*— Nr. 161. (1. Blatt.) Dienstag, den 15. Juli 1913. 45. Jahrgang. „ gegründet 18699 In— (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet z inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet S 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt"(Sseitig). (eitere Machericchen) eir Stadr und Amr 2 Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. * Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts# : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin= 2 I zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Jeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Wetteraussichten. Wetter für Mittwoch: Veränderlich, strichweise Regen, kühl. Aus Stadt. Amt und Wattenscheid, 15. Juli. Knuppschaftsberufsgenossenschaft. * Bei den getätigten Wahlen zur Knappschaftsberufsgenossenschaft Sektion 2 wurden zur Genossenschafts=Versammlung aus diesem Kreise gewählt: Bergassessor Althoff=Wattenscheid, Bergassessor Selbach=Eickel. Zu Ersatzmännern wurden gewählt: Bergassessor Dill=Wattenscheid, Direktor Wilhelm Schmitz=Weitenfeld, Bergaffessor Fromme=Hordel. Von unserer Feuerwehr. * Der 2. Löschzug veranstaltet gestern am Steigerturm des östlichen Stadtteils eine Hauptübung, indem unter Leitung des Brandmeisters Tanzeglock zunächst Schulübungen und dann ein Sturmangriff in exakter Weise ausgeführt wurden. Nach der Uebung, die in allen Teilen einen wohlgelungenen Verlauf nahm und Zeugnis ablegte, von der Schlagfertigkeit unserer Wehr, fand noch ein gemütliches Zusammensein im Restaurant Rörig statt. Von der Anstreicher=Innung. * Im Innungslokale Grucza traten gestern abend die Mitglieder der Maler= und Anstreicherinnung zu einer Versammlung zusammen, die recht zahlreich besucht war. Mit Rücksicht auf die erheblich gestiegenen Gesellenlöhne und Materialienpreise wurde beschlossen, von jetzt ab einen Stundenlohn von 90 Pfg. in Ansatz zu bringen. Am nächsten Montag soll ein Ausflug mit Damen nach dem Essener Stadtwald untemnommen werden. Die Abfahrt erfolgt um 1.42 Uhr ab Station Wattenscheid. Die Verhandlungen wurden geleitet vom Obermeister Wiese. Die Barbier= und Friseur=Innung. * Die Barbier=, Friseur= und Perückenmacher-Innung hatte gestern im Restaurant Kuhnen ihre Quartalversammlung, welche aus Anlaß des Kaiserjubiläums mit einem Kaiserhoch von dem Obermeister Plato eröffnet wurde. Die Delegierten des Provinzialverbandstages zu Bochum berichteten über ihre Tätigkeit und empfahlen, auch in Wattenscheid eine Einkaufsgenossenschaft zu gründen oder sich einer bestehenden anzuschließen. Dies ist deshalb von Vorteil, weil es durch einen gemeinsamen Einkauf von zirka 500 Geschäften eher möglich ist, die äußersten Preise von den Fabrikanten zu erhalten, als wenn jedes Geschäft einzeln einkauft. Hierdurch wird es dann ermöglicht, mit jedem Warenhaus zu konkurrieren. Im Sommer d. Is. findet in Paderborn ein Fachschullehrertag statt, zwecks Aufstellung eines einheitlichen Lehrplanes für die Fachschalen. Als Delegierte wählte die Versammlung W. Plato und Fr. Schattschneider. Für das zu gründende Handwerkererholungs heim im Westfälischen Bezirk bewilligte die Versammlung einen Beitrag von 25 Mark. Schlesischer Knappenverein„Glück=Auf“. * Der schlesische Knappenverein„Glück=Auf“(Vorsitzender Kirchner) feierte am Sonntag in seinem Vereinslokal Wilh. Recke sein 22. Stiftungsfest durch Konzert, Gesangvorträge und Ball. Die Beteiligung der Mitglieder und aus allen Kreisen der Bürgerschaft war eine über aus große, sodaß sämtliche Räumlichkeiten des großen Lokales bis auf den letzten Platz besetzt waren, wohl der beste Beweis für die Beliebtheit des Vereins. Folgende Vereine waren der Einladung des festgebenden Vereins gefolgt und in stattlicher Stärke erschienen: Männergesangverein„Glück=Auf"=Wattenscheid, Ev. Knappen=Verein Wattenscheid, Gesang=Verein Katernberg, Knappen=Verein Herne, Schlesiex=Verein Heßler, Knappen=Verein Gladbeck, Schlesier=Verein„Harmonie“=Günnigfeld. Die Feier wurde recht wirkungsvoll durch mehrere Musikvorträge der Schlotterhoseschen Kapelle eingeleitet. Der Vorsitzende des Vereins Kirchner, begrüß te die Anwesenden, besonders die auswärtigen Vereine und gab der Hoffnung Ausdruck, daß alle befriedigt über den Verlauf des Festes sein würden. Jetzt wechselten Musikstücke und Gesangvorträge des Männergesangvereins„Glück=Auf"=Wattenscheid(Vors. Wendrodt) Vereinslokal Floren. Der Verein sang unter der bewährten Leitung seines Dirigenten KroppEssen mehrere der Feier angepaßte Lieder, welche großen Beifall fanden. Ein Festball beschloß das in jeder Hinsicht schön verlaufene Fest. Zum guten Gelingen des Festes trug nicht zum letzten die vorzügliche Verpflegung des Vereinswirtes bei. Sppune den Gadenechns. * Am Sonntag tagte in Neuß der 24. Abgeoronetentag rheinisch=westfälischer Gardevereine, mit dem das Silberjubiläum des dortigen Gardevereins verbunden war. Auf der Tagung waren 292 Vertreter von 96 Vereinen aus allen Bezirken beider Provinzen anwesend. Auch der im Restaurant H. Voortmann tagende Wattenscheider Gardeverein war durch den Vorsitzenden Wolf und durch den Kassierer H. Voortmann vertreten. * Verbandsvorstand wurde wiedergewählt. Als Ort der nächsten Tagung wurde der Verbandssitz Remscheid bestimmt. Das elektrische Licht. * Gestern abend gegen 12 Uhr versagte däs elektrische Licht in Wattenscheid. Die Störung hielt 50 Minuten an. Verhafteter Dieb. * Wir berichteten kürzlich von einem raffinierten Diebstahle, der bei dem Uhrmacher und Juwelier Hoffmann (Nottebaum Nachs.) in der Nordstraße verübt worden war. H. hatte einen ihm bekannten Apothekerlehrling aus Schonnebeck, Schlösser mit Namen, für einige Tage bei sich aufgenommen, erntete aber für diesen Freundschaftsdienst nur Undank. Sch. erbrach nämlich in einem günstigen Augenblicke mehrere verschlossene Schränke und entwendete daraus Bargeld in Höhe von ca. 200 Mark, einen Brillantring im Werte von 300 M., sowie mehrere Uhren und andere Goldsachen. Mit dieser Beute flüchtete er und konnte trotz eifriger Nachforschungen nicht ermittelt werden. Jetzt kommt die Nachricht aus Hamburg, daß er dort festgenommen ist. Er hatte sich dort der überwachenden Polizei verdächtig gemacht und wurde deshalb sistiert. Es wurde sodann festgestellt, daß Sch., der anscheinend„übers Wasser" wollte, von Wattenscheid aus gesucht wurde. Der Verhaftete ist erst 16 Jahre alt. Das Sparkassenwesen in Stadt und Amt Wattenscheid. * Die Geschäftsergebnisse der Sparkassen der Stadt und des Amtes Wattenscheid lassen eine günstige Fortentwickelungfeststellen, die um so erfreulicher ist, als für die Sparkassen in den beiden letzten Jahren, wie überhaupt für den Geldmarkt, sich manche kvitische Zeiten ergaben. Am Schlusse des Jahres 1910 belief sich der Betrag der Einlagen bei der städt. Sparkasse auf 16 428 512 Mark. Zieht man einen Vergleich mit den damaligen Einlagen der Sparkassen der benachbarten Großstädte Bochum, Gelsenkirchen, so hat Wattenscheid, wenn man das Verhältnis der Einwohnerzahl zu einander abwägt, die höchste Einlage. Ende des Jahres 1911 verfügte die Sparkasse Wattenscheid über einen Zuwachs durch neue Einlagen von 6 736 187 M., durch Zuschreibung von Zinsen einen solchen von 549 442 Mark. Wattenscheid gab im Jahre 1911 3 023 505 Mark Einlagen zurück, hatte somit am Ende 1911 einen Gesamteinlagebestand von 17 690 637 M. Gegen 1910 bedeutet das einen Zuwachs von 1 262 125 M. Im Jahre 1912 flossen der städtischen Sparkasse an Neueinlagen zu 3 421 944 M., an Zinszuschreibungen 579 201 Mark zu. Gegenüber 1911 ist hier ein merklicher Rückgang zu verzeichnen, der auch bei vielen anderen Sparkassen eintrat. Die Ausgabe im Jahre 1912 für zurückgenommne Einlagen betrug 3384 984 Mark. Das Mehr der Einnahmen den Ausgaben gegenüber beläuft sich hier nur auf 36 960 Mark. Am Schlusse des Jahres 1912 hatte die Wattenscheider Sparkasse eine Gesamteinlagesumme von 18 306 798 M. zu verzeichnen, mithin eine Zunahme gegen 1910 von 1 876 286 M. Der Bestand des Reservefonds, welcher 1911 871 756 M. betrug, verringerte sich 1912 auf 866 207 Mark.— Die Amtssparkasse Wattenscheid besaß Ende 1910 einen Bestand von 10 311 863 M., die Neueinlagen betrugen 1911 1 954 367 Mark, die Zinszuschreibung 312 065 Mk., sie gab Einlagen 1911 zurück in Höhe von 1 838 471 M. Ihr Bestand erhöhte sich Ende 1911 aus 10 739 824 M., gegen 1910 eine Zunahme von 428 161 M. Der Zuwachs der Einlagen im Jahre 1912 belief sich auf 1 915 660 M., der Zinszuschreibung 323 887 M. In dem gleichen Zeitraume gab die Kasse Einlagen in Höhe von 1 672 879 Mark zurück, sodaß sie am Schlusse des Jahres 1912 einen Gesamtbestand an Einlagen von 11 306 492 Mark hatte. Die Amtssparkasse Wattenscheid erhielt seit Ende 1910 in den folgenden 2 Jahren einen Zuwachs von 994 629 M. Gegen 1912 erhöhte sie ihren Reservefonds von 382 524 M. auf 414 248 Mark. Ballonaufs * Gestern nachmittag 5,40 Uhr stieg beim Gasometer der che„Rheinelbe“ der Ballon„Gelsenkirchen" mit einem errn aus Herne, der seine Führerprüfung machte, zu einer fahrt auf. Die Landung erfolgte sehr glatt gegen 8 Uhr im hertener Wald. Das Vermögen im Strumpfe. * Munscheid, 15. Juli. Auf dem Wochenmarkte in Linden brach eine ältere Dame unter Krämpfen zusammen und starb auf dem Transport zum Krankenhause. In einem Strumpfe der Unbekannten steckte ein Sparkassenbuch über 1050 M, auf den Namen Wersner, ausgestellt von einer ostpreußischen Sparkasse und ein Briefumschlag mit 750 4 in bar. Als die Nachricht von dem Tode der Frau bekannt wurde, hat sich ein Eisenbahnbeamter a. D. Friedr. Senftleben aus Munscheid als ihr Ehemann gemeldet. Die Staatsanwaltschaft läßt nähere Feststellungen troffen. Gründung eines Kriegervereins in Leithe. * Leithe, 15. Juli. Zwecks Gründung eines Kriegervereins für unsere Gemeinde hatten sich am Sonntag vormittag 75 ehemalige Soldaten im Restaurant Kampmann zu einer Versammlung zusammengefunden, die von Wachtmeister Dresen(Feuerwache Rheinelbe) geleitet wurde. Nach eingehender Aussprache wurde im Prinzip die Vereinsgründung beschlossen und ein provisorischer Vorstand mit Wachtmeister Dresen als Vorsitzenden gewählt. Am 17. August nachm. 4 Uhr soll abermals eine Versammlung stattfinden, in der die definitive Gründung vorgenommen werden soll. Militärkonzert in Leithe. * Leithe, 15. Juli. Es sei nochmals auf das heute abend 8 Uhr im Glückauf=Keller neben der GlückaufBrauerei stattfindende Militärkonzert hingewiesen. Nach Eintritt der Dunkelheit wird ein großes Brillantfeuerwerk abgebrannt. Ein Tanzkränzchen beschließt das Konzert. Abgewiesene Klage. * Leithe, 15. Juli. Zur Konzessionssteuer ist der Wirk Theodor Kampmann von hier herangezogen worden. Seine Klage, die er dieserhalb gegen den Kreisausschuß zu Gelsenkirchen führte, wurde zunächst von diesem und dann auch vom Bezirksausschuß zu Arnsberg abgewiesen. Neues aus Günnigfeld. * Günnigfeld, 15. Juli. Der Kameradschaftk. Kriegerverein 16. Armee=Korps hielt am Sonntag im Parkrestaurant eine gut besuchte Monatsversammlung ab. Aufgenommen wurden 5 Kameraden. Zur Teilnahme an dem vom Kreiskriegerverband veranstalteten Preisschießen wurden die Kameraden Mohr, Kneider und Dlugokinski gewählt. Im Uebrigen wurden noch Festangelegenheiten besprochen.— Der Bergmann M. von hier wurde gestern wegen Sittlichkeitsvergehens festgenommen und dem Kgl. Amtsgericht Wattenscheid vorgeführt, welches die Untersuchungshaft verhängte.