Nr. 162. (1. Blatt.) Mittwoch, den 16. Juli 1913. 708 45. Jahrgang. (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, pegränbet 1998 unsernsenernennennenenrenenen : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet# : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). (Neuefte Nachrichten.) in Stadr und Amt 2 Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheld, Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Terminzusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Jahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfalkunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telgr=Abr: Zeitung Teleson 181. Rotaktonsduck und Verlag Canl Busch verantn. Redakteur Vernhacd Scholten, beitbe Watenschei, Potscheckt=Kto Köh 85ch. Wetteraussichten. Wetter für Donnerstag: Zweifelhaft, zeitweilig Regen, kühl. Feuer. Aus Stadt, Amt und Kreis. * Wattenscheid, 16. Juli. Personalien vom Bürgermeisteramt. * Am morgigen Tage wird der zum Bürgermeister von St. Vith gewählte Stadtsekretär Bongaertz aus den Diensten der Stadt Wattenscheid ausscheiden, um nach seinem neuen Wirkungskreis überzusiedeln. Die besten Wünsche begleiten ihn. Die städtischen Beamten haben dem von ihnen hochverehrten Kollegen als Andenken ein Diplom mit Widmung in Form eines Gedichtes überreicht. Als Nachfolger des Bürgermeisters Bongaertz als Leiter der städtischen sozialpolitischen Abteilung wurde Versicherungsamtssekretär Bücken aus Stolberg(Rhld.) berufen und zum stellvertretenden Amtsanwalt Polizeikommissar Poguntke ernannt.— Verwaltungsgehülfe Lüning von hier geht in gleicher Eigenschaft an das Bürgermeisteramt in Recklinghausen. Berggewerbegericht. * Der Gewerbeminister hat unter dem 24. Juni er. einen Nachtrag zu den Anordnungen über die Verfassung und die Tätigkeit des Berggewerbegerichts zu Dortmund erlassen. Wir veröffentlichen den Nachtrag im Anzeigenteil der heutigen Nummer. Derselbe bringt mehrere wichtige Abänderungen. Hauptübung der Feuerwehr. * Gestern abend rückte der 1. Löschzug unserer Fe wehr bei zahlreicher Beteiligung aus, um am Steigerturm auf dem alten Marktplatze eine Hauptübung vorzunehmen. Es wurden zunächst Schulübungen ausgeführt, denen dann ein schneidiger Sturmangriff folgte. Alle Uebungen, die auch das größte Interesse der zahlreichen Zuschauer fanden,„klappten“ vorzüglich und fielen so zur vollen Zufriedenheit des Leiters, Brandmeisters Schürmann aus. Nach der Uebung vereinigten sich die wackeren Wehrmänner in Restaurant Kog zu einem Glase Bier. Für Schneiderinnen. * Für Schneiderinnen und Putzmacherinnen findet heute abend 7 Uhr wiederum eine Versammlung im Kochschen Saale statt. Es handelt sich um die Veranstaltung eines Kursus zur Vorbereitung auf die Meisterinnenprüfung. Der Schaufensterwettstreit abgelehnt. * Der Verein selbständiger Gewerbetreibender für den Amtsgerichtsbezirk Wattenscheid hielt gestern Abend im Vereinslokal Centralhof (Kesten) die Monatsversammlung ab, die bei ziemlich gutem Besuche vom 1. Vorsitzenden Otto Kordt geleitet wurde. Nachdem der Schriftführer, Kaufmann Hr. Schmidt, die Protokolle der beiden letzten Sitzungen verlesen hatte und diese genehmigt waren, trat man in die Tagesordnung ein. Der Vorsitzende berichtete zunächst über die letzte Tagung der kaufmännischen Vereine des Handelskammerbezirks Bochum, die am 26. Juni in Bochum stattfinden sollte, wegen schlechten Besuches aber erst am 9. Juli in Wanne abgehalten wurde. An dieser letzten Sitzung nahm auch der Vorsitzende Kordt teil. Unsere Redaktion kann sich die Wiedergabe des Kordt'schen Referats ersparen, das mit großem Interesse entgegengenommen wurde, da wir bereits ebenfalls darüber unsere Leser orientiert haben. Zu der voraussichtlich in Witten stattfindenden Generalversammlung der Vereinigung, für die der Sonntag, 20. er. in Aussicht genommen ist, delegierte der Verein die Mitglieder O. Kordt, Hr. Schmidt. L. Spiro und Eichenwald. Es ist aber erwünscht, daß auch sämtliche Mitglieder mit Damen an dieser jedes Jahr so bedeutsamen kaufmännischen Tagung teilnahmen. Ferner wurde die Eingabe des Kaufmanns S. Habermann betr. Verbesserung der Gerichtsvollzieherordnung erörtert. Wie wir früher schon mitteilten, ist es u. A. dringend erwünscht, daß bei Pfändungen der Gläubiger das Recht erhält, bei den Pfändungen zugegen zu sein zur Unterstützung des Gerichtsvollziehers und zur persönlichen Wahrnehmung seiner Interessen. Auch die für die Pfändung eingesetzten Fristen sollen besser festgelegt werden. Der Verein beschloß einstimmig, die Eingabe an den Verband der kaufm. Vereine für den Handelskammerbezirk Bochum zur Beratung und Bearbeitung weiter zu geben. Sicherlich wird man durch die Eingabe erreichen, daß die gesetzgebenden Körperschaften Mittel und Wege finden, den Vermögensschiebungen und„gesetzlichen Einrichtungen“ so vieler Schüldner endlich wenigstens in etwa Halt zu bieten.— Nunmehr gelangte der vielerörterte Fensterwettstreit zur eingehenden Diskussion. In 1stündiger Debatte wurde das Pro und Contra beraten. Zunächst wurde von einem Gegner des Schaufensterwettbewerbs geltend gemacht, daß diese schon deshalb überflüssig seien, weil die Wattenscheider Geschäftswelt auch ohne einen solchen Wettstreit das ganze Jahr ununterbrochen gleichsam schon einen Wettstreit habe dadurch, daß die Fenster stets erstklassig dekoriert seien und bereits die große Leistungsfähigkeit der Wattenscheider Geschäfts=Inhaber deutlich illustrierten. Mit den in dem gestrigen Eingesandt der Wattenscheider Zeitung als Vergleich herbeigezogenen Kongressen habe ein Schaufenster=Wettstreit nichts zu tun; die hiesige Geschäftswelt sei nicht dazu da, den auswärtigen Kongreßteilnehmern durch Blumen und Dekorationen etwas zu bieten, wovon sie sich, zumal an Sonntagen, den Tagen der Kongresse, keinen Vorteil versprechen könne: Es werde erfahrungsgemäß aus solchen Wettstreiten nicht gekauft. Die Schaufensterwettstreite seien überall im Absterben begriffen. Sie hätten dort, wo sie durchgeführt worden wären, vielGeld gekostet ohne einen Pfennig Nutzen. Demgegenüber bekonten die Anhänger der Wettstreite, daß der ideelle Wert derselben nicht zu unterschätzen sei: 1) werde auch bei Schaufensterwettstreiten bereits viel gekauft, zumal sie sich nicht auf Sonntage, sondern auf mehrere Wochentage und möglichst auch auf einen verkauffreien, nicht gesetzlichen Feiertag erstrecken müßten; 2) zeige sich die erhöhte Kauflust ja auch noch lange nach demWettstreit. Man hebe dadurch den Ruf der Stadt und ihrer Kaufmannschaft, ziehe aus der weitesten Umgebung das kaufende Publikum her und halte es auf diese Weise von den Großstädien fern. Erhebliche Kosten brauchten nicht verursacht zu werden, da, wie die Gegnerschaft ja ausdrülich zugebe, auch ohnehin die Fenster schon stets bestens dekoriert seien. Der gesamte Kaufmannsstand in dem benachbarten Steele habe den Wettstreit mit größtem ideellen und finanziellen Erfolg veranstaltet. Der Vorsitzende regte dann noch an, zur tatsächlichen Feststellung über den Wunsch der hies. Kaufleute bezüglich des etwa zu veranstattenden Wettstreites eine Rundfrage zu veranstalten, eine Art persönliche Abstimmung, die dann grundlegend sein solle. Mit knapper Majorität wurde jedoch diese Enquete wie auch die Veranstaltung des Wettstreites durch den Gewerbeverein abgelehnt.(Unsere Redaktion möchte noch zu den Darlegungen des Wettstreitgegners über das gestrige Eingesandt erwidern, daß in diesem gar nicht die Rede davon ist, daß die Wettstreite dazu dienen sollten, die Kongreßbesucher zu bewillkommnen durch Blumen und sonstige Ausschmückung; es heißt nur, daß die Kaufmannschaft, nachdem die Kongresse hier so schönen Erfolg erzielt hätten, nun auch ihrerseits durch Wettstreite in den Schaufenstern zur Hebung des Namens Wattenscheid in ihrem eigensten Interesse beitragen sollte. Auf jeden Fall plant man in Steele die Wiederholung des so großartig verlaufenen Wettbewerbs, der von weither enorme Summen Geldes den Steeler Kaufleuten zugeführt hat.)— Als weiterer Punkt des Abends kam sodann der Antrag der Handelskammer Bochum zur Beratung, worin auf Wunsch des Kleinhandelsausschusses gebeten wird um Stellungnahme zur Frage der fakultativen Prüfung kaufmännischer Lehrlinge. Auch hier war man zunächst geteilter Meinung. Die Gegnerschaft der Prüfung machte geltend, diese sei bei der Verschiedenartigkeit der kaufmännischen Gewerbe kaum durchführbar. Zum Schluß brach sich jedoch einstimmig die Meinung durch, daß man die Einführung der kaufmännischen Lehrlingsprüfung bei der Handelskammer befürworten will; auch im Handwerk sei trotz der Verschiedenartigkeit der Gewerbe die Lehrlingsprüfung von größtem Segen. Die Prüfung sei überall ein Ansporn für Lehrling und Prinzipal.— Nunmehr erstattete der Vorsitzende den eingegangenen Bericht des Vereins zur Schiffbarmachung der Ruhr, den unsere Zeitung heute an anderer Stelle bringt. Weiter wurden noch die Einzelheiten des heute nach Nierenhof und der Schulenburg stattfindenden Vereinsausflugs besprochen. Auch wurde der früher schon generell gefaßte Beschluß betr. Beisteuer zu dem vom Hausbesitzerverein amHauptbahnhof Gelsenkirchen errichteten Aushängeschild bestätigt. Bezüglich der Kommunalen Straßenbahn wurde eine Eingabe beschlossen, wonach an den beiden Markttagen Dienstag und Freitag morgens der 10 Minutenverkehr wieder eingeführt werden soll für die Strecke Hordel=GünnigfeldWattenscheid=Höntrop. Die Erfüllung dieses Wunsches läge allerdings sehr im Gesamtinteresse. Ebenso wurde die Beleuchtung der WattenscheiderHauptstraßen beredet. Ein anwesender Stadtverordneter konnte jedoch mitteilen, daß die Gaskommission auf Antrag des Bürgermeisters bereits vor längerer Zeit die Verbesserung der Beleuchtung für verschiedene Stellen beschlossen habe. Zum Schluß wurde noch dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß der Vorstand nunmehr auch für den Bau der elektrischen Bahn Wattenscheid=Leithe und die Pflasterung des vorderseitigen Teiles des alten Marktplatzes eintrete; letzteres sei speziell für das auf dem Markt kaufende Publikum von Wert. Auch die Kommunal=wirtschaftt. Vereinigung möchte sich dieser Angelegenheit annehmen. Bezirkskonferenz christlicher Vergarbeiter. * Man schreibt uns: Die Generalversammlung des Gewerkvereins christl. Bergarbeiter beschloß in Aachen eine Erhöhung der Wochenbeiträge. Wie sehr diese Beschlüsse bei den Mitgliedern Anklang finden, zeigte die Bezirkskonferenz des Gelsenkirchener Bezirks, welche am Sonntag, d. 13. Juli, in Gelsenkirchen stattfand. Hauptpunkt der Tagesordnung war die Beitragserhöhung. Es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heute im Ruhrtal=Restaurant Gelsenkirchen von 200 Delegierten besuchte Bezirkskonferenz des Bezirks Gelsenkirchen spricht der letzten Generalversammlung ihre Genugtuung darüber aus, daß sie die Beiträge erhöht hat, in der Weise, daß in sabsehbarer Zeit keine Erhöhung derselben mehr notwendig ist. Durch die Erhöhung der Beiträge wird der Gewerkverein christl. Bergarbeiter wesentlich gestärkt in seiner Stoßkraft dem kapitalkräftigen Unternehmer gegenüber, anderseits aber auch das Schlagwort der Roten aus der Welt geschafft, daß wir den gelben Gewerkvereinen nahe ständen.“— Die Zahlstelle Holsterhausen bei Wanne beschloß in ihrer Versammlung einstimmig, den freiwilligen Wochenbeitrag von 1 Mark zu zahlen. Ausflüge der Gymnasialklassen. * Heute unternehmen sämtliche Gymnasialklassen unter Führung der Ordinarien einen Tagesausflug, der Lehrer und Schüler teilweise ins Sauerland, zum Teil zum Niederrhein oder in die benachbarte Ruhrlandschaft führt. Das Wetter, welches in den letzten Tagen wieder recht unbeständig war, scheint den Ausflüglern günstig zu sein. Langjährige Zuchthausstrafen für eine Diebesbande. * In der Zeit von November 1911 bis Februar 1912 wurden in und um Gelsenkirchen und Bochum herum zahlreiche Diebstähle in Pfarrhäusern und Apotheken, sowie bei Aerzten und Wirten ausgeführt. Der Bochumer Kriminalpolizei gelang es, den Dieben auf die Spur zu kommen und sie festzunehmen. Diese sind, soweit die anderer Gerichte in Frage kommt, bereits abgeurteilt worden. Gestern hatte sich die Diebesgesellschaft wegen der im Land. gerichtsbezirke Essen begangenen Diebstähle zu verantworten. Auf der Anklagebank saßen der Bergmann Karl Woltmann aus Bochum, der Bergmann Franz Jeusfeld aus Wattenscheid, der Schmied Heinrich Feger aus Gelsenkirchen, der Bergmann Peter Weber aus Bochum, der Bergmann Heinrich Abt aus Essen, der Bergmann Emil Dahlbeck aus Bochum und der Bergmann Albert Mieloch aus Herne. Als 8. war der 17jährige Arbeiter Karl Berning aus Recklinghausen, jetzt Fürsorgezögling in Wettringen, angeklagt, der der Hehlerei beschuldigt ist. Es waren mehr als 30 vollendete und versuchte Diebstähle festzustellen. Das Urteil lautete bei Woltmann auf 12 Jahre Zuchthaus, unter Einrechnung einer rechtskräftig erkannten Zuchthausstrafe von 8 J.; bei Jeusfeld auf 10 Jahre Zuchthaus, die in eine rechtskräftige erkannte Zuchthausstrafe von 15 Jahren eingerechnet werden; bei Feger auf 5 Jahre Zuchthaus, unter Einrechnung einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren; bei Weber auf 4½ Jahre Zuchthaus unter Einrechnung von 4 Jahren drei Monaten Zuchthaus; bei Abt auf 3 Jahre Zuchthaus; bei Dahlbeck auf eine Zusatzstrafe von 3 Monaten Gefängnis; bei Mieloch auf 6 Jahre Zuchthaus unter Einrechnung einer Zuchthausstrafe von 3 Jahren; bei Berning auf 1 Monat Gefängnis. Freigelassen und wieder verhaftet. * Wir berichteten gestern von der in Hamburg erfolgten Verhaftung des 16jährigen Apothekerlehrlings Schlösser aus Schonnebeck, welcher bei dem Uhrmacher Hoffmann (Nottebaum Nachf.) in der Nordstraße 200 M Bargeld und einen Brillantring im Werte von 300 A sowie andere Sachen gestohlen hatte. Der jugendliche Dieb wurde in Hamburg aus noch nicht bekannten Gründen wieder auf freien Fuß gesetzt, mit Geldmitteln versehen und nach Essen abgeschoben. Schlösser war nämlich vollständig mittellos und hatte bereits das ganze Geld„verpulvert“ und die übrigen gestohlenen Wertsachen verkauft, den wertvollen Ring für nur 10 J. In Essen wurde aber der vielversprechende Bursche auf Veranlassung der Wattenscheider Polizei„liebevoll“ in Empfang genommen und abermals hinter die„schwedischen Gardinen" gesetzt. Verhaftungen und Anzeigen. * Der Bergmann C. wurde festgenommen, der vor eintgen Tagen bei einer Schlägerei seinen Gegner mit einem Gummischlauch verprügelte und ihn erheblich verletzte.