Nr. 141. (1. Blatt.) Samstag, den 21. Juni 1913. 45. Jahrgangl „ k gegründet 1868 „„ K gegründet 1868 (Gesteral=Angeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet; inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., in Postgebiet 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt"(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) enr Stadr und Amr WBallenschr.., Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Elberg, Freisenbruch u. a. becheeobeoreernbebernbeeneebeoenenbeobbonnnbebebeneebebeebeerennennbeberbenbebeng : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin=; : zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach: :: Erhalt, der Rechnung. 12 Wetteraussichten. Wetter für Sonntag: Veränderlich, strichweise Regen, vielleicht aufklärend. Aus Stadt, Amt und Kreis. * Wattenscheid, 21. Juni 1913. Ordensauszeichnungen im Vergrevier Wattenscheid. * Im Dienstgebäude des Bergvereins Wattenscheid fand am Donnerstag ein feierlicher Akt statt. Bergrat Müller überreichte nämlich nach einer herzlichen Ansprache folgenden Herren das von Sr. Majestät verliehene allgemeine Ehrenzeichen in Silber: Versandtmeister Eberhard Schümer von Zeche Rheinelbe, Waschmeister Gustav Dierligs von Zeche Alma, Zimmermeister Wilhelm Saake von Rheinelbe und Fahrhauer Schlüter von Zeche Engelsburg. Die Genannten nahmen die Auszeichnungen mit herzlichem Danke entgegen. Vom Grafen Haeseler. * Am 20. Juli d. J. wird GeneralfelbmarschallGraf von Häseler im nahen Borbeck weilen. Er hat die Einladung des Vereins ehemaliger Angehöriger des 16. Armeekorps zu Frintrop, die Weihe der neuen Vereinsfahne vorzunehmen, angenommen. Die Weihe der Fahne des Borbecker Vereins ehemaliger Angehöriger des 16. Armeekorps findet gelegentlich des für Borbeck in Aussicht genommenen Korpsappells statt. Auch an dieser Feier wird der Generalfeldmarschall teilnehmen. Der Zeitpunkt dieserVeranstaltung ist noch nicht bestimmt. Auch die Vereine von Wattenscheid und Günnigfeld dürften an diesen Veranstaltungen teilnehmen. Schöffensitzungen. * Da sich die Strafsächen am hiesigen Kgl. Amtsgericht in letzter Zeit sehr gehäuft haben, sind für die nächste Woche 3 Schöffensitzungen, davon 2 außerordentliche anberaumt. Sie finden statt am Dienstag, Donnerstag und Samstag. Militärkonzerte. * In der Kronenburg(Sonnenschein) findet am nachsten Donnerstag. das 2. Militärkonzert durch das Trompeterkorps des Artillerie=Regiments Nr. 70 aus Metz statt. Der Eintrittspreis beträgt nur 40 Pfgi im Vorverkauf. Den Besuchern stehen unzweifelhaft genußreiche Stunden bevor.— Dem Kameradschaftlichen Verein 1 6. Armee=Korps ist es gelungen, die gesamte Kapelle des(4. Westf.) Infanterie=Regiments Nr. 17„Graf Barfuß" in Morchingen bei Metz, unter persönlicher Leitung des Kgl. Musikmeisters Weide, für ein großes, Montag, 28. Juli gr. stattfindendes Konzert mit nachfolgendem Tanzträskzchen zu gewinnen. Das Konzert findet in den Gartenanlagen und Sälen der Kronenburg (Sonnenschein) statt und beginnt abends 7,30 Uhr. Da die vorzüglichen Leistungen der Kapelle noch von früheren Konzerten in bester Erinnerung sind, dürfte ein starker Besuch zu erwarten sein. Rohrbrüche. * Im Stadtbezirk sind heute vormittag 3 Rohrbrüche der Wasserleitung entstanden, nämlich auf dem Hohenstein beim Hause Hermannstr. 36, auf der Hüllerstraße bei Grabruch und und auf der Vorstadtstraße beim Hause Vorstadtstraße 20. Die Arbeiter der Gasanstalt sind in angestrengter Tätigkeit, um die Reparaturen auszuführen. Die übergroßen Schullasten.„ * Der stellenweise sehr große Kinverreichtum in einer Anzahl rheinisch=westfälischer Städte zwingt diese, ihr Augenmerk dauernd den Schullasten zuzuwenden. Verschärft wird dieser Zustand noch durch das Kinderprivileg. So beherrschen denn die Schullasten gewissermaßen die gesamte städtische Finanzwirtschaft, und mancher zernent mag in der Klage über das Nachlassen der Geburtenhäufigkeit einen kleinen Trost finden. Bis welchem Höhenpunkte in einzelnen Fällen die Not gestiegen ist, zeigt ein Vergleich der laufenden Schullasten mit der Gesamtsumme der Gemeindeeinkommensteuer. In nicht weniger als 20 rheinisch=westfälischen Stadtkreisen sind die Schullasten derart hoch, daß 100% der Gesamtsumme der veranlagten Einkommensteuer nicht genügen, um die Schullasten zu decken. Auch Wattenscheid gehört leider zu diesen Städten. Die Schullasten betragen hier jährlich 403 533,40 M, während die staatlich verantagte Einkommensteuer sich auf nur 220000 M beziffert. Von unserer Stadt werden 210% Zuschlag erhoben und sie erzielt somit aus der Einkommensteuer 462000 A Einnahme. Die Schullasten betragen also 183% der staatl. veranlagt. Einkommensteuer. Die laufend. Schullasten betrugen nach den letzten Erhebungen in 203,6, Herford, 169,8, Hamm 144,2, Dortmund 118,3, Bochum 125,9, Witten 127,6, Herne 142,2, Gelsenkirchen Hagen 164,3, Iserlohn 1293, Lüdenscheid 111,5, Duisburg 1095, Oberhausen 119.1 Rülheim=Nuhr 103,7, Hamborn 178,4, Remscheid 102,2, Solingen 132,1 und Saarbrücken 104,1. Weniger als 100% der Gesamtsumme der veranlagten Einkommensteuer betrugen die laufenden Schullasten in Koblenz, nämlich 63,6, Krefeld 89,1, Essen 78,7, Düsseldorf 52,1, Elberfeld 58,3, Barmen 88,3, M.= Gladbach 79,8, Köln 58,1, Bonn 50,1, Trier 84,0, Aachen 60,0, Münster 71,1, Bielefeld 76,1 und Hörde 57,7. Die aus einer Gegenüberstellung dieser Zahlen sich ergebenden ungleichen Verhältnisse sollten doch endlich dazu führen, daß die Gesetzgebung eingreift. Es kann doch wirklich nicht mehr als gerecht bezeichnet werden, daß der eine Teil der Gemeinden das zukünftige Geschlecht gewissermaßen aufziehl, während der andere Teil sich später dessen Steuerfähigkeit erfreut u. vergnügt ist, daß ein anderer die Erziehungskosten bezahlt hat. Besitz=Aenderung.„, Gmf, amigt Kattaskest * In dem heute am Kgl. umrsgericht statrgehaoren Zwangsversteigerungstermin erwarb der Anstreichermeister P. von hier das Haus Westenfeld, Oststr. 72 des Unternehmers Sievering als Meistbietender zu M. 18950. Kleine lokale Nachrichten. 54 * Der Evgl. Geseilen=Verein hat heute abend 8,30 Uhr im Restaurant Hrch. Voortmann seine monatliche Versammlung. * Der Schützen=Verein„Kaiser Wilhelm“ hält morgen nachmittag 4 Uhr seine monatliche Versammlung im Vereinslokale Meier, Bochumerstr. ab. * Im Apollo=Theater wird von heute ab wieder ein großartiges Programm abgewickelt. Es verdienen besonders erwähnt zu werden:„2 Welten“ großes italienisches Drama in 3 Abteilungen,„Im Kampf mit Indianern“, aufsehenerregendes Wildwest=Drama u. „Der tapfere Lokomotivführer", großes ergreisendesDrama.— Ab Dienstag, den 24. er. wird der Asta Nielsen=Schlager„Die Sünden der Väter" aufgeführt. * Auf dem Günnigfelder Marktplatze findet morgen große Volksbelustigung statt. Aufgestellt sind Rosenthals Salon=Schiffsschaukel, Schieß=, Schau= und Konditoreibuden. * In der verflossenen Nacht wurde hier eine Frauensperson aus Bochum aufgegriffen, welche sich hier umhertrieb. Heilte morgen wurde sie nach entsprechender Verwarnung entlassen. t Segenwetteg„..„. git gestern gchgr“ Inasst* Der Regen, welcher sich seit gestern avend eingestellt hat, kommt unseren Landwirten während der Heu=Ernte sehr ungelegen. Nur ein geringer Teil des Heues ist bisher eingescheuert. Der allergrößte Teil steht noch in Haufen auf den Wiesen. Auch für das Getreide ist der Regen schädlich; für dieses wäre warmer Sonnenschein viel günstiger. Wir glauben jedoch, daß das Regenwetter nicht von sehr langer Dauer sein wird. Hoffen wir das Beste. * B e i d e r a m 1. J u n i v o r g e n o m m e n e n Z w i s c h e n z ä h l u n g des Schweinebestandes hat besonders in denjenigen Bundesstaaten, in denen die Viehzucht in größerem Umfange betrieben wird, eine erhebliche Zunahme gegen die Zählung am 1. Dezember sich ergeben. nation und Flaggen nicht nachstehen zu wollen. Zwecks frühzeitiger Vorbereitung teilen wir die Straßen der Reihe nach kurz mit: Krupp-, Haupt=, Ulrich=, Markt=, Aschenbruch=, Hoch=, Kaiser-, Quer=, Park=, Allee=, Kirchstraße. Der Fackelzug steht zu Beginn um 9,30 Uhr pünktlich in der Kruppstraße, Front nach Westen, mit der Spitze an der Krupp= und Hauptstraßenecke. Zum Dirigenten des Massenchors hat das Los Lehren Reul bestimmt. Neues aus Hordel. * Hordel, 21. Juni. Heute früh trafen auf Zeche Hannover Schacht 1=2 7 höhere Marineoffiziere aus Essen ein, wo sie bislang Gäste der Fa. Krupp waren. Generaldirektor Assessor Windmöller empfing die Herren und fuhr mit ihnen ein. Um 11.30 Uhr erfolgte die Ausfahrt, worauf man gemeinsam ein Frühstück einnahm.— Hier stahl ein 16jähr. Junge seinem Vater einen erheblichen Geldbetrag und flüchtete damit. Tödlicher Unfall. * Ueckendörf, 21. Juni. Im Betrieb der Zeche „Alma“ geriet der 17jährige Pferdetreiber H. Schild so unglücklich zwischen 2 Förderwagen, daß er auf der Stelle zu Tode gequetscht wurde. Weitere Lokalnachrichten siehe 2. Blatt.“ Briefkasten der Redaktion. E. H.: Wir bitten Sie, in unserer Redaktion vorstellig zu werden. Ch. Wattenscheid: Die Handelskammer befindet sich in Bochum, die Handwerkskammern in Dortmund. Selbstverständlich werden dort auch Beschwerden über zuständige Angelegenheiten entgegengenommen. H. R.: Das nächste zuständige nordamerikanische Konsulat hat seinen Sitz in Barmen. Nach Höntrop: Nicht geeignet. Vom Balkan. Die bulgarische Antwork. Sofia, 21. Juni. Die bulgarische Antwortnote auf den serbischen Antrag auf Durchsicht des Vertrages vom 29. Februar v. J. ist in Belgrad übergeben worden. Sie weist ausführlich die bulgarischen Rechte aus dem Vertrag nach. Zuerst wird klargestellt, daß die bulgarische Verpflichtung, hunderttausend Mann in das Wardartal zu senden, selbstredend zur Voraussetzung gehabt hätte, daß militärische Rücksichten auf die Kriegführung nicht eine andere Verteilung auferlegen würden, wie dann aus der Einigung, nur eine Divison zu senden, hervorgeht. Der Punkt 2 des geheimen Vertrages sage außerdem, daß Serbien außerhalb der genau umgrenzten streitigen Zone in dem Bulgarien zugesprochenen Gebiete nichts zu suchen habe. Die Kriegführung in donien sei aber deshalb leichter gewesen, weil Bulgarien durch Kämpfe, deren Bedeutung die ganze Welt anerkenne, die Bahnlinie zwischen Konstantinopel und Mazedonien unterbrochen und so eine Truppensendung verhindert habe, so daß dort nur geringe türkische Kräfte 3 der Verbündeten gegenüberstanden. Bei der Zuteilung Mazedoniens dürfe nicht vergessen werden, daß dort der Sitz des bulgarischen Bischofs und Patriarchen während 750 Jahren in Ochrida gewesen sei, und daß die mazedonischen Bulgaren bisher mehr Opfer für die Befreiung des Landes gebracht hätten, als das serbische Heer während dieses Krieges. Mit dem Verzicht Serbiens auf die Adriaküste aber sei Bulgarien gar nicht befragt worven. Die holisigzung des Krieges mit den Türken sei nicht Lärmszenen im Krankenhause, Ei.en in 9. * Der von der Armenverwaltung im mesigen ev. Krankenhause untergebrachte Arbeiter W. war gestern beurlaubt worden, weil er in Bochum in einer Ehescheidungsgsfsfre als den Die Fortsetzung des Krieges mit den Türken sei nicht Zeuge zu erscheinen hatte. Als er abends zurtgr z#. z, Var allein wegen Adrianopets erfolgt, sondern auch um Janntna er sinnlos betrunken und verübte in diesem Zustanoe im und Skutari. Ein Gleichgewicht auf dem Balkan sei unmögKrankenhause wüsten Lärm. Schließlich zertrümmertg er, lich und ausgeschlossen durch Verschiedenheit der Volkszahl noch 4 Fensterscheiben und griff einen Krantenwärter tätlich an. Inzwischen war die Polizei herbeigeholt worden, welche den Menschen einsperrte. Schwerer Unfall eines Kinder. * Westenfeld, 21. Juni. aus dem Hauses Hauptstr. 69 war die ca. 1½ Meter tiefeAlschengrube geleert und der Deckel, wie man annimmt, nicht genau geschlossen worden. Als mehrere Kinder auf dem Deckel spielten, gab dieser plötzlich nach und die Kleinen stürzten in die Grube. Hierbei erlitt die 5jährige Tochter der Familie Heinrich Waskönig so schwere Kopfverletzungen, daß sie sofort ins ev. Krankenhaus nach Wattenscheid gebracht werden mußte. Der Zustand des Kindes ist besorgniserregend. Die Kaiserjubiläumsfeier in Günnigfeld. * Günnigfeld, 21. Juni. Zur Günnigfelder Kaiserfeier ist noch zu berichten, daß die Auslosung der Reihenfolge der Vereine im Fackelzuge folgendes Ergebnis hatte: Musik, Kriegerverein, Kameradschaftl. Verein 16. A.=K., Sodalität, Thüringer=, Hessen=, Bürger Schützenverein, Sportklub Union, Evgl. Arbeiterverein. Musik, Feuerwehr, Gesangvereine desMassenchors, Schlesier=, Bergmanns=Unterstützungs=, St. Josefs Arbeiter=, TurnVerein, Jugendwehr. Letztere führt einen Festwagen mit lebendem Bild mit. Die Anlieger der Feststraßen bitten wir, den Wattenscheidern in Bezug aus IllumiGrundlage des Vertrages zurückkehre, damit, dem Wunsche des Zaren Rikolaus gemäß, in Petersburg die Abgrenzung des strittigen Gebiets dem Schiedsspruch des Zaren unterbreitet werde. In hohen militärischen Kreisen meint man, Rußland müsse, um sein Ansehen zu retten, schnell und kräftig Serbien zur Rückkehr auf den Boden des Vertrages auf: fordern, andernfalls der Krieg unvermeidlich sei. Renommage.„Sie hinken ja, Herr Kommerzienrat?“. „Mir ist gestern ein Geldbeutel auf den Fuß gefallen.“ Optimismus. Zuchthäusler(in Gefängnishofe, für sich): „Rücksichtsvoll sind sie hier schon, eine hohe Mauer haben sie herumgemacht, damit man von draußen nicht gesehen wird.“ Mißverständnis. A.:„Haben Sie schon gehört, Herr Professor, soeben ist ein Dachdecker mit einer großen Familie vom Dache gestürzt!“— Professor:„Um Himmelswillen, warum nimmt er denn die ganze Familie mit aufs Dach?“ Revanche. Er:„Für diesen Monat habe ich Einladungen zu nicht weniger als drei Hochzeiten.“— Sie:„Wie nett! Aber finden sie es nicht sonderbar, soviele anzunehmen, ohne sich durch eine zu revanchieren?“ H.#. Si. 5.5 Falsch verstanden. A.(zu einem Bauern):„Ste haven auf dem Lande wohl große Dürre?