Nr. 172. (1. Blatt.) Montag, den 28. Juli 1913. 45. „„ geründet 1808 44„„ 8c * gegrunder 1808(Rassafte Wo#hufehten) (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden wpeziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, geee Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Sevinghausen, Westenfeld, Hönkrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. geessesssessnesenn : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts### : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin i. : zusagen ausgeschlossen. 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Wir können heute unsere Angaben noch um einige besondere Einzelheiten ergänzen: Nach dem im Entwurf vorliegenden und von beiden Gesellschaften bereits angenommenen Pacht= und Betriebsvertrag übernimmt die Westf. Straßenbahn G: m. b. H. in Gerthe bereits zum 1. Aug. ds. Is. die kommunale StraßenbahnWattenscheid=Höntrop. Sie zahlt eine jährliche Pacht von K 25000 an die bei der kommunalen Bahn jetzt beteiligten Gemeinden Herne, Eickel, Hordel, Günnigfeld, Wattenscheid und Westenfeld und an den Landkreis Gelsenkirchen, der ebenfalls beteiligt ist. Nach Maßgabe der bisher festgesetzten Gewinn= und Verlustbeteiligung erhält die Stadt Wattenscheid hiervon jährlich 17%, d. i. K 4125, was im Vergleich mit dem bisherigen städtischen Zuschuß von jährlich rund# 14000 immerhin ein erheblicher Vorteil ist. Die Zahlung ist rückwirkend vom 1. April d. Is. ab. Außerdem zahlt die neue, vereinigte Gesellschaft jährlich mindestens K 25000 in den Reservefonds. Diese Ueberschüsse sollen ermöglicht werden auf Grund der bisher guten Rentabilität der Gerther Gesellschaft und durch die mit der Fusion verbilligten Verwaltungskosten, da das ganze Bureau in Eickel überflüssig wird. An den weiter etwa noch erzielten Ueberschüssen participieren die bisher am kommunalen Straßenbahnunternehmen in Eickel beteiligten Gemeinden, also auch die Stadt Wattenscheid zu 2 Dritteln. Daß die Bahn nach Station Höntrop und nach Leithe sofort auszubauen ist, haben wir bereits mitgeteilt, gewiß eine für Stadt und Amt bedeutsame Angelegenheit. Repräsentantenwahl in Wattenscheid. * Für die ev. Kirchengemeinde Wattenscheid fand am gestrigen Sonntag nachmittag 4 Uhr in der Friedenskirche die Repräsentantenwahl statt. Sie wurde geleitet von Pfarrer Engelbert und wies wegen des zu Stande gekommenen Kompromisses nur eine geringe Beteiligung auf. Die Amtszeit beträgt 8 Jahre. Die von den vereinigten kirchlichen Vereinen in Vorschlag gebrachte Liste wurde gewählt und zwar: Rektor Rud. Förster, Bergmann Wilhelm Ellerbrock, Invalide Wilhelm Jäger, Gasmeister Theodor Vorast, sämtlich in Wattenscheid, Maurer August Brinkmann, Leithe, Rentner Heinrich Schalke sen., Westenfeld, Buchhalter Friedrich Kocks, Westenfeld, Schreinermeister Friedrich Ebert, Westenfeld, Maschinenwärter Friedrich Kniebes, Sevinghausen, Steiger a. D. Heinrich Middelhauwe, Höntrop. Im Ganzen wurden nur 79 Stimmen abgegeben. Aus Stadt Wattenscheid waren 57, aus Amt Wattenscheid 22 Wähler erschienen Amtliches. * Verliehen wurde dem kaufmännischen Direktor Wimmelmann in Gelsenkirchen der Rote Adlerorden 4. Klasse, dem Generaldirektor, Bergrat Müller in Gelsenkirchen der Kgl. Kronenorden 3. Klasse. Die Zeitungsverleger.. * Der Verlegerverein Lokalpresse hielt Mittwoch, 23. er. im Lindenhof zu Dortmund die Monatsversammlung ab. Es ging zunächst unter Leitung des Verlegers SchmidtBarop eine Vorstands= und Aufsichtsratssitzung der Bezugsund Absatzgenossenschaft der Lokalpresse voraus. Dann eröffnete Carl Busch jun.=Wattenscheid als Vorsitzender des Vereins Lokalpresse die Monatsversammlung. Für die Oeffentlichkeit ist besonders die Aussprache über einen Punkt von Interesse. Danach haben die großen, teuren politischen Zeitungen jetzt ganz einseitig für eine bestimmte Kategorie von Abonnenten billigere Abonnementspreise eingeführt, zum Teil mit 50% Rabatt, was für den Stand, insbesondere für die Ortszeitungen der Provinz von Schaden ist. Die gesamte Lokalpresse soll aufgefordert werden, hiervon der Oeffentlichkeit Kenntnis zu geben, damit alle Abonnenten von den großen Zeitungen ebenfalls diesen Rabatt auf den gewiß hohen Abonnementspreis von 2—5 Mark pro Monat fordern oder aber die Blätter abbestellen. Nur darin erblickt man eine Maßnahme gegen diese den Stand schädigende Einseitigkeit, die auch schon deshalb an Unlauterkeit grenzt, weil die Inserenten glauben, sie könnten auf Grund der hohen Abonnementspreise, die am Kopfe der Zeitungen vermerkt sind, auf ein besonders kaufkräftiges Lesepublikum schließen und deshalb die hohen Inseratpreise dieser Zeitungen bezahlen, indessen durch die heim. liche Verbilligung bei einem großen Teil der Abonnenten doch nicht mehr die nach dem Maßstabe der Abonnementspreise vorausgesetzte Kaufkraft vorhanden ist. Ferner gelangte ein in einer bestimmten Angelegenheit erstattetes Gutachten des Oberlandesgerichtspräsidenten Wirkl. Geheimen Rats Dr. Holtgreven=Hamm zur Kenntnisnahme. In diesem Gutachten, das Exzellenz Holtgreven dem Verein in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt hat, nimmt er in eingehender Form Stellung zum§ 193 des Reichsstrafgesetzbuches (Wahrung berechtigter Interessen in Beleidigungsprozessen). Der gewiß maßgebliche Gutachter steht auf dem berechtigten Standpunkt, daß der§ 193 jedem Redakteur eines guten Blattes zuzubilligen sei, der objektiv kritisiert und die Form des Anstands nicht verletzt hat. Weiter erstattete Vorsitzender ein längeres Referat über die letzt in Bremen stattgehabte Jahresversammlung. Tödlicher Unglücksfall. * Auf Zeche„Rheinelbe“ Schacht 3 geriet der Hauer Joh. Gumbert von Gelsenkirchen, Ziethenstr. 18, am Samstag früh unter herabfallendes Gestein, was den sofortigen Tod zur Folge hatte. Heute großes Infanterie=Konzert. * Der Kameradschaftliche Verein„16. Armee=Korps“ veranstaltet heute abend in der Kronenburg(Ludger Sonnenschein), das angekündigte Militärkonzert, ausgeführt von der gesammten Kapelle(32 Mann) des Infanterieregiments Nr.17 (Graf Barfuß) aus Mörchingen bei Metz, unter der Leitung des Kgl. Musikmeisters Weide. Das Konzert beginnt um 8 Uhr. Nach dem Konzert ist Tanzkränzchen. Aus dem reichhaltigen Programm, welches eine Fülle der besten Schöpfungen erster Komponisten umfaßt, seien hier nur folgende genannt: Ouverturen aus den Opern„Mignon“,„Bajazzo“, „Wilhelm Tell“,„Internationale Märsche für Heroldtrompe= ten“. Dann als Haupt=Konzertnummer„Deutschlands Erinnerung an die glorreichen Kriegsjahre 1870=71“, großes patriotisches Tongemälde mit Schlachtmusik. Diese Komposition von Saro ist hier bisher in gleicher Besetzung noch nicht gehört worden. Bei den vorzüglichen Leistungen der Kapelle wird das Konzert hoffentlich einen starken Besuch aufweisen. Die Jubiläumsflugwoche auf dem Gelsenkirchener Flugplatze. * Am gestrigen Sonntag begann unter ganz gewaltigem Andrange des Publikums die seit längerer Zeit mit Eifer vorbereitete Jubiläumsflugwoche, eine sportliche Veranstaltung von größter Bedeutung. Ueber den Verlauf des gestrigen Tages wird gemeldet: Punkt 5 Uhr, wie aus der Pistole geschossen, erhoben sich 3, 4, 6, 8, 10 Flugzeuge in die Luft. Das Publikum war begeistert. Prächtig hoben sich die stolzen Flugzeuge vom Himmel und dem reinen Weiß der Wolken ab. Neben einzelnen Apparaten, die geräuschvoll in geringerer Höhe umherflogen, zogen andere in bedeutender Höhe ihre schweigsamen, majestätischen Kreise, oft einem großen, forschenden Adler ähnlich. Einen herrlichen Anblick gewährte einmal eine Taube in beträchtlicher Höhe, die einen langen weißen Kometenschweif von Dampf hinter sich herließ. Wundervoll hob sich der von dem Himmelsblau ab. Gegen 6Uhr bedeckte sich der Himmel teilweise mit Gewittergewölk, doch war der Himmel gnädig genug, keinen Regen zur Erde zu senden. Die Wolken zogen bald ab. Harlan mit Krieger zog indessen kühne enge Kreise über dem Platz, was oft recht beängstigend aussah. An Gleitflügen leisteten verschiedene Flieger hervorragendes; u. a. Friedrich auf Estrichtaube. Große Spannung herrschte vor Beginn der Rennen, zu denen 3 Flugzeuge gemeldet waren: Viktor Stoeffler auf Aviatik=Pfeilapparat, Joseph Sablatnig auf Union=Pfeilapparat und Richard Weyl mit Otto=Apparat, alle drei Doppeldecker. Kurz nach 8 Uhr erhoben sich mit lautem Geratter die drei Apparate in die Luft und stürmten dem Buerer Rathausturm zu. Nach 20 Minuten kehrte Stoeffler als Erster wieder zurück, lebhaft vom Publikum u. mit Musik begrüßt. Von den beiden übrigen Fliegern war noch nichts zu sehen. 10 Minuten nach 8 Uhr war die zweite Gruppe gestartet: Karl Krieger auf Harlan=Taube, Otto Linnekogel(Rumpler) und Wilhelm Krumsieck auf GothaTaube. Rasch verschwanden die schmucken Apparate in der Abenddämmerung. Von der 2. Gruppe traf als erster am Ziel ein: Stiploschek. Alles in allem genommen, ist der erste Tag der Jubiläumsflugwoche von großem Erfolg beglückt gewesen. Auf jeden Fall hat sich bei dem prachtvollen Wetter ein gar interessanter Sport entwickelt, der von Anfang bis Ende die tausenden von Zuschauern fesselte. Hoffentlich gleichen die folgenden Tage in allen Teilen dem ersten. Turnverein„Deutsche Eiche“. * Der hiesige Turn=Verein„Deutsche Eiche" beteiligte sich gestern am Turnerwettstreit in Eppendorf, welches der Turnerbund Eppendorf veranstaltete. Trotz starker Konkurrenz errangen folgende Turner vom obigen Verein Preise: Den 1. Ehrenpreis 2. Klasse im Ringen erhielt August Drauschke, den 1. Preis im Ringen Joseph Drauschke. Im Stemmen 2. Klasse den 2. Preis Aug. Kraskao den 3. Preis Joseph Drauschke, Ringen 1. Klasse 2. Preis Aug. Drauschke.=Im Aufmarsch errang der Verein den 3. Ehrenpreis und im Festzug den 4. Hessen=Verein. * Der Hessen=Verein hielt gestern die gut besuchte General=Versammlung ab. Die Jahres=Kasse wurde geprüft von den Landsleuten H. Stephan und Joh. Grebe. Alles wurde in bester Ordnung befunden. Dem Kassierer Ernst Grenzebach wurde Entlastung erteilt. Auf Anregung des 1. Vorsitzenden H. Hofmann wurde für den nächstjährigen Ausflug eine Vergnügungskasse gegründet, welche den Landsleuten H. Bauer und Georg Häger zur Verwaltung übertragen wurde. Preisschießen des Kreis=Verbandes. * An dem Kreis=Krieger=Verbands=Preisschießen haben an den ersten beiden Tagen, Samstag und Sonntag, 165 Kameraden teilgenommen. Am Samstag, an dem die Aemter Wanne und Eickel geschossen haben, erzielte die höchste Ringzahl der Kamerad Klandt vom Krieger= u. Landwehrverein Holsterhausen. Am Sonntag, beim Schießen der Kriegervereine des Amtes Wattenscheid hatte das Mitglied des Krieger= und Landwehr=Vereins Westenfeld Lehrer Plitt, das höchste zu erzielende Resultat von 72 Ringen zu verzeichnen,(3 Schuß auf 24er Ringscheibe.) Heute Montag schießen sämtliche 11 Kriegervereine des Wattenscheider Kriegerverbandes. Reichstagsabgeordneter Heckmann in Wattenscheid. * Nach den regnerischen Tagen hatten wir gestern einen freundlichen und wunderschönen Sonntag. Die Anhänger der nationalliberalen Partei waren trotzdem in Scharen herbeigeeilt, um den Vortrag des Reichstagsabgeordneten Heckmann, der gestern im Meier'schen Saale sprach, zu hören über das, was sich in den letzten Wochen im deutschen Reichstage zugetragen hatte. Der Leiter der Versammlung König gedachte mit warmen Worten des Gastes und rief ihm ein herzliches Willkommen auf der Wattenscheider Heide zu. Außerdem hatte sich der ehemalige Fremdenlegionär Jäger aus Bochum bereit erklärt, über seine Erlebnisse in der Fremdenlegion zu sprechen. Wir kommen auf die Reden morgen noch zurück. Parteisekretär Treute behandelte die Landtagswahl und kam auch auf den von der Zentrumspresse erhobenen Vorwurf betr. die Bezirkseinteilung zu sprechen, der von der Stadtverwaltung und Stadtvertretung als unwahr erklärt wurde. Die Rede des Abgeordneten Heckmann wurde des öfteren von starkem Beifall unterbrochen, ebenso fanden die Worte des Referenten Jäger eine dankbare Zuhörerschaft. 19 Herren traten der nationalliberalen Partei bei. Mit einem Hoch auf den Abgeordneten Heckmann fand die interessante Versammlung gegen 7,30 Uhr ihr Ende. Nächtliches Schadenfeuer. * Gellende Feuersignale weckten heute früh gege## 4 Uhr die Bewohner von Wattenscheid recht unsanft aus dem Schlummer und riefen unsere Wehrleute zu ernster Pflichterfüllung. Um 3.30 Uhr war in dem Anbau des Hauses Südstraße 12(Eigentümer Schreinermeister H. Springer) ein Brand ausgebrochen, der in dem dort lagernden Heu und Stroh reiche Nahrung fand und sich rasch verbreitete. Unsere Feuerwehr war in gewohnter Weise schnell zur Stelle und griff das Feuer energisch an. Der aus Fachwerk bestehende Anbau konnte jedoch nicht mehr gerettet werden; ebenso mußte der angrenzende, ebenfalls vom Feuer ergriffene Anbau des Hauses, Südstr. 10(Besitzer Gutsbesitzer Beckmann) aufgegeben werden. Die beiden Gebäulichkeiten enthielten in der Hauptsache Stallungen, waren aber auch von 2 Familien bewohnt, deren Mobiliar fast ganz gerettei werden konnte. Die Feuerwehr beschränkte sich in der Hauptsache darauf, die Hauptgebäude, ebenfalls aus Fachwerk bestehend, zu retten, was auch gelang. Der Schaden ist daher nicht so sehr hoch, im übrigen aber deshalb sehr empfindlich, weil das Stallgebäude des Springer nicht versichert sein soll. Das Feuer ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß sich das Stroh u. Heu, welches nahe am Kamin lagerte, selbst entzündete. Gewitter und Sannenschein. * Am Samstag nachmittag zog plötzlich ein schweres Gewitter herauf, das von einem wolkenbruchartigen Regen und von Hagelschlag begleitet war. Soweit bisher bekannt geworden ist, hat das Unwetter, das etwa 30 Minuten anhielt, keinen besonders großen Schaden angerichtet. Bald darauf schien die Sonne wieder, welche auch am gestrigen Sonntag ein freundliches Gesicht zeigte und uns nach einer langen Regenperiode wieder einen wirklichen, herrlichen Sommertag brachte. Schülerfahrten für Volksschüler an die See.„ * Den Kreisschulinspettoren und Schulbehörden ist soeben folgender Ministerial=Erlaß zur Kenntnis u. weiteren Veranlassung zugegangen:„Der Deutsche Flottenverein beabsichtigt, wie bisher, im lausenden Jahre und weiterhin Schülerfahrten an die See auch für Volksschüler zu veranstalten. Da nach den bisherigen Erfahrungen vom Standpunkte der Schule aus Bedenken gegen diese Veranstaltungen nicht geltend zu machen sind, will ich meine Zustimmung zur alljährlichen Ausführung der Fahrten für Volksschüler unter dem Vorbehalte jederzeitigen Widerrufs sowie unter der Bedingung gern erteilen, daß die in dem Runderlasse vom 4. Febr. 1910 mitgeteilten Gesichtspunkte beachtet werden. Sollten sich bei einer der von dem Flottenverein veranstalteten Schülerfahrten Unzuträglichkeiten ergeben haben, so ist alsbald an mich zu berichten.