— Dem Wirt Heinrich Kneider wurde vom Männergesangverein Günnigfeld für 25jährige Mitgliedschaft ein prachtvolles eingerahmtes Divlom überreicht. Weitere Lokalnachrichten siehe 2. Blatt. Eingesandt. Wattenscheid, 15. Juli. Mit großem Interesse habe ich von dem Beschluß des Gewerbevereins und von den verschiedenen, diesbezüglichen Notizen der Wattenscheider Zeitung gelesen, wonach im Kreise der Wattenscheider Ladenbesitzer beabsichtigt wird, unter Leitung des Gewerbevereins oder einer dazu eingesetzten Kommission auch in Wattenscheid mal einen großen Schaufensterwettbewerb zu veranstalten. Es ist das auf's allerfreudigste zu begrüßen; denn das Renommee der Wattenscheider Kaufleute wird dadurch nur gehoben, der Handel wird gefördert, die Kauflust angeregt, die Konkurrenz der Nachbarstädte wird aus dem Felde geschlagen, die Meinung mancher Wattenscheider, sie könnten nicht gut hier kaufen, wird dadurch ein für alle Mal besiegt! Auf also zum Schaufensterwettstreit! Man scheue keine Kosten und Mühen! Besonders groß sind sie überhaupt nicht, da ohnehin die Fenster dekoriert werden müssen. Ich erinnere nur an den wiederholt in Steele stattgehabten Wettstreit, der dem Ansehen und Verdienst der Steelenser Kaufmannschaft und der Stadt Steele hervorragend genutzt hat. Als Stifter der Preise lassen sich gewiß hervorragende Kaufleute und auch die Stadtverwaltung bewegen. Oder aber es genügt, einfach die Preise als Rangstufen ohne Geld und Geldeswert anzu setzen. Es genügt den Siegern, wenn einfach ihre Firmen als die preisgekrönten herauskommen und von der Presse bekannt gemacht werden. Das Haupmoment für einen Wettstreit in Wattenscheids Mauern wäre das, daß wir tatsächlich Hinterlandgenug besitzen, das wir durch den Wettstreit herziehen und dauernd an uns fesseln würden. Das große Amt Wattenscheid und die Gemeinden darüber hinaus sind durch Straßenbahn mit uns verknüpft. Die dortigen Bewohner werden bisher hier kaufen, wenn ihnen und in Form einer allgemeidaß unsere Geschäftswelt voll und ganz auf dem Damm ist und den Vergleich mit den Firmen der Großstädte reichlich aushalten kann. Die Arbeit darf natürlich nicht gescheut werden. Was so lange schon versäumt wurde, sei endlich in Einmütigkeit und Begeisterung nachgeholt! Die verschiedenen Kongresse, die jetzt hier stattfinden resp. bereits beschlossen sind, haben den Ruf unserer Stadt wieder heben helfen. Dazu müssen aber in aller erster Linie die Kaufleute durch regste Arbeit ebenfalls beitragen. Der Wettbewerb in den Schaufensterdekorationen wäre das beste Mittel dazu. Er wird zudem die gesamte Bürgerschaft von Stadt und Amt an Wattenscheidfesseln und von den bösen Großkonkurrenzen der Nachbarschaft fernhalten: Zum Segen der Gesamtheit! Auf in Kampfl:4 Auf. in Kampfl Ein Beamter. (Bemerkung der Redaktion: Der Schaufensterwettbewerb wäre ein dringen des Bedürfnis, um die alten, gegen aktuellen Punkt beraten werden.) ins Feld geführten Herabwett zu machen. Heute diesen bedeutsamen und — — 1— Die Verhandlungspause im Balkankriege. Die hinter den Kulissen geführten Verhandlungen zur Beendigung der Balkankämpfe sind noch keinen sichtbaren Schritt von der Stelle gekommen. Man sieht noch nicht, ob die russische Intervention, die Bulgarien angerufen hat, der Schwierigkeiten Herr werden wird, oder ob sich Bulgarien die Bedingungen direkt von Serbien und Griechenland diktieren lassen muß. Neue Kampfberichte liegen nicht vor. Vor den serbischen und griechischen Truppen weicht das bulgarische Heer zurück, die Besetzung des Grenzstreifens durch die Rumänen vollzieht sich widerstandslos, und auch den Türken tritt bei ihrem Vormarsch kein bulgarischer Soldat in den Weg. Ueber die „ rumänischen Truppenbewegungen wirv uus Sofia gemeldet: Rumänische Kavallerie hat außer Silistria auch Dobritsch, Baltschik und die benachbarten Ortschaften besetzt.— Damit ist durch die rumänischen Truppen das Civill besetzt, das die Rumänen als Ausgleich für sich in Anspruch nehmnen. 40 fr 19 Bulgarien räumt die Türkei. Bulgarien ist bestrebt, dem Rückzug seiner Truppen aus der Türkei den Schein der Freiwilligkeit zu geben. Es wird gemeldet: Bulgarien hat in eine freiwillige Räumung der von ihm besetzt gehaltenen türkischen Gebiete eingewilligt. . Konstantinopel, 15. Juli. Ueber den Vormarsch des taltischen Heeres werden keine amtlichen Berichte veröffentlicht werden. Nach Blättermeldungen sind die türkischen Vorposten in Muradli eingetroffen. Die Eisenbahnlinie ist in Eile wiederhergestellt worden, so daß der Betrieb in allernächster Zeit wieder aufgenommen werden kann. Bulgarische Kabinettskrisis? Sokta, 15. Juli. Die gestrige Sobranjesitzung wurde unterbrochen und die Minister und die Oppositionsführer ins Palais zum Kronrat berufen. Der Regierung gingen Nachrichten zu, wonach die rumänischen Truppen bereits über Dobritsch vorrücken. seinem alten organischen Leiden bedenklich ertrankt sein. Der Kronprinz wurde aus dem Hauptquartier in Uesküb dringend zurückberufen. T Belgrad, 15. Juli. Daß Serbien die Friedensunterhandlungen zurückgewiesen habe, ist unrichtig. Serbien erklärte, daß es bereit sei, von Bulgarien abgesandte Bevollmächtigte zu erwarten, mit welchen die Verhandlungen wegen der Friedenspräliminarien gepflogen werden sollen. Nach Unterzeichnung dieser Präliminarien ist Serbien bereit, die Feindseligkeiten einzustellen. Deutschland. Nagen Uüggrüngerpricten Bulgariens Antwort auf den Vorwurf der Grausamkeit. Sofia, 15. Juli. Entgegen den unwahren Meldungen aus griechischer und serbischer Quelle über Ausschreitungen, die die bulgarischen Truppen sich an der griechischen Bevölkerung hätten zuschulden kommen lassen, erklärt die Agence Bulgare, daß es vielmehr die serbischen und griechischen Truppen gewesen seien, die in den von ihnen besetzten Gebieten an den bulgarischen Bewohnern Ausschreitungen begangen hätten. Diese seien so schlimm, daß sie überhaupt nicht näher zu beschreiben seien. Während sich die ganze Bevölkerung Thrakiens und der ägäischen Küste bis auf seltene Ausnahmen aller Freiheiten auf kirchlichem und religiösem Gebiet erfreue, was ihre religiösen Oberhäupter und die fremden Konsuln bezeugen könnten, seien die bulgarischen Einwohner einer Schreckensherrschaft durch die Serben und Griechen ausgesetzt. Alle Bulgaren würden gequält, gefangen genommen und fortgeschleppt, so daß sie bald ausgerottet sein würden. Das von den Griechen und Serben besetzte Gebiet sei in eine Einöde verwandelt worden. Die Griechen hätten alle bulgarischen Dörfer, in die sie eingezogen seien, und aus denen die Bevölkerung, wenn es ihr gelang, sich flüchtete, in Brand gesteckt. Ueber 200 bulgarische Familien aus Kilkitsch seien bereits in bejammernswertem Zustande in Sofia angekommen, Tausende andere, die aus den Bezirken Doiran, Strumitza, Istip entkommen sind, überfluteten die Wege, die nach Bulgarien führen. Die Flüchtlinge erzählen entsetzliche Dinge von der Aufführung der serbischen und griechischen Truppen. Um die Wahrheit an den Tag zu bringen, sei die bulgarische Regierung bereit, einer internationalen Untersuchung dieser Ausschreitungen zuzustimmen. Der rumänische Vormarsch. T Bukarest, 15. Juli.(Vom Kriegsschauplatz.) Die cumänische Armee hat am 10. 7. in Silistria ohne Widerstand genommen. Am folgenden Tage begann der Vormarsch im Festungsviereck der Dobrutscha. Ein Teil der Truppen überschritt die Donau bei Calarasch und Ostrow auf Pontons. An demselben Tage besetzte die östliche Gruppe der Armee die Grenzposten gegenüber Mangalia, Caraomer und Decizaci und nahm die bulgarischen Posten gefangen. Am Abend erstreckte sich die Front der Armee von Silistria bis 12 Km. südlich von Mangalia. Am 12. 7. abends dehnte sich die Front von Vetrena an der Donau bis nach Caraomer und Baltschik aus. Am 13. 7. ging Kavallerie gegen Turkuhai, Kadijöj, Dobritsch und Baltschik vor, ohne Widerstand zu finden. An allen besetzen Orten wurde Militär=Verwaltung eingeführt. Griechische Gemetzel. T Sofia, 15. Jult. Der Bürgermeister von Drama berichtet, daß die griechischen Truppen Prawitsch besetzten und die ganze bulgarische und muselmanische Bevölkerung niedermetzelten. Diejenigen, die sich wie durch ein Wunder retten konnten, 60 muselmanische und 100 bulgarische Familien langten in Drama an. Sie schlugen dann den Weg nach Adrianopel und Philippopel ein. Ueber 50000 andere ziehen auf den Straßen dahin, ohne Nahrung und ohne Habe. Der offizielle Kriegszustand zwischen Rumänien u. Bulgarien. Bukarest, 19. Juli. Der bulgarische Gesandte Kalinkow u. das Personal der Gesandtschaft haben gestern Bukarest im Sonderzug verlassen und sich über Giurgewo nach Rustschuk begeben. Der Kriegszustand zwischen Rumänien und Bulgarien ist damit endgültig eröffnet. König Peter von Serbien erkrankt. 2 Belgrad, 15. Juli. König Peter von Serbien soll an Von der Nordlandreise des Kaisers. Balestrand, 15. Juli. Der Kaiser begab sich gestern vormittag mit den Herren des Gefolges auf dem„Sleipner“ zum Frithof=Dentmal. Nach dem Eintreffen des Feldjägers arbeitete der Kaiser allein und hörte abend den kriegsgeschichtlichen Vortrag. Ankunft des Prinzen und der Prinzessin Ernst August in Rathenow. Rathenow, 15. Juli. Gestern abend um 9,07 Uhr traf von Berlin kommend„Prinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, mit Gemahlin auf dem Fürstenbahnhof ein. Ein offizieller Empfang fand wunschgemäß nicht statt. Das junge Paar fuhr sofort, von den Einwohnern stürmisch begrüßt, durch die festlich geschmückten Straßen nach seinem Heim. Die Tagung des deutschen Kriegerbundes. Breslau, 15. Juli. Bei der Leitung des 35. Abgeordnetentages des deutschen Kriegerbundes ging auf ein gestern an den Kaiser abgesandtes Huldigungstelegramm von Bord der Jacht Hohenzollern ein Antworttelegramm ein, worin der Kaiser allen Beteiligten für den Ausdruck treuer Anhänglichkeit seinen wärmsten Dank aussprach und den Beratungen des Bundes weiteren guten Erfolg wünschen läßt. Als Ort der nächsten Tagung wurde Köln gewählt. Der Prinz von Wales in Berlin. T Leipzig, 15. Juli Der Prinz von Wales, der gestern mittag hier angekommen ist, reist heute mittag nach Berlin. Frankreich Französische Parade. Longchamp, 15. Juli. Eine große Menschenmenge begab sich nach dem Bois de Boulogne, um der Revue beizuwohnen, die aus Anlaß des gestrigen Nationalfesttages wie alljährlich stattfindet. Die Revue war von glänzendem Wetter begünstigt. Die Truppen, insbesondere die Schwarzen und die Asiaten, waren Gegenstand begeisterter Kundgebungen. Der Präsident traf um 8 Uhr morgens ein, auf dem ganzen Wege von Hochrufen begrüßt. Auch Barthou war Gegenstand sympathischer Kundgebungen. Präsident Poincare schritt die Front der Truppen ab, übergab mehreren Regimentern, insbesondere afrikanischen und asiatischen, Feldzeichen, und hielt eine patriotische Ansprache. Wiederum tätliche Angriffe auf einen Deutschen in Naney. Nancy, 15. Juli. In einem am Stanislausplatze gelegenen Cafee trafen deutsche Ausflügler aus Elsaß=Lothrin= gen in der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr mit französischen Gästen zusammen. Vorerst verhielten sich beide Parteien ruhig. Später aber entstand zwischen zwei Nachbartischen aus bisher noch nicht aufgeklärten Ursachen ein Streit, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Der französische Student Marcel Callot begann den 26jährigen Eisenhandler Karl Conrad aus Hayingen mit den Fäusten zu bearbeiten. Dieser blieb die Antwort nicht schuldig, und so entspann sich eine große Schlägerei, bei der beide Teile Verletzungen davontrugen. Callot und Conrad wurden verwundet, jedoch nicht schwer. Der Student Callot scheint betrunken gewesen zu sein, jedoch nicht in einem Maße, daß er die Herrschaft über sich verloren hätte. Nach Aussagen von Augenzeugen war er jedenfalls der Angreifer. Callot wurde verhaftet. Eine Untersuchung der ganzen Angelegenheit, die große Erregung hervorgerufen hat, wurde eingeleitet. Nancy, 15. Juli. Der Student Callot, der den nächtlichen Zwischenfall hervorgerufen hat, wird vor das Zuchtpolizeigericht gestellt werden. Der Universitätsrektor hat gegen ihn eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet. England. Die Balkangreuel im englischen Unterhause. London, 15. Juli. In Erwiderung auf Anfragen betreffs der Berichte über Grausamkeiten im Balkankriege erklärte der Palamentsunterstaatssekretär im Auswärtigen Amt im Unterhause: Er könne gegenwärtig nicht mehr, als dem tiefsten Bedauern und den schmerzlichsten... Empfindungen Ausdruck geben, die durch solche Nachrichten hervorgerufen würden. Amerika. Die amerikanische Weltfriedensidee. Washington, 15. Juli. Die endgültige Form des Staatssekretärs Bryan zur Erhaltung des Weltfriedens ist jetzt veröffentlicht. Bryan schlägt vor, daß während eines internationalen Streitfalles die militärischen und maritimen Rüstungen auf dem Statusqud gehalten werden sollen, außer wenn eine der beiden in Verhandlung stehenden Parteien von dritter Seite bedroht werde. Verschwörung in Mexiko. Mexiko, 15. Juli. Es ist eine Verschwörung zur Ermordung Huertas, Blanquets und des Kriegsministers Feiix Diaz entdeckt worden. Ein Deputierter und 10 andere Personen wurden verhaftet, die geplant hatten, Bomben auf die Straßen zu werfen, die Huerta, Blanquet und Diaz entlang fuhren. Die Verschwörer sollen Anhänger Zapatas sein. T Mexiko, 15. Juli. Gestern wurde im Vorzimmer des Präsidenten Huerta ein Polizist, als er im Begriff war, eine Bombe zu werfen verhaftet. Bei ihm gefundenen Papiere beweise n,daß tatsächlich eine Verschwörung gegen Diaz und Blanquet geplant war. den in das größte Stadion der Welt gebracht, und ihner folgten 17000 Turner, alle in schneeweißen Anzügen. Diese