“— Bauer:„Wir haben auch kleire K Der Dank des Kaisers. Berlin, 21. Juni. Der Reichsanzeiger“ veröffentlicht folgenden Erlaß des Kaisers: In dem an ernsten und frohen daterländischen Gedenktagen so reichen Jahre ist mir ein besonders glücklicher Tag beschieden gewesen: der Tag, an dem ich vor 25 Jahren auf den Thron meiner Väter berufen wurde. In Gefundheit habe ich ihn mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, meiner Gemahlin, im Kreise unserer Kinder und Kindeskinder treulich begehen können. Ich danke Gott, daß ich mit Befriedigung zurückblicken darf auf die vergangenen 25 Jahre ernsten Schaffens, auf die großen Errungenschaften, die jie dem Vaterlande auf allen Gebieten des geistigen, sozialen ind wirtschaftlichen Lebens gebracht haben, auf die beispiellose Zunahme an Volkskraft und Nationalvermögen. Das auf dem hundament der Einigkeit der deutschen Stämme und ihrer Fürsten von Kaiser Wilhelm dem Großen errichtete deutsche Haus ist nach innen und außen weiter ausgebaut zu einem geschützten und freundlichen Aufenthalt für seine Bewohner. Daß dies unter den befruchtenden Strahlen der Friedenssonne geschehen ist, deren Kraft jedes am Horizont auftauchende Gewölk siegreich zerstreute, macht mich besonders glücklich. Ein Herzenswunsch ist mir damit in Erfüllung gegangen. In reicher Fülle ist mir an meinem Ehrentage Liebe und treue Anhänglichkeit von allen Seiten entgegengebracht worden. Die erlauchten deutschen Fürsten und die Freien Städte haben es sich nicht nehmen lassen, ihre mich beglückende Freundschaft und die Festigkeit des Bandes deutscher Einheit durch persönliche Ueberbringung freundlicher Glückwünsche von neuem zu betätigen. Das deutsche Volk hat mir durch Abordnungen und Lausende von Zuschriften, Telegrammen und künstlerischen Adressen aus allen Gauen des Vaterlandes, aus den Kolonien und aus allen Teilen des Erdballs treue Glückwünsche kundgegeben. In Stadt und Land ist der Tag mit freudiger Teilnahme begangen worden. In festlichen Veranstaltungen der Parlamente, Behörden und Vereine, wie in freundlichen Festartikeln der Tagespresse ist eine patriotische Gesinnung von außergewöhnlicher Stärke zutage getreten. Aber nicht auf Glückwünsche und Festreden allein haben sich die mir gewidmeten Aufmerksamkeiten und Ehrungen beschränkt. Wenn Festesfreude mit dem Herzen empfunden wird, drängt sie zur Betätigung durch Dankopfer. Provinzen, Kreise, Städte, Gemeinden und Vereine haben trotz hoher Anforderungen an ihre Opferwilligkeit sich gedrungen gefühlt, zahlreiche mit meinem Namen verbundene Stiftungen zu errichten, dazu bestimmt, die Not der Bedürftigen, Kranken und Elenden zu lindern und gemeinnützige Bestrebungen mannigfachster Art zu fördern. Zu meiner Freude ist dabei auch der in unsern Kolonien wirkenden christlichen Missionen und der mit Glücksgütern nicht geseg neten Veteranen aus großer Zeit dankbar gedacht worden. So ist mein Regierungszubiläum zur Quelle eines Segensstromes für die deutschen Lande noch für kommende Geschlechter geworden. Beglückt und bewegt durch die Begeisterung, mit der mein Ehrentag als nationaler Festtag gefeiert worden ist, spreche ich jedem einzelnen, welcher meiner so freundlich gedacht und zur Erhöhung der Festesfreude beigetragen hat, auf diesem Wege meinen wärmsten Dank aus. Ich werde auch ferner für das Wohlergehen des deutschen Volkes gern meine volle Kraft einsetzen, solange Gott der Herr sie mir erhält. Er aber wolle mein Wirken und Streben mit seinem Segen begleiten und das teure Vaterland allzeit in seine gnädige Obhut nehmen.— Ich ersuche Sie, diesen Erlaß alsbald zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Neues Palais, den 19. Juni 1913. Wilhelm I. R. An den Reichskanzler. Reichstag. Berlin, 20. Juni. Am Bundesratstifche: v. Heeringen. Auf die Frage der Abgg. Dombeck und Sosinsky(Pol.) nach der angeblichen Aussperrung des Oberschlesischen Bergund Hüttenmännischen Vereins in Kattowitz und nach dem Verhalten der preußischen Bergwerksdirektion in Zarbze erwiderte Direktor Dr. Caspar: Eine Aussperrung auf 3 Monate ist in Oberschlesien nicht verhängt worden. Auch ist keine Konventionalstrafe festgelegt worden. Später wurde eine Aussperrung ausgesprochen, der sich auch die Königliche Bergwerksdirektion angeschlossen hatte. Sobald der Handelsminister davon Kenntnis erhalten hatte, wurde die Aussperrung aufgehoben, die überhaupt nur 2 Wochen gedauert hat. — Darauf soll die 2. Lesung der Heeresvorlage fortgesetzt werden. Abg. Dr. Frank-Mannheim(Soz.) bittet, außerhalb der Beratung eine ihm zugegangene Depesche verlesen zu dürfen. Der Präsident erklärt sich dazu bereit, vorausgesetzt, daß die bereits geschlossene Debatte eventl. wieder zu eröffnen sei. — Abg. Dr. Frank-Mannheim(Soz.) beginnt mit der Verlesung, wird jedoch unterbrochen, indem Abg. Graf Westarp (kons.) der Wiedereröffnung widerspricht. Es entspinnt sich eine lebhafte Geschäftsordnungdebatte. Während einer solchen Bemerkung zur Geschäftsordnung wird dem Abg. Grafen Westarp von sozialdemokratischer Seite„Lügner" zugerufen. Der Abg. Horn=Sachsen(Soz.) wird dafür zur Ordnung gerufen. Abg. Dr. Frank verzichtet darauf auf die Verlesung der Depesche und legt sie auf den Tisch des Hauses nieder.— Darauf wird der sozialdemokratische Antrag betr. das Militärverbot in namentlicher Abstimmung mit 201 gegen 127 St. abgelehnt. Angenommen wurde die denselben Gegenstand betr. Kommissionsresolution. Dann wird die gestern abgebrochene Debatte über den sozialdemokratischen Antrag betr. Beförderung(persönliche Tüchtigkeit ohne Rücksicht auf Religion und Politik) fortgesetzt.— Abg. Dr. Werner=Gießen(W. Vgg.): Unsere antisemitische Bewegung rührt daher, weil der Semitismus die Deutschen zu beherrschen sucht.— Abg Schöpflin(Soz.): Die antisemitische Bewegung ist bis auf ihren letzten Rest von A bis 8 eine Skandalaffäre gewesen, die erbärmlich zusammengekracht ist. Gegen den Ausschluß der Juden von Reserveoffizierstellen müssen alle bürgerlichen Demokraten Front machen. Wenn gesagt wurde, der Gastwirteverband hätte sich für den Boykott von Wirtschaften ausgesprochen, so entspricht das nicht den Tatsachen. Das geht aus der Depesche an Dr. Frank hervor.— Generalleutnant v. Wandel: Mir liegt ein Schreiben des Reichsverbandes deutscher Gastwirtschaftsverbände vor, aus dem hervorgeht, daß, wenn ein Gastwirt sein Lokal nur der sozialdemokratischen Partei bezw. deren Anhängern freigiebt und sich vielleicht selbst noch zur Sache bekennt, daß dann das Militärverbot als berechtigt angesehen werde. Abg. Erzberger(Zentr.): Wir müssen die Wehrvorlage bis zum 1. Juli verabschieden. Dann ist es aber nicht angebracht, hier so deplazierte antisemitische Reden loszulassen. Es lag für den Angehörigen einer christlichen Konsession kein Anlaß vor, eine andere Glaubensgemeinschaft anzugreifen. Ein wirklich reltgiöser Christ muß auch den jüdischen Mitbürgern dieselbe Achtung entgegenbringen, die er für seinen Glauben verlangt. Wir verurteilen aber das Verhalten derjenigen Juden, die aus wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Vorurteilen dem Glauben ihrer Väter ohne innere Ueberzeugung entsagen. Dieselbe Verurteilung gilt aber auch allen denen, die einem solchen Manne die Tore öffnen, die ihm bisher verschlossen waren. An den Kriegsminister richte ich die ernste Mahnung, endlich dem Drängen des Reichstags Rechnung zu tragen und dem unsittlichen Duellzwang im Heere entgegenzutreten.— Nach weitecen Ausführungen der Abgg. Bernstein(Soz.), Heine (Soz.), Dr. Werner=Gießen(Wirtsch. Vereinigung) und Waldstein(Volksp.) schließt die Aussprache. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt.— Die Sozialdemokraten beantragen, daß die Mannschaften nicht verwendet werden dürfen, 1. zu politischen Zwecken im wirtschaftlichen oder politischen Kampf, 2. als Ersatz für streikende oder ausgesperrte Arbeiter.— Abg. Dr. Liebtnecht(Soz.): begründet den Antrag.— Kriegsminister v. Heeringen: Der Vorredner hat wieder behauptet, die Armee sei in 1. Linie gegen den inneren Feind da, und die ganze Wehrvorlage sei nur aus diesem Grunde geplant. Außerhalb seiner Partei wird er mit dieser Ueberzeugung kaum Boden gewinnen. Aeußerungen gegen den Reichstag von seiten des früheren Abgeordneten von Oldenburg sind nicht Aeußerungen der Armee. Nach der Verfassung sind wir unter Umständen verpflichtet, durchaus nicht zu unserer Freude und Genugtuung, für die Freiheit der Mitbürger und die Ordnung des öffentlichen Lebens einzutreten. Anderen Zwekken dient auch der Erlaß des Generals v. Bissing nicht. — Die Abgg. Sachse(Soz.) und Dr. Liebtnecht (Soz.) führen Beschwerde über die Verwendung von Maschinengewehren im Mansfelder Streik.— Kriegsminister v. Heeringen: Die Maschinengewehre sind ein integrierender Bestandteil unseres Heeres. Ebensogut könnte man den Soldaten auch sagen: Laßt die Gewehre zu Hause. Gerade der Anblick der Waffen wirkt beruhigend. Die Streikenden sehen meist selbst ein, daß sie gut tun, nach Hause zu gehen, wenn die Seitengewehre aufgepflanzt werden.— Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt, ebenso ein Antrag Bebel auf Vertagung. — Resolutionen der Budgetkommission fordern eine Reform des Militärstrafgesetzbuches im Sinne moderner Rechtsanschauung, eine Revision der Militärstrafgerichtsordnung. Die Soldatenmißhandlungen sollen auch durch eine Reform des Militärbeschwerderechts bekämpft werden. Der strenge Arrest als Disziplinarstrafe soll beseitigt werden. Ferner wird die Notwendigkeit einer Revision des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Offiziere betont.— Abg. Stadthagen(Soz.) begründet Anträge, im Militärstrafgesetzbuch mildernde Umstände einzuführen und den strengen Arrest aufzuheben. Beleidigungen und Körperverletzungen, die die Erwiderung einer Beleidigung oder Körperverletzung sind und von Untergebenen gegenüber Vorgesetzten verübt werden, sollen straffrei bleiben.— Das Haus vertagt sich auf Sonnabend. Der Kaiser in Hannover. Hannover, 21. Juni. Gestern morgen 10 Uhr wurde das neue Rathaus in Gegenwart des Kaisers eingeweiht. In seiner Begrüßungsansprache an den Kaiser brachte Stadtdirektor Tramm zunächst den Dank der städtischen Kollegien für die Teilnahme des Kaisers zum Ausdruck und dankte den Architekten, Künstlern und Handwerkern, die das große Werk seiner heutigen Vollendung entgegengeführt hätten. Redner schloß mit den Worten: An Ew. Kaiserliche und Königliche Majestät aber möchten wir die gehorsamste Bitte richten, mit dem Gelöbnis unwandelbarer Treue und Verehrung den Willkommengruß der Stadt in diesem neuen Rathaus huldvollst entgegenzunehmen. Der Kaiser erwiderte:„Ich danke Ihnen und dem städtischen Kollegium für die freundliche Einladung zur heutigen Feier. Ihre Begrüßungsworte und die mir in den Mauern Ihrer schönen Stadt heute zuteil gewordene besondere herzliche Aufnahme spiegelt die freudige Empfindung lebhaft wieder, mit denen meine treue Stadt und Provinz Hannover im Wettbewerb mit den übrigen Teilen der Monarchie in diesen festlichen. Tagen die Vermählung meiner geliebten Tochter und mein 25jähriges Regierungsjubiläum begleitet und mitgefeiert haben. Noch ganz unter dem Eindruck dieser festlichen Begebenheiten freue ich mich, hierdurch mündlich für alle die zahlreichen Beweise der Treue, der Liebe und des Vertrauens meinen innigsten Dank aussprechen zu können. Zugleich beglückwünsche ich meine Haupt= und Residenzstadt Hannover zu dem neuen Rathause, zu dessen Weihe wir hier versammelt sind. In langjähriger mühevoller Arbeit ist es gelungen, den gewaltigen Bau zur Vollendung zu bringen und ein Wahrzeichen des kraftvollen Aufblühens und des wirtschaftlichen Aufschwunges Ihrer Stadt zu errichten. Mit den beiden trefflichen Bildwerken vor uns hat die Stadt ihren Dank für die landesväterliche Fürsorge meines Hauses in nachhaltiger Weise zum Ausdruck gebracht und dabei von ihrer treuen Anhänglichkeit und loyalen Gesinnung ein beredtes Zeugnis abgelegt. Möge das neue Rathaus alle Zeit eine Stätte sein, in der für das Wohl einer glücklichen Bürgerschaft mit gewissenhafter Hingebung und Pflichteifer beraten und gearbeitet wird, im Aufblick zu Gott, in Treue zu König und Vaterland. Indem ich nun den Pokal ergreife zur Weihe dieses Hauses, dessen Balkon ich mit Frauen und Jungfrauen Hannovers geschmückt sehe, schließe ich auch diese hier ein und trinke auf das Wohl meiner getreuen Haupt= und Residenzstadt Hannover und das Glück ihrer Bürgerschaft.