“ Ein netter Schwiegersohn. * Auf der Ziegelei Vieting an der Bochumer Straße wohnt der frühere Ziegelmeister mit seiner Familie. Der Schwiegersohn kam nun in angetrunkenem Zustande in die Wohnung und skandalierte. Als er die alten Leute wie auch Töchter mit Prügel bedrohte, flohen diese aus der Wohnung, verfolgt von dem Schwiegersohn, welcher mit allen möglichen Gegenständen nach ihnen wars. Dem ganzen Auftritt, dem eine große Menschenmenge beiwohnte, machte ein Polizeibeamter ein Ende, indem er den Schwiegersohn einsperrte. Das 125jährige Jubiläum des Schützen=Vereins der Jungund ehem. Junggesellen, Westenfeld. * Westenfeld, 28. Juli. Das Schützenfest hat seit altersgrauer Zeit in unserer Gemeinde unter allen Veranstaltungen mit den 1. Platz eingenommen u. stets Alt und Jung in seinen Bann gezogen— wie viel mehr das am Samstag und Sonntag stattgefundene 125 jähr. Jubelfest des Schützenvereins der Jung= und ehemaligen Junggesellen. Ganz Westenfeld stand unter dem Zeichen des Schützenfestes und hatte ein überaus prachtvolles Festgewand angelegt. Während sonst die Westenfelder Schützenfeste von einer chararteristischen Einfachheit sind und in pietätvoller Weise ganz in der von den Vätern überlieferten Form gefeiert werden, hatte man in richtiger Erkenntnis der historischen Bedeutung dieses Jubelfestes dem Ganzen emen größeren und glanzvolleren Rahmen gegeben. Große Vorbereitungen waren mit Umsicht und Fleiß getroffen und mehrere auswärtige Brudervereine eingeladen. Auf der Ahlmannschen Wiese an der Hauptstraße gegenüber den Schulen war ein großes Festzelt errichtet, um das sich eine große Zahl von Kirmesbuden, Schaukeln 2c. gruppierten. Der Beginn des Festes bildete am Samstag das Königsschießen, welches erst auf dem Wattenscheider Schießstande stattfinden sollte, dann aber, weil dieser nicht frei war, nach Eppendorf verlegt werden mußte. Die Schützen traten punkt 3 Uhr im Vereinslokal Streier an und marschierten dann unter Vorantritt der Schlotterhoseschen Kapelle aus Waitenscheid, mit den beiden bisherigen Königen Hr. Streier und Hr. Wiethaup an der Spitze nach Eppendors, wo das Schießen begann. Es wurden gute Resultate erzielt, sodaß die Spannung von Minute zu Minute stieg. Mit großer Begeisterung konnte dann am Schlusse der allbeliebte Vereinswirt Hr. Streier zum 1. und Hr. Keißner zum 2. König proklamiert werden. Den beiden Königen, welche sich als Könlginnen Fräulein Anna Fricke und Fräulein Wilhelmine Schwabe wählten, wurde dann in der üblichen Weise gehuldigt. Hierauf ging es mit klingendem Spiel nach Westenfeld zum Festzelt, wo nach einem Konzert um 9 Uhr das Festessen begann. In dem stimmungsvoll dekorierten Festzelt hatte sich eine stattliche und festlich gestimmte Gesellschaft eingefunden. Neben den Schützen nahmen zahlreiche Damen und viele Bürger an den Tafeln Platz; auch Amtmann Emisch beehrte die Veranstaltung mit seinem Besuche. Nach dem ersten Gange hieß der Vereinsvorsitzende Schwarze die Erschienenen, insbesondere Amtmann Emisch mit herzlichen Worten willkommen, verwies auf die Bedeutung des Vereins in historischer und nationaler Beziehung und schloß mit einem Hoch auf die Gäste. Amtmann Emisch feierte in begeisterter Rede unseren Kaiser und ließ seine patriotischen Ausführungen in ein brausend ausgenommenes Kaiserhoch ausklingen. Das Hoch auf unser Vaterland hatte das Ehrenmitglied Strothmann übernommen. Er pries die Schönheit unserer Heimat, erinnerte an die herrlichen Befreiungskämpfe und schloß mit dem Gelöbnis, immerdar treu zu stehen zu unserem Heimatlande. Die eindruckvollen Reden, die trefflichen Musikdarbietungen der Schlotterhose'schen Kapelle und die guten Speisen und Getränke des Festwirts Graßhoff schufen bald eine gehobene Feststimmung mit ihrem Höhepunkt in dem anschließenden Festball. So verlief der 1. Tag in schönster Weise. Der gestrige Hauptfesttag wurde programmgemäß durch eine Reveille eingeleitet, worauf um 11 Uhr im Festzelte ein Frühkonzert stattfand. Dann folgte die feierliche Weihe der neuen prachtvollen Fahne. Das Mitglied Anton Hogrebe sprach folgenden Prolog: Brüder, seid im frohen Kreise Uns gegrüßt mit Herz und Hand! Es umschlingt nach alter Weise Uns der Freundschaft festes Band; Rastlos laßt uns vorwärts streben, Zielbewußt und unentwegt, Unsrer Sache treu ergeben, Bis die Tat einst Früchte trägt. Wenn es gärt in allen Kreisen, Achtet solchen Treibens nicht! Mit der Tat laßt uns beweisen. Daß uns höher gilt die Pflicht! Deutsche Art und deutsche Sitte, Frohen Mut und frischen Sinn Findet ihr in unsrer Mitte; Nur die Eintracht bringt Gewinn. Was in dieser Weihestunde Freude weckt und helle Lust, Gibt von unsrem Fühlen Kunde Und erfüllt mit Stolz die Brust, Denn ein Werk gilt es zu krönen, Das uns längst am Herzen lag. Laßt mit hellen Jubeltönen, Uns beginnen diesen Tag. Unsre Fahne wollen weihen Wir als heiliges Panier, Sie soll wehen unsren Reihen Stets voran als Schmuck und Lasset uns die Treue halten Unsrer Fahne, dem Verein, Das soll, wenn wir sie entfalten, Deutscher Schützen Wahlspruch sein. Die Mitglieder hatten in Reih und Glied vor der Fahne Aufstellung genommen, der Vorstand sowie die Ehrendamen und die Fahnen=Deputotionen scharten sich um die nunmehr zu enthüllende Fahne. Der M. G. V. Westsalia sang unter allgemeinem Beifall das Lied: Brüder reicht die Hand zum Bunde. Im Anschluß hieran hielt Amtmann Emisch die Weiherede der wir folgendes entnehmen: Der von allen Vereinsmitgliedern so heiß ersehnte Jubeltag ist angebrochen, nach den trüben Wochen von Regen und Kälte glänzt heute der Sonnenschein an dem Tage des Jubels und der Freude, gilt es doch, heute nicht allein das 125jährige Bestehen estlich zu begehen, sondern auch das neue Symbol des Vereins feierlich zu weihen und zur 1. Entfaltung zu bringen. Der Tag und das Jahr der Geburt des Vereins wird jedensalts noch viel weiter zurückliegen als wir annehmen, aber es mangelt an urkundlichen Beweisen, und deshalb sehen wir als Gründungsjahr das auf dem sichtbaren Schmucke der Königskette, auf dem das Jahr 1788 eingraviert ist, an. Der Redner gab einen fesselnden, geschichtlichen Rückblick auf das Entstehen und die Bedeutung der Schützenvereine, um dann fortzufahren: Sie erfreuten sich des größten Ansehens und der schönUnterstützung seitens der Behörden. Das vor vielen Jahren bis in die Neuzeit betätigte Bundesschießen legt Zeugnis ab, daß das Schießen von der größten Bedeutung ist. Denn das Ziel des ganzen Wesens ist doch die Vervollkommnung in der Handhabe der Schußwaffe. Die Grundsätze, die vor 125 Jahren schon als Forderungen vom Verein aufgestellt sind, die werden heute noch treu und fest beibehalten. Namentlich ist es die schlichte Einsachheit, welche den Verein auszeichnet. Daß der Verein von allen Seiten gefördert wird, zeigt uns die erhebliche Mitgliederzahl, die der Verein auf 90 gebracht hat. Aber eins fehlte dem Verein, das war das sichtbare chen der Zusammengehörigkeit, das Symvol, welches alle Vereinsbrüder zusammenschließt: eine Fahne. Dank der Opferwilligkeit des Vereins ist die Sehnsucht heute erfüllt, und welcher Tag eignet sich zur feierlichen Weihe und zur ersten Entfaltung wohl am besten als der 125jährige Jubeltag des Vereins? Das von dem Verein erbetene Gnadengeschenk kann ich noch nicht überreichen; nach den Bestimmungen war es mir noch nicht möglich. Nunmehr wurde die Fahne enthüllt.— Wir sehen auf der einen Seite den Mahnspruch sämtlicher Schützen=Vereine:„Ueb Aug und Hand fürs Vaterland“, auf der anderen Seite das Symbol, das Schutz= und Trutzbildnis der Schützenbrüder und schöne Stickereien. Aber nicht allein auf das Auge soll die Fahne wirken, nein, insbesondere auf Herz und Gemüt eines jeden Schützenbruders. Der Redner sprach dann den Glückwunsch der Gemeinde Westenfeld aus und überreichte dann an den Oberst die Fahne und brachte zum Schluß ein Hoch auf Seine Majestät aus. Fräulein Klug widmete im Namen der Damen des Vereins eine Fahnenschleise mit einem hübschen Prolog. Der Vorsitzende H. Schwarze übergab sie dem Fähnrich Chudziak mit dem Wunsche, die Fahne in Ehren zum Ruhme des Vereins zu tragen. Als Fahnenadjutanten fungierten W. Scholz und E. Stork. Die Voraussetzungen, die der Verein in dem Träger der Fahne setze, versprach der Fahnenträger nachzukommen. Der Steeler Schützenverein stiftete einen Fahnennagel, den Amtmann Emtsch auf besonderen Wunsch einschlug. Der Ehrenvorsitzende Hrch. Strathmann dankte allen, die zur Verschönerung der Fahnenweihe beigetragen hatten. Als Ehrendamen fungierten in diesem Jahre Fräulein Maria Klug, Emma Keißner, Mimmi Graßhoff, Johanna Reichel, Elfriede Terbraek, Bernhardine Baldus. Es folgte dann das Lied der gute Kamerad, gesungen vom M. G. V. Westfalia. Ein Konzert schloß das Fest der Fahnenweihe. Um 3 Uhr begann auf dem Platze ein reges Leben. Ungezählte Menschenmassen hatten sich auf dem Kirmesplatze eingefunden und wogten zwischen den Buden einher. Es stellten sich dann folgende Vereine ein: Wattenscheid, Sevinghausen, Günnigfeld, Freisenbruch, Steele=St. Hubert, Steele=Gemütlichkeit, Ueckendorf, Höntrop=Sevinghausen und der Schützenbund Westenfeld. Es folg,e dann der Festzug, der sich in stattlicher Länge durch die reichgeschmückten Straßen unserer Gemeinde bewegte zum alten Krönungshaus (Helf). Hier im Nebenzimmer der Familie Helf, wo sich bereits die Ehrendamen, sowie 2 Ehrendamen vom Jahr 1912 eingesunden hatten, wurde die Krönung der Königspaare vorgenommen. Die Königin wurde von den beiden Ehrendamen vom Jahre 1912 dekoriert, u. zwar die 1. Königin mit goldener Krone und Sträußchen, die 2. mit einer silbernen. Der Tradition gemäß mußten die beiden Schützenpaare mit ihrem Gefolge den noch nicht ganz beendeten Festzug zu Fuß mitmachen, während die Schützenpaare von 1912 in Kutschen gefahren wurden. Um 6 Uhr langte man wieder im Festzelt an. Bei Konzert und Ball verlebten sodann die Festteilnehmer bis zum Morgen fröhliche Stunden, und auch auf dem Festplatze ging es bei dem herrlichen Sommerwetter gar hoch her. So kann der Verein mit freudigem Stolz auf den Verlauf des Jubelfestes zurückblicken, der dazu beitragen dürfte, den guten Ruf des Vereins noch weiter zu stärken. Ausschreitungen. * Westenfeld, 28. Juli. In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben leider mehrere Westenfelder Burschen auf dem Festplatze Ausschreitungen verübt. Sie gerieten mit den Angestellten einer Schiffsschaukel in Streit. Der Besitzer der Schaukel, Biermann aus Gelsenkirchen, kam auf den Lärm hin aus seinem Wagen, um nachzusehen, was vorgehe. Hierbei wurde er von den Burschen angegriffen und mit einem Stück Holz über den Kopf geschlagen, so daß er mit einem Schädelbruch zusammenbrach. Er mußte noch in der Nacht in das Krankenhaus nach Bochum geschafft werden. Auch ein Verwandter des B. erlitt durch einen Schlag eine erhebliche Kopfverletzung. Die Attentäter wurden verhaftet. Es kommen die gleichen Burschen in Frage, die seinerzeit die Kreuzschändung begangen haben. Keiner will den Schlag auf Biermann geführt haben. Jubelfeier des ev. Arbeitervereins Höntrop. * Höntrop, 28. Juli. Bei Schröer beging gestern der ev. Arbeiterverein das Stiftungsfest und die Ehrung von 6 Jubilaren, die nun schon 25 Jahre dem Verein angehören. In der Gemeindekapelle hielt morgens Pastor Geck den gut besuchten Festgottesdienst ab. Nachmittags war die weltliche Feier. Die Brudervereine von Eppendorf und Wattenscheid und der ostpr. ev. Arbeiterverein Höntrop nahmen teil. Pfarrer Geck und der Vorsitzende Chr. Paulus hielten herzliche Ansprachen. Um 7 Uhr erschien auch Reichstagsabgeordneter Heckmann und beehrte die Jubilare und den Verein mit einer größeren Festrede. Der Arbeiter Jäger, der 5 Jahre bei der Fremdenlegion ausgehalten, hielt einen längeren Vortrag über diese schrecklichen Jahre. Ein flottes Tanzkränzchen beschloß das so herrlich verlaufene Jubiläum. Folgende 6 Jubilare wurden durch Diplom ausgezeichnet: Hermann Borowsky, Adelf Hüttenroth, Wilhelm Niederhagemann, Hermann Reineke, Johann Rautenberg, August Tiemann. Der Wert der Familiengeschichte. * Munscheid, 28. Juli. In neuerer Zeit ist die Bedeutung der Familiengeschichte auf sozialem, wirtschaftlichem und nationalem Gebiete immer mehr gewürdigt worden. Die pietätvollen Erinnerungen an verstorbene Familienmitglieder und persönliche Beziehungen zu den lebenden erwecken eine segensreiche Familientradition. Solche Traditionen zu pflegen, hat sich am 1. Januar 1910 der Familien=Verband der Familie Munscheid gebildet, der kürzlich unter Anwesenheit von etwa 40 Personen im Lokale Lehmkuhl in Munscheid seinen 1. Familienabend abhielt. Der Vorstand besteht aus Betriebsführer a. D. Heinr. Munscheid in Winz bei Hattingen, Professor Albert Munscheid in Sondershausen, Fahrsteiger Heinr. Munscheid auf Zeche Lothringen in Gerthe bei Bochum, Landwirt Ernst Munscheid in Weitmar. Die gegeschäftlichen Beratungen dauerten von 11 bis 1½ Uhr, an die sich ein gemeinschaftliches Mittagsmahl und die Besichtigung der jetzigen und früheren Wohnstätten der Familie Munscheid anschloß. Prof. Munscheid hielt einen Vortrag über„Zweck, Mittel und Ziele der Familiengeschichte" und verbreitete sich über das erste Vorkommen des Namens Munscheid und die Genealogie des Geschlechts. Er legte den 22. Band des„Genealogischen Handbuches bürgerlicher Familien" vor, in welchem die Geschichte und die Genealogie der Familie Munscheid Aufnahme gefunden hat. Neues aus Günnigfeld. * Günnigfeld, 28. Juli. Eine gut besuchte Versamm. lung hielt gestern der Kameradschaftl. Kriegerverein 16. A.=K. im Parkrestaurant ab, welche vom 1. Vorsitzenden Kameraden Jansen geleitet wurde. Aufgenommen wurden noch 2 Kameraden. Die Verhandlungen betrafen sämtlich das am 3. August stattfindende Fahnenweihefest.