gewaltige Masse stellte sich zunächst in Säulen aus. Dann bewegten sich die 1000 Fahnenträger auf die Königstribüne zu und defilierten fahnenschwenkend vorüber. Nun marschierten die Turner in riefigen Reihen zu je 4 Mann an der Tribüne vorüver. Dieser Vorbeimarsch dauerte eine Stunde. Von hohen Türmen aus wurden Signale gegeben, eine Riesenkapelle spielte, die Turner traten auseinander und bedeckten vollständig das insgesamt 50 000 Quadratmeter große Stadion. Im gleichen Augenblicke begannen diese 17000 weißgekleideten Turner unter lautloser Stille der immer noch stärker anwachsenden Menschenmassen Freiübungen vorzuführen. Der Anblick der exakt ausgeführten Uebungen und der in der blitzenden Sonne turnenden 17000 Teilnehmer ist kaum zu schildern, und immer wieder spendeten die 200 000 Zuschauer, zu denen sich die nicht turnenden Teilnehmer des Festzuges gesellt hatten, tosenden Beifall. Dann marschierten die Turner in musterhafter Ordnung wieder ab, aber schon betraten 1500 sächsische Turnerinnen in blauen Pumphosen und weißen Blusen das Stadion und begannen reigenartige Freiübungen auszuführen. Nach diesen Darbietungen entfernte sich der König und fuhr nach Dresden zurück. Die Menschenmasse entfernte sich in Ruhe und Ordnung in die Stadt zurück. Erfreulicherweise ereignete sich nicht der geringste Unfall. Das große gewaltige Unternehmen war musterhaft organisiert. Gegen abend begannen im Stadion und in einigen Turnhallen die Uebungen an den Geräten. Die turnerischen Vorführungen dauern noch bis zum Mittwoch. An diesem Tage wird sich eine große Anzahl der Teilnehmer auf Turnfahrten durch ganz Deutschland begeben. Der gestrige 2. Festtag war lediglich der turnerischen Arbeit gewidmet. Da die ersten Uebungen für 6 Uhr morgens ausgeschrieben waren, begann schon zeitig der Anmarsch der für gestern zu den Uebungen bestimmten Kreise. Auf den Tribünen hatten die gestern freien Turngenossen Platz genommen und bildeten dort ein kritisches Publikum. Die einzelnen Abteilungen lösten sich schnell nacheinander ab, da bei der ungeheuren Anzahl der Wettturner eine überaus große Menge von Uebungen zu bewältigen war. Haben sich doch allein für den Wettlauf über 3300 Mann gemeldet, die in Einzelriegen von je 8 Mann abgelassen werden. Die Kampfrichter mit den grünen Binden walteten eifrigst ihres Amtes. Sie zeigten sich mit den bisherigen Resultaten zufrieden, wenn man ihnen auch keine Einzelheiten entlocken konnte. Die beste Leistung wurde bisher beim Wettlauf geliefert, sie wurde mit 21 Punkten bewertet. Die genaue Feststellung der Resultate wird noch viel Arbeit machen. Als 1. Uebung wurden gestern die Zwölfkämpfe ausgetragen. Verhältnismäßig frühzeitig war auch Generalfeldmarschall Frhr. von der Goltz auf dem Turnplatze erschienen und sah namentlich dem gleichzeitigen Turnen an 60 Pferden mit großem Interesse zu. Die Hitze ist gestern womöglich noch größer wie vorgestern. Das Zeppelinluftschiff Sach sen kreuzte auch gestern wieder über dem Festplatz. Die Niederdeutsche Bank. Dortmund, 15. Juli. Gestern begann im Prozeß der Niederdeutschen Bank ein neuer Anklageabschnitt: die Erörterung über die Gründung der Lüner Bank. Von dieser be hauptet die Anklage, daß sie lediglich zu dem Zwecke gegrün det sei, um eine Anzahl faule Forderungen der Niederdeut schen Bank aufzunehmen, die dann in der Bilanz der Nieden deutschen Bank als Guthaben bei Banken fortgeführt wurden Angeklagt sind: Ohm, Quantz, Im Walle, Maiweg, Püttmann Hartwig und Benner. Gerichtssaal. Dortmund, 15. Juli. Wegen Unterschlagung vor über 12000 Mark Mündelgeldern wurde der Küster Hch Kensmann aus Soest zu 9 Monaten Gef. verurteilt. Bochum, 15. Juli. Am Landgericht Bochum gibt es auch in diesem Jahre keine Gerichtsferien. Im vor. Jahre wurden infolge der großen Zahl der Streikprozesse zum 1. Male für das Strafprozeßwesen die Gerichts=Ferien aufgehoben. Die Geschäfte der Strafkammer haben jedoch im letzten Jahre derart zugenommen, daß die gesamte Gerichtsferienzeit beansprucht werden muß, um die vielen Strafsachen zu erledigen. T Erfurt, 15. Juli. Die Ausschreitungen, die nach der Kontrollversammlung in Rüxleben von 7 Landwehrleuten be gangen wurden, und die das Kriegsgericht in Erfurt zur Ver hängung drakonischer Strafen veranlaßte, werden demnächs das Oberkriegsgericht in Kassel beschäftigen. 2 Verurteilthaben sich bei dem Urteil beruhigt. Die 5 anderen, die auf die Dauer von 5 Jahren dem Zuchthause überliefert werden sollen haben Berufung eingelegt. Das Urteil im Prozeß Thyssen. Berlin, 15. Juli. Im Prozeß Thyssen gegen Thyssen wurde gestern von der Zivilkammer des Landgerichts 1 die Entscheidung verkündet. Das Urteil stellt fest: 1. Der Anspruch des Klägers und seiner Geschwister auf dasjenige, was ihm bei der Auseinandersetzung mit der offenen Handelsgesellschaft Thyssen und Co. zukommt, gehört, soweit der Anspruch auf den Kläger entfällt, nicht zur Konkursmasse in Konkurs über das Vermögen des Klägers. 2. Der Anteil der Klägers an der durch Vertrag vom 15. Januar 1885 zwischen dem Kläger und seinen Geschwistern begründeten Gemein. schaft gehört nicht zur Konkursmasse. 3. Auch etwaige weitere Rechtsansprüche des Klägers aus dem Vertrage von 1885 gehören nicht zur Konkursmasse. Die Kosten werden dem Beklagten, dem Vater, auferlegt. Eine Begründung des Urteile wurde nicht mitgeteilt. Das 12. deutsche Turnfest in Leipzig. Leipzig, 15. Juli. Ueber die glänzenden, unter gewaltigem Andrange des Publikums stattgefundenen Sonntagsveranstaltungen sei noch folgendes berichtet. Während sich noch der Festzug durch die Straßen Leipzigs bewegte, hatte sich der Festplatz in Eutritzsch mit einer gewaltigen Menschenmasse gefüllt. Auf den Niesentribünen waren alle Plätze besetzt. Es waren mindestens 200 000 Zuschauer anwesend. Um 12 Uhr trafen beide Festzüge fast gleichzeitig auf dem Platze ein und defilierten vor den Tribünen, wozu jeder Zug ungefähr 1% Stunden brauchte. Während des Einzuges der Turner kam das Luftschiff„Sachsen“ von einer Fernfahrt aus Zittau zurück. Kurz nach 3 Uhr erschien König Friedrich August aus Dresden auf dem Festplatze, und nun folgte das Hauptschaustück des Turnfestes. Alle Fahnen wurUeber den gegenwärtigen Stand der Bauarbeiten am Rhein=Weser=Kanal wird gemeldet: Am Rhein=Herne=Kanal sind die Erdarbeiten sowie die Userbefestigungs= und Dichlungsarbeiten bis auf geringe Reste fertiggestellt. Sämtliche Brücken und Dücker besinden sich im Betrieb; abgesehen von einer Schleuse am Ruhrorter Hafen sind die Schleusenbauwerke im wesentlichen sertig. Vorläufig ist die Anlage von 2 fiskalischen und 20 privaten oder kommunalen Häsen in Aussicht genommen; davon sind bereits 17 in Bau oder fertiggestellt, über 5 schweben Verhandlungen. Die Arbeiten am Lippe=Seitenkanal Datteln=Hamm sind plonmälag gediehen, sodaß ihre Beendigung zugleich mit der Fertigstellung des Rbein. Herne=Kanals erwartet werden kann. Die schwierige Lippeverlegung bei Hamm ist nnhezu sertig. Die Beiriebseröffnung des Rhein=Herne= und des Lippe=Seiten=Kanals Eine interessänte technische Neuerung: Die sprechende Uhr: Einem geladenen Publikum wurde am 9. Juli im Hotel Albrecht zu Berlin erstmalig die neueste aller jemals hergestellten Uhren, eine Uhr, die sprechen kann, vorgeführt. Das, was sie spricht, besteht darin, daß sie die Stunden, sowie die halben und auf Wunsch auch die Viertel- und drei Viertel Stunden laut und vernehmlich ausruft. Das Ausrufen kommt dadurch zustande, daß die gesprochenen Worte auf einem Film enthalten sind, auf dem sie in ähnlicher Weise wie auf einer Phonographenwalze in Form dicht nebeneinanderliegender feiner Linien in Erscheinung treten. Auf diesem Film schleift eine mit einem Sphirröllchen versehene Membrane, die in ihrem Wesen der des Phonographen gleicht und durch das Uhrwerk auf den Film verschoben wird. Unsere Aufnahme zeigt links die Konstruktion mit dem Film, Membrane und Schalltrichter und rechts das Uhrgehäuse ohne besondere Merkmale. ist im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres zu erwarAm Dortmund=Ems=Kanal sind die Ergänzungsbauren zum großen Teil fertiggestellt. Es stehen noch geringe Baggerarbeiten und der Bau der Beamtenwohnhäuser aus.— Beim Ems=Weser=Kanal sind die Erdarbeiten soweit gefördert, wie es die außergewöhnlich ungünstigen Witterungsverhältnisse des Herbstes zuließen. Von 18 Millionen Kubikmeter Boden sind 15 Millionen ausgehoben und verbaut worden. Gegenwärtig sind 115 eiserne Brücken vollständig u. 45 nahezu fertiggestellt. Von 22 Eisenbetonbrücken befinden sich noch 3 im Bau. Der Entnahme=Kanal aus der Weser ist nahezu vollendet. Der Ems=Weser=Kanal wird auf der Strecke von Bevergern bis Minden voraussichtlich gleichzeitig mit dem Rhein=Herne=Kanal dem Betriebe übergeben werden können, in seinen übrigen Teilen etwa ein Jahr später, also im Sommer 1915.— An der Waldecker Talsperre wurde mit dem Einbau der großen Absperreschieber in den Grundablässen begonnen. Mit dem zunächst nur teilweisen Anfüllen des Sammelbeckens wird wahrscheinlich im Anfang des Jahres 1914 begonnen werden können. An der Diemel=Talsperre ist die Baugrube in der Talsohle bis zum festen Fels freigelegt. Im allgemeinen kann also die rechtzeitige Fertigstellung aller Bauten erwartet werden. Westbeutschland. „„ Düsseldorf, 15. Juli. Der 41 Jahre alte Italiener Peler Tanit hatte nach einer Bierreise mit einigen Bekannten gewettet, er werde durch den alten Hafen schwimmen. Er sprang auch in's Wasser und kam nicht mehr zum Vorschein. Die Leiche wurde geborgen. Neuß, 15. Juli. Gestern nacht wurde ein Schutzmann von Hafenarbeitern, die einen Verhafteten befreien wollten, hinterrücks überfallen. Er machte von seiner Waffe Gebrauch und stach dabei einen 42jährigen Arbeiter in den Unterleib. Der Mann ist seinen Verletzungen erlegen. Moers, 14. Juli. In einer Kiesgrube bei Baerl fand man Knochen und Zähne eines Mammuts in geringer Tiefe. Schon bei den Abteufarbeiten der Schächte 4 und 5 der Zeche Rheinpreußen wurden ähnliche Funde gemacht..—4e Funde . Altenessen, 15. Juli. Sonntag fand das 50= jahrige Jubelfest des Katholischen Knappenvereins Bergmannsglück statt. Mittags fand im Festzelt die Ehrung der Jubilare, insgesamt 40, statt. An dem Festzug nahmen 54 Vereine mit 4500 Personen teil. „ Essen, 15. Juli. Eine schwere Bluttat spielte sich am 15. d. M. morgens im Hause Lindenallee 84 ab. Der Bergmann Karl Kreekeler geriet mit seiner taubstummen Ehefrau, weil er am Tage vorher betrunken nach Hause gekommen war, in Streit. Die Ehefrau soll ihren Mann mit einer Kohlenschaufel geschlagen haben. Hierüber gereizt, hat der Mann ein Messer ergriffen und es der Frau in die Brust gestoßen. Der große Blutverlust führte den Tod herbei. Der Täter wurde in Haft genommen. „Dülken, 15. Juli. Bei der gestrigen Stadtverordnelen=Ersatzwahl der 1. Abteilung wurden einstimmig gewählt der Spinnereidirektor Jakob Geisler und der Redakteur Fritz Schmidt. Da beide der liberalen Richtung angehören, stehen sich in der Stadtverordneten=Versammlung nunmehr 13 Zentrumsleute und 11 Liberale gegenüber. M.=Gladbach, 15. Juli. Bei der Uebung eines hiesigen Schwimmvereins in der städtischen Bade=Anstalt sprang der Lithograph Bertram Joeken vom Sprungbrett auf einen Schwimmer, den er im Wasser nicht bemerkt hatte. Joeken erlitt einen Bruch der Wirbelsäule und ist im Krankenhaus gestorben. M.