“ Hierauf brachte der Stadtdirektor ein 3faches Hoch aus. Der Chor sang das Niederländische Dankgebet. Es folgte ein längerer Rundgang durch die Festräume des Hauses, wobei dem Kaiser die beim Bau beteiligten Herren vorgestellt wurden und er sich in das goldene Buch der Stadt eintrug. Als er das Rathaus nach 11 Uhr verließ, sang der Chor und die Festversammlung die Nationalhymne. Beim Heraustreten wurde der Kaiser von den Schulkindern und dem Publikum stürmisch begrüßt. Der Kaiser ließ die Ehrenkompagnie vorbeimarschieren. Hierauf kehrte der Kaiser im Automobil zum Kal. Schlosse zurück. Der Kaiser ist um 1¾ Uhr vom Generalkommando aus mit Gefolge im Automobil nach Kloster Loccum abgefahren. Ueberall auf dem Wege und auch in Loccum selbst zeigte sich reicher Flaggenschmuck. Schulen und Vereine bildeten Spalier und begrüßten zusammen mit der übrigen Bevölkerung den Kaiser. In Anwesenheit des Kaisers fand sodann die Feier des 750jährigen Jubiläums des jetzt protestantischen Klosters Loccum statt, welches reichen Schmuck angelegt hatte. Kurz nach 3 Uhr traf der Kaiser im Automobil ein und wurde an der Stiftskirche von demAbt, welcher die Mitra angelegt hatte und den silb. Krummstab in der Hand hielt, und den Konventualen des Klosters empfangen. Mit dem Kaiser kamen Prinz Waldemar und außerdem Herren des Gesolges und Kommandierender General von Emmich. Ferner waren u. a. anwesend: Kultusminister von Trott zu Solz, Oberpräsident des Landes=Konsistoriums Steinmetz, Regierungspräsident Graf Berg=Schönfeld und Landeshauptmann von der Wense. Nachdem der Abt die Konventualen vorgestellt hatte, fand in der Stiftskirche ein liturgisch reich ausgestatteter Gottesdienst statt. Der Kaiser nahm neben dem Altar Platz. Der Abt legte der Festpredigt Lukas 19, Vers 40:„Wo diese schweigen, werden Steine schreien" zugrunde. In der Festrede gab der Abt einen Ueberblick über die eigenartige Geschichte des Klosters. Der Kaiser verlieh dem Abt, Oberkonsistorialrat Dr. Gg. Hartwig, den Stern zum Kronenorden 2. Klasse, dem Kurator des Landeskonsistoriums Steinmetz die Krone zum Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife, dem Generalsuperintendenten Möller den Kronenorden 2. und dem Architekten Wegener den Kronenorden 4. Kl., sowie eine Reihe weiterer Auszeichnungen. Die Rückfahrt nach Hannover erfolgte gegen 5 Uhr. T Berlin, 21. Juni. Die Kaiserin ist gestern abend 10,50 Uhr im Sonderzuge nach Hannover abgereist. Deutschland. Die erste Lesung der Reichs=Vermögens=Zuwachssteuervorlagen beendet. Berlin, 21. Juni. Der Haushaltsausschuß des Reichstages beendete gestern die erste Lesung der Reichsvermögenszuwachssteuervorlage. Fast die meisten Bestimmungen wurden unverändert angenommen. Für die Verwaltung der Besitzsteuer soll der Bundesstaat zuständig sein, wo der Steuerpflichtige wohnt. Mit der Verwaltung sollen finanztechnisch und ebenso steuertechnisch ausgebildete Beamte betraut werden, die Reichsbeamte sein sollen, über deren Tätigkeit dem Reichstag alljährlich Bericht zu erstatten ist. Wehr= und Deckungsvorlagen noch im Juni erledigt? Berlin, 21. Juni. Zwischen den Fraktionen ist gestern eine Einigung erfolgt, die Vertagung des Reichstages am 28. d. M. vorzunehmen, weil man befürchtet, die Fraktionen im Juli nicht mehr zusammenhalten zu können. Um diese Absichten zur Durchführung zu bringen, müßte die 2. Lesung der Wehrvorlage am Samstag auf jeden Fall beendet werden. In der nächsten Woche will das Plenum alle Deckungsvorlagen in 2. und 3. Lesung beraten und die Wehrvorlage in 3. Lesung. Alle übrigen Vorlagen, Wahlprüfungen usw. sollen bis auf den Herbst vertagt werden. Es wird jedoch vielfach daran gezweifelt, daß in 3 Tagen das Plenum die Deckungsgesetze verabschieden kann. Man glaubt, daß eine Tagung nach dem 1. Juli unausbleiblich sei. Das Ende der Welfenpartei. Hannover, 21. Juni. Die Erklärung des Prinzen Ernst August hat in hiesigen politischen Kreisen allgemeine Zustimmung gefunden. Nur im Welfenlager ist man darüber sehr gedrückt. Die Welfenfrage wird nun bald aus der Welt geschafft sein. Schon seit 3 Wochen waren die Führer der Welfen von der bevorstehenden Erklärung des Prinzen unterrichtet, die am Tage vor der Ankunft des Kaisers in Hannover veröffentlicht werden sollte. Die einsichtsvollen Welfen halten den Kampf endgültig für verloren. Am 29. Juni, an welchem Tage der Ausschuß der Hannoverschen Partei in Hannover zu einer Sitzung zusammentritt, an der auch welfische Führer aus der Provinz Hannover teilnehmen werden, wird über das Aufhören oder Weiterbestehen der Partei beschlossen werden. Oesterreich. Bergarbeiterversicherung in Oesterreich. T Wien, 21. Juni. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf betr. die Unfallversicherung der Bergarbeiter eingebracht, welcher die Einbeziehung der Bergarbeiter in die bestehende Arbeiterunfallversicherung bezweckt. Dadurch wird die Bergarbeiterschaft, die bisher die durch die Unfallversicherungsgesetzgebung gewährleistete besondere Fürsorge entbehrte, der industriellen Arbeiterschaft in Bezug auf die Unfallversicherung gleichgestellt. Belgien. Das Schulwesen in Belgien. T Brüssel, 21. Juni. Der Kammer wurde der Schulgesetzentwurf unterbreitet, der den Pflichtschulunterricht bis zum 14. Lebensjahre einführt. Die letzten beiden Schuljahre sollen dem gewerblichen Unterricht gewidmet sein. Außerdem regelt der Entwurf die Anstellungsverhältnisse der Lehrer neu. Italien. Neue Kämpfe in Tripolis. Rom, 21. Juni. Nach einem Telegramm aus Derna sind die italienischen Truppen in 2 Kolonnen gegen ein bei Ettangi gelegenes Lager der Araber und Beduinen vorgerückt, haben die Feinde in die Flucht geschlagen, nachdem diese das Lager in Brand gesteckt hatten. Die Verluste auf italienischer Seite betragen 19 Tote und 222 Verwundete. Frankreich. Paris, 21, Juni. Die Rüstungsdebatte in der franz. Kammer führte in der gestrigen Sitzung zur Ablehnung mit 496 gegen 77 Stimmen des Gegenvorschlages Jaures, durch den die militärische Dienst zeit bis 1. Oktober 1918 allmählich auf 6 Monate herabgesetzt werden sollte. Es war in der vorausgegangenen Debatte von Benazet bekämpft worden, der erklärte, die deutschen Gesetze von 1912=13 bewiesen, daß der deutsche Generalstab vor allen Dingen danach strebe, besonders die jungen Truppen für einen brutalen Angriff heranzuziehen. Benazet erinnerte dann an die Feststellungen, die er mit Messimy zusammen über die Verwendung der Reserven im Balkankriege gemacht habe, und behauptete, daß Deutschland auf die unmittelbare Verwendung der Reserven verzichtet habe. Charles Benoist(liberal) bekämpfte den Gesetzentwurf von Jaures und bat die Kammer, keinen Unterschied zwischen Frankreich und der Republik herzustellen. Ernest Roche erklärte, daß er zur Milizarmee neige. Inzwischen aber müsse man die für die Sicherheit des Landes notwendigen Maßregeln ergreifen und sie von jeder Parteifrage fernhalten. Alles andere lieber als die Aussicht auf eine neue Niederlage Frankreichs. Redner will sich allen patriotischen Maßregeln, die vorgeschlagen sind, anschließen, bis die Völker, ihrer Monarchen ledig, deren Stirnrunzeln einen Krieg entfesseln könne,(!) sich verbrüdern könnten. Rognan(Soz.) spricht für einen Gegenentwurf, der eine Dienstzeit von 18 Monaten vorsieht, und bekämpfte den Entwurf über die 3jährige Dienstzeit. Der Entwurf Rognans wurde mit 50 gegen 71 Stimmen abgelehnt. Gerichtssaal. Düsseldorf, 21. Juni. Der Bezirksausschuß erklärte die Stadtverordnetenwahl in der 2. Abteilung für ungültig Es waren hierbei die 7 liberalen Kandidaten mit einer Stimmenmehrheit von 84 mit 6 Stimmen gewählt worden. Gegen die Wahl hatte das Zentrum Einspruch erhoben mit der Begründung, daß an 2 Tischen während eines großen Teils der Wahlzeit der Wahlvorstand nicht ordnungsmäßig besetzt gewesen war und daß der Wahlvorstand nicht öffentlich bekannt gemacht worden war. Essen, 21. Juni. Wegen Konkursverbrechens= u. 1— Vergehens wurde der Schuhmacher und Schuhwarenhändler Karl Ferdinand Schöttler aus Essen zu 1½ J. Zuchthaus verurteilt. Bochum. 21. Juni. Am Charfreitagmorgen wurde in der Kaplanei zu Langendreer der Schreibtisch des Kaplans Goebel erbrochen und eines Kästchens mit 33 Mark beraubt. Am folgenden Tage wurden die Arbeiter Emil Wendt und Ewald Bergermann aus Bochum, zwei wegen Diebstahls mehrfach bestrafte Personen, bei Einbruchsdiebstählen in der Umgegend der Kaplanei in Langendreer überrascht und verhaftet. Die Strafkammer verurteilte sie zu je 3 J. Zuchth. Dortmund, 21. Juni. Vor dem Schwurgericht hatte sich gestern das 19 Jahre alte Küchenmädchen Hertha Mahlmann wegen Brandstiftung zu verantworten. Die Angeklagte war bei dem Rechtsanwalt Dr. Wagenknecht in Diensten und bekennt sich schuldig. Sie führte zur Entschuldigung an, sie habe ein Liebesverhältnis gehabt, das Folgen hatte, und sie habe sich entschlossen, aus dem Leben zu gehen. Um dies zur Ausführung zu bringen, wollte sie das Haus ihrer Herrschaft anzünden, um in den Flammen umzukommen. Sie sei am 10. Februar auf den Wäscheboden gegangen und habe die trockene Wäsche in Brand gesteckt. Als der Qualm zunahm, habe sie es doch vorgezogen, die Brandstätte zu verlassen. Als die Feuerwehr kam, habe sie geholfen, den Brand zu löschen. Kein Mensch dachte daran, daß sie es war, die da sFeuer angelegt hatte. Am 11. Februar sei sie nochmals auf den Gedanken gekommen, das Haus in Brand zu setzen, wozu ihr günstige Gelegenheit sich geboten habe, da ihre Herrschaft abends verreisen wollte. Sie zündete abermals das Haus an und brachte dadurch die Kinder ihrer Herrschaft in Lebensgefahr. Die Feuerwehr hat auch diesen Brand bald gelöscht. Die Geschworenen sprachen die Angeklagte der versuchten Brandstiftung in 2 Fällen schuldig. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Gefängnis. Frankfurt, a. O., 20. Juni. Vor dem Schwurgericht begann gestern der Prozeß gegen den Forstreferendar und Hauptmann der Landwehr von Knobroch, der am 2. Januar 1912 den Kaufmann Fritz Hedrich vorsätzlich getötet haben soll. Er war mit Hedrich in Streit geraten und will sich durch Hedrichs Verhalten in seiner Offiziersehre gekränkt gefühlt haben. Zur Abwehr habe er zur Waffe gegriffen und ihn erschossen, habe aber nicht die Absicht der Tötung gehabt. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage nach Totschlag. Der Staatsanwalt beantragte 5 J. Gef. Der Vorsitzende verkündete darauf folgenden Beschluß des Gerichts:„Nach § 317 der Prozeßordnung wird die Sache zur nochmaligen Verhandlung für die nächste Periode an das hies. Schwurgericht verwiesen." Das Gericht ist also der Ansicht, daß die Geschworenen sich zum Nachteil des Angeklagten geirrt haben. Konstantinopel, 21. Juni. Der Prozeß gegen die Mörder Schefket Paschas begann Donnerstag vor dem Kriegsgericht. 22 Verbrecher wurden verhaftet und 14 werden in contumatiam abgeurteilt. Aus Westdeutschland. Düsseldorf, 20. Juni. Der Ueberschuß der Stadtkasse für das Jahr 1912 beläuft sich auf 957 406 Mark gegen 1 501 618 M. im Jahre 1911. Die Immobilien=Umsatzsteuer brachte 390 320 M. Mindererträgnis, was auf die Stockung im Grundstückshandel zurückzuführen ist. Krefeld, 11. Juni. Die Stadtverordneten wählten für das Preisausschreiben zur Errichtung eines Kaiser Friedrich=Denkmals ein Preisrichterkollegium. Die Erweiterungsbauten des Gas=, Wasser= und Elektrizitätswerkes erfordern eine Ausgabe von 260 000 Mark. Die Genehmigung hierzu wurde erteilt. Essen, 21. Juni. Die beiden von Essen u.Altenessen eingesetzten Kommissionen beschlossen in gemeinsamer Sitzung einstimmig die Eingemeindung von Altenessen nach Essen unter folgenden Bedingungen: Altenessen erhält 6 Stadtverordnete. Die Einkommensteuer von 225 Prozent wird mit der Essener Steuer gleichgestellt. Die kommunale Grundsteuer, die bisher 3,7 pro Mille betrug, ermäßigt sich im 1. Jahre auf 3,5 und im 2. Jahre auf 3,3 pro Mille, und sofort bis zur Gleichstellung. Bei der Gewerbesteuer findet die Essener Gewerbesteuerordnung Anwendung bis auf die Betriebe mit 100 und mehr Arbeitern. Diese haben neben der Ertragssteuer im 1. Jahre 26 M. und im 2. Jahre 24M. Kopfsteuer, und so weiter jedes Jahr 2 M. weniger zu zahlen, bis zur Gleichstellung. Die anderen Besteuerungsgebühren sind teilweise unverändert, teilweise erfahren sie eine geringfügige Aenderung durch die Essener Steuerordnungen.— Binnen 4 Jahren müssen eine Anzahl wichtiger Straßen fertiggestellt werden, für die die Gemeinde die Beträge schon bereit gestellt hat. In den nächsten 10 Jahren muß Essen jährlich weitere 150 000 Mark bewilligen für weitere Straßenbauten. Die Kanalisation muß fertiggestellt werden. Der vorhandeneFundus soll zugunsten des Altenessener Bezirks für eine Wohlfahrtseinrichtung von etwa 2 Millionen Mark zusammengestellt werden. Aus diesem Wohlfahrts=Fonds sollen verschiedene Anlagen gebaut werden, die bisher schon von der Gemeinde Altenessen projektiert waren und die außerhalb des Rahmens gesetzlicher Verpflichtungen liegen. Es soll eine Badeanstalt mit Schwimmhalle, ein Neubau für eine Mädchenschule, Fortbildungsschule und Erweiterung des Parkes und Umbau des Parkrestaurants und andere Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen werden. Altenessen hat 42000 Einwohner, Karnap 7000, Borbeck 70 000 und das jetzige Essen 310 000 Einwohner, sodaß nach Einbeziehung dieser Gemeinden die Gesamtstadt Essen 429 000 Seelen umfassen wird. Aachen, 21. Juni. Gestern mittag wurde auf dem Augustinerbach die 53jährige Arbeiterfrau Rausch von einem Gemüsefuhrwerk überfahren und so schwer verletzt, daß sie in 5 Minuten noch auf der Straße starb. Köln, 21. Juni. Große Umwälzungen im Stadtbilde bringt der Bau der Ersatzschiffbrücke mit sich. Es muß der Häuserblock zwischen Rhein, Friedrich=Wilhelmstraße, Heumarkt und Sassenhof, gegenüber der Markthalle, verschwinden; außerdem muß der Heumarkt mit dem Königsdenkmal bis 1,50 Meter höher gelegt werden, um eine zu große Steigung nach dem Durchbruch der Gürzenichstraße zu vermeiden. Auf der Deutzer Seite verschwindet der bisherige Bahnhof nebst Ueberführung am Rhein, sowie der Häuserblock an der Südseite der Freiheitstraße bis zur Siegburgerstraße. Die Brücke soll bis Mai 1915 fertiggestellt sein. Koblenz, 21 Juni. Der Kommandierende General von Plötz ist gestern abend plötzlich von einer bis zum 16. Juli angesetzten Dienstreise hierher zurückgekehrt und hat heute morgen einen längeren Urlaub angetreten. Mit seiner Vertretung ist der Gouverneur von Koblenz, General von Westernhagen, beauftragt. Wie aus bester Quelle verlautet, hat der General sein Abschiedsgesuch eingereicht. Trier, 21. Juni. Bei Rollingergrund überfuhr der Kraftwagenbesitzer Wagner aus Arlon den Oberlehrer Mayer. Mayer war sofort tot. Wagner wurde aus dem Wagen geschleudert und tödlich verletzt. Saarbrücken, 21. Juni. Beim Scharfschießen einer hiesigen Artillerie=Abteilung stürzte ein Reservist vom Pferde, wurde von einem Geschütz überfahren und sofort getötet. Bochum, 21. Juni. Einen tollkühnen Fluchtversuch unternahm eine von der Polizei im Krankenhause untergebrachte Prostituierte. Das Mädchen zerschnitt sein Bettlaken In einzelne Streifen, knüpfte diese aneinander und ließ sich daran aus einem Fenster des 4. Stockwerks auf den Hof hinab. Ehe das Mädchen aber den Boden erreichte, zerriß das Seil und die Person stürtzte in die Tiefe, wo sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Hagen, 21. Juni. Von einem abstürzenden Eisenträger wurde hier der BrückenmonteurKnupp erschlagen. Rüthen, 20. Juni. Die offizielle Grundsteinlegung zum neuen Seminar, das mit einem Kostenaufwande von 300 000 Mark von der Stadt erbaut wird, erfolgte am Tage des Regierungsjubiläums des Kaisers im Anschluß an die zu Ehren des Kaisers abgehaltene Feier im Seminar. Der Bau wird am 1. April 1915 fertiggestellt sein. Letmathe, 