2 6 Nr. 163. (1. Blatt.) Donnerstag, den 17. Juli 1913. 45. Jahrgang. Vrrousaherver (Gonanaf, Wusgiauch. gerinde 1888 (Generab=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden speziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Uecksndorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, * Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet# s inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet s 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche 5. Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblattt“(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. u. ! Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts# : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin: zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Jahlung sofort nach## Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider. Zeitung" erhalten ber: tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen, (Telegr.=Adr.: Zeitung. Teleson 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 85669 Msionantschcen Wetter für Freitag: Wenn Regen gering, aufklärend, wärmer. Aus Stadt, Amt und Kreis. * Wattenscheid, 17. Juli 1913. Kreistagssitzung. * Am Sonnabend, 2. August d. J., nachmittags 3 Uhr, findet im Kreishause Gelsenkirchen eine Kreistagssitzung statt. Dr. Ed. Schulte Stadtarchivar von Münster. * Dem Münsterischen Anzeiger entnehmen wir die erfreuliche Nachricht, daß unser Mitarbeiter, der junge Bibliothekar Dr. Eduard Schulte von hier, der die uralte Geschichte von Stadt und Amt Wattenscheid schon durch so viele höchst wertvolle„Ausgrabungen“ bereichert hat, gestern einstimmig von der Stadtverordnetenversammlung unserer Provinzialhauptstadt Münster auf den einmütigen Beschluß des Magistrats hin zum Stadtarchivar bestätigt worden ist. Der junge Gelehrte hat damit trotz seiner oft schweren Erkrankungen eine bisher glückliche Laufbahn eingeschlagen: Er ist dazu berufen, als selbständiger Stadtarchivar die gewiß nicht unbedeutenden archivalischen Forschungen in Münster auszudehnen und in der Leitung des vergrößerten Archivamtes wissenschaftlich tätig zu sein. Nur seinen bisher so schönen Zeugnissen und seiner hervorragenden litterarischen Betätigung hat er es zu danken, daß ihm allein unter der gewiß sehr großen Zahl von Bewerbern dieses ehrenvolle Amt übertragen wurde, was auch unserm städtischen Gymnasium, aus dem er als erster Abiturient nach dem damaligen durch Direktor Professor Dr. Hellinghaus vollzogenen Ausbau hervorging, zur Genugtuung gereichen wird. Schulte wurde in Wattenscheid am.6. Febr. 1886 als Sohn des verstorbenen Kaufmanns Hermann Schulte geboren und absolvierte 1904 das hiesige Vollgymnasium. Dann widmete er sich dem Studium der Rechts= und Staatswissenschaft, der Geschichte und geschichtlichen Hülfswissenschaften nacheinander in Freiburg i. B., Kiel und Münster. 1907 erhielt er von der hohen rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster den vollen Preis für die bedeutsame Arbeit:„Das Gewerberecht der deutschen Weistümer“. 1908 bestand er in Hamm mit bestem Erfolg das erste juristische Staatsexamen als Referendar, um dann im folgenden Jahre in Münster zum Doktor juris zu promovieren. Dann arbeitete er als Referendar. teils auch rein schriftstellerisch in Bigge, Bochum, Höchst a. M. und Wattenscheid. Nachdem er eine größere Erholungsreise nach Teneriffa unternommen, von der er vollständig gestärkt heimkehrte, wurde er 1911 von der Historischen Kommission für Westfalen beauftragt mit der Sammlung der westfälischen Weistümer(Dorfrechte). 1912 erhielt er die Berufung an die Kgl. Universitätsbibliothek in Münster, um nunmehr zum Stadtarchivar dortselbst gewählt zu werden. Außer zahlreichen Zeitungsaufsätzen, die wir zum großen Teil veröffentlicht haben, entstammen seiner produktiven Hand u. a. folgende von der gesamten Fachwelt als hervorragend anerkannten Arbeiten: 1903 Rückblick auf die Geschichte Wattenscheids, 1909 Das Gewerbegericht der deutschen Weistümer, 1909 Pilgrimhaus Stalleiken, 1913 die 2. Aufl. der letzteren Arbeit, 1910 Die Andernacher Schmiedezunft, 1912 Die Mitglieder der Andemacher Schmiedezunft, 1912 Biographie H. F. v. Schele=Hudenbeck und zuletzt die Geschichte von Leithe und die hochinteressanten Urkunden aus Wattenscheid mit zahlreichen Reproduktionen. Wir gratulieren vielmals zu der neuen Beförderung. Schöffensitzung. * Die heute morgen am hiesigen Kgl. Amtsgericht staktgefundene Schöffensitzung hatte ein großes Arbeitspensum zu erledigen, da nicht weniger wie 13 Strafsachen zur Verhandlung standen. Es fungierten als Vorsitzender Amtsrichter Dr. Kißler, als Schöffen Bauunternehmer Jos. Evers von Westenfeld und Restaurateur Küpper von hier, als Amtsanwalt Polizeikommissar Poguntke. Ein Tag der Ausflüge. * Der gestrige Mittwoch kann wieder als Tag der Ausflüge bezeichnet werden, da zahlreiche Wattenscheider, namentlich unsere Damenwelt gestern„draußen“ weilten. Neben den Gymnasialklassen, die, wie mitgeteilt, gestern Tagestouren nach dem Sauerland, dem Niederrhein und in die Ruhrgegend unternahmen, fanden noch Ausflüge seitens mehrerer Vereine statt. Es liegen hierüber folgende Berichte vor: Die Gertrudiskonferenz des St. Elisabethvereins veranstaltete gestern unter Führung von Vikar Bertrams einen Ausflug nach der Kaiseraue in Grumme bei Bochum, woran sich ca. 200 Damen beteiligten. Zunächst wurde nach Ankunft in der Kaiseraue„ der Hauptpunkt der Tagesordnung", das sehnlichst erwartete gemeinsame Kaffeetrinken ekledigt und dann in den gemütlichen Teil eingetreten. Musikdarbletungen wechselten mit humoristischen Vorträgen und Spaziergängen und Kahnpartien, sodaß alle Teilnehmerinnen fröhliche Stunden verlebten.— Der Ausflug des Gewerbevereins ist ebenfalls bestens verlaufen. Die 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen bestiegen 2.13 Uhr auf Station Höntrop den Zug nach Nierenhof bei Hattingen, hier gings unter Führung der Kommission Kordt=Kesten=Schmidt zum Roten Haus, wo der Kaffee gereicht wurde; dann ging's zu Fuß zur Schulenburg und von dort zum Abendbrot in den Ratskeller e boisbene den Seuscend euniher duer diene noch in animierter Stimmung im Hotel Kaiserhof zu Wattenscheid.— Ebenfalls zum Roten Haus wanderten 40 Damen der Jungfrauen=Kongregation St. Josef unter Führung des Vikars Platte und der Präsektin Frl. Kemper.— * Der gestrige Ausflug des älteren evang. Frauen=Vereins hat einen überaus befriedigenden Verlauf genommen. Das Ziel des Ausflugs bildete der schöne Stadtwald Essen. An der Fahrt, die nachmittags 1,52 Uhr von Station Wattenscheid=B.=M. erfolgte, nahmen über 50 Damen teil. In der Restauration im Stadtwald wurde der Kaffe, welcher von den Kennerinnen als sehr gut rezensiert wurde, gemeinschaftlich eingenommen. Daran schloß sich ein längerer Spaziergang durch den ausgedehnten, mit vielen Ruhebänken ausgestatteten Hochwald, der früher Besitztum der Firma Krupp und vor zirka 10 Jahren gegen mäßige Entschädigung in den Besitz der Stadt Essen übergegangen war. Petrus hatte Einsicht genommen und den guten Damen günstiges Wetter beschert. Nur allzuschnell schwanden die Stunden, die in höchst angenehmer Weise verlebt wurden, dahin. Die Rückfahrt erfolgte um 8,05 Uhr abends. so daß die Damen sämtlich sehr befriedigt gegen 9 Uhr wohlbehalten wieder in der Vaterstadt anlangten. Feierlicher Empfang der Turnfestteilnehmer in Wattenscheid. * Bekanntlich war Wattenscheid in diesem Jahre zum 1. Male auf dem großen deutschen Turnfeste in Leipzig vertreten und hatte sofort einen vollen Erfolg zu verzeichnen, indem der bei Koch tagende Turnverein D. T. durch sein Mitglied Mette einen Preis errang. Mit Rücksicht auf die Bedeutung dieses turnerischen Ereignisses wurde für die am Sonntag aus Leipzig heimkehrenden Turner ein festlicher Empfang beschlossen. Es ist folgendes Programm vorgesehen: Um 6 Uhr tritt der Turnverein im Restaurant Koch vollzählig an und marschiert zusammen mit dem Gesangverein Germania=Kesten, der seine Mitwirkung zugesagt hat, unter Vorantritt der Dresselschen Kapelle aus Essen zum Bahnhof Wattenscheid, wo um 6.46 Uhr der Zug mit den Turnern einläuft. Es folgt dann felerlicher Empfang durch Begrüßungsansprachen, Gesang= und Musikvorträge und Ueberreichung eines Lorbeerkranzes. Hieraus geht's im geschlossenen Zuge zurück zum Kaisersaal, wo ein Festkommers die Feier beschließt. Abschiedsfeier des Bürgermeisters Vongaertz=St. Vith. * Gestern abend hatte sich ein engerer Kreis von städtischen Beamten und Bürgern zu einer Abschiedsfeier für Stadtsekretär Bongaertz im Restaurant Leppler hierselbst eingefunden. Stadtbaumeister Wallraven feierte Bürgermeister Bongaertz in längerer Rede als einen pflichtgetreuen und angesehenen Beamten, der sich nicht nur im Kollegenkreise, sondern auch in der Bürgerschaft sehr beliebt gemacht habe und den man allerseits ungern scheiden sehe. Redner übermittelte dem Scheidenden namens der städtischen Beamten die besten Glück= und Segenswünsche für sein neues Amt als Bürgermeister. Stadtverordneter Oeben und Bildhauer Böhmer dankten dem Scheidenden namens der Bürgerschaft für das freundliche Entgegenkommen und für Rat und Tat, die er während seiner hiesigen Amtstätigkeit sowohl der Arbeiterbevölkerung wie auch der eingesessenen Bürgerschaft dargebracht habe. Wirt Leppler toastete auf die Gattin und auf die Kinder des Bürgermeisters Bongaertz. Aus dem engeren Kollegenkreise wurde dann dem Scheidenden der letzte Abschiedsgruß gewidmet und die gestiftete Ehrenadresse, verziert mit vielen Miniaturansichten von Wattenscheid, verlesen, die folgenden Wortlaut hat:„Widmung für den Herrn Stadtsekretär, Amtsanwalt und Leutnant der Reserve Bongaertz: Gewählt als Bürgermeister, gehst Du jetzt nach St. Vith, So nimm denn zur Erinn'rung, noch dieses Zeichen mit. Warst uns ein treu' Kollege, verdanken Dir recht viel, Halfst unsern Stand erheben und fördern unser Ziel. Dein off'nes, g'rades Wesen und Deine Freundlichkeit Erwarb Dir Sympathien und Freundschaft weit und breit. Am Stammtisch bei dem„Schwatten“, bei Blumbach und „so fort, Gern warst Du stets gesehen in unserm ganzen Ort. Als Amtsanwalt gefürchtet, geehrt als Offizier, Im Vortrag gern gehöret, warst unser Stolz und Zier!— Und alle Deine Wünsche, sie wurden hier erfüllt, Sogar Dein Liebessehnen, es wurde hier gestillt: Ein holdes, liebes Weibchen, 2 Kinder obendrein, Das alles gab Dir„Wattsche“, deshalb gedenke sein.— Und in der fernen Eifel erblüh' Dir weit'res Glück! Gedenk als Bürgermeister, auch noch an uns zurück. Wattenscheid, im Juli 1913. Die städtischen Beamten:(Unterschriften).“— Bürgermeister Bongaertz dankte mit bewegten Worten für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen und Abschiedsgrüße.: Er erklärte, er habe nur seine Pflicht und Schuldigkeit getan und es von vorn herein für die vornehmste Aufgabe eines Beamten angesehen, nicht nur allein in genauer Anwendung und Ausführung von Gesetzes=Paragraphen und Bestimmungen seine Pflichten zu erblicken, sondern hauptsächlich der Bürgerschaft mit Rat und Tat zurSeite zu stehen und das gute Einvernehmen zwischen Beamten und Bürgerschaft zu erhalten und zu fördern. In diesem Sinne werde er auch in seinem neuen Wirkungskreise handeln und der Stadt Wattenscheid, den Bürgern und seinen ehemaligen WReschernte ene enie enicer licer iche lieder und Vorträge der Hauskapelle ebenso die guten Getränke und die vorzügliche Küche des Wirts Leppler verschönten die wohlgelungene und harmonisch verlaufene Abschiedsseier. Lehrer=Ruhegehaltskasse. * Im neuesten Amtsblatt(Stück 28) veröffentlicht die Kgl. Regierung zu Arnsberg den Verteilungsplan der Ruhegehaltskasse für die Lehrpersonen an den Volksschulen des Regierungsbezirks. Hiernach beträgt das pensionspflichtige Diensteinkommen der Lehrpersonen für den ganzen Landkreis Gelsenkirchen 899 000 Mk., wofür ein Beitrag von 53940 M. zu zahlen ist. Davon fallen auf Stadt Wattenscheid 189 400 Mark(11 364 Mk.) nebst 2000 Mk.(120 Mk.) für die israel. Schulgemeinde. Für die Schulgemeinde Eppendorf=Munscheid sind 28200 Mk.(1692 Mt.) erforderlich, für Günnigfeld 56 800 Mk.(3408 Mk.), Höntrop 39 100 Mk.(2346 Mk.), Leithe 14 100 Mk.(846 Mk.), Sevinghausen 10 200 Mk.(612 Mk.), Westenfeld 39 500 Mk.(2370 Mk.); ferner für Wanne 235 000 Mark(14 100 Mk), für Eickel 2000 Mark(120 Mark), Hordel. 54.000 Mr.(3240 Mt.) Ortskrankenkasse Amt Wattenscheid. * Die Vertreter der Ortskrankenkasse des Amtes Waktenscheid traten am Dienstag abend im Restaurant Schmidt zu Westenfeld zu einer Generalversammlung zusammen, um die von der Versicherungsbehörde gewünschten Statutänderungen zu beraten. Den Aenderungen, die sämtlich nur unerheblich und lediglich formeller Natur waren, wurde zugestimmt. Die Versammlungen wurden von dem Vorsitzenden Schroer=Günnigfeld geleitet. Meisterkurse im Schneiderinnengewerbe. * Die Besprechung der Schneiderinnen und Pützmacherinnen, die gestern abend im Restaurant Koch stattfand, war gut besucht. Zur Teilnahme an dem am Montag beginnenden Vorbereitungskursus zur Ablegung der Meisterprüfung meldeten sich 30 Damen. Meisterprüfungen. 