* Nr. 136. (1. Blatt.) Montag, den 16. Juni 1913. 45. Jahrgang! KutsenscheiderZh echeneet e e!„ggcnde4 18884 (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden wpeziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, scheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet; inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche: Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, bevinghausen, Westenfeld, Böntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freusenbruch u. a. i Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts: : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin; zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach: Erhalt der Rechnung. en nooseseerneenesensennen Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung“ erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Zum 25jährigen Regierungsjubilaum unseres Kaisers. Wirkens und hat den Anstoß gegeben zu dem grundleLaßt wehen die Fahnen Beim Glockengeläut, Alldeutschland zu mahnen Des Jubeltags heut! Hinweg nun mit allem, was uns mag entzweien, Und hell übertöne den Ruf der Parteien, Wie einst vor'm Jahrhundert der Ehre Gebot! Auf, laßt uns in Treuen Gelübde erneuen: Dir, Herr, unserm Kaiser getreu bis zum Todi Ein Vierteljahrhundert Beherrschst du das Reich, Geliebt und bewundert, Gefürchtet zugleich. Denn du bist Gebieter des Volkes in Waffen, Die mächtige Flotte hast du ihm geschaffen, Der Lüfte Erob’rer gehorcht deinem Wort... Heran, wen's gelüstet! Zur Abwehr gerüstet, So dient unser Kaiser dem Frieden als Hort! Die heiligen Güter Beschirmt deine Hand; Der Wohlfahrt Behüter— Bist du unserm Land! Du ehrest die Arbeit und förderst den Handel, Du blickst auf des Flügelrads rastlosen Wandel, Du gibst uns das Losungswor: Volldampf voraus! Auf glücklichen Wegen Führ lang uns mit Segen! Gott schütz' dich, o Kaiser, dein Reichund dein Haus! Die Flotte unter Kaiser WilhelmII. „Wie Friedrich der Große sich seine schlachtenentscheidende Reiterei selbst geschaffen und erzogen hat, so wird auch einst die Geschichte feststellen, daß die mächtig aufstrebende, achtunggebieten deutsche Flotte das ureigenste, unsterbliche Werk unsseres jetzt regierenden Kaisers Majestät ist, ebenso wie der Gefahren nicht achtende, angriffsfreudige Seemannsgeist, der sie beseelt.“ Diese Worte finden sich in einer Rede mit der der Generalinspekteur der Kavallerie, General der Kavallerie von Kleist, im Jahre 1912 den Stapellauf des Großen Kreuzers„Seydlitz" begleitet hat, und sie enthalten die vollste Wahrheit. Kaiser Wilhelm 2. ist in der Tat der Schöpfer der deutschen Flotte, und unter den rühmenden Beiworten, die ihm die dankbare Anerkennung seines Volkes beilegt, schmückt ihn keines mit größerem Rechte als das des„Flottenkaisers".„Bitter not tut uns eine starke deutsche Flotte“— dieser Ausspruch, den Kaiser Wilhelm 2. am 18. Oktober 1899 beim Festmahl im Hamburger Roshause dot bildet das Motto keines genden Flottengesetze vom 14. Juni 1900, auf dem der stolze Bau unserer gegenwärtigen Seerüstung niht. Das Flottengesetz von 1900 hat den Sollbestand der deutschen Flotte in einer dem Gewichte unserer Seeinteressen entsprechenden Stärke festgelegt, für unsere Marine eine sichere gesetzliche Basis geschaffen und sie unter Wahrung des verfassungsmäßigen Budgetrechts des Reichstags unabhängig gemacht von der wechselnden parlamentarischen Konstellation. Wo sich aber späterhin Lücken und Fehler in den Grundlagen unserer Wehrverfassung zur See herausstellten, da hat die Gesetzgebung nicht gesäumt, sondern alsbald ihre bessernde Hand angelegt. So führten die Erfahrungen des russisch=japanischen Krieges in Verbindung mit anderen Beobachtungen der verflossenen Jahre zu der Flottennovelle von 1906, die uns eine Erhöhung der Zahl der Auslandsschiffe sowie eineNeuregelung der Torpedostreitkräfte gebracht hat. Als sich ferner herausstellte, daß die im Jahre 1900 festgelegte Lebensdauer der großen Schiffe auf 25 Jahre nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprach und uns im Verhältnis zu anderen Nationen in einen erheblichen Rückstand bringen mußte, reinigte die Novelle von 1908 das ursprüngliche Gesetz von diesem Fehler. Die letzte Ergänzung des bestehenden Flottengesetzes von 1900 endlich fand im vergangenen Jahre statt. Die politisch schwülen Tage des Sommers und Herbstes 1911, als die Marokkokrisis drohend am Horizonte stand und gewitterschwere Wolken sich über unserem Vaterlande zusammenballten, hatten zu einer ernsten Prüfung unserer Flottenrüstung Anlaß gegeben und uns mancherlei Mängel unserer maritimen Organisation kennen gelehrt. Als Frucht dieser Erkenntnis stellt sich die Flottengesetz=Novelle von 1912 dar. Sie erhöhte den gesetzmäßigen Schiffsbestand um 3 Linienschiffe und 2 Kleine Kreuzer und ermöglichte dadurch im Verein mit anderen Maßnahmen die allmähliche Bildung eines 3. aktiven Geschwaders. Gleichzeitig fand eine weitere Vermehrung des Personals und der Unterseeboote statt. Auch erhielten die Unterseeboote, deren Anzahl künftig 72 betragen wird, eine feste Organisation. Daß solche Maßnahmen und Neuschöpfungen aber einen erheblichen Kräftezuwachs bedeuten, ist ohne weiteres klar. Fast ebenso erfreulich wie dieser Kräftezuwachs aber ist die Tatsache, daß die letzte Novelle zum Flottengesetze im Reichstage mit überwältigender Mehrheit und fast debattelos angenommen worden ist. Daraus ergibt sich, daß der Flottengedanke zum Gemeingute des deutschen Volkes geworden ist, und daß es der Entfaltung werbender Kräfte für ihn kaum noch bedarf. Auch dies aber ist ein Rosler des Wirkens unseres Kaisers. Mit unwibescice eic üie Pr eir der liche chere gung und ein von Begeisterung überströmendes Herz zu verleihen vermögen, hat er den Flottengedanken in die Seele des deutschen Volkes gesenkt und ihn dort so fest verankert, daß ihn auch die flottenfeindlichste Propaganda revolutionärer Elemente nicht mehr zu entwurzeln vermag. Die Flotte hat Deutschland seine Seegeltung und damit seine Weltmachtstellung gesichert. Flottenkosten stellen wie Heereskosten eine Friedensversicherungsprämie und eben deshalb im eminentesten Sinne des Wortes produktive Ausgaben dar. Doch ist die Sicherung des Friedens und der Weltmachtstellung nur der eine, wenn auch wichtigste Teil der segensreichen Wirkungen unserer Flottenrüstung. Weiterhin gehen von ihr auch ungemein befruchtende Ströme auf das gesamte Wirtschaftsleben Deutschlands aus. Durch die umfangreichen Lieferungsaufträge für Flottenrüstungszwecke erhält eine fast unübersehbare Reihe von Industvie= und Arbeitszweigen in allen Gauen des Vaterlandes fortdauernde Beschäftigung. Jeder neue Kriegsschiffbau schafft Arbeit für hunderte von Unternehmern und für tausende von Arbeitern. Im Durchschnitte der letzten 3 Etatsjahre sind jährlich etwa 238 Millionen Mark für neue Schiffsbauten, Artillerie= und Torpedoarmierungen ausgegeben worden. Davon entfielen nach sachverständiger Rechnung gegen 155 Millionen Mark auf Arbeiterlöhne und etwa 24 Millionen Mark auf Angestellten= und Betriebs=Beamtengehälter. Es ist also kaum zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß infolge der Ausgaben für Kriegsschiffneubauten während der letzten Jahre reichlich 95 000 Arbeiter=, Angestellten= und Beamtensamilien ihre Existenz fanden. Im Zusammenhange hiermit dürfte ein Hinweis darauf angebracht sein, daß auf dem Gebiete des Flottenbaues das Reich teilweise unmittelbarer Arbeitgeber ist. Die Betriebe der Kaiserlichen Marine aber sind, wie sich dies bei dem sozialen Sinne unseres Kaisers nicht anders erwarten läßt, in ihren Wohlfahrtseinrichtungen und der Gestaltung der Arbeitsbedingungen als vorbildlich zu bezeichnen. Wie sehr dies auch von den Arbeitern anerkannt und gewürdigt wird, beweist die Stabilität der Arbeiterschaft auf den 3 Kaiserlichen Werften zu Kiel, Wilhelmshaven und Stettin. So waren am 1. November 1910 auf den 3 Werften nicht weniger als 44 v. H. der Arbeiterschaft über 10 und 14,5 v. H. über 20 Jahre beschäftigt. War unseres Kaisers aufrichtiges Bestreben der Natur der Sache nach auch in 1. Linie auf die Schaffung des nötigen numerischen Gewichtes der deutschen Flotte gerichtet, so hat doch sein Scharfblick von vornherein ebenso klar erkannt, daß das Steigen des Tonnengehaltes und die Vermehrung der Zahl der Schiffseinheiten allein nichts fruchten. Unausgesetzt wird daher in der deutschen Marine mit voller Hingabe und höchstem Ernste auch an der Kriegstauglichkeit der schwimmenden Machtmittel gearbeitet. Das gilt sowohl in technischer wie personeller Hinsicht. Von den nimmer rastenden Fortschritten der Technik in Bau und Ausrüstung unserer Kriegsschiffe legen die Annahme des Dreadnought=Typs, die Verwendung dev Dampfturbine, des Dieselmotors und vieles andere rühmendes Zeugnis ab. Auf die persönliche Ausbildung von Offizieren und Mannschaften aber wird nach dem Grundsatz, daß nicht Schiffe, sondern Menschen fechten, der allergrößte Wert gelegt, und in den Erfolgen dieser Arbeit steht die deutsche Marine unübertroffen da. Unsere braven Blaujacken sind von dem herrlichsten Soldatengeiste beseelt. Der Heldenmut der Besatzung des„Iltis" und die Freudigkeit, mit der deutsche Seeleute dem Ruf„The Germans to the front,“ der sie in die vordersten Reihen der kämpfenden Kolonnen rief, auf den fernen Gefilden Ostasiens Folge leisteten, werden unsterblich in der Erinnerung fortleben. Vor den Takuforts, in Tientsin u. Peking, Südwest= und Ostafrika, Venezuela und Haiti hat die deutsche Kriegsmarine bewiesen, daß des Vaterlandes Ehre und Macht keinen besseren Händen als den ihren anvertraut werden kann. Die Flotte ist das wirksamste Werkzeug deutscher Weltmachtpolitik. Mit ihr hat unser Kaiser uns den Platz an der Sonne gesichert, dessen wir um unserer völkischen Zukunft willen dringen! bedürfen. Kaiser Wilhelm 2. im deutschen Liede Ein Vierteljahrhundert ist's her, seit Kaiser Wilhelm 2. mit kräftiger Hand das Zepter des Deutschen Reiches führt, und, das dürfen wir heute getrost bekennen, wie er unter schwierigen Verhältnissen den Thron seiner Väter bestiegen hat, so waren auch die Anforderungen, die eine 25jährige Regierungszeit an die Weis. heit, Klughett und zielbewußte Tatkraft des Herrschers stellte, keineswegs geringe. Aber Wilhelm 2., der als „junger" Kaiser— er war, am 27. Januar 1859 ge. boren, damals 29 Jahre alt— vielfach, namentlich seitens unserer westlichen Nachbarn, mit Mißtrauen betrachtet wurde, hat alle die Befürchtungen, die ihn als unternehmungslustig und nach kriegerischen Lorbeeren geizend hinstellten, zu schanden gemacht und sich in allen seinen Regierungshandlungen einzig von seinem hohen Pflicht= und Verantwortlichkeitsgefühl leiten lassen, das gebot, zu sein„allezeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit". Und daß ihm das gelungen ist, das dankt hm heute das Volk, und wenn er auch nicht gerade als„Friedenskaiser" im Gedächtnisse der Nachwelt fortieben wird— denn an kriegerischen Verwicklungen hat s. dem Deutschen Reich auch in dieser Zeit nicht gefehlt ogl. China, Südafrika usw.)— so hat Wilhelm 2. es ooch verstanden, dem Reiche den oft schwer gefährdeten Frieden zu erhalten und so nach dem bewährten Vorbilde seiner Vorgänger die friedliche Weiterentwickelung ves Reiches aufs wirksamste zu fördern. Unsagbar traurig lagen die Verhältnisse in Deutschland, als Wilhelm 2. am 15. Juni 1888 den Thron bestieg: Die ehrwürdige Heldengestalt Wilhelm 1. war hochbetagt— 91 J. am 9. März ins Grab dahingesunken, und nach nur„ jähriger Regierung(„99 Tage“) war ihm sein edler Sohn,„unser Fritz“, Deutschlands Stolz und Hoffnung, von tückischer Krankheit gefällt, nachgefolgt. Damigssagt* Gottschalt in seinem Dichtergruße an „In trauervollen Tagen Ward dein der Krone Zier! Denn um 2 Kaiser klagen Wir alle jetzt mit dir. Auf ewig unvergessen Leuchtet der Toten Ruhm: Aus Lorbeer und Zypressen Erstand dein Kaisertum.