11. Juni. Unser Marienhospital genügt schon längst nicht mehr den Anforderungen. Es ist deshalb abermals ein Vergrößerungsbau geplant. Der Kostenanschlag lautet auf 130 000 Mark. Arnsberg, 21. Juni. Fräulein JohannaBaltz, unsere westfälische Dichterin, hat vom Ruhrtalsperrenverein Essen=Ruhr den ehrenvollen Auftrag erhalten, für die am 12. Juli 1913 stattfindende Einweihung der Möhnetalsperre ein Festgedicht zu verfassen. Münster, 21. Juni. Die Feier dir Konsekretation und Inthronisation des hochw. Bischofs Johannes Poggenburg wird im Monat Oktober ds. Is. erfolgen. Man hofft, daß die Bischofsweihe Erzbischof Felix von Köln übernehmen wird. Bocholt, 21. Juni. Hier sind die Bauhandwerker in den Ausstand getreten, weil mehrere Meister den neuen Tarifvertrag nicht unterzeichnen wollten. Wiesbaden, 21. Juni. Der Gattenmörder Koch aus Nied bei Frankfurt, gegen den in der kommenden Woche vor dem Schwurgericht verhandelt werden sollte, erhängte sich in einer Zelle desUntersuchungsgefängnisses. T Straßburg, 21. Juni. In Niederburnhaupt fand man in einer niedergebrannten Scheune menschliche Leichenteile, ferner ein Jagdgewehr und ein Messer. Eine Stunde vor Ausbruch des Brandes haben Anwohner einen Schuß gehört. Das Gericht nahm eine Untersuchung vor. Waynsinnstat in einer Schule. Bremen, 21. Juni. Gestern morgen hat in der kath. Marienschule ein anscheinend geistesgestörter Mann auf die Kinder und einen Lehrer zahlreiche Schüsse abgegeben und schweres Unheil angerichtet. Der festgenommene Täter ist der Kandidat des höheren Lehramts Schmidt, geboren zu Sülze in Hannover. Von den Kindern sind 2 tot; 6, darunter 3 Schwerderletzte wurden in die Dia konissenanstalt geschafft. Der Lehrer erhielt einen Schuß in den Unterleib. Der Täter hatte bei seiner Festnahme 6 Pistolen mit vielen Patronen. Ergänzend wird zu der Schreckenstat noch mitgeteilt: Im ganzen wurden 15 bis 20 Kinder von den Kugeln getroffen. Der Unhold drang während der Frühstückspause von der Straße in die Klasse ein, wo 6—7jährige Mädchen unterrichtet wurden. Er schoß blindlings auf die Kleinen ein. Der Lehrer Hubert Möllmann, welcher die Schüsse vernommen hatte, stürzte sich auf den Unhold, umklammerte ihn und warf ihn zu Boden. Hierbei wurde er von zwei Kugeln in den Unterleib getroffen. Trotz seiner schweren Verletzungen hielt er den Attentäter solange fest, bis Leute herbeieilten, die ihn überwältigten. Von den verletzten Kindern sind 3 gestorben. Der Zustand des Lehrers Möllmann ist hoffnungslos. Zwei Kinder, die schwer verletzt wurden, schweben in Lebensgefahr. 2 wurden von 12 Kugeln getroffen. 4 Kinder gelten als mittelschwer, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt, während 6 mit leichteren Weichteil= oder Streifschüssen davonkamen. Die Aufregung in der Stadt ist allgemein groß.— Weiter wird über das entsetzliche Vorkommnis von anderer Seite gemeldet: In die kathol. Mädchenschule der westlichen Vorstadt drang der Kandidat des höheren Lehramts Schmidt, geb. im Jahre 1884, ein. Auf dem Flur trat ihm die Lehrerin Vohl entgegen, auf die er sofort einen Schuß abgab. Dann lief Schmidt in die mit 65 Mädchen im Alter von 6—8 Jahren besetzte Schulklasse und schoß blindlings auf die Kinder los. 3 Schülerinnen brachen sofort tödlich getroffen in den Bänken zusammen, die übrigen Mädchen drängten panikartig zur Tür hinaus und stürzten die Treppe hinunter, wobei eins das Genick brach. Inzwischen schoß Schmidt weiter und verletzte den herbeieilenden Schuldiener durch einen Backenschuß. Der Lehrer Möllmann versuchte, den Täter, der sich dem Fenster zugewandt hatte und auf die Straße schoß, von hinten zu ergreifen. Der Mensch hatte inzwischen durch Schüsse vom Fenster aus 4 Knaben auf dem Schulhofe schwer verletzt und wandte sich nun gegen den Lehrer Möllmann, dem er eine Kugel in den Unterleib jagte, sodaß der Lehrer sterbend zusammenbrach und ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Als der Täter nachher aus dem Schulgebäude flüchtete, wurde er von der erregten Menschenmenge ergriffen und verprügelt. Die Polizei konnte ihn nur mit Mühe festnehmen und vor der erregten Menge schützen. Die polizeiliche Vernehmung des Attentäters Schmidt hat ergeben, daß dieser sich seit Anfang Januar hier als stellenloser Lehramtskandidat aufgehalten hat. Er ist ein in seiner ganzen Lebensart völlig heruntergekommener Mensch in zerlumpter Kleidung, der nach Aussagen seiner Logiswirtin stets ein weltscheues und wortkarges Verhalten an den Tag gelegt hat. Die ihn untersuchenden Aerzte erklären ihn für kaum zweifelhaft geistesgestört, weshalb er auch unverzüglich in die Irrenanstalt Ellen übergeführt wurde. Im ganzen hat man nunmehr 10 geladene Browningpistolen festgestellt, welche Schmidt bei seiner Tat bei sich gehabt und zum größten Teil abgefeuert hat gegen 21 Personen, welche dadurch verletzt worden sind. T Bremen, 21. Juni. Es ist definitiv festgestellt, da der Mörder Schmidt geistesgestört ist. Das Befinden der schwerverletzten Mädchen war spät abends ungünstig. Im Laufe des Nachmittags wurden noch 5 weitere Mädchen dem Krankenhaus zugeführt. 12 Kinder befinden sich in den elterlichen Wohnungen in ärztlicher Behandlung. In dem Befinden des schwer verletzten Lehrers Möhlmann trat gestern abend eine leichte Besserung ein. Die Aerzte konnten die Kugel ans seinem Körper entternen. aller Welt. Die Krankenkassen. T Berlin, 21. Juni. Ueber das Weiterbestehen der Ortskrankenkassen hat jetzt das Reichsversicherungsamt entschieden. Die Mehrzahl der Ortskrankenkassen wird aufgelöst. Es bleiben nur noch 5 mit 300 000 Versicherten bestehen. Knabenmord in Braunschweig. Braunschweig, 21. Juni. Ein grauenhafter Mord ist hier entdeckt worden. Seit Mittwoch wurde der 6jährige Sohn des Tischlers Gentes vermißt. Als der Knabe abends nicht nach Hause kam, begaben sich die Eltern auf die Suche, die jedoch ergebnislos verlief. Am Donnerstag wurde seine Leiche in einem Schrank der elterlichen Wohnung aufgefunden. Das unglückliche Kind war durch einen Revolverschuß in den Kopf und durch einen Dolchstich in die Brust ermordet worden. Der Tat verdächtig ist eine Nichte des Tischlers, die sich' 3 Wochen lang bei Gentes zu Besuch aufhielt und seit der Mordentdeckung verschwunden ist. Mit ihr sind auch 400 Mark in Wertpapieren und 40 Mark Bargeld verschwunden. — Die Mörderin, Frau Marie Buschhorn, ist gestern in dem Bahnhofshotel verhaftet worden und hat ihre grausige Tat eingestanden. Die Frau ist durch den Knaben bei einem Diebstahl von Wertpapieren und Geld überrascht worden. Sie atte ihren Mann verlassen und sich mit ihrer vier Jahre alten Tochter zu ihrem Onkel Gentes begeben, wo sie bereitwillig aufgenommen wurde. Noch am vorgestrigen Abend war sie bei ihrem Manne und hatte ihn gebeten, die Scheidung zurückzunehmen. Gegen 11 Uhr aber kehrte sie nach dem Hause Gentes zurück. Als sie auf dem Hausflur von den zusammenstehenden Frauen vernahm, daß die Leiche des Knaben gefunden worden sei, ging sie sofort weg und ist erst gestern morgen wieder entdeckt worden. Mißglückter Stapellauf. Hamburg, 21. Juni. Ein 2. Stapellaufversuch des Kreuzers„Derfflinger“ ist infolge des ungenügenden Pressendrucks ebenfalls erfolglos geblieben. Leichenbergung. Kiel, 21. Juni. Von den vor mehreren Wochen auf einer Segelfahrt an der Außenföhrde ertrunkenen 8 Seesoldaten wurde die erste Leiche geborgen. T Wilhelmshaven, 21. Juni. 2 bei Buesum aufgefundene Leichen wurden als die der Heizer Kniecek und Boblane vom Torpedoboot S. 178 erkannt. Das Vorderteil des bei Helgoland gesunkenen Torpedoboots S. 178 wurde heute gehoben und befindet sich auf dem Wege nach Wilhelmshaven, wo das Wrack Sonntag früh ins Trockendock gebracht wird. 4 Fischer ertrunken. Königsberg i. Pr., 21. Juni. Gestern morgen fielen bei Brüsterort 4 Fischer der See zum Opfer. Die Fischer hatten wegen des starken Sturmes die Netze geborgen. Auf der Rückfahrt kenterte das Boot; nur einer der Insassen wurde gerettet. Um das Hauptmann'sche Festspiel. Breslau, 21. Juni. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung antwortete der Oberbürgermeister Matting auf eine Interpellation des Universitätsprofessors Kaufmann wegen des Festspiels von Gerhart Hauptmann, daß der Beschluß des Magistrats auf Einstellung der Aufführung nichts mit dem Inhalt zu tun habe, sondern in der Erwägung geschehen sei, daß durch die Hereinziehung der Person des Kronprinzen als Protektors der Ausstellung in den Streit der Meinungen die ganze Ausstellung gefährdet werden konnte. Zeppelin fliegt nicht nach Amerika. Friedrichshafen, 20. Juni. Die Meldungen von Vorbereitungen für eine Fahrt eines Zeppelin=Luftschiffes nach Amerika sind falsch. Es wurde von der Luftschiffbaugesellschaft lediglich als möglich hingestellt, daß im Jahre die Entwicke lung der Zeppelinluftschiffe soweit gefördert sei, daß man mit einem solchen Luftschiff gefahrlos den Ozean überfahren könne. Folgenschwerer Leichtsinn. Krakau, 20. Juni. Auf dem Neumarker Schießplatze, einem der größten Schießplätze Europas, hat sich ein schlimmes Unglück zugetragen. Beim Abmarsch vom Schießplatze fand ein Einjährig-Freiwilliger ein nichtkrepiertes 8 Ztm.=Geschoß, das er in den Tornister steckte, um es als Andenken mitzunehmen. Beim Verlassen des Schießplatzes explodierte nun infolge Anschlagens des Gewehrkolbens an den Tornister das Geschoß. Der leichtsinnige Soldat wurde zerrissen, ebenso ein anderer neben ihm gehender Einjährig=Freiwilliger. Ein 3. Einjähriger, der hinter ihm schritt, wurde tödlich verletzt. 6 andere Soldaten wurden schwer getroffen. Viele Soldaten und Zuschauer wurden leichter verletzt. Von den Zuschauern wurde auch ein kleines Mädchen lebensgefährlich verletzt. Die Körperteile der beiden Toten wurden in einer Entfernung von 30 Meter aufgefunden. Schweres Grubenunglück. London; 20. Juni. Auf der Carr House=Grube in Rotherham, Grafschaft York, ereignete sich ein Unfall, dem 8 Bergarbeiter zum Opfer fielen. Kurz vor Ablösung der Nachtschicht geschah ein gewaltiger Wassersturz aus einem totliegenden Betriebe, wodurch 11 Arbeitern der Rückweg abgeschnitten wurde. Ein Mann konnte sich retten, indem er durch das Wasser schwamm, ein 2. rannte mit dem Wasser um die Wette, während ein weiterer Bergarbeiter, der nur 3 Meter hinter dem anderen her war, von der Flut erfaßt wurde u. ertrank. Nur 3 konnten sich in Sicherheit bringen. Die Strecke, in der das Unglück passierte, liegt 440 Meter tief. Als das Wasser einbrach, waren die Leute mit Abbau=Arbeiten beschäftigt. Sie versuchten sofort zu flüchten, das Wasser stürzte jedoch mit derartiger Geschwindigkeit, daß die meisten jeden Rückgang abgeschnitten sahen. Das Alarmsignal wurde sofort gegeben, der Direktor der Grube stieg hinab, erkannte aber sofort, daß ein jeder Rettungsversuch unmöglich sei, da das Wasser rapid stieg, obwohl sämtliche Pumpen mit Hochdruck arbeiteten. Die Nache der Verlassenen. Warschau, 21. Juni. In Petrikau ist eine russische Studentin gestorben, die kurz vor ihrem Tode ein sensationelles Geständnis machte. In diesem Geständnis gab sie zu, daß sie sich als russische Spionin betätigt habe, vornehmlich in Oesterreich. In Wien sei sie mit Redl bekannt geworden, und zu ihm in intime Beziehungen getreten. Später sei sie dann von ihm verlassen worden und habe beschlossen, Abrechnung mit dem Treulosen zu halten. Sie habe alles das, was sie von dem verräterischen Treiben des Prager Obersten wußte, in einem Briefe an den Kriegsminister niedergelegt. In Wiener informierten Kreisen, die der Untersuchungskommission nahestehen, wird mitgeteilt, daß die Erzählungen der sterbenden Studentin in Petrikau auf Wahrheit beruhen. Magenkrebs heilbar? T Newyork, 21. Juni. Dr. Maye in Nochester(Minesota) erklärte nach 18jährigen Experimenten, daß der Magenkrebs heilbar sei. Von 1000 Fällen heilte er 378, in 246 trat Besserung ein; der Rest war hoffnungslos, wahrscheinlich weil die Behandlung zu spät einsetzte. Kameradschaftl. d Kriegerbund Wattenscheid. (Vereinslokal Th. Ahlmann.) Sonntag, 22. Juni er., nachmittags von 3 Uhr ab Preisschießen auf dem Verbandsschießstande am alten Markt, hier. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand Riannglechen Aee Wattenscheid und Umgegend. Vereinslokal Heinrich Voortmann Samstag, den 21. 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Kommunion der Knaben der Mittelklassen. 8½ Uhr: Kindermesse. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11,45 Uhr: Taufe. 2½ Uhr: Andacht. Herz Jesu=Filialgemeinde Gevinghausen. 6 und ½7 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 7¼ Uhr: stille hl. Messe. ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2½ Uhr Christenlehre und Andacht. Herz Mariä=Pfarrkirche in Günnigfeld. 6½ Uhr: stille hl. Messe. 8 Uhr: Frühmesse und Predigt. 10 Uhr: Hochamt und Predigt. 2½ Uhr: Sodalitätsandacht mit Predigt eines hochw. Herrn Paters und Segen. 8 Uhr ist gemeinsame hl. Kommunion der Knaben der zweiten und dritten Schulklassen und der Jünglingssodalität. Pfarrkirche in Höntrop. 6½ Uhr: stille hl. Messe mit gemeinschaftl. Kommunion des kath. Kreuzbündnisses. 7,45 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 9½ Uhr: Hochamt mit Predigt. 2½ Uhr: Andacht zu Ehren des hl. Aloysius und Segen. St. Josefs=Pfarrkirche in Gelsenkirchen=Ueckendorf. 6—7 Uhr: Beichte 6 Uhr hl. Messe. 6,50 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion— aber nicht an Jünglinge. 7 Uhr: Frühmesse mit Predigt. Nach dem orate fratres hl. Kommunion der Sodalität und des Gesellenvereins; dabei singt ein Kinderchor der Parkschule. ½9 Uhr: hl. Messe mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt und Predigt. ½ 12 Uhr: Spätmesse mit Predigt. ½3 Uhr: Christenlehre und Andacht. 6 Uhr: Herz Jesu=Andacht. Sonntag, den 22. Juni. Friedenskirche. Vorm. 8 Uhr: Frühgottesdienst, Pastor Geck. Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienst, Pastor Engelbert. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst, Pastor Bonne. Nachm. 3 Uhr: Taufen, Pastor Kuhlmann. Alte Kirche. Vorm. 9 Uhr: Masurischer Gottesdienst, G.