— Am Samstag abend kam es auf der Hauptstraße zu einem Zusammenstoß zwischen mehreren jungen Burschen. Der Bergmann Pr. mußte in Haft genommen werden. Hausbesitzerverein Günnigfeld. * Günnigfeld, 28. Juli. Der Haus= und Grundbesitzerverein Günnigfeld hielt gestern vormittag 11 Uhr im Restaurant Kaiser Wilhelm der Große(Kneider, früher Brosch) die Monatsversammlung ab. Sie wurde geleitet vom 1. Vorsitzenden Schröer und war gut besucht. Nachdem der Schriftführer Rosenbaum das Protokoll der letzten Versammlung verlesen, erstattete der Vorsitzende Bericht über den letzten, am 8.„ Juni in Wattenscheid stattgehabten Verbandstag des Verbandes der rhein.=westf. Haus= und Grundbesitzervereine. Daniel Krämer ergänzte die Mitteilungen noch. Als Ausschußmitglied für den Bergschädenversicherungsverein in Gelsenkirchen wurde der Vorsitzende gewählt. Diefer forderte alle Mitglieder zum Beitritt zu diesem Verein auf, da man dort gegen eine Gebühr von 2 pro Mille vom Werte des versicherten Hauses im Falle verlorener Bergschädenprozesse die nicht unerheblichen Prozeßkosten erstattet bekomme. Das vom Verband angebotene Werbeformular soll nicht bestellt werden, da dem Günnigfelder Verein schon über 130 Hausbesitzer von Günnigfeld und damit fast der ganze Bestand angehören. Die nächste Generalversammlung des Bergschädenkosten=Vereins findet am 19. Aug. d. Is. im Hotel Westend zu Gelsenkirchen statt. Zum Schlusse berichtete Gutsbesitzer Schulte=Hordelhoff noch über den Wahlprotest, den die Vorstandsmitglieder des Vereins gegen die im Herbst getätigte Wahl des Invaliden Ernst Dommel als Gemeinderatsmitglied im Auftrage des Vereins angestrengt haben mit der Begründung, weder Dommel sei in korrekter Weise Hausbesitzer, noch sei dies das Gemeinderatsmitglied Chr. Lück, sodaß die nach der Landgemeindeordnung erforderliche Zahl von 2 Dritteln von Hausbesitzern im Gemeinderat nicht mehr vorhanden sei. In dem bereits stattgehabten 1. Termin vor dem Bezirksausschuß, in welchem Amtssekretär Baumann den Amtmann vertreten habe, habe es sich nach Ansicht des Vereins=Referenten(Schulte=Hordelhoff) bereits herausgestellt, daß die gen. Herren keine wirklichen Hausbesitzer seien, wie es das Oberverwaltungsgericht im Sinne des Gesetzes fordere. Der Haus= und Grundbesitzerverein steht auf dem Standpunkt, daß, wenn der Protest durchgehe, keine Neuwahl erforderlich sei, sondern, daß ohne weiteres der jetzt unterlegene Kandidat des Haus= und Grundbesitzervereins, der Fuhrunternehmer Hr. Nolting, als gewählt zu betrachten sei. Evangel. Kirchengemeinde Hordel,u,.., Hordel, 28. Juli. Pastor Muuer hal einen#wöchigen Urlaub angetreten. Amtsbrüder aus Wattenscheid und Röhlinghausen haben die Vertretung übernommen. Kindergottesdienst und kirchl. Unterricht fallen während dieser Zeit aus. Amtshandlungen sind bei dem Küster Schwarze anzumelden. Prosessor Bindel 7.###.. S., Ehaft, Wthlg *. Gelsenkirchen, 29. Juli. In Schalle entschlief am Samstag der Professor Karl Bindel, der in den Reihen der nationalliberalen Partei in Gelsenkirchen Stadt und Land seit langen Jahren eine führende Persönlichkeit war. 1845 in Unna geboren, studierte er in Berlin und war Oberlehrer in Höxter und Hamm. 1878 kam er an das Gymnasium in Schalke. 1889 wurde er zum Professor ernannt. 1910 trat er in den Ruhestand und legte gleichzeitig alle Ehrenämter nieder. Er war ein hervorragender, schlagfertiger Redner, ein warmherziger Patriot. Dem Stadtverordnetenkollegium, der ev. Repräsentanz, dem Jugendverein, dem Bildungsverein, dem nationallib. Parteivorstand von Gelsenkirchen Stadt und Land und der ganzen Provinz gehörte er an. In all diesen Organisationen stellte er einen ganzen Mann. 1908 kandidierte er sogar als Landtagskandidat für Gelsenkirchen Stadt und Land. Die Beisetzung findet heute nachmittag 4 Uhr in Schalke vom Hause Gartenstraße 10 aus statt. Er ruhe in Frieden! Tödlicher Unfall und Selbstmord. * Wanne, 28. Juli. Ueber den Leichenfund auf der Bochum=Wanner Bahnstrecke steht soviel fest, daß es sich um den 25jährigen Geschäftskassierer Georg Möller aus der Wasserstraße in Wiemelhausen handelt. Ueber den Unfall selbst kann man nur Mutmaßungen hegen: M. ist mit dem Spätzuge von Wanne gekommen und ist anscheinend, um nicht an die Station Süd zu müssen, aus dem Zuge gesprungen. Von einem anderen aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Zuge ist er dabei erfaßt und getötet worden. Anscheinend sind mehrere Züge über ihn gefahren, da die Leiche ganz zerstückelt war. Der Hut lag einige Meter entfernt.— Seinen Verletzungen erlegen ist im Krankenhause der in der Wanner Straße am Eisenbahndamm der Strecke Wanne-Bismarck mit einer schweren Schußwunde im Kopfe bewußtlos aufgefundene Arbeiter Krause. Nach einem hinterlassenen Schreiben wollte er Selbstmord verüben. Der Verstorbene stammte aus Bendorf am Rhein. Seine Frau befindet sich in einer Irrenanstalt. Unfall auf dem Flugplatz Wanne. * Wanne, 28. Juli. Als der Flieger Niehaus mit einem Bleriot=Eindecker dem Luftschiff Charlotte, das von einer Uebungsfahrt zurückkehrte, entgegenfliegen wollte, versagte plötzlich die Steuerung des Eindeckers. Die Maschine machte eine scharse Wendung und stellte sich auf den Kopf. Niehaus konnte rechtzeitig abspringen und blieb unverletzt. Das Flugzeug wurde vollstöndig zertrümmert. h 1 Eine Postfahrt in Tirol u. Norditalien. Cortina d'Ampezzo war erreicht. Von Tre Croci herabsteigend, hatte ich es malerisch liegen sehen in dem weiten, von bewohnten Höhen und großartigem Gebirge umgebenen Ampezzo=Tal. Nun sollte es— nach nächtlicher Rast— weitergehen nach Italien. Belluno zunächst, dann Venedig war mein Ziel. Die Post sollte mich aufnehmen und in ungefähr 10 Stunden bei einmaliger Mittagspause und zweimaligem Pferde=Wechsel von Cortina nach Belluno bringen. Die Post! Noch klangen mir die warnenden Bemerkungen meiner Berliner Freunde in den Ohren.„Wer wird denn heutzutage eine Fahrt mit der Post machen?“ —„Das hat man zu Goethes Zeiten getan.“—„Umständlich genug hat er auf die Weise ja auch Italien erreicht.“—„Und teuer. Wenn er nicht so woh habend gewesen wäre, wäre er im Leben nicht hingekommen.“— „Aber wo im Gebirge keine Bahnverbindung ist—“ wagte ich einzuwerfen—„da läuft man lieber kurze Strecken, legt aber seine Tour so, daß man immer wieder möglichst bald Bahnanschluß hat. Wir leben eben unter modernen Verkehrsverhältnissen. Die Romantik einer Postfahrt ist doch eine sehr zweifelhafte.“ Aber ich fuhr nun doch mit der Post! Denn die Entfernung von Cortina bis Belluno, wo ich erst wieder Bahnanschluß fand, war zu groß und erforderte zu viel Zeit, um sie zu Fuß zurückzulegen. Auf einem sogenannten Beiwagen, offen, luftig(nicht in einer geschlossenen Postkutsche), nahm ich Platz, vorn, unmittelbar hinter dem Kutscher, sodaß ich freien Ausblick in die Landschaft hatte, der wir entgegenfuhren. Neben mir saß ein netter Herr aus der Schweiz mit seinem 17jährigen Sohn, hinter uns eine bunte Gesellschaft, Herren und Damen, in der sich ein kleiner Herr, ein Rentier aus Tangermünde— wie ich nachher erfuhr—, besonders hervortrat durch sein munteres Wesen, seine drolligen Bemerkungen und seine Sucht, alles ihm interessant Erscheinende mit etnem photographischen Apparat zu bedrohen. Sehr bald begann er, italienisch zu reden, denn nach kurzer Fahrt hatten wil die Grenze zwischen Tirol und Italien überschritten; allerdings beschränkten sich seine Kenntnisse dieser melodischen Sprache auf 2 Ausdrücke: „Buon giorno“(Guten Tag) und„Quanto costa?“(Wieviel kostet's), was ihm aber bei seinem einigermaßen entwickelten Selbstbewußtsein zu genügen schien, zumal er das ihm Fehlende gelegentlich durch eigene Sprachbildungen ergänzte, so, wenn er auf Anrufe von der Landstraße her zurückrief:„Was wolltrio?“ oder:„Schöner Morgio!“ oder wenn der Wagen eine scharfe Kurve nahm:„Donnero Wettero! Festhaltio!" Das waren so einzelne, heitere Aufmunterungen, die uns ernster Gestimmte aus dem staunenden Träumen, mit denen wir die uns umgebende großartige Natur betrachteten, in die nüchterne Wirklichkeit zurückriefen. Denn großartig, herrlich war diese Natur! Hoch über der Schlucht des Boite fuhren wir dahin, eine schöne, glatte Chaussee entlang; links von uns und drüben ragende Felsen, freundlich bewachsen, und darüber der lachende, tiefblaue Himmel. Gewaltige Berggipfel steigen nun vor uns auf: rechts der Pelmo, links der Antelao. Dann gehts über die Valesina und durch den malerischen Ort Valle. Hier wühlt sich der Boite rechts tief in die Schlucht ein und stürzt hinab auf den Boden von Perarollo. Den bewaldeten und befestigten Monte Zucco umgehend, kommen wir nach Tai di Cadore, in großartiger Gegend gelegen. Dann geht es südwärts, hinab in das Piave=Tal, wo bald Perarollo am Zusammenfluß von Boite und Piave erreicht ist. Nun ging die Fahrt weiter durch die wildschöne Schlucht des Piave mit dem Wallfahrtskirchlein Santa Maria della Salute nach Longarone, wo Pferdewechsel stattfand und wir zu einem frischen Trunk vom Wagen stiegen. Auf dem Hofe des Gasthauses war der Besitzer mit einer Hilfskraft beschäftigt, Wein abzuziehen. Als wir 3— der Schweizer Herr, sein Sohn und ich— zuschauten, reichte er uns, liebenswürdig lächelnd, wie es die Art der Italiener ist, Proben seines Gewächses und zeigte uns die Anhöhe hinter seinem Hause, auf der es gedieh. Meist wächst ja der Wein in Italien allerdings auf ebenem Boden, weil da auch schon die Sonnenwirkung eine ausreichende ist, während bei uns, am Rhein, an der Mosel usw., durch die Neigung der Rebenhügel ein steilerer und vadurch wirksamerer Auffall der Sonnenstrahlen bewirkt wird. Steinerne Pfeiler tragen in Italien ein horizontales Lattenwerk, auf dem sich die Rebenzweige ausbreiten. Nach einiger Zeit der Rast führte die Post uns weiter durch die Piave=Schlucht, die sich hinter Fortogno erweiterte und uns bald ein breites Tal mit schönen Ausblicken sehen ließ, bis wir Belluno erreichten— ein neites Städtchen von 15 000 Einwohnern, auf einem Hügel über der Mündung des Ardo in den Piave freundlich gelegen. Wir 3, vermehrt um den kleinen Tangermünder, kehrten in das Hotel Capello ein. Nachdem wir uns ein wenig erfrischt hatten, machten wir einen gemeinsamen Spaziergang durch die Stadt. Auf einmal blieb unser Tangermünder vor einem italienischen Soldaten stehen, lüftet den Hut, sagt:„Buon giorno!“ und fügt die deutsche Frage hinzu:„Sagen Sie mal, mein Lieber, wo bekomme ich hier Freimarken?“—„Non capisco, signor“ (Ich verstehe nicht, mein Herr), ist die mit freundichem Lächeln gegebene Erwiderung. Da erhebt der Kleine— zum Vergnügen von uns andern— seine Stimme zu gewaltiger Stärke und Höhe und wiederholt unter nicht enträtselbaren Handbewegungen:„Freimarken! Freimarken!" Aber die gesteigerte akustische Wirkung konnte leider dem Kriegsmann kein besseres Verständnis beibringen; er blieb, achselzuckend und lächelnd bei seinem„Non capisco“. Da machte ich den Tangermünder darauf aufmerksam, daß in Italien die Zigarrengeschäfte zugleich einen Briefmarken=Vertrieb hätten, und daß Freimarken auf italienisch„bolli“ hieße. Darauf verabschiedete sich unser Begleiter grüßend von dem Soldaten, trat in einen in der Nähe befindlichen Zigarrenladen ein, zog den Hut und rief kurz und bündig, zu dem Geschäftsinhaber gewendet:„Bolli!“, worauf er denn auch das Gewünschte erhielt. Manchen Spaß bereitets uns noch unser kleiner Freund, der am nächsten Tage wieder— diesmal mit der Bahn auf Trient zu— Tirol aufsuchte; wir aber sahen schon voll Sehnsucht der Lagunenstadt Venedig entgegen, der uns ebenfalls das Dampfroß zuführen sollte. Mir Vergnügen aber werde ich stets an die herrliche Fahrt mit der Post von Cortina nach Belluno zurückdenten.) Enmarsch moderner chinesicher Truppen in eine eroberte-StaadifWichtige Altertumsfunde auf Kreta. Die italienische archäologische Mission hat kürzlich auf Kreta bedeutende Entdeckungen gemacht. Sie fand in Gortina einen ägyptischen Gottheiten geweihten Tempel. Das Architrav der Tempelpforte trägt eine Widmung an Flavia Philyra, die das Gebäude von Grund auf erbaut hat. Im Innern entdeckte man die Statue des ägyptischen Gottes Sarapis, eine ausgezeichnete Statue der Iris und des Merkur, ferner die Bruchstücke einer Kolossalstatue einer Frau und eine weibliche Büste, vielleicht diejenige der Gründerin des Tempels. Diese Statuen sind aus Marmor. Außerdem fand man noch irdene Bildsäulen. Im Mittelschiff des Gebäudes befindet sich eine kleine Treppe, die zu einem unterirdischen Bassin führt, wo die religiösen Zeremonien und Reinigungen vorgenommen wurden. An den Seiten der Treppe befinden sich zwei Nischen für kleinere Statuen. Die Nachforschungen werden fortgesetzt. Im Innern der Insel hat die Mission eine große Anzahl von noch unveröffentlichten Inschriftentexten gefenden. Der Kampf gegen die geplante Schneekoppenbahn. Nachdem die österreichische Regierung die Erlaubnis zu den Vorarbeiten für eine Riesengebirgsbahn von FreiheitJohannisbad bis auf die Schneekoppe gegeben hat, wird der Kampf gegen dieses Projekt von allen in Betracht kommenden Korporationen aufgenommen. Gegen die Erlaubnis hat neuerdings auch der österreichische Riesengebirgsverein in seiner in Prag abgehaltenen Generalversammlung protestiert. In einer längeren Kundgebung weist er darauf hin, daß zum Beispiel in der Schweiz das Volk in einer Urabstimmung sich mit überwältigender Mehrheit gegen die Matterhornbahn erklärt habe. Was das Matterhorn für die Schweiz, das sei die Schneekoppe für das Riesengebirge, nämlich der schönste Berg, der Schutz verdiene. Eine Bahn würde den Wert und die Schönheit des Riesengebirges empfindlich schädigen und die Schneekoppe geradezu verunzieren. Bergung einer untergegangenen Flotte. In England hat sich unter dem Titel„Navarino BaiBergungsgesellschaft“ ein Unternehmen gebildet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, in der Bai von Navarino an der Westküste Griechenlands eine Flotte von 63 türkischen und ägyptischen Kriegsschiffen zu heben, die im Jahre 1827 von den verbündeten Flotten Englands, Frankreichs und Rußlands zum Sinken gebracht wurde. Schon in nächster Zeit soll diese romantische Schatzsuche, die auf durchaus realer Basis steht und großen Erfolg verspricht, beginnen. Von den 63 Schiffen ist bereits bei 43 die Lage genau festgestellt und durch Bojen bezeichnet. Es ist bekannt, daß viel von diesen in die Tiefe gehenden Schiffe bares Geld und andere Schätze an Bord hatten, und außerdem stellt das Material der Schiffe selbst und ihrer Geschütze einen außerordentlichen hohen Wert dar. Alle vorhandenen Berichte über die Größe und die Bewaffnung der Schiffe sind sorgfältig geprüft worden, und besonders aus den Meldungen des Admirals Codrington waren eine Reihe wichtiger Einzelheiten zu entnehmen. Etwa 300 000 Tonnen Eichenholz mögen hier am Meeresboden ruhen, das, wie man annimmt, durch die Einwirkung der See im Laufe der Zeit die Farbe und die Härte des Ebenholzes angenommen hat. Die Gesellschaft schätzt den Wert dieses Holzes, das ein ideales Material zur Herstellung von Möbeln darstellen dürfte, auf 120 Mark pro Tonne. Alle die alten Schiffe waren mit fast reinem Kupfer überzogen, und man schätzt die Menge dieses Metalls am Boden der Schiffe auf wenigstens 3000 Tonnen. Einen hohen Wert stellen ferner die Geschütze dar. Nach den Berichten, die die britische Admiralität aufbewahrt, gingen in der türktsch=ägyptischen Flotte 2106 Kanonen in die Tiefe. 