441 1 * Im Rathause zu Gelsenkirchen fanden wiederum Meisterprüfungen im Schuhmacher= und Schreinergewerbe statt, denen sich auch mehrere Wattenscheider Handwerker unterzogen. Der Prüfungskommission gehörten aus Wattenscheid an von der Schuhmacherinnung Obermeister Blambeck, sowie die Schuhmachermeister Joh. der und L. Degenhard, von der Schreiner=Innung Schreinermeister Heibrok. Es bestanden die Meisterprüfung die Schuhmacher Heinrich Stinissen und Theodor Rennings von hier, sowie die Schreinen Wolf von hier und Arnold=Günnigseld. Unbegründeter Feuerlärnt. * Aus den Fenstern des Restaurants zur Post(Wola) an der Hochstraße drang gestern nachmittag eine dichte Rauchwolke, was zu einem großen Menschenauflauf und zur Alarmierung der Feuerwehr Veranlassung gab, weil allgemein angenommen wurde, daß ein größeres Feuer ausgebrochen sei. Es handelte sich aber lediglich um einen ganz ungefährlichen Kaminbrand, der zwar viel Rauch entwickelte, aber schon bald von den Hausbewohnern gelöscht wurde. Die Feuerwehr brauchte deshalb nicht auszurücken. Feldfrevel. * Gleichzeitig erhalten wir zwei Zuschriften, welche über Gartendiebstähle in den Gärten bei den Gängen und in der Feldmark hinter dem israelitischen Friedhofe Klagen führen. Da Riemand verlangen kann, daß die Polizeibeamten überall sein sollen, namentlich zur Nachtzeit, empfiehlt es sich, Nachtwachen zu organisieren und selbst aufzupassen. Ein eigenartiges„Vergnügen“. * Als ein in der Wasserstraße wohnender Bergmann heute früh von der Zeche heimkehrte, zertrümmerte er ohne jede äußere Veranlassung fast sein ganzes Mobilar, sodaß schließlich die Hausbewohner die Polizei herbeiriefen. Diese nahm den Mann fest, um dadurch seiner Zerstörungswut Einhalt zu tun. Er gab keine Erklärung für seine Handlungsweise, die um so merkwürdiger ist, als der Mann als durchaus ordentlich und nüchtern bekannt ist und sich bisher noch nie etwas hat zuschulden kommen lassen. Folgenschwerer Zusammenstoß. * Wanne, 17. Juli. Mittwoch abend 6,30 Uhr stieß ein Wagen der elektrischen Straßenbahn mit einem Wagen des Handelsmannes Weiß aus Röhlinghausen zusammen. Der 8jährige Enkel Eilers wurde aus dem Wagen herausgeschleudert und fiel so unglücklich gegen den Bordstein, daß der herbeigerufene Arzt eine schwere Gehirnerschütterung feststellte. Weitere Lokalnachrichten siehe 2. Blatt. fuhrerlöse Luftschaff Schurke=Lunz in der Luft. Schneidemühl, 17. Juli. Das Militärluftschiff Schütte=Lanz wurde heute morgen infolge einer plötzlich einsetzenden Windbs von der Verankerung losgerissen und trieb führerlos ab. Ein Soldat verwickelte sich in die Taue und wurde mit in die Höhe gerissen. In einer Höhe von 200 Metern ließ er los, stürzte ab und war sofort tot. Das Luftschiff schwebte eine Stunde über der Stadt und ging dann 3 Km. von Schneidemühl nieder. Es ist noch nicht bekannt, ob die Beschädigungen de sLuftschiffes große sind. 1 Rußlands und Englands Gegensatz im Valtanstreit, Rußland hat schon einmal in den Streit zwischen den Balkanmächten eingegriffen, als ein energischer Brief des russischen Kaisers die streitenden Staaten aufforderte, ihre Gegensätze nicht durch Waffengewalt, sondern durch einen in Petersburg einzuholenden Schiedsspruch Rußlands beizulegen. Der Angriff bulgarischer Truppen auf Griechen und Serben bereitete diesem Einmischungsversuche Rußlands ein schnelles und blutiges Ende. Nachdem nun Bulgarien Rußlands Vermittelung angerufen hat, soll nach einer Meldung des„Figaro“ aus Petersburg Rußland abermals einen sehr energischen Schritt getan haben, indem es als Vorbedingung für die Vermittelung die Abrüstung der gesamten bulgarischen Armee verlangte, hingegen das Verbleiben der serbischen und griechischen Truppen auf dem von ihnen okkupierten Gebiete billigte. Im Gegensatz zu diesem energischen und gleichzeitig die eine Partei gegenüber der anderen Partei außerordentlich begünstigenden Eingreifen Rußlands steht die vollkommen passive Haltung Englands. Der britische Außenminister hat auf eine Anfrage über eine etwaige Intervention in etwas ironischem Tone erklärt, bei der Leidenschaftlichkeit des gegenwärtigen Krieges seien bloße Worte außenstehender Mächte nicht geeignet, die Lage zu beeinflussen. Für ein tatkräftiges Eingreifen aber würde das englische Parlament wohl kaum die Mittel bewilligen. Grey vertröstete die Friedensfreunde damit, daß der gegenwärtige Krieg so schrecklich in seinem Charakter sei, daß er notwendigerweise bald von selbst ein Ende werde finden müsse. Der Gegensatz zwischen der starken Aktivität Rußlands und der Wurschtigkeit Englands ist offensichtlich, aber auch sehr leicht erklärlich. Rußland ist bei den gegenwärtigen Wirren persönlich wie sachlich sehr stark interessiert. Die persönlichen Gründe sind zwiefacher Natur. Erstens hat es die russische Regierung als eine Beleidigung empfunden, daß das vor einigen Wochen ausgesprochene Machtwort des russischen Kaisers ungehört verhallte; aus der Empfindlichkeit hierüber ist wohl auch die Härte der Bulgarien auferlegten Bedingungen zurückzuführen, denn Bulgarien hat sich ja zuerst über das Wort des Zaren hinweggesetzt. Zum zweiten ist es für den russischen Panslavismus, der den Balkanbund hatte erstehen lassen, ebenso beschämend wie betrübend, wenn die Balkanvölker sich gegenseitig zerfleischen. Das sachliche Interesse Rußlands besteht darin, daß ihm starke Balkanstaaten erwünscht sein müssen, um damit Oesterreich in Schach halten zu können. Wenn aber Serbien und Bulgarien sich das Blut bis auf den letzten Tropfen abzapfen würden, so würden sie auf Jahrzehnte hinaus keine Figuren auf dem russischen Schachbrette darstellen können. All diese Erwägungen sind für England nicht maßgebend. Sein Interesse besteht nur darin, sich in der asiatischen Türkei Vorteile zu sichern, worauf es ja auch bereits eifrig ausgeht. Sein weiteres Interesse besteht, wie Grey auch eingehend ausgeführt hat, darin, daß die während der Balkanwirren manchmal recht mühsam aufrecht erhaltene Harmonie zwischen den Mächten weiterhin erhalten bleibt. Der Zusammenhalt der europäischen Mächte aber kann unter Umständen gefährdet werden, wenn eine Macht etwas gar zu eifrig die Rolle der Vorsehung auf dem Balkan spielen will. Wenn Rußland den Streit zwischen den Balkanstaaten einfach in der Weise schlichten zu können glaubt, wie es seinem eigenen Interessen erwünscht ist, so ist es doch noch nicht ganz sicher, ob nicht dann vielleicht die Interessen Oesterreichs benachteiligt werden. Die endgültige Abgrenzung der Gebiete zwischen den Balkanstaaten wird doch wohl kaum ohne die Zustimmung Gesamteuropas vorgenommen werden können. Wird darauf Rücksicht genommen, so ist es an sich gewiß sehr wünschenswert, wenn dem Blutvergießen ein Ende gemacht wird. Geschieht dies allerdings in der Weise, daß Bulgarien allzusehr benachteiligt wird, so könnte dem äußeren Blutvergießen zwischen Bulgarien und Serbien die innere Blutung in Bulgarien folgen. Die unheilvollen Gerüchte über schwere innere Wirren, die sich in Bulgarien vorbereiten, wollen nicht verstummen. Je härter die Bedingungen für Bulgarien sind, desto näher liegt die Möglichkeit schwerer innerer Krisen. Daran sollte Rußland denken„und darum sollte es sein Vermittelungsamt denn doch nicht allzu einseitig auffassen. Der rumanische Vormarsch auf Sofia fortgesetzt. Die stillschweigende Widerstandslosigkeit, mit der Bulgarien den rumänischen Vormarsch duldet, hat die Regierung in Bukarest nicht befriedigen können. Man will endlich eine Antwort auf die Gebietsforderungen erhalten. Die Versicherung, Rumänien werde sich mit der Besetzung der von ihm beanspruchten Landstrecken begnügen, ist durch die tatsächliche Entwickelung überholt und als falsch hingestellt worden. Rumänien verfolgt offensichtlich die Absicht, durch einen starken Druck die Bulgaren zur offiziellen Abtretung der geforderten Gebietsteile zu zwingen. Den Uebergang über die Donau kann man sich nur als Vorbereitung für den Vorstoß in das Herz des Landes, für den Marsch auf Sofia, deuten. Denn die Orte, bei denen der Uebergang ausgeführt wurde, liegen in gerader Linie nördlich von Plewna, weit ab von der zunächst besetzten rumänischen Interessensphäre. . D e r D o n a n ü b e r g a n g d e r R u m ä n e n. Bukarest, 17. Juli. Die Stärke der zwischen Corabia und Turnu=Magurele über die Donau gegangenen rumänischen Armee wird auf 4 Armeekorps beziffert. Die Vormarschrichtung mit der Pfeilspitze gegen Sofia läßt keinen Zweifel darüber, daß Rumänien nicht auf halbem Wege stehen bleiben will, sondern entschlossen ist, den Frieden in Sofia zu diktieren, wenn ihn Bulgarien nicht vorher schließt. Die amtliche Meldung aus Bukarest berichtet in knapper Form: Die rumänische Armee hat die Donau an zwei Punkten Überschritten. Der Brückenschlag war in sieben Stunden vollendet. Die Armee setzte sodann den Marsch auf bulgarischem Gebiet fort. Kabinettskrise in Bulgarien. Die Fülle unglücklicher Ereignisse, unter deren Druck Bulgarien leiden muß, hat zu der schon lange erwarteten Kabinettskrisis in Sofia geführt. Die Agence Bulgare meldet: Das Kabinett Danew hat am Dienstag abend seine Demission überreicht. Die unmittelbare Ursache der Demission des Kabinetts Danew ist in der Weigerung Rußlands zu suchen, weiterhin in Sachen des Waffenstillstandes tätig zu sein, weil Serbien und Griechenland die im Interesse Bulgariens vorgeschlagenen Milderungen bei der Feststellung der Wafsenstillstandsbedingungen ablehnen. An Stelle Danews tritt ein aus allen liberalen Parteien gewähltes Kabinett unter Radoslawow, dessen 1. Aufgabe es ist, einen Ausgleich mit Rumänien herbeizuführen. 4 Eriedensbedingungen Griechenlands. Athen, 17. Juli. Ministerpräsident Venizelos hat sich in das Hauptquartier begeben, um sich mit dem König über den Schritt Rußlands betreffend Einstellung der Feindseligkeiten ins Einvernehmen zu setzen. In einer langen Unterredung tauschten der König und Venizelos ihre Ansichten aus und einigten sich über die auf die Forderung Rußlands zu erteilende Antwort. Es heißt, daß die griechische Regierung in Anbetracht der Hinterlist, welche die bulgarische Regierung bis heute an den Tag legte, die Einstellung der Feindseligkeiten nicht annehmen wird, bevor nicht auf dem Schlachtfelde selbst folgende für den Abschluß des endgültigen Friedens vorgeschlagenen Bedingungen unterzeichnet sind: 1. Abtretung aller von den Verbündeten besetzten Gebiete seitens der Bulgaren. 2. Zahlung einer Entschädigung für die durch den Krieg verursachten Kosten und für den Schaden, der den Bewohnern der von den Bulgaren eingeäscherten Städte und Dörfer erwachsen ist. 3. Garantien für Leben und Eigentum der Griechen Thraziens und ganz besonders für freie Ausübung der Religion und des Unterrichts. 4. Abrüstung innerhalb eines festzusetzenden Zeitraumes. Venizelos in Belgrad. T Belgrad, 17. Juli. Der griechische Ministerpräsident Venizelos ist gestern in Uesküb angekommen. Die Bevölkerung brachte ihm begeisterte Kundgebungen dar. Paschitsch ist dort auch eingetroffen. Gestern fand zu Ehren Venizelos ein Bankett statt, bei dem General Mitschitsch einen Trinkspruch auf den König der Hellenen, auf die griechische Armee und auf Venizelos ausbrachte. Venizelos toastete auf den König Peter und die serbische Armee, die die Welt durch ihre Siege in Erstaunen gesetzt habe. Rußlands Vermittelung abgelehnt! Petersburg, 15. Juli. Die griechische und serbische Regierung haben Rußland davon verständigt, daß sie die russische Vermittlung nicht annehmen könnten, weil sie direkt mit Bulgarien, nicht bloß über einen Waffenstillstand verhandeln sondern sogar die Vorfriedensbestimmungen festsetzen wollten. Diese Ablehnung der russischen Vermittlung begründen Serbien und Griechenland mit den Abmachungen der Londoner Botschaftertagung, die den Balkanstaaten das Recht gegeben habe, die eroberten Gebiete selbst untereinander zu teilen. T Petersburg, 17. Juli. Seit gestern ist die telegraphische Verbindung mit Bulgarien unterbrochen und die Annahme von nach Bulgarien adressierten Depeschen und Brieftelegrammen eingestellt. Die gewöhnliche Postkorrespondenz nach Bulgarien wird von Odessa mit der ersten Gelegenheit durch die russische Dampfergesellschaft befördert. Bulgarische Kanonenboote versenkt. T Bukarest, 17. Juli. Gestern haben die Bulgaren bei Rustschuk 3 Monitore sowie 2 Kanonenboote versenkt, um sie vor der Eroberung durch die Rumänen zu bewahren. Die Cholera. T Belgrad, 17. Juli. In Uesküb nimmt die Chohera zu. Die große Hitze begünstigt die Epidemie. .