O Heil Dir, Fürst vom Zollernstaum! Du bist des Zepters wert! Du suchest Deines Volkes Glück Und nicht das rauhe Schwert, Daß deutsche Arbeit, deutsche Kunst Gedeih' allüberall— — Im Frieden singt, im Sturmesbraus Verstummt die Nachtigall: Und wenn sich an dem Jubeltag Dein Volk mitfreut des Glücks, Schau'n Millionen, dankerfüllt Zum Lenker des Geschicks, Daß er Dir und den Deinen bleib' Im Leben Stab und Steg, Treu Deinem alten Wappenspruch: Guet Zolre alleweg! Die Fahnen hoch! Die Herzen auf! Den Blick zum Thron empor! Germanenvolk! Ein Ehrentag Ruft dich! Im Sonnenflor Stieg er aus dunklem Zeitenschoß Und trägt auf Flügeln hold Die alte, güldne Krone heut, Der Treue Strahlengold. Und was der Väter Heldenfaust In heißem Sturmesweh'n Mit Blut und Eisen einst erkauft Und glorreich ließ erstehn, Dies Erbe einer großen Zeit, Umrauscht vom Zollernaar, Führst, Deutschlands Friedenskaiser, Du Run fünfundzwanzig Jahr. B. Wagner. Kee Nr. 135.(1. Blatt.) Samstag, den 14. Juni 1913. 45. Jahrgang„„„ g e g e ü n d e t 1 8 0 8 g. K# 3 c 5 4#— :* gegälndet 1808 (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gessenklrchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, unserrereensens : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet i : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet i 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). ossssessssseersssssssss: ssee Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.=Zeitung. Teleson 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. (Neueste Nachrichten.) in Stadtund Ant Wattenscheid, Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin; zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach; Erhalt der Rechnung. 1 Dunkle Trauerschatten hingen im Jahre 1888 auf Deutschland hernieder. 2 Kaiser waren wenige Monde nacheinander ins Grab gesunken, erst jener herrliche Greis, Kaiser Wilhelm der Große, der uns den Barbarossatraum zur Wirklichkeit hat werden lassen, und in dem Herrscher und Volk gewissermaßen eins geworden waren, und dann jene prachtvolle Siegfriedsgestalt an allen Gaben des Geistes und Körpers, der Liebling der Nation, Kaiser Friedrich 3. In noch jugendlichem Alter ward Kaiser Wilhelm 2. urplötzlich auf den Thron berufen. Kein Wunder, daß sich da Zweifel in manche Seele senkten und Besorgnis hier und da den Sinn umwölkte. Aber wie bald sind alle bangen Zweifel gelöst und die Sorge in lichte Freude gewandelt worden! Und wenn wir jetzt auf die hinter uns liegenden 25 Jahre zurückblicken, so ist es nur ein Gefühl, das uns beherrscht: Dank, inniger, freudiger Dank gegen Gott, der uns in schwerer, an bedeutungsvouen Entwickelungen reicher Zeit einen solchen Kaiser gegeben, und gegen unsern Kaiser, der alle seine hohen Gaben so ganz und gar in den opferwilligen Dienst für Volk und Vaterland gestellt hat. Wenn man das Wesen und Wirken eines Menschen recht begreifen will, so muß man es von einem Einheitspunkte, von einer zentralen Stelle aus zu erfassen suchen. Wo liegt nun dieses Zentrum der Persönlichkeit bei unserem Kaiser? Wir meinen: es liegt in seinem eigenartigen monarchischen Bewußtsein, in seiner Auffassung von dem monarchischen Berufe. Kaiser Wilhelm 2. betrachtet sich als einen echten und rechten Herrscher von Gottes Gnaden. Niemandem anders als Gott allein verdankt er die kaiserliche Würde. Wer sich aber so in unmittelbarer, lebendiger Beziehung mit Gott fühlt und weiß, der kann garnicht anders als von echter, tiefer Religiösität durchdrungen sein. Darum ist auch eine wurzelstarke Religiösität, ein frommer, warmherziger Christenglaube das oberste Kennzeichen unseres Kaisers. Wer sich als Herrscher von Gottes Gnaden fühlt, der muß notwendigerweise von Stolz auf seine Würde durchdrungen sein und in jedem Versuche ihrer Schmälerung einen Eingriff in die göttliche Willenssphäre erblicken. Ein stolzer Herrschersinn und ein starker Herrscherwille sind die unabweisbare Konsequenz und das unentbehrliche Requisit des Gottesgnadentums. Auch unser Kaiser besitzt solchen Stolz und Willen. Toren, die daran mäkeln wollen. Wir freuen uns dessen. Eine Monarchie, deren Träger das stolze Gefühl gottgewollter Sendung und den starken Willen zur Selbstbehauptung verloren hat, ist keine Monarchie mehr. Der Christengott aber ist ein Gott der Ethik, ein Gott höchster sittlicher Forderungen. Wer aus seiner Hand ein Amt empfangen hat, der hat es, um mit Fichte zu sprechen, als das „versinnlichte Material der Pflicht“ empfangen, der hat es empfangen, damit er es zum Besten seiner Mitmenschen verwalte. Das gilt naturgemäß in erster Linie von dem kaiserlichen Amte. So ist der Glaube des Gottesgnadentums für unseren Kaiser zum kraftvollsten Ansporn opferwilliger Hingabe an das Gemeinwohl geworden. Sein hochgespanntes Pflichtgefühl, sein unablässiger Tätigkeitsdrang, seine nimmer wankende Arbeitsfreudigkeit, sie wurzeln in dieser Quelle. Doch auch der regste Pflichteifer und das edelste Wollen bleiben fruchtlos, wenn ihnen die rechte Zielweisungen oder das Verständnis für die Wahl der zum Ziele führenden Wege fehlt. Ganz besonders gilt dies für das Amt eines Monarchen, wo sich die ihrer Lösung harrenden Aufgaben in schier unabsehbarer Fülle herandrängen und die Ziele des Schaffens einem steten, durch die Zeitverhältnisse bedingten Wandel unterliegen. Hier ist der Punkt, wo zum vollen Erfassen des Geheimnisses der Persönlichkeit unseres Kaisers und seines Wirkens neben dem seelischen Faktor des im Gottesgnadentum wurzelnden Glaubens auch geistige, intellektuelle Faktoren herangezogen werden müssen. Kaiser Wilhelm 2. ist mit reichen Geistesgaben ausgestattet, und diese haben der Betätigung seines monarchischen Pflichteifers den Erfolg gesichert. Nichts Größeres läßt sich von einem Monarchen aussagen, als daß er seine Zeit begriffen und ihren Aufgaben und Forderungen gerecht zu werden verstanden hat, und das trifft auf unseren Kaiser im vollsten Maße zu. Kaiser Wilhelm 2. besitzt ein eindringendes Verständnis für das innerste Wesen und die treibenden Kräfte der Gegenwart und hat aus diesem Verständnis die richtigen Folgerungen für die Praxis seines politischen Wirkens zu ziehen gewußt. Mit regstem Eifer hat er sich das sozialpolitische Vermächtnis seines Großvaters, unseres hochseligen Heldenkaisers Wilhelm 1. zu eigen gemacht. Kaiser Wilhelm 2. hat erkannt, daß man empordrängende Kräfte am besten zu meistern vermag, indem man sie nicht unterdrückt, sondern in die rechte Bahn lenkt. Unser Kaiser ist ferner, wie sich dies ebenfalls schon aus seiner christlichen Grundauffassung ergibt, ein aufrichtiger Friedensfreund. Aber er weiß, daß die beste Friedensbürgschaft ein allzeit kampfbereites, scharfgeschliffenes Schwert ist, und so ist der Friedenskaiser zugleich ein Soldatenkaiser und ein — Flottenkaiser. In einer Zeit, da dem sich gewaltig reckenden deutschen Volkskörper die Grenzen des alten Europa zu eng geworden sind, da die Erzeugnisse deutschen Gewerbefleißes auf allen Meeren der Erde schwimmen, da wir mit Millionen von Fäden in die Weltwirtschaft verflochten sind, mußte sich zur Sicherung des Friedens, zur Erhaltung und Mehrung des nationalen Wohlstandes, nationaler Macht und Ehre dem Schwerte der Dreizack zugesellen. Dies rechtzeitig erkannt und in die Tat umgesetzt zu haben, bleibt das unsterbliche Verdienst Kaiser Wilhelms 2. Wie als Träger des Flottengedankens, so empfindet, denkt und handelt unser Kaiser aber auch in anderen Stücken durchaus zeitgemäß. Daher sein umfassendes und eindringendes Verständnis für die Probleme der Technik, sein brennendes kolonialpolitisches Interesse und sein Reformeifer auf dem Gebiete der Schule. Und nun noch eins. Wer sich ein wahrheitsgetreues Bild von der geistigen Persönlichkeit unseres Kaisers machen will, der muß ihn sich vorstellen mit einem klaren, scharfen Auge, das zielsicheren Blickes in die Weite späht und die Zukunft zu durchdringen sucht, und wiederum mit einem Auge, das in stiller, liebevoller Versenkung auf den Gebilden der Vergangenheit ruht. Kaiser Wilhelm 2. ist eine moderne, aber gleichzeitig auch eine durchaus geschichtlich empfindende Persönlichkeit. Daher seine Vorliebe und sein Verständnis für alte Burgen und Klöster, daher seine eifrige Pflege historischer Traditionen in der Armee und daher seine tiefe Sehnsucht nach den Stätten