Nr. 177. (1. Blatt.) Samstag, den 2. August 1913. 45. Jahrgang. (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden wpeziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, gegrünbet 1998 ossesse : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). 65 80 (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheld, Eiberg, Freisenbruch u. a. : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts; : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin=; : zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach: Ehat der Rechung 4 ssssssessessssass Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. 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Als er in dem Drei=Kaiserjahre Vom König zu uns ward gesandt, Und als der Bischof diese wahre Und echte Kraft zum Hirt ernannt, Da hat der neue Pfarrer gern Für alle Zeiten nah und fern Genommen zu der Arbeit Bild Sich Christi Beispiel sanft und mild, Erbat sich als der Kirche Sohn Die Gnaden nur von Gottes Thron. Auch der Gemeinde große Scharen, Die weit aus aller Nachbarschaft Zu dem Empfang gekommen waren, Erflehten ihm des Himmels Kraft. So jeder Teil gleich zu Beginn In frommem und echt deutschem Sinn Bei gegenseit'ger Zuversicht Des Herzens Treue sich verspricht. Gott hat gesegnet diesen Bund Hinfürder bis zu dieser Stund. Und die er dann in jenen Zeiten Zur Taufe hob, dem Herrn erzog, Sie ließen gern von ihm sich leiten, Wes Standes auch, ob klein, ob hoch. Ja, heute feiert jedermann,— Was er auch sei, was er auch kann,— Des Pfarrers Jubiläumstag; Denn jeder gern ihn sehen mag. Man ehrt und preist ihn treu und traut Und singt ihm Lieder hell und laut. Der Schule jeder guten Richtung War immerdar er zugetan. Dem Jugendfeinde, Satans Dichtung, Der list'gen Lehre, fremdem Wahn Brach völlig er die Brücken ab Mit seinen Starkmuts stolzem Stab. Die Brücke, die er aufgebaut Zum Kinderherzen, jeder schaut Sie stolz auf Christi Stein noch steh'n. Und nimmermehr wird sie vergeh'n. Und der Gemeinde Frau'n und Männer — Auch das hat er sehr wohl gemeint— Hat er, des Volkes feiner Kenner, In der Vereine Zahl geeint. Gefolgt von dieser großen Schar, Zieht er mit Christo jedes Jahr Am Sonntag nach Fronleichnamsfest Durch alle Felder. Ja, er läßt Den Heiland segnen groß und klein Und ladet sie zum Beten ein. Den Armen, Schwachen und den Kranken War immer er ein stiller Freund. Sie alle herzlich es ihm danken, Wenn freundlicher ihr Los erscheint. In dem Marien=Hospital, Wo Bett an Bett und Saal an Saal Der Krankheit Heer zu Hause ist, Hat er sich— stark in Jesu Christ— Ein Denkmal in der Kranken Herz Errichtet, dauernder denn Erz Was alle hier nicht minder soben, Das ist das Werk der Vaterhuld, Das er im Schutz des Herrn da droben Hat aufgebaut mit viel Geduld: Es ist das große Waisenhaus. Dort gehen täglich ein und aus Die Aermsten aus der Kinderschar, Die elternlos, der Mittel bar. All diesen Kindern zeigt er gern In Christo neu den Lebensstern. Wenn sonst ein Hirt für die Gemeinde Ein einzig Kirchlein nur erbaut — Trotz Widerspruchs der argen Feinde,— Man stolz und dankbar auf ihn schaut. Der Silbergreisim Silberhaar, Er leistete viel mehr fürwahr Der Kirche und dem Staat: Er hat Sechs mal erbaut die Gottesstatt! Dem bischöflichen Gast gab er Gechs mal als Pfarrer die Gewähr. Der Kirche und des Staats Gewalten Sie haben seiner Hände Müh'n Und seinem sorglichen Gestalten Der Dinge Lob und Preis verlieh'n. St. Gertends Kirche, die so schön Zu weit'rem Schmuck er ausersehn, Sie ward für alle ewige Zeit Vom Bischof zur Propstei geweiht. Der Propst ward dann zuguterletzt Zum Landdechanten eingesetzt. Noch nicht genug mit diesen Würden, Zu denen er so schnell ernannt, Man wollt des Domkapitels Bürden Mit ihm, des Herz und Geist bekannt, Run teilen. Zum Kapitelchor Der Paderstadt man ihn erkor. Doch demutsvoll und einfach schlicht Giebt diesem Ruf er den Verzicht. Drob hat des Bischofs güt'ge Hand Zum Ehrendomheren ihn ernannt. So bleibt er denn sein ganzes Leben Erhalten uns als Herr und Hirt. Die Treue, die er uns gegeben, Getreu auch ihm gegeben wird. O lieber Gott, erhalte ihn Der Pfarrgemeinde fürderhin. Was Du ihm reich verliehen hast,— — Ja, wie ein Wunder scheint es fast— Das sei Dir, gnäd'ger Gott, gedankt. Ihm sich's zum Silberkranze rankt. MOO 25 Jahre kath. Ofarrer in Wattenscheid. “ 25 Jahre sind mit dem heutigen Tage verflossen, seit Domkapitular, Propstdechant Hausmann, als Pfarrer die große und bedeutende Pfarrei Wattenscheid leitet und seine ganze Arbeitskraft und sein reiches Wissen in den Dienst der Kirche und damit auch unserer engeren Heimat stellt. Bei den ausgezeichneten Erfolgen und der allgemeinen Beliebtheit dieses rastlos tätigen Seelenhirten; sei nachstehend in kurzen Worten ein Bild von seiner Wirksamkeit in unserer Stadt entworfen: Geboren am 20. Sept. 1842 zu Dumberg, Pfarre Niederwenigern, wurde er nach Absolvierung des Gymnasiums zu Recklinghausen und der akademischen und seminaristischen Studien in Münster und Paderborn am 14. August 1868 vom Bischof Conrad Martin in der Domkirche zu Paderborn zum Priester geweiht und schon kaum 1 Jahr später infolge besonderen Vertrauens und als Beweis seinex hervorragenden Befähigung und vorzüglichen Charaktereigenschaft zum Pfarrer in der fürstlich=lippischen Residenzstadt Detmold ernannt. Nach 4jähriger segensreicher Tätigkeit daselbst wurde er im Herbst 1888 zum Pfarrer an die große Strafanstalt in Herford berufen. Zum Pfarrer von Wattenscheid, einer Stelle, die Kgl. Patronats ist, wurde er auf Präsentation des Oberpräsidenten Hagemeister am 16. Februar 1888 ernannt und vom Bischof Franz Caspar Drobe unterm 22. Februar 1888 bestätigt. Die Einführung in Wattenscheid erfogte am 2. August. Wir haben noch kürzlich an Hand der s. It. von der Wattenscheider Zeitung veröffentlichten Berichte geschildert, wie groß die Freude der Wattenscheider Katholiken über die treffliche Wahl war und ein wie herzlicher Empfang dem neuen Pfarrer bereitet wurde. Der ausgezeichnete Ruf, der dem Seelsorger vorausging, ließen außerordentliche Hoffnungen und hochgespannte Erwartungen an seine Amtstätigkeit knüpfen, die nicht nur in jeder Weise erfüllt, sondern von der Wirklichkeit weit übertroffen wurden. Mit vorbildlichem Eifer und zäher Energie ging er sofort an die Arbeit. Diese bot sich in der ausgedehnten Pfarre Wattenscheid, zu der in jener Zeit noch Hüllen, Ueckendorf und Höntrop gehörten, in Hülle und Fülle, zumal sich die Verhältnisse infolge der rapiden Bevölkerungszunahme immer schwieriger und verwickelter gestalteten. Pfarrer Hausmann zeigte sich ihnen aber vollständig gewachsen. Neben der Erfüllung seiner priesterlichen Pflichten war sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet, die Seelsorge durch Errichtung von neuen Kirchen und Anstellung von weiteren Geistlichen auszubauen, um so allen Gläubigen die Erfüllung der kirchlichen Pflichten möglichst leicht zu gestalten. Wer die ungeheuren Schwierigkeiten, die langwierigen Verhandlungen und finanziellen Auseinandersetzungen und dann weiter vor allen Dingen die Beschaffung der erforderlichen Geldmittel kennt, muß es als im höchsten Grade erstaunlich bezeichnen, daß Pfarrer Hausmann bereits 1894 2 Kirchen vollenden konnte, und zwar in Ueckendorf und in Hüllen. Im gleichen Jahre wurden die Bezirke Ueckendorf und Höntrop, das bereits eine 1863 erbaute und 1886 erweiterte Kirche besaß, abgepfarrt— ebenfalls eine Riesenarbeit, von welcher der nachstehende Zeitungsbericht vom 14. Juni 1894 ein kleines Bild ergiebt:„Bezüglich der Vermögensauseinandersetzung der 3 neu zu bildenden kathol. Pfarrgemeinden Höntrop, Ueckendorf und Wattenscheid erörterte der hochw. bischöfl. Generalvikar, Domdechant Dr. Schulte, in vorgestriger Sitzung der kirchlichen Gemeindevertretung folgenden Finanzplan: zur Deckung der alten Schulden, Neubauten und sonstigen notwendigen Bedürfnisse übernimmt die Gesamtgemeinde eine Schuldenlast von 180000 M. Diese setzt sich aus folgenden Hauptposten zusammen: 1) 36·000 M Bauschuld für die Kirche in Höntrop, 2) 60000 A Bauschuld für die Kirche in Ueckendorf und 12000 A Bauschuld für das Pfarrhaus, welche Summen in derselben Sitzung von der Dekanat und die Pfarrei Wattenscheid in alter Zeit. * Es ist bekannt, daß die Wattenscheider Kirche auf ein ehrwürdiges Alter zurückblicken kann und zu den ältesten Kultusstätten des ganzen Bezirkes gehört. Es dürfte deshalb anläßlich des stattfindenden Jubiläums wohl interessieren, etwas aus der Geschichte der Wattenscheider kath. Kirche und des Dekanates Wattenscheid zu erfahren. Der hiesige Bezirk war in alter Zeit von den heidnischen Sachsen, und zwar von dem Stamme der Brukterer bewohnt, die mit zäher, westfälischer Hartnäckigkeit ihren Glauben gegen das allmählich von Westen her vordringende Christentum verteidigten. Ströme Blutes sind geflossen, bis das Licht des Evangeliums in unseren Landen Eingang fand. Die ersten Boten des Christentums waren die beiden angelsächsischen Missionare Ewald, die, das Wort der neuen Lehre kündend, von Gau zu Gau, von Gehöft zu Gehöft zogen, aber bald bei Aplerbeck einen blutigen Märtyrertod erlitten. Ihnen folgte in dem schwierigen Bekehrungswerke um 695 der„Apostel des bergischen und märkischen Landes“, der hl. Suitbertus. Auch er mußte vor den altsächsischen Stämmen, die gerade um diese Zeit unsere Gegend mit Feuer und Schwert verheerend durchzogen, zurückweichen und starb im Jahre 713 auf der Insel Kaiserswert bei Düsseldorf. Vieles ließ er unvollendet zurück, aber vieles hatte dieser große, unermüdlich tätige Mann auch erreicht. Ihm bezw. seinem und seiner Schüler Bemühen ist zweifellos die Einführung des Christentums auch in der Wattenscheider Gegend zu danken. Die Regesta Westfalorum ergeben mit ziemlicher Sicherheit, daß um das Jahr 700, also 100 Jahre“ vor dem Auftreten Karls des Großen, das Christentum in Uatanscetha schon eingeführt war; die Wattenscheider Kirche gehört zu der ältesten in der ganzen Mark. Unter zahlreichen Gründen sei zunächst angeführt, daß Wattenscheid dem ganzen Ruhrdekanat den Namen gab. Ferner läßt das Schutzpatronat der hl. Gertrudis auf die unter angelsächsisch=fränkischem Einfluß erfolgte Einführung des Christentums in unserer Gegend schließen. Daß die Bewohner unserer Gegend schon um 700, dem christlichen Glauben anhingen, beweist ein Sendschreiben des Papstes Gregar II.(737—739), der unter anderen Völkern auch die Borchthari(Brukterer), also die Bewohner unserer engeren Heimat, zum Gehorsam gegen ihren Bischof ermahnt. In dem erwähnten Brukterer=Gau lag nach dem ältesten Werdener Heberegister(um 809 niedergeschrieben) UatJanscetha, unser Wattenscheid, sodaß wir auf eine mehr als tausendjährige Geschichte unserer Stadt zurückblicken können; dagegen wird Bochum zuerst 1041, Gelsenkirchen 1266 urkundlich erwähnt. Die Bedeutung der Dekanie Wattinscheyde, so wie sie damals war und wie sie sich späterhin entwickelte, war eine große. Das Dekanat war das am meisten westlich gelegene des kurkölnischen Herzogtums Westfalen. Es stieß im Westen an die rheinischen Dekanate Essen und „ Vertretung einstimmig bewilligt wurden, 3) 14 000 M für die Vergrößerung des Totenhofes in Wattenscheid(teils alte Schuld an den Pfarrfonds, teils für eventl. spätere Vergrößerung), 4) 20000 A für Grund, Bau und Einfriedigung der neuen Vikarie an der Hüllerstraße dahier, 5) 30000 q für einen späteren Kapellenbau in Günnigfeld.— Dies Schuldkapital von 180000 A, welches einschließlich Amortisation mit 4,75 Proz. jährlichen Zinsen in ca. 30 Jahren zurückgezahlt sein wird, muß von allen 3 Gemeinden nach Verhältnis der Steuerkraft abgetragen werden. Dieser Repartition ist die Klassen= und klassifizierte Einkommensteuer der 3 neuen Gemeinden zu Grunde gelegt. Alle 3 Gemeinden bringen jetzt an Klassensteuer jährlich ca. 48000 A auf. Hiervon entfallen auf Höntrop 5000 M, auf Ueckendorf 11 000 M, auf Gesamt=Wattenscheid 32.000 M, mithin sind die 3 neuen Kirchengemeinden an dieser Grundschuld wie 5:11:32 beteiligt und müssen in diesem Verhältnis mithelfen verzinsen und amortisieren.“ Es folgte 1896 der Bau der Kirche in Günnigfeld, 1902 die Abpfarrung von Hüllen und 1903 die der Gemeinde Günnigfeld, ferner die Errichtung neuer Kirchen 1903 im östlichen Stadtteil(St. Josefkirche) und 1909 in Sevinghausen. Augenblicklich ist man mit dem Bau einer neuen Kirche in Leithe beschäftigt, und noch ist diese nicht fertiggestellt, so beschäftigt den unermüdlichen„Kirchenerbauer“— dieser Ehrenname wurde ihm zuteil— ein neuer Plan, die Errichtung einer neuen, großen Kirche in Wattenscheid an der Wasserstraß Neuß, im Norden an die Dekanie Dortmund, im Osten an Dortmund und Attendorn und im Süden an die Dekanie Lüdenscheid. Im Norden bildete die Emscher bezw. der Emscher Bruch auf weite Strecken die natürliche Grenze, im Osten und Südosten die Ruhr, im Südwesten ging der Kreis der Dekanie aber ziemlich weit über die Ruhr hinaus und schloß fast ein halbes Dutzend Pfarreien in sich, die geographisch nach Lüdenscheid gehörten. Trotz dieser großen räumlichen Ausdehnung zählt die Dekanie Wattenscheid im liber valoris nur 15 Kirchen. Es gehörten zu ihr nach denselben Quellen: Bochum, Hattingen, Schwerte, Syburg, Ende, Herde, Witten, Herne, Niederwenigern, Sprockhövel, Harpen, Wetter, Stiepel und Uemmingen. Die Einkünfte der Kirche zu Wattenscheid wurden 1310—1316 zu 10 Mark jährlich veranschlagt; Archidiakon der Wattenscheider Dekanie war der Dompropst von Köln; die Ernennung des Dekans nahm im 15. Jahrhundert der Graf v. der Mark als sein Recht in Anspruch. Von Bedeutung für die Wattenscheider Kirche war das Geschlecht derer von Leithe, deren Burg an der Leithe=Ueckendorfer Grenze liegt und die kirchlich zu Wattenscheid gehörten. 1288 wird erwähnt Ritter Wennemar von Leithe. 1353 kauften Lubertus von Leytene und Theodorus von Leytene zu Nutzen der Kapelle in Wattenscheid das Gobeliengut to Rothusen; 1379 verkaufte ein Evert von der Leyten ein Stück Heideacker an die Kirche zu Wattenscheid. Theodorus, Everhard und Henricus von Leytene sind die Stifter des Primissariates in Wattenscheid, des„Benefitium ss. Nicolai et Hereberti!“ Von den Herren von Leithe ging das Gut an die Grafen von Nesselrode, von diesen an die Familie von Hövel, dann an Johann Rotger von Asbeck über. 1727 kam es an Konrad von Strünkede zur Dorneburg. 1753 kaufte es der königl. Preuß. Hauptmann von Isselstein; eine Votivtafel mit Isselsteinschen Wappen in der alten luth. Kirche zu Wattenscheid meldet:„Joh. Maurit. von Isselstein, Königlicher Preußischer Leutnant zu Pferde, geboren anno 1661, obiit 1739, aetatis 79“.(Wir haben noch kürzlich in der hochinteressanten geschichtlichen Arbeit über Leithe von Dr. Schulte Näheres über die Entwicklung von Leithe veröffentlicht. D. Red.) Die Einkünfte der Kirche zu Wattenscheid sind in dem Register zu 11 Mark geschätzt, während für Bochum 25, für Hattingen und Schwerte je 12, für Witten 4 Mark angesetzt sind. 1466 erscheinen urkundlich als Zeugen einer VikarieGründung in Wattenscheid nebeneinander der Pfarrer Bernard Buschmann zu Wattenscheid und der Dechant (decanus christianitatis Wattenscheidensis) Heinrich; jener siegelt mit dem auch 1439 und 1458 gebrauchten Parfarere, dieser mit dem großen Dekanats=Siegel. 1763 wurde für den Dechanten Pfarrer Wellig zu Rhynern Rarbach, Pfarrer zu Hemer, zum decanus christianitatis Wattenscheidensis erwählt. In der„Dekenye van Wattenscheyde" bestand im 13. und 14. Jahrhundert eine„Klauder=Broderschop(Kaland) von Presteren und Broderen“, für welche 1439 und 1515 je eine Rente gestftet wurde. S 4s— dr#. Im Laufe der Zeiten wurden mit dem Wachsen der Bevölkerung immer neue Teile abgetrennt. Die letzte Teilung Bei allen diesen Bauten stand der Jubilar an der Spitze, indem er nicht nur mit Bienenfleiß die nötigen Gelder sammelte, sondern auch für eine gute Ausführung und eine angemessene Ausgestaltung der neuen Kirchen und Pfarreien Sorge trug. Auch unsere herrliche Gertrudiskirche wurde von ihm nicht vergessen. Der wuchtige, kupfergedeckte Turm, die künstlerisch hervorragende Bemalung und viele ausgezeichnete Andachts= und Schmuckgegenstände, sowie praktische Neuerungen verdanken wir seiner Initiative und seiner Arbeit. Alle von ihm geschaffenen Kultusstätten zeugen von seinem feinen Kunstverständnis und praktischem Sinn; sie müssen zum Teil, wie z. B. die schmucke Sevinghausener Kirche und das im Entstehen begriffene stilvolle Leither Gotteshaus als hervorragende Baudenkmäler bezeichnet werden, die noch in fernen Zeiten von dem Wirken des Jubilars ein ehrenvolles Zeugnis ablegen werden. Die vorstehend geschilderte Arbeit, so schwer sie auch sein mochte, hielt ihn jedoch nicht ab, besonders auf dem Gebiete der christlichen Nächstenliebe eine reichgesegnete Tätigkeit zu entfalten. Er erbaute an der Steelerstraße das große Waisenhaus und unterhält dieses mit liebevoller Sorgfalt und unter erheblichen persönlichen Opfern. Dieses von Vinzentinerinnen geleitete menschenfreundliche Institut gewährt ca. 130 heimatlosen und verwaisten Kindern Unterkunft, Pflege und Nahrung, ferner auch eine gute Erziehung, um sie so zu treuen Christen und brauchbaren Menschen heranzubilden. Gerade das Waisenhaus ist dem Jubilar besonders ans Herz gewachsen, und es war für ihn eine kaum zu beschreibende Freude, als er den Beschluß seiner Pfarre vernahm, ihm als Jubiläumsgeschenk eine Spende für sein Waisenhaus zu überreichen. Seine sich hier offenbarende herzliche Fürsorge für die Jugend zeigte sich auch im besonderen Maße bei seiner Tätigkeit im Dienste der Schulen. Ganz durchdrungen von einem hohen Verantwortlichkeitsgefühl als Seelsorger und Jugenderzieher hat er als Schulinspektor und als Mitglied der Kuratorien unseres Gymnasiums und der höheren Mädchenschule gar vieles für die Entwickelung unserer Schulen getan. Der Jugend war er stets ein liebevoller Erzieher und den Lehrpersonen ein kluger Berater, sodaß er auch auf diesem schwierigen und dornenvollen Gebiete zu jeder Zeit schöne Erfolge zu verzeichnen hatte und insbesondere die Herzen der leichtempfänglichen Kinder für sich einzunehmen wußte.