“— Aber auch der politische Horizont war düster umwölkt und hatte dem eisernen Kanzler Anlaß zu jener gewaltigen Rede vom 6. Februar gegeben, die in dem berühmten Worte gipfelte:„Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt!" Dann wünschte der Dichter dem Kaiser wohl eine friedvolle Regierung, aber stark genug mit„gepanzerter Faust“ auch den Frieden zu schirmen: „Umrankt ihr Friedenskränze Dies Zepter blütenreich; Es wecke gleist'ge Lenze, Wächst in des Landmanns Pflege Dem Zauberstabe gleich! Der Garben Fülle auf: O, Kunst und Wissen lege Den schönsten Kranz darauf! Und wenn's den Feind gelüstet Dem Friedensreich zu droh'n, Dann steht dein Volk gerüstet Sturmfest an deinem Thron. Da mag der Feind zersplittern An deinem Herrschersitz! Du führst in Kriegsgewittern Des schwarzen Adlers Blitz.“ Die 1. wichtige Regierungshandlung des Kaisers, die Eröffnung des Deutschen Reichstages(25. Juni 1888) gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung des einigen Deutschlands. Die deutschen Bundesfürsten waren selbst herbeigeeilt, um ihre Zusammengehörigkeit mit dem jugendlichen Reichsoberhaupte vor aller Welt zu bekunden, neben dem greisen Prinzregenten Luitpold gewahrte man Sachsens ehrwürdigen König Albert und alle anderen, während Bismarcks mächtige Reckengestalt am Thron die Wache hielt. Damals sang ein Dichter: Das ward noch nie gesehen, was jetzt das Auge sah, Das ist uns nie geschehen, was heute uns geschah! O, tausendmal willkommen! Das ist ein Fürstentag, Der allem Volke frommen und Ehre bringen mag! Ihr, die ihr kamt, entschlossen, mit uns das Reich zu baun, Erlauchte Bund'sgenossen, wie herrlich ist's zu schau'n; Die deutschen Fürsten alle, zum großen Ziel voran, Die deutschen Völker alle, so freudig untertan; Und alle um den einen, den 3. Kaiser steh'n, Den Gottes Huld den Seinen zum Führer auserseh'n. Gott segne diese Stunde! Gib denen weisen Rat, Die treu im schönen Bunde, beschlossen edle Tat, Und führe du an weiser, allmächt'ger Gnadenhand Den jugendlichen Kaiser zum Heil fürs Vaterland!“ Vor allem war es des Kaisers Sorge für die Flotte, die, anknüpfend an dessen geflügelte Worte:„Unsre Zukunft liegt auf dem Wasser", und:„Bitter not tut uns eine starke Flotte", unter dessen Regierungsmaßnahmen neben der traditionellen Fürsorge fürs Landheer obenan stand. Darum wird Wilhelm 2. vielfach geradezu als der Schöpfer der deutschen„Wehrmacht zur See“ auch im Liede gefeiert, zum Beispiel: „Heil, Kaiser Dir! Zu Schutz und Wehr Steht Deutschland machtvoll da, Und selbst aufs ferne Weltenmeer Wagt sich Germania, Dem neid'schen Feind entgegen, Gehorsam deinem Ruf! Du bist's, der uns zum Segen, Des Meeres Bollwerk schuf.“ Die alljährlichen„Nordlandsreisen“ des Kaisers sind lebendige Zeugnisse von der Vorliebe für das„grüne, kristallene Feld“, dem er in seinem„Sang an Acgir“ einen schwungvollen Hymnus gesungen hat. Auf diesen Reisen, die für eine so arbeitsfreudige, impulsive Natur wie unseren Kaiser mehr als eine bloße„Erholungs= reise" bedeuten, begleiten des ganzen Deutschen Volkes Wünsche den hohen Reisenden. Sieht er doch zugleich in diesen Fahrten Deutschlands Weltmission bedeutungsvoll abgebildet, wie ein Dichter ausführte: „Geleit' dich Gott, du Deutscher Kaiser, Durch Meeresflut und Wogenschwall! Auf neuen, ungebahnten Wegen, Wo sich der deutsche Aar will regen, Im Aufgang und im Sonnenfall, Auf weitem, weitem Erdenball, Wo deutsche Lieder stolz erklingen Und deutscher Geist erhebt die Schwingen, Mit uns ist Gott, allüberall!" usw. den Italienfahrten des Kaisers bringt das Volk lebhaftestes Interesse entgegen. Erinnern sie doch, wenigstens äußerlich, an die verhängnisvollen„Römerder alten Kaiser, die dem Reiche so herzlich wenig Nutzen, aber um so größeren Schaden brachten. noer Wilhelm 2. Romfahrten gelten dem treuen Verbündeten und somit dem Wohle des Vaterlandes, und radins Sähn= anger(Karl Gerak) pries sie als Versaust wohl sind sechshundert Jahr, Das Weh ist nie versaust, Da, siehe, kommt ein junger Aar Vom Norden hergebrauft, Der zu des Südens Zauberland Die stolzen Flüge lenkt Und an Neapels Blütenstrand Die breiten Flügel senkt... Kein finstrer Anjou brütet Mord Dem Deutschen, den er haßt, Nein, Bruderkuß und Freundeswort Empfängt den edlen Gast. Nun, bleicher Schatten Konradin, Steig friedlich in die Gruft, Du bist gesühnt, die Schmach ist hin, Sie, der du schufst so bittern Schmerz Gereinigt glänzt die Luft. Nun diesen Tag sie sah, Getröstet ist ihr Mutterherz: Glückauf, Germania!“ Und woraus schöpft unser Kaiser Kraft und Freudigkeit zur Erfüllung seiner schweren, verantwortungsvollen Herrscherpflichten? Vor allem aus seinem lebendigen Christengäuben, den er wiederholt öffentlich zu bekennen sich nicht gescheut hat. Dann aber aus dem stillen Familienglück, das ihm an der Seite seiner erlauchten Gemahlin und im Kreise einer blühenden Kinderschar zu einem wahren Segensquell, zu einem Jungbrunnen geistiger und leiblicher Gesundheit ward. Ihr, DeutschGmdsmatte Prau“;, widmete Karl Gerok die weihevollen „Hohe Frau, des Reiches Wonne, Die als holder Friedensstern Leuchtet im Gefolg der Sonne Unsres Kaisers, ihres Herrn: Er, der Aar mit Kron' und Kralle, Held vom Helmbusch bis zum Sporn, Sie, die„Taube sonder Galle“, Sie, die„Rose ohne Dorn“!... Freundlich Herz, das voll Erbarmen Für die Not des Volkes schlägt, Unters niedre Dach der Armen Gerne Trost und Freude trägt, Für der Kinder Gruß zu danken, Ein beglückend Lächeln hat Und als Engel sich dem Kranken Neigt auf seine Lagerstatt!“ usw. Wenn daher zum heutigen seltenen Jubelfeste innige Wünsche eines ganzen treuen Volkes für des Kaisers ferneres Wohlergehen empor zum Throne des Weltenlenkers steigen, so schließen sie auch das ganze, erlauchte Kaiserhaus ein, das von der Vorsehung uns zum Vorbilde gesetzt ward. Ihm, unsrem Kaiserlichen Herrn, gelten unseres Herzens ehrfurchtsvollste Gelübde: „Heil, edler Zollernsohn, Herrscher auf Deutschlands Thron, Heil, Kaiser, dir! Huldigend schwören wir, Mit Gut und Blut zu dir Als treues Volk zu steh'n, Heil, Kaiser, dir!" Vom Himmel aber erflehen unsere Gebete mit Julius Sturms weihevollen Worten Gottes reichsten Segen auf unseres erlauchten Kaisers gesalbtes Haupt: „Verwirf, Gott, unser Flehen nicht, Laß auf des Kaisers Wegen Dein huldvoll heilig Angesicht Ihm leuchten, uns zum Segen, Und salbe ihn mit deinem Geist, Daß er sich kräftiglich erweist Zu deines Namens Ehre! Ach komm, wie zu der Väter Zeit, Ein Feuer anzuzünden, Daß wir im Frieden und im Streit Fest auf dein Wort uns gründen! Ein frommes Volk, das dir vertraut Und dir zum Tempel sich erbaut Zu deines Namens Ehre!" Der preuß. Wohnungsgesetzentwurf. von Syndikus Heinkele=Essen auf dem rhein.= westfälischen Kongreß der Hausbesitzer in Wattenscheid (Fortsetzung.) Der Artikel 2 des Entwurfes, überschrieben „Baupolizei=Vorschriften“ täuscht die Interessenten stark, weil er gerade das nicht berücksichtigt, was für Preußen doch überaus erwünscht gewesen wäre, nämlich feste Normen für Erlassung und Inhalt der lokalen Bauordnungen. Es wäre sehr an der Zeit gewesen, Mißstände in den einzelnen Bauordnungen und zwar hauptsächlich solche, welche dem privaten Hausbesitz das Bauen sehr erschweren, und gegen die von allen Seiten schwere Klagen geäußert werden, ein für allemal unmöglich zu machen. Die Tatsache kann doch nicht bestritten werden, daß im rhein.=westf. Industriebezirk in den letzten Jahren Bauordnungen in Kraft getreten sind, die ohne jede Ausnahme sämtlich erhöhte Anforderungen an den Grundbesitzer hauptsächlich in Bezug auf die Baubeschränkung zum Gefolge hatten. Die sämtlichen Bauordnungen mit verschwindent wenigen Ausnahmen werden von dem Gesichtspunkte des Kleinwohnungsbaues und des Bauens nach Bauwicht geleitet und bedeuten einen schweren Eingriff in das Grundeigentum der Hausund Grundbesitzer. Die Gefahren dieser Eingriffe werden dadurch noch vergrößert, daß es kein Rechtsmittel gibt, sich derartigen willkürlichen Handlungen der Gemeinden zu erwehren. Während gegen jede noch so lächerliche polizeiliche Verfügung der Rechtsweg offensteht, ist hier nur ein Einspruch möglich, über welchen von denselben Instanzen erkannt wird, welche die schädigende Bauordnung erlassen haben. Die einzige Lösung wäre hier eine gänzliche Umarbeitung des Baufluchtliniengesetzes in dem S inne, daß aus dem jetzt dort enthaltenen Bauverbot ein Baurecht enstehen würde natürlich unter Verhinderung des sogenannten wilden Bauens, ebenso müßte in diesem Gesetz eine einheitliche Grundlage für lokale polizeiliche Ordnungen gegeben sein. Der Schwerpunkt des Entwurfes liegt in den Artikeln 3 und 4. Sie sind überschrieben:„Benutzung der Gebäude und Wohnungsaufsicht" und beschäftigen sich mit all den Fragen, die in das wichtigste Gebiet der Wohnungsordnungen gehören. Bekanntlich sind es die in vielen Gemeinden Deutschlands existierenden Wohnungsämter, die hier einzugreifen haben werden, und man könnte demgemäß sagen, daß der Entwurf etwas prinzipiell Neues nicht bringt. Diese Meinung ist falsch! Die heute bestehenden Wohnungsämter sind geschaffen auf Grund freien Entschlusses der Gemeindeverwaltungen und werden auch durch diese dauernd kontrolliert, während der Gesetzentwurf den Gemeinden durch Landesgesetz aufgezwungen werden soll. Die bisherige Kritik des Entwurfes hat Klarheit darüber geschaffen, daß der Hausbesitzerstand als solcher sich nicht gegen Wohnungsordnungen ausspricht, da er kein Interesse daran hat, daß die Wohnungen überfüllt und daß sie vom gesundheitlichen und sittlichen Standpunkte mißbräuchlich benutzt werden. Der preußische Hausbesitzer ist der Meinung, daß, wenn Wohnungsämter existieren, welche die Benutzung beaufsichtigen und mit der Fackel der Oeffentlichkeit in das Wohnungselend hineinleuchten, dann auch auf der gegneriSpieler Moderner Kulturroman von Hans Hyan. 1(Nachdruck verboten.) 1. Kapitel. Die Wagen hatten den Gutshof verlassen und rollten nun auf dem hart gefrorenen und schneebedeckten Boden der hier ein wenig ansteigenden Landstraße dahin. Es hatte die Nacht hindurch geschneit, und so deckte ein„Neuschnee“ die winterliche Landschaft, wie ihn die zur Treibjagd hinausfahrenden Jäger sich nicht besser wünschen konnten. „Aber wir kriegen noch mehr!“ sagte der kleine, dicke Medizinalrat Eberius, der neben dem Jagdherrn Klaus Fuchs von Muchow, Rittergutsbesitzer auf Karsthügel und Muchow, saß. ..„Ja, ja“ erwiderte der Baron mit seinem dröhnenden Laß,„sehen Se sich ja vor, daß Sie nich irgendwo stecken bleiben, Doktorchen! Meine Schwägerin reißt mir'n Kopp ab, wenn ich Sie nich heil wieder nach Hause bringe!“ Die vier anderen Herren, die außer den beiden in der geräumigen Kalesche saßen, lachten, und der Geheime Regierungsrat von Schellenborn, ein langer, zarter Herr mit merkwürdig rosiger Gesichtsfarbe und blondem Backenbart, meinte verbindlich: „Aber das wäre ja auch schrecklich! Unser lieber Medizinakrat soll uns erhalten bleiben, solange als möglich!“ „Na gewiß!" bekräftigte Herr von Muchow,„wer sollte einen denn sonst auch trösten, wenn einen das Zipperlein plagt!“ „Und wer die langen Abende mit Whist resp. einem kleinen Tempel ausfüllen helfen?!“ lächelte der Arzt. „Hahahaha!" Der Rittergutsbesitzer lachte, daß es über die Felder schallte,„wenn Sie nur nicht immer verlieren würden, lieber Rat! Ja, wahrhaftig, ein ganz schandbares Pech, was Sie haben!“ „Leider!“ nickte Eberius,„ich wollte auch...“ Zufällig nach dem nächsten Wagen hinsehend, unterbrach er sich und sagte: „Mir scheint, lieber Herr Baron, die Herren dahinten sich in kleiner Meinungsverschiedenheit.... vielleicht sehn Sie mal...“ Ja, ja!“ Muchow drehte sich rasch um.„Heiliger wam! Da klappt etwas nicht... halt mal an, Jochen!“ Der Wagen hielt. Und mit einer Behendigkeit, die man diesem ungefügen Körper kaum zugetraut hätte, war Klaus Muchow vom Wagen. Der nächste Wagen, ein Break, hatte eben stillgehalten und das Geräusch drohend erhobener Stimmen, das von dort herklang, ließ den Ausbruch eines Wortwechsels vermuten. „Aber, meine Herren, was ist denn, Sie werden sich doch nicht streiten!“ rief der Jagdherr schon von fern, indem er sich, so peinlich ihn dieses Vorkommnis auch berührte, doch bemühte, die Sache von der heiteren Seite aufzufassen. Da kam ihm der Forstmeister von Karkowitz, ein wegen seiner Weidgerechtigkeit bekannter Forstmann, schon entgegen. „Ich möchte Sie um die Erlaubnis bitten, mich entfernen zu dürfen, Herr Baron“, sagte der Forstmeister mit unterbruckter Stimme, während sein braunes, hageres Gesicht förmlich grün ward vor Arger. „Aber ich bitte Sie, mein lieber Herr Forstmeister! Vorläufig steigen Sie mal zu uns in den Wagen!