„. Ein autonomes Trazien. Zu den Gebietsverlusten in Mazedonien, mit denen Bulgarien nach den militärischen Erfolgen Serbiens und Griechenlands rechnen muß, kommt jetzt die Gefahr, daß auch in Thrazien seine Eroberungen einer Revision unterzogen werden. Die Türken haben die im Londoner Präliminarfrieden bestimmte und von ihnen mittberweile besetzte Grenzlinie Enos=Midia überschritten, um sich wieder in den Besitz Adrianopels zu setzen. Die türkische Armee dringt in 3 Gruppen, deren gemeinsames Ziel Adrianopel ist, vorwärts. Das Zentrum befand sich Dienstag abeno in Lüle Burgas. Die Bulgarsen haben sämtliche Eisenbahnbrücken nachAdrianopel gesprengt. Das türkische Heer wird aber sein Ziel wohl ohne Schwierigkeiten erreichen, denn die Bulgaren haben auch auf dieser Front jeden Widerstand aufgegeben. Die Pforte scheint mit der Möglichkeit zu rechnen, daß sie das von den türkischen Truppen besetzte Gebiet auch behalten wird. Sollten die Mächte aber dem widersprechen, so glaubt sie doch, ein autonomes Thrazien durchsetzen zu können. Jedenfalls ist nun auch die türkische Gefahr für Bulgaeder erwacht, und es wird sich noch zeigen, was r erwachsen kann. rie au Weiter wird gemeldet: Die Türkei dürfte bereits in den allernächsten Tagen den endgültigen Frieden mit Serbien und Griechenland unterzeichnen. Stefan Dragumts gethichetenert-sounmemaneretalen. Die Griechen richten sich in dem eroberten Teil Mazedoniens auf schnellste Weise häuslich ein; dem Soldaten folgte der Staatsbeamte. Der König von Griechenland unkerzeichnete ein Dekret, durch das Stefan Dragumis, der Generalgouverneur von Kreta, zum Generalgouverneur von Mazedonien ernannt wird. Dragumis widmete sich schon in jungen Jahren der Politik und war mehrere Male Minister, bis er im Jahre 1909, wo Griechenland unter inneren Krisen ganz besonders zu leiden hatte, selbst mit der Bildung eines Kabinetts betraut wurde. Im Oktober vorigen Jahres wurde Dragumis zum Gouverneur von Kreta ernannt, und er vertauscht diesen Posten jetzt mit dem eines nicht weniger schwierigen Generalgouverneurs von Mazedonien. Deutschland. Vom Kronprinzen. Berlin, 17. Juli. Es verlautet, daß der Kronprinz im Oktober als Kommandeur des 1. Grenadierregiments „Kronprinz“ nach Königsberg versetzt werden soll. Für die Dauer dieses Kommandos soll der kronprinzliche Hofstaat ebenfalls nach Königsberg verlegt werden. Die Kronprinzessin wird im Herbst zunächst für einige Zeit nach Berlin übersiedeln. Der Kronprinz hat im September 1911 das Kommando des 1. Leibhusarenregiments in Langfuhr bei Danzig übernommen; am 27. Januar 1913 ist er dort zum Oberst ernannt worden. die Altpensionure. Berlin, 17. Juli. Die Erhöhung der Bezüge für die Altpensionäre und deren Hinterbliebenen soll mit Beginn des neuen Etatsjahres, am 1. April 1914, eintreten. Vorerst soll eine gründliche Prüfung der Frage mit eingehenden Verhandlungen mit den Bundesregierungen Hand in Hand gehen. Die Wünsche der Altpensionäre gehen bekanntlich dahin, eine gesetzliche gleichmäßige Regelung zu erstreben, die die persönlichn Verhältnisse außer Betracht läßt. Revision der Besoldungsordnung für die preußischen Unterbeamten. Berlin, 17. Juli. Ueber eine Revision der Besoldungsordnung für die preußischen Unterbeamten werden in verschiedenen Blättern Nachrichten verbreitet, nach denen eine allgemeine Aufbesserung der bisherigen Bezüge in Vorbereitung sei. Wie dem„Berl. L. A.“ aus Beamtenkreisen, die über den Stand der Dinge gut unterrichtet sind, mitgeteilt wird, ist es verfrüht, von günstigen Aussichten einer solchen Vorlage zu sprechen, da die Angelegenheit noch nicht über das Stadium der Erwägung hinausgelangt ist. In Sachen Krupp. Berlin, 17. Juli. Die Enthüllungen des Abgeordneten Liebknecht im Reichstage über den Fall Krupp hatten bekanntlich zu einer gerichtlichen Untersuchung Anlaß gegeben. Wie ein Berliner Blatt erfährt, hat die Untersuchung die Erhebung einer Anklage gegen eine Anzahl Zeugoffiziere gezeitigt. Diese werden sich am 29. Juli und folgende Tage vor dem Kriegsgericht der Berliner Kommandantur wegen Besteechung und fahrlässigen Landesverrats zu verantworten haben. Das Blatt teilt weiter mit, daß auf ausdrücklichen Wunsch des Kriegsministeriums die Verhandlungen unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt werden, da durch die Oeffentlichkeit der Verhandlungen eine Gefährdung der Landesverteidigung zu befürchten wäre. Der Kaiser auf der Nordlandsreise. T Balestrand, 17. Juli. Der Kaiser begab sich gestern vormittag von Bord an Land. Unter Glockengeläute wurde der auf einem Ausfluge abgestürzte Matrose vom Schiff Kolberg beigesetzt. Die anwesenden Schiffe hatten auf Halbmast geflaggt. Nachmittags hörte der Kaiser einen kriegsgeschichtlichen Vortrag. Prinz von C lumberland in Gefahr. Rathen.,w. 17. Juli. Als Prinz Ernst August gestern früh mit seiner Eskadron Husaren über den Bahnkörver ritt, nahte der holländische Zug. Gerade als sich der Prinz auf den Schienen befand, wurden die Schranken heruntergelassen. Es gelang jedoch noch, eine derselben so schnell zu öffnen, daß der Prinz kurz vor dem Herannahen des Zuges den Bahnkörpes verlassen konnte. Oesterreich. Rücktritt des Grafen Berchtold? Wien, 17. Juli. Eine in der Regel gut unterrichtete Korrespondenz bringt wiederum mit großer Bestimmtheit die Nachricht vom Rücktritt des Grafen Berchtold. Die Nachrichtenstelle weiß mitzuteilen, daß der gegenwärtige Reichsfinanzminister Dr. Ritter v. Bilinski zum Nachfolger des Grafen Berchtold ernannt werden wird. An dessen Stelle soll der ehemalige Handelsminister, der Deutsch=Liberale Dr. von Baerenreither treten. Ritter von Bilinski wurde gestern ebenso wie Graf Berchtold in Ischl vom Kaiser in Audienz empfangen, angeblich, um über die Angelegenheiten seines Ressorts Bericht zu erstatten. T Wien, 17. Juli. Die Audienz des Grafen Berchtolb beim Kaiser in Ischl dauerte 2 Stunden. Der Minister bleibt bis heute hier und dürfte heute aufs neue in Audienz erscheinen. Frankreich, Beschleunigung der Wehrberatungen in Frankreich. Paris, 17. Juli. Die Regierung will alles aufbieten, um das 3jahresgesetz noch im Laufe dieses Monats zu verabschieden und die parlamentarische Tagung dann am 31. Juli schließen zu können. Sie ist der Ansicht, daß durch die Annahme ihres Antrages auf Einstellung der 20jährigen alle etwaigen Einwände gegen die noch zu beratenden Artikel des Gesetzentwurfs wegfallen würden und das Gesetz in seiner Gesamtheit am Sonnabend in der Kammer erledigt werden könne. Der Senat hätte dann genügend Zeit, um das Gesetz noch vor Ablauf des Monats durchzuberaten. Ueber die finanzielle Deckung der durch die Militärvorlage verursachten Ausgaben wird in Parlamentskreisen bemerkt, daß die Vorschläge des Finanzministers Dumont wenig Anklang gefunden hätten. Die Kammer werde sich denn auch voraussichtlich damit begnügen, den Grundsatz der Deckung anzunehmen, und erst in der Herbstsession über die verschiedenen Steuerprojekte verhandeln. T Paris, 17. Juli. Die Heereskommission der Deputiertenkammer trat gestern abend zusammen, um das Militärgesetz mit der Einstellung der 20jährigen im Einklang zu bringen. Sie beschloß ferner, daß der Appell der Jahresklasse 1913 Mitte November stattfinden soll. — Die Heereskommission des Senates hat gestern den Artikel des Militärgesetzes angenommen, durch den die 3jähr. Dienstzeit eingeführt wird. Alle Mitglieder der Kommission erklärten sich für die Einstellung der 20jährigen. Im Verlaufe der Beratung schien folgendes System den Beifall der Mehrheit der Kommission zu finden: Die Jahresklasse 1912 soll im Oktober, die Jahresklasse 1913 im März und April 1914 eingestellt werden. —(Deputiertenkammer.— Nachmittagssitzung.) Andre Lefevre empfahl einen von der Armeekommission angenommenen Zusatzantrag, welcher vorsieht, jedes Jahr eine Anzahl Voreinberufungen streng ausgewählter junger Leute von 20 Jahren festzusetzen. Er ist der Ansicht, diese Methode werde Erfahrungen schaffen für Einstellung der 20jährigen, die man, falls die Erfahrungen günstig sind, im zweiten oder dritten Jahre beschließen könne. Der Kriegsminister trat für die Einstellung der 20jährigen ein, die dem einmütigen Wunsche des Landes entspräche und bat die Kammer, für das Amendement Escudier zu stimmen, das die Einstellung zugesteht und gestattet, falls die Umstände es erlauben, diejenigen innschaften, die 30 Monate gedient haben, bis zum Eintritt zur Reserve in die Heimat zu entlassen. Das Amendement wurde mit 376:199 Stimmen angenommen. Barthous Stellung erschüttert? Paris, 17. Juli. Die Presse legt den Hauptwerk auf die Lage des Kabinetts Barthou, die durch die Verhandlungen im Heeresausschuß über den Dreijahrdienst gefährdet erscheint. Barthou verlangt trotz der gegenteiligen Abstimmung der Kommission von der Kammer den Diensteintritt der Zwanzigjährigen, um den Jahrgang 1910 entlassen zu können. Die Stellung Barthous gilt deswegen wie auch wegen der Ratlosigkeit der Regierung über die finanzielle Deckung als erschlttert. Amerika. Das Schiedsgerichtsgesetz. Washington, 16. Juli. Das Amendement zum Schieosgerichtsgesetz, das eine Erweiterung des Schieds0 5 1 gerichts vorsieht, wurde gestern nachmittag in beiden Häusern des Kongresses einstimmig angenommen. Darauf wurde es sofort in das Weiße Haus gesandt, wo Präsident Wilson seine Unterschrift daruntersetzte. Das 12. deutsche Turnfest in Leipzig. Leipzig, 17. Juli. Der letzte Tag des 121 deutschen Turnfestes begann gestern morgen mit dem Wettfechten der Gruppe E., dann folgte ein 10kampf mit Wettschwimmen und ein Kampf von 12 Ringern. Am Nachmittag fand ein großes militärisches Turnen statt, an dem sich die Inf.=Regt. 106 und 107, das Artillerie=Regiment und das Trainbataillon 19 beteiligten. Den Abschluß des Festes bildete abends die Bekanntgabe der Sieger. Sie wurde eingeleitet durch eine Ansprache des greisen Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft, Geh. Sanitätsrat Dr. Ferdinand Goetz. Laut und deutlich, daß es alle hören konnten, sprach der hochgeschätzte greise Vorsitzende von der Mitte der Mitteltribüne vor der Königsloge etwa folgendes: Wir sind am Schlusse des Festes und können frohen und dankbaren Herzens auf dieses zurückblicken. Es hat einen herrlichen und ehrenvollen Verlauf genommen. Nichts hat den schönen Eindruck des Festes gestört. Soweit bekannt geworden, hat sich kein nennenswerter Unglücksfall ereignet, keine grobe Ungehörigkeit ist vorgekommen. Die Turnerschaft hat zum Turnfest in echt deutscher Art ihre ganze Kraft eingesetzt zum Gelingen, und so ist in Leipzigs Mauern das 12. Deutsche Turnfest in einer Weise abgehalten worden, wie noch nicht dagewesen. Zum Schluß des Turnens ist es nun wohl das beste Gefühl, den Turnern, die ihr ganzes Können zum Heile des Ganzen entfaltet haben, den im Gegensatz zu anderen Verbänden einfachen bescheidenen Siegerturnerkranz zu überreichen. Die deutschen Turner und die turnende deutsche Jugend haben der Welt ein Bild von Kraft und gutem Willen gegeben, und die Wettkämpfer sind treu und unverdrossen bei der Arbeit gewesen. So ist das glänzende Resultat erzielt worden, daß 271 Sieger im Zwölferkampf und 1268 Sieger im Sechserkampf zu melden sind, abgesehen noch von den Nennungen im Einzelkampf. An die Ansprache schloß sich die Verkündigung der Sieger. Die 1. Sieger sind im 12Kampf: 1. Ewald Keßler, Turnerschaft Leipzig=Südost. 2. Hans Kersten, München, Turnverein. Paul Urbanczyk, Breslau, Turnverein; im 6=Kampf: 1. Arthur Hoffmann aus Harburg, Turnverein Harburg=Wien, 2. Eugen Rieber, Stuttgart, Turngesellschaft. Kurt Petsch, Bockenheim, Turngemeinde.“ Albert Müller, Oschatz, Turn=Verein 1862. Den schlichten, im turnerischen Wettkampf errungenen Eichenkranz, den Ruhmespreis der deutschen Turner, nahmen die ersten 25 Sieger im 12=Kampf von den Turnerinnen und die ersten 25 Sieger im 6=Kampf von den Mädchen in Empfang. Die übrigen Sieger erhielten die Kränze von ihren Kreisleitungen an den durch Schilder dazu gekennzeichneten Plätzen. Die Urkunden werden den Siegern später in ihre Heimat nachgesandt. Später fand noch ein Massenkonzert der 4 Militär=Kapellen Leipzigs und ein großes Prachtseuerwerk statt. Damit hatte das Turnfest sein Ende erreicht. Westdeutschland. Köln, 16. Juli. Gestern fand die Feier de s50jährigen Bestehens der Herberge zur Heimat, die den wandernden evang. Handwerksgesellen die auf kath. Seite bestehenden Gesellenhäuser ersetzt, statt. Als Jubiläumsspende wurden für die Gründung eines Lehrlingsheims 33000 A gestiftet, den hochherzige Gönner des christlichen Herbergswesens gezeichnet haben. Köln, 17. Juli. Florian vom Grafen, Direktor der Mittelstandskasse, eine in weiten Kreisen bekannte Persönlichkeit ist in Waldbröl, wo er Erholung von einem Nervenleiden suchte, 59 Jahre alt, gestorben. Als man der Gattin hier die Todesnachricht überbrachte, sank sie, von einem Schlaganfall getroffen, tot um. Das nun auch im Tod vereinte Ehepaar wird gemeinschaftlich auf dem Friedhof zu Melaten beigesetzt werden. Köln, 17. Juli. Wegen Mordversuchs, begangen an der Schülerin Valder am 14. v. M. in der Spielwiese am Gremberger Wäldchen, wurde gestern abend der Eisenbahnschaffner Joseph Ramrath, geb. am 15. Jan. 1875 zu Korschenbroich, festgenommen. Das Kind war in ein Kornfeld gelockt und dort schwer mißhandelt worden. Der Täter ist verheiratet und Vater von 6 Kindern.