„ 4 f Wie die Liebe zur Jugend ein Ausfluß seines niefreligiösen Charakiers ist, so entspringt diesem nie versiegenden Born auch sein stets hülfsbereiter Sinn für Kranke und Arme, für die er immer eine offene Hand zu haben pflegte. Ein sichtbarer Beweis für diese Liebestätigkeit ist das an der Parkstraße gelegene St. Marienhospital. Klein und unscheinbar war das Krankenhaus bei dem Amtsantritt des Jubilars, während es jetzt durch größere Neubauten einen umfangreichen Gebäudekomplex darstellt. Die Zahl der Betten wurde von 73 auf 200 erhöht und eine der modernen Wissenschaft entsprechende Einrichtung geschaffen. 3 Aerzte, davon 2 in festen Diensten des Hauses, spenden den Kranken, deren Zahl im Vorjahre gegen 1000 betragen hat, ärztliche Hülfe, während eine große Schar von Krankenschwestern aus dem Orden der Vinzentinerinnen die Wartung und Pflege besorgt. Was endlich Domkapitular Hausmann für die Armen und Bedrängten getan hat, das wissen nur diese und Gott, der ihm die Wohltaten später in reicher Weise belohnen wird. Ein großes Feld der Betätigung für die schier unermüdliche Arbeitskraft des Jubilars ist auch das katholische Vereinsleben. In richtiger Erkenntnis unserer materiellen Zeit, in der alles auf Organisation und Konzentration der verfügbaren Kräfte drängt, hat er die kathol. Vereine erfolgte am 1. Oktober 1908, worüber die„Wattenscheider Zeitung" s. Zt. wie folgt berichtete: In Herne fand gestern unter dem Vorsitze des hochw. Bischofs Wilhelm von Paderborn die nach dem concilium Tridentinum vorgeschriebene Dekanatskonferenz der Dekanate Wattenscheid und Bochum statt. Nach einem feierlichen Hochamte trat die hochw. Geistlichkeit der beiden Dekanate im Hotel Schmitz zu einer Konferenz zusammen. Es wurden zunächst die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt, worauf der hochw. Bischof Wilhelm die Teilung des großen Dekanats Wattenscheid bekannt machte, die derart erfolgen wird, das die 7 Pfarreien der Großstadt Gelsenkirchen und des Ortes Rotthausen zu einem eigenen Dekanat Gelsenkirchen erhoben werden. Zum Dechanten des Dekanats Wattenscheid wurde auf Vorschlag des Definitors Schneider von Eickel unter Zustimmung des hochw. Bischofs Propst Hausmann von hier gewählt. Zum Dekanat Wattenscheid gehören nach der Abtrennung der Kirchen von Gelsenkirchen und Rotthausen noch folgende Kirchen und Gemeinden: Wattenscheid, Gertrudisund Josephskirche, Höntrop, Sevinghausen, Günnigfeld, Röhlinghausen, Eickel und Wanne. Die älteste Steinkirche Wattenscheids war 1635 durch den Brand, der fast die ganze„Freiheit“ Wattenscheid zerstörte, eingeäschert. Es ist nur der uralte Taufstein, der jetzt noch in Benutzung ist, erhalten. Die abseits von dem Essen=Steele=Bochumer Helwege gebaute Kirche wurde auf einer hügelartigen Landzunge, welche im Süden und Westen die Niederung des Mühlenbaches, im Norden dagegen ein nach Westen verlaufender Abflußbach deckte, errichtet; der erhöhte Platz der jetzigen kath. Kirche, dessen Festungsbezirk früher auch das Pfarrhaus einschloß, heißt noch jetzt die Papenburg. Die jetzige prachtvolle Gertrudispfarrkirche, welche 1904 zur Propsteikirche erhoben wurde, ist im Jahre 1868—70 von Pfarrer Menke anstelle der 3schiffigen Hallenkirche erbaut und von Domkapitular Propstdechant Hausmann prächtig ausgestattet worden. Vorstehend bringen wir ein Bild der Gertrudiskirche. Die St. Gertrudis=Pfarrei zu Wattenscheid umfaßte mit ihrem Sprengel die Bauerschaften Aschenbrock, Hüllen, Bulmke und Braubauer(teilweise), Günnigfeld, Sevinghausen mit Stalleiken, Westenfeld, Höntrop und Ueckendorf sowie Haus Leithe. 1859 wurden unter Pfarrer Menke Braubauerschaft und Bulmke ganz dem Kirchspiel Gelsenkirchen einverleibt, dann unter Domkapitular Hausmann Hüllen, Höntrop, Günnigfeld und Ueckendorf. Von Pfarrern der kath. Pfarre Wattenscheid werden folgende genannt 1439—58 Joh. Wintershol, 1466—89 B. Buschmann, 1504—26 Joh. Kulenberg, 1548—65 Sander Meck, 1582—93 Herm. Volmar, dann 1653 Höveker, 1655 bis 1671 Adolf Nedelma aus Essen, 1681—1708 Michael Svenius, 1719 Bauman, 1746—53 Friedr. Kalcker, 1765 Probst, 1787 bis 1820 Brockhoff, 1820—58 Zilikeu, 1859—70 Menke, dem 1874—87 Tellers, 1888 Domkapitular Propstdechant Hausmann folgte. gepflegt, die vorhandenen ausgebaut und gestärkt und weiter eine große Anzahl von neuen Organisationen geschaffen. Er hat Glied an Glied gefügt und allmählich seine ganze Pfarrei mit einem Netz von Vereinen religiöser, sozialer und charitativer Natur umsponnen. Ueber seine Fürsorge für die kathol. Vereine wird u. a. von berufener Seite in„Kathol. kirchlichen Nachrichten“ geschrieben:„Sein praktischer Sinn erkannte klar, welch ein zeitgemäßes Förderungsmittel der Seelsorge die kirchlichen Vereine sind. Ihnen galt daher auch seine eifrige Unterstützung. Der Vinzenzverein erfuhr durch ihn die oppurtune Teilung in 3 Konferenzen. Er gründete den Elisabethverein, der heute 4 Konferenzen zählt. Durch Gründung des kathol. Volksvereins gliederte er seine Gemeinde ein in die großartige, imponierende Organisation aller Katholiken Deutschlands. In besonderer Weise nahm er sich des christlich=sozialen Arbeitervereins an und leitete selbst als Präses bis in die letzten Jahre hinein den Jungfrauenverein und den Frauenverein. Unter ihm entstand einer der wichtigsten Vereine aller Seelsorge, der Mütterverein. In der richtigen Erkenntnis, daß alles Heil unserer verwirrten Zeitverhältnisse einzig und allein vom Weltenheiland Christus ausgehen könne, suchte er die christliche Männerwelt in unmittelbare Nähe Jesu zu ziehen durch die Organisation des Herz=Jesu=Männervereins. Der Sodalität der schulentlassenen männlichen Jugend gewährte er zuerst ein Heim im Waisenhause. Als sich dieses zu klein erwies, pilgerte der Verein auf der Suche nach einem geeigneten Versammlungslokal von einem Wirtshaus zum anderen, bis er vor einigen Jahren ein bleibendes Heim fand in dem von dem Jubilar geschaffenen Vereinshause neben der Gertrudiskirche. Seinem klugen Rate, seinem freundlichen Entgegenkommen und seiner wirksamen Mithilfe ist es zu danken, daß Wattenscheid jetzt ein Gesellenheim im„Kolpinghaus“ besitzt. Er hat es nicht versäumt, der Kirchengemeinde zeitig wertvolle Grundstücke zu erwerben. Auch alle anderen Vereine, wie der St. Antonius=Knappenverein etc. erfuhren durch ihn eifrigste Förderung. Noch in letzter Zeit wurden unter seiner tätigen Mitwirkung ein Fürsorgeverein für die weibliche und männliche Jugend gegründet.“ Die rastlose Arbeit des Domkapitulars Hausmann hob ferner das Ansehen und die Bedeutung der Wattenscheider Pfarre, was auch dadurch zum Ausdruck kam, daß die Gertudiskirche am 12. Oktober 1904 durch den hochw. Bischof Dr. Schneider zur Propsteikirche erhoben und der bisherige Pfarrer zum Propste ernannt wurde. Der Jubilar erwarb sich nicht nur die Verehrung und Liebe seiner Pfarrangehörigen, sondern lenkte auch, was bei seinen Erfolgen ganz selbstverständlich ist, die Aufmerksamkeit der kirchlichen und weltlichen Behörden auf sich, die ihn in mancherlei Beziehung auszeichneten. 1907 wurde ihm von Sr. Majestät, dem Kaiser der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen und im Jahre 1900 erhielt er einen ehrenvollen Ruf in das Paderborner Domkapitel. Seine bekannte Anhänglichkeit an seine geliebte Pfarre und seine demutsvolle Bescheidenheit ließen ihn den hochw. Bischof bitten, von der letzteren Berufung abzusehen. Am 1. Okt. 1908 bei der Teilung des Dekanates Wattenscheid erfolgte seine Ernennung zum Dechanten und im vergangenen Jahre die zum Ehrendomherrn an der Kathedralkirche zu Paderborn. Gerade die letztere Auszeichnung, welche nur selten erteilt wird, zeugt davon, in welch hohem Ansehen er bei der bischöflichen und staatlichen Behörde steht. So hat Domkapitular, Propstdechant Hausmann in den 25 Jahren seiner Tätigkeit in Wattenscheid in geradezu bewunderungsvoller Weise sein verantwortungsvolles und arbeitsreiches Amt verwaltet. Möge ihn Gott, der Herr, segnen, und die Bitte seiner Pfarrkinder erhören, daß der Jubilar der Pfarrei in der bisherigen Jugendfrische und Rüstigkeit noch lange erhalten bleiben möge, zum Besten der Kirche, unserer Stadt und des Vaterlandes. Die letzten Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde Wattenscheid. (Nachdruck und Verwertung verboten.) Zur Zeit des Sturzes der Napoleonischen Herrschaft und zu Beginn der preußischen Landeshoheit war Pfarrer Anton Brockhoff erzbischöflicher Kommissar und Parochus der St. Gertrudis=Kirche in Wattenscheid. Derselbe war noch von der letzten Fürst=Aebtissin der Abteien von Essen und Thorn*), Maria Cunigunde ernannt, da zur Kur=Kölnischen Zeit die jeweilige Aebtissin von Essen Patronatsrechte an der Pfarrstelle zu Wattenscheid hatte. Pfarrer Brockhoff wirkte hier sehr segensreich von 1778 bis zu seinem Tode; er starb am 8. September 1820 infolge von Schwindsucht, 67 Jahre alt.— Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Fürst=Aebtissin Maria Cunigunde von 1775—1803 in Essen regierte. Sie war die Schwester des letzten Kurfürsten von Trier, Clemens Wenzeslaus und geb. Prinzessin von Pfalz=Zweibrücken, Königliche Prinzessin von Sachsen, Polen und Lithauen, des hl. Römischen Reiches, Fürstin und Aebtissin von Essen und Thorn, Herzogin zu Jülich, Cleve=Berg, Engern und Westfalen, Landgräfin von Thüringen, Markgräfin zu Meißen, der Ober= und Niederlausitz, gefürstete Gräfin zu Henneberg, Gräfin zu Mark, Ravensberg, Barby und Hanau, Herrin von Breisig, Rellinghausen, Urbach und Huckarde. Nachdem das Hochstift Essen am 3. Aug. 1803 an Preußen übergegangen war, siedelte sie nach Wien über, wo sie am 8. April 1826 gestorben ist. Ihr erster Minister und Oberhofmeister war Freiherr Clemens Alexander von Asbeck, Herr der Rittergüter Lyren und Rosthausen(b. Eickel), geb. am 17. Mai 1722, gest. 3. Okt. 1838. Er ruht auf dem alten Friedhofe zu Essen gegenüber dem Eingang an der Hecke, welche die Grenze zum Krupp'schen Totenhof bildet(ein Grabstein schmückt seine Gruft). Der Nachfolger des Pfarrers Brockhoff war Pfarrer Johann Heinrich Zilliken, geb. am 20. Nov. 1766 zu Hasselweiler (Kr. Jülich). Nach Absolvierung seiner humanistischen Studien trat er in das Benediktinerkloster Knechtsteden bei Neuß ein, woselbst er am 12. Juli 1792 die hl. Priesterweihe empfing. Der junge Konventual wurde bei dem großen Priestermangel der damaligen Zeit zur Seelsorge und Aushülfe bei der Weltgeistlichkeit von seinen Oberen besonders in der Grafschaft Mark, die nach Kur=Köln gehörte, verwendet. Er wurde am 1. März 1797 zum Pfarrer von Kirchlinde bei Hörde ernannt und am 10. Dez. 1820 als Pfarrer nach Wattenscheid berufen. Er war ein sehr frommer, eifriger und seelensguter Priester, weshalb ihn der damalige Bischof Franz Egon v. Fürstenberg in Paderborn im Jahre 1824 zur Würde eines Ehren=Domherrn an der Kathedrale zu Paderborn erhob. Am 12. Juli 1842 feierte er unter der jubelnden Teilnahme der Pfarre u. Bürgerschaft sein goldenes Priesterjubiläum und am 12. Juli 1852 das diamantene Jubelfest. König Friedrich Wilhelm 3. erkannte seine Verdienste um Kirche, Schule und Staat durch Verleihung des Roten Adlerordens 3. Klasse an. Er starb am 26. Dez. 1858 im hohen Alter von 92 Jahren, *) Das freiwillige Damenstift Thorn lag im Bistum Lüttich in der Grafschaft Hoorn an der Maas. 1 Mon. und 5 Tagen, betrauert von allen seinen Pfarrkindern, welche ihn hoch verehrten und mit großer Liebe und Zuneigung an ihm hingen. Ihm folgte der Pfarr=Dechant Theodor Menke. Derselbe war geboren am 11. Nov. 1812 zu Schildesche(Kreis Bielefeld). Er wurde zum Priester geweiht zu Paderborn am 17. Aug. 1837 vom damaligen Weihbischof Richard Clemens Freiherr von Ledebour=Wicheln. Nachdem der Neopresbyter zunächst 7 Jahre als Kaplan in Brilon beschäftigt war, wo er am Progymnasium als Religionslehrer und Ordinarius der Sexta tätig war, wurde er im Frühjahr 1845 zum Pfarrer von Niederwengern(Kr. Hattingen), ernannt. Dort wirkte er bis 1854 und baute auch die baufällige Pfarrkirche daselbst um. Im Sommer 1854 wurde er zum Stadtpfarrer in Brilon ernannt. Nach 5jähriger segensreiher Wirksamkeit daselbst wurde ihm die Pfarrstelle in Wattenscheid übertragen, welche Stelle er am 6. Okt. 1859 antrat. Mitarbeiter in der Seelsorge waren hier damals, als die kath. Pfarrgemeinde Wattenscheid 3627 Seelen, etwa 2500 Kommunikanten und 512 Schulkinder zählte, Primissar Peter Schulte, der Vater aller Armen und Bedrängten, der am 17. August sein goldenes Priesterjubiläum feierte und am 31. März 1890, 85 J. alt, gestorben ist; ferner Vikar Eduard König und Schulvikar Franz Nolte in Höntrop. Ein Beweis, wie sehr Pfarrer Menke es verstanden hat, sich auch die Verehrung seiner Amtsbrüder zu erwerben, liefert die Tatsache, daß er im Herbst 1867 zum Dechanten und Kreisschulinspektor des Dekanats Hagen, wozu damals das jetzige ganze Dekanat Bochum sowie das jetzige Dekanat Wattenscheid gehörte, gewählt wurde. Sein größtes Verdienst hat er sich durch den Bau unserer herrlichen Propsteikirche erworben. Trotz vieler, ihm in den Weg gelegter Schwierigkeiten u. heftiger Opposition hat Pfarrer Menke den stolzen Neubau nach den Regeln der gothischen Baukunst fertig zu stellen vermocht, ohne die ärmeren Pfarrangehörigen mit Kirchensteuern, welche die Katholiken Wattenscheids damals noch nicht kannten, zu belasten. Durch den Bau der domartigen 5schiffigen Gertrudiskirche hat sich Pastor Menke eine Denkmal aere perennius bei den Katholiken Wattenscheids geschaffen. Am 10. Mai 1872 wurde die neue Pfarrkirche durch den damaligen Bischof Conrad Martin feierlichst eingeweiht. Pfarrer Menke entschlief nach längerer Krankheit am 22. Juli 1874, tiefbetrauert von der ganzen kath. Kirchengemeinde Wattenscheid. Zu seinem Nachfolger wurde der allbeliebte Pfarrer Carl Tellers, der damalige Anstaltsgeistliche des Erziehungshauses Steinfeld(Reg.=Bez. Aachen) berufen, welcher die Pfarre Wattenscheid am 1. Oktober 1874 antrat. Dieser war geboren am 16. Oktober 1835 zu Braunsrath(Kr. Heinsberg). Nach Absolvierung des Gymnasiums in Neuß im Herbst 1855 und seiner Universitätsstudien wurde er zum Priester geweiht am 29. Aug. 1859 vom Kardinal=Erzbischof Geißel zu Köln. Zuerst wirkte er volle 5 Jahre als Religionslehrer am Progymnasium zu Wipperfürth und sodann seit 8. Febr. 1864 als Anstaltsgeistlicher an der Erziehungsanstalt Steinfeld in der Eifel. Während des französischen Feldzuges, gleich nach der Besitzergreifung des Elsaß im Jahre 1870 wurde Pfarrer Tellers zur Reorganisation der Lehrer=Seminare nach Straßburg berufen, wobei er auch als Seelsorger in Feldlazaretten wirkte und mit dem eisernen Kreuz dekoriert wurde. Nachdem er seine dortige Mission zur vollsten Anerkennung der geistlichen und weltlichen Behörden erfüllt hatte, trat er für kurze Zeit in seinen früheren Wirkungskreis in Steinfeld zurück, um am 1. Okt. 1874 die hiesige Pfarrstelle anzutreten. Durch seine herrlichen Charaktereigenschaften, durch sein liebenswürdiges, bescheidenes Auftreten, durch sein glänzendes Redetalent eroberte er sich im Fluge die Herzen aller, die mit ihm in Berührung kamen. Dabei hatte er namentlich für die Armen stets eine offene, freigebige Hand. Er hat hier sehr segensreich gewirkt und viel Gutes geschaffen. Erwähnt sei noch besonders, daß er den inneren Schmuck und die prächtigen Dekorationsmalereien in der Pfarrkirche aus eigenen Mitteln bestritten hat. Im Herbst 1887 wurde er durch den Bischof Franz Caspar Drobe, der seine großen geistigen Fähigkeiten zu schätzen wußte, als Domkapitular an die Kathedrale zu Paderborn berufen. In der Erinnerung aller ist noch das schöne Fest vom 18. Aug. 1887, wo die Abschiedsfeier des Pfarrers Tellers, das goldene Priesterjubiläum des Primissars Schulte und das silberne Priesterjubiläum des Rektors Schwarze gefeiert wurde. Das Festkomitee veröffentlichte damals in der Wattenscheider Zeitung ein halbseitiges Festprogramm. Die Feier der Investitur des Domkapitulars Tellers in der Domkirche zu Paderborn fand am 15. Oktober 1887 durch den damaligen Weihbischof Dr. Freusberg statt. Auch in der Paderstadt hat sich der Verewigte schnell die Sympathien aller Kreise zu erwerben gewußt. Im Jahre 1892 wurde er vom damaligen Bischof Simar zum Groß=Pönitentiar u. zum geistlichen Rate ernannt. Im Jahre 1891 stand der Verblichene auf der Bischofsliste; er lehnte jedoch wegen seines Halsleidens seine Aufstellung zur engeren Wahl ab. Kaum 10 Jahre nach seiner Berufung nach Paderborn erlag er seiner andauernden Kränklichkeit; er erkrankte in Rüthen, wo er als bischöflicher Kommissar am dortigen Seminar einer Lehrerprüfung beiwohnte und starb daselbst am 3. Juni 1897 infolge hinzugetretenen Schlaganfalles nachmittags 4 Uhr. Nach der Erhebung des Pfarrers Tellers zum Domkapitular in Paderborn blieb die Pfarrstelle einige Zeit unbesetzt, während welcher Zeit Vikar Josef Hansknecht als Pfarrverweser fungierte. Am 22. Febr. 1888 wurde die Pfarre vom damaligen Bischof Franz Caspar Drobe unserm jetzigen hochw. Propst Hausmann übertragen, dessen feierliche Einholung und Einsetzung am 2. Aug. 118 bettond. Ernährungsfehler sollen von Frauen besonders in der Zeit der Niederkunft vermieden werden, und das beste Mittel dagegen ist eine gute gesundheitsfördernde Kost, die die Verdauungsorgane nicht beschwert. Das nahrhafte und leicht verdauliche„Kufeke" bewirkt eine geregelte Verdauung und wird als Wassersuppe oder mit Milch, Kakao, Bouillon, mit Suppen oder Gemüsen selbst von verwöhnten Personen gern genommen. Verlangen Sie in der nächsten Apotheke oder Drogerie die Gratisbroschüre„104„Kufeke“=Kochrezepte“. 1 Wahl des Ausschusses für die allgemeine Ortskrankenkasse des Amtes Wattenscheid. Der Termin zur Wahl von Mitgliedern des Ausschusses und deren Ersatzmänner wird hiermit auf Sonnabend, den 27. September d. Is., abends 6½ Uhr beginnend, im Lokale des Wirts Heinrich Schmidt zu Westenfeld anberaumt. Für die Arbeitgeber wird die Wahlzeit von Abends 6½ Uhr bis 7½ Uhr und für die Versicherten von 8 bis 10 Uhr Abends festgesetzt. Es sind 6 Vertreter und 6 Ersatzmänner von den beteiligten volljährigen Arbeitgebern und 12 Vertreter und 12 Ersatzmänner von den beteiligten volljährigen Versicherten je aus ihrer Mitte und zwar getrennt zu wählen. Die Wahlberechtigten— volljährige Arbeitgeber und volljährige Versicherte— werden hierzu mit der Aufforderung eingeladen, zunächst ihre Wahlvorschläge— getrennt für Arbeitgeber und Versicherte, und getrennt für Vertreter und Ersatzmänner— dem Kassenvorstande einzureichen. Es wird hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß nur solche Wahlvorschläge berücksichtigt werden können, die spätestens vier Wochen vor dem Wahltag— also bis zum 29. August d. Is.