“ erhob sich ein Herr Martin Minderstedt, ein Ziegeleibesitzer aus der Umgegend, und sprang herunter, dem alten Forstmann höflich seinen Platz anbietend. Der griff an seinen Hut, stieg auf, und während Muchow wieder aufsprang, zogen die Pferde schon an und der Jagdzug setzte sich wieder in Bewegung. Minderstedt blieb am Wege stehen, während die Wagen an ihm vorbeifuhren und die Insassen des dritten, die nicht recht wußten, was dieser Platzwechsel eigentlich zu bedeuten habe, neugierig nach ihm hinsahen. Auf den vierten sprang er hinauf, ohne ihn halten zu lassen. Es war ein Jagdwagen, auf dem die sechs Herren zu je drei mit dem Rücken gegeneinander saßen. Man grüßte artig, und derjenige, mit dem sich der Forstmeister gestritten hatte, Arnold Freiherr von Sandrat, sagte lachend: # Sie. kommen doch nicht, um mir Vorwürfe zu machen, Dert Muwerstedt?“ Ziegeleibesitzer war der Freiherr nicht sympathisch. Er hätte lieber neben jemand anderm gesessen, aber gerade Herr von Sandrat rückte zur Seite. „Sie müssen ihn doch aber sehr gekränkt haben, den alten Herrn Forstmeister!“ konnte Minderstedt sich nicht enthalten zu sagen. „Aber nein!“ Der Freiherr lachte aus vollem Halse, der jüngere der beiden Brüder von Korthals, beides Artillerieoffiziere, einfiel:„Doch, doch, Sandrat! Sie haben ihm wirklich übel mitgespielt, dem alten Herrn! Er kann doch nu mal keinen Widerspruch vertragen in jagdlichen Dingen!“ „Und mit Recht", nickte Sandrat,„denn darin ist er geradezu eine Autorität! Aber eben deshalb macht es mir Spaß, ihn mal aufsitzen zu lassen! Der eigentliche Grund liegt übrigens viel tiefer! Ihr wißt doch!“ Er wendete sich an die beiden Korthals,„im vorigen Jahr hatte ich Loch noch die Hirschjagd in Pätz! Na und da lud ich den Geweihfer ein, gei mir mal einen Kapitalen zu schießen. Natürlich kam er auch. Und ich, ich konnte nicht anders, ich zeige ihm die Grenze zwanzig Meter weiter, wie sie wirklich ist. Wir sitzen auch keine halbe Stunde, c### ein Brechen und gleich darauf ists still. Ich naturt### hin und, wie ich hinkomme, steht er auch schon bei seinem Hirsch. Ein feiner Kronenzehner, bloß daß er'n jenseits der Grenze geschossen hatte. Was ja an sich gar nicht so schlimm war, denn der Nachbar, der war in meine Freiherrnkrone so vergafft, daß er's womöglich noch für eine Ehre hielt, wenn ich bei ihm einen Hirsch schoß. Na, aber nu hättet ihr bloß mal den alten Knaben sehen sollen, den Karkowitz, sagte:„Ja, das ist ja alles recht schön, aber die Hauptsache ist, daß wir den Hirsch u über die wrenze schaffen!“ (Fortsetzung folgt.) schen Seite die Wahrheit erkannt werden wird, daß das Wohnungselend zum größten Teil nicht an den Mauern und an den Kubikräumen hängt, sondern durch den Mieter hineingetragen wird. Will man das Wohnungselend abschaffen, so nuß meines Erachtens zunächst die Armut abgeschafft werden und zwar einmal die verschuldete und noch viel mehr die unverschuldete Armut. Es kann also von einer grundsätzlichen Gegnerschaft der Hausbesitzer gegen die Einführung von Wohnungsordnungen keine Rede sein. Wenn sich trotzdem Wi derstand gegen die Bestimmungen des Entwurfes gezeigt hat, so gilt derselbe nicht der Idee an sich, sondern er gilt lediglich der Methode der Art des Vorgehehens, die nach dem Gesetz angewandt werden soll. Wenn der Artikel 2 den Gemeinden den Erlaß von Vorschriften über die gesundheitlichen Erfordernisse eines Wohngebäudes und über die bauliche Beschaffenheitanheimstellen, so kann dem zugestimmt werden, weniger schon der alsdann folgenden Bestimmung, daß Gemeinden über 10000 Einwohnern solche Ordnungen erlassen müssen Die weitere Bestimmung, welche vorschreibt, daß Vorschriften über eine den Anforderungen des Familienlebens entsprechende Trennung der von verschiedenen Haushaltungen benutzten Wohn= und Schlafräume erlassen werden sollen, sind sehr bedenklich. Die Praxis hauptsächlich der Großstädte zeigt tagtäglich, daß gerade unmoderne, daher vermindert vermietbare Wohnungen, die im übrigen ganz einwandfrei sein können, den ärmsten Bevölkerungsschichten eine willkommene Gelegenheit zum Unterkommen bieten. Luxuswohnungen sind dies freilich nicht, aber sie sind billig, es läßt sich in ihnen hausen und dann liegen sie zumeist für den Bewohner günstig. Soll dieses Vorgehen, daß zwar nur ein Ausweg aber immerhin einen gangbaren und im Interesse der armen Bevölkerung sehr wichtigen Ausweg geboten hat, nun wirklich plötzlich abgeschnitten werden oder stark erschwert werden. Aber nach mehr! Hand in Hand mit diesen Vorschriften sollen dann solche über di. im gesundheitlichen und sittlichen Interesse zulässige Regelung der Wohn= und Schlafräume gehen. Das ist sicher sehr gut gemeint, aber in der Praxis schlecht durchzuführen. Wie soll es gehen, wenn die Familie sich vergroßert, sei es durch Ankommen neuer Erdenbürger, sei es deren Angliederung von Verwandten? Welche Kämpfe und Hinterziehungen wird das zwischen der wohnenden Bevölkerung und dem wachenden Auge des Gesetzes, den Wohnungspflegern geben, die darauf sehen sollen, daß der vorschriftsmäßige Kubikraum eingehalten wird? Wie soll denn überhaupt die Kontrolle darüber ausgeübt werden, was im Inn ern der Wohnung vorgeht? Darf die Polizei Dinge anordnen, deren Beaussichtigung und dauernde Kontrolle eine offene Unmöglichkeit ist? Oder soll es dazu führen, daß der Hausbesitzer die Verpflichtung erhält, ständig als Polizeispitzel tätig zu sein? Das könnte doch nur dazu führen, daß das Verhaltnis zwischen Mieter und Vermieter, dessen gute Gestaltung sicherlich einer der wichtigsten Faktoren für die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse sein muß, sich verschlechtern wird.(Fortsetzung folgt.) Aus Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 16. Juni. 25 jähriges Dienstjubiläum. * Zu Ehren des Versandleiters Wilhelm von Sunthum von hier, der gestern auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Gelsenkirchener Bergwerksaktiengesellschaft(Rheinelbe) zurückblicken konnte, wurde am Samstag abend in den prächtig geschmückten Räumen des Cafés Leppler hierselbst von den Beamten der Versandabteilung eine stimmungsvolle Feier veranstaltet. Eine stattliche Festversammlung, Damen und Herren, hatte sich eingefunden, um hierdurch dem Jubilar und seiner Gattin ihre Verehrung und Wertschätzung zu bekunden. Bureauvorsteher Fritz feierte den Jubilar mit anerkennenden Worten als tüchtigen Beamten und lieben Kollegen worauf letzterer herzlichst dankte. Im Auftrage der Beamten wurde dem Jubilar ein kostbares Kaffeeservice und Besteck überreicht. Sodann wurde das ausgezeichnete Programm abgewickelt, bestehend in vorzüglichen Darbietungen eines aus Beamten bestehenden Doppelquartetts(Dirigent Simoneit), verschiedensten Musikvorträgen und prächtigen Solis. Versandleiler Heinrich Wolf brachte das Kaiserhoch aus. Sämtliche Anwesenden verlebten so im frohen Kreise recht schöne und vergnügte Stunden, sodaß die Feier in allen Teilen einen würdigen Verlauf nahm. Spieler. * Unter diesem Titel beginnen wir in der heutigen Nummer mit dem Abdruck eines neuen Romans aus der bewährten Feder des bekannten Schriftstellers Hans Hyan. Der neue Roman, ein hochinteressantes modernes Kulturbild bietend, bedarf keiner besonderen Empfehlung; er fesselt bis zur letzten Zeile und dürfte den ungeteilten Beifall unserer geschätzten Leser finden. Christlich=sozialer Arbeiterverein. * In der gestern nachmittag um 5 Uhr abgehaltenen Versammlung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Mitgliede Severin einen ehrenden Nachruf. Sodann wurden einige neue Mitglieder ausgenommen. An der Wallfahrt nach Neviges, nächsten Sonntag, wird sich der Verein beteiligen. Dem hiesigen kathol. Waisenhause konnte eine hübsche Summe als Ertrag des Theaters vom 18. Mai zugeführt werden. Die Rechnungskommission tritt am 13. Juli zusammen. An dem Fackelzuge heute abend beteiligt der Verein sich ebenfalls. Die Vereinsabzeichen von verstorbenen Mitgliedern müssen in Zukunft dem Vereine wieder abgeliefert werden. Unter Punkt Verschiedenes wurden noch einige Sachen erledigt. Unterdessen war der hochwürd. Domkapitular, Propstdechant Hausmann mit dem hochw. Kaplan Geerken erschienen zwecks Einführung des letzteren als Präses des Vereins. Nach herzlicher Begrüßung durch den Vorsitzenden Ebach stellte Domkapitular Hausmann den Kaplan Geerken dem Verein als Präses vor. Nach dem gegenseitigen Versprechen, recht kräftig zum Wohle des Vereins zu arbeiten und einem längeren gemütlichen Zusammensein schloß die Versammlung. Gefährliche Körperverletzung. * Vor der Bochumer Strafkammer wurde am Samsag gegen die Bergleute P. und F. von hier verhandelt, welche von dem Wattenscheider Schöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu je 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden waren und hiergegen Berufung eingelegt hatten. Sie haben nach der Beweisaufnahme am letzten Weihnachtsabend allerlei Gewalttätigkeiten verübt. Sie bewaffneten sich mit Hackenstiel und Mistgabel. So ausgerüstet, stellten sie sich vor ihrem Hause auf und kündigten jedem Passanten Fehde an. Man verstieg sich selbst zu der Drohung:„Dernächste wird zur Leiche". So verhöhnten sie einen vorübergehenden Soldaten, der jedoch seines Weges weiterging. Als dann 2 weitere Personen ahnungslos vorübergingen, erhielt einer einen Schlag ins Gesicht. Die Angegriffenen flüchteten. Hausbewohner mahnten die Gesellen, die Passanten doch in Ruhe zu lassen. Diese Mahnung beantworteten sie mit einem Sturm auf die Wohnung derselben. Als sich das unmöglich erwies, zertrümmerten sie eine Fensterscheibe. Später passierte die Stelle, mit Packeten beladen, der Bergmann Schubert gen. Hölscher. Alsbald erhielt er mit der Düngergabel einen derart wuchtigen Hieb, daß er zu Boden gestreckt wurde. Im Begriff sich zu erheben, folgte ein zweiter Schlag, der ihn besinnungslos niederstreckte. Schubert hörte noch, wie einer der Wegelagerer zu dem andern erklärte:„Da hast du den Falschen erwischt. Als sie das Bedenkliche des Zustandes an Schubert sahen, schleppten sie ihn ins Haus und wuschen ihn vom Blute. In der Berufungsverhandlung vor der Bochumer Strafkammer kamen die Angeklagten mit dem Einwand der Notwehr, der sich als völlig unbegründet erwies. Da der Amtsanwalt keine Berufung eingelegt, konnte die Strafkammer nur die Berufung verwerfen. Andernfalls würde nach den Erklärungen des Gerichtes eine weit höhere Strafe ihnen erteilt werden. 16 Armee=Korps=Wattenscheid. * Der kameradschaftliche Verein 16. Armee=Korps hatte gestern in seinem Vereinslokal Restaurant Drenhaus eine stark besuchte Versammlung, welche vom 1. Vorsitzenden Restaurateur Grimm eröffnet und geleitet wurde. Nach Verlesung und Genehmigung des letzten Protokolls und Zahlung der monatlichen Beiträge, konnten wiederum 8 neue Mitglieder ausgenommen werden. Der Vorsitzende gab hierauf die Tagesordnung der am Sonntag den 29. ds. Mts. in Steele stattfindenden Festsitzung der„Westwacht" bekannt. An dieser Sitzung nehmen vom Verein die Kameraden 1. Vorsitzender Grimm und 2. Vorsitzender Holzem teil. Beschlossen wurde noch, für den Fackelzug am heutigen Abend die Fackeln aus der Vereinskasse zu bezahlen. Ferner wurde noch in Aussicht genommen, im Laufe des Sommers ein großes Militärkonzert zu veranstalten, wozu eine Infanteriekapelle vom 16. A.=K. gewonnen werden soll. Der 1. Vorsitzende sprach dem Verein seinen Dank aus für die überaus zahlreiche Beteiligung bei der Anwesenheit Sr. Exzellenz des Generalfeldmarschalls Grafen von Haeseler. Zum Schluß gedachte der Vorsitzende des hochbedeutsamen Tages, an welchem vor nunmehr 25 Jahren unser Kaiser den Thron bestieg und brachte ein begeistert ausgenommenes Kaiserhoch aus, worauf er die Mitglieder aufforderte, an dem heute abend jattfindenden Fackelzuge vollzählig teilzunehmen. Neues aus Höntrop. * Höntrop, 16. Juni. Gestern nachmittag fand auf der Wiese des Landwirts Theodor Potthoff von hier ein Fußballwettspiel statt und zwar standen sich gegenüber: Spielverein Leithe und der neugegründete Verein Germania=Höntrop(Vereinslokal Theodor Potthoff). Das Spiel endete nach 3 stündiger Dauer mit 6:0 zu Gunsten des Leither Vereins.— In unserer Gemeinde hat sich unter dem Namen„Freie Bühne" ein Arbeiter=Theaterverein gebildet. Den Vorsitz führt der Bergmann Josef Bresek von hier.