des klassischen Altertums, die ihn immer wieder hinzieht zu den sonnendurchtränkten, farbensatten Fluten des Mittelmeeres, in dessen Umkreis sich einst die Geschicke der antiken Völkerwelt vollendeten. In der Verbindung geschichtlichen Sinnes und moderner Denkart liegt nicht nur geistige Größe, sondern die Verschmelzung dieser Gegensätze auf dem Throne birgt für ein Volk auch segensvolle Wohltat in sich. Denn sie bewahrt es vor den üblen Folgen sprunghafter Neuerungen und sichert seiner Entwickelung einen steten, besonnenen, das Alte mit dem Neuen organisch verknüpfenden Fortschritt. Darauf aber beruht das Heil der Nationen. Alles in allem, es ist etwas Großes und Herrliches um unseren Kaiser. Wir besitzen in ihm einen kostbaren Schatz, um den uns alle Völker des Erdenrundes beneiden. So blicken wir denn nochmals dankerfüllten Herzens zurück und logen zugleich vorwärtsschauend unsere innigsten Wünsche an den Stufen des Thrones nieder. Gott schenke unserm Kaiser zum Wohle Deutschland noch lange Jahre einer friedvollen und gesegneten Regierung! Gott schütze und schirme ihn und die hohe Lebensgefährtin an seiner Seite und das gesamte kaiserliche Haus! Heil unserem erhabenen Herrscher, Heil Kaiser Wilhelm 2.! Heer unter Kaiser Wilhelm 2. „So gehören wir zusammen. Ich und dieArmee, so sind wir füreinander geboren, und so wollen wir unaufhörlich fest zusammenhalten, möge nach Gottes Willen Friede oder Sturm sein, und Ich gelobe, stets dessen eingedenk zu sein, daß die Augen Meiner Vorfahren aus jener Welt auf Mich herniedersehen, und daß Ich Ihnen dermaleinst Rechenschaft über den Ruhm und die Ehre der Armee ablegen werde.“ Mit diesen Worten hat Kaiser Wilhelm 2. nach seinem Regierungs=Antritte im Jahre 1888 das Heer begrüßt, und getreulich hat er das in ihnen enthaltene Gelübde bis auf den heutigen Tag erfüllt. Wie fast alle Hohenzollern Soldat durch und durch, hat er es stets für seine vornehmste Regentenpflicht gehalten, unablässig an der Vermehrung der Armee und der Vervollkommnung ihrer Einrichtungen zu arbeiten. Um den Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht zu sichern, die schon durch das Wehr=Gesetz vom 3. September 1814 zu einem bleibenden Gute unseres Volkes geworden ist, und zugleich den wechselnden Verhältnissen der auswärtigen Lage Rechnung zu tragen, ist der Bestand der Armee, wie ihn KaiserWilhelm 2. bei seiner Thronbesteigung übernommen hatte, durch eine Reihe von Wehrvorlagen Schritt für Schritt erhöht worden. Als eine der wichtigsten dieser Vorlagen darf diejenige gelten, die nach schweren parlamentarischen Kämpfen und erfolgter Auflösung des Reichstages am 3. August 1893 Gesetzeskraft erhielt. Durch den Artikel 1 dieses Gesetzes wurde die Friedensstärke des Heeres für die Zeit vom 1. Oktober 1893 bis zum 31. März 1899 auf 538 Bat., 173 Halbbat., 465 Esk., 494 Batt., 37 Fußart.=, 23 Pion.=, 7 Eisenbahn=, 21 Train=Bat., zuf. 479 229 Gemeine als Jahresdurchschnittsstärke festgesetzt. Artikel 2 enthielt Bestimmungen über die Einführung der 2jährigen Dienstpflicht für alle Mannschaften mit Ausnahme der Kavallerie und reitenden Feldartillerie, die vorläufig freilich nur für die gleiche Zeit wie die angeführte Präsenzstärke, d. h. bis zum 31. März 1899, gelten sollten. Ferner wurde durch das Gesetz vom 3. August 1893 der Uebergang vom Septennat zum Quinquennat vollzogen. Demgemäß sollte in Zukunft die Friedenspräsenzstärke nicht mehr wie bisher auf 7 Jahre, sondern nur noch auf 5 Jahre festgelegt werden. Neben dem Wunsche des Reichskanzlers sprach hierfür auch das militärische Interesse, da die bisherigen Erfahrungen die Unmöglichkeit einer 5 Jahre überschreitenden Festsetzung dargetan hatten. Durch die beiden Gesetze vom 25.März 1899 fand alsdann eine weitere Vermehrung des Heeres statt, und zugleich wurde die 2jährige Dienstpflicht zur dauernden Einrichtung erhoben. Das letzte Wehrgesetz erging unter dem 14. Juli 1912. Es brachte unter anderem die Bildung zweier neuen Armeekorps, des 20. im Osten und des 21. im Westen. Daß aber auch mit den bisherigen Verstärkungen die Höhe des notwendigen Armeebestandes noch nicht erreicht worden ist, beweist die Wehrvorlage, die gegenwärtig der Beschlußfassung des Reichstags unterliegt. Erst durch ihre Annahme vermag dem Vaterlande der erforderliche Schutz geschaffen und der Frieden gesichert zu werden. Es wäre daher eine unverzeihliche und die vaterländischen Interessen aufs schwerste gefährdende Torheit, wollte die Volksvertretung sich ihrer unverkürzten Bewilligung entziehen. Aber auch das an Zahl reichste Heer vermag nichts ohne innere Stärke. Der Quantität muß die Qualität ergänzend zur Seite treten. Und auch in dieser Hinsicht hat es unser Kaiser an nichts fehlen lassen, sondern vielmehr als echter Soldatenkaiser Tag und Nacht daran gearbeitet, das Heer in Organisation, Taktik, Disziplin, Bekleidung und Bewaffnung auf der nötigen Höhe zu erhalten. Nur weniges vermag hier aus der übergroßen Zahl der getroffenen Neuerungen und Verbesserungen namhaft gemacht zu werden. Noch in dem gleichen Jahre der Thronbesteigung unseres Kaisers erfolgte unter dem 1. September 1888 der Erlaß eines neuen Reglements für die Infanterie. Von ihm urteilt einer der besten Kenner unseres Militärwesens, der Oberstleutnant Frhr. von der Osten=Sacken und von Rhein:„Alles, was alt oder überlebt war oder die kriegsmäßige Ausbildung unnötig erschwerte, war beseitigt. Dafür waren kurz und klar neue Grundsätze aufgestellt, die allen Anforderungen der Neuzeit gerecht wurden. Geradezu mustergültig war die Verbindung altpreußischer Strammheit mit höchster Biegsamkeit der Formen.“ Für die Taktik der verbundenen Waffen oder das Zusammenwirken der verschiedenen Truppengattungen hat die zur Zeit gültige Felddienst= und Manöverordnung vom 22. März 1908 vielfach völlig neue Gesichtspunkte aufgestellt. Aus jeder ihrer Zeilen spricht in gleicher Weise wie aus den Reglements der verschiedenen Waffen die Tendenz einer wirklich kriegsmäßigen Ausbildung. Hinsichtlich der Bewaffnung sind vor allem die Ausrüstung der gesamten Kavallerie mit Stahlrohrlanzen durch die Order vom 2. Januar 1890, die Einführung der Maschinengewehre, der Feldhaubitze, der Rohrrücklauflafette, des Gewehrs 98, der S=Patrone und des rauchschwachen Pulvers zu nennen. Im engen Zusammenhange mit den Fortschritten der Bewaffnung steht ferner die immer ausgedehntere Nutzbarmachung der verkehrstechnischen Errungenschaften unserer Zeit, wie der drahtlosen Telegraphie, des Kraftfahrzeugwesens, der Luftschiffahrt und der Flugmaschinen, für unser Heerwesen. Auf dem Gebiete der Uniformierung hatte der Burenkvieg eine weitreichende Umwälzung angebahnt. Im Anschlusse an die Erfahrungen dieses Krieges wurden überall Versuche mit sich möglichst wenig abhebenden Uniformen gemacht. Für Deutschland war das Ergebnis die Einführung einer feldgrauen Kriegsbekleidung, die für die gesamte Kriegsarmee bereits fertig daliegt. Doch auch die besten Heereseinrich= tungen organisatorischer, taktischer und technischer Art versagen, wenn der Geist, der die Truppen beseelt, nicht der richtige ist. In Erkenntnis dieser Sachlage hat denn unser Kaiser auch der Pflege und Heranbildung des echten soldatischen Geistes im deutschen Heere stets sein eifrigstes Augenmerk zugewandt. Eines der zahlreichen Beispiele hierfür ist sein Bemühen, den Luxus im Offizierkorps zu verhindern.„Ich schätze diejenigen Regimenter besonders hoch, deren Offiziere sich mit geringen Mitteln einzurichten und doch ihre Pflicht mit der Befriedigung und Freudigkeit zu erfüllen wissen, die den preußischen Offizier von altersher ausgezeichnet hat... Dem Ueberhandnehmen des Luxus in der Armee muß mit allem Ernste und Nachdruck entgegengearbeitet werden.