— dem Vorstand eingereicht sind und daß die Stimmabgabe bei der Wahl an diese Wahlvorschläge gebunden ist. Bei der Wahl sind demnach diejenigen Stimmzettel ungültig, die nicht mit den rechtzeitig eingereichten und vom Vorstande zugelassenen Wahlvorschlägen übereinstimmen. Jeder Wahlvorschlag darf nur soviel Bewerber benennen, als Vertreter und Ersatzmänner zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber sind unter fortlaufender Nummer aufzuführen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung ausdrückt, auch ist Familien= und Vornamen, Beruf und Wohnort zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschlägen für Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei Wahlvorschlägen für Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur erforderlich, soweit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 der Reichsversicherungsordnung zur Ablehnung der Wahl befugt ist. Jeder Wahlvorschlag muß ferner mindestens von 10 Wahlberechtigten der betreffenden Gruppe(Arbeitgeber oder Versicherte) unterzeichnet sein. Die Wahlvorschläge können nach ihrer Zulassung vom 5. September d. J. ab von den Wählern im Geschäftslokal der Kasse(Amtshaus in Westenfeld, Zimmer Nr. 3) werktäglich, vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 5 Uhr eingesehen werden. Dort liegen auch die Arbeitgeber= und Mitgliederverzeichnisse vom Tage dieser Bekanntmachung ab zur Einsicht der Beteiligten aus. Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus dem Arbeitgeber= und Mitgliederverzeichnis ergebenden Wahl= und Stimmberechtigung sind bei Vermeidung des Ausschlusses spätestens vier Wochen vor dem Wahltag— also bis zum 29. August d. Is.— unter Beifügung von Beweismitteln bei dem Vorstande einzulegen....“, 8 Da der Wahlausschuß befugt ist, vie Wahl= und Stimmberechtigung jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen, so wird den Wählern empfohlen, einen Ausweis zur Wahlhandlung mitzubringen. Die Stimmzettel müssen von weißer Farbe und müssen 16½ cm zu 21 cm groß sein. Stimmzettel, die von diesen Bestimmungen abweichen, sind ungültig. Ungültig sind ferner die Stimmzettel, die mit keinem der zugelassenen Wahlvorschläge übereinstimmen oder die oder deren Umschläge ein Merkmal haben oder die unterschrieben sind. Dasselbe gilt von Stimmzetteln, die sich in einem nicht mit dem Stempel der Kasse versehenen Umschlag befinden. Die Umschläge zu den Stimmzetteln werden bei der Wahlhandlung vom Wahlvorstande verabfolgt. Schließlich wird darauf hingewiesen, daß, falls nur ein Wahlvorschlag mit der erforderlichen Zahl von Bewerbern eingereicht wird, diese Bewerber als gewählt gelten und eine besondere Wahl dann nicht mehr erforderlich ist. Formulare zu Wahlvorschlägen können im Kassenlokal in Empfang genommen werden. Wattenscheid, den 2. August 1913. Ortskrankenkasse des Amtes Wattenscheid. Der Vorsitzende: H. Schroer. G sämtliche Drahtwaren wie Stacheldraht, Wiesendraht Hafersiebe, Aschesiebe u. s. w. Garten-Geräte in großer Auswahl. Garten- und Feldsamen in bester keimfähiger Ware. Guano und Chili empfiehlt Telelon iso Mich. Böhmer, wesstr. 9 Haus-, Küchengeräte und Eisenwaren. POTTPGTGF J.& A. Lampferhoff Lindenallee 27. Essen-Rur. Gegr. 1840 Pianos Fluger Phonolaplanos::: Phonolaflügel: . Blechstein Bedux . H u p f e d Kaim Kaps Knauss Steinweg Kacht. Thürmer Kauf! Tausch! Mietel Reparaturen! Stimmungen! FEST-PROGRAMM zu der Feier des LojumPerts-Subhaume Sr. Hochw. des Herrn Domkapitulars und Propst-Dechant Hausmann zu Wattenscheid. Ai 9 □ Abends 9 Uhr: Samstag, den 2. August: Fackelzug. 1 Der Fackelzug nimmt mit der Spitze bei der Wirtschaft Mal auf der Bochumerstr. Aufstellung und bewegt sich über die Bochumer, Hoch-, Ost- und Südstraße zur Wohnung des Jubilars. Dortselbst: Ansprache, Vortrag von Liedern und Feuerwerk.— Die Relhenfolge des Fackelzuges ist folgende: 1. Musik. 2. Kirchliche Korporationen. 3. Vereinigte Kirchenchöre 4. Christl.-soz. Arbeiter-Verein. 5. St. AntoniusKnappenverein. 6. Musik. 7. lünglings-Sodalität(Propstei) 8. Kathol Kaufm. Verein Markania. 9. Volksverein. 10. Männer, die keinem Verein angehören. 11. Musik 12. Gesellen-Verein. 18 jünglings-Sodalität St. loseph. 14. Kirchbau-Verein St. Joseph. 15. St. Josephs-Arbeiter-Verein. 16. lünglings-Sodalität Sevinghausen. 17. Kirchbau-Verein Sevinghausen. 18. Kirchbau-Verein Leithe. 19. Musik. 20. Polen. Sonntag, den 3. August: Morgens 9.45 Uhr: Abholung des hochwürdigen Herrn Jubilars zum Festgottesdienst. Vormittags 10 Uhr: Festgottesdienst(Levitenhochamt mit Festpredigt). Mittags 12—1 Uhr: Gratulationscour in der Propstei. Mittags 1,30 Uhr: Festessen im Kaiserhof. Trockenes Gedeck Mk. 3. Die Liste zum Einzeichnen für das Festessen liegt im Kaiserhof aus. Nachmittage 5,30 Uhr: „ 8 in der Kronenburg an der Weststraße. Die Feier besteht in Musik- und Gesang-Vorträgen, Festrede, Ansprachen, Festgedichten, Reigen, lebenden Bildern und turnerischen Aufführungen der Turnabteilung der Sodalität(Propsteikirche), Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt. Die Bürger werden gebeten, sich recht zahlreich an dem Fest zu beteiligen und durch Flaggen der Häuser zur Hebung des Festes beizutragen. □ □ emplichlt in reicher □ I# RVOg und Flügel Auswahl zu beque- P#AIVISinaltbenährmen Bedingungen* TAGter Güte, BACH-PIANOLA-PIANOS d. h. 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Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet:; (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, bevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Semsensenen : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts; : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin zi — Graze Velage:„Illustriertee Somntagsblatt.=(Gseig). 1 wlagen ausgeschlohen. Ergag er Fehung bei Jahung setot nuch Zeitung“ erhalten bei ködlichen Unfällen 425 Mi. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Adr.: Zeitung. Teleson 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8o00.. Wetteraussichten. Wetter für Sonntag. Abwechselnd heiter und bewölkt, Regen nicht wahrscheinlich. Aus Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 2. August. Zur Propstfeier! * Die herrlichen Ausschmückungen der Stadt aus Anlaß des 25jährigen Ortsjubiläums des hochw. Ehrendomherrn Propstdechanten Hausmann, auf die wir schon gestern hingewiesen haben, nehmen ihren Fortgang und werden sich heute zu einer eindrucksvollen Gesamtdekoration gestalten. Die Südstraße von der Propstei bis zur Kirche wird in eine wahre via triumphalis umgewandelt. Besonders schön wird heute Abend der Fackelzug werden. Er wird beim Glanz der Fackeln ein Gesamtbild geben von der einheitlichen Macht der kath. Vereine. Vor der Begrüßungsansprache wird die unter Leitung des verehrten Chordirigenten Niesmann stehende vereinigte Schar der Chore der Propstei, von St. Josef, von Leithe und der des Knappenvereins, im ganzen 114 Sänger, das Ovationslied„Gott grüße Dich“ von Mücke vortragen. Nach der Rede wird noch ein Abendlied gesungen. Zur morgigen Feier hat in Vertretung des Bischofs der hochw. Generalvikar Klein aus Paderborn in besonderer Verehrung für den Jubilar seine Teilnahme zugesagt. Er wird auch das Hoch auf Papst und Kaiser ausbringen. Der Landrat und Polizeipräsident Dr. zur Nieden, der heute Abend nach England zur Erholung abreist, kann mithin zu seinem Bedauern nicht teilnehmen; er wird durch Regierungsassessor v. Kurnatowski vertreten werden. Auch Bürgermeister Wibberding hat seinen Urlaub angetreten; für ihn wird Beigeordneter Kampmann erscheinen und die Gratulation der Stadt darbringen. An weiteren Ehrengästen nehmen noch etwa 40 geladene Gäste teil, besonders die geistlichen Herren des dem Jubilar unterstellten Dekanats und der Nachbardekanate. Auch die Spitzen der Wattenscheider Behörden und andersgläubigen Konfessionen, so Pfarrer Engelbert, Gerichtsrat Naestrup, Gymnasialdirektor Professor Dr. Hellinghaus, Bergrat Müller u. a. haben ihr Erscheinen zugesagt. Bei dem Festmahl im Hotel Kaiserhof sind 150 Kouverts vorgesehen, so groß ist die Zahl der teilnehmenden Bürger und Gäste geworden. Von den Bergwerksdirektoren nehmen Assessor Althoff und Direktor Meyer teil. Generaldirektor Bergassessor Dütting ist bereits in Urlaub gereist. Für die in der Kronenburg vorgesehene Nachmittagsfeier, beginnend 5 Uhr, werden außer den verschiedenen Ansprachen auch die Lieder und Reigen und die turnerischen Darbietungen der Propsteisodalität gefallen, ebenso der von Fräulein Lehrerin Biederbeck verfaßte Prolog. Der Chor an der Propsteikirche wird unter Leitung des Lehrers Niesmann unter Orchesterbegleitung seitens der Schlotterhose'schen Kapelle mit dem Vortrag des berühmten Chores„Barbarossa“ aufwarten. Auch die übrigen Chöre werden ihre schönsten Gesänge erschallen lassen. Besonders schön ist auch das neueste Bild des Ehrendomherrn geraten, das Photograph Dahm aufgenommen hat und das in Lebensgröße seit heute Morgen im Schaufenster der Firma Schauerte, Oststraße, in sinniger Dekoration, geschmückt mit den kirchlichen Farben blau und gelb, und erg änzt mit Abbildungen der Propstei und der Propsteikirche, ausgestellt ist. Erwähnenswert ist noch, daß es in der großen, weiten Diözese Paderborn überhaupt nur 4 Ehrendomkapitulare gibt: Pfarrdechant Kühlmann in Wiedenbrück(installiert 1897), Pfarrdechant Goebel in Steinheim(installiert 1903), Pfarrdechant Gleitz in Mühlhausen (installiert 1908) und Propstdechant Hausmann(installiert 29. Januar 1913). Die dem Propst für das Waisenhaus zu überweisende Jubiläumsspende hat rund 5000 Mark ergeben; sie dürfte, da noch namhafte weitere Beiträge versprochen sind, noch im Laufe dieser Tage auf 8000 Mark anwachsen. Die Eröffnung der Badeanstalt. * Auf mehrfache Anfragen können wir heute mitteilen, daß die an der Kaiserstraße errichtete neue Badeanstalt am Mittwoch nächster Woche dem Verkehr übergeben wird. Kriegerverbandssache. * In der gestrigen Präsidialsitzung des West f. Kriegerverbandes, die in Dortmund im Fürstenhofe stattfand, wurde Ma jor Müller aus Münster zum ersten Verbandsvorsitzenden gewählt. Ein Buch für Beteranen und alle Vaterlandsfreunde. * Unsere städt. Volks=Bibliothek am Kaiserplatz hat nunmehr zu dem reichen Bestand an guten Büchern, der bekanntlich allen Einwohnern unentgeltlich zur Verfügung steht, mehrere Exemplare des von Landrat Gerstein bearbeiteten und von Landrichter Dr. Kracht=Bochum redigierten Veteranenbuches der Veteranen des Landkreises Bochum vom letzteren überwiesen erhalten. Das Buch ist reich illustriert und hat einen Kostenaufwand von 30000 Mark verursacht, der nur durch die Stiftungen der Zechen hat aufzebracht werden können. Auch wir haben schon einige benerkenswerte Auszüge aus dem Buche veröffentlicht. Die Schulferien in Wattenscheid. ** Die Hauptferien für die hiesigen Volksschulen beginnen am 6. August und dauern bis einschließlich 10. September. Der Schulschluß ist in den höheren Schulen am 5. August, sodaß die Ferien am 6. August beginnen. Sie erstrecken sich bis zum 15. September inklusive. Der Schulunterricht beginnt also erst wieder am 16. September. Ein Erfolg der K.=W.=V. * Die Kommunalwirtschaftliche Vereinigung hatte bekanntlich ein Gesuch an die Oberpoktdirektion in Dortmund gesandt, in welchem um Verbesserung der sehr schlechten Postbestellungen der unteren Hüllerstraße, sowie der Beisenkamp= und Heinrichstraße gebeten wurde. Die Eingabe hatte erfreulicherweise Erfolg, wie aus der nachstehend zum Abdruck gelangenden Antwort der Oberpostdirektion hervorgeht:„Vom 1. August ab werden die Hüllerstraße Nr. 45 bis 113, die Beisenkampstraße und die Heinrichstraße dem Ortsbestellbezirk des dortigen Postamts zugeteilt werden. Zur Einrichtung einer mehr als 2maligen Werktagsbestellung dortselbst liegt aber wegen des geringen Postverkehrs ein allgemeines Bedürfnis nicht vor.“— Auf das Gesuch hin bestellt jetzt der Ortsbriefträger 8,45—9,30 Nm. die Hüllerstr. 43,1—113 und Beisenkampstr., 3,45—5,30 Nm. desgl. Wie von der Oberpostdirektion mitgeteilt, liegen bislang für die Bestellung 10.30 Nm. und 6,0 Nm. zu wenig Sendungen vor. Wenn die Zahl der Sendungen zunimmt, läßt sich vielleicht noch eine 3. Bestellung 7,30 bis 8,0 Nm. ermöglichen. Die Jubiläumsflugwoche in Gelsenkirchen. * Der nächste Start ist am Samstag nachmittag 4,30 Uhr. Zunächst kommen bis 6 Uhr Wettbewerhe um den Früh=, Dauer= und Höhenpreis, dann von 6½ bis 7½ Uhr die Rennen nach der Scholver Heide und von 7½ bis 8½ Uhr wieder Dauerflüge: Das Programm des letzten Flugtages, des Sonntags, entspricht genau dem des Samstags. Diebstahl. * Bei dem in der Bismarckstraße wohnenden Kostgänger Hardt wurde in seiner Abwesenheit ein Diebstahl verübt. Ein Dieb drang in sein Zimmer und entwendete eine Taschenuhr sowie etwas Bargeld. Es wurde ein der Tat verdächtiger Arbeiter festgenommen, dann jedoch wieder aus der Haft entlassen, da sich der Verdacht nicht bestätigte. Selbstmord eines Attentäters. * In der vergangenen Nacht schoß der 25jähr. Bergmann Kaminski, im benachbarten Rotthausen mit einem Revolver auf einen Personenzug Dortmund—Essen. In demselben Augenblick wurde er von der Polizei gefehen. Er flüchtete, richtete die Schußwaffe gegen sich selbst und erschoß sich angesichts der heibeieilenden Polizisten. Kleine lokale Nachrichten. * Versammlung hat morgen nachm. 5 Uhr der Krieger=Verein Kaiser=Wilhelm im Restaurant Koch, 4 Uhr der Evgl. Knappenverein im Restaurant Recke, 4 Uhr der Kriegerbund(Rörig), der Ziegenzuchtverein 4,30 Uhr im Restaurant Floren. * Dem hiesigen Gerichtsgefängnis wurde der steckbrieflich verfolgte Arbeiter Michael F. zugeführt, der gestern in Westenfeld festgenommen wurde. Er hat wegen Verübung von groben Aergernisses eine 10tägige Haftstrafe zu verbüßen. Vorführung von Explosionen. * In Derne, nördlich von Dortmund, im Gebiet der Schächte der Harpener Bergbaugesellschaft, ist eine Versuchsstrecke zur Erforschung und Prüfung der Ursachen und Wirkungen von Explosionen und ähnlichen Vorgängen im Bergbau errichtet. Solche Einrichtungen der Knappschaftsberufsgenossenschaften und der Westfälischen Berggewerkschaftskasse zur Bekämpfung der Gefahren in den Gruben haben gerade im niederrheinisch=westfälischen Steinkohlenbergbau eine große Aufgabe zu lösen; denn die letzten Jahre, besonders das Jahr 1912, waren reich an opferschweren Explosionen. Im Ruhrgebiet verloren im Jahre 1912 durch Explosionen von Schlagwettern 188 Vergleute ihr Leben; davon in einem Fall, Zeche Lothringen, gleichzeitig 114 Mann, in andern Fällen gleichzeitig 49, 16, 5 und 3 Bergleute. Unter diesen Verhältnissen ist es leicht verständlich, daß die Versuchsstrecke in Derne bei den Bergwerksbesitzern reges Interesse findet, und daß sie alle notwendigen Mittel für solche Versuche stets zur Verfügung stellen. Die Mitglieder des Vorstandes der Knappschaftsberufsgenossenschaft begaben sich nach ihrer jüngsten in Dortmund abgehaltenen Sitzung nach Derne, besichtigten die Versuchsstrecke und ließen sich Versuche in der Strecke vorführen. Wie der Kompaß berichtet, wurde zuerst eine reine Kohlenstaubexplosion vorgeführt. Es wurden in der 100 Meter langen Strecke vom zwölften Meter an auf die Seitenbretter im ganzen 88 Kilogramm von dem feinsten Fettkohlenstaub gestreut, sodaß auf 1 Meter Länge 1 Kilogramm Staub kam. In der davor errichteten Explosionskammer der Strecke wirbelte man zur Einleitung der Zündung 8 Liter dieses Staubes auf. Gezündet wurde mit einer Ladung von 200 Gramm Gelatinedynamit. Die Explosion ging durch die ganze Strecke, verlief aber unter mehrmaligem Hinund Herwallen verhältnismäßig langsam, ihre Dauer betrug rund 4 Sekunden. Die Explosionsflamme schlug 10 Meter aus dem Mundloch der Strecke heraus. Dann wurden vorgeführt eine durch eine Schlagwetterexplosion ein. geleitete Kohlenstaubexplosion und die Wirksamkeit einer Gesteinsstaubbarriere gegenüber einer heftigen Kohlenstaubexplosion. Als Gesteinsstaub benutzte man fein gemahlenen Schieferton aus der Ziegelei der Zeche Gneisenau. Schließlich wurden noch Proben von Lampenuntersuchungen gezeigt; diese Proben gaben ein Bild, wie wesentlich die Durchblasesicherheit der Lampen durch Verwendung von doppelten Drahtkörben erhöht wird. Im Anschluß an diese Versuche erklärte sich der Vorstand. damit einverstanden, daß oiese versuchsstrecke der Knappschaftsberufsgenossenschaft um weitere 100 Meter verlängert und damit auf eine Gesamtlänge von 200 Meter mit dem Einbau eines 15 Meter langen Streckenstücks aus Eisenbeton gebracht werde. Die Kosten der Verlängerung betragen 38000 Mark. Diese Versuchsarbeiten über Ursache, Verlauf und Wirkungen der Explosionen im Grubenbetriebe sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Sicherheit des Betriebes, und vor allem für Gesundheit und Leben der Knappen. Die Ergebnisse der Versuche werden im Betriebe verwertet und dienen auch zur Belehrung der Bergleute für die Bekämpfung von Gefahren. Ein prähistorischer Fund des Stallwirtes? * Der Stallwirt Bomers, welcher bekanntlich seinen Bierstall durch einen Anbau vergrößert, will bei den Ausschachtungsarbeiten einen prähistorischen Fund gemacht haben. Es wurde, wie er uns mitteilt, ein mächtiger Schädelknochen gefunden, der nach der maßgeblichen. Ansicht des Stallwirtes von einem Mammut herrühren soll. Da der Stallwirt aus dem Gebiete der„Altertumsforschung" sehr beschlagen ist und bereits eine Sammlung von„Altentümern" aller Art angelegt hat, dürfte seine Feststellung wohl auf Richtigkeit beruhen. Eine wissenschaftliche Untersuchung ist bei der Autorität des Stallwirtes wohl überflüssig. Aus der Günnigfelder Gemeindevertretung. * Günnigfeld, 2. Aug. Ueber die letzte, in Anwesenheit des Polizeipräsidenten, Landrats Dr. zur Nieden stattgefundene Gemeinderatssitzung, in welcher hauptsächlich über die Verschmelzung der kommunalen Straßenbahn mit der Westfälischen Stra“ ßenbahn verhandelt wurde, sei im Anschluß an unseren gestrigen Bericht noch folgendes mitgeteilt: Für die Turn= und Jugendpflegehalle wurden einige notwendige Geräte, die mit dem Rohbau unbedingt in Verbindung stehen und schon jetzt mit eingebaut werden müssen bewilligt. Außerdem wurden 2 Gemeinderatsmitglieder, Dr. Kaup und Betriebsführer Schulze, gewählt, um einige Turnhallen in der Nähe sich anzufehen und dem Gemeinderat Bericht zu erstatten über praktische Ausstattung der Halle und Beschaffung der Turngeräte. Die Kosten für die Beschaffung eines neuen Gerätewagens für die Feuerwehr in Höhe von 1500 Mark wurden genehmigt. Gemeinderats=Mitglied Kaufmann Schulte=Loh und Wirt G. Hellermann wurden beauftragt, unter Hinzuziehung des Amtsbaumeisters Schumacher und des Feuerwehrchefs Nolting einen zweckentsprechenden Wagen in Vorschlag zu bringen. Die beantragte Versetzung des Steigerturmes wurde genehmigt. Der Steigenurm soll hinter der neuen Turnhalle, wo auch gleichzeitig das Feuerwehrgerätehaus vorgesehen ist, aufgebaut werden. Der Vertrag über den Grunderwerb zur Vergrößerung des Friedhofes wurde unter einigen Abänderungen gutgeheißen. Der Antrag auf Entschädigung für die Schiedsmänner wurde abgelehnt. Unfälle. * Ueckenvorf, 2. Aug. Auf Zeche„Alma“ ereigneten sich am Donnerstag mehrere Unfälle. Während sich der über Tage beschäftigte H. einen Bruch des linken Armes zuzog, erlitt der Bergmann P. durch Steinfall aus dem Hangenden eine schwere Kopfverletzung. Der Bergmann C. erlitt infolge zu frühen Losgehens eines Sprengschusses schwere Brandwunden an Kopf und Augen. Alle 3 fanden Aufnahme im Knappschaftskrankenhause.