— Ferner mußte heute morgen ein Mann wegen sinnloser Trunkenheit ins Polizeigewahrsam gebracht werden.— Zur zeige gelangte eine Frau, welche in der Hohenzollernschule Kleidungsstücke der Kinder zu stehlen versuchte. Patriotische Feier in Sevinghausen, * Sevinghausen, 16. Juli. Am nächsten Sonntag wird in unserer Gemeinde aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers und des Stifttungsfestes des Krieger= und Landwehrvereins eine große patriotische Feier stattfinden, wie sie imposanter unsere Gemeinde wohl noch nicht gesehen hat. Das Fest, welches von dem Kriegerverein in mustergültiger Weise vorbereitet ist, wird am Samstag abend durch einen Fackelzug mit Ansprache auf dem Schulhofe eingeleitet, an dem sich sämtliche hiesige Vereine beteiligen. Auch Männer, die keinem Verein angehören, können an dem Fackelzuge teilnehmen. Für Sonntag sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: Festzug und sodann im Schwartmannschen Saale Konzert unter Mitwirkung des Gesangvereins„Lebenslust“. Nach den Vorbereitungen zu schließen, dürfte sich die ganze Feier zu einer allgemeinen und glänzenden Volksfeier gestalten. Tödlicher Betriebsunfall. * Gelsenkirchen, 16. Juli. Auf Zeche„Consolidation“, Schacht 1-4, geriet der Bergmann Joseph Plewtnoldang Heßler unter herabfallendes Gestein und wurde getötet. — — 1 6 Ferdinand in Gefahr. Kein Volk, und sei es noch so nüchtern und besonneu, vermag einen so jähen Umschwung seiner Schicksale, wie er den Bulgaren im Verlauf nur weniger Tage beschieden war, mit Gleichmut zu ertragen. Gestern noch wiegte die Regierung in Sofia das Volk in den Glauben, das Heer und seine Führer seien stark genug, um den Griechen und Serben zugleich die Stirn zu bieten, und seine Staatsmänner überlegen genug, um gegen die Allianz aller Balkanvölker den Anspruch auf die bulgarische Hegemonie durchzusetzen. Und heute? Die so lange geleugneten Erfolge der Griechen erweisen sich mit einem Mal als vernichtende Siege, die auch den anfangs minder glücklichen Serben dazu verhalsen, das vom Süden bedrohte bulgarische Heer aus der Offensive in eine kaum mehr haltbare Verteidigungsstellung zu drängen. Nichts bleibt übrig von den hochgespannten Erwartungen, die das Volk aus der trotzigen Zuversicht schöpfen mußte, mit der Geschows Nachfolger, der vielgeschäftige Danew, der in London, Petersburg und Bukarest Bulgariens Wortführer war, alle Vermittlungsvorschläge der Rumänen und alle Vorsichtsmahnungen der Großmächte zurückgewiesen hatte. Während kein bulgarischer Soldat mehr auf feindlichem oder auch nur auf umstrittenem Boden steht, sind die Rumänen über die Donau ins Land eingebrochen, sie besetzen den ganzen Raum Turtukaj— Dobritsch—Baltschik, ohne daß ein bewaffneter Arm sich gegen sie erhöbe. Welche Demütigung für dieses tüchtige Bauernvolk, das sich durch harte und emsige Arbeit aus der Vernachlässigung türkischer Stiefuntertanen nicht nur zur Selbständigkeit, sondern zu wohlgesicherter wirtschaftlicher Macht emporgemüht hat, das sich ein mustergültig organisiertes, von ernster Zucht gestrafftes Heer geschaffen und dessen bedeutende Strategen den ganzen Plan des Feldzuges ersonnen haben, der die Türkenherrschaft in Europa in wenigen Wochen zusammenbrechen ließ. Nun sollen sie, die Führer im großen Befreiungskampf, sich von den andern, die sie erst zur Tat entflammen mußten, wehrlos und ins Mark getroffen, die Bedingungen diktieren lassen, nach denen die große Beute verteilt werden soll. Die Rumänen, mit denen man solange um den Besitz Silistrias gefeilscht hat, haben die kleine Besatzung dieses festen Platzes entwaffnet und denken heute nicht mehr daran, sich mit der Bewilligung ihrer ursprünglichen Ansprüche zufrieden zu geben. Mit Recht wird man sich in jedem bulgarischen Dorf fragen, wie ein solches schreiendes Mißverhältnis zwischen den Opfern am Gut und Blut und diesem endlichen Erfolge möglich war. Die Bulgaren, diese bis zum Mißtrauen vorsichtigen Realisten, werden es den jetzt verantwortlichen Männern als ein todeswürdiges Verbrechen anrechnen, daß sie so sehr das Augenmaß für die eigene Kraft verloren haben, und anstatt eine erträgliche Verständigung mit den Neidern und Gegnern zu suchen, die ihnen angeboten wurde, sich in ein kriegerisches Abenteuer stürzten, dem sie nicht gewachsen waren. In Sofia fragt man schon laut nach den Schuldigen, so laut, daß die Regierung, wenn man den Nachrichten aus Bukarest glauben darf, fast alle Zeitungen unterdrückt hat. In der rumänischen Hauptstadt hat man heute ein Interesse daran, die Verfassung Bulgariens noch trostloser erscheinen zu lassen, als sie schon ist. Dennoch spricht vieles dafür, daß die Erzählungen von Unruhen in Sosia nicht aus der Luft gegriffen sind. Es ist nur begreiflich, daß der Volkszorn sich gegen Danew, den früheren Vorsitzenden der Sobranje und jetzigen Ministerpräsidenten, weidete. Es wird berichtet, daß es zu Zusammenrottungen vor den Ministerien gekommen ist, und die Polizei kaum mehr imstande ist, die verzweifelten Massen, die das Schlimmste noch kaum erfahren haben, im Zaume zu halten. Und König Ferdinand? Er liegt, so wird erzählt, von Aufregungen krank darnieder. Der kluge Coburger, der sich durch 100 Krisen und Widerstände mit leiser aber umso eindringlicher Energie hindurchgewunden hat, kennt seine Bulgaren zu gut, um von ihnen Dank für seine an staatsmännischen und wirtschaftlichen Früchten, an Anregungen und erzieherischen Werten wahrhaftig nicht armen 26jährigen Regierungsarbeit zu erwarten. Er weiß, daß man die Sünden Danews zu seinen eigenen Sünden machen wird. Zu sehr hat er sich in der letzten Zeit mit der Persönlichkeit Danews identifiziert und es ist noch sehr fraglich, ob er dies tat, weil er seinen heute kaum faßbaren überschwänglichen Optimismus teilte oder weil er gegen seinen überragenden Einfluß und seine Volkstümlichkeit so wenig ankämpfen konnte, daß es ihm nicht gelang, ihn noch rechtzeitig durch einen selbst besser beratenen Ratgeber zu ersetzen. Man kann von der erprobten Geschicklichkeit Ferdinands erwarten, daß er jetzt für Bulgarien und damit auch für sich und sein Haus retten wird, was noch zu retten ist. Vielleicht glückt es ihm, ein Konzentrationsministerium zustande zu bringen, das in diesem Augenblick schwerer nationaler Not die Verantwortung auf sich nimmt, um aus den militärischen und diplomatischen Mißerfolgen die Konsequenzen zu ziehen, und das Ansehen genug hat, um diese traurigen Staatsakte vor dem Volke zu vertreten und zu rechtfertigen, vielleicht auch Kraft genug, um vor die Person des Zaren zu treten und den Schild seiner Verdienste vor ihn zu halten. Minder erfreulich für ihn wäre eine Militärdiktatur Sarows, mit dem er einst in bitterer Fehde lag, und den er, als er dessen strategisches Talent erkannte, nicht ganz ohne Bangen hochklimmen ließ. König Ferdinand hat die Bulgaren zur Anerkennung seines Herrscherberufes, niemals aber zur herzlichen Liebe bewegen können. Er blieb ihnen blut= und wesensfremd, sein Palast blieb eine einsame Insel, zu der er die Brücken der Staatsklugheit und des nationalen Egoismus führte Er wurde der mißtrauischeste König des mißtrauischesten Volkes, der im Grunde genommen immer nur im Ausland sich daheim fühlte, der zu Vertrauten wiederholt gesagt hat:„Meine Koffer sind immer gepackt". Soll sein steptischer Witz jetzt bittere Bestätigung finden? Ende des rumänischen Die Vermeidung jeglichen Widerstandes gegen die vordringende rumänische Armee war das Klügste, was die bulgarische Regierung in ihrer schweren Bedrängnis tun konnte. Sie hat den Rumänen unnötige Blutopfer und sich selbst damit eine Erhöhung der rumanischen Ansprüche erspart. Friedlich sind die Truppen des Königs Carol vorgerückt und haben das Land besetzt, dessen Abtretung den Gegenstand der alten Forderungen ihrer Regierung bildete. Damit scheint der rumänische Vormarsch vorläufig sein Ende erreicht zu haben. Aus Bukarest wird gemeldet: Maßgebende rumänische Kreise betonen, daß die Ansprüche Rumäniens noch heute die gleichen seien wie vor Beginn der Operationen. Die Operationen würden solange fortgesetzt, bis die Kriegführenden einen Waffenstillstand abgeschlossen hätten. Ein weiteres Vorrücken der rumänischen Armee steht nicht bevor. Die Besetzung des von Rumänien beanspruchten Gebiets. Eine amtliche Meldung aus Bukarest berichtet: Am 13. Juli hat eine starke Abteilung Infanterie, Kavallerie und Artillerie um 6 Uhr morgens Turtukhai besetzt. Das ganze Gebiet zwischen der alten Grenze und der Linie TurtukhaiDobritsch=Baltschik, das Rumänien ursprünglich forderte, ist jetzt unter der Herrschaft der rumänischen Truppen, welche keinerlei Verluste erlitten haben. T Bukarest, 16. Juli. Der gestrige Ministerrat unter dem Vorsitze des Königs beschäftigte sich mit der bei der morgigen Eröffnung des Paralmentes zu haltenden Thronrede und einigen durch den Kriegszustand notwendig gewordenen Gesetzentwürfen. Darunter befindet sich ein Gesetzentwurf, durch welchen der Regierung die Ermächtigung erteilt wird, den Belagerungszustand in jenen Gebieten zu verhängen, wo sie es für notwendig hält. Der König ist abends zur Armee abgereist. Erfolg der russischen Vermittelung. Petersburg, 16. Juli. Rußland unternahm am Montag in Belgrad einen neuen energischen Schritt, der zur Folge hatte, daß die serbische Armee den Befehl erhielt, von weiteren Operationen bis auf weiteres abzusehen. Albaniens zukünftige Nationalarmee. Wien, 16. Juli. Es ist die Entsendung des Obersten Goettlicher, Generalstabschef des Kriegshafens Pola, in besonderer Mission nach Albanien geplant. Oberst Goettlicher soll unter Zustimmung der übrigen Großmächte als Berater der provisorischen Regierung bei der Aufstellung und Organisierung der albanesischen Nationalarmee ausersehen sein. Drama von den Griechen nach erbittertem Kampfe besetzt. Athen, 16. Juli. Generalstabschef Dumanis telegraphierte gestern dem Kriegsminister: Auf de mlinken Flügel und dem Zentrum unserer Front rückten unsere Truppen ohne Widerstand zu finden vor. Auf dem rechten Flügel schlugen unsere Streitkräfte den Feind nach einem erbitterten Kampfe in die Flucht und besetzten Drama. Der Metropolit von Drama, sowie die christlichen, mohammedanischen und jüdischen Einwohner empfingen unsere Truppen mit Freuden als Erlöser, die sie noch zur rechten Zeit vor einer Katastrophe bewahrt hatten. Der gleiche Empfang wurde uns in allen von uns besetzten Ortschaften zu teil. Der fliehende Feind ließ 70 Wagen mit Material und gestohlenen Gegenständen zurück. Angesichts der wilden Metzeleien, die die Bulgaren beiDoksaf verübten, drückte der griechische Archimandrit von Drama seine Verachtung gegenüber den unerhörten Brutalitäten der bulgarischen Armee aus. Vor dem Friedensschluß. T Belgrad, 16. Juli. Ministerpräsident Paschitsch hat sich gestern nachmittag im Sonderzuge nach Nisch begeben, wo er mit dem griechischen Ministerpräsidenten und dem montenegrinischen Ministerpräsidenten Wukotitsch zusammentreffen wird. Wie verlautet werden in der Konferenz die Forderungen festgestellt werden, welche die Verbündeten an Bulgarien stellen werden. Die Verbündeten haben sich den Ratschlägen Rußlands entsprechend sogleich bereit erklärt, die Friedensverhandlungen aufzunehmen. Der englische Thronfolger in Berlin. T Berlin, 16. Juli. Der 19jährige Kronprinz, der Prinz von Wales, der völlig inkognito als Earl of Chester eine Reise durch Deutschland macht, kam heute im Automobil von Leipzig zum ersten Male nach Berlin. Der Prinz gebrauchte für die Fahrt 3 Stunden. In seiner Begleitung befanden sich Major Cardogan und Professor Fiedler. Der Sekretär des Prinzen und die Dienerschafta waren schon vorher mit der Bahn hier eingetroffen. Bald nach seiner Ankunft unternahm der Prinz mit Professor Fiedler einen Spaziergang durch die Reichshauptstadt, der sich mehrere Stunden ausdehynte. Für Eisenbahnassistenten. Berlin, 16. Juli. Der Eisenbahnminister v. Breitenbach hat Vertretern der preußisch=hessischen Eisenbahnassistenten zugesichert, daß sie im Anfangs= und Endgehalt den Postassistenten im nächsten Haushaltsjahre gleichgestellt werden sollen. Verbesserung im Fernsprechwesen. Berlin 16. Juli. Die Reichspostverwaltung ist, um größere Erleichterungen im Fernsprechverkehr herbeizuführen, damit beschäftigt, ein neues System in der Kabelung auszuprobieren. Es handelt sich um unterirdische Kabel, in denen se 50 Leitungen vorhanden sind. Kleine politische Nachrichten. Berlin, 16. Juli. Der Reichsanzeiger veröffentlicht das Gesetz über den einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag. Lübeck, 