Nr. 196. (1. Statt.) Meontag, den 25. August 1919.—.—. Jahrgäng. Krenscheirerg (Gamau=# geneünde 1888(Repiafte Machrichten.) 45. (weneral=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günmgfeld, Horder, : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet; § 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche 5 Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin: zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung Vorsossensen Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. 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Das Schießen fand unter Aufsicht des Kriegerverbands=Vorsitzenden Hauptmann d. R. Kampmann und des Mitgliedes des Präsidiums, Restaurateur Grimm, Vorsitzender des Kameradschaftlichen Vereins 16. Armee=Korps statt. An dem Preisschießen beteiligten sich 116 Rekruten. Es wurden 2 Schuß stehend aufgelegt auf 12er Ringscheibe geschossen, und zwar mit Modell 71. Der Verbandsvorsitzende hatte außerdem noch ein Infanterie=Gewehr, Modell 88 und das neueste Modell, welches jetzt bei der Infanterie des Heeres in Gebrauch ist, auf dem Schießstand zur Stelle. Er erklärte den jungen Leuten besonders das neue Gewehr, womit die Rekruten ausgebildet werden. Das Schießen war gegen 7 Uhr beendet. Folgende 10 Rekruten, welche die höchste Ringzahl erzielten, bekamen Preise, die zumeist aus Gegenständen bestanden, welche die jungen Leute als Soldat sehr gut verwenden können: Den 1. Preis erhielt Meise mit 20 Ringen, den 2. Pepperhoff, 3. Kreuzenberck, 4. Walter, 5. Bauer mit je 19 Ringen, 6. Eden, 7. Hackenberg, 8. Krause mit je 18 Ringen, 9. Sondermeier und 10. Murmann mit je 17 Ringen. Der Verbands=Vorsitzende gratulierte den besten Schützen wegen der vorzüglichen Resultate und verteilte hierauf die Preise. Er forderte die Rekruten noch auf, sich an dem am Mittwoch, 27. Aug., abends 7.30 Uhr in der Städt. Turnhalle an der Kaiserstraße stattfindenden Vortrag vollzählig zu beteiligen. Restaurateur Grimm hat den Vortrag übernommen und wird über Diensteintritt, Einkleidung usw. sprechen.— Das am 28. Sept. siattfindende Rekruten=Abschiedsfest findet in der Kronenburg(Sonnenschein) statt. Die Theatergesellschaft Fidelia(Vereinslokal Bien) wird mit patriotischen Festspielen aufwarten. Kleine lokale Nachrichten. * Der städtische: Armenvorstand wird am morgigen Dienstag zu seiner diesmonatigen Sitzung im kleinen Sitzungssaal zusammen treten. Es wird sich nur um die Festsetzung der Spendeliste handeln. * In Ergänzung unserer Mitteilung über den Urlaub der hiesigen evang. Geistlichkeit können wir heute melden, daß Pfarrer Kuhlmann nebst Gattin bereits zur Kur in Bad Ems weilen. Vom Kgl. Amtsgericht. * In Sachen der Zwangsversteigerung Behrendt (Füher Ferd. Weindorf, Chausseestraße) stand am Samstag mittag Kaufgelderbelegungstermin an. Die Besitzung war vom Wirt Jos. Graßhoff, früher in Westenfeld, im Verkaufstermin vom 2. Aug. für 32.500 Mk. angekauft und wurde am Samstag bezahlt. Den Termin hielt Gerichtsassessor Eckart ab.— Am Samstag stand auch Termin an beim Amtsgericht in Sachen Zwangsversteigerung der auf den Namen des Polsterers Wilh. Kanne eingetragenen, früher der verwitweten Frau Josef Genius gehörenden, in der Bismarckstraße belegenen Besitzung. Dieser Termin war auf Antrag eines Gläubigers aufgehoben. Beisetzungsfeier. * Auf dem kathol. Begräbnisplatz wurde heute morgen eine der ältesten Frauen der Stadt, die Witwe Wirt Heinrich Löbbert geb. Christine Fichtner, in sehr stattlichem Leichenzuge zur letzten Ruhe bestattet. Der katholische Frauen=Verein war vollzählig erschienen, um der beliebten Mitschwester die letzte Ehre zu erweisen. Die Beisetzungsfeier in der Familiengruft auf dem alten Teil des Friedhofes vollzog Ehrendomherr, Propstdechant Hausmann unter Mitwirkung der gesamten Pfarrgeistlichkeit. An die Trauerfeier auf dem Friedhofe reihte sich das feierliche LevitenSeelenamt in der Propsteikirche, welches Ehrendomherr Hausmann zelebrierte, an. R. I. P. S. Christlich=sozialer Arbeiterverein. * Der christlich=soz. Arbeiterverein hielt gestern Nachmittag 5 Uhr seine monatliche Versammlung unter Leitung des Vorsitzenden Eba ch im Lokale Sonnenschein ab. Dem verstorbenen Mitgliede und Mitbegründer des Vereins Wagener widmete der Vorsitzende einen ehrenden Nachruf. Sodann übermittelte er dem Verein den herzlichsten Dank des Domkapitulars, Propstdechanten Hausmann für die aus Anlaß des 25jährigen Ortsjubiläums durch den Vorsitzenden und das Mitglied Bernstorf dargebrachte Gratulation. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Versammlung und Aufnahme einiger neuer Mitglieder wurde der Antrag betreffend Bildung einer Preß=Kommission beraten und schließlich bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt. Hierauf hielt Kaplan Geerken einen Vortrag über die Entstehung des Wallfahrtsortes Werl, welcher reichen Beifall fand. Beschlossen wurde ferner, am 1. Weihnachtsfeiertage eine Weihnachtsseier zu veranstalten, und zwar im Lokale L. Sonnenschein. Ebenfalls soll ein Stiftungsfest gefeiert werden. Der Tag ist noch nicht bestimmt. Der Delegiertentag für den Verband Westdeutscher Arbeitervereine findet am 15. Sept. in Herne statt. Turnverein„Deutsche Eiche“. * Der Turnverein Deutsche Eiche(Vereinslokal Recke) nahm gestern an dem Turnerwettstreit in Freisenbruch teil. Trotz der starken Konkurrenz hat der gen. Turnverein mehrere Preise erzielt. Den Hauptehrenpreis im Ringen sowie die Meisterschaft von Rheinland u. Westfalen errang das Mitglied August Drauschke. Den 1. Preis im Stemmen erhielt der Turnwant August Kraska. Das Fest des alten Vergarbeiterverhauder. * Die Zahlstellen 1 und 2 Wattenscheid des alten Bergarbeiterverbandes veranstalteten gestern ihr diesjähriges Zahlstellenfest, das durch einen Festzug eingeleitet wurde. An diesem beteiligten sich einschließlich Radfahrer und Turner ungefähr 450 Personen, darunter auch einige Frauen. Nach dem Umzug begaben sich die Teilnehmer in den Saal des Restaurants Prukop, wo Verbandssekretär Winter aus Bochum die Festrede hielt. Hierauf folgten Musikdarbietungen, Gesangvorträge des Arbeiter=Gesangvereins„Einigkeit" und turnerische Aufführungen des Arbeiter=Turnvereins u. Ball. Wem gehört das Kind? * Am Samstag wurde auf der Weststraße ein etwa 3jähriges Mädchen aufgegriffen, das laut weinend nach seinen Eltern rief. Es kann seinen Namen nicht nennen und wurde bisher noch nicht abgeholt. Das Kind hat helles Haar und ist wie folgt gekleidet: Karriertes Kleidchen, schwarze Schürze, sowie Schuhe und Strümpfe von gleicher Farbe. Wer etwas über die Eltern des Kindes weiß, wolle dies der hiesigen Polizei mitteilen. Sur Wetterlagz,,„ g1. S5. Em Lesgamrig im Wiarck. * Der Wind, welcher seit Wochen beharrlich im Nordwesten stand, hat seit Samstag nach Osten gedreht und damit anscheinend eine bessere Witterung angebahnt. Hoffen wir, daß das schöne Wetter für einige Zeit bestehen bleibt. des Empfindlicher Schaden. * Am Samstag abend wurde das Pferd Bäckermeisters Stottrop aus Gelsenkirchen auf der Weststraße von Kolik befallen. Auf der Brinkstraße stürzte das Tier im Wagen zusammen und verendete. Ballonfahrt. * Bei herrlichem Weiter stieg am Sonntag morgen gegen 10 Uhr bei großem Andrange des Publikums der Ballon„Gladbeck" von Rheinelbe auf. Der Start erfolgte bei leisem Westwinde sehr gla,t. Nach kurzer Zeit war der Ballon in der Nebelschicht den Augen der Zuschauer entschwunden. Die Landung erfolgte sehr glatt nach bstündiger, sehr schöner Fahrt um 3 Uhr in Westeringen bei Herford. Erfolg des Kurn=Vereine 9. T. G61er5, * Gestern fand bei Duisburg das sogenannte Kaiserbergfest, eine bekannte turnerische Veranstaltung der deutschen Turnerschaft statt. Auch der Wattenscheider TurnVerein D. T. war vertreten und errang durch das Mitglied Korte mit 99 Punkten den 19. Kranz. Es waren über 600 Turner zu den Wettkämpfen angetreten. Von der Phönix=A.=G. * Ueber den von uns bereits berichteten Jahresabschluß der Phönix=A.=G., wozu bekanntlich auch Zeche Holland gehört, lesen wir im„Berliner Tageblatt“ noch folgendes: Der Jahresabschluß der Phönix Bergbaugesellschaft soll nach der„Nationalzeitung“ einen Reingewinn von zirka 26 Mill. Mark gegen 22,8 Mill. Mk pro 1911=12 ergeben, so daß als verteilbarer Ueberschuß 1.2: Mill. Mk.(im V. 29).) zur Verfügung stehen würden. Treffen diese Angaben, für die die offizielle Bestätigung zunächst fehlt, zu, so muß die Gesellschaft ihre Abschreibungen sehr wesentlich erhöht haben; denn ohne eine solche Erhöhung hätte die Zunahme des Reingewinns größer sein müssen. In der letzten Woche sind die Aktien der Phönix Bergbau=Gesellschaft um 5 Proz. auf 257,75 Proz. gestiegen— ein Kurs, der darauf hindeutet, daß Bestrebungen bei dem Unternehmen bestehen, die Dividende über den vorjährigen Satz von 18 Proz. hinaus zu erhöhen, und zwar, wie es heißt, auf 20 Proz. Ob diese Absicht die Billigung des gesamten Aufsichtsrates finden wird, steht dahin. Es dürfte nicht an Stimmen fehlen, die sich im Hinblick auf die ungewissen Aussichten für eine Beschränkung der Dividende erklären werden. 25. Angust 1813. 6 * Die böhmische Armee der Verbündeten ist mit 80 000 Mann vor Dresden eingetroffen. Napoleon faßt einen folgenschweren Entschluß. Statt auf direktem Wege nach Dresden St. Cyr zu Hilfe zu eilen, will er links abbiegen, bei Königstein die Elbe überschreiten und so den vor Dresden kämpfenden Verbündeten in den Rücken fallen.„Ich setze voraus, daß Dresden, sobald ich meinen Angriff einleiten werde, von den Verbündeten nicht so energisch angegriffen wird, daß es binnen 24 Stunden genommen werden kann.“— Wie groß Napoleons Hoffnung auf ein gutes Gelingen dieses Planes war, zeigt uns die Anweisung, die er an Maret gibt:„Geben Sie nach Paris unbestimmte Nachrichten und lassen Sie durchblicken, daß gleichzeitig ein Sieg in Schlesien, die Einnahme von Berlin und noch wichtigere Ereignisse bekannt gemacht werden dürften.“ Nach Ablauf des Waffenstillstandes hatte das Lützowsche Freikorps auf dem nördlichen Kriegsschauplatz den Vorpostendienst erhalten und befand sich täglich im Kampfe. Am 24. dichtete Körner im Lager seinen letzten Kriegsgesang, das„Schwertlied". 2 Tage darauf fiel er in einem Gefecht an der Straße von Gadebusch nach Schwerin. Bei dem Dorse Wöbbelin wurde er unter einer alten Eiche bestattet. Der Herzog Friedrich Franz von MecklenburgSchwerin schenkte den die Eiche umgebenden Platz Körners Vater, und jetzt ist die Grabstätte umfriedigt und durch ein gußeisernes Denkmal bezeichnet, unter dem auch Körners einzige Schwester Emma, die im März 1815 dem Gram über des Bruders Verlust erlag, sowie sein Vater, seine Tante Dorea Stock und seine Mutter ruhen. Die Manöver des 7. Armeekorps. * Die diesjährigen Manöver der zum 7. Armeekorps gehörenden Verbände werden sich auf beiden Ufern der Lippe bei Hamm abspielen. Die 29. Infanterie=Brigade hält ihre Uebungen in dem Gelände zwischen Lünen, Werne und Kamen, die 28. Brigade südlich davon ab. An diese Uebungen schließen sich die Divisions=Manöver in der Umgegend von Unna. Den Abschluß bilden vom 21. dis 24. Sept. die Korpsmanöver bei Werl. Frauen im tierärztlichen Berufe. * Auf Antrag der sächsischen Regierung hat der Bundesrat beschlossen, daß die Reifeprüfung des Lyzeum im Sinne der tierärztlichen Prüfungsordnung als ausreichender Nachweis der Vorbildung gelten soll. Die grundsätzlichen Bedenken, die früher gegen die Ausübung des tierärztlichen Berufs durch Frauen bestanden, sind inzwischen aufgegeben. In erster Linie wird für Frauen die Ausübung und die Kontrolle der Fleischbeschau in Frage kommen, aber auch gewisse Spezialgebiete der tierärztlichen Praxis, zum Beispiel für Haustiere, Geflügel usw. dürften von Frauen als Betätigungsgebiet erstrebt werden. Eisenbahnarbeiter. * Der Verband deutscher Eisenbahn=Oberbau=Arbeiter der Preußisch=Hessischen Staats= und der Reichseisenbahn hiel in Frankfurt a. M. seine ordentl. 5. Verbandstagung ab. Er waren 144 Bezirksvereine mit 13832 Stimmen vertreten; der Verband umfaßt 226 Bezirksvereine mit 20 000 Stimmen. In Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Antrag: Lohn erhöhungen und Lohnzulagen. Ausnahmslos klagten die ein zelnen Redner über die schlechten Lohnverhältnisse der Rot tenarbeiter. Die Versammlung beschloß einstimmig die er neute Absendung einer dringenden Eingabe an den Minister in der unter eingehender Klarlegung der schlechten wirtschaft. lichen Lage der Rottenarbeiter für diese eine durchgreifende Lohnerhöhung gefordert wird. Tagung der Verkehrsvereine. * Der Verband der Verkehrsvereine Westfalens und angrenzender Gebiete hält am 6. und 7. September in Paderborn seine diesjährige Vorstands= und Mitgliederversammlung ab. Auch die Damen der Mitglieder sind herzlich willkommen. Den Besuchern wird Gelegenheit gegeben werden, unter sachkundiger Führung die schöne alte Stadt Paderborn, die außerordentlich beachtenswerte Gewerbe=Industrie= und Kunstausstellung, sowie den schönsten Teil des Teutoburgerwaldes mit den berühmten Externsteinen in Augenschein zu nehmen. Teilnehmerkarten nebst illustriertem Führer durch Paderborn und Gutscheinheft für alle Veranstaltungen sind vom 25. August an gegen Zahlung von 9 M. vom Schriftführer des Verbandes, Dr. jur. A. Kuckuck=Dortmund, Balkenstraße 18, zu beziehen. Teilnehmerkarte nebst Gutschein. heft nur für Sonntag kostet 7M. Gäste sind willkommen Was ist Mundraub? * Das Essener Schöffengericht hat jüngst einen Arbeiter, der Kohlen gestohlen hatte, wegen Mundraubs bestraft.„Mundraub“ war die eingebürgerte und auch einigermaßen zutreffende Bezeichnung für die Vorschrift des 3·370,5 Str. S. B. in der Form, wie sie bis zum 5. Juli 1912 lautete, nämlich:„Mit Geldstrase bis zu 150 Mark oder mit Haft wird bestraft, wer Nahrungs= oder Genußmittel von unbedeutendem Werte oder in geringer Menge zum alsbaldigem Verbrauche verwendet." Durch das Reichsgesetz vom 19. Juni 1912(in Kraft seit dem 5. Juli 1912) ist aber diese Vorschrift gleich manchen anderen des Strafgesetzbuches abgeändert worden. Sie lautei jetzt:„Mit... wird bestraft, wer Nahrungs= oder Genußmittel oder andere Gegenstände des hauswirtschaftlichen Gebrauches in geringer Menge oder von unbedeutendem Werte zum alsbaldigen Verbrauche entwendet oder unterschlägt.“ Auf diese neue Vorschrift paßt natürlich die Bezeichnung„Mundraub“ nicht mehr, denn die neugesaßte Vorschrift umfaßt auch die Entwendung u. Unterschlagung von Kohlen, Brennholz, Spiritus, Seise und dergl. Gegenstände des hauswirtschaftlichen Verbrauchs.“ Sie war natürlich auf den in Essen verhandelten Diebstahl, der sich im Dezember 1912 zugetragen hatte, anzuwenden, nicht aber wäre auf einen verarligen Fall die alte„Mundraubvorschrift“ anwendbar gewesen, selbst wenn festgestellt worden wäre, daß die entwendeten Kohlen bei der Zubereitung von Speisen Verwendung gefunden hätten. Vor dem 5. Juli 1912 hätte der Arbeiter nur wegen Diebstahls(§ 242 Str.