=Gladbach, 15. Juli. Auf der Krefelder Landstraße wurde gestern der 12jährige Sohn der Witwe Heinen von einem Automobil totgefahren. Der Junge soll vor das Auto gelaufen sein, sodaß den Führer keine Schuld trifft. Der Besitzer des Autos ist ein Düsseldor= ser Prosessor. Aachen, 15. Juli. Auf der Kleinbahnstrecke Eynatten=Linzenshäuschen lehnte sich der 36 Jahre alte verh. Werkmeister Cordewiner von hier weit aus dem fahrenden Kleinbahnwagen hinaus. Dabei schlug er mit dem Kopfe gegen einen Eisenmast, daß er sofort tot war. Elberfel d, 15. Juli. Zu den Unredlichkeiten bei der Firma von der Heydt, Kersten=Söhne wird mitgeteilt, daß die Beschuldigten, die sich sämtlich in Untersuchungshaft befinden(es handelt sich um den Wechselkassenvorsteher Heck und die Bankbeamten Straube und Deubel) hoch spekuliert haben. Diese Verluste hat der Vorsteher Heck durch falsche Buchungen zu verdecken gewutzt. Es handelt sich um 300 000 Mark. Wermelskirchen, 14. Juli. In einem Walde bei Bergisch=Born, ist die schon in Verwesung übergegangene Leiche des 40 Jahre alten, verheirateten Landwirts Rudolf Zapp aus Remscheid=Birgden aufgefunden worden. Der Mann wurde seit Ende Oktober v. Is. vermißt. Ob ein Verbrechen vorliegt, hat noch nicht ausgeklärt werden können. Köln, 14. Juli. Im Dekanat Königswinter begann gestern Weihbischof Dr. Müller mit der Spendung der hl. Firmung und mit der Vornahme der Visitation. Köln, 15. Juli. Gestern abend wurde im Gremwäldchen bei Deutz ein 9jähriges Mädchen schwer verletzt aufgefunden; das Kind hatte 3 Stiche in den Kopf und 1 Stich in die Brust erhalten. Es wurde von der Feuerwehr in das Deutzer Hospital gebracht. Von dem Täter fehlt noch jede Spur. Bonn, 15. Juli. In Mehlem hat gestern nachmittag der Fabrikarbeiter Schlebusch aus Lannesdorf bei einem Streit, auf offener Straße, seine von ihm getrennt lebende Frau erschossen. Siegburg, 14. Juli. Gestern Nacht wurde hier der dem Trunke ergebene Arbeiter Schreiber vom hies. Feuerwerkslaboratorium von einem jungen Knecht im Streit erstochen. Der Täter wurde verhaftet. Wittlich, 14. Juli. Hier wurde gestern ein Ehepaar verhaftet unter dem Verdachte, sein eigenes Kind erdrosselt zu haben. Der Mann soll die Tat eingestanden haben. Hattingen, 14. Juli. Hoher Besuch. Begleitet von dem Oberregierungsrat Gisevius=Arnsberg und dem Landrat Cuntze traf Oberpräsident Prinz von Ratibor und Corvey hier ein, besichtigte die Henrichshütte, die Gartenstadt Hüttenau und Blankenstein, das hiesige neue Rathaus, sowie die Wassergewinnungsanlagen der Stadt und das Abwässerungs gelände der Stadt an der Ruhr. 7Dortmund, 15. Juli. Auf der Union trat eine Stichflamme aus dem Martinofen und tötete den Arbeiter Aug. Leither. Dortmund, 15. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte gestern den weiteren Ausbau des Dortmunder Hafens am Dortmund=Ems=Kanal. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 6 Millionen. Es sollen 4 neue Hafenbecken geschaffen und 2 alte erweitert werden. Lünen, 15. Juli. Auf der Landstraße nach Werne verlor ein Automobil die Steuerung und sauste in den Graben, in den sich der mit seiner Frau spazieren gehende Landwirt Theodor Köthe aus Nord=Lünen zu retten versuchte. Der Landwirt wurde tödlich verletzt. Der Lenker erlitt erhebliche Verletzungen. ## Kombruch, 15. Juli. In der Wohnung des Fabrikmeisters zwo verbrannte bei einem ausgebrochenen Feuer dessen 4jahrige Lochter. Hagen, 14. Juli. Gestern wurde die 60jäh. Juvelfeier der Jünglingssodalität, verbunden mit dem Verbandstag der Jünglingssodalitäten des Dekanats Hagengefeiert. 95 Vereine waren aus allen Gauen Westfalens erschienen, um den Jubelverein zu beglückwünschen. An dem Festzuge nahmen über 5000 Personen teil. Die Festrede im Saale hielt Pater Mußhoff über die Bestrebungen der Jünglingssodalitäten. An die Nachmittagsfeier schloß sich abends eine Feier, die ebenfalls stark besucht war. Paderborn, 15. Juli. Auf der Lippebrücke in Neuüberfahren und gatste, chrige Söhnchen eines Kaufnanns Bingerbrück, 15. Juli. Ein eigenartiger Schwindel führte hier zur Verhaftung des Bergamts=Assistenten Stock aus Herne. Dieser erbot sich unter dem Namen eines Oberleutnants Stark von der Schutztruppe in Deutsch=Südwestafrika Vorträge über seine Erlebnisse in Südwest zu halten. Man nahm dieses Angebot an und er sprach auch 2 mal vor einem zahlreichen Publikum. In packender Weise schilderte er seine angeblichen Erlebnisse in den letzten 8 Jahren im Schutztruppen=Gebiet, gab eine Schilderung seiner Kämpfe mit den Schwarzen, wobei er Verwundungen davongetragen haben will, und schloß mit einem Stimmungsbild über Land und Leute in unseren Kolonien. Lebhafter Beifall folgte den Vorträgen. Großes Aufsehen erregte daher die am Sonntag erfolgte Verhaftung. Man hatte inzwischen erfahren, daß man einem Schwindel zum Opfer gefallen war und daß der Vortragende kein Offizier, sondern der ehemalige Bergamtsassistent Stock aus Herne war. Seine Kenntnisse von Land und Leuten verdankt er einem halbjährigen Aufenthalt in einem Marmorwerk in Südwestafrika. Die Entlarvung erfolgte nach einer Anfrage beim Kommando der Schutztruppe in Berlin. Stock hatte es sich seit 14 Tagen in einem hiesigen Hotel wohl sein lassen. Seine Mutter will für allen Schaden aufkommen. vermißte 13jährige Tochter Emma des Schreiners Kelchner in einer dunklen Häuserecke ermordet und mehrfach zerstückelt aufgefunden. Von dem Täter hat man noch keine Spur. aller Welt. Danzig, 15. Juli. Eine hochherzige Stiftung hat der Fabrikbesitzer Badowski in I: katerinoslaw(Rußland) der Stadt Tiegenhof aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers gemacht, indem er ihr zur Errichtung eines Waisenhauses 400000 M überwies. Badowski ist in Tiegenhof geboren und als 12jähriger Knabe mit seinen Pflegeeltern nach Rußland ausgewandert, wo er es zum vielfachen Millionär brachte. Seine Anhänglichkeit an seine deutsche Heimat bekundet er jedes Jahr durch namhafte Spenden zu wohltätigen Zwecken. Flug Amsterdam—Hamburg. * Emden 15 Juli. Der franz. Flieger Levasseur, der gestern morgen in Amsterdam zu einem Flug nach Hamburg aufgestiegen war, ist gestern abend 7 Uhr auf dem Binnenhafen glatt gelandet. Er mußte bei Harlingen niedergehen und später no cheine weitere Landung wegen einer Reparatur an seinem Flugzeug vornehmen. Er wird heute nach Hamburg weiterfliegen. Mord und Selbstmord. Leipzig, 15. Juli. Am Sonntag erschoß in seiner Wohnung in der Seumestraße ein Reisender Johannes Peters im Streit seine Ehefrau, darauf sich selbst. Tödlicher Fliegerunfall. Straßburg, 15. Juli. Auf dem Flugplatz HabsheimMülhausen ist gestern der 19 Jahre alte Flugschüler Dietrikhs beim Landen so stark aufgefahren, daß der Apparat sich überschlug und den Flieger so schwer verletzte, daß er bald starb. Versailles, 15. Juli. Als gestern morgen in Guyancourt die beiden Flieger Perein Vater und Sohn mit einem neuen Eindecker Versuche unternahmen, stürzte dieser aus 40 Meter Höhe ab Durch das Bersten des Benzinbehälters geriet der Apparat in Brand. Beide Flieger sind verbrannt. Folgenschwere Kohlenstaubexplosion. T Paris, 15. Juli. In einer Kohlengrube bei Aulin, Dep. Aveyron, hat eine Kohlenstaubexplosion stattgefunden, der 15 bis 20 Bergleute zum Opfer gefallen sind. Vermischtes. ... Im Rachen des Tigers. Ein grauenhaftes Jagderlebnis hatte vor kurzem ein englischer Kolonialoffizier, Kapitän Pemberton, der auf einem vorgeschobenen Posten in Hinterindien stationiert ist. Auf einem Jagdzug hatte man sich, um zu frühstücken, neben einem Dickicht gelagert. Pemberton stand dem Dickicht zunächst und wollte sich gerade niedersetzen. In diesem Augenblicke sprang ein starker Königstiger aus dem Gehölz und packte den Offizier, der nicht mehr entfliehen konnte. Dieser fühlte die schwere Masse des Raubtieres auf sich niedersinken, dann fiel er in Ohnmacht. Als er infolge peinigender Schmerzen wieder zu sich kam, befand er sich in einer schrecklichen Lage. Der Tiger trug ihn in seinem geifernden Rachen durch den Wald, vermutlich zu seiner Lagerstätte. Da der Offizier schwer verletzt war, litt er große Schmerzen. Diese aber brachten ihm seine Lage deutlich zum Bewußtsein. Er sah sich einem sicheren Tode überliefert, wenn es ihm nicht augenblicklich gelänge, sich zu befreien. Er konnte einen Arm bewegen. Diesen benutzte er, um aus seinem Jagdgürtel eine der dort befindlichen Pistolen zu nehmen. So gut er zu zielen vermochte, richtete er die Waffe auf die Herzgegend des Tieres. Infolge einer unvorhergesehenen Bewegung desselben wurde die Waffe aber abgelenkt und der Schuß ging fehl. Der Tiger antwortete mit einem zornigen Knurren, trug aber seine Beute unaufhaltsam weiter. Jetzt griff der Verletzte zur 2. Pistole, zielte besser als vorher und drückte ab. In diesem Augenblicke stieß die Bestie ein markerschütterndes Brüllen aus, sprang in einem gewaltigen Zucken empor, wobei sie den Offizier aus dem Rachen fallen ließ, und schlug auf den Boden zurück. Hier vergingen dem Offizier wieder die Sinne. Er fand sich später im Kreise seiner Jagdgefährten, die den Spuren des Raubtieres gefolgt waren und die ihn in seinem Blute neben dem Tiger gefunden hatten. Bei der Untersuchung des Tieres hatte sich herausgestellt, daß der 2. Schuß gerade in das Herz gegangen war und das Tier auf der Stelle getötet hatte. Der Offizier sieht seiner Heilung im Hospital entgegen. Seine Wunden waren zwar sehr schwer, es dürfte aber wahrscheinlich gelingen, ihn vollständig wiederherzustellen. Was die Linien in König Ferdinands Hand verkünden. Die Geschichte von einer merkwürdigen Prophezeiung, die dem König Ferdinand von Bulgarien zuteil geworden ist, wird jetzt in Paris erzählt. Der hervorragende Historiker Mancini, der im vorigen Mai gestorben ist, besuchte vor einigen Jahren den bulgarischen Hof, wo er der Gast des damaligen Fürsten Ferdinand war. Der Fürst, der wußte, daß Mancini einen großen Ruf ais Wahrsager aus der Hand besaß, ließ ihn aus den Linien seiner Rechten die Zukunft lesen.„Ich sehe tiefe Trauer für Eure Hoheit und für Bulgarien“, so prophezeite Mancini.„In 5 oder 6 Jahren von jetzt ab sehe ich eine große Freude in Form einer Standeserhöhung, und im Jahre 1912 die Verwirklichung eines Traumes, an die Eure Hoheit heute noch kaum zu glauben wagen“. „Und dann?“ fragte Fürst Ferdinand. Der Wahrsager zögerte.„Sagen Sie mir die Wahrheit,“ drängte der andere.„Das Glück wechselt rasch,“ meinte nun Mancini. „Im Jahre 1913— ich hoffe, daß ich mich damit irre — lese ich eine Kaiastrophe für Bulgarien und für Sie selbst.“ Die Prophe zeiungen sind bisher eingetroffen: Die Trauer kam beim Tode von Ferdinands Mutter, die Freude bei der Krönung des Fürsten zum Zaren der Bulgaren. Dann kam 1912 der Sieg über die Türken und dann jetzt die bulgarische Niederlage.— Das Jahr 1913 ist noch nicht vorbei... „Sein“ Wähler. Man schreibt aus Paris: Eine Gemeinde im Norden Frankreichs hatte vor kurzem einen Stadtverordneten zu wäh. len. Dabei erhielt ein wahrscheinlich unpopulärer Kandidat eine einzige Stimme. Noch denselben Abend ließ besagter Kandidat eine Inschrift an seiner Tür anbringen, durch die er„seinen" Wähler einlud, am folgenden Tage um 12 Uhr mit ihm zu frühstücken„und mit Champagner gegenseitig anzustoßen". Aber der unglückliche Kandidat stieß einen Schrei des Entsetzens aus, als er am folgenden Tag vor seinem Hause 83 gewissenhafte Bürger erblickte, die ihm alle die Versicherung gaben, für ihn gestimmt zu haben!.... — K — S ELDLTOTT Essen(Ruhr) Letzte Woche: Scoi RaSVelkauf In allen einschlägigen Abteilungen sind große Posten Waren zu bedeutend herabgeletzten Preisen lowie besonders vorteilhaffe Gelegenheitspolten ausgelegt. Handarbeiten. Ein Polten grauer und weißer Decken aus la Leinen-Java mit eingewebtem Multer, vorzüglich waschbar. Schoner Größe ca. 40X40 cm. 20 Decken Größe ca. 30X30 cm 50 Decken Größe ca. 70X70 cm 15 Kommodendecken........... 1.50 Ein Polten weißer handgellickter MadeiraDecken und Läufer, mit breiter Spitze. Decken rund, Größe ca. 60 cm...... 1.90 Decken Größe ca. 60x60 cm 2.25 Decken rund, Größe ca. 75 cm.... 2.50 Läufer moderne Form......... 5.25 Schürzen. 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Amtliches Blatt aller Behörden speziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel. gssssosenenerenenenebeneneeenenerenenennnerenerrnee Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet# inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet; 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche: Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).: (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin; zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfalkunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Adr.: Zeitung. Teleson 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. ut Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 15. Juli. Allgemeiner Knappschaftsverein zu Bochum. * Aus der letzten Vorstandssitzung des Allgem: Knappschafts=Vereins wird folgendes bekannt gegeben: Den Bergleuten Wilh. Stappert von Bottrop sind für den Sprengel 145 a, Hrch. Falkenberg von SelmBeifang für den Sprengel 81(für den wegen Verzuges ausgeschiedenen Aeliesten Roters), Anton Neumann von Kamen für den Sprengel 301(anstelle des wegen Invalidisierung ausgeschiedenen Aeltesten Jürgens) dieAeltestengeschäfte nach vorheriger Prüfung und Verpflichtung durch den Geschäftsausschuß übertragen worden. Dem Knappschafts=Verein ist für seine Beteiligung an der Internationalen Industrie= und Gewerbeausstellung in Turin ein großer Preis, bestehend in einem Diplom nebst bronzener Medaille, zuerkannt und der Preis vom Präsidium des deutschen Komitees überreicht worden. Der Vorstand beschließt, die 1915 in Düsseldorf stattfindende„Große Ausstellung", die in der Abteilung„Bergbau"=Klasse,„Arbeiterwohlfahrt und Rettungswesen" die Fortschritte zeigen soll, die die Bergarbeiterfürsorge in dem letzten Jahrhundert gemacht, zu beschicken. Dem Vorstande ist der Entwurf einer Satzung mit den von denAeltesten Linke u. Gen. und Goercke u. Gen. gestellten Anträgen zugegangen. Der Vorstand beschließt, am 11. Oktober d. I. vormittags eine Generalversamimlung abzuhalten mit folzender Tagesordnung:„Abänderung der Satzung vom 1. Juli 1908 mit den Aenderungen durch die Beschlüsse des Kgl. Oberbergamtes zu Dortmund vom 16. Dez. 1911, 16. Februar 1912 und des Ministers für Handel u. Gewerbe vom 13. Dez. 1912.