16. Juli. Als Tag des Kaiserbesuches ist der 10. August in Aussicht genommen. Der Kaiser weilte das letzte Mal im Jahre 1900 in Lübeck. Oesterreich. Die Gerüchte vom Rücktritt des österreich. Generalstabschef. Wien, 16. Juli. An den maßgebenden Stellen ist über Rücktrittsabsichten des Ehefs des Generalstabes Conrad von Hötzendorff nichts bekannt. Es waren in den letzten Tagen Gerüchte über angebliche Demissionsabsichten verbreitet. Diese Gerüchte werden damit begründet, daß Freiherr Conrad von Hötzendorff sich müde und erholungsbedürftig fühlt, und es wird behauptet, daß er seinen Rücktritt für den Herbst nach Beendigung der großen Manöver in Aussicht genommen habe. Die Erhöhung des Rekrutenkontingents Oesterreich. Wien, 16. Juli. Die Erhöhung des Rekrutenkontingents des gemeinsamen Heeres, sowie der beiderseitigen Landwehre und der bosnischen Truppen soll zusammen rund 50 000Mark betragen, wedurch die alljährliche Rekrutenziffer auf 280 000 Mann gesteigert würde. Die Erhöhung soll zum Teil schon bei der diesjährigen Rekruteneinstellung zur Anwendung gelangen. Holland. Sozialdemokraten als holländische Minister. Haag, 16. Juli. Wie das sozialdemokratische Hauptblatt „Volk" berichtet, hat der von der Königin mit der Kabinettsbildung beauftragte Dr. Bos dem sozialdemokratischen Führer Dr. Troelstra 3 Ministerportefeuilles für seine Partei mit dem Versprechen angeboten, das neue Ministerium werde alsbald die Verfassungsrevision zwecks Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Angriff nehmen. Wahrscheinlich wird ein außerordentlicher sozialistischer Parteitag über die Frage der Annahme von Ministerposten durch Sozialdemokraten beschließen. Frankreich Kein Streik gegen die 3jährige Dienstzeit in Frankreich. T Paris, 16. Juli. Die Vollversammlung der Vertreter der Arbeiterbörse und der dem Allgemeinen Arbeiterverband angehörenden Gewerkschaften nahm einen Beschlußantrag an, in welchem zu einer Fortsetzung des Kampfes gegen die Reaktion aufgefordert wird, lehnte aber einen Antrag, am 24. Sept. d. Is. einen allgemeinen Ausstand anzuberaumen, wenn die Jahresklasse 1910 d. J. zurückbehalten werde, mit großer Mehrheit ab. England. Verlobung im englischen Königshause.. T London, 16. Juli. Wie offiziell bekannt wird, hat sich Prinz Arthur von Connaught mit der Herzogin Alexandra von Fife, Nichte des Königs, verlobt. China. Ein chinesischer Militärputsch. Die Erhebung in China, von der schon eine ganze Weile die Rede war, scheint nach den heute vorliegenden Depeschen Tatsache geworden zu sein. Es wird gemeldet: Peking, 16. Juli. Die Feindseligkeiten in Kiangsi, wo der abgesetzte Gouverneur der Provinz, Liliehtschun, und der General Hwangtsching an der Spitze der Streitkräfte Kiangsis die Nordtruppen Juanschikais, die der Pekinger Regierung Achtung verschaffen sollen, zu vertreiben sucht, ferner die Sprengung eines Magazins in Kaiföng und andere Versuche, der Regierung Schwierigkeiten zu machen, werden als Anzeichen betrachtet, daß die Partei Jung=China entschlossen sei, eine Entscheidung herbeizuführen. Juanschikai sendet Verstärkungen in das Jangtsetal. Der Deutsche Kriegeround. Die diesjährige Tagung des Deutschen Kriegerbundes, die in Breslau stattfand, beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage der Beitragserhöhung, die erforderlich geworden ist, weil die sozialen und wirtschaftlichen Pflichten immer mehr wachsen. Die Begründung des Antrags des Bundesvorstandes, eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge vorzunehmen, erfolgte von dem Vizepräsidenten des Bundes, Geheimrat Prof. Westphal. Nach eingehender Debatte wurde der Antrag des Bundesvorstandes, den Bundesbeitrag vom 1. Januar 1914 ab auf 1,26 Mark festzusetzen, abgelehnt, dagegen aber eine Erhöhung von 30 auf 60 Pfg. mit großer Mehrheit beschlossen. Unter den sozialen Fragen wurde auch die der Einrichtung von Arbeitsnachweisen durch die Kriegervereine angeschnitten. Nachdem Prof. Westphal diesen Gedanken aber abgelehnt — der Versuch würde sich als ein Schlag ins Wasser erweisen— beschloß die große Mehrheit der Versammlung, den Uebergang zur Tagesordnung. Zum Ort der nächsten Tagung, die 1914 stattfinden wird, wurde Köln gegen Hamburg gewählt. Die Entwicklung der deutschen Kriegervereine ist anhaltend eine günstige gewesen. Ge' genwärtig umfaßt der Kyffhäuserbund 31 716 Vereine mit 2.827000 Mitgliedern, der Deutsche Kriegervereinsbund 21 700 Vereine mit 1 906000 Mitgliedern u. der Preußische Landeskriegerverband 18 200 Vereine mit 1 630000 Mitgliedern. Das Vermögen der dem Deutschen Kriegerbunde angehörenden Vereine betrug am 1. Januar 1913 42 Millionen Mark. Montav besuchten der Deutsche Kriegerbund und der Preußische Landeskriegerverband das Grabmal des Fürsten Blücher=Krieblowitz bei Kanth. Auf dem Bahnhof Kanth empfing Graf von Carmer=Zieserwitz mit dem Kreiskriegerverband von Neumarkt den Kriegerbund. Durch die festlich geschmückte Stadt fuhren die Krieger nach Krieblowitz, wo am Sarge des Fürsten Blücher Kränze niedergelegt wurden. Das 12. deutsche Turnfest in Leipzig. Leipzig, 15. Juli. Besonderes Interesse erweckten am Montag bei den zahllosen Zuschauern nicht minder wie bei den Veranstaltungen mit kritischem Blicke folgenden Turnern der 6= und 12=kampf, die infolge der Kombination einer Reihe von Uebungen den übenden Turnern die beste Gelegenheit geben, ihre Gewandheit u. ihr Können zu zeigen. Beim 6kampf werden die teilnehmenden Turner in 2 Gruppen mit 96 Riegen geteilt; von diesen letzteren zählt jede 20 Mann unter einem eigenen Führer. Je 8 Riegen stehen unter einem eigenen Obmann, während die Gesamtzahl der Kampfrichter 288 beträgt. Der 6kampf selbst umfaßt Hochspringen bei einer Mindesthöhe von 1,15 Meter, Stab=Weitspriugen über wenigstens 5 Meter, Kugelstoßen über mindestens 5 Meter mit Kugeln von 10 Kilo Mindestgewicht, ferner Schnellhangeln an einem 9 Meter langen Tau, das bis auf die letzten 2 Meter durchgehangelt werden muß; endlich gehört zum 6kampf noch der Schnellauf über eine in höchstens 26 Sekunden zu durchlaufende Strecke von 150 Meter Länge. Bei sämtlichen genannten Uebungsarten wird die eventuell erreichte kürzere Zeit entsprechend höher bewertet. Der 12kampf ist nach ähnlichen Grundsätzen organisiert wie der 6kampf. Die Verführungen der Turnkreise endeten nachmittags mit den Uebungen der Deutsch=Oesterreicher, also der deutschvölkischen Turner, die als Gäste gekommen waren. Sie boten zunächst Freiübungen, zu denen sich etwa 1200 Mann gemeldet hatten. Sie zogen ebenfalls in Tiefkolonnen zu je 4 Mann in die Arena ein. Ihre Uebungen, die von Vorturnern auf dem Podium vorgemacht wurden, erfolgten nach dem Takt von Musikstücken, wobei die Oesterreicher den„Hohenfriedberger“ bevorzugten. Die Tribüneubesucher benützten die Gelegenheit, um den Stammesbrüdern aus Oesterreich andauernd Ovationen zu bereiten. Zu gleicher Zeit begannen die Tu nvereine des übrigen Auslandes ihre Vorführungen. Sie waren meist durch eine Musterriege vertreten. Im allgemeinen zeigten die Ausländer viel technisches Können, aber wenig nationale Eigenart; alle Uebungen beweisen den deutschen Ursprung. Während diese Uebungen in einemTurnzelt veranstaltet wurden, marschierte in einer Arena die Altersriege„Alldeutschland“ auf, zusammen mit den Turnvereinen von 1863, von welch letzteren sich allerdings nur 2 an den Uebungen beteiligten. Kein Turner war unter 40 Jahren, viele über 70 und mancher an die 80 heran. Trotzdem traten sie in überaus festem Gleichmaß an, nur die weißen Bärte bzw. die kahlen Köpfe und mitunter ein gewisses Embonpoint verrieten das Alter. Sie trugen vorwiegend Freiübungen im Spiele vor. Auf das Alter folgte das„junge Blut in flaumigem Bart“, die Sondervorführungen des Akademischen Turnerbunds An 600 Studenten. Sie stellten verschiedene Musterriegen und führten vor allem interessante Spiele vor, darunter solche, die wenig gezeigt werden, wie Tambourin, Schleuderball nach Grazer Art usw. Abends sanden auf dem Festplatze Konzerte statt. T Leipzig, 16. Juli. Der gestrige Nachmittag brachte zunächst den Zwölferkampf der 2. Hauptgruppe der Zwölfkämpfer. Darauf traten mehrere Kreise zum Kreisturnen an. Am Nachmittag traten zunächst die Fechter an und zwar in 4 Gruppen. Es folgte dann das Turnen der Leipziger Schuljugend unter dem Obmann Professor Dr. Tesmer, Leipzig, an 0— SC dem 6000 Knaben und 6000 Mädchen teilnahmen. Darauf fanden volkstümliche Spiele in 5 Abteilungen statt. Von 6 Uhr ab folgte das Tauziehen und Ringen der Sechskämpfer, dann das Turnen der Turnerinnen, die Stabübungen, das Keulenschwingen und Freiübungen, dann das Turnen der Jugendabteilungen. Im Schreberbad wurden nachmittags die Schwimmkämpfe ausgefochten. Gerichtssaal. Essen, 16. Juli. Der Arbeiter Otto Hegemann aus Gelsenkirchen, der geständig ist, mit dem inzwischen abgeurteilten Arbeiter Hahn aus den erbrochenen Koffern dreier Stubenkollegen Anzüge, Ueberzieher, Wäsche und Nahrungsmittel entwendet zu haben, wurde von der 4. Strafkammer zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. achen, 15. Juli. Die Strafkammer verhandelte in der vorigen Woche gegen 2 Beamten der Knappschaftskasse zu Stolberg wegen Untreue, Unterschlagung und Urkundenfälschung. Angeklagt ist der Rendant A. Marks und der Bürogehilfe H. Peus. Der Fehlbetrag beläuft sich auf 14000 Mk. Die Verhandlung ergab, daß Leute, die schon seit Jahren verstorben waren, noch immer in den Listen für Renten= und Invalidengeld geführt wurden. Nach 4stündiger Verhandlung wurde die Sache behufs Ladung weiterer Zeugen vertagt. Dortmund, 16. Juli. Wie berichtet, schwebte zwischen den beiderseitigen Erben der Eheleute Freiherr Udo von Rüxleben, der von seiner jungen Gattin am 2. Mai 1908 auf Haus Buddenberg bei Lünen bald nach der Hochzeit aus Eifersucht erschossen wurde, und die sich dann selbst erschoß, ein Prozeß um die Schmuckgegenstände der Freifrau von Rüxleben. Der Kläger, Freiherr Otto von Rüxleben, behauptete, daß sein Bruder den Schmuck als Familienstück angeschafft habe, d. h. als Zubehör seines Familienbesitzes. Das Eigentum an den Sachen sei seinem Bruder verblieben, die Frau habe sie nur anlegen dürfen, solange sie die Familie von Rüxleben zu repräsentieren gehabt habe. Die Beklagten, die Erben der Freifrau von Rüxleben, machten dagegen geltend, daß letztere die Schmuckgegenstände von ihrem Gatten als Geschenk erhalten habe. Das Landgericht Dortmund und das Oberlandesgericht Hamm haben die Klage des Freiherrn von Rüxleben auf Herausgabe der Schmuckstücke bekanntlich abgewiesen, da der Beweis, daß Udo von Rüxleben sie seiner Gattin geschenkt habe, als erbracht anzusehen sei. Die von dem Kläger eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Plettenberg, 16. Juli. Ein Milchpantscher, der Landwirt K. zu B., wurde wegen Milchfälschung vom hies. Schöffengericht zu 2 Wochen Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe verurteilt; er hatte an mehreren Tagen Milch durch Wasserzusatz verdünnt. Frankfurt=Main, 16. Juli. Die Strafkammer verhandelte gegen den 19jährigen Handlungsgehülfen Markel der Ende Februar unter dem Verdachte verhaftet war, den Werber für die französische Fremenlegion gespielt zu haben. Das Gericht verurteilte Markel wegen versuchter Beihülfe zur Anwerbung von deutschen Untertanen für den Kriegsdienst einer auswärtigen Macht zu 2½ Jahren Gefängnis. In dem Urteil wurde ausgeführt, daß das Treiben Markels um so verwerflicher war, als er selbst in der Fremdenlegion gewesen sei, und seinen Eltern über die tatsächlichen Zustände in dieser Truppe wahrheitsgemäße Angaben gemacht habe, trotzdem aber andere, denen er das Leben in der Fremdenlegion als angenehm schilderte, ins Unglück gebracht habe. Aus Westdeutschland. Düsseldorf, 16. Juli. Der bei dem Familiendrama in der Herzogstraße von seinem Schwiegersohn, dem Former Anton Hannecke, durch Revolverschüsse schwer verletzte Kolonialwarenhändler Langenberg ist gestern seinen schweren Verletzungen erlegen. Kleve, 16. Juli. Der Direktor des hiesigen Kgl. Gymnasiums Dr. Heil wurde zum Oberschulrat am Provinzialschulkollegium zu Koblenz berufen. Emmerich, 16. Juli. Der Streik bei den Emmericher Margarinefabriken Dr. Max Boemer und van Rossum u. Co. ist nach 10wöchiger Dauer infolge Verständigung der Parteien beendet worden. Den Arbeitern wurde der geforderte Mindestlohn zugestanden. Mörs, 16. Juli. Auf der Kirmes in Homberg ist es zu einer schweren Schlägerei gekommen. In einer Wirtschaft wurde alles zertrümmert. Der Wirt mußte flüchten. Viele schwere Verletzungen kamen vor. 5 Verhaftungen fanden statt. Werden, 16. Juli. Der äiteste Bürger unserer Stadt, der 90 Jahre alte Rentner Seligmann, ist am Bahnhof von einem Automobil überfahren worden. Er starb kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Essen ,16. Juli. Zur Mordtat im Bernewäldchen werden noch folgende Einzelheiten berichtet, nach denen von einem Mord aus Eifersucht wohl nicht mehr die Rede sein kann, vielmehr soll ein mit aller Ueberlegung und tagelanger Vorbereitung verübter Mord vorliegen. Fastnacht 1912 hat der Täter, der Kaufmann Alfred Mann, versucht, seine Braut, die 25 Jahre alte Modistin Emilie Heiermann zu vergiften, nachdem sie ihm Vorwürfe wegen seiner Beziehungen mit anderen Mädchen gemacht hatte. Als Mann dann wegen des Vergiftungsversuches, sowie wegen einer Anzeige wegen Betrugs und Unterschlagung in Untersuchungshaft genommen worden war, verweigerte die Heiermann als Verlobte ihre Aussage, sodaß das Verfahren eingestellt werden mußte. In den letzten