— Donnerstag nachmittag versuchte ein Mädchen in einem Hause der Südstraße in Ueckendorf während der Abwesenheit seiner Eltern den Herd mit Petroleum anzumachen. Beim Eingießen erplodierte die Kanne, und bald stand das Mädchen in Flammen. Auf das schreckliche Hilfegeschrei des Kindes eilten die Hausbewohner herbei. Ihrer Geistesgegenwart gelang es, die Flammen zu ersticken. Das Mädchen kam so mit einigen Brandwunden davon. Räuberhauptmann Stratmann geistesgestört. * Gelsenkirchen, 2. Aug. Der berüchtigte Räuberhauptmann Stratmann, der in Gemeinschaft mit andern Verbrechern eine Räuberbande organisiert hatte, die während 10 Jahren das ganze Emscher=Lippe=Gebiet durch mehr als 100 Einbrüche unsicher gemacht und vor allen Dingen durch den vor einem Jahre geplanten Ueberfall auf den Transport mit 250000 Mark Löhnung für die Belegschaft der fiskalischen Gruben in Gladbeck eine Rolle gespielt hat, ist als unheilbar geisteskrank erklärt worden. Er sollte sich demnächst vor dem Schwurgerichte verantworten. Weitere Lokctlnachrichten siehe 3. Blatt. — Die Durchführung der Waffenruhe. Die auf der Bukarester Konferenz beschlossene 5tägige Waffenruhe ist offenbar noch nicht allen Heeresteilen der Hegner bekannt geworden, denn noch immer laufen Nacheichten üiber neue und zum Teil recht blutige Kämpfe zwischen Bulgaren auf der einen und Serben und Griechen auf der anderen Seite ein. Infolgedessen sind die rumänischen Verreter gestern nachmittag 3 Uhr auf einem Dampfer von Kalafat über die Donau nach Widin abgefahren, wo noch die Waffen ihre blutige Sprache führen, um die Kriegführenden von der in Butarest beschlossenen Waffenruhe in Kenntnis zu setzen und ihnen den Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten zu übermitteln. Wie dringend nötig dieses Vorgehen ist, zeigen folgende Nachrichten über die weiteren Kämpfe: Kalafat, 2. Aug. Widin wurde vorgestern bis 9 Uhr abends von den Serben beschossen. Auf beiden Seiten gab es insgesamt über 1000 Tote. Durch die Beschießung wurde die Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelt. 200 Einwohner wurden getötet und 600 verwundet. Die Versuche der Serben, noch vorgestern abend in Widin einzudringen, wurden durch die bulgarische Artillerie vereitelt. Sofia, 2. Aug. Vorgestern griffen die Serben Tscherniorh auf serbischem Boden an, wurden jedoch mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Auf dem griechischen Kriegsschauplatze machte sich der linke bulgarische Flügel zum Herrn der Wasserscheide auf den Bergen bei Pirin. In der Gegend von Bazlog brachte er die griechischen Streitkräfte in eine gefährliche Lage. Ein Teil des linken bulgarischen Flügels bedroht den Zugang zum Kresna=Defile. Andererseits beherrschen beträchtliche Kräfte des rechten bulgarischen Flügels die Ebene von Petschewo. Der Waffenstillstand findet so die Griechen mit ihren beiden Flügeln umzingelt und von hinten bedroht. In der Gegend von Kotschana ist die Lage unverändert. Die bulgarischen Truppen machten einen bemerkenswerten Vorstoß. Der beschlossene Waffenstillstand ist nun den Kriegführenden mitgeteilt worden. Die Kämpfe sind daraufhin auf der ganzen Linie eingestellt. Es wird darüber gemeldet: Der Waffenstillstand hat den Kampf auf der ganzen Front unterbrochen. Vor Widin haben die Serben in der Nacht zum 31. Juli die Stadt beschossen. Der Kampf hat bis Mittag fortgedauert, bis Parlamentäre den Beginn des Waffenstillstandes mitteilten. Die Forderungen der Serben. Bukarest, 2. Aug. Auf der gestrigen Konferenz der bulgarischen Abordnung und aller Abgesandten der Verbündeten wurde im Namen der Verbündeten ein Schriftstück verlesen, das folgende Forderungen der Verbündeten enthält: 1. Die Verbündeten verlangen als Grenze den Lauf der Struma, beginnend an der alten bulgarisch=türkischen Grenze, bis zum Sarbdere, von dort auf Kuppe 1314 des PschengelGebirges, dann der Wasserscheide folgend bis Tragarz, von dort nördlich und norwestlich zu Kuppe E. 52, dann über Mesta nach Kuka, dann über Sipkowa und Daliboska zur Wasserscheide bis Kuppe 2162 bei Kuslar, von dort mit der Richtung auf Oschagdada über Morgaszan, Mekova, Tokadschida bis Kordschala steigend, sodann gegen Süden über Kalplaktepe und Galieretepe endend am Aegäischen Meere, drei Kilonieter östlich von Makri. 2. Bulgarien entsagt allen Ansprüchen auf alle Inseln im Aegäischen Meere. 3. Entschädigung der Einwohner und Regelung der bereits früher vorgebrachten Streitfragen, betr. die serbisch=bulgarische Grenzfrage. 4. Garantie für die Aufrechterhaltung der Freiheit in Schule und Kirche der griechischen Gemeinden in Thrazien. T Bukarest, 2. Aug. Zu den Forderungen Rumäniens gehört auch die Schleifung der Befestigungen von Rustschuk und Schumla, und die Anerkennung einer Zone des bulgarischen Gebietes, das nicht besestigt werden darf. Es besteht die Hoffnung, daß die bulgarischen Delegierten auf der heutigen Konferenz auf alle Forderungen Rumäniens endgültige Antwort geben werden. Es ist sicher, daß die bulgarischen Delegierten die rumänischen Forderungen betreffend die neue Grenze und die Aromunen vollinhaltlich annehmen werden. Was die Schleifung der Festungen Rustschuk und Schumla anbetrifft, so heben die bulgarischen Delegierten hervor, daß die beiden Orte wertlose alte Festungen seien. Der türkische Thronfolger in Kirkkilisse. Konstantinopel, 2. Aug. Der türkische Thronfolger richtete nach seiner Ankunft in Kirkkilisse an die Bevölkerung und an die Armee folgende Ansprache: Wir sind durch Gegenden gekommen, in die der Feind eingedrungen war, und haben überall festgestellt, daß alles in Trümmern liegt. Das menschliche Gewissen empört sich gegen diese Greueltaten. Was uns betrifft, so stellen wir nur Ordnung und Gerechtigkeit wieder her. Jedermann giebt dies übrigens zu.— Der Thronfolger nahm eine Truppenparade über 15 000 Mann ab und wurde von der Bevölkerung durch Zurufe begrüßt. Die gestrige Botschafterkonferenz. T London, 2. Aug. Wie das Reutersche Bureau meldet, dauerte die Botschafterkonferenz gestern nachmittag 2 Stunden. Sie vertagte sich dann auf Dienstag, wo man hofft, mit den Arbeiten fertig zu werden. Die Botschafter erörterten die Frage der albanischen Gendarmerie. Da Schweden, das zahlreiche Offiziere in Persien hat, nicht in der Lage ist, eine beträchtliche Anzahl von Offizieren für Albanien zu stellen, beschloß die Konferenz, sich an Holland zu wenden. Die Botschafter erörterten ferner die Frage der Grenze von Epirus und der ägäischen Inseln. Eine Vorlage, die auf diese Weise Bezug nimmt, wurde verfaßt, un den Mächten vorgelegt zu werden. Man hofft, daß die nächste Sitzung zu einer Lösung gelangen wird. Deutschland. Deutschland und die Ausstellung in San Franzisko. Berlin, 2. Aug. Ueber die Beteiligung Deutschlands an der Ausstellung in San Franzisko ist in letzter Zeit heftig gestritten worden. Wie jetzt amtlich bekannt gemacht wird, ist über diese Frage eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen worden. England hat vor wenigen Tagen eine solche Beteiligung abgelehnt. Auch auf deutscher Seite mehren sich die Stimmen, die von einer Beteiligung nichts wissen wollen. Einmal wird dafür die allgemeine Ausstellungsmüdigkeit angeführt, sodann wird auch auf die Zollschikanen hingewiesen, die die deutsche Industrie in den Vereinigten Staaten erfährt. Die Nordlandreise des Kaifers. Balestrand, 2. Aug. Bei der offiziellen Frühstückstafel anläßlich der Einweihung des Frithjof=Denkmals übergab der Kaiser dem Könige von Norwegen eine größere Bronzestatue Frithjofs. Gestern um 1 Uhr war Früystückstasel an Bord des Schisses des Königs von Norwegen. Nachmittags ging die Hohenzollern nach Bergen in See. Das Wetter scheint sich aufzuklären. Die diesjährigen Kaisermanöver. Breslau, 2. Aug. Der Plan für die Kaisermanover sieht folgende Einteilung vor: Am 6. September rücken die Truppen in die Unterkunftsräume für die Bereitstellung zum Kaisermanöver. Der 7. September ist ein Sonntag, am 8. September beginnt das Kaisermanöver und schließt am 10. September. In der Nacht vom 8. zum 9. und vom 9. zum 10. September werden, mit Ausnahme der höheren Stäbe und der Kavallerie, alle Truppen biwakieren. Am 11. September, am Morgen nach dem Manöverschluß, beginnen die Abbeförderung der Fußtruppen mit der Eisenbahn, sowie die Rückmärsche der berittenen Truppen in ihre Standorte. Eine Arbeitslosenversicherung in Bayern. München, 1. Aug. Die Regierung wird das Problem einer Arbeitlosenversicherung bezw. die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, für die sich kürzlich der Prinzregent persönlich einsetzte, in der Weise zu regeln versuchen, daß zwischen den Städten der einzelnen Regierungsbezirke durch gemeinsames Statut eine Vereinbarung getroffen wird und daß die einzelnen Kreisregierungen die Städte finanziell unterstützen. Oesterreich. Heeresverstärkungen in Oesterreich=Ungarn. Wien, 2. Aug. Die Kriegsverwaltung ist zur Zeit mit der Ausarbeitung einer neuen militärischen Vorlage beschäftigt, die eine abermalige Erhöhung des Rekrutenkontingents, und zwar um 25 000 bis 30.000 Mann beim gemeinsamen Heere und 10000 Mann bei jeder Landwehr beanspruchen wird. Diese Vermehrung soll in erster Linie zur Erhöhung des Friedensstandes bei den Infanteriekompagnien auf 120 bis 130 Mann dienen. Gegenwärtig sind die Kompagnien 85 bis 90 Mann stark. Die Formationen an der russischen und an der Balkangrenze sollen eine noch weitere Steigerung erfahren. Ferner wird bei der Feldartillerie jedes Regiment eine 6. Batterie erhalten. Die schwere Artillerie wird verstärkt werden und ebenso die Festungsartillerie. Man hofft, die Vorlage bereits im Herbst den Parlamenten unterbreiten zu können.— Weiter wird gemeldet: Es soll eine völlige Umgestaltung der Heereseinteilung in Oesterreich stattfinden, und zwar sollen insgesamt 5 Truppeninspektionen und 22 Korpskommandanturen(bisher 16) errichtet werden. Das Brünner Armeekorps wird neu errichtet werden. Außerdem sollen neue Armeekorps in Krakau, Klagenfurt, Czernowitz, Großwardein und Esseg gebildet werden. Die Umanderung in der Truppeneinteilung ist nicht zum wenigsten auf die jüngsten Spionageangelegenheiten zurückzuführen. Holland. Die Ministerkrise in Holland. T Haag, 2. Aug. Der demokratische Abgeordnete Dr. Boos hat, nachdem sich die Sozialisten geweigert haben, an der Bildung eines aus Mitgliedern aller Parteien der Linken zusammengesetzten Kabinetts mitzuarbeiten, die Königin gebeten, ihn von der Aufgabe, ein Kabinett zu bilden, zu befreien. Die Königin hat seinem Wunsche entsprochen. Frankreich, Das Dreijahregesetz im französischen Senat. Paris, 2. Aug. Bei der Fortsetzung der Debatte im französischen Senat über den die 3jährige Dienstzeit wiederherstellenden Gesetzentwurf bekämpfte Senator D'Estournelles de Constant, der bekannte Friedensfreund, die Gesetzesvorlage, die die Kriegsgefahr verschärfe, anstatt sie zu beseitigen. Er sagte u. a.: Man darf von uns unter dem Hinweis auf eine übertriebene Gefahr keine überflüssigen Opfer verlangen. Deutschland hat seine Stärke, es hat aber auch seine Schwäche. Wenn es den vielbesprochenen plötzlichen Angriff unternehmen wollte, dann würde es die Sympathien der Welt nicht für sich haben. Nach dem Kriege würde in Deutschland ein Aufstand ausbrechen. Diese Gefahr besteht bei uns nicht, wo die Umwälzung durchgeführt ist. Das Schiedsgerichtswesen hat im letzten Jahre wichtige Fortschritte gemacht. Ich sehe jene deutsche Regierung nicht, die wie bei einem Würfelspiel die Zukunft Deutschlands wagen würde.(Zwischenruf: Die deutsche Regierung ist friedlicher als das deutsche Volk!) Deutschland ist isolierter als wir. Es ist mehr bedroht als bedrohlich. (Der Royalist Le Breton rief spöttisch dazwischen: Also rüsten wir ab!) Die Lage Deutschlands ist in den letzten Monaten nicht stärker geworden. Es hat seine Mannschaftsbestände vermehrt. Aber das ist nur eine unvermeidliche Folge der Zunahme seiner Geburtenziffer. Unsere Lage war 1905 Deutschland gegenüber weniger stark als heute. jahresgesetz ist ein tödlicher Schlag für Frankreich und für die Zivilisation. Zwingen Sie Frankreich nicht, an dem kaiserlichen Deutschland ein Beispiel zu nehmen.— Senator Maujahn kam bei der Prüfung der Frage zu dem Ergebnis, daß allein die dreijährige Dienstzeit Frankreich befähigen würde, einen Angriff auszuführen. Urnac sagte:„Wir wollen keine neue Invasion(!) erleben“(Beifall), Chappuis rief:„Frankreich sind zwei Provinzen amputiert(!) worden. Das ist genug!“ Flaissieres verteidigte darauf die zweijährige Dienstzeit. Nach weiterer Erörterung wurde die Weiterberatung auf Dienstag vertagt. Französische Gäste bei den russischen Manövern. T Paris, 2. Aug. Der Generalstabschef Joffre ist gestern mit den Generalen d'Amade und de la Guiche, sowie drei anderen Generalen, zwei Obersten und mehreren Generalstabsoffizieren nach Petersburg abgereist, um den russischen großen Manövern beizuwohnen. Die Krupp=Affäre vor dem Kriegsgericht. Berlin, 2. Rugust. Die gestrige Verhandlung begann um 9,15 Uhr. Es wurde in die Zeugenvernehmung eingetreten. Zeuge Potizeirat Koch gab eine Darstellung der von ihm geleiteten polizeilichen Beobachtungen Brandts und der Angeklagten. Es folgt dann die Vernehmung Brandts. Die Vereidigung des Zeugen wird vorläusig ausgesetzt. Brandt bekundete dann, daß er bis 1898 Zeugfeldwebel gewesen sei und dann eine Stellung bei der Fa. Krupp angenommen habe. Ich hatte einen Posten im Preisbildungsbureau. 1906 wurde ich nach Berlin versetzt und zwar auf Veranlassung des Herrn von Schütz. In Berlin sagte mir v. Schütz, ich sollte mich nach Preisen erkundigen, und er hat mir streng verboten, unerlaubte Mittel hierbei anzuwenden. Es läge im Interesse der resverwaltung, wenn Krupp mit seinen Preisen heruntergehe. v. Schütz war mit meiner Tätigkeit sehr zufrieden und berichtete in diesem Sinne auch nach Essen. Ich habe mich mit Zeugfeldwebeln in Verbindung gesetzt und auch von ihnen Material erhalten. Meine Berichte wurden vertraulich behandelt. Mein Gehalt betrug in Berlin zunächst 5200 Mark und Wohnungsgeldzuschuß, September 1909 erhielt ich 6500 M. Außerdem wurden mie meine Auslagen ersetzt. Der Verhandlungsführer stellte fest, daß der Zeuge in 8 Monaten 2700 M. liquidiert hat, einmal innerhalb eines Zeitraumes von 14 Tagen mehrere 100 Mark. Die Frage, ob diese hohen Ausgaben notwendig gewesen wären, wird von dem Zeugen entschieden bejaht. Zuletzt betrug das Gehalt 7000 M. plus 3500 M. Repräsentations' bezw. Funktions=Zulagen. Die Weihnachtsgratisikationen betrugen bis zu 2000 Mark. Sämtliche Sachen der Firma gingen durch meine Hände. Ich hatte auch alle Briefe zu öffnen, mit Ausnahme der Privatbriefe für Herrn v. Metzen oder Herrn v. Schütz. Verhandlungsführer: Enthielten nicht diese Privatbriese die wichtigsten geheimen Dinge? Zeuge: Das ist ausgeschlossen. Ich kenne alles Material. Ich kenne auch sämtliche Konstruktionen des Heer= und Marinewesens. Geheimnisse gibt es hierin vor mir nicht. Verhandlungsführer: Warum sind Sie denn an die Angeklagten herangetreten? Zeuge: Mehr als 50 Prozent der Berichte bezogen sich auf die Konkurrenzpreise. Ich wollte damit meinen Eifer bekunden. Die meisten Berichte waren überflüssig. v. Schütz hätte Material auch amtlich bekommen. 