“ Für ein Drittel der Mitglieder und der Ersatzmänner des Vorstandes läuft die Wahlperiode mit dem 30. Juni 1914 ab. Der Vorstand ist damit einverstanden, daß die Wahlen zum Vorstand mit der diesjährigen Generalversammlung vereinigt werden, damit die Kosten für eine General=Versammlung gespart werden. Er beschließt, als Punkt 2 auf die Tagesordnung der Generalversammlung vom 11. Oktbr. zu setzen:„Ergänzungswahl des Vorstands, Wahl des Ausschusses, a) zur Prüsung und Abnahme der Jahresrechnung, b) zur Ausübung der Befugnis, Ansprüche des Knappschaftsvereins gegen Vorstandsmitglieder oder Beamte aus deren Geschäftsführung durch besondere Beauftragte zu verfolgen.“ Der Ausschuß zur Prüfung und Abnahme der Jahresrechnung hat die Jahresrechnung für 1912 geprüft, nichts zu erinnern gefunden und den Vorstand, die Verwaltung und die Kassenbeamten nach§ 101 der Satzung und§ 62 des Knappschaftsgesetzes entlastet. Für den durch Aufgabe seiner Stellung in Herne als Beisitzer des Oberschiedsgerichts in Knappschaftsangelegenheiten ausgeschiedenen Bergwerksdirektor Dr. Berkemeyer schlägt der Vorstand Bergrat Mehner dem Handelsminister vor, der für den Rest der Wahlperiode den Beisitzer zu bestimmen hat. Im übrigen entscheidet der Vorstand über die Anträge auf Wiederverleihung der verlorenen Anwartschaft, nachträgliche Annahme von Anerkennungsgebühren, Abstandnahme von dem Einwande der Verjährung usw. entsprechend den Vorschlägen der GeschäftsAusschüsse. 15. Juli 1813. * Da ein österreichischer General bei den Trachenber= ger Verhandlungen nicht zugegen gewesen, wird General Dielitsch abgeschickt, um es Kaiser Franz und seiner Generalität zur Kenntnisnahme und Begutachtung vorzulegen. Kaiser Franz, den er in Brandeis antraf, soll damals das wichtige Protokoll hinter 3fach verschlossenen Türen in Empfang genommen und dem Ueberbringer versichert haben:„Sein's unbesorgt! der Napoleon soll gewiß nix davon erfahren.“ Und doch war eineAbschrift dieses Kriegsplanes der Verbündeten früher in den Händen Napoleons, als in denen des österreichischen Kaisers. Der sächsische General von Gersdorf, der die Spionage für Napoleon betrieb, wußte es durch Bestechung zu erreichen, daß eine der Kanzleien zu Trachenberg eine Abschrift herausgab. Es sollen für die Abschrift 250 Napoleonsd'or bezahlt worden sein. Haus= und Grundbesitzerverein. * Der Haus= und Grundbesitzerverein der Stadt Wattenscheid hielt Sonntag vormittag beimMitglied Th. Kuhnen die Monatsversammlung unter Leitung des 1. Vorsitzenden Rechtsanwalts Engels ab. Nachdem der Schriftführer das Protokoll der letzten Sitzung verlesen, erstattete der Vorsitzende den Bericht über den am 8.Juli in Wattenscheid stattgehabten Verbandstag des Verbandes der Haus= und Grundbesitzervereine des rhein.westf. Kohlenreviers. Redner stattete nochmals der Stadtund Amtsverwaltung den Denk für die Entsendung der Vertreter ab. Nunmehr wurden wieder 2 Mitglieder neu ausgenommen. Ferner beschloß man, auch für das kommende Jahr das Aushängeschild am Hauptbahnhof Gelsenkirchen wieder bestehen zu lassen, welches auf die billigen Wohnungspreise und niedrigen Steuern in Wattenscheid hinweist und uns gewiß manchen neuen Bewohner gebracht hat. Die Kosten sind erheblich billiger wie für das 1. Jahr der Anschaffung und wurden bewilligt. Der Verkehrsverein und der Gewerbeverein sollen gebeten werden, sich wie bisher an diesen Kosten zu beteiligen, was dortselbst ja auch im Prinzip schon beschlossen worden ist. Ferner forderte Vorsitzender die Mitglieder zur Werbung weiterer Mitglieder auf. Der Verein dürfe nicht still stehen, sondern müsse sich weiter wie bisher entwickeln; um bei etwaigen Anträgen allen Behörden gegenüber sagen zu können: Die Majorität der Hausbesitzer steht hinter uns! Der Vereinsbeitrag sei so gering, daß die Mitglieder damit in Anbetracht der vom Verein gebotenen Vorteile nur verdienen könnten. Endlich forderte Redner zur fleißigen Benutzung der Liste fauler und unreinlicher Mieter auf, was nicht nur im Interesse der Hausbesitzer sondern auch der Mieter wie überhaupt der ganzen Bürgerschaft liege, da prompte Zahlung und Reinlichkeit ein soziales Erfordernis im Interesse aller sei. Die nächste Setaen dnr eoienaostantas de dause ad Gasaege, zervereine von Stadt und Amt Wattenscheid findet ehestens in Leithe statt, die nächste Mitgliederversammlung am Sonntag, 21. August bei Langensiepen. Wegen Ermordung der Braut vor dem Schwurgericht. * Nach weiteren Zeugenvernehmungen in dem Mordprozeß Farny zeigte der Sachverständige Dr. Bürgel am Körper eines Polizeibeamten, wie die Wiederbelebungsversuche mit der Ermordeten Veronika Przitulla angestellt worden sind. Im Anschluß daran äußerte sich der Gerichtsarzt Dr. Kühnlein über die an der Leiche vorgefundenen Hautabschürfungen. Der Sachverständige kommt nach der Demonstration des Dr. Bürgel zu dem Schluß, daß die Kratzwunden die Folge von Abwehrbewegungen gewesen sind. Dr. Kühnlein ist überhaupt im Gegensatz zu der Versicherung des Angeklagten der Meinung, daß Farny das Erwürgen nicht mit beiden Händen, sondern nur mit einer Hand ausgeführt u. sein Opfer mit einer Hand festgehalten hat. Es folgten dann weitere Zeugenvernehmungen. In der Verhandlung am Samstag machte der Schutzmann Rabe Bekundungen über die Selbstgestellung des Angeklagten Farny. Anfangs war Farny ruhig und gefaßt, erst später weinte er. Gleich bei der ersten Vernehmung, die noch in der Nacht auf der Wache stattfand, hat der Angeklangte angegeben, zwischen seiner Braut und ihm sei ein gemeinsamer Selbstmord verabredet gewesen. Die Hergänge der Tat schilderte er in ihren Einzelheiten. Als das Mädchen tot und niedergesunken war, habe er ein Tuch darüber gedeckt und sich neben der Leiche zum Schlafen niedergelegt. Der Beamte hatte aus der Darstellung den Eindruck, daß Farny die Tat stehend ausgeführt habe.— Angekl.: Nein, wir saßen nebeneinonder. Farny hat ungefähr 1½ Stunden neben der Leiche gelegen. Als er erwachte, rüttelte er die Tote durcheinander und rief ihren Namen. Der Zeuge bekundet weiter, Farny habe auf der Polizeiwache einen ruhigen Eindruck gemacht. Als er das Bild der Veronika betrachtete, weinte er. Der Polizeibeamte zweifelte an Farnys Angaben, daß zwischen den Liebenden EinverSpieler Moderner Kulturroman von Hans Hyan. 801(Nachdruck verboten.) „Es soll mir leicht werden, meinst du?“. Sie lächelte trübe und sah ihn an mit einem tiefen, warmen Blick, der viel mehr als alle ihre Worte sagte und der ihn heimlich sehr glücklich machte. „Du bist unser Senior!“ fuhr sie fort,„die Familie hat dich dazu erklärt und wir sind es bisher alle sehr zufrieden gewesen.“ „Weil du an meiner Seite stehst! Ohne dich...“ Aber sie legte ihm ihre schöne, feste Hand auf den Mund, die er schnell küßte, worauf sie sie rasch wieder wegzog. „Und da darfst du das nicht tun!“ meinte sie wieder, „was sollen denn die jungen Leute unter uns sagen, wenn sie erfahren, du sitzt Nacht für Nacht am Spieltisch und vergeudest dein Schwererworbenes?!“ Er senkte beschämt das Haupt vor ihren großen blauen Augen, die jetzt so vorwurfsvoll blickten. „Klaus!“ sagte sie und ihre Stimme klang so weich, wie sie ihm erst ein einzig Mal ins Ohr geklungen hatte. „Lieber Klaus! Du hast mir einmal gesagt, daß du alles für mich tun würdest, was ich von dir haben wollte, nicht wahr?“ Er nickte, ohne daß er den Kopf erhob. „Damals habe ich dir verboten, so zu sprechen, und habe dich fortgeschickt, weil ich die Frau deines Bruders hin... weißt du noch!“ Er nickte wieder, und da sah sie, daß große. schwere Tränen aus seinen Augen fielen. Ihr wurde das Reden auch immer mühsamer, fast flüsternd sagte fie:„Und heute komme ich zu dir und erinnere dich an dein Versprechen, das du mir damals zegeben hast... ja. Klaus, ja willst du mir etwas zu Liebe tun?“ Der mächtige Mann, der vor ihr auf dem Stuhle gaß, sank ganz in sich zusammen. Mit dumpfer, unter1— drückter Stimme erwiderte er:„Ich gebe dir mein Ehrenwort, Klothilde, daß ich den Klub meiden werde!" Da nahm sie seine Hände und zog ihn, selbst aufstehend, zu sich empor. Dann schob sie ihn sanft von sich und sagte mit einer Stimme voller Zärtlichkeit:„Geb, Klaus! geh jetzt, Wilhelm wartet auf dich in deinem Zimmer!“ Er drehte sich und ing. Nur an der Tür wandte er sich und warf noch einen langen, langen Blick auf sie, deren Gesicht jetzt blaß war und deren Augen von Schmerzen und Entsagung redeten. 18. Kapitel. Am Nachmittag zur Teestunde kam Dagobert von Korthals. Die Baronin saß mit Bianka allein im Salon. Ihr Jüngster. Bodo, war zu einem Freunde, und der Altere, Eherbard, besuchte seit zwei Jahren die Kadettenanstalt. Die Mutter hatte sich dagegen gewehrt, sie hielt nicht viel von solchen Alumnaten und ihrem Erziehungssystem. Aber es war einmal Tradition, daß die Söhne wenigstens für einige Zeit nach Groß=Lichterfelde gingen: und wenn Frau Klothilde auch der eigentliche spiritus rector auf Muchow war, so gab es doch gewisse Dinge, wo ihr Gatte sich nicht dreinreden ließ. Mutter und Tochter hatten ein neues Buch und zwar eines der modernen Richtung gelesen, und wie sie nun darüber miteinander sprachen, fand es sich, daß die ältere der beiden Frauen weitaus fortschrittlicher in ihrem Denken und in ihrem Urteil war. Nachdem sie sich ein bißchen gentritten hatten, sagte Frau Klothilde mit einem halben Lachen: „Ubrigens, ich kann mir gut denken, woher au diese Starrheit in deinen Anschauungen hast... denn früher schien es mir, als wäre das nicht so gewesen!" Bianka, sofort heftig rot werdend, wollte das nicht wahr haben und sagte:„Ich weiß recht gut, Mama, was du meinst... aber das glaube nur ja nicht, daß ich mir meine Ansichten von Dagobert vorschreiben lasse... denn das ist es doch, worauf du arsvielstl“ 1„Kind“, die Mutter strich ihr leise über den Scheitel, „wenn wir Frauen jemand lieb haben, dann werden wir stets von seinen Ansichten beeinflußt.“ Sie sah ein wenig in die vom gelbseidenen Schirm verhängte Ständerlampe und fuhr dann fort: „Und das ist auch das schönste und beste, was einer Frau geschehen kann! Unglücklich oder doch wenigstens unzufrieden sind nur diejenigen Frauen, die in ihrem Mann nicht das Vorbild haben, oder die, um ein etwas triviakes Wort zu gebrauchen, in ihrem Mann nicht das Ideal finden, das ihre Mädchenträume ausgefüllt hat.“ Die Baronin schwieg, und die Tochter sah ihre immer noch so schöne und kluge Mutter heimlich an, mit dem Ausdruck jener tiefen Zärtlichkeit, die zwischen den beiden Frauen waltete, ohne daß dieses Gefühl anders, als durch ein gelegentliches Wort, einen stillen Blick seinen Ausdruck fand. „Übrigens kam mir Dagobert in den letzten Tagen nicht so zufrieden vor wie sonst, Bianka...“ „Fandest du das, Mama?“. Ein paarmal schien es mir ja auch so... aber dann wieder...“ „Natürlich, zu dir ist er ja immer reizend! Und das ist eben das Feine an ihm, diese absolute Ausgeglichenheit seines Wesens, die man bei einem so jungen Menschen sehr selten findet... ich bin überzeugt, er hat auch seine Fehler.“ „Ach, Mama, meinst du wirklich?“ Frau Klothilde lachte herzlich, wie sie aver die Verlegenheit auf dem Gesicht ihrer Tochter bemerkte, ward sie schnell ernst und sagte: „Verzeih! Ich sollte mich freuen und ich freue mich auch recht von Herzen über die Auffassung, die du von deinem Bräutigam und von seinen Eigenschaften hast. Nur ist es nicht gut, sich alles gar zu rosig auszumalen! Nachher bringt jede Kleinigkeit, die an sich nichts bedeutet, im Eheleben der Frau eine Enttäuschung. Aber in der Tat, er ist ein prächtiger Mensch, dein Dago!... Da klingelt es übrigens draußen... der Zeit nach könnte er es sein!“ (Fortsetzung folgt.) ständnis bestanden habe. Er sagte: Wie commt es denn, daß Sie noch da sind.