Wochen hatte das Mädchen, die den Mann schon seit 7 Jahren kannte, endgültig beschlossen, das Verhältnis aufzulösen. Mann, dem von den Eltern des Mädchens das Haus verboten war, lauerte nun seiner Braut tagelang auf und versuchte sie umzustimmen. Sie ließ sich bewegen, mit ihm nach Köln zu fahren, wo sie einem neuen Vergiftungsversuch ihres Liebhabers ausgesetzt war. Die Eltern benachrichtigten nun die Polizei. Ein Kriminalbeamter traf die beiden in einem Cafee. Als er zur Verhaftung des Mann schreiten wollte, erklärte die Heiermann, es sei ihr nichts geschehen, sodaß der Beamte von der Festnahme absah. Bei einer letzten Unterredung gegen 12 Uhr nachts im Bernewäldchen hat M. dann die Tat ausgeführt, indem er seine Braut erwürgte. Essen, 16. Juli. Vor 3 Monaten erregten große Unterschlagungen, die sich auf 2—400 000 Mark belaufen, bei der Spar= und Darlehnskasse in Bergerhausen lebhaftes Aufsehen. Der Rendant flüchtete ins Ausland. Nachdem die veruntreuten Summen durch die Familie des Flüchtigen zum größten Teile gedeckt worden sind, hat sich der Defraudant jetzt der Behörde gestellt. Barmen, 16. Juli. Bei einem Streit unter 12jährigen Schülerinnen riß eines der Mädchen die Tochter des Fabrikarbeiters Otto Wortmann am Haarzopf zu Boden und schleifte es über die Erde. Dabei wurde der Zopf vom Kopf gerissen. Es stellte sich Gehirnentzündung ein, an deren Folgen das Kind jetzt gestorben ist. Köln, 16. Juli. Das Befinden des 9jährigen Mädchens in Vingst, an dem vorgestern abend ein schußliches Verbrechen verübt ist, hat sich gebessert; die Aerzte hoffen das Kind am Leben zu erhalten. Der Täter, der noch flüchtig ist, hat anscheinend das Mädchen zu erdrosseln versucht, denn um den Hals des Kindes war ein Schnürriemen geschlungen. Juli. Gestern wurde der Grundstein zur St. Maternus=Kirche gelegt. Das Gotteshaus wird nach den Plänen des Architekten Matter gebaut. Im ehemaligen Festungsbezirk wird demnächst eine ev. Kirche erbaut werden. Köln, 16. Juli. Heute ist die Verlängerung der Kleinbahn Köln=Brück nach Be nsberg in Betrieb genommen. Damit geht ein Plan in Erfüllung, der die interessierten Kreise schon seit langen Jahren beschäftigt hat Köln, 16. Juli. Ein Arbeiterehepaar aus Kalk ließ seine drei Kinder im Alter von 4 bis 9 Jahren vor 3 Tagen auf der Schiffbrücke stehen und entfernte sich dann. Die Kinder wurden später ins Waisenhaus gebracht, da man den Aufenthalt des Ehepaares nicht ermitteln konnte. Wie die drei bedauernswerten Kinder angaben, hatten die Eltern sie zuerst längere Zeit bei den Großeltern untergebracht. Als diese nun nicht mehr für sie hätten sorgen können, hätten die Eltern sie dort abgeholt und sie dann auf der Schiffbrücke ihrem Schicksal überlassen. Köln, 16. Juli. In der Glasstraße in Ehrenfeld ist gestern nachmittag ein 3jähriger Knabe von einem Fleischwagen überfahren und so schwer verletzt worden, daß er sofort starb. Godesberg, 16. Juli. In dem benachbarten Lannesdorf hat der 27jährige Arbeiter Schliebusch nach 4jähriger Ehe seine Frau angeblich wegen fortgesetzter Untreue mit 5 Revolverschüssen getötet. Der Täter erfreute sich bisher eines guten Rufes. Langendreer, 16. Juli. Der Bergmann Kostanieck wurde auf dem Abort eines Hauses in der Friedrichstraße mit einer Stichwunde im Kopf tot aufgefunden. Herne, 16. Juli. Nach langwierigen Verhandlungen ist es endlich gelungen, zu einer endgültigen Vereinbarung zwischen der Eisenbahnverwaltung und der Stadt Herne über den Bahnhofsvorplatz u. das Empfangsgebäude zu gelangen. Werl, 16. Juli. Die Stadtverordneten genehmigten die Aufnahme einer Anleihe von 100000 M für den Neubau eines Konvikts. Meinerzhagen, 16. Juli. Gestern wurde der erste Spatenstich zu der neuen Sauerlandsbahn MeinerzhagenOlpe=Kreuztal getan. Paderborn, 16. Juli. Unheilvoile Wirkungen hatte die Montag Nachmittag drückende Hitze für die Mannschaften der zurzeit in der Senne übenden Infanterieregimenter Nr. 56 und 57 und einer Artillerieabteilung. Als eine Uebung nahezu beendet war, brachen auf einmal etwa 50 Soldaten unter hitzschlagartigen Erscheinungen zusammen. Die meisten erholten sich nach kurzer Zeit wieder, 2 starben jedoch nach kurzer Zeit trotz sofortiger ärztlicher Hilfe. Die Erscheinungen wurden zum größten Teile an Reservemannschaften, deren gegen 500 an den Uebungen teilnahmen, festgestellt. Rheine, 16. Juli. Gestern waren 50 Jahre verflossen, seitdem am Gymnasium, das von 1823—1861 ein Progymnasium gewesen ist, die erste Reifeprüfung abgehalten wurde. Selm, 16. Juli. 4 Bergleute verunglückt sind gestern nachmittag auf Zeche„Hermann". Die Leute fielen aus 60 Meter Höhe in den Schacht. Einer war sofort tot, ein anderer wurde lebensgefährlich verletzt, und zwei kamen mit Armund Beinbrüchen davon. Homburg v. v. Höhe, 16. Juli. Die Kaiserin Auguste Viktoria besuchte auf einer ihrer Touren im Taunus auch die Unwetterstätten vom 1. Juni. In Arnoldshain tröstete sie einen Bauer, dem sein ganzes Besitztum zerstört ist, dadurch, daß sie ihm mitteilte, sie werde ihm die zum Bau seines Wohnhauses erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen. Wilhelmshöhe, 16. Juli. Die Kaiserin wird am 3. August aus Bad Homburg v. d. H. auf Schloß Wilhelmshöhe zum 4wöchigen Sommeraufenthalt eintreffen. Der Kaiser wird nach Beendigung der Nordlandreise 1 Woche später auf Wilhelmshöhe ankommen. Mannheim, 16. Juli. Der Polizei in Ludwigshafen ist es gelungen, den Mörder der 12 Jahre alten Emma Kelchner zu ermitteln und zu verhaften. Unter dem dringenden Verdacht, den Mord begangen zu haben, wurde der 31 Jahre alte Fabrikarbeiter Siegel, der in der Schanzstraße wohnt, verhaftet. Die Polizei hatte in dem Hause, in dem er wohnt, die Dunggrube leeren lassen und dabei Reste von Emgeweiden gefunden. Siegel hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Aus aller Welt. London, 16. Juli. Das Schicksal des Kristallpalastes ist nunmehr endgültig entschieden, und zwar wird das Gebäude der Londoner Bevölkerung erhalten bleiben. Mark 1 800000 waren notwendig, und durch freiwillige Beiträge wurden diese auch aufgebracht. In den letzten Tagen verringerte sich die noch fehlende Summe rasch, und die letzten 50 000 A wurden von Herrn Richard Burbidge, dem Direktor von Harrods, Ltd., Londons vornehmstem Warenhause, gezeichnet. Vom Streik in Hamburg. Hamburg, 16. Juli. Seit gestern früh ruht auf allen Hamburger Seeschiffswerften die Arbeit. Die Verbandsleitung, die ihre Arbeiterschaft noch ermahnte, keine voreiligen Schritte zu unternehmen, ist in diesem Falle übergangen worden. Die Arbeiter haben mit dieser Kundgebung selbständig auf die Werftleitungen einwirken wollen, um sie für ihre Forderung(Erhöhung des Stundenlohnes) gefügig zu machen. Ebenfalls streiken sämtliche 18000 auf den Seeschiffswerften beschäftiglen Arbeiter. Grober Täuschungsversuch. Halle=Saale, 16. Juli. Als die hiesige Landschaftliche Bank unlängst an einen Gutsbesitzer in Etingen bei Gardelegen in einem Wertbriefe 36 000 A in Tausendmarkscheinen sandte, ergab sich beim Oeffnen des Briefes, das„vorsichtigerweise" in Gegenwart des Briefträgers vorgenommen wurde, daß der Briefumschlag nur Papierschnitzel enthielt. Ein Polizeikommissar gab hierzu die überraschende Aufklärung, daß der Gutsbesitzer selbst durch ein Taschenspielerkunststück beim Oeffnen des Briefes die Scheine durch Papierschnitzel ersetzt hatte. Alle 36 Scheine fanden sich in einem Versteck vor. Der Neubau der Luftschiffhalle eingestürzt. Dresden, 16. Juli. Ein schwerer Unfall trug sich beim Bau der Dresdener Luftschiffhalle zu. Auf der MicktenKaditzer Flur wird durch die Firma Schwecken und Nölle die Halle, die 10 Luftschiffe aufnehmen soll, gebaut. Aus noch unaufgeklärter Ursache stürzte plötzlich die gewaltige 35 000 Kilogramm schwere eiserne Konstruktion unter fürchterlichem Donner zusammen. Von den zahlreichen Arbeitern wurde nur ein einziger durch Quetschwunden nicht schwer verletzt. Verzichtleistung eines Prinzen auf seine Titel. München, 16. Juli. Prinz Rikolaus von Thurn und Taxis, Oberleutnant der Reserve der Kaiserlichen Marine, ein Halbvetter des Fürsten und wie dieser Enkel des Fürsten Maximilian, hat auf seinen Namen und Titel verzichtet und den ihm vom Prinzregenten von Bayern erblich verlizhenen Namen eines Freiherrn von Hochstadt angenommen. Der Prinz ist am 17. Oktober 1912 vom Marinekriegsgericht wegen militär. Ungehorsams mit 3 Wochen Stubenarrest bestraft. Eine neue Redl=Affäre. Wien, 16. Juli. Die Verhaftung des Ingenieurs Peyer in Südtirol wegen Spionageverdachts entpuppt sich immer mehr als eine Redlaffäre 2. Auflage. Der Chefingenieur an dem Bau der wichtigsten Festungen an der italienischen Grenze verkaufte seit Jahren die ganzen Festungspläne an Italien. Eisenbahnunglück. Prag, 16. Juli. Bei Smekna=Sternberg auf der Buschtiehrader Bahn stieß in der vergangenen Nacht ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen. 10 Personen wurden schwer, 11 leicht verletzt. Die Züge wurden stark beschädigt. Der Verkehr ist teilweise gestört 1000 Meter abgestürzt. Mailand, 16. Juli. Gestern nachmittag unternahm der Fliegerschüler Roberto Fabbri auf einem Caproni=Eindecker vom Flugfelde Malpensa aus einen Aufstieg, stürzte aber bei einem falschen Manöver aus 1000 Meter Höhe ab. Der junge Mann war augenblicklich tot. Eine Millionenerbschaft des Königs von Spanien. St. Gaudens, 16. Juli. Das Gericht, das über den Prozeß zu befinden hat, der von den Erben gegen das Testament Sapenes angestrengt worden ist, das dem König von Spanien etwa 2 Millionen Francs vermacht, entschied nunmehr, daß das Testament gültig ist und die Erben abzuweisen sind. Der König wird also in den Besitz der Erbschaft gelangen, die er der Stadt Luchon überlassen will. Verwüstungen durch einen Cyelon. T Odessa, 16. Juli. In Jekaterinoslaw hat ein furchtbarer Cyclon gewütet. Mehrere Dörfer wurden gänzlich zerstört. Hunderte von Personen wurden verletzt, 20 sind bereits ihren Verletzungen erlegen. 3 Eisenbahnzüge entgleisten, die Flüsse Dnjester und Pruth sind über die Ufer getreten und haben große Gebiete überschwemmt. Städte und Dörfer wurden zerstört, die Saaten wurden vernichtet. Man befürchtet, daß auch viele Menschen umgekommen sind. Das Wasser steigt noch. Dreißig Arbeiter verbrannt. Baku, 16. Juli. Als Arbeiter eine neu erbohrte Naphtaquelle einfassen wollten, begann diese plötzlich zu brennen. Im Augenblicke sahen sich die Arbeiter, die sich in dem Bohrturme befanden, von einem gewaltigen Flammenmeere umgeben, aus dem es kein Entrinnen gab. 30 Arbeiter sollen in den Flammen umgekommen sein. Die riesige Flammenfontaine war noch in einer Entfernung von 50 Kilometer zu sehen. Das Tier im Kriege. Zu den ungeheuren Menschenmassen, die in einem modernen Kriege aufgeboten werden, kommen auch gewaltige Heere von Tieren, die gerade wie jene ihre Kräfte, Blut und Leben opfern müssen. Hauptsächlich gilt das natürlich von dem Pferd, das trotz Luftschiff, Flugapparat und Kraftwagen außerordentlich viele„Kombattanten“ und„Nichtkombattanten" stellt. Welche Zahlen da in Frage kommen, ersieht man daraus, daß das deutsche Heer im Friedensstande von 1912 allein 126 570 Dienstpferde aufwies, und Frankreich(inkl. Kolonialtruppen) 150 634. Zu den Rossen gesellen sich die Maultiere, die von Italien, Spanien, Griechenland, aber auch von Frankreich und Großbritannien und außerhalb Europas gebraucht werden. Natürlich vor allem als Zugtiere; als solche kommen auch die Ochsen in Betracht, die beispielsweise Bulgarien beim Train und bei der Artillerie verwendet. Die offizielle Statistik kennt die Tiergattungen nicht, sondern nennt„35 564 Pferde und Ochsen". Die großen Kolonialstaaten ziehen ferner das Kamel zum Kriegsdienst heran, so auch Deutschland, das in Südwestafrika Kamelreitertruppen hat. Wahrscheinlich werden aber mehr Deutsche die Elitetruppe der englischen„Jäger zu Kamel“ in Kairo gesehen haben, als unsere eigenen in Gochab und Arahoeb(Deutsch=Südwestafrika) stationierten Kamelreiter. In der indischen Armee sind auch Elefanten vorhanden, und da sie außer ihnen auch Pferde, Maultiere, Ochsen, zumal die berühmten Zebus(bos indieus maior) und Kamele zählt, so müssen die Feldlager dort geradezu den Eindruck einer Menagerie machen. Bekanntlich hat die deutsche Heeresverwaltung auch Versuche mit der Ausbildung von Kriegshunden gemacht, die zu diesem Zwecke den Jägerbataillonen überwiesen wurden. Sie sollten teils als Ordonnanzen, d. h. zur Ueberbringung von Meldungen, teils im Sanitätsdienste verwendet werden; da sie sich aber nicht bewährten, wurden sie von der„Militärpflicht" befreit. In Frankreich setzt man angeblich die Versuche mit ihnen fort, in Oesterreich sind sie den Spielleuten beigegeben und ziehen die große Trommel. Auch die Vögel müssen Dienste leisten, wenigstens die Brieftauben, die in einem zukünftigen Kriege Deutschlands bei der Nachrichtenübermittelung trotz Funkentelegraphie nach wie vor eine Rolle spielen werden. Sie werden deshalb auch schon zu Friedenszeiten „in Evidenz“ gehalten. Schließlich sei noch erwähnt, daß auch die Nagetiere herangezogen werden, und zwar zum Dienste in der Marine. Auf den Unterseebooten pflegt man weiße Mäuse mitzuführen, da diese für entweichende giftige Gase sehr empfindlich sind und schon unruhig werden, noch ehe Menschen etwas merken. Fatal. Ein dänischer Minister, der eine sehr undeutliche Handschrift schreibt, sandte einem dänischen Abgeordneten einen Brief. Der wackere Volksvertreter machte sich sofort ans Lesen; es war ihm aber nicht möglich, auch nur ein Wort der ministeriellen Krähenfüße zu entziffern. Das war ihm begreiflicherweise peinlich und so wandte er sich an einen Kollegen; dieser wieder rief einen zweiten Kollegen; der zweite holte einen dritten, und schließlich war der halbe Reichstag mit dem Studium des rätselhaften Briefes beschäftigt. Mit vereinten Kräften gelang es nun auch, das Schreiben zu entziffern— bis auf zwei Worte, die aber offenbar sehr wichtig sein mußten, weil sie dreimal unterstrichen waren. Hier litt der Scharfsinn der vereinigten Abgeordneten geradezu kläglich Schiffbruch, und so mußte sich der Empfänger des Briefes schließlich doch an den Minister selber wenden.