— Gestern morgen fand man in einem Hause an der Veledastraße einen 36jährigen Arbeiter tot vor. In der Wohnung war alles zertrümmert. Der Mann hatte gestern abend mit mehreren jungen Leuten in der Wohnung eine Feier abgehalten.— Gestern Nacht hat sich in einem Hause an der Breitestraße ein junger Mann von auswärts erschossen. Bonn, 16. Juli. Geheimrat Professor Wilh. Consbruch hat der Stadt letzwillig 5000 M zum Besten einer Waldschule vermacht. Bonn, 17. Juli. An der landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf wird mit dem nächsten Semester ein Ergänzungsstudium in Rechts= und Verwaltungskunde eingerichtet. Godesberg, 16. Juli. Zu dem 50jährigen Jubiläum des Männergesangvereins Liederkranz ist noch nachzutragen: Beim Preissingen, an dem sich 56 Vereine beteiligten, entfielen die Preise in der 1. Stadtklasse auf Quartett=Verein Köln=Ehrenfeld, Männerquartett Düsseldorf, Urania Krefeld und Lyra Trier, in der 2. Stadtklasse auf Männergesangverein Altenessen, Sänger=Bund Köln, Männergesangverein Spich und Sängerbund Velbert, in der 3. Stadtklasse auf Liederkranz Euskirchen, Sangesfreunde Bonn, Männerquartett Bonn, Glocke Gevelsberg, Männergesangverein Wermelskirchen, Beethoven Köln und Frohsinn Simmern; in der 1. Landklasse auf Quartettverein Oberkassel, Sängervereinigung Oedt, Eintracht Bonn=Endenich, in der 2. Landklasse auf Constantia Oohr, Männergesangverein Sinzig und Sangeslust Rübenach, in der 3. Landklasse auf Cäcilia Lannesdorf, Quartettverein Niederdollendorf und Quartettverein Glocke Hohenlimburg. Beim höchsten Ehrensingen erhielt den Kaiserpreis Quartettverein Düsseldorf, den 1. Fürstenpreis Köln=Ehrenfeld, den 2. Fürstenpreis Urania Essen, den 3. Fürstenpreis Altenessen, den Carmen=Silva=Preis Königswinter; den Kaiserinpreis erhielt Oberkassei, den 1. Fürstenpreis Eintracht Endenich, den 2. Niederdollendorf und den 3. Sinzig. Brohl, 17. Juli. Der Bademeister Joh. Michels ist, als er allein in der Badeanstalt weilte, ertrunken. Man fand seine Leiche an einem Brett hängend vor. T Kreuznach, 17. Juli. Ein 12 Jahre altesMädchen Antoinette Stricker in Sponheim wurde durch eine unbekannte Frau, die sich als die Mutter des Kindes aus. gab im Automobil und mit der Eisenbahn nach Luxemburg und vermutlich von dort nach Belgien entführt. Das Mädchen, das in Beul bei Bonn zu Hause ist, war bei einem Landwirt in Fürsorge=Erziehung. Koblenz, 16. Juli. Der Ausschuß für Jugend' pflege hatte gestern eine Schiffstour nach dem Niederwald veranstaltet als Jugendhuldigung zum 25jährigen Regierungsjubiläum unseres Kaisers. 1209 Jugendliche nah' men teil. Das Schiff Rheingold brachte sie zunächst nach Caub, wo am Blücherdenkmal Beigeordneter Dr. Janssen eine Ansprache hielt. Von Rüdesheim ging's zum Niederwald, wo vor dem Denkmal Oberstleutnant Praham eine patriotische Rede hielt. T Saarburg, 17. Juli. Hier lebte in größter Dürftigkeit eine Witwe Ernst, der man überall wegen ihrer Armut das größte Mitgefühl entgegenbrachte. Obgleich sie wiederholt von ihren Nachbarn Unterstützung erhielt, starb die Frau doch an Entbehrung. Bei der Verteilung ihres Nachlasses wurden im Bett versteckt 10000 M. in Gold und 30 000 M. in Wertpapieren gefunden. M.=Gladbach, 17. Juli. Der 1. Staatsanwalt hat auf die Ermittlung des Mörders der Haushälterin Marpe des Kaplans-Rondholz eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Die Summe ist von Bürgern in Lürrip gesammelt worden. Rheydt, 17. Juli. Die Stadtverordneten haben in ihrer gestrigen Geheimsitzung im Grundsatz die Fortführung der elektrischen Straßenbahn von Wickrathberg nach Wanlo beschlossen. Die Kosten belaufen sich auf 136 000 Mark. Düsseldorf, 17. Juli. In der gestrigen Vollversammlung der Handwerkskammer wurde beschlossen, aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers die Kaiser WilhelmViktoria=Stiftung auf den Betrag von 30.000 A festzusetzen. Düsseldorf, 17. Juli. Wegen umfangreichen Kautionsschwindels wurde der Kaufmann Joh. Zimmermann auf dem Hunsrücken festgenommen. Er suchte durch Zeitungsinserate Personen zum Vertriebe eines Telephonadreßbuchs für das rheinisch=westfälische Industriegebiet, die alsdann Sicherheitsleistungen stellen mußten. Der Schwindler hatte sich auf diese Weise bereits 1200 A verschafft. Elberfeld, 17. Juli. Die Untersuchung hat ergeben, daß die bei dem Bankhause von der Heydt=Kersten u. Söhne vorgekommenen Veruntreuungen einen großen Umfang annehmen. Die Höhe der Veruntreuungen läßt sich nicht eher angeben, bis feststeht, welche Werte wieder zur Stelle geschafft werden. Jedenfalls hat sich aber bestätigt, daß die Veruntreuungen bi sauf lange Jahre zurückreichen. Uerdingen, 17. Juli. Ein 7jähr. Kind stürzte gestern in eine Düngergruhe. Kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus trat der Tod ein. Mörs, 17. Juli. In Aldekerk kam ein 60jähriger Landwirt beim Besteigen seines Fuhrwerkes zu Fall. Ein Rad der Karre ging ihm über den Kopf, sodaß der Tod sofort eintrat.— In Alpen stürzte eine Frau beim Kirschenpflücken ricklings vom Baume und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Essen, 16. Juli. Die Veruntreuungen, die bei der Spar= und Darlehnskasse in Bergerhausen verübt sind, beziffern sich auf 200000 Mark. Jetzt hat der flüchtige Reiant Holbeck, der in Bergerhausen einen umfangreichen Grundbesitz hat, auf dem er u. a. eine Gartenwirtschaft betreibt, sich der Behörde selbst gestellt. Er befindet sich bereits auf der Reise von Amerika nach Europa und dürfte in den nächsten Tagen in Essen eintreffen. Essen, 17. Juli. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich am hiesigen Güterbahnhof. Der Arbeiter Edmund Trommer hatte zum Entladen eines Kalk=Wagens die Deckel des Wagens hochgestellt. Durch das Anprallen anderer Eisenbahnwagen fiel der Deckel herunter u. dem Arbeiter so unglücklich auf den Kopf, daß er sofort tot war. Steele, 17. Juli. Der gelegentlich des goldenen Jubelfestes des Kriegervereins vom Fechtverband des Kreiskriegerverbandes veranstaltete Kornblumentag brachte eine Ein“ nahme 1367 M. Der Betrag soll zum Besten der Krieger=Waisenhäuser verwendet werden. Bochum, 17. Juli. Ein Eifersuchtsdrama hat sich gestern Nacht in Harpen abgespielt. Der 20 Jahre alte ungarische Arbeiter Adam Bauer gab auf seine Landsmännin, die Ehefrau Bohner, einen Revolverschuß ab, durch den die Frau an der Brust verletzt wurde. Dann tötete sich der junge Mann durch einen Schuß in den Kopf. Die Verletzungen der Frau sind nicht lebensgefährlicher Natur. Hörde, 16. Juli. Der Kreisausschuß bewilligte 60000 Mark zu einer Kaiser=Jubiläumsstiftung für die Kriegsveteranen und deren Witwen. Hamm, 17. Juli. In Ermelinghoff fand unter starker Beteiligung der Bevölkerung die Beisetzung des durch einen Jagdunfall ums Leben gekommenen Ehrenamtmanns und Kammerherren Freiherrn Fritz von Twickel, Herrn auf Ermelinghoff, Braam, Lettenbruch und Kernebeck statt. Zahlreiche Angehörige des westfälischen Adels nahmen an der Beerdigung teil, u. a. waren erschienen Oberpräsident Prinz von Ratibor und Corvey, kommandierender General von Einem, Herzog von Arenberg, Regierungspräsident von JarotzkyMünster, sowie Offiziersabordnungen verschiedener Regimenter. Der Kriegerverein Hövel gab dem Toten die Ehrensawwe übers Grab. Siegen, 17. Juli. Im hiesigen Marienhospital wurde an einem jungen Manne von Eiserfeld eine ernste Operation vorgenommen. Derselbe hatte beim Wassertrinken im Walde das Ei einer Unke verschluckt. Letzteres entwickelte sich im Magen und verursachte große Schmerzen. Nach jedesmaligem reichlichem Milchgenuß verschwanden auf kurze Zeit die Schmerzen. Da die erste Operation fehlging und sich das Tierchen in der Speiseröhre festgesetzt hatte, gelang es durch starke Brechmittel, dieses zutage zu fördern. Soest, 16. Juli. Untergroßer Beteiligung fand gestern die Feier des 75. Stiftungsfestes des Landwirtschaftlichen Kreisvereins auf dem Schützenhofe statt. Den Hauptpunkt der Feier bildete die Tierschau, die in diesem Jahre besonders umfangreich ausgestattet war. Der Landwirtschaftliche Kreisverein Soest zählt 1100 Mitglieder. Oelde, 16. Juli. Als der Fabrikant R. Bruno gestern abend in langsamem Tempo auf der Grünen Straße daherradelte, lief ihm die 7jährige Schülerin Hedwig Eschen, die eine Flasche in der Hand trug, direkt vor das Rad. Die Kleine kam zu Fall und stürzte so unglücklich auf die zerbrechende Flasche, daß ihr die Scherben den Unterleib aufschnitten. Obwohl ein Arzt sofort zur Stelle war, verblutete das Kind in 10 Minuten. Bruno trifft nicht die geringste Schuld. Warburg, 18. Juli. Am Sonntag hielt Branddirektor Modersohn=Unna einen Vortrag zur Wiedereinrichtung der alten, wegen Differenzen mit dem Landrat aufgelösten Warburger Freiwilligen Feuerwehr. Nach Beendigung der Versammlung konnte sich Warburg wieder einer Freiwilligen Feuerweht rühmen. Das Inkrafttreten dieser Wehr wird erst nach 2. Versammlung der Mitglieder erfolgen. Bielefeld, 17. Juli. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich in Milse, wobei beide Insassen, der Fabrikant Wagemann und der Fabrikant Becker, tödlich verletzt wurden. Wagemann starb kurz nachher. Beckum, 16. Juli. Der in Dünninghausen wohnhafte Landwirt Theodor Wering wurde bei Hamm als Leiche in der Lippe aufgefunden. Er war Besitzer des Kolonats Wering in Bockum, auf dem die Zeche„Radbod“ errichtet ist und hatte das Kolonat kurz zuvor an einen benachbarten Landwirt verkauft, der es 2 Jahre später mit ungeheurem Nutzen an die Zeche Radbod weiter verkaufte. Bocholt, 17. Juli. Hier will man dem Gesellenvater Kolping aus Anlaß seines 100jährigen Geburtstages ein Denkmal errichten. Mainz, 17. Juli. In dem 60 Meter über der Altstadt gelegenen Stadterweiterungsgebiet, dem früheren Festungsgelände im Westen der Stadt Mainz, sind weitverzweigte, alte, unterirdische Festungsgräben entdeckt worden. Die Feststellungen sind von größter Bedeutung dadurch, daß auf diesem Gelände ein ganz neues Villenviertel, und auch das mit einem Kostenaufwand von 4 Millionen Mark errichtete neue Krankenhaus der Stadt Mainz entstanden sind und militärische Bauten größeren Stils errichtet wurden, ohne daß man von diesem Netz von unterirdischen Gängen eine Ahnung hatte. Die Gänge liegen in einer Tiefe von 7 bis 8 Metern und sind zum Teil ausgemauert, zum Teil als Flaterminen angelegt. Von offizieller Seite werden diese Gänge als gefahrlos für die Bauwerke bezeichnet. Frankfurt=Main, 17., Juli. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft sind die Leichen des 1895 gestorbenen Vaters und der 1908 gestorbenen 2. Frau des Fechtlehrers Hopf beschlagnahmt worden, da der Verdacht besteht, daß Hopf auch diese beiden vergiftet hat. aller 2 Kaufleute vergiftet. T Berlin, 17. Juli. 2 Inyaber der großen Holzhandlung Gebrüder Ebeling in der Straße Alt=Strarau, die viele Möbelfabriken zu ihren Kunden zählt, wurden gestern morgen in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Sie hatten sich nach vorheriger Vereinbarung vergiftet. Finanzielle Schwierigkeiten sollen das Motiv zur Tat sein. Tödlicher Fliegerunfall. Jüterbog, 17. Juli. Der Flugzeugführer Leutnank Stoll vom Infanterie=Regiment Nr. 112 stürzte beim Landen aus einer Höhe von 15 Metern ab. Im Garnisonlazarett starh er. Der begleitende Unteroffizier blieb unverletzt. Der Metallarbeiterverband gegen den Ausstand der Werftarbeiter. Hamburg, 17. Juli. Auf einer von 6000 Werftarbeitern besuchten Versammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes erklärte ein Bevollmächtigter für die Organisationsleitungen, daß sie die Arbeitsniederlegungen nicht anerkennen und eine Streikunterstützung ablehne. In einer darauf vorgenommenen geheimen Abstimmung sprachen sich 5662 für und 120 gegen die Fortsetzung des Streiks aus. Bergung der Leichen vom Torpedoboot S. 178. Wilhelmshaven, 17. Juli. Gestern nachmittag 5 Uhr fanden sich auf der Werft bei Dock 4 zur Vornahme der Leichenschau beim Wrack des Torpedoboots S. 178 ein der stellvertretende Oberwerftdirektor, eine Gerichtskommission und Bergungsmannschaften von der 2. Torpedodivision. Nachdem das Dock ausgepumpt worden war, wurde das Oberdeck des Wracks geöffnet, worauf die Mannschaften in das Wrack hineinstiegen, um die Leichen zu bergen. Diese waren völlig unkenntlich. Sie wurden, nachdem man sie mit Mühe festgestellt hatte, in Särge gelegt und auf dem Wasserwege zum Lazarett geschafft. Bis abends 10½ Uhr waren die Bergungsarbeiten noch nicht beendet. Gedenkfeier am Grabe erschossener Westfalen.