— 90. 45 Jahrgang. Nr. 220.1(1. Blatt.) Montag, den 22. September 1913. 2. Jayrgang. Wattenscheider Zeitung I, Musoksen) gegrb-=b41 1868(„usafte Bachuichten) (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gessenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet: : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche: Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). 2 Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen, Telege.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Watenscheid, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Sssosseneseneensennenenseneenneeneneenneennenneneennennenennn zeunmeemememmm : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts § 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin=; I zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach 1 i Erhalt der Rechnung. Wetteraussichten. Wetter für Dienstag. Wechselnde Vewöllung, wenn Regen, gering, kühl. Aus Stadt, Amt und Kreis. Amtliches. * Zu Gerichtsassessoren sind ernannt: die Referendare Schlechter, Erdensohn, Borgmann im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Hamm. Die Krankenkassenwahl in Wattenscheid. * Die Krankenkassenwahlen in Wattenscheid trugen bisher stets einen sehr ruhigen und gemütlichen Charakter, da sich gewöhnlich nur eine Gruppe, die christlich=nationale Arbeiterschaft, an der Wahl beteiligte und auch stets ihre Kandidaten zum Siege führte. Ganz anders gestaltete sich das Bild bei der am Samstag abend stattgefundenen Wahl des Ausschusses der Wattenscheider Ortskrankenkasse, die zum ersten Male nach dem Prinzip des Verhältnissystems erfolgte. Dies hatte veranlaßt, daß sich neben den vereinigten christlich=nat. Arbeitern und Angestellten auch die freien Gewerkschaften an der Wahl beteiligten, sodaß sich also 2 Listen gegenüberstanden. Nach der von beiden Seiten sehr lebhaft betriebenen Wahlagitation war eine rege Wahlbeteiligung zu erwarten, womit auch der Vorstand der Kasse gerechnet zu haben scheint. Während nämlich die früheren Wahlen stets in den oberen Räumen des Restaurants Küpper stattfanden, hatte man am Samstag den rechten Teil des Restaurants in ein veritables Wahllokal umgewandelt mit einer Wahlklausur und einer mächtigen Stimmzettelurne. Die Wahl, welche von dem Vorstandsmitglied Fritz Butterwegge geleitet wurde, begann abends um 8 Uhr und dauerte bis 10 Uhr. Genau wie bei einer Reichstagswahl waren die Eingänge zum Wahllokal mit zahlreichen Stimmzettelverteilern besetzt, auch Wahlschlepper etc. traten in Tätigkeit. Eine besondere, man möchte wohl sagen, versöhnende Note erhielt die Wahl durch die Beteiligung von Damen, die bekanntlich, soweit sie 21 Jahre alt sind, ebenfalls wahlberechtigt sind. Es ging immer ein Schmunzeln durch die Reihen der wahleifrigen Männer, wenn die Damen mit mehr oder minder Mut und Sachkenntnis das Wahllokal betraten und, mit dem Stimmzettel bewaffnet, an die Urne traten— ein historischer Moment für Wattenscheid, da es wohl das erste Mal sein dürfte, daß in unserer Stadt sich Damen an einer öffentlichen Wahl beteiligten. Die weiblichen Kassenmitglieder hatten diesmal ein ganz besonderes Interesse an der Wahl, weil auf beiden Listen Damen als Kandidatinnen verzeichnet waren. Mehrere von diesen dürften nach Lage der Sache auch gewählt worden sein, sodaß in Zukunft im Ausschuß, vielleicht auch gar im Vorstand, Damen ihre gewichtige Stimme erheben werden. Sie können gerade bei einer Krankenkasse viel Gutes wirken; das wird jedenfalls auch von den erklärtesten Gegnern des zarten Geschlechts und der„Frauenemanzipation“ zugegeben werden. Damen sind ca. 30 zur Wahl erschienen. Es wurden im ganzen 155 Stimmen abgegeben bei ca. 600 Wahlberechtigten und ca. 1100 Kassenmitgliedern. Wie sich die Stimmen auf die beiden Listen verteilen, wird in der nächsten Vorstandssitzung festgestellt werden. auf der landw. wurde dem ArchiWestf. BauernverWattenscheid, für is verliehen. Wir sehenswert.(Siehe Ehrenpreis. * Bei der gestrigen Preiskrönung Provinzialausstellung in Essen tekten und Baumeister des Bauamts des eins, Abt. Bochum, Jos. Beckmann in seine Bauausstellung ein Ehrenprei: gratulieren. Die Ausstellung ist überaus Sonderbericht.) Rekrutenfürsorge des Kriegerverbandes. * Im Kaisersaal(Koch) fand gestern nachmittag für die Rekruten ein Lichtbilder=Vortrag durch den Vorsitzenden des Kriegerverbandes, Hauptmann d. R. Kampmann, statt, wozu sich die Rekruten fast vollzählig eingefunden hatten. Am Vortrag nahm außer dem Verbandsvorsitzenden das Ehrenmitglied des Verbandes, Stabsarzt d. R. Dr. Butzon, und der Vorsitzende des Kameradschaftlichen Vereins 16. Armeekorps, Restaurateut Grimm teil. Hauptmann d. R. Kampmann begrüßte die so zahlreich erschienenen Rekruten und hielt dann einen lehrreichen Vortrag über den Befreiungskrieg 1813. Besonders sprach Redner die Schlacht bei Leipgig am 18. Oktober 1813. RedGenerale, des alten Marschall Vorwärts Blücher, Gneisenau und besonders Scharnhorst, hervor, der allzufrüh, noch während des Krieges, starb: ebenso erwähnte er Freiherrn von Stein, sowie die Dichter der Freiheitslieder, wie Theodor Arndt usw., welch letztere durch ihre Lieder die Soldaten ist uns jeder neue Abonnent. Neu hinzutretende Bezieher, erhalten die Zeitung bis Schluss des Monats gratis. Deshalb bestellen Sie sofort die Wattenscheider-Zeitung. während der Schlacht anfeuerten. Nach dem Istün Vortrage wurden zahlreiche Lichtbilder,„Aus dem Soldatenleben“, vorgeführt, welche ebenfalls vom Verbandsvorsitzenden erläutert wurden. Mit diesen Bildern sollte den Rekruten der zukünftige Dienst illustriert werden. Jede Truppe kam zur Geltung: Exerzieren, Schießen, Turnen, Reiten, Brückenbau, Telephon, Telegraph usw. Auch der neueste Dienst bei der Luftschifferabteilung wurde gezeigt. Sämtliche Bilder wurden vom Hauptmann d. R. Kampmann eingehend erläutert und fanden den Beifall der Rekruten. Ganz besonders erklärte der Verbandsvorsitzende einzelne Bilder aus neuerer Zeit, welche er im diesjährigen Manöver des 7. Armeekorps bei seinem Regiment aus eigener Anschauung kennen gelernt hat. Am Schluß des Vortrages forderte der Verbandsvorsitzende die Rekruten auf, sich vollzählig an dem am Sonntag, 28. Sept., abends 6 Uhr in der Kronenburg(Ludger Sonnenschein) stattfindenden RekrutenAbschiedsball zu beteiligen. Es ist für den Abend ein umfangreiches Programm aufgestellt: Konzert der Krieger=Verbandskapelle(Schlotterhose), Liedervorträge des Männergesangvereins„Glück=Auf"(Vereinslokal Floren), Ansprachen, gemeinschaftliche Lieder und Ball. Da an dieser Festlichkeit der Bezirkskommandeur, Oberstleutnant Grothe=Gelsenkirchen, sowie der Vorsitzende des Kreis=Kriegerverbandes Gelsenkirchen=Land, Polizeipräsident, Landrat Dr. zur Nieden, Hauptmann der Gardelandwehr, teilnehmen werden, wurde den jungen Leuten ein gutes Betragen angelegentlichst ans Herz gelegt. Damit den Rekruten durch diese Veranstaltungen keine unnötigen Ausgaben erwachsen sollen, wurden jedem Rekruten, der an dem Vortrage teilnahm, auf Rechnung des Verbandsvorsitzenden einige Biermarken eingehändigt. Beitrag zur Rauchschadenfrage. * Man schreibt uns: In Essen, der Metropole einer der wichtigsten Industriezentren, wo die Schlote am dichtesten rauchen und der Pulsschlag industriellen Lebens am lebhaftesten ist, veranstaltet der Landwirtschaftliche Verein für Rheinpreußen vom 20.—28. Sept. seine diesjährige Provinzialausstellung. Hier tritt die Landwirtschaft, von der man leider nur allzurasch vergißt, daß sie die Nähr= u. Wehr=Mutter der ganzen Nation ist, als ebenbürtige Schwester an die Seite der Industrie, um durch Produkte ihrer Leistungsfähigkeit Zeugnis abzulegen von ihrem Fortschritt und ihrer Bedeutung als Abnehmerin industrieller Erzeugnisse. Beim Durchwandern der weiten Hallen, die in geschickter Aufstellung Darbietungen des gesamten umfangreichen Landwirtschaftsgebietes interessiert als Novum die 1. landw. Rauchschädenaus stellung, veranstaltet von Forst=Ingenieur Eicke=Essen. In übersichtlicher Anordnung, an Hand umfangreichen Materials von Pflanzen, Präparaten, Herbarien, Photographien, Apparaten 2c. wird über den derzeitigen Stand der Rauchschadenforschung Aufklärung gegeben. Ein besonders klares Bild von der schädlichen Wirkung des Rauches und seiner Säure gibt ein Vergleich der ausgestellten rauchkranken Gewächse aus dem hiefigen Bezirk und solchen, die in rauchfreier Gegend unter sonst gleichen Verhältnissen gewachsen sind. Unter anderem ist interessantes Material zur Verfügung gestellt von dem bekanntlich vom Rauch sehr heimgesuchten Gehöft des Gutsbesitzers Alph. Siepmann=Günnigfeld, sowie von Gutsbesitzer Wilh. Schulte=Kemna (Düllmannshof) in Leithe. Auf die hygienische Seite der Frage wird durch einen neuen Beschluß der„Wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen in Preußen“ unserer höchsten begutachtenden Behörde, hingewiesen, der in erfreulicher Kürze besagt:„Daß die übermäßige Rauch= und Rußentwickelung die menschliche Gesundheit beeinträchtigt.“ Ueber die Höhe des durch Rauchschaden entstandenen Verlustes am Nationalvermögen liegen leider keine eingehenden Statistiken vor, dagegen zeige eine Tabelle die diesbzgl. Verhältnisse in einem kleinen Orte des Industriebezirkes von 10 000 Einwohnern. In der Flur dieses Ortes ist bisher an Ersatz für Rauchschaden an landwirtschaftlichen Erzeugnissen jährl. 11 000 Mark gezahlt worden, d. h. auf den Kopf der Bevölkerung mehr als 1.00 M. Die Prozeßkosten für diese Entschädigungssummen belaufen sich auf etwa 16 000 M. jährlich! Der wirklich vorhandene Schaden beläuft sich auf ca. 8,80 M. pro Kopf der Bevölkerung!— Eine krasfere Charakterisierung der Verhältnisse dürfte schlechterdings nicht mehr möglich sein. Es sei auch darauf aufmerksam gemacht, daß auch eine reichhaltige Sammlung von Fachliteratur mit ausgelegt ist und, unter Beihülfe der Autoren und Verleger, besonders gute kleinere Schriften ausgewählt wurden, deren Studium, ohne viel Zeit zu rauben, für den modernen Landwirt als auch für jeden Gartenbesitzer, nicht minder aber auch für jeden Industriellen besonders wichtig sein dürfte. Es ist zu hoffen, daß durch diese Ausstellung möglichst viel Aufklärung— als das allerbeste Mittel auch zur Abstellung von Schäden und Meinungsverschiedenheiten— verbreitet werde, damit jeder einzelne in seinem Kreise sich bemühe, nach Möglichkeit Abhilfe zu schaffen, und damit vor allem die Behörden 2c. erneut auf die eminente Wichtigkeit dieser Kulturfrage hingewiesen werden. Der Minister für Landwirtschaft und Forsten widmete diesem Teile der Ausstellung besonderes Interesse und ließ sich eingehende Informationen geben. So steht zu erwarten, daß der Spruch, den die Ausstellungsleitung als Abschluß der Dekoration des Raumes anbrachte, allmählich außer Geltung gesetzt werde:„Was aus dem Schornstein pafst, nur Aerger schafft, für Industrie und Landwirtschaft.“ Der Blutvergiftung erlegen. * Einer tückischen Blutvergistung ist der 14 Jahre alte Schneiderlehrling Franz Kaup, Weststr. 97, erlegen, der bei den Schneidermeistern Drees und Wiegers beschädigt war. Vor 8 Tagen entwickelte sich an seiner Lippe ein kleines Geschwür, das eine Blutvergiftung nach sich zog. Am Donnerstag wurde der Bedauernswerte in das kath. Krankenhaus gebracht, wo er gestern nach schwerem Leiden gestorben ist. Gefährliche Passage. * Am Samstag abend bei einbrechender Dunkelheit brach an der Ecke Freiheit= und Nordstraße das durch eine anscheinende Unterspülung unterhöhlte Straßenpflaster ein. Leicht hätte größeres Unheil passieren können, wenn die gefährdete Stelle nicht durch Gasanstaltsarbeiter abgesperrt und beleuchtet worden wäre. Geschworene. * Als Geschworene zu der heute, 22. Sept., beginnenden 9. diesjährigen Sitzungsperiode des Schwurgerichts in Essen sind aus unserem Leserkreis einberufen die Herren: Betriebsdirektor Jean Auth, Gelsenkirchen; Chemiker Theodor Meyer, Gelsenkirchen; Buchhalter Karl Gahlmann, Gelsenkirchen; Rechnungsführer Wilh. Kreul, Gelsenkirchen: Prokurist Heinr. Overthun Ueckendorf; Kaufmann Wilhelm Beukenberg, Gelsenkirchen; Betriebsführer Heinrich Bollmann, Rotthausen. Zwangsversteigerung Peter Koch. * Am Kgl. Amtsgericht stand am Samstag Vormittag Termin an in Sachen Zwangsversteigerung des dem verstorbenen Händler Peter Koch gehörenden, in der Grabenstraße Nr. 5 belegenen Grundstückes Flur 5 Nr. 45, bestehend aus Wohnhaus nebst Hofraum zur Größe von 0.93 Ar und einem Nutzungswerte von 220 Mark. Der Verkaufs=Termin wurde aufgehoben, indem das Verfahren einstweilen eingestellt wurde. * Auf Grund des§ 133 der Gewerbeordnung haben wiederum 6 Handwerker aus Wattenscheid vor der. zuständigen Prüfungskommission der Handwerkskammer Dortmund die Meisterprüfung mit Erfolg abgelegt. Sie haben dadurch das Recht zur Führung des Meistertitels und damit die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen erworben. Es sind die Klempner und Instailateure: Josef Trimborn und Paul Cohn, die Dachdecker Jakob Körber