1300 davon waren aus Bronze hergestellt, das 1000 bis 1200 Mark pro Tonne kosten mag, und das Durchschnittsgewicht jeder Kanone beträgt sicher 4 Tonnen. Die Bergung aller dieser Schiffsmaterialien allein würde bereits das Unternehmen lohnen. Dazu kommt aber noch, daß aus Berichten, die kurz vor der Schlacht geschrieben und unter den Papieren des ägyptischen Admirals gefunden wurden, davon die Rede ist, daß Muharem Bey, eben dieser Admiral, in seinem Schiff 2 Millionen Taler, 20 große Säcke voll Geld, und 10000 Golddukaten hatte, während der türkische Admiral, Ibrahim Pascha, in einem Bericht mitteilte, daß sein Schiff mit Gold und Juwelen im Werte von fast 100 Millionen Mark in die Tiefe versank. Auch manche andere Schiffe haben wahrscheinlich Geld und Kostbarkeiten an Bord gehabt. Ein goldener Becher ist bereits von einem Taucher heraufgebracht worden. Das Ende eines 50jährigen Brautstandes. ! Aus Newyork wird berichtet, daß in Paterson(NewJersey) soeben ein merkwürdiger Prozeß wegen eines gebrochenen Eheversprechens begonnen hat. Das Merkwürdige daran ist nicht die Höhe der Schadenersatzforderung— 10 000 Mark—, sondern das Alter der beiden Parteien. Fräulein Emma Mahaney ist nämlich 67 Jahre alt, John Wolf, der ungetreue Bräutigam, ist 77jährig und das Paar war genau 50 Jahre verlobt, so behauptet wenigstens die Braut. John Wolf ist ein Veteran aus dem Bürgerkriege. Im Jahre 1863 sah ihn die Braut zum letzten Male, er blieb verschwunden und sie harrte nun von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr au seine Wiederkehr, und nach 47jährigem Harren und Hoffen kam ein Lebenszeichen des langersehnten Bräutigams in Gestalt eines Briefes. John Wolf teilte darin mit, er habe sich mit einem bedeutenden Vermögen vom Geschäfte zurückgezogen. Fräulein Mahaney antwortete sehr liebenswürdig, und nun entspann sich zwischen den beiden alten Leuten ein richtiger Liebesbriefwechsel. John Wolf beteuerte seine Liebe so feurig wie vor 50 Jahren, er hielt regelrecht um Emmas Hand an, sie traf alle Vorbereitungen auf die Hochzeit, gab dabei bedeutende Summen aus und erhielt eines Tages einen Brief des Inhalts: aus der Heirat könne nichts werden. Gründe geben die amerikanischen Berichte vorläufig noch nicht an. Sie verraten nur, daß der ganze Liebesbriefwechsel den Gerichten vorgelegt werden solle, um die Richter von der Berechtigung der Schadenersatzforderung zu überzeugen. Rockefellers Geheimnis der ewigen Jugend. I. D. Rockefeller feierte vor einigen Tagen seinen 74. Geburtstag auf seinem Herrschaftssitz in Cleveland(Ohio), im Vollbesitz einer jugendlichen Frische, die bei allen Anwesenden billig Verwunderung erregte. Zum Dank für ihre Glückwünsche verriet er seinen Gästen das Rezept, dem er seine unvermindert erhaltene jugendliche Spannkraft verdanken zu müssen glaubt.„Frische Luft, einfache Nahrung, Leibesübung, ein ruhiges Gemüt und ein oder zwei Freunde, sind die Mittel, es in der Kunst, sich jung zu erhalten, zu etwas zu bringen", erklärte der reichste Mann der Welt.„Jugend ist eine Sache des Trainings. Da die Energieverschwendung eine der Extravaganzen unserer Zeit bildet, so sind augenblicklich Energieerhaltung und Mäßigkeit in allen Verhältnissen Dinge, die nicht hoch im Preise stehen". Rockefeller macht auch an seinem Geburtstag keine Ausnahme von seiner gewohnten Lebensweise. Er spielte vormittags Golf, machte nachmittags seine Anutotour und versammelte sich des Abends mit seinen Angehörigen zum Diner. Der alte Milliardär nimmt an geschäftlichen Dingen längst keinen Teil mehr und widmet sich fast nur noch dem Golfspiel. Er ist im übrigen streng kirchlich gesinnt und besucht regelmäßig den sonntägl. Gottesdienst. Die Ausstellung der roten Rasse. Die große Ausstellung in San Franzisko, die im Jahre 1915 die Eröffnung des Panama=Kanals begleiten soll, wird eine interessante Ergänzung durch ein zweites großes Ausstellungsunternehmen finden, das im Staate Colorado, inmitten der Felsenberge bei Denver eröffnet werden wird; eine große Ausstellung der roten Rasse. Hier werden sich Abordnungen aller Indianerstämme Nordamerikas ein Stelldichein geben, von den Rothäuten Alaskas bis zu den Apachen und den Yumas von der mexikanischen Grenze. Jeder Stamm wird eine besondere Abteilung bilden und die Erzeugnisse indianischer Kunst und indianischen Handwerks zeigen. Zugleich wird den Ethnographen Gelegenheit geboten sein, hier Studien über die Musik der Indianer und über das Wesen der indianischen Tänze anzustellen. Mordeepidemie in Paris. Eine Mordeepidemie beherrscht seit einigen Monaten Paris. Nicht etwa, daß sich die Apachen untereinander töten, nein, es sind die Leute der besten Gesellschaft. Der Mord in der Ehe ist eine Art Selbsthilfe geworden und wird als solche offenbar von den Richtern anerkannt. Fast immer gehen der Mörder oder die Mörderin straflos aus. Es gibt so viele Begleitumstände, die die Tat entschuldigen! Eheliche Untreue, häusliche Untugenden, ein Richterspruch, der das Kind der Vater= oder der Mutterliebe entzog, ein unausstehlicher Charakter—— das alles sind Entschuldigungen und Erklärungen, und es ist fast sicher, daß der„menschliche“ Gerichtshof den Freispruch abgibt. Ein Mord der Leidenschaft! Immer wieder bringen diese Freisprüche Paris in Aufruhr. Und immer neue Verbrechen werden begangen. Die Scheidung ist kompromittierend, peinlich—, lieber ein Mord! Die innigste Gemeinschaft unter Menschen wird vom Morde umschlichen, — und nicht etwa die Arbeiter, die arme Näherin töten, weil in der seelischen Krise keinen Ausweg wissen! Es si alles nicht den inneren Halt gab, eine solche Krise zu überleben, die Peinlichkeit einer Scheidung zu ertragen— und das Recht des anderen Menschen auf sein Leben anzuerkennen. Wer im Revolverduell, das die Ehe geworden ist, fällt, hat unrecht, wird im Grabe noch verurteilt, der Lebende hat recht. Man spricht ihn frei, entschuldigt ihn,— läßt ihm die Kinder, Jetzt ist es der Schriftsteller Henry Peyre, der seine Gattin, eine Oberstentochter, mit vier Revolverschüssen(jawohll vier! die Leidenschaft des Zornes reichte für vierl und vier wurden ihm als unüberlegt vergeben!) niederstreckte,— vor ein paar Tagen war es eine Millionärstochter, die den Gatten niederschoß. Wo immer zwischen zwei Menschen die letzten und tiefsten Lebensfragen zu erörtern find, wo das große Verstehen und das große Verzeihen anfangen soll— da spricht der Revolver. Furchtbarer kann kein Resultat dieser klug gestifteten, weise nach dem Vermögen assortierten Ehen sein—, dieser Ehen, in denen alles stimmte, bis auf das einzige, was man vergessen hatte, die liebende Duldsamkeit. Die Ehescheidung ist da, aber sie ist in Mißkredit, der Mord ist Mode. Der Gerichtshof der Scheidung ist viel umständlicher, viel peinlicher als die Geschworenen, die über den Totschlag urteilen. Unnötig. Hausierer:„Ae schönes Geduldspiel gefällig?“—„Danke... ich hab Telephon im Hause!“ Statt jeder besonderen Anzeige. Heute morgen um 6 Uhr entschlief sanft nach schwerem Leiden unser guter Vater Preiscser-Hurr Binder im Alter von 68 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Gelsenkirchen, den 26. Juli 1913. Die Beerdigung findet Montag, den 28. Juli, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Gartenstrasse 10, aus statt. Es wird gebeten, von Beileidsbesuchen absehen zu wollen. Die nächste Sitzung der Armen-Kommission findet Dienstag, den 29. Juli, nachmittags 5 Uhr im Rathaussaale statt. Wattenscheid, 28. Juli 1913. Der Bürgermeister Wibberding. Viktoria zu Berlin. Poneen= uufgrvot! Die Police Nr. II 11388 des Ernst Köther, Landwirt in Höntrop ist verloren gegangen. Falls sich ein Berechtigter meldet, wird nach Ablauf von 3 Monaten die Police für kraftlos erklärt und eine Police unter neuer Nummer ausgefertigt. Berlin, den 28. Juli 1913. Die Direktion. Lebens= und PensionsVersicherungs=Geselschaft „Janus' in Hamburg. Die Police Nr. 110657 des Ernst Köther, Landwirt in Höntrop ist verloren gegangen. Falls sich ein Berechtigter nicht meldet, wird nach Ablauf von 3 Monaten die Pilice für kraftlos erklärt und eine Police unter neuer Nummer ausgefertigt. Hamburg, den 28. Juli 1913 Die Direktion. Landwirte!! Kauft transvortable Hausbacköfen und Fleischräucher nur beider ersten und größten Spezialfabrik Deutschlands Anton Weber, Niederbreisig i. Rhld. deren Fabrikate als die besten und billigsten bekannt sind. 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Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 80. d. M., vorm. 9,30 Uhr in Eickel vom kath. Krankenhause aus statt. Celdmumnderck Cidsretten Nonrun-Qualitäten. Reine JAuusstoftung Nüu Jualifäf. 24 MGAD 6610Md. Iu#s Quolift In. Original Metall Tartms Sämtliche Nummmern Geschenbkarton: u. S0ötch Inhalt OrientalSübrk u Ggaretten Fabrik Benidze)resden Inh Nugslietz Aoflieferant.S M. d. bsachs Pachran. In aufrichtiger Trauer nehmen wir Kenntnis von dem Hinscheiden des Herrn Prelesser-Karr Binder in Schalke. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen bewährten Freund und Berater, dem die Nationalliberale Partei, zu stetem Dank verpflichtet ist. Jahrzehnte gehörte er unserm Vorstand an: ein kluger Berater, ein tapferer Streiter in den Zeiten des Kampfes, ein treuer Pfleger des vaterländischen Gedankens, dem er insbesondere in den Herzen unserer Arbeiterschaft eine Stätte zu bereiten verstand. Wir werden sein Andenken allezeit in Ehren halten. Bochum, den 26. Juli 1913. Der Vorstand der Nationalliberalen Partei im Reichstagswahlkreise Bochum-GelsenkirchenNlattingen-Witten-Herne. Dr. Wehrmann, Vorsitzender. Beaunntmachung verressens Ausverkaufe. Auf Grund des§ 7 Absatz 2,§ 9 Absatz 2 und§ 10 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb vom 7. Juni 1909(R.=G.=Bl. S. 499) und der Ausführungsbestimmungen vom 27. August 1909(HMBl. S. 389) wird nach Anhörung der Handels= und Gewerbevertretungen für den Umfang des Regierungsbezirks Arnsberg unter Aufhebung der Bekanntmachung vom 23. Dezember 1911(l. 19 Nr. 1414, Amtsblatt 1912 S. 4) mit Wirkung vom 1. September 1913 an folgendes bestimmt:§ 1. Wer beabsichtigt, einen Ausverkauf oder einem Ausverkauf gleichzuachtenden Warenverkauf der im§ 2 bezeichneten Art(Total=, Teil= oder Räumungsausverkauf) auch in Form von Auktionen durch die Wareninhaber oder deren Vertreter in öffentlichen Bekanntmachungen oder durch Mitteilungen, die für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, anzukündigen, hat dies der Ortspolizeibehörde schriftlich unter Angabe des Veranstalters, des Grundes, des Beginnes(Tag, Monat, Jahr) und des Orts(Gemeinde, Straße, Hausnummer), wo der Ausverkauf stattfinden soll, und Einreichung eines Verzeichnisses der auszuverkaufenden Waren nach Art, Zahl, Material(Stoffart) und Menge anzuzeigen. Die Einsicht in das Verzeichnis ist jedermann gestattet. Die Anzeige und das Verzeichnis müssen von dem Veranstalter des Ausverkaufs oder seinem Vertreter mit Vor= und Zunamen unterschrieben und mit Datum versehen sein. Von den zur Führung einer Firma Berechtigten ist diese hinzuzufügen.§ 2. Diese Anordnung bezieht sich auf folgende Arten von Ausverkäufen: a) wegen Veränderungen in der Firma des oder der Person, des oder der Geschäftsinhaber; b) aus Anlaß eines Konkurses oder eines gerichtlichen oder außergerichtlichen Vergleichs oder einer Liquidation; c) wegen Aufgabe des Geschäfts oder einzelner Warengattungen; d) wegen wesentlicher baulicher Veränderung der Geschäftsräume oder Verlegung des Geschäfts; e) wegen Sachschäden(z. B. Feuer=, Wasser=, Rauchschäden); k) außerhalb der ständigen Betriebsräume.§ 3. Die Anzeige des Ausverkaufs(§ 1) muß mindestens 2 Wochen, das Verzeichnis mindestens eine Woche vor dessen erster Ankündigung eingehen. Die Oxtspolizeibehörde kann bei einem Ausverkaufe von Waren, die bei längerem Lagern Schaden nehmen können, und bei Ausverkäufen, die aus besonderen Gründen keinen Aufschub erleiden dürfen, nötigenfalls nach Anhörung von Sachverständigen die Fristen angemessen abkürzen.§ 4. Vorstehende Bestimmungen finden auf Saison= und Inventurausverkäufe, die in der Ankündigung als solche bezeichnet werden und im ordentlichen Geschäftsverkehr üblich sind, keine Anwendung. Diese Ausverkäufe dürfen nur zweimal im Jahr, und zwar in der Zeit vom Januar bis 15. Februar einschließlich und vom 1. Juli bis 15. August einschl. und nur in der Dauer von je drei Wochen abgehalten werden. Es find aber nur entweder zwei Saisonausverkäufe oder je ein Inventur= und ein Saisonausverkauf gestattet.§ 5. Zuwiderhändlungen gegen diese Anordnung werden, soweit nicht andere Strafvorschriften Platz greifen, mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder entsprechender Haft bestraft. Arnsberg, den 11. Juli 1913. Der Regierungs=Präsident. I. 19 Nr. 835..:. In Vertr.: Pfeffer. 9 Staatlich ermächtigte Schule Bochum, Rottstraße 34—36 bildet jeden ohne Vorkenntnisse zum tüchtigen Skadfeur aus vermittage, Kechmitlags, Abends- und Sonntags-Kurss. . 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Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet; : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet § 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) kir Stabr und Amr Wallenscheib; Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts;# : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin z, : zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach; Erhalt der Rechrung; Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfaltunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566.