegenen Heere, dem außerdem am nächsten Tage noch bedeutende Verstärkungen zufließen mußten, während Napoleon im Gegenteil nur auf eine Verminderung seiner Truppen rechnen konnte, an einer Stelle seiner Aufstellung— bei Möckern— entscheidend geschlagen, südlich Leipzigs auch keinen entscheidenden Erfolg errungen, blieb Napoleon eigentlich nur der Rückzug nach Westen offen, wollte er nicht einen gewaltsamen Durchbruch nach Süden versuchen, wobei er allerdings die böhmische Armee hätte zerschmettern müssen. Aber keinen dieser beiden Wege wählte er; er erwartet vielmehr in einer vorteilhafteren konzentrierten Verteidigungsstellung bei Probstheida trotzig den Angriff der Verbündeten, um dann, als dieser nicht erfolgt, den gefangenen österreichischen General Meerveldt in das Hauptquartier der Monarchen zu senden, um einen Waffenstillstand anzubieten, der von den Monarchen jedoch nicht angenommen wurde. Die Verbündeten waren vielmehr entschlossen, den Angriff zu erneuern, da sie im Laufe des Tages die Ankunft der Reserrearmee des Generals von Bennigsen und der Nordarmee des Kronprinzen von Schweden erwarteten. Da die Ankunft der Verstärkungen sich jedoch bis zum Abend verzögerte, wurde der Angriff auf den folgenden Tag(18.) verschoben. Nur Blücher hatte am Morgen des 17. den Angriff wieder aufgenommen und die Franzosen bis in die Vorstädte Leipzigs zurückgetrieben. Dann wurde aber auch hier das Gefecht abgebrochen, und eine allgemeine Kampfpause trat ein. Große Mühe machte es, den sehr vorsichtigen Kronprinzen von Schweden, der mit der Nordarmee bei Breitenfeld nördlich Leipzigs angekommen war, zu bewegen, in die Schlachtlinie der Verbündeten von Taucha(östlich) her einzurücken, um so die Lücken zwischen dem nördlichen SchlachtWrs Praigtguniit. feld(Möckern=Schönfeld) und dem südlichen(Wachau=Probstheida) auszufüllen. Erst die sehr bestimmte Erklärung des Prinzen Wilhelm, des Bruders des Königs Friedrich Wilhelm, daß er sich persönlich an die Spitze des Bülowschen Korps(ei: Teils der Nordarmee) setzen werde, um es dem Kampfe zuführen, veranlaßte den schwedischen Feldherrn, die gefor erte Rechtsschwenkung auszuführen und somit den Ring zu schließen. Auf diese Weise konzentrierten die Verbündeten fast alle ihre Kräfte auf der südöstlichen Seite von Leipzig zum Angriff auf die französischen Positionen von Probstheida Ludwig Fürst Wittgenskein. bei Schönfeld. Im Norden blieb Blücher mit nur 30.000 Mann stehen, da er das Korps Langeron der Nordarmee unterstellen mußte; im Westen stand General Gyulai mit 20000 Mann.— Alle anderen Streitkräfte vereinigte man zum Angriff auf die Stellung von Probstheida. Dennoch vermochte man diese Stellung nicht zu nehmen, da der Kronprinz von Schweden seinen Vormarsch allzu zaghaft bewerkstelligte Loder. Graf fork rals Borstell machte Feind geworfen und und nicht geradewegs auf das Schlachtfeld zu marschierte, sondern einen Umweg von einer Meile machte, sodaß seine Truppen in größerer Zahl erst um 3 Uhr Nachmittags das Schlachtfeld erreichten. Runmehr werden die Angriffe erneuert; Bülow und Langeron unterstützen den General Bennigsen bei seinem Angriff auf Schönfeld und Paunsdorf, den linken, zurückgelegenen Flügel der französischen Stellung. Die beiden Dörfer werden erstürmt, ebenso durch Bülow die Dörfer am Reudnitzbach, wodurch die Entscheidung herbeigeführt wird, denn nun wird die ganze Stellung der Franzosen