=G.=B.) verurteilt werden können. Eheliche Zwistigkeiten. * Unerquickliche Zustände scheinen in der Ehe des Arbeiters K. in der Weststraße zu bestehen. Heute morgen erschien die Ehefrau mit einem ganz zerschlagenen, bis zur Unkenntlichkeit verunstalteten Gesicht auf der Polizei und erklärte, daß der Ehemann sie schwer mißhandelt habe. Als dieser zitiert wurde, beschuldigte dieser seine Frau, daß sie ihn zuerst geschlagen habe. Im übrigen sei die ganze Sache nicht sehr ernst zu nehmen; es handle sich vielmehr um einen„Spaß“. Wie mag es dann wohl werden, wenn es einmal„ernst“ wird? Ein gefährliches„Vergnügen“. * Ein eigenartiges und für die Passanten der Nordstraße recht gefährliches Vergnügen leistete sich gestern mittag der Arbeiter Joh. K. Aus einem Fenster des Hauses Nordstr. 2 warf er mit allen möglichen Gegenständen nach den Passanten, wobei einer nahezu von einem schweren Schraubenschlüssel, der ebenfalls zu den Wurfgeschossen gehörte, getroffen worden wäre. Die Polizei, welche benachrichtigt wurde, machte dem Unfug ein Ende und sperrte den K. ein. Bei seiner Vernehmung erklärte er mit der unschuldigsten Miene von der Welt, er habe nichts Böses im Sinne gehabt und nur zu seinem„Vergnügen“ einige Sachen aus dem Fenster geworfen. Die Polizei dürfte aber für dieses Vergnügen wenig Verständnis zeigen. Nachsaison. * Nun kommt die Zeit, wo sich der große, breite Schwarm der Ferienreisenden und Sommerfrischen=Besucher allgemach verlaufen hat, wo Tausende und aber Tausende wieder im alltäglichen Hott und Trott sein müssen, und wo doch all die schönen Bade= und Erholungsorte immer noch recht gern etliche Touristen und Dauerbesucher sehen. Ja, sie sind alle jetzt besonders herzlich willkommen, die es möglich machen können, die sogenannte Nachsaison zu benutzen. Sie werden nicht als Masse angesehen, sondern als liebe individuelle Hrößen, als Persönlichkeiten, auf deren Einzelwünsche weitgehende Rücksicht genommen wird. Man kann sich die Zimmer hübsch auswählen, man darf seinen Geschmack betreffs der Tafelgenüsse beim verständnisvoll zuhörenden Wirt jederzeit anbringen, man verlangt und bekommt die pünktlichste und freundlichste Bedienung. Die berühmten und allbeliebten Natur= und Ausguck=Plätzchen sind nicht mehr zu jeder Tagesstunde vollbesetzt. Der mehr für sich sein wollende Kurgast hat die prächtigsten Spazierwege zur Verfügung und kann es mit Leichtigkeit einrichten, daß ihm stundenlang keine Menschenseele begegnet. Ruhe, köstliche, wundervolle Ruhe! Man ist wohl auch ein Kinderfreund, aber man bedarf vielleicht einer Spanne Zeit, wo die Nerven tunlichste Stille ringsum haben möchten. In der Nachsaison gibt's in der Regel kein lärmendes Kinderspiel vor Balkon und Fenster. Und weiter ein Wichtiges zum hohen Lobe dieser freundlichen Zeit: Sie ist entschieden billiger als das, was man Hochsaison nennt. In jedem Projekt wird es lockend und mit aller Deutlichkeit angekündigt, daß die Wohnung und die volle Pension längst nicht das kosten, wie zur allgemeinen hochsommerlichen Urlaubszeit. Schon um dieses Vorteils willen möchte mancher sich gedrungen fühlen, die Nachsaison zu bevorzugen; und zumar bei einer starken Familie, die in Pleno in die Sommerfrische will, macht der pekuniäre Unterschied schon etwas aus. Freilich, bei schulpflichtigen Kindern kann man sich die Ferienzeit nicht selber so ohne weiteres aussuchen. Nachsaison ist wie ein schönes, mildes Nachleuchten, und sie bringt manchmal die reizvollsten Natur= und Landschaftsbilder; sie kann auch entzückendes Wetter bescheren, und braucht jedenfalls in diesem Punkte nicht schlechter zu sein, als die oft sehr wetterwendische Hochsaison. Ein frohes Glückauf allen denen, die jetzt so sachte ans Bündelschnüren denken und die dann hoffentlich eine wirklich angenehme Nachsaison erleben, von der sie noch lange mit Dank und wahrster Befriedigung reden! Die neue kriegsmäßige Uniform der Kavallerie. * Die im Oktober d. J. einzustellenden neuen Kavallerieregimenter, Jägerregiment zu Pferde 7—13, erhalten schon für den täglichen Dienstgebrauch im Frieden eine kriegsmäßige Uniform. Kartusche und Bandelier kommen in Fortfall. An die Stelle der Stulpenstiefel treten naturfarbene, im Frieden schwarze Halbstiefel mit Anschlagsporen. An die Stelle der Säbelkoppel wird eine Patronentasche mit Tragriemen, wie die Gepäcktasche der Radfahrer, aus dunkelbraunem, naturfarbenem Leder, in Frieden schwarzem Ledee, kommen. Für das Karabinerfutteral ist versuchsweise eine Karabinertragvorrichtung eingeführt. Neues aus Kray=Leithe. * Kray, 25. Aug. Bei der Posthilfsstelle in unserer Nachbargemeinde Leithe im Lokale des Wirts Siepmann ist eine Telegraphenanstalt mit öffentlicher Fernsprechstelle eingerichtet worden. Die Kokerei=Anlagen auf der Zeche Bonifacius der Gelsenkirchener Bergwerks=Aktien=Gesellschaft erfahren durch die Erbauung einer Benzolfabrik eine bedeutende Betriebserweiterung. Es werden dort 15 Wascher mit je 3 Meter Durchmesser und 20 Meter Höhe aufgestellt. Außerdem werden 3 Kühler montiert, sodaß die ganze Anlage 3 Batterien umfaßt. Ferner sollen am 1. Oktober daselbst insgesamt 240 Koksösen neuesten Systems in Betrieb genommen werden. Nach Fertigstellung dieser Baulichkeiten dürfte diese Anlage die größte ihrer Art in Deutschland sein. Polizeihundeprüfung in Günnigfeld. * Günnigfeld, 25. Aug. Bei schönstem Wetter sand gestern auf dem Gelände des Gutspächters Remy Monstadtshof) die diesjährige Polizeihundeprüfung statt. Es hatten sich viele Sportsfreunde eingefunden, sie folgten mit sichtlichem Interesse den Vorführungen. 12 Hunde wurden vorgeführt, die zum Teil recht gute Leistungen boten: Es erhielten den 1. Preis Hektor von Tiefenbruch mit 149 Punkten(Besitzer Grywatz), 2. Pr. Tasso vom Lande, 146 P.,(Polizei=Sergeant Mai), 3. Preis Rose vom Richterhaus, 141 Punkte,(Rabe), 4. Preis Liese v. d. Linde, 140 Punkte,(Polizei=Serg. Zumbro), 5. Wolf vom Rhein, 134 Punkte,(Gustav Mai), 6. Pr. Roland, 115 Punkte,(Rosolski), 7. Pr. Lord, 113 P., (Kgl. Schutzmann Kudicke), 8. Pr. Tell v. Erle, 111 Punkte,(Friedrich Helpensteller), 9. Preis Lux, 64 P., (Max Rosenthal), 10. Pr. Wolf von Heßler, 42 Punkte, (Karl Mähler). Die Preisverteilung erfolgte im Parkrestaurant(Mai). Darauf blieben Führer und Gäste noch lange in gemütlicher Stimmung beisammen. Leiter der Prüfung war Polizeisergeant Mai von hier. Als Preisrichter fungierten Kriminalschutzmann Koch=Herne und Lademeister Krämer=Wanne. Unfall. * Gelsenkirchen, 25. Aug. Der Steiger Sch., Grillostraße 94 wohnhaft, stürzte in der Grube 10 Meter ab. Er erlitt einen Bruch der Wirbelsäule und mußte dem Krankenhause zugeführt werden. Vorträge in Wanne=Eickel. * Wanne, 25. Aug. Die Gemeindebeamtenvereinigung Wanne=Eickel beabsichtigt, im Laufe dieses Winters zur Förderung der Fachinteressen ihrer Mitglieder Vorträge aus den verschiedensten Gebieten des Verwaltungswesens halten zu lassen. Es konnten für derartige Vorträge Bergmann, wissenschaftlicher Hülfsarbeiter beim Verband rheinisch=westfälischer Gemeinden in Köln, stizrat Dr. Friedrichs, Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht in Düsseldorf. Hill, Amtslandmesser in Wanne, Dr. Jolk, juristischer Hülfsarbeiter in Eickel, Gerichtsassessor Oberdrevermann, Beigeordneter in Wanne, Sporkhorst, Amtsobersekretär in Wanne und Uhland, Buchhalter der Kommunalen Straßenbahngesellschaft in Eickel gewonnen werden. Buntes Allerlei. Was eine Schweizerreise vor 200 Jahren kostete. Die Reisekosten aus einer fernen Vergangenheit genau zu berechnen, ist sehr schwierig, da selten exakte und vollständige Angaben erhalten sind. Deshalb gewinnen besondere Wichtigkeit die Rechnungen über eine Schweizerreise im Jahre 1731, die der preußische Gerichtsrat d'Alencon seiner vorgesetzten Behörde, dem Generaldirektorium, eingereicht hat, und die unter den Akten bewahrt werden. d'Alencon trat seine Reise von Berlin aus an und benutzte bis Frankfurt a. M. die„ordinaire Post“, der er für seine Beförderung und für die seines Dieners sowie 120 Pfund Ueberfracht 39 Taler 22 Groschen zahlen mußte. Die 25 Meilen von Frankfurt nach Straßburg mußte der Gerichtsrat, da keine Post ging, in einer Landkutsche zurücklegen, für die er 10 Taler 8 Groschen bezahlte. Dafür brauchte er aber auch mehrere Tage, während man heute in ein paar Stunden die Strecke zurücklegt. Von Straßburg nach Basel gelangte er mit der„reitenden Post“, also dem schnellsten damaligen Beförderungsmittel, in einem Tage. Für die 10 Meilen weite Fahrt von Basel bis Bern bezahlte er 10 Taler 12 Groschen. Von dort machte er dann während seines ganzen dreivierteljährlichen Aufenthaltes in der Schweiz vielfache kleinere Reisen. Siegfried Maire, der die Reisekostenberichte d'Alengons im Archiv für Kulturgeschichte veröffentlicht hat, kommt nach eingehenden Untersuchungen zu einem interessanten Ergebnis. Die Reise führte von Berlin über Halberstadt und Kassel nach Frankfurt a. M., dann nach Bern, Neuchatel, Genf, Lausanne; dann wurden zwei Abstecher, ein längerer an den Genfer See und in das Waadtland und ein kürzerer nach Lausanne gemacht, und dann die Rückreise auf demselben Wege angetreten. Die Transportkosten für zwei Personen betrugen zusammen ungefähr 245 Taler. Die Verpflegungskosten beliefen sich während der 9½ Monate dauernden Reise auf etwa 490 Taler. Der Herr gab dabei für Kost und Quartier 1 Taler 8 Groschen aus, nach unserm Gelde also 4 bis 4½ Mk., der Diener 5½ bis 6 Groschen oder 70 Pfg. Eine längere Reise in die Schweiz konnte also im Jahre 1731 schon mit 300 Talern unternommen werden. Um aber diese Kosten richtig einzuschätzen, muß man bedenken, daß der Kaufwert des Talers damals sehr verschieden von dem heutigen war; man muß den Wert des Talers von 1731 mindestens auf das Sechsfache des heutigen Dreimarkstückes veranschlagen. Danach stellt sich das Verhältnis so, daß der tägliche Unterhalb den Reisenden etwa 25 Mark auf den Tag und seinen Diener 4 bis 4½ Mark kostete. Das sind Summen, wie sie heute nur wohlhabende Reisende anlegen. Die Beförderungskosten auf den von dem Gerichtsrat benutzten Strecken würden aber heute für zwei Personen in der zweiten Klasse höchstens 120 Taler betragen. Die Reisenden haben mit 245 Talern nicht das Doppelte, sondern das Zwölffache ausgegeben. Das Reisen an und für sich ist also in der Zeit des ampfes und der Elektrizität jedenfalls viel billiger geworden. Ein Kinodrama aus dem Leben. In Polen hat sich ein Drama abgespielt, wie man es sonst nur auf„Schlagerfilms“ sieht, die noch nicht die Schere der Zensur passiert haben. Ein unseliges Mißverständnis trieb 3 Menschen in den Tod und eine Frau ins Irrenhaus. Die Geschichte ist folgende: Der junge Sohn eines Gutsbesitzers bei Sosnowice, Zeno Konarski, verliebte sich in die Tochter des Besitzers des benachbarten Gutes, Maria Zagurska, die die Neigung Konarskis auch erwiderte. Vor einigen Wochen kam zu der Familie Zagurskis eine Jugendfreundin von Fräulein Maria, die von dem Verhältnis zwischen der Freundin und Konarski nichts wußte, und erzählte, Konarski heirate die reiche und sehr schöne Tochter des Apothekers X. Als sich die Freundin verabschiedete, nahm Maria aus der Hausapotheke ein Fläschchen, ging in ihr Zimmer und trank, nachdem sie der Flüssigkeit noch ein großes Quantum Schlafpulver beigemengt hatte, diese aus. Währenddessen befand sich der junge Konarski schon auf dem Wege zur Familie Zagurski, um formell um die Hand der Tochter anzuhalten, und er erlangte auch von den Eltern des Mädchens die Zustimmung zu einer ehelichen Verbindung. Als Konarski nach der Getiebten fragte, begab sich die Mutter ins das Zimmer der Tochter, und fand diese auf der Ottomane leblos liegend vor. Sie brach darauf, vom Schlage gerührt, zusammen. Zaguroki und der unglückliche Bräutigam fanden beide tot vor. Die leblose Techter hielt in der einen Hand die Photographie Konarskis, in der anderen einen Brief, der an K. adressiert war. Bald nach diesem Vorfall begab sich der Bräutigam ins Ausland und schrieb seinen Eltern, daß sie sich nicht wundern möchten, wenn etwas mit ihm passieren sollte. Diese Nachricht nahm sich die Mutter des unglücklichen Sohnes derart zu Herzen, daß sie gemütskrank wurde und in eine Irrenheilanstalt gebracht werden mußte. Als darauf der junge Konarski hiervon erfuhr, griff er zum Revolver und erschoß sich. Eingesandt. Von unserm Kaiser Wilhelm=Bad. Wattenscheid, 25. Aug. Jedes Ding hat bekanntlich 2 Seiten, ebenso unser Kaiser Wilhelm=Bad. Die angenehme Seite wurde bereits in der„Wattenscheider Zeitung" gebührend und mit Recht geschildert, während ich etwas von der Kehrseite schreiben möchte. So sehr wir uns über den schönen Bau und die praktischen, einwandfreien Einrichtungen freuen können, so machen sich doch noch einige Mängel bemerkbar, die zwar an sich nicht sehr wesentlich sind, aber doch die Behaglichkeit der Besucher iln etwa beinträchtigen. Um zur Beseitigung dieser Mängel anzuregen, welche zumeist in der Neuheit des Betriebes begründet sind und wohl als sogenannte„Kinderkrankheiten“ gelten können, seien sie nachstehend in kurzen Worten dargelegt: In dem Brausebad hatte ich zunachst das Gefühl, als ob es„zieht“. Unten ist die Tür etwa eine Handbreit offen; durch diese Oeffnung kommt die Luft von dem Längsgang in den Ankleideraum und zieht dann an dem feuchtwarmen Körper entlang. Auch von dem Nebenraum her„zieht“ es, weil die Abtrennungswände an einigen Stellen nicht bis zum Fußboden reichen. Nach kurzer Zeit des Brausens merkte ich, daß das Wasser am Fußboden nicht abfloß, sondern drohte, durch beständiges Steigen meine Stiefel im Ankleideraum zu durchnässen. Mit einiger Mühe gelang es mir, das Gitter über dem Abflußrohr hoch zu heven und mit den Fingern die verstopften sehr kleinen Löcher von Wäschefasern und— Haaren— zu reinigen. Jetzt waren meine Stiefel gerettet. In dem Ankleideraum empfand ich es unangenehm, daß man mit den nackten Füßen auf den kalten Fliesen stehen muß, bis die ersten Kleider angezogen sind. Ein Stück Linoleum von 50:60 Zentimeter ist hier nötig, denn das Holzgitter aus dem Brauseraum ist zu naß. Ebenso nötig ist eine kleine Konsole unter dem Spiegel, auf welche man Kragen, Krawatte, Kragenknöpfe und Manschetten legen kann; denn der kleine Ecksitz ist mit Badetuch und Kleidungsstücken reichlich belegt.