“ In dieses Kapitel gehört ferner auch die erfreuliche Tatsache, daß Kaiser Wilhelm 2. bisher allen Versuchen, die Einheitlichkeit und Eigenart des deutschen Offizierkorps durch Zulassung fremdartiger Elemente zu zerstören, unbeugsamen Widerstand entgegengesetzt hat. Möge es für alle Zukunft so bleiben. Endlich hat auch der soziale Geist, dessen Einwirrungen“ sich die Persönlichkeit unseres Kaisers ja überhaupt so außerordentlich erschlossen zeigt, dem deutschen Heerwesen der Gegenwart tiefreichende Spuren eingeprägt. Zeugnis hiervon legt unter anderem die Reform des Beschwerderechts im Sinne der Erleichterung von Beschwerden und die Umgestaltung des Militärgerichtswesens ab, die ihren Ausdruck in der neuen Militär=Strafgerichtsordnung vom 1. Dezember 1898 gefunden hat. Die größere Milde des Verfahrens, die das Wesensmerkmal der neuen Militärstrafgerichtsbarkeit ist, aber hat der Disziplin im deutschen Heere bisher keinen Eintrag getan. Vielmehr ist die Zahl der Mißhandlungen auf die Hälfte zurückgegangen, und ebenso hat die Zahl der schweren Verstöße gegen die militärische Unterordnung wie diejenige der Ehrenstrafen verhältnismäßig abgenommen. Wie in der Gerichtsbarkeit so hat die soziale Fürsorge für Offiziere und Mannschaften aber auch in der Verbesserung der Kost, in der Erhöhung von Gehältern und Löhnung, in der Errichtung von Soldatenheimen, Soldatenbibliotheken und Genesungsheimen, in der Gewährung von Kapitulationszulagen und Dienstprämien, endlich in dem Ausbau des Pensions= und Hinterbliebenenwesens zahlreiche und erhebliche Fortschritte gezeitigt. Unserem Kaiser ist es bisher nicht beschieden gewesen, seine unzweifelhaft hervorragenden Fähigkeiten als Heerführer im Kriegsfalle zu erproben. Aber daß es ihm gelungen ist, dem deutschen Heere seinen alten kriegerischen Geist zu erhalten, das beweist der Heldenmut, mit dem sich unsere Soldaten in Ostasien und Südwestafrika geschlagen haben. Das erfüllt uns mit Hoffnung für die Zukunft. Denn die Eigenschaften des Kriegers sind das edelste Gut einer Nation und die sicherste Bürgschaft ihres Bestehens. 25 Jahre deutsche Kaiserin. In den festlich=frohen Tagen des Regierungsjubiläums unseres Kaisers, da das segensreiche Wirken Wilhelms II. während der letzten 25 Jahre mit freudigem Stolze und aufrichtigem Dank vom ganzen deutschen Volke gefeiert wird, ziemt es sich auch, in verehrungsvoller Liebe der hohen Frau zu gedenken, die an des Kaisers Seite den Thron des deutschen Reiches seit 25 Jahren ziert. Denn wenn die Würden und Bürden der Regierungstätigkeit auch allein vom Kaiser getragen werden, und deren erfreuliche Erfolge allein seiner Tatkraft und Umsicht zu danken sind, so hat unzweifelhaft unsere Kaiserin daran insofern einen starken Anteil, als der Kaiser wohl doch nicht so frei und froh hätte schaffen können, hätte er nicht bei ihr jederzeit feines Verständnis, liebevolle Förderung seiner Pläne, und in seinem Familienleben ein so reines, stilles Glück, so sichere, stärkende Erholung von seiner Arbeit Mühen gefunden. Der Kaiser selbst hat diesen innigen Anteil seiner erhabenen Lebensgefährtin an seiner Regierungsarbeit bestätigt“..„, als er an öffentlicher Tafel zu Glücksburg in Schlewswig=Holstein in Gegenwart der Kaiserin sagte:„Das Band, das mich mit dieser Provinz verbindet und sie vor allen andern Provinzen meines Reiches an mich kettet, das ist der Edelstein, der an meiner Seite glänzt, Ihre Majestät, die Kaiserin. Dem hiesigen Lande entsprossen, das Sinnbild sämtlicher Tugenden einer germanischen Fürstin, danke ich es ihr, wenn ich imstande bin, die schweren Pflichten meines Berufes mit dem freudigen Geiste zu führen und ihnen obzuliegen, wie ich es vermag.“ Am 27. Februar 1881 im Schlosse zu Berlin mit dem damaligen Prinzen Wilhelm getraut, hat unsere Kaiserin 7 Jahre lang als Prinzessin Wilhelm an der Seite ihres hohen Gatten ein stilles Familienglück fern. von Politik genossen und ihm das Haus zur liebsten Stätte auf Erden gemacht. Durch den Tod Kaiser Wilhelms I. (9. März 1888) Kronprinzessin und durch das frühe Ende Kaiser Friedrichs III.(15. Juni 1888) auf den Thron berufen, hat sie es verstanden, der Familie trotz aller höfischen und politischen Rücksichten und Behinderungen stets den Charakter als Mittelpunkt der kaiserlichen Lebensführung zu erhalten. Im Kreise der Familie, in der sechs blühende Söhne und eine liebliche Tochter ihm aufblühten, haben sich der Kaiser und die Kaiserin stets am glücklichsten gefühlt, und die Herzlichkeit, Innigkeit und Liebe im Verhaltnis der kaiserlichen Eltern und ihrer Kinder zueinander ist ein leuchtendes, das beste Vorbild für das deutsche Familienleben überhaupt. Seit ihrer Thronbesteigung ist der Kaiserin eine gewaltige, edle und schöne Aufgabe erwachsen, die, einem ganzen, großen Volke die treue, fürsorgende Landesmutter zu sein. Wie der Begründung und Erhaltung ihres Familienglücks, so hat sie auch dieser wei * eren Aufgabe sich mit selbstloser Hingebung und nimmernüder Schaffensfreudigkeit gewidmet und ihre Aufgabe schon setzt glänzend gelöst. Wo immer sie Gutes tun, Not lindern, Tränen trocknen, Liebes erweisen kann, da ist sie mit Freuden und sofort bereit, und Tausende und Abertausende danken ihr für Hilfe und Trost in Kummer und Leid, für Errettung aus Unglücksschwere und Krankheitsgefahr. Um wirksam auch dort helfen zu können, wo ihre eigenen Mittel nicht ausreihen, hat die Kaiserin von jeher gewußt, auch Herzen und Hände begüterter Verwandten und Bekannten willig zu wohltätigem Werke zu machen. Ja, sie ist stets darauf bedacht gewesen, durch größere Vereine und Anstalten die Zahl der helfenden Kräfte zu vermehren. Von solchen Vereinen, die die Kaiserin selbst ins Leben gerufen hat und fortdauernd anregt, seien hier nur der Evangelisch=Kirchliche Hilfsverein und die Frauenhilfe genannt. Ganz besondere Liebe und Fürsorge widmet die Kaiserin der Ausbreitung und Förderung des hristlichen Glaubens, in dem sie das höchste, letzte, einzige Heil der Menschheit erblickt. In Berlin und an anderen Oren hat sie zahlreiche Kirchen aufrichten, Prediger und Stadtmissionare anstellen lassen. Als echte Landesmutter hat sich die Kaiserin auch an die Spitze der Arbeit gestellt, die im „Kaiserin Auguste Viktoria=Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reich“ so außerordentlich viel Hutes für unser Volkswohl stiftet. In dieser umfassenden, segensreichen Arbeit auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und der Glaubenspflege besteht der dauernde Ruhm unserer Kaierin als Landesmutter, auf ihren echt weiblichen Tugenden deruht die Tatsache, daß sie als Vorbild der deutschen Hausfrau und Mutter gilt, und das Verständnis und die Förderung, die der Kaiser für seine Herrscheraufgaben stets bei seiner Gattin gefunden hat, kennzeichnen den innigen Anteil, den auch innerlich unsere Kaiserin an der fünfundzwanziglährigen Regierung des Kaisers genommen hat. Der Kaiser in der westfal. Mark. In diesen Tagen sieht ganz Preußen— Deutschland— frohen und dankbaren Herzens nach Berlin. Alldeutschland huldigt der friedliebenden und tatenreichen Persönlichkeit des Kaisers. Das tiefe Bedürfnis, auf allen Gebieten kulturellen Lebens wegweisend zu wirken, und vor allem mit allen Landesteilen persönliche Fühlung zu nehmen, spricht sich in seinen Reden aus und tut sich in seinen Reisen kund. Daß es dem deutschen Kaiser daneben auch Freude macht, die deutschen Landschaften und Stämme kennen zu lernen, hat er dem bekannten bayerischen Dichter Ganghofer gegenüber einmal ausgesprochen. In früheren Zeiten unternahmen die Landesväter Reisen, um sich persönlich zu unterrichten, welche Maßregeln getroffen werden sollten. Die Zeiten dieser patriarchalischen Regierung sind längst vorüber. Die Reisen moderner Herrscher, wie die Reisen unseres Kaisers, entspringen meist dem Wunsche, besondere wichtige Tage— Gedenktage vaterländischer Geschichte, kultureller oder sozialer Werke und Unternehmungen— mit seinem Volk zu feiern, und dadurch das Band der Liebe und der Treue zwischen Fürst undVolk aufs neue und enger zu befestigen. Solche Tage waren es auch, die unserem Kaiser zum Besuch unserer Mark mehrfach Anlaß gaben, und deren wir uns heute gern erinnern. 