—„Exzellenz,“ begann er seine Rede,„obwohl ich den ganzen Reichstag zu Hilfe gerufen habe, ist es mir nicht möglich gewesen, diese beiden dreimal unterstrichenen Worte zu entziffern. Was steht hier?“ Er überreichte ihm den Brief.— Der Minister starrte abwechselnd den Brief und den Abgeordneten an, während ein schwermütiger Ernst sich in seinem Gesicht verbreitete. Schließ. lich sagte er mit einem bitteren Lächeln: Da steht„Streng vertraulich“! 8 Das Gerücht, welches ich über Ludwig Potthof verbreitet habe, erkläre ich für frei erfunden und nehme ich dasselbe hiermit als unwahr zurück. Kaspar Enste. 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Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts; i 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin=: i zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach : Echal der Rehung S. Bestimmungen. 77 Millionen Ueberschuß 1912. Die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Rechnungsjahr 1912 haben sich nach dem Endabschlusse der Reichshauptkasse, abgesehen von den auf die außerordentlichen Deckungsmittel angewiesenen Ausgaben, wie folgt gestaltet: Der Ueberschuß der Reichs=Post= und Telegraphenverwaltung ist um 5 892 000 Mark hinter dem Voranschlage zurück geblieben. Dementsprechend sind von Bayern und Württemberg an Postausgleichungsbeträgen 645 000 M. weniger an die Reichskasse abzuführen gewesen. Beim Ueberschusse der Reichseisenbahnverwaltung ist ein Mehr von 12 308000 M. und bei demjenigen der Reichsdruckerei ein solches von 563000 M. zu verzeichnen. Die Einnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren haben den Voranschlag um 48 097 000 Mark überschritten. Entsprechend dieser Mehreinnahmen haben auch die von einzelnen Bundesstaaten zu entrichtenden Ausgleichungsbeträge für Zölle, Steuern und Gebühren ein Mehr von 1 420 000 M. ergeben. Der Ausgleichungs=Betrag von Bayern für die eigenen Einnahmen der Verwaltung des Reichsheers stellt sich dem Mehrertrage bei diesen entsprechend um 88 000 M. höher als angesetzt. Bei dem Bankwesen sind 10 536 000 M. mehr aufgekommen. Dagegen sind an Einnahmen aus der Prüfung der Rechnungen 207 000 Mark und aus dem Hinterbliebenenversicherungsfonds zur Deckung der Reichszuschüsse für die Hinterbliebenenversicherung, hier den geringeren Ausgaben entsprechend, 1 173000 M. weniger zu verzeichnen. Im übrigen sind an wesentlicheren Abweichungen von den Ansätzen des Etats zu erwähnen: Beim Auswärtigen Amt sind an Einnahmen 132 000M. mehr aufgekommen; an Ausgaben waren 74000 M. weniger erforderlich. Im Geschäftsbereich des Reichsamts des Innern betragen die Mehreinnahmen 2109 000 Mark, die Wenigerausgaben 1 215 000 M. Für das Reichsheer sind bei den entsprechenden Titeln des allgemeinen Pensionsfonds 231 000 Mark und an einmaligen Ausgaben 294000 M. mehr aufzuwenden gewesen, während die fortdauernden Ausgaben im übrigen um 20000 M. zurückgeblieben sind. Dem Gesamtmehrbedarf entsprechend stellt sich auch die bayerische Quote um 63000 Mark höher. An Einnahmen sind 778000 M. mehr als angesetzt aufgekommen. Bei der Marineverwaltung schließen die fortdauernden Ausgaben mit einem Mehr von 2416 000 M., die einmaligen Ausgaben mit einem Mehr von 293000 Mark und der Pensionssonds mit einer Ersparnis von 708 000 Mark ab. Bei der Reichsjustiz=Verwaltung steht einer Mehreinnahme von 521 000 M. eine Mehr=Ausgabe von 30 000 Mk gegenüber. Beim Reichsschatzam sind 375 000 Mark Mehreinnahmen aufgekommen. An fortdauernden Ausgaben sind 465 000 M., an einmaligen Rayon=Entschädigungen 3 697000 M. weniger als angesetzt aufzuwenden gewesen. Die Verwaltung und Verzinsung der Reichsschuld hat 5 457000 M. weniger erfordert, während bei den einmaligen Ausgaben 125 000 Mark mehr erforderlich waren. Beim allgemeinen Pensionsfonds ergibt sich unter Einschluß der oben bereits erwähnten AbBeschenuer ei der benscenger ir bischere der Marine insgesamt eine Mehrausgabe von 346 000 Mark. Schließlich ist als Minderausgabe noch der Betrag von 522·000 M. zu erwähnen, um welchen das aus dem Vorjahr übernommene Soll an Ausgaberesten für in früheren Jahren erfolgte Ueberschreitungen übertragbarer Ausgabefonds gekürzt worden ist. Im ganzen hat sich hiernach ein Ueberschuß von 77 106 023,97 M. ergeben, welcher den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend auf das Rechnungsjahr 1913 übertragen worden ist. Stadt, Amt und * Wattenscheid, 16. Juli. Die Heranziehung der großen Vermögensträger in Westfalen zum Wehrbeitrage. * Die physischen Vermögensträger in Westfalen zahlen nach einer ziemlich genauen Berechnung 31 424 794 Mark Wehrbeitrag. Da auf Grund der Erfahrungen früherer Veranlagungen mit einer Steigerung des Vermögens um etwa 13,5 Proz. zu rechnen ist, so werden die physischen Vermögensträger in Westfalen insgesamt rund 36 Mill. Mark Wehrbeitrag aufzubringen haben. Von Interesse ist es noch, auf die großen Vermögensträger hinsichtlich ihrer Heranziehung zum Wehrbeitrage einzugehen. Diese Heranziehung gestaltet sich folgendermaßen: Mit einem Vermögen von 2 bis 5 Millionen Mark sind 150 Zensiten veranlagt. Sie zahlen jeder durchschnittlich 30 515 M., 24 westfälische Vermögensträger mit 5 bis 10 Millionen Mark zahlen jeder im Durchschnitt 82 510 Mark, 7 Zensiten mit einem Vermögen von 10 bis 15 Millionen M. sind am Wehrbeitrage mit durchschnittlich je 160 070 Mark beteiligt. Noch größere Vermögen besitzen nur 2 Zensiten in Westfalen. Ihre Leistung zum Wehrbeitrage dürfte sich auf zusammen fast 1 Million veranschlagen lassen. Es sind also ganz erhebliche Summen, die auf die großen Vermögensträger entfallen. Sind tarifwidrige Lohnabreden rechtsgültig? * Die Entwicklung des Tarifvertragswesens hat es mit sich gebracht, daß die Vertragsparteien in der Regel in einer besonderen Bestimmung sich ausdrücklich verpflichten, ihren ganzen Einfluß zur Durchführung und Aufrechterhaltung des Vertrages einzusetzen. Etwaige Sondervereinbarungen, die dem Vertrage zuwiderlaufen, werden in den meisten Tarifverträgen, so auch in dem neuen Reichstarife für das deutsche Baugewerbe u. a. m. als rechtsungültig ausgeschlossen. Es entsteht die Frage, von welcher rechtlichen Wirkung angesichts dieser Bestimmung solche Sondervereinbarungen sind. Bemerkenswert in dieser Hinsicht ist ein jüngst gefälltes Urteil, das in der Berufungsinstanz das Landgericht Hannover beschäftigt hat. Zwischen einer Arbeiterorganisation und einem Arbeitgeberverbande war ein Tarifvertrag abgeschlossen worden, in dem es hieß, daß Einzelabmachungen, die mit dem Tarife nicht in Einklang ständen, als rechtsgültig ausgeschlossen seien. Dennoch erklärte sich ein Arbeiter mit einem unter Tarif stehenden Lohn einverstanden. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses erhob er Klage auf Zahlung des Tarif311 Spieler Moderner Kulturroman von Hans Hyan. (Nachdruck verboten.) Man sah dem Mädchen an, wie bei den letzten Worten der Mutter eine Veränderung in ihr vorging. Zu gut erzogen, um die stürmische Wallung, Geliebten in ihr hervorrief, zu zeigen, flogen ihre Augen doch immer wieder nach der Tür, die gleich darauf von dem Diener geöffnet wurde, der den Leutnant von KortAber als er dann eintrat, konnte die Anwesenheit der Mutter Bianka nicht hindern, ihm entgegen zu eilen. Und er. natürlich und in dem richtigen Empfinden, daß die Mutter die beste Vertraute der Liebe sei, küßte seine Aber kaum hatten sie sich begrüßt, und er seiner zukünftigen Schwiegermama die Hand geküßt, so sfing der Leutnant mit einer viel ernsteren Miene, als sie ihm sonst eigen war, an von seinem Bruder zu reden. Er macht mir Sorge!“ sagte der Leutnant. Aber wieso?“ fragte Frau Klothilde,„ich habe neulich mit Major von Rinkleben über ihn gesprochen, und der war des Lobes voll: ein glänzend befähigter Mensch, voller Eifer und Streben! Vielleicht kein so guter Frontoffizier, dafür aber ein brillanter Techniker so oder ähnlich äußerte er sich. Ist er denn nicht gesund, Die Varonin dachte an die Untrebungzedite be Leste früh mit ihrem Schwager Klaus gehabt halte. etwa der junge Offizier auch diesem schrecklichen Laster Ler aer, sote Degobert der siandbt grpezengese sehnres wüßte durch ihren Schwager von der Bruders bei den Spielabenden,„Friedrich hat denselben unglückseligen Hang für die Karten, der unsern ältesten Bruder Wolf aus seiner Karriere gerissen und schließlich fortgetrieben hat, über den Ozean. Ihr glaubt nicht, was ich schon mit ihm darüber geredet habe! Da sind ein paar Leute, von denen ich fest und sicher glaube, daß sie überhaupt nicht in unsere Kreise hinein gehören. Das sind die Entrepreneurs des sogenannten„Feudalklubs“, der meiner Ansicht nach alles andre eher als feudal ist! Ich kann es ja nicht beweisen, daß diese Leute betrügen, aber das kann ich doch sagen: aufgefallen ist es mir wiederholt, daß diese Herrschaften fortgesetzt gewinnen. Es wird da jeden Abend gespielt, bei einem Marquis de la Grandvillière, der eine wunderschöne Frau hat.“ „Eine wunderschöne Frau?“, fragte Bianka leise dazwischen, indem sie einen besorgten Blick auf ihren Bräutigam warf. „Ja“, erwiderte der ganz unbefangen,„eine merkwürdige Person in der Tat!... Sie ist sozusagen die Sirene des Klubs und vointiert selber sehr stark.“ „Interessiert sich dein Bruder vielleicht für die Dame?“ fragte Frau von Muchow. „Aber nein, keine Idee! Wenn es das nur wäre, so würde ich wirklich nicht so in Sorge sein um ihn. Im Gegenteil, er ist durch nichts weiter gefesselt, als nur durch diese ver... ah pardon! Ich bin so aufgeregt, wenn ich nur wüßte, was ich machen soll, um Fritz zur Vernunft zu bringen!“ Die Baronin hatte schon Angst gehabt, der Leutnant würde auch der Anwesenheit des Barons bei den Klubabenden Erwähnung tun; und sie war ihm dankbar, daß er das taktvoll vermied. „Ja, es ist sonderbar“, sagte sie jetzt.„das muß ja ein förmlicher Rausch sein, der all diese Männer, alte wie junge, erfaßt. Ich, als Frau, kann es mir gar nicht vorstellen, daß man um ein so wenig edles Vergnügen seine eigene Existenz und sogar oft noch die seiner Angehörigen aufs Spiel setzt. Aber“. fügte sie hinzu,„schon in dieser Redensart liegt ja ein Stück der Erklärung! Das ist eine Leidenschaft. die alles andere im menschlichen Herzen auszulöschen und zu zerstören scheint... ich fürchte, lieber Dagobert, du wirst da einen sehr schweren Stand haben, deinem Bruder gegenüber.“ Der Diener kam nach vorsichtigem Anklopfen leisen lohnes mit der Begründung, der frühere Verzicht auf den höheren Lohn sei gemäß den Bestimmungen des Tarifvertrages rechtsungültig. Bemerkt sei hier, daß Kläger und Beklagter den Vertragsparteien angehörten. Gewerbegericht und Landgericht Hannover haben indessen die Klage abgewiesen. Die Ungültigkeit der Einzelabmachungen kann, so entschied das Landgericht Hannover, mit rechtlicher Wirkung nicht bestimmt werden. Denn die Tarifverträge sind nicht Dienstverträge im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches Wohl bilden sie in der Regel die Grundlage für solche Dienstverträge und vereinfachen deren Abschluß. Eine weitergehende Bedeutung kann ihnen aber hinsichtlich des einzelnen Dienstverhältnisses nicht beigemessen werden. Gegen die Annahme, daß der Tarifvertrag stets maßgebend bleiben soll, spricht§ 105 der Gewerbeordnung. Bezüglich der Festsetzung der Arbeitsbedingungen sollen die Parteien, die einen Arbeitsvertrag abschließen, völlig freie Hand haben. Diese Freiheit findet lediglich im Gesetze ihre Begrenzung. Eine gesetzliche Bestimmung, die die Vertragsfreiheit zu Gunsten der Tarifbestimungen begrenzt, besteht nicht. So lange also das Gesetz nicht die Regelung des Tarifvertrages vorgenommen hat, kann die Festsetzung abweichender Bestimmungen im Arbeitsvertrage rechtlich nicht beanstandet werden. Das gilt auch bei Vorhandensein einer Tarifbestimmung, die Sonderabreden einschränkt oder als unzulässig bezeichnet. Schutz der Nachbarschaft gegen gesundheitsgefährdendes Geräusch. Die Arbeiten auf einem Eisenlagerplatz in N. waren mit einem außergewöhnlich lauten Geräusche verbunden. Namentlich gab das Hinwerfen und das Verkürzen eiserner Träger der Nachbarschaft Anlaß zu Klagen. Die Polizeibehörde forderte darauf von dem Eisenhändler das völlige Unterlassen der geräuschvollen Arbeiten im Freien oder ihre Vornahme in einem umschlossenen Raume. Gestützt wurde die polizeiliche Forderung durch ein Gutachten des Kreisarztes, wonach die Geräusche geeignet waren, die Gesundheit nicht blos kranker, sondern auch solcher Personen zu gefährden, deren Widerstandsfähigkeit gegen starke Geräusche zwar im allgemeinen vermindert war, deren Gesundheitszustand aber als ein annormaler nicht bezeichnet werden konnte. Gegen die polizeiliche Forderung erhob der Eisenhändler Klage im Verwaltungsstreitverfahren. Er erachtete die Polizei für ein Einschreiten als unzuständig und nur den ordentlichen Rechtsweg für zulässig, welcher Einwand jedoch vom Oberverwaltungsgericht zurückgewiesen wurde. Die Polizeibehörde sei nach§ 10 Titel 17 Teil 2 des Allgem. Landrechts vollkommen berechtigt, das zur Abwendung der Gesundheitsgefahr Notwendige anzuordnen. Auch der fernere Einwand des Klägers, daß sich in der näheren Umgebung seines Grundstücks eine größere Anzahl anderer geräuschvoller Betriebe befinde, wurde zurückgewiesen. Dieser Umstand gebe dem Kläger noch kein Recht, den von anderer Seite verursachten gesundheitsgefährdenden Lärm auch seinerseits zu vermehren. Daner der Lehrzelt. au istertumn pi. Landel uudh a. * Das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe hat folgendes verordnet:„Die nach§ 130a Gew=Ordn. den Handwerkskammern vorbehaltene Regelung der Lehrzeit für geb. Braunstein", las die „das ist die Gattin des .. was kann sie wollen... Schaktliad dereimn und dbenned Fonn von Machom dn Karte. „Frau Hulda Minderstedt, Baronin, ein wenig erstaunt, Ziegeleibesitzers auf Altenberg ich lasse bitten!