— Der Polizeisergeant Kipper von hier tritt mit dem heutigen Tage seinen 3 wöchentlichen Urlaub an. Er wird durch die Polizeibeamten Freese, Wellen, Hase und Niklowitz vertreten. Die Geschäfte des Meldeamts werden vom Polizeisergeanten Hase besorgt. Weitere Lokalnachrichten siehe 2. Blatt. Wirte-Verein Wattenscheid. Dem Herrn über Leben und Tod hat es getallen, unser liebes Mitglied, den wohlachtbaren Wirt Herra Wih. Schafer in ein besseres jenseits abzurufen. Wir werden dem Verstorbenen ein treue: Andenken bewahren. Zur Teilnahme an der Beerdigung versammeln sich die Herren Kollegen am Dienstag, den 17. Juni. vorm. 9.15 Uhr bei Ww. Beckmann. Der Vorstand. Der Beginn der nächsten ordentlichen Schwurgerichtssitzung ist auf den 30. Juni 1913 festgesetzt und der Herr Landgerichtsdirektor Mügel hierselbst zum Vorsitzenden ernannt. Bochum, den 2. Juni 1913. Der Landgerichtspräsident. Wotrellen wir uns nach Huösung des rachelzuges! dortselbst„Italienische Nacht“ verbunden mit gemeinsamem Kommers, Ansprachen, Absingen patriotischer Lieder und Musikvortragen. Für weitere Unterhaltung sorgt Der Stallwirt. Erich u ertenet anert schnel latente etc. Ci.-ing. Jaeger& Dr. Breslauer in Gitschinerstr. 106, n. d.Pat.-Amt Das beratende Nachschlagebuchs.„Wie muss amalig# eine Erfindung für die Verwertung beschaff. sein“ IL. GIIS u. franko io. Romatbeiter außer dem Hause sucht für für dauernde Beschäftigung nach I. Tarif. Röttgen Nordstr. 10. Deutscher Schäferhund dunkelgrau, entlaufen. Vor Ankauf wird gewarnt. Wilh. Nüters, Bochumerstr. 96. Wer verkauft sein Haus evtl. m. gut. Geschäft od. sonst. günst. Objekt, hier oder Umgebung? Off. befördern unter 4922, Haasenstein und Vogler, Essen Ruhr Für Sprechseit 8—1u. 2—6Uhr Sonntags 9—1 Uhr. W. Kochell. Dentist. Wattenscheid. Hochstraße 8, Parterre, gegenüber der Post. Fernsprecher 410 Amt Gelsenkirchen. Langj. Erfahrung. Moderne elektrische Bohrmaschinen- Einrichtung. Am Freitag, abends 7 Uhr, wurde uns mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, Herr Wilelm Schäfer im Alter von 68 Jahren durch den Tod entrissen. Der allzufrüh Verstorbene erlag einer langwierigen, schweren, mit großer Geduld ertragenen Erkrankung; er schied aus diesem Leben wohlvorbereitet durch den wiederholten Empfang der hl. Sterbesakramente der römisch-kathol. Kirche. Um stilles Beileid bittet Im Namen der tiefbetrübten Familie Frau Wilhelm Schäfer, geb. Mathilde Mühlhausen. Elberfeld(Königstr. 30), Bonn, Bochum, Gelsenkirchen und Wattenscheid, den 15. Juni 1913. Die Beisetzung findet am Dienstag, den 17. Juni, vormittage 9,30 Uhr in der Familiengruft in Wattenscheid statt, von der Kapelle des kath. Friedhofes aus. Das Seeienamt ist gleich danach in der Propsteikirche. Frau M. Georgi, Görlitz schreibt „Ich erlaube mir ganz ergebenst mitzuteilen, daß ich eine große nass Frechteum 0 45. hatte und dieselbdurch Gebrauch v. Ein Obermeher's Herba=Seife besetigte. sellnErise à Stck. 00 Pf., 30% verstärktes Präparat Mk. 1.—. Zur Nachbehandlung Herba=Creme à Tube 75 Pf., Glasdose Mk. 1.50. Zu haben in allen Apoth., Drog. und Parfüm. Ordentl. nicht zu junges Halbtagsmädchen gesucht. Näh. H. Helf, Weststr. 49. für einige Stunden sofort gesucht. Weststr. 4. 1 tismuskranke erzielen durcheine Trinkkur im Hause mit Altbuchhorster Marksprudel Starkquelle rasch Erleichterung und Hilfe. Die Gelenke werden von Schmerzen u. 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Wöchentliche: Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).: (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Terminzusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung“" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Mesenaschchen. Wetter für Dienstag. Trocken, heiter, zunehmende Wärme. Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 16. Juni. Die Feier des Kaiserjubiläums in Stadt u. Amt Wattenscheid. * Gestern vollendeten sich 25 Jahre, daß der Kaiser die Regierung mit fester Hand ergriffen und sie während des ganzen Vierteljahrhunderts mit weiser Umsicht geführt hat. So gestaltet sich das Regierungsjubiläum für die ganze Nation zu einem wirklichen Fest= und Freudentag, der auch in Stadt und Amt Wattenscheid in glänzender Weise gefeiert wird. Einem Wunsche des Kaisers entsprechend, unterblieben gestern, am Todestage Kaiser Friedrichs alle weltlichen Festlichkeiten, nur in den Kirchen. wurde des Jubiläums durch Festgottesdienste und in den Predigten gedacht. In den ev. Kirchen zu Wattenscheid, Günnigfeld und Höntrop fanden gestern vormittag feierliche Festgottesdienste statt, während in den kath. Kirchen auf heute vormittag Hochämter angesetzt sind und gestern nur in den Predigten auf den Jubiläumstag Bezug genommen wurde. Es ist gewiß ganz in dem Sinne unseres Kaisers, wenn die festlichen Gedanken und Wünsche durch das Religiöse verklärt und vertieft werden. Alle Predigten, die in der Friedenskirche von Pfarrer Greve aus Bethel, in der ev. Kirche zu Günnigfeld von Pfarrer Hoos und in der ev. Kirche zu Höntrop von Pfarrer Geck gehalten wurden, ferner auch die in den kath. Kirchen hatten hauptsächlich zum Gegenstande die aufrichtige, tiefe Religiösität des Kaisers, worauf sich alle die anderen hervorragenden Herrschertugenden des Monarchen aufbauten. Und mit Recht! Der Kaiser hat so oft deutliches Zeugnis davon abgelegt, daß er sein Haus, seine Regierung, sein Volk und seine eigene Persönlichkeit unter dem höheren Willen einer ewigen Vorsehung am besten geborgen weiß, und es ist dem Monarchen eine Selbstverständlichkeit, gerade auch dis Jubiläumsfreude in das besondere Licht des ewigen zu rücken. In der Propsteikirche hierselbst fand heute morgen 9 Uhr aus Anlaß des Jubiläums feierliches Levitenhochamt statt, welches von Kaplan Geerken unter Assistenz der Vikare Köster u. Hogrebe zeliebriert wurde. Feierliches Tedeum beschloß die kirchliche Feier. Das Hochamt war, ebenso, wie die gestrigen Festgotte dienste zahlreich besucht. Aeußerlich trat schon gestern das Kaiserjubiläum durch den überaus reichen Flaggenschmuck in die Erscheinung, wodurch die Anteilnahme der ganzen Bevölkerung an diesem Freudenfeste zum Ausdruck kommt. Während der gestrige nur den kirchlichen Feiern vorbehalten war, wird der heut ige Tag eine Reihe von glänzenden festlichen Veranstaltungen bringen. Zunächst huldigt heute die Schuljugend, welche natürlich schulfrei hat, dem Kaiser, indem in allen Schulen entsprechende Feierlichkeiten stattfanden. Die Lehrpersonen hielten längere, der Bedeutung des Tages angepaßte Ansprachen, worauf patriotische Gedichte deklamiert und vaterländische Lieder zum Vortag gebracht wurden. Einen besonders festlichen Charakter trugen die Feiern in unseren höheren Lehranstalten, worüber folgendes mitgeteilt sei: Heute morgen fand in der festlich geschmückten Aula unseres Gymnasiums die Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers und Königs statt. Von einer öffentlichen Feier mußte leider wegen Raummangels abgesehen werden, da son stdie Hälfte der Schüler nicht daran hätte teilnehmen können. Nach dem Vortrage mehrerer Festlieder durch den Chor und vaterländischer, sich größtenteils auf den Kaiser selbst beziehender Gedichte durch Schüler sämtlicher Klassen verteilte Gymnasialdirektor Professor Dr. Hellinghaus 16 Bücher, zum Teil Prachtwerke, die vom Kgl. Provinzialschulkollegium als Prämie für besonders würdige Schüler verliehen waren, nachdem bereits gestern allen Schülern der oberen Klassen je ein Exemplar der Mürewicker Kaiserrede an die Seekadetten erhalten hatten. Dann hielt Oberlehrer Dr. Specht die Festrede, in der er die segensreiche Regierung des Kaisers und besonders seine Tätigkeit auf dem Gebiete des höheren Schulwesens feierte. Kaiserhoch und Nationalhymne beschlossen die erhebende Feier. Heute nachmittag unternehmen, einem Wunsche des Ministers entsprechend, sämtliche Klassen mit ihren Lehrern einen größeren Ausflug. Wie wir noch hören, bestand anfangs die Absicht, die Schüler der oberen und mittleren Klassen an dem heute abend hattfindenden Fackelzuge teilnehmen zu lassen, aber mit Rücksicht auf die zahlreichen auswärtigen Schüler, die dann in sehr später Abendstund: noch einen weiten Heimweg zurückzulegen hätten, mußte davon Abstand genommen werden.— Die Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät an unserem Lyzeum(höhere Mädchenschule) fand heute morgen 8 Uhr in der Aula statt. Aus Anlaß des hohen Festes hat das Königl. Provinzial=Schulkollegium zu Münster der Anstalt eine Anzahl Festschriften als Prämien überwiesen; darunter die reichillustrierten Prachtwerke„Unser Kaiser" von Georg Büxenstein,„Kaiser Wilhelm und die Marine“ v. Prof. Stöwer, ferner„Wilhelm II. deuitscher Kaiser und König von Preußen“ vom Verein der Soloatenfreunde Kaiser Wilhelm Dank,„Kaiser Wilhelms II. Religiösität und Pflichtbewußtsein“ von Prof. Dr. theol. Baldius und„Preußens Geschichte“ von Rudolf Herzog. Dieselben wurden während des Festaktes von der Dirktorin Fräulein Oberlehrerin Sasse verschiedenen Schülerinnen von Kl. 4 bis 1 als Anerkennung für Fleiß und gute Leistungen überreicht. Oberlehrer Dr. Tochtrop hielt die Festrede über die segensreiche Wirksamkeit Kaiser Wilhelms II., besonders über seine Verdienste um die deutsche Flotte. Nach der Feier wohnten die kath. Schülerinnen dem Festgottesdienste in der Propsteikirche bei, während die evangelischen Schülerinnen an dem gestrigen Festgottesdienste in der Friedenskirche teilgenommen hatten. Am Nachmittag werden sämtliche Klassen unter Führung der Lehrpersonen, dem Wunsche des Unterrichtsministers entsprechend, Ausflüge und Wanderungen in die nähere Umgebung unternehmen.— Heute mittag erdröhnten Böllerschüsse von der Steinhalde der Zeche Holland. Heute abend wird bekanntlich ein großer Fackelzug stattfinden, worüber Näheres aus dem Inseratenteil ersichtlich ist. Möchte die Beteiligung an dieser patriotischen Kundgebung eine zahlreiche und allgemeine sein. Zum 25jähr. Ortsjubiläums des Domkapitulars Hausmann. * Die Vorstände der kath. Vereine hielten gestern vormittag unter dem Vorsitze des Stadtbaumeisters Wallraven abermals im kath. Vereinshause eine Sitzung ab, zwecks Besprechung über das 25jähr. Ortsjubiläum des Domkapitulars Hausmann. Es wurde das von uns bereits milgeteilte Programm in seinen Einzelheiten weiter beraten und beschlossen, für nächsten Sonntag vormittag abermals eine Sitzung anzuberaumen. Kriegerverbandsfest in Wattenscheid. * Für das am 28. und 29. d.M. stattfindende große Kriegerverbandsfest, verbunden mit Fahnenweihe des Artillerievereins wurde folgendes Programm aufgestellt: Samstag, 28. Juni: Ankündigung des Festes durch Kanonendonner, 1 Uhr: Festessen im Festzelt, während des Festessens Konzert der Kapette des 7. ArtillerieRegts aus Wesel und der Städt. Kapelle(Schlotterhose). nachmitt. 6 Uhr: Konzert und Gesang=Vorträge, sowie turnerische Vorführungen, Begrüßung der Veteranen durch Se. Exzellenz Generalleutnant von Harbou aus Dortmund. Abends: GeschlossenerFestball; Sonntag, 29. Juni: Vorm. von 11,30 Uhr ab musikalischer Frühschoppen, von 2 Uhr ab: Empfang der auswärtigen Vereine, 3 Uhr: Abholen der Fahnen sämtlicher Vereine durch die Fahnenkompagnie, Antreten der Vereine auf demMarktplatze, Paradeaufstellung, Weihe der Fahne des Artillerie=Vereins durch Polizeipräsidenten Landrat Dr. zur Nieden, Hauptmann der Gardelandwehr, Festzug zum Kaiserplatz, dort Parademarsch, Fortsetzung des Festzuges und Rückmarsch zum Festzelt, daselbst Konzert, abends 8 Uhr: Festball, 9,30 Uhr Polonaise und Abbrennen eines Feuerwerks. Die Musik wird ausgeführt von der Kapelle des 1. Westfälischen Feldartill.