“! Der Kampf im Luftmeer. Es ist erst ein paar Tage her, daß der französische Flieger Brindejonc mit seinem glänzenden Rekord=Flug: Paris=Petersburg und zurück uns alle in Erstaunen setzte. In Sturm und Nebel hat er die Fahrt gemacht und in 19 Flugstunden die ungeheure Strecke von 2340 Kilometern zwischen den beiden Hauptstädten durchmessen. Vorher hatten bereits Audemars und Caucourt mit glücklichem Gelingen den Flug Paris=Berlin gewagt und vor wenigen Tagen hat der Flieger Letort dieselbe Strecke ohne Zwischenlandung durchflogen. Das sind Leistungen, die wir neidvoll bewundern mußten und die unwillkürlich zu Vergleichen mit unseren deutschen Fliegern zwangen. Bei uns war es, während die französischen Flieger von Grenze zu Grenze segelten, merkwürdig still geworden. Wir wissen freilich, daß solche Bravour=Stücke niemals als allgemeiner Maßstab genommen werden dürfen, weil sie die Leistungen Einzelner sind. Immerhin aber zeigen sie Leistungsmöglichkeiten, und wir wissen außerdem, daß ihre rein sportliche Bedeutung darin liegt, daß sie zu neuen und größeren Taten reizen. In diesen Tagen aber haben nun auch die deutschen Flieger mobil gemacht. Leutnant Joly ist mit Passagier von Königsberg über Döberitz nach Köln geflogen und hat für diesen Distanz=Rekordflug 8 Stunden 44 Minuten gebraucht. Vorher hatte Leutnant Canter mit seinem 6stündigen Fluge ohne Zwischenlandung einen neuen Zeitrekord im Fluge mit einem Passagier aufgestellt und der Ingenieur Reichelt die Strecke Kiel—Posen zurückgelegt. Am letzten Freitag endlich ist der deutsche Flieger=Chamvion Hirth, der Sieger mehrerer Rundflüge, mit einem Passagier in Johannisthal aufgestiegen und nach 5 Stunden ohne Zwischenlandung in Mannheim gelandet. Schließlich darf man noch den Passagierflug des Fliegers Laitsch von Johannisthal nach Posen(230 Kilometer in 3 Stunden) als bemerkenswert registrieren. Das sind die Leistungen weniger Tage. Es ist wohl notwendig, auf sie hinzuweisen, um die Oeffentlichkeit davon zu überzeugen, daß auch bei uns gearbeitet wird, Die Hauptarbeit wird in Deutschland auf den Flugfeldern geleistet. Aber davon erfährt man im allgemeinen nichts. Es ist die stille und unsichtbare Arbeit, das ernste Training, die Erziehung zur Sicherheit. Und deshalb ist es wohl mißlich, die Qualität der deutschen und französischen Flieger zu vergleichen. Es gehört zum Wesen des französischen Volk.s, mit Bravourstücken zu glänzen und die Leistungen EEinzelner für die Befähigung einerTruppe auszugeben. Das sind Trugschlüsse und Selbsttäuschungen, mit denen man sich und andere betrügt; und es wäre deshalb recht gut, wenn das Orchester der Pariser Presse etwas leiser spielte. Es ist nämlich Tatsache, daß die gleiche Leistung eines deutschen Fliegers in der Welt viel weniger Sensation erregt, als die eines französischen Aviatikers. In Paris versteht man sich eben darauf, Sensationen zu inszenieren und die französischen Erfolge auszunützen. Und das Echo der Welt antwortet noch immer gern auf die laute Pariser Musik. Solche Dinge ann man in aller Ruhe feststellen, ohne Erregung und ohne Pathos. Und besonders jetzt, wo wir neben der Fliegertruppe eine recht achtbare Luftkreuzer=Flotille besitzen, die für Frankreich noch immer ein unerfüllter Traum ist. Man hat ja dort lange genug über die Zeppelin'schen„Omnibusse“ gelacht, hat ihre Unfälle mit alerlei spöttelnden Glossen begleitet, aber inzwischen einsehen gelernt, daß diese„ungeschlachten Vehikel“, wie man sie mitunter genannt hat, allmählich eine wertvolle Waffe geworden sind, bei der einem das Scherzen vergehen kann. Deutsche und Franzosen haben sich daran gewöhnt, ihre Leistungen zu vergleichen. Es ist der Wettbewerb zweier Nationen, von denen im Luftreich jede Außerordentliches geleistet hat. Und wenn die Franzosen mit den pathetischen Gesten ihrer Agilität auf ihre Erfolge zeigen, so sagen wir, nur bedeutend ruhiger: Wir fliegen auch! Die Langsamkeil der Großmächte. Man schreibt uns aus Berlin: Der„Berliner Lokalanzeiger“ weiß als Quintessenz der Stellung der Großmächte zu den Balkanfragen zu melden:„Abgesehen von Rußland, das einem scharfen Vorgehen zuneigt, nimmt man die Angelegenheit mit großer Ruhe auf und wünscht, unnötige Schroffheit und Uebereilung zu verhüten.“ Ein anderes Berliner Blatt meldet, daß auch Rußland einer Uebereilung abhold sei, es befürworte lediglich einen Kollektivschritt der Mächte und wolle erst dann selbständig eingreifen, wenn ein solcher Kollektivschritt erfolglos verlaufen würde. Wir sind gewiß auch keine Freunde von Uebereilung, insbesondere bei Fragen, bei denen viel auf dem Spiel steht. Und man kann nicht bestreiten, daß dies in der Balkanfrage der Fall ist. Denn wenn eine Macht oder eine Gruppe verbündeter Mächte übereilt vorginge, so könnte dies zu Konflikten zwischen den Großmächten führen. Derartige Konflikte aber wären viel gefährlicher als der ganze Balkankrieg, denn sie könnten zu Kämpfen führen, denen gegenüber die Balkanwirren nur ein Kinderspiel sind. So wünschenswert es also gewiß ist, daß man sich vor Ueberei lung hütet, so wünschenswert wäre es auf der anderen Seite, wenn die Großmächte ein gewisses Maß von Eile entwickeln wollten. Das wäre sowohl aus menschlichen wie aus wirtschaftlichen Gründen in hohem Maße geboten. Die Zeitungen wimmeln von Nachrichten über Greueltaten, welche die Bulgaren begangen haben sollen, und diese Nachrichten scheinen durch das Zeugnis angesehener westeuropäischer Männer, insbesondere von auf den Kriegsschauplatz entfandten Aerzten, leider vollkommen beglaubigt. Heute wissen die Bulgaren von Greueltaten zu berichten, welche die Griechen begangen haben sollen, und ebenso verlautet, daß die Türken auf ihrem gegenwärtigen Vormarsche in Thrazien gegenüber der bulgarischen und griechischen Bevölkerung sich fürchterliche Schandtaten sollen haben zu Schulden kommen lassen. Die Bulgaren massakrieren also wehrlose griechische und serbische Frauen und Kinder, die Griechen die bulgarische und die Türken die bulgarische und griechische Bevölkerung. Je länger die Kämpfe fortdauern, desto furchtbarer werden derartige Greueltaten; denn je länger ein Krieg dauert, desto schwerer läßt sich die Disziplin in der Truppe aufrecht erhalten. Das ist noch bei allen Kriegen so gewesen und es ist natürlich, bei den kaum halbzivilifierten Balkanvölkern erst recht der Fall. Abgesehen von den Gründen der Menschlichkeit aber lassen auch gewaltige wirtschaftliche Momente eine baldige Beendigung der Balkanwirren dringend geboten erscheinen. Fast alle Großmächte haben in türkischen, bulgarischen, griechischen, serbischen und rumänischen Werten recht erhebliche Kapitalbeträge investiert, die zusammen in viele Hunderte von Millionen gehen. Außerdem betreiben mehrere Großmächte, insbesondere Oesterreich, einen sehr lebhaften Handel nach dem Balkan. Durch die Fortdauer der Wirren aber werden sowohl die auf der Balkanhalbinsel angelegten Beträge, wie die Handelsbeziehungen auf das ernsthafteste gefährdet. Der Hauptreichtum der Balkanländer besteht in der Fruchtbarkeit des Bodens, die aber natürlich nicht ausgenutzt werden kann, wenn es an Händen zur landwirtschaftlichen Bearbeitung fehlt. Durch die Kämpfe sind viele Zehntausende der arbeitsfähigen männlichen Bevölkerung dahingerafft worden, durch die Greueltaten, die an Frauen und Kindern begangen werden, wird auch die künftige Generation dezimiert. Außerdem werden natürlich durch die Brände und Plünderungen Millionen an Werten vernichtet. So würden die Mächte also nicht nur im Interesse der Menschlichkeit, sondern auch in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie mit tunlichster Beschleunigung den Kämpfen und Greueln auf der Balkanhalbinsel ein Ende bereiteten. Wenn dies nicht geschieht, so wird alle Welt zu der Erkenntnis gelangen, daß das berühmte„Konzert der Mächte“ nur dadurch von argen und auffälligen Disharmonien frei ist, daß die Mächte die„stumme Geige“ spielen, d. h. daß sie sich völlig passiv verhalten und darauf verzichten, etwas Fruchtbares zu leisten. auf die Wattenscheider Zeitung werden jeder Zeit von unseren Boten und der Geschäftsstelle entgegengenommen. Neuhinzutretende Abonneuten erhalten die Zeitung bis zum 1. August 1913 gratis. Verlag u. Enng. der Wallenscheider Zellung Spieler Moderner Kulturroman von Haus Hyan. 00!*(Nachdruck verboten.)## Er nahm es ungeniert vom Tisch und betrachtete es mit den Worten:„Das ist ja förmlich wie ein Spiegel!“ Wobei er einen starken Nachdruck auf das letzte Wort legte Die Wut, die im Auge des Falschspielers aufloderte, verdeckte im nächsten Augenblick ein charmantes Lächeln. Er wandte sich, den Talon auf den Tisch legend, halb um und sagte verbindlich: „Ja, und es ist mir obendrein ein sehr liebes Souvenir.. die Geberin war noch schöner als das Geschenk!" Was man in diesem Kreise überhaupt an Aufmerksamkeit für andere Dinge als für die Karten aufbrachte, das konzentrierte sich jetzt auf die Zigarrentasche, die von Hand zu Hand ging und schließlich von dem Spanier schnell in den Frack gesteckt wurde. Eberius hatte mit einem nervösen Blinzeln diesem Vorgang zugesehen. Jetzt sagte er, leise mit den Fingern der Linken auf die Tischplatte trommelnd: „Nun, Monsieur, mein Satz gilt noch immer!“ Sennor!“ Der Spanier griff schon nach dem Talon, aber wohl einsehend, daß er den Coup diesmal nur mit der allergrößten Schwierigkeit würde ausführen können, zog er die mit Ringen blitzende Hand zurück, deckte seine Karten auf und hatte verloren. Eberius strich mit gierigen Fingern den Haufen von Gold und Scheinen ein. Der Spanier aber gab die Bank ab. Der nächste Bankier war der Kriegsrat Ohle, dessen zweifellos einwandfreies Spiel den Leutnant nicht interessierte. Und da ihn dieses, seinem Empfinden nach wenig kavaliere Geschäft, bei dem sich die Menschen so strupellos das Geld abnahmen, schon anwiderte, schlenderte er aus dem Spielzimmer in die Nebenräume, bis er auch in jenes rosinfarben dekorierte Zimmerchen kam, das wie eine Zauberinsel in der Flucht dieser in den forciertesten Stilarten prunkenden Gemächer lag. Als er unter die Portiere aus goldiger Libertygaze trat, sah er dort den Herrn des Hauses, den Marquis de la Grandvillière. .. Der alte Herr saß oder lag vielmehr in einem der schwellenden Fauteuils und war eingeschlafen. Jetzt, wo der Unterkiefer mit der schlaffen Lippe ein wenig herabhing und so unangenehm deutlich das falsche Gebiß sichtbar werden ließ, wo die Tränensäcke unter den geschlossenen Lidern grell hervortraten und der ganze Körper so kraftlos zusammengesunken war— jetzt sah man erst die ganze Hinfälligkeit dieses Greises. der seine Marquiswürde wie einen alten brokatenen Mantel über die Verderbtheit dieses Hauses breiten mußte. Und Dagobert von Korthals empfand Mitleid mit dem alten Mann, der selbst nie spielte und nur selten hervortrat, den vielleicht Gott weiß welche widrige Schicksale zwangen, sein greises Haupt so mit Schande zu bedecken. Er stand noch vor ihm und sah den Schlafenden nachdenklich an, als er seine Schulter leise berührt fühlte und, sich umschauend, die Marquise gewahrte, die mit ihrem Rätsellächeln zu ihm, der viel größer als sie war, aufsah. „Ab, mein Mann!“ meinte sie dann, und ein starrer Zug kam in ihre eben noch so nachgiebigen Züge,„ich werde ihn wecken!“ Und ehe noch der Offizier sie daran hindern konnte, hatte sie ihre Hand fest auf die Schulter des Greises gelegt, der zusammenschrak und wie aus einem bösen Traum heraus seine Augen groß zu ihr aufriß. „Du mußt dich vorn auch einmal sehen lassen, Fénélon!“ sagte sie auf französisch. Er erhob sich und man sah, wie schwer er seine alten Glieder zusammenbrachte, küßte trotzdem mit vollendeter Ritterlichkeit seiner Gemahlin die Hand und ging, sich tief verbeugend vor dem Offizier, der die französische Rlo welche die welken Lippen beim Abschied muermelten, verftend. Sie war heute ganz in weißen Samt gekleidet. Ihr Robe folgte der Figur fast bis zu den Füßen und fiel erst an den Knöcheln zu einer breiten Schleppe aus. So sah man jede Linie dieses selten schöngeformten Körpers, der sich wie eine weiße Schlange bewegte. Auch der Leutnant, in dessen Herzen nur das Bild seiner Bianka Platz fand, bewunderte dieses reizende Bild aber das auch heute wieder so bizarr geschminkte Gesich stieß ihn ab. „Wollen Sie sich nicht ein wenig setzen?“ fragte sie mit ihrer leisen, kockenden Stimme. . Da er nichts anderes zu tun wußte und nicht vor seinem Bruder den Klub verlassen wollte, ließ er sick nieder. Vielleicht trieb ihn auch eine Art Neugier, was sie ihm wohl sagen würde. „ Sie aber war zum erstenmal in ihrem Leben nicht se wie sonst, Herrin der Situation. Vom ersten Augenblick, wo dieser blonde Germane in ihren Bannkreis trat, waren ihm heimlich ihre Augen gefolgt. Er war der einzige, der ihr nicht den Hof machte, schon das reizte dieses widerspruchsvolle und längst von der glatten Bahr normaler Empfindungen abgewichene Frauenherz. Aber sie fand ihn auch schön! Derselbe Reiz, den sie selbst auf so viele ausstrahlte, ging für sie von diesem Mann aus, der keinen Sinn zu haben schien für die Rarität ihrer geLeinzisglen Erschenung.. kra 9e So fand sie auch nicht gleich das Wort, mit dem sie ihn fangen wollte. Sie lächelte nur, und ihm war dieses seiner Nastassung den naom es, ein wenig au derd in für eine nicht ei telch, ucht hee er Das würhe ich urlue gsch, achelte, er ebenfalls und greinte: „Das würde ich mir mchr erlaubt haben zu sagen!