— Am Samstag versuchte ich es mit einem Wannenbad 2. Klasse, um den Unannehmlichkeiten des Brausebades zu entgehen; aber ich konnte das Gefühl des„Ziehens“ auch hier nicht los werden. Die Tür reicht auch hier nicht bis auf den Boden. Ferner vermißte ich hier ebenfalls die kleine Konsole unter dem Spiegel. Beim Baden empfindet man es immer unangenehm, daß sich das Wasser in den Badewannen nach kurzer Zeit merklich abkühlt, weil die kalten Wände der Wanne dem Wasser einen Teil der Wärme entziehen. Man muß dann etwas warmes Wasser zulaufen lassen. Aber in unserer Badeanstalt hat es mit dem Zulaufenlassen des warmen Wassers seine Schwierigkeit. Der Schlüssel zu dem Warmwasserhahn fehlt! Den nimmt der Bademeister mit. Und nun die Brauseeinrichtung zu den Wannenbädern: Ich drehe an dem Hahn zur Brause nach rechts, ich drehe nach links, die Brause funktioniert nicht. Des zwecklosen Drehens müde, drehe ich den Kaltwasserhahn auf, um mich mit etwas kaltem Wasser zu besprengen. Da— o, Schreck— überschüttet mich die Brause mit einem kräftigen Dusch kalten Wassers, sodaß ich mit Zähneklappern eiligst aus der Wanne sprang. Wie ich mir dann die Wasserhähne senauer besehe und— sehr vorsichtig— probiere, finde ich, saß man die Brause auch nach jeder gewünschten Temperatur stellen kann, wenn— ja wenn— man den Schlüssel zu dem Warmwasserhahn hätte.(Ich nehme mir nächstens den Schlüssel von dem Gasautomat mit, vielleicht paßt er.) Nächstens gönne ich mir ein Wannenbad 1. Klasse, dort höre ich hoffentlich auch nicht das Gekreische der Schulkinder aus den Brausebädern; denn des Samstags nachmittags baden diese oft zu zweien in einer Zelle. Hierbei kommt es dann vor, daß der eine den Wasserhahn statt auf„heiß“ auf„kalt“ dreht— oder umgekehrt, was der andere Teil dann durch ein ohrenbetäubendes Geschrei kundtut. Dann möchte ich noch an einige Eltern die Bitte richten, daß sie ihre Kinder, wenn sie diese zum Baden schicken, mit Schuhen bekleiden, denn es ist kein angenehmer Anblick, wenn in dem Warteraum 6—10 Knaben mit sehr schmutzigen nackten Füßen herumlaufen und warten, bis die Brausezellen frei sind. Zum Schluß möchte ich noch empfehlen, daß auch an der Innenseite der Tür die Nummer der Kabine angebracht wird, damit der Badegast sich die Nummer merkt, um etwa vergessene Gegenstände bequemer wieder zu finden. Fr. S. Das vorstehende Eingesandt hat uns Veranlassung gegeben, wegen der angeblichen Mängel mit der maßgebenden Stelle Rücksprache zu nehmen. Es wurde uns folgendes erklärt: Die Türen der Brausezellen sind nicht ohne Absicht unten eine Handbreit vom Fußboden offen geblieben. Diese Oeffnung hat den Zweck, eine ständige Luftbewegung und damit eine Erwärmung und Luftreinigung der Brausezellen zu gewährleisten. Unangenehme Zugwirkungen können dabei bei geregeltem Betriebe durchaus nicht auftreten, weil die Badezelle einschließlich der Gänge ständig auf 22 bis 25 Grad Celsius erwärmt wird, eine Temperatur, die keinesfalls unangenehm selbst von dem feuchtwarmen Körper empfunden werden kann. In neuerer Zeit läßt man vielfach selbst die Zwischenwände der einzelnen Brausezellen etwa 20 Zentimeter hoch über dem Fußboden offen— wie das auch u. A. bei dem großartigen, von Krupp der Stadt Essen geschenkten Friedrichsbad in Essen=West der Fall ist, um eine gute Lüftung der Badezellen zu erzielen, denn nichts ist unangenehmer, als wenn bei starkem Betriebe die Zellen nach dem Körper und den Kleidungsstücken des vorher Gebadeten riechen. Die Mantelstöcke dürften zur Aufnahme der Kleidungsstücke hinreichend Platz bieten. Ebenso läßt der Sitzplatz auch noch soviel frei, um Kragenknöpfe u. dergleichen darauf zu legen. Eine Linoleumunterlage im Ankleideraume zu legen ist unpraktisch, da nicht zu vermeiden ist, daß sich an und unter ihr selbst bei sorgfältigster Reinigung Schmutzkörper festsetzen. Derartige Unterlagen trifft man auch nie in Brausezellen an, die hygienisch einwandfrei sein sollen. Hinsichtlich der Wannenzellen ist es mit der Heizung und Lüftung genau so bestellt, wie für das Braufebad. Der Warmwasserzulauf ist für den Badenden abgeschnitten, damit die beliebte mißbräuchliche Benutzung des warmen Wassers ausgeschlossen ist, wobei man beachten will, daß die Zubereitung des warmen Wassers viel Geld kostet. Ist dem Badenden das Badewasser zu kalt, oder will er„temperiert“ brausen, so braucht er blos auf den über jeder Wanne angebrachten Knopf der elektrischen Klingelanlage zu drücken, und sofort erscheint das Personal, um den Wünschen entgegen zu kommen. Man wolle bei der Benutzung der Badeanstalt bedenken, daß man unmöglich für den äußerst niedrigen Preis von 10 Pfg. für ein Brausebad und 30 Pfg. für ein Wannenbad Einrichtungen und Bedingungen beanspruchen kann wie in einem Fürstenbad. Sollten Fenster offen stehen und Zugwirkungen verursachen, oder sollten irgendwelche Einrichtungen der Apparate nicht in Ordnung sein, so wende man sich an das Personal, das sokort für Abhilfe Sorge tragen wird. Die Red Aus den Tagen der Befreiungskriege. Die Schlachten bei Dresden(26.—27. August) und bei Nollendorf(29.—30. August). Von O. Elster. (Nachdruck verboten.) Noch einmal sollte die Sonne des Sieges dem Kaiser Napoleon leuchten, ehe sie auf immer versank. Bei Dresden, der Hauptstadt des ihm treu gebliebenen Königs von Sachsen, fielen die eisernen Würfel der Schlacht zu seinen Gunsten; seine überlegene Kriegskunst, seine Schnelligkeit im Handeln, seine rasche Erfassung des günstigen Augenblicks trugen den Sieg über die zögernde Taktik des Fürsten Schwarzenberg trotz aller Tapferkeit von dessen Truppen davon. Im Hauptquartier der böhmischen Armee, in dem sich auch die drei verbündeten Monarchen von Preußen, Rußland und Oesterreich befanden, glaubte man Napoleons Hauptmacht in Schlesien durch Blücher festgehalten, und faßte den Entschluß, sich Dresdens, dieses strategischen Stützpunktes Napoleons, zu bemächtigen, das nur durch das Korps des Marschalls St. Cyr(20000 Mann) gedeckt wurde. Allerdings war Dresden stark befestigt, dennoch hätte ein rasches Handeln wohl einen Erfolg zeitigen können, da man ja mit großer Ueberlegenheit auftreten konnte. Das zögernde Verhalten des Fürsten Schwarzenberg, der alte taktische Fehler, nicht sogleich mit genügenden Kräften zum Angriff zu schreiten, sondern die Truppen zu verzetteln und erst nach und nach eingreifen zu lassen, das alles führte den Mißerfolg herbei. Am 22. August begann der Vormarsch über das Erzgebirge, am 23. beschloß Schwarzenberg, Dresden anzugreifen, am 25. traf man mit einem Teil der Armee vor der Stadt ein. Aber anstatt nun sofort mit allen verfügbaren Truppen zum Angriff überzugehen, ließ man bedeutende Heeresteile bei Dippoldiswalde, Maxen, Glashütte und Kulm stehen und machte den„Versuch“ auf Dresden nur mit der Infanterie des Korps Wittgenstein(Russen), der Hälfte des Korps Kleist(Preußen) und 24 Bataillonen Oesterreicher. Am 26. sollten dann allerdings auch die übrigen Truppen herangezogen werden, aber da war es schon zu spät, denn inzwischen war der Kaiser Napoleon in Dresden angekommen; ihm folgen die Garden und die anderen Armeekorps, die er von Schlesien herangeführt hat. Dennoch erfolgte der Angriff der Verbündeten, denen die Anwesenheit Napoleons noch nicht bekannt war. General Kleist nahm mit seinen Preußen den Großen Garten mit Schloß, Wittgenstein Striesen, das Blasewitzer Wäldchen und den Windmühlenberg, auf dem linken Flügel der österreichische General Mezko Cotta und Löbtau, die Brigade Greth die Pulvermühle und das Feldschlößchen. So standen die Verbündeten in einem mächtigen Halbkreise südlich von Dresden, beide Flügel an die Elbe gekehnt. Aber die Vorstädte Dresdens waren von den Franzosen gut befestigt und die fünf Tore von starken Schanzen geschützt. Dennoch kämpften sich die Verbündeten auf Kanonenschußweite heran! Am Mittag erfuhr man, daß Napoleon sich in der Stadt befand, und Schwarzenberg wollte den Kampf abbrechen. König Friedrich Wilhelm 3. widersetzte sich jedoch diesem Beschluß, es für eine Schwäche ansehend, daß eine Armee von 200 000 Mann nur vor dem Namen Napoleon zurückweichen sollte. So nahm der Kampf seinen Fortgang. Um 6 Uhr waren die Preußen bis in die Pirnaische Vorstadt eingedrungen, die Schanze vor dem Freiberger Tor war von den Oesterreichern genommen und das starke Werk vor dem Mosczinskyschen Garten von einem ungarischen Regiment erstürmt. Da jetzt aber auf französischer Seite die letzten Verstärkungen herangekommen waren, befahl Napoleon den Gegenstoß, der von 70000 Mann mit großem Ungestüm unternommen wurde. Die von den Verbündeten eroberten Stellungen wurden wieder genommen und die Verbündeten in ihre frühere Stellung zurückgedrängt. Die Nacht machte dem Kampfe ein Ende, den Napoleon aber am 27. erneuerte. Vergebens griff er jedoch das Zentrum und dann den rechten Flügel(Preußen und Russen) an. Endlich gelang es Murat, dem König von Neapel, mit seiner Reiterei und dem Korps Viktor den linken österreichischen Flügel vollständig zu umgehen und zu vernichten. Da nun auch die Nachricht eintraf, daß der Marschall Vandamme, der am 25. bei Königstein die Elbe überschritten, gegen Pirna vordringe und die Verbindung mit Böhmen bedrohe, traten die Verbündeten in der Nacht zum 28. bei strömendem Regen den Rückzug nach Böhmen an. Napoleon machte ein großes Wesen von diesem Siege, den er teuer genug erkauft hatte; 10000 Mann an Toten und Verwundeten zählte das französische Heer gegen 15 000 der Verbündeten. Der Rückzug der alliierten Armee durch das Erzgebirge nach Böhmen drohte zu einer furchtbaren Katastrophe zu werden, da die Armee nur auf eine einzige, durch den fortwährenden Regen grundlos gewordene Straße angewiesen war, und der Marschall Vandamme von Osten her, der König Murat von Westen her den Rückzug bedrohten. In Unordnung fluteten die Kolonnen der geschlagenen Armee durch das Erzgebirge zurück; bei Kulm, schon jenseits des Erzgebirges, drohte Vandamme der geschlagenen Armee den Rückzug abzuschneiden, da stellte sich ihm der Herzog Eugen von Württemberg mit seinen Russen entgegen. Er forderte den General Ostermann, der die russische Garde führte, auf, sich anzuschließen; Ostermann weigerte sich anfangs, erst auf die Aufforderung des Königs von Preußen, der seinen Flügeladjutanten von Natzmer zu ihm schickte, entschloß sich der russische General zum energischen Widerstande. Der wackere General selbst ward in dem mörderischen Kampfe schwer verwundet, der Herzog Eugen übernahm das Kommando, und so heldenmütig kämpften die Russen, daß von 5 Uhr Nachmittags Vandamme keinen Angriff mehr wagte. Aber von 14000 Russen lagen 6000 tot oder verwundet auf der Walstatt. Die Hauptarmee war inzwischen nur langsam vorgerückt. Am schwierigsten gestaltete sich der Rückzug des preußischen Korps Kleist, das von dem Korps des Marschalls St. Cyr bedrängt wurde. Glücklicherweise verlor St. Cyr die Fühlung mit Kleist, und dieser langte nach 13stündigem Marsche in Liebenau an. Hier erhielt er vom König Friedrich Wilhelm 3. die Aufforderung, auf Nollendorf, in den Rücken Vandammes zu marschieren. Kleist hatte selbst schon diesen Entschluß gefaßt, und am 30. August Morgens 3 Uhr brach er auf, um in den Kampf bei Kulm, der von neuem entbrannt war, einzugreifen. Zu den Russen bei Kulm waren jetzt auch Oesterreicher gestoßen, die Vandammes linken Flügel umklammerten. Da donnerten um 10½ Uhr von den Höhen von Nollendorf her die ersten Kanonenschüsse des Kleistschen Korps! Vandamme sah sich von allen Seiten umstellt. Nur ein energischer Vorstoß, der die Reihen der Preußen durchbrach, konnte ihn retten. Rasch entschlossen machte er unter dem Schutze eines heftigen Artilleriefeuers Kehrt und warf sich in verzweifelten Kampf auf die Preußen. Aber schon waren im Kampf gegen die Russen und Oesterreicher zwei seiner „Divisionen aufgerieben und gefangen. Dennoch wurde das Korps Kleist durchbrochen und auseinandergesprengt; Kleist Verändehe Traunggen Karte der Schlacht bei selbst entrann nur mit genauer Not der Gefangenschaft; hier vermochte die erschöpfte Landwehr dem wütenden Ansturm Vandammes nicht standzuhalten! Dennoch war das Schicksal Vandammes besiegelt; was durchgebrochen war, fiel der preußischen Nachhut unter General Ziethen in die Hände, 4000 Mann, die südwärts ausbrachen, den nachdrängenden Oesterreichern. Vandamme selbst wurde von russischen Jägern gefangen genommen und im Triumph dem Kaiser Alexander zugeführt. Das französische Korps war vernichtet; die böhmische Armee gerettet! Aber Vandamme war mit Ehren untergegangen. 8- bis 10000 Mann, darunter viele höhere Offiziere, gerieten in Gefangenschaft, 2 Adler, 5 Fahnen und 82 Geschütze wurden erbeutet. Die Niederlage bei Dresden war gutgemacht. Auf allen drei Kriegstheatern, in Schlesien, in Brandenburg, in Sachsen, hatten die französischen Marschälle entscheidende Niederlagen erlitten; aber„der Tag von Rollendorf“, so schreibt der Marschall St. Cyr,„muß unter die unglücklichsten des Feldzuges gerechnet werden; er vernichtete uns die ganze Frucht der am 26. und 27. vor Dresden errungenen Erfolge; er gab den Feinden Selbstvertrauen wieder, stellte die Einigkeit unter ihnen wieder her, entriß Napoleon den Vorteil der Offensive, zerstörte die Begeisterung seiner Soldaten, um so mehr, als man zu gleicher Zeit die Kunde von dem Unheil erhielt, das vier unserer ArmeeDresden(26. u, 27. Aug.1813) korps in der Schlacht an der Katzbach erlitten hatten. Noch bedeutend gefährlicher aber war es, daß durch diese Ereignisse die Furcht sich in Napoleons Herz schlich.“ Den tapferen Marschall Vandamme ereilte ein unverdientes Schicksal; er wurde auf Befehl des Kaisers Alexander nach Wintka an der Grenze Sibiriens gebracht, weil er dem Kaiser, als dieser ihn„Plünderer und Räuber“ schalt, erwiderte: „Ich bin weder Plünderer noch Räuber; aber auf keinen Fall werden mir die Zeitgenossen und die Geschichte den Vorwurf machen, daß ich meine Hände mit dem Blut meines Vaters befleckt habe. Diese Anspiegelung auf die Ermordung des Zaren Pauls 1., des Vaters Alexanders, konnte dieser dem trotzigen Marschall nicht verzeihen; in Sibirien mußte er dafür büßen. Der erste Akt des großen Kriegsdramas war mit der Niederlage der französischen Armeen auf allen drei Kriegsschauplätzen zu Ende gegangen. Aber Napoleon verzweifelte noch nicht an seinem Glück; den Rat des Marschalls Ney, sich auf die Saalelinie zurückzuziehen, befolgte er nicht; er wollte die Elblinie nicht aufgeben und konzentrierte alle seine Kräfte um Leipzig, um das sich die Wolken der großen Völkerschlacht, die die Entscheidung bringen sollte, mehr und mehr zusammenballten, um sich im Oktober in zerschmetternden Blitzschlägen zu entladen. —„(Nich nohdrücken.) „Et gäiht mi nix öwer de Logik“, waß Flaßkamps Theodor sin Wort.„De Mann het Logik“, sagg he, wann jähm en guodden Frönd'ne schwor verständlicke Sake so recht begrieblick utäingesatt hadde.„De Mann het Logik"— un he schlaug op’n Disch—„de möch in'n Gemeinderot, un wann't op mi alläine anköm, säten im Gemeinderot men blous Lüe met Logik. Dat segg eck un dobi bliw eck“. Bi düese Vörliebe för de Logik waß et nich te verwünnern, dat Flaßkamp sinen Oellsten op de houge Schaule schickte.