— Kottbus, 17. Juli. Die Gräber der 5 erschossenen Westfalen in der Siekower Heide waren gestern, Mittwoch, der Sammelpunkt mehrerer patriotischer Vereine, die hier eine würdige Gedächtnisfeier veranstalteten. Es handelt sich um die Ehrung jener 5 westfälischen Reiter, die nächtlicherweile das französische Quartier bei Dissen verlassen hatten, weil sie den aufgezwungenen Fahnen Napoleons nicht mehr folgen wollten. Sie wurden jedoch überrascht, bevor sie die Preußen bei Lieberose erreichen konnten. In der Frühe des 16. Juli 1813 fanden sie durch französische Kugeln am Sielower Schindanger ihren Tod. Seit 1845 erhebt sich vor den Gräbern ein schlichtes Eisenkreuz, das später mit einer Anpflanzung umgeben wurde. Der Verein für Heimatkunde ließ durch eine Abordnung einen Kranz an den Stufen des Denkmals niederlegen. Abends war eine Feier in Sielow, an der auch die Schulen teilnahmen. Eine Entführung.— Breslau, 17. Juli. Aus der Villa eines Fabrikbesitzers in Schreiberhau entführte ein gewisser Ziffer, der in einem dortigen ersten Hotel abgestiegen war, die 19jährige Tochter. Die Spur der Flüchtigen ging über Budapest nach Zircz, wo das Paar festgenommen wurde. Ziffer entpuppte sich als ein berüchtigter Hochstapler und Mädchenhändler. Fahrt des Z. 5. 9874 U Friedrichshafen, 17. Juli. Das Luftschiff L Z 20, das als Militärluftschiff den Namen Z5 führt, machte gestern eine Uebungsfahrt nach Frankfurt=Main, wo es, 4,30 Uhr im Luftschiffhafen landete. Das Luftschiff bleibt 3 Tage in Frankfurt und wird dann nach Baden=Baden übergeführt werden. Automobilunfall. T Paris, 17. Juli. Ein Automobilwagen der Feuerwehr wollte gestern nachmittag am Invalidenbahnhof einer Kraftdroschke ausweichen und fuhr in eine Trinkbu rde, welche vollständig zerstört wurde. Ein Handlungsgehilfe wurde getötet. Der Pächter und dessen Frau sowie 2 Feuerwehrleute wurden schwer verletzt. Der neue englische Hofdichter. T London, 17. Juli. Dr. Robert Bridges ist zum neuen Poeta Laureatus(Hofdichter) ernannt worden. Explosion in einem Postamte. T Dublin, 17. Juli. Als gestern im Hauptpostamt ein an das irische Unterhausmitglied John Dilon adressierter Brief abgestempelt wurde, erfolgte eine heftige Explosion. Das Postgebäude wurde stark beschädigt, der Beamte schwer verletzt. Der Absender des mit Sprengstoffen gefüllten Briefes ist unbekannt. Feuer in einer Schwefelgrube auf Sizilien. Castelltermini, 17. Juli. In der Schwefelgrube von San Giovannella Lobue, in der 700 Bergarbeiter beschäftigt waren, brach Feuer aus. Die Arbeiter versuchten auszufahren, aber es war nur ein Ausgang vorhanden, sodaß sich nicht alle retten konnten. 23 Mann sind nicht ausgefahren. Man fürchtet, daß sie umgekommen sind. Wegen der großen Menge von Schwefeldämpfen ist eine Rettung unmöglich. — Gemeindebücherei Die Ausgabe und Zurücknahme der Bücher findet von jetzt an nicht mehr Sonntags, sondern jeden Freitag, nachmittags von 6—7 Uhr statt. Wattenscheid, 3. Juni 1913. Der Amtmann: Emisch. Gam: rs,-aurnaftes Mitabessen mit neuem Gemüse Atugcoben 4 Person 15 Pfennig erhält man durch Verwendung von 25—35 Gramm 4 Person von unserm Pflanzenfleisch-Extrakt„Ochsena“ zum Stoben(Anrichten) der Gemüse und als Fleisch-Ersatz und als delikate Würze zu allen Gemüse-Suppen, Knochen-Suppen, Saucen, Ragouts usw. Kochrezepte gratis. Wir versenden: Schachteln à 8 Dosen à 1 Pfund(500 Gramm) netto per Dose 1.00 Mk. „ à 1„ a ½„(250„)„„„ 055„ „ à 2„ à 1„(500„)„„„ 1.80„ „ 4„ à ½„(250„)„„„ 0.70„ trants ger p.r Probe.„ 2 ½„(250„)„„„ 080„ nanso per rost nach jedem Orte in Deutschland. Zahlung nach Empfang der Ware am Monatsschluß durch Postanweisung. Nichtgefallendes nehmen(auch angebrochen) jederzeit unfrankiert zurück. 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Der Gesundheitszustand der bergmännischen Bevölkerung des rheinisch=westsälischen Industriebezirks wird in dem vom Allgemeinen Knappschaftsverein zu Bochum soeben herausgegebenen Verwaltungsbericht für das Jahr 1912 im allgemeinen günstig bezeichnet. Bei einer durchschnittlichen Belegschaft von 376710 betrug die Gesamtzahl der Erkrankungen, bei denen Erwerbsunfähigkeit bescheinigt wurde, 242 645, während im Jahre 1911 bei 357321 Mann Belegschaft 235 641 Erkrankungen mit Erwerbsunfähigkeit gezählt wurden. Auf 1000 Mitglieder berechnet ist die Zahl der eingetretenen Erkrankungen nicht unerheblich zurückgegangen. Sie stellt sich im Berichtsjahre auf 644(gegen 712 im Jahre 1911 und 659 im Jahre 1910). Außerordentlich bemerkenswert sind die Angaben des Knappschaftsvereins über die Erkrankungshäufigkeit in den einzelnen Monaten. Die höchste Erkrankungsziffer zeigt der Streikmonat März mit 25 025 Erkrankungsfällen, die niedrigste dagegen der Monat April. in dem die Bergarbeit wieder überall aufgenommen war, mit 16 102 Erkrankungsfällen. Eine ähnliche Erscheinung zeigte sich beim Bergarbeiterausstande im Jahre 1905. In dem Streikmonat Januar wurden 22 410, nach Beendigung des Streiks im Monat Februar jedoch nur 8335 Erkrankungsfälle mit Erwerbsunfähigkeit bescheinigt. Erwähnt sei ferner die Tatsache, daß im Berichtsjahre im Streikmonat März die Zahl der Betriebsverletzungen höher war als im folgenden Monat nach Wiederaufnahme des vollen Betriebes. Im Monat März wurden 6455, im Monat April dagegen nur 4979 Betriebsverletzungen zur Anmeldung gebracht. Desgleichen war die Zahl der Erkrankungen der Verdauungsorgane einschließlich Halsentzündungen im März erheblich höher als im April. Im März betrug sie 2346, im April 1755. Auch die Zahlen des akuten Gelenkrheumatismus und Muskelrheumatismus zeigen in diesen beiden Monaten eine auffallende Differenz. An akutem Gelenkrheumatismus erkrankten im März 517, im Monat April 258, wegen Muskelrheumatismus bezogen Krankengeld im März 3240, im April 1866. Im Gegensatze zum Jahre 1911, in dem infolge der abnormen Witterungsverhältnisse die Erkrankungen der Verdauungsorgane mit 38 804 Krankheitsfällen bei weitem an erster Stelle standen, treten im Berichtsjahre gleich wie in den früheren Jahren, wieder die rheumatischen Erkrankungen der Muskeln und Gelenke mit 34078 Erkrankungsfällen an die erste Stelle(im Jahre 1911: 32633). Die zweite Stelle nehmen die Erkrankungen der Verdauungsorgane mit 32931, die dritte Stelle die Erkrankungen der Atmungsorgane mit 28994(1911: 27.670) ein; an vierter Stelle erscheint die Influenza mit 17480 Erkrankungsfällen(17.236). Aus den Mitteilungen über einzelne Krankheiten ist hervorzuheben: Masern und Scharlach zeigten in Uebereinstimmung mit der Tatsache, daß im Revier des Allgemeinen Knappschaftsvereins Scharlach eine ausgedehnte Verbreitung im letzten Jahre gefunden hat, die verhältnismäßig hohe Erkrankungsziffer von 169(146 i. J. 1911). Tödlich verliefen e le 46). An meinden Mülheim=Ruhr, Duisburg=Meiderich, Sterkrade, Oberhausen, Osterfeld, Bottrop, Gladbeck, Horst und Borbeck die Erkrankungsziffer auf 571 und die Sterblichkeitsziffer auf 79 gestiegen war, war im Berichtsjahre wieder ein erfreulicher Nachlaß zu verzeichnen. 1912 erkrankten 233 Bergleute an Unterleibstyphus, von denen 34 starben. Das entspricht einer Sterblichkeitsziffer von 14,5%, die im Jahre 1911 13 bis 14% und in den Jahren 1910 und 1909 17—19% betrug. Bemerkenswert ist, daß im Berichtsjahre bei der Typhusepidemie in Witten, deren Ursprung nach amtlicher Feststellung auf die Verseuchung einer kleinen Molkerei zurückgeführt werden muß, kein Beiigmann betroffen wurde. Lungentuberkulose 241(gegen 261, 268 und 285 in den vorhergehenden Jahren). Die Zahl der in der Statistik angegebenen Erkrankungen betrug im Jahre 1912: 268, zur Behandlung in Lungenheilstätten wurden dagegen überwiesen 502.— Wurmkrankheit. Obgleich im Berichtsjahre zur Ermittelung der Wurmbehafteten, gleich wie in den letzten Jahren bei der Durchmusterung der Belegschaften durch das Gelsenkirchener bakteriologische Institut neben der mykroskopischen Untersuchung auch noch das Kulturverfahren, dessen große Zuverlässigkeit sich in den letzten Jahren bewährt hat, zur Anwendung gelangte, wurden im Berichtsjahre nur 380 (1086 bezw. 1252) Wurmbehaftete ermittelt.— Die Zahl der Nervenkrankheiten zeigt eine steigende Richtung, sie betrug 1912 4855(4485).— Ueberraschend hoch ist die Zahl der Alkoholvergiftungen. Im Berichtsjahre erkrankten 35, von denen 6 starben. Es mag erwähnt werden, daß nach der amtlichen Statistik des Gesundheitswesens des preußischen Staates im Jahre 1911 im ganzen 948 Personen(849 männliche, 99 weibliche) an Säuferwahnsinn starben.— An bergmännischem Augenzittern kamen zur ärztlichen Kenntnis 1510 Fälle(1371).— Die Zahl der Lungenentzündungen betrug 1627. Sie ist nicht unerheblich geringer als im Jahre 1911 mit 1690 Erkrankungsfällen. Es starben 314. Stadt, Amt und Kreis. * Waktenscheid, 17. Juli 1913. Gebühkenordnung für Zeugen und Sachverständige. * Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht den vom Bundesrat angenommenen Entwurf eines Gesetzes betreffend Aenderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige, der den seit dem Inkrafttreten der einschlägigen Ordnungen vom 30. Juni 1878 und 20. Mai 1898 eingetretenen Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse Rechnung trägt. Der Entwurf beschränkt sich auf das unbedingt Notwendige, in der Hauptsache darauf, den Sachverständigen für ihre Mühewaltung angemessene Vergütung zu sichern— dem Sachverständigen soll ausnahmsweise, wenn die ihm aufgetragene Leistung besonders schwierig ist, eine den Höchstbetrag von 2 Mark übersteigende Vergütung bis zu 6 Mark für jede rt werden dürfen— und die Entit von dem Aufenthaltssondere für ein außerhalb 5 Erkrankungsfälle(6). Unterleibstyphus. Wäh- genommenes Nachtquartier für Zeugen wie für Sachverstänrend im Jahre 1911 durch die Typhusepidemie in den Ge dige den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen. Im letzteren Falle soll eine Aufwandsentschädigung im Höchstbetrage von 7,50 Mark für den Tag und von 4,50 Mark für jedes außerhalb genommene Nachtquartier gewährt werden. Mittel für den Bau von westdeutschen Eisenbahnen. * Der Staatsregierung sind für den Bau und die Erweiterung von Eisenbahnanlagen nachstehende weiteren Mitteh bereit gestellt worden: Von Dortmund nach Münster Mark, 27 960 000, von Essen H.=B., Katernberg=Nord nach BuerSüd für Grunderwerb 1759000 Mk., von Liblar nach dem Ahrtal 32000000 Mk., von Hamm nach Wunstorf, 3. und 4. Gleis, 39 400 000 Mk., von Holzwickede nach Unna, 3. und 4. Gleis, 2512 000 Mk., von Brügge nach Lüdenscheid 5 Mill, Mark, von Essen=Rüttenscheid nach Steese=Süd 710000 Mk., von Essen H.=B. nach Block Frillendorf 811000 Mk., von Mülheim=Ruhr nach Essen=West, 3. und 4. Gleis, 10 615 000 Mark, von Haltern nach Wesel 4302000 Mk., von KrefeldLinn nach Neuß, 3. und 4. Gleis, 3158000 Mk., von Friemersheim nach Millingen und Verbindungsbahn RuhrortRepelen 14 557000 Mk., Herstellung einer Verbindungsbahn von Borbeck über Frintrop nach Bottrop 2650000 Mk., Herstellung einer Umgehungsbahn bei Oberhausen=West Mk. 15 245000. An Mehrkosten für die Bahn von Schwerte nach Dortmunderfeld 2001 000 Mk., für die Eisenbahn Oberhausen=Hamborn=Wesel 1600 000 Mk., für die Strecke BochumNord=Präsident und Präsident=Riemke 950000 Mk. Warnung vor französischen Werbern. 4 4 * Nach einer Mitteilung der Polizeiverwaltung in Rünthe bei Hamm sollen dort 2 französische Agenten festgenommen worden sein, die angeblich Familien für die französischen Zechen, sowie einzelne Personen für die Fremdenlegion angeworben haben. Auch in Bochum und der Umgegend haben diese Agenten mehrere Familien für die Zechen in Frankreich angeworben. Die unleserliche Unterschrift. * Aus M.=Gladbach wird folgendes lustige Geschichichen gemeldet: Eine Witwe Wandhoff hatte im März d. J. ihr schulpflichtiges Kind 5 Tage unentschuldigt vom Schulbesuch ferngehalten. Sie war daraufhin mit einer Strafverfügung bedacht worden, die auch vom Schöffengericht, das die Frau angerufen hatte, bestätigt worden war. Auf die Berufung der Verurteilten hin hob die Strafkammer das Urteil des Schöffengerichts auf und stellte das Verfahren ein. In der Begründung dieses Beschlusses heißt es, daß die polizeiliche Strafverfügung rechtsungültig sei, weil die Unterschrift unter ihr nicht leserlich sei. Fahrt des kath. Gesellen=Vereins nach Köln.) * Wir schon mitgeteilt, wird sich der hiesige kath. Gesellenverein ebenfalls an der Jahrhundertfeier der Geburt des GeRückfahrt beträgt 3.10 Mark., 4“. 4. In Köln ist folgendes Programm vorgesehen: 9 Uhr Beteiligung am Pontifikalamt des Erzbischofs im Dom(oder an der 11=Uhr=Messe Spieler Moderner Kulturroman von Hans Hyan. 321 23=61(Nachdruck verboten.) „Ja, ja!