“ Geicm 11d 1 Vor den Verhandlungen in Bukarest. Die Türkei fordert ihre Truppen zur Umkehr auf. Konstantinopel, 28. Juli. Vom Großwesir ist gestern als Antwort auf das Telegramm des Ministers des Innern eine Depesche eingetroffen, wonach die türkische Kavallerieabteilungen, die über die altbulgarische Grenze in Bulgarien eingedrungen sind, Befehl zur Umkehr nach Thrazien erhalten haben. Der Standpunkt Oesterreichs und Rußlands. Wien, 28. Juli. Eine Persönlichkeit aus dem österreichischen Ministerium des Aeußern hat folgende Erklärung über die österreichisch=russischen Balkanbeziehungen abgegeben: Oesterreichs und Rußlands Bestrebungen bezüglich Bulgariens stimmen unstreitbar überein und führen zu einem Parallelismus der Politik der beiden Länder. Es ist jedoch nicht wahr, daß auf dieser Grundlage Verhandlungen zwischen Wien und Petersburg stattgefunden haben. Die Gerüchte von einem derartigen Abkommen stützen sich auf eine Unterredung, die der österreichische Botschafter in Petersburg im Laufe der vor. Woche mit Sassonoff hatte. In ihr konnten beide Diplomaten sich von den gleichen Bestrebungen beider Großstaaten bezüglich der Zukunft Bulgariens überzeugen. Oesterreich hat keinerlei Schritte zugunsten einer Autonomie Mazedoniens unternommen. Die Einwirkung der Mächte. In Pariser diplomatischen Kreisen versichert man auf das Bestimmteste, daß Rußland, so sehr es die Folgen eines Zusammenbruchs des bulgarischen Reiches fürchtet, keine eigenmächtigen Schritte gegen die Türkei unternehmen wird. Von Petersburg ist zwar eine Flottendemonstration sowie die Landung eines internationalen Korps als etwaige Zwangsmaßnahme gegen die Pforte vorgeschlagen worden. Die Großmächte haben jedoch vorläufig davon abgesehen. Die Botschafter werden sofort durch dringende Vorstellungen bei der Pforte die Türkei nochmals zur Mäßigung zu bewegen versuchen. Die Vorstellungen erfolgen einzeln, aber im gleichen Sinne. Sie erinnern daran, daß die Großmächte auf keinen Fall ein Ueberschreiten der auf friedlichem Wege festgelegten Grenze Enos-Midia dulden, fügen jedoch hinzu, daß die Pforte, wenn sie sich dem Willen Europas fügt, darin keine Bedrohung ihrer europäischen Herrschaft zu sehen brauche. Man hofft in Paris, daß diese etwas unbestimmt gehaltene Erklärung einen Ausweg schaffen wird, um der Pforte bei der endgültigen Regelung der Balkanangelegenheiten einige Vorteile über den Londoner Vertrag hinaus zu sichern. Die Mächte des Dreiverbandes sind sich darüber einig, daß erst nach Erschöpfung aller diplomatischen Mittel eine militärische Maßnahme Anwendung finden kann. Der Notenwechsel zwischen Petersburg, Berlin und Rom andererseits läßt hoffen, daß auch die Dreibundmächte derselben Ansicht sind. Die Friedensdelegierten unterwegs. Die in der serbischen Krönungsstadt Nisch vor kurzem eingetroffenen Bevollmächtigten der Balkanstaaten haben nunmehr ihre Reise von Belgrad aus fortgesetzt. Aus Bukarest wird darüber berichtet: Die Bevollmächtigten Serbiens, Griechenlands und Montenegros haben Sonnabend früh Belgrad an Bord eines Dampfers verlassen. Sie begeben sich nach Bukarest, wo sie am Montag eintreffen werden. Der griechische Ministerpräsident Venizelos ist persönlich eingeladen worden, hat jedoch den Tag seiner Ankunft noch nicht bestimmt. Bulgarien hat sich bereit erklärt, Bevollmächtigte zu ernennen. — Wie aus Athen berichtet wird, reist der griechische Ministerpräsident Venizelos nach Saloniki, wo er mit dem Könige zusammentrifft. Sodann begibt er sich nach Bukurest. Die Stimmung in Sofia. Sofia, 28. Juli. Samstag nacht ist hier die Nachricht eingetroffen, daß die Serben sich weigern, einen Waffenstillstand abzuschließen, und die Griechen bisher garnicht geantwortet haben. Die Operationen werden also fortgesetzt werden, bis in Bukarest der Vorfriede unterzeichnet wird. Um die Bukarester Verhandlumgen zu beschleunigen, will die Regierung sofort den Finanzminister und noch 2 andere Delegierte dahin entsenden. Mit Rumänien dürfte der Vorfriede sogleich unterzeichnet werden, worauf die rumänischen Truppen aus Bulgarien zurückgezogen werden sollen. Vom Großwesir ist ein Telegramm eingetroffen, wonach die Kavallerieabteilungen, welche in Bulgarien eingedrungen sind, Befehl erhielten, zurückzugehen. Bezüglich der Räumung Thraziens seitens der türkischen Truppen wird jedenfalls eine Zwangsmaßnahme der Großmächte nötig sein. Bedeutsame Aeußerungen des griechischen Königs werden dem„Figaro“ von seinem Berichterstatter mitgeteilt, der am Freitag mit König Konstantin im Hauptquartier von Lilunowo zusammentraf. Sie legen ein Zeugnis ab von der durch Begeisterung getragenen eisernen Entschlossenheit der Griechen, sich für ihre heilige Sache bis nach Sofia durchzukämpfen, falls Bulgarien nicht vorher die Bedingungen der Verbündeten annimmt. Der Gewährsmann schreibt: Der erste Aufruf des über die Erfolge seines Heeres erfreuten Königs war:„Nicht wahr, auf derartiges war man in Europa nicht gefaßt.“ Der König sprach mit Begeisterung von seiner Truppe, die eine ganz andere sei als jene von 1897. In Worten tiefster Entrüstung sprach der König sodann von den bulgarischen Greueltaten. Es seien Urkunden beschlagnahmt worden, aus denen hervorgehe, daß das Blutvergießen von den Bulgaren vorbedacht war. Die Veröffentlichung dieser Schriftstücke wird in Europa unerhörtes Aufsehen machen. Der König schloß:„Ich führe sie nach Sofia! Wir werden nach Sofia gehen! Wir müssen nach Sofia gehen!" Der Berichterstatter erklärt zum Schluß, er habe die Ueberzeugung gewonnen, daß Griechenland nur auf bulgarischem Boden Frieden schließen werde. Abgelehnter Waffenstillstand. T Athen, 28. Juli. Der König hat den bulgarischen Vorschlag, einen dreitägigen Waffenstillstand abzuschließen, aus strategischen Gründen abgelehnt. Griechischer Sieg. T Athen, 28. Juli. Die griechische Armee schlug nach einem heftigen 2tägigen Kampfe bei Simitli am Strumitzafluß die bulgarische Armee, nachdem diese sehr große Verluste erlitten hatte, in die Flucht und erbeutete 3 bulgarische Geschütze und viel Kriegsmaterial. Die gesamte griechische Armee, deren Verluste beträchtlich sind, marschiert gegen Djumia. Serbische Forderungen. T Belgrad, 28. Juli. Serdien wird nach der Versicherung maßgebender Kreise bei den Friedensverhandlungen folgende Forderungen stellen: 1) Ueberlassung aller von der serbischen Armee zum zweiten Male eroberten Gebiete. 2) Regulierung der alten serbisch=bulgarischen Grenze, da diese wiederholt zu Zwistigkeiten Anlaß gegeben hat. 3) Zahlung einer Kriegsentschädigung. Die Friedensverhandlungen in Bukarest. T Bukarest, 28. Juli. Die hier eingetroffene bulgarische Delegation besteht aus Tonschew, Stanschow, Fitschew und Nachew, sowie einem Mitglied des Kassationshofes in Sofia. Ivantschew und Paprikow, die sich in Nisch befinden, werden hierher kommen, wenn in Risch keine Verhandlungen stattfinden. Die Türken ziehen sich zurück. T Sofia, 28. Juli. Nach der Einäscherung einiger Dörfer und des Grenzortes Hebitschewo haben sich die Türken nach Thrazien zurückgezogen. Keine Sonderaktion Rußlands. Petersburg, 28. Juli. Ministerpräsident Kokowzow hat folgende beruhigende Erklärungen abgegeben: 1. Die russische Schwarze=Meer=Flotte wird keine isolierte Demonstration vor Konstantinopel unternehmen. 2. Rußland hat keinerlei Absicht, in Armenien einzufallen. 3. Die russische Regierung hält an der Auffassung fest, daß, falls eine Aktion gegen die Türkei notwendig werden sollte, um sie zum Verlassen Adrianopels zu zwingen, diese Aktion von allen Mächten einmütig beschlossen und durchgeführt werden muß. Die Cholera in Serbien. Belgrad, 28. Juli. Amtlichen Berichten zufolge wurden innerhalb des Königsreichs Serbien im ganzen bisher 400 Cholerafälle festgestellt, wovon 161 tödlich verliefen. Unter den an Cholera erkrankten Personen befinden 348 Soldaten, unter den an Cholera Verstorbenen 138 Soldaten. In Belgrad wurden bisher insgesamt 118 Cholera=Erkrankungen festgestellt, von denen 48 tödlich verliefen. Deutschlano. Regelung des Luftverkehrs. Berlin, 28. Juli. Gestern hat im Auswärtigen Amte zwischen dem Staatssekretär von Jagow und dem französischen Botschafter Cambon ein Notenaustausch über die Regelung des Luftverkehrs zwischen Deutschland und Frankreich stattgefunden. Vom Kaiser. Balestrand, 28. Juli. Der Kaiser besichtigte gestern das nunmehr vom Gerüst befreite Fridtjofdenkmal, nahm über die einlaufenden Linienschiffe„Kaiser" und„Friedrich der Große" Parade ab und machte nachmittags bei andauernd schönem Wetter einen Spaziergang. An Bord ist alles wohl. Der Aufenthalt des Kaisers in Homburg. Homburg v. d. H., 28. Juli. Nach dem neuesten Reiseplan wird der Kaiser am 6. oder 7. August hier eintreffen und etwa bis zum 26. August im Schlosse Wohnung nehmen. Oesterreich. Die Neuordnung in Böhmen. Wien, 28. Juli. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben an den Ministerpräsidenten Grafen Stuergh, in dem der Kaiser in landesväterlicher Fürsorge für das Königreich Böhmen, dessen autonome Verwaltung nunmehr zum völligen Stillstand gekommen ist, kraft seiner Regentenpflichten Anordnungen getroffen hat, welche die Fortführung dieser Verwaltung in die Hände von Persönlichkeiten seiner Wahl legen und die Erschließung einzelner zur Deckung des dringendsten Bedarfes bestimmten Einnahmequellen ermöglichen sollen. Das Amtsblatt veröffentlicht weiter ein kaiserliches Patent, durch das die Auflösung des böhmischen Landtages verfügt und die Regierung damit betraut wird, zu dem geeigneten Zeitpunkt Neuwahlen vorzunehmen. Ein weiteres kaiserliches Patent setzt eine aus Beamten bestehende Landesverwaltungskommission ein, zu deren Präsidenten das bisherige Mitglied des böhmischen Landesausschusses und Vizepräsidenten des Reichsgerichts, Graf Schönborn, ernannt wird. Frankreich, Die 3jährige Dienstzeit in Frankreich. T Paris, 28. Juli. Der Bericht, welchen Doumer im Namen des Heeresausschusses des Senats über das 3jahrsgesetz erstattete, beschäftigt sich mit der deutschen Heeresverstärkung und schließt mit Erörterungen über die gegenwärtige Lage Europas. In dem Bericht heißt es: Die Balkankriege haben in dem politischen und militärischen Gleichgewicht des Kontinent keine Störung hervorgerufen. Die Konfliktsursachen zwischen den Großmächten haben sich verringert. Die jenseits des Rheins zunehmenden Rüstungen beweisen gerade nicht, daß die Festigkeit des Friedens gewachsen ist. Die Mächtegruppierung, welcher Frankreich angehört, hat keine Erschütterung erfahren. Im Laufe der schweren Krisen sind Frankreich, England und Rußland nicht einen Augenblick uneinig geworden und werden es auch in Zukunft nicht werden. Frankreich will sich, wie die anderen Mächte, seine eigene Sicherheit nur selbst zu danken haben und in der Lage sein, seine Unversehrtheit durch eigene Kraft zu sichern. Deutschland hat eine bedauerliche, beunruhigende Politik, die für uns zu gewissen Stunden der allerjüngsten Vergangenheit aggressiv war, geführt. Deutschland, einst ein unbarmherziger Gegner, ist auch heute bei weitem noch der Mächtigste. Wir haben also allen Grund, unsere Armee auf dem Niveau der deutschen zu erhalten. Frankreich muß stark sein unter den starken Nationen, weil es immer in erster Reihe stand und in erster Reihe bleiben muß. Düsseldorf, 28. Juli. Das Schöffengericht wie auch die hiesige Strafkammer hatten den Parteisekretär Westkamp und den Buchbinder Meyer zu 30 und 20+ Geldstrafe verurteilt, weil eine in Benrath stattgefundene öffentlich politische Versammlung von ihnen polizeilich nicht angemeldet worden war. Auf dem Revisionswege machte Meyer geltend, daß nach den gesetzlichen Bestimmungen die Verurteilung des Einberufers der Versammlung, Westkamp, genüge, und er als Versammlungsleiter für die geschehene Unterlassung nicht verantwortlich gemacht werden könnte. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hatte sich dieser Auffassung angeschlossen und die Angelegenheit zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz peucr gimese. Von der Straftammer ist nunmehr gegen lehes ein freisprechendes Erkenntnis gefällt worden. Essen, 28. Juli.(Strafkammer.) Einer, der das Schwindeln nicht lassen kann, ist der Monteur Ed. Zimmermann aus Gelsenkirchen. Sein„Handwerk“ besteht in der Regel darin, daß er sich unter unwahren Angaben über seine Beschäftigung Kost und Logis verschafft und Geschäftsleute um kleine Beträge anpumpt, die er dann sofort in Schnaps umsetzt. Er hat ein Ehepaar in Gelsenkirchen um einen ganz erheblichen Betrag für Kost, Logis und bare Darlehen geschädigt. Er wurde zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. M.=Gladbach, 28. Juli. Die Strafkammer verurteilte den Fabrikarbeiter Wilhelm Monforts aus Rheydt wegen schwerer Einbruchsdiebstähle zu 6 Jahren Zuchthaus. Der Arbeiter Joseph Kamp aus Rheydt, der ebenfalls an diesen Diebstählen beteiligt war, erhielt 4 Jahre Gefängnis. Die beiden hatten in Rheydt, Rheindahlen und den benachbarten Ortschaften eine ganze Reihe EEinbruchdiebstähle verübt und daraus ein ganzes Warenlager, bares Geld, Sparkassenbücher usw. zusammengetragen. Koblen:, 27. Juli. Der Leutnant Schacht-vom Pionierbataillon Nr. 8 war vom Kriegsgericht der Kommandantur wegen Erstattung wissentlich falscher dienstlicher Meldungen zu 5 Monaten Festungshaft verurteilt worden. Auf die Berufung des Gerichtsherrn verurteilte das Oberkriegsgericht den Leutnant wegen vorsätzlicher Erstattung unrichtiger dienstlicher Meldungen in 2 Fällen zu 6 Monaten und 1 Tag Gefängnis und erkannte auf Dienstenlassung. Das Oberkriegsgericht hob in der Urteilsbegründung hervor, daß der Angeklagte in dem ganzen Verfahren niemals eine Spur von Reue gezeigt und durch sein Vorgehen die Ehre des gesamten Offizierkorps auf schwerste verletzt habe. Der Offizier hatte auf der Pfaffendorfer Straßenbrücke eine Frau von hinten überrannt, so daß die Frau erhebliche Verletzungen erlitten hatte. Schacht hatte der Frau einen falschen Namen angegeben und auch auf Befragen seines Hauptmanns geleugnet, daß er bei dem Vorfall in Frage käme. Königsberg, 27. Juli. Das Kriegsgericht verurteilte den Oberleutnant von der Trenck vom Kürassier= Regiment Graf Wrangel wegen tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten, den Mitangeklagten Major von Kopy von demselben Regiment, und wegen ernster Beleidigung desselben zu 1 Jahr und 3 Monaten Festungshaft und Entlassung aus dem Dienst. Major v. Kopy erhielt wegen Beleidigung 14 Tage Stubenarrest. Zwischen den beiden Offizieren hatte bei einem Liebesmahl ein Zusammenstoß stattgefunden. Leipzig, 28. Juli. Vor dem Landgericht hatte sich der Musikdirektor Gustav Wohlgemut zu verantworten. Er war beschuldigt, den Kaiserpreischor von Hegar widerrechtlich vervielfältigt zu haben. Dr. Wohlgemut gab die Vervielfältigung zu, bestritt aber, sich irgendwie schuldig gemacht zu haben und wies darauf hin, daß weder sein Verein, noch ein anderer Leipziger Männer=Gesangverein, sich an dem Kaiserpreissingen beteiligt habe. Das Gericht kam zu der Ansicht, daß ein entschuldbarer Irrtum nicht vorliege und verurteilte Dr. Wohlgemut zu 150 Mark Geldstrafe. Schwerer Eisenbahnunfall. Kopenhagen, 27. Juli. Der Expreßzug Kopenhagen—Esbjerg entgleiste gestern nachmittag bei Bramminge. Die 1. Lokomotive stürzte um, die 