2½ Jahre habe ich die Vertretung allein führen müssen, da von Metzen kränkelte und viel abwesend war. Nach dem Tode des Herrn v. Metzen führte ich einige Monate als Vertreter des Vertreters die Geschäfte selbständig. Von den Kornwalzen behielt ich, um Nachschlagen zu können, zum Teil Kopien zurück, die später beschlagnahmt wurden. v. Metzen verstand sich schließlich mit der Firma Krupp nicht mehr. In dieser Zeit nahm von Metzen verschiedene Kopien an sich und gab sie mir nicht wieder zurück, obwohl ich ihn wiederholt darum ersuchte. Anscheinend wollte er damit einen Druck auf Krupp ausüben. Er sagte eines Tages zu mir, ich sollte mich der Firma gegenüber sichern, er habe sich auch gesichert. Von diesem Gespräch machte ich unverzüglich Direktor Dreger Mitteilung. Die Kornwalzen, von denen Liebknecht Kenntnis erhalten hat, fallen in die Zeit, wo v. Metzen sich mit der Firma überworfen hatte. Verhandlungsführer: Wissen Sie, ob er das Material Herrn Liebknecht übergeben hat? Zeuge: Meiner festen Ueberzeugung nach kann nur von Metzen in Frage kommen. Verhandlungsführer: Sie selbst kommen nicht in Frage? Zeuge: Nein. Ich wäre ein Idiot, wenn ich mich mit Liebknecht in Verbindung gesetzt hätte. Man bereitet sich doch nicht selbst Unannehmlichkeiten. Verhandlungsführer: Es ist die Rede davon gewesen, daß Sie bei der Aufbewahrung der Kopien nicht die notwendige Sorgfalt und Vorsicht geübt hätten. Sie haben die Kovien mit in Ihre Wohnung genommen. Zeuge: Ich habe einige Kopien mit in die Wohnung genommen, um sie vort zu vernichten. Im Bureau hätte ich dazu keine Gelegenheit gehabt. Verhandlungsführer: Haben Sie das Material nicht etwa absichtlich zurückbehalten, vielleicht , um eine Waffe in der Hand zu haben, ähnlich, wie es v. Metzen getan hat? Zeuge: Nein. Wenn mir derartiges in den Sinn gekommen wäre, hätte ich dem Direktor Dreger von dem Gespräch mit v. Metzen keine Mitteilung gemacht. Ueber das beschlagnahmte Notizbuch über artilleristische Geheimnisse, Kruppsche Patente usw. glaube ich nie gesprochen zu haben, keineswegs habe ich über Kruppsche Geheimsachen jemals etwas verlauten lassen. Rechtsanwalt Ullrich: War der Zeuge dahin instruiert, daß es zwischen Armee und Krupp keine Geheimnisse gäbe? Zeuge: Das trifft zu. Je mehr Krupp erfuhr, desto besser für die Armee. Zeuge Brandt: Den Angeklagten Tilian lernte ich auf einem Kegelabend kennen, wobei ich ihm meine Wünsche, die ich für völlig harmlos hielt, vortrug. Ich wollte namentlich die Konkurrenzpreise wissen. Regelmäßig fanden die Zusammenkünfte nicht statt. Meine früheren Aussagen in der Untersuchungshaft standen unter dem Eindruck einer seelischen Depression. Ich hatte Selbstmordgedanken und litt noch unter den Folgen einer Gehirnerschütterung. So ist es gekommen, daß ich nicht Herr meiner Sinne war. Das Protokoll ist voll von Unrichtigkeiten. Mit Tilian traf ich mich in einfachen Bierlokalen. Kleine Darlehen von 10 oder 20 Mark hat Tilian mir stets gleich wieder zurückgegeben. Verhandlungsführer: Sie haben davon gesprochen, Tilian „Geld in die Hand gesteckt“ zu haben. Zeuge: Das muß eine Verwechslung sein. Meine dahingehenden Aeußerungen fallen unter meine Depression in der Untersuchungshaft. Ich kann diese Behauptung nicht aufrechterhalten. Die Weihnachtsgratifikationen habe ich an Pfeiffer gegeben, weil ich ein gutmütiger Mensch bin und den Pfeifferschen Kindern eine Freude machen wollte.— Verhandlungsführer: So überflüssig hatten Sie es doch auch nicht.— Zeuge: Ich bin aber doch so gutmütig(Heiterkeit).— Kriegsgerichtsrat Dr. Welt: Wenn wir jetzt auf das Notizbuch zu sprechen kommen, so denke ich, können wir bei einiger Vorsicht in der Ausdrucksweise ruhig öffentlich verhandeln.(Zustimmung.) Zeuge Brandt äußert sich darauf in einer Unterredung mit dem Verhandlungsführer über die Rubritierung seiner Preisnotizen. Die einzelnen Firmen sind in dem Notizbuch mit Buchstaben bezeichnet. Der Zeuge gibt an, daß nicht alles in das Notizbuch eingetragene Material von den Angeklagten stammte. Er habe auch manches von anderer Seite erfahren. Der Zeuge macht dann Mitteilung über seine Beziehungen zu Dröse. Er hat früher bekundet, Dröse hätte eine Gefälligkeit von ihm verlangt und unter anderem gewünscht, von Krupp angestellt zu werden. Darauf habe en geantwortet, er werde in dem gewünschten Sinne tätig sein, wenn er als Gegenleistung von Dröse Nachrichten erhalte, und dieser ihm Auszüge aus dem Bestellbuch verschaffen werde. Heute behauptete der Zeuge, die damalige Aussage sei falsch oder nicht richtig wiedergegeben worden. Ich befand mich, wie ich vorhin schon ausgeführt, bei meiner Vernehmung in keinem normalen Zustande. Ich kann dem Angeklagten Dröse ein solches Versprechen gar nicht gemacht haben, denn mein Einfluß ging nicht so weit, um Dröse bei Krupp anzubringen. Angeklagter Dröse hat mir in seiner Wohnung Einblick in das Bestellbuch gegeben.(Angeklagter Dröse:„Nein, es war das Forderungsbuch, in dem keine Preise enthalten sind“.— Es wird fest gestellt, daß der Inhalt der Bücher sich materiell nahezu deckt.) Welches Material ich vom Angeklagten Schleuder erhalten habe, kann ich nicht sagen. Regelmäßige Zusammenkünfte hatten wir nicht. Weiche Geldbeträge ich ihm gegeben habe, weiß ich nicht mehr, im ganzen vielleicht 200 A für seine Auslagen für Automobile und Porto. Pom Angeklagten Hinst habe ich einzelne S Notizen über Konkurrenzpreise erhalten.— Rechtsanwalt Ullrich: Betrafen diese Preise die kleinen Feldhaubitzen. Hat Hinst sich durch Blumenarrangements an Frau Brandt revanchiert?— Zeuge: Die meisten Kornwalzen bezogen sich auf diese Waffe. Geldgeschenke habe ich ihm nicht gemacht. Es waren immer Auslagenerstattungen.— Verhandlungsführer: Besonders sollen Sie sich dem Angeklagten Hoge gegenüber als künftiger Direktor oder als Nachfolger o. Metzen aufgespielt haben.— Angeklagter Hoge: Zeuge Brandt hat mich derart ausgefragt, daß ich nur seine Ansichten und Erfahrungen zu bestätigen hatte.— Zeuge: Ich war über alles informiert.— Angeklagter Hoge: Ich hatte in meiner„Rate“ vielfach mit Bauten zu tun und mußte z. B. bei Telephonanlagen auch mit Unternehmern verha ndeln.— Verhandlungsführer: Das ist doch etwas ganz anderes. Im Verkehr mit Brandt waren Sie zu solchen Auskünften nicht berechtigt.— Angeklagter Hoge: Ich gebe zu, gegen Dienstvorschriften ungehorsam gewesen zu sein.— Darauf tritt eine halbstündige Pause ein. Die Nachmittagssitzung. Um 1½ Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. Major Sames vom Feuerwerkslaboratorium in Spandau gibt Kenntnis von einer Verfügung der Feldzeugmeisterei, die dem Unterpersonal strengste Dienstverschwiegenheit auferlegt.— Oberstleutnant Jung vom Ministerium bekundet auf Befragen, die Behauptung, daß Krupp eine Vorzugsstellung genieße, tritt sehr häufig auf. Ich kann diese Behauptungen nur auf das allerentschiedenste zurückweisen. Es besteht eine Verfügung, die vorschreibt, daß Krupp zu den Ausschreibungen hinzugezogen werden muß. Wie die Aufträge später verteilt werden, ist eine andere Sache. Aus Protokollen über kommissarische Vernehmung von Offizieren geht hervor, daß es den Zeugfeldwebeln streng untersagt ist, mit Vertretern einzelner Firmen zu verhandeln. Zeuge Major a. D. Wollenhaupt bestätigt dies. Auch ist dem Zeugen nichts davon bekannt, daß Krupp von allen Aufträgen einen bestimmten Prozentsatz erhalten muß. Zeuge Brandt: Pfeiffer war schon mein Schulfreund. Es ist möglich, daß ich von seinen Erzählungen dann und wann etwas gebraucht habe. Daß Pfeiffer mir Mitteilungen für Kornwalzen gemacht hat, kann ich nicht beschwören. Auf Befragen erklärte der Zeuge, von anderen Beamten des Kriegsministeriums keine Mitteilungen erhalten zu haben. Er gibt die Möglichkeit zu, von Pfeiffer Mitteilungen über den Stand der Ansichten des Kriegsministeriums in der Haubitzenfrage erhalten zu haben, ebenso einen Spezialauszug aus dem Militäretat. Bei den Hunderten von Meldungen, mit denen er es zu tun hatte, könne er es nicht mit Bestimmtheit behaupten, zumal sein Gedächtnis seit dem Unfall sehr gelitten habe. Auf Befragen des Rechtsanwalts Barnau, ob auch Vertreter anderer Firmen bei den Behörden versucht haben, solche Auskünfte zu erlangen, verweigert der Zeuge die Auskunft und erklärt, daß er zu einem Vertreter der Firma Ehrhardt keine Beziehungen unterhalten habe. Angeklagter Pfeiffer: Nachdem Brandt in der Voruntersuchung so bestimmt behauptet hat, ich sei der Lieferant der Kornwalzer, kann ich mich jetzt mit einer so lauen Einschränkung nicht begnügen. Ich behaupte Brandt gegenüber in die Augen, daß er von mir kein Material erhalten hat, mit dessen Hilfe er beispielsweise den Kornwalzer C. VI. aufstellen konnte. Im weiteren Verlaufe nennt Pfeiffer die Handlungsweise Brandts perfide, während Brandt bedauert, daß Pfeiffer durch den Prozeß schweren Schaden erleide. Auf Befragen verneint Brandt, auch vom Geheimrat Becker aus dem Kriegsministerium Material für Kornwalzer erhalten zu haben. Zeugin Frau Brandt: Die meisten Angeklagten haben bei uns kameradschaftlich verkehrt und bei ihren Besuchen stets Blumen mitgebracht. Sie gibt zu, daß auf ihr Anraten Pfeiffer an Stelle von Weihnachtsgeschenken Geld geschickt worden sei. Wieviel, wisse sie nicht. Sie bestätigt den schweren Unfall ihres Mannes zu Weihnachten. Kriegsgerichtsrat Dr. Welt: Ist an Ihren Mann herangetreten worden, seine belastenden Aussagen zu revidieren? Zeugin: Darauf verweigere ich die Aussage. Kriegsgerichtsrat Dr. Welt bittet um einen Gerichtsbeschluß, um eine Aussage zu erzwingen. Zeugin: Meines Wissens hat eine Unterredung mit meinem Manne nicht stattgefunden. Seit der Untersuchungshaft ist mein Mann gedächtnisschwach und vollständig gebrochen. Verhandlungsführer: Es handelt sich darum, ob Ihr Mann jetzt gedächtnisschwach ist. Zeugin: Daß niemand an meinen Mann herangetreten ist, kann ich nicht beeiden. Ich bitte mir bis morgen Zeit aus. Die weitere Vernehmung der Frau Brandt wird ausgesetzt. Zur Besprechung einer Reihe von Kornwalzen wird die öffentliche Sitzung um 4,30 Uhr geschlossen. Nächste Sitzung heute vormittag 9,15 Uhr. Berlin, 1. Aug. Der Kaiser läßt sich durch einen Spezialdienst an Bord der„Hohenzollern“ täglich über den Verlauf des Krupp=Prozesses. berichten. Die Niederdeutsche Bank. Dortmund, 2. Aug. Nach Ltägiger Pause wurde gestern in dem Ohm=Prozeß die Zeugenvernehmungen wegen Gründung der Alemannia-Brauerei fortgesetzt. Ohm zog seinen Antrag auf Vernehmung seines Verteidigers, Rechtsanwalt Frank, zurück. Alsdann wurden als Zeugen vernommen u. a. Bankier Schüler=Bochum, Ingenieur Barlebe=Dortmund und der Kaufmann Leo Cremer. Die beabsichtigte Klärung über die verzwickten Manipulationen mit der Zession über 100 000 M zu Gunsten der Ohm'schen Kinder wurde durch die Vernehmung dieses Zeugen jedoch nicht erreicht. Aus der Aussage des Bankiers Kruse ergab sich, daß das Geld bei Gründungen auf Anweisung der Bankleitung sofort wieder zur Reichsbank gebracht wurde, das Depositum also, nachdem es der Form nach bewirkt war, gleich aufgehoben wurde. Die üibrigen Zeugenaussagen ergaben auch kein neues Material. Die Verhandlung wurde auf Montag vertagt. Düsseldorf, 2. Aug. Das Fabrikgebäude des Nieverrheinischen Textilwerkes in Erkrath brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder.— Das Töchterchen des Eisenbahngehilfen Theodor Batte in Unterrath stürzte aus dem Fenster des 2. Stockwerks auf das Pflaster. Schwere innere Verletzungen hatten den Tod zur Folge. T Hamborn, 2. Aug. Unter dem Verdachte des Mädchenhandels wurde in einem Eisenbahnkupee auf der Station Hamborn ein Mann verhaftet, der in Begleitung von 2 jungen Mädchen im Alter von 15 bezw. 17 Jahren reiste. Essen, 2. August. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde eine Reihe von Fluchtlinien, so insbesondere die für die Nordseite des Weberplatzes festgesetzt. Den wichtigsten Punkt der Sitzung bildete die Neugenehmigung der Essener Wertzuwachssteuerordnung. Nach 2stündigen Aussprachen, in denen sich Bodenreformer u. Vertreter der Interessen des Haus= und Grundbesitzes für und gegen die Steuer einsetzten, gelang es, dem Oberbürgermeister mit allen gegen 1 Stimme folgenden Kompromißantrag durchzusetzen:„Der Vorschlag der Stadtverwaltung(die bisher bestehende Zuwachssteuerordnung in ihrer Geltung neu zu genehmigen) wird angenommen. Die städtische Verwaltung wird baldmöglichst, spätestens bis zur Dezembersitzung eine neue Wertzuwachssteuerordnung vorlegen, in der Härten ausgeglichen und die Wirkung der neuen Reichsvermögenssteuerordnung berücksichtigt werden sollen. Eine Kommission wird zur Revision der Wertzuwachssteuerordnung eingesetzt. Essen, 2. Aug. Gestern morgen 8 Uhr schoß der Kunstschüler Eichholz aus Bottrop auf der Rüttenscheider Straße 3 Mal aus einem Revolver auf die 19jährige Kontoristin Margarethe Bussen und tötete sich dann selbst durch einen Schuß in den Mund. Das junge Mädchen ist durch 3 Streifschüsse im Rücken schwer verwundet worden. Verschmähte Liebe soll der Grund zur Tat sein. Essen, 2. Aug. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung erklärte der Oberbürgermeister Geheimrat Holle bezüglich der Angelegenheit Dr. Bieses, daß der Kultusminister das Disziplinarverfahren gegen den Gymnasial= direktor Dr. B iese eingeleitet habe. Barmen, 2. Aug. Die Erben des verstorbenen Pianofortefabrikanten Hans Ibach überwiesen dem Barmer Verschönerungsverein 10 000 M., dem Barmer Verein für Säuglingspflege zum Besten des Freibettenfonds 5000 M. und der lutherischen Gemeinde Wupperfeld 5000 Mark für Weihnachtsbescherung armer Kinder des Oberheidter Bezirks. Die bestehenden Arbeiter= und Beamten=Unterstützungsfonds der Firma Rud. Ibach Sohn wurden mit weiteren 30 000 Mark bedacht. Burg, 2. August. In der auf Schloß Burg abgehaltenen Hauptversammlung des Schloßbauvereins, der Regierungspräsident v. Kruse beiwohnte, wurde mitgeteilt, daß im abgelaufenen Vereinsjahre das Schloß von rund 130 000 Personen besucht worden ist. Auf Schloß Burg soll ein Archiv für die Geschichtsforschung des Bergischen Landes errichtet werden. Köln, 1. August. In der Stadtverordnetensitzung widmete Oberbürgermeister Wallraf dem verstorbenen Stadtverordneten Dr. Bock einen ehrenden Nachruf. Von dem 150 800 M. betragenden Vermögen der bisherigen Kölner Versicherungskasse gegen Arbeitslosigkeit im Winter wurden der neugegründeten städtischen Versicherungskasse gegen Arbeits= und Stellenlosigkeit 130000 Mark und dem Kölner Verein für Volkswohl 20 000 Mark zu überwiesen. Die Entwicklung der beiden Realgymnasien in Deutz und Lindenthal bedingt jetzt schon den Ausbau zu 9klassigen Vollanstalten; die erforderlichen Summen für Mehranstellung von Oberlehrern von 23 500 M. wurden bewilligt. Köln, 2. August. Gestern früh ist in Deutz ein Fahnenflüchtiger eines hiesigen Regiments von der Pelizei aufgegriffen und einer Militärwache übergeben worden, wo es ihm gelang, zu entkommen. Der Ausreißer wurde von Wachmannschaften verfolgt, die auf ihn, nachdem er das wiederholte Anrufen, stehen zu bleiben, nicht achtete, einen Schuß abgaben. Der Flüchtling stürzte, sprang dann aber wieder auf und lief durch ein Kornfeld, so daß er entkam. Die Blutspuren ließen darauf schließen, daß der Mann verletzt worden ist. Köln, 2. August. In der Schildergasse geriet ein Automobil, das die Wendung zu knapp genommen hatte, auf den Bürgersteig. Hierbei wurden 3 Personen vom Wagen erfaßt; ein Zugführer erlitt einen Knöchelbruch und 2 Frauen erhebliche Verletzungen. T Köln 2. August. Gestern drang ein Mann namens Kalk in die Wohnung einer Frau, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt. Er war in der letzten Zeit von der Frau zurückgewiesen worden und darüber erregt, drang er mit einem Dolch auf sie ein. In diesem Augenblicke warf sich die Tochter der Frau zwischen die Mutter und den Mann und erhielt von diesem einen tiefen Stich in den Rücken. Auf die Hilferufe der Frauen eilten Nachbarn herbei, die den Täter festnehmen wollten. In die Enge getrieben, brachte er sich mehrere Stiche mit dem Dolche bei und verletzte sich schwer. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Remagen, 2. August. Zwischen hier und Kripp siel ein Schiffsjunge von dem Güterboot Badenia 1. in den Rhein und ertrank, ebenso ertrank bei Hönningen 1 Schiffsjunge aus Urmitz, der von einem Güterboot in den Rhein stürzte. Crier, 2. Aug. Auf abschüssiger Stelle der Bahnstrecke Wittlich=Daun stießen Eisenbahnwagen mit einem Pferdefuhrwerk zusammen. 5 Beamte wurden hierbei schwer verletzt. Saarbrücken, 2. Aug. Hier ertrank in der Saar ein 15jähriges Mädchen, das seinen in den Fluß gestürzten kleinen Bruder retten wollte. Der Junge wurde gerettet. Bochum, 2. Aug. Auf unaufgeklärte Weise entstand in dem Ventilatorraum des Schachtes Eulenbaum der Zeche Dannenbaum Feuer. Die Flamme schlug in heller Lohe zum Himmel. Die Belegschaft des Schachtes mußte sofort auf dem Umwege über Schacht 1 ausfahren. Das Feuer konnte bald gelöscht werden. Bochum, 2. Aug. Auf der Lindenstraße wurde abends ein Arbeiter von unbekannten Personen überfalien und durch 6 Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Der bedauernswerte Mann wurde nach geraumer Zeit in hilfloser Lage gefunden und in einem Krankenwagen sofort zum Krankenhause gefahren. Die Messerstrolche haben noch nicht ermittelt werden können. Dortmund, 2. August. Ein Eisenbahnraub wurde in der vergangenen Nacht 2,30 Uhr in dem Eilzuge Hannover=Dortmund an einem Herrn und einer Dame verübt. Ein in einem Abteil allein schlafender Herr bemerkte, daß ihn jemand betastete. Als er auswachte, verschwand der Eindringling. Nach etwa 10 Minuten hörte er aus einem Nebenabteil Hilferufe. Er begab sich sofort in das Abteil und fand eine Dame, die erklärte, daß ihr soeben die Handtasche mit etwa 100 Mark Inhalt von einem Eisenbahnbeamten, als sie schlief, entrissen worden sei. Der Herr zog die Notbremse und bemerkte noch, als er aus dem Fenster sah, daß auf den Trittbrettern des Zuges ein Eisenbahnbeamten entlang lief. Der Herr sowohl wie die Dame erkannten in einem mitfahrenden Eisenbahnbeamten den Täter. Es handelt sich um einen Eisenbahnschaffner aus Hannover, der allerdings bis jetzt jede Schuld bestreitet. Dortmund, 2. August. Gestern morgen 6 Uhr stürzte am Hahnenbrückenweg ein Teil des im Bau beK griffenen Tunnels für die Emscherregulierung ein. Dabei wurden 3 Arbeiter verschüttet und fielen in die Emscher. Ein Arbeiter, August Mintel, wurde schwer verletzt; die beiden anderen erlitten weniger schwere Verletzungen. Werne, 2. Aug. Die am 25. v. M. auf der Zeche Werne a. d. L. verschütteten 2 Arbeiter hat man trotz größter Anstrengungen noch nicht bergen können. Es ist zunächst versucht worden, sich auf kürzestem Wege Zugang zu den Leichen zu verschaffen. Da aber bei Verfolgung des bisher eingeschlagenen Weges weiterhin Menschenleben gefährdet erschienen, so sah sich die Werksleitung gezwungen, andere Maßnahmen zu treffen, die hoffentlich bald zum Ziele führen. Soest, 1. August. In den letzten 14 Tagen ist der Stauinhalt der Möhnetalsperre von 42 auf 50 Millionen Kubikmeter gestiegen. Eine weitere Stauung kann nicht stattfinden, da die Pflasterarbeiten am Stockumer Damm noch nicht beendet sind. Die Wasserhöhe über der Talsohle beträgt 22 Meter. Es müssen stündlich 32 400 Kubikmeter Wasser abgelassen werden. Paderborn, 2. Aug. 2 Fliegeroffiziere, Leutnant Wolf und Leutnant Müller, stürzten Donnerstag abend mit einem Aviatik=Doppeldecker aus einer Höhe von 35 Meter ab. Der Führer hatte eine Kurve zu scharf genommen, so daß er nicht mehr imstande war, das Höhensteuer zu betätigen, worauf der Apparat steil zur Erde schoß und zertrümmert wurde. Der eine Flieger erlitt einige Verletzungen am Kopf, während der andere mit leichten Hautabschürfungen davonkam. Marburg, 2. August. Eine in der medizinischen