“ Der Diener, der an der Tür gewartet hatte, verschwand. „Seid so gut und geht bitte solange nebenan in das kleine Zimmer!... aber brav sein!“ drohte sie lächelnd. Und die Liebenden gingen mit heiterem Lachen hinaus. Gleich darauf öffnete der Diener einer Dame, die nur ihren Mantel abgelegt hatte und nun, den schwarzen Rembrandt auf dem blonden Haar, sich Frau Klothilde naherte.„„" 9 Gemins Jagt, Martin Mnin „Verzeihen Sie, Frau Baronin“, sagte Martin Minderstedts Frau mit einer Stimme, die schwer von Tränen war,„daß ich Sie so überfalle! Aber ich wußte mir keinen andern Rat! O, ich bin zu unglücklich!“ Die Baronin hatte sich erhoben. Sie legte ihren Arm um die Schulter der Weinenden und führte sie zu einem Sessel. „Setzen Sie sich, meine liebe, gnädige Frau! So, und nun nehmen Sie Ihren Hut ab!“ Sie half ihr dabei, „und erleichtern Sie Ihr Herz!... Wenn ich Ihnen helfen kann— von Herzen gern!...“ Die andere schluchzte still vor sich hin. Frau Klothilde, die sich nach all dem, was sie heute mit angehört und selbst besprochen hatte. ungefähr denken konnte, was die junge Frau zu ihr herführte, sing selber an:„Es ist Ihres Mannes wegen, nicht wahr?“ „Sie wissen?...“ Hulda Minderstedt blickte mit großen, tränenvollen Augen zu der Baronin auf. Frau Klothilde nickte.„Ich kann es mir wenigstens denken. Es ist ja wie eine Epidemie, die alle Männer aus unserem Bekanntenkreis ergriffen hat... er spielt, nicht wahr!" (Fortsetzung folgt.) die einzelnen Gewerbe oder Gewerbezweige muß stets einheitlich für den ganzen Bezirk der Handwerkskammer erfolgen. Dabei ist zwar die Festsetzung verschiedener Lehrzeiten innerhalb eines und desselben Gewerbes nicht ausgeschlossen. Für eine solche Regelung dürfen aber nur allgemeine Gesichtspunkte, wie z. B. die verschiedene Vorbildung gewisser Lehrlingskreise maßgebend sein, und sie muß“ gleichfalls für den ganzen Handwerkskammerbezirk getroffen werden. Dagegen ist die Festsetzung verschiedener Lehrzeiten für einzelne Innungen oder einzelne Orte des Handwerkskammerbezirks unzulässig.“ Vom Marine=Verein. * Der Marine=Verein von Wattenscheid u. Umgegend hielt am Sonntag im Vereinslokale Löbbert, Bochumerstraße, seine vierteljährliche General=Versammlung ab, die vom 1. Vorsitzenden Vobbe eröffnet und geleitet wurde. Es erschienen auch das Ehrenmitglied Oberleutnant z. S. Bergassessor Dill. Nach Erledigung der Monatsbeiträge wurde beschlossen, im Monat September die Sedanfeier durch Commers zu feiern. Nach Schluß der Versammlung wurde das von unserem Ehren=Mitgliede Oberleutnant z. S. Dill gespendete FaßBier in kameradschaftlichem Kreise auf das Wobl des Spenders geleert. Schiffbarmachung der Ruhr. * Dem Geschäftsbericht des Vereins zur Schiffbarmachung der Ruhr, dem auch das Amt Wattenscheid und mehrere Wattenscheider Vereine angehören, entnehmen wir: Die Vorarbeiten zum Rentabilitätsnachweis wurden zum ersten Male im Jahre 1907 durch Baurat Hentrich durch eine Umfrage bei den Fachinteressenten über den voraussichtlichen Frachtverkehr auf dem schiffbar gemachten Flusse aufgenommen: in den Jahren 1911=1912 wurde die Umfrage von der Geschäftsstelle wiederholt, da man die Verkehrssteigerung in den Jahren 1907—1911=12 feststellen wollte. Der erwartete Zuwachs ist eingetreten, die erneute Umfrage ergab einen voraussichtlichen Ausgangsverkehr von 2,5 Millionen Tonnen und einen voraussichtlichen Eingangsverkehr von annähernd 2 Millionen Tonnen. Das Hentrichsche Gutachten setzt für die Rentabilität des Ruhrkanals einen Verkehr von 2 Millionen Tonnen in Ein= und Ausgang bei einem Anlagekapital von 20 Millionen Mark voraus, die neuerdings ermittelten Zahlen ergeben jedoch, daß die Rentabilität auch dann noch gesichert erscheint, wenn ein weitaus höheres Anlagekapital angenommen wird.— Von dem ursprünglich in Aussicht genommenen Tonnengehalt von 1000—1200 Tonnen für den Schiffstyp ist man abgegangen, da der ausschlaggebende Verkehr mit den großen Hüttenwerken an der Ruhr nach größeren Abmessungen drängt. Die angestellten Vermessungen haben ferner ergeben, daß Fahrzeuge von 1700 Tonnen Gehalt auf der kanalisierten Ruhr verkehren können. Die Jahreshauptversammlung beschloß daher auf Vorschlag des Vorstandes, daß dieser Schiffstyp für das Vorprojekt gewählt wird, da er auch für die Kanalisierung der unteren Ruhr bis Mülheim angenommen ist und auch für die mittlere Ruhr wirtschaftlich richtig erscheint. Was nun die Schleusen anbetrifft, so würde man für einen 1000. Tonnen=Kahn als größten Schiffstyp wohl Schleppzugschleusen bauen müssen von rund 165 Metern freier Länge wie im Rhein=Herne= und Dortmund=Ems=Kanal. Für das 1700=Tonnen=Schiff mit Schlepper braucht aber die freie Länge der Schleuse nur 120 Meter zu sein, lediglich die Breite der Schleusenkammer ist mit 12 Metern gegenüber 10 Metern beim 1000=Tonnen=Typ zu bemessen. Somit dürften, wenn das 1700=Tonnen=Schiff dem Projekte zugrunde gelegt wird, auch durch die Schleusen keine nennenswerten Mehrkosten entstehen. Die Durchführung dieses großen Schiffstyps ist in wirtschaftlicher Beziehung von der allergrößten Bedeutung, weil die Hauptgütermengen der Ruhr neben Getreide, Holz und Steinen, Kohlen und Erze sind, die ab Ruhrort den Rhein weiter stromabwärts oder stromaufwärts schwimmen und am billigsten in dem auf dem Rhein wirtschaftlichen größeren Schiff befördertwerden. Das neue Projekt der Kanalisierung sieht ferner an Stelle der alten 11 Schleusen nur 9 vor, indem die Schleuse bei Werden und die Horster Schleuse beseitigt werden. Sonst schließt sich die Kanalisierung soviel wie möglich dem alten Ruhrbette an, nur bei Hattingen wird ein größerer Durchstich für einen Schleusenkanal hergestellt, weil die dort vorhandene sehr scharfe Flußkurve nicht von größeren Schiffen passiert werden kann. Für sämtliche Ortschaften und für die zahlreich vorhandenen Industrien an der Ruhr sind Häfen und Liegestellen sowie besondere Umschlaghäfen mit Gleisanschlüssen vorgesehen. Hierin ist eine der wichtigsten Aufgaben des Projektes zu erblicken. Es kann aber schon nach dem Ergebnis der bisherigen Arbeiten als erwiesen angesehen werden, daß die Schiffbarmachung der Ruhr technisch möglich ist, und daß die neue Wasserstraße eine Verzinsung der aufzuwendenden Mittel durch ihren Betrieb sicherstellen wird. Die Mitgliederzahl des Vereins betrug anfangs dieses Jahres 263, darunter die Hälfte korporative Mitglieder, das Vermögen betrug 20 647,93 Mark. Sauerländischer Gebirgsverein=Wattenscheid. * Die Abteilung Wattenscheid des Sauerl. Gebirgsvereins unternahm am vergangenen Sonntage eine Wanderung ins schöne Hönnetal. Etwa 25 Mitglieder hatten sich am Bahnhof Gelsenkirchen=Wattenscheid eingefunden, worauf dann bei herrlichstem Wetter pünktlich um 6,07 Uhr die Abfahrt nach Hagen=Hohenlimburg erfolgte. Von Hohenlimburg aus gings dann per pedes an der Lenne entlang, am Oegerstein und den sagenhaften steilen Kalkfelsen„Pater u. Nonne“ vorbei über Letmathe zur Dechenhöhle. Nach Besichtigung dieses Wunderwerkes der Natur ging's dann weiter nach Iserlohn, Wermingen, Köll, Westig und Sundwig. In Sundwig fand die Hauptmahlzeit statt. Hierauf besichtigte man das durch die eigentümlich zerklüfteten und gespaltenen Felsmassen sehr interessante Felsenmeer. Dann wanderte man weiter durch das romantische Hönnetal, um von dort aus die Rückfahrt anzutreten. Die Ankunft in Wattenscheid erfolgte kurz vor 10 Uhr abends. Alle Teilnehmer waren von der schönen Wanderung höchst befriedigt.— Montag abend hatte der Sauerl. Gebirgsverein im Restaurant Hrch. Langensiepen seine monatliche Versammlung, die gut besucht war und vom Vorsitzenden Lambertz geleitet wurde. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Versammlung und Zahlung der Beiträge erstattete der 1. Schatzmeister Lehrer Langensiepen Bericht über die am 31. Mai in Essen stattgehabte Generalversammlung des S. G.=V. Hierauf schritt man zur Beschlußfassung über die nächste Wanderung. Diese führt am Sonntag, 3. August, nach Dahl=Lüdenscheid=Fürlbecker Talsperre=Altena. Näheres wird noch durch Inserat bekanntgegeben. Die übernächste Wanderung soll am 24. oder 31. August zur blühenden Heide in der Hardt gehen. Zur Aufnahme hatten sich 30 Personen gemeldet, die sämtlich einstimmig aufgenommen wurden. Der Verein zählt jetzt über 100 Mitglieder. Nach Erledigung verschiedener interner Angelegenheiten schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem kräftigen„Frisch Auf“! Die nächste Versammlung findet am:. 2, 11. August statt. 1(0—. 31an Jl. furkbulg. Erenze nach dem frieden von Londen r dent Turkische Truppen### festungen und-forts Jurk-hulg. 5xenze nach dem frieden von Londe Wulssehlürken beanspruchte neue Grenze. a0-cliante karte zum furkischen Vormarsch in Thracien. Den Angreifern Bulgariens hat sich nunmehr auch die Türkei angeschlossen, da nach Ansicht der Pforte die Intervention Rumäniens sowie das Vordringen der Griechen in das Wilajet Adrianopel die Lage geändert haben. Die Armee bei Bulair werde gegen Dedeagatsch u. Adrianopel marschieren müssen. Bezüglich der Verhandlungen mit Bulgarien meinen die türkischen Diplomaten: Solange Bulgarien sich nicht verpflichtet, Adrianopel an die Türkei wieder abzutreten, werden wir Verhandlungen ablehnen müssen. Die türkische Armee müsse Adrianopel wieder besetzen und sodann nach Dedeagatsch, Gümuldschina und Drama marschieren. Inzwischen hat die von Izzet Pascha befehligte türkische Armee, deren Vormarsch= linien unsere heutige Karte zeigt, Rodosto und Tschorlu besetzt. Sm Gzzer Pasche Eine Abänderung des Zwangsversteigerungsgesetzes. Bei dem Reichsrat sind Erwägungen im Gange, die sich mit einer Prüfung der Möglichkeit der Beschränkung der Vorausverfügungen über Mietszinsen zum Nachteil des Erstehers befassen. Es dürfte sich zunächst um eine Abänderung des § 57 des Zwangsversteigerungsgesetzes handeln, und voraussichtlich werden die an der Frage interessierten Kreise und Sachverständigen auf diesem Gebiet, wie Banken, Hypothekengläubiger und Hausbesitzer, in nächster Zeit gehört werden, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich über die an und für sich schwierige Materie zu äußern. Die gegenwärtigen Bestimmungen des Zwangsversteigerungsgesetzes lassen es zu, daß die Erwerber eines Grundstücks in der Subhastation dadurch empfindlich geschädigt werden können, daß die Mieten auf lange Zeit gepfändet sind, was der Abhilfe bedarf. Eine solche würde naturgemäß dem wirtschaftlichen Nutzen der Hypothekengläubiger dienen, die häufig in solchen Fällen in Mitleidenschaft gezogen werden. Zurzeit lassen es die gesetzlichen Bestimmungen zu, daß durch Zessionen und Pfändungen die gesamten Mieten eines Grundstücks etwa ein halbes Jahr lang den Erstehern und Hypothekengläubigern bei Subhastationen entzogen werden. Zwecks Abhilfe dieser Mißstände sind schon viele Interessenten beim Reichszustizamt vorstellig geworden. Ob und wann sich die Erwägungen zu einer Gesetzesvorlage verdichten werden, läßt sich zurzeit noch nicht sagen. Zunächst steht eine Abänderung des genannten Paragraphen des Zwangsversteigerungsgesetzes in Erwägung, und es läßt sich noch nicht übersehen, ob§ 1124 des BGB. gleichfalls abgeändert weden muß, oder ob eventuell auch noch andere gesetzliche Bestimmungen durch eine gesetzliche Neuregelung berührt werden würden. Die hervorgetretenen Unbilligkeiten und Härten lassen jedenfalls eine Neuregelung der Angelegenheit wünschenswert erscheinen. Bei der zweiten Beratung des Etats des Reichsjustizamts wurde übrigens von der Reichspartei mit Unterstützung der konservativen Fraktion ein Antrag gestellt, wonach die verbündeten Regierungen eine Vorlage machen sollten, durch welche eine Abänderung des§ 1124 des BGB. und des§ 57 des Zwa ngsversteigerungsgesetzes bestimmt wird, daß eine Verfügung über den Miets= oder Pachtzins den Hypothekengläubigern gegenüber nur wirksam ist, soweit sie sich auf den Miets= oder Pachtzins für das zurzeit der Beschlagnahme laufende Kalendervierteljahr bezieht. Diese Resolution wurde aber abgelehnt. Feuerwehr Günnizfeld. * Günnigfeld, 15. Juli. Gestern hielt die hiesige freiw. Feuerwehr unter Leitung des Chefs Nolting eine Zaurtinzrgen. Die Mitglieder waren zahlreich vertreten. en. einzeinen Schulübungen folgte ein Slurmangriff, welcher vorzüglich kappte. Nach der Uebung weilte man noch einige Stunden beim Kameraden Mohn, i.: der Chef seinen Dank für das zahlreiche Erscheinen und den guten Verlauf der Uebungen aussprach. Ferner bat er die Kameraden, doch alle an dem Ausflug mit Damen, welcher nächsten