1. Für den 11. August des Jahres 1899 hatte sich die Grafschaft Mark, insbesondere deren nördlicher Teil, der Hellweg, zu einer bedeutsamen Feier in Dortmund gerüstet. Die Feier galt einem großen Werke, der feierlichen Eröffnung des Dortmund=Ems=Kanales, an dessen Herstellung 6 Jahre lang gearbeitet worden war. Durch diese Wasserstraße sollten hervorra' gende Industrieorte des Ruhrkohlengebietes mit den Seehafenplätzen der Ems und weiterhin mit dem Weltmeer verbunden werden. In 1. Linie wurde damit der alten Hansastadt Dortmund eine große, ihrer Vergangenheit würdige, ja sie weit übertreffende Zukunft ermöglicht. Der dortige Hafen ist einer der größten Binnen=Häfen Deutschlands. Der Kaiser hatte der Bitte des Magistrats, dem Tage durch seine Gegenwart die Weihe zu geben, gern entsprochen. Eine unbeschreibliche Freude bemächtigte sich der Bevölkerung, die nun den Kaiser zum 1. Male auf märkischem Boden begrüßen durfte. Die Enttäuschung war nicht klein, als der Kaiser zuerst wegen einer Krankheit der Kaiserin ein Absageschreiben sandte. Als eine Besserung in dem Befinden der erlauchten Patientin eintrat, wiederholte der Dortmunder Magistrat seine Bitte, worauf am 8. August die Antwort einlief:„Gerührt durch die treue Anhänglichkeit der Westfalen habe ich mich entschlossen, zur Einweihung des Dortmund=Ems=Kanals am 11. August nach Dortmund zu kommen“. Verflogen war der Scherz der Märker. Bis zum Festtage sind alle Vorbereitungen bis zum Empfange beendigt. Der 11. August, ein Sonnentag, sieht gewaltige Volksscharen am Hafen und am Kanal. Viele Vereine und 20000 Schulkinder bilden Spalier. Von Rauxel aus, wo der Hofzug eingelaufen ist, beginnt die Fahrt auf dem Kanal. Das Kaiserschiff fährt nach Henrichenburg, wo das gewaltige Schiffshebewerk in Funktion tritt, und von dort nach dem Hafen, umbraust von dem nicht endenwollenden Jubel des Volkes. Auf der Landungsbrücke begrüßt der Kaiser den Oberbürgermeister, und begibt sich, wie immer, die begeisterten Grüße des Volkes freundlich erwidernd, nach dem Kaiserzelte. Von dort aus bietet sich ihm das buntbewegte interessante Bild der geladenen Gäste, darunter die hervorragendsten Vertreter unserer Industrie, dar, umrahmt von der frohbewegten Volksmenge. Ein westfälischer Sängerchor von 600 Stimmen begrüßt den Kaiser durch erhebende Lieder; für die er frohbewegten Herzens dankt. Seine Worte gelten vor allem der Würdigung des bedeutungsvollen Werkes, dessen Eröffnung gefeiert wird. Nach dem Festakt besichtigt er mit Interesse größere industrielle Werke und fährt dann zum altehrwürdigen Dortmunder Rathaus. Manchen deutschen Kaiser hat der Rathaussaal im Mittelalter aufgenommen, nun wieverholt sich die glanzvolle Szene. Dann galt sein Besuch noch dem Kaiser Wilhelms=Hain, der das Denkmal des 1. Hohenzollernkaisers und eine Eiche in sich birgt, die der Kaiser selbst als Knabe gepflanzt hatte. Alle, denen es vergönnt war, diese Tage mitzufeiern, gedenken heute mit Frende und Dank daran zurück, daß der Kaiser trotz großer Schwierigkeiten es sich damals nicht nehmen ließ, bei der Eröffnung dieses bedeutungsvollen Werkes selbst zugegen zu sein und dadurch sein warmes Interesse für das Wohl der Grafschaft Mark zu bekunden. Sein letzes Wort gelegentlich seines damaligen Besuches:„Auf Wiedersehen!“ hat er in nicht zu langer Zeit darauf wahr gemacht. 2. Ein Wiedersehen zwischen dem Kaiser und dem märtischen Volb; gab es schon nach 10 Jahren. im Jahre 1909, dieses Mal am 10. August auf der unweit Dortmund gelegenen alten Sachsenveste Hohensyburg. Eine Krankheit seiner Mutter hatte den Kaiser im Jahre 1902 verhindert, an der Einweihung dieses Denkmales teilzunehmen, das die dankbare Grafschaft Mark zu Ehren Kaiser Wilhelms 1. und seiner Paladine mit einem aus freiwilligen Mitteln aufgebrachten Kostenaufwande von 900000 M erbaut hatte. Der Kronprinz war damals sein Vertreter gewesen. Die Jubelfeier der 300jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Mark zu Preußen, die auf der Hohensyburg begangen werden sollte, bot eine willkommene Gelegenheit, das Kaiserpaar einzuladen. Dieses gab der Bitte gern Gehör. Nach langen Regentagen brach ein sonniger Hohenzollerntag an. Gewaltige Menschenmassen— weit über 100 000— aus dem dichtbevölkerten Industriegebiet und dem Sauerlande waren schon früh morgens unterwegs. All' die Tausende wollten in weihevoller, ernster Stimmung, dankbar bewegten Herzens mit dem Erben der märkischen Grafenkrone des gemeinsamen Glückes und der gemeinsamen Not, der Arbeit und des Segens gedenken, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart Fürst und Volk in gegenseitiger Treue zuteil geworden waren, aber sie wollten dem Landesvater auch die im Märkerherzen heute noch wurzelnde alte Felsentreue bekunden und nicht zum wenigsten ihrem Kaiser auch gern einmal ins Auge schauen. Das bunte Bild, welches an jenem Tage die Hohensyburg und ihre nähere Umgebung bot, ist unvergeßlich. Neben den Vertretern des Adels waren 500 Vertreter der heimischen Industrie erschienen, 600 Knappen und 1000 Turner hatten vor dem Denkmal Aufstellung genommen, die Sängertribüne füllte ein 1450 starker markischer Sängerchor, daneben wurden 800 Posaunenbläser als Vertreter der Jünglings= und Jugendvereine gezählt. Nicht weniger als 60000 Krieger= und Landwehrleute, Schulkinder, Handwerker und Arbeiter u. a. bildeten auf dem Wege zum Denkmal Spalier. In Wetter, welches bei der Gelegenheit zur Stadt erhoben wurde, betrat das Kaiserpaar mit glänzendem Gefolge den märkischen Boden. Der Weg im Automobil zur alten Sachsenfeste hinauf glich einem Triumphzuge. Oben von der Höhe der Syburg grüßten drei mächtige, in den Anlagen aufgestellte Glocken aus heimischem Gußstahl mit ihrem weit in die Lande hallenden gewaltigen Geläut. Bedeutungsvoll waren die Worte, die bei diesem Kaiserbesuche gewechselt wurden und die umrahmt waren von den glänzenden Darbietungen der Sänger= und der Posaunenchöre. Als Vertreter der Mark führte der Dortmunder Oberbürgermeister Dr. Schmieding in seiner Begrüßungsansprache aus, es entspränge der treudeutschen Anhänglichkeit der Märker gegen das dem Lande entsprossene Grafengeschlecht, welches damals schon ein verhältnismäßig freies und festgefügtes Staatengebilde geschaffen hätte, wenn die Einwohner der Mark heute noch die alte Zusammengehörigkeit empfänden. Dank der schützenden Fürsorge der brandenburgisch=preußischen Landesherren weise die Grafschaft Mark auch seitdem eine stetige Entwicklung, besonders auf industriellem Gebiete auf. Die Treue und Anhänglichkeit, die der Märker in der Vergangenheit auch in Zeiten der Not bewiesen hätte, sei auch heute noch vorhanden, die Versicherung derselben möchte der Kaiser hierdurch seiner engeren L von seinen Vorfahren im Jahre 1609 in Jöllenbeck dem Kurfürsten geleisteten Treueschwur und schloß mit den Worten: „Wir Ravensberger halten bis in alle Zeiten mit unverbrüchlicher Treue fest zu König und Vaterland, zu Kaiser und Reich!“ In lebhafter Erinnerung sind noch die Worte, die der Kaiser damals erwiderte: Die 300 Jahre seien nicht vorübergegangen, ohne daß die Zugehörigkeit der drei westfälischen Landesteile so fest geworden wäre, daß ein Auseinandergehen unmöglich sei. Jene Besitzergreifung sei gewissermaßen ein Werk der Vorsehung, welche das Haus Brandenburg darauf hinwies, daß s Dieser erste Schritt h thron und der deutsche Kaiserth den können. Er schloß mit dem Wunsche:„Möge Gottes Segen über diesen schönen Ländern ruhen, und möge es mir vergönnt sein, sie auch weiter in Frieden zu regieren“. In dem Gespräch, durch das der Dortmunder Oberbürgermeister: vom Kaiser ausgezeichnet wurde, erkundigte letzterer sich lebhaft darnach, wie sich die Verkehrsverhältnisse auf dem Dortmund=Ems=Kanal und im Dortmunder Hafen gestaltet hätten und legte großes Interesse für die gedeihliche Weiterentwicklung des Handelsverkehrs an den Tag. Bei einem Rundgang innerhalb des Denkmals" wurden dem Kaiser die Festschriften der Grafschaft Mark und von Ravensberg überreicht, ferner eine kanstvolle Adresse der evangelischen Gemeinden der Grafschaft Mark. Die Majestäten nahmen diese Geschenke mit freudigem Dank und lebhaftem Interesse entgegen. Mit besonderer Freude genossen beide den herrlichen Ausblick auf die Mark und das Sauerland, der vom Denkmalsplatz aus sich dem Beschauer darbietet. Die heimische Industrie hatte sich hier im Lande des Eisens eine besondere Ehrung nicht nehmen lassen. Mit großem Interesse verweilten die Majestäten in dem Pavillon der märkischen Kohlen= und Eisenindustrie, wo Kommerzienrat Funke aus Hagen in einer Ansprache den Aufbau des mächtigen, aus allerhand Industriegerät zusammengefügten Kandelabers erläuterte, den der Kaiser dem Museum in Altena zu überweisen geruhte.