Klinik untergebrachte Frau sprang in einem Anfall von Geistesgestörtheit aus dem Fenster und zog sich solche Verletzungen zu, daß sie bald darauf starb. Münster, 1. Aug. Die Landwirschaftskammer für Westfalen hat sich entschlossen, die Ansiedlung von deutschen Rückwanderern in unserer Provinz zu fördern. In Rußland sollen die Bewohner deutschen Stammes, die fast ausschließ. lich der ländlichen Bevölkerungsklasse angehören, gegen 2 Millionen ausmachen. Von diesen sind viele katholisch. Mar hofft, dadurch dem Mangel an ländlichen Arbeitern, der sich infolge des Abströmens in die Industriegegenden auch hie immer mehr fühlbar macht, abhelfen zu können. T Wiesbaden, 2. August. Auf dem Elsässer Platz hat gestern eine Zigeunerin ein 4jähriges Kind entführt und ist spurlos damit verschwunden. Straßburg i. Elsaß, 2. Aug. Bei einer Brükkenschlagsübung schlug in der starken hochgehenden Rheinströmung ein mit 10 Mann besetzter Ponton um. 2 Pioniere des 15. Bataillons namens Skrade aus Kottbus u. Paul Schimank aus Friedeberg ertranken. Einer erlitt enen Benbrch. aller Welt. T Hamburg, 2. August. Die 35 Jahre alte Arbeitersfrau Pflanzner tötete ihren Mann durch einen Stich in den Unterleib. Nom, 2. August. Wie erinnerlich, hatte Kardinat Maffi, Erzbischof von Pisa, der Corriere Toscana wegen Preßverleumdung verklagt, und der Gerichtshof in Pisa verurteilte den verantwortlichen Redalteur zu 1 Jahr 3 Monate Gef. und zu einer Geldstrafe von 1890 Lire, den Direktor des Blattes zur gleichen Haftstrafe und zur Zahlung von 1820 Lire, den Verleger zusammen mit den beiden zur Ersetzung des moralischen und materiellen Schadens des Zivilklägers. Der Appellationshof in Luna, bei dem die Verurteilten Berufung eingelegt hatten, bestätigte das 1. Urteil. Generalversammlung des Metallarbeiter=Verbandes. Berlin, 1. Aug. Zur Besprechung des Werftarbeiterstreiks und zur Beilegung der Differenzen zwischen den Streikenden und dem Zentralvorstande ist eine außerordentliche Generalversammlung des deutschen Metallarbeiterverbandes auf den 8. und 9. August nach Berlin einberufen worden. Lebendig begraben und ermordet. T Göttingen, 2. Aug. Der Mörder des 6jährigen Töchterchens des Arbeiters Blum in Einbeck, dessen Leich in einer Abortgrube gefunden wurde, ist verhaftet worden. Es ist der 52jährige Fuhrunternehmer Wolter, der das Kind seit dem 1. Viertel dieses Jahres in einem unterirdischen Gelaß des alten Einbecker Klosters verborgen gehalten hat Die Obduktion der Leiche ergab, daß das Kind nach seinem Verschwinden noch etwa 3 Wochen gelebt hat, aber schlecht ernährt worden ist. Es war zum Skelett abgemagert, Magen Leber und Nieren waren zusammengeschrumpft. Das Kind ist halb verhungert und dann ermordet worden, was Strangulationsmarken am Halse beweisen. Als Wolter verhaftet wurde, legte er ein Geständnis ab. 5 Personen vom Blitz erschlagen. Ofenpest, 2. Aug. Aus Udwarhely wird berichtet: Bei einem schweren Gewitter schlug der Blitz in das Haus des Landwirtes Nory ein und tötete seine Frau und seine 5 Kinder. 3 Wäscherinnen ertrunken. T Genf, 2. Aug. Infolge Loslösens zweier Flanken ist ein am Rhoneufer liegendes Wäschefloß plötzlich gesunken. Von 5 darauf beschäftigten Wäscherinnen konnten nur 2 gerettet werden. Tragischer Vorfall in einem Kloster. Petersburg, 1. Aug. Aufsehen erregt hier ein tragischer Vorfall, der sich in dem Trinitatis=Kloster abspielte. Dort lebte seit vielen Jahren ein Freund und Gesinnungsgenosse des bekannten Anarchisten Fürsten Krapotkinz ein ehemaliger Gardeoffizier, der Fürst Mamurow, der Mönch geworden war, nach dem er seine politische Ansicht geändert hatte. Vorgestern fanden ihn Gemeindemitglieder völlig entkräftet in seiner Zelle; er gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Der Fürst war erkrankt, er hatte seine Zelle seit 14 Tagen nicht verlassen können und war von den anderen Mönchen vergessen worden.! Ein neuer Flug=Weltrekord. T Petersburg, 2. Aug. Der Flieger Sikorski hat einen neuen Weltrekord für den Dauerflug mit 7 Passagieren aufgestellt, indem er 84 Werst in einem Aeroplan eigener Konstruktion in einer Stunde und 4 Minuten zurücklegte. Eigenartige Entgleisung. Ottava, 1. Aug. Gestern vormittag ist ein Güter zug der Grant Trunk Eisenbahn auf der Hochebene von atario in eine Viehherde gefahren, die sich auf dem Geleise befand, und infolge dessen entgleist. 5 Personen wur. den getötet 1 Heute erlöste der Tod nach langem schweren Leiden meine geliebte Tochter, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante Preua. Im Namen der Hinterbliebenen: Wattenscheid, den 1. August 1913. " Ar Ketigen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. August, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause, Chausseestr. 10, aus statt. Bekanntmachung. Zugelaufen ist im hiesigen Stadtbezirke ein Hund, Art Foxterrier, Rüde, ca. 50 cm groß, schwarz, mit weißem Fleck am Hals und braunen Pfoten. Der Eigentümer des Hundes kann sich im hiesigen Rathaus, Zimmer 2 bis Mittwoch, den 6. Aug. er. melden, andernfalls der Hund am Donnerstag, den 7. August cr., nachm. 4 Uhr an obengenannter Stelle öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert wird. Wattenscheid, 29. Juli 1913. Die Stadt=Polizei=Verwaltung: Der Bürgermeister Wibberding. Verkauf eines Hundes. Am Dienstag, den 5. August ds. Is., vormittags 10 Uhr wird im hiesigen Amtshause, Zimmer Nr. 1, ein zugelaufener deutscher Schäferhund öffentlich meistbietend verkauft, wozu Kauflustige eingeladen werden. Wattenscheid, den 1. August 1913. Der Amtmann: Emisch. Ziegenzucht-Verein Wattenscheid u. Umgegend. Vereinslokal loh. Floren, Vödestraße. Sonntag, den 3. August er., nachmittags 4.30 Uhr General-Versammlung. Tagesordnung: I. Verlesung des Protokolls. 2. Zahlung der Beiträge. 3. Versicherung. 4. Vorstandswahl und Lokalwahl. 5. Verschiedenes. Betr. Punkt 8 Versicherung weisen wir darauf hin, daß die nicht erscheinenden Mitglieder sich dem Versammlungsbeschlusse fügen müssen. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. 160 der Stadt Wattenscheid. Unser Kamerad Heinrien-Borchard (Mitglied der Vereinigung ehem. Artilleristen) ist gestorben. Zur Beerdigung tritt der Verband Sonntag, den 3. August, nachm. 2.45 Uhr auf dem Kaiserplatz an, der Abmarsch nach Ueckendori erfolgt Punkt 3 Uhr. Zahlreiche Beteiligung erbittet Das Präsidium. K wieder neue Pesten In getragenen und — Hsuen= *Schen im = Kauf haus für S= Monats-Garderöben,“ " Bochum, nur Kortumstr. 8, Die Beleidigung, die ich gegen die Familie Halka, Roonstr. 13, ausgesprochen habe, nehme ich mit Bedauern zurück. Frau Karl Siegmund. Etage, 4—5 Räume, evtl. mit Mansarde, mit allen Bequemlichkeiten sofort oder 1. Oktober zu vermieten. Wwe. Fr. Simshäuser, Chausseestraße 15. Zum 15. August ein älteres, grogeres Marchen gesuacht. Frau Wilh. Streier, Freihettstraße. eingetroffen. Unsere bekannt billigen Preise sind noch immer: IE10—.10— und höher. I Gehrock-Frack- u. Smoking-Anzüge * in großer Auswahl, auch leihweise. Achten Sie bitte genau auf die Haus.— nummer S. Das größte Geschäft dieser 4 Art am Platze. „ F i l i a l e: G r a b e n s t r a ß e 4 7. M Die beste und billigste Bezugsquelle für komplette Aussteuern und Einzelmöbel nur in dem aus circa 150 Musterzimmern bestehenden Fabriklager von Cam-Ase. Wittenerstrasse 12. Siets ginsige Gelegenhen Aür Wiederverkäufer. Statt jeder besonderen Anzeige! Gestern mittag 12 Uhr entschlief nach langem, schweren Leiden, im festen Glauben an ihren Erlöser, unsere liebe Mutter, Grossmutter, Schwester, Tante und Schwägerin Frau-Wwe. herman-Fahsier Ernestine geb. Gehrt im 66. Lebensjahre. Wattenscheid, Ponitz, Schmölln, den 2. Aug. 1913. Namens der trauernden Hinterbliebenen: Carl Leifheit und Frau. Die Beerdigung findet Montag, den 4. August, nachm. 4 Uhr vom Sterbehause, Kaiserstr. 20. aus statt. Die Trauerfeier 1 Stunde vorher. esscher Ereeh Nülr Aklienkaptal und Reserven 116000 000 Mk. Ausführung allerbankmäßig. Geschäfte zukulanten Bedingungen. Bargeid-Eilnag.. werden zur Verzinsung auf Depostten-Konto mit dreimonatlicher und sechsmonatlicher Kündigung entgegengenommen.— Ferner empfehlen wir den provisionsfreien Scheckverkehr, In welchem wir jederzeit ohne Kündigung bare Gelder zu angemessenemh Zinstuße rückzahlungemesschem Einsfuße verzinsen. Die näheren Bedingungen liegen an unseren Kassen bereit. Essener Credit-Anstalt, Gelsenkirchen, Marktstrasse 12: Agentur in Wanne, Gabelsbergerstr. 4. Stadt. Gymnasium zu Wattenscheid. Beginn des Winterhalbjahres 16. September. Auf den mittleren Klassen nach Wahl Griechisch oder realgymnasialer Ersatzunterricht. Vormittagsunterricht 8—12,35 Uhr. Anmeldungen erbitte ich zunächst für alle Klassen schriftlich. Der Gymnasial=Direktor: Prof. Dr. Hellinghaus. Tel. 1878. Tel. 1878. Wättenscheid (Willl Broska.) Beliebtestes Verkehrslokal.— desellschaftszimmer.— Gute Ruche. Allein-Ausschank: der Münchner Paulaner Brauerei, Helles, Pilsener, Grätzer- und Berliner Weiße Berliner Sommer-Garten. 2, Jund 4räumige Thangen per sofort oder 1. Oktober zu vermieten. Baugeschäft Joh. Franke, Parkstraße 16. C.-u. Abtig. Wattenscheid. Vereinslokal Hrch. Langensiepen. Senntag, den 3. Ang. er. Dahl.=Lüdenscheid=Altena. Abfahrt morgens: 1. Gruppe 6,26 Uhr ab Wattenscheid (Berg.=Märk) nach 2. Gruppe 8,42 Uhr ab Wattenscheid. oder 8,57 Uhr ab Gelsenk.=Wattensch nach Dahlerbrück. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. ag, den 3. Aug. er. Wänder ung Mädchen st Stellung in kleinem halt. unigseld, Kaiserstr. 16. Kriegerbund Wattenscheid. Vereinslokal Rörig Sonntag, den 3. Aug. er nachmittags 4 Uhr Versammlung. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Kauallerie-Verein Wattenscheld. Vereinslokal Moritz Wiesmann. Sonntag. 3. August 1913. mittags punkt 1 Uhr Abfahrt nach Buer-Erle mittele Sonderwagen der Straßenbahn vom Restaurani Langemann(am Rheinisch Bahnhof) ab. Schwarzer Anzug. Um zahlreiche Teilnahme (auch Damen) bittet Der Vorstand. Anappen-Verein von wattenscheld u. Umgegend. Veremnsichal: Rocke, Uödestraße. Sonntag, den 3. Aug. er., nachmittags 4 Uhr Versammlung. Der Vorstand. Deutscher K. V. Kaiser Wilhelm Wattenscheid. Vereinslokal Georg Sonntag, den 3. d. Mis., nachmittag 5 Uhr findet die monatiche Versammlung statt. Der Vorstand. Westere drei Zimmer=Wohnung mit Koch. und Lrgggeg zu 1. Okt. zu vermieten. — — Nr. 177. (3. Blatt.) Samstag, den 2. August 1913. 45. Jahrgang.v AnttenscherrrrIe.. I. Vunsaigen) gegründe 1809(auafte Wach (weneral=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Aeckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, eseg (Neueste Nachrichten.) in Stadtund Amt Watenscheid, Hevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet; : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet; 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche: : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). 3 Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566.* Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts:“ 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin= 2 zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach; Erhalt der Rechnung sesessosen und Kreis. Wattenscheid, 2. August. Evangelische Vereinsnachrichten. Sonntag nachmittag 3,30 Uhr: Jungfrauenverein im Gemeindehaus.— Sonntag nachm. 4 Uhr Gem. Chor im Gemeindehaus.— Mittwoch nachm. 2 Uhr: Diakonissen=Hilfsverein im Gemeindehaus.— Mittwoch nchm. 3 Uhr: Arbeitsstunde des älteren Frauenvereins im Pfarrhause an der Hochstraße.— Donnerstag abd. 7,30 Uhr: Frauen= u. JungfrauenMissionsverein.— Donnerstag abend 7 Uhr: Vorbereitung zum Kindergottesdienst.— Mittwoch nachm. 3 Uhr: FrauenVerein Westenfeld.— Jünglings= und Männerverein zu Wattenscheid. Sonntag nachm. 12 Uhr: Posaunenchor. Sonntag nachm. 5 Uhr: Jugendabteilung. Sonntag nachm. 7 Uhr: Versammlung. Mittwoch abend ½8 Uhr: Bibelstunde.— Enthaltsamkeitsverein vom blauen Kreuz: Sonntag nachm. 5 Uhr: Versammlung im Vereinslokal Zentrum. Samstag abend ½8 Uhr: Gebetsversammlung im Gemeindehause.— Zweigverein der ev. Gesellschaft: Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bibelstunde im Vereinshaus.— Evangelischer Gebetsverein, Wasserstraße 19: Sonntag nachm. 2 Uhr Bibelstunde. Donnerstag abend 6 Uhr: Bibelstunde.— Bibelstunden Donnerstag abend 7 Uhr in der Kleinkinderschule Centrum, Pastor Kuhlmann. Mittwoch abend 7,30 Uhr im Gemeindehause, Pastor Engelbert.— Jugendbund für entschiedenes Christentum für Mädchen: Jeden Sonntag, nachm. 6 Uhr: Gesangstunde für den gemischten Chor. Jeden Donnerstag abend 7,30 Uhr: Bibelbesprechstunde. Jeden Samstag abend 7 Uhr: Gebetstunde Günnigfeld, Vereinshaus, Marktstraße 18. Jeden Sonntag nachm. 3.30 Uhr: Gesangstunde für den gemischten Chor. Jeden Sonntag nachmittag 5 Uhr: Bibelstunde. Jeden Freitag abend 6 Uhr: Gebetstunde. Die Verbreitung der Badeanstalten. * Anläßlich der Eröffnung der Wattenscheider Badeanstalt dürfte es interessieren, einiges über die Verbreitung der Badeanstalten in Deutschland zu erfahren. Nach einer Zusammenstellung, die vor einiger Zeit vorgenommen worden ist, wurden im gesamten Reich gezählt: 2847 Warmbadeanstalten mit 18996 Badewannen und 11111 Brausen. Dabei fehlte aber die Angabe, wieviel kommunale Einrichtungen waren. Auf je 100000 entfielen, soweit die öffentlichen Badeanstalten in Betracht kamen, 31,3 Badewannen und 18,3 Brausen. Nach dieser Zusammenstellung hatte die Stadt Bremen die besten Badeverhältnisse. Dort entfielen auf je 100 000 Einwohner 88,4 Badewannen und 46,3 Brausen. Ueber dem Durchschnitt standen: das Königreich Sachsen, Württemberg, Baden, die thüringischen Staaten und Anhalt. Hamburg und Lübeck standen hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Badewannen über dem Durchschnitt; diese beiden Städte standen aber bedeutend unter dem Durchschnitt hinsichtlich der Zahl der zur Verfügung stehenden Brausebäder. Von je 1000 Einwohnern des Deutschen Reiches wohnten 575 in solchen Orten, in denen überhaupt noch keine öffentlichen Badeanstalten eingerichtet waren. In den einzelnen Bezirken zeigten sich natürlich auch inbezug auf diese Durchschnittsberechnung bedeutende Unterschiede; so wohnten im Königreich Sachsen von je 1000 Bewohner 400 in Orten ohne Warmbadeanstalten, in Bayern aber 658 Bewohner. Wattenscheider Straßenbahnfragen. * Zum Bau einer direkten Straßenbahnverbindung zum Bahnhof Wattenscheid schreibt man uns noch von geschätzter Seite in bezug auf das beachtenswerte Eingesandt in Nr. 175 von Donnerstag, 31. Juli: Von Wichtigkeit erscheint vor allem vor Ausführung des Baues einer Linie von Leithe zum Bahnhof Wattenscheid eine vorherige freundschaftliche Verständigung mit der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahngesellschaft. Diese Gesellschaft, die die Konzession zum Bau elektrischer Straßenbahnen durch das Stadtgebiet hat, leitet durch den größten Teil unseres Ortes die Hauptlinien von Wattenscheid nach Gelsenkirchen und von Wattenscheid nach Bochum, diese Linien befördern den Hautpverkehr im Ort. Damit nun auch die zahlreichen Passanten dieser Linien Gelegenheit haben, auf vorteilhafte Weise zum Bahnhof Wattenscheid und zurück fahren zu können, erscheint es zweckmäßig, daß später sogenannte Umsteigebilletts auf der Bochum=Gelsenkirchener Linie und Kommunalen Straßenbahn ausgegeben werden, damit nicht für eine verhältnismäßig kurze Strecke zwei 10 Pfennig=Fahrkarten gelöst zu werden brauchen. Man könnte dann auf einem solchen Billett für 10 Pfennig etwa vom rhein. Bahnhof zum bergmärk. Bahnhof(umzusteigen an der ev. Kirche) oder von der Zeche Zentrum zum bergm. Bahnhof(ebenfalls an der ev. Kirche umsteigen) fahren. Das würde beiden Linien, sowohl der Bochum=Gelsenkirchener als der kommunalen Straßenbahn eine bedeutende Hebung der Einnahmen bringen, besonders, wenn der Fahrplan beim Umsteigen an der ev. Kirche gegenseitige Rücksichtnahme zeigt. Vor allem aber gewährt es dem reisenden Publikum eine wesentliche Erleichterung inbezug auf die Beförderung vom Bahnhof in alle Stadtteile und umgekehrt. Es darf daher erwartet werden, daß beim Bau einer Linie zum Bahnhof Wattenscheid vorher eine freundschaftliche Verständigung zwischen der Bochum=Gelsenkirchener u. der kommunalen Straßenbahn, getragen von dem Geiste versöhnlichen Entgegenkommens, herbeigeführt wird, die ebenso sehr im Interesse beider Linien wie sämtlicher beteiligten Gemeinden liegt. Erfolge früherer Abiturienten unseres Gymnasiums. * Zwei frühere Abiturienten unseres Gymnasiums haben jüngst unter besonders ehrenden Umständen promoviert, indem ihre Dissertationen in bedeutende wissenschaftliche Sammlungen übernommen sind. Die eine, verfaßt von Dr. Stephan Jürgens, dem Sohn des Rektors J. in Höntrop, lautet: „Das Helfersystem in den Schulen der deutschen Reformasder ansean seiteseniestesangen teschanrte, Mannschen„Pädagogischen Magazins“ übernommen. Die andere, verfaßt von Dr. Hermann Theloe, Sohn des Kaufmanns Th. in Hordel, lautet:„Die Ketzerverfolgungen im 11. und 12. Jahrhundert“ und bildet Heft 48 der von den berühmten Historikern v. Below, Finke und Meinecke herausgegebenen„Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte". Abschlagzahlungen. * Die Abschlagszahlungen auf den hiesigen Zechen finden in diesem Monat wie folgt statt: Centrum Schacht 1=3 am 7. Schacht 2.5 und 4=6 am 8., Holland am 8., Fröhl. Morgensonne am 9., Hannover am 2. August. Provinzial=Feuersozietät. * Für die Erhebung der Provinzial=Feuersozietäts=Beiträge ist seitens der Stadtkasse Termin auf Dienstag, 5. August, vormittags von 9—12 Uhr im Rathaus, Zimmer 8, angesetzt. Die Versicherten des Stadtbezirks seien hierauf aufmerksam gemacht. Marianische Sodalität. * Zwecks Teilnahme am Fackelzuge aus Anlaß des 25jährigen Orts=Jubiläums des Domkapitulars Hausmann versammeln sich die Mitglieder Samstag abend vor 8 Uhr im Vereinshause an der Kirche. Pünktlich 8 Uhr gehen die Mitglieder geschlossen zur Bochumerstraße. Desgleichen versammelt sich die Turn=(in weiß) und Musikabteilung und das Trommlerkorps 7,30 Uhr abends im Vereinshause. Fackeln werden im Vereinshause ausgegeben(25 Pfennig). Die vom letzten Fackelzug noch herrührenden gelben Fackeln können im Zuge benutzt werden. Sonntag morgen 7,30 Uhr Gesang. stunde. Alte Musikschätze Westfalens. * Im Auftrage des Kultusministeriums und der Musikgeschichtlichen Kommission zur Herausgabe der Denkmäler deutscher Tonkunst bereist zurzeit Dr. Krabbe=Berlin die Provinz Westfalen, um in privaten und öffentlichen Archiven und Bibliotheken alles zu katalogisieren, was sich irgendwie auch in Handschriften, Drucken und sonstigen Spuren einer musikalischen Kultur vor 1800 finden mag, um es so der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Alle, die auch nur einen ganz bescheidenen Beitrag zu dieser Forscherarbeit liefern könnten, sind gebeten, eine kurze Nachricht hiervon an „Dr. Knabbe, z. Z. Arnsberg, Hotel Husemann" zu schicken. Unkosten werden gern zurückerstattet. Es handelt sich— noch einmal bemerkt— nur darum, Nachrichten und Quellen an Ort und Stelle zu notieren, nicht um Erwerbung oder Ver schleppung. Sauerl. Gebirgs=Verein. * Die hiesige Abteilung des S. G.