und Karl Lechleitner sowie die Sattler und Polsterer Josef Kaltwasser und Joh. Steinmann — Beisetzung. * In langgestrecktem Leichenzuge wurde heute morgen der am Mittwoch abend verstorbene Steiger a. D. Friedrich Schlenkhoff unter großer Teilnahme vieler Freunde und Bekannten auf hiesiger kath. Begräbnisstätte zur letzten Ruhe bestattet. Die Grablegung in der Familiengruft auf dem neuen Teil des Friedhoses vollzog Domkapitular Hausmann unter Mitwirkung der Pfarrgeistlichkeit nach dem Ritum Romanum. Der Totenfeier auf dem Gottesacker folgte sofort das LevitenSeelenamt in der Propsteikirche. Einem Nachrufe über den Entschlafenen entnehmen wir folgenden Abschnitt: Der treue Verstorbene war geboren am 25. Sept. 1826 zu Wattenscheid. Er vermählte sich am 26. Mai 1857 mit Gertrud Vethake aus Wattenscheid, mit welcher er 53 Jahre in glücklichster Ehe lebte, bis ihm die geliebte Gattin am 15. November 1910 durch den Tod entrissen wurde. Dieser Ehebund war mit 5 Kindern gesegnet, von denen 3 den Eltern in die Ewigkeit vorangingen. Er wirkte viele Jahre als Steiger auf Zeche Königsgrube, geachtet von seinen Vorgesetzten und Kollegen, beliebt bei seinen Untergebenen. Ein biederer, ehrlicher Charakter war der Grundzug seines Wesens, wodurch er bei allen, die ihn kannten, hochgeachtet wurde. Seiner Gattin war er ein treuer Lebensgefährte, seinen Kindern ein lieber, guter Vater. Mit ihm ist eine alt=historische Persönlichkeit Wattenscheid's zu Grabe getragen. Er war der Nachkomme eines jener Männer, welche in der Wattenscheider Lokal=Hymne: In use olle Wattsche Fryht verewigt sind. Er hat das hohe, von Gott gesegnete Alter von 87 Jahren erreicht. R. I. P. S. Neuer kathol. Geistlicher. * Der für die hiesige Propsteikirche neuernannte Kaplan Friedrich Schulte aus Himminghausen(Dekanat Steinheim) hat seine Tätigkeit hier ausgenommen. Er bewohnt die 1. Etage der neuen Kinderbewahranstalt an der Wasserstr. Polizeiliches. * Wegen groben Unfugs wurden 2 Personen eingesperrt.— Der Arbeiter R. wurde zwecks Verbüßung einer Gefängnisstrafe nach Bochum überführt.— Als gestern der 16 Jahre alte Arbeiter W. von der Bochumerstraße in seine elterliche Wohnung zurückkehrte und von seinem Vater wegen des unsoliden Lebenswandels Vorwürfe erhielt, nahm der lieblose Sohn eine Flasche und schlug damit seinem Vater an den Kopf. Es ist Anzeige gegen ihn erstattet. Gewerbescheine. * Es sei wiederholt darauf hingewiesen, daß Anträge auf Ausstellung von Wandergewerbescheinen bis zum 5. Okt. auf dem hiesigen Bürgermeisteramte gestellt werden müssen. Unfall. * Der Bergmann Jos. Rebbe, Wattenscheid, Hüllerstraße 71 wohnhaft, erlitt auf einer hiesigen Zeche eine schwere Beinquetschung, die eine Ueberführung in das Knappschaftskrankenhaus zu Ueckendorf notwendig machte. Der Verletzte ist 59 Jahre alt. Entlaufene Kuh. * In der Nacht zum Samstag wurde auf der Weststraße eine umherlaufende Kuh aufgegriffen. Wie sich im Laufe des gestrigen Tages herausstellte, war das wertvolle Tier, das dem Gutsbesitzer Schulte=Düllmann in Leithe gehört, von der Weide entlaufen. Es konnte seinem Besitzer wieder zugeführt werden. Christlich=sozialer Arbeiterverein. * Der christlich=soziale Arbeiterverein hatte gestern nachmittag 5 Uhr im Lokale Sonnenschein seine monatliche Versammlung, welche vom Vorsitzenden Ebach geleitet wurde. Dem verstorbenen Mitgliede Wisplinghoff widmete der Vorsitzende einen ehrenden Nachruf. Fünf neue Mitglieder wurden aufgenommen. Den Bericht über den Diözesändelegiertentag in Herne gab der Vorsitzende in ausführlicher Weise bekannt. In die Preßkommission wurden gewählt die Mitglieder Schumann, Meißner und Franz Kriegs. Sodann wurde das Stiftungsfest in eingehender Weise erörtert. Es wird am 28. September, nachmittags 5 Uhr anfangend, im Kaisersaal Koch durch Konzert, Theater und Tanzkränzchen gefeiert. Kathol. Gesellenverein. * Der kathol. Gesellenverein begab sich gestern nachm. bei recht zahlreicher Beteiligung nach Wanne, um dort an der Einweihung des Kolpinghauses teilzunehmen. Auch die Sodalitätskapelle unter Leitung des Dirigenten Griesmann wirkte dortselbst mit. Die Wattenscheider beteiligten sich an dem großen Festzuge und an der Festversammlung. Vom Kavallerieverein. * Die gestern im Kavallerieheim(Wiesmann) abgehaltene Versammlung des Vereins wurde vom Vorsitzenden Müller mit einem Hoch auf Se. Maj. eröffnet. Aus den Verhandlungen, die nur interner Natur waren, sei erwähnt, daß der Verein am Samstag, den 11. Oktober, im Saale des Kameraden Gregor(Kaiserhof) ein geschlossenes Herbstfest feiert, bestehend in Konzert, humoristischen Vorträgen und Tanzkränzchen. Einführungen zu dem Feite sind gestattet. 55 Von unseren Veteranen. * Die Kriegsveteranen=Vereinigung von Stadt und Amt Wattenscheid hatte gestern im Parkrestaurant(Rob. Mai) zu Günnigfeld ihre monatliche Versammlung mit größerer Sedanfeier. Die Versammlung war sehr gut besucht und wurde vom 1. Vorsitzenden Mikus eroffnet und geleitet. Nach Verlesung des Protokolls und Zahlung der monatlichen Beiträge wurden 2 neue Mitglieder aufgenommen. Vorsitzender Mikus hielt eine längere Rede über das 25jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät. Er schloß seine Ausführungen, die mit großem Beifall ausgenommen wurden, mit einem Kaiserhoch. Hierauf erhob sich das Vorstandsmitglied P. Fuchs, um über die Bedeutung des Sedanstages zu sprechen. Sein Hoch galt dem deutschen Vaterlande. Das Mitglied Fricke hielt eine Ansprache über die 100jähr. Gedächtnisfeier. Alle Reden fanden großen Beifall. Hierauf ging man zum gemütlichen Teil über. Die Kapelle Breitenbach aus Günnigfeld erfreute die Veteranen durch Musikvorträge. Große Heiterkeit erregte auch ein plattdeutscher Vortrag des Vorsitzenden„Wat wor Günnigfeld vör 100 Johren und wat is Günnigseld in düesem Johr.“ Bei Freibier und humoristischen Deklamationen des Mitgliedes Losi blieben die Veteranen noch längere Zeit in recht gemütlicher Stimmung beisammen. Feierlichkeit im Artillerieverein. * Der Artillerieverein hatte gestern in seinem Vereinslokal, Restaurant Frau Beckmann, seine diesmonatliche Versammlung. Sie war sehr stark besucht und wurde vom 1. Vorsitzenden Kameraden Wellen eröffnet und geleitet. Es konnten wieder 2 Mitglieder neu aufgenommen werden. Hierauf begrüßte der Vorsitzende besonders den stellvertretenden Krieger=Verbandsvorsitzenden, Restaurateur Küpper. Dieser überreichte im Auftrage des Kriegerverbandes noch nachträglich einen Fahnennagel und gab in seiner Ansprache der Hoffnung Ausdruck, daß der Artillerieverein immer mehr an Mitgliedern zunehme und daß das schöne kameradschaftliche Verhältnis, so wie es jetzt besteht, nie getrübt werde. Redner schloß seine von echter Kameradschaftlichkeit getragene Ansprache mit einem Hoch auf den Artillerieverein. Der Vereinsvorsitzende Kamerad Wellen dankte im Namen des Vereins für den überreichten Fahnennagel und versicherte, daß der Artillerieverein der Kriegervereinssache stets treu bleiben werde. Er brachte ein freudig aufgenommenes Hoch auf den Kriegerverband aus. Nachdem der 2. Verbandsvorsitzende noch einige Kriegserlebnisse erzählt hatte und noch einige Artillerielieder gesungen waren, schloß der 1. Vorsitzende mit einem 3fachen Kaiserhoch die Versammlung.— Es wird uns noch mitgeteilt, daß der Artillerieverein in den letzten Jahren unter dem Vorsitz des Kameraden Wellen so sehr an Mitgliedern zugenommen hat, daß sich das Vereinslokal der Frau Wwe. Beckmann, worin der Verein jetzt schon über 21 Jahre tagt, leider fast als zu klein erweist. In der letzten Zeit hatten die Mitglieder, welche die Versammlung besuchten, oft Mühe, noch einen Platz zu erhalten, gewiß ein gutes Zeichen für das Blühen des Vereins im genannten Lokale. Marianische Sodalität Höntrop. * Höntrop, 22. Sept. Gestern veranstaltete die hiesige Marianische Jünglingssodalität (Präfekt Philipps) einen Familienabend und in Verbindung damit eine Rekrutenabschiedsseier, welche um 5 Uhr begann. Nachdem der Saal des Wirts Weyers voll besetzt war und viel Besucher sogar mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mußten, hielt Kaplan Strickmann die Begrüßungsansprachek Er dankte den erschienenen Familienangehörigen der Jünglinge, insbesondere aber dem gesamten Kirchenvorstand, dem hochw. Pfarrer Eckardt, Vikar Meyer aus Sevinghausen u. a. Er schilderte in kurzen Worten den Zweck des Zusammenseins, besonders der Rekrutenabschieds=Feier. Er gab bekannt, daß auch der Präfekt der Sodalität, Philipps, zum Militär eingezogen sei. Nachdem den Worten des Kaplans Strickmann lauter Beifall gezollt war, folgten einige Liedervorträge des hiesigen kathol. Kirchenchores. Auch eine Zitherabteilung unter Leitung des Mitgliedes Witkowitz war erschienen u. erfreute die Anwesenden durch ihre Weisen. Gegen 6 Uhr hob sich der Vorhang der Bühne, und es folgte das Theaterstück„Der erschossene Fremdenlegionär“. Den wiederholten Uebungen nach zu rechnen, durfte zu hoffen sein, daß das Stück mit voller Begeisterung gegeben wurde. Und in der Tat war es eine gute Leistung. Alle Augen blickten unverwandt zur Bühne und mit Spannung erwartete Jeder die Vorgänge. Das folgende Stück „Schlunzens erste Wache“ erregte allgemeine Heiterkeit u. hielt die Lachmuskeln der Anwesenden in Bewegung. Der Theaterabteilung gebührt an dieser Stelle der herzlichste Dank. In der Pause nahm Kaplan Strickmann die Abschiedsehrung der Rekruten Philipps, Metken und Kupitz vor. Er überreichte jedem eine Pfeife, ein Päckchen Tabak und ein Gebetbuch mit der Bitte, fernerhin auch an Höntrop zurück zu denken. Die Rekruten gelobten dies denn auch feierlich. Auch Vikar Meyer=Sevinghausen und Pfarrer Eckardt begrüßten die Anwesenden und spornten zu weiterer Einmütigkeit an. Lieder= und Zithervorträge wechselten miteinander ab u. hielten die Anwesenden noch lange in gemütlicher Stimmung beisammen. Volksbücherei Höntrop. * Höntrop, 22. Sept. Sonntag vormittag 11 Uhr fand im Gemeindehause hierselbst die Eröffnung der Volksbücherei statt. Da ein sehr reichhaltiger Lesestoff vorhanden ist, kann die Benutzung der Bürgerschaft nur empfohlen werden. Die Benutzung ist unentgeltlich. Das Bücherverzeichnis kostet 25 Pfg., die Bestellkarte 10 Pfg. Der Betrieb war ein außerordentlicher. Die Führung liegt in den Händen des Rektors Hoos und des Lehrers Jütte von hier. Bau=Unfall. * Leithe, 22. Sept. Ein Unglücksfall ereignete sich dieser Tage bei einem Neubau in hiesiger Gemeinde. Ein Maurer fiel beim Besteigen einer Treppe infolge Fehltritts durch den Flur in das Kellergewölbe. Die Verletzungen waren derart, daß er die Arbeit einstellen und sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Die Flugzeug-Modell=Ausstellung in Gelsenkirchen. * Gelsenkirchen, 22. Sept. Die Flugzeugmodell=Ausstellung auf unserem Flugplatze wurde am Sonntag mittag von Direktor Giesberg in Gegenwart des Oberbürgermeisters Machens, mehrerer Herren vom Niederrheinischen Verein für Luftfahrt, einiger Piloten und eines kleinen Kreises Geladener eröffnet. Auf 2 80 Meter langen Tischen hatten die 157 von Selbstkonstrukteuren eingelieferten Modelle Aufstellung gefunden. Der Katalog umsaßt 300 Nummern. Gie geben Beweis davon, wie groß das Interesse am Flugsport ist. Die Ausstellung wurde gestern bereits von nahezu 5000 Personen besucht. Briefkasten der Redaktion. Alter Abonnent, Eppendorf: Ostern fällt 1914 auf den 12. April, 1915 auf den 4. April; Pfingsten demnach sieben Wochen später. Wettende in Leithe: Gie haben verloren. Die Katholiken werden auch nach Fertigstellung der neuen Kirche vorläufig noch zur kathol. Pfarre in Wattenscheid gehören. Junge Frau: In die Geheimnisse der Kochkunst sind wir leider nicht so weit eingedrungen, um Ihre etwas unbestimmte Frage beantworten zu können. Nehmen Sie einmal ein Kochbuch zur Hand. R., Bochumerstraße: Der Stadtgarten ist geöffnet im Monat Oktober von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends. V. Ueckendorf. Fürsorgeerziehung nennt das neuere deutsche Recht eine besondere Art der Zwangserziehung. Diese beruht auf§ 55 und 56 des Reichsstrafgesetzduches, wonach Kinder im strafunmündigen Alter unterr 12 Jahren überhaupt, wenn sie eine Straftat begangen haben, und Begeher einer solchen im Alter von 12—18 Jahren, wenn das Gericht bei ihnen nicht das volle Bewußtsein der Strafbarkeit annimmt, zur Zwangserziehung einer geeigneten Familie oder Anstalt überwiesen werden können. Das Bürgerliche Gesetzbuch geht einen Schritt weiter und gestattet(§§ 1666 und 1878), auch ohne daß eine Straftat vorliege, Minderjährige außerhalb ihrer Familie zur Erziehung unterzubringen: 1) wenn deren geistiges oder leibliches Wohl durch die elterliche Gewalt und das ärgerliche Beispiel des Vaters oder der Mutter gefährdet wird, 2) wenn das Vormundschaftsgericht es für ein Mündel nötig oder zweckmäßig erachtet, 3) wenn nur so völliges sittliches Verderben verhütet werden kann.