Dienstag 3 Uhr vom Vereinslokale Böcke aus stattfindet, teilzunehmen. Es hätten sich schon 50 Teilnehmer gemeldet. Ferner legte er allen ans Herz, vollzählig am Mittwoch, 23. do Mts., zur Hauptübung zu erscheinen; es wird eine Prüchtigung durch den Amtmann Emisch erfolgen. Ausflug der„Riegedacht"=Günnigfeld. * Günnigfeld, 16. Juli. Vom schönsten Wetter degünstigt, unter nahm am Sonntag der hiesige Männer=GesangVerein„Niegedacht“ mit 64 Personen seinen diesjährigen Sommerausflug nach Altena. Nach der Ankunft dortselbst wurde die Burg und das Kriegerdenkmal besichtigt. Dann öffnete man die von Muttern gut bepackten Rucksäcke und nahm einen tüchtigen Imbiß ein. Sodann gings den steilen Berg hinan. Am Sommerlokal„Kiek um“ wurde kurze Rast gemacht. Hier klang das Lied„Wir Deutschen fürchten Gott“ wuchtig ins Tal hinab. Run ging's auf schönen Waldwegen am Dickenhagen vorbei nach Großendrehscheid, wo man um 1 Uhr ankam. Hier wurde das Mittagessen eingenommen, welches allen nach dem großen Marsche vortrefflich mundete. Von hier wurde der Marsch fortgesetzt nach Wiblingwerda, und man erholte sich bei einer Tasse Kaffee, wobei die letzten Reste aus dem Rucksack genommen wurden. Mittlerweile waren die höchsten Spitzen der Berge erreicht; nun ging's eine Stunde durch das schöne Tal nach Einsal, immer bergwärts. Rechts und links rauschte ein Bächlein und hier und dort ein schöner Wasserfall. So kam man in Eisel an und pilgerte weiter durch das schöne Lennetal nach Nachrodt. Hier bestieg man die Eisenbahn und traf gegen 11 Uhr wohlbehalten wieder in der Heimat an. Mann trennte sich mit der Ueberzeugung, einen schönen, genußreichen Tag verlebt zu haben.. Vom Bürgerschützenverein Günnigfeld. * Günnigfeld, 16. Juli. Die Versammlung des Bürgerschützenvereins, welche am Sonntag im Vereinslokale Riesmeier stattfand, nahm bei zahlreichem Besuch einen angeregten Verlauf. Die Versammlung wurde von dem 1. Vorsitzenden Karl Schneider eröffnet. Nach Verlesung des Protokolle wurde in die Tages ordnung eingetreten. Zunächst erfolgte die Aufnahme von 10 neuen Mitgliedern. Es muß dieses als ein gutes Zeichen dafür angesehen werden, daß der Verein sich in kürzester Zeit ein gutes Ansehen erworben hat. Dann wurde weiter u. a. beschlossen, am 21. September ein geschlossenes Stiftungsfest, verbunden mit Rekrutenabschiedsball und Konzert, unter Mitwirkung der bekannten Gebrüder Spiegel, zu veranstalten. Am Sonntag vor dem Fest, also am 14. September, findet ein Schützenschnurschießen statt. — Der Verein wird sich geschlossen an dem Stiftungsfest des Vereins„Kaiser Friedrich"=Altenbochum am 10. August und an der 125jährigen Feier des Nachbar=Vereins Westenfeld am 27. Juli beteiligen. Der Schriftführer Wilh. Schneider forderte besonders zur Teilnahme an dem letzteren, so seltenen Feste mit eindringlichen Worten auf. Die Mitglieder treten am genannten Sonntage punkt 2 Uhr im Vereinslokal an. Nach Erledigung der Tagesordnung wurde der Beschluß gefaßt, ein Klassen=Schießen abzuhalten, welches gleich nach Schluß der Versammlung zur Ausführung kam und dessen Resultat sehr zufriedenstellend war. Dann hielt noch ein vom Vereinswirt gestiftetes Faß Bier die Mitglieder längere Zeit in harmonischer Weise zusammen. Vermischtes. Was deutsche Jungen von London sagen. 18 deutsche Schuljungen, die auf eine Einladung englischer Kameraden nach London gekommen sind, und hier mit allen Ehren, einem Lunch in der Guildhall. und einem Tee in Mansion House ausgenommen wurden, nehmen das Interesse des britischen Publikums stark in Anspruch und werden freundlich begrüßt, wo sie erscheinen. Natürlich hat man sie auch über ihre Londoner Eindrücke befragt, und sie haben bereitwilligst Auskunft gegeben, manche in einem Englisch, das nach dem Urteil eines Berichterstatters der„Daily Mail“ so gut ist, als wenn sie die Hälfte ihres Lebens in London verbracht hätten. „Was mir am meisten imponiert,“ sagte ein 15jähriger, „ist die Größe von London, die Größe seines Verkehrs, die Größe seiner Männer und Frauen.“„Ja, IhreMän= ner sind groß," bekräftigte er.„Ihre Frauen sind groß, Ihre Soldaten sind groß, Ihre Polizisten aber sind die größten von allen.“„Unsere Soldaten?“ fragte der Interviewer zweiselnd.„Ja, die Leute sind merklich größer als isere deutschen Soldaten, aber schmaler in der Brust. Cinig: Ihrer Frauen ziehen sich wirklich sehr hübsch an, aber andere sind nicht besonders.“ Andere Jungen machten andere Bemerkungen über die Engländer:„Sie nehmen ihre Hüte nicht viel ab und schütteln nicht viel die Hände. Sie sehen alle sehr geschäftig aus.“ Die englischen Schuljungen erregen ihren Neid:„Oh, die haben's gut, die gehen nicht vor 9 oder 9½ in die Schule, während wir schon um 7 raus müssen. Und dabei liegt sich's morgens so schön im Bett.“ Zweimal gestorben. In der Pariser Akademie der Wissenschaften und in der chirurgischen Gesellschaft erstattete der bekannte Pariser Arzt Dr. Bouchon einen interessanten Bericht über den Verlauf einer eigenartigen Operation, die er an dem Herzen einer gestorbenen Frau vorgenommen hatte. Die Frau war von einem Automobil überfahren worden, die Näder gingen über ihre Brust, und sie war alsbald tot. Unmittelbar nach ihrem Tode öffnete der Chirurg den Brustkasten der Toten und stellte Gemernde Teithe. Nach der wichtigen Urkunde, die im letzten Feuilleton veröffentlicht wurde, bringt die Leither Chronik einen zusammenfassenden Ueberblick über die wesentlichen Bestimmungen der Stiftung und gibt hierbei eine Charakteristik des edlen Stifters, der als hochedler und tieffrommer Ritter bezeichnet wird. In der Folge wurde alljährlich das Fest des Kapellenpatrons auf St. Heribert, die Kapellenweihe auf St. Michael und der Todestag des Stifters am 5. August durch ein Seelenamt gefeiert. Von den Schloßkaplänen sind verhältnismäßig wenige bekannt. Nach Peter Wintzeler, der das Rektorat im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts verwaltete, wurde am 27. Januar 1624 der Kanonikus in Münstereifel Hermann Gebour von dem Besitzer der Burg Leithe, Bertram von Resselrode, zum Rektor ernannt. Hermann Gebour starb am 1. Juli 1630 und erhielt gam Nachfolger seinen Bruder Michael Gebour, der in Essen Kanonikus und zugleich in Steele Vikar war. Der neue Rektor machte sich um die Kapelle besonders verdient, indem er sie von Grund aus aufbesserte. Er starb am 7. April 1638 und hinterließ in seinem Testamente der Kapelle die Mittel für einen neuen Bodenbelag, für Altartafeln, ein Meßbuch, einen tragbaren Altar und einen zinnernen Kelch. Zu seinem Nachfolger bestimmte am 25. April 1638 der Wattenscheider Pfarrer Rutger Höveken auf Vorschlag des Freiherrn Matthias von Resselrode den Essener Kanonikus Reiner Esch, den Verfasser der Leither Chronik. In Esch erhielt das Rektorat einen Verwalter, der mit zähestem Elfer die vernachlässigte Vermögensverwaltung der Stelle wieder in Ordnung zu bringen suchte. Die Beschreibung dieser mühevollen Arbeit füllt den größten Teil seiner Chronik aus und bringt auch Landvermessungen, Protokolle von Lokalterminen und Gerichtsurteile. In diesem langjährigen Ringen fand Esch wertvolle Unterstützung bei dem Wattenscheider Vikare Vernhard Bomartz (Bomers), von dem er sagt, daß er fast als der einzige im Lande der Mark bemüht gewesen sei, die verloren gegangenen Kirchengüter wieder zu erwerben. Auf Reiner Esch, der am 11. September 1654 aus dem Leben schied, folgte Alexander Wulfskoth aus Herten, dem die Stelle später wegen langer Abwesenheit entzogen wurde. Dann wurde Jodokus Wessel Altenkirchen aus Recklinghausen Rektor zu Leithe. In sein Rektorat fällt der Verkauf des Hauses Leithe. Am 19. März 1667 verkaufte Johann Wilhelm Salentin Freiherr von Resselrode mit Zustimmung seiner Gattin, Franziska Margarethe Christine geborene Freiin von Brembt, den gesamten adeligen Besitz zu Leithe für 13300 Reichstaler an Anna Elisabeth Witwe von Hövel geborene von Gahlen. Da Frau von Hövel lutherisch war und mit dem Eigentum an der Burg Leithe auch die ihr anklebenden Patronatsrechte über das katholische Kirchspiel Wattenscheid von Rechts wegen erworben hätte, wurden in der Verkaufsurkunde diese Patronatsrechte ausdrücklich ausgenommen. Freiherr von Resselrode blieb also persönlicher Patronatsherr. Inwieweit dies rechtlich möglich war, soll hier nicht erörtert werden. Im folgenden Jahre schenkte er das Recht, die Pfarre, sämtliche Vikarien, die Schloßkapelle zu Leithe, die Neukirche zu Höntrop und die Pilgerkapelle auf Stalleiken nach freier Wahl mit Priestern zu besetzen, der Fürstäbtissin zu Essen. Als am 3. August 1803 das freiweltliche Stift Essen an das Königreich Preußen fiel, gingen mit der Souveränität auch sämtliche damals noch bestehenden Patronatsrechte über die katholische Pfarre Wattenscheid auf die Könige von Preußen über, die sie heute noch besitzen und ausüben. Als Rektor Altenkirchen gestorben war, übertrug die neue Patronatsherrin, Anna Salome von Salm=Reifferscheid, Fürstäbtissin zu Essen, die Leither Vikarie den Jesuiten in Essen, die sie in der Folgezeit innehatten, aber wegen der veränderten konfessionellen Verhältnisse der Schloßbesitzer die Bestimmungen der Stifter wohl kaum erfüllt haben. Kurz nach dem Fall des Essener Frauenregiments wurde auch das Schicksal der Leither Schloßkaplanei endgültig besiegelt: Als im Jahre 1804 der Wattenscheider Pastor Josef Brockhoff seine jahrelange Neuordnung der gesamten Kirchenwirtschaft in Wattenscheid einem glücklichen Ende zuführte, gelang es ihm, auch die Heriberti=Vikarie zu Leithe von Essen wieder an Wattenscheid zu bringen. Da der Stiftungszweck von anno 1366 an Ort und Stelle bei den neuen lutherischen Schloßherren nicht mehr zu erfüllen war, wurde die Leither Vikarie mit ihren Vermögensstücken zu den beiden Wattenscheider Vikarien Petri et Pauli und Urbani, Antonii et Amandi geschlagen und aus diesen drei Seelsorgestellen die noch bestehende Vikarie Peiri et Pauli gebildet, die sich heute in den Händen des Vikars Kaspar Platte befindet. fest, daß die rechte Herzseite geplatzt war und eine fast drei Zoll lange Wunde aufwies. Er vernähte nun diese Wunde, injizierte ein Serum und begann das Herz zu massieren. Eine Minute später setzte die Herztätigkeit wieder ein und der Puls wurde deutlich fühlbar. Diese wiedererweckte Herztätigkeit und Blutzirkulation dauerte 35 Minuten, worauf die Frau zum zweiten Male starb. Der Tod trat infolge einer schweren Verletzung der Leber und anderer vitaler Organe ein. Dr. Bouchon zieht aus dem Ergebnis seiner Operation den Schluß, daß im Falle einer gewaltsamen Herzverletzung, etwa durch einen Messerstich oder dergleichen, es möglich sein könnte, die Toten wieder zum Leben zu bringen und auch am Leben zu erhalten, vorausgesetzt, daß die Operation sofort ausgeführt wird. Selbstverschuldet. Er war furchtbar zugerichtet. Den Arm trug er in einer Schlinge und hinkte stark. Ein Auge war blau u. stark geschwollen und die Nase ganz außer Form. So trat er in das Bureau der Unfallversicherung, ein Bild des Jammers.„Nun, Mr. Davies,“ fragte der höfliche Beamte,„was wünschen Sie?“„Ich bin eine furchtbar hohe Treppe runtergefallen und dabei lo schwer verletzt worden, daß ich für lange nicht arbeiten kann," antwortete er.„Ich denke, 250 M. Schadenersatz ist wohl nicht zu viel.„Hm,“ meinte der Beamte der Versicherungsgesellschaft, den Fall gütig erwägend.„Ich habe der Sache schon nachgeforscht, bevor Sie mich besuchten, und da muß ich sagen, es liegt kein Anlaß vor, junger Mann, an einen Unglücksfall zu glauben. Sie wußten, daß der Vater der jungen Dame zu der fraglichen Zeit gerade zu Hause war, und haben die Unannehmlichkeit selbst verschuldet...“ Und wenn's genug geregnet hat... Der Regen hat unter den Menschen nicht viel Freunde. Der Landmann zwar freut sich des himmlischen Nasses, solange es ihm nicht im Uebermaß und zur Unzeit bescheert wird. Den meisten Sterblichen aber sind verregnete Ferien oder zu Wasser gewordene Landpartien in schmerzlicher Erinnerung. Nur eine Klasse von Menschen behandelt den Regen mit Objektivität, nämlich die Meteorologen. Sie haben sinnreiche Instrumente und Apparate erdacht, die über die Niederschläge genaue Aufzeichnungen machen. Der Einführung solcher Registrierapparate verdanken wir interessante, teilweise überraschende Aufschlüsse. So ist z. B. die Dauer eines Regenfalles im allgemeinen viel kürzer, als man wohl annimmt. Wie nämlich soeben Professor G. Hellmann auf Grund zehnjähriger Regenbeobachtungen in Norddeutschland ermittelt hat, halten 72 Prozent sämtlicher Regenfälle höchstens eine Stunde an, weitere 14 Prozent 1 bis 2 Stunden und 12 Prozent über 2 bis 6 Stunden. Nur 2 Prozent aller Regenfälle währen länger als 6 Stunden. Ein Regen von 12stündiger Dauer muß schon als eine große Seltenheit gelten, da er an jeder Station nur alle 3—4 Jahre einmal beobachtet wird, und nur ganz ausnahmsweise kommt es vor, daß es an einem Orte 24 Stunden ohne Unterbrechung regnet. Auch darüber, wie oft es an einem Tage regnet, liegen interessante Angaben vor. An etwa 30 von je 100 Regentagen regnet es nur einmal, von etwa 22 Prozent aller Regentage zweimal usw. Gelegentlich kann es aber vorkommen, daß sich an einem Tage die Schleusen des Himmels nicht weniger als 18 Mal öffnen. Was schließlich die Frage betrifft, zu welcher Tageszeit die größten Regenmengen niedergehen, so zeigte sich, daß in den westlichen Teilen Norddeutschlands, die unter der Herrschaft des ozeanischen Klimas stehen, der meiste Regen bei Nacht fällt, während in den östlichen Landschaften, wo bereits das Kontinentalklima sich geltend macht, die Nachmittagsstunden am regenreichsten sind. Goldene Einladungskarten hat der bekannte Moskauer Millionär Spiridinow an seine Bekannten zur Feier seiner goldenen Hochzeit ergehen lassen. 