2. entgleiste. Sämtliche Wagen, mit Ausnahme des letzten, sind umgestürzt. Bis jetzt sind 16 Tote und eine Anzahl Schwerverwundeter festgestellt worden. Unter den Toten befinden sich der sozialdemokratische Felketingabgeordnete Sabroe und Frau Professor Paulli aus Kopenhagen. Man befürchtet, daß unter den Trümmern noch weitere Tcte sich befinden. Der Lokomotivführer und der Heizer konnten sich durch Abspringen von der Lokomotive retten. Die Verwundeten werden nach Esbjerg übergeführt, die Toten nach Bramminge gebracht. — Bei dem Eisenbahnunglück bei Esbjerg sind folgende Deutsche ums Leben gekommen: Richard Wellner aus Dresden, der Opernsänger Borre aus Düsseldorf, Artur Wellner aus Berlin. Unter den Toten befindet sich ferner ein Knabe mit Namen Oertheilner und ein Knabe, dessen Taschentuch mit dem Buchstaben R. F. gezeichnet ist. Bei dem letzteren ist es zweifelhaft, ob er ein Deutscher oder Engländer ist. Unter den Schwerverletzten befinden sich folgende Deutsche: Frau Opernsänger Borre und Frau Elisabeth Wellner=Dresden; unter den Leichtverletzten Frau Margarethe Krause und ihr Sohn Arno Krause=Berlin, Wielandstraße, und Frau Friede Kohl, Berlin. —. Man vermutet, daß die Eisenbahnkatastrophe durch die große Hitze herbeigeführt wurde, die ein Werfen der Schienen zur Folge hatte. Dem Opernsänger Barre, der auf dem Operationstische starb, wollten die Aerzte Morphium einspritzen; er gestattete dies nicht, bevor er nicht von seiner Frau Abschied genommen hatte. Frau Barree, die schwere Beinbrüche davon getragen hat, wurde auf einer Bahre in den Operationssaal getragen und die beiden Eheleute nahmen Abschied von einander. Darauf sprach Barree gesaßt mit den Aerzten, sie könnten machen mit ihm, was sie wollten. Beide Beine wurden amputiert. Der Sänger starb aber, weil er schon zu viel Blut verloren hatte. Westdeutschland. Köln, 28. Juli. Auf der in Nippes gelegenen Bodentransportbahn der Firma Grün u. Bilfinger=Mannheim stießen gestern vormittag 2 Züge zusammen, wodurch eine Lokomotive der Förderbahn gegen einen im nebenliegenden Staatsbahngleise in langsamer Fahrt begriffenen Güterzug fiel. 2 Wagen des Güterzuges entgleisten und sperrten die beiden Hauptgleise. Ein Heizer wurde verletzt. Köln, 27. Juli. In einem an der Christinastr. in Nippes gelegenen Hause entstand ein Zimmerbrand, der sich auf weitere Räume ausdehnte. Ein geistesgestörter junger Mann hatte den Brand gelegt und sich nachher durch Erhängen das Leben genommen. Die Feuerwehr löschte in kurzer Zeit den Brand. Köln, 27. Juli. Das Luftschiff Z, 2 trat in der vergangenen Nacht 11,30 Uhr eine Fahrt nach Mainz an, wo es um 1 Uhr eintraf. Es kreuzte dort längere Zeit, trat dann die Rückfahrt an, verlor im dichten Nebel die Orientierung und landete erst um 10 Uhr glatt vor der Halle. Köln, 28. Juli. Kürzlich erhielt eine Anzahl rheinischer Geschäftsinhaber die Offerte eines Berliner Herrn, in der Lieferungen für auswärtige Hofhaltungen u. später der Hoflieferantentitel in Aussicht gestellt wurde. Nachdem ein Briefempfänger Anzeige bei der Kriminalpolizei erstattet hatte, ging ersterer nunmehr vom Kölner Oberstaatsanwalt die Mitteilung zu, daß das Verfahren gegen den Berliner Herrn eingestellt werden müsse, weil die von ihm gemachten Angaben nicht widerlegt werden könnten. Von anderer Seite verlautet, daß für die Beschaffung des Hoflieferantentitels je nach Ansehen des betreffenden Staates Beträge von 4000—20000 Mark gefordert wurden. Bonn, 28. Juli. In dem Wettbewerb für ein neues Theater in Bonn hat der Bonner Theater=Verein den Entwurf„Heimatschutz“ der Architekten Pipping und Schwisters in Bonn angekauft. Zur Wahl stehen außerdem die Entwürfe der zum Wettbewerb aufgeforderten Architekten Dülfer=Dresden, Kaufmann=Berlin, VetterleinDarmstadt, Moritz=Köln. Traben, 28. Juli. Das von dem Verein Handwerker=Erholungsheim hergestellte Erholungsheim bei Traben ist nunmehr fertiggestellt und wird am 31. Juli d. Is. eingeweiht werden. Mit dem 1. August wird das Heim seiner Bestimmung übergeben werden und seine Pforten unseren erholungsbedürftigen selbständigen Handwerkern öffnen. Das Heim erhebt sich als stattlicher Bau im Moselstil inmitten der heranwachsenden Gartenanlagen und bietet eine Unterkunftsmöglichkeit für 70 bis 80 Personen. In der Gesamtanlage ist alles berücksichtigt, was geeignet erscheint, sowohl den Anforderungen der S heutigen Gesundheitspflege als auch einer einsachen Behaglichkeit gerecht zu werden. Da das Heim mit Zentralheizung vorgesehen ist, so eignet es sich auch zurWinterkur, ein Umstand, der manchen Berufen willkommen sein dürfte, die im Sommer hauptsächlich in Anspruch genommen sind. Die Bäder gleichen in ihrer Art den Quellen von Gastein, Wildbad usw. und besitzen noch einen besonderen Vorzug, daß in ihnen ein nicht unbeträchtlicher Radiumgehalt festgestellt worden ist. Saarlouis, 27. Juli. 2 jugendliche Arbeiter der Völklinger Hütte, die sich an Erzwagen zu schaffen machten, brachten diese in Bewegung und gerieten darunter. Der eine wurde sofort getötet, der andere schwer verletzt. Geilenkirchen, 28. Juli. Auf der Gewerkschaft„Carolus Magnus“ sind Samstag sämtliche 13 Leichen geborgen worden. Aeußere Verletzungen haben die Leichen nicht. Bei allen ist Erstickungstod festgestellt. Am Sonntag nachmittag 3 Uhr fand eine Trauerfeier auf der Gewerkschaft statt und daran anschließend die Beerdigung der Verunglückten auf dem Friedhof in Uebach. 3, darunter der Steiger Dettler, der aus dem Südharz stammt, werden in ihre Heimat befördert. Elberfeld, 28. Juli. Der Lademeister Kr., der hier an der Beerdigung eines Vorgesetzten teilnahm, wurde im Leichenzuge vom Tode ereilt. Er hatte einen Herzschlag erlitten. Düsseldorf, 28. Juli. In der Weberet von Simons geriet der Stuhlmeister Stahlberg in die Transmission. Er wurde mehrfach herumgeschleudert u. schrecklich verstümmelt, sodaß er sofort tot war. Duisburg, 28. Juli. Die Handelskammer hat in einer Eingabe an den Minister beantragt, daß die Linie Duisburg=Mörs=Kleve in eine Hauptbahn umgewandelt werde, daß ferner auch auf der Teilstrecke Millingen=Kleve das 2. Gleis geschaffen werde u. daß schließlich im Verkehr zwischen Duisburg=Kanten=Kleve Eil= u. Schnellzüge eingerichtet werden. Essen, 27. Juli. Gestern mittag ist in Gegenwart des Regierungspräsidenten Dr. Kruse=Düsseldorf, als Vertreter des Oberpräsidenten der Rheinprovinz Exzellenz v. Rheinbaben, der das Protektorat der Ausstellung übernommen hat, die Gewerbeschau eröffnet worden. Zu der Feier hatten sich die Spitzen der städtischen Behörden, das Stadtverordnetenkollegium und zahlreiche geladene Gäste eingefunden. Nach einer Begrüßungsansprache des Architekten Oberembt ergriff der Leiter der Ausstellung, Syndikus Dr. Janssen, das Wort. In längeren Ausführungen entwarf Redner ein treffliches Bild über Wesen und Art der Gewerbeschau. Im Namen der Regierung erklärte dann Regierungspräsident Dr. Kruse die Ausstellung für eröffnet. Darauf schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung an. Essen, 28. Juli. Auf der Radrennbahn an der Hubertusburg ereignete sich gestern beim 10=Kilometerrennen hinter Motorschrittmachern ein schwerer Unglücksfall. Nachdem die Fahrer 6 Minuten gefahren hatten, verlor der Schrittmacher des Essener Rennfahrers Kösterherm, Drögemüller, die Herrschaft über seinen Motor u. fuhr von der Bahn herunter in eine Gruppe zuschauender Rennfahrer. Hierbei wurde der Rennfahrer Wilhelm Stefan von der Maschine erfaßt und im hohen Bogen durch die Luft geschleudert. Er erlitt einen Bruch des rechten Armes und schwere innere Verletzungen, sodaß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Bochum, 28. Juli. Die westfälischen BuchbinderInnungen hielten gestern hier unter dem Vorsitze des Obermeisters Lembke=Siegen ihren Verbandstag ab. Nach den üblichen Begrüßungen wurde der Jahresbericht erstattet, der eine gute Entwicklung des Verbandes erkennen läßt. Syndikus Höfling=Bochum hielt einen Vortrag über Bedeutung und Aufgaben der Innungen. Der Rendant der Krankenunterstützungskasse der Handwerkskammer Dortmund Holzbildhauer Raedig=Bochum verbreitete sich über das Krankenunterstützungswesen. Mit einem Antrage,den Verbandsbeitrag von 50 Pfg. auf 1 Mark zu erhöhen, erklärte sich der Verbandstag einverstanden. Eine längere Erörterung entspann sich über den Antrag auf Festsetzung eines einheitlichen Preistarifs für Westfalen. Der Vorstand wurde beauftragt, einen solchen Tarif auszuarbeiten und zwar auf der Grundlage des vom Verbande deutscher Buchbinder=Innungen vor 3 Jahren in Würzburg festgestellten Tarifs. Bei der Vorstunbswahl wurde der gesamte Vorstand einstimmig wiedergewählt. Der nächstjährige Verbandstag soll in Buer abgehalten werden. Hattingen, 28. Juli. Im Bredenscheid fingen S Bergleute aus dem Schlesischen, von denen mehrere erst in den letzten Tagen zugezogen sind, mit dem Wirt Wienand in seinem Lokal Streit an, schossen einen seiner Söhne über den Haufen und zertrümmerten alles, was ihnen unter die Finger kam. Der Fußboden zeigt klaffende Oeffnungen, hervorgerufen durch Werfen mitMauersteinen. Der Sachschaden beträgt über 1500 Mk.; kein Fenster ist ganz geblieben. Die empörten Nachbarsleute setzten den Burschen derart zu, daß 3 ins Krankenhaus gebracht werden mußten. 3 wurden verhaftet, 2 sind flüchtig. Schwerte, 26. Juli. Eine lustige Theater=Geschichte ist von hier zu berichten. Im Müllerschen Saale sollte ein Gastspiel des Kölner Burlesken=Ensembles stattfinden. Zu der Vorstellung hatten sich zahlreiche Zuschauer eingefunden. Obwohl die Spieler sich bereits zur Bühne begeben hatten, wollte der Vorhang nicht in die Höhe gehen. Das Volk wartete und wartete. Schließlich wurden die Besucher ungeduldig und als man kurz vor 9 Uhr nach der Ursache des Nichtbeginnens forscht und sich hinter die Kulissen begibt, ist das ganze Spielervolk durchgebrannt und zwar durch ein offenstehendes Fenster. Dem Direktor, der noch anwesend war, blieb nichts anderes übrig, als den Besuchern auf deren Verlangen das Eintrittsgeid zurückzuzahlen. Er war also der Geprellte. Hagen, 28. Juli. Die städtische Verwaltung legte die Abrechnung über die Maßnahmen der Gemeinde zur Linderung der Fleischteuerung vor. Die eingerichteten Fischmärkte ergaben im ersten Winter 1911=12, als der Verkauf durch einen Geschäftsführer auf gemeinsame Rechnung der Stadt und einer Seefischerei=Firma betrieben wurde, einen Verlust von 4322 Mark, in den die Stadt und die Fischereifirma sich teilen müssen. Seit Herbst 1912 betreibt dir Stadtgemeinde den Fischverkauf in eigenem Vet ohne Verlust. Bisher wurden von der Stadt rund 150 000 Pfund Seefische eingeführt. Für die Errichtung von Verkaufshallen in den verschiedenen Stadtbezirken wurden 7000 Mark aufgewandt. Für die Einkichtung von Fischkochkursen 650 Mark. Im städt. Fleischverkauf wurden aus Holland 150 Stück Großvieh und „ 200 Schweine eingeführt, die zunächst den Metzgern überlassen wurden. Später nahm die Stadt auch diesen Verkauf in eigenen Betrieb. Bei einer Ausgabe von 124 473 Mark und einer Einnahme von 124 559 Mark verblieb ein Ueberschuß von 84 Mark. Die Teurungs=Kommission schlägt vor, den Fischverkauf fortzusetzen und im Herbst neue Fischkochkurse einzurichten. Paderborn, 28. Juli. Die nahe der Infanterie=Kaserne gelegene, 10 Morgen große Besitzung des Gutsbesitzers Wübbe ist von der Militärverwaltung für 99000 Mark gekauft worden. Münster, 28. Juli. In einer Versammlung der Münsterischen Handwerksmeister wurde beschlossen, einen Innungsausschuß=Geschäftsführer anzustellen. Recklinghausen, 28. Juli. Mit einem eigenartigen Fußball spielten dieser Tage junge Burschen auf der Grenzstraße. Sie fanden in einem Stall zusammengeknüllte Lumpen und spielten damit. Plötzlich lösten sich die Lappen und eine Anzahl Goldstücke rollten auf das Pflaster. Es stellte sich heraus, daß eine Bergmannsfamilie ihre Ersparnisse in Höhe von 170 M. in Lumpen gehüllt und sie in dem Stall versteckt hatte. Von dem Gelde konnten der Familie noch 120 Mark zurückgegeben werden. Frankfurt a. M., 27. Juli. Ein Reisender wurde gestern nachmittag in einem Abteil 2. Klasse des Personenzugs 978 zwischen Frankfurt und Darmstadt ermordet aufgefunden. Es handelt sich offenbar um einen Raubmord. Die Persönlichkeit des Ermordeten konnte noch nicht festgestellt werden, ebenso ist die Person des Täters noch nicht festgestellt. Zu der aufsehenerregenden Ermordung des Reisenden wird noch folgendes mitgeteilt: Der Ermordete wurde im Klosett eines Wagens 2. Klasse von Arbeitern beim Reinigen gefunden. Der Tod war durch einen Schlag auf den Hinterkopf eingetreten. Die Taschen waren aus der Hose herausgeschnitten; das leere Portemonnaie und die Brieftasche lagen neben der Leiche. Es stellte sich heraus, daß der Ermordete der 35jährige Holzhändler Brechner aus Darmstadt ist, der sehr vermögend sein soll. Er war gestern früh nach Buchschlag bei Frankfurt gefahren, um einen größeren Geldbetrag einzukassieren. Ob er von da direkt heimfuhr, oder erst nach Frankfurt gefahren ist, läßt sich nicht feststellen, da er als Inhaber einer Monatskarte keine Fahrkarte zu lösen brauchte. Da der Zug mehrfach zwischen Darmstadt und Frankfurt hin= und herfährt, ist es auch noch nicht ermittelt, bei welcher Fahrt die Tat geschah. Mannheim, 28. Juli. Wegen finanzieller Schwierigkeiten erhängte sich die 33 Jahre alte Frau eines Ingenieurs aus Franksurt a. M. mit ihrem 7 Jahre alten Sohne. Ludwigshafen, 27. Juli. In der Badischen Anilin= und Sodafabrik ist gestern ein Raubanfall verübt worden. 3 Männer drangen in das Kassenzimmer ein, gaben Schüsse auf die anwesenden Kassenbeamten ab, von denen einer an der Hand verletzt wurde u. raubten 1875 M. Einer der Räuber wurde in einer Wirtschaft gefaßt, verübte aber einen Selbstmordversuch, indem er sich eine schwere Kopfwunde beibrachte. Er wurde als ein in der Fabrik beschäftigter Arbeiter festgestellt.