=H. Lux. Kapelle zu Höntrop. Vorm. ½10 Uhr: Hauptgottesdienst, Pastor Geck. Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst. Krankenhaus. Vorm. 10 Uhr: Hausgottesdienst, Pastor Kuhlmann. Amtswoche vom 22. bis 28. Juni: Pastor Engelbert. Gemeindehaus. Sonntag nachm. 2½ Uhr: Gottesdienst für Holländer. Günnigfeld. 9,30 Uhr Gottesdienst. 11 Uhr Kindergottesdienst Ueckendorf. 8 Uhr Frühgottesdienst P. Sewing. 10 Uhr Hauptgottesdienst, P. Hußmann. 10,15 Uhr Gottesdienst im Krankenhause, P. Sewing. 2 Uhr Jugendgottesdienst, P. Hußmann. 2,45 Uhr Kirchentaufen. 4 Uhr masurischer Gottesdienst. P. Schmidt. Donnerstag 5 Uhr Bibelstunde im Gemeindehause, P. Hußmann. Amtswoche: P. Sewing. Auf sofort oder 1. Juli 1 möbl. Zimmer zu vermieten. Wwe. Th. Heunecken, Freiheitstraße 10. von 3 Räumen, mit Stall, Keller auf sofort billig zu vermieten. Näheres Hochstr. 67 Feinate Natul Battel Pfd. Mk. 1.20. bei 3 Pfd. Mk. 1.15 C. Rumpf, Hochstraße 66. Mannborg- Harmoniums, wenig gebr. billig. Brüning& Bongardt, Gelsenk., Weststr. 2. I. Etage 4 freundliche, große Zimmer und Vorratskammer zu Oktob. preisw. verm. Westenfeld, Bahnhosstr. 3. Junge Leute bis zu 40 Jahr. werden in 4 Monaten durch staatl. geprüfte Lehrer zu tüchtigen Beamten ausgebildet u. finden deshalb etete Stellung. 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Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zuging, diene dieses als solche. Kronenburg Ludger Sonnenschein. 1913 Donnerstag, den 26. Juni Zweites großes Mnitär-Konzert ausgeführt vom Trompeterkorps des Feldartillerie-Regiments Nr. 70 aus Metz unter persönlicher Leitung des Musikmeisters Herrn Suchsland. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. Nach dem Konzert: Tanzkränzchen. Es ladet freundlichst ein L. Sonnenschein. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. Eintrittskarten im Vorverkauf 40 Pfg., an der Kasse 50 Pfg. 93 95 95 95 95 95 95 An die Versicherten der Friedrich Wilhelm-Gesellschaft. Herr Nutt muß aus Gesundheitsrücksichten die Agentur aufgeben. Bis Anstellung eines Nachfolgers wollen die Versicherten sich an Herrn Schrader, Westenfeld, Bahnhofstr. 3 wenden. Brruschen macht ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen u. weißer, schönerTeint. Alles dies erzeugt Steckenpferd=Seise (die beste Lilienmilch=Seife) d Stück 50 Pfg. 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August erfolgt die Weiterreise noch Rostock zum Jubiläum des mecklenburgischen Füsilier=Regiments Nr. 90„Kaiser Wilhelm“ und weiter nach dem Uebungsplatz Alten=Grabow. Hier finden vor dem Kaiser am 11. u. 12. August große Kavallerieübungen statt. Sodann fährt der Kaiser nach Mainz, um dort gleichfalls militärischen Uebungen nebst Parade beizuwohnen. Am Nachmittag desselben Tages wohnt der Kaiser der Enthüllung des Denkmals für den„Jäger aus Kurpfalz“ in Stromberg bei Kreuznach im Hunsrück bei, von wo aus er wahrscheinlich dem Landwirtschaftsminister von Schorlemer auf dessen Besitzung Lieser an der Mosel einen Besuch machen will. Die Weiterfahrt erfolgt nach Kronberg. Nach 2tägigem Aufenthalt dort fährt der Kaiser auf 1 Woche nach Homburg v. d. Höhe und nach Wilhelmshöhe. Am 24. finden in Gegenwart des Kaisers u. der deutschen Bundesfürsten Festlichkeiten in der Kelheimer Jahrhundert=Halle statt, anschließend reist der Kaiser zu Manövern nach Breslau und Posen. DieRückkehr nach Berlin ist für den 31. August vorgesehen. Aus Stadt, Amt und Kreis. * Wattenscheid, 21. Juni 1913. 21. Juni 1813. * Leipzig, das den Gefangenen des Lützowschen Freikorps seine Teilnahme erwiesen und dessen Jugend am 17. den von Lützow gesandten Parlamentär mit Jubel durch die Straßen geleitet hatte, wird von Napoleon dafür streng bestraft. Die Stadt wird unter das Kriegsgesetz gestellt, die Polizei wird fortan militärisch gehandhabt, eine schwere Kontribution durch militärische Gewalt eingetrieben und den Kaufleuten befohlen, binnen zwei Tagen ein Register ihrer Vorräte an Kolonialwaren einzureichen. Dann wird am 21. eine Bekanntmachung erlassen:„Die Stadt Leipzig hat wegen ihres schlechten Betragens bei den militärischen und politischen Ereignissen, die sich in und vor der Stadt zugetragen, sich das Mißfallen Sr. Majestät des Kaisers in hohem Grade zugezogen. Deshalb soll hinfüro jeder, welcher sich einer Abneigung gegen die französischen oder die mit denselben vereinigten Bundestruppen verdächtig macht, als Staatsverbrecher behandelt, auf der Stelle verhaftet u. den französischen Militärbehörden zur strengsten Strafe übergeben werden.“ Bis zum 28. Juni des Abends mußten bei Todesstrafe alle Waffen abgeliefert sein. Katholische Vereinsnachrichten. * Elisabethverein— Marienkonferenz: In der Marienkonferenz findet die wöchentliche Versammlung künftig Donnerstags 5 Uhr im Kolpinghause statt.— Marian. Jungfrauenkongregation: Nach der Andacht Gesang, danach Spielstunde.— Gesellenverein: Sonntag abend 8½ Uhr.— Vinzenzverein: Dienstag abend St. Gertrudis, St. Joseph= und St.Nikolauskonferenz.— Es werden einige Boten gesucht, und zwar erwachsene Personen, die selbst den Monatsbeitrag sammeln.— Marianische Jungfrauenkongregation: Nächsten Sonntag, den 22 Juni, fällt die Gesang= und Spielstunde der Marian. Jungfrauenkongregation aus.— St. AntoniusKnappen= und Arbeiterverein: Sonntag, 22 Juni, findet die Gesangstunde nicht um 10 Uhr, sondern schon um 9 Uhr statt. — Marianische Sodalität: Donnerstag, 19. d. Mts., abends 7½ Uhr Gesangstunde im Vereinshause. Die Radfahrabteilung veranstaltet Sonntag eine Tour nach Wesel. Die Teilnehmer finden sich morgens 7,30 Uhr bei der Wirtschaft Kampmann in Leithe ein. Es ist beabsichtigt, Sonntag, 29. Juni, eine Radtour nach Neviges=Hardenberg zu unternehmen. Abfahrt morgens 3 Uhr von der Kirche in Wattenscheid. Ankunft hier gegen 6 Uhr abends. Alle Mitglieder des Vereins, die an dieser Tour teilnehmen wollen, werden gebeten, sich Sonntag, 22. Juni morgens nach der 9 Uhr=Messe im Vereinshause zu versammeln, wo weitere Mitteilungen gemacht werden.— Montag, 23. d. Mts., abends 8 Uhr Vorstandssitzung im Vereinshause.— St. Josefskirche: Nach der Andacht Versammlung des Elisabeth=Vereins.— Evangel. Vereinsnachrichten. * Sonntag nachm. 3,30 Uhr: Jungfrauenverein im Gemeindehaus.— Mittwoch nachm. 2 Uhr: Diakonissen=Hilfsverein im Gemeindehaus.— Mittwoch nachm. 3 Uhr: Arbeitsstunde des älteren Frauenvereins im Pfarrhause an der Hochstraße.— Sonntag nachm. 4 Uhr: Gem. Chor im Gemeindehause.— Donnerstag abend 7,30 Uhr: Frauen= und Jungfrauen=Missionsverein.— Donnerstag abend 7 Uhr: Vorbereitung zum Kindergottesdienst.— Mittwoch nachm. 3 Uhr: Frauenver. z. Westenfeld i. Gemeindehause a. Bahnh.— Jünglings= und Männerverein zu Wattenscheid. Sonntag vorm. 9 Uhr: Posaunenchor. Sonntag vorm. ½12 Uhr: Gesangabteilung. Sonntag nachm. 5 Uhr: Jugendabteilung. Sonntag nachmittag 6,30 Uhr: Versammlung— Mittwoch abend 7,30 Uhr: Bibelstunde.— Enthalt samkeitsverein vom blauen Kreuz: Sonntag nachm. 5 Uhr: Versammlung im Vereinslokal Centrum. Samstag abend ½8 Uhr: Gebetsversammlung im Gemeindehaus.— verein der ev. Gesellschaft: Sonntag nachm. 3 Uhr: Bibelstunde im Vereinshaus(Hochstr.) zu Wattenscheid.— Sonntag nachm. 5 Uhr: Bibelstunde im Vereinshaus zu Günnigfeld.— Evgl. Gebetsverein, Wasserstraße 19: Donnerstag abend 6 Uhr: Bibelstunde.— Bibelstunden Donnerstag abend 7 Uhr in der Kleinkinderschule Centrum, Pastor Kuhlmann. Mittwoch abend 7,30 Uhr im Gemeindehause, Pastor Engelbert.— Jugendbund für entschiedenes Christentum für Mädchen: Jeden Sonntag, nachm. 6 Uhr: Gesangstunde für den gemischten Chor. Jeden Donnerstag abenh, Bibelbesprechstunde. Jeden Samstag abend 7 Uhr. Geverstunde Günnigfeld, Vereinshaus, Marktstraße 18. Jeden Sonntag nachm. 3,30 Uhr: Gesangstunde für den gemischten Chor. Jeden Sonntag nachmittag 5 Uhr: Bibelstunde. Jeden Freitag abend 6 Uhr: Gebetstunde. Kath. Jugendverein des Dekanates Wattenscheid. * Der Delegiertentag der kath. Jünglingsvereine des Bezirks Wattenscheid findet, wie mitgeteilt, Sonntag 22. Juni, Eine Hohenzollernburg Die bei dem kleinen mittelfränkischen Städtchen Abenberg gelegene Hohenzollernburg soll dem Deutschen Kaier zu seinem Regierungsjubiläum als Veteranen=Heim übergeben werden. Die Grafen von Abenberg, die ehemaligen Besitzer, sind die Ahnherrn der Hohenzollern. Die einen nennen auch die Hohenzollern als die ehemaligen Herren von Abenberg, die anderen glauben, daß durch die Vermählung des Burggrafen Friedrich 2. von als Veteranenheim. Nürnberg mit Sophie, der Tochter des Grafen Friedrich von Abenberg die Besitzung an die Hohenzollern fiel. So trägt die Burg mit Recht den Namen Hohenzollernschloß. Schon vor mehreren Jahren wollte Kaiser Wilhelm die Burg von der Mutter des jetzigen Besitzers um 300 000 Mark kaufen, die Verhandlungen zerschlugen sich jedoch im letzten Augenblick. Nun soll es bedürftigen Veteranen zum Heime dienen. in Eickel=Hol lsterhausen statt. Nachmittags 2,30 Uhr ist in der Kirche, Herner Straße, Festandacht mit Predigt. Hieran anschließend versammeln sich die Vorstände und Delegierten um 4 Uhr im Tagungslokal Kraft, Horststr. 39. Das Referat hat Arbeitersekretär Isenrath=Herne übernommen. Er wird über„Sozialdemokratische Volksfürsorge“ sprechen. Wallfahrt nach Neviges. * Es sei nochmals auf die morgen stattfindende Wallfahrt der hiesigen kath. Kirchengemeinde nach Neviges(Hardenberg) aufmerksam gemacht. Der Sonderzug fährt ab Station Wattenscheid morgens 8,16 Uhr, trifft in Neviges ein 9,39 Uhr. Die Rückfahrt von Neviges erfolgt nachmittags 5,40 Uhr. Gegen 7 Uhr treffen die Teilnehmer hier wieder ein. Darauf ist Tedeum mit sakramentalem Segen in der Propsteikirche. Ferner wird, wie üblich, auch eine Fußwallfahrt nach Neviges unternommen. Die Teilnehmer versammeln sich hierzu um 12,30 Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag an der Propsteikirche. . Aim morgigen Sonntag spielt die 1. Mannschaft des hiesigen Ballspielvereins gegen die 1. Mannschaft des Sportvereins„Union"=Gelsenkirchen.„Union“ spielt bekanntlich erstklassig. Es ist daher ein spannender Kampf zu erwarten. Das Wettspiel beginnt um 4 Uhr auf dem Sportplaze an der Lohrhaidestraße. Peischieben... g: zbund(Vereinslokal * Der Kameraoschaftliche Kriegeround(Vereinswtal Ahlmann) veranstaltet am morgigen Sonntag, von 3 Uhr ab, auf dem alten Marktplatz ein Preisschießen. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals auf einen lebensgefährlichen Unfug hingewiesen, der sich in letzter Zeit mehr und mehr bemerkbar macht. Beim Schießen kann man nämlich stets die Wahrnehmung machen, wie sich zahlreiche Kinder und auch Erwachsene trotz vieler eindringlicher Warnungen und polizeilicher Verbote direkt am Schießstande und zwar meistens neben den Scheiben aufstellen, um dem Schießen zuzuschauen. Dies ist mit Lebensgefahr verbunden, da leicht eine Kugel abirren und dann großes Unheil anrichten kann. Es kann deshalb nicht eindringlich genug vor der Annäherung an die Schußlinie gewarnt werden. Die Polizei wird für die Folge ein wachsames Auge auf die Beachtung des Verbotes haben und alle Uebertretungen zur Anzeige bringen. Kundgebung nationaler Arbeiter. * Eine in Altena abgehaltene Vertreterversammlung der christlichen Gewerkschaften und konfessionellen Vereine beschloß, auf der Burg Altena, deren Wiederherstellung nahezu vollendet ist, am 10. August d. J. eine große Kundgebung der nationalen Arbeiterschaft des märkischen Sauerlandes zur Feier der Erhebung Preußens und des Regierungsjubiläums des Kaisers zu veranstalten. Als Redner sind in Aussicht genommen die Reichstagsabgeordneten Graf Posadowsky, Heckmann(Bochum) und Giesberts(Essen). Vom Stadtgarten. * Wir werden gebeten, oarauf aufmerksam zu nülchen, daß die sämtlichen Ruhebänke im Stadtgarten fast stets von kleinen Kindern besetzt gehalten werden, und daß es für ältere Personen, namentlich bei schönem Wetter, oft schwer hält, ein freies Plätzchen zu finden. Selbstredend soll auch den Kindern eine Gelegenheit zum Sitzen geboten werden. Die Einführung von Kinderbänken hat sich vor einigen Jahren gut bewährt. Bei dem im vorigen Winter vorgenommenen Neuanstrich ist die Aufschrift„Kinderbank“, welche damals für die Hälfte der Bänke vorgesehen war, nicht erneuert worden. Es wäre sehr zu wünschen, wenn dies noch nachträglich nachgeholt würde.— Außer diesen für die Kinder und Kindermädchen reservierten Bänken, stehen diesen auch noch die vielen von Beigeordneten Fr. Kampmann in dankenswerter Weise gestifteten und auf dem oberen Polygon aufgestellten Bänke zur beliebigen Benutzung frei.