=Regts Nr. 7 in Wesel unter Leitung des Obermusikmeisters O. Blättermann sowie der Kapelle des Kriegerverbandes unter Leitung des Kapellmeisters Schlotterhose. Ferner sind zur Mitwirkung gewonnen der Männer=Gesangverein„Germania“(Ahlmann) und der Turnverein=Wattenscheid(D. T.) Das Fest wird bekanntlich in einem großen Festzelt auf dem alten Marktplatz gefeiert und ist mit einer Kirmes verbunden. Wallfahrt nach Neviges. * Am nächsten Sonntag findet die übliche Wallfahrt der hiesigen kath. Kirchengemeinde nach Neviges(Hardenberg) statt. Der hierfür gestellte Sonderzug fährt morgens 8.16 Uhr ab Station Wattenscheid. Die Rückfahrt ab Neviges erfolgt nachmittag 5.40 Uhr. Die Fahrkarten für die Hin= und Rückfahrt kosten M. 1.70 und sind von Donnerstag ab im Restaurant Beckmann an der Propsteikirche zu haben." Von der Bäcker=Innung. * Die hiesige Bäcker=Innung von Stadt und Amt Wattenscheid hat gestern und heute ihren lange geplanten Ausflug zum Rheine und zur Ahr zur Ausführung gebracht. Unter Führung des Obermeisters Schlenkhoff nahmen 40 Mitglieder mit ihren Damen an dem Ausflug teil. Gestern ging die Fahrt zunächst nach Königswinter, woselbst, nachdem der Drachenfels bestiegen war, zu Mittag gespeist wurde. Von da ging es nachmittags zur Ahr. In Neuenahr wurde übernachtet. Heute nahmen die Ausflügler das Mittagsmahl zu Altenahr ein und treten nachmittags die Rückkehr nach Wattenscheid an. Wieder ein frecher Einbruch. * Gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr ist ein dreister Einbruch in einem Hause der lebhaftesten Straße der Stadt, beim Anstreicher Brocke in der Freiheitstraße, während derselbe mit seiner Familie verreist war, verübt wor den. Die Einbrecher haben gerade wie am vor. Sonntag beim Lederhändler Sontheimer, alle Schränke, Kisten und Kasten durchwühlt und nach Geld und Pretiosen durchsucht. In einem Schranke befanden sich zwei eiserne Kassetten, welche sie mit Gewalt erbrachen, aber— leer fanden: der vorsichtige Besitzer hatte sein Geld eingesteckt; in einer Kassette befanden sich 2 Pfennige, welche die Diebe liegen ließen. Als das Dienstmädchen bald nach 5 Uhr von einem Ausgange in die Stadt zur Wohnung zurückkehrte und die Haustür aufschloß, bemerkte sie, daß zwei Burschen durch ein hinteres Fenster zur Grabenstraße sprangen und dann fortliefen. Obgleich die Polizei sogleich eine fieberhafte Tätigkeit entwickelte, ist es ihr nicht gelungen, irgend einen Anhalt über die Täter zu finden.—Wie wir eben hören, ist auch in der Bismarckstraße ein Einbruch gestern nachmittag verübt, jedoch aus hier haben die Diebe nichts erbeutet. Impfungen. * Die diesjährigen unentgeltlichen Impfungen finden statt am 17., 20., 24., 27. Juni, 1., 4., 8., und 11 Juli in der Kronenburg(Sonnenschein). Es sei noch darauf hingewiesen, daß der auf der Ladung angegebene Zeitpunkt genau innezuhalten ist. Kleine lokale Nachrichten. * Im Bierstall findet heute abend nach dem Fackelzuge große italienische Nacht statt, verbunden mit Commers, Ansprachen, Gesang= und Musikvorträgen. Siehe Annonce. * Zu einem Menschenauflaufe kam es gestern nachmittag auf der Nordstraße, wo sich mehrere Betrunkene „produzierten". Schließlich zertrümmerten sie sogar einige Fensterscheiben an der Roßzmetzgerei dorlselbst, worauf die herbeigerufene Polizei der wüsten Scene ein#nde machte. Temperatur=Wechsel. * Der außergewöhnliche Kälte=Rückfall ver vorigen Woche, der das Quecksilber bis auf 14 Grad fallen ließ, hat einer wärmeren Temperatur Platz gemacht. Mit dem gestrigen Tage hat sich heiteres, sonniges Wetter eingestellt, infolgedessen das Quecksilber heute morgen um 9 Uhr auf plus 23 Grad in die Höhe schnellte und bei den Schulkindern schon das Wort:„Hitzeferien!" auslöste. Nationalliberale Partei Höntrop. * Höntrop, 16. Juli. Man schreibt uns: Trotz des schönen, sonnigen Vormittags hatten sich gestern morgen 11 Uhr im Lokale Wegmann die Anhänger der nationalen und liberalen Sache zahlreich eingefunden, ein Beweis, daß man die organisationslose Zeit leid und gewillt ist, für die Partei eine straffere Organisation für Höntröp durchzuführen. Mit warmen Worten der Begrüßung legte der Vorsitzende Plüker die Gründe dar, die zur heutigen Versammlung geführt hätten und wünschte, daß am Tage des Regierungs=Jubiläums der Grundstein zu einer Organisation gelegt würde, um einen politischen Verein zu haben, der den Umsturzgedanken in Höntrop geschlossen entgegentreten könne. Parteisekretär Korst sprach über die Agitationsweise der einzelnen Parteien und fand reichen Beifall. Parteisekretär Treute wies auf die Notwendigkeit einer geschlossenen Organisation hin, die bei Wahlen unbedingt erforderlich sei. Ueber 50 Herren traten dem neuen, nationalliberalen Verein bei. Die gleich vorgenommene Vorstandswahl zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Fr. Plüker, 2. Vorsitzender Lehrer Kunhelm, 1. Schriftführer Heinrich Behrens, 2. Schriftführer Johann Möller, 1. Kassierer Friedrich Rotthauve, 2. Kassierer Friedr. Wegmann, als Beisitzer Reinke, Böcke und Theodor Rotthauve. Parteisekretär Treute überbrachte die Grüße des Abg. Heckmann und teilte mit, daß es ihm durch die geschäftliche Lage des Reichstag nicht möglich gewesen sei, an der Versammlung teilzunehmen. Mit einem Hoch auf den Kaiser fand die Versammlung gegen 1.30 Uhr ihren Abschluß. Wegen Betrugs vor der Strafkammer. * Eppenporf, 16. Juni. Der Bergarbeiter Karl S. aus Eppendorf hat sich auf der Zeche Engelsburg auf Grund eines gefälschten Scheines 25 Mk. Vorschuß auszahlen lassen. Jetzt stand S. wegen Urkundenfälschung und versuchten Betruges vor der Bochumer Strafkammer, die ihn zu 10 Tagen verurteilte. Der Angeklagte hatte, aus Not gehandelt. Ein vielversprechender Bursche. * Günnigfeld, 16. Juni. Der 13½jährige Volksschüler S. trieb sich mehrere Monate vagabondierend in Feld und Wald, in Dorf und Stadt umher. Im Frühjahr wurde er von der Polizei in Köln aufgegriffen und nach Hordel gebracht, entlief aber bald wieder. Allen größeren Städten der Umgegend stattete er Besuche ab. Das Geld verschaffte er sich durch Diebstahl, indem er den zu Geschäften gehenden Kindern das Geld abzuschwatzen wußte oder es ihnen gewaltsam entriß. Gestern bemerkten ihn 2 Mitschüler auf der Straßenbahn Eickel=Wanne. In der Voraussetzung, daß er wieder vom Bahnhof Wanne abfahren würde, eilten sie dorthin, trafen ihn, hielten ihn fest und übergaben ihn der Polizei. Von 10 Mark, die er kurz vorher wieder gestohlen hatte, befanden sich noch 9,15 Mark in seiner Börse. Feuerwehr Günnigfeld. * Günnigfeld, 16. Juni. In der letzten Versammlung der Spritzenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr wurde wegen Ausscheidens resp. Verzuges der bisherigen Abteilungsführer Hermann Schlingschröder und Bernard Greve neugewählt als Führer Ferdinand Kampmann und als Feld. webel Anstreichermeister Hermann Tölle. (Weitere Lokalnachrichten siehe 1. Blatt.) Reichstag. Berlin, 14. Juni. Am Bundesratstische Reichskanzler von Bethmann=Hollweg, Staatssekretäre Dr. Delbrück, Kühn, Dr. Lisco, v. Breitenbach, v. Heeringen, v. Tirpitz, Kraetke, v. Jagow, Dr. Solf, Wahnschaffe, Wackerzapp u. a. Das Haus ist gut besucht. Die Sozialdemokraten sind zunächst nicht anwesend. Präsident Dr. Kämpf eröffnet die Sitzung 11,20 Uhr mit folgender Ansprache, welche die Mitglieder des Reichstages und des Bundesrats stehend anhören: Verehrte Mitglieder des Reichstages und des Bundesrats! Noch eine kurze Spanne Zeit trennt uns von dem Tage,, an dem wir das 25jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers feierlich und festlich; begehen. Wehmütig steigt die Erinnerung an das Lebensende des königlichen Gründers des Deutschen Reiches, des ersten Kaisers aus dem Hohenzollernhause, vor unserem Geiste auf. Wehmütig gedenken wir des edlen Duiders auf dem Kaiserthrone und seines tragischen Schicksals, des Kaisers Friedrich 3. Mit Stolz und Freude erfüllt uns der Gedanke an die jugendfrische Gestalt unseres Kaisers, wie er im Vollbewußtsein seiner Kräfte und mit der Begeisterung seines idealen Strebens vor 25 Jahren die Regierung übernahm. Der Kaiser kannte die Bedenken, die seine militärischen Neigungen erwecken konnten, u. wir wissen wohl— das hat er selbst ausgesprochen—, daß ihm ruhmeslüsterne Gedanken zugeschrieben würden. Er weise— das hat er hinzugefügt— solche Anschuldigungen mit Entrüstung zurück. Jene Bedenken haben sich als gänzlich grundlos erwiesen. Er, der das mächtigste Kriegsinstrument in seiner Hand hält, hat es benutzt, nicht um kriegerische Lorbeeren zu pflücken, sondern um uns und der Welt den Frieden zu bewahren. Wir leben in einer ernsten Zeit, aber wir haben das felsenfeste VVertrauen, daß der Kaiser das sein wird, was er war und was er ist: der Friedensfürst, der das Kriegsschwert nur ziehen wird, wenn es gilt, Lebensbedingungen des deutschen Volkes zu verteidigen.(Beifall.) Noch nach einer anderen Richtung danken wir dem Kaiser. Er hat einst, als den Urgrund, auf dem das Deutsche Reich errichtet wurde, alle jene hohen wichtigen Anschauungen bezeichnet, die unseren Vorfahren eigen waren. Er hat mahnend gerufen: das Gefühl für den kategorischen Imperativ der Pflicht möge im deutschen Volke niemals ersterben! Als eine Verkörperung der damals ausgesprochenen Grundsätze steht der Kaiser heute vor uns. Er hat in seinem Wirken als Kaiser wie in seinem Familienleben das zur Tat gemacht. Kürzlich hat der Kaiser bei der Vermählung seiner Tochter Worte gesprochen, die in ihrem hohen sittlichen Ernste, wie in ihrem echten und warmen, von Herzen kommenden Gefühl das Gepräge tiefster Empfindung zeigen, das in allen Kreisen des Volkes rein menschliche Verehrung auslöste.(Beifall.) Bei der gleichen Gelegenheit hat der Kaiser aber ein Wort geprägt, das in epigrammatischer Kürze zeigt, wie er seine fürstlichen Pflichten auffaßt.„Anderen zu dienen und für andere zu sorgen“ hat er als die vornehmste Aufgabe eines Fürsten bezeichnet.(Beifall.) Meine Herren! Wer in feierlicher Stunde seinem Kinde solche Worte für das Leben mitgibt, kann nicht nur Anspruch erheben auf die Achtung, die jeder deutsche Bürger seinem Kaiser schuldet und entgegenbringt, er weckt darüber hinaus im ganzen Volke ein herzliches Gefühl der Verehrung und Liebe. Sie aber, meine Herren, fordere ich auf, an dem Tage, an dem wir hier im Reichstage das 25jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers feiern, den Gefühlen, die uns alle beseelen, u. den Wünschen, die wir für eine lange, glückliche und segensreiche Regierung Sr. Majestät des Kaisers, für das Wohl des ganzen kaiserlichen und königlichen Hauses hegen, Ausdruck zu geben, indem Sie mit mir rufen: Seine Majestät der Deutsche Kaiser Wilhelm 2., König von Preußen, er lebe hoch!— Die Anwesenden stimmen begeistert dreimal in diesen Ruf ein.(Die Polen beteiligen sich an dem Kaiserhoch nicht.) — Abg. Schultz=Bromberg(Rp.): Herr Präsident! Ich glaube, es entspricht der Stimmung, die uns alle beseelt, wenn ich beantrage, das Haus möge sich jetzt vertagen.(Allseitige Zustimmung.)— Präsident Dr. Kaempf: Dem Antrage wird nicht widersprochen; ich stelle das fest. Die Vertagung ist somit beschlossen. Ich schlage vor, die nächste Sitzung abzuyalten am Dienstag, den 17. Juni..— Schluß. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. Berlin, 14. Juni. Alterspräsident v. Strombeck eröffnet die Sitzung um 10,15 Uhr mit der Mitteilung, daß die Abteilungen, die die Wahlen prüften, gegen 330 Wahlen nichts zu erinnern fanden. Darauf wird auf Vorschlag des Frhrn. v. Zedlitz(freikons.) zum Präsidenten Graf von Schwerin=Löwitz durch Zuruf wiedergewählt: Graf v. Schwerin=Löwitz: Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für das mir durch die Wahl von neuem bewiesene Vertrauen. Ich weiß dieses Vertrauen um so höher zu schätzen, als der größte Teil von Ihnen mich als Präsidenten schon kennen gelernt hat und daher weiß, was er in dieser Beziehung an mir hat. Ich verspreche, auch für die Zukunft meine ganze Kraft einzusetzen für die Leitung und Förderung der Geschäfte. Ich werde dabei auch zukunftig unbedingte, strengste Unparteilichkeit walten lassen. Ich vertraue aber auch, daß Sie alle ohne Ausnahme entschlossen sind, mich nicht nur bei der Förderung unserer Geschäfte, sondern auch bei der unbedingten Aufrechterhaltung der Würde unserer Verhandlungen zu unterstützen. Ich übernehme in dieser Zuversicht von neuem das mir übertragene Amt mit Dank. Die erste Pflicht, die mir als Präsidenten obliegt, ist, unserem allverehrten Alterspräsidenten den herzlichsten Dank des Hauses auszusprechen für die Hingebung und Umsicht, womit er trotz seines hohen Alters unsere Geschäfte bis dahin führte.(Beifall.) Der lebhafte Beifall zeigt, daß Sie diesen Dank dem Alterspräsidenten zollen.