200 Einladungskarten aus reinem Golde, auf denen der Text der Einladung kunstvoll in Emaill erscheint. Jede Karte wiegt 20 Gramm; insgesamt wurden 8 Pfund Gold verwendet. Die Einladungen zeigen im übrigen die übliche Kartenform, aber manche der Gäste werden trotzdem bedauern, daß der russische Millionär nicht täglich goldene Hochzeit feiert. Lustiges aus dem französischen Staatshaushalt. „Talglieferung für Seine Majestät— 10000 Rubel“, oiesen Posten soll einmal Zar Alexander 3. mit Staunen im Budget des Kaiserlichen Haushaltes gelesen haben, und als er nun über diesen merkwürdigen, ihm zugeschriebenen Fettverbrauch nähere Nachforschungen anstellte, erwies sich, daß diese Summe schon seit vielen Jahrzehnten im Budget figurierte. Nur war sie immer größer geworden; früher waren es nur 6500 Rubel, unter Nikolaus 1. nur 2500 Ruhel usw. Und woher kam dieser Posten? Er war unter Peter dem Gr. Unser heutiges Bild gibt eine Uebersicht der Geschwindigkeits=Rekorde der letzten Zeit. Auf dem beistehenden Tableau haben wir eine Rennbahn dargestellt, auf der diese Rekorde durch die entsprechenden Figuren veranschaulicht werden. Die Bahn muß des Platzes wegen spiralförmig angelegt werden, da die einzelnen Rekorde naturgemäß eine sehr große Differenz ausweisen. Die ganze Bahn ist an ihrem außeren Rand in gleiche Zwischenräume eingeteilt, welche je einem Kilometer entsprechen. Aus dem Standort, den die verschiedenen Rekordaufsteller an dieser Skala einnehmen, kann man ersehen, welche Strecke sie innerhalb einer Stunde zurückgelegt haben. entstanden; der hatte eines Tages Talg verlangt, um seine Schuhe einzufetten, und man hatte ihm eine Kerze für einen halben Kopeken gebracht. Die war dann mit gehörigem Aufschlag in den Haushalt des Kaiserlichen Hauses aufgenommen worden und hatte sich lawinenartig vergrößert.... Diese Geschichte, die„wenn sie nicht wahr, doch gut erfunden ist, bildet den Auftakt einer Plauderei, die Henri Morandes über lustige Einzelheiten aus dem französischen Budget veröffentlicht. Das Budget des Ministeriums des Auswärtigen für 1907, das erst 1911 im Umfange von 679 Seiten ausgegeben wurde, umfaßt z. B. folgende Summen bei dem Empfang der Herrscher von Norwegen und von Dänemark. Für Blumenschmuck wurden 23 825 Frcs. geopfert. Für den 3tägigen Besuch der Fürsten wurden 1250 Servietten, 300 Wischtücher, 66 Tisch= und 64 Bettücher, 6 Bademäntel geliehen; 2039 Servietten, 640 Wischtücher, 358 Tischtücher, 21 Paar Handschuhe, 16 Paar Strümpfe kamen zum Waschen. Für Hüte wurden bei dieser Gelegenheit im ganzen 10920 Frcs. ausgegeben. Für 60 Besen, 12 Handleuchter, 12 Vasen und verschiedene andere derartige Gegenstände berechnete man in dem Budget 1085 Frcs. 18 Cents. Auf der Liste, die die für das Personal des Ministeriums des Innern angeschafften Bücher und Zeitschriften aufzählt,„die einen technischen Charakter haben und unbedingt notwendig sind", erscheinen neben Zolas„Sünde des Abbe Mouret" und Frances„Verbrechen des Sylvestre Bonnard" Romane mit den verlockenden Titeln:„Huguettes Abenteuer",„Das schamhafte Albion“,„Die Eisenmaske“, „Ueber dem Abgrund“ usw. Die unmöglichsten Beamten werden mit Gehältern eingestellt; so hat man z. B. einen Gesandten von Adis=Abeba ernannt, der ruhig in Paris sitzt; ein Architekt, der 2500 Frcs. jährlich bezieht, figuriert als„Chinesischer Dolmetscher“, obwohl die diplomatischen Beziehungen mit Venezuela bereits seit 1907 abgebrochen sind, haben die Angestellten dieser Gesandtschaft, die doch gar nicht mehr existieren, 92 463 Frcs. Gehalt empfangen. Und nicht besser ist es im Budget der Stadt Paris bestellt. Die arme Stadt muß alles viel teurer bezahlen als andere Sterbliche. Das einfache Einschmieren eines Türschlosses kostet sie 15 bis 18 Frcs., das Anlegen einer Türklingel an einer Mädchenschule 365 Frcs. und das Ausbessern einer Klingelschnur in einer Knabenschule 205 Fres. Die Oefen in den Schulen, deren Instanderhaltung mit jährlich 392000 Frcs. figuriert— 80 Frcs. Reparaturen für jeden Ofen—, kosten, obgleich sie stets in gleicher Ausführung sind, bald 220 Frcs., bald 270, bald 360 Frcs. Und die Rechnungskammer, die doch alles revidiert? Sie hätte viel zu tun, wenn sie jedes der 150000 Aktenstücke, die jährlich von jedem Ministerium eingeliefert werden, durchsehen wollte. Den meisten Faszikeln geht es so wie jenem, in das der Dichter Emile Goudeau einen sauren Hering legte, den er nach Monaten noch imer darin fand.... Französischer Witz. Ein ganz Schlauer. Der kleine Gaston(in der Schule): „Bitte, Herr, Lehrer, kann man gerechterweise auch für das bestraft werden, was man nicht gemacht hat?“—„Aber nein, mein Junge, gewiß nicht.“ Gaston:„Dann möchte ich melden, daß ich meine Rechenaufgaben nicht gemacht habe.“ S Eine Badereise mit Kindern soll nicht nur für diese, sondern auch für die Mutter eine Erholung sein. Trotzdem müssen die Kinder natürlich zu ihrem Rechte kommen, besonders die Kleinsten bedürfen der gleichen pünktlichen Wartung und Pflege und derselben sorgfältigen Ernährung wie daheim. Eine leicht und bequem zu bereitende Nahrung wie„Kufeke“=Milchsuppe wird daher bevorzugt; besonders da es bekannt ist, daß sich„Kufeke“ durch lange Haltbarkeit, hohen Nährwert und leichte Verdaulichkeit auszeichnet, und daß die Kinder bei„Kufeke“=Kost sich kräftig und gesund entwickeln. Straßensperrung. Die Kaiserstraße in Eppendorf von der Holzstr. bis zu: Zollstr. wird bis auf weiteres für den durchgehenden Fuhrwerksverkehr gesperrt. Wattenscheid, 12. Juli 1913. Der Amtmann: Emisch. Tclanntmachung. Gefunden ist im hiesigen Stadtbezirk ein Portemonnaie mit Inhalt. Der Eigentümer kann sich im hies. Rathause, Zimmer 2, melden. Wattenscheid, d. 10. 7. 1913. Die Stadt=Polizei=Verwaltung: Der Bürgermeister: Wibberding. Biliges Rühnertuler Weizen=, Gersten=Abfall und ganzer Mais gemischt versendet zu Mk. 11.— Kleinweizen mit Mais M. 13.— per 150 Pfd frank Käuf ers Bahnstation gegen Nachnahme. Sein& Kimmel, Neußa. 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Nov. 1908, 23. Sept. und 12. Okt. 1911 erlassen. I. Der Eingang der Anordnungen erhält folgende Fassung:„Auf Grund der§§ 1 und 82 des Gewerbegerichtsgesetzes vom 29. Juli 1890 u. 30 Juni 1901 in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. September 1901(Reichs=Gesetzblatt S. 353 ff.) werden für die in dem nachstehend bezeichneten Teile des Oberbergamtsbezirks Dortmund belegenen Bergwerke nebst zugehörigen, unter der Aufsicht der Bergbehörden stehenden Betrieben, Salinen, Aufbereitungsanstalten, unterirdisch betriebenen Brüchen und Gruben nach Anhörung beteiligter Arbeitgeber und Arbeiter folgende Anordnungen getroffen:“ II. Der§ 1 der Anordnungen erhält folgende Fassung: „(Abs. 1.) Für die Entscheidung von gewerblichen Streitigkeiten zwischen den in Bergwerken nebst zugehörigen, unter der Aufsicht der Bergbehörden stehenden Betrieben, Salinen, Aufbereitungsanstalten und unterirdisch betriebenen Brüchen und Gruben beschäftigten Arbeitern einerseits und ihren Arbeitgebern andererseits ist ein Berggewerbegericht errichtet, welches den Namen„Berggewerbegericht zu Dortmund“ führt.(Abs. 2.) Sein Sitz ist zu Dortmund.(Abs. 3.) Der im Eingang erwähnte Teil des Oberbergamtsbezirks Dortmund umfaßt: A. in der Provinz Westfalen 1. vom Regierungsbezirke Münster die Kreise RecklinghausenStadt und Land, Beckum, Lüdinghausen und vom Kreise Coesfeld die Stadt und das Amt Haltern; 2. den Regierungsbezirk Arnsberg mit Ausnahme der Kreise Arnsberg, Brilon, Meschede, Olpe, Siegen und Wittgenstein; B. in der Rheinprovinz vom Regierungsbezirk Düsseldorf: die Kreise Rees, Dinslaken, Duisburg, Oberhausen, Mühlheim a. d. Ruhr, EssenStadt und Land sowie die nördlich der Düsseldorf=Schwelmer Staatsstraße belegenen Teile der Kreise Düsseldorf=Stadt und Land, Mettmann, Elberfeld und Barmen.“ IlI. Im§ 5 der Anordnungen werden ersetzt: 1. Im Abs. 1 die Zahl„398“ durch die Zahl„402“; 2. im Abs. 2 a) unter XIII die Worte„Ost=Essen" durch die Worte „Essen II“; d) unter XIV die Worte„West=Essen" durch die Worte„Essen III“; c) unter XV die Worte„Süd=Essen" durch die Worte„Essen I“; 3. im Abs. 4 a) unter II die Zahl„26“ durch die Zahl„22“, d) unter XI die Zahl„22“ durch die Zahl „26“, c) unter XIII die Worte„Ost=Essen" durch die Worte „Essen II“, d) unter XIV die Worte„West=Essen" durch die Worte„Essen III“ und die Zahl„24“ durch die Zahl„22“, e) unter XV die Worte„Süd=Essen" durch die Worte„Essen I“ und die Zahl„20“ durch die Zahl„22“, 1) unter XVI die Zahl „10“ durch die Zahl„14“. IV. Im§ 6 der Anordnungen fällt der Abs. 2 fort; die Absätze 3 und 4 werden demgemäß Absätze 2 und 3. V. Im§ 9 der Anordnungen erhält der Abs. 1 folgende Fassung:(Abs. 1.) Zur Teilnahme an den Wahlen sind nur Arbeitgeber und Arbeiter berechtigt, welche das 25. Lebensjahr vollendet haben. VI. Die Anlage zu§ 11 Abs. 1 der Anordnungen erhält die aus der Anlage ersichtliche Fassung. VII. Im§ 25 der Anordnungen erhält der Abs. 1 folgende Fassung:„(Abs. 1.) Ein Mitglied des Berggewerbegerichts, hinsichtlich dessen Umstände eintreten oder bekannt werden, welche die Wählbarkeit zu dem von ihm bekleideten Amte nach Maßgabe dieser Anordnungen ausschließen, ist des Amtes zu entheben. Wechselt ein Arbeiterbeisitzer seine Arbeitsstelle durch Uebernahme von Arbeit auf einem Bergwerke, das nicht zu seinem Wahlbezirke gehört, so findet die Enthebung nur statt, wenn das Bergwerk zu einer anderen Spruchkammer des Berggewerbegerichts gehört. Ein Arbeiterbeisitzer wird des Amtes nicht enthoben, wenn er nach Unterbrechung der Arbeit infolge einer militärischen Dienstleistung, eines Ausstandes oder einer Aussperrung alsbald wieder zur Beschäftigung auf demselben Bergwerk angenommen wird, ohne inzwischen auf einem anderen Bergwerke beschäftigt gewesen zu sein. Die Enthebung erfolgt durch das Königliche Oberbergamt zu Dortmund nach Anhörung des Beteiligten.“ VIII. 1. Die vorstehenden Aenderungen treten am 1. Juli 1913 in Kraft. 2. Mit dem Inkrafttreten der Aenderungen werden die Beisitzer aus dem Kreise der Arbeitnehmer in den durch die Aenderungen betroffenen Wahlbezirken gemäß§ 26 Abs. 1 der Anordnungen den nachbezeichneten Spruchkammern wie folgt zugeteilt: a) Aus der bisherigen II. Kammer(WestRecklinghausen) werden zugeteilt 1. die zwei Beisitzer aus dem 6. und 7. Wahlbezirke— Nordstern 1=2 und Nordstern 3=4— der neuen XI. Kammer(Gelsenkirchen) als Beisitzer aus den Wahlbezirken 12 und 13— Nordstern 1=2 und Nordstern 3=4—; 2. die zwei Beisitzer aus dem 8. und 9. Wahlbezirke— Graf Moltke 1=2 und Graf Moltke 3=4— der neuen XIV. Kammer(Essen III) als Beisitzer aus den Wahlbezirken 10 und 11— Graf Moltke 1=2 und Graf Moltke 3=4—. b) Aus der bisherigen XIV. Kammer(West=Essen) werden der neuen XV. Kammer(Essen 1) zugeteilt 1. der eine Beisitzer aus dem 1. Wahlbezirke— Ver. Helene und Amalie, Schacht Amalie— und zwar dem 9. Wahlbezirke— Ver. Helene und Amalie, Schacht Amalie—; 2. der eine Beisitzer aus dem 2. Wahlbezirke— Ver. Helene und Amalie, Schacht Helene— und zwar dem 10. Wahlbezirke— Ver. Helene und Amalie, Schacht Helene—; 3. der eine Beisitzer aus dem 8. Wahlbezirke— Carolus magnus— und zwar dem 11. Wahlbezirke— Carolus magnus—; c) Aus der bisherigen XV. Kammer(Süd=Essen) werden der neuen XVI. Kammer(Werden) zugeteilt 1) der eine Beisitzer aus dem 1. Wahlbezirke— Herkules, Schacht 4 und Schacht Katharina, und Herkules 1=2— und zwar dem 6. Wahlbezirke— Herkules, Schacht 4 und Schacht Katharina, und Schacht Herkules 1=2—; 2) der eine Beisitzer aus dem 4. Wahlbezirke— Ver. Sälzer und Neuack— und zwar dem 7. Wahlbezirke— Ver. Sälzer und Neuack—.. 3. Von den Beisitzern aus dem Kreise der Arbeitgeber in den durch die Aenderungen betroffenen Kammerbezirken hat das Königliche Oberbergamt zu Dortmund zwei Beisitzer aus dem Bezirke der bisherigen Kammer II(West=Recklinghausen) der neuen Kammer XI(Gelsenkirchen) und einen Beisitzer aus dem Bezirke der bisherigen Kammer XIV(West=Essen) der neuen Kammer XV(Essen 1) zuzuteilen. 4. Bei der neuen Kammer II(West=Recklinghausen) gilt der in dem bisherigen Wahlbezirke 13 gewählte Beisitzer aus dem Kreise der Arbeitnehmer als für den neuen Wahlbezirk 10 gewählt. In den Wahlbezirken 9 und 11 ist je ein Beisitzer neu zu wählen. 5. Im Bezirke der neuen Kammer XVI(Werden) sind zwei Beisitzer aus dem Kreise der Arbeitgeber nach§ 18 Abs. 2 der AnCordnungen neu zu wählen. 6. Die Amtszeit der neu gewählten Beisitzer wird auf Grund des§ 8 Abs. 5 der Anordnungen mit der Amtszeit der übrigen Beisitzer des Berggewerbegerichts zu Dortmund gleichgestellt, so daß gemäß§ 8 Abs. 4 die eine Hälfte der neu gewählten Beisitzer zum 1. Januar 1915, die andere Hälfte zum 1. Januar 1918 ausscheidet. Berlin W9, den 24. Juni 1913. I. 4694. Der Minister für Handel und Gewerbe. Sydow. Leipzig 1 113 Internationale Baufach-Ausstellung mit Sonder- Ausstellungen Weltausstellung für Bau- u. Wohnwesen Mai bis November Am Fuße des Völkerschlachtdenkmals erbaut auf einer Fläche von 400000 qm. Besondere Sehenswürdigkeiten: Leipzig zur Zeit der Völkerschlacht— Dörfchen mit anschließender landwirtschaftlicher Sonderausstellung— 50000 qm großer Erholungspark—Gartenvorstadt Marienbrunn-Täglich große Künstler-Konzerte auf der Straße des 18. 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