“ schluchzte die junge Frau„er ist jetzt beinahe acht Tage von Hause fort! Er läßt nichts von sich hören! Er beantwortet meine Briefe nicht mehr! In der Ziegelei geht alles drunter und drüber! Es ist furchtbar, ganz furchtbar!... Ich weiß ja überhaupt gar nicht, ob „Aber beruhigen Sie sich doch! Was sollte denn Ihrem Gatten zugestoßen sein?! Und außerdem, wenn wirklich so etwas passiert wäre, dann hätten Sie längst vonsanderer Seite Nachricht erhalten.“ „Gott ja!“ Dieser Trostgrund schien seine Wirkung auf die junge Frau nicht zu verfehlen.„Wenn ich ihn nur erst wieder hätte!“ Sie dachte einige Augenblicke nach, dann sing sie von neuem an zu weinen. „Nein, nein! Und wenn er wirklich zurückkommt, ich habe ihn ja doch verloren! O, gnädige Frau, das ist das größte Unglück, was einem passieren kann! Wenn ein Mann spielt, dann ist alles vorbei! Dann interessiert ihn auch nichts mehr! Wie war er früher lieb zu mir und den Jungen! Jetzt— kaum ansehen tut er uns! Und wenn er mich küßt, wenn er mit mir spricht oder mich ansieht, immer fühle ich, daß er ganz wo anders ist mit seinen Gedanken! Die Karten! Diese verfluchten Karten!“ Sie legte die schmale Hand, die noch im weißen Lederbandschuh steckte, auf die Lippen.„Verzeihen Sie, Frau Baronin, aber ich weiß von mir selber nichts mehr!... Haben Sie denn vielleicht eine Ahnung, wo das ist, wo mein Mann immer spielt“ „Ich selber kann Ihnen da leider auch nichts sagen!“ Der Baronin tat die junge Frau aufrichtig leid, und sie durfte nur an die eigene Angst denken, die sie heute vormittag die Unterredung mit ihrem Schwager Klaus hatte suchen lassen, um den Jammer der Ziegeleibesitzersvattin voll zu begreifsen. ,66g 15 Am Ssuunt „Aber“, fügte sie dinzu,„zufallig ist der Leutnant Dagobert von Korthals, der sich demnächst mit meiner Tochter Bianka verloben wird, hier... der kann Ihnen vielleicht einen Aufschluß geben!" Sie ging an die Tür des Nebenzimmers und sagte, die Portiere teilend, hinein:„Ach, lieber Dagobert, darf ich dich einen Augenblick bitten!“ Der Offizier erkannte die junge Frau sofort. „Ihr Gatte?“ sagte er, nachdem er Frau Hulda begrüßt hatte,„o ja, den habe ich noch vor'n paa Tagen gesehen, beim Marquis de la Grandvillière in dr Burggrafenstraße." spielt er, nicht wahr?" Die junge Frau brachte es wirklich=fertig, dem Offizier gegenüber ihre Haltung zu bewahren. „Ja, dort wird allerdings gespielt.“ „Und er verliert, nicht wahr? Er verliert ja immer!" Nun schluchzte sie doch auf, die Arme, die ihr Vermögen und ihr Lebensglück zerrinnen sah in diesem Höllenkessel, unter dem der Spielteufel immer von neuem das Feuer der Leidenschaft schürt.... ice 1 Dagobert zuckte die Achseln.„Das weiß ich nicht, ich war meines Bruders wegen da, der leiber auch dieser häßlichen Neigung frönt. Aber wenn Sie es wünschen, benachrichtige ich Ihren Gatten von Ihrem Hiersein, falls ich ihn heute abend sehen sollte.“ „Die gnädige Frau wird wohl bis dahin ihren Gemahl selber schon gesprochen haben!“ wandte Frau Klothilde ein,„denn Sie wissen doch das Hotel, in dem er abgestiegen ist, nicht wahr, gnädige Frau?“ Hulda nickte. „Ja und das beste ist, Sie nehmen ihn dann gleich mit nach Hause, denn ich bin fest überzeugt, daß dort nicht einmal reell hasardiert wird!...“ Der Leutnant hatte diese Bemerkung nicht unterdrücken können, sein Zorn gegen die Spieler, die auch seinen Bruber unglücklich machten, war zu groß. „Meinen Sie das wirklich, Herr Leutnant?“ Dagobert sing einen Blick der Baronin auf und schränkte seine Behauptung ein wenig ein, indem er sagte: „Ich kann es natürlich nicht beweisen, denn daznu versteb' ich zu wenig von der ganzen Sache, aber der Eindruck, den ich von den leitenden Persönlichkeiten dieses Klubs empfangen habe, ist so ungünstig wie möglich!“ In die Haltung und in die Worte der jungen Frau kam plötzlich etwas Festes, Klarbestimmtes— sie sagte: „Wenn das wirklich der Fall ist, so benachrichtige ich sofort die Polizeil“.. Damit erhob sie sich, bat die Frau des Hauses um Vergebung, wenn sie gestört habe, und verließ, sich herslich bei ihr bedankend, den Salon.... 19. Kapitel." In einem Café der Friedrichstadt, das von Spielern aus den oberen Ständen stark frequentiert wird, saß Martin Minderstedt vor seinem Absinthflakon und sah, ohne etwas zu sehen, auf die vollbelebte Straße hinaus. Draußen strahlten alle die tausend Lichtquellen dieser reichen und geschäftigen Gegend, und Menschen, die von ihrer Arbeit kamen, mehr noch aber Müßiggänger beiderlei Geschlechts schoben sich in kompakter Masse auf beiden Seiten der Straße hin und wieder. Dem Ziegeleibesitzer rann das alles wie die Lichtflecken eines Kaleidoskops an seinem gleichsam durch eine fixe Idee getrübten Wahrnehmungsvermögen vorüber. Sein ganzes Denken und Sinnen ging immer nur auf den einen Punkt hin: wo bekommst du Geld her, um heute abend in den Klub gehen und spielen zu können? Seit Tagen war er nicht mehr in Altenberg gewesen. Jeden Tag kam ein Brief von seiner Frau, aber er machte gar keinen mehr auf. Seine Geschäftsangelegenheiten hatten nicht das geringste Interesse mehr für ihn. Er sann nur immer nach, wie er sich Mittel verschaffen könnte, um das Spiel sortzusetzen; wie er das Verlorene zurückgewinnen könnte! Er mußte ja sein Geld wieder haben! Denn sonst wurde eines Tages die Villa verkauft, die seiner Frau gehörte. Dann erfuhr sie es! Sein Schwiegervater bekam es zu wissen!... und... und... nein, das durfte nicht sein! So weit durfte er es einfach nicht kommen lassen!.(Fortsetzung folgt.) 1 K im Doms. Darnach Treffpunkt und Gelegenheit zum Essen im Parthotel(weil die Kölner Gesellenhäuser selbst beim Mittagessen überfüllt sind). Preis des Essens 1,25 Uhr. 1,30 Uhr Rheinfahrt mit dem Dampfer„Rex Rheni“ zur Besichtigung des Kölner Stadtbildes(Preis 0,25 Mk.). 4 Uhr Festzug mit Ovation am Kolping=Denkmal. 6 Uhr Parallelversammlungen im Gürzenich und im Prunksaale der Bürgergesellschaft, Dr. Donders=Münster, Prof. Meyers=Luxemburg sprechen werden. 8,23 Uhr Rückfahrt.(Auch am Montag ist noch Gelegenheit, mit Sonderzug zurückzufahren.) Fahrkarten und Abzeichen sind vom Donnerstag an beim Hausverwalter Sabel im Kolpinghaus oder Sonntag an der Bahn zu haben. Neue Bücher der Volksbibliothek. (Fortsetzung.) 3705 Pache, O.: Gesetzes= und Volkswirtschaftskunde. S# d## u. Walter, H.: Die Lehre vom Staate. 3703 Schröder, u.: Erziehung zum Staatsbünger. 2319 Seidenberger, Dr.: Bürgerkunde. 2931 Strüwing, C.: Der innere Feind. Weltfrieden und nr S. M a Sosialismus.. 2318 Stutzer, E.: Kleine deutsche Staatskunde. 3712 Wittgen, Ph.: Schulgemäße Wirtschaftskunde. V. Länder= und Völkerkunde. Kolonien. Schiffahrk. 2941 a, b Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg. Ins innerste Afrika! 5202 Alberti=Sittenfeld, E.: Die Eroberung der Erde. 3808 Barth, Dr. Th.: Im überseeischen Deutschland. 2608 Bockenheimer, Dr. Ph.: Rund um Afrika. 2693 Buschan, Dr. G.: Illustrierte Völkerkunde. 3802 Decken: Die Auswanderung nach den deutsch. Kolonien. 1819 Deutsche Kolonialgesellschaft: Bilder aus den deutschen Kolonien. 3809 Dincklage=Campe, Freiherr v.: Deutsche Reiter in Südwest. 3804 Fiege, A.: Heimatkunde— Erdkunde. 3810 Geikie, A.: Physikalische Geographie. 3825 Graetz, P.: Im Motoorboot quer durch Afrika. 2602 Großer Generalstab: Die Kämpfe der deutschen Truppen. 3811 Günther, R.: Die deutsche Heimat. 3828 Hedin, S. v.: Von Pol zu Pol. Rund um Asien. 3829 do.: do. Vom Nordpol zum „„Aequator. 3830 do. po. Durch Amerika zum Südpol. 3812 Jensen, W.: Durch den Schwarzwald. 3807 Kenter, Th. u. Kusch, H.: Führer durch die Stadt Gelsenkirchen. 3805 Knörk, Dr. O.: Wirtschafts= und Verkehrsatlas. 3813 Krebs, Dr. E.: Unterm Petersdom. 3814 Küchler, C.: Unter der Mitternachtssonne durch die Vulkan und Gletscherwelt Islands. — Land und Leute.(Monographien.) 4688 Bd. 15. Hörstel, W.: Die Ober=Italienischen Seen.“ 2751 Lentz, H.: Die deutsche Kriegs= und Handelsflotte. 2801 Lohmeyer, Wislicenus: Auf weiter Fahrt. Bd. 6. 3817 Paasche, H.: Im Morgenlicht. 2609 Philipson, A.: Das Mittelmeergebiek, seine geographische und kulturelle * Eigenart. 3815 Pfohl, F.: Westöstliche Fahrten. 5303 Platz, Dr. B.— Ritter, G. A.: Die Völker der Erde. Afrika. 5204" 5g. do. Amerikan 5205 do. do. Asien. 3827 Rohrbach, P.: Um Bagdad und Babylon. 3831 Scheel, W.: Deutschlands Kolonien in 80 farbenphotographischen Abbildungen. 2692 Schillings, C. G.: Der Zauber des Elescho. 3801 Seippel, M.: Drei Burgen und drei Türme. 3818, 3819 Shakleton, E. H.: 21 Meilen vom Südpol, 2 Bände. 3806 Steinitzer, A.: Aus dem unbekannten Italien. 5203 Stolle, R.: Westfalen und die Nachbargebiete. 5 Ex. 3803 a, b Teutsch=Lerchenfeld, B.: Deutschland zur See in Wort u. Bild.(Prachtw.) 3821 Weicker, H.: Kiautschou, das deutsche Schutzgebiet in Ostasien. 3820 Weingartner, I.: Durch Tirol. Weltpanorama(Fortsetzung). 1672 10. Jahrgang. 1673 11. Jahrgang. 1674 12. Jahrgang. 2953 Wirth, A.: Der Weltverkehr. 3822, 3823 Zabel, E.: Europäische Fahrten." VI. Naturwissenschaft. Technik. Industrie, Gewerbe, 4020 Ahles, Dr. v.: Unsere wichtigeren Giftgewächse. (5301 Bürgel, B. H.: Aus fernen Welten. 4016 Dammer,Prof. Dr. U.: Unsere Blumen und Pflanzen im Garten. 4009 Detmer, Dr. W.: Das kleine zflanzenphysiologische Praktikum. 4021 Forsteneichner, A.: Naturbilder. 4003 Graebner, P.: Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen." 1913 b Hagenbeck, K.: Von Tieren und Menschen. 1747 Heise=Herbst, Lehrbuch der Bergbaukunde. 2. Teil. 4010 Henkel, A. u. Witte, A.: Wie frisiere, pflege und erhalte ich mein Haar? 4017 Holverscheid, A.: Die Walzwerke.67 Jahrbuch der Naturwissenschaften(perder),— Herausgeber: Dr. M. Wildermann bezw. Dr. Jos. 1044 22. Jahrgang 1907. 2550 23.„ 1908. 2551 24.„ 1909 2552 25." 1909=10. 2553 26.„ 1910=11. 2554 27." 1911•12. 4004 Keferstein, H. Prof. Dr.: Große Physiker.(Bilder aus der Geschichte der Astro.. nomie und Physik.) 4013 Knauer, F.: Tierwanderungen und ihre Ursachen. 4015 Kronprinz Wilhelm: Aus meinem Jagdtagebuche. 5304 Lackowitz, W.: Das Buch der Tierwelt. 4018 Lindau, Prof. Dr. G.: Die Pilze. 2752 Littrow, I. J. v.: Die Wunder des Himmels.(Gemeinverständliche Darstellung des Weltsystems. Naturwissenschaftliche Bibliothek für Jugend und Volk. (Fortsetzung.) 2330 Zimmermann, W.: Die Photographie. 2331 Linstow, Dr. O. v.: Die Schmarotzer der Menschen und Tiere. 2332 Viehmeyer, H.: Bilder aus dem Ameisenleben. 2333 Schütze, C.: Die Kraftmaschinen. 2334 Wagner, W.: Die Heide. 2335 Timm, Dr. R.: Niedere Pflanzen. 2336 Ulmer, Dr. F.: Signale in Krieg und Frieden. (Fortsetzung folgt.) im Jehrfarhe 000 im Theater(1600 ein- Staatsdienst " 28 350 inh Randel uVerkehs üünder Landwigtschaft: Inder Industrie: In der Krankangfies 931275 9588778" 3102805 91 62E —4 Die Zahl der erwerostätigen Frauen im Deutschen Reiche nimmt von Jahr zu Jahr zu und betrug nach der letzten amtlichen Erhebung.“ 30,37 Proz. der gesamten, 32871 000 Köpfe zählenden weiblichen Bevölkerung Deutschlands. Wie unsere beistehende Statistik. zeigt, ist die größte Anzahl Frauen in der Landwirtschaft tätig, in welcher ja von altersher die Frauen=Arbeit eine große Rolle gespielt hat. Auch die Zahl der Industriearbeiterinnen hat eine respektable Höhe erreicht. Polnische Gewerbeschau. .* Am Samstag wird im hiesigen Schützenhofe zu Bochum eine von polnischen Kreisen veranstaltete Gewerbeausstellung eröffnet werden, die dazu dienen soll, die weitere Oeffentlichkeit mit den Erzeugnissen polnischen Gewerbefleißes bekanntzumachen. Die Ausstellung, die den großen Saal ausfüllen wird, zerfällt in 6 Abteilungen und wird u. a. Nahrungsmittel, Wohnungseinrichtungen und Innendekorationen, graphische Kunst, Kunstgewerbe und ähnliches enthalten. Die Eröffnung findet am Samstag nachmittag 2 Uhr statt. Von unserm Rathaus. * Der Rathausvorplatz, der früher zum Teil nur mit roter Asche befestigt war, wird augenblicklich mit einem hübschen Mosaikpflaster versehen, welches mit farbigen Figuren in quadratischer und Elipsen=Form wirkungsvoll verziert ist. Damit wird das stilvolle und architektonisch hervorragende Rathaus einen neuen Schmuck erhalten und sich dann in voller Schönheit präsentieren, nachdem es bekanntlich vor kurzem einen neuen weißen Anstrich erhalten hat u. an den vorspringenden Fenstern Blumenschmuck angebracht ist. Auch die bisherige unzulängliche Beleuchtung des Rathausvorplatzes an der Frekheitstraße wird einer besseren Platz machen, indem dort 4 Kandelaber mit je 2 großen Gasflammen aufgestellt werden. Für Jäger. * Der Bezirksausschuß der Königlichen Regierung zu Arnsberg bestimmte als Schkuß der Schonzeit für Fasanenhähne sowie für Haselwild den gesetzlichen Termin, den 15. September. Die Jagderöffnung ist also am 16. September. Als Tag des Ablaufes der Schonzeit für Rebhühner, Wachteln und schottische Moorhühner ist festgesetzt: a) für die Kreise Dortmund, Hörde, Lippstadt, Hamm, Hattingen, Soest, Bochum, Herne, Witten, Gelsenkirchen, der 18. August(Jagderöffnung 19. August), b) für die übrigen zum Regierungsbezirk gehörigen Kreise der 1. September, also hier Jagderöffnung am 2. September. Preisträger der Provinzial=Pferdeschau. * Bei der Provinzial=Pferdeschau in Dortmund erhielten folgende Aussteller aus unserem Leserkreise Preise: In der Abteilung Arbeitsschlag in Klasse 12a(in Westfalen gezogene Stuten, geboren 1910) 3. Anerkennung Wilh. Althoff=Eiberg für„Lisekte“.