— Darauf wurde auf Vorschlag des Frhrn. v. Zedlitz Abg. Dr. Porsch(Ztr.) zum 1. Vizepräsidenten und Abg. Dr. Krause=Königsberg(natl.) zum zweiten Vizepräsidenten wiedergewählt. Die Gewählten nahmen die Wahl mit Dank an. Ebenso wurden die bisherigen Schriftführer und Quästoren wiedergewählt. Damit ist das Haus konstituiert. Auf Vorschlag des Frhrn. v. Zedlitz beschloß das Haus, daß der Glückwunsch des Hauses Sr. Majestät nicht nur durch die 3 Präsidenten allein, sondern unter Zuziehung des ganzen Vorstandes, der Schriftführer und Quästoren, überbracht werde. Der Präsident verlas ein Schreiben des Ministerpräsidenten v. Bethmann=Hollweg, wodurch die beiden HHäuser des Landtages zu einer vereinigten Sitzung zur Entgegennahme einer Allerhöchsten Botschaft auf Dienstag 10 Uhr eingeladen wird.(Abg. Hoffmann(Soz.) ruft: Aha! Das neue Wahlrecht!)— Schluß. Das Kaiserjubiläum. Berlin, 16. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin nahmen gestern, am Todestage Kaiser Friedrichs, an dem Gottesdienst in der hiesigen Garnisonkirche teil. Die Festpredigt hielt Hofprediger Richter. Der Text, Römer 5, Vers 3—5, war vom Kaiser selbst bestimmt worden. Der Geistliche führte gus, was Fürst und Volk in unzertrennbarer Einheit verbinde, sei der stille Gast in den Königsschlössern wie in den Hütten der Armen: das Leid. Der königliche Dulder habe im tiefsten Leid mehr Größe bewiesen als der Sieger von Königgrätz und Wörth: Heldenmut, Geduld, Standhaftigkeit, die Kraft, auszuharren auch auf dem schwersten Posten. Der Geistliche schloß: Mit Hoffnungsblick habe der verstorbene Kaiser auf seinen Sohn geschaut, und mit Hoffnungsblick schaue dieser heute auf seine Kinder und Enkel, schaue hinaus in sein Land und über die Welt mit dem Hoffnungsblick: Du, Gott, bist meine Zuversicht und meine Hoffnung. Nach dem Gottesdienst begaben sich die Majestäten nach dem Mausoleum bei der Friedenskirche, um am Sarge Kaiser Friedrichs Kränze niederzulegen. Um 12,30 Uhr empfing der Kaiser im Muschelsaale des Neuen Palais die Herren des Kaiserlichen Hauptquartiers, die ein Geschenk des Hauptquartiers überreichten. Um 1 Uhr war Familientafel bei den Majestäten, an welcher die Kinder der Majestäten und die Geschwister des Kaisers teilnahmen. Für die Gefolge war Marschallstafel. Berlin, 16. Juni. Gestern mittag empfing der Kaiser im Sternensaale des königlichen Schlosses den türkischen Botschafter zur Entgegennahme det Jubiläumsgeschenke des Sultans, bestehend aus 2 goldenen mit Brillanten besetzten Pokalen. Um 12,45 Uhr empfing der Kaiser den Kardinal Fürstbischof Kopp mit Mons. Prinz Ferdinand Croy und anschließend daran den Koadjutor des Abtpuimas des Benediktinerordens Abt Freiherr v. Stotzingen. Bei der Frühstückstafel saß der Kaiser zwischen der Prinzessin Heinrich und dem Kardinal Kopp; gegenüber saß die Kaiserin zwischen dem Prinzen Heinrich und dem Erbprinzen von Sachsen=Meiningen. An der Tafel nahmen auch teil der Reichskanzler, der Kultusminister, der Chef des Zivilkabinetts sowie Prinz Croy und Abt von Stotzingen. Berlin, 16. Juni. Eine Sonder=Ausgabe des Reichsanzeigers veröffentlicht eine ganze Reihe Allerhöchster Gnaden=Erlasse und Auszeichnungen. Zunächst 3 umfassende Amnestie=Erlasse für Zivilpersonen, fürAngehörige des Heeres und der Marine, ferner die Annahme des Protektorats des Kyffhäuser=Bundes und der deutschen Krieger=Verbände durch den Kaiser. 3. einen Erlaß betreffend die Schaffung einer einheitlichen Organisation zur Pflege der schulentlassenen Jugend. 4. Die Bewilligung eines Gnadengeschenks von je 50 Mk. an 600 Kriegsteilnehmer. Unter den Nobilitierten befinden sich Walther vom Roth, der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Krause, der Schriftsteller Josef Lauff, die Generäle Gollwitz und Mudra, der Oberstabsarzt Niedner und die Admiräle Thomsen, Cörper, Pohl, Lauß und Karpf. Unter den in das Herrenhaus berufenen befinden sich Geheim. Komerzienrat Arnhold, Dernburg, Reichsbank=Präsident von Havenstein und von Mendelssohn. T Berlin, 16. Juni. Die Berliner Fest=Straßen bildeten am gestrigen Sonntag das Ziel ungezählter tausender von Menschen. Das schöne Wetter trug dazu wesentlich bei. Verkehrsstockungen waren die unvermeidliche Folge des Andranges. Unter den Linden hatte man 3 Rettungswachen eingerichtet, die in zahlreichen Fällen meist leichterer Natur in Anspruch genommen wurden. Gegen Abend flaute der Strom der Schaulustigen etwas ab, von denen diejenigen, die dem Kaiserpaar Unter den Linden begegnet waren, sich besonders erfreut zeigten. Beide Majestäten dankten in leutseligster Weise für die ihnen dargebrachten Kundgebungen. T Frankfurt=Main, 16. Juni. Oberbürgermeister Voigt und Stadtverordnetenvorsteher Friedlben sind nach Berlin abgereist, um die städtische Stiftung von 500000 M, darunter 100 000 M zur persönlichen Verfügung des Kaisers, zu überreichen. Die Stiftung soll zur Pflege des deutschen Volksliedes verwendet werden. Haag, 16. Juni. Die Königin schenkte dem Kaiserpaar Blumenzwiebel und Pflanzen, die zur Anpflanzung auf dem großen Parterre vor dem Neuen Palais und in den Gärten Potsdams bestimmt sind. T Rom, 16. Juni. Der Osservatore Romano bringt eine begeisterte Lobrede auf den Kaiser, den aufrichtigen Freund werzeugten Propheten der Freundschaft unter den Völkern und des internationalen Friedens, dem seine Macht verbürge. Das Blatt bringt die ehrerbietigsten Wünsche für ein langes Leben und das Glück des erleuchteten Monarchen zum Ausdruck. T Washington, 16. Juni. Der Präsident der Vereinigten Staaten telegraphierte an den deutschen Kaiser: In der aufrichtigen Hoffnung, daß die lange Dauer von Eurer Majestät segensreicher und friedlicher Regierung dem großen deutschen Volke wachsenden Segen bringen möge, bringe ich Eurer Majestät die herzlichen Glückwünsche der Regierung und des Volkes zum 25. Jahrestage von Eurer Majestät Thronbesteigung und meine persönlichen guten Wünsche für Euer Majestät Wohlergehen dar. Abt Freiherr von Stotzingen beim Kaiser. Berlin, 16. Juni. Heute mittag wurde der neuerwählte Primas=Koadjutor des Benediktinerordens, Frhr. Fidelis von Stotzingen, bisheriger Abt von Maria=Laach, vor seiner Uebersiedelung nach Rom vom Kaiser in Abschiedsaudienz empfangen. Der Abt sprach dem Monarchen die Glückwünsche des Ordens zum silbernen Regierungs=Jubiläum aus und knüpfte daran den Dank der Benediktiner für die sohe kaiserliche Huld, der sich der Orden, besonders aber die lbtei Maria=Laach, während dieser 25 Jahre erfreuen durfte. Als ein Zeichen tiefer Dankbarkeit überreichte Abt von Stotzingen dem Kaiser eine Bronzestatuette des h. Benedikt, die im Bildhaueratelier zu Maria=Laach modelliert und von Goldschmied Strobl in München ausgeführt ist...“ Das Festmahl im Abgeordnetenhaus. Berlin, 15. Juni. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses vereinigten sich gestern mittag im Festsaale des Abgeordnetenhauses zu einem Festmahle, wobei Präsident Graf v. Schwerin=Löwitz eine Rede hielt, in der er u. a. sagte: Auf dem ganzen Erdenrund wird in diesen Tagen unser Kaiser als der treueste und machtvollste Hort des Friedens gefeiert; und doch war er nicht minder der Mehrer des Reiches an Land wie an Leuten. Um rund 19 Millionen wuchs während der Regierungszeit die Bevölkerung des Reiches. Nahezu verdoppelt hat sich das Nationalvermögen und der Wert unserer jährlichen Gütererzeugung wie das Arbeitseinkommen der lohnarbeitenden Bevölkerung. Fast auf das Dreifache stieg unser auswärtiger Handel. Damit rückte Deutschland neben England an die 2. Stelle der Welthandelsstaaten der Erde. Welchen allerpersönlichsten Anteil hat daran gerade der Kaiser durch Schaffung einer achtunggebietenden Flotte? Doch weit höher müssen wir das nie rastende Bemühen des Kaisers schätzen, im Volke die höchsten inneren Werte und sittlichen Ideale zu wahren und zu pflegen. Nachdem der Redner sodann den Kaiser als Bekenner einer tiefen christlichen Weltanschauung und als einen von den höchsten sittlichen Idealen erfüllten Monarchen und bedeutenden Mann und als kraftvolle stark ausgepragte Persönlichkeit gefeiert hatte, vorbildlich auch durch das echt deutsche Familienleben im Kaiserhause, fuhr er fort: Zu einem dauernden Segen wird das alles dem Volke nur werden, wenn es dessen nicht nur dankbar bewußt ist, sondern daraus auch den festen Willen schöpft, sich den herrlichen Schatz, den wir an den Kaiser haben, von niemand rauben und schmälern zu lassen.(Bravo.) Darum müssen auch alle Jubiläumsfeiern in diesen Tagen ausklingen in das Gelöbnis unverbrüchlichster Treue und Anhänglichkeit zu unserem geliebten Herrscherhause. Treue um Treue, dann wird auch die fernere Regierung des Kaisers eine gleich gesegnete sein, wie die abgelaufene es unter Gottes Beistand gewesen ist. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und König. Die deutschen Städte und das Kaiserjubiläum. Berlin, 16. Juni. Heute wird eine Deputation des Deutschen Städtetages dem Kaiser die Huldigungsadresse der im Deutschen Städtetag vereinigten Städte überreichen. Die Adresse ist ein wertvolles Kunstwerk von der Hand des Professors Hupp=München. Die Stiftungen, welche die Städte zu wohltätigen Zwecken zur Verfügung des Kaisers gemacht haben, belaufen sich auf 31 Millionen Mark. Die Deputation, die die Adresse überreicht, besteht aus den Oberbürgermeistern von Berlin, München, Dresden, Stuttgart, Karlsruhe, Straßburg, Darmstadt, Dessau, Köln, Breslau, Frankfurt a. M. und dem Stadtverordnetenvorsteher Berlins. Begnadigung in Sachsen. T Dresden, 16. Juni. Der König hat aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers alle über Angehörige des sächsischen Heereskontingents verhängten Disziplinarstrafen, soweit sie am 16. Juni 1913 noch nicht oder teilweise vollstreckt sind, in Gnaden erlassen, sowie befohlen, daß auch noch eine Anzahl der von sächsischen Militärgerichten verurteilten Militärpersonen zu Gnadenakten vorgeschlagen werden sollen. Stapellauf. Hamburg, 16. Juni. Auf der Werft von Blohm und Voß sollte gestern nachmittag der große Kreuzer„K“ vom Stapel laufen. Die Taufrede hielt der kommandierende General des 17. Armeekorps, General der Kavallerie v. Mackensen. Er taufte das Schiff im Auftrage des Kaisers„Derfflinger". Aus technischen Gründen konnte der Stapellauf nicht vollzogen werden. Wegen des inzwischen gefallenen Wasserstandes mußte der Ablauf verschoben werden. Kopenhagen, 16. Juni. Kaiser Wilhelm wird Ende Juli auf der„Hohenzollern“ nach der Nordlandreise zu 3tägigem Gegenbesuch in Kopenhagen eintreffen. Die Hohenzollern wird von einigen Kriegsschiffen eskortiert werden. Frankreich. Frankreich und die deutschen Wehrvorlagen. Paris, 16. Juni. Die Annahme der deutschen Wehrvorlagen im Reichstage hat in Frankreich Eindruck gemacht. Man sieht, wie schnell die Deutschen arbeiten, und fühlt, wie unendlich weit die französische Heeresreform noch von ihrer Vollendung entfernt ist. Dieses Gefühl herrscht bei allen politischen Gruppen, mit Ausnahme der Sozialisten, vor. Alle Parteien, auch die extremen Radikalen, sehen ein, daß den deutschen Heeresvermehrungen gegenüber Frankreich irgend etwas tun muß. Der„Temps“ preist neidisch den Opfermut des deutschen Reichstages und schreibt:„Durch diese Haltung gibt das deutsche Parlament ein Beispiel. Wenn die Reichsregierung von den Abgeordneten die für die nationale Verseidigung notwendigen Kredite verlangt, so haben die deutchen Abgeordneten Vertrauen zu der Regierung, auch wenn sie diese Regierung im System der inneren Politik bekämpfen. Amerika. T Washington, 16. Juni. Bei der gestrigen Feier des Flaggentages hielt Staatssekretär Bryan eine Rede, in der er erklärte, er erwarte, daß bis Weihnachten 25 Nationen den Schiedsgerichtsvertrag mit den Vereinigten Staaten abgeschlossen haben würden. Oberbürgermeister Dr. Der bisherige Oberbürgermeister von Cassel, Dr. Scholz, ist soeben zum Oberbürgermeister von Charlottenburg gewählt worden. Das neue Oberhaupt der Berliner Schwesterstadt, dessen Bild wir heute bringen, gehört zu den jüngsten Deutschen Stadtvätern. Die 3jähr. Dienstzeit in Frankreich. T Paris, 16. Juni. Bei einem Festessen in Rennes gelegentlich eines Preisschießens hielt der Kriegsminister Etienne eine Rede. Er warf den Gegnern der 3jährigen Dienstzeit vor, sie behaupteten, die Regierung wolle Frankreich zum Kriege treiben, während es doch nur den Frieden wolle. an stehe vor der Tatsache, daß Frankreich gegenwärtig nur 470000 Mtann gegenüber 880000 Mann habe, die Deutschland nächstens haben würde. Was wollte man tun, um nicht die Beute des Auslandes zu werden? Keine Regierung hätte anders gehandelt als die jetzige. Seit 43 Jahren, sagte der Minister, leben wir in Frieden. Wir haben ihn ertragen, diesen Frieden, selbst um den Preis der schwersten Opfer, weil wir nur, wenn angegriffen, Krieg führen wollten. Als der Kriegsminister erst darüber nachdachte, wie man die Armee der 2jährigen Dienstzeit verstärken könne, erfolgte schon der Donnerschlag in Deutschland, die Vermehrung der Effektivstärke, und in welchem Maße. Hätten wir da untätig sein und die Tatsache lediglich zur Kenntnis nehmen sollen, ohne zu erwider? Dann hätten wir Europa anzeigen müssen, daß Frankreich nun überwunden sei und das Land auffordern, zu sterben, ohne gekämpft zu haben. Wohlan dennn, ich habe meinem Lande das Alarmsignal gegeben! Da Deutschland seine Effektivstärke plötzlich von 700000 auf 880000 Mann vermehrt, so muß es irgendwelche Pläne haben, welche, das habe er nicht zu ergründen. Aber als französischer Kriegs minister müsse er Maßregeln treffen, und deshalb habe die Regierung den Mut, von dem Lande so schwere, aber notwendige Opfer zu verlangen. Wollt ihr, rief der Minister aus, Vasallen oder Trabanten Deutschlands werden?