— Die Schwanenfamilie auf dem Stadtteich hat kürzlich einen Verlust erlitten; eins von den jungen Schwänchen kam dem Abflußrohr, welches an der nördlichen Seite angebracht ist, zu nahe und wurde mit dem Strudel fortgerissen, so daß es ertrank. Die 4 anderen jungen Schwänchen entwickeln sich prächtig und haben jetzt bereits die Größe von Enten erreicht. Sie verweilen fast den ganzen Tag unter dem Schutz ihrer Eltern am Strand des Weihers und lauern auf die Butterbrotreste, welche die Kinder ihnen zuwerfen. Harkortbergfest. * Das diesjährige Rheinisch=Westfälische Volkswetturnen auf dem Harkort bei Wetter findet am 3. August statt. Auf Beschluß des Gesamtausschusses soll ein Fünfkampf stattfinden, als dessen Uebungen bestimmt sind: Hochsprung ohne Brett, Stabweitspringen, Kugelstoßen(10 Klgr.), 100=MeterLaufen und eine Freiübung. Es sind 90 Punkte erreichbar. Alle Turner, die wenigstens 60 Punkte erreichen, sind Sieger und erhalten einen Kranz. Sieger, die 75 und mehr Punkte erreichen, erhalten außerdem eine Ehrenurkunde. Der erste Sieger erhält den Kranz der Stadt Wetter. Nach dem Turnen werden noch Tauziehen und Eilbotenläufe veranstaltet. Das Zöglingswetturnen auf dem Harkort findet am 14. September statt und besteht in einem Dreikampf und 100=Meter=Laufen. Städtische Hypothekensorgen. * Die Hypothekensorgen unserer städtischen Hausbesitzer haben ihre Ursache nicht in einer launenhaften Sprödigkeit des Geldmarktes, sondern in dem ungesunden Aufbau des Grundbesitzes und seiner Bewertung. Geldanlagen in Hypotheken sind beim breiten Publikum früher außerordentlich beliebt gewesen. Damals sah sich der Geldgeber das zu beleihende Objekt recht gründlich an, und noch gründlicher informierte er sich über seinen Besitzer. Da konnte es kaum vorkommen, daß er sein gutes Geld in eine faule Sache hineinsteckte, oder daß er ein Haus weit über seinen wirklichen Wert belieh. Heute ist das anders geworden und die Geldgeber müssen sich heute an die Taxen berufsmäßiger Taxatoren halten. Es entstehen viele Irrtümer. Kein Wunder, wenn oft Zwangsversteigerungen stattfinden, bei denen Hunderttausende nachgeordneter Hypotheken in Verlust kommen. Es ist die Ueberzeugung aller Kenner des Grundstückswesens, daß hier erst ein Wandel eintreten wird, wenn das Taxwesen von Grund aus geändert wird. Anscheinend liegen aber Schwierigkeiten vor, die eine Reform immer wieder verzögern. Inzwischen werden andere Versuche gemacht, der Hypothekennot zu steuern. Eine Reihe von Städten hat damit angefangen, besondere kommunale Hypothekenbanken zu errichten, die aus öffentlichen Mitteln dotiert werden. Aus diesem Grunde sind über die Hergabe von Grundstücksdarlehen sehr genaue und scharfe Bestimmungen festgesetzt. Selbstverständlich spielt bei diesen die Taxe eine Hauptrolle. Die Stadtgemeinden werden sich hüten, Häuser höher zu beleihen, als ihr Mindestwert beträgt. Jeder Verlust würde die städtische Hypothekenbank in ihrer Existenz erschüttern. Wenn diese Anstalten auch vielfach bekämpft werden, so bringen sie doch den einen Vorteil, daß sie endlich zu einer richtigen Taxierung erziehen. Einen ganz neuen Weg hat in diesen Tagen die Stadt Schöneberg eingeschlagen. Dort ist nicht eine reinkommunale Hypothekenanstalt in Aussicht genommen, sondern die Stadt will zusammen mit dem Hausbesitzerverband, also gestützt auf das Prinzip der Selbsthilfe, eine genossenschaftliche„städtische Landschaft“, ein städtisches Pfandbriefamt, errichten. Es soll unter Ausschluß des Erwerbszweckes ein wohlfeiler und unkündbarer Realkredit mit Nachhypotheken mittelst der Ausgabe von Pfandbriefen verschafft werden. In dieser Anstalt soll die Stadt, neben der allgemeinen Staatsaufsicht, das Recht der Mitverwaltung, der Aufsicht und des Einspruches haben, ferner Einsicht in die Büicher bekommen und bei Beleihungsanträgen die Unterlagen nachprüfen. Diese Bestimmungen dürfen der neuen Kreditanstalt das Vertrauen des Publikums erwerben. Einstweilen ist ein Betrag von 15 Millionen Mark an Inhaberschuldverschreibungen, die durch den Verein ausgegeben werden, vorgesehen. Eine Garantie für die Sicherheit der zweitstelligen Pfandbriefe übernimmt die Stadt nicht. Hier wird die genossenschaftliche Sorgfalt das ihrige tun, denn es ist kaum anzunehmen, daß unverständige Schätzungen und Beleihungen vorkommen werden. Die Beleihungsgrenze soll bis zu 80% des Schätzungswertes gehen. Die Hypotheken sind Tilgungshypotheken und werden dem Schuldner alles in allem eine Jahresleistung von 5¼ bis 5,75% auferlegen. Sollte die neue An stalt sich bewähren, so dürfte sie das Muster für eine zahlreiche Nachfolge in anderen Städten werden. Wohin soll's gehen? * Bis zu den großen Ferien oder zum Sommerurlaub ist wohl noch eine Weile Zeit, aber die Reisegedanken rumoren doch schon jetzt. Sie müssen es wohl, wenn man die Absicht hat, oder wenn man genötigt ist, etwa mit Weib und Kind gerade zur Hochsaison sich irgendwo festzupflanzen. Da möchten vorsichtige Leute beizeiten ein passendes Quartier mieten. Aber dazu gehört vorerst eben einmal, daß man sich klar wird, wohin man eigentlich will oder soll oder muß. Der Mann möchte vielleicht ins Hochgebirge, die Mama schwärmt für die Nordsee, und die Jungen zieht's am Ende in eine kulturlose Ländlichkeit. Eins denkt an seine armen Nerven, ein anderes an Strandflirt und Neunion, und ein Drittes an malerische Landschaftsmotive. Prospekte kommen. Anfragen werden losgelassen. Gute Bekannte warnen, empfehlen, drängen, Schon hat man so ziemlich fest den Blick auf einen bestimmten Sommerfrischenpunkt gerichtet,— da stellt sich heraus, daß die Geschichte doch zu teuer werden würde. Also nach etwas anderem ausschauen! Bei dieser Gelegenheit wird das Reisebudget nochmals genau durchgesprochen. Man sei nicht allzu klug, denn überschritten wird's dann in der Regel doch. Allein, wenn auch der Geldpunkt nicht so beschaffen ist, daß man um jedes 3=Markstück knickern muß, und auch, wenn man so glücklich ist, über seine Zeit ziemlich frei verfügen zu können— das Wohin ist gleichwohl nicht immer ganz einfach; selbst dann nicht, wenn's mehr auf nette Vergnüglichkeit als auf wirkliche gesundheitliche Erholung mit der Reise hinauslaufen soll. Es spielen da allerlei Geschmackssachen und psychologische Besonderheiten herein. Dem einen ist menschenferne Naturstille das Liebste, auch wenn er kein zuckendes Nervenbündel ist; und der andere will immer etwas sehen, hören vom bunten Kaleidoskop der Menschenwelt. Wer immer in einsamer Dörflichkeit haust, wird sich über seine Reiseziele nicht dieselben Gedanken und Pläne zurechtlegen, wie der nervöse Großstadtmensch. Wie auch immer, das eine wenigstens könnten alle gemeinsam hübsch bedenken, die jetzt ihre Sommerreise ausgrübeln, daß es nämlich ganz ideale und vollkommene Verhältnisse auch außerhalb des Alltäglichen und Heimischen nicht geben kann und niemals geben wird. Vielleicht führt manchmal gerade auch diese Erwägung zu einem rascheren Entschlusse. Kaiserjubiläumsfeier in Günnigfeld. * Günnigfeld, 21. Juni. Am morgigen Sonntag werden die evangelischen kirchlichen Vereine, wie Frauenverein, Jungfrauenverein und Jugendverein, eine gemeinsame Feier im Vereinslokale veranstalten. Beginn derselben ist 4,30 Uhr. Der Jugendverein wird ein größeres Festspiel zur Aufführung bringen, worauf alle sehr gespannt sind. Ein Doppelquartett unter Leitung des Steigers Klein wird passende Lieder einlegen. Die Feier soll in erster Linie dem Jubiläum des Kaisers dienen. Kinder haben an diesem Abend keinen Zutritt, doch wird denselben an einem anderen Tage das Festspiel vorgeführt werden. Kaiserjubiläumsfeier in Kray=Leithe. * Kray=Leithe, 21. Juni. Die Vorbereitungen zu dem am Sonntag hier stattfindenden allgemeinen Volksfeste sind zum Abschluß gelangt. Die Feier wird vormittags 10 Uhr im Sitzungssaale des Rathauses mit der Ehrung der Kriegsveteranen beginnen. Um 11 Uhr geht vom Marktplatze aus ein Festzug zum Volksgarten. Die gesamte Schuljugend der Bürgermeisterei wird in einer Stärke von 4750 Schulkindern Spalier bilden. Im Volksgarten tragen die oberen Schulklassen Lieder vor. Der Festakt besteht neben Musikvorträgen in Gesangvorträgen eines Massenchors sowie einer Ansprache des Bürgermeisters Kohlen. Zugleich wird der neu angelegte 42 Morgen umfassende Volksgarten feierlich seiner Bestimmung übergeben. Für nachmittags 4 Uhr ist ein reichhaltiges Programm für ein Freikonzert im Volksgarten vorgesehen. (Weitere Lokalnachrichten siehe 1. Blatt.) Der Wattenscheider Fackelzug im Knipps, da sind die Lichter aus, Dunkel ist das Lichtspielhaus. Sitzen da mit hohen Braunen, Möchten alle gern erstaunen, Wattenscheider Bürgersleute, Um zu sehn das Neuste heute; Damen, Herren und auch Kinder, Schuster, Schneider, Bürstenbinder; Knipps, da geht der Rummel los, Jeder findet es famos. 1. Akt: Der Fackelzug, Der sich durch die Straßen schlug. An der Spitze die Kapelle Schlotterhose tutet helle. Bürgermeister Wibberding Geht in der Gétreuen Ring. Kommen dann die Offiziere, (Alle sind's ja Kavalliere) Hauptmann Kampmann kühn voran, Immer stellt er seinen Mann. Dann die lange Reihe Krieger, Reservisten, Schlachtensieger, Landwehrleute, die vom Landsturm, Welch ein langer Menschenbandwurm. Dann Vereine, helle Haufen Sieht man durch die Straßen laufen, Jedermann mit einer Fackel, Ha, das ist ein Lichtgewackel! All die tausend bunten Lichter, All die frohen Angesichter. Gesangverein Germania Kesten, Ahlmann, beide da, Heute denkt man nicht an Streit, Wie er tobt schon lange Zeit. Schöner war seit Jahren nie Beiderseits die Harmonie. Und der deutsche Turnverein Schwang gar hoch das Turnerbein, Sang ein Lied, die Turnerei Hat die Kehle immer frei. Bruder Emil und auch ich, Transparent: O schlage Dich! Weil wir offen und versteckt, Immer etwas uns geneckt, Und die Wahrheit stets ergibt sich: Was sich neckt, gewöhnlich liebt sich. Und dann weiter ohne Ende Füllen könnte man ja Bände, Alles, alles aufzuzählen, Will die Muse nicht mehr quälen. Und die Straßen schmuck und fein, All der Flammen bunter Schein, All die hellen Menschenmassen. Hier muß ich zusammenfassen: Warein Anblick ganz brillant, Was auch jeder einer fand. 2. Akt: Der Marktplatz war Voll zum Brechen, ei fürwahr, Kopf an Kopf und Licht bei Licht, Männlein, Weiblein dicht an dicht. Schon ertönt das erste Lied, Das in breiten Wellen zieht. Für den Kaiser tönt's voll Schwung, Jeder Ton Begeisterung. Jetzt der Bürgermeister spricht, Reis um Reis er sorglich bricht, Flicht zum Kranze für den Kaiser All die schönen grünen Reiser. Donnernd braust der Jubellaut, Ein mischt sich die Glocke traut, Feierlich und wunderbar, Klang nie schöner, rein und klar. Von der Halde brüllen los Die Kanonen grandios, Und der Mond mit Silberschein Lächelt gar zufrieden drein. Dann das Feuerwerk zum Schluß, Toll war der Raketen Schuß. Silbern glänzt des Kaisers W Aus der Flammen Purpursee, Undes tut von Mund zu Mund Der Begeist'rung Laut sich kund. 3. Akt: Es füllen sich Saal und Garten fürchterlich; Seht sie nur, die Patrioten, Lauschen der Kapelle Noten, Trinken Bier und trinken Wein, Je nachdem die Mittel sein; Sitzen lange, sitzen schwer, Je nachdem die Gläser leer; Kehren heim bei Tag und Tau, Je nachdem daheim die Frau; Gehen grade oder nicht, Je nachdem das Gleichgewicht. Jeder doch gesteht sich ein, 'sJubiläum war doch fein. Knipps, dies war der erste Streich In des Kientopps Zauberreich. —.— * Zweitens: Bilder hier vom Tage, Intressieren ohne Frage. Sehen hier das Städtchen Vith, Dorthin Bongaertz balde zieht, (In der schönen Eifel liegt es, Sich an sanfte Berge schmiegt es) Um als Bürgermeister dort, Zu verwalten diesen Ort. Sehen mich als Gratulant Binjaimmer schnell zur Hand. Können hier Emilius sehen Seine Dichterleier drehen, Sinnt auf mich ein neues Lied, Wie die Stirn er faltig zieht! Wie er wühlt in seinem Haar, Das einst schwarz und lockig war, Bis der Geist im„Faber“ zuckt—— Dieses wird hemach gedruckt. Ferner sieht man hier zum Schluß Unsre Drossel, Genius Von der Zehebis zum Scheitel, Dummdreist zwar und etwas eitel, Aber voll Gesang die Kehle, Voll Gefühl die kleine Seele, Sehr moralisch auch zu Zeiten, Wie's beliebt bei manchen Leuten. Doch wie mag es kommen sein, Daß dem kleinen Vögelein So die Federn ausgerupft, Schaut nur, wie es kaum noch hupft. Ist verteufelt eine Schand, Nache sinnt es wutentbrannt. Seitwärts lacht sich einer was, Wer es ist, ihr ratet das, Ist bekannt in Stadt und Land, Hat sich Gottlieb kühn genannt. So, nun ist das Lichtspiel aus, Bürgersleute geht nach Haus. Villa Kuckucksheim, 21. Juni 1913. Oststr. 13. Wattenscheid. Oststr. 13. Lichtspielhaus ersten Ranges. Angenehmer Familien-Aufenthalt.:-: Bequeme elegante Sitzgelegenheiten, gutventiliertes, kühles Theater, eigenes Theater-Orchester. PKOGRAMM von Samstag. 21. bis Montag, 23. Juni: Apollo-Wochenschau. Aktuelle Aufnahmen der neuesten Ereignisse. Ganz wie Papa. 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Juli 1890 und 30. Juni 1901 in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. September 1901, sowie der §§ 8, 11 und 25 Abs. 1 der Anordnungen über die Verfassung und die Tätigkeit des Berggewerbegerichts Dortmund vom 18. Oktober 1911 ist der Beisitzer der Spruchkammer Dortmund I des vorgenannten Berggewerbegerichts, Bergmann Joseph Pausewang, weil er aus dem Bezirke der Spruchkammer Dortmund I verzogen, durch Beschluß des unterzeichneten Oberbergamts vom heutigen Tage seines Amtes enthoben worden. Dortmund, den 9. Juni 1913. I, 4809. Königliches Oberbergamt. Steckbrief gegen den früheren Bergmann Bennauer, Wilhelm, geb. 18. Sept. 1873 zu Wattenscheid, Kr. Gelsenkirchen, zuletzt wohnhaft Gelsenkirchen, ohne feste Wohnung, Größe 1,73 Meter, Gestalt kräftig, Haare dunkelblond, Schnurrbart, Gesicht knochig, Augen dunkelbraun, Augenbrauen dunkelblond, Mund breit, Gang und Haltung schleppend, geht etwas nach vorn geneigt, wegen Rückfalldiebstahls. Akten 21 J. 551=13. Essen, 2. Juni 1913. 