— Farny erwiderte: Das kommt noch. Auf die Frage, ob er Grund zur Eifersucht gehabt habe, erzählte er dem Beamten, die Veronika habe nach ihren eigenen Angaben auch mit anderen. Männern verkehrt; das habe er ihr aber nicht übel genommen. Rabe hielt Farny das Entsetzliche seiner Tat vor. Farny entgegnete:„Es ist ja nun egal, ich komme doch auss Schaffott! Ich will die Wahrheit sagen; ich habe es mit Willen und Absicht getan!" Der Angeklagte bestreitet das. Der Schutzmann Heine bestätigt im Allgemeinen die Aussagen seiner Kollegen Rabe und Gebert. Mehrere Zeugen, über die Persönlichkeit des Angeklagten befragt, bezeichneten Farny als einen ruhigen und umgänglichen, zu Zeiten aber sehr aufgeregten und jähzornigen Menschen. Montag Vormittag sand im Palasttheater die für die Prozeßbeteiligten veranstaltete Sondervorstellung des Films„Das Rätsel der Bärenschlucht" statt. Dann folgten Zeugenvernehmungen und Aeußerungen der SachverKändigen. Nachmittags wurden noch 2 Zeuginnen vernommen, zu denen Frau Farny, die Mutter des Angeklagten, gesagt haben soll, sie hätte der Ermordeten Tropfen und Wasser eingegeben, um sie ins Leben zurückzurufen. Rechtsanwalt Marienthal erklärte darauf, mit Rücksicht auf die ungenügende Zeit, die der Verteidigung zur Beschaffung des Materials zur Verfügung gestanden habe und im Hinblick auf die auftauchenden neuen Beweismomente müsse er jetzt die Vertagung des gesamten Prozesses beantragen. Diesem Antrage gab das Gericht statt. Krieger=Verein 16. Armeekorps. * Der Kameradschaftliche Verein 16. Armee=Korps hatte Sonntag in seinem Vereinslokal Drenhaus seine monatliche Versammlung, welche sehr stark besucht war und vom 1. Vorsitzenden, Restaurateur Grimm eröffnet und geleitet wurde. Nach Genehmigung des letzten Protokolls und Zahlung der Beiträge konnten wieder um 4 neue Mitglieder ausgenommen werden. Versammlung beschloß, an dem Fahnenweihfest des Kameradschaftlichen Vereins 16. Armee=Korps in Günnigfeld am Sonntag, den 3. August, geschlossen teilzunehmen. Der Verein tritt hierzu um 2 Uhr im Vereinslokal an, und marschiert dann unter Vorantritt eines Trommler= korps nach Günnigfeld. Mehrere andere Einladungen wurden abgelehnt. Der Vorsitzende erstattet jetzt einen ausführlichen Bericht über den Provinzial=Krieger=Verbandstag in Bielefeld, und über den Delegiertentag der Krieger=Vereine vom 16. Armee=Korps in Steele. In Steele wurde bei der Verbands=Vorstandswahl der Vorsitzende der Vereinigung Oberleutnant von TrothaBerlin einstimmig wiedergewählt.(Wir haben über beide Tagungen bereits ausführlich berichtet.) Kamerad Vauth erstattete den Kassenbericht. Die Kasse wurde in vorzüglicher Ordnung gefunden. Es wurde dem Kassierer Kamerad Hörstgen Entlastung erteilt. Der Verein veranstaltet am 28. d. M. in den großen Gartenanlagen der Kronenburg ein großes Militär=Konzert, ausgeführt von der gesamten Kapelle des Infanterieregimentes Nr. 17(Graf Barfuß) aus Mörchingen. Der 1. Schriftführer Kamerad Wellen brachte einenAntrag ein, wonach zu diesen Konzert sämtliche Veteranen von Wattenscheid und Umgegend freien Zutritt haben sollen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen; dieses soll dem Vorsitzenden der hiesigen Kriegs=Veteranen=Vereinigung Mikus mitgeteilt werden. Am 10. August veranstaltet der Verein auf dem alten Marktplatz ein Preisscharfschießen. Im Anschluß hieran findet die Versammlung im Vereinslokal statt. Vor und nach der Versammlung fand ein Preisschießen statt, wobei folgende Kameraden Preise erhielten: Zackzewski 34 Ringe, Schönfeld 34 R., Kuhn 33 R., Schattschneider 33 R., Döring 33 R., Vedders 33 R., Drenhaus 33 R., Anacker 33 OR., Swiniarski. 33 R., Holzem 33 R., Grimm 32 R., Lucack 32 R., Rollmann 32 R., Olschewski 32 R., Dreisen 31 R., Zigrion 31 R., Meißner 31 R., Hummel 31 R., Stork 31 R. und Guth 31 Ringe. Vom Krieger= und Landwehr=Verein. * Der Krieger= und Landwehrverein veranstaltete am Sonntag auf dem hiesigen Verbandsschießstande ein Preisschießen, welches folgendes Ergebnis hatte: Paul Ossendoth(32 Ringe), Kriegs 32, Hrch. Schulte 31, W. Rensmann 30, C. Schulz 30, Ad. Wüller 29, Sondermeier Ed. 29, W. Honeiker 29, W. Knecht 29, Joh. Böhmer 28, W. Küpper 28, C. Becher 28. Während des Schießens wurden die monatl. Beiträge eingesammelt, die JA. 97,90 ergaben. Ferner wurden 3 Aufnahmen getätigt. Wie der Vorsitzende Restaurateur Küpper mitteilte, wird das Kreis=Verbands=Schießen am 26., 27. und 28. ds. Mts. auf dem Wattenscheider Schießstand stattfinden. Die von dem Verein ausgewählten Schützen werden hierzu durch Karte benachrichtigt. Ebenfalls wurde zur Kenntnis der Versammlung gebracht, daß Bezirkskommandeur Oberstleutnant Grote in Gelsenkirchen die ihm angetragene Ehrenmitgliedschaft des Kriegerverbandes mit Dank angenommen hat. Die Preise für das Schießen waren von den Mitgliedern gestiftet, der 1., bestehend in 2 künstlerischen Bildern von der Erschießung der Schillschen Offiziere vom Kameraden Rauner. Mar. Sodalität an der Propstei. * Die Wanderabteilung unternahm Sonntag eine Eintagstour nach Hagen=Lüdenscheid. Die Mitglieder versammelten sich morgens 5,50 Uhr an der Propsteikirche zum Kirchgang. Nach der 6 Uhr=Messe erfolgte der Abmarsch zum Bahnhof Wattenscheid B.=M. Die Wanderfahrt verlief in herrlicher Weise, begünstigt vom besten Wetter. Am Sonntag, 27. Juli unternimnt die Gesamtsodalität ihren Sommerausflug nach Hohensyburg. Sachsen= und Thüringer=Verein. * In der am Sonntag stattgefundenen Versammlung wurden wieder 3 Landsleute neu aufgenommen. Es wurde beschlossen, den Ausflug am 10. August zu veranstalten. Auch sollnächstens ein Faß Freibier auf Vereinskosten gegeben werden. Als Delegierte zum 19. Verbandstag nach Recklinghausen am 3. Aug. wurden M. Föllmer(1. Vorsitzender) und R. Föllmer(1. Schriftführer) gewählt. Die Mitglieder fahren um 10.03 Uhr von Gelsenkirchen nach Recklinghausen. Jägerverein. * Die Vereinigung der Jäger und Schützen hielt Sonntag die Monatsversammlung ab. Sie wurde vom 1.Vorsitzenden Joh. Böhmer mit einem Horrid o auf S. M. eröffnet Es wurden 2 neue Mitglieder aufgenommen, sodaß der Verein heute 46 Mitglieder zählt. Die Vorstände der Bruder=Vereine Gelsenkirchen, Bochum, Essen, Recklinghausen u. Wattenscheid, welche Samstag abend zu einer Versammlung in Gelsenkirchen zusammen gekommen waren, beschlossen, ein gemeinsames Preisschießen zu veranstalten. Kamerad Helf berichtete hierüber. Das Schießen findet in Horst=Emscher statt. Der Einladung des Kameradschaftlichen Vereins des 16. Armeekorps zu Günnigfeld zur Fahnenweihe am 3. August wurde einstimmig stattgegeben Der Vorsitzende kam dann auf das Dortmunder Verbandsschießen zurück. Der Verein habe dort vorzüglich abgeschnitten, besonders, da die anderen Vereine in einer bedeutend größeren Stärke angetreten seien. Die Leistungen des Wattenscheider Vereins sind deshalb hervorzuheben, weil der Dortmunder Verein mit einer 3fach überlegenen Mitgliederzahl erschienen war und nur mit 4 Ringen auf den Wanderpreis des Grafen Fink von Finkenstein überlegen war. Der Vorsitzende spornt die Mitglieder an, sich an dem Vereinsschießen recht rege zu beteiligen, damit bei dem nächstjährigen Verbandsschießen das Resultat noch ein besseres werde und somit die Hoffnung nicht fehl gehe, auch einen Wanderpreis nach Wattenscheid zu bringen. Am nächsten Sonntag findet auf dem hiesigen Verbandsschießstande in der Zeit von 3—4½ Uhr ein Uebungsschießen statt, wonach die Mitglieder für das am 26., 27. und 28. Juli stattfindende Preisschießen im Stadtverbande gestellt werden sollen. Bei dem gestern stattgehabten Preisschießen der Krieger=Kameradschaft haben 2 Mitglieder des Vereins Preise errungen. Nach Absingung mehrerer Jägerlieder wurde die überaus gut besuchte Versammlung geschlossen. Pionierverein. * Der Verein der Pioniere und Verkehrstruppen hatte Sonntag nachmittag im Restaurant Central=Hof(Theisen) seine monatliche Versammlung, die vom 1. Vorsitzenden Thiel geleitet wurde. Nach Verlesung des Protokolls wurde zum Fahnenträger Kamerad Pietsch und zum Fahnenoffizier Kamerad Kerls gewählt. Vorsitzender gab nun bekannt, daß der Bezirkskommandeur Oberstleutnant Grote als Ehrenmitglied in den hiesigen Stadtkriegerverband aufgenommen sei; dann verlas Vorsitzender eine Niederschrift des Westfäl. Abgeordnetentages in Bielefeld, wo bekanntlich beschlossen wurde, den nächsten Abgeordnetentag in Wattenscheid stattfinden zu lassen. Dem Verein sind vom Pionier=Verein In Hamburg 2 kunstvoll ausgearbeitete Wandteller zum Vertrieb angeboten. An dem am 20. Juli in Essen stattfindenden 25jährigen Stiftungsfest des Pioniervereins Essen sollen sich die Mitglieder zahlreich beteiligen. Die Abfahrt erfolgt mittags 1,52 Uhr ab Wattenscheid. Nachdem noch der Vorsitzende Bericht über den am 25. Mai in Rheydt stattgehabten Delegiertentag des Pionierverbandes erstattet hatte, wurde die Versamlung geschlossen. Bergmanns=Unterstützungsverein. * Der Allgemeine Bergmanns=Unterstützungsverein hielt Sonntag im Restaurant Carl Pütz eine gut besuchte Versammlung ab. Vorsitzender Hoffmann eröffnete sie. Nach Zahlung der monatlichen Beiträge ließen sich 6 Knappen aufnehmen. Man beschloß, am Sonntag, 27. Juli, einen Ausflug mit Kremser nach Werden zu unternehmen. Die Liste zum Einzeichnen liegt bis zum 21. Juli im Vereinslokal Pütz auf. Am 11. August begeht der Allgem. Bergm. Unterstützungsverein Ueckendorf sein Stiftungsfest. Die Mitglieder beteiligen sich hieran. Das Sterbegeld wurde auf 70 Mark erhöht bei einem monatlichen Beitrag von nur 10 Pfg. Vorsitzender ermahnte die Versammlung, neue Mitglieder zu werben, da kein Verein derartige Vorteile biete, wie der Allgemeine Bergm. Unterstützungsverein. Nationallib. Bürgerverein. * Die am Sonntag im Lokale des Wirts Hölscher stattgefundene Bezirksversammlung erfreute sich trotz des schönen Sonntags eines guten Besuches. Vorsitzender Timmermann begrüßte die Parteifreunde und dankte den Vertrauensmännern für ihre rege Tätigkeit bei der stattgefundenen Landtagswahl. Parteisekretär Treute erstattete Bericht an Hand der Wählerlisten über die abgegebenen Stimmen. Viele deutschnational gesinnte Männer, die für den nationalen Gedanken bei der Landtagswahl durch ihre Stimmenabgabe eingetreten seien, suche man in der Mitgliederliste vergebens. Hier müßten die Vertrauensmänner einsetzen. Redner kam auch auf die Interpellation in der letzten Stadtverordnetensitzung in Sachen der sogenannten Bezirksgeometrie zu sprechen. Die Bezirke seien dieselben gewesen, wie 1908. Vor 5 Jahren habe bei derselben Bezirkseinteilung das Zentrum mit großer Majorität gesiegt. Nur durch die intensive Vorarbeit der lib. Vertrauensmänner sei es diesmal anders geworden. Sodann wurde beschlo tags das geplante Familienfe einem Hoch auf den Führer der Partei, den Beigeordneten Kampmann, wurde die Versammlung geschlossen. ssen, am 27. Juli vormitst weiter zu beraten. Mit Kriegerbund und Presse. * Der Deutsche Kriegerbund und der Preußische Landeskriegerverband haben zu ihrem 35. bezw. 8. Abgeordnetentag, den sie“: in Breslau in diesen Tagen veranstalten, entgegen der Gepflogenheit der meisten anderen Organisationen die Presse nicht eingeladen. Eine Breslauer Zeitung, der auf Grund eines gegenseitigen Abkommens die Lieferung eines Berichtes für die Breslauer Blätter zugefallen war, erhielt auf eine Anfrage nach einer Einladung und dem vorliegenden Kongreßmaterial die Antwort, die Presse könne an dem Begrüßungsabend, dem Festessen und dem Ausflug teilnehmen. Ueber die Verhandlungen werde ihr ein„offizieller Bericht" zugehen. Auf die höfliche Bitte um eine Erläuterung dieses Schreibens und die ausdrückliche Frage, ob das den Ausschluß der Presse bedeute, wurde den Vertretern vom Büroleiter erklärt, daß der Redakteur des Bundesorgans mit anderen Herren einen Bericht abfassen werde, der richtig sei. Sicher erscheint hiernach, daß man die Gegenwart der Presse nicht wünscht. Das ist ein Privatwunsch der Kriegervereine, die Oeffentlichkeit aber und die Mehrzahl der 3 Millionen Mitglieder, die nicht persönlich an der Breslauer Tagung teilnehmen können, haben ein Recht und einen Anspruch darauf, schnell und objektiv über die Verhandlungen orientiert zu werden, namentlich, da bekanntlich die von der gesamten Oeffentlichkeit mit Spannung erwarteten Verhandlungen über die Versicherungsfrage in Aussicht stehen, in denen sich 2 Parteien im Deutschen Kriegerbund gebildet haben. Ebenso dürfte die Kundgebung zum Gerhard Hauptmann= Festspiel und noch manches andere die Oeffentlichkeit Interessierende zur Sprache kommen. Gerade durch den Ausschluß der Oeffentlichkeit könnte die Frage aufgeworfen werden: Hat der Deutsche Kriegerbund wegen des Inhaltes seiner Verhandlungen und etwa auftauchender sachlicher und persönlicher starker Meinungsverschiedenheiten das Licht einer lückenlosen objektiven Berichterstattung zu fürchten? Zu Beginn der Verhandlungen wurde tatsächlich sämtlichen Vertretern der Presse der Zutritt verweigert, worauf diese die Erklärung abgaben, daß sie auf den offiziellen Bericht über die Tagung verzichteten und damnt jede Berichterstattung über die Tagesordnung ablehnten. Sehr viele Berichterstatter waren eigens von weit her nach Breslau gereist und mußten nun unverrichteter Sache plötzlich abreisen— ein doppelter Schaden für den Stand. Nationallib. Parteisache. * In Eppendorf findet jetzt jeden Dienstag von 3,30 bis 5,30 Uhr bei Oberhagemann, in Höntrop jeden Mittwoch von 3 bis 5 Uhr bei Wegmann Sprechstunde für die nationalliberalen Parteifreunde statt. Die Wattenscheider Turner in Leipzig. * Die in Leipzig beim großen deutschen Turnfest weilenden Mitglieder des hiesigen Turnvereins senden uns aus der Feststadt eine in humoristischen Worten gehaltene Reiseskizze, der wir folgendes entnehmen: In Leipzig sind wir glücklich gelandet und hier auf das herzlichste empfangen worden. Auch ein früherer Wattenscheider Mitbürger M. Pielert, bekanntlich mehrere Jahre Vorsitzender des hiesigen Pioniervereins, war an der Bahn und entbot uns den herzlichsten Willkommengruß. Wie froh waren wir, endlich am Ziel zu sein, denn alle Knochen schmerzten uns von der endlosen Bahnfahrt. Ja, das war eine Fahrt! Kein Brett, kein Koffer und auch keine Gelegenheit, ein„Nickerchen" zu machen, denn eben hat man sich in Morpheus Arme geworfen, und schon wird man wieder von der übermütigen Gesellschaft gestört. Endlich schütteten wir den Schlaf energisch ab und machten ein„Kläppchen". Dann um 2,30 Uhr morgens Marburg, wo uns die Eisenbahn warmes Wasser lieferte, Jetzt ging's flugs ans Kaffeekochen, und zwar unter der sachgemäßen Leitung von Mutter Koch, die bekanntlich mit von der Partie ist und über uns die schützenden Fittiche hält. Dann dämmert der Morgen, und wir konnten uns die „Gegend beschauen". Bis Erfurt bot die Landschaft wenig Sehenswertes, dagegen aber war die Saalepartie sehr schön. Die sächsischen Eisenbahnbeamten„sein niacht gerade gemietlich“, aber desto liebenswürdiger die Leipziger. In der Feststadt waren wir gleich„mitten mang" und nahmen vollzählig an der Eröffnungsfeier teil. Der Andrang war riesig und deshalb nicht besonders verwunderlich, daß es nur Mühe kostete, das Nötige für die Atmung zu erhalten. Den„Betrieb“ auf dem Festplaß muß man gesehen haben, um ihn begreifen zu können. Wir brauchen wohl nichts Näheres zu berichten, denn bei der bekannten fixen Berichterstattung der „Watenscheider Zeitung“ dürfte dies alles schon„im Busch“. gestanden haben. Samstag abend gings früh„in die Klappe“, da der Sonntag die Entscheidung darüber bringt, ob Wattenscheid zum ersten Male auf dem deutschen Turnfeste Sieger sein wird. Hoffentlich können wir Ihnen telegraphisch den Sieg melden——.(Das Sieg=Telegramm ist bekanntlich gestern eingegangen und von uns bereits registriert. Die Red.) Trabrennen in Gelsenkirchen. * Das Gelsenkirchener Trabrennen hatte am Sonntag ein überaus zahlreiches Publikum nach der Rennbahn am Steinhauser Busch. Das Rennen auf der gutgepflegten Bahn brachte hochinteressanten Sport und zum Schluß noch eine „Sensation". Weit imDunst tauchte das Luftschiff Charlotte auf, kam aber leider etwas zu spät. Erst alsSchlatter nach Schluß des Rennens seinen Doppeldecker in der Luft hatte, kam der Parsevalkreuzer, jubelnd begrüßt, über den Platz und wurde auch von Schlatter tadellos überflogen. Ein prachtvolles Bild. Nachstehend der genaue Verlauf der Rennen: E röffnungsrennen. 1500 Mark. 6 Pferde starten. 1. Troegegers br. W. Rutmont Pilot, 2. Försters br. W. Burgknappe, ferner Noricus, Spinne, Hermes, Ruth 1. Tot.: 96.10; Pl. 35, 30:10. Preis von Gelsenkirchen. Ehrenpreis und 1000 Mark Besitzerfahren. 1. Perschks R. W. Idol, 2. Rahes dbr. Stute Otter, ferner Nickel. Tot.: 14:10. Preis von Leipzig. 2400 Mark. Stichfahren. 5 Pferde am Start. 1. v. Eickens br. H. Sonntagsjunge, ferner Spinne, Burggraf, Begonia. Tot. 22:10; Pl.: 14, 12:10 Stichfahren True, Ring, Sonntagsjunge. Tot.: 16:10; Pl.: 10, 11:10. Preis von Essen. 18000 Mark. 1. Försters br. H. Burgknappe, 2. Hagemanns Sch. H. Nickel, ferner Ruth 1, Idol, Hermes, Bathilde. Tot.: 49:10; Pl.: 73:10. Die Tagung der westfälischen Kommunalbeamten. Der Verband der Kommunalbeamten für die Provinz Westfalen hielt am Sonntag in Bielefeld unter starker Beteiligung aus allen Teilen der Provinz seine Hauptversammlung ab. Von Wattenscheid Stadt. und Amt nahmen an der Tagung teil Verwaltungssekretär Eimers als 2. Vorsitzender des Bezirksverbandes Arnsherg=Nord und Amtssekretär Baumann als gewählter Vertreter. Als Vertreter des Regierungspräsidenten von Minden war Regierungsrats Dombois erschienen, als Vertreter der Stadt Bielefeld Oberbürgermeister Stapenhorst. Ferner wohnten den Verhandlungen bei: Landrat Dr. Beckhaus, Reichstagsabgeordneter Pfarrer Meyer=Herford, Landtagsabgeordneter Wallbaum, der Vorsitzende des rheinischen Bruderverbandes Fautsch und ein Vertreter des holländischen Gemeindebeamten=Verbandes. Der Vorsitzende des westfälischen Verbandes Amtssekretär Dünnebacke=Recklinghausen hieß die erschienenen Ehrengäste und Kollegen, insgesamt 81 Vertreter von 33 Verbänden und mehrere hundert Kommunalbeamten aus allen Teilen der Provinz, herzlich willkommen. Er betonte, daß der Verband nicht gegen die Behörden arbeiten wolle. Sein Bestreben sei im Gegenteil darauf gerichtet, für die Städte und Gemeinden das Beste zu leisten. Nach dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht gehörten dem westfälischen Verbande am Jahresschluß 4 Bezirks=, 21 Kreis= und 136 Ortsverbände mit 4371 Mitgliedern an. Mit wenigen Ausnahmen ist in den angeschlossenen Verbänden ein lebendiges Interesse für die Mitarbeit an den Verbandsaufgaben zu beobachten. Die Einnahmen der Verbandskasse haben im abgelaufenen Jahre 5831,13 Mark, die Ausgaben 5144,95 Mark betragen. Die Einnahmen der Unterstützungskasse bezifferten sich auf 2785,02 Mark; an Unterstützungen wurden 270 Mk. gezahlt. Der Barbestand der Erholungsheimkasse beläuft sich auf 18885 Mk. Stadtsparkassenrendant Hanke=Bielefeld hielt einen Vortrag über die wirtschaftlichen Aufgaben der Gemeindebeamten(Amerikanische Buchführung in der Gemeindeverwaltung). Der Vortragende wies darauf hin, daß der Gemeindebeamte heute nicht abseits vom Wege stehen dürfe. Er müsse eingreifen in die Räder, die die Industrie hervorbringt. Das Heer der Gemeindebeamten werde heute auf 80000 Personen geschätzt. 1870 habe der Etat von 117 preußischen Städten 539 Mill. Mark betragen, heute bezifferte er sich auf 11,4 Milliarden Mark. Eine ähnliche Steigrung weisen auch die Schuldenverwaltung, Armenverwaltung usw. auf. Bei dieser enormen Aufwärtsbewegung habe die Bürgerschaft ein lebhaftes Interesse daran, daß in der Verwaltung keine Räder müßig stehen. Es sei daher Pflicht der Gemeindebeamten, sich den kaufmännischen Grundsätzen anzupassen, damit keine Stockungen entstehen. Oberstadtsekretär Hofmann=Haspe sprach über das Angestelltenversicherungsgesetz und die Gemeindebe. 8 1 Die überraschende Niederlage, welche Bulgarien im Kampfe mit seinen bisherigen Verbündeten erlitt, hat die Aussichten auf umfangreichen Landerwerb des jüngsten Zarenreiches in Macedonien sehr wesentlich eingeschränkt. Nach ihren nunmehrigen Siegen erklären sich Serbien u. Griechenland unter folgenden Bedingungen zur Unterzeichnung des Waffenstillstandes bereit: Das ganze östlich des Warda, Egri=Palanka=Gjovgelü und nordöstlich des Karasu gelegene Gebiet fällt Bulgarien zu. Das westlich sich erstreckende Territorium wird serbisch. Der LandVoraussichtliche montenegrin.: albanische 4 strich südlich des Karasu einschließlich Kavala, Drama, Berres und Zauthi wird griechisch. Außerdem verlangt das Athener Kabinett das Recht freier Religionsausübung und griechischen Unterrichts für seine auf bulgarischem Boden ansässigen Landsleute. In unserer Karte zeigen wir die von Griechenland und Serbien verlangten neuen Grenzen sowie neben den bisherigen Grenzen auch den voraussichtlichen künftigen Gebietsumfang Albaniens und Montenegros. amten sowie die Gemeindeangestellten. Ueber die Einrichtung von Verwaltungsbeamtenschulen in Westfalen berichtete Stadtrentmeister Ehrmann=Witten. Er teilte mit, daß die Bestrebungen des Verbandes guten Erfolg gehabt haben und verzeichnete mit besonderer Genugtuung, daß die Stadt Dortmund die Errichtung einer Verwaltungsbeamtenschule für die Provinz Westfalen mit Tagesunterricht zum 1. April 1914 beschlossen habe. Die Forderung, in Zukunft nach Möglichkeit für die Verwaltungs=Beamtenlaufbahn nur junge Leute mit höherer Vorbildung(mindestens einj.=freiw. Zeugnis) zuzulassen, habe zur selbstverständlichen Voraussetzung, daß den bereits im Dienst befindlichen Angestellten in ihrer Beförderung und ihrem ganzen Vorwärtskommen das Fehlen dieser Vorbildung nicht zum Nachteil werde. PfannkuchBielefeld machteMitteilungen über den Stand der Erholungsheimsache. Rendant Schrübbers=Recklinghausen behandelte das Kapitel: Unfallfürsorge für Gemeindebeamten. Er trat für die Ausdehnung des bisher nur für die unmittelbaren Staatsbeamten geltenden Gesetzes von 1902 auf die Gemeindebeamten ein. Stadtsekretär Plate=Bochum referierte über die Verbilligung und Verbesserung der Wohnverhältnisse der Gemeindebeamten. Mit der Vertretung des Provinzialverbandes im Zentralvorstande wurden der Vorsitzende, Hofmann=Haspe und Ehrmann=Witten beauftragt. Die nächstjährige Hauptversammlung soll in Recklinghausen stattfinden. Vom älteren ev. Frauenverein. „.* Der ältere ev. Frauenverein, dessen Vorsitzende Frau Pfarrer Kuhlmann ist, wird morgen, Mittwoch, seinen diesjährigen Sommerausflug nach dem herrlichen Stadtwald in Essen veranstalten. Die gemeinsame Abfahrt von hiesiger Station B.=M. wird 1,52 Uhr nachmittags erfolgen. Die Frau Präsidentin hat nach Möglichkeit für gutes Wetter gesorgt. Günstige Witterung wäre den Damen, welche sich das ganze lange Jahr hindurch für ihre Pflegebefohlenen aufopfern, auf dieser kurzen Erholungstour von Herzen zu gönnen. Zur Wetterlage. * Nach 3 regenfreien Tagen stellte sich gestern abend ein gewitterartiger Regen ein, der jedoch nur von kurzer Dauer war. Eine Folge des Gewitters war ein arger Temperatursturz. Während wir gestern noch 22 Grad Wärme hatten, zeigte heute der Thermometer nur 16 Grad Wärme. — Heute morgen lag ein dunstiger Nebel auf der ganzen Natur. Auch ein Jubiläum. * Es dürfte wenig bekannt sein, daß in diesem Jahre ein Beruf sein 200jähriges Jubiläum begehen kann, der in stiller, aber aufreibender Tätigkeit seiner Amtspflicht gerecht wird: es ist der Briefträger! Ein derartiges Ereignis darf doch wohl nicht stillschweigend übergangen werden. Das ist ein Ereignis, der öffentlichen Erwähnung wert. Deshalb wollen wir jetzt, wo der Stand der deutschen Briefträger 200 Jahre alt ist, wo aus 4 Briefträgern, mit denen das Institut in Berlin ins Leben trat, 400 000 im ganzen deutschen Vaterlande geworden sind, seiner mit Liebe und Verehrung gedenken. Die große patriotische Feier in Höntrop. * Höntrop, 15. Juli. Nachdem wir gestern über den überaus imposanten Verlauf der großen patriotischen Feier am Samstag aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers und des 43. Stiftungsfestes des hiesigen Krieger= und Landwehr=Vereins berichtet haben, folgt nachstehend ein eingehender Bericht über die Sonntagfeier. — Der Sonntag, der hauptsächlich im Zeichen der 100. jährigen Erinnerungsfeier an die Erhebung Preußens des Stiftungsfestes des Kriegervereins stand, wurde durch einen Festzug, an dem sich die Brüdervereine von Sevinghausen und Eppendorf zahlreich anschlossen, eingeleitet. Vorerst hatte der Kriegerverein unter Mitwirkung der Lindener Bergkapelle die Vereinsfahne von dem Hause des Vorsitzenden Hugo Zißing abgeholt. Auf der BochumSteeler Chaussee hielt Polizeipräsident Landrat Dr. zur Nieden die Parade ab. Der Landrat erwies den Veteranen ganz besondere Ehre, indem er sie ins Gespräch zog und Einzelnen die Hand reichte. Nach der Parade marschierten die Vereine zum Kriegerdenkmal, woselbst unser Landrat folgende Ansprache hielt: Kameraden! Wie haben uns hier zusammengefunden, um das Jahr der Erinnerung des Stiftungsfestes ganz besonders feierlich zu begehen. Das ist das Recht und die