unhaltbar, wenn auch Probstheida und Stötteritz in ihren Händen bleiben. Diese Hauptstellung wäre schon jetzt verloren gewesen, wenn die Nordarmee entschlossener vorgegangen wäre, wenn Blüchers Vorschlag angenommen wäre, schon jetzt ein Korps auf die Rückzugsstraße Napoleons zu senden; aber Blüchers Plan konnte nicht ausgeführt werden, weil Bernadotte ihm keine Truppen zur Verfügung stellte, weil er seine Schweden nicht der Gefahr eines blutigen Kampfes aussetzen wollte, und weil man bei der Hauptarmee die russischen und preußischen Garden zu schonen suchte. Es blieb bei den teilweisen Erfolgen, die aber doch hinreichten, um Napoleon zu bestimmen, die Befehle zum v.öneiseriau Rückzug zu erteilen. Ueber Lindenau nach Lützen soll der Rückzug gehen; drei Korps, das polnische unter dem Fürsten Poniatowski, das Korps Reinier, bei dem die Sachsen und Württemberger standen, und das Korps Macdonald(Hessen, Badenser) sollen Leipzig noch möglichst den 19. halten. Bezeichnend ist es, daß die rein französischen Korps zuerst abziehen sollen, während die Bundestruppen eventuell geopfert werden sollen. Mit dem Eintreten der Dunkelheit begann der Rückzug des Heeres durch Leipzig. Deutlich hörte man im schlesischen Heer das Rollen der Räder von Wagen und Geschützen auf der Lindenauer Straße. Jetzt kam es darauf an, dem Gegner noch den größtmöglichen Schaden durch eine energische Verfolgung zuzufügen. Blücher entsandte auch noch am Abend des 18. das Korps York an die Saale, um dem Feinde auf seiner Retraite„allen nur möglichen Abbruch zu tun“ aber im Hauptquartier des Fürsten Schwarzenberg konnte man sich dazu nicht entschließen. Am 19. früh versuchte man jedoch den Fehler gutzumachen und eröffnete bereits 7 Uhr den Angriff auf die noch stark besetzte Stadt. General von Bülow hauptsächlich war es, der sich hierbei auszeichnete. Ohne weiteren Befehl abzuwarten, ließ er sein Korps antreten, um, wenn möglich, die zurückgehenden Feinde noch im freien Felde anzutreffen. Als dies nicht mehr möglich war, ging er entschlossen zum Angriff auf die stark besetzten Vorstädte und die Stadt selbst über. Der Prinz von Hessen= Homburg, der mit seiner Division den ersten Angriff ausführte, ward dabei schwer verwundet. General Borstell kam der Division Homburg zu Hilfe; das Königsberger Landwehrbataillon unter Major Friccius war das erste, welches durch das Grimmasche Tor in die Stadt eindrang, wäre aber ohne Hilfe eines preußiv. bertenburg schen Reserperegiments wohl verloren gewesen. So aber schlug mün sich durch den Feind durch; der Angriff des Genegute Fortschritte, und endlich ward der „# entfloh in das Innere der Stadt, der Führer der ersten Landweyrkompagnie Doktor Motherly starb bei der Erstürmung des Tores den Heldentod. Das Korps Sacken von der schlesischen Armee hatte sich von Norden her den Eingang in die Stadt erzwungen, Oesterreicher von Süden her, und so reichte man sich in der Mitte der Stadt auf dem Marktplatz die Hand, während in den Nebenstraße noch hier und da gekämpft wurde, aber der große Strom der Flüchtlinge nach Westen flutete, um die Brücken über die Elster und Pleiße zu erreichen. Die Elsterbrücke war zum Sprengen eingerichtet, um in dem Augenblick, wo die Verfolger bis hierher gelangten, ihr Fortschreiten zu hemmen. Als die Russen anfingen, in die zurückflutenden Massen zu feuern, glaubte der beauftragte Korporal, dieser Moment sei gekommen, und