— Die Abfahrt des Kaisers wurde von Schwerte aus vorgenommen, wo ihm noch ein überaus herzlicher Empfang bereitet wurde. Der 10. August des Jahres 1909 ist dahin gegangen, wie alle anderen auch. Aber die Erinnerung ist geblieben. Sie ist weihevoller, zarter, dauernder Art. Nie wird die Grafschaft Mark diesen Tag vergessen, der einen glänzenden Denkstein in ihrer Geschichte bildet. Am folgenden Tage gab der Oberpräsident durch die Zeitungen der Mark bekannt, daß der Kaiser beim Verlassen der Provinz ihm zu erkennen gegeben habe, wie seine Gemahlin und er selbst durch den begeisterten und herzlichen Empfang der Bevölkerung und durch den erhebenden Verlauf der Feier freudigst und wohltuend berührt worden seien. 3. Es ist noch nicht lange her, da erschien der Kaiser plötzlich wiederum auf märkischem Boden. Er weilte auf der Villa Hügel in Essen, um an der Werksjubelfeier teilzunehmen, als durch die deutschen Lande die erschütternde Kunde von derKatastrophe auf der Zeche Lothringen in Gerthe eilte. Auf Wunsch des Kaisers wurden die Festlichkeiten in Essen sofort abgebrochen, und er selbst fuhr mit dem Prinzen Heinrich nach der Unglücksstätte. Schweigend war dieses Mal der Empfang durch die tief erschütterten Volksmassen und dennoch freudig bewegt, daß der Kaiser so herzlich mit ihnen fühlte. Nie werden wir es ihm vergessen, was er damals sprach:„Es ist vom Armeekorps der Kohle, das im Kampfe mit der Erde steht, von Gefahren und Wettern umgeben, eine tapfere Schar wieder von bösen Wettern dahingerafft. Wir gedenken ihrer in Dankbarkeit; sie sind auf dem Felde der Ehre gefallen und werden dem Herzen der Provinz, der sie entstammen und in der sie arbeiteten, unvergessen bleiben. Dies alles hat seinen tiefen Eindruck selbst auf die Kreise, die leider dem nationalen Gedanken ferne stehen, nicht verfehlt. Der Rückblick auf diese dreimalige Anwesenheit des Kaisers in der Mark beweist uns seine lebhafte Fürsorge für das Wohlergehen unserer engeren Heimat, seine Teilnahme an unserer Freude und unserem Leide; sie sind typisch für seine Herrscherauffassung. Seinen Geist haucht er auch der Regierung in allen ihren Organen ein. Alle Bevölkerungsklassen erfreuen sich der Segnungen eines geordneten und freien Staatswesens, wie es kaum ein zweites gibt. Auch die Westfalen wissen es zu würdigen, was es heißt, zu einem solchen Großstaate, wie Preußen es ist, zu gehören. Wir alle scharen uns heute um unseren König und Kaiser, bringen ihm unsere Dankes= und Segenswünsche dar und geloben kurz und schlicht, aber fest und echt: Wir sind und bleiben das, was unsere Väter waren. Gott schütze u. segne unsern Kaiser! E sämtliche Drahtwaren wie Stacheldraht, Wiesendraht Hafersiebe, Aschesiebe u. s. w. Garten-Geräte in großer Auswahl. Garten- und Feldsamen in bester keimfähiger Ware. Guano und Chili empfiehlt Teleton 1310 R.lich. Sonlliter, wesisr.“ Haus-, Küchengeräte und Eisenwaren. Erotklassige Fahrrader Präzisions-Fabrikate weltbek. Werke wie Opel. N. S. U. Stoewer. Göricke u. m. Riesige Auswahl. Sollde Preise. Auf Wunsch Teilzahlung. Reparatur-Werkstatt für alle Systeme. Eigene Emaillieranstalt.— ff. Vernickelung. Buer-Erle. Bismarckstr. 72 Wassef Semauene gute, per Meter 60 Pig. Aur. Kaulmann, Nordstraße 21 Teleion 1561. Teleion 1561. Krieger- und Landwehr-Verein Wattenscheld. Vereinslokal: L. Sonnenschein. g. den 16. Juni er., abends 7.45 Uhr Antreten Im Vereinslokal zur Teilnahme am Packelzuge. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Kameradschaftl. d Kriegerbund Wattenscheid. (Vereinslokal Th. Ahlmann.) Zur Teilnahme an dem Fackelzuge treten die Kameraden Montag abend 8 Uhr im Vereinslokale an. Die Fackeln können dort in Empfang genommen werden. Um vollzähliges Erscheinen bittet Der Vorstand. Wattenscheid. Vereinslokal: H. Voortmann (jägerhof.) Zur Teilnahme an dem Fackelzuge treten die Kameraden abends 8 Uhr im Vereinslokal an. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Vereinigung ehemalger Arickeristen von Wattenscheid u. Umgegend. Sonntag, den 15. Juni cr., nachm. 5 Uhr Versammlung im Vereinslokal W. Bechmann. Tagesordnung: 1. Besprechung über den Fackelzug u. Bestellung der Fackel. 2. Wicht. Festangelegenheiten. 3. Zahlung der Beiträge. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. b. Verschiedenes. Da dies die letzte Versammlung vor dem Fest ist, wird um zahlreiches u. pünktliches Erscheinen gebeten. Der Vorstand. Kriegsveteranen-Verehnigung Stadt und Amt Wattenscheid Sonntag, 15. Juni er., nachmittags 5 Uhr Versammlung. beim Kameraden Walterscheio Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Vorstand. Marine-Verein Aür Wattenscheid u. Umgegend. Vereinslokal Löbbert. Montag, den 16. Juni 1913. abends 8 Uhr Antreten Im Vereinsloksl zur Teilnahme am Fackelzuge. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. O des 25jährigen Regierungs=Jubiläums Seiner Majestät Kasers und Konigs Withelm I1. in der Stadl Wallenscheil am Montag, den 16. Juni 1913. Vormitttags: Festgottesdienst und Schulfeiern nach Anordnung der Kirchen= und Schulbehörden. Abends 8.30 Uhr: Antreten sämtlicher Vereine der Stadt auf der Bochumerstraße zum gemeinsamen Fackelzuge. Der Zug steht mit der Spitze beim Wirt Seier und marschiert von dort über die Bochumer-, Hoch=, Ost=, Freiheitund Nordstraße zum alten Marktplatze. Daselbst Festansprache und Liedervortrag der vereinigten Gefangvereine, sowie Brillaut=Feuerwerk. Hiernach Auflösung des Zuges und Abmarsch der Vereine und Festteilnehmer nach den Festlokalen von Ahlmann, Rörig und Sonnenschein, woselbst######me stattfinden gegen freien Einlaß für Jedermann. Für den Fackelzug ist durch das Los folgende Reihenfolge der einzelnen Vereine bestimmt: 1. Musikkorps I... 27. Vogelschutz=Verein„Zweijahr". 2. Stadtverordneten=Kollegium. 28 Stongoranhen=Verein 3. Kriegerverband mit 11 Einzelvereinen. 4. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz. 5. Gesangverein„Frohsinn“. 6. dto.„Germania“(Ahlmann). 7. dto.„Sangeslust". 8. dto.„Germania“(Kesten). 9. dto.„Glückauf“. 10. Dilettantenverein„Froysinn“. 11. Gesellschaft„Fidelia". 12. Musikkorps II. 13. Freiwillige Feuerwehr. 14. Turnklub. 15. Turnerbund„Kronenburg". 16. Allgemeiner Turnverein. 17. Turnverein„Deutsche Eiche“. 18. Turnverein(Deutsche Turnerschaft). 19. Ballspielverein. 20. Schützenverein„Kaiser Wilhelm“. 21. Sachsen= und Thüringer=Verein. 22. Hessen=Verein. 23. Sauerländer=Verein. 24. Rheinländer=Verein. 25. Brieftauben=Liebhaber=Verein„König der Lüfte“. 26. dto.„Vereinte Freunde" 28. Stenographen=Velein„Stolze=Schrey“. 29. Verein der unteren Post= und Telegraphen=Beamten. 30. Verein der Bergvorschüler. 31. Musikkorps III. 32. Evangelischer Knappen=Verein. 33. St. Antonius=Knappen=Verein. 34. St. Josefs=Arbeiterverein. 35. Erangelischer Arbeiterverein. 36. Ostpreußischer evangelischer Arbeiterverein. 37. Katholischer Gesellenverein. 38. Evangelischer Gesellenverein. 39. Jünglings=Sodalität(Propstei). 40. dto.:(St. Josef). 41. Evangelischer Männer= und Jünglings=Verein. 42. Katholischer Kaufmännischer Verein„Markania". 43. Verein selbständiger Gewerbetreibender. 44. Allgemeiner Bergmanns=Unterstützungsverein. 45. Deutsch=nat. Handlungsgehülfen=Verband(Ortsgruppe). 46. Fuhrverein„Fahrwohl“. 47. Schlesischer Knappenverein. 48. Christlich=sozialer Arbeiterverein. 49. Bäckergesellenverein„Germania“. 50. Werkverein„Centrum“. 51. Bürger, welche keinem Verein angehören. Die aufgeführten Vereine werden ersucht, pünktlich und vollzählig zur Stelle zu sein. Fackeln haben die Teilnehner selbst ra sellen. Zur Hebung der Feier wird die Bürgerschaft gebeten, am Festtage zu flaggen. Wattenscheid, den 12. Juni 1913. Die Fest=Kommission: Der Vorsitzende. Wibberding, Bürgermeister. RERRRRRRRRRRRRRRRREE Arloge der Stadt Wattenscheid. Zwecks Teilnahme an dem Fackelzuge aus Anlaß des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs tritt der Kriegerverband am 16. ds. Mts., abends 8 Uhr auf dem Kaiserplatz in der durch das Los bestimmten Reihenfolge an. Das Präsidium. Verein selbstand. Gewerbstreibender E. V. Wattenscheid. Die Mitglieder werden höflichst ersucht, am Montag abend 8 Uhr zur Beteiligung am Fackelzuge im Vereinslokal pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Die Fackeln werden dort gratis verabfolgt. Der Vorstand. ##EMPSE N E NP APAPAPA P APNPAP HHM 4 Unterst.-Verein 4 Kranken- und Sterbekasse v. Wattenscheid u. Umgeg. Vereinslokal: Carl Pütz. Havallerie-Verein Wattenscheld. Vereinslokal Moritz Wiesmann. Montag, 16. Juni er. abends 7.30 Uhr monatliche Versammlung, danach Antreten z. Tellnahme am Fackelzug Fackeln sind Im Vereineloka! zu haben. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. ### Allg.Montag, den 16. Juni er., nachmittags 7,30 Uhr Antreten zum Fackelzug im Vereinelokal Karl Pütz. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. Schützen=Verein „Kaiser Wilhelm“ Wattenscheid. Vereinslokal Karl Meier. Oiieftanten-Verein Probchok Montag abend 7,45 Uhr Antreten im Vereinslokal zur Teilnahme am Fackelzug. Fackeln sind im Vereinslokal zu haben. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Penpelenber besslenkerch! Wattenscheid und Umgegend. Vereinslokal Heinrich Voortmann. Montag abend 7,30 Uhr Antreten im Vereinslokal H. Voortmann zur Teilnahme am Fackelzug. Um pünktliches und zahlreiches (Erscheinen bittet Vorstand. NB. Fackein stellt der Verein. Zu der am Montag, den 16. d. M. stattfindenden Feier des 25 jährigen RegierungsJubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II, werden die Mitglieder treundlichst wie dringendersucht zur Teilnahme am gemeinsamen Lrf. aumi.t Prn sich abends, punkt 8 Uhr, im Vereinslokale,(Restaurant Hagedorn) zu versammeln. Die Fackeln werden vom Verein geliefert und im Vereinslokal mit den dazugehörigen Stöcken und Kerzen ausgegeben. Der Vorstand. (Vereinskokal: E. Hagedorn.) Die Mitglieder des Steuo sgrapben=Vereins Stcse Scher versammeln sich am Montag, den 16. Juni, abends 8 Uhr im VBereinslokal Hagedorn zwecks Freiwilige Feuerwehr Wattenscheid. Vereinelokal: Hrch. Voortmann. Montag, den 16. Juni, abends 7,20 Uhr Antreten im Vereinelokale zur Teilnahme Zur Teilnahme an dem Fackelzug zu Ehren Sr. Maj. des Kalsers treten die Mitglieder beider Löschzüge am Montag, den 16. d. M., abends 8,15 Uhr am Gerätehaus des II. Löschzuges an der Bochumerstraße an, Anzug: Arbeitsjoppe mit Helm und Gurt. Nach dem Fackelzug Komers im Vereinslokal mit Freibier. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. Kameradschaftlicher Verein (.16. Armeekorget für Wattenscheid u. Umgegend. Vereinslokal: Drenhaus, Nordetr Sonntag, den 15. Juni er., nachmittags 5 Uhr De ficheschaggine der Versammlung bekannt gemacht. Montag, den 16. Juni, abends 7.30 Uhr im Vereinslokal Drenhaus Antreten zur Tellnahme am Fackelzuge.„„„„„„4 Die Kameraden wollen sich an beiden Tagen pünktlich und vollzählig einfinden. Der Vorstand. Mieger band. Socäumetstraße. Montag, den 16. Juni, abends 8 Uhr Antreten im Vereinslokale zur Teilnahme am Fackelzuge. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. M. AL „Germania“ Vereinelokal Ahlmann. Montag, den 16. Juni er., abends 8 Uhr Antreten Im Vereinslokal zur Teilnahme am Fackelzuge. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. M.8„Germania Warienscheid. Vereinslokal Kesten. Montag, den 16. Juni, abends punkt 8 Uhr Antreten im Vereinslokal zur Tellnahme am Fackelzuge. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. MI. B. J. „Glück-Auf“ Vereinslokal Floren. Montag abend 8 Uhr Antreten im Vereinslokal Floren zur Teilnahme am Fackelzug. Pünktliches und zahlreichen Erscheinen erwartet Der Vorstand. beten. Der Vorstand. Der Vorstand. Evgl. Arbeiterverein wattenichet. Montag abend 8 Uhr Antreten im Vereinslokal Ahlmann zur Teilnahme am Fackelzuge. Zahlreiche Beteilung erwartet Der 1 Nr. 135. (2. Blatt.) Samstag, den 14. Juni 1913. 45. Jahrgang. (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günmigfeld, Hordel, gegründet 1998 geesss i Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet i inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Terminzusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Seeese ussssnensenssnnsenseneren Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.:Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Wetteraussichten. Wetter für Sonntag. Trocken, heiter, wärmer, Gewitter möglich. Aus Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 14. Juni. Das Kaiserjubiläum in Stadt und Amt Wattenscheid. * Das 25jährige Regierungsjubiläum unseres Kaisers hat auch bei der patriotischen Bevölkerung von Stadt und Amt Wattenscheid ein lebhaftes Echo gesunden und wird überall in glänzender Weise gefeiert. In der Stadt Wattenscheid findet bekanntlich amMontag ein großer Fackelzug statt, dessen Programm wir bereits ausführlich mitgeteilt haben. Wir verweisen übrigens nochmals auf das in der heutigen Nummer veröffentlichte Programm, welches zweckmäßig von den Vorsitzenden der einzelnen Vereine ausgeschnit#ten und aufbewahrt wird, damit auf Grund desselben die Einreihung in den Fackelzug am Montag=Abend um so leichter und schneller erfolgen kann. Bei der großen Anzahl der teilnehmenden Vereine werden diese ersucht, pünktlich und geschlossen zur Stelle zu sein, damit die Aufstellung des Zuges glatt von statten geht. Dieser stellt sich in 3 Abschnitten hinter je einem Musikchor auf, wovon das 1. etwa bei Seier, das 2. bei Wollenweber, das 3. bei Feldhordt an der Bochumerstr. stehen wird. Näheres ersehen die Vereine aus dem Inseratenteil. Die Bürgerschaft wird-von der Festkommission freundlichst gebeten, die Häuser zu beflaggen und zwar nicht nur am Montag, sondern auch bereits am morgigen Sonntag, weil dies der eigentliche Jubiläumstag ist. Der Montag wird durch Schulfeiern eingeleitet; ferner finden aus Anlaß des Jubiläums Festgottesdienste statt, und zwar am Sonntag vorm. 10 Uhr in der ev. Friedenskirche und am Montag vorm. 9 Uhr in der Propsteikirche.— Die letzte Chorprobe der vereinigten Gesangvereine für den Liedervortrag bei der Kaiser=Jubiläumsfeier hierselbst findet morgen Nachmittag 5 Uhr im Saale des Kaiserhofes(Wieck) statt. Auf Wunsch der Leitung machen wir die beteiligten Sänger hierauf aufmerksam und ersuchen um allseitiges und pünktliches Erscheinen. Die Behörden haben am Montag aus Anlaß des Jubiläums ganz oder teilweise geschlossen, so das Kgl. Amtsgericht vollständig, ebenso das biesige Bürgermeisteramt mit Ausnahme des Standesamtes, das von 11—12 Uhr geöffnet ist. Das Amt Wattenscheid ist nur von 9—1 Uhr geöffnet. Ueber die Veranstaltungen im Amte Wattenscheid ist folgendes zu berichten. In Günnigfeld ist am Montag abend ein Fackelzug, an welchem sämtliche Schulkinder unter Leitung ihrer Lehrer teilnehmen werden. Die Feier seitens der Bürgerschaft findet am 28. ds. Mts., nach folgendem Programm statt: Nachmittags von 4 Uhr ab im Volksgarten Konzert von der gesamten Langenbachschen Kapelle aus Essen, 9 Uhr abends Fackelzug, Vortrag eines Massenchors der sämtlichen Gesangvereine Günnigfelds auf dem Marktplatze unter Leitung des Lehrers Reul, Ansprache durch Amtmann Emisch. Hierauf Kommers im Darenrecht'schen Saale. Auch in Leithe wird am Montag abend eine große Feler arrangiert. Von der Gemeindevertretung wurden 90 M. für Musik bewilligt; ferner wurde bis jetzt durch eine Sammlung in der Gemeinde der Betrag von 300 Mark erreicht, welche für die 800 Schulkinder der Gemeinde verwendet werden. Die Kinder ziehen um 2 Uhr mit Musik nach dem Gute der Zeche Rheinelbe(Pächter Friedrich Säck), und erhalten dort Kuchen und Limonade. Nachdem sich die Kinder gelabt, beginnen Wettspiele. Das Wettlaufen, wofür u. a. 5 Eichenkaubkränze ausgesetzt sind, beginnt etwa beim Wirt Hoppe bis zum Pachtgute Säck. Für die Wettspiele ist eine größere Anzahl Preise beschafft worden. Um 8,30 Uhr beginnt in der Steeler Straße die Aufstellung zum Fackelzug, woran sich sämtliche Bürger und die Schulkinder beteiligen. Der Zug steht mit der Spitze bei dem Hause Dr. Broer und marschiert dann durch die Wattenscheider=, Gelsenkirchener=, Krayer= und Wilhelmstraße zum Schulhofe, wo Dr. Broer die Festansprache halten wird. Ferger werden dortselbst von Schulkindern Reigen aufgeührt. Nach dem Fackelzuge findet Kommers im Lokal des Wirtes Kampmann statt. Die Bürger werden gebelen, zu illuminieren und zu flaggen. Die Gemeinde Westenfeld hat das Jubiläum bereits am verganzenen Sonntag in großartiger Weise gefeiert, während die Gemeinden Höntrop und Sevinghausen, benso wie Günnigfeld noch im Monat Juli mit größeen Veranstaltungen folgen werden. Zum Schlusse nochnals: Sonntag und Montag Fahnen heraus! S Zum Ortsjubiläum des Domkapitulars Hausmann. * Die Vorstände der kath. Vereine treten morgen vormittag 11 Uhr unter dem Vorsitze des Stadtbaumeisters Wallraven abermals zu einer Sitzung im kathol. Vereinshause zusammen, um die Beratungen über die Feier des 25jährigen Ortsjubiläums des Domkapitulars, Propstdechanten Hausmann fortzusetzen. Als Festtage sind bekanntlich Samstag, 2. und Sonntag, 3. August in Aussicht genommen. Wir haben über das Programm dieser Festtage bereits ausführlich berichtet und können ergänzend hierzu noch folgendes mitteilen. An dem Fackelzuge, welcher dem Jubilar am Samstag abend dargebracht wird, beteiligen sich sämtliche hies. kath. Vereine— 20 an der Zahl. Vor der Propstei angekommen, wird ein Massenchor, der aus den Kirchenchoren Propstei, St. Josef, Leithe und Sevinghausen u. den Gesangabteilungen der Sodalität und des St. Antonius=Knappen=Vereins gebildet wird, mehrere Lieder vortragen. Auch wird der Jubilar durch Ansprachen begrüßt. Während der ganzen Feier wird ein Feuerwerk abgebrannt. Das Programm für den Sonntag besteht aus feierlichem Levitenhochamt, gemeinsamen Mittagsmahl und Festversammlung in der Kronenburg(L. Sonnenschein). Wie wir hören, ist geplant, dem Jubilar eine Jubiläumsspende in Form einer Stiftung für das hiesige Waisenhaus zu überreichen. Dieser Gedanke muß als sehr glücklich bezeichnet werden, da gerade das von dem Jubilar gegründete Waisenhaus ihm sehr am Herzen liegt und bei der großen Zahl der dort aufgenommenen Kinder der Unterstützung sehr bedarf. 