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Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet — 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitia). Seeeenbeneeneene (Neueste Nachrichten.) enr Stadr und Amt Wallenscheib, Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts; 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin; zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.: Zeitung. Teleson 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Gerhard Hauptmann. Die starke Mißstimmung, welche das von Gethardi Hauptmann verfaßte Festspiel zur Jahrhundertfeier in weiten Kreisen Deutschlands erweckte, hat nunmehr zur Einstellung der Aufführungen geführt. Die allgemeine Unzufriedenheit wurde durch verschiedene Umstände hervorgerufen. Schon die vom Dichter gewählte Form eines Puppenspieles verletzte, ferner wurde dieRolle der 3 verbündeten Monarchen als Herabsetzung empfunden, dagegen warf man dem Festspiel Verherrlichung Napoleons von. Diese Ursachen führten zu abfälligen Kundgebungen großer Verbände gegen die Aufführungen in Breslau. Die Unzufriedenheit gewann immer weiteren Umfang und hat nun das Einstellen der Aufführungen veranlaßt. Unser Bild zeigt den Dichter des Festspiels, Gerhardt Hauptmann, welcher bekanntlich im vor. Jahre sein 50. Lebensjahr vollendete sowie den Nobelpreis für Literatur erhielt. Eröffnung des neuen Diozesanmuseums in Paderborn. Paderborn, 21. Juni. Wie mitgeteilt, wurde am Mittwoch das neue Diözesan=Museum feierlich seiner Bestimmung übergeben, wobei der hochw. Bischof Dr. Schulte eine Ansprache hielt und u. a. folgendes ausführte: Ich ergreife gern die Gelegenheit, wo ich umgeben bin von so vielen verehrten Gästen, von Vertretern der städtischen und staatlichen Behörden, ein Wort herzlichen Dankes allen denen zu widmen, die uns geholfen haben, eine kirchliche Kunstfammlung, ein Diözesanmuseun ins Leben zu rufen und einzurichten. Vor allem muß ich die Munifizenz des hochw. Domkaeitels rühmen, das mir zu dem Archivsaal den altehrwürdigen Kapitelssaal als prächtigen Ausstellungsraum zur Verfügung gestellt hat. Mein innigster Dank gilt veiterhin dem Klerus meiner Diözese. Sein verständaisvolles Interesse und seine spontane Bereitwilligkeit, das Werk in jeder Weise, nicht zuletzt auch finanziell, zu unterstützen, haben zu meiner überaus großen Freude aufs neue deutlich angezeigt, daß er die pietätvolle Erhaltung kirchlicher Denkmäler aus vergangenen kirchlichen Kunstperioden als eine Ehrenpflicht seines geistlichen Standes betrachtet. Es sind nicht geringe Erwartungen, die ich an die Zukunft des Museums knüpfe. Es sollen hier fortan zahlreiche, für die Diözesan= und Heimatgeschichte wichtige Kunstgegenstände, die vielfach mit knapper Not vor dem drohenden Untergang oder Verderben oder einem vielleicht noch schlimmeren Lose der Verschleppung bewahrt worden sind, ein sicheres und würdiges Asyl besitzen. Hier soll das Studium der kirchlichen Kunst und des kirchlichen Kunstgewerbes und seiner Technik an den Leistungen früherer Jahrhunderte eine Fülle von Anregungen finden; vor allem aber soll der Kunstsinn und das Kunstverständnis des heranwachsenden Klerus hier gebildet und geläutert werden an edlen Werken der kirchlichen Kunst überhaupt, zumal der kirchlichen Kunst Westfalens. Es scheint mir außerordentlich wichtig zu sein, daß unsere kunststudierende junge Welt zeitig merkt und einsieht, daß unsereKunst stets die größten Triumphe gefeiert hat und feiern wird im Bunde mit der Kirche. Das empfinden auch diejenigen Künstler, die sonst von religiösen Motiven nur wenig berührt worden sind. In der langen wechselvoollen Geschichte der Kirche mag manches sein, was die moderne Kritik angreist, aber eins gibt es, vor dem sie in stummer Bewunderung schweigt; das ist die Kunst der Kirche, der diese ihre erhabensten Gedanken eingeflößt und die entzückendsten Formen verliehen hat. Das Altertum mit seiner zauberhaften Herrlichkeit versank im Strome der Zeiten, und die erhaltenen Ueberreste seiner Kunst lassen in uns nur eine leise Ahnung ihrer Pracht aufkommen. Die Kirche war es, und sie allein, die nach dem Zusammenbruch der alten Welt die Kunst rettete, sie hinübertrug über die zerstörten Fluten der Völkerwanderung, sie mit ihren majestätischen Fittichen schirmte und schützte. Im Mittelalter ist die Kunst aufgeblüht zu einem mächtigen Baum, der bis in unsere Zeit hinein immer neue Aeste und Zweige, immer neue Blätter und Blüten getrieben hat und alle Kulturländer des Abendlandes überschattet hat. Im Hinblick auf eine solche unsterbliche Vergangenheit der kirchlichen Kunst kann für ein inniges Vertrautwerden mit ihr nichts besser sein, als ein liebevolles Versenken in die fniheren Epochen kirchlicher Kunst. Darum ist es wichtig, daß unsere kunststudierende Jugend an ihr den Kunstsinn veredele und läutere. Ich möchte nicht die kirchliche Kunst der Gegenwart und der Zukunft in den Kreis der alten Formen und Anschauungen ausschließlich oder schlechthin gebannt wissen, aber das möchte ich hervorheben: der Fortschritt, der heute so laut betont wird in der kirchlichen Kunst, muß ein wahrer Fortschritt sein; er muß vor allem die Kontinuität der Kunstentwicklung wahren; die Grundlage für die große Zukunft der Kunst muß fest und solide gelegt werden, sie muß gebaut werden nicht auf dem Flugsand des Tagesbesehisch bcr e eie ercieie elice eher geschichtlicher Ueberlieferung. Wenn auch viel verloren gegangen ist, so sind doch, Gott dank, immer noch kostbare Denkmäler in die Gegenwart hinüber gerettet worden. Es gibt kein Kulturland in Europa, das die Kirche nicht mit Meisterwerken ihrer Kunst übersät hätte.; nicht am wenigsten unser deutsches Vaterland. Daß dies auch für unsere engere Heimat und besonders für Westfalen und für die Bischofsstadt Paderborn zutrifft, das dürfte heute füglich keiner mehr bezweifeln. Es gab eine Zeit, und sie ist noch nicht lange vorbei, da war Weftfalen ein Stiefkind kunstgeschichtlicher Forschung und kunstgeschichtlicher Anerkennung. Heute ist männiglich bekannt, daß auch Westfalen Großes und Ruhmvolles in der mittelalterlichen Kunst geleistet hat, und welche glänzenden Erfolge gerade Westfalen in der Kunst der jüngeren Renaissance aufzuweisen hat, das beweist uns das Werk„Alt=Westfalen". So möchte ich, daß auch unser bescheidenes Diözesanmuseum, dessen beste Stucke ja westfälischen Kirchen und westfälischen Künstlerhänden entstammen, etwas zu erzählen wisse von dem hohen, künstlerischen Wirken in Alt=Westfalen. Möchte es in der studierenden Jugend Liebe zur Heimat und zu ihrer Kunst erwecken, möchte es allen Besuchern ein Werk ausgesuchter Freude, ein Führer, Lehrer und Berater werden. Wenn so unser neues Diözesanmuseum trotz der Beschränktheit des Raumes und seiner wenigstens vorläufig bescheidenen Sammlungen neue Liebe weckt für die Kunst der Kirche und vor allem neue Anhänglichkeit bewirkt für die kirchliche Kunst unseres Heimatlandes, dann ist unser Museum nicht umsonst gegründet worden, dann wird es gereichen nicht nur zur Ehre für Paderborn, sondern für die ganze Diözese und zur Ehre des Allerhöchsten. „Echahs sosfe 16.— „Schatz“, sagte sie,„versprich mir eins.“—„Alles“, erwiderte er mit der Sorglosigkeit des Verliebten.—„Wenn wir eine ziemliche Zeit verheiratet gewesen sind und uns dahin einigen, daß eine Scheidung sehr wünschenswert wäre, versprich mir, daß dann meine Brüder, die Rechtsanwälte, die als Anfänger noch schwer zu kämpfen haben, unsere Sache vertreten sollen.“ * Spieler Moderner Kulturroman von Hans Hyan. (Nachdruck verboten.) Der Deutsche wandte sich mit allen Zeichen des Unbehagens ab von dem fettriefenden Gericht und nahm Kaviar aus einem Holzfäßchen, den er dann zum Toast mit dem Löffel aß. „Auf unsern letzten Coup!“ sagte der Spanier und hielt den innen vergoldeten Silberbecher, in welchem der Sekt perkte, dem Genossen entgegen. Aber der stieß nicht an.„Ich werde das nie lernen!“ sagte er düster,„es ist ein Talent, das ich nicht habe!“ Der Spanier zuckte die Achseln.„Ich gebe ja zu, daß sich nicht jeder dazu eignet! Aber was will man machen! Die Hauptsache ist, daß Sie bei unsern kleinen Privatlektionen gut aufmerken! Ich habe doch schon Leuten die Volte mit einer Hand beigebracht, die viel weniger feine Stade bottenf Der Baron betrachtete seine weißen, blaugeäderten Hände, die in ihrer schmalen Form den ein wenig degenerierten Adelstyp zeigten, und seufzte:„Bei Gott Ich wollte, die hätten arbeiten gelernt!“ „Pfui!“ wehrte der Spanier ab,„arbeiten ißt gut für Schwachköpfe! Ein Kavalier arbeitet nicht! Darunter leiden ja die Fingerspitzen! Die Fingerspitzen!“ er küßte die rosigen Kuppen seiner entzückend gepflegten Finger, deren Nägel den sanften Glanz des echten Perlmutts besaßen,„die man so notwendig braucht in unserer Kunst! Da, schauen Sie her!“ Der Falschspieler hielt plötzlich, als sei es aus der Luft herab in seine Hand geflogen, ein Kartenspiel in seiner Rechten, und dieses mit dem leichtgekrümmten Arm dem Baron entgegenhaltend, rief er mit seiner angenehmen Stimme:„Denken Sie sich eine Kartel“ Wunderlich nickte. „So“, er reichte dem andern das ganze Spiel,„jetzt sehen Sie nach, wo llagt die Kartos“ Aomderlich dülendte Rüchlig dum ach er dem ecnennt. Aufmerkenden das Spiel zurück. Und dieser ließ, die Karten in der leichtgekrämmten rechten Hand haltend, durch ein Aufschnellen der Finger aus der Mitte des Spiels heraus ein Kartenblatt fliegen und präsentierte es dem Verdutzten. „Ja“, sagte Wunderlich,„Treff sieben! Aber wie machen Sie das! So habe ich das Kunststück noch nicht gesehen!“ „Glaub ich!“ lächelte der Spanier,„so kann man's auch nur mit jemand machen, der Spieler ist und dessen Lieblingskarte man kennt! Von Ihnen weiß ich, daß Sie Treffsieben poussieren! Nun, da ist es doch ganz einfach; ich hole eine Treffsieben aus der Servante, mit der linken Hand natürlich!" Er machte es jetzt langsam vor, wie er durch den offenstehenden Schlafrock in seine tiefausgeschnittene Weste griff und diese am Ausschnitt so weit umkippte, daß man die am Futter angebrachten Taschen, die sogenannten „Servanten“, sehen konnte, in denen sich je ein wohlgeordnetes Kartenspiel befand. „Sehen Sie, mon cher Baron, da habe ich alles, was ich brauche!... ein leiser Ruck und das Kärtchen fliegt heraus und kommt, ohne daß die Augen der Spielratten es sehen brauchen, unter den Couvon!“ In der Tat ließ er bei diesen Worten eine Karte aus der Servante herausspringen und mit einer an das Wunderbare grenzenden Geschicklichkeit zwischen dem mit der Rechten gehaltenen Spiel verschwinden. Dann vollführte diese seine rechte Hand eine kaum wahrnehmbare Bewegung, und als drücke er auf eine Feder, sprang die Karte durch die Volte aus der Mitte des Spieles einmal obenhin auf und dann wieder an den untersten Platz, gerade wie er es haben wollte. „Und wenn Sie sich nun einmal irren“, sagte Wunderlich, der nun ebenfalls, wenn auch vergeblich, versuchte, die Volte in dieser vollendeten Weise zu schlagen,„und wenn es nicht wie hier im Spaß geht, sondern im Ernst, beim Spiel?!“ „Das rechnet nicht! Man konn dach nicht jeden Satz gewinnen! Die andern wollen doch schließlich auch etwas behalten!“ Der Baron steckte sich eine neue Zigarette an und trank rasch hintereinander zwei Becher Sekt. „Und was machen Sie, wenn wir einmal auffliegen, Miquel?“— Der Spanier lachte, daß seine weißen Zähne nur so blitzten. „Dann verschwinde ich selbst, mit einem sogenannten Blitzschlage!“„ „Ich auch!“ sagte Wunderlich und griff unwillkürlich nach seiner Westentasche, wo ein winzig kleines Fläschchen steckte, das mit einem schnell tötenden Gift gefüllt war. 5. Kapitel. Die Glocke schrillte draußen. Die beiden Herren sorchten auf. „Ich werde rasch gehen und mich anziehen!“ sagte der Spanier mit gedämpfter Stimme.„Bearbeiten Sie den Knaben derweile tüchtig. Sie wissen, daß wir diesen dritten Mann notwendig gebrauchen! Beim Pharao, das man hierzulande törichterweise„Tempel“ nennt, geht es ohne zwei Kosaken(die den eigentlichen Falschspieler deckenden Genossen heißen„Hände" oder„Kosaken") gar nicht, außerdem sind Sie, lieber Baron, na, Sie wissen ja selber... aber vorsichtig, bittel... ja recht vorsichtig“ Der Diener klopfte, und während der Spanier ins Nebenzimmer schlüpfte, bat Wunderlich, den Freiherrn von Sandrat hereinzuführen. Wunderlich, der nie ein besonders gutmütiger und gefühlvoller Mensch gewesen war, hatte heute seinen weichen Tag. Es war sein fester Entschluß, den jungen Edelmann zu warnen. Der sollte nicht dasselbe traurige Los haben, wie er selber, der eines Tages ohne Existenzmittel den Falschspielern in die Hände gefallen war und sich ihnen angeschlossen hatte, ohne doch jemals ihre Fertigkeiten zu erlongen. (Fortsetzung folgt.) 1 Bestellungen auf die Wattenscheider Zeitung werden jeder Zeit von unseren Boten und der Geschäftsstelle entgegengenommen. Neuhinzutretende Abonneuten erhalten die Zeitung bis zum 1. Juli 1913 gratis. Verlag u. Enn. der Wattenschelder Zeltung. Ausklang. Das Kaiserjubiläum zog vorüber, die Feste sind vorbei. Sie haben in Deutschland ein starkes Bekenntnis zum monarchischen Gedanken gebracht und gerade dadurch auch auf das Ausland, das so gern nach Momenten des Zerfalls und der Zersetzung im Deutschen Reich späht, einen erwünschten Eindruck gemacht. Vor allem wird das vorbehaltslose Eintreten der Bundesfürsten für den Kaisergedanken, wie es aus den festlichen Reden des Prinzregenten von Bayern und des Königs von Sachsen vernehmbar war, dem Ausland beweisen, daß der Partikularismus an den Fürsten des Reiches keine Stütze mehr findet, daß die Gedanken jener Zeit, in denen bayerische und sächsische Sonderbestrebungen den Dualismus vertraten und die Mainbrücke die Herzen nicht verband, sondern trennte, für immer verweht sind. Ein kleines äußeres Zeichen klugen Taktes, von den meisten kaum beachtet und doch der Abschluß einer Episode voll liefer Bitterkeit: dem Urenkel der Modeste von Unruh, dem Fürsten von Lippe, wurde gerade jetzt der höchste preußische Orden, der Schwarze Adler, verliehen, und das harte Wort, das just vor 15 Jahren, an einem 17. Juni, dem Vater zuging:„Dem Regenten, was dem Regenten zukommt, weiter nichts", hat an einem anderen 17. Juni einen neuen willkommenen Inhalt empfangen. Und wenn die Mißgunst hoffte, daß nicht nur Schatten aus alten Zeiten von damals her, als Habsburg noch die Vorherrschaft in Deutschland erstrebte, sondern auch neue Entfremdung zwischen dem alten Erzhause und den Hohenzollern die Kraft jenes Bandes schwächen würden, der schon in Nikolsburg vorgedacht u. begründet wurde, so hat auch hier der Armeebefehl des greisen Franz Josef schadenfrohes Hoffen bitter enttäuscht. Langsam verklingen die Feste. Geben sie noch Grund zur Betrachtung? Vielleicht in mancher Einzelheit. So hat sich auch in Berlin, trotz aller Festzüge u. trotz der lieben hellen Stimmen der Schulkinder, die im Schloßhof erklangen, doch wieder gezeigt, daß unsere Zeit geringere Fähigkeit besitzt, wirkliche Volksfeste von origineller Prägung zu schaffen. Die Requisiten gleichen sich stets: Obelisken, Papiergirlanden, Absperrungen, Paraden. Und dazu Verleihung von Orden u. Adelsdiplomen. Das Volkstümliche bleibt aus, das Dynastisiegt. Volkstümlich allein war der Gedanke einer Amnestie, aber auch hier sind enge Grenzen gezogen worden; denn gerade jetzt durfte man auf eine volle Amnestie für alle politischen Vergehen, für Majestätsbeleidigungen hoffen. Volkstümlich war auch der Aufruf des Kaisers, der die Herzen auf die Not der schulentlassenen Jugend und auf die große Aufgabe lenkt, sie den Versuchungen einer falschen Freiheit zu entreißen. Hier ist in der Tat eines der ernstesten Probleme der Gegenwart gegeben. Denn die Jugend ist die Herrin der Zukunft; wer sie besitzt, ist Meister des deutschen Schicksals. Man hatte geglaubt, Reichskanzler von Bethmann Hollweg werde Graf werden. Das ist nicht geschehen. Er hat sich mit einem Bilde des Kaisers und mit dem militärischen Range eines Generalleutnants begnügen müssen. Es ist sympathisch gewesen, daß der Kaiser den einstmals Greifswalder Jägern den Namen des Fürsten Bismarck gab, den Blick auf die Grundlage lenkte, auf der sich das Reich und das neue Kaisertum erhob. Die Feste sind verrauscht, der Werktag fordert wieder sein Recht. Und er findet harte Arbeit. Denn das Werk das wohl mit seiner Vollendung den festlichen Tagen den eigentlichen Inhalt, die beste Zierde geben sollte, das Wehrgesetz, steht noch unvollendet. So möge es als ein nachträgliches Geschenk der Nation an ihren Kaiser in nicht allzu fernerZeit den Gabentisch schmücken. Der Jubilaumsstrauß. Eine kleine Geschichte zum Jubiläumstage von J. Held. Bevor Lore Neubert die vier steilen Stiegen zu dem engen Heim, das— seit Jahresfrist— von der Mutter und ihr bewohnt wurde, hinaufsprang, huschte sie noch erst schnell in das Kellerstübchen zu Mutter Schmitt, der alten Blumenverkäuferin..... Sie wußte genau, daß die Greisin zu dieser Stunde von dem anstrengenden Ausbieten ein wenig ausruhte.... Schon auf der Schwelle rief sie in das Dunkel hinein:„Mutter Schmitt, ich möchte eine Rose von Ihnen kaufen.... Haben Sie noch etwas Gutes in Ihrer Kiepe?