— In Klasse 13 a(in Westfalen gezogene Stuten, geboren 1911) Preis 2b: 125# Aug. Dieckmann=Weitmar für„Doma“.— In Klasse 14a(in Westfalen gezogene Stuten, geboren 1912) Preis 2b: Ehrenpreis 22 des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Arnsberg und 100 Mark Jos. Ortmann=Günnigfeld für„Tea“.— In Klasse 2b(eingeführte Stuten geboren vor 1. Jan. 1910) Preis 50: 75 c Gust. Trösken=Hiltrop für„Bavaria von Hiltrop"; 3. Anerkennung Wilh. Althoff=Eiberg für„Aurikel“.— In Klasse 12b(eingeführte Stuten geboren 1910) Anerkennung L. Schulte=Kemma=Leithe für„Cora de St. Bavon“. Aus dem Günnigselbder Vereinsleben. * Günnigfeld, 16. Juli. Am Sonntag hielt der ev. Arbeiterverein seine Generalversammlung ab. Aus derselben ist folgendes zu berichten: Die Musik bei Beerdigungen wird abgeschafft, weil sich Schwierigkeiten für die regelmäßige Beschaffung der Musik eingestellt hatten. Am 3. Aug. nimmt der Verein am Jubelfest in Rotthausen teil. Die Mitglieder versammeln sich um 2 Uhr im Vereinslokal Böcke. Am 28. September feiert der Kreisverband Wattenscheid sein erstes Stiftungsfest in Günnigfeld. Der Günnigfelder Verein hat alle Vorbereitungen zum Feste übernommen.— Der Evang. Männergesangverein hält am 11. Aug. ein Konzert bei Nieser ab. Nach Beendigung desselben findet ein Preisschießen statt.— Der Buchfinkenverein„Düsterwitt“=Günnigfeld hatte am Sonntag ein Preissingen veranstaltet. Es waren zirka 100 Vögel aufgestellt, verteilt wurden 24 Preise. Straßenraub. * Ueckendorf, 16. Juli. Ueberfallen und seiner Barschaft von 14,50 Mark beraubt wurde ein Maurer auf dem Wege zu seiner Arbeitsstätte auf der Wattenscheider Straße von mehreren unbekannten Personen, Hierbei erlitt er schwere, jedoch nicht lebensgefährliche Verletzungen am Kopfe. Der Kaiser als Pate. * Gelsenkirchen, 17. Juli. Den Eheleuten Valentin Nohrbacher von hier wurde der 7. Sohn geboren, bei dem der Kaiser die Patenschaft übernommen hat. Den Eltern wurde ein allerhöchstes Patengeschenk von 50 Mark überreicht. Co. Missionsfest in Eickel. * Eickel, 17. Juli. Sonntag feierte die ev. Kirchengemeinde Eickel ihr Missionsfest. Im Hauptgottesdienst hielt Pfarrer Geck=Höntrop die Festpeedigt. Am Nachmittag fand im Gemeindehause eineNachversammlung statt. Es wurde von Pfatrer Erdmann eine Ansprache gehalten. Durch Vortrag einiger Lieder trugen der Jünglings= und Jungfrauesverein zur Hebung der Feier bei. Missionar Hering berichtete über seine Erlebnisse auf Sumatra. Das verlorene Armband. Eine Skizze aus dem Seebade von Käte Helmar. „Adieu, Ursel! Sei hübsch artig! Ich muß jetzt baden gehen.“ Frau Selle gab ihrem Kinde, das mit dem Fräulein am Strande spielte, einen Kuß auf die Stirn. „Nimm mich doch mit, Mama,“ bat die Kleine. Aber die junge Frau schüttelte den Kopf.„Kinder müssen nicht überall dabei sein. Du spielst hier mit dem Fräulein, bis ich wiederkomme. Und wenn du nicht unartig warst, darfst du nachher auf die Brücke gehen und uns winken, wenn wir nach dem Boden rudern. Soll ich Onkel Stefan von Dir grüßen?" Sie nickte dem Fräulein und Ursel noch einmal zu und ging fort, ohne Ursels bittenden Blick zu beachten. Fräulein Remus sah ihr einen Moment nach, wie sie durch den weichen Sand schritt, vorsichtig, daß kein Körnchen an die dünnen seidenen Strümpfe kam, die ihre Füße wie leichte Schleier umgaben.... Sie sah gut aus, die junge Frau, in dem kurzen, einfachen Stikkereikleid mit dem kleinen weißen Hut, unter dem das volle blonde Haar glänzte.... Jedesmal nach dem Baden löste Frau Selle es auf— wohl nicht nur, um es in der Sonne trocknen, vielmehr, um seine Tizlanfarbe bewundern zu lassen. Und Stefan Radtkes Maierauge war gewiß empfänglich für solche Schönheit.... Zufällig hatten sie sich hier getroffen— Marianne Remus und er. Sie stammten beide aus derselben Stadt und waren gute Bekannte von früher her. Marianne hatte ihn, der jetzt ein bekannter Landschaftsmaler war, Frau Selle vorgestellt u. die junge Witwe schien es zu verstehen, den Künstler zu fesseln. Täglich kam er an den Strandkorb, brachte der kleinen Ursel was mit, sprach auch mit ihr, der Erzieherin, ein paar liebenswürdige Worte, und dann nahm Frau Selle ihn in Anspruch. Entweder ruderten sie, oder sie gingen in den Wald und Stefan mußte die Hängematte fest machen; oder es wurde eine günstige Stelle für photographische Aufnahmen gesucht; das mußte na türlich der Künstler mit seinem geübten Auge bestimmen, „Fräulein!“— Ursel zupfte sie am Kleide—„warum müssen Kinder nicht überall dabei sein? Drüben die Mama von Hilde und Gerda, nimmt sie immer mit." „Warum? Ja, Mama wiil sich doch hier erholen u. ausruhen. Und wenn du überall mitkommst, muß sie auf dich aufpassen....“ „Aber Sie können ja mitkommen, Fräulein! Gefäll es Ihnen nicht im Familienbade?“ fragte Ursel weiter „Mama will das nicht...“ Sieh mal, Ursel, de drüben fällt unsere Burg schon wieder zusammen. Komm wir müssen fleißig schippen, daß wir den Schaden wie der gutmachen.“ Und während sie mit dem Kinde der Sand zusammenschaufelte, dachte sie wieder daran, wisie das eine Mal mit Frau Selle und Ursel im Familienbabe gewesen war. Die junge Witwe trug einer sehr el.ganten blauseidenen Anzug, der aber für ihre Kör perfülle nicht vorteilhaft war, während Fräulein Remuz in ihrem einfachen schwarzen Trikot, ein türkisches Tuch um die dunklen Haare geschlungen, eine gute Figu machte. Auf Ursels Bitten sprang Marianne vom höch sten Sprungbrett mit Kopfsprung in die See und erregt nicht nur die Bewunderung des Kindes, das vor Ver gnügen in die Hände klatschte, sondern auch Frauk SelleUnwillen, die von ihrem sicheren Platz an der Leine den Fräulein böse Blicke zuwarf. Beim Nachhausewege be kam Marianne einige Sticheleien über auffallendes Be nehmen zu hören— und seitdem wurde Ursel nur noc einmal ins Bad mitgenommen; Fräulein Remus mußt. aber an der Badetreppe warten, bis das Kind heraus kam, um es abzureiben.... „Sind Sie aber eifrig bei der Arbeit, Fräulein Ma rianne! Ich rief und winkte, aber Sie sehen und hörer ja nichts.“ „Ach, Onkel Ravike!“ Ursel begrüßte ihn mit de neugierigen Spannung, die verwöhnte Kinder immer ei nem freigebigen Freunde entgegenbringen. „Sieh mal, was ich für dich habe.“ Er packte eine großen, blanken Eimer aus. „Ei, ist der sein. Danke schön! Darf ich gleich mo Wasser holen, Fräulein?“ Geh nur. Aber schnell wiederkommen!" Ursel trippelte mit Eimer und Schippe davon. „Na, bekomme ich jetzt auch eine Hand zur Begrü ßung, Fräulein Marianne? Es scheint Ihnen sehr un angenehm zu sein, daß ich hier in IhreBurg eingedrun gen bin. Da ist Frau Selle doch viel gastfreier.“ Marianne trieb die Schausel mit ihrem Fuß in der Sand.„Ich habe gar kein Recht, hier gastfrei zu sein sagte sie. Uebrigens erwartet die gnädige Frau Sie drühen im Familienbade.“ „Ich weiß... und nachher soll ich sie rudern, und dann zur Table d’hote begleiten, und dann die Hängematte nach dem Walde tragen usw.... Wissen Sie, Marianne, das ist 2 oder 3 Tage ganz amüsant, aber dann wird's langweilig. Ich bin nicht gerade dankbar, daß Sie mich mit Frau Selle bekannt gemacht habem Viel lieber wäre ich mit Ihnen allein... da hat man sich nun so viele Jahre nicht gesehen und ist hier ein paar Wochen zusammen und hat nichts davon....“ „Das sollten Sie mir nicht sagen, Herr Radtke.“ „Ach was, früher waren Sie bedeutend netter: Und ich freute mich so, als ich Sie hier wiedersah. Aber jetzt heißt es immer: das sollte ich nicht... und das dürfen Sie nicht..... Sie sind wirklich durch und durch Erzieherin!" „Das ist mein Beruf!“ sagte sie kurz. Er blickte sie rasch an, ganz erschrocken, daß sie sich verletzt fühlte.„Fräulein Marianne“, er ergriff ihreHand, „Sie kennen mich doch. Sie wissen ja, wie ich bin... das meinte ich doch nicht böse....“ Einen Moment hielt er ihre Finger. Aber da horchte sie plötzlich auf.„Was ist denn das? Ursel weint. Lassen Sie mich doch los, Herr Radtke! Ursel... Ursel....“ Sie lief dem Kinde entgegen und führte es nach dem Strandkorbe zurück.„Was fehlt dir denn? Hat dich jemand geschlagen?“ Ursel schüttelte schluchzend den Kopf und zeigte auf Ihr Handgelenk. „Tut's da weh?“ fragte Marianne besorgt. „Nein... das Armband... ist weg!“ rief das Kind weinend,„und ich kann's nicht finden.“ „Wenn's weiter nichts ist, Mädel!“ Herr Radtke streicheite ihr den Kopf.„Ich geh's gleich suchen. Wie sah es denn aus?“ „Es war ein ganz einfaches Mosaikarmband aus einzelnen Gliedern, und das Schloß taugte nichts“, sagte Marianne leise.„Frau Selle hatte es Ursel am 1. Tage hier gekauft.“ Stefin nickte und entfernte sich, mit dem Stock im Sande nachspürend. „Wir wollen hier suchen Ursel, vielleicht liegt es aoch in unserer Burg.“ Das Kind war rasch getröstet. Es schippte wieder Afrig neben dem Fräulein, als Frau Selle zurückkehrte und sich gleich in den Strandkorb setzte, um die Zeitung zu lesen. Marianne sah sofort an dem kalten Blick der grauen Augen, daß sie schlechter Laune war. „Hier liegt ja ein nasses Taschentuch, Fräulein. Sie sollen doch darauf achten, daß das Kind die feine Wäsche nicht zum Spielen benützt. Sie achten überhaupt viel zu wenig auf Ursel. Wie sieht sie denn aus! Hast du geweint?" Ursel schluchzte schleunigst, um nicht antworten zu müssen. „Warum hast du geweint?.... Nun, willst du nicht reden?“ „Das Armband... ich hab' das neue Armband verloren.“ „So!“ sagte Frau Selle.„So! Also dazu hab ich's dir gekauft.... Sie passen ja gut auf den Schmuck auf, Fräulein. Na, man macht schon seine Erfahrungen.“ „Wie meinen Sie das, gnädige Frau?“ riefMarianne empört.„Bitte, wie meinen Sie das?“ „Nun, nun, regen Sie sich nicht mehr auf, als die Sache wert ist.“ Der jungen Witwe lag nichts doran sich hier im Bade mit dem Fräulein zu entzweien, wo schwer Ersatz zu finden war,— und sie lenkte wieder ein.„Ursel, du wirst natürlich Nachmittags nicht mit mir in den Wald kommen, sondern am Strand bleiben und suchen, ob du das Armband findest. Wenn du es nicht findest, werde ich dir zur Strafe nicht erlauben, irgendwelchen Schmuck noch zu tragen. Gehen Sie jetzt ins Hotel, Fräulein, und ziehen Sie das Kind um.“ lärfe zum rumanischen vormarsch aut-Soria. Die Ansichten der führenden Diplomaten in der Balkanfrage über die nächsten Absichten Rumäniens gegen Bulgarien gehen sehr auseinander. Während von einer Seite behauptet wird, Rumänien habe mit der Besetzung des Territoriums zwischen der alten Dobrutschagrenze und der Linie Turtukai=Baltschik die militärische Aufgabe seiner Mobilisierung erfüllt, und werde jetzt versuchen, Bulgarien zu veranlassen, sich mit Serbien und Griechenland zu verständigen, um eine Störung des Gleichgewichts auf dem Balkan zu verhindern, sieht man an anderen einflußreichen Stellen einen rumänischen Vorstoß in das Innere Bulgariens voraus. Es haben sich bereits starke rumänische Kräfte in den Gegenden an der Donau versammelt. In Kotscheva, ein wenig nördlich von Weddin und 10 Kilometer donauabwärts in Rachowo haben ansehnliche Truppendetachements die Donau übersetzt und marschieren, wie unsere Karte zeigt, landeinwärts. Es kann kein Zweifel bestehen, daß sie sich an einem Punkte vereinigen und zusammen auf Sofia marschieren werden. Die bulgarische Nordgruppe beginnt Verschiebungen ihrer Kräfte in der Richtung von Sofia. Nach Tisch legten Frau Selle und Ursel sich zur Ruhe. Es war die einzige Stunde am Tage, die Marianne für sich hatte. Sie verließ das Hotel und ging über die Strandpromenade zu Barteimann, der der Pavier= und Buchhändler des Seebades war und zugleich Reiseandenken, Konfitüren und Schmuck verkaufte. Dann schrieb Marianne noch ein paar Karten und kam, als die Stunde um war, in Ursels Zimmer. „Rate mal, Ursel, was ich gefunden habe? Was bekommt der ehrliche Finder?" Das Kind sprang auf Marianne zu.„Was denn, Fräulein? Memn Armband etwa?“. Und als Urs.l das verlorene Schmuckstück in Mariannens Hand sah, hüpfte sie jubelnd im Zimmer herum. „Wo haben Sie es denn gefunden?“ fragte FrauSelle beim Kaffee. „Ganz in der Nähe, gnädige Frau.“ „Mama, jetzt darf ich meine Halskette wieder tragen“, bat Ursel,„und den Ring gibst du mir auch zurück.“ Das Kind war überglücklich. Und als es vom Balkon aus Herrn Radtke kommen sah, winkte es ihm zu. „Onkel Stefan, komm' zu uns. Ich muß dir was erzählen. Schnell, schnell, komm!