„Et gäiht mi nix öwer de Logik; de Junge sall studäiern.“ Flaßkamp jenior was denn ok en opgeweckten Jungen, de kein Briätt vörm Koppe hadde. He was all en half Johr— oder wu de Studäierten logischerwise segget, en Semester— op de Unversetät gewiäst un hadde do hauptsächlick't Bäirdrinken un de Logik studäiert, dat hett: wann sin Geld alle waß, moch de Olle logischerwise wat nohschicken, un wann en Geldbreif ankom, worden de Monäiten logischerwise klein gemakt. Nun wassen de Ferien do un Flaßkamp jenior kom no Huse, üm sine Oellern te beseiken. De Olle sat grade am Middagsdisch, as de Studiosus in de Dör rinkom. De Begrüßung waß gau abgemakt, denn de olle Flaßkamp waß kenn Fründ van vüellen Küren. „Na, min Junge“, sagg he un schouf sinem Junior en Stauhl hen,„nu vertell mi eß, wat du vör dat vüelle Geld alle studäiert heßt.“ „Logik, Vater,“ gaff de Junge stölt ter Antwort. „Logik?— dat lött sick höre. Ower nu giäff mi eß ne Prouwe van dine Gelährsamkeit, min Suohn. „Warum nicht, Vater, gewiß. Seht, Vater— in der Schüssel, die Ihr vor Euch stehen habt, sind 3 Klöße, nicht wahr!“ „Dat seih eck.“ „Nun gebt acht, Vater, ich will Euch logisch beweisen, daß es deren 5, nicht 3 sind.“ Flaßkamp senior räit Mul un Niäse uoppen.„Dat eß jo'ne profitlicke Wiättenschopp“, dach he in sinem Sinn, „wann sick domit de Mohltiten vergrötern lott.“ „Die Sache ist ganz einfach, gewissermaßen logisch,“ holl sick de Studiosus te Gange.„Es liegen hier 3 Klöße. „Jo, nu mä widder.“ „Wo 3 sind, lehrt der gesunde Menschenverstand, sind auch 2.“ „Dat kann wuell stemmen.“ „Nun also, da 3 und 2 in der Addition 5 ergibt, so müssen logischerweise 5 Klöße in der Schüssel liegen.“ Flaßkamp käik sinen Jungen verwünnert an.„n—ja, min Junge,“ meinte he am Enne,„eck sin nu mangs olt un wann me in min Oller kömmt, un nich studäiert het, dann wet et äinem schwor, sick in de Wiättenschopp terecht te finnen. Ower't sall woll stemmen. Domet schleppte he sick 3 Klöisse ut de Schüettel un sagg to sinem Oellsten:„Du magst nu ok woll Schmacht hewwen, niämm du de twät leßten Klöiße, de noch in de Schüettel sin. Letmischtes. Welches ist die seltenste Briefmarke? Das Alter allein tut's nicht bei den Briefmarken. Marken aus alter Zeit, die sehr lange im Umlauf waren und in großen Mengen gedruckt wurden, sind billig geblieben. Teuer und zum Teil außerordentlich teuer aber sind solche Marken geworden, die nur ganz kurze Zeit umliefen, die in winzigen Auflagen gedruckt wurden oder irgendeinem Schabernack der Druckerpresse ihre Entstehung verdanken. Als seltenste Marke gilt heute wohl eine Marke zu 1 Cent, schwarz auf karmin, von Britisch= Guyana aus dem Jahre 1856. Man kennt nur ein einziges Exemplar, das sich in der berühmten Sammlung de la Renotiece in Paris befindet; einen Preis wagt niemand zu nennen, wie überhaupt ein geheimnisvolles Dunkel über diesem Stücke schwebt. Als zweitseltenste gilt wiederum eine Marke von Britisch=Guyana, 2 Cents, rosa, von der Emission 1861, von der man 10 Stück kennt und deren Wert man einzeln, je nach Beschaffenheit, auf 15 000 bis 25 000 M. einschätzt. Den 3. Rang etwa nimmt die hellblaue 2-Cents=Marke von Hawai (1851) ein, deren Wert Scents Katalog 1913 sogar mit 30 000 M. angibt. An 4. und 5. Stelle stehen die Mauritius Post=Office, 2 Pence, orange. Sie sind jetzt durch die Mode bei den großen Sammlern besonders im Preise gestiegen, man kann aber das Vorhandensein von 24 Exemplaren nachweisen, und wenn der jetzige König Georg 5. von England für eine ungebrauchte 2=PenceMarke vor Jahren 29 650 M. anlegte, so war dies eben ein Liebhaberpreis. Die nächstseltenste Marke stellt wohl Rumänien mit seiner 81=Parolemarke(1858), blau auf bläulichem Papier; sie wird als teuerste Europa=Marke immerhin mit 7500 M.„notiert". In weiter Ferne erscheinen dann erst die sonst sehr begehrten„altdeutschen" Marken, wie der rote Sachsen=Dreier(250 bis 400 M.) oder die oldenburgische Marke von 1859 zu eindrittel Groschen, grün. Alle diese und manche andere Seltenheiten, mit Ausnahme der geheimnisvollen BritischGuyana, 1 Cent, sind auch im Berliner Reichspost=Museum öffentlich ausgestellt. Hübsche Gedankensplitter veröffentlicht Etienne Rey in der„Revue de Paris“: Man hat alle Arten von Gründen zu hassen und kaum einen Grund zu lieben, und trotzdem liebt man.— Die Anmut ist die Höflichkeit des Körpers.— Die Klassiker sind Umstürzler, die Erfolg gehabt haben.— So oft sie etwas nicht verstehen, haben die Frauen ein liebenswürdiges, entzückendes Lächeln, und man bildet sich dann ein, daß sie verstehen.— Viele Leute glauben, daß sie lieben, wenn sie sich geliebt sehen.— Man sagt, daß der innere Friede die Vorbedingung des Glückes sei. Aber es ist oft schmerzlicher, ihm nachzujagen, als ganz auf ihn zu verzichten.— Die Lektüre ist die Sünde der anständigen Frauen.— Viele Frauen würden sich im Leben sehr langweilen, wenn sie nicht einen Gatten oder einen Liebhaber hätten, die sie unglücklich machen können. — In der Schriftstellerwelt verzeiht man sich alle Erfolge, nur die Gelderfolge nicht.— Das Leben ist angefüllt mit Dummheiten, die gut auslaufen, und mit vernünftigen Handlungen, die bös enden.— Die historische Wahrheit wird aus dem Schweigen der Toten gesildet. — Man hört auf jung zu sein, sobald man von der Sehnsucht nach dem Unbekannten zu der Angst vor dem Unbekannten gelangt.— Gut ist man immer lieber zu den Leuten, die bestimmt scheinen, Erfolg zu haben, als zu denen, welche kein Glück haben. Der Guckkasten, dessen Sondernummer 1813—1913 allgemein wegen ihrer Reichhaltigkeit begreifliches Aufsehen erregt hat, ist diesesmal wieder ganz der launige Begleiter durch die Schwere des Alltags. Nicht zu wählen sind die lustigen Geschichten und Schnurren von Fritz Müller, Zürich, Rosa Roda, Ludwig Engel, Fritz Wehr, und wie die launigen Poeten alle heißen, deren Raum ständig mit dem Blatte verknüpft sind. Der pointensichere Walthari schildert nach einer tatsächlichen Begebenheit„Die Hochzeitsreise im Flugapparat".„Radieschen“ ist eine originelle Dichtung von Marcello Rogge überschrieben. Hermann Hesse erzählt von seinen „Spazierfahrten in Singapore" und mit einer wuchtigen Ballade„Das Zauberschloß“ tritt der Münchener Maximilian Pfeiffer wieder einmal an den Vortragstisch. Famose Gaben sind wieder in den Bunt= und Schwarzblättern enthalten. Einen Wandschmuck erlesenster Art stellt das Gemälde von Curt Mülle„Schloß Quedlinburg“ dar und eine Groteske Aübbert dhe 2= de.. au. i das Tteblat von Ernst. 1 Die nächste Sitzung der Armen-Kommission findet Dienstag, den 26. Ang., nachmittags 5 Uhr im Ratyaussaale statt. Wattenscheid, 25. Aug. 1913. Der Bürgermeister. I. V.: Der Beigeordnete, Dr. Beckhaus. Knechte, I. Migse erhalten Stelle durch Frau Rutt, Bödestr. 58. Wir suchen für sofort oder zum 1. Sept. einen nüchternen und zuverlässigen Mann zum Einkassieren von Monatsraten. Kleine Kaution erforderlich. Singer Co. Nähmaschinen Wattenscheid, Hochstraße 90. Saubere Anstreichergehirsen gesicht. Wiese, Kaiserstraße 8. Suche für sofort einen properen Tausburschen. Fritz Westenfeld, Hauptstraße 10. Polnisches per 1. September gesucht. Westenfeld, Hauptstr. 28. Properes, fleißiges Mädchen für alle Hausarbeit gesucht. Konditorei Führkötter, Oststraße 44. Ein properes, fleißiges Dienstmärchen per sofort gesucht. Oststraße 14. Suche z. 1. Sept. ein properes Hüllerstraße 49. Junges Ehepaar sucht zum 1. AOo Novemoer eine Wönnung von 3 Zimmern, I. Etage, in ruhigem Hause. Offerten unter 4835 an die Exped. dsr. Zeitung. Kleine Familie(2 Personen) sucht auf sofort oder zum 1. Oktober eine von 5 Zimmern mit allem Zubehör in besserem Hause. 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Viehzählung. Am 1. Dezember 1913 findet im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt, mit der in Preußen auch eine Obstbaumzählung verbunden ist. Die Viehzählung hat sich auf Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, und Ziegen, die Obstbaumzählung auf die tragfähigen und noch nicht tragfähigen Apfel=, Birn=, Pflaumen= und Zwetschen=, Kirsch=, Aprikosen=, Pfirsich= und Walnußbäume zu erstrecken. Außerdem ist durch sie die Zahl der Gehöfte mit und ohne Vieh und die der Viehhaltenden Haushalten, ferner die Zahl der Gehöfte und Hausgärten mit Obstbäumen, die Zahl der Grundstücke mit Obstbäumen im freien Felde, die Zahl der Chausseen, Wege usw. mit Obstbäumen festzustellen. Die Zählung ist unter Leitung der Ortsbehörde durch freiwillige Zähler vorzunehmen. Sie geschieht nach Gemeinden und Gutsbezirken. Die Aufnahme erfolgt durch Zählkarten. Diese werden durch die Vorsteher der Haushaltungen oder deren Vertreter ausgefertigt. Das Amt des Zählers ist ein Ehrenamt. Dem Zähler liegt insbesondere ob die Austeilung der Zählpapiere und ihre Wiedereinsammlung, die Prüfung und gegebenenfalls die Ausfüllung derselben und die Eintragung der Ergebnisse in die Kontrolliste. Die Zählung dient nur amtlich statistischen Zwecken, aber keinerlei Steuerzwecken. Sie ist von großer Wichtigkeit für die Staats und Gemeindeverwaltung, sowie für die Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Zwecke. Ich ersuche alle, die zur Mitwirkung berufen werden, sich mit voller Teilnahme der ihnen zufallenden Aufgabe zu widmen. Die Obstbaumbesitzer(Verwalter, Pächter usw.) und deren Vertreter fordere ich auf, sich baldigst die Angaben über die Tragfähigkeit und die Zahl der Obstbäume, gesondert nach den sieben Obstarten, durch Besichtigung der Bestände zu beschaffen, damit sie am 1. Dezember richtig in die Zählkarten einzutragen ver mögen. Arnsberg, den 9. Augnst 1913. Der Regierungs=Präsident. J. A. I. 15 Nr. 994. Harter. Der Plan für das zur Regulierung des Hüllerbaches in der Gemeinde Günnigfeld zu enteignende oder zu beschränkende, in der Gemeinde Günnigfeld belegene Grundeigentum und zwar: Lageplan Blatt 9, Lageplan Blatt 9a(Beiblatt zu Blatt 9), Höhenplan Blatt 2a, Höhenplan(Beiblatt zu Blatt 2 a), Höhenplan 15, Erläuterungsbericht, Bauwerksverzeichnis II. Nachtrag zum Erläuterungsbericht, II. Nachtrag zum Bauwerksverzeichnis, Grunderwerbsplan und 2 Vermessungsregister liegt in der Zeit vom 16. August 1913 bis zum 30. August 1913 im Gemeindehause zu Günnigfeld zu jedermanns Einsicht aus. Während dieser Zeit kann jeder Beteiligte im Umfange seines Interesses Einwendungen gegen den Plan erheben. Auch der Vorstand des Gemeinde= oder Gutsbezirks hat das Recht, Einwendungen zu erheben, die sich auf die Richtung des Unternehmens oder auf Anlagen, an Wegen, Ueberfahrten, Triften, Einfriedigungen, Bewässerungs= und Vorflutsanlagen beziehen. Solche Einwendungen sind bei dem Gemeindevorsteher in Günnigfeld schriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu erklären. Arnsberg, den 12. August 1913. Der Regierungs=Präsident. I. B.: gez. Pfeffer. Wird hiermit veröffentlicht. Wattenscheid, den 14. August 1913. Der Amtmann. Emisch. Unserem allverehrten Schützenkolige Herrn Ludwig Hölscher zu seinem heutigen Namensfeste ein dreifach donnerndes„Gut Schuß“. Gewidmet vom Schützen-Verein„Kaiser Wilhelm“ Tel. 1978. „ Wattenscheid 1e. 1878. (Willi Broska.) Belisbtestes Verkehrsickal.— Gesellschaftszimmer.— Gute Rüche. Allein-Ausschank: der Münchner Paulaner Brauerei, Helles, Pilsener, Grätzer- und Berliner Weiße Berliner Sommer-Garten. Soeben neu erschienen: Aermal Anitlrkklng der vereinigten Haus= und Grundbesitzer=Vereine von Stadt und Amt für eee u.##e und Mieter mit Aullkungen fut viele Jahre, Kündigungsformular und Räumungsklage, nebst einer allgemeinen Hausordnung, wie sie im Interesse der Mieter und Vermieter liegt. Zu haben im Verlag von Carl Busch, Wattenscheio und durch die Boten der Wattenscheider Zeitung. Preis: 1 Stück 19 Pfg, 6 Stüick 30 Pfg, 12 Stück 1.90 Ml. 100 Stück 6 Mark. Ennmmininninninnnlinmm Unserem allverehrten 1. Vorsitzenden Herrn Rechnungsführer * Ludwig Tegtmeler sowie unserem lieben Kameraden, Herrn Ludwig Drolshagen S zu ihrem heutigen Namenstage herzl. Glück- und Segenswünsche. Geridmet vom 5 = Krieger- und Landwehr-Verein Sevinghausen. Niummmmmmnmnnnnee Tanz- und Anstands-Sehale für bessere Stände. Wir erlauben uns, den werten Herrschaften von Wattenscheid und Umgegend bekannt zu geben, daß wir am Freitag, den 12. September abends 8 Uhr beginnend, im Hotel Kaiserhof Herrn Gregor einen der Neuzeit entsprechenden Tanz-Kursus eröffnen. Erlernt werden sämtliche üblichen sowie die neuesten Tänze der Hochschulen. Auch beabsichtigen, wir daselbst einen Kinderkursus des nachmittags, falls sich genügend Teilnehmer melden, einzurichten. Anmeldungen erbitten wir im Lokale. 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Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet; : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet; : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche I Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).: Jussssmsen, essensesensensssserssunsgusenssnesnsenressenssseresersenussesssens! Die Abonnenten der„ Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen, Telegr.