— Aus den von Ihnen angeführten Gründen, z. B. fortgesetzte Unachtsamkeit, Widerspenstigkeit und andere unwesentliche Kinderunarten kann eine Ueberweisung in die Fürsorgeerziehung nicht stattfinden. Veteranengruß zur Sedanfeier der Veteranenvereinigung von Stadt und Amt Wattenscheid, gefeiert in Günnigfeld am Sonntag, 21. Sept. 1913. Grüß Gott Euch, Veteranen. Die Ihr gekommen seid Im stolzen Waffenrocke, Im schlichten Bürgerkleid, Noch schlagen ja darunter Die alten Herzen sung, Hell blitzen Eure Augen Bei der Erinnerung. Erinnerung bleibt lebendig; Sie weckt die Toten auf Und führt die Deutschen wieder Zu neuem Siegeslauf, Da kommt der alte Kaiser Im schönen weißen Bart, Mit Bismarck, Roon und Moltke Und anderen ihrer Art. Treu scharen sich die Fürsten Zusammen Hand in Hand; Und die Soldaten jubeln: Mit Gott für's Vaterland! Gar tapfer geht's zum Streiten, Von Schlacht zu heißer Schlacht, Und manchem Kameraden Ist's letzte Bett gemacht. Und keiner war darunter, Der schwach und feige war, Ein jeder bot sein Leben Feindlichen Kugeln dar.—— So weilen die Gedanken In der Vergangenheit. Nun aber, Veteranen, Zurück zur neuen Zeit! Schaut Euch doch in die Augen, Ihr wurdet alle alt, Die Zeit grub tiefe Spuren, Auf Antlitz und Gestalt, Doch leuchtend ist geblieben Die Treue, die nicht wankt, Die sich um Reich und Kaiser Und Bundesfürsten rankt. Als Vorbild echter Treue sogt Ihr in Deutschland ein, sier sollt Ihr stets willkommen Und gern gesehen sein, Germania, die stolze, Die Führerin im Krieg, Sie wird, wenn's sein muß, führen, Das Heer zu neuem Sieg. Auf daß es unsere Feinde Im Land bekämpfen kann Und selbst den Frieden finde, Den es dem Reich gewann; Das schafft mit schönem Beispiel Die Veteranenschaar: Im eigenen Land ein Sedan Für unsern Zollernaar! Wattenscheid, den 22. September 1913. J. M. 4 Künstler=Konzecte zu popul. Eintrittspreisen. Die Firma Theodor Althoff, Musikalien=Abteilung, wird in der kommenden Saison dem Publikum mit der Veranstaltung von 4 Künstler=Konzerten zu kleinen Eintrittspreisen eine Anzahl Veranstaltungen bieten, die in ihrer glanzvollen Zusammenstellung das größte Interesse erwecken dürften. Um allen Kreisen Gelegenheit zu geben, einige der hervorragendsten Künstler Deutschlands kennen zu lernen, hat sich die Theodor Althoff entschlossen, die Eintrittspreise äußerst niedrig zu stellen. Als Mitwirkende wurde eine Anzahl der hervorragendsten Gesang= und Instrumental=Künstler verpflichtet. Die Namen der Mitwirkenden sind: Königl. Kammersängerin Hermine Bosetti, vom Hoftheater in München, Kgl. Sängerin Claire Dux, vom Kgl. Hoftheater in Berlin, Kammersängerin Elisabeth Boehm van Endert von der Deutschen Oper in Berlin, Tilly Koenen, Altistin aus Berlin, Kgl. Kammersänger Prof. Dr. von Bary, vom Kgl. Hoftheater in München, Kammersänger Heinrich Hensel(Tenor,) vom Stadttheater Hamburg, Kammersänger Oscar Bolz(Tenor,) vom Hoftheater in Stuttgart, Hofopernsänger Cornelis Bronsgeest(Bariton,) vom Kgl. Hoftheater in Berlin sowie Hofpianist Moritz Rosenthal aus Wien. Das 1. 3. und 4. Konzert wird unter Orchesterbegleitung stattfinden, die Klavierbegleitung im 2. Konzert hat Dr. Fritz Behrend aus München übernommen. Das 1. Konzert findet am 7. Oktober statt, das 2. am 4. November, das 3. am 1. Dezember und das 4. am S. Januar. Sämtliche Konzerte werden im Großen Saale des Städtischen Saalbaues abgehalten. Der Beginn der Konzerte ist auf 8,15 Uhr festgesetzt. Karten à Mark 2.— und Mark 1.65 inel. Programm nur bei Theodor Althoff, Theater—Kasse, Essen— Ruhr. Die tüchtigste Hausfrau ist die, welche am besten mit ihrem Wirtschaftsgelde hauszuhalten und es ihrer Familie mit möglichst wenig Kosten behaglich zu machen weiß. Solche Hausfrauen werden froh überrascht sein, wenn sie einmal einen Versuch mit dem vorzüglichen Seeligs Kornkaffee, dem besten bisher bekannten Kaffee=Ersatz, machen. Daß er außer durch seine ausgezeichnete Qualität und seinen billigen Preis auch gesundheitlich große Vorzüge bietet, wird dadurch bewiesen, daß er von den Aerzten sehr empfohlen wird und daß er auch in vielen Familien getrunken wird, denen es auf die Qualität sehr, auf den Preis aber nur wenig ankommt. 1 1 1— General de Lacroix über den Wert der„Zeppeline“. erlu he Hosgeten de Laeroir i.— maßgebenden Veneralisinus digen fur die. der M9bsguftg. ranzösischen Sachverstchn. über den Wart=ustschtffahrt das Wort, um sich ist gekommen: der Jeppeimn=Lustschiffe zu äußern.„Die Zeit iner Repisan““ besinnt der General,„um die Grundsätze tion unserer Lasträfte ganisa maßgebend waren.“ D itte der igen haben bewiesen, maschine schon heute als Erkundigungsmittel dem Heeresseher Hinsche berzeh ene in nicht beendet und babgen mitarische Flugwaschine sei noch vor uch— unn;(eine schwersten Aufgaben noch immer „Das Monopol der Aufmerksamkeit, das bei uns den Flugzeugen eingeräumt wurde und Gut haben noch keinen endgültigen Sppus des„Militärflugzeuges hervorbringen können, soneinen Entwurf dieser Maschine. Wir brauchen ein Flugzeug, das imstande ist, mit mehreren Personen zu flieaschinengewehr zu tragen und genügend flüssigen rennstoff mitzuführen, um einen großen Aktionsradius zu Wenn das einmal erreicht ist, wird das Flugzeug seine eigentliche militärische Rolle erfüllen können, wird mit einem Flieger fliegen, mit zwei Mann, die das Maschinengewehr bevienen und mit einem Stabsoffizier, der Beobachtungen macht. Aber auch dann noch,“ so fährt der General fort,„wird es in zwei Beziehungen dem Luftschiff legen sein: es wird üb störungskraft verfügen fliegen. Die deutschen Luftschiffe vom Zeppelin=Typ dagegen sind infolge ihres großen Umfanges in der Lage, bedeutende Mengen von Explosivstoffen mitzuführen. Sie können diese Sprengstoffe auf genügend große Ziele herabwerfen. Sie sind leichter befähigt, nächtliche Fahrten zu unternehmen, denn nachts ist die Atmosphäre ausgeglichener und die Navigation sicherer: und so können sie unter dem Schutze der Dunkelheit sich unbeobachtet nahen und plötzlich Zerstörung und Panik aussäen. Aber noch mehr: um sie erreichen zu können, bedürften die Landbefestigungen senkrecht feuernder Geschütze. Der Bau solcher Geschütze ist zwar möglich, aber doch , ist zu gering, und sie würden auch niemals gerade an dem Punkt sein, an dem sie plötzlich benötigt werden. Die Verteidigung durch die Luft aber, also die Abwehr durch Flugmaschinen, kann gegen die Zeppeline nur von geringer Wirkung sein, weil die Flugzeuge sowohl in ihrer Ausrüstung wie in ihrer Bewaffnung zu schwach sind und weil die Zeppeline ihnen in dieser Hinsicht überlegen bleiben. Schließlich ermöglicht es die Fähigkeit schneller Höhenbewegungen den Zeppelin=Luftkreuzern, sich dem Bereiche eines plötzlichen Angriffes zu entziehen. Wir sind daher gezwungen, anzuerkennen, daß die Zeppeline mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln imstande sind, unsere Grenzen zu überfliegen, unsere wichtigsten Konzentrationspunkte aufzusuchen und Sprengstoffe in unsere Festungen zu werfen, ohne daß wir die geringste Gewißheit haben, sie daran hindern zu können. Die Gefahr würde nur aufhören, wenn wir selbst über gleiche Waffen verfügten. Der französische Generalissimus erörtert dann die Frage, in welchem Maße Großbritannien die Zeppeline zu fürchten haben würde, und weist darauf hin, daß, von einzelnen Beschädigungen abgesehen, eine entscheidende Rolle den Luftkreuzern nicht zufallen werde, so lange die britische Flotte nicht niedergekämpft sei. Für England handelt es sich daher nur um die Frage, in welchem Maße Luftkreuzer vom Typus des Zeppelin imstande sind, der britischen Flotte Schaden zuzufügen.„Die Angriffskraft der Zeppeline gegen Kriegsschiffe konnte bisher mit Gewißheit nicht festgestellt werden. Aber sie besteht in dem Maße, als diese Dreadnoughts der Lüfte Sprengmittel mitführen und mit einer gewissen Genauigkeit auf bestimmte Ziele entladen können. Die mit unseren Flugzeugen vorgenommenen Versuche im Bombenwerfen haben zur Konstruktion einer Visiervorrichtung geführt, auf Grund derer es durch einen einfachen Handgriff möglich wird, den herabgeschleuderten Bomben genau die Richtung zu geben. Diese Einrichtung ist höchst einfach und von größter Wichtigkeit, denn die Entfernung und das Zielfeld kann nicht genau bestimmt werden, wenn das Luftschiff über eine in einer einzigen Linie formierten Flotte dahinfliegt. Wenn aber die Schiffe in kurzen Abständen in Kiellinie einander folgen, beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Treffers 1:2.“ Den Beweis, daß die deutschen Luftkreuzer sowohl im Erkundigungsdienst als auch offensiv im Seekriege solche Dienste leisten können, hält General de Lacroi nach den Ergebnissen der Flüge über der Ostsee für erbracht. Und trotz der jüngsten Katastrophe kommt er zu dem Ergebnis, daß„eines dieser zur Offensive befähigten Luftschiffe so große Dienste leisten könne wie alle die(in England bereits formierten) Flugzeuggeschwader zusammen.“ Daher bleibe für Frankreich und England nur eine Wahl: man baue ebenso leistungsfähige Luftkreuzer. Eine Beichte. Novellette von Betty Rittweger. O, wie er sie liebt! Wie glücklich er sich in ihrem Besitz fühlt. Als Entfühnung, als Heiligung empfindet er's daß perz dieses Mädchens sich ihm zugewendet hat, ihm, der das Leben in tollem Jagen genossen hat, viele Jahre lang. Bis er's müde war. Oder hätt' er dem Treiben vielleicht eher Einhalt getan, wenn sie, Maria, ihm eher begegnet wäre? Ach, weg damit! Das Vergangene ist vergangen, und die Gegenwart ist so schön. So wunderschön. Seine kleine Maria wartet auf ihn, daß er sie zum Spaziergang abholt; zum ersten Male wird sie an seinem Arme durch die Straßen gehen, und sie wird ihn an ihren Lieblingsplatz führen, zur Bank am Waldrand hoch über der Stadt. So haben sie's gestern verabredet. Und zaghaft hat sie hinzugesetzt:„Ich muß dir da oben etwas sagen, Liebster, eine Beichte muß ich dir ablegen“. Er lächelte bei dem Gedanken daran, wie ernsthaft die schönen blauen Augen ihn dabei angeblickt haben. Und ein ganz feines Rot hatte ihr süßes Antlitz überzogen, und sie sah so entzückend aus, daß er an sich halten mußte, um sie nicht durch zu stürmische Umarmung zu erschrecken. Sie war ja noch so mimosenhaft scheu seinen Liebkosungen gegenüber, und er achtete diese Scheu seiner kleinen Heiligen. Sie ergriff ihn, denn er hatte so etwas noch nie kennen gelernt. Was mochte Maria ihm zu beichten haben? Komisch, daß der Gedanke daran ihn fast etwas bedrückt. Er lächelt über sich selbst, als er sich den Schlips umbindet und seine bedenkliche Miene im Spiegel sieht. Aber er kann das Gefühl leiser Angst doch nicht ganz bannen. Ach, Torheit! Er beeilt zür neuen Aniegsgera Das scharse Vorgehen Japans gegen die chinesische Republik läßt die Möglichkeit eines neuen Krieges im fernen Often immer mehr zur Wahrscheinlichkeit werden. Japan will den Krieg und China ist ebenfalls fest entschlossen, den Entscheidenden Waffengang zu wagen. Der Umstand, daß in Ranking neuerdings Exzesse gegen Japaner stattgefunden haben, in deren Verlauf ein Japaner getötet und mehrere schwer verletzt wurden, hat die Erbitterung in Japan nur noch mehr aufgepeitscht. Auf beiden Seiten werden die Rüstungen fieberhaft betrieben. Die eigentliche Vorgeschichte zu dem Konflikt ist folgende: In China ist bekanntlich seit einigen Monaten eine Revolution im Gange, die ihre Ursache im letzten Grunde in Zwistigkeiten zwischen den beiden Führern der jungen Republik, Yuanschitkai und Doktor Sunyatsen hat. Es finden fast ununterbrochen Kämpfe statt, die einstweilen für Dr. Sunyatsen einen so unglücklichen Verlauf nahmen, daß dieser flüchten mußte. Er wendete sich nach Japan und hält sich dort wahrscheinlich in der Hauptstadt Tokio auf. Im Verlaufe der Revolutionskämpfe in China ist es auch vielfach zu Ausschreitungen gegen Ausländer gekommen, und besonders arg waren jene, die gegen Japaner begangen wurden. Die japanische Regierung richtete schließlich an China eine energische Note, in der sie verschiedene Beschwerden vorbrachte. Der alte Haß der Japaner gegen die Chinesen hat durch diese Vorgänge neue Nahrung gewonnen und auch die angebliche Friedensliebe des jungen Kaisers Yoschihito dürfte den Ausbruch von Feindseligkeiten kaum verhindern. Besonders auf die Stadt Nanking scheinen die Japaner es abgesehen zu haben. Diese Riesenstadt, die südliche Hauptstadt von China, liegt 210 Km. von der Mündung des Yangtsekiang, war früher die Hauptstadt Chinas und damals wohl mit 30 Km. Umfang u. 800 000 Einwohnern die größte und bevölkeriste Stadt der Erde. Die Stadt hat jetzt 225000 Einwohner und ist eine wichtige Militärstation. Sie hat u. a. eine Marineschule, Geschützgießerei und ein stärkes Arsenal. sich mit seiner Toilette, denn er darf Maria nicht warten lassen. Und ein paar Blumen muß er doch auch unterwegs noch besorgen. Als er im Blumenladen steht, wird ihm die Wahl schwer. Orchideen, Rosen„Nelken— ach, all diese Blumen hat er so entsetzlich oft verschenkt, so manche Frau hat sich damit geschmückt, an die er sich nicht ohne leises Grauen erinnern kann. Er bringt's nicht fertig, seiner Braut diese Blumen anzubieten. Heute nicht, da sie zum ersten Male mit ihm ausgeht. Wenn er nur etwas fände, etwas ganz Schlichtes— halt, dort in dem Napf die Vergißmeinnicht. Die, am Bachrand in Freiheit erblüht, ihm rein, lieblich und jung erscheinen. Und die er noch niemals verschenkt hat. Die Verkäuferin macht ein spöttisches Gesicht, als der reiche, ihr wohlbekannte Herr von Stetten ein Sträußchen Vergißmeinnicht fordert, nichts weiter. Er legt ein Dreimarkstück auf den Tisch, und sie giebt ihm 2 Mark 80 Pfennige zurück und sagt, als er sie erstaunt anblickt:„Ja, die sind billig, das Zeug wächst ja wie Unkraut". Er läßt die 80 Pfg. liegen und sie knixt:„Vielen Dank, Herr von Stetten". Jetzt noch um eine Ecke, dann kann er das Haus von Marias Eltern sehen. Sie steht auch schon im Erker und winkt ihm mit ihrem Tüchlein einen Gruß zu. Sonderbar, daß er das gar nicht lächerlich findet, daß er sich vielmehr darüber freut. Wenn sie wirklich etwas Ernstliches zu beichten hätte— dann wäre sie nicht— aber das ist ja alles dummes Zeug! Hätte er nur nicht gerade gestern abend vorm Einschlafen die Novelle gelesen, die alberne Novelle, deren Heldin ein ganz junges Mädchen ist, das Kind feingebildeter Eltern, sorgfältig erzogen, äußerlich engelhaft schön und lieblich, und doch innerlich verdorben. Nein, wie kann sich nur ein vernünftiger Mensch mit solchen Gedanken quälen? Sie sind wie ausgelöscht, als er nach einer Viertelstunde mit Maria durch die Straßen schreitet. Er hat seinen Arm nach modernem Brauch in den ihren schieben wollen, da hat sie gebeten:„Nicht so, Lieber, du sollst mich führen und leiten, heute und immer, du bist ja so viel klüger und besser als ich.