sprengte die Brücke in die Luft. Tausende von Franzosen fielen dadurch als Gefangene in die Hände des Siegers; eine große Anzahl, die sich schwimmend retten wollte, kam in den Fluten um. Unter ihnen der tapfere Fürst Poniatowski. Gneisenau schreibt über die letzte Phase der großen Schlacht: „Unser Angriff auf Leipzig war sehr blutig. Nach vielen Stunden Arbeit erstürmten unsere Truppen die Stadt. Von allen Seiten begegneten sich die Truppen der verschiedenen Armeen. Der General Blücher und wir waren die ersten, die einzogen. Wir wurden von dem Freudengeschrei der Einwohner und von dem Hurrarufen der siegenden Truppen bewillkommnet. Wir fanden eine Menge Gefangene, 20 000 Verwundete, noch viel mehr Kranke. Die Toten lagen überall umher. Eine Menge Geschütz ist erobert, 500 Munitionswagen. Viele Generale sind in unseren Händen. Zertrümmerte Häuser, umgeworfene Bagagewagen, Truppen aller Nationen— es ist eine Verwirrung ohnegleichen. Eine Stunde später als wir zogen der Kaiser Alexander, der kein feines Frühstück ohne MandelmilchPflanzenbutter-Margarine Sanella (PFA 90 PFg.) Ich suche einen zweiten Sekretat bei sofortigem Eintritt. * Meldungen mit Zeugnisabschriften nur schriftlich. Wattenscheid, 16. 10. 13. Tüchtige Unstreichergehülfen sofort gesucht. August Heukel, Schulstr. 1 Junges kathol, das zu Hause schlasen kann, sofort gesucht. Hochstraße 11, 1. Etage. Wohne jetzt 0 Ein ordentliches Mädchen für halbe Tage gesucht. Apotheke in Günnigfeld. HEIRAT wünschen viele Mädchen und Witwen mit Vermög Heinrich Schäfers, Essen, Herkulesstraße 47,(Rückporto.) stelle dieser Zeitung. Schlotterhose Kapellmeister: Landwirte. Kauft transportable Hausbackösen nd Fleisch= räucher nur ##2 bei der ersten größten Spezialfabrik Deutschlands Anton Weber, Niederbreisig i. Rhld. deren Fabrikate als die besten und billigsten bekannt sind. Neueste Preisliste gratis. Viele Zeugnisse über 10jährig. Gebraucht Ueber 40000 Stück geliefert. 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Oktober 1913 in unserem Verkaufslokal ABC-Straße 9 statt. Zum Verkauf kommen: Große Posten getrag. Kleidungsstücke, große Partien Leinensachen, Betten, Kleider-Stoffe, Gold- u. Silbersachen, Taschenuhren u. sonst. Gegenstände. Katser Franz, unser König, die Prinzen und die Generalttät aller Nationen ein... Napoleon hatte schon Stunden vorher Leipzig verlassen. „Gedankenvoll, fast verstört oder vielleicht gedankenlos“, so schreibt ein Augenzeuge,„ritt er zuerst gegen das innere Ranstädter Tor". Als er hier alles verstopft fand, nahm er seinen Weg nach dem Peterstor. Aber auch hier dasselbe Gedränge. Einzeln mußte der Kaiser und sein ganzes Gefolge an der Seite dieses Gewühls sich fortwinden. Munitionswagen, Marketender, Kanonen, Kühe, Schafe, Weiber, Grenadiere, Gesunde, Verwundete, Sterbende— ein entsetzliches Gewirre! Kaum war an ein Fortkommen, noch weniger an eine Gegenwehr zu denken. Und Napoleon folgte gelassen, das Haupt tief gesenkt, diesem Strom seiner fliehenden Armee, bis er in Lindenau ein ärmliches Quartier fand, wo er sich det Ruhe hingeben konnte. Geschlagen, gedemütigt, vernichtet war er, der sich stolz der Herr der Welt genannt hatte. Den Wechsel der Zeit sollte auch der König von Sachsen, Napoleons treuester Verbündeter, erfahren. Als der Zug der drei siegreichen Monarchen an der Wohnung des Königs vorbeiging, trat dieser vor die Haustür, um die Monarchen zu