=V. unternimmt am kommenden Sonntage ihre 4. Tour. Die eile Gruppe fährt vormittags 6,26 Uhr ab Bahnhof Wattenscheid(Berg.=Märk.) nach Dahl, die andere Gruppe vormittags 8,42 ab Wattenscheid oder 8,57 Uhr ab Gelsenkirchen=Wattenscheid nach Dahlerbrück. In Dahl beginnt dann die Wanderung und führt am Volme=Ufer entlang über Hengstenberg zur Priorlinde, dem einzigen vorhandenen Wahrzeichen eines frü. Spieler Moderner Kulturroman von Hans Hyan. 471(Nachdruck verboten.) Sollte er sich reumütig auf die Bahn setzen und seinen Schwiegervater bitten, alles wieder ins Gleise zu bringen? Nein, nein, alles andere eher, als das! Und dann, der alte Braunstein konnte wohl Geld geben, wenn er wollte; die Folgen jenes unseligen Schrittes, den sein Schwiegersohn gestern in Gemeinschaft mit dem Leutnant von Korthals getan hatte, die konnte niemand beseitigen! Denn es mußte ja herauskommen! Der Betrug war zu grob! Die Milchwagen fuhren schon, und immer mehr Arbeiter zogen schweigend auf den noch dunklen Straßen dahin, ihrem Ziele entgegen, das Arbeit, Pflichterfüllung und Tätigkeit hieß. „Ja, wer noch einmal arbeiten und alles wieder gut machen könnte!“ dachte Minderstedt.„Aber für mich ist es zu spät, ich habe hier nicht mehr viel zu suchen.“ Er war jetzt an den Kanal gekommen und ging immer am Wasser entlang. Hin und wieder blieb er stehen und starrte auf den schwarzen Spiegel, der zwischen den grauen Kaimauern sich trüb und regungslos breitete. Nun schien es ihm, als ginge hinter ihm einer, der ihn fortwährend beobachtete. Das war ihm peinlich, er blieb stehen, um den andern vorbei zu lassen. Da verhielt der auch seinen Schritt, sie erkannten sich. „Herr Minderstedt, nicht wahr?“ sagte der andere. „Ja“, erwiderte Martin, nach dem Namen jenes suchend, denn er hatte ihn wohl erkannt, erinnerte sich aber nicht mehr, wie er hieß. Es war der Mann jener Frau, der Minderstedt damals die dreihundert Mark gegeben hatte. „Ich heiße Treuhart“, sagte er gerade,„Egon Treuhart! Ich bin Ihnen schon eine ganze Weile nachgegangen, aber Sie waren so in Gedanken versunken!“ „Ja, ja“, sagte Minderstedt; dabei dachte er:„Der hat auch gespielt und war schon ganz fertig, vielleicht noch mehr als ich!“ Treuhart sing auch sofort davon an, er hätte jetzt eine gute Stellung, wo er zwar schon sehr früh sein und viel arbeiten müßte, aber das Gehalt wäre gut und der Chef wäre auch recht zufrieden mit ihm. „Das ist ja nett!“ sagte Minderstedi geistesabwesend. „und Ihre Frau? Sie sind doch verheiratet, nicht wahr?“ Der andere wurde aufmerksam. „Aber, Herr Minderstedt, der haben Sie doch damals das Geld gegeben, ohne das ich verloren gewesen wäre! Meine Frau, die betet jeden Abend für Ihr Wohlergehen...“ „Betet für mich?“ Minderstedt lachte leise,„für mein Wohlergehen?! Soll sie nur lassen! Wird bald gar keinen Zweck mehr haben! Ich...“ Das übrige verlor sich in einem Murmeln, das Treuhart nicht verstand. Der aber hatte jetzt begriffen. Er kannte ja diesen Zustand hoffnungslosester Verzweiflung, hatte ihn selbst empfunden! Und sein dankbares Herz jubelte, daß er seinen Wohltäter jetzt, gerade jetzt getroffen hatte, wo er ihm seine Hilfe vielleicht vergelten konnte. Sofort hatte er sich vorgenommen, das Geschäft heute Geschäft sein zu lassen und mit Minderstedt wieder nach Hause zu gehen, zu seiner Frau. Wenn er den Ziegeleibesitzer nur dazu bringen konnte. Aber das gelang ihm über Erwarten leicht. Minderstedt hatte das Gefühl, es sei ja ganz egal, was er jetzt täte. Zum Sterben hatte er ja nachher auch noch Zeit. Auch lockte ihn die nebelhafte Vorstellung jener Frau vielleicht, die ihn damals so interessiert hatte. Es waren doch Menschen, die noch etwas von ihm wollten, für die er auch jetzt noch etwas bedeutete. Fast ohne miteinander zu reden, gingen sie den weiten Weg zu Treuharts Wohnung. Und Frau Meta begriff sogleich alles. Sie schickte ihren Mann ins Geschäft und redete dem Ziegeleibesitzer so lange zu, bis er sich aufs Chaitelonque legte und fast sofort in schweren Schlaf sank. Dann nahm sie mit leisen Händen aus seinem Rock die Brieftasche, fand die Adresse seiner Heimat und telegrapbierte an Frau Hulda. „Wenn Sie Ihren Mann retten wollen, kommen Sie sofort!“ Gegen Mittag schlief der Ziegeleibesitzer immer noch. Es klingelte, und Frau Meta sah sich, hinauseilend, einer Dame gegenüber. „Mein Mann...!“ fragte die Blonde mit bebender Stimme. „Er lebt! Er ist bei uns!“ lachte die andere in stiller Freude. Und dann ließ sie die blonde Frau in das Zimmer, wo der Gatte immer noch schlief, und zog die Tür hinter ihr ins Schloß. Nur das Ohr legte sie an das Holz, sie mußte doch hören, wie der Schlafende erwachte und mit einem Jubelschrei sein Weib umarmte. Aber drinnen blieb es lange Zeit ganz still. Martin Minderstedt erwachte aus schwerem Traum! Wohl sah er die Gute, die so treu zu ihm hielt, die all seine Lieblosigkeit und selbst seine Hinterlist mit liebender Hilfe vergalt, neben sich vor dem Kanapee knien; er hörte auch ihre Worte, die ihm verziehen und nur verziehen und ihn baten, zu glauben, daß alles noch gut werden könne, aber er traute sich selber nicht mehr, er hatte den Glauben an seine eigene Seele verloren! Und wie sie das sah, wie er nur immer still vor sich hinbrütete, und wie alle ihre Küsse, ihre Liebesworte nichts fruchteten, da rief sie die andere zu Hilfe, die in banger Sorge vor der Tür stand. „Mein Mann hat es ja auch gelassen, das Spiel!" sagte Frau Meta,„Sie werden ebenfalls die Kraft dazu unden! Und Ihre Frau wird Ihnen dabei helfen!“ „Ja, ja!“ Frau Huldas Stimme bebte,„denk' doch an unsere Kinder!“ Da lächelte er zum erstenmal. Und dann versprach er ihr's, daß er sich bessern wollte. Aber er versprach es auch sich selber. Und in dem Zagen, in aller Ungewißheit, darin sein Herz sich mühte, keimte die Hoffnung auf ein Glück der Liebe und der Arbeit... 1— Bestellungen auf die Wattenschei der Zeitung werden jeder Zeit von unseren Boten und der Beschäftsstelle entgegengenommen. Verlag u. Enp. der Watienschelder Zeilung. durch das Klüttnahedetat au scht der Weg über Epscheid vollen Ausblicken ins V., 100) Rummenchl mit steits pracht Vommetal. Nach weiterer Wanderung bis ap grnng Im Dahl und Dahlerbrück, wo sich der linten Polmeseitzu anschließt. Run geht es an mühle denn neseite über die Asenbach weiter nach SchaltsGolebergua; an dem Bocksberge vorbei über Lauenscheid, Oblinghrogerg, Oedenthal, den Siepen hinauf über den Schlinghäuser Esch nach Othlinghausen in die Lösenbach bis Lüdenscheid. Nach Besichtigung der Fuelbecker Talsperre erfolgt die Rückfahrt von Altroggenrahmede abends 6,49 Uhr. Da die bisherigen Wandertouren des S. G.=V. den vollen Beifall der Beteiligten gefunden haben, dürfte auch für diese Tour auf eine gute Beteiligung gerechnet werden. Vom Steeler Rennverein. * Der Essen=Steeler Rennverein erzielte für sein bevorstehendes Meeting ein ausgezeichnetes Rennungsergebs. Für die 6 Konkurrenzen gingen nicht weniger wie 93 Unterschriften ein, die sich wie folgt verteilen: Berne=Jagdrennen 15, Essener=Jagdrennen 16, Glashütten=Jagdrennen 18, Vereinigungs=Jagdrennen 19, Halden=Jagdrennen 11 und Union=Klub=Jagdrennen 14. Da die Qualität der engagierten Pferde durchweg eine sehr befriedigende ist, wird man am 6. August auf interessanten Sport rechnen können. Eine treffende Antwort. * Leider bürgert sich immer mehr der Brauch ein, selbst bei Vergebung von kleinen und kleinsten Handwerterarbeiten das Submissionsverfahren anzuwenden und so den Preis ich Moglichkeit zu drücken. Eine treffliche Antwort gab, so schreibt man uns, ein Schneidermeister, indem er auf eine das Handwerk geradezu herabwürdigende Submissionsaufforderung hin mit folgendem„Submissionsausschreiben“ antwortete:„Ich beabsichtige, am nächsten Freitag mittag einen Schneiderkarpfen, sogenannten Hering, zu verzehren und will die Lieferung dieses Seefisches öffentlich mindestfordernd im Submissionswege vergeben. Der Hering soll aus der Nordsee stammen, männlichen Geschlechts, nachweislich jung, frisch, fett und weißfleischig sowie gut gesalzen sein und muß timeter. Die Zugabe von einigen Zwiebelscheiben sowie Abfällen anderer Heringe erhöht die Zuschlagsmöglichkeit. Ich ersuche lieferungslustige Unternehmer, versiegelte und verschlossene Offerten bis zum Submissionstermine Donnerstag nachmittag 6 Uhr, um welche Zeit die Eröffnung der eingegangenen Offerten in Gegenwart etwaiger Submittenten erfolgt, in meiner Wohnung abzugeben. Der Zuschlag wird sofort erteilt, jedoch bleibt die Auswahl unter mehreren gleichfordernden Unternehmern vorbehalten. I., Schneidermeister.“ Recht hat der Mann, denn wohin würde es kommen, wenn der eine Stand dem anderen den wohlverdienten Lohn nicht gönnte?! Plätze in der 4. Klasse. * Die 4. Klasse erfreut sich bekanntlich nicht bloß eines großen Zuspruches, sondern auch ihre Ausstattung wird fortgesetzt verbessert. Sie ist u. a. auch mit ausreichenden Sitzbänken versehen worden. Dagegen ist es nicht gestattet, in der 4. Klasse Plätze zu belegen. Eine besondere Ausführungsbestimmung zur Eisenbahnverkehrsordnung erklärt jetzt das Belegen von Plätzen in dieser Klasse für unzulässig, selbst, da, soweit Sitzplätze vorhanden sind. Die Eisenbahnverwaltung glaubt damit zahlreichen Beschwerden vorzubeugen. Otto Linnekogl. stellte am Donnerstag in Gelsenkirchen mit 4250 Metern Flughöbe einen neuen deutschen Höhen=Rekord auf. Im Fluge durch die Woche. Man ist jetzt immer guter Laune, Das Wetter hat sich umgewandt, Die Sonne brennt die Haut so braune, Als wär man an der Waterkant. Es schmunzeln ob der schönen Tage Die Lehrer und auch alle die Die nach der Wochen Qual und Klage Fortzieh'n vom Ort der Industrie. Ich schmunzle gleichfalls, denn ich reise Ins Hochgebirge, welche Lust! Dort, wo die Gipfel ganz im Eise, Dort will ich dehnen Herz und Brust. Doch bin ich heute noch im Städtchen In meiner Villa Kuckucksheim Und lasse schnurren noch die Rädchen, Den Stoff zu bringen in den Reim. Am Montag abend, welch Gesurra Im Aether! Alles reckt den Hals: Ein Doppeldecker schnurra, hurra! Den Flugplatz sucht er jedenfalls. Doch als er ihn nicht konnte finden, Da nahm er auf der Wiese Platz Bei Sevinghausen bei den Linden, Sogleich begann der Menge Hat. Im Laufschritt einzeln und zu Paaren, So stürmte man den Landungsplatz, Ich sah wahrhaftig schon seit Jahren, In Wattenscheid nicht solche Hatz! Da war ja auch die Flugmaschine, 2 Offiziere nebenbei, Wie war verwundert Mine, Trine, Sie meinten,'s ist doch allerlei. Am andern Morgen früh um neune, Da surrte das Vehikel weg, Nahm gleich Kohlleppels alte Scheune, Entschwand den Blicken hier am Fleck. Das Volksbad ist mit schönen Reden Und manchen Gästen eingeweiht, Nun zur Benutzung steht's für jeden, Das heißt noch nicht, in kurzer Zeit. Nun dachte ich vor meiner Reise, Zu stählen mich im Wannenbad, Im kalten, warmen, wechselweise, Nun muß ich so aus dieser Stadt. So mag sie viel benutzt nun werden Von Mann und Weib, von Greis und Kind. Man fühlt sich„wöhlchen“ auf der Erden, Sobald das Badewasser rinnt. Und in der Halle möge stählen Die deutsche Jugend ihre Kraft, Mit Mut erfüllen ihre Seelen, Freiturnen neues Blut ihr schafft. Ich selber auf die alten Tage, Ich gehe in den Turnverein, Und nach des Tages schwerer Plage Häng an das Reck ich noch das Bein. Und glückt auch nicht die Riesenwelle Weil meine Knochen schon zu alt, So bleibt das Turnen eine Quelle, Die noch dem Alter gibt den Halt. Von neuen Straßenbahnprojekten Brauch ich nicht sagen allzuviel, Die Sachen schon Emilius schmeckten, Sie waren seiner Reime Ziel. Nur daß zum Bahnhof fahren müssen Die Wagen alle, dieses nur Möcht ich noch unterstrichen wissen Nur dieses ist die rechte Tour. Wenn ich von Bochum oder Essen Bei Nacht und Nebel komme an, So harrt der Wagen unverdrossen, Mit dem bequem man fahren kann. Komm trocken heim bei Wind und Wetter, Patsch nicht mehr durch den Straßendreck, Und wer das findet nicht viel netter, Der ist wahrhaftig etwas zeck. Daß Perl gestiftet hier ein Denkmal, Das ist gewiß beachtenswert, Doch weil ein Denkmal ist ein Schenkmal Gewiß sich manches Jahr noch zährt, Bevor der Kaiser hoch zu Pferde Auf steingehau'nem Postament Durchreitet Wattenscheider Erde. Ein jeder weiß es und es kennt. Das Rathaus nachts strahlt tageshelle, Und fertig ist das Mosaik, Die Steuern zahlt jetzt jeder schnelle, Der immer blieb damit zurück. Man schreitet über schönes Pflaster Recht angenehm zum Zahllokal Und ladet ab den Steuerzaster Und geht nach Hause ohne Qual. Damit bin ich mit meinem Witze Zu Ende auch und bin recht froh, Denn Witze reimt sich zwar auf Hitze, Doch Hitze drückt auf das Plateau. Villa Kuckucksheim, 2. August 1913. Gottlieb. Eingesandt. Viktor Stöffler. erreichte am Donnerstag in Gelsenkirchen ein: Flughöhe von 3256 Metern und verbesserte hiermit den westfälischen Höhenrekord um 144 Meter. Weitere Lokalnachrichten siehe 2. Blatt. Zum 125jährigen Jubiläum des Westenfelder Schützenfestes. Westenfeld, 2. August. Am Samstag und Sonntag hat der hiesige Schützen=Verein der Jung= und ehemaligen Junggesellen sein angeblich 125jähriges Jubelfest gefeiert. In der„Wattenscheider Zeitung“ erschien aus diesem Anlaß ein längerer Artikel, in welchem des längeren über die Geschichte des Vereins die Rede war. Die Angaben beruhen zum Teil auf Irrtum, weshalb sie, damit keine falsche Auffassung Platz greift, hiermit richtig gestellt seien. Es ist dies nicht früher geschehen, weil nicht der Anschein erweckt werden sollte, daß das Fest gestört werden solle. Vor 50 Jahren bestand in Westenfeld noch kein Schützenverein. Es ist aber seit alter Zeit nach der Scheibe geschossen worden, und zwar in folgender Weise: Die Junggesellen von Westenfeld kamen zusammen und jeder der Schützen zahlte einen festgesetzten Beitrag. War das Fest vorbei, so wurde entweder der Ueberschuß verteilt, oder aber das Fehlende nachgezahlt. So wurde es gehandhabt bis Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhundert. Es ist auch oft vorgekommen, daß in mehreren Jahren gar kein Scheibenschießen stattfand, und dies ist auch der Grund, weshalb der Vogel einmal verschwunden war. Es ereignete sich dies in den 60er Jahren, als der damalige Schützenkönig Karl S. von Westenfeld verzogen war. Auch in den Jahren 1870, 1871 bis 1875 ist kein Scheibenschießen gewesen, sondern es feierten die Junggesellen mit dem Kriegerverein zusammen. Von 1876 ab ist wieder regelmäßig geschossen worden. Als nun durch das Anwachsen der Bevölkerung die Zahl der Schützen größer wurde, führte der bisher geübte Modus zu Unstimmigkeiten, und es bildete sich im Jahre 1893 aus den Mitgliedern, die diesen Modus nicht mehr für zeitgemäß hielten, ein Verein, der jetzt noch bestehende Bürger=SchützenBund. Einige Jahre später gründete man den jetzt bestehenden Verein der Jung= und ehemaligen Junggesellen. Was nun die Jahreszahl 1788 auf dem Vogel angeht, so ist dieselbe im Jahre 1888 von dem Juwelier Henning in Bochum am Fuße des Vogels eingraviert worden, wofür jetzt noch Zeugen vorhanden sind. Vorher wird keiner der noch lebenden alten Schützen eine Zahl an dem Vogel gesehen haben, dieser ist, was zugegeben sei, schon Jahre alt, aber die Zahl 1788 ist willkürlich angebracht worden. Dies zur Steuer der Wahrheit. Civis. (Wir haben das Eingesandt aufgenommen, obwohl uns aus Kreisen des Schützen=Vereins der Jung= und ehem. Junggesellen die Richtigkeit unseres veröffentlichten Artikels, der von unterrichteter Seite stammt, bestätigt wurde. Bis auf die Anbringung der Jahreszahl, die aufzuklären ist, stimmt der Inhalt des Eingesandts im wesentlichen mit dem Artikel in unserer Zeitung überein. D. Red.) Eingesandt. Gehört die Volksschule zu den werbenden Anlagen? * Wattenscheid, 2. Aug. Mit Geld läßt Geld gewinnen, also ist das nutzbringend angelegte Geld produktiv. — So sagt der eine; der andere aber sagt das Gegenteil: Geld ist eine tote Sache und kann daher gar nicht produktiv sein, produktiv ist nur die Kraft, natürlich unter der Bedingung, daß diese ausgenutzt wird. Aber auch dieser Satz findet seine Gegner. Nur eine Verschiebung der Werte trete ein, dem entst ehenden Plus stehe jedesmal ein Minus auf der anderen Seite gegenüber, produktiv sei nichts. Eine alte Streitfrage ist es, die ich hiermit in Erinnerung bringe: den Merkantilistenstreit im 18. Jahrhundert. Fast scheint es, als wenn diese alte Streitfrage in anderer Form wieder auftauchen sollte, da man in der Tagespresse zuweilen finden muß, daß fast alle Einrichtungen des Staates und der Gemeinde produktiv sind, nur nicht— die Volksschule. Gewiß, die Volkschule kostet den Gemeinden Geld, viel Geld. Ist aber das Geld hier wirklich so nutzlos angelegt? Meines Erachtens nicht; folgende Gedanken mögen zum Beweise dienen: 67 Millionen Menschen hat das gesamte Deutsche Reich zurzeit zu ernähren. Und nun möchte ich mir die Frage erlauben: Wäre es wohl möglich, eine solch gewaltige Menschenmenge durch alleinige Ausnutzung der physischen Kraft der großen Masse zu unterhalten? Frühere Zeiten kannten allerdings nur die Ausnutzung der physischen Kräfte. eine allgemeine, intensive Vorbildung in unserem Sinne kannte man nicht. Sie war auch nicht notwendig, denn die produzierten Werte genügten, weil die Zahl der Verbraucher noch gering war und noch geringere Anforderungen an das Leben stellten. Unsere heutige Zeit aber könnte mit der Ausnutzung der physischen Kraft der großen Masse gar nicht mehr auskommen. Sie verlangt gebieterisch die Ausnutzung der gesamten Kräfte des Menschen, besonders aber der geistigen, um immer bessere Werte produzieren zu können.