25jähriges Dienstsubiläum. * Der Versandleiter Wilhelm v. Sunthum von hier, Rathausstraße, ein Alt=Wattenscheider, kann auf eine 25jährige ununterbrochene Tätigkeit auf der Gelsenkirchener Bergwerksaktiengesellschaft(Rheinelbe) zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand heute vormittag im Verwaltungsgebäude der Zeche Rheinelbe eine Feier statt, bei der Bergwerksdirektor Russell mit ehrenden Worten die Verdienste des Jubilars feierte u. ihm ein Ehrengeschenk mit einem prächtigen Diplom überreichte. Ferner erhält der Jubilar als 1. die kürzlich gestiftete Kirdorf=Medaille. Die Beamten der Versandabteilung veranstalten heute abend im Cafe Leppler hierselbst zu Ehren des allbeliebten Jubilars eine Feier. Graf Haeselers Dank an Wattenscheid * In einem an den Vorsitzenden des Kriegerverbandes, Hauptmann d. R. Kampmann, gerichteten Schreiben vom 10. Juni, dem eine große Photographie mit eigenhändig geschriebener Widmung beigefügt war, spricht Exzellenz Generalfeldmarschall Graf Haeseler für den überaus warmen Empfang in Wattenscheid seinen herzlichsten Dank aus und schreibt u. a. noch: Die Stunden im Kreise der alten Soldaten und ehemaligen Untergebenen werden aus meiner Erinnerung nicht verschwinden und die an der Tete marschierenden Männer rufen die Worte zurück:„Lieb Vaterland, kannst ruhig sein". Möge das Kriegervereins=Wesen am Rhein und in Westsalen weiterhin wachsen und gedeihen wie bisher. Kath. Jünglingsvereine des Dekanates Wattenscheid. * Der Delegiertentag der katholischen Junglingsveseine des Dekanats Wattenscheld findet am Sonntag, 22. Juni, in Eickel=Holsterhausen statt. Nachmittags 2,30 Uhr ist in der Kirche, Herner Straße, Festandacht. Hieran anschließend versammeln sich die Vorstände und Delegierten im Tagungslokal in der Wirtschaft Kraft, Horster Straße. Das Referat hat Arbeitersekretär Isenrath=Herne übernommen. Er wird über„sozialdemokratische Volksfürsorge“ sprechen. Totenglocke. * Ein Alt=Wattenscheider Kind hat wieder das Zeitliche gesegnet. Unserer früherer Mitbürger, der Kaufmann und Wirt Wilhelm Schäfer ist gestern in Elberfeld, woselbst er sich vor 2 Jahren niedergelassen hatte, gestorben, nachdem er seine hiesige Besitzung, das jetzige Kolpinghaus, an den katholischen Gesellenverein verkauft hatte. Derselbe war mehrere Jahrzehnte Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und verschiedener städt. Kommissionen. Er wird ein Alter von etwa 65 Jahren erreicht haben. Seine Beisetzung wird, wie wir hören, am Dienstag morgen in der Familiengruft auf hiesigem kath. Friedhofe stattfinden. Zwangsversteigerung. * Am Kgl. Amtsgericht stand heute morgen Termin an in Sachen Zwangsversteigerung Nörig. Es handelte sich um die 2 Besitzungen, welche an der Bochumerstraße Nr. 128 und Nr. 128,I belegen und auf den Namen des Wirts Jakob Rörig eingetragen sind. Erstere, bestehend aus Wohn= und Geschäftshaus nebst Hofraum zur Größe von 3,72 Ar hat einen Nutzungswert von 2210 Mark; letztere, bestehend aus Wohn= und Geschäftshaus mit Hofraum zur Größe von 2.44 ie ice ie ece ce essen und zwar für 32 430 Mark und für 20 700 Mark für beide Besitzungen. Infanterie=Regiment„Graf Barfuß“. * Am 5. 6. und 7. Juli 1913 begeht das InfanterieRegiment,„Graf Barfuß“(4. Westf.) Nr. 17 in seinem Garnisonort Mörchingen in Lothringen die Feier seines 100jährigen Bestehens. Weit über 1000 ehemalige Angehörige des Regiments rüsten sich zur Teilnahme an diesem seltenen Jubelfeste. Weitere Anmeldungen von Teilnehmern für Bochum und Umgegend nimmt noch bis spätestens 25. Juni der Vorsitzende des Vereins ehem. 17er Bochum, Polizei=Sekretär Zimmer entgegen. Für die Teilnehmer werden Sonderzüge zu ermäßigten Fahrpreisen gestellt. Für Wattenscheid und Umgegend ist die Abfahrtszeit am 5. Juli auf 7,30 Uhr vormittag vom Bahnhof Gelsenkirchen=Wattenscheid aus festgesetzt. Die einfache Fahrt kostet 7,60 M. Ankunft in Mörchingen 4,45 Uhr nachmittags. Die Fahrkarten können vom 25. Juni ab, beim Kassierer der 17er Vereinigung in Wattenscheid, Restaurateur Rud. Drenhaus, Nordstraße in Empfang genommen werden. Die Rückfahrt findet am 8. Juli abends 8 Uhr ab Metz statt. Alle ehemaligen„Barfüßer“, welche sich noch nicht angemeldet haben, aber diese schöne Feier mitmachen möchten, wollen dieses umgehend im Vereinslokal des 16. Armee=Korps besorgen. Außer den ehemaligen 17ern können auch andere Personen, welche die Absicht haben unter ortskundiger Führung die Schlachtfelder von Metz und Umgegend zu besuchen, sich an der Fahrt zu denselben Preisen beteiligen. Auch diese Anmeldungen müssen gleichfalls bis zum 25. Juni beim Restaurateur Drenhaus gemacht werden. Der Mord in Hamme. In der Nacht zum 15. April d. I. hatte der 23 Jahre alte Steinträger Varny in der Lohstraße zu Hamme auf freiem Felde seine Braut, ein 19 Jahre altes Mädchen, mit den Händen erwürgt. Varny stellte sich am anderen Tage selbst der Polizei u. gab an, daß er das schauerliche Verbrechen auf den ausdrücklichen Wunsch des Mädchens begangen habe. Während man anfangs geneigt war, dieser Behauptung Glauben zu schenken, sind in letzter Zeit starke Zweifel an der Richtigkeit dieser Angabe laut geworden. Aus diesem Grund hat die Staatsanwaltschaft die nochmalige Obduktion der Leiche angeordnet. Versammlung der„Markania“. * Unter dem Vorsitze des Handelslehrers Dinspe! fand gestern abend im Kaiserhos(Wiek) eine Versamm. lung des kath. kaufmännischen Vereins Markania statt, welche zahlreich besucht war. Zunächst wurde über die Beteiligung des Vereins an dem Ortsjubiläum des Propstdechanten Hausmann und an dem am Montag aus Anlaß des Regierungsjubiläums unseres Kaisers stattfindenden Fackelzuge eingehend beraten und beschlossen, an beiden Veranstaltungen teilzunehmen. Ferner nahm man in Aussicht, am Sonntag, 20. Juli den diesjähr. Sommer usflug zu veranstalten, und zwar nach Schwerte, wo an diesem Tage das Gaufest stattfindet. Die übrigen verhandelten Sachen waren interner Natur. Vom Flug= und Sportplatz Gelsenkirchen. * Der Flugschüler Julius Heiter aus Dorsten von der Mürauschen Fliegerschule bestand gestern seine Fliegerprüfung. Sportzeugen waren die Herren Dickmann und Rawen aus Gelsenkirchen. Heiter unternahm 2 Aufstiege und landete in prachtvollem Spiral=Gleitflug. Der Flieger Schröter von den Kondorwerken unternahm bis 8 Uhr abends 14 Aufstiege, davon 11 mit Passagien Die gesamte Flugdauer betrug 2 Stunden und 20 Min. Vorsicht! * In den letzten Jahren ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß regelmäßig bei größeren Veranstaltungen und Festen Einbrüche und Schleichdiebstähle verübt wurden. Es liegt deshalb die Befürchtung nahe, daß auch der nächste Montag, an dem bekanntlich der große Fackelzug stattfindet, von der Diebeszunft dazu benutzt wird, um ihr lichtscheues Gewerbe auszuüben. Es ergeht deshalb an alle Bewohner die Mahnung, Vorsicht walten zu lassen und die Wohnungen gut verschlossen zu halten. Vom Vallspielverein. * Der im Restaurant H. Voortmann dagende Ballspielverein hat vom Verbande ein künstlerisch ausgeführtes Diplom erhalten für die für 1911=12 errungene Meisterschaft der C=Klasse des märkischen Bezirks. Das Diplom wird in dem Schaufenster des Zigarrengeschäftes Freudenbera ausgestellt. Rivellement. * D u r c h B e a m t e d e s h i e s i g e n K ö n i g l. K a t a s t e r a m t e s i s t heute morgen in der Hüller= und Freiheitstraße eine h — neue Rivellements=Aufnahme vorgenommen worden. Dieselbe dürfte infolge des steten Sinkens der Erdoberfläche veranlaßt sein. Kleine lokale Nachrichten. * Versammlung haben folgende Vereine: KriegsVeteranen=Verein morgen nachm. 