begrüßen. Der Kaiser Franz schien auch geGraf Tauerilzin vori Willenberg neigt, an in heranzureiten, aber der Kaiser Alexander ritt kalt und entschieden vorbei: und da der König von Preußen dasselbe tat, so zog das ganze Gefolge, ohne Sachsens Herrscher zu begrüßen, vorüber. Sichtbar betreten zog sich der König schnell in das Haus zurück. So war denn der große Wurf gelungen, der Sieg erfochten, Deutschland von dem Feinde befreit. Denn ausgeschlossen erschien es, daß sich Napoleons Heer noch einmal auf deutschem Boden festsetzen sollte. Unaufhaltsam, so war die Absicht Blüchers, Gneisenaus und anderer Patrioten, sollten die Armeen zum Rheine vorschreiten, um auch diesen vaterländischen Strom von seinen Fesseln zu befreien. Aber was diese Feuergeister planten, scheiterte zum großen Teil an der Politik jener Staatsmänner, die weniger die Ideale der Freiheit der Völker hochhielten, als vielmehr den eigenen Vorteil verfolgten, und so kam es denn zu dem Friedenskongreß in Frankfurt a. M., der zum Glück wieder an der Halsstarrigkeit Napoleons scheiterte, der von den gemäßigten Friedensbedingungen nichts wissen wollte. Er wollte noch einmal das Glück der Waffen versuchen. Zum Zwecke der Berichtigung der Heberollen für den Bereich der Sektion des Landkreises Gelsenkirchen der westfälischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft müssen sämtliche vom 1. Oktober 1912 ab bei der Landund Forstwirtschaft im Landkreise Gelsenkirchen vorgekommenen Betriebsveränderungen angemeldet werden und zwar: I. Diejenigen, welche auf die Höhe der Beiträge von Einfluß sind, z. B. wenn ein Grundstück durch Bebauung, Bergwerksanlagen usw. zum Teil den landwirtschaftlichen Zwecken entzogen ist und dadurch etwa der Betrieb beitragsfrei beziehungsweise mit einem geringeren Beitrage zu besteuern sein wird, oder solche, welche die fernere Zugehörigkeit zur Genossenschaft oder Sektion in Frage stellen, z. B. wenn der Betriebssitz in den Bezirk einer anderen Genossenschaft oder Sektion verlegt worden ist. II. Diejenigen, welche sich auf den Wechsel Person des Betriebsunternehmers, Ankäufer, Erbe, Nutznießer usw. beziehen. III. Diegenigen, welche sich auf die Betriebs ein stellung, die einem vollständigen Eingehen des landwirtschaftlichen Betriebes gleichkommt, beziehen, ein Fall, der z. B. bei gänzlicher Bebauung einer Betriebsfläche, bei gänzlicher Ausnutzung eines Ackeroder Gartengrundstückes als Ziegelsteinbruch usw. eintreten kann. Alle derartigen Veränderungen, namentlich aber die unter II. bezeichneten Personenwechsel sind dem unterzeichneten Sektionsvorstande schriftlich an zuzeigen. Unterlassungen können mit Strafe bis zu 300 Mk. geahndet werden. Betriebsunternehmer sind alle diejenigen welche die betreffenden Acker= oder Gartengrundstücke, mögen dieselben auch noch so klein sein und eingezäumt im freien Felde liegen, mit Getreide, Gemüse und Kartoffeln bestellen. Als landwirtschaftlicher Betrieb im Sinne des Gesetzes gilt auch der Betrieb der gewerblichen Gärtnerei(Kunst= und Handelsgärtnerei, Baumschule und Samengärtnerei) dagegen nicht die ausschließliche Bewirtschaftung von Haus= und Ziergärten. Die Mitgliedschaft für die Unternehmer neuer Betriebe beginnt mit dem Zeitpunkte der Eröffnung des Betriebes. Gelsenkirchen, den 10. Oktober 1913. Gektions=Vorstand der Westfälischen landwirtschaftlichen Vernfsgenossenschaft. I. P.: Stobbe, Regierungsassessor.