“ Wie entzückend sie aussieht im weißen Kleid, das Vergißmeinnichtstraußchen am Gürtel. Wie ein menschgewordenes Märchen erscheint sie ihm, mit dem geheimnisvollen Ausdruck in den Augen, im Schmuck ihrer lieblichen Jugend. Sie verlassen die Stadt und wandern bergan zwischen grünen Wiesen und wogenden Aehrenfeldern. Falter flattern durch die Luft, und im Gras zirpen die Grillen. Still schreiten die zwei Menschen nebeneinander, nur ab und zu wirft Albrecht von Stetten eine Bemerkung hin, und Maria gibt freundlich kurze Antwort. Dem Wald nahe zeigt sie auf eine Bank, die unter einer wundervollen Eiche steht:„Dort ist's, das ist mein Lieblingsplatz. Als sie ihn erreicht haben und Seite an Seite sitzen, hebt sie an:„Nun hör’ mir zu, du lieber Mann; ich muß es vom Herzen haben, eher kann ich nicht ruhig werden.“ „Ach, Kind, Kind, was könntest du mir zu beichten haben? Du Liebes, Süßes! Hast du mal in der Pension eine Lehrerin gekränkt oder hast du heimlich Sahnenwindbeutel in der Konditorei genascht? Das sind wohl so die kleinen Sünden, die ihr begeht?“ Albrecht von Stetten versucht so die beklemmende Angst, die ihn plötzlich nun wieder befällt, wegzuscherzen. Da legt Maria die Hand auf seinen Arm und sieht ihn mit großen, angstvollen Augen an und bittet: „Nicht so, Lieber, mir ist sehr bang, wie du es aufnimmst. Ich mußedir sagen, daß ich schon einmal geliebt habe. Nein, bitte, sprich nicht, ehe du alles weiß". Heiß und kalt überläuft's den Mann, und er preßt die Lippen fest zusammen, um nicht aufzuschreien wie ein verwundetes Tier. Es wird ihm schwarz vor den Augen, und er hört wie aus weiter Ferne die Stimme des Mädchens, das seine Braut ist, auf dessen Reinheit er Felsen gebaut hatte. Und nun kommt's, nun ist alles vorbei! Maria spricht:„Sieh, Lieber, ich war erst fünfzehn alt, vor zwei Jahren ist's gewesen. Da war ich zu Besuch bei Großmutter auf dem Gut. Er war der Sohn des Pastors und besuchte die Oberprima des Gymnasiums in der nahen Stadt. Jeden Morgen ging er hin und Abends zurück, und am Sonnabend kam er schon eher und blieb bis Sonntagabend. Wir sahen uns täglich, und Sonntagnachmittag tranken Pfarrers regelmäßig Kaffee bei Großmutter, Kurt und ich, wir liefen nachher zusammen im Park und im Feld und im Wald umher, und Kurt las mir Gedichte vor, und wir sammelten seltene Pflanzen, die wir nachher bestimmten. Das machte uns so viel Freude. Und Abends spielten wir oft vierhändig. Am schönsten war's aber, wenn mir Kurt auf der Orgel Kirchenlieder vorspielte. Ich saß dann im Patronatsstand, der Orgel gerade gegenüber, und die Sonne schien durch die bunten Glasfenster, und Kurts blondes Haar schimmerte in ihren Strahlen. Das sah so wunderhübsch aus. Ich war wie in einer anderen Welt in diesen Stunden. Und es gehörte auch ein See zum Gut, und Kurt ruderte mich zuweilen zu der kleinen Insel in der Mitte des Sees, und dann verzehrten wir zusammen die mitgebrachten Vorräte. Und wir sangen, daß es weithin über das Wasser schallte. Kurt hatte eine sehr schöne Stimme.“ Maria schwieg eine Weile, und Albrecht stieß heraus:„Und weiter, Maria, was geschah weiter?" Maria fuhr leise fort:„So blieb's bis zum Herbst und es war so herrlich, aber doch auch traurig. Ich träumte fast jede Nacht von Kurt, und wenn er nicht bei mir war, sehnte ich mich nach ihm, und ich fühlte, daß ich ihn lieb hatte, ganz anders lieb wie Papa und die Brüder. Und als wir uns Lebewohl sagten nach den schönen Sommerwochen, da— da küßte mich Kurt auf die Stirn, nur einmal und ganz leise, und er sagte:„Gott behüte Dich, Maria.“ Wir nannten uns Du, weil wir schon früher einmal einen Sommer lang zusammen gespielt hatten.“ Maria schweigt wieder. „Nun, und— ich warte immer noch auf Deine Beichte, Maria. Es lag wie Groll und Ungeduld in Albrechts Stimme, und Maria sieht den Geliebten ängstlich an:„Ja, das war doch eben meine Beichte, Albrecht. Nur eins noch. Als ich wieder zu Hause war, fühlte ich mich oft sehr unglücklich, und jeden Abend im Bett weinte ich vor Sehnsucht nach Kurt, und Mama sagte, ich wäre so blaß, und ich mußte Eisen nehmen. Und dann, Ostern, kam ich in die Pension am Genfer See, und da gefiel's mir ausgezeichnet, und ich dachte gar nicht mehr an Kurt. Oder doch nur ganz selten. Aber nun, als ich Dir mein Jawort gegeben hatte, fiel mir's so schwer aufs Herz, daß Dir nicht meine erste Liebe gehörte, und da fühlte ich, daß ich nicht eher ruhig werden könnte, bis ich Dir alles gesagt hätte. Eigentlich hätt' ich's vorher tun müssen, aber als Du mir sagtest, daß Du mich liebst, da war ich so unendlich glücklich, daß für keinen anderen Gedanken Raum in mir war. Kannst Du mir verzeihen!“ „Kind, Kind— ich Dir verzeihen?“ murmelt Albrecht und atmet tief auf.„Du weißt nicht, was Du sagst, Liebling. Hör' nur eins: Ich bin's ja gar nicht wert, daß du mich so lieb hast. O Du Kind, komm, küsse mich und mach' mich rein und gut, wie Du es bist.“ Demütig kniet Albrecht vor dem jungen Mädchen nieder, und Maria beugt sich zu ihm und küßt ihn. Der Mann aber, der sich schämt, wie noch nie in seinem Leben, gelobt sich, daß diesem Wesen nur Gutes von ihm kommen soll, soweit es in Menschenmacht liegt. Loche K 6 Unorr-Suppen sind durch ihre stets gleichbleibende Qualität die Lieblingssuppen der hausfrauen geworden. Jedes bessere Cebensmittel- Geschäft führt die Unorr-Suppen in der charakteristischen Würfelpackung, nämlich: Würfel 3 Celler 10 J u= 40 Sorten Rote Würfel 3 Celler 10 g)= 6„ pikan! Ebenso anerkannt sind Nuser=Hafermehl, Haferflocken. 8 8 Modenichau Von Montag, d. 22. Sept., nachm. 4 Uhr, bis Samstag, d. 27. Sept, zeigen wir im Orientlaal, II. Etage# die neuelten PARISER ORIGNAL-MODELLE und Kopien in Damen-Konfektion. Wir weilen auf die außerordentlich große Auswahl und die belonders billigen Preise hin. PARENNONT Effen-Ruhr. 8 K er 18 Nr. 220.(2. Blatt.) Montag, den 22. September 1913. 45. Jahrgang. AnttenscheirerZ,. gegrördet 1868(Mauafte Machrichten.) (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts; i 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin 1 * zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach: Erhalt der Rechnung. 1 Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Adr.: Zeitung. Teleson 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet; 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).; ueesenenseneenereseenemsssen Die preußischen Finanzen im Rechnungsjahr 1914. Demnächst nehmen die Verhandlungen des Finanzministeriums mit den Einzelressorts behufs Prüfung und Feststellung der von letzteren für das Rechnungsjahr 1914 angemeldeten Forderungen ihren Anfang. Dabei wird sich, wie in früheren Jahren, so auch diesmal herausstellen, daß die Bedürfnisse und Wünsche über das Maß der vorhandenen Deckungsmittel hinausgehen. Zweifellos wird die Aufgabe, hierin bei der Aufstellung des preußischen Etatsentwurfs für 1914 einen angemessenenAusgleich herbeizuführen, ohne daß die Kulturaufgaben leiden, diesmal noch schwieriger als sonst zu lösen sein; denn unter dem zwingenden Gebot der Sparsamkeit haben in den letzten Jahren wiederholt auch an sich berechtigte Forderungen zurückgestellt werden müssen, die mit verstärkter Dringlichkeit wiederkehren und Befriedigung verlangen. Die Frage, ob es unter diesen Umständen gelingen wird, auch im Rechnungsjahr 1914 ohne Zuschlagsanleihe auszukommen, ist deshalb von besonderem Interesse, weil mit dem Etat für das laufende Rechnungsjahr zum 1. Male die voranzegangene 5 jähr. Desizitperiode überwunden wurde und nunmehr sich zeigen muß, ob die damit eingetretene Besserung des Standes der preußischen Staatsfinanzen von Dauer sein wird. Was dazu seitens der Staatsregierung geschehen kann, wird sicherlich geschehen. Aber auch das Abgeordnetenhaus, das zum 1. Male in der neuen Legislaturperiode den Staatshaushalt zu verabschieden hat, wird es an verständnisvollem Zusammenwirken mit der Staatsregierung nicht fehlen lassen dürsen, wenn das Ziel erreicht werden soll. Die Wege, die der Landtag dabei zu gehen hat, sind durch die finanzwirtschaftliche Praxis und Entwicklung der letzten Jahre verzeichnet. Wenn es gelungen ist, in den Rechnungsjahren 1911 und 1912 statt der elatsmäßigen Fehlbeträge rechnungsmäßige Ueberschüsse, wenn auch von geringer Höhe, zu erzielen und die Rücklagen in den Ausgleichsfonds gegenüber den im Etat angenommenen Beträgen beträchtlich zu erhöhen, so nicht zum wenigsten deshalb, weil 2 Momente der Stetigkeit, die anläßlich der Finanzreform von 1909 getroffene Vereinbarung betreffs Festlegung der ungedeckten Matrikularbeiträge und das Eisenbahnabkommen von 1910 getroffenen Regelung abhängig ist, auch nach Ablauf der bisherigen Geltungsdauer der Vereinbarung zweckmäßig zu bewegen hat, sollte damit auch für den Landtag vorgezeichnet sein. Auch insofern bleibt der Staatshaushalt im Rechnungsjahr 1914 im gewohnten Gleis, als die im Jahre 1909 beschlossenen Einkommen= u. Ergänzungssteuerzuschläge, nachdem die neuen Steuergesetze nicht zustande gekommen sind, weiter zur Verfügung stehen. Jedenfalls wird das Aufkommen aus diesen Zuschlägen im Etat für 1914 nicht wieder wie im Etat für 1913 zur Beschaffung der erforderlichen Deckungsmittel sich als unumgänglich notwendig erweisen, und eine Steigerung dieses Aufkommens, wie sie erwartet werden dart. wenn die Ergebnisse der Veranlagung für den Reichswehrbeitrag für die Neuveranlagung der preußischen Ergänzungssteuer nutzbar gemacht werden. könnte nur willkommen geheißen werden. Denn abgesehen davon, daß es gilt, für Befriedigung der immer wachsenden Ausgabeerhöhungen zu sorgen, muß angesichts des engen Zusammenhanges zwischen Staatsfinanzen und Wirtschaftsleben im preußischen Staatshaushalt mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß der Ausgleichsfonds, noch ehe er die vorgesehene Höhe von 500 Millionen Mark erreicht hat, für die auf ihn angewiesenen Ausgabezwecke in Anspruch genommen werden muß. Dazu kommt aber weiter, daß sich die gebieterische Notwendigkeit einer verstärkten Schuldentilgung immer mehr fühlbar macht. Während im Reiche seit 1909 erheblich höhere Tilgungssätze in Geltung sind, findet in Preußen die Schuldentilgung nach niedrigeren Sätzen und von der jedesmal vorhandenen Schuld statt. Daß bei der Neuregelung der Verwendung der Eisenbahnüberschüsse hierin Wandel geschaffen werden muß, hat der Finanzminister in seiner letzten Etatsrede mit allem Nachdruck betont. Auch von dieser Seite her wird man also mit neuer Belastung der preußischen Staatsfinanzen zu rechnen haben, der bei der Neuregelung des Verhältnisses zwischen Eisenbahnfinanzen und Staatsfinanzen, sowie überhaupt im Rahmen der weiteren Entwicklung der preußischen Finanzen Berücksichtigung zuteil werden muß, wenn die günstigen Grundlagen, auf denen die preußische Staatswirtschaft nach Wiederherstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt mehr als je beruht, auch bei rückläufiger Konsunktur, erhalten bleiben sollen. der Tuberkulose im Pnsealter Aachen, 22. Sept. Auf der hier tagenden 8. Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege wurde über die Bekämpfung der Tuberkulose im Kindesalter gesprochen. Der Referent Prof. Dr. Gastpar=Stuttgart führte dazu aus: Nach den Ergebnissen der Statistik und der Pathologie ist das Kindesalter bis zum 16. Jahr das Alter der Tuberkuloseinfektion und der latenten Tuberkulose. Die im Kindesalter vorkommende Tuberkulose zeigt wesentlich andere Erkrankungsformen als die des erwerbstätigen Alters. Die Tuberkulose des Kindesalters ist die Frühform, die des erwerbstätigen Alters die Spätform derselben Krankheit. Daher kommt die Bekämpfung der Tuberkulose im erwerbstätigen Alter zu spät. Erst dann ist eine Bekämpfung der Tuberkulose aussichtsvoll, wenn sie bereits im Kindesalter einsetzt, denn hier kann sie sich noch direkt gegen die Ursachen der Infektion und auch der Erkrankung wenden. Die einzelnen Maßnahmen das Kampfes sind: 1. Verhütung der Infektion durch Vernichtung des Ansteckungsstoffes, durch Isolierung der Gefährdeten aus der Krankenumgebung. 2. Gesundung latenter Tuberkulosefälle durch Maßnahmen zur Kräftigung kränklicher Kinder, zum Beispiel in Erholungsheimen, WaldDer Ublenhoff Roman von A. v. Limburg. 0(Nachdruck verboten Vielleicht waren es die weichen Haarwellen vom seltensten Aschblond, welche ihr Gesicht einrahmten, in die sich die Herzen verstrickten; oder jene wunderbaren, grünlich schillernden Nixenaugen, welche sie eben langsam zu dem jungen Manne an ihrer Seite aufschlug. Eine Welt voll Glück verhießen diese Augen— aber es blieb ihm keine Zeit, sich in dieselben zu vertiefen, schon hatte ihr Blick ihn losgelassen und flog über den Tisch; es sprühte aus ihm wie in übermütigster Spottlust. Die junge Frau flüsterte ihrem Nachbar einige Worte zu. „Liebe Elli“, sagte sie dann laut zu ihrer Schwester hinäber,„hast du schon mit Baron Uhlenhoff darüber gesprochen, daß du für die armen lippischen Arbeiter auf seiner Besitzung Strümpfe stricken und Kinderzeug nähen willst? Es ist wirklich reizend“. setzte sie dann mit der ernsthaftesten Miene von der Welt hinzu,„wie hilfreich und fleißig unsere Elli immer allen Menschen dienen möchte!" Die ganze Gesellschaft konnte sich kaum das Lachen verbeißen, so verzweifelt komisch war der Anblick des ältlichen Mädchens, das, halb geschmeichelt, halb in jungfräulicher Verlegenheit darüber, sich in Uhlenhoffs Gegenwart so gelobt zu hören, ganz gerade an ihrer großen Vogelnase herunter sah. Jedermann wußte, daß es das Ziel ihrer Wünsche war, Herrn von Uhlenhoff zu heiraten. Es wunderte sich auch niemand mehr darüber, daß das Stiftsfräulein sich zum hundert und soundsovielten Male in den Kopf gesetzt hatte, den und keinen anderen noch mit ihrer Hand zu beglücken: man kannte diese kleine Schwäche, die sich bei ihr veriodisch seit stebzehn Jahren wiederholte. Auch darüber wunderte sich niemand mehr, daß Frau von Ohling die eigene Schwester zur Zielscheibe ihres Spottes machte; wenn ihr dergleichen durch den Kopf fuhr, war sie eben ganz wie ein Kobold oder eine Nire, die edlen Gesinnungen nicht unterworfen sind. Onkel Klaus Moritz auf Lohmühlen, der Bruder der alten Frau von Elmeloh, pflegte, in seiner wunderlichen Weise sprechend, von den beiden Schwestern zu sagen: „Die Kleine is mich doch noch lieber wie die Große; wenn der nur nicht immer die Geschichtens und Angelegenheiten mit dem Heiraten im Kopfe herumspukten, so wäre sie ein ganz fleißiges, vernünftiges und respektables Frauenzimmer.“ Und Onkel Klaus pflegte häufig den Nagel auf den Kopf zu treffen. Während so durch Fräulein Ellidores mildtätige Absicht,„Strümpfe zu stricken“, die Rede auf die armen, eingewanderten lippischen Arbeiter kam, welche Uhlenhoff in bedeutender Anzahl bei der Febrikation von Ziegelsteinen beschäftigte,— ein größeres Unternehmen, das er zur Ausnutzung einer umfangreichen Tongrube in Angriff genommen hatte,— kam, anknüpfend daran, auch das Gespräch auf seine Besitzung überhaupt. Die Frau des Hauses erinnerte sich dabei in freundlichster Weise seiner so jung verstorbenen Mutter und sagte, daß sie zu deren Lebzeiten einige Male auf„Uhlenhoff“ gewesen sei, und daß das alte Haus ihr damals großes Interesse eingeflößt habe. „Ach ja“, rief Fräulein Ellidore begeiste.t aus,„mar hat schon so viel Wunderbares von Ihrem alten Schlosse gehört, daß man fast vor Neugier umkommt, es auck einmal in der Nähe zu sehen! Nicht wahr, Helenchen?“ wandte sie sich an das junge Mädchen, welches, damit be schäftigt, den Tee einzuschenken, soeben dem Gaste die Tasse zum zweiten Male gefüllt hatte. Fräulein von Elmeloh verwaltete ihr hausfrauenhaftes Amt sehr anmutig, ihre frühlingsfrische Schönheit kam in dem hellen Musselinkleide, mit welchem sie ihr Reitkostüm vertauscht hatte, fast noch mehr zur Geltung. Die Art und Weise ihrer Consine, Herrn von Uhlenhoff zu einer Einladung zur Besichtigung seines Hauses erholungsstätten. Waldschulen usw. 3. Durchführung des Heilverfahrens bei den Erkrankten in eigenen Kinderheilstätten.— Um die Organisation der Bekämpfung planmäßig zu betreiben, sind außerdem besondere Einrichtungen und Organe nötig. Erforderlich ist vor allem die allgemeine Anzeigepflicht bei Erkrankungs= und Todesfällen an Tuberkulose sowie beim Wohnungswechsel. Weiter ist die Einrichtung einer ärztlichen Ueberwachung des Kindesalters nötig, also insbesondere die Einführung eines geordneten Schularztdienstes und dessen Ausdehnung auf die vorschulpflichtigen Kinder. Schließlich muß der Kampf in den Fürsorgestellen für Tuberkulose zentralisiert werden. Zu wünschen wäre auch die Angliederung der Wohnungsinspektion an die Fürsorgestellen. Die entstehenden Kosten sind von Staat und Gemeinde unter tunlichster Heranziehung der Krankenkassen und Versicherungsstellen zu tragen. An den Vortrag schloß sich eine längere Aussprache, die mit der einstimmigen Annahme des folgenden Antrages endete:„In Anbetracht der Tatsache, daß die Bekämpfung der Tuberkulose im Kindesalter eine der wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege ist, die immer neue und eingehendere Maßnahmen notwendig macht und mit allen Kräften gefördert werden muß, spricht der Deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege den dringenden Wunsch aus, daß die Reichsregierung und die Staatsverwaltungen zur Unterstützung des Kampfes gegen die Tuberkulose im Kindesalter möglichst reiche Geldmittel alljährlich in ihren Etat einstellen.“ Künstliches Taglicht. Lange schon beschäftigen sich die Fachleute damit, eine das Tageslicht ersetzende, künstliche Lichtquelle zu schaffen, um auch nach Eintritt der Dämmerung eine dem natürlichen Tageslicht ähnliche Beleuchtung, insbesondere farbiger Gegenstände zu erzielen. Bekanntlich erscheinen farbige Dinge bei künstlicher Beleuchtung ganz anders gefärbt als bei Tage. Nach einem uns abschriftlich vorliegenden Prüfungsschein des Physikalischen Staats=Laboratoriums in Hamburg ist es nun der Firma Siemens& Halske Aktiengesellschaft gelungen, eine Sondertype ihrer bekannten Wotan=MetalldrahtLampen herzustellen, deren Lichtausstrahlung tatsächlich dem Tageslicht sehr nahe kommt. Sie eignet sich insbesondere auch zur Ergänzung des Tageslichtes in ungenügend beleuchteten Räumen, ohne daß dabei Zwielicht entsteht. Für das Auge wohltuend ist das Licht dieser Wotan=Verico=Lampe dadurch, daß es arm an kurzwelligen Strahlen ist.— Die WotanVerieo=Lampe wird von den Siemens=Schuckertwerken auf den Markt gebracht. Zeit ist Geld. Des heut'gen Tags darf alles schnell nur gehen, Was Zeitverlust beansprucht, schafft Verdruß. Drum will die Hausfrau nichts von Suppen wissen, Die lang und mühsam sie bereiten muß. Sie braucht's auch nicht! Denn Maggi's Würfel geben Mit Wasser nur gekocht in kurzer Frist Ihr Tag für Tag stets neue beste Suppen, Die alt und jung mit Wohlbehagen ißt. gleichsam aufzufordern, kam ihr taktlos vor und war ihr peinlich. „Alte Häuser sind überhaupt oft interessanter, als die neuen", antwortete sie deshalb ausweichend. „Auch wenn der Wind durch Tür und Fenster pfeift und es darinnen spukt, Cousinchen?“ fragte neckend Felix Sondorff. „Natürlich, dann erst recht“, gab sie lachend zurück. „Soll es doch sogar sonderbare Käuze geben“, sagte Uhlenhoff leichthin,„denen viel daran gelegen wäre, einige spukhafte Ahnen zu besitzen.“ lag so wenig Absichtlichkeit in dem Ton, in welchem diese Worte gesprochen wurden, daß man nicht leicht auf die Idee kommen konnte, sie seien anzüglich gemeint. Dennoch errötete Sondorff heftig, und seine hübschen Züge verzerrten sich förmlich, indem er seine Aufregung zu verbergen, aufstand, um sich seine Tasse noch einmal füllen zu lassen. „Dürfte ich annehmen“, fuhr indessen Uhlenhoff mit der unbefangenen Miene eines Mannes fort, der keine Ahnung davon hat, daß seine Worte irgend jemanden hätten verletzen können,„mein altes Haus zu besehen sei für die Damen von irgendwelchem Interesse, so würde ich Sie, gnädigste Frau, um die Ehre bitten, an einem der nächsten Nachmittage für kurze Zeit meinem einsamen Heim die fehlende Hausfrau ersetzen zu wollen. Es gibt freilich kaum zwei Zimmer, die noch einigermaßen gut erhalten sind.“ Er hatte sich mit seinen Worlen direkt an die Hausfrau gewandt und hielt nun, eine Antwort erwartend, ime. Frau von Elmeloh zögerte einen Moment. Sie war vielleicht die einzige von den Anwesenden, welche die verräterische Glut in dem Gesichte des jungen Offiziers bemerkt hatte. Als einziges Kind einer verstorbenen geliebten Schwester, stand der junge Mann ihrem Herzen sehr nahe, und es tat ihr deshalb leid, daß er sich verletzt fühlte, wenn auch nur aus beleidigter Eitelkeit. (Fortsetzung folgt.) Deutschland: Verzicht des Prinzen Ernst August auf Haunover? a Zerlin, 22. Sept. Wie die Wiener„Reichspost“ mel2# Prinz Ernst August von Cumberland für sich und seine Erben am 15. September den Verzicht auf das Königreich Hannover unterzeichnet. Bei den guten Beziehungen, welche das Blatt sowohl zum Wiener Hofe wie auch zum Gmundener Hofe hat, wird man von dieser Nachricht, die v. Ja be stimmter Form gebracht wird, Notiz nehmen müssen. ##er amtlicher Stelle war eine Bestätigung der Nachst zu erlangen. Tatsache ist jedoch, daß in letzter Zeit eiferige Verhandlungen stattgefunden haben zwischen der preußischen und braunschweigischen Regierung einerseits und mit dem Gmundener Hofe andererseits. B.„ Ansere Armee. Berlin, AI. Sept. Durch die neue Heeresvorlage ulste den 1., 12 ber 1913 insgesamt 38 467 Mann mehr einkamterie“ bisher und zwar 21 835 Mann bei der In4487 Mann bei der Kavallerie, 4533 Mann bei der Feldartillerie, 3308 Mann bei der Fußartillerie, 1576 Mann bei den Pionieren, 1544 Mann bei den Verkehrstrupzur Einstellung Train. Außerdem kommen neu Gefamt=Ctaten 4.8 825 Reitpferde und 6070 Zugpferde. Die Eesumt=glatsstätte des deutschen Heeres wird vom 1. Oktober ls# betragen: 31 459 Offiziere, 2480 Sanitätsoffiziere, 865 1593 Zahlmeister, 1234 militärische Beamte, 703.285 mnn.z“ 647788 Mann, zusammen also Die Altpensionäre. ##Perlin, 22. Sept. Eine Vorlage über die gesetzliche biegelung der Pensionsverhältnisse der Altpensionäre des Reichs ist im Reichsschatzamt fertiggestellt und wird dem Reichstag so frühzeitig zugehen, daß sie am 1. April 1914 in Kraft treten kann. In Preußen sind Erwägungen im Gange, ob man sich diesem Vorgehen anschließen soll, da bekanntlich die Pensionsverhältnisse der preusischen Altpensionäre nur im Verordnungswege geregelt sind. Da Preußen und das Reich in Beamtengehaltsfragen möglichst in Uebereinstimmung handeln, kann man annehmen, daß auch Preußen eine gesetzliche Regelung vornehmen wird. Prinzessin=Taufe. Berlin, 22. Sept. Die Taufe der am 23. Aug. des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen wird am Donnerstag, 2.Okt. im Schlosse Camenz in Schlesien stattfinden. Eine Huldigung der Kronprinzessin. Bremen, 21. Sept. Der Schnelldampfer„Kronprinzessin Cecilie“ vom Norddeutschen Lloyd mit der Kronprinzessin an Bord ist von seiner Reise nach dem englischen Kanal programmäßig Samstag nachmittag nach der Weser zurückgekehrt. Er traf in Bremerhaven um 4,12 Uhr ein. Prächtigstes Wetter begünstigte die Fahrt bis zum Schluß. Anläßlich des Geburtstages der Kronprinzessin prangte der Dampfer in vollem Flaggenschmuck. Im Laufe des Vormittags empfing die Kronprinzessin Bürgermeister Barkhausen, Präsident Achelis und Direktor Heineken zur Gratulation. Auf der Weser bereiteten Passagiere und Besatzung des vollbesetzten, nach Newyork abfahrenden Lloyddampfers „George Washington“ der Kronprinzessin eine Ovation. In Bremerhaven waren Schulen und eine nach Tausenden zählende Menschenmenge bei der Lloydhalle versammelt. Ein Jubelsturm brach los, als der mächtige Dampfer in den Vorhafen lief. Die Kronprinzessin, auf der Brücke stehend, erwiderte die begeisterten Ovationen der Menge auf das freundlichste. Um 4,50 Uhr reiste die Kronprinzessin mit Sonderzug nach Berkin ab, nachdem sie die Front der am Bahnsteig an der Lloydhalle aufgestellten Jugendwehr abgeschritten hatte. Das Befinden des Oberstleutnants von Winterfeldt. T Paris, 22. Sept. Der gestern abend 7 Uhr über das Befinden des Oberstleutnants von Winterfeldt ausgegebene ärztliche Bericht lautet: Das Befinden ist ohne wesentliche