Pflicht eines jeden deutschen Soldaten. Wir blicken in diesem Jahre zurück auf die Taten unserer Vorfahren im Jahre 1813. Wir erinnern uns alles dessen, was unere Vorfahren bei den Franzosen durchgesetzt haben, und wir assen uns den Spruch des Dichters Goethe durch den Kopf gehen, was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Kameraden! Wir sind verpflichtet, das hoch zu halten, was uns in den Jahren 1813, 1814 und 1815, aber auch das, was von unsern Veteranen von 1864, 1866 und 1870=71 errungen worden ist.Die Schornsteine, die hier ringsum rauchen, die Förderseile, die hier gehen, sie würden nicht in Bewegung sein, wenn 1813, 1814, 1815 und 1864, 1866 und 1870=71 unsere Vorfahren und lieben Kameraden und Veteranen nicht ihre Pflicht und Schuldigkeit dem Vaterlande gegenüber getan hätten. Wir müssen uns dessen bewußt sein, daß Deutschland ein Land ist, welches überall Grenzen hat. Wir sind leider nicht so glücklich gestellt wie England, das gar kein Heer nötig hat, denn es hat das Meer als Grenze um sich. Frankreich hat auch nur eine Grenze. Spanien hat nur mit Frankreich zu rechnen. Nur Deutschland hat viele Grenzen. In diesen Wochen haben wir uns auch des gefallenen Generals Scharnhorst erinnert. Scharnhorst war der Gründer der Landwehr und Reserve, und wir sind deshalb dem General dankbare Erinnerung schuldig. Redner gedachte dann des 25jährigen Dienstzubiläums Sr. Majestät und wie in den 25 Jahren seit seiner Thronbesteigung Handel und Industrie einen ausgedehnten Aufschwung genommen hätten. Ganz besonders hob er hervor, daß Deutschland nicht ohne Flotte bestehen könne, daß es des Kaisers ureigenstes Werk sei, eine starke Flotte geschaffen zu haben. Den Dank für die Werke des Kaisers und Wünsche und Vorsätze der Kameraden faßte er zusammen in ein dreifach donnerndes Hoch auf Se. Majestät. Die Vereine marschierten dann zum Vereinslokale. Konzert und Ball wechselten miteinander ab; überall sah man Jubel und Lebenslust. Wer sollte sich auch an einem solchen hohen Festtage im Kreise fröhlicher Kameraden nicht freuen können? Nur zu schnell flossen die köstlichen Stunden dahin. Wirklich, in den beiden Festtagen erkannte man das Wahrzeichen deutscher Liebe und Verehrungen zu Kaiser und Reich. Stolz kann die Bürgerschaft Höntrops auf die Festtage zurückblicken. Ein interessanter Steuerprozeß. * Kray, 15. Juli. Die Gemeinde Kray legt der Veranlagung zur Gewerbesteuer entweder die Bestimmungen über die sogenannte Kopfsteuer oder die einer besonderen Gewerbesteuerordnung zugrunde. Die Gewerkschaft Johann Deimelsberg war für 1910 nach dieser besonderen Gewerbesteuerordnung zu 17 135 M. Gewerbesteuer veranlagt worden. Sie forderte, nach der auf ihre Betriebsstätte in Kray entfallende Arbeiterzahl zur Kopfsteuer herangezogen zu werden, wodurch sich der Steuerbetrag ermäßigen würde, und bestritt die Rechtsgültigkeit der besonderen Gewerbesteuerordnung. Der Kreis=Ausschuß wies die Gewerkschaft mit ihrem Einspruch ab und auch der Bezirksausschuß entschied so; er erflärte die Steuerordnung für gültig. Den Gemeinden bleibe es überlassen, innerhalb des Rahmens der Bestimmungen des Kommunalabgabengesetzes die Steuerobjekte zu erfassen, wenn es nur nach klaren und erkennbaren Grundlagen geschehe. Ob die Anwendung der Steuer=Ordnung Schwierigkeiten biete, oder ob die Bestimmungen zweckmäßig seien, könne im vorliegenden Falle nicht mehr geprüft werden, das habe bei der Genehmigung der Steuerordnung geschehen müssen. Verschiedenes aus Gelsenkirchen. * Gelsenkirchen, 15. Juli. Auf der Wiese an der Wilhelminenstraße vergnügten sich einige Knaben mit Böllerschießen aus einem Hohlschlüssel. Ein Knabe hatte den Schlüssel mit„Plättchen“ voll geladen. Der Schlüssel riß auseinander und zerschmetterte einem Knaben die Hand.— Auf der Haldenstraße geriet ein dreijähriges Kind unter einen Bäckerwagen. Die Räder gingen dem Kinde über den Leib und die Beine. Die Verletzungen, äußere und innere. sind ernster Natur.— Auf der Fürstinnenstraße schoß ein dreizehnjähriger Schulknabe einem Kameraden durch Unvorsichtigkeit aus einer Vogelflinte eine Kugel in den Kopf. Die Kugel drang unterhalb des Auges ein, so daß dieses befährdet ist. Ein Blitzschlag in die Wanner Luftschiffhalle. * Wanne, 15. Juli. Bei dem am Samstag spät abends über Wanne und Umgebung niedergegangenen schweren Gewitter traf ein kalter Schlag die Ballonhalle, in der sich augenblicklich das Luftschiff Charlotte befindet. Sämtliche elektrischen Anlagen und Leitungen der Ballonhalle und der andern Gebäude des Flugplatzes wurden zerstört. An der Ballonhalle selbst wurde kein ernsthafter Schaden angerichtet. Bioson, Kraftquelle für Kinder! Bioson gab ich zur Stärkung meinem blutarmen zehnjährigen Töchterchen. Nach Verbrauch von einigen Dosen konnte man eine wesentliche Kräftezunahme konstatieren und bald fühlte sich das Kind so wohl, das ich ihm Bioson nicht mehr zu geben brauchte. Frau Elisabeth Schink, München, Pündlerplatz 6, I. Unterschrift beglaubigt: 3. 3. 13. Justizrat Roth, Kgl. Notai. Bioson“ großes Paket(ca. ½2 kg) Mark 3.— in Apotheken, Drogerien. Essen, den 15. Juli 1913. Viehmarkt. Auftrieb: Großvieh 768, hiervon 97 Ochsen, 236 Bullen, 435 Färsen und Kühe, 000 gering gerährtes Jungvieh (Fresser), 574 Kälber, 67 Schafe, 4152 Schweine. I. Rinder. A. Ochsen: a) Vollfleischige, ausgemästete Ochsen höchsten Schlachtwerts, die noch nicht gezogen haben(ungejocht. b) Vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren..... e) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete d) Mäßig genährte junge, gut genährte ältere B. Bullen: a) Vollfleischige, ausgewachsene Bullen höchsten Schlachtwerts b) Vollfleischige, jüngere Bullen a) Mäßig genährte junge und gut genährte ältere C. Färsen und Kühe: a) Vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts b) Vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren....... c) Aeltere ausgemästete Kuhe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen d) Mäßig genährte Kuhe und Färsen..... e) Gering genährte Kühe und Färsen.... D. Jungvieh: a) Gering genährtes Jungvieh(Fresser) II. Kälber. a) Doppelender, feinster Mast zn a..... b) Feinste Masitalber c) Mittlere Mastkälber und beste Saugkälber. d) geringere Mast= und gute Saugkälber, geringe Saugkälber III. Schafe. A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel b) Aeltere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe c) Mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) B. Weidemastschafe a) Mastlämmer b) Geringere Lämmer und Schafe.. IV. Schweine(mit 20% Tara). a) Fettschweine über 150 kg (300 Pfd.) Lebendgewicht b) vollfleischige von 120— 150 kg(240—300 Pfd.) Lebendgewicht c) Vollfleischige von 100— 120 kg(200—240 Pfd.) Lebendgewicht.... d) Vollfleischige von 80— 100 kg(160 bis 200 Pfd.) Lebendgewicht e) Vollfleischige unter 80 kg (160 Pfd.) Lebendgewicht 1) Unreine Sauen und geschnittene Eber.... Tendenz: Großvieh: mittel, mittel. Preise für 100 Pfund Es wurden Schweine verkauft: 555 Stück zu 80 Pfg., 892 Stück zu 79 Pfg., 795 Stück zu 78 Pfg., 300 Stück zu 77 Pfg.,000 Stück zu 76 Pfg., 119 Stück zu 75 Pfg., 20 Stück zu 69 Pfg., 00 Stück zu 68 Pfg., 00 Stück zu 00/00 Pfg. das Pfund. Produktenmarkl. Neuß, 14. Juli. Rüböl 65,50, faßweise 67,50, gereinigtes 68,50 M. für 100 kg. Rübkuchen 108,00, in kleineren Partien 112 Mk. für 1000 kg. Weizen 1. 21,60, 2. 20,60, 3. 00,00 Mk. Roggen alter 1. 00,00, 2. 00,00 M. Roggen neuer 1. Qual. 18,20, 2. 17,70 Mk. Hafer alter 1. 00,00, 2. 00,00 M. Hafer neuer 1. 17,80, 2. 16,50 Mk. Wintergerste 16,50 Mk. für 100 kg. Kartoffeln 2,50—3,20 Mk. Heu 2,40—2,90. Luzernen=Heu 3,40—3,90 Mk. für 50 kg. Maschinenstroh 14,00 Mk: Flegeldrusch 12,00 Mk. für 500 kg. Raps 29,00—30,00 Mk. Kleien 5,50 Mk. für 50 kg. Butter Kilo 2,80 Mk. Eier 1 Stück 9—10 Pfg. 1 kkarn Bellgauig zahle ich demjenigen, der mir die Burschen benennt, welche in meinen Garten einsteigen und Obst und Blumen stehlen, sodaß gerichtliche Bestrafung erfolgt. Carl Busch. Verein selbsländiger Gewerbetrelbender a. U. für den Amtsgerichtsbezirk Wattenscheid. Dienstag, 15. ds. Mts., abends 8,30 Uhr Tages=Ordnung: 1: Protokollverlesung, 2, Bericht über die Vorstandssitzung der kaufm. Vereinigung für den Handelskammerbez. Bochum, 8. Antrag betreffs Aenderung der Gerichtsvollzieherordnung, 4. Besprechung über SchaufensterWettbewerb, 5. Einführung von freiw. Lehrlingsprüfungen kaufm. Lehrlinge, 6. Bericht des Vereins zur Schiffbarmachung der Ruhr, 7. Verschiedenes. Die am morgigen Ausflug teilnehmenden Mitglieder wollen das in der Versammlung anmelden, wenn dies nicht möglich, dem Schrift. führer Schmidt Anzeige machen. Der Vorstand. Alle im Putz= und Schneidergewerbe tätigen Damen aus Stadt und Amt Wattenscheid werden zu einer, für dieselben sehr wichtigen auf Mittwoch, d. 16. Juli, abends 7 Uhr im Lokale des Herrn Georg Koch hier eingeladen. Die Veranstaller. Glucke mit L Kucken gest. Plymonth-Rocks zu verkaufen. Friedrichstraße 14. LebensmittelGeschäft über 2000 Mark monatl. Umsatz, passend als Nebenbeschäftigung für die Frau, günstig zu verkaufen. Offerten unter L. 4132 an die Expedition der Wattenscheider Zeitung erbeten. Für meinen kinderlosen Haushalt suche für 1. August ein tüchtiges Mädchen mit nur prima Zeugnissen gegen hohen Lohn. Zu erfragen in der Expedition dieser Zeitung. Anständige Leute erhalten Kost und Tögls. Metzgerei, Hochstr. 87. Blruschun macht ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen u. we: zer, schönerTeint. Alles dies erzeugt Steckenpferd=Seise (die beste Lilienmilch=Seife) à Stück 50 Pfg. 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Mipmmmmmmmmmmnn Statt Karten. Anne Fricke „ 5 Fieinrich Streier Verlobte. S Salzkotten Westenteld s 15. Juli 1913. B 5000 000000000000 Die herzlichsten Glück- und Segenswünsche zur Verlobung unseres Vereinswirtes Herrn n. Streier henst Braut. Gewidmet vom Schützen-Verein Westenfeld. Bekanntmachung. Aus Anlaß des Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers und Königs sollen sämtliche in der Stadt Wattenscheid wohnende Kriegsveteranen aus städtischen Mitteln einen Ehrensold von je 20 Mark ausgezahlt erhalten. Diejenigen Veteranen, welche den hiesigen Kriegervereinen und dem Veteranenverein nicht angehören, und zu obigem Zwecke durch diese Vereine noch nicht nach hier zur Meldung gelangt sein können, werden hierdurch aufgefordert, binnen längstens acht Tagen sich auf Zimmer 25 des Rathauses unter Vorlage des Militärpasses oder sonstiger Ausweise über die Feldzugsteilnahme in die dort aufliegende Liste eintragen zu lassen. Kriegerund Veteranenvereinsmitglieder werden durch ihre Vereine zur Anmeldung gebracht. Wattenscheid, den 10. Juli 1913. Der Bürgermeister: Wibberding. Verühnter Phrenolog Erfolge! Aufschlüsse über Charakter, Beruf, Heirat, Geschäft, Veränderungen, Lotterie und alle Angelegenheiten einer jeden Person auf das Genaueste. Größte Für Damen u. Herren täglich zu sprechen von vorm. 10 bis 9 Uhr abends. Wattenscheid, Oststraße 14, I. Etage, Priv. Seiteneingang. „„ Tel. 1910. Wattenscheid 19l. 1878. (Willi Broska.) Beliebtestes Verkehrsiokal.— Geselischaftszimmer.— Gute Nüiche. Allein-Ausschank: der Münchner Paulaner Brauerei, Helles, Pilsener, Grätzer- und Berliner Weiße Berliner Sommer-Garten. heinper's BallienWrister-Salen Freiheitstraße 12. direkt neben dem Rathaus. Prachtvolle Zopte von 8 Mark an. Rotgewordene Zöpfe werden wie neu aufgefärbt. 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Juli, abends 8 Uhr im„Kaisersaal“ (Georg Koch) KONLUFT mit nachfolgendem 0 Tanzkränzchen. 0 Der Vorstamd. Karten im Vorvert. 75 Plg., Nasse 1.— Mi.# Unsern allverehrten Verständemitgliederk Schützen-Hauptm. Hch. Brück, 1. Schriftf. Hch. Kettemer, 2. Schriftf. Hch. Eskes, Tambour-Major Hch. Brünger und unserem allverehrten Ehrenmitgliede Hch. Schild zum heutigen Namenstage 1 dreifach donnerndes Gut Schuß. Gewidmet vom Schützen-Verein „Kaiser Wilhelm.“ Schlen Aie a0 Mansnammer Sulceh getragen und neu, in sehr grosser Auswahl werden jetzt zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft im ältesten Haufhaus ur Monatsgarderobe Besellschansanzüge kau-u. Jeihweise. Dochunf, Kortumstr. S Essen, Drabenstraße 47. für 4 Familien eingerichtet, ist zum 1. Okt. ds. Is. ganz oder geteilt zu vermieten, eotl. auch billig zu verkaufen. Zu erfragen in der Expedition dsr. Ztg. Meine Besitzung Wilhelmstr. 4 in Wattenscheid ist unter günstigen Bedingungen von mir zu kaufen. Hl. Jolk. 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