=Adr.: Zeitung. Teleson 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Erhalt der Rechnung Krantentassen und Aerztefrage. Wegen der ärztlichen Versorgung bei Krankenkassen ist vom Reichskanzler(Reichsamt des Innern) ein Schreiben an den Handelsminister ergangen, das dieser nunmehr den Oberversicherungsämtern mitteilt. Es lautet: „In Krankenkassenkreisen will man beobachet haben, daß die großen ärztlichen Organisationen, insbesondere der sogenannte Leipziger Verband, seit geraumer Zeit nachdrücklich darauf hinwirken, daß bestehende Verträge zwischen Aerzten und Krankenkassen nach Möglichkeit mit dem 31. Dezember ds. Is. zum Ablauf gebracht werden, und daß die Aerzte in neue Vertragsverhandlungen mit den Kassen für die Zeit nach dem genannten Tage so spät als möglich, jedenfalls nicht vor dem Spätherbst dieses Jahres und dann nur auf Grund der von der Krankenkassenkommission des Deutschen Aerztevereinsbundes aufgestellten„Musterverträge“ eintreten. Diese Beobachtung erfüllt die Krankenkassen, welche größtenteils die ihnen in diesen„Musterverträgen“ auferlegten Bedingungen für unangemessen und deshalb unannehmbar erachten, mit großer Besorgnis. Sie fürchten, daß in weitestem Umfange beim Inkrafttreten des 2. Buches der Reichsversicherungsordnung eine Einigung zwischen Aerzten und Krankenkassen nicht zu erzielen, anderweiter Ersatz nicht zu beschaffen und ihnen deshalb die ärztliche Versorgung ihrer Mitglieder unmöglich gemacht sein wird. Das einzige Mittel, einen derartigen Mißstand, wenn nicht zu verhindern, so doch erträglich zu machen, bietet der§ 370 der Reichsversicherungsordnung. Man ist deshalb an mich mit der Bitte herangetreten, mit Zustimmung des Bundesrats gemäß Art. 4 des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung auf den alsbaldigen Erlaß einer Kaiserlichen Verordnung hinzuwirken, durch die der gedachte§ 370 schon jetzt in Kraft trete. Soweit die Krank.nkassen in der Tat ohne eigenes Verschulden außer stande sein sollten, ihren Mitgliedern am 1. Januar 1914 die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung mit ärztlicher Hilfe zu gewähren, müssen sie allerdings in der Lage sein, sofort das für diesen bedauerlichen Fall notgedrungen vorgesehene Aushilfsmittel der Zubilligung eines erhöhten Krankengeldes anzuwenden; eine zeitliche Lücke, in der die Versicherten weder die ordnungsmäßige noch die außerordentliche Leistung ihrer Kasse zu erhalten vermögen, darf keinesfalls entstehen. Es ist daher geboten, daß alle Maßnahmen des§ 370 a. a. O. schon rechtzeitig vor dem 1. Januar 1914 getroffen sein müssen, welche die unmittelbare Anwendbarkeit seines materiellen Inhalts schon mit Beginn des 1. Januar 1914 sicherstellen. Hierzu bedarf es indessen nach meiner Auffassung nicht des Erlasses einer Kaiserl. Verordnung der gedachten Art, vielmehr reichen dafür die bestehenden Vorschriften, insbesondere der Artikel 1 des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung, vollkommen. Die Vorschriften dieses Einführungsgesetzes haben das Ziel im Auge, daß in dem Augenblick, mit dem die Reichsversicherungsordnung in Kraft tritt, bereits ausnahmslos alle diejenigen Einrichtungen geschaffen und diejenigen Maßnahmen getroffen worden sind, ohne die das Gesetz nicht funktionieren kann. Hierhin gehört es, daß schon vor dem 1. Januar 1914 Organe vorhanden sein müssen, die für die Kasse die nötigen Verträge mit den Aerzten abschließen können und, soweit möglich, auch abschließen. Hierhin gehört es aber in gleicher Weise auch, daß jene Organe da, wo sie Verträge mit Aerzten zu angemessenen Bedingungen nicht rechtzeitig abschließen können, und wo infolgedessen die ärztliche Versorgung der Kassenmitglieder für den 1. Januar 1914 gefährdet ist, rechtzeitig vor dem bezeichneten Tage die erforderlichen Schritte tun, um wenigstens die im§ 370 der Reichsversicherungsordnung zugelassene Ersatzleistung gewähren zu können, und daß die dabei beteiligten Behörden ebenfalls rechtzeitig ihre erforderlichen Entscheidungen treffen. Sowohl die prinzipielle Vertragsschließung mit den Aerzten, als auch die subsidäre Erwirkung der Genehmigung des Oberversicherungsamtes gemäß§ 370 a. a. O. find Maßnahmen zur Durchführung von Vorschriften der Reichsversicherungsordnung im Sinne des Urtikels 1 ihres Einführungsgesetzes. Es erscheint mir wichttg, daß über diesen Punkt in den beteiligten Kreisen keine Unklarheit besteht. Deshalb beehre ich mich, indem ich wohl das Einverständnis mit der hier dargelegten Auffassung voraussetzen darf, eine baldige Verständigung der Oberversicherungsämter und, soweit dies erforderlich erscheint, auch der Krankenkassen in diesem Sinne anzuregen.“. Der Geist von Beeren. Der. 100jährige Gedenktag der Schlacht bei Großbeeren(23. August) erinnert auch an einen berühmten Sonderling, der zur Zeit jener Schlacht Besitzer des Gutes Großbeeren war. Dies nämlich war ein Rittergut, das schon seit Jahrhunderten im Besitze der Familie Geist von Beeren war. Der damalige Besitzer war der letzte seines Geschlechtes, ein komischer Herr, der dauernd im Kampfe mit den Gerichten stand. Jede gerichtliche Behörde nahm er, wie Friedrich Tietz, ein Altberliner Schriftsteller, aufs Korn. Als Raritäten wurden lange Zeit seine Adressen an das Pupillen=Kollegium aufbewahrt. So lautete eine:„An das hochlöbliche Churmärkische Pillen=Collegium“. Man bedeutete ihm, daß dies Pupillen=Kollegium heißen müsse, worauf er,„da es ihm auf diese 1. Silbe nicht ankomme, sie nachträglich einsandte.“ Als er dann später an dieselbe Behörde adressierte:„An das unmündige Klein=Kinder=Kollegium" wurde er in Strafe genommen und er verböserte seine Fehler, indem er nunmehr adressierte:„An das Kleine unmündige Kinder=Kollegium". Die Regierung wurde einmal beängstigt durch das Ueberhandnehmen der Kiefernraupe in den Wäldern der Mark und erließ daher an alle Gutsbesitzer, die größere Waldungen hatten, eine Aufforderung, geeignete Mittel gegen diese Forstplage in Vorschlag zu bringen, nachdem sie selbst schon eine Reihe von Verordnungen publiziert. Das kam unserem Geist so recht gelegen, um wieder seiner Feder freien Lauf zu lassen. Sein Mittel lautete nämlich,„die hohe Regierung möge geneigtest geruhen, einen ihrer überflüssigen Referendarien mit dem Commissorium zu beauftragen, alle die von ihr bereits ergangenen Erlasse und Mittel den Raupen vorzulesen, worüber die lieben Tierchen so lachen würden, daß sie darüber bersteten. Mir wäre es fast so ergangen,“ fügte er hinzu,„es war ein Glück, daß ich eine derbere Constitution wie die weichlichen Raupen habe.“— Als ein starker Sturm in seinem Forst arge Windbrüche veranlaßt hatte, kaprizierte er sich darauf, diese nicht wegräumen zu lassen, sodaß die Bäume drohend quer über die Straße hingen, was einen Schneider aus der Nachbarschaft, der den Weg öfter zu passieren hatte, zu einer Beschwerde an das Landratsamt veranlaßte. Der Landrat übersandte einsach dem Gutsherrn die Beschwerde, Geist von Beeren aber schickte sie mit der Randbemerkung zurück:„Auch die Schneider müssen sterben. Will dieser denn ewig leben?“— Etwa ums Jahr 1812 hatte sich der Sonderling, der schon in den 60 ern stand, noch verheiratet, damit das alte Geschlecht nicht aussterbe. Ihm wurde auch ein Töchterlein geboren, das aber bald— unter dem Donner der Kanonen der Schlacht von Großbeeren starb. In der Schlacht wurde dann ein schwer verwundeter französischer Offizier dem Gutsherrn aufs Herrenhaus gebracht. Man pflegte ihn dort bis zu seiner völligen Genesung, was über ein Jahr dauerte, und da man sich nun aneinander sehr gewöhnt hatte, behielt man den Franzosen ganz dort, und er beiratete schließlich, als Geist von Beeren ums Jahr 1817 sanft entschlasen war, dessen junge Witwe, wurde aber nicht viel später in einem Duell mit einem preuß. Adligen erschossen. Metzeleten in Ruzland. Jetzt haltet die Grenze gut unter Verschluß! Die deutschen Ballons, man kennt sel Spione und Regen und aller Verdruß Kommt immer nur von der Grenze. Sag, Sonne, die du so fröhlich schienst, Wohin deine Strahlen sich wandten? Am Balkan herrscht Frieden; mieß ist der Verdienst Der Herr'n Militär=Intendanten, Und trotzdem ein Metzeler? Behandelt ihn von Nach unsern Begriffen, den sitt'gen, Zweihundert Schüsse auf den Ballon, Und die Fahrer ins dusterste Kittchen!...—.— Das russische Heer wird verstärkt, und nicht knapp? Wie lächeln die Herr'n Intendanten! Au Donnerwetter! Da fällt was ab! Na, Sonja, jetzt regnet's Brillanten! Das alte, ärmliche Lief'rungssystem Weicht nun einem fetten, tran'gen, Und fertiggestellt ward außerdem Das Fürstentum Albanien. Nun können am Balkan— froh wachsen die Fonds!= Statt sechs Staaten sieben sich raufen. Was kümmern uns da noch deutsche Ballons Und Fliegerkerls! Laßt sie laufen! Gottlieb im„Tag“. Rittergut Tressin Roman von Robert Mi 167(Nachdruck verboten.) Der Okonomierat schien sich jetzt für seine bisherige höfliche Haltung entschädigen zu wollen. Er zog dermaßen über seinen Sohn her, nannte ihn einen Taugenichts, Faulenzer, leichtsinnigen Phantasten und unpraktischen Träumer, das Unglück seines Lebens, einen mißratenen Sohn, daß Fritz vor diesem Fremden fast in den Boden versank vor Scham. Trotzdem schwieg er, denn er wußte, daß sein Widerspruch den Vater nur noch mehr reizte. Aber Tränen ohnmächtiger Wut standen in seinen Augen. Platen ließ den Alten eine Weile schimpfen. Dann wußte er so geschickt abzulenken, die Jugend im allgemeinen, die vom reifen Alter meist gar nicht verstanden würde, und Fritz im besonderen so witzig zu verteidigen, daß ihn Bruder und Schwester voll Dankbarkeit anblickten. Aber der Alte, dem der übrigens recht saure Mosel zu Kopfe zu stiegen schien, oder der seine Autorität gleich am ersten Tage zeigen wollte, ließ sich nur schwer beruhigen. Immer wieder kam er darauf zurück, was Fritz für ein mißratener Schlingel sei. „Betrunken haben sie ihn mir ins Haus gebracht... Braun und blau habe ich ihn damals geschlagen... ja! Und damit Sie wissen, was das für ein Patron ist: statt seine Pflicht zu tun, liest er dumme Bücher und pinselt Papier und Wände voll. Der Stock ist das einzige Mittel, ihn zu regieren...“ Mit wildem Blick starrte Fritz seinen Erzeuger an: „Vatex!“. „Was beliebt, Junge?“ Eine kleine peinliche Pause entstand. Etwas wie eine Katastrophe, eine Explosion schwebte in der Luft. Aber ehe der junge Mensch sich zu einer Torheit, einer erbitterten Antwort hatte hinreißen lassen, nahm Platen das Wort: „Es tut mir leid, daß Sie mich gleich heute zum Zeugen eines Familienzwistes machen, Herr Okonomierat“ (das Herz pochte ihm dabei, denn er spielte jetzt dem Alten gegenüber va banque).„Ich kann nur annehmen, daß Sie meine Ansicht, meinen Rat hören wollen.“ „Ach was, ich denke nicht dran! Ihre Meinung ist mir sehr gleichgültig.“ Platen erhob sich. „Dann gestatten Sie mir, daß ich mich zurückziehe?“ Der Alte blickte ihn überrascht an. „Ach was— setzen Sie sich! Jetzt soll's ja erst gemütlich werden.“ Platen hätte ihm beinahe ins Gesicht gelacht.— Eine schöne Gemütlichkeit„bei der umjestoßenen Petroleumlampe“, wie der Berliner Volkswitz eine solche Situation prrt. „Na übrigens. Ihren Rat, Sie Neunmalweiser, wie man aus einem Bummelfritzen einen fleißigen Landwirt macht, den möchte ich doch hören. Lerne gerne auch noch was auf meine alten Tage.“ „Ja, wissen Sie denn überhaupt, ob Ihr Sohn zum Landwirt paßt?“ fragte der Inspektor ganz unbefangen und hielt dem Alten das Glas zum Einschenken hin, trotzdem er den Krätzer miserabel fand. Der Okonomierat ließ die erhobene Flasche vor Erstaunen sinken. „Ja, zum Teufel, was soll er denn sonst werden?" „Weiß ich nicht. Das käme auf seine Anlagen und Neigungen an.“ Fritz und Lisbeth lauschten atemlos. So hatte mit dem Vater noch keiner gesprochen. Und der Alte wurde nicht einmal grob, warf den Kecken nicht einfach zur Tür hinaus. „Anlagen— Unsinn! Reden Sie ihm bloß sowas ein! In der Schule war er mittelmäßig...“ „Will gar nichts bedeuten... Die Musterschüler werden nicht immer etwas Besonderes, und die Mittelmäßigen bringen es oft am weitesten.“ „Was, zum Henker, soll er denn überhaupt werden, wenn nicht Landwirt?“ „Das müßte man der Zeit überlassen. Jedenfalls erzwingt man das nicht gewaltsam. Ich sollte erst Kaufmann werden wie mein Vater. Dann studierte ich Chemie und sattelte zuletzt zur Landwirtschaft um. Auf der Schule war ich auch nur so so; und ich schmeichle mir, trotzdem ein recht tüchtiger Landwirt geworden zu sein!“ „Soll sich erst ausweisen!“ brummelte der Alte vor sich hin und klingelte zum Erstaunen der Anwesenden nach einer zweiten Flasche— diesmal Rheinwein,„eine feine Marke“, wie er rühmte. „Nee, mein Lieber— mein Vater und Großvater waren Landwirte, ich bin es, und so soll es mein Sohn auch werden." „Na, das ist doch kein Grund. Wir leben doch nicht im alten Agroten, wo der Sohn den Beruf des Vaters ergreifen mußte." „Na ja, das sind so die neumodischen Ideen von Individualität und Freiheit und solch Zeugs. Mich hat mein Alter streng gehalten, sage ich Ihnen. Ich hätte mucksen oder meine Pflicht nicht tun sollen, den Deibel auch! Störrische Pferde zwingt man mit der Peitsche.“ „Na, ein Mensch ist kein Pferd; und wenn ein Mensch in ein gewisses Alter kommt, hilft Güte und die Entwicklung des Ehrgefühls viel mehr“, sagte Platen ruhig, während er langsam den recht anständigen Niersteiner kostete. Der Alte saß ganz starr da; er war über sich selbst erstaunt. Dieser junge Herr, sein Inspektor und Untergebener, widersprach ihm einfach immerzu, und er wurde nicht grob. Die Sache amüsierte ihn; und dann konnte er eigentlich gar nicht grob werden. Der Mensch sagte das alles so liebenswürdig verbindlich. „übrigens, das mit dem Pferdebeispiel, Herr Okonomierat“, lenkte Platen von dem verfänglichen Thema ab,„das stimmt auch nicht ganz. Sehen Sie, da hatten wir in Gurtschinen einen jungen Trakehner...“ Und nun schilderte er die Erziehung des Pferdes so amüsant und spannend, daß der Alte voll Interesse lauschte. Während die beiden Herren sich in das Pferdethema vertieften, entfernten sich die Geschwister (Fortsetzung — Deutschland. Der Zwischenfall von Ranking erledigt. Berlin, 24. Aug. Nach hier vorliegenden amtlichen Nachrichten hat der Rebellenführer Hohainin dem deutschen Konsul in Nanking und dem Kommandanten von S. M. S. „Emden“ sein tiefstes Bedauern wegen der gemeldeten Vorfälle ausgesprochen. Damit ist der Zwischenfall erledigt. Aenderung der Reichstagswahlkreise? Berlin, 25. Aug. Zur angeblich geplanten Aenderung der Reichstagswahlkreise schreibt eine Berliner parlamentarische Korrespondenz: Im Reichstage ist der Wunsch nach einer anderen Wahlgeometrie in Anträgen oft niedergelegt worden. Auch die zuständigen Instanzen im Reiche sind an dieser Frage nicht vorübergegangen. Es ist aber sehr schwer, geeignete Vorschläge auszuarbeiten. Im Reichstage sind brauchbare Vorschläge nicht gemacht worden. Die Zahl der Einwohner für jeden Kreis abzuändern, würde alle Mißstände nicht beseitigen, an die Einführung des Proportionalwahlrechts ist nicht zu denken. Es ist auch nicht angängig, einige besonders große Kreise in Rheinland=Westfalen und GroßBerlin zu teilen. Wird eine Abänderung der Wahlkreiseinteilung ins Auge gefaßt, so muß sie einheitlich für das ganze Reich erfolgen. Vorbedingung wäre, daß eine Besprechung der Angelegenheit im Budesrat erfolgte, die bisher noch nie über diese Frage gepflogen worden ist. Gerade die kleinen Bundesstaaten würden einer Vergrößerung der Wahlkreise darum allein kann es sich handeln— energischen Widerstand entgegensetzen, weil mancher Bundesstaat keinen eigenen Wahlkreis dann mehr bilden könnte. Der Reichstag hat jetzt 397 Mitglieder. Will man die Wahlkreisgeometrie ändern, so wird sich die Zahl der Abgeordneten erhöhen. Diese Erhöhung müßte sich in bescheidenen Grenzen halten. Man müßte also bei einer Neueinteilung der Wahlkreise jedem Kreise 12= bis 14000 Seelen— bisher 10000— zuteilen. Dies würde eine Vermehrung um etwa 25 Abgeordnete bedingen, wenn man ganz gleiche Kreise einteilen wollte. Diese Einteilung würde aber natürlich nach kürzerer Zeit wieder reformbedürftig sein. Betont sei, daß bisher Vorarbeiten für eine Neueinteilung der Wahlkreise nicht in Angriff genommen worden sind. Hundertjahrfeier von Großbeeren. Großbeeren, 24. Aug. Im Beisein des Prinzen Eitel Friedrich fand gestern hier die hundertjährige Gedenkfeier der Schlacht bei Großbeeren statt. Unter zahlreichen Teilnehmern aus nah und fern waren auch der Urenkel des Siegers von Großbeeren, Graf Bülow v. Dennewitz, und seine übrigen Nachkommen anwesend, außerdem Deputationen der beteiligten Regimenter. Die Festrede wurde von dem Landrat des Kreises gehalten und darauf ein Gedenkstein enthüllt. Abreise des Kaiserpaares von Homburg. T Homburg v. d. H., 25. Aug. Die Majestäten begaben sich um 10,45 Uhr im Automobil nach dem Bahnhof. Zum Abschied waren erschienen: der Landrat Dr. Ritter von Marx und der Oberbürgermeister Luebke. Die Kaiserin fuhr um 11,30 Uhr nach Posen, der Kaiser um 12,30 Uhr nach Kelheim. Ein Reichstagswahl. Ragnit, 24. Aug. Bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Ragnit=Pillkallen wurden an Stimmen abgegeben: für Gottschalk(kons.) 9452, für Ventzki(natlib.) 