Aenderung. Der Kranke hat Nahrung zu sich genommen. Die Temperatur hat sich leicht erhöht. Sie betrug am Abend 37,3; der Puls ist ein wenig beschleunigt; er betrug 110. Auch traten leichte Herzbeschwerden ein. Die Gefahr ist durchaus noch nicht beseitigt. Der griechische König in Paris. Paris, 22. Sept. Zu Ehren des Königs von Griechenland fand im Elysee ein Frühstück statt, bei dem der Präsident der Republik, Poincaré, einen Trinkspruch ausbrachte, in welchem er nach einer horzlichen Begrüßung des Griechenkönigs sagte, er bitte zu glauben, das Frankreich, dessen Gefühle unveränderlich für Griechonland sind, der loyale und sichere Freund bleibt, der es immer war. König Konstantin antwortete:„Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für die Willkommenwünsche, die Sie an mich gerichtet haben und für die beredten Worte, in denen Sie die Gefühle unveränderlicher Freundschaft erwähnt haben, welche Ihre edle Nation immer für Griechenland bekundete. Ich bin meinesteils glügklich, dem ersten Beamten der Republik meine lebhafte Dankbarkeit auszudrücken für die wertvolle Unterstützung, die Frankreich nicht aufgebört hat, dem Befreiungswerk Griechenlands zu gewähren von seinem Erwachen zur Unabhängigkeit bis einschließlich der ruhmreichen Kämpfe, die sie foeben geliefert hat. In guten wie in bösen Tagen ihrer Geschichte ist die griechische Nation immer auf die Sympathie und Unterstützung der großen französischen Nation gestoßen. Neuerdings noch hat Frankreich während zweier großer Kriege großmütig die Mission übernommen, welche die Lebensinteressen Griechenlands berührten, war es Frankreich, das, immer bereit, die Sache der Gerechtigkeit und Freiheit zu unterstützen, die Initiative ergriff. um die Rechte meines Volkes zu verteidigen. Dank der unermüdlichen Sorge meines verewigten Vaters, dessen Gedächtnis Sie in Worten erwähnten, die mich tief gerührt haben, ist Griechenland ungeachtet so vieler Schwierigkeiten auf dem Wege des Fortschritts und der Gesittung weitergegangen.: Im Bewußtsein seiner Kräfte und seiner Rechte hat es sich vorbereitet für den Kampf, aus dem as größer und geachtet hervorgegangen ist, und in dieser Vorbereitung hat es noch einmal die Hilfe Frankreichs genießen dürfen. Die Regierung der Republik hatte die Freundlichkeit. Griechenland eine aus hervorragenden Offizieren aller Waffen zusammengesetzte Mission zu bewilligen, die unter der Leitung des Generals Eudoux mit Sachverständnis, Arbeitseifer und hinreißender Begeisterung an ihre Aufgade gegangen ist, und der meine Hochachtung zu bezeugen mir ganz besonders angenehm ist. Ich bitte Sie, Herr Präsident, zu glauben, daß ich die Gofühle tätiger Anteilnahme, wovon Frankreich Griechenland so viele Beweise gegeben hat, hoch einschätze und den größten Wort lege auf die Erhaltung und Entwickelung der Bande traditioneller Freundschaft, welche beide Länder einigen. Ich erhebe mein Glas zu Ehren des Präsidenten der Republik und Frau Poinearé und trinke auf die Wohlfahrt und den Ruhm Frankreichs. Beide Erinksprüche wurden stehend angehört. Vom Balkan. Der bulgarisch-türkische Friedensvertrag. Konstantinopel, 22. Sept. Der turkisch=bulgaFriedensvertrag beginnt mit den Worten: Beide Souveräne, in dem Wunsche, auf fester, dauernder Unterlage, den Frieden herzustellen usw. In der Einleitung wird nicht wie im Londoner Vertrage, von ewiger Freundschaft gesprochen. Artikerl 1 setzt die bekannten Grenzen fest. Artikel 2 erörtert die Nationalitätenfrage. Den Bewohnern der den Bulgaren verbleibenden Gebiete wird eine Frist von 4 Jahren gewährt, nach deren Ablauf sie entweder auswandern oder die bulgarische Nationalität annehmen können. Während dieser Jahre werden die Muselmanen nicht zum Militärdienst herangezogen. Artikel 3 behandelt die Rechte der Muselmanen und ihrer Gemeinden. Die Muselmanen sollen dieselben politischen Rechte genießen wie die christlichen Bulgaren. Nach Artikel 4 werden die Wakufgüter von den muselmanischen Gemeinden verwaltet. In Artikel 5 wird der allgemeine Waffenstillstand festgestellt. Nach Artikel 6 findet die Räumung der den Bulgaren verbleibenden Gebiete in zwei Monaten statt. Artikel 7 enthält die Bestimmungen über den Austausch der Gefangenen. Ein anderer Artikel spricht sich dahin aus, daß der Friede von London in Kraft bleibt, soweit er nicht durch den gegenwärtigen Vertrag abgeändert erscheint. Der Vertrag tritt von dem Datum der Unterzeichnung an in Kraft. Die Forderung der Bulgaren, einen besonderen Artikel über die Errichtung und Instandhaltung der Denkmäler auf den Schlachtfeldern in den Vertrag aufzunehmen, wurde fallen gelassen. Dem Vertrage sind mehrere Zusatzprotokolle angefügt, worin die einzelnen Artikel erläutert oder sekundäre Angelegenheiten geregelt werden. Ein Protokoll betrifft die Bezahlung für Requisitionen seitens Bulgariens während der Okkupation. Eine neue Gefahr. Saloniki, 21. Sept. Die Spannung zwischen Griechen und Serben wird täglich drohender und ruft täglich Zwischenfälle hervor. Der griechische Bischof von Wodena, der sich zum Besuch der griechischen Schule nach Gewaeli begeben hatte, wurde aus dieser Stadt von den serbischen Behörden, die sämtliche griechischen Schulen sperren ließen, einfach ausgewiesen und mußte von Gewgeli zu Fuß nach Saloniki flüchten. Unter den Griechen herrscht größte Entrüstung. Anarchie in Albanien. Saloniki, 22. Sept. In Albanien herrscht vollständige Anarchie. Mufid Bey ist aus Europa nach Albanien zurückgekehrt und hat seine Parteigänger zu den Waffen gerufen, um gegen Essad Pascha zu marschieren, der in Tirana die österreichische Flagge hat hissen lassen und die Regierung in Valona aufgefordert hat, die Stadt zu übergeben. Essad Pascha in Derson hat sich des Zollhauses in urazzo bemächtigt. Sozimlreurllätischer Parteitag. Jena, 21. Sept. Zu Beginn des gestrigen letzten Beratungstages erstattet zunächst Ebert(Berlin) den Bericht über die Maifeier. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, die sich aus der Ausführung der früheren Parteitagsbeschlüsse ergeben haben. Diejenigen Mitglieder der Partei, die den 1. Mai ohne Lohnverlust feierten und den Arbeitsverdienst an den Maifeierfonds abführen sollten, haben sich teilweise geweigert, das zu tun. Es mußte infolgedessen eine ganze Anzahl von Ausschlußverfahren eingeleitet werden. In einem Bezirke waren es nicht weniger als 82. Eine Anzahl von Bezirker. hat sich sogar geweigert, das Ausschlußverfahren überhaupt einzuleiten. Dann haben sich in dem Ausschlußverfahren selbst verschiedene Umstände ergeben, die eine mildere Auffassung rechtfertigen, z. B. Arbeitslosigkeit, Unterstützung von Cltern usw. Der Vorstand glaubt, diesen Schwierigkeiten aus dem Wege gehen zu können, wenn sein Antrag angenommen wird. Redner bittet daher um Annahme folgenden Antrages:„Dem Beschluß des Leipziger Parteitages vom Jahre 1909, der die Regelung der Maifeier und die Ansammlung eines Maifeierfonde anordnet, fügt der Parteitag in Jena folgende Erklärung hinzu:„Der Parteitag erwartet von den in Bureaus und Redaktionen der Portei und der Gewerkschaften angestellten Parteigenossen, daß sie im Hinblick auf die Opfer, die die Arbeiter im Kampfe um die Maifeier bringen, ihren Arbeitsverdienst am 1. Mai an den Maifeierfonds abliefern.“ Zu dieser Frage liegen noch 16 Anträge von vorschiedenen Lokal=Organisationen vor, die im wesentlichen eine Verpflichtung der Ablieferung des Tagesverdienstes am 1. Mai fordern. Die Anträge zur Maifeler werden abgelehnt und der Vorstandsantrag. wird angenommen. Ryssel(Leipzig) erstattet darauf den Bericht der Beschwerdekommission. Hierauf wird das Ergebnis der Vorstandswahlen mitgeteilt. Zu Vorsitzenden sind gewählt Haase und Ebert, zum Kassierer Braun, zu weiteren Vorstandsmitgliedern Gehrisch(Berlin), Molkenbuhr(Berlin), Hermann Müller(Berkin), Pfannkuch(Berlin), Scheidemann(Berlin), Bortels(Wernigerode) und Frau Louise Zietz(Hamburg). Der Parteitag wendet sich sodann der Beratung der Anträge zu. Angenommen wird ein AnAbhaltung des nächsten Parteitages wird dem Parteiausschuß überlassen. Es wird weiter angeregt, den nächsten Parteitag zeitiger zu legen, damit noch die Tagesordnung des Wiener Internationalen Kongresses besprochen werden kann. Ein entsprechender Antrag wird dem Vorstand zur Erwägung überwiesen. Gs folgt hierauf das Schlußwort des Vorsitzenden Ebert, worauf der Parteitag mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen wurde. Täftschiffahrt. Friedrichshafen, 21. Sopt. Das neue Marineluftschiff„L. 2“ stieg gestern Morgen um 4.20 Uhr unter Führung Kapitäns Glunds zur Fahrt noch Johannisthal in der Richtung Ulm auf. An Bord defindet sich die Marineabnahmekommission. Das Marineluftschiff abgenommen. Johannisthal, A. Sept. Das Marineluftschiff „L 2“ traf gestern um 3.50 Uhr über dem hiesigen Flugplatz ein und landete um 48 Uhr glatt mitten auf dem Plotze. Das Luftschiff wurde darauf in die Halle gebrocht. Das Luftschiff wurde auf Grund der Prodefahrtergebnisse von der Abnahmekommission in den Besitz der Kaiserlichen Marine übernommen. Rückohr des Ellegers Friedrich. Johannisthal, 21. Sept. Der Flieger Friedrich traf gestern um 4,15 Uhr mit seinem Flugzeug hier ein und jandete 4,17 Uhr aus 800 Meter Höhe in steilem Gleitfluge. Friedrich hat damit einen Rundflug beendigt, der ihn von Berlin nach Pario, dann weiter über den Kanal nach London führte und von dort über Calais—Hannover zurück nach Berlin. Er beabsichtigt, sich in nächster Zeit ebenfalls um den großen Preis der Nationalflugspende zu bewerben und will dabei auch Petersburg berühren. Die Niederdeutsche Bank. Dortmund, 21. Sept. Die Zahl der Angeklagten hat sich wieder um 2 vermindert, da die Angeschuldigten Oberlandesgerichtsrat Im Walle und Architekt Maiweg nicht erschienen waren. Der Gerichtshof beschloß, in Abwesenheit dieser Angeschuldigten weiter zu verhandeln, da derjenige Teil der Anklage, bei der die beiden Angeklagten in Frage kämen, in der Beweisaufnahme erledigt sei. Der Verteidiger Rechtsanwalt Nuß erklärte, Maiweg sei krank und nach ärztlichem Zeugnis nicht verhandlungsfähig. Die weitere Verhandlung bestand in der Vernehmung von Zeugen, die durch Vermittlung der Niederdeutschen Bank Termingeschäfte gemacht haben, der Bank viel Geld schuldig wurden, dann aber nicht bezahlten, indem sie den Differenzeinwand erhoben. Gegen Hinterlegung ganz geringer Sicherheiten durften die Kunden der Bank große Geschäfte machen, gingen diese sehl, so mußte eben die Bank eintreten, diese forderte nicht etwa die Anschaffung neuer Deckungen, sondern führte die Rechnungen weiter, berechnete Zinsen und Gebühren und sandte den Schuldnern die Abrechnungen, die zum Teil diese Schriftstücke ungelesen in den Osen warfen. Die Bank stellte aber am Jahresschluß diese Forderungen als vollwertig ein. Man versteht nicht recht, wie die Bankleitung die Spielwut zahlreicher Personen so fördern konnte. Es wurden dann noch Feststellungen getroffen bezüglich der Behauptung Ohms, er habe in den letzten Jahren, nach Einführung der neuen Satzungen, über 100 000 Mark zu wenig Gewinnanteile erhalten. Die Erörterungen ergaben nichts bestimmtes. Richtig ist, daß Ohm zum Konkurs der Niederdeutschen Bank 170000 M. Gewinnanteil= und sonstige Ansprüche an die Bank erhoben hat. Die Forderung ist bestritten worden, Klage erfolgte nicht. Ein neuer Anklageabschnitt wurde dann in Angriff genommen. Es handelt sich um das Delkrederekonto, das nicht als Sicherheit für zweifelhafte Ausstände, sondern als Verfügungsbestand und zur Tragung von Ausgaben benutzt ist, welche das Konto nichts angingen und die aus ihm nicht bezahlt werden dursten, wenn die ganze Bilanz nicht unrichtig werden sollte. Von diesem Konto sind u. a. gezahlt worden am 11. Mai 1906 6938 Mark an Gründungskosten für die Westdeutsche Marmor= u. Granitwerke, 6000 Mark an Hartwig für die Bilanzrevision. Am 2. Juli an Püttmann 20000 M., wahrscheinlich weil er sich mit 200 000 M. Anteilen der Maschinenbau. anstalt Altenessen belasten ließ(Püttmann weiß übrigens von einer solchen Zahlung nichts), am 31. August 1906 an die Aktiengruppe 26 200 M. Im Jahre 1906 sind auf diese Rechnung 197813 M. verausgabt worden. Die Anklage nimmt an, wenn die Verbuchung dieser Ausgaben in richtiger Weise erfolgt sei, dann würde sich das Gesamtergebnis um 190 000 M. verschlechtert haben, und statt 7 würden nur 4 Proz. Dividende zur Auszahlung gelangt sein. Im Jahre 1907 sind, dem Delkrederekonto zugeführt worden 551 400 Mark Buchgewinn aus der Weiterbelastung der von Ohm zu 25 Prozent zur Verfügung gestellten Nonaera=Aktien auf das Konto Meyer und Konsorten zum Konsortium Im Walle, Püttmann und Maiweg. Der buchmäßige Bestand war 932 200 Mark. Hiervon sind die künstlich geschaffenen 551 200 Mark abzuziehen. Im Jahre 1909 sind, dem Konto 54 849 M. und nach dem Geschäftsbericht 100 000 Mark zugewandt worden, ferner 518000 M. Gründergewinn aus der Gründung der Alemanniabrauerei. Auch diese Zuführung wird von der Anklage beanstandet. Am 7. Januar 1909 erhielt Hartwig für seine Tätigkeit bei der Bank im Jahre 1908 10 925 Mark und 5060 Mark Auslagen für Verschmelzungsvermittlung. Am 27. Sept. sind an Hartwig weitere 6100 M. und 4780 MarkAuslagen gezahlt worden, ferner am 13. Dezember an Provision an den Bankdirektor Olugulenski für Beschaffung eines Kredits für die Niederdeutsche Bank bei der Banque Suisse 22 563 M. Auf Ohms Antrag wurde Bankdirektor Löb als Gutachter geladen, ebenso aber auch auf Anordnung des Gerichts Prof. Stern in Leipzig, was für Ohm nicht gerade angenehm sein dürfte, da Stern sehr strenge Ansichten bezuglich der Buchführung vertritt. Die übrigen Angeklagten behaupten, von der Ohmschen Verwendung und Herkunft der Mittel des Delkrederekontos keine Ahnung gehabt zu haben. Zwischendurch wurvernommen, die durch die Niederdeutsche Bank Spekulationsgeschäfte unternommen haben und der Bank große Summen schuldig geworden sind. Zu diesen gehörte auch der Polizeiinspektor Richard in Dortmund, der der Bank durch den Kaufmann Tromp zugeführt wurde. Gewinn und Verlust sollte geteilt werden. Einen Gewinn, d. h. bares Geld von der Bank, hat Richard niemals einen Pfennig erhalten, wohl aber wur. de er nach und nach der Bank, gemeinsam mit Tromp, 106 00g mane scheiße endert geführt wurden, mebrere 100 000 Mall schurig. Schon 1905 schrieb er an Ohm, ihn doch mit 15 000 M. aus dem Schuldverhältnis zu entlassen. Diesen Betrag wollte er mit Hilfe seiner Verwandten aufbringen. Ohm ließ sich jedoch auf nichts ein. Man kann es verstehen, wenn der Beamte diese Zeit, während er mit der Bank zusammenhing, als die schlimmste Zeit seines Lebens bezeichnete, da ihn von Sorge der Schlaf floh und sein Haar frühzeitig ergraute. Mit 75 000 Mark Zahlung an die Konkursmasse ist der Beamte schlieflich aus seinem Schuldenverhältnis entlasen worden. Der Better Ohms, R.