— Ich bin ja so glücklich... denn Sonntag und Montag brauche ich nicht ins Bureau. Wir feiern auch Regierungsjubiläum. Die Alte nahm diese freudige Nachricht nicht— wie sonst mit inniger Teilnahme auf. Sie stöhnte nur leise: „Ach... Fräuleinchen... mir ist's schlecht ergangen. Irgend solch windiger Dreiradfahrer hat mich umgestoßen, als ich über die Straße wollte. Gebrochen ist nichts, sagt der Doktor.... Aber ich kann kein Glied rühren... Und mit dem großen Geschäft am 16. ist es nun aus....“ Sie begann leise und anhaltend zu weinen. Lore Neubert wiegte den Kopf nachdenklich hin und her, daß all die krausen, eigensinnigen Löckchen um Stirn und Wangen flogen. „Wer weiß, ob's nicht regnen und stürmen wird, Mutter Schmitt... dann hätten Sie doch nichts verdient und sich noch obendrein erkältet...“ Die Alte schluchzte heftiger. „Ich hab' aber schon ganz bestimmt mit der Einnahme gerechnet.... Weil ich an unseres Kaisers Ehrenfest nicht als Vogelscheuche rumlaufen wollte, habe ich mir ein neues schwarzes Kleid bestellt... Das kommt morgen schon, und die Näherin wartet nicht mit der Bezahlung.“ „Das war leichtsinnig,“ schalt Lore Neubert...„leider weiß ich da auch keinen anderen Rat, als eine recht bescheidene und dringliche Bitte um Geduld... „Und von dem Ueberschuß wollt' ich mir eine feine Flasche kaufen, in welche: sich das bißchen Kaffee schön warm hält...“—„„Ja, Mutter Schmitt.... es ist traurig... aber fassen Sie sich nur in Geduld... Vielleicht finde ich noch einen Ausweg für Sie...“ ———Sie hatte aber selost wenig Hoffnung.— Ihre Freude über die beiden Feiertage, die ihr alle Pflichten abnahmen, war verflogen, als sie, ein wenig später, vor der Mutter stand. Und doch schaute ihr diese fröhlich wie lange nicht entgegen. „Kind“, sagte sie ordentlich aufgeregt...„weißt du, wer mich für die beiden Jubiläumstage eingeladen hat?— Rate mal!—— Ah... Du kommst nicht darauf.... meine alte Freundin—— unsere einstige Nachbarin, die Frau Oekonomierätin Schloß auf Nassow kommt am 15. und 16. nach Berlin. Da will sie natürlich mit uns zusammen sein.— Die glatte Mädchenstirn zog sich zusammen.„So natürlich finde ich das durchaus nicht!—— Wir sind doch arme, bankerotte Leute, die vor einem Jahr alles auf ihrer kleinen Scholle zurücklassen mußten, was ihnen lieb und wert geworden war.“ „Du solltest nicht immer wieder darüber klagen, Lore.“ „Ich habe diese ganze Zeit kein Wort darüber verloren! —— Mir hat sogar meine Arbeit als Buchhalterin, Korrespondentin und Maschinenschreiberin bei dem alten Justiz. rat Nerwig Freude und Genugtuung bereitet.—— Aber ich möchte in die alten Erinnerungen nicht zurückgerissen werden... Ich könnte auch gar nicht dieser Einladung folgen, denn, Mutter, ich will in.... den beiden Festtagen sehr fleißig sein... Frage mich nicht, was ich vorhabe. Etwas Unrechtes ist es nicht...“ „Lore, ich warne dich, wie damals. Laß deinen Hochmut nicht in die Wolken wachsen...“ „Du nennst es hochmütig, wenn ist mich nicht bemitleiden lassen mag?....“ „Die ganze Familie Schloß hat uns allzeit die herzlichste Teilnahme entgegengebracht.—— Der junge Schloß sogar mehr.... Das aber weißt du ja besser als ich. Es war mir damals wahrlich sehr schwer, daß du seine Werbung zurückwiesest...“—„Wann warb er doch um mich, Mutter?“ „Hast du das wirklich vergessen, Kind?—— Es war nach jener Stunde, wo ich mich dem Oekonomierat, seinem Vater, ganz eröffnete.“ „Richtig... Nicht wahr, du sagtest dem alten Herrn ungefähr, daß wir am Hungertuche demnächst nagen müßten, weil ja auch deine Einzige— die ich zu sein die Ehre habe— nichts gelernt hatte, als das bißchen fremde Sprachen und die Freude an allem, was draußen grünt und blüht....“ „Nun ja, log ich damals etwa... konnte ich denn wissen, daß du plötzlich ein starkes Talent zur Betätigung in dir spüren würdest?“ „Das wußte ich ja selbst erst, als mir die glühende Scham alle Matigkeit vertrieb... „Du schämtest dich also, daß Kurt Schloß dich bat, sein Weibz uwerden?“ „Ich schämte mich, daß er sich lediglich dazu von seiner großen Teilnahme für mich, seine alte Jugendgespielin, hinreißen ließ....“ „„Darum schicktest du ihn also fort?“—„Ich möchte dir darauf nicht antworten, Mutter. Jedenfalls grüße ihn von mir und sage ihm, da ßich mich für dich herzlich freue.... Denn, nicht wahr, er wird doch auch hier sein? Gestehe es nur ein!—— Meine Entschlüsse ändern nichts. Ich habe mir soeben innerlich ein festes Versprechen geleistet, auch... diese beiden.... patriotischen Feiertage fleißig zu arbeiten.....“ „Es ist mir wirklich nicht klar, was du an ihnen tun willst, Lore!—— Alles feiert....“ „Muttichen, frage nicht weiter. Ich würde dir doch wohl kaum die Wahrheit gestehen.... Grüße die ganze Familie Schloß tausendmal und erzähle dem Kurt beiläufig, daß ich noch niemals so froh befriedigt war, wie jetzt, wo ich arbeite.“ —— Mutter Schmitt schlug am nächsten Tage, nach der Unterhaltung mit Lore Neubert, die Hände zusammen. „Nee, Fräuleinchen.... das geht nicht!“ Aber das junge Mädchen ließ sich durch keine Einrede beirren. Sie sagte kurz und klar: „Ich will aber.... Mutter Schmitt"... Ja, wenn sie wollte, dann war alles Dawiderreden vergebens. Das hatte die alte Blumenverkäuferin bereits so gut empfunden, als Kurt Schloß, dem sie auf das Geständnis seiner Liebe erwidert hatte: „Kurt, belüge dich nicht!— Bisher hast du nicht daran gedacht, mich zu heiraten. Erst als meine Mutter vor deinem Vater geweint hat und du glauben mußtest, ich müßte nun elend verhungern... da bekamst du es mit der Großmut!— Rein, Kurtel, so böse steht's denn doch noch nicht mit der Lore. — Ich verhungere dir nicht... und meine Mutter bewahre ich auch vor dem Schicksal. Er hatte damals noch viel gesagt. Es war aber alles umsonst gewesen. Lore Neubert wollte nichts aus Mitleid empfangen und unterdrückte daher ihre —— Vom blauen Junihimmel schien das große Licht goldener wie sonst!— Berlin prangte im feierlichen Schmuck. Die Menschenmassen wogten bereits am frühen Morgen durch heiße, treue Liebe zu dem Gefährten der fröhlichen Jugend.. die Straßen. Auf dem Potsdamer Platz standen die Verkäuferinnen der Blumen dichter, als je, beisammen... Aber die eine Verkäuferin.... die feine, blonde mit den hellen Augen und dem schlichten Anzug eines rechten, echten Landmädchens... Sie hatte den größten Zuspruch. Und doch waren ihre Jubiläumssträuße eigentlich recht gewöhnlich nach den Begriffen der anderen... Kuhblumen und Zittergras — Wiesenvergißmeinnicht und Maßliebchen— dicke lila Glockenblumen und rote Rade nickten in der Kiepe... Aber die Herrschaften waren wie toll danach... Jetzt zum Beispiel... der feine, sonnverbrannte, junge Herr... Wie sah er nur die liebliche Verkäuferin mit dem schlichten weißen Kopftuch an..... Es war wirklich ein wenig auffallend, wie er sie musterte. Seine Hände zitterten förmlich, als er in die Fülle der Sträuße hineingriff und an sich nahm, so viel er nur fassen mochte... Er ließ sich auch nichts von dem Goldstück herausgeben... Er floh, nach einem letzten langen Blick, fast mit seinen Sträußen die Straße hinunter, während das junge Mädchen — blaß wie der Tod— und dennoch mit einem stolzen Lächeln im Gesicht— ihm nachblickte. —— Am Abend dieses Tages, als Lore Neubert— müde zum Umfallen von ihrer„Arbeit“ heimkehrte, empfing sie durch einen Expreßboten einen seltsamen Brief. Kurt Schloß hatte ihn geschrieben, und sein Inhalt lautete: „Liebe Lore.... Ich sitze ganz in deiner Nähe im Klingbräu und bin— verzweifelt.— Diese Arbeit also hast du dem Zusammenleben mit mir vorgezogen.— So verhaßt bin ich dir, daß du das tun kannst.... Du bist in Not, Lore.... Gestehe es doch ein. Rimm wenigstens den einliegenden 100 Markschein von mir an...... Kurt Schloß.“ Sie starrte mit gerunzelten Brauen auf das Blatt in ihrer Hand.— Dann zuckte es um ihren Mund.— Sie mußte weinen. Er glaubte, daß sie ihn nicht liebte, und sie liebte ihn doch mit ganzer Seele.— Wo war der Bote hin? Fort war er und das schreckliche Geld lag in ihrer Hand.— Was sollte sie nur beginnen? Einen Jugenblick überlegte sie. Dann erhob sich stolz und frei ihr Kopf. Ja— es mußte sein.— Sie fand ihn leicht unter den wenigen Gästen an dem bezeichneten Ort. Mit festen Schritten strebte sie auf ihn zu und sagte ihm alles.... „Ich habe ja nur für eine alte arme Frau diese Jubiläumssträuße verkauft.... und weil ich doch möglichst viel einheimsen wollte, habe ich mir das mitgenommene selbstgewebte Kleid, in dem ich mal neben dir Theater spielte, angezogen.... Daß du auch des Weges daherkommen mußtest—“ Er wollte erleichtert lachen, aber es gelang ihm nicht, Er nickte traurig. „Hast du an mich dabei gedacht, Lore....?“ „Ja,“ sagte sie ehrlich.—„Das habe ich freilich getan.“ „Wie hast du an mich gedacht?“ „Dankbar, Kurt.... Wie an einen Bruder.“ „Und warum kommst du jetzt?“ „Ich mochte doch nicht als Blumenverkäuferin in deinen Gedanken leben und dann.... Du hast mir da das viele Geld geschickt... „Ach so... darum“, sagte er bitter.... „Natürlich, Kurt... auch und nicht zum mindesten darum.“— Er steckte den Schein ruhig ein und stand aufrecht und stolz neben ihr. „Willst du mir die Adresse der alten Blumenverkäuferin nennen, Lore“, bat er ruhig,„ich könnte sie vielleicht ein wenig unterstützen. Da zog sie ein zusammengefaltetes Zettelchen aus ihrer Handtasche und kritzelte eilig Name und Adresse darauf... Dann neigte sie den Kopf, hielt ihm die Hand entgegen und ging.—— Aber kaum war sie 5 Minuten in ihrem Stübchen, als die Klingel schrillte... Sie rieb die Augen— wischte sich die Tränen, die inzwischen reichlich geflossen waren, hastig ab und fragte leise: „Hattest du noch etwas zu sagen vergessen, Kurt.. Er schüttelte den Kopf. „Ich will— nur eine Frage an dich richten, Lore.... Eine letzte in dieser Sache. Dann quäle ich dich nicht mehr. Seit wann dichtest du?.... Bekommst du etwa Geld dafür .... oder... tust du es nur, weil dein Herz dich dazu zwingt?“—— Sie verstand ihn nicht sogleich. Da hielt er ihr den Zette mit Mutter Schmitts Adresse entgegen. Darauf stand von ihrer Hand ein kleines Verslein..... Wie der Kopf auch immer murrt... Ich verlang' nach meinem Kurt.... Nun begriff sie alles.... Er hate ihr Geheimnis erraten... Sie wollte fliehen.— Er aber hielt sie plötzlich an seinem Herzen und küßte ihr alle Tränen fort, während der heiße Sommerabend auch diese neu begonnene Regierung der Liebe segnete.—— Stenographische Klassen. Der Anfänger: Der langsam, überlegend schreibt, Und oft, ja, sehr oft stecken bleibt, Dazu am Bleistift öster leckt Und so die Schnellschreibkunst bezweckt. 60 Silben: Hallo, es geht schon besser fort, Doch fehlt noch hier und da ein Wort. Auch fehlt noch manchmal so ein Sigel, Das hindert dann der Schnellschrift Flügel. 120 Silben: Es ist erreicht, o Wonnedunst, Es flutscht nur so, o hehre Kunst, Selbst in der Kirche der Pastor Kommt mit dem Reden nicht mehr vor. 200 Silben: Und das genügt, man wird bewundert; Man leistet was, man schreibt— zweihundert!! Man stellt was vor und merkt daran, Daß sowas doch nicht jeder kann. 300 Silben: Nun ist der Schriftkunst Höh' erreicht, Man folgt dem Redner spielend leicht, Ist gar nicht stolz, wenn man's auch könnt— Und kommt vielleicht ins Parlament## 420 Silben: Ich steh allhier auf stolzer Höh' Wo außer mir ich niemand seh, Wo ist ein Redner, dem's gelänge, Mich, je zu bringen ins Gedränge, Ich glaube, einen solchen Wicht Gibt's auf dem ganzen Erdrund nicht. Mit Aufforderungen bleibt mir ferne, Denn sowas les ich gar nicht gerne. Sie haben nur geringen Wert Besonders fürs Paradepferd. Die Wahl der Sommerfrische. „Nu, hör mal, Männi, wir müssen nach Bayern jehn in die Sommerfrische, ich habe alle dene Hosen schon am Knie— abgeschnitten. Münchener Gespräch. Der Privatier Huber kam nachmittags vom Hofbräuhause nach Hause.„Etz is's scho drei vorbei,“ schimpfte seine Alte,„und du kimmst erst vom Frühschoppen!“—„Ja, woaßt, i hab s’ halt etz aa eing'führt, die englische Arbeitszeit.“—„Nacha bleibst aber abends dahoam!“ —„Geht net— so ganz derf ma's net verläugna, sei Deutschtum!“ Natürliche Folge. Lehrer:„Angenommen, den Vater gäbe deiner Mutter 20 Mark und nähme 5 Mark wieder zurück; was würde das geben?“— Fritzchen:„Spektakel.“ Plonde Damen verwenden un Büeg: u onservierungiher: Nauer KamillenSA * mit dem schwarzen Des Paßet 23 Pf.() Pakese M. 1.80) k ellen Apeüchen. Geschäften erhältlich. Die Garantie d. Bdolgs Hegt aber in der Verwendm F#. PathmacheErfolge liegt aber in der Verwendung die ententrgechn mitchmechnenendarr