5983 und für Hofer(Soz.) 3241 Stimmen. Die Konservativen haben also mit der knappen Mehrheit von 217 Stimmen den Wahlkreis behauptet. Bei der letzten Reichstagswahl wurden abgegeben: Konservative 10032, Nationallib. 6216 und Soz. 2964. Die Kelheimer Feier. München, 25. Aug. Die bayerische Staatsregierung widmet der Kelheimer Feier, zu der sich am Montag der Kaiser und die Bundesfürsten als Gäste des Prinzregenten Ludwig begeben werden, einen Begrüßungsartikel, in dem sie u. a. ausführt: Die Feier in Kelheim wird dem bayerischen und mit ihm dem ganzen deutschen Volke eine Stunde dankbarer Rückschau auf die Größe der Opfer bringen, die Deutschland vor hundert Jahren für die Befreiung vom Joch der Fremdherrschaft gebracht hat. Sie wird die Gedanken aller vaterländisch gesinnten Deutschen nach Bayern lenken. Vor ganz Deutschland wird sie Zeugnis dafür ablegen, wie fest verankert in Bayern der Reichsgedanke ist, und wie unzerreißbar stark die Bande sind„die Bayern mit den im Deutschen Reich zusammengeschlossenen Staaten und Stämmen verknüpfen. Oesterreich. Italienische Offiziere bei Kaiser Franz Josef. P Bad Ischl, 25. Aug. General Caneva und die italienischen Offiziere wurden zu dem Diner in der Villa des Kaisers zugezogen. Dem Diner wohnte auch der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand bei, der hierher gekommen ist, um dem Kaiser für seine Ernennung zum Generalinspekteur der gesamten bewaffneten Macht zu danken. Holland. Schlußsitzung des Haager Friedens. Haag, 24. Aug. Die Schlußsitzung des Haager Friedenskongresses hat gestern stattgefunden. Der Kongreß richtete zunächst an den Präsidenten der Vereinigten Staaten ein Telegramm, um ihm für seine Haltung gegenüber der Friedensbewegung zu danken. Es wurde ferner eine Resolution angenommen, in der die amerikanische Regierung aufgefordert wird, nicht den Panamakanal zu befestigen. Außerdem fand eine weitere Resolution Annahme, in der eine möglichst enge Verbindung der großen Telegraphenagenturen und der großen Presse mit dem Berner Bureau und den Friedensgesellschaften gewünscht wird. Der Kongreß begrüßte den bekannten Vorschlag des Präsidenten Wilson und erklärte sich für die Ausführung der Schiedsgerichtseinrichtungen. Der nächste Kongreß wird im Jahre 1914 in Wien zusammentreten, und für das Jahr 1915 hat San Franzisko den Kongreß eingeladen. Zur Einweihung des Haager Friedenspalastes. aag, 24. Aug. Die Königin wird bei Einweihung des Friedenspalastes keine Ansprache halten. Sie wird der Feierlichkeit zwar beiwohnen, die Einweihung aber nicht selbst vornehmen. Frankreich. General Régier 1. Paris, 24. Aug. Einer der bekanntesten französischen Generale, Francois Oscar de Régier, ist am Donnerstag auf der Reise von Spitzbergen nach Hammerfest an einem Schlaganfall gestorben. Der Verstorbene stand im 74. Lebensjahre. Er war am 2. Oktober 1839 in Belfort geboren, trat 1859 als Leutnant in ein Jägerbataillon, diente in Rom und Afrika, wurde als Hauptmann bei St. Privat verwundet, entfloh nach der Kapitulation aus dem Lazarett in Metz und kämpfte als Bataillionschef in der Nordarmee. Nach dem Deutsch=Französischen Kriege stand er in Algier. Seit 1883 Brigadegeneral, wurde er 1884 nach Tongking geschickt, eroberte Bac=Rinh und Langson, ward aber im März 1885 mit Uebermacht angegriffen und dabei verwundet, worauf die Franzosen Langson in fluchtähnlichem Rückzug räumten. Er kehrte 1887 nach Frankreich zurück, war 1889 bis 1903 kommandierender General, zuerst in Nantes, dann in Besancon, dann Mitglied des obersten Kriegsrats, wurde aber im Juli 1899 entlassen, weil er in der Dreyfus=Angelegenheit öffentlich gegen die Regierung Partei genommen hatte. Rußland. Schluß der russischen Manöver. T Petersburg, 25. Aug. Nach Beendigung der großen Manöver fand gestern mittag im Kaiserzelt in Kraßnoje Sselo ein Frühstück statt, an dem auch die französische Militärabordnung unter General Joffre teilnahm. Abends gab General Joffre ein Abschiedsdiner. In der Beantwortung eines Trinkspruches, den der Kriegsminister auf die franz. Armee und Frankreich ausbrachte, betonte Joffre, daß der französischen Militärabordnung, indem ihr alle Pforten geöffnet wurden, mit berechtigtem Stolze die Möglichkeit gegeben worden sei, festzustellen, welch große Arbeit in der russischen Armee geleistet werde. Auf diese Weise sei auch der Beweis für die Solidität der Unterstützung erbracht worden, die Frankreich in der russischen Armee finden werde. Das Gesehene, von dem die Abordnung hoch befriedigt sei, verdiene Nachahmung. Joffre hob weiter die hohe Entwicklung jeder einzelnen Waffengattung hervor und erklärte zum Schluß, die Abordnung würde mit der unerschütterlichen Ueberzeugung von dem hohen Wert der russischen Armee und ihrer Befehlshaber nach Franchkreich zurückkehren. Griechenland. Ein Besuch des griechischen Königspaares in Berlin. Athen, 25. Aug. Sobald die Demobilisierung der Armee völlig durchgeführt sein wird, werden der König und die Königin eine Reise nach Westeuropa antreten und dabei die Höfe von Berlin und London besuchen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der König auch den Präsidenten Poincaré besuchen wird. Amerika. Ein Deutscher in Mexiko ermordet. Mexiko, 24. Aug. Bei einem Ueberfall der Rebellen auf das Landgut Chiluca, 20 Klm. nordöstlich der Hauptstadt, wurde der Reichsdeutsche Friedrich Locht durch einen Schuß leicht verletzt. Sein Bruder Hans wurde von den Angreifern mitgeschleppt und erschossen. Ihre Schwester Henriette befindet sich in Sicherheit, ebenso ein 3. Bruder Alfred. Auf Betreiben der deutschen Gesandtschaft in Mexiko wurde die Rebellenbande von Regierungstruppen verfolgt und mit Verlust von 60 Toten aufgerieben. Die Mörder befinden sich vermutlich unter den getöteten Rebellen. Eine Rede Paris, 25. Aug. Auf einem Festmahl der Mutualisten in Lonsle Saunier hielt der Minister des Auswärtigen Pichon eine Rede, in der er u. a. ausführte: Alle Umstände lassen darauf schließen, daß wir am Ende der Krise stehen, die mehrmals die Gefahr eines Krieges zwischen den Großmächten geschaffen hat und in deren Verlauf Frankreich nicht aufhörte, im Interesse des Friedens zu arbeiten. Die Krisis war schwer nicht nur für die Kriegführenden, sondern auch für die Nationen, die in der ständigen Befürchtung, in die kriegerischen Abenteuer hineingezogen zu werden, sich durch die ungewisse Lage in ihrem Gedeihen beeinträchtigt sahen. Es wird heute allgemein als Notwendigkeit empfunden in einem gesicherten Frieden und in dem Gleichgewicht der Kräfte Vertrauen und Sicherheit wieder zu gewinnen. Kein Land ist dabei mehr interessiert als Frankreich. Niemand hat größere Lasten auf sich zu nehmen als Frankreich, um vor Ueberraschungen geschützt zu sein und seiner Stellung im Rate Europas Achtung zu verschaffen. Frankreich hat seine Rolle in dieser Krisis erfüllt, indem es bei seinem vorgefaßten. Entschluß beharrte, seinen Freundschaften und seinem Bündnis treu zu bleiben und in Uebereinstimmung mit der von Europa vereinbarten Aktion. Diese Arbeit ist ohne Zweifel in unvollkommenen Lösungen ausgegangen, die aber doch genügend und glücklich sind, da sie zur Wiederherstellung des Friedens geführt haben und weder einen übermäßigen Vorteil für den einen Teil, noch eine Vernichtung des anderen Teiles darstellen. Pichon führte weiter aus, daß die Orientfrage sich abgespielt habe, ohne einen Konflikt zwischen den Großmächten zu erzeugen. Das russische Bündnis habe stets einer friedlichen Regelung der Schwierigkeiten gedient, die aus dem Problem erwuchsen, das zuweilen wie eine Bedrohung des europäischen Friedens erschien. Das Bündnis mit Rußland habe durch seine Geschmeidigkeit und durch die Art, wie es sich zu den Notwendigkeiten der allgemeinen Politik stelle und sich ihnen anpasse, gezeigt, wie wertvoll es für Frankreich und für alle Völker sei, die aufrichtig die Gefahr eines Krieges vermeiden wollen. Ebenso ist es, erklärte Pichon weiter, mit unserer herzlichen Freundschaft mit England bestellt. Nicht einen Tag sind wir in Unstimmigkeiten mit der britischen Regierung gewesen. Ob es nun in Paris war oder auf den Konferenzen in London, unsere Aktion war unveränderlich mit derjenigen Englands verbunden. Unsere Anschauungen begegneten sich regelmäßig, um auf das gleiche Ziel hinzuwirken. Diese Vereinigung und diese Entente von Paris, Petersburg und London, Unabhängigkeit von den Anstrengungen aller anderen Mächte, mit denen wir Gegensätzlichkeiten zu vermeiden suchten, haben in großem Maße dazu gedient, der Welt die unschätzbaren Wohltaten des Friedens zu garantieren. Das Bündnis, das seit mehr als 20 Jahren besteht und die enge Freundschaft, die bald das Jahrzehnt erreicht haben wird, haben, indem sie sich entwickeln und gefestigt haben, durch die verschiedensten Schicksalswendungen hindurch alle Dienste geleistet, die man von ihnen erwarten konnte und Ergebnisse gehabt, die es wohl rechtfertigen, daß man davon mit Genugtuung, Zuversicht und Stolz Kenntnis nimmt und der Republik der Demokratie, dem arbeitssamen, treuen, unabhängigen, friedlichen und würdigen Frankreich die Ehre geben. Vom Balkan. T Konstantinopel, 25. Aug. Der russische Botschafter hatte gestern vormittag eine Unterredung mit dem Großwesir. Dieser gab gestern abend von neuem die Versicherung, daß die Kürkei Deleagatsch nicht besetzen, sondern bloß die Besetzung einiger strategisch wichtiger Punkte aufrecht erhalten werde.— Die Meldung des Tanin, daß die Griechen Dedeagatsch geräumt hätten, ist falsch. Die Türken an der altbulgarischen Grenze. Sofia, 24. Aug. Obgleich die Türken offiziell erklärt haben, alle Truppen vom rechten Maritzufer zurückzuziehen, ist soeben eine amtliche Meldung eingetroffen, daß reguläre türkische Truppen in das Gebiet von Kirdjalü ganz nahe an der altbulgarischen Grenze eingefallen sind. Die dortige Bevölkerung flüchtete in das Innere Bulgariens. Da die bulgarische Armee in Demobilisierung begriffen ist, können keine Truppen zum Schutze der Bevölkerung entsendet werden, so daß die Bevölkerung den Türken schutzlos preisgegeben ist. Die bulgarische Regierung hat über den Einfall der Türken eine dringliche Protestnote den Großmächten überreicht. Südbulgarten ist von Flüchtlingen aus Trazien und Mazedonien förmlich überschwemmt, dazu kommt, daß die Demobilisierung der Armee durch die Anwesenheit der rumänischen Truppen, welche sich nur allmählich zurückziehen, vielfach behindert wird. Dadurch wird die Lage immer unhaltbarer, man muß sich auf gefährliche Komplikationen gefaßt machen, wenn die Großmächte nicht bald Abhilfe schaffen. Die unentschlossenen Großmächte. Berlin, 24. Aug. Die neuen Meldungen über einen Gesamtschritt der Mächte bei der Pforte sind vermutlich dahin einzuschränken, daß den Mächten die Anregung zu einem solchen Gesamtschritt unterbreitet worden ist, ohne daß die Besprechungen bisher ein Ergebnis erzielt hätten. Die Stimmung der Großmächte mit Einschluß Rußlands ist für die Türkei grundsätzlich keineswegs ungünstig, allerdings ist zu wünschen, daß keine unliebsamen Zwischenfälle wie das Einbrechen türkischer Streitkräfte in Altbulgarien die Lage erschweren. Die Adrianopeler Deputierten beim türkischen Botschafter in Berlin. Berlin, 24. Aug. Gestern nachmittag gab der türkische Botschafter in der Botschaft zu Ehren der in Berlin anwesenden Mitglieder der Deputation aus Adrianopel einen Tee, zu dem eine große Zahl von Vertretern der deutschen und ausländischen Presse geladen war. Der Botschafter, umgeben von den Mitgliedern der Botschaft, empfing seine Gäste in den Festräumen des ersten Stockwerks, woselbst Tee und andere Erfrischungen gereicht wurden. Eine lebhafte Unterhaltung über den Aufenthalt der Deputation in Berlin blieb während der ganzen Veranstaltung in regstem Fluß. Bulgarien lehnt direkte Verhandlungen mit der Türkei über Adrianopel ab. Sofia, 24. Aug. Die Nachricht aus Konstantinopel, daß zwischen der Türkei und Bulgarien direkte Verhandlungen über Adrianopel eingeleitet worden seien, ist irrtümlich. Bulgarien ist der Anschauung, daß die Frage Adrianopels durch den Londoner Frieden endgültig geregelt ist, und kann daher in direkte Verhandlungen mit der Pforte nicht eintreten. Der Balkankrieg auf hoher See. Soeben ist in Newyork ein großer englischer Dampfer eingelaufen, der auf seiner Ueberfahrt der Schauplatz eines heftigen Kampfes gewesen war. Er hatte in Triest eine große Anzahl Passagiere aus den Balkanstaaten, die als Freiwillige den Krieg mitgemacht hatten, aufgenommen. Kaum war die Gesellschaft, unter der sich namentlich viele Serben, Bulgaren und Türken befanden, an Bord, so fielen sie wie wütende Hunde übereinander her. Mit Mühe konnten sie von der Schiffsmannschaft getrennt werden. Einige von ihnen mußten schwer verwundet dem Schiffslazarett überwiesen werden. Darauf ließ der Kapitän sämtliche Zwischendeckpassagiere, 1200 an der Zahl, entwaffnen. Aber der Krieg dauerte ununterbrochen weiter und zwar dienten Taue, Ringe, Holzstücke, überhaupt alles, was nicht niet= und nagelefest war, als Waffe. Messer und Gabeln mußten verschwinden und nur der Löffel wurde dem Zwischendeck zum Essen gelassen. Gerichtssaal. Düsseldorf, 24. Aug. Das Kriegsgericht verurteilte den Husar Walter R. von der 2. Eskadron der 11. Husaren wegen Mißhandlung von Untergebenen zu 3 Monaten Gef. Es handelte sich um die leider noch vielfach üblichen Mißhandlungen von Rekruten durch die sog. alten Leute. Die Folgen sind im vorliegenden Falle um so bedauerlicher, als einer der Drangsalierten fahnenflüchtig wurde, um weiteren Mißhandlungen zu entgehen; ihn traf eine Gefängnisstrafe von 43 Tagen. Essen, 24. Aug. Die Strafkammer verurteilte die 22 Jahre alte Bergmannsehefrau Fischer aus Kray, die durch gröbliche Fahrlässigkeit den Tod ihres 4 Monate alten Kindes verschuldet hatte, zu 3 Monaten Gefängnis. Die Angeklagte hatte sich am 30. März auf Reise begeben, und das Kind ohne jede Versorgung allein in der verschlossenen Wohnung liegen lassen. Als sie nach 2 Tagen zurückkehrte, war das Kind tot. Dortmund, 25. Aug. Die Strafkammer verurteilte den Schießmeister August Pamp aus Barop wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz zu 3 Mon. Gef. Er hatte auf Zeche Dorstfeld eine Sprengpatrone in der Hand von einem Ort zum anderen getragen, anstatt die Patrone vorschriftsgemäß in die Schießkiste zu legen. Das Gericht gab dem Angeklagten anheim, ein Gnadengesuch einzureichen. Kottbus, 24. Aug. Vor der Ferienstrafkammer stand der 13jährige Knabe Richard Hönschen aus Bärenbrück wegen Körperverletzung und Mordes. Er verletzte am 16. Juli im Streit das 8jährige Töchterchen seiner Schwester durch Axthiebe so schwer, daß d.r Tod eintrat und versteckte die Leiche im Kornfeld. Das Urteil lautete unter Zubilligung mildernder Umstände auf 1 J. Gefängnis. Westdeutschland. Köln, 24. Aug. Verhaftet wurde hier gestern ein lange gesuchter D=Zug=Dieb, der Kaufmann Josef Schuster aus Köln. Schuster hat 11 Diebstähle von Handgepäck in den zwischen Köln, Essen, Dortmund und Kassel verkehrenden Durchgängszügen eingestanden. Bonn, 24. Aug. 2 bei dem Konditor Falckenberg angestellte 14jährige Konditorlehrlinge aus Godesberg und Dülmen wurden gestern morgen tot auf dem Fußboden neben ihren Betten aufgefunden. Irgendeine Todesursache war bei der Untersuchung durch Polizei und Staatsanwaltschaft nicht zu entdecken. — Der Tod der heiden Konditorlehrlinge ist noch völlig rätselhaft. Aeußere Verletzungen waren nicht vorhanden. Eine Gasvergiftung ist auch völlig ausgeschlossen. Die Leiche des einen Lehrlings wurde gestern nachmittag geöffnet, doch hat sich auch dabei kein Anhaltspunkt für die Todesursache ergeben. T Bonn, 25. Aug. Der Chirurg Geheimrat Professor Robert Nieder Pascha ist im Alter von 51 Jahren gestorben. Godesberg, 24. Aug. Gestern nachmittag wurde die Leiche des im Alter von 73 Jahren gestorbenen Sanitätsrats Dv. Hans Schwann zur Verbrennung nach Mainz übergeführt. Der Verstorbene war eine über die Grenzen des Kreises Bonn hinaus bekannte kraftvolle Persönlichkeit, die um die Entwickelung des Ortes Godesberg sich sehr verdient gemacht hat. Kirchen=Sieg, 24. Aug. In der Jungschen Lokomotivfabrik wurde der 42 Jahre alte Arbeiter Gustav Hensgen überfahren und getötet. Altenkirchen, 22. Aug. Für das Erholungsheim der evangelischen Jungfrauenvereine Deutschlands hat die Stadt zwei Morgen Land zur Verfügung gestellt. Die Pläne hat Baumeister Kehl hier entworfen. Man hofft, das Heim bis zum Frühjahr fertigzustellen. Die Vorsitzende des Kuratoriums ist die Gemahlin Exzellenz Freifrau v. Rheinbaben in Koblenz. * * Cochem, 24. Aug. In Kaifenheim wurden gestern mittag durch ein Großfeuer 3 Oekonomiegebäude mit der ganzen Ernte vollständig eingeäschert. Kreuznach, 24. Aug. Gestern stürzte ein 3jähriges Kind aus dem 3. Stockwerk ab. Es starb sofort. 24. Aug. Militäroberpfarrer Mause=Hannover wurde zum Dompropst von Trier ernannt. Wipperfürth, 24. Aug. Im Radium=Elektrizitätsgestern eine 20jährige Arbeiterin. Obschon von ihren Mitarbeiterinnen der Strom sofort ausgeschaltet wurde, blieben die Wiederbelegungsversuche erfolglos. " Elherfeld, 24. Aug. Anfang der Woche hatte der 23jahrige Handlungsgehilfe Bungard sich mit seiner Braut, einer 20jährigen Kontoristin, in deren Wohnung ourch Leuchtgas zu vergiften versucht. Das Mädchen wurde tot aufgefunden. Bungard konnte wieder ins Sepzrkäein zurückgerufen werden. Da man ihn im Verdaß er die Vorbereitungen zu dem Doppelselbstmorde getroffen hatte, wurde er verhaftet. Er hat sich gestern im Gefängnis erhängt. wurd, das 8 Jahre““; Aug. Am Morgen des 1. Juli Haus v.=heiht wasut Töchterchen Irmgard des auf Fingscheibt wohnenden Kaufmanns Frowein in der Nähe des elterlichen Hauses im Walde von einem Unhold Aste niedergeschlagen. Ein vorübergehender Landwirt störte den Menschen, worauf er verschwand. Das arme Kind hatte schwere Schädelverletzungen erlitten und schwebte im Krankenhause wochenlang zwischen Tod und Leben. Als der Tat verdächtig verhaftete man den Arbeiter Emil Schobbenhaus, einen Bruder des im Nov. 1912 hingerichteten Raubmörders Schobbenhaus, einen schwer vorbestraften Menschen. Er leugnete, wurde aber nicht frei gelassen. Auch der in Diensten von Frowein, sehende Gärtner Kulke wurde zur Untersuchung gezeine ung verhaftet, doch beteuerte er von Anfang an Schobbenhanz) Vestern nun war für die Täterschaft ein neues schweres Verdachtsmoment aufgetaucht. In ein neues, strenges Verhör genommen gestand Schobbenhaus das Verbrechen ein. Nach seinen Angaben hatte er noch ein anderes Verbrechen an dem Rädchen, geplant. Der Gärtner wurde sofort auf freien schreitung. 24. Aug. Zu einer wüsten Aus. lam es in der vergangenen Nacht in der Rabelästigten den Posten am Miliär=Tepgt derart, daß ein Schutzmann einschreiten kamen weitere Zimmerleute hinzu, die gesüchten. Erst mit Eie den Posten tätich zu werden vermi. Lilfe von anderen Beamten, die mit vorgingen, gelang es, 5 Rädelsführer festzunehmen und die nach Tausenden zählende Menschenmenge zu zerstreuen. tur der Hicesd 9 f. 25. Aug. Seit Samstag ist der Subdirek. ein Tee friächtsa, Fni. Schaaffhausenschen Bankverens Gerg flüchtig. In einem an die Bank gerichteten Briefe Bekäzft Rch auf siten gungen zu. Die veruntreute Summe Setauft sich auf über 200000 Mark. Krefeld, 24. Aug. In Wangeroog ertrank beim Oberrealschase. Dr: Freitag von der hiesigen un Vera Heim= Ruhr, 25. Aug. Der Sohn des Buchhanbirts Hegener von hier, der mit einem Schulkamenahm, uure Fuztzanderung durch Süddeutschland unterarde, I die Knaben in einer Waldung abkocheen, von einer nreuzotter gebissen. Es trat Blutvergifberstichr zard: Zustand des Gebissenen wurde so beden muste, dieser einem Krankenhause überwiesen werEssen, 25. Aug. Der Erzbischof von Köln, Dr. Felix von Hartmann, wird in diesem Herbst zum 1. Male in seiner Eigenschaft als Kirchenfürst nach Essen kommen, um hier das Sakrament der Cirmung zu spenden. ir wird in der Zeit vom 28. September bis 11. Okt., also volle 14 Tage in unserer Stadt weilen. Bochum, 25. Aug. Gelegentlich einer von der Kriminalpolizei in den letzten Nächten veranstalteten Streife wurde in einem Lokale an der Dorstener Straße eine Spielergesellschaft beim Glücksspiel überrascht und ausgehoben. Es wurde um sehr hohe Beträge gespielt. Ein großer Teil der unbekannten Spieler mußte zwecks Feststellung der Personalien den Marsch zur Polizeiwache antreten.— Auch in einem bekannten Cafe überraschten die Beamten eine Anzahl Personen beim Glecksspiel.— Bei dem erkrankten Kinde einer auf der Düppelstraße wohnenden Arbeiterfamilie ist die Genickstarre festgestellt worden. der Diözese Paderborn, Prälat Dompropst Nacke ist auf dem Gutshofe seines Neffen in Rebbeke im Kreise Büren, wo er zur Erholung weilte, von einem Schlaganfall betroffen worden, der für das Leben des 85jähr. Herrn das Schlimmste befürchten ließ. Indessen lauten die neuesten Meldungen über sein Befinden günstiger. Trotzdem sind jedoch die Feierlichkeiten zum diamantenen Priesterjubiläum, die am 7. September stattfinden sollten, wegen der Erkrankung des Jubilars abgesagt worden. Recklinghausen, 25. Aug. Die Kirchenräuber, die in einer der letzten Nächte in die Gertrudiskirche in Essen eindrangen und dort 2 silberne Kirchenleuchter im Werte von 160 Mark entwendeten, sind hier verhaftet worden. Der angeblich in Dortmund wohnende Kaufmann Hugo Röhr, in dessen Begleitung sich eine jüngere Person befand, bot die gestohlenen Leuchter einem hiesigen Bürger für 7 Mark zum Kauf an. Nach dem Abschluß des Handels benachlichtigte der Käufer sofort die Polizei; den Kriminalbeamten gelang es, die beiden verdächtigen Personen am Bahnhof zu stellen u. festzunehmen. Auf dem Wege zur Polizeiwache unternahmen die Burschen einen Fluchtversuch; Röhr wurde wieder eingefangen; sein Begleiter, der wahrscheinlich Christian Schäpers heißt und in Essen wohnt, entkam. .#5.#####(Ruhr), 25. Aug. Kinder fanden bei der Holster muhle in der Ruhr die Leiche eines Mannes. Der Ertrunkene ist der 37 Jahre alte Bergmann Deuse aus Essen, Spichernstraße wohnhaft. Wie der Mann, der ein sehr nüchterner und fleißiger Familienvater war, in die Ruhr gekommen ist, hat nicht festgestellt werden können. Horst=Emscher, 24. Aug. 1. Rennen. 1. Pelzmaus (Holoubek), 2. Mir. Tot.: Sieg 42:10, Platz 19:10. 2. Rennen. 1. La Faridondaine(Kühl), 2. Bakers Lad, 3. Großvenor Gardeurs. Tat.: Sieg 19:10, Platz 14, 28:10. 3. 1. Narziß(Lane), 2. Raureif. Tot.: Sieg 43:10, Platz 12, 11: 10. 4. mennen. 1. Baldur, 2. Pilgrim. 3. Bravunt. Tot.: Sieg 59:10, Platz 15, 12, 13:10. 5. Rennen: 1. Teufelsmädel(Bleuler), 2. Norton, 3. Animato. Tot.: Sieg 294:10, Platz 92, 241, 68:10. 6. Rennen. 1. Seapice Ceichenaur), 2. Sand Bay, 3. Mortimer II. Tot.: Sieg #9 Pluy 13, 25, 35: 10. 7. Rennen: 1. Mukden II(Busch), u. usa. Tot.: Sieg 74:10, Platz 27, 13: 10. Bieberich, 24. Aug. In der Parkettbodenfabrik kam si7, 53jähriger Arbeiter der Kreissäge zu nahe. Er starb nach bos Fo gß: u#, 24 Aug. Gestern ist das auf der Kuppe Mhnsralis hoden Kleinen Feldbergs vom Frankfurter Thysitalischen Verein errichtete meteorologisch=geophysikalische Observatorium eingeweiht. Die Einrichtung des Observatorium erforderte 100000 Mark. Kassel, 24. Aug. Seit Samstag vormittag ist der Leutnant Getrel des Infanterie=Regiments Nr. 167 Gestern ist gegen den Offizier ein Steckbrief wegen Fahnenflucht erlassen. . K a s s e l, 2 4. A u g. G e s t e r n m i t t a g w u r d e d a s f ü r 829 000 Mark und 80 000 M. für die innere Einrichtung erbaute Hessische Landesmuseum feierlich eröffnet. An der Einweihung nahmen u. a. teil der Kultusminister von Trott zu Solz, Ministerialdirektor Schmidt aus Fischer(Mäncheni. Posessor Theodor at s° P## 24. Aug. Der Taubstummenlehrer Peleisen berabte Selbstmord, daß er sich aus dem 2. Stock auf die Straße stürzte; er war sofort tot. T Heidelberg, 25. Aug. In Dosselheim an der Bergstraße brach gestern eine Feuerbrunst aus. Bis 9 Uhr abends standen 15 Häuser in Flammen. Die Dossenheimer Feuerwehr wurde durch die Heidelberger Wehr unterstützt. Gristransen. d u 6: 24. Aug. Der Rendant Fuchs der 19 g00 anfkasse zu Gebweiler ist nach Unterschlagung von 12 bo0 Mark flüchtig geworden. Aus aller Welt. „„Herne, 24. Aug. Auf Schacht 4=5 der Zeche Ver. Constantin der Große wurden auf der 3. Sohle 2 italienische Bergarbeiter durch Zubruchgehen einer Strecke verschüttet. Die Rettungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Abends konnten die beiden Verschütteten unversehrt geborgen werden. Aug. Eine schwere Gasexplosion entstand gestern Nacht in der ev. Vollmondschule. Die obeZimmer wurden vollständig zertrümmert und die Möbel in der Wohnung des Lehrers sind schwer beschädigt. Das Treppenhaus ist durch die Wucht der Explosion weggerissen worden. Zum Glück haben die in den unteren Räumen schlafenden Angehörigen des Polizeibeamten Verletzungen nicht erlitten. T Hohenlimburg, 25. Aug. Der Streik auf den hies. Vereinigten Walzen= und Röhrenwerken, der vor 4 Tagen zu Ausschreitungen führte, ist infolge gegenseitigen Uebereinkommens beendet. Die Arbeit wird am Dienstag wieder sund verhaftet worden. Preitungen betelligte #enscheid, 24. Aug. Die Stadtverordneten reschlossen, die Hälfte der Sparkassenüberschüsse, 42000 Weark, kür schulhygienische Anschaffungen und ähnliches zu Siegen, 24. Aug. Die beiden Füsiliere Wilhelm Stock und Heinrich Engelbach vom Füsilierregiment Nr. 80 in Wiesbaden, die vor wenigen Wochen fahnenflüchtig wurden und hier, nach mehreren Einbruchsdiebstählen verhaftet und dem Regiment zugeführt wurden, sind jetzt aus dem Militärgefängnis ausgebrochen. Es gelang noch nicht, ihrer habhaft zu werden. Soest, 24. Aug. Ein weitbekanntes Naturdenkmal, die an der Straße Körbecke Büecke stehende uralte Linde, Volksmunde die„Tollpost“ genannt, ist von ruchlosen Bubenhänden in Brand gesteckt worden. Den Stamm konnten 5 Menschen nicht umspannen. An dem Baum vorüber ging die Grenze zwischen der Mark und Kurköllen, sodaß der Name„Tollpost“ wahrscheinlich von der Erheßung einer Landesabgabe in früheren Jahren , Paderborn, 24. Aug. Der unmittelbar vor dem bumantenen Priesterjubiläum stebende L.älteste Priester „###Thorn, 24. Aug. Der fahnenflüchtige Musdetier Silusliewicz vom Inf.=Reg. Nr. 61, der gestern in Hoverhaftet wurde, steht im Verdachte, den Doppelraubmord an dem Kätner Cyrankowski u. der Wirtin Malinowski in Althausen, Kr. Kulm, begangen zu haben. Ferner soll er den Rentenempfänger Szymanski mit einer Fahrradpumpe niedergeschlagen und beraubt haben. Der Verhaftete ist geständig. . Pünchen, 25. Aug. Die Kassiererin eines Wirtsder Münchener Altstadt hatte von einem Stammgast, einem Arzte, 2 Lose der Sanitätslotterie, ten: Sehsbene aust hatte, eins mit den Worten erhaln Rehmen Sie es, und wenn Sie den Haupttreffer siel stattählsch der gir die Hälste abl Auf das Los Haupttreffer von 20000 M. Beide teilten sich redlich in den Gewinn. Schwere Zusammenstöße. Aug. Zwischen Kaulsdorf und Mahlsur Spekeagen g der Dürkoppwagen und be Gom: zusamme n, wobei der letztere demoliert geschleudert“ ven 4 Insassen, der Automobile, die heraus. ##: wurven, sind zwei 2 Damen schwer verletzt wor.##- perren kamen mit leichteren Verletzungen davon.— „kern abend ereignete sich an der Ecke des Lensfelder Platzes Schonyauser Allee ein schwerer Straßenbahnzusammenstoß, bei dem beide Wagen stark beschädigt und 4 Personen schwer verletzt wurden. Die Kopenhagener Bankräuber verhaftet. Berlin, 25. Aug. Als die Bankräuber, die vor 8 Tagen Eane ern, Zopenhagener Bankgeschäft den verwegenen Ueberverhaftet, die sich auf. e Junge Verliner Herren einer Reise durch Dänemark befanden. um den Bankbuchhalter Engler und die Kaufleute Fritz Kleine und Grunwald handeln. Selbstmord eines Leipziger Verlagsbuchhändlers. ". Dresden, 24. Aug. Am Grabe seines Vaters erschoß sich auf dem Friedhof in Radebeul der 1. Vorsitzende des Vereins der Buchhändler in Leipzig, Ferdinand Lomnitz. In einem hinterlassenen Brief an seinen Bruder gibt er an, daß er inSchwierigkeiten aus dem Leben scheide. Lomnitz war seit dem Jahre 1891 Inhaber der bekannten alten Verlagsfirma Georg Wiegand in Leipzig. Er war in Leipzig wenische Katholikentag eröffnet worden. 20000 Personen Lagung erschienen, schlreiche Deutsche befinden, knd zu der der Jesem margen in 5 24. Aug. Der Flieger Leton, vier=Eindecer— P.