(Rufe von allen Seiten: Nein, Nein!) Nun, wir auch nicht! Wir werden also unser Ziel verfolgen und bis zum Ende gehen, wie groß auch die Anstrengungen sein mögen und werden sie überwinden. Der Minister wies darauf hin, daß er selbst noch die Niederlagen erlebt habe und unter diesem Eindruck erzogen worden sei. Frankreich wolle ruhig zurückgezogen sein Friedenswerk betreiben, aber es verlange einen würdigen gen Frieden, bei welchem das Land mit seinen zivilisatorischen Aufgaben wachse. Wenn aber unglücklicherweise ein Krieg ausbräche, so werden wir, rief der Minister, auch mit dem ganzen Lande, mit unseren vorzüglichen Führern, mit unserem unvergleichlichen Offizierkorps, welche die Bewunderung und die Eifersucht aller fremden Armeen hervorruft, da es gebildeter und eifriger ist als jedes andere, mit unseren vorzüglichen Unteroffizieren zum Siege schreiten.(Donnernder Beifall, alles springt unter begeisterten Rufen auf den Minister auf; endlose Ovationen.) Vom Balkan. T Petersburg, 16. Juni. Die russische Regierung sieht die Antworten der Könige von Bulgarien und Serbien als befriedigend an. Infolgedessen lud der Minister des Aeußeren, Ssasanow, die Ministerpräsidenten der 4 verbündeten Staaten ein, baldmöglichst zu einer Konferenz in Petersburg zusammenzukommen. Die Folgen der Mordtat. Konstantinopel, 16. Juni. Die Ermordung des Großwesirs und Kriegsministers Machmud Schewket Pascha ist sorgfältig vorbereitet worden, denn der Leichenwagen, der den Weg in der engen Straße versperrte, war leer. Dazu kommt daß die Straße aufgerissen war, um elektrische Kabel zu legen. So konnten die 4 Mörder unmittelbar nach der Tat in dem Automobil, das auf sie wartete, entkommen. Die Mordtat wird der Militärpartei zugeschrieben und hinzugefügt, daß dieses blutige Vorgehen, das der Beginn einer Reihe von Beseitigungen genau bestimmter Persönlichkeiten sei, beschleunigt worden sei durch die Art des Vorgehens gegen Abuk Pascha, trotzdem diesem am vergangenen Montag die Erlaubnis zur Rückkehr nach Hademkiöi gegeben und der Befehl über die Tschataldschalinie von neuem übertragen worden war. Viel bemerkt wurde, daß Talaat Bei, das Haupt der Einheitspartei und früherer Minister, unmittelbar nach dem Mordanschlag zum Kriegsministerium kam und die Leitung der Regierung in die Hände nahm, genau wie er es gemacht hatte nach dem Staatsstreich im Januar, und den Ministerrat berief, dessen Mitglied er geblieben war. Machmud Schewket Pascha wird allgemein betrauert, und allgemein ist das Urteil, daß dieser politische Mord unentschuldbar ist. Man erkennt allgemein an, daß Machmud Schewket Pascha bei verschiedenen Gelegenheiten dem Lande unschätzbare Dienste geleistet hat. Denn durch seinen großen Takt, seine maßvolle Haltung, seine Unparteilichkeit und Gerechtigkeit gegen jedermann hat er es oft verstanden, die stürmischen Absichten gewisser Häupter der Einigungspartei zu verhindern, und deswegen ist er auch mit den Führern dieser Partei mehrere Male in Uneinigkeit geraten. Die diplomatischen Kreise beurteilen den Verlust Machmud Schewket Paschas als sehr empfindlich für die Türkei bei der gegenwärtigen Lage, da der Ermordete sich des Vertrauens, der Wertschatzung und der Hochachtung bei allen Vertretern der fremden Mächte erfreute. Konstantinopel, 16. Juni. Gestern nacht wurden neue Verhaftungen vorgenommen. In einem Hause in Stambul wurden 2 Bomben gefunden. Die Polizei setzt die Nachforschungen eifrig fort. Topal Tewfik hat ein Geständnis abgelegt; er gab die Namen der Anstifter des Anschlages an. Von diesen fehlen nur noch Sia und Abdurrhaman. Es verlautet, daß die Mörder zusammen abgeurteilt und sodann hingerichtet werden. Der Zusammenbruch der Niederbeutschen Bank vor Dortmund, 14. Juni. Der Ohm=Prozeß trat gestern in ein neues Stadium. Es begann die Erörterung der Gründung des Dortmunder Brauhauses, dessentwegen sich 7 Angeklagte zu verantworten haben. Das Dortmunder Brauhaus entstand aus der Schloßbrauerei, deren Inhaber Wechselfälschungen begingen und infolgedessen mit der Niederdeutschen Bank auseinanderkamen. Sie mußten Konkurs anmelden und die Niederdeutsche Bank kaufte dann die Schloßbrauerei für 70 396 Mark. Einer der Inhaber der Schloßbrauerei beging kurz nach Ausbruch des Konkurses Selbstmord. Die Niederdeutsche Bank beschloß, eine Aktiengesellschaft zu gründen und da sie keinen Fachmann zur Hand hatte, ließ sie den Braumeister Seuper aus Berlin kommen, der mit angeklagt war. Die Gründung des Dortmunder Brauhauses erfolgte am 28. Mai 1903, und zwar mit einem Gründungskapital von 500 000 Mark. Hierin war ein Betrag von 390000 M. enthalten, zu welchem Werte die Niederdeutsche Bank die ehemalige Schloßbrauerei einbrachte. Sie hatte dadurch mit einem Schlage, wenigstens auf dem Papier, 320 000 Mark verdient. Als Gründer betätigten sich Ohm, Hartwig, Seuper, Huchzermeier und Hernekamp. Später trat Oberlandesgerichtsrat a. D. Im Walle bei. Das Gründungskapital wurde im Jahre 1904 auf 700 000Mark, im I. 1906 auf 1 500 000 Mark erhöht. Die Aktien gelangten in fremde Hände, so daß beim Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank sehr viel Leidtragende auch bezüglich der Dortmunder Brauhaus=A.=G. vorhanden waren. Der Angekl. Seuper, der erklärte, von dem wahren Charakter der Gründung niemals eine Ahnung gehabt zu haben, betonte, daß die Brauerei in einem verwahrlosten Zustande gewesen sei, so daß es unmöglich gewesen wäre, in der 1. Zeit den Betrieb aufzunehmen. Abschreibungen seien nicht gemacht worden. Die Bilanzen von 1903 u. 1904 schließen mit Verlusten von 3000 und 18000 Mark ab. Im I. 1905 sei gleichfalls ein erheblicher Verlust gewesen. Seuper machte aber eine Zuwendung von 60 000 Mark, nachdem ihm die Niederdeutsche Bank versprochen hatte, 75 000 M. zurückzuzahlen. Dadurch wurde ein Gewinn von 31000 M. erzielt. Im I. 1906 zahlte der Aufsichtsrat 30 000 M. Tantiemen zurück, als er einsah, daß gleichfalls eine Unterbilanz herauskommen würde. Im J. 1906 schloß die A.=G. mit einem Gewinn von 18 471 Mark ab. Bilanzen und Geschäfts=Berichte erwähnen von diesen Machinationen nichts und sind vielsach falsch. So wurde im Debitorenkonto die Forderung an einen Gastwirt geführt, der zahlungsfähig war. Der Angeklagte Ohm behauptete, dieser Gastwirt sei fest angestellt gewesen und hätte bei guter Geschäftsführung bequem seine Schulden tilgen können. Außerdem habe die Niederdeutsche Bank die Bürgschaft für diese Schuld übernommen gehabt. Im übrigen bestritten die Angeklagten, daß die Bilanzen und Geschäftsberichte falsch gewesen seien. Nach langer Erörterung über verschiedene Nebensächlichkeiten wurden die Verhandlungen aufDienstag vormittag vertagt. Gerichtssaal. Düfseldorf, 15. Juni. Der vorbestrafte Arbeiter Joh. Mertens hatte wiederholt in hiesigen kath. Kirchen Frauen, während sie sich im Beichtstuhl befanden, die Handtäschchen gestohlen. Mit Rücksicht auf die Ehrlosigkeit wurde Mertens von der Strafkammer zu 18 Mon. Gef. verurteilt. Düsseldorf, 1“. Juni. Vor der Strafkammer stand gestern der geisteskranke Fabrikarbeiter Christian Stamm aus Hilden, der am 9. Januar das Grab eines Mädchens öffnete und die Leiche geschändet hatte. Die Strafkammer sprach ihn frei. Er kann für die Tat nicht verantwortlich gemacht werden. Essen, 16. Juni.(Schwurgericht.) Angeklagt wegen versuchten Totschlags war der 35jährige Berginvalide Wilh. Ludwig aus Kupferdrehr. Am Neujahrstag abend 9 Uhr geriet er auf der Straße beim kath. Friedhof mit seinem Nachbar Anton Kammann wegen eines Hundes in Streit, wobei er diesem einen Schlag mit dem Stock versetzte. Als dessen Bruder Wilh. Kammann sich nun auf den Ludwig stürzte, versetzte ihm dieser einen Schlag mit einer Kohlenschüppe auf den Kopf, worauf die 2 Brüder in ihr Haus flüchteten und dieHaustür schlossen, was den L. nicht abhielt, noch 3 Revolverschüsse auf die Tür abzugeben. Wilh. Kammann wurde von einer Kugel in die linke Seite getroffen, infolgedessen er 1 Mon. krank feiern mußte. L. wurde unter Annahme mildernder Umstände mit 4 Monaten Gef. bestraft. Bonn 15. Juni. Die Strafkammer hat am 4. Dezember 1912 den Gastwirt Karl Schlingensiepen und die Schiffersehefrau Bungert wegen Urkundenfälschung zu je 2 Wochen Gef. verurteilt. Der Ehemann der Angeklagten B. hatte bei einer Gesellschaft in Dordrecht eine Schuld von 2079 Gulden, wofür er seine Schleppdampfer zur Hypothek gestellt hatte. Weil er wegen dieser Schuld sich sehr ängstigte, spielten ihm die Angeklagten ein angeblich von den Gläubigern herrührendes aber von ihnen fälschlich angefertigtes Schreiben in die Hände, worin es heißt, daß die Schuld durch Ueberschreibung aus dem Guthaben des Herrn K.(eines Freundes der Eheleute Bungert) nunmehr verglichen sei. — Auf die Revision der beiden Angeklagten hob heute das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Aus dem Sachverhalt ist nicht zu entnehmen, ob die Angeklagten eine Täuschung im Rechtsleben beabsichtigen oder ob sie nur auf das Gefühl des Ehemanns B. einwirken und ihn beruhigen wollten. Münster, 15. Juni. Die Strafkammer hat am 14. März den Anstreicher August Becker und den Kaufmann Brockhoff wegen Betruges und Bettelns verurteilt, B. zu 7 Mon. Gef., da wiederholter Rückfal lvorlag. Sie hatten ein Schriftstück angefertigt, in dem ein angeblicher Kaplan einem Tischler bescheinigte, daß er in großer Not und würdig sei, unterstützt zu werden. Während Becker mit dem Schriftstück bei wohlhabenden Leuten vorsprach und Geschenke bis zu 2 Mark erhielt, paßte der Mitangeklagte auf, ob etwa ein Polizei=Beamter erschien. Die von Becker eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Westdeutschland. Köln, 15. Juni. Gestern abend wurde in einem Hause auf dem Sudermanplatz ein unverheirateter Architekt tot aufgefunden; es liegt Gasvergiftung vor. Köln, 16. Juni. Für eine Brunnenanlage hatte Frau Oelbermann eine Summe von 25 000 M gestiftet. Diese Anlage beansprucht eine erheblich höhere Summe, die zu tragen Frau Oelbermann in dankenswerter Weise sich bereit erklärt hat. Die Brunnenanlage soll auf dem Beethovenplatz Aufstellung finden.— Der zwischen Ehrenfeld und Nippes belegene neue Park sollte Herkulespark benannt werden. Der Name fand aber bei den Stadtverordneten keinen Anklang. Diese haben sich jetzt für den Namen Blücherpark entschieden. Köln, 16. Juni. Gestern nachmittag 6,30 Uhr ist am Kaiser Friedrich=Ufer eine 30jährige gut gekleidete Frau mit einem 3jährigen und 3 Monate alten Mädchen in den Rhein gesprungen. Es gelang, die Frau und das 3jährige Kind zu retten, während das 3. Monate alte Kind nicht mehr gefunden wurde.