— Ein AgenturTelegramm meldet zu dem Raub: Die Täter sind 3 polnische Fabrikarbeiter, die, mit den örtlichen Verhältnissen vertraut, den Raub von langer Hand vorbereiten konnten. Geraubt wurden etwa 1800 Mark. Von den Arbeitern des Betriebes verfolgt, drang einer der Täter in eine Wirtschaft. Dort richtete er die Waffe gegen sich selbst und brachte sich eine schwere Wunde bei. Der Tod ist noch nicht eingetreten, doch dürfte der Täter kaum mit dem Leben davonkommen. Die beiden andern Räuber entkamen. Marburg(Lahn), 28. Juli. Auf der Lahn zwischen Marburg und Wehrda schlug ein Boot um, in dem sich ein Schüler einer höheren Lehranstalt und 2 junge Damen befanden. Der Schüler konnte sich und eine der Damen retten. Die andere, welche aus Bochum stammt und hier zu Besuch weilt, ertrank. Aus aller Welt. Schweinfurt, 28. Juli. Ein Hamburger Automobil wurde auf der Straße Werneck=Schnackenwerth infolge Platzens der Pneumatiks gegen einen Baum geschleudert und vollständig zertrümmert. Von den Insassen wurde der Redakteur Johann Bader aus Hamburg getötet. 3 Hamburger Herren wurden schwer verletzt. Spionageaffäre in Oberschlesien. Breslau, 28. Juli. Eine Spionageaffäre, in die eine ganze Familie verwickelt ist, erregt in Kreuzburg(Oberschlesien) großes Aufsehen. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde der dort bei seinem Schwiegervater zu Besuch weilende russische Stabskapitän Leonis Jeszow unter dem dringenden Verdacht der Spionage verhaftet. Gleichzeitig wurden die Frau des russischen Offiziers, sein Kind, sein Schwiegervater, der in Kreuzburg bei den Grenzbehörden angestellte russische Untertan Günther und dessen Frau unter dem Verdacht der Beihilfe zur Spionage in Haft genommen. Die Damen wurden jedoch wieder aus der Haft entlassen, da sich bisher nicht nachweisen ließ, daß sie von den ihren Männern zur Last gelegten Straftaten Kenntnis gehabt haben. Bei der Festnahme waren der Landrat und auch ein Beamter der Staatsanwaltschaft anwesend. Es wurde gleichzeitig eine genaue Haussuchung vorgenommen, bei der viel belastendes Material, insbesondere Pläne, gefunden worden sein soll. Von der Verhaftung wurde die Reichsanwaltschaft in Leipzig sofort in Kenntnis gesetzt. Kapitän Jeszow und sein Schwiegervater werden voraussichtlich schon in den nächsten Tagen nach Leipzig gebracht werden. Vom deutschen Feuerwehrtag. T Leipzig, 28. Juli. An dem gestrigen Festzuge des 18. deutschen Feuerwehrtages nahmen ungefähr 20000 Feuerwehrleute teil. Als Vertreter des Königs von Sachsen war Prinz Johann Georg auf dem Balkon des Gebäudes der Kreishauptmannschaft erschienen. Auch ausländische Feuerwehren, darunter solche aus Oesterreich, Italien, Rußland, Schweden, England und der Schweiz waren vertreten. Biders Flug über den Gotthard. Basel, 27. Juli. Der Flieger Bider, der gestern morgen 4,30 Uhr in Mailand den Rückflug über die Alpen nach der Schweiz angetreten hat, passierte um 6,15 Uhr den Passo di Canaria, 2542 Meter im Gotthardmassiv, überflog um 7 Uhr Luzern und traf nach einer Zwischenlandung im Liestal um 8.15 Uhr in Basel ein. Die Bombe aus Käse. London, 27. Juli. Wie berichtet hat man in NewYork dem Milliardär Carnegie eine Bombe zugeschickt. Nachdem man das Paket geöffnet hatte, kam ein hermetisch verschlossener Zinkkasten in Form einer Melone zum Vorschein. Die anscheinende Bombe wurde auf das Polizeiamt geschafft, woselbst man die Annahme aussprach, daß sie mit Phosphorhydrogen gefüllt sei, eine chemische Zusammensetzung, die explodiert, sobald sie der Luft ausgesetzt ist. Die Polizei brachte die Bombe indessen zu einer einsamen Höhle und schoß auf sie aus einer sicheren Entfernung. Als keine Explosion erfolgte, sah man sich die durchlöcherte angebliche Bombe näher an und entdeckte, daß sie mit Limburger Käse gefüllt war. Tumulte bei einer Suffragetten=Demonstration. T London, 28. Juli. Gestern nachmittag hielt bei einer Suffragettendemonstration zu Gunsten des Stimmrechts für die Arbeiterfrauen Frau Pankhurst eine Brandrede und forderte zu einem Ueberfall der Ministerpalais in der Downingstraße auf. Als sie verhaftet werden sollte, stürzte sich die Menge auf die Polizisten und suchte sie zu befreien. Es kam zu einem Handgemenge, wobei zahlreiche Verbaftungen vorgenommen wurden. 2 Offiziere ertrunken. Windau, 28. Juli. 2 Offiziere des Unterseebootes Peskar, Kapitän Wurm und Leutnant Mezinoff, wurden auf offener See von einer überschlagenden Welle über Bord gespült. Beide ertranken. Eisenbahnunfälle. Thale(Harz), 28. Juli. Gestern nachmittag 4 Uhr fuhr der Eilzug Nr. 377 beim Rangieren mit derartiger Gewalt gegen einen stehenden leeren Personenzug, daß sämtliche Eilzugwagen beschädigt und der Packwagen kerzengerade in die Höhe gedrückt wurde. Ein Rangierer wurde schwer verletzt. Von dem Personenzug wurden die ersten Wagen beschädigt. Tokio, 28. Juli. Gestern nacht fuhr ein Schnellzug bei Takahama, 50 Meilen nördlich von Tokio, gegen einen Güterzug. 30 Personen wurden schwer verwundet. Die Schuld liegt an dem Weichensteller, der infolge des Unfalls wahnsinnig geworden ist. Kurdische Ueberfälle. T Urmia, 28. Juli. Kurden haben 3 christliche Dörfer im Tergewergebiet überfallen. Eine russische Abteilung ist zu ihrer Hilfe abmarschiert. Wie die Alten die Zuckerkrankheit heilten. Daß die Araber des Mittelalters die Zuckerkrankheit genau kannten und mit Erfolg heilten, ist die überraschende Tatsache, die die Forschungen eines jungen mohammedanischen Gelehrten festgestellt haben. Ein in Frankreich ausgebildeter Arzt Dr. Dinguizli, der in Tunis seine Heimat hat und dort seine Praxis ausübt, hat in den Schriften des großen, arabischen Arztes und Philosophen Avicenna, dessen Kenntnisse sich zum Teil auch auf antike Quellen stützen, ein interessantes Kapitel über die Diabetes entdeckt. Hier findet sich eine genaue Beschreibung der Krankheit, die damals in Afrika schon sehr häufig auftrat, und, was noch wichtiger ist, die Angabe eines Heilmittels, das die Zuckerkrankheit heilt. Das Rezept besteht in einem Pulver, das aus Zittwersamen, Lupinen und einigen anderen Kräutern zusammengesetzt ist; die Dosierung der einzelnen Ingredienzien ist genau angegeben. Wie der Arzt aus Tunis mitteilt, ist das Mittel sowohl von ihm wie auch von Professor Albert Robin in Paris bei Zuckerkrankheiten öfters angewandt worden und hat sehr gute Erfolge gezeitigt. Es beseitigt den Zucker, ohne deshalb den Gesundheitszustand des Kranken sonst irgenwie zu beeinflussen. Die Studie, die Dr. Dinquizli der Pariser Akademie der Wissenschaften vorlegte, ist von dieser einer Kommission übergeben worden, die das altarabische Mittel noch genauer prüfen soll. Eine lustige Zopfgeschichte aus dem„himmlischen Reiche“. Ueber eine lustige Geschichte, die sich während des Umsturzes in China zugetragen hat, wird berichtet: In einem größeren Orte im Hinterlande von Hankau war ein chinesischer Fürst ansässig, der über den Ort und alles, was dazu gehörte, eine Art Regierung ausübte. Da er ein großes Haus hielt und viele Bediente und Beamte hatte, sogar eine Schar bewaffneter Diener, so betrachtete man ihn auch als den Landesfürsten des Bezirkes. Ueber alle Neuerungen mußte er erst befragt werden, denn was er nicht wollte, unterblieb; das war ein ungeschriebenes Gesetz, das schon seit vielen Jahrzehnten als Privileg für die betreffende Familie bestand. Als nun die großen Unruhen im Chinalande ausbrachen und der Kaiser abgesetzt wurde, zog auch der Fürst mit einigem Gefolge nach Peking, um sich für die Wiederaufrichtung des Kaiserreiches zu verwenden. Viele Wochen vergingen, ohne daß man im Orte über das Schicksal des„Herrn“ etwas genaues hören konnte. Langsam drang aber die Kunde von der neuen Richtung, von der neuen Regierung in die Provinz. Immer mehr wurde bekannt, und auch in dem erwähnten Orte begannen die Leute sich die Zöpfe abzuschneiden. Wieder vergingen Wochen, bis endlich Eilboten eintrafen, die die Kunde von der Heimkehr des Fürsten brachten.„Hat er sich auch den Zopf abschneiden lassen?“ fragten die Leute den Boten.„Nein, er hat es uns sogar verboten!“— Eine heillose Verwirrung entstand im Orte, nur wenige trugen noch einen Zopf. Alles suchte die abgeschnittenen Zöpfe wieder hervor, wer ihn vernichtet hatte, schickte in die benachbarten Ortschaften, um einen Zopf für teures Geld zu erstehen. Die ganze kommende Nacht war man im Orte damit beschäftigt, die Zöpfe kunstgerecht aufzukleben. Als dann der Fürst in seine„Residenz“ einzog, standen seine Untertanen wieder ohne Ausnahme bezopft da. Schon am nächsten Tage ließ er alle Einwohner zusammenkommen und hielt ihnen einen Vortrag über die Umwälzung im Reiche, zum Schlusse teilte er mit, daß die neue Regierung die Zöpfe fallen sehen möchte.„Ich werde euch mit gutem Beispiele vorangehen,“ sagte er, und schnitt sich eigenhandig seinen Zopf ab. Er bedeutete den Umstehenden das Gleiche zu tun, was auch geschah. Feierlich schnitt man die aufgeklebten Zöpfe ab. Der größte südwestafrikanische Diamant. Ein vor einigen Monaten auf den Feldern der deutschen Diamantengesellschaft gefundener 33karätiger Stein galt bis. her als der größte Diamant der südwestafrikanischen Felder. Dieser Rekord ist jetzt durch einen auf den Feldern derselben Gesellschaft gefundenen Stein von 34.13/46 Karat geschlagen worden. Dieser große Stein wurde auf dem Lüderitzfeld, das an das Pomonagebiet stößt, unweit der Grenze gefunden; auch der schon erwähnte 33 Karäter stammte von diesem Felde. Der setzt gefundene große Diamant hat fast regelmäßige kubische Form und gleicht in Größe und Gestalt einem an den Ecken etwas abgenutzten Würfel aus einem Knobelbecher. Der Diamant ist von wasserklarer Farbe, hat aber leider mehrere Flecken. Eine Schätzung seines Wertes war noch nicht möglich. „Wo Du hingehst!" Der Geistliche hält einem jungen Paar die Traurede:„— und Du, junge Braut, sollst Deinem Manne gehorsam sein und ihm überallhin folgen—“— „Aber Herr Pastor, unterbricht die Braut.—„Pst, ich bin noch nicht zu Ende!“ flüstert der Geistliche.„— Deinem Manne folgen, wo er auch geht!“—„Aber, Herr Pastor!“ ruft die Braut verzweifelt, können Sie det nicht ändern? Mein Bräutigam ist doch Briefträger!“ Mit Vergnügen. Das Liebespaar steht abend oim Garten unter den blühenden Bäumen. Da wurde sie sentimental und sagte:„Ach, Liebster, wenn ich sterbe, mußt Du mich auch unter einem Lindenbaum begraben, ja?“—„Aber natürkich, Liebling, mit Vergnügen,“ sagte er zärtlich. Fahrplan der Bochumer Straßenbahnen. Gültig ab 26. Juli 1913. Linie 5. Eppendorf(Oberdahlhausen)— Bochum(Christuskirche)— Laer— Werne. Morgene 500———— 648708 55 510———— 700720 E 530 600 620 6 40 700 720 740 535 605 625 645 705 725 745 8 Abends 908 928 94810031028—— 920 940 100010201040—— 940 1000 102010401101120 1180“ 1200 1240“ 945 1005 10251045110511251185“ 1205° 12456 540 610 690 650 710 730 750S — 620 640 700 720 740 800 S — 641 701 721741 801821 950 1010 1030 1050111011801140* 1210“ 12506 1128“—#4 Eppendorf(Oberdahlh.) 11402— 82 Eppendorf Denkmal Bochum Christuskirche Bochum Bismarckstr. Altenb. Betriebsbhf. Hellweg Werne Morgens Abends 500—642—702— 722— 742802822 S 10021022—— 1122— 450—690—650— 710— 780750810 x 9501010—— 1110— 430/6006 106 20 6 306 40 650700710780750S 930 9501010103010501 1191130 425555605615625635645655705725745„ 925 9451005102510451105 2 Krce. ——— 71077 920 94010001001 910 930 950101010301050110 849 909 929 949100910291049 1125 12400 1235* 1230 1220* 1205* AbAmt Werne *: Spätwagen zu erhöhten Fahrpreisen!(—: An Sonn= und gesetzlichen Feiertagen! Gar Eirich. Bochumerstraße 60. Bekannt leistungsfähiges Schuhwarenhaus. Nur bestverarbeitete Schuhwaren zu bila ligsten Preisen.: Reparalurwerkstäne. Auch bei mir nicht gekaufte Schuhe werden bereitwilligst repariert. für die Miche Ghoche Dutzend nur 78 Pig. Bei mir werden die Eier nicht zu 8 Preislagen sortiert, wie es in vielen Geschäften üblich ist und dann etwa zu 75, 85, 95 Pig. verkauft werden, sondern wirklich dicke Eler kosten 12 Stück nur 78 Ptg. Vergleichen Sie bitte! H. Huismann. 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Gasversorgung verschiedener Anwohner an der Hüllerstraße. 5. Festsetzung der Preise für die Benutzung der städt. Badeanstalt. 6. Verschiedene Mitteilungen. Hiemnach Sitzung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die Hauptferien für die hiesigen Volksschulen beginnen am 6. August und dauern bis einschließlich 10. September 1913. Wattenscheid, den 22. Juli 1913. Der Bürgermeister: Wibberding. Geit einem Vüertel Jahebundert det Lanoin- Cream in Tuben und Dosen unentbehrlich zur Hautpflege geworden. Vereinigte Chemische Weike Aktiengesellsch. Abtellung Lanolin-Fabrik Martinikenfelde. Charlottenburg, Salzeier 16. Karserhor Tel. 1834 Te. 1830. Wattenscheid Rob. Gregor. Grosse und kleine Säle für Gesellschaften, Hochzeiten und sonstige Festlickgseiten. Spezial-Ausschank Dortmunder Union-Bräu. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Wattenscheid belegenen, im Grundbuche von Wattenscheid Band 15, Blatt 39 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau Bergmann Friedrich Behrendt, Gertrud geb. Fichtner, verwitwet gewesene Weindorf in Wattenscheid, eingetragenen Grundstücke: 1. Flur 16 Nr. 100/56, groß 2 a 30 qm., a) Wohnhaus Chausseeste. 38, 932 Mk. Nutzungswert. 2.) Flur 16 Nr. 101/57, groß 48 qm., mit Hofraum und Hausgarten auf Nr. 1,2, 3. b) Stall und Abort. auf Nr. 1, 45 Mk. Nutzungswert. 4.) Flur 16 Nr. 102/57, groß 2 a 48 qm. a) Wohnhaus Chausseestraße 36 mit abgesondertem Stall, Hofraum und Hausgarten, 727 Mk. Nutzungswert. 5.) Flur 16 Nr. 415/58 groß 0,1 gm. Hausgarten, Kreuzfeld. 6.) Flur 16, Nr. 416/58, groß 17 a 54 qm Hausgarten, Kreuzfeld am 2. August 1913, vormittags 10 Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 14 versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 24. April 1913 in das Grundbuch eingetragen. Wattenscheid, den 3. Juni 1913. Königliches Amtsgericht. Die wirischaft Frau Friedr. Behrendt, F. 36 U. 36 Wattenscheid, wird am 2. August 1913, vormittags 10 Uhr beim Königl. Amtsgericht Wattenscheid, Zimmer 14, „ Voraussichtlich wird die Wirtschaft sehr billig kommen. Kauflustige die über mindestens Mk. 10000.— bis Mk. 15000.— verfügen, erfahren Näheres durch die Schlegel-Brauerei A.-G., Bochum. Zür Semmersalseh reinigt und färbt Wond.. 14 sämtliche Garderoben, Gardinen, Rouleaux, Portieren, Teppiche, Felle, Handschuhe, Federn etc. Polstermöbel reinigt unzertrennt, Desinfektion u. Mottenvertilgung. Trauersachen färbt sofort bei coulanter und prompter Bedienung. Karl Kunze Läden: Wattenscheid, Oststrasse 25. Annahmestelle bei Kaufmann Joh. SchulteLoh, Günnigfeld. Zund 4räumige Wohnungen per sofort oder 1. Oktober zu vermieten. Baugeschäft Joh. Franke, Parkstraße 16. Lerthe zwischen Gelsenkirchen und Wattenscheid. 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