“ Er beeilte sich, Frau Selle zu begrüßen; Marianne gab er einen Wink mit den Augen, während er Ursel die Hand reichte und sie fragte:„Na, Mädel, was bekommt der ehrliche Hinder?“ „Einen Kuß!“ rief das Kind und fiel Marianne um den Hals. „Na, und ich?“ Stefan nahm ein kleines Pakei aus der Tasche.„Rate mal, was ich gefunden habe.“ Und er legte ein Mosaikarmband in Ursels Händchen. „Wie denn!“ rief Frau Selle höchst erstaunt.„Wo haben Sie denn das her?" „Gefunden natürlich! Gefunden!" triumphierte Herr Radtke.—„In der Nähe des Hauses?“ wurde er gefragt. „Ganz in der Nähe!“ bestätigte er harmlos. „Aber dann... ja dann...“ Frau Selle war grenzenlos empört—„dann haben Sie, Fräulein Remus, ja vorhin die Unwahrheit gesagt. Ich soll doch wohl nicht glauben, daß hier die Armbänder an den Bäumen wachsen.... Bitte, wollen Sie mir Rede stehen?" Marianne war blaß geworden. Ursel hielk beide Armbänder in der Hand und wußte nicht, ob sie sich freuen oder ob sie weinen sollte. „Erlauben Sie, gnädige Frau... es kut mir unendlich leid,“ sagte Herr Radtke, der allmählich die Situation zu begreifen glaubte,„es tut mir schrecklich leid, daß ich durch einen schlechten Witz Fräulein Remus in solche Lage gebracht habe. Natürlich hat sie die Wahrheit gesagt, und ich die Unwahrheit. Ich habe nämlich, als ich sah, wie unglücklich Ursel über den Verlust war, das Armband gekauft... und hatte natürlich keine Ahnung, daß....“. Jetzt erhob sich Marianne. Sie wollte sich nicht beschamen lassen.„„ 4—. Gm:He mich hof „Bitte, Herr Raotle, geben Sie sich keine Muhe, mich bei der gnädigen Frau zu entschuldigen. Sie haben die Wahrheit gesagt und das Armband gefunden, während ich die gnädige Frau täuschte und bei Bartelmann ein Mosaikarmband kaufte, genau so, wie Ursel es besessen hatte.“ „Ja, dann... dann...“ Frau Selle war so entrüstek, daß sie keine Worte mehr fand. „Dann haben wir also beide geschwindelt, gnädige Frau, und wenn Sie Humor hätten“— Radtke lachte herzlich—, „würden Sie Ursel vielleicht noch so ein Ding kaufen.“ Die schöne Frau drehte dem Maler ungnädig den Rücken zu.„Es ist selbstverständlich, Fräulein Nemus,“ wandte sie sich an Marianne,„daß Sie noch heute von mir entlassen werden. Ich habe nicht Lust, bei meinem Kinde eine Erzieherin zu lassen, die mich absichtlich täuscht. Hierher, Ursel!“ Sie riß das Kind an sich, das weinend des Fräuleins Hände festhalten wollte.. Pesem uns Marianne kniete in ihrem Zimmer vor dem Koffer und packte ihre Sachen, als es anklopfte. „Herein!“, rief sie, ohne umzublicken. „Darf ich auch wirklich herein?“ hörte sie Stefans Stimme hinter sich.„Ich habe Ihnen da eine schöne Geschichte eingebrockt. Sind Sie sehr böse?“ Marianne schüttelte den Kopf. „Nicht? Aber ich habe Sie doch um eine einträgliche Stellung gebracht. Ich habe mir das hin und her überlegt, wie ich das wieder gut machen kann.... Wenn ich Kinder hätte, Marianne, würde ich Sie gleich zu mir nehmen als Entschädigung.... Aber so— was machen wir nun?“ Sie sah auf, und als sie seinen lachenden Mund und die blinkenden braunen Augen erblickte, mußte sie mitlachen.„Ich weiß wirklich nicht“, sagte sie. delte sich um ein Schmuckstück— und zur schleunigen Abreise gezwungen hatte. Aber trotzdem sind Stefan und Marianne ein glückliches Baar geworden. des mit Vermischtes. Den neuen Rekordflug=Paris=Berlin.—.—, französischen Fliegers Letort besingt„Peter“ im„Tag“ folgenden Strophen: Was man von Letork gelesen, Das ist noch nicht dagewesen. Stutzig melden's alle Blätter. Donnerwetter. Kaum neun Stunden von Paris Nach Berlin— begreifen Sie's? Pfeilschnell durch die Wolkenbrandung Saust er ohne Zwischenlandung. Die zwei Städte(glaubt's dem Seherll Rücken sich nun täglich näher. Wenn man's hört, wird einem schwül, Dunnerkiel. „Am Ende geht es auch so“, schlug er vor.„Meinen Sie nicht, daß wir ganz gut zusammen passen? Zu schwindeln verstehen wir jedenfalls einer so schlecht wie der andere. Und wenn Sie besonderen Wert darauf legen, Ihr ganzes Leben lang Kinder zu erziehen... das ließe sich alles arragieren— mit Liebe und in Güte.“ Marianne hielt ihm den Mund zu.... Als Stefan und Marianne nach einer Stunde das Hokel verließen, waren alle Gäste bereits davon unterrichtet, daß Frau Selle diese abgefeimten Schwindler entlarvt— es hanBürger, Mensch und Untertan! Fährt nicht uns're Straßenbahn Von Neukölln zum Hall'schen Tor Beinah länger als Letort? Frankreich, Bombenelemenk, Das man meist„entartet“ nennk, Ist doch in der Wolkenzone Nicht ganz ohne... Ein amerikanisches Geschäft. Aus Newyork wird berichtet: In den Ortskarzer von Cuthing(Oklahoma) wurde vor einigen Tagen ein Stromer eingeliefert, der sich der„unordentlichen Aufführung“ schuldig gemacht hatte. Gegen Abend brachte der Stadtmarschall eine von ihm konfiszierte Kiste Kornschnaps und stellte sie in den einzigen Raum des Gefängnisses, wo der Stromer logierte. Der Bitte des letzteren, ihm eine Herzstärkung aus der Kiste zu gewähren, setzte der Beamte Hohnlachen entgegen und legte der größeren Sicherheit halber den Deckel derselben noch mit einem Vorhängeschloß fest. Der Stromer sann nun auf Mittel, wie er doch zu dem Trunk kommen könne, und entdeckte schließlich einen rostigen Nagel, mit dem er an dem Schloß herumarbeitete. Es gelang ihm schließlich auch, die Kiste zu öffnen und sich nach Herzenslust zu erquicken. Einen an dem Gitterfenster des Karzers Vorübergehenden teilte er dann mit leiser Stimme mit, er habe eine famose Sorte Kornschnaps, die er geneigt sei, zu einem Dollar per Flasche abzugeben. Cushing ist ein arges Prohibitions nest(d. h. es besteht ein gesetzliches Alkoholverbot mit strenger Praxis), und da kann es nicht wundernehmen, daß sich in der Dämmerstunde allerlei Gestalten an das Fenster schlichen, ihre Flasche Schnaps entgegenzunehmen und den verlangten Dollar bezahlten. Als der Stromer später Kasse machte, entdeckte er, daß er fünfzig Dollar eingenommen hatte. Die Kiste wurde von ihm sorgfältig wieder verschlossen. Am anderen Morgen brachte der Stadtmarschall den Stromer vor den Richter, der ihn zu zehn Dollar Strafe verurteilte. Als der Gefangene diesen Beitrag prompt erlegte, schöpfte der Stadtmarschall Verdacht und eilte zurück ins Gefängnis, wo er das Verschwinden des Schnapses entdeckte. Der Stromer aber hatte sich inzwischen„verspurlost“, wie deutsch=amerikanische Blätter so schön zu sagen pflegen. Man verlange wenn man die besten Fabrikate haben will, stets solche, die sich seit Jahren bewährt haben. Nachahmungen, besonders in ähnlichen Packungen, weise man im eigensten Interesse zurück. 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S. 519) wird hierdurch mi tGenehmigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten für den Umfang des Regierungbezirkes Arnsberg folgendes bestimmt: S 1 Für die im Besitze von Viehhändlern befindlichen Schweinebestände müssen beim Handel außerhalb des Ortes der gewerblichen Niederlassung des Händlers oder, wenn dieser eine gewerbliche Niederlassung nicht begründet hat, außerhalb seines Wohnortes Gesundheitszeugnisse, aus denen die Gesundheit des ganzen Bestandes ersichtlich ist, beigebracht sein, bevor aus den Beständen Schweine veräußert oder sonst entfernt werden. Ferner müssen die Schweine, falls sie mit der Eisenbahn befordert worden sind, bei der Entladung amtstierärztlich untersucht werden. Sie dürfen von der Entladestelle nicht entfernt werden, bevor die Untersuchung stattgefunden hat und eine Gesundheitsbescheinigung ausgestellt ist. Ausnahmsweise darf die Untersuchung mit Zustimmun des beamteten Tierarztes bis nach der Entladung und nach Entfernung der Tiere von der Entladestelle ausgesetzt werden, alls die Untersuchung innerhalb der von der Eisenbahnverwaltung gestellten Entladefrist oder vor Ablauf des Ankunftstages nicht möglich ist, und falls die Schweine in abgesonderten Stallungen in der Nähe des Bahngeländes untergebracht werden können. Vor Ausführung der Untersuchung darf alsdann kein Schwein aus dem Transporte aus den Stallungen entfernt oder mit anderen Schweinen in Berührung gebracht werden. Dem beamteten Tierarzt sind in diesem Falle der Frachtschein und etwaige sonstige Begleitpapiere vorzulegen. Für die Gesundheitszeugnisse und ihre Gültigkeitsdauer gelten die Vorschriften der§§ 16—19 der viehseuchenpolizeilichen Anordnung des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vom 1. Mai 1912(Reichs= und Staatsanzeiger Nr. 105 von demselben Tage). Der Beibringung von Gesundheitszeugnissen bedarf es nicht, wenn die Veräußerung der Schweine auf einem unter tierärztlicher Kontrolle stehenden Markte stattfindet. Auf Schweine, die zur alsbaldigen Abschlachtung bestimmt, finden die vorstehenden Vorschriften keine Anwendung. S 2. Die Kosten der Gesundheitsscheine und der Untersuchungen fallen den Viehhändlern zur Last. § 3. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen unterliegen den Strafvorschriften des§ 76 des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909. § 4. Diese Anordnung tritt sofort in Kraft. Gleichzeitig wird die Landespolizeiliche Anordnung, betreffend den Handel und Verkehr mit Schweinen vom 28. Januar 1910— 1 14 Nr. 1598— Extra=Beilage zum 6. Stück des Amtsblatts nebst Gebührenordnung vom 15. März 1910— 1 14 Nr. 343 A.=Bl. St. 12— aufgehoben. Arnsberg, den 15. Februar 1913. Der Regierungspräsident: I. 14 Nr. 132. gez. v. Bake. Die Festsetzung der Höhe der von den Viehhändlern zu entrichtenden Vergütungen für die Vornahme der Untersuchungen und für die Ausstellung der Gesundheitszeugnisse wird der freien Vereinbarung überlassen. Falls eine Vereinbarung nicht erzielt wird, können die beamteten Tierärzte oder ihre Vertreter die nachstehenden Gebühren erheben: I. Für die am Wohnorte des Tierarztes in einer Entfernung von weniger als 2 Kilometer vom Wohnort stattfindenden Untersuchungen einschließlich der Ausstellung der Gesundheitsbescheinigungen. bei einem Bestande von 1—25 Stück Schweinen— 2 M. „„ 26—50„"—3„ „„ 51—75„„— 4„ „„ 76—100„„— 5„ bei mehr als 100 Stück— 6•„ II. Für die Untersuchungen in einer Entfernung von mehr als 2 Kilometer vom Wohnorte des Tierarztes einschließlich der Ausstellung der Gesundheitsbescheinigungen sind neben den zu I angeführten Gebühren die gesetzlich den Kreiskierärzten zustehenden Fahrkosten zu entrichten. IlI. Erreichen im Falle der Ziffer II die für einen Untersuchungstag insgesamt zu bezahlenden Gebühren nicht die Höhe des gesetzlichen Tagegeldsatzes, so sind die Untersuchengen berechtigt, anstelle der Gebühren die Entrichtung des Tagegeldes zu verlangen. IV. Werden auf einer Reise mehrere Viehbestände untersucht, so sind die Reisekosten auf die einzelnen Zahlungspflichtigen nach Maßgabe der Zahl der untersuchten Tiere zu verteilen. V. Der Höchstbetrag der von einem Tierarzte für die Untersuchungen erhobenen Gebühren darf den Satz von 40 Mark für den ganzen und 25 Mark für den halben Tag nicht überschreiten. Gegebenenfalls sind die Gebühren in gleicher Weise wie die Reisekosten auf die einzelnen Viehbesitzer zu verteilen. Als halber Tag ist die Dauer bis zu 6 Stunden einschließlich der aufgewandten Fahrzeit zu rechnen. VI. Die Gebühren für die gelegentlich der Beaussichtigung von Schweinemärkten erfolgten Ausstellung eines Gesundheitszeugnisses für Marktschweine betragen für eine Anzahl von 1 bis 25 Stück 1,— M " 26„ 50" 1,50 M „ 51„ 100" 2.— M für mehr als 100„ 3.— M“ Arnsberg, den 15. Februar 1913. Der Regierungspräsident: I. 14 Nr. 132. gez. v. Bake. Wird hiermit veröffentlicht. Wattenscheid, den 8. Juli 1913. Die Stadt=Polizei=Verwaltung: Der Bürgermeister. I. V.: Der Beigeordnete: Kampmann. Aus Anlaß des Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers und Königs sollen sämtliche in der Stadt Wattenscheid wohnende Kriegsveteranen aus städtischen Mitteln einen Ehrensold von je 20 Mark ausgezahlt erhalten. Diejenigen Veteranen, welche den hiesigen Kriegervereinen und dem Veteranenverein nicht angehören, und zu obigem Zwecke durch diese Vereine noch nicht nach hier zur Meldung gelangt sein können, werden hierdurch aufgefordert, binnen längstens acht Tagen sich auf Zimmer 25 des Rathauses unter Vorlage des Militärpasses oder sonstiger Ausweise über die Feldzugsteilnahme in die dort aufliegende Liste eintragen zu lassen. Kriegerund Veteranenvereinsmitglieder werden durch ihre Vereine zur Anmeldung gebracht. Wattenscheid, den 10. Juli 1913. Wibberding. Präparate— von Aerzten selbst gebraucht und verordnet— konzentr. Reinkulturen. Diätetisches Mittel I. Ranges zur Reinigung der Säfte, zur Ausrottung der schädl. Magen- u. Darmbakterien, vorzügl. wirks. bei Magen-u.Darmstörungen.— V.-Tabieilen rooSt.—5pout. V. Fermenl u.Müich 2.50 Mk. (ausreichend 8 Monate). In Wattenscheid bei: GermaniaApotheke, Hochstr. 54. 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