=A. Ohm in Bottrop ist von ersterem zum Börsenspiel veranlaßt worden. Glück dat er nicht gehabt, seine Schuld beirug schließlich bei der Bank 152 000 M. Mit 12 000 M. hat er sich beim Konkursverwalter losgekauft. Die Schuld konnte er aus seinem Einkommen nicht bezahlen, er wollte das auch nicht, ohne den Grund anzugeben, weshalb, va er den Disserenzeinwand nicht erhoben hat und erheben wollte. Wahrscheinlich war er der Meinung, wenn ein Bankier ihm einen Rat für Spekulationen erteile, dann sei er auch dafür verantwortlich. Zwischen dem Zeugen und dem Verteidiger des Angeklagten Ohm kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen. Am letzten Verbandlungstage in dieser Woche wurde auch der 2. Bruder des Angeklagten Ohm, der Stabsarzt Dr. Reinhold Ohm=Berlin, vernommen. Dieser bekundete, sein Bruder habe ihn noch Ende 1909 veranlassen wollen, den Staatsdienst aufzugeben und eine Direktorstelle bei der Bank zu übernehmen. Der Vorsitzende bemerkte, hierzu gehöre aber doch eine Portion Gach= und Fachkenntnis, die man sich nicht so leicht aneigne. Der Angeklagte Ohm gibt hierzu — 8 1 0 an, er habe seine Brüder bei der Bank elnstellen und ihnen, sobald sie sich eingearbeitet hätten, Direkforstellen übertragen wollen. Keiner der beiden Brüder ist aber auf das Angebot eingegangen. Gerichtssaal. Düsseldorf, 22. Sept. Ein interessantes Erkenntnis zur Besteuerung des Wertzuwachses fällte der Bezirksausschuß für den Regierungsbezirk Düsseldorf. Der Kaufmann Louis Odenbach in Duisburg hatte ein Grundstück angekauft und wieder verkauft, das ihm nach den notariellen Verträgen einen erheblichen Gewinn brachte. Er war deshalb von der Stadt Duisburg zur Wertzuwachssteuer herangezogen worden, gegen welche Besteuerung er vor dem Bezirksausschuß geltend machte, daß neben dem notariellen Abkommen noch eine private Vereinbarung getroffen worden sei, wonach ein Gewinn überhaupt nicht erzielt worden ist. Er könne deshalb auch nicht zur Zuwachssteuer herangezogen werden. Die Klage fand kostenfällige Abweisung. Der Bezirks=Ausschuß erklärte, daß er sich nach dem Wertzuwachssteuergesetz an den Wortlaut des notariellen Vertrages halten müsse. Darnach sei ein hoher Gewinn erzielt worden und die Steuerforderung berechtigt. Nebenabkommen könnten nur berücksichtigt werden, wenn für diese ein klarer Beweis erbracht werde. Sei das nicht möglich, so gelte einfach der notarielle Akt. Elberfeld, 21. Sept. Wegen unlauteren Wettbewerbs ist am 18. Januar der Kaufmann Otto Schwarze jun. in Haan auf Grund des§ 20 des Gesetzes zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Sein Vater ist Mitinhaber der Firma Schwarze u. Han in Haan, die ebenso wie die Firma Robert Zinn u. Co. in Barmen Schuhösen und Haken fabriziert. Beim Tanzvergnügen machte sich der Angeklagte mehrmals an den bei Zinn angestellten Graveur K. heran und suchte ihn nach Einzelheiten aus dem Betriebe seiner Firma auszufragen. Das Gericht hat angenommen, daß es sich hier um Betriebsgeheimnisse handelte, deren Verrat der Angeklagte erstrebte. Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Krefeld, 21. Sept. Das Landgericht hat am 13. Februar den Zahntechniker Karl Vigano wegen Steuerhinterziehung in 5 Fällen zu 10 772,50 M. Geldstrafe verurteilt. Er hat sein Einkommen um 4—5000 Mark zu niedrig angegeben. Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Aachen, 22. Sept. Die Strafkammer verurteilte den Lotterie=Kollekteur, Franz Micheels, wegen Urkundenfälschung, Unterschlagung und Beleidigung zu 2 Mon. Gef. In der Verhandlung wurde auch festgestellt, daß Micheels Lose einer Wertgegenständelotterie mit einem roten Kreuze stempelte, um den Anschein zu erwecken, daß es sich um Lose der bekannten Roten Kreuzlotterie handle. Essen, 22. Sept. Die leidige Gewohnheit vieler Fuhrleute, leere Wagen aneinander zu koppeln, ohne eine Aufsichtsperson nebenhergehen zu lassen, hat in Altenessen ein Opfer gesordert. In der Inselstraße erschten der Fuhrmann Heinrich Witt mit 2 hintereinander gekoppelten und von 2 Pferden gezogenen Wagen. 2 Jungen schwangen sich auf die Deichsel des Anhangewagens. Plötzlich fiel der 7jährige Adolf Blaschke ab und wurde überfahren. Er starb bald. Der Angeklagte, der sich zu verantworten hatte, gibt zu, die Vorschrift zu kennen, wonach beim 2. Wagen ein Begleiter sein muß. Er habe auch einen Arbeiter gebeten, neben den beiden Wagen herzugehen, jedoch sei dieser zurückgeblieben. Dieses habe er nicht gewußt. Das Gericht erkannte auf 1 Woche Gefängnis und 20 Mark Geldstrafe. Dortmund, 22. Sept. Vor der Strafkammer stand der Kranführer Heinrich Stuttenbäumer aus Hörde. Er berührte mit der Schulter den Hebel am Schaltbreit einer elektrischen Stromanlage auf dem Eisenwerk Poönix, wodurch der Strom eingeschaltet und der mit Aus. besserungsarbeiten beschäftigte Schlosser Heinrich Büren auf der Stelle getötet wurde. Das Urteil lautete wegen fahrlässiger Tötung auf 3 Tage Gefängnis. ünster, 22. Sept. Die Strafkammer verurteilte den Gastwirt Wilh. Hülsmann aus Gelsenkirchen, der am 30. Mai in Borken auf der Jagd die Ehefrau Pennekamp, die am Waldesrand saß, und die er für ein Reh hielt, aus Unvorsichtigkeit erschossen hatte, wegen fahrlässiger Tötung zu 3 Monaten Gefängnis. Mannheim, 22. Sept. Die Strafkammer verurteilte den Chauffeur Fritz Nörr wegen fahrlässiger Tötung zu 1 Jahr 6 Mon. Gef. Nörr hatte am 28. Juni in betrunkenem Zustande eine angeheiterte Gesellschaft nachts nach einem verrufenen Lokal gefahren. Dabei rannte er einen Straßenbahnmast an, wobei 2 junge Leute von 20 Jahren sofort getötet wurden. Aus Westdeutschland. Köln, 21. Sept. Gestern morgen trafen die Bürgermeister des Verbandes der Gemeinden Rheinlands zur Besichtigung der Ausstellung Alt= und Neu=Köln hier ein. Beigeordneter Laue hieß im Namen der Stadt die Gäste herzlich willkommen. Der Vorsitzende des Verbandes, Bürgermeister Wengler=Godesberg, dankte im Namen des Verbandes, indem er betont, daß sie recht gern nach Köln gekommen seien, um durch die Besichtigung der Ausstellung Alt= und Neu=Köln Anregung und Förderung in kommunalen Dingen von der Metropole des Rheinlandes zu erlangen. Köln, 22. Sept. Gestern starb, 57 J. alt, der Oberlandesgerichtspräsident Wirkl. Geh. Oberjustizrat Dr. Morkramer nach längerem Leiden. Er war seit 1909 hier und hatte Abschied zum 1. Oitober nachgesucht, der ihm auch bewilligt war. Köln, 22. Sept. Einen guten Jang machte hier die Polizei. Einem Reisenden war in einem D=Zug ei großer Geldbetrag, darunter auch ausländisches Geld gestohlen. Gestern abend wurden in einem internationalen Durchgangswagen Köln=Herbesthal 2 Engländer, festgenommen, in deren Besitz ausländisches Geld gesunden wurde. Nach ansänglichem Leugnen gestanden sie den Diebstahl ein, so daß dem Reisenden das Geld wieder zugestellt werden konnte. Köln, 22. Sept. Aus dem Neubau des Großkaufhauses Leonhard Tietz haben gestern 750 Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Köln, 22. Gept. Dem Königlichen Kommerzienrat Louis Hagen, Stadtverordneten und stellvertretenden Vorsipzenden der Handelskammer, ist der Charakter als Geheimer Kommerzienrat verliehen worden. Geldern, 22. Sept. Zigarrenfabrikant Otto Berg von dier ist bei der Jagd auf Finkenborst dei Issum am Donnerstag abend tödlich verunglückt. Beim Sturze entiud sich ein Lauf der Flinte, und die ganze Ladung Schrot drang dem Unglücklichen in die linke Brust. Der Schuß muß auf der Stelle den Tod herbeigeführt haben. Essen, 22. Sept. Gestern mittag wurde in Gegenwart des Landwirtschaftsministers, Freiherrn von Schorlemer=Lieser, die 80. Provinzialausstellung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen eröffnet. Fürst und Fürstin zu Wied, Fürst von Hetzfeldt=Wildenburg, Se. Exzellenz, Bevollmächtigter Minister Krupp von Bohlen und Halbach, Regierungspräsident Dr. von Sandt=Aachen, von Grote, Präsident der Rhein. Landwirtschaftskammer, Freiherr von Loe, Präsident des Rheinischen Bauernvereins, Freiherr v. Twickel, Präsident des Westfälischen Bauernvereins, Vertreter des Oberpräsidenten der Rheinprovinz und des Regierungspräsidenten von Düsseldorf, sowie die Spitzen der städtischen und militärischen Behörden. Oekonomierat Fühling, der Präsident des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen, begrüßte die erschienenen Ehrengäste und die „übrigen Festteilnehmer. Landrat von Eynern, der Direktor der Landwirtschaftlichen Lokalabteilung Essen=Ruhr dankte allen, die das Werk der Ausstellung gefördert haben. Dann ergriff Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer=Lieser das Wort. Er führte u. a. folgendes aus: Anläßlich der Tagung in der ehemaligen Ackerund jetzigen Industriestadt Essen ist in der Einladung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen der Wunsch zum Ausdruck gebracht worden, daß diese Tagung dem gegenseitigenVerstehen der beiden hervorragenden Erwerbsstände Deutschlands förderlich sein und zu einer gegenseitigen Würdigung ihrer hohen wirtschaftlichen und nationalen Bedeutung beitragen möge. Namens der preußischen, landwirtschaftlichen Verwaltung kann ich versichern, daß dieser Wunsch auch der unsrige ist. Ich würde es tief bedauern und als einen unverantwortlichen, nicht wieder gut zu machenden politischen Fehler ansehen, wenn in der gegenwärtigen Zeit, wo die Erhaltung von Eigentum und Besitz, die staatliche Autorität ebenso wie die des Hausherrn und Arbeitgebers in Handwerk, Industrie und Landwirtschaft in Frage gestellt wird, örtliche Reibungen und der gewiß berechtigte Widerstreit von Einzelinteressen Landwirtschaft, Industrie und Handwerk verleiten könnten, ihre großen gemeinschaftlichen Ziele im wirtschaftlichen Kampfe außer acht zu lassen und sich in dem Augenblicke zu trennen, wo nur geschlossenes Zusammengehen gegen den gemeinschaftlichen Feind ihre Existenz und auch die unsres Vaterlandes für die Zukunft sichern kann. Herne, 22. Sept. Auf der Zeche„Teutoburgia“ wurden 3 Arbeiter durch Sturz in den Schacht getötet. Recklinghausen, 22. Sept. Gestern abend wurde auf dem Bahnhof der Sohn des Haseninspektors Hintze in Duisburg=Beek von dem 8 Uhr von hier nach Wanne fahrenden Personenzuge überfahren. Der Zug hatte sich bereits in Bewegung gesetzt, als H. sich auf das Trittbrett schwang. Er glitt aus und geriet unter die Räder, die ihm beide Beine abfuhren. Hagen, 22. Sept. Bei der Wahl der Arbeitnehmervertreter“ für die hiesige Ortskrankenkasse kam es zu stürmischen Auftritten. Für mehr als 6000 Wähler war ein kleines Wahllokal bestimmt. Gegen Abend wurde der Andrang so stark, daß 1000 Wähler auf ihre Abfertigung warten mußten. Ein starkes Schutzmannsaufgebot mußte herbeigeholt werden. Trotzdem wurde das Gedränge so lebensgefährlich, daß eine Anzahl Fensterscheiben zertrümmert wurde und der Wahlvorstand schließlich auf die Galerie flüchten mußte. Die Wahl wurde abgebrochen. Es soll eine Neuwahl ausgeschrieben werden. Hamm, 22. Sept. Ein Dortmunder Diebestrio das eine Diebesbeute von 23 Zentner Rohkupfer an den Mann bringen wollte, wurde gestern verhaftet. Der Besitzer des Diebesfuhrwerks, der Lumpenhändler Schmidt aus Eving floh. Seine 2 Helfershelfer, die Arbeiter Schüfer und Dicke aus Dortmund, konnte der Beamte festnehmen. Schmidt wurde später in Dortmund verhaftet. Das gestohlene Kupfer war aus den Messingwerken in Oese bei Hemer entwendet worden. „Letmathe, 22. Sept. Der Schlosser Jäger aus Oesteng ftürzte aus dem Fenster aus die Straße. DerTod trat sofort ein. Matnz, 21. Sept. Gestern ist in Mombach die Kirche zum Gedächtnis des Bischofs Wilhelm Emanuel v. Ketteler, im Beisein der Spitzen der Behörden eingeweiht worden. 38. Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. Aachen, 21. Sept. Am letzten Tage stand nur ein Thema zur Verhandlung: Die Bedeutung des Geburtenrückganges für die Gesundheit des deutschen Volkes. Referent war Obermedizinalrat Prof. Dr. v. Gruber aus München. Der immer stärker wahrnehmbare Rückgang der Geburten, der sich jetzt auch auf das platte Land erstreckt, ist in der Hauptsache willkürlich herbeigeführt. Besonders der Geburtenrückgang in den Klassen der Besitzenden und Höhergebildeten gibt zu ernster Sorge Anlaß. Die Ursachen der willkürlichen Beschränkung der Geburtenzahl liegen in der Ausbreitung falscher Volksbildung, der unhemmbar fortschreitenden Steigerung der Lebenaansprüche, den Auswüchsen der sog. Frauenemanzipation und der außerhäuslichen Erwerbstätigkeit der Frau. Wetter sind noch zu nennen die völlige Unkenntnis in der Haushaltung und Kinderpflege bei vielen Frauen, dann die städtsiche Wohnnot. Der Rückgang ist keineswegs überall gleich. In den mittleren Teilen Preußens ist er viel stärker als im Osten und Westen, etwa 14 auf 1000 Einwohner, am geringsten bei den Katholiken, 32 auf 1000 Einwohner. Für die Bekämpfung des Geburtenrückganges kommen hauptsächlich in Frage: Gewährung von Erziehungsbeiträgen und Elternpensionen, Verleihung des Pluralwahlrechts an den Vater und eines auszeichnenden Ehrentitels an die Mutter von kinderreichen Familien. Förderung des gemeinnützigen Kleinwohnungsbaues und des Baues von Einfamilienhäusern. Sittliche, religiöse Gesundung des Volkes von innen heraus, u. Rückkehr zu einfachern Lebensgewohnheiten. In der Diskussion wurden noch mancherlei Vorschläge gemacht, um die drohende Gefahr des Rückganges unseres Volkes zu verhüten. Aus allen Ausführungen tönte die Besorgnis heraus, daß auch wir in Verfall geraten könnten, ebenso wie die Römer, deren Untergang ebenfalls in erster Linie durch den Rückgang der Geburtenzahl bedingt war. Die Sorge, daß zu starker Kindersegen die Lebenshaltung verteure, das Vermögen verkleinere, ist unberechtigt, denn jeder Mensch, der geboren wird, ist ein hohes Wertobjekt und der Abnehmer für die zukünftige Produktion des Volkes. Wer die Volkszahl einschränkt, schadet sich und seinen eigenen Kindern. Aus aller Welt. Der Selbstmord der Prinzessin. Heidelberg, 22. Sept. Das tragische Ende der Prinzessin Sofia von Sachsen=Weimar, die sich in ihrem elterlichen Schlosse zu Heidelberg erschossen hat, muß nach allem, was jetzt über die näheren Umstände ihres Lebens und Todes in die Oeffentlichkeit dringt, warme Teilnahme wecken. Von Geburt Rheinländerin, verlebte sie ihre Jugendjahre in Heidelberg, wo ihr Vater, der früher bei den Düsseldorfer Husaren gestanden hatte, seinen ständigen Wohnsitz hatte, und wo sie die volkstümlichste Persönlichkeit war. Eine frische, fröhliche Natur, war sie, nicht nur eine begeisterte Sportsfreundin, die, oft genug das ensant terrible der Professorendamen, an den Jagdritten der Saxo=Borussen teilnahm und wiederholt auf ihren Kneipen präsidierte, sondern auch geistig außerordentlich regsam und von einer den Durchschnitt überragenden Bildung. Dank dieser Eigenschaften wurde das Schloß des Prinzen Wilhelm zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt für die Geburts= und Geistesaristokratie, zu dessen Kreis ehedem auch Professor Henry Thode und seine Gattin, eine Tochter Richard Wagners, zählten. Diese modernen Anschauungen verwickelten sie in einen harten Kampf mit den starren Ueberlieferungen ihres fürstlichen Standes. Es ist ein offenes Geheimnis, daß sich ihrer Liebe unüberwindliche Hindernisse entgegenstellten. Der Großherzog von Sachsen=Weimar verlangte von ihr den Verzicht auf alle Rechte ihres Ranges. Offenbar hat die sonst so lebensfrohe Prinzessin unter diesen Vorgängen tiefer gelitten, als sie sich nach außen den Anschein gab, und in einer Stunde der Entmutigung und Verzweiflung zur Waffe gegriffen. Die Trauerfeier für die Prinzessin Sofia. Im Palais Weimar fand Samstag um 6 Uhr im engsten Familienkreise eine Trauerfeier für die Prinzessin Sofia statt, bei der Stadtpfarrer Götz=Heidelberg die Trauerrede hielt. Außer dem Prinzenpaar und den beiden Brüdern der Verstorbenen war die fürstliche Familie Isenburg und Büdingen anwesend. Vertreten waren der weimarische und badische Hof, sowie städtische, akademische und militärische Behörden. Nach der Feier fand die Ueberführung der Leiche nach dem Krematorium statt. Die Taktik des Massenmörders Wagner. Stuttgart, 22. Sept. Die Vernehmungen des Lehrers Wagner zeigen immer mehr, mit welch klarer Ueberlegung der Massenmörder zu Werke ging. Nach dem Morde in Degerloch entsernte er sich mit dem Mordwerkzeug in einem Handkoffer, das Fahrrad neben sich herschiebend, von seinem Hause. Das Rad ließ er als Passagiergut nach Ludwigsburg befördern, während er den Koffer mit dem Werkzeug in den Eisenbahnwagen mitnahm. Nach einem Besuch in Eglosheim fuhr er mit der Bahn nach Bietigheim, wo er, ohne eine Spur von Aufregung zu zeigen, mit einem Kollegen zusammen. kam. Alsdann fuhr er nach Groß=Sachsenheim, Untermberg, und Hissingen, um den dortigen Bahnübergang zu besichtigen,„denn“, so sagt er,„ich hatte doch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß ich auf meiner Fahrt von Mülhausen nach Eglosheim verfolgt werden würde und mußte deshalb die Enz=Uebergänge genau kennen." Dann ging Wagner wieder zurück nach Groß=Sachsenheim über Berkheim, Vaihingen=Staatsbahnhof, Klein=Glattbach, Illingen, bis auf den Uebergang von Mühlhausen. Dort stieg er vom Rade, um sich für die Ausführung der Tat vorzubereiten. Währenddessen kam ein Mann vorbei, der ihn etwas fragte.„Wenn er,“ so sagte Wagner, „mich länger belästigt hätte, hätte ich ihn erschießen müssen.“ Wagner ließ nun Rad und Rucksack liegen und machte sich an die Telephonleitungen.„Aber“, so sagte er wörtlich,„ich hatte meine Kräfte überschätzt, hinaufklettern konnte ich nicht, und mit dem Bohren und dem Einschlagen der Kloben hätte ich zu viel Zeit verbrachtt Da mir das Durchseilen der Leitungen mißlungen war, konnte Mühlhausen Vaihingen um Hilfe ersuchen, und damit war mir auch der Rückweg über Illingen abgeschnitten, da von daher die Vaihinger Feuerwehr kommen mußte. Deshalb mußte ich so rasch wie möglich hinein in den Ort, um meinen Plan durchzuführen, wenn ich zur rechten Zeit nachEglosheim kommen wollte.“ In welch raffinierter Weise Wagner den ganzen Plan vorbereitet hatte, geht auch daraus hervor, daß er schon vor etwa einem Jahre auf dem Decherlocher Schießplatze seine Pistole erprobte. Selbstmordversuch eines Predigers a. D. 7 Berlin, 22. Sept. Der 72jährige geisteskranke Prediger a. D. Johann Kirchner in Steglitz versuchte sich gestern morgen in seiner Wohnung mit Leuchtgas zu vergiften. Der alte Herr, der schon seit längerer Zeit emeritiert ist, war in letzter Zeit leidend und verfiel in Schwermut. Der sofort herbeigerufenen Feuerwehr gelang es unter Assistenz eines Arztes, den Kranken, der schon das Bewußtsein verloren hatte, ins Leben zurückzurufen. Doch ist sein Befinden sehr ernst. Er wurde nach dem Krankenhaus übergeführt. Massenselbstmord. T Breslau, 22. Sept. Hier haben 7 Personen Selbstmord verübt, gegen die ein Verfahren wegen Sittlichkeitsvergehen eingeleitet worden war. Kongret für Säuglingsschutz. Breslau, 22. Sept. Der 4. Deutsche Kongreß für Säuglingsschutz beendigte gestern seine Verhandlungen mit der Besprechung der Rechtsstellung des unehelichen Kindes nach deutschem Recht. Amtsgerichtsrat Landsberg(Lennep) stellte dazu eine Reihe von Forderungen auf, wonach u. g. die Rechte der unehelichen Mutter zu Gunsten von Vormund und unehelichem Vater zu beschränken, die Besugnisse des Vormundschaftsgerichts zu erweitern und für die Ehelichkeitserklärung Erleichterungen zu schaffen sind. Stadtrat Dr. Koehler behandelte das Zieh= und Pflegekinderwesen, das grundsätzlich durch Landesrecht geregelt werden soll. Der Redner verlangte ferner eine Erweiterung der Aussichtsmöglichkeit bei solchen Kindern, die von der Mutter selbst verpflegt werden. Weiter wurde die allgemeine Durchführung der Berufsvormundschaft verlangt. Der Streik in Dublin. * Oublin, 22. Sept. Gestern nacht kam es hier zu ernsthaften Zwischenfällen, als der Pöbel Straßenbahnwagen angriff. Die Wagen wurden übel zugerichtet. Die Polizei machte Gebrauch von ihren Knütteln. 7 Personen wurden schwer verletzt. Eine Exploston. Bilbao, 22. Sept. Wie aus Galdacano gemeldet wird, wurden bei einer Explosion in einer Fabrik von Explosivstoffen 5 Arbeiterinnen getötet. 1 H. Kerrudaf! Am Dienstag. 28. Sept.er, vormittags 10 Uhr werde ich im Pfandlokale hier, Oststraße 38(Koch) Fl. Wein und Liqnere, 1 Korbfl. Himbeer öffentlich meistbietend gegen bar versteigern. Grießmann, Gerichtsvollz., Wattenscheid. Gerücht, welches ich gegen Herrn F. Bröger ausgesprochen habe, nehme ich als unwahr zurück u. warne vor Weiterverbreitung. Paula Finke. anntmachung. Die Abstimmungsliste über Errichtung einer Zwangsinnung für das Stuckateur= und Verputzerhandwerk für den Stadt= und Landkreis Gelsenkirchen liegt in der Zeit vom 22. September bis einschließlich 4. Oktober ds. Irs. werktäglich von 3—6 Uhr im Verwaltungsgebäude, Neumarkt 1, Zimmer 13 zur Einsicht und Erhebung etwaiger Einsprüche der Beteiligten öffentlich aus. Nach dem 4. Oktober angebrachte Einsprüche bleiben unberücksichtigt. Gelsenkirchen, den 17. September 1913. Der Kommissar des Herrn Regierungs=Präsidenten. Der Oberbürgermeister: Antoni. Veröffentlicht! Wattenscheid, den 20. September 1913. Der Bürgermeister: Wibberding. XIXIXIXITIEIXIXIXIX TIXIXIXIZT ZTIZT Stadttheater Essen. X X X Rheinländer-Verein Walenscheld teiert am 28. September sein diesjähriges Stiftungs-Fest bestehend in „„Kvert und Ball X X 25 um Lokale des Herrn Heinrich Voortmann, jägerhof, Nordstraße. Karten eind zu haben beim Vereins- und Festwirt, sowie bei den Mitgliedern zum Preise von 50 Pig., an der Kasse 75 Pig. Nach 11 Uhr 2 Mk. - Anfang des Festes 5 Uhr. X X X X X Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abteilung A ist heute bei 178, der Firma Wattenscheider Volkszeitung 0334435. F. Wattenscheid(Inhaber Kaufmann und Redakteur SScutter nvoert Ritter zu Wattenscheid) folgendes eingetragen worden:„Die Firma ist geändert in Wattenscheider Allgemeiner Anzeiger zu Wattenscheid.“ Wattenscheid, den 20. September 1913. Königliches Amtsgericht. 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Is. im Besitze derselben sein wollen, spätestens im Okt. d. Is. bei der Ortspolizeibehörde ihres Wohnorts zu beantragen. Bei Stellung des Antrages auf Ausstellung eines Wandergewerbescheines hat der Antragsteller die für den Wandergewerbeschein nach Ziffer 2 und 3 der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 4. März 1912(Reichs=Gesetzblatt S. 189) erforderliche unaufgezogene Photographie in Visitenkartenformat beizubringen. Mit dem Antrag auf Ausstellung eines gemeinsamen Wandergewerbescheines ist die Photographie des Unternehmers, wenn ein Unternehmer nicht vorsalben ist, die eines Mitgliedes einzureichen. Die Photographie muß ähnlich und gut erkennbar sein, eine Kopfgröße von mindestens 1,5 Zentimeter haben und darf in der Regel nicht älter als 5 Jahre sein. Spätere Anträge auf Eintragung von Begleitern, Ausdehnung der Scheine auf weitere Gegenstände und ähnliche Anträge sind bei der Ortspolizeibehörde anzubringen, und zwar unter Angabe der Nummer des Wandergewerbescheines. Etwaige Reklamationen gegen die Höhe der Steuersätze sind bei den zuständigen Landräten, in den Städten Gelsenkirchen, Bochum und Herne bei der Königlichen Polizei=Direktion zu Gelsenkirchen bezw. Bochum, in den übrigen Stadtkreisen bei den Oberbürgermeistern oder Ersten Bürgermeistern unter Angabe der Nummer des Wandergewerbescheins anzubringen. Diese Behörden werden, wenn die Reklamationsfrist(3 Mon. nach Mitteilung des Steuersatzes) gewahrt ist, eine Begutachtung der Reklamation veranlassen und sie uns zur Entscheidung vorlegen. Arnsberg, den 30. August 1913. Königliche Regierung, Abteilung II. Jacobi. Oerderhnteche ichschulunterrit ist bis Age kleinste nachgeahmt in den Abst- Unterrichts= Werkeß: 1. Maschinenbauschule. 2. Hoch- und Tiefbauschule. 3. Bergschule, 4. Elektrofechnische Schule. 5. Schlosserschule. 6. Tiechlerschule. 7. Installateurschule. 8. StukRäteurschule. 9. Steinmetzschule. 10. Poliexschule. 8/1. Eisenbahnwerkmeisterschule. 18. Giessereitechnlkerschule. 18. 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