— Gestern nachmittag ist ein 18jähriger Schlosser aus Mülheim beim Verlassen eines Schiffes in den Rhein gestürzt und ertrunken. Köln, 13. Juni. Am 20. und 21. Juli ds. Is. wird der Verband katholischer Gesellenvereine den 100jährigen Geburtstag seines Stifters Adolf Kolping in Köln, der Stadt seiner Arbeiten und Erfolge, feierlich begehen. Bereits richtet ein Ehrenausschuß, an dessen Spitze sich Erzbischof Dr. Felix von Hartmann u. Prinz Max von Sachsen gestellt und dem sich eine langeReihe der besten Namen von Rang und Klang angeschlossen haben, einen Aufruf an alle Mitglieder und Freunde des Gesellenvereins. Gleichzeitig ist das Programm der auf 2 Tage berechneten Feier erschtenen. Prüm 15. Juni. Der Direktor des Kgl. Gymnasiums, Dr. Stern, ist zum Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Direktors des Kgl. Gymnasiums in Koblenz ernannt worden. Königswinter, 15. Juni. Die Stadtverordneten beschlossen die Uebernahme der vom kath. und ev. Frauenverein unterhaltenen Haushaltungsschule auf den städtischen Etat. Kirchen, 15. Juni. Die Bürgermeisterstelle ist unter 400 Bewerbern dem Beigeordneten Zartmann aus Godesberg übertragen. Kreuznach, 15. Juni. Der 34jährige Landwirt Stephan in Weinsheim siel beim Einfahren vom Heuwagen und wurde totgefahren. T Trier, 16. Juni. Eine dichte Menschenmenge umsäumte die Straßen, durch die der Leichenzug für den beim Untergang des Torpedoboots S 178 ertrunkenen Kommandanten Oberleutnant Pies sich bewegte. Er wurde eröffnet und geschlossen durch eine Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 61. Dem Leichenwagen, der den in Marineflaggen eingeschlagenen Sarg barg, flankierten 8 Matrosen. Hinter dem Wagen schritten der Divisionskommandeur, die entsandten Marine=Offiziere und ein unabsehbares Trauergefolge. Glberfeld, 15. Juni. Der Berg. Geschichtsverein beging am 12. d. M. die Feier seines 50jähr. Bestehens. Zahlreiche Nachbarvereine hatten ihre Vertreter gesandt. Düsseldorf, 15. Juni. Bei der Explosion einer Benzinflasche erlitt der 17jährige Mechaniker=Lehrling Franz Hoffmann in Gerresheim so schwere Brandwunden, daß er bald darauf starb. Sterkrade, 15. Juni. Hier starb am Donnerstag ein 6 Monate altes Kind. Da die Vermutung nahe lag, daß das Kind keines natürlichen Todes gestorben war, beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft die Leiche und ließ sie öffnen. Es stellte sich heraus, daß der Tod durch Verhungern eingetreten war. Essen 15. Juni. Das hessische Großherzogspaar ist gestern nachmittag 6,15 Uhr auf dem Hauptbahnhofe eingetroffen und von Herrn Krupp von Bohlen und Halbach empfangen worden. Die Herrschaften begaben sich dann im Automobil zum Hügel. Sonntag wird der Großherzog die vom Verband der Kunstfreunde im Museum ins Werk gesetzte Kunstausstellung eröffnen u. später an der Hauptversammlung des Verbandes teilnehmen. Essen, 15. Juni. Der Großherzog von Hessen besichtigte gestern vormittag gegen 11 Uhr in Begleitung des Herrn Krupp von Bohlen und Halbach unter Führung des Architekten Professor Körner den SynagogenNeubau. Letmathe, 15. Juni. Auf dem BahnhofNachrodt wurde gestern abend ein Bremser aus Esloh, der beim Rangieren unter einen Waggon fiel, totgefahren. Paderborn, 15. Juni. Der 38jährige Arzt und Assistent des hiesigen Krankenhauses, Hans Vogel, besuchte gestern seine Eltern in München, um von ihnen sein großväterliches Erbteil einzufordern. Während ihn die Mutter zu beschwichtigen suchte, kam der 70 jährige Vater herein. Er wurde sofort von seinem Sohne erschossen. Es wird angenommen, daß Vogel irrsinnig ist. Münster, 15. Juni. In der Sitzung des Provinzialverbandes der Vaterländ. Frauenvereine Westfalens, an der als Ehrengäste Oberpräsident Prinz von Ratibor und Landeshauptmann Dr. Hammerschmidt teilnahmen, wurde zunächst der Vorsitzenden, der Fürstin zu Bentheim=Steinfurt, ein von der Kaiserin unterzeichnetes Gedenkblatt überreicht, das ihre 25jährige Tätigkeit im Dienste der Frauenvereine lobend anerkennt. In Münster wurden 5 Kurse zur Ausbildung von Helferinnen abgehalten, außerdem Wiederholungskurse; die Zahl der ausgebildeten Helferinnen wird 300 betragen. Die Mitgliederzahl belief sich Ende 1912 auf 54 829 oder 565 mehr als im Jahre vorher. Die Zahl der Kreisverbände beträgt 8, die der Zweigvereine 140, von denen 3 neu gegründet sind, während 2 eingegangen sind. Das Vermögen der Zweigvereine beträgt 1 174000 Mark neben einem Notstandsfonds von 8600 Mark; der Provinzialverband besitzt ein Vermögen von 53000 Mark, die Schwesternschaft ein solches von 65 000 Mark. Von verschiedenen Seiten sind dem Verband Spenden zugegangen, so namentlich von der Harpener Bergbau=Aktiengesellschaft und von der Gelsenkirchener Bergwerks=Aktiengesellschaft; ein ungenannter Wohltäter in Münster gab 1000 Mark. Mainz, 15. Juni. Im Beisein der Behörden fand gestern mittag hier die Eröffnung des im Jahre 1900 bei der 500jährigen Geburtsfeier des Erfinders der Buchdruckerkunst ins Leben gerufenen Gutenberg=Museums statt. In den Räumen des Museums sind Urkunden ausgestellt, welche auf das Leben des Altmeisters Bezug haben, ferner die 1. Druckwerke und solche die den Werdegang der Typographie bis aus die heutige Zeit darstellen. Heidelberg, 15. Juni. Wegen Raubüberfalls in der Villa Bronner zu Wiesloch erläßt der Staatsanwalt eine Fahndung. Danach fielen in die Hände der 2 Räuber 500 M. bar, 1 goldene Herren=Remontoiruhr mit Kette und dem Monogramm O. B. auf dem goldenen Springdeckel, 1 goldene Damen=Remontoiruhr mit langer Halskette, ein Geldbeutel aus rotem Leder und 1 Revolver. Die Täter werden auf 24 bis 26 Jahre geschätzt. Der eine ist blond mit langen Haaren, der andere schwarz. Beide trugen steife Strohhüte. In der Villa Bronner ließen die Räuber eine schwarze Maske und im Hofe eine Stearinkerze zurück. Es sind Anhaltspunkte vorhanden, daß an dem Ueberfall noch weitere Personen durch Wachestehen sich beteiligt haben und daß alle nach der Tat mit einem Automobil davonfuhren. Feldkirch, 1". Juni. Gestern nacht ist ein Automobil in einen Bach gestürzt; eine Person ist tot, eine schwer verletzt. Das verunglückte Automobil gehörte dem Wagenbauer Büchele aus Hohenems und wurde von die sem selbst gelenkt. Büchele wollte seinen neumontierten Wagen ausprobieren und wettete, gleichzeitig mit dem Schnellzug in Bregenz anzukommen. Bei derBrücke von Lauterach fuhr der Wagen gegen das Brücken=Geländer und stürzte in den Frutzbach. Büchele war sofort tot, sein Chauffeur hat beide Beine gebrochen. aller Welt. Geestemünde, 15. Juni. Selbstmord eines Schulknaben. Beim Schlachthof erschoß sich ein 13jähr. Knabe aus Lehe mit einem Revolver. Man fand bei ihm einen Brief an seine Mutzter und ein Indianerbuch(!), dessen Titelbild einen Selbstmord durch Erschießen darstellt. T Posen, 16. Juni. Der neugewählte Landtagsabgeordnete Propst Witkowski, dem der Bischof die Ausübung eines Mandats untersagt hatte, behält sein Mandat, nachdem die Konfrater das Verbot für ungesetzlich erklärten. Warschau, 16. Juni. Der französische Flieger Brindeionc ist gestern früh 5,25 Uhr aufgestiegen, um über Grodno, Wilna, Dwinsk nach Petersburg zu fliegen. Das Wetter ist sehr schön. Flüchtiger Defraudant. T Berlin, 16. Juni. Nach Unterschlagung von 30 000.40 ist der 50jährige Kassierer Leopold Duda eines hiesigen Hüttenwerks flüchtig geworden. Der Defraudant, der unter dem Vorwand, seinen Bruder besuchen zu wollen, vor 14 Tagen Berlin verließ, ist von dieser Reise nicht zurückgekehrt. Die Nachforschungen ergaben, daß er 30000 AA veruntreut hatte. Man rechnet damit, daß er Selbstmord begangen hat. Erdbeben. Sofia, 16. Juni. Gestern mittag wurde im ganzen Lande ein Erdbeben verspürt. Aus dem Innern des Landes laufen Meldungen ein von bedeutenden Beschädigungen, die durch das Erdbeben verursacht sind. Auch in Salonikt wurde ein heftiges Erdbeben verspürt * TOLT ESSEN-RUIHR Weit unter Preis: Pernihhnunsrunnnnuimzunssunnumaunmzsunzainannosnunmun sunngurseunamsamzuauaumnunsnmuwaunumnsannsnszumnunanung RREEREDEHEREEEEE EEM E Foulard und Twill Immriune ca. 60 cm breit, hervorragende kranzöfliche Qualitäten, verschieden gemultert durchweg per Mieter AL3 Crêpe de Chine u. Radium Imprinné ca. 110 cm brest, kleine aparte Delins, franzölische Fabrikate per Meter 6.75 OiPS Agge * Die Verlobung unserer Tochter Maria " mit dem Herrn August Halbfell Bochum V, beehren * wir uns anzuzeigen Carl Rehling u. Frau s Bochum, im Juni 1913. Maria Rehling August Halbfell Verlobte 8 Bochum, im Juni 1913. S Zur Sommersaisen reinigt und färbt Tan sämtliche Garderoben, Gardinen, Rouleaux, Portieren, Teppiche, Felle, Handschuhe Federn etc. # Polstermöbel reinigt unzertrennt. Desinfektion u. 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Cer 25jährigen Regierungs=Jubiläums Seiner Majestät des Kaisers und Konigs Wilhelm II. in der Stadt Wattenscheid am Montag, den 16. Juni 1913. Vormitttags: Festgottesdienst und Schulfeiern nach Anordnung der Kirchen= und Schulbehörden. Abends 8.30 Uhr: Antreten sämtlicher Vereine der Stadt auf der Bochumerstraße zum gemeinsamen Fackelzuge. Der Zug steht mit der Spitze beim Wirt Seier und marschiert von dort über die Bochumer-, Hoch=, Ost=, Freiheitund Nordstraße zum alten Marktplatze. Daselbst Festansprache und Liedervortrag der vereinigten Gefangvereine, sowie Brillant=Feuerwerk. Hiernach Auflösung des Zuges und Abmarsch der Vereine und Festteilnehmer nach den Festlokalen von Ahlmann, Rörig und Sonnenschein, woselbst stattfinden gegen freien Einlaß für Jedermann. Für den Fackelzug ist durch das Los folgende Reihenfolge der einzelnen Vereine bestimmt: 1. Musikkorps 1. 2. Stadtverordneten=Kollegium. 3. Kriegerverband mit 11 Einzelvereinen. 4. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz. 5. Gesangverein„Frohsinn“. 6. dto.„Germania“(Ahlmann). 7. dto.„Sangeslust". 8. dto.„Germania"(Kesten). 9. dto.„Glückauf". 10. Dilettantenverein„Frohsinn“. 11. Gesellschaft„Fidelia“. 12. Musikkorps 11. 13. Freiwillige Feuerwehr. 14. Turnklub. 15. Turnerbund„Kronenburg". 16. Allgemeiner Turnverein. 17. Turnverein„Deutsche Eiche“. 18. Turnverein(Deutsche Turnerschaft). 19. Ballspielverein. 20. Schützenverein„Kaiser Wilhelm“. 21. Sachsen- und Thüringer=Verein. 22. Hessen=Verein. 23. Sauerländer=Verein. 27. Vogelschutz=Verein„Zweijahr“. 28. Stenographen=Verein„Stolze=Schrey“. 29. Verein der unteren Post= und Telearaphen=Beamten. 30. Verein der Bergvorschüler. 31. Musikkorps III. 32. Evangelischer Knappen=Verein. 33. St. Antonius=Knappen=Verein.„ 34. St. Josefs=Arbeiterverein. 35. Evangelischer Arbeiterverein. 36. Ostpreußischer evangelischer Arbeiterverein. 37. Katholischer Gesellenverein. 38. Evangelischer Gesellenverein. 39. Jünglings=Sodalität(Propstei). 40. dto.(St. Josef). 41. Evangelischer Männer= und Jünglings=Verein. 42. Katholischer Kaufmännischer Verein„Markania“. 43. Verein selbständiger Gewerbetreibender. 44. Allgemeiner Bergman ae. Selik. 46. Fuhrverein„Fahrwohl“ 47. Schlesischer Knappenverein. 48. Christlich=sozialer Arbeiterverein. 49. Bäckergesellenverein„Germania“. 50. Werkverein„Centrum“. 51. Bürger, welche keinem Verein angehören. D anns=Unterstüt 4. Allgemeiner Bergmanns=Unrerstützungsverein. 5. Deutsch=nat. Handlungsgehülfen=Verband(Ortsgruppe) 6. Fuhrverein„Fahrwoh.. 24. Rheinländer=Verein. 25. Brieftauben=Liebhaber=Verein„König der Lüfte“. 26. dto.„Vereinte Freunde“. Die aufgeführten Vereine werden ersucht, pünktlich und vollzählig zur Stelle zu sein. Fackeln haben die Teilnehmer selbst zu stellen. Zur Hebung der Feier wird die Bürgerschaft gebeten, am Festtage zu flaggen. Wattenscheid, den 12. Juni 1913. Die Fest=Kommission: Der Vorsitzende. Wibberding, Bürgermeister. Ein schwarzer mit braunen Flecken, auf den Namen Lux hörend, ist abhanden gekommen. Gegen Belohnung abzugeben Wattenscheid, Chausseestr. 29 Vor Ankauf wird gewarnt. Welin Fran Vongardt, Gelsenkirchen, Weststr.2 HBIRAT wünschen viele Mädchen und Witwen mit Vermög. Heinrich Schäfer, Essen, Herkulesstraße 47.(Rückporto erb. LURHO zwischen Gelsenkirchen und Wattenscheid. Ringsum gute Arbeitsgelegenheit Zechen Rheinelbe, Holland Morgensonne, Zentrum und Boni fazius Schule im Ort, Kirche in Aussicht, billige gesunde Hohnungen und Bauland zu haben. Haus= und GrundbesitzerVerein Leithe. Zuerstrager ie## ampmanr ausschlag, Pickel, Mitesser, Flechten von schwinden meist sehr schnell, wenn man den Schaum von Zucker': Patent- Medizinal- Seife, à St. 50 Pf.(15%ig) u. 1,50 M. 35%ig, stärkste Form) abendt leintrocknen läßt. Schaum erst morgens abwaschen und mait Zuckooh-Creme(à 50 uni 75 Pf. 2c.) nachstreichen. Großartige Wirkung, von Tausenden bestättgt. Bei C. Berghaus Nchf.,#. Feldhosf. O. 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