# Paris auf einem Morane= Saule-Unlweltes aufgestiegen war, traf hier um 2.21 Uhr ein und stieg um 3.13 Uhr wieder auf, um nach Petersburg zu fliegen. — Der Flteger Letort hat seinen Flug Paris—Petersburg nicht zu Ende führen können. Gestern abend gegen 9 Uhr landete er in Danzig. Der Preis ist ihm somit entgangen, da Brindejonc auf seinem berühmten Europaflug eine um 50 km. längere Strecke von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zurückgelegt hat. T Danzig, 25. Aug. Der Flieger Letort flog um 4 Uhr nach Berlin ab. Er wurde um 5 Uhr bei Oliva gesichtet, als er von Zoppot herüberkam. Paris, 24. Aug. Der Flieger Guillaux ist gestern früh 4¼ Uhr von Biarritz abgeflogen und um 10.52 Uhr in Issy les Moulineaux angekommen. Kurz nach 11 Uhr stieg er wieder auf. Er beabsichtigt, über Belgien nach Kiel zu fliegen. Auch er bewirbt sich um den Pommerypokat. G g—, Sparkassenraub. wuotonz(Bohmen), 24. Aug. Gestern nachmittag erschien ein elegant gekleideter Mann im Kassenlokal des hiesigen Spar= und Vorschußvereins und feuerte 5 Schüsse auf die 3 Beamten ab. Einer von diesen erwiderte das Feuer und traf den Räuber am Bein. Dieser flüchtete, wurde aber von der herbeieilenden Menschenmenge festgenommen. Er ist der Baumeister Emil Fügner aus Marschendorf bei Reichenberg. Von den überfallenen Beamten ist der eine lebensgefährlich verletzt. Der Baumeister hat den Ueberfall wahrscheinlich begangen, um sich für die große Ablöhnung seiner Arbeiter in den Besitz von Geldmitteln zu setzen. Ein Baron beim Automobilrennen getötet. T Brüssel, 25. Aug. Auf dem gestrigen Automobilrennen in Spa wurde bei einem Zusammenstoß der Baron von Woelmont, der einen Wagen steuerte und einen vor ihm fahrenden Mitbewerber überholen wollte, getötet. 4 Personen als Spione verhaftet. T Stockholm, 25. Aug. In Möja sind 4 Personen unter dem Verdachte der Spionage verhaftet worden. Die Verhafteten sind nach ihren Angaben der schwedisch=finnische Schriftsetzer Petterson, der deutsche Prokurist Johann Philippson, beide aus Riga, ferner der Juwelier Otto Hermann und sein Bruder S. G. Hermann aus Dorpat. 2 Flieger getötet. Nouen, 25. Aug. Beim Wasserflugzeugwettbewerb Paris=Deauville stürzte infolge Motordefekts das Flugzeug des Fliegers Montalent. Der Flieger und sein Passagier wurden aus dem Flugzeug geschleudert und getötet. Ein unparteiischer Ehemann. Rom, 25. Aug. Ein unparteiischer Ehemann setzte dieser Tage einen Amtsrichter zu Padua in Staunen. Mario Nardi in Saccolongo, einem Dorfe bei Padua, hat eine Frau, und diese Frau hat eine böse Zunge. Sie ist daran zwar unschuldig, denn sie hat diese Zunge von Natur, aber sie muß eben doch die Folgen davon tragen, und die Folgen bestanden. jüngst in ein paar derben Ohrfeigen, die ihr ein Nachbar versetzte, weil sie ihn mit Schimpfreden und Schmähungen überschüttet hatte. Die geschlagene Frau verklagte den Nachbar, und in der Verhandlung wurde der Ehemann Nadi als Zeuge vernommen. Nachdem der Richter ihn ermahnt hatte, er möge sich durch sein Verhältnis als Gatte der Klägerin nicht verleiten lassen, anders als die reine Wahrheit auszusagen, begann Mario Nardi seine Aussage mit den überraschenden Worten:„Der Nachbar hat meine Frau gehauen, und er hat sehr gut daran getan.“ Auf die erstaunte Frage des Richters Warum? fuhr der unparteiische Ehemann fort: „Wenn Sie wüßten, was für eine Zunge das Weib hat! Ich weiß es leider aus Erfahrung, und darum kann ich nur sagen, daß ihr Recht geschehen ist, und daß der Nachbar freigesprochen werden muß.“ Die Zuhörer brachen darauf in schallendes Gelächter aus, der Richter bedachte sich eine Weile und sprach den Angeklagten frei. Wie es dann dem Nardi zu Hause ergangen ist, darüber wissen die Zeitungen nichts zu berichten, weil es nicht in der Oeffentlichkeit geschah. Begnadigt. T Warschau, 25. Aug. Der wegen Spionage zu 6 Jahren Zwangsarbeit verurteilte österreichische Offizier, Walloch, ist begnadigt und freigelassen worden. Vermischtes. .. Die Polizistinnen von Chieago. 12 junge hübsche Frauen in kleidsamen blauen Uniformen haben ihr Amt als Polizeibeamte in Chicago angetreten. In den Straßen und Parks der Stadt sollen sie besonders als Wächter über die Moral der Jugend wachen. Es ist ein interessanter Versuch, der vorläufig für 60 Tage durchgeführt wird; sollte er sich als praktisch erweisen, dann werden die weiblichen Polizisten in Chicago für eine dauernde Einrichtung erklärt und in andern Städten Nachahmung finden. Die Hälfte der Beamtinnen ist verheiratet, die Hälfte unvermahlt. Die kräftigsten und stattlichsten Frauen wurden unter den Hunderten ausgewählt, die sich zu den vielbesprochenen Posten drängten. Als sie sich zur Einführung in ihr Amt und zur ersten Belehrung versammelten, machten zwei von dem Vorrecht der Frau Gebrauch, zu spät zu kommen, und den ersten Dienst traten vier zu spat an. Sie entschuldigten sich damit, daß sie so eifrig die Dienstordnung studiert hätten, ein umfangreiches Heft, das von dem Chef“ der Chicagoer Polizei und einem Ausschuß des Vereins für Frauengrheit ausgearbeitet ist und bis in die kleinsten Einzelheuten pflichten und Obliegenheiten der Polizistinnen angibt. Die Jüngerinnen der Hermandad sind mit Pfeifen und mit Schlüsseln für die Feuermelder ausgerüstet, haben aber no chkeine Revolver und Knüppel empfangen, da man erst abwarten will, wie sie ohne diese Gewaltmittel ihrer männlichen Kollegen auskommen. Sie steckten Schlüssel und Pfeifen in ihre Pompadours, in denen sie außerdem Puderquaste, Spiegel und Taschentuch trugen. Die Polizistinnen verzichten nämlich durchaus nicht auf die ihrem Geschlecht eigene Eitelkeit. Sie waren Gegenstand zahlreicher Huldigungen, erhielten von Bewunderern Blumen und Bonbonnieren geschenkt und waren zeitweise von einer so dichten Menge umlagert, daß sie ihre männlichen Kollegen zum Schutz herbeirufen mußten oder gar auf das Polizeibureau flüchteten. Der Polizeichef MeWeeny erklärte den Damen in einer Ansprache, daß die Augen der zivilisierten Welt auf sie gerichtet seien, und daß sie ihre Sache gut machen sollten. Dann gab er ihnen eine Reihe von Verboten; sie sollten nie die Wahrverlassen, nicht zu streng, nicht großmäulig sein, sollten sich nicht über Langeweile beklagen, nicht zu viel arretieren und nur das Notwendigste sprechen. Nach dieser Ermahnung brach eine der jüngsten Polizistinnen in den Ruf aus:„Das ist ja entzückend! Ich brenne danach, jemand festzunehmen.“ Sie wurde ob dieses Gelüstes streng verwiesen, und MeWeeny appellierte noch einmal eindringlich an die„Frauenintelligenz“, mit der sie ihr Heil versuchen sollten statt mit Gewalt. Bisher haben denn auch die Polizistinnen noch keinen verhaftet; sie hatten genug damit zu tun, sich selbst vor der Neugierde und den Huldigungen des Publikums zu schützen. Bekanntmachung. In Ergänzung der Veröffentlichung der neuen Umsatzsteuerordnung der unten genannten Gemeinden wird bemerkt, daß die durch diese außer Kraft gesetzte Umsatzsteuerordnung der Gemeinde Eiberg vom 16. Mai 1907, der Gemeinde Freisenbruch vom 7. Juni 1907, der Gemeinde Horst vom 30. Oktober 1907 und der Gemeinde Königssteele vom 29. April 1907 datiert. Eiberg, Freisenbruch, Horst und Königssteele, den 13. August 1913. Der Gemeindevorsteher von Eiberg: Beckmann. Der Gemeindevorsteher von Freisenbruch: Reick. Der Gemeindevorsteher von Horst: Cohaus. Der Gemeindevorsteher von Königssteele: Effing. Steckbrief. Gegen Thuleweit(Tulleweit), Friedrich Wilhelm, Bergarbeiter, geb. 3. 5. 1887 zu Wattenscheid, Kr. Gelsenkirchen, zuletzt wohnhaft Dahlhausen=Ruhr, Größe 1,70 m, wegen Straßenraubes, begangen in Wattenscheid, Kreis Gelsenkirchen, oder in Linden an der Ruhr am 24. oder 30. Juni 1913. Akten 4 J. 731/13. Bochum, 14. August 1913. Der Untersuchungsrichter beim Landgericht. Betrifft: Erhebung der Handammerbeiträge für 1913. Laut Beschluß der Stadtverordneten=Versammlung vom 2. Juli 1913 sind die Handwerkskammerbeiträge für 1913 nur zur Hälfte auf die Stadtkasse übernommen, während die andere Hälfte von den verpflichteten Handwerkern eingezogen werden soll. Der auf Wattenscheid Stadt entfallende Gesamtbetrag mit 1423,46 Mk. ist daher zur Hälfte auf die gewerbesteuerpflichtigen Handwerksbetriebe und die selbständigen Handwerker nach Maßgabe der bestehenden Vorschriften unterverteilt worden. Die Liste über die Unterverteilung der Beiträge liegt vom 20. August bis 2. September 1913 im Zimmer Nr. 27 des Rathauses zur Einsicht der Beteiligten aus. Innerhalb dieser Zeit können Einsprüche gegen die Heranziehung zu den Handwerkskammerbeiträgen schriftlich oder mündlich geltend gemacht werden. Nach erfolgter Auslegung erfolgt die Einziehung der Beiträge durch die Stadtkasse. Wattenscheid, den 16. August 1913. Der Bürgermeister. I. V.- Der Beigeordnete. Kampmann. Srb-2-G-2-Cr=-P=ssh=P= 43=B=452=P. 45=4ch=2=4h=2=45s=-P-455=-P-ic-P-55-PBeder! 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Wenn eine in Ausübung des Berufes erlittene, unfreiwillige, plötzlich eintretende Körperverietzung, wo auch immer und gleichviel ob über oder unter Tage erlitten, als die unmittelbare und ausschließliche Ursache des sofort oder innerhalb 30 Tagen nach dem Ereignisse eintretenden Todes bezeugt wird.— Nicht anspruchsberechtigt sind Unglücksfälle jeglicher Art, die außerhalb der Berufstätigkeit hereinbrechen, Todesfälle, herbeigeführt durch Mobilmachung und Krieg, Unruhen oder Aufruhr, hinterlistigen Ueberfall und Schlägerei, durch nicht berufsmäßige Schaustellungen; weiterhin Tod infolge Vergiftung, Ertrinken, Schlag=, Krampf= und epileptische Anfälle, insolge Bruchleiden, Erfrieren und Sonnenstich, ferner Tod infolge Ansteckung, innerer Erkrankung u. zu deren Heilung notwendiger, mit einem Berufsunfalle nicht im Zusammenhange stehender Operationen. Ein Anspruch ist ausgeschlossen: a. wenn der Unfall in offenbarer Trunkenheit erlitten, durch eine ungehörige Handlung, durch grobe Fahrlässigkeit, durch Nichtachtung der für Leben und Gesundheit bestehenden gesetzlichen und polizeilichen Sicherheitsvorschriften selbst verschuldet ist, d. wenn ein anderer, dem die Schuld an dem Unglücke beizumessen ist, wegen dieser Schuld Unterstützung an die Hinterbliebenen zu zahlen verpflichtet ist. S 2. Welche Bedingungen zu erfüllen sind. Als Abonnent der Zeitung gilt nur diejenige Person bezw. das Glied einer Familie, auf dessen Namen die Stadt. Gymnastum zu Weallenscheis. Beginn des Winterhalbjahres 16. September. Auf den mittleren Klassen nach Wahl Griechisch oder realgymnasialer Ersatzunterricht. Vormittagsunterricht 8—12,35 Uhr. Anmeldungen erbitte ich zunächst für alle Klassen schriftlich. Der Gymnasial=Direktor: Prof. Dr. Hellinghaus. Stäutisches Zyreum Wanenscheid. Das Wintersemester beginnt am 16. September. 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Ofosse Sammlung von Dank- und Anbskennungssobreiheß kostenlos. Ansichtssendungen Dereit willigst.— Kleine Tellzahlungen. vonness& Hachfeld, Verlagsbuchhandl., Potsdam. SC Erotklassige Fahrrader Präzisions-Fabrikate weltbek. Werke wie Opel, N. 8. U Stoewer, Görlcke u. m. Riesige Auswahl. Solide Preise. Auf Wunsch Teilzahlung. Reparatur-Werkstatt für alle Systeme. Eigene Emaillieranstalt— ff.Vernickelung. Wattenscheid, Hochstr. 43. E Fr. Wallr om, Buer-Erle, Bismarckstr. 72 FEEEE Bezugsquittung lautet. Wer sich für seine Hinteroliebenen den Genuß der Unfallvergünstigung sichern will, hat 1. den von der Geschäftsstelle zu fordernden Anmeldezettel genau auszufüllen, mit der eigenhändigen Unterschrift zu versehen und der Geschäftsstelle zuzusterlen, worauf seitens des Verlags die Eintragung in die Nutznießer=Liste und die Zusendung des Nutznieß=Scheines erfolgt, der im Besitze des Abonnenten bleiben und bei Anmeldung des Unfalles vorgelegt werden muß. 2. die fällige Bezugsquittung, auch ohne etwa erwartete Aufforderung im voraus, spätestens aber eis zum 15. des Monats einzulösen und die ieweils letzte aufzubewahren, 3. sich bei einem nicht sogleich tödlichen Unsalle sofort in Behandlung eines Arztes zu begeben und dessen Anordnungen zu befolgen. Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, hat keinen Anspruch auf Zahlung des Unfallgeldes. § 3. Wie hoch beläuft sich das Unfallgeld? Das Unfallgeld wird für die Hinterbliebenen des Verunglückten auf den Betrag von 425 Mk. festgesetzt. Wenn aber von ein und demselben Unglücksereignisse mehr als 3 begünstigte Abonnenten betroffen werden, so wird als Höchstbetrag die Summe von 1000 Mk. ausgezahlt und gleichmäßig unter die Berechtigten verteilt, S 4. Wann und wie der Unfall anzumelden ist. Jeder Unfall, für den Anspruch erhoben wird, ist von dem Beschädigten bezw. dem Rechtsnachfolger des todlich Verunglückten spätestens innerhalb 3 Tagen, von dem Zeitpunkte erlangter Kenntnis ab gerechnet, dem Verlage anzuzeigen, wohin neben dem Nutznieß=Scheine und der letzten Bezugsquittung auch weitere auf den Unfall bezügliche Auskünfte und Belege, welche etwa für erforderlich erachtet werden, spätestens innerhalb 8 Tagen einzureichen sind. Jusbesondere ist der Nachweis zu führen, daß der Verunglückte, bis zum Augenblicke des Ereignisses gerechnet, seit mindestens einem vollen Monat ununterbrochen Bezieher der„Wattenscheider Zeitung" war und auch die letztfällige Bezugsquittung rechtzeitig eingelöst hat. § 5. Wann und an wen wird gezahlt. Die Auszaylung des Unfallgeldes erfolgt sogleich nach Anerkenntnis des Anspruchs bei der Kasse des Geschäftes an den nächsten Erbberechtigten. Wenn eine Frau und auch Kinder nicht vorhanden sind, erfolgt die Auszahlung an die Eltern, und schließlich an die Geschwister des Verunglückten, jedoch nur in dem Falle, daß er zur Zeit des Unfalls der Ernährer der Eltern, bezw. der Geschwister war. Der Nachweis, daß ein Anrecht vorliegt, liegt dem Ansprucherhebenden ob; wer 8 Tage nach dem Todesfall seinen Anspruch nicht angemeldet hat, geht desselben verlustig.— Falls unter den Hinterbliebenen Streit hinsichtlich des Anrechtes entsteht, soll die Entscheidung unter Ausschluß des Rechtsweges durch einen von dem Verlage der„Wattenscheider Zeitung" zu bestimmenden hiesigen Rechtsanwalt erfolgen. Die Kosten dieser Entscheidung trägt der unterliegende Teil; sollten sie nicht beizutreiben sein, werden sie von dem Verlage vorgelegt und von dem Unfallgelde in Abzug gebracht. Für den Fall, daß das Anrecht auf das Unfallgeld vom Verlage abgelehnt und der Anspruch Erhebende im Rechte zu sein glaubt, soll zum Zwecke einer chleunigeund billigen Erledigung ein aus 2 Juristen bestehendes Schiedsgericht entscheiden, zu dem der Verlag und der Anspruch Erhebende je ein Mitglied zu bestimmen haben. Können diese beiden sich nicht einigen, so wählen sie einen Obmann und entscheiden mit diesem nach Stimmenmehrheit. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen; die Kosten fallen der unterliegenden Partei zur Last. § 6. Sofern Ergänzungen oder Aenderungen dieser Bestimmungen vorgenommen werden, wozu der Verlag be#echtigt ist, treten diese in Kraft mit Beginn des Monats, der auf den Tag der Veröffentlichung in der„Wattenscheider Zeitung“ folgt. B. Anzeigen-Vergünstigung. Vom 1. Oktober 1909 ab haben alle Abonnenten der „Wattenscheider Zeitung" bei kleineren Anzeigen(Wohnungsgesuchen und Vermietungen, Arbeitsmarkt) auf ein Inserat 3 Zeilen kostenfrei, wenn bei Aufgabe die Quittung für den laufenden Monat eingereicht wird. Wattenschei d, den 30. Dezember 1911. der Wattenscheider Zeitung“ Carl Busch.