„Wo ein Kopf ist, da findet sich auch leicht die Rechnet man die gesamten Ausbildungskosten eines Volksschülers zu 500 Mark und davon die Zinsen zu 4 Prozent, so müßte ein solcher Schüler später, wenn er in den Kreis der wertproduzierenden Staatsbürger eingetreten ist, jährlich(einschließlich Amortisation) zirka 40 Mark mehr zu schaffen imstande sein, als wenn nur seine physische Kraft ausgebildet wäre. Ich glaube, nicht 40 Mark, sondern mehr als das 20fache dieser winzigen Summe ist in Ansatz zu bringen, um einigermaßen den Mehrwert seines besseren Schaffens richtig zu treffen. Ich will nicht behaupten, daf die Volksschule als alleiniger fördernder Faktor hier in Frage kommt, sicherlich werden aber die wirtschaftlichen Mehrwerte erarbeitet auf Grund einer allgemeinen guten Volksbildung. Der zunehmende Wohlstand des deutschen Volkes ist nicht zum geringsten Teil eine Folge der zunehmenden Intelligenz. Jede Art von Reaktion auf diesem Gebiete schädigt den Wohlstand des deutschen Volkes. Wer es auf weitere Hebung des deutschen Wohlstandes abgesehen hat, der wird auch immer sich zu dem Satze bekennen, daß die Volksschule eine der produktivsten Einrichtungen des Staates ist. Das möge genügen. Ein Freund der Volksbildung. stellt siek in de Melle, Leitnant Krükenzippel hadde en Burschen, den he vör Geld im Panoptikum hädde wiesen können. He heiten Pankraz Schnörnagel un waß ut Stiepel=Schrick. Eent maut me seggen: Schnörnagel waß en braven un örndlicken Menschen, de dem Leitnant siene Junggesellenbude beeter in Stand holl as villichte manket Deinstmiäken; denn dat eß jo bekannt: vüell dauhn wellt de Däinens vandage nich meh. Also in düesem Punkt waß use Pankraz op de Höchte. Men blos met de Intellegenz hadde dat bi ehm en bedenklichen Haken. Sien Leitnant hadde ehm öwer düett Kapittel all manken intressanten Vördrag gehollen, in de he met de Schopsköppe, Rhinozerrosse, Kameelephanten un annere zoologische Tiselazionen nich grade sparsam ümgegohn waß; ower gebatt hadde dat alles nix. Eenes Dages woll Leitnant Krukenzippel sienen Frünnen en Owendeeten giewen. He hadde doför allerlei leckere Saken binäinhalen loten, Wild un Geflüeggels, Worst un Schenken; ok en godden Droppen fehlte nich. Et waß also alles do; men blos de Benehmität van usem leiwen Pankraz Schnörnagel mok dem Leitnant groute Sorge. Wat wörde ehm düet Rhinozeros im Quadrat nich wier vör dulle Kaptiolen maken, wann de en nich vörher gründlich kunfermäierte. De Leitnant reip sick also sienen Burschen rin un holl met ehm Nohmiddags ne Extra=Instruktionsstunne af. He wiesete ehm, wu he an de Husdür de Gäste in Empfang te nehmen hädde— Pankraz figureerte bi düese Instruktion as de vörnehme Beseik un de Leitnant as Bedeinter—, dann mok he ehm klor, wu he de Egisaken un Gedränke in de Stowe te brengen hädde. De Leitnant nahm sick das Tablett, lagg en Kommisbrot drop, stallte en par liäge Pullen dobi un satte Pankraz alles nett uteen, marschäirte met Eleganz in de Dür rin, op den Disch tau, portete de Saken vörsichtig vör Pankraz, de as Gast figuräierte, hen un laden den vörnehmen Gast met ne er Der vor Jahren abgesetzte Präsident Castro von Venezuela ist wieder einmal in seiner Heimat gelandet, um durch gewaltsame Erhebung die Zügel der Regierung wieder an sich zu reißen.— In Wilhelmsstadt auf Curacao ist das Gerücht im Umlauf, daß Anhänger Castros die Stadt Coro in Venezuela eingenommen und den Gouverneur General Jurado festgenommen haben. Die politische Lage in Venezuela sei kritisch. Zahlreiche hervorragende Versönlichleiten seien verhaftet worden. Eine trafeine Handbewegung in, tautelangen un et sick godtschmacken te loten. Pankraz verstonn dat miß un woll op dat Kommisbrot los; ower de Leitnant mok ehm plausibel, dat dat men blos ne Art Anschauungs=Unterricht wör. Na, et gong denn ok am Enne ganz godd; de Rolken worden vertuscht, de Leitnant markäierte den Gast un Pankraz moch met dem Tablett anmarschäieren. Wann ok de Grandezza nich all to schlank rutkam, so gloffte de Leitnant doch, dat he et met Pankraz verseiken könn. Bis tom Owend hadde Schnörnagel noch Tiet, de Wohnung en bettken festlick in Stand te setten; de Leitnant lagg sick op de Scheeselong, üm dat Niggeste vam Dage te studäieren. He hadde ne Tietlang so gelegen, as ehm de Lust ankam, sick ne Piepe antestecken. He reip also:„Pankraz!“ Pankraz kam in siene bequeme Stiepelsche Manäir ran te schluffen, stak den westfölischen Dickopp dür de Dürspalte un freig:„Wat gefällig? Leitnant Krukenzippel woll mangs explodieren. Wu fake hadde he düesem Dämclack nu all klor gemakt, dat be vörschriftsmäßig antriän foll! „Pankragaz!“ „Befehl, Herr Leitnant!“ Pankraz klappete die Afsätze aneen, dat et men so knallte. „Schafskopp!“ „Befehl, Herr Leitnant!“ „Wenn ich rufe, hast Du ins Zimmer einzutreten, im Stechschritt auf mich loszumarschieren, 2 Schritte Abstand zu nehmen, die Hände an die Hosennaht zu legen und zu sagen:„Ich melde mich zur Stelle!„Verstanden? „Befehl, Herr Leutnant!“ „Na, dann nimm die Hacken zusammen und Dein bischen Grütze, damit Du mir heute Abend keine Schande machst. Verstanden?" „Befehl, Herr Leitnant!“ Pankraz brachte de Piepe un de Leitnant kam bi dem bloen Knasterqualm in ne ganz behagliche Stimmung. Et worde Owend un de Gäste kamen pünktlich ran. Pankraz mok de Honörs beeter as siek de Leitnant gedacht hadde. De Härens satten sick an den Disch un wachteten op de schöinen Dinge, de do kommen sollen. Pankraz brachte de Suppenschüettel un draug sie wier as, as sie liäg waß. De twedde Gang wassen Gänselewerpasteten. Pankraz kam met Grandezza ran, de Pasteten op dem Tablett. De Leitnant hadde öwerseihn, dat sien Bedeinten all ringekommen waß un willen ehm de twedde Gang all en bettken te lange geduert hadde, reip he met Kommando=Stimme: „Pankraaaz!“ Schnörnagel kam im Stechschritt ranmarschäiert, bläif twäi Schriä vör dem Leitnant stohn, lagg de Hänne an de Büxenpiepen un— kladderadatsch, Klabautz!— lagg dat Tablett metsamt de ganzen Pasteten op de Eere. „Ich stelle mich in de Melle!" De Gäste wollen sick den Buk vör lachen hollen. De Leitnant waß ut Rand un Band, ower Pankraz Schnörnagel stonn, de Hänne an de Hosennaht, se piel un stur as en Eikboum. Antleßte moch ouk de Leitnant lachen. He nahm Pankraz met in de Küecke un gaff ehm noch ne kleine Extra=Instruktion. Dat holp dennouk; de anneren Gänge kamen richtig op den Disch un de Owend hadde antleßte noch en ganz gemütlicken Verlöip. Ower am annern Dage moch Pankraz Schnörnagel wier in de Kaserne trügge un en annern Burschen kam noh Leitnant Krukenzippel, denn de Leitnant meinte:„Mancher lernt's nie!“ Schnörnagel waß nich böise drüm, dat he afgesatt worde. He dachte bi sick:„Mankeräinem kann et nümmes nich recht maken!" Wie die Frauen den Roman lieben. Die Zeitungen sind die eifrigsten Verbreiter der belletristischen Literatur, und es ist wohl nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, daß das Interesse der Frauen sich hauptsächlich dem Zeitungsroman zuwendet. Nun hat der Fortsetzungsroman natürlich auch seine Feinde, aber, wie eine Umfrage ergeben hat, sehr zu Unrecht. Die Frauen lieben den Roman in Fortsetzungen. Eine sehr berühmte und geistvolle französische Schauspielerin äußerte sich nach einer Anfrage, in welcher Form sie den Roman am meisten liebt, folgendermaßen:„Von all den Werken, die ich lese, steht mir der Zeitungsroman am nächsten. Er führt mich langsam in ein neues Gebiet ein, bringt mich sozusagen in eine Familie, die ich noch nicht kannte, mit der ich aber aller Voraussicht nach nun einige Wochen verkehren werde. Täglich mache ich dieser Familie einen Besuch, und ich freue mich, nach und nach deren Schicksal kennen zu lernen. Ich kann diesen BeAnzahl von Anhängern Castres, darunter 2 Neffen von ihm, sind heimlich von New=York nach Coro und Bagota abgereist. Ob der gegenwärtige Putsch Castros mehr Erfoig als die mißglückten Erhebungen der Vorjahre haben wird, bleibt abzuwarten. Nach glaubwürdigen Nach richten ist Castro, dessen Bild wir neben der heutigen Karte zeigen, auf der kolumbischen Halbinsel Grajica gelandet und von dort mit einer 2000 Mann starken Freiscar in Vegenuecta cingctiaten. such zu eder Tageszeit machen und habe nicht nötig, mich erst in Toilette zu werfen. Ich weiß auch, daß ich immer willkommen bin, und wenn ich eine Viertelstunde mit diesen Menschen zugebracht habe, dann habe ich wieder einen weitern Einblick in ihre Verhältnisse gewonnen, so daß ich mich auf den nächsten Tag freuen kann, der mir wieder eine Zusammenkunft mit den Menschen gewährt. Ich liebe den Zeitungsroman, weil er mehr als jedes Buch geeignet ist, die Spannung der Nerven, die uns so wohl tut, zu erhalten. Bin ich genötigt zu verreisen, so gilt meine erste Sorge der Ueberweisung meiner Zeitung, damit ich mit den Menschen, die ich liebgewonnen, nicht aus dem Kontakt komme. Und eine englische Aerztin äußert sich über den Zeitungsroman folgendermaßen:„Bevor ich an die Ausübung meines schweren Berufes denke, nehme ich rasch die Unterhaltungsbeilage meiner Zeitung vor und vertiefe mich in den Roman. Er ist das eigentlich Neue, das ich täglich erwarte, und das mich nicht enttäuscht. Ich habe Gelegenheit, Menschen zu studieren und mir ein Urteil zu bilden, genau so, als würden mir interessante Exemplare der Gattung Mensch vorgeführt. Dadurch, daß ich nicht nach Belieben die Seiten wenden kann, um mich zu unterrichten, bin ich gezwungen, meine Gedanken selbst arbeiten zu lassen. Es ist erholend und erfrischend zugleich, sich in dieser Richtung zu beschäftigen. Außerdem bringen die heutigen Romane vielerlei Wissenswertes, erschließen uns ganz neue Gebiete der Technik, der Wissenschaften, in die wir uns sonst möglicherweise nicht hineingearbeitet hätten. Es ist durchaus nicht wahr, daß die Frauen nur Lieblingsromane bevorzugen. Sie wollen Held und Heldin bei der Arbeit sehen, und mit Dankbarkeit empfindet man es, wenn man durch den Roman auf ein fremdes und fernes Gebiet gelenkt wird. Der Fortsetzungsroman ist dafür außerordentlich geeignet. Langsam vertiefen sich die Gedanken, nehmen auf und verarbeiten das Bild, das der Autor ihnen zeigt. Ich spreche hierbei durchaus nicht nach meinen eigenen Erfahrungen allein, Hunderte von Patientinnen haben mir die gleiche Ansicht bekundet, und selbst bei Frauen und Mädchen, die schwer erkrankt waren, konnte ich durch den Zeitungsroman noch immer ein gewisses Interesse hervorrufen, wenn ihnen auch sonst die Dinge des Lebens gleichgültiger geworden waren.“ Auch zahlreiche Frauen anderer Länder und aller Stände haben bestätigt, daß der Roman in Fortsetzungen ihnen die liebste Lektüre ist, trägt er doch in ihr Leben ein Stückchen Romantik hinein. Die Großh. Hessische Baugewerkschule zu Bingen a. Rhein eröffnet ihr neues Wintersemester in ihrem neuen Unterrichtsgebäude. Mit seinem schönen alten unter Denkmalschutz stehenden Aeußeren, hohen luftigen Räumen, schattigem großen Schulhof entspricht dieser Bau allen schönheitlichen und hygienischen Anforderungen. Bingen liegt am Rhein, damit ist das weite Feld des für den Bauschüler nötigen Anschauungsunterrichts angedeutet: Alte Bauwerke für die Bestrebungen der Denkmalpflege, das neue Bismarckdenkmal, die im Bau begriffene Rheinbrücke, moderne Uferbefestigungen und vieles mehr. Geselliges Leben finden die Schüler in dem technischen Verein der Schule, der„Bauhütte". Landschaftlich gilt Bingen als eins der schönsten Rheinstädtchen. Gehörleidende, welche an Schwerhörigkeit, Ohrenfluß, Ohrensausen und temporärer Taubheit leiden, machen wir auf die heisamen Wirkungen des Oberstabsarzt und Physikus Gr. G. Schmidt'schen Gehör=Oels besonders aufmerksam, welches bereits seit 30 Jahren mit gutem Erfolge angewendet wird und sich als ein sehr gutes Mittel gegen Ohrenleiden bewährt hat; dasselbe ist in den meisten Apotheken und wie im Inseratenteil unserer heutigen Ausgabe ersichtlich, in der Löwen=Apotheke in Essen=Ruhr, Markt 3, erhältlich. Heute billig! Holl. Mäuse 10 Pfd. 40 Pfg., Schlangengurken Stck. 10 Pfg., Kopfsalat 8 Pfd. 20 Pfg., Schnittbohnen Pfd. 18 Pfg., Birnen Pfd. 15 Pfg., Tafelbirnen Psd. 20 u. 25 Pfg., Pflaumen Pfd. 25 Pfg., Zwetschaen Pfd. 32 Pfg., Aepfel 2 Pfd. 35 Pfg., ger. Schellsische Pid. 20 Pfg., Kieler Bückinge 8 Stck. 25 Pfg., Sprottbückinge Kiste 68 Psg Katholischer Gottesdienst. Sonntag, 3. August 1913. St. Gertrudis=Propsteipfarre. 6 Uhr: hl. Messe. Kommunion der Knappen u. Christlich=Sozialen. 7 Uhr: hl. Messe. Gemeinsch. hl. Kommunion der Kommunionkinder der Schulen von Westenfeld u. Leithe. 8 Uhr: hl. Messe mit Predigt. 9 Uhr: hl. Messe. 9,45 Uhr: Abholung des hochw. Herrn Jubilars zum Festgottesdienst. 10 Uhr: Festgottesdienst(Levitenhochamt mit Festpredigt.) 11½ Uhr: hl. Messe mit Predigt. 12½ Uhr: Taufe. 2½ Uhr: Rosenkranz=Bruderschaft mit Prozession. Der Männer= und der Mütterverein fallen im Monat August und September aus.— Die diesjährige Wallfahrt nach Kevelaer wird am 16. und 17. August stattfinden. St. Joseph=Filialgemeinde Wattenscheid. 6,45 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 7 Uhr: stille hl. Messe; gemeinschaftl. hl. Kommunion der Mädchen der Mittelklassen, monatl. Kommunion der Jungfrauen. 8½ Uhr: Kindermesse. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11,45 Uhr: Taufe. 6 Uhr: Andacht. Herz Jesu=Filialgemeinde Sevinghausen. 6 und ½7 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 7¼ Uhr: stille hl. Messe mit gemeinschaftl. hl. Kommunion des Paramentenvereins. ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Die Nachmittagsandacht ist nicht um ½3 Uhr, sondern um 6 Uhr. Herz Mariä=Pfarrkirche in Günnigfeld. 6½ Uhr: stille hl. Messe. 8 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt und Predigt. 2½ Uhr: Herz Jesu=Andacht. — In der 8 Uhr=Messe ist gemeinsame hl. Kommunion der Knaben der 1., 2., 3. und 4. Klassen der Marien=, Josefsund Südfeldmarkschule. Die Beichten beginnen Samstag um ½4 Uhr. Pfarrkirche in Höntrop. 6½ Uhr: stille hl. Messe mit gemeinschaftl. hl. Kommunion des Mütterverein. 7,45 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 9½ Uhr: Hochamt mit Predigt. 2½ Uhr: Christenlehre mit Andacht und Segen.— Für unsere Pfarrei ist zur Gewinnung des Portiunkula=Ablasses der nächste Sonntag, 3. Aug., bestimmt worden. Die Gläubigen werden recht dringend gebeten, doch möglichst alle diesen Gnadentag zum Empfange der hl. Sakramente zu benutzen. St. Josefs=Pfarrkirche in Gelsenkirchen=Ueckendorf. 6—7 Uhr: Beichte. 6 Uhr: hl. Messe. 6,50 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion— aber nicht an Jünglinge. 7 Uhr: Frühmesse mit Predigt. Nach dem orate fratres hl. Kommunion der Jünglinge, gemeinschaftl. hl. Kommunion der Sodalität und des Gesellenvereins. ½9 Uhr: hl. Messe mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt und Predigt. ½12 Uhr: Spätmesse mit Predigt. ½3 Uhr: Christenlehre und Andacht. 6 Uhr: Armeseelenamdacht. Friedenskirche. Vorm. 8 Uhr: Frühgottesdienst, Pastor Engelbert. Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienst, Pastor Geck. Feier des hl. Abendmahles. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst, Pastor Kuhlmann. Nachm. 6 Uhr: Dankgottesdienst und Taufen, Pastor Engelbert. Alte Kirche. Vorm. ½9 Uhr: masurischer Gottesdienst, G.=H. Lux. Kapelle zu Höntrop. Vorm. ½10 Uhr: Hauptgottesdienst, Pastor Kuhlmann, Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Krankenhaus. Vorm. 10 Uhr: Hausgottesdienst, Pastor Engelbert. Amtswoche vom 3. August bis 9. August: P. Engelbert. Gemeindehaus. Sonntag nachm. 2 Uhr: Gottesdienst für Holländer. Günnigfeld. 9,30 Uhr: Gottesdienst mit Feier des hl. Abendmahls. Ueckendorf. Samstag 5 Uhr: Beichte, P. Krämer. Sonntag 8 Uhr: P. Krämer. 10 Uhr P. Sewing(Feier des hl. Abendmahls). 10,15 Uhr Gottesdienst im Krankenhaus, P. Krämer. 2 Uhr Jugendgottesdienst, P. Sewing. 2,45 Kirchentaufen. 4 Uhr masur. Gottesdienst, P. Schmidt. Donnerstag 5 Uhr: Bibelstunde im Gemeindehause, P. Krämer. Amtswoche: P. Sewing. F 5l Achung. über die aufstellung von Waylerlisten zu den Wahlen der Ausschußmitglieder der allgemeinen Ortskrankenkasse. Gemäß Erlaß des Herrn Reichskanzlers vom 10. Juli. 1913 wird hiermit bekannt gemacht, daß zum Zwecke der Wahl der Vertreter im Ausschuß der allgemeinen Ortskrankenkasse für den Bezirk des gemeindlichen Versicherungsamtes der Stadt Wattenscheid, getrennt nach Arbeitgeber und Versicherten, Wahllisten aufgestellt sind. In diese Wahllisten müssen sich zur Sicherung ihres Wahlrechtes alle mit dem 1. Januar 1914 neu in die Krankenversicherung aufgenommenen volljährigen Personen(§ 165 K. V. G.) (insbesondere die in der Landwirtschaft beschäftigten, die Dienstboten, die im Wandergewerbe beschäftigten, sowie die Hausgewerbetreibenden und ihre hausgewerblich Beschäftigten, die unständig Beschäftigten) sowie deren Arbeitgeber, soweit sie wahlberechtigt find, aufnehmen lassen. Die Aufnahme in die Wählerlisten geschieht auf dem hiesigen Rathause, Zimmer Nr. 14, während der Bureaustunden. Die Meldefrist läuft mit dem 15. August 1913 ab. Sofern sich Wahlberechtigte nicht rechtzeitig gemeldet haben, kann späterhin die Wahl der Ausschuß= und Vorstandsmitglieder nicht aus dem Grunde angefochten werden, daß diese Personen nicht in die Wählerliste aufgenommen sind. Den Versicherten dient als Ausweis über ihre Person eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers. Letzterer kann ihre Anmeldung während der Meldefrist auch selbst schriftlich oder mündlich besorgen. Für die schriftliche Anmeldung durch den Arbeitgeber ist nachstehender Vordruck als Muster zu verwenden. Die Zustellung der Wahlausweise erfolgt z. Zt. durch die hiesige Ortskrankenkasse. Nachweisung der Versicherungspflichtigen. Lid. Zu= und Nr. Vornamen. Geburtsdatum oder Alter Beruf. in Jahren. Wohnung, genaue Angabe. Wattenscheid, den 30. Juli 1913. Der Vorsitzende des Versicherungsamtes für die Stadt Wattenscheid: Wibberding, Bürgermeister. Einige schöne Wohnungen mit Stall und Gartenland, an der Voede- und Heidestraße gelegen, auf sofort oder später zu vermieten. Ww. 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