5 Uhr im Rest. Walterscheid, Kam. Verein 16. Armeekorps 5 Uhr im Restaurant Th. Drenhaus, Cavallerie=Verein Montag abend 7,30 Uhr im Vereinslokal Wiesmann, Artillerie=Verein morgen nachm. 5 Uhr im Restaurant Wwe. Beckmann. * Das Apollv=Theater, Oststraße, hat zu morgen. und Montag wieder ein interessantes und inhaltsreiches Programm aufgestellt. Besonders verdienen erwähnt zu werden die Dramen:„Der Theaterteufel“, großes Künstler=Drama in 3 Abteilungen und„Die Liebe des Dorffchmiedes“, ländliches Liebesdrama eines armen Dorfschmiedes. Allgemeiner Knappschaftsverein. * Aus der letzten Vorstandssitzung des Allgemeinen Knappschaftsvereins bietet folgendes Interesse: Der Vorsitzende gedenkt des am 9. d. Mts. durch den Tod abgerufenen früheren Vorstandsmitgliedes Bergassessor Hilt. Der Vorstand beschließt, die Baltische Ausstellung in Malmö, Abteilung für Volkswoylfahrt, im Jahre 1914 zu beschicken und die auf den früheren Ausstellungen ausgestellten Grundrisse und Abbildungen von Anstalten und die graphischen Tabellen nach Vervollständigung auszustellen. Er genehmigt das Abkommen mit dem Fiskus über die Benutzung der Universitätskliniken nach Ausbau der medizinischen Fakultät in Münster, wonach dem Verein 60 Betten auf den verschiedensten, für die Knappschaft bedeutungsvollsten Stationen zur Verfügung gestellt werden. Die Jahresrechnung für 1912 wird von keiner Seite beanstandet u. dem Ausschuß zur Prüfung u. Abnahme der Jahresrechnung überwiesen. Auch gegen den Jahresbericht für 1912 findet sich nichts zu erinnern, sodaß dieser nunmehr versandt wird. Der Vorstand wählt als Knappschaftsärzte; für den Bezirk Rette: Dr. Schneider aus Dortmund, für Gelsenkirchen: Dr. Laureck und Dr. Oberwinter; anstelle des verstorbenen Sanitätsrats Dr. Michels in Hattingen: Dr. Lasbeck, als Spezialarzt für Haut= und Geschlechtskrankheiten in Oberhausen: Dr. Wachenfeld. Die ausscheidenden Beisitzer zum Knappschafts=Oberversicherungsamt werden bis auf den Knappschaftsältesten Dornbusch und den Bergmann Behring wiedergewählt. Für diese wählt der Vorstand die Knappschaftsältesten Berg=Westenfeld und Artin=Holthausen. Verschiedene Nachrichten aus Höntrop. * Höntrop, 14. Juni. Am Sonntag, 15. Juni, 11 Uhr vorm., findet im Restaurant W. Knappmann eine Sitzung von sämtlichen Vereinen statt, welche sich am 12. Juli d. J. an der Jubiläumsfeier beteiligen wollen.— Am Sonntag, 15. Juni, findet in der evgl. Kirche Festgottesdienst anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers statt.— Die natlib. Partei bittet die Parteifreunde, zu der am Sonntag vormittag 11,30 Uhr angesetzten Versammlung im Lokale Wegmann sich zahlreich einzufinden. Ein auswärtiger Redner wird über ein zeitgemäßes Thema sprechen. Die Versammlung findet anschließend an die des ev. Arbeitervereins statt Das Kaiserjubiläum in Sevinghausen. * Sevinghausen, 14. Juni. Das 25jährige Regierungsjubiläum unseres Kaisers wird am 19. und 20. Juli in unserer Gemeinde festlich begangen werden. Die Gemeindevertretung hat zur Bestreitung derUnkosten 150 Mark bewilligt. Für den 19. Juli ist ein Fackelzug sämtlicher Vereine vorgesehen, bei dem Rechnungsführer Tegtmeier, der Vorsitzende des Krieger= und Landwehr=Vereins die Festrede halten wird. Für den folgenden Tag ist ein Festzug und eine Saalfeier vorgesehen. Die Festrede hat Amtmann Emisch in liebenswürdiger Weise übernommen. Nationalliberaler Verein Leithe. * Leithe, 14. Jan. Sonntag vormittag 10 Uhr findet auf dem Gutshofe des Landwirts Säck eine Besprechung statt, in der die Lokalfrage erörtert wird. Handtäschchenräuber. * Kray, 14. Juni.. Am 12. d. M. wurde eine Frau vom hier auf dem Wege nach Steele in der Nähe des Wasserturmes von einem ca. 20 Jahre alten Burschen überfallen und ihres Handtäschchens mit 32 Mark Inhalt beraubt. Der Täter flüchtete in der Richtung nach Wattenscheid und entkam unerkannt. Neues aus Günnigfeld. * Günnigfeld, 14. Juni. Der Kameradschaftl. Kriegerverein 16. A.=K. feiert am 2., 3. und 4. August cr. das Fest der Fahnenweihe, an dem mehrere auswärtige Vereine teilnehmen werden. Die Fahne wird von der Fahnenfabrik Bernhard Richter in Köln geliefert. Auch wird von den Damen des Vereins eine kostbare Fahnenschleife überreicht werden. Mangels eines geeigneten Platzes wird das Fest in dem 1000 gm. großen Darenrecht'schen Saale gefeiert.— Dem Wirt Wilhelm Holling ist vom Bezirks=Ausschuß in Arnsberg die Konzession in dem Hause Hordel, Günnigfelderstraße 13(früher Rieke) erteilt worden. Bekanntlich ist dem früheren Inhaber Riele s. Z. diedenzession entzogen worden. Weitere Lokalnachrichten siehe 3. Bkatt. Das wogende Korn: Das Bild, das Du als Bauernsohn Gezeigt uns in der Verse Fülle, Ist eigenartig, wunderbar, Zieht von der„Sehnsucht“ ganz die Hille. Das Lied der Sehnsucht von mir selbst Hat es ergänzt in heller Schöne, Doch nimmermehr das Leserherz Mit Lyrik allzusehr verwöhne. Zwar wünschte ja der Redakteur Den Preischor nur in ernstem Sinne Da wär' ein Lied auf's Vaterland Das Höchste wohl nächst junger Minne. An Vorwurf dieses edlen Stoffs Sind sicherlich so reich die Zeiten; Drum sollst mit diesem Banner stolz Den Pegasus Du kühnlich reiten. Noch Eins: Dein Lied vom Aehrenfeld, Ist wahr es? Oder ist's erdichtet? . Ist Wahrheit die Begebenheit, So ist der Stoff sehr gut belichtet. Ist's aber nur ein Märchenbild, Ist's minder gut, kann's nicht verhehlen. In diesem Falle mußtest Du Vereinen doch die zarten Seelen! Und wo ist denn der Grund dafür, Daß— liebend— sie sich dennoch trennen? Motiv und Wirkung folgt sich doch. Recht groß wir diese Lücke nennen. O, füll sie aus im zweiten Bild, Des alt und jung so gerne wartet. Sonst denkt ein jeder weit und breit, Die Sache,— die ist abgekartet. Wattenscheid, 14. Juni. 1913. Emilius=Amadeus. Reichstag. Berlin, 13. Juni. Am Bundesratstische: Staatssekretär Dr. Delbrück und Kriegsminister von Heeringen. Präsident Dr. Kämpf eröffnet die Sitzung um 1,20 Uhr. Der Gesetzentwurf zur Einführung des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz im Königreich Bayern wird debattelos in 1. und 2. Lesung angenommen. Es folgt die Fortsetzung der 2. Lesung der Wehrvorlage.— Abg. Nacken(Zentr.): In den letzten Tagen haben führende Herren aus den bürgerlichen Parteien Anlaß genommen, Stellung zur Deckungsfrage zu nehlmen. Dr. Spahn hat vor einigen Tagen unseren Standpunkt im Namen der Fraktion präzisiert: Keine Ausgabe ohne Deckung. Wir begrüßen aber die Erklärungen der Herren aus den bürgerlichen Parteien, die dahin gingen, daß sie bereit sind, an der Deckungsfrage einmütig mitzuarbeiten. Wir sind der Ansicht, daß bei gutem Willen eine Einigung der bürgerlichen Parteien wohl möglich ist. Wo ein Wille ist, da muß auch ein Weg sein. Auch wir sind zur Mitarbeit bereit, um dieses hochbedeutsame notwendige Werk zu fördern. Der Reichskanzler hat die rasche Verabschiedung der Wehrvorlage verlangt, aber auch die gleichzeitige Erledigung der Deckungsvorlage. Er hält die Wehrvorlage und Deckungsfrage für ein einheitliches Ganzes. In diesem Sinne arbeiten und kämpfen wir mit der Regierung. Wir sind bereit, die Maßnahmen zum Schutze unseres Vaterlandes dem Reiche nicht vorzuenthalten. Wir haben in der Kommission auch eine Reihe von Resolutionen angenommen, im ganzen 24. Allen bürgerlichen Parteien ist es Ernst mit diesen Resolutionen. Wir haben das Vertrauen zur Militärverwaltung, daß sie diese Wünsche des Reichstages respektieren wird. In dem Augenblicke, wo das deutsche Volk so große Opfer bringen muß, die allerdings notwendig sind, müssen auch die Wünsche und Beschwerden des Volkes Beachtung finden. Wir begrüßen daher die entgegenkommende Erklarung des Kriegsministers, daß die meisten von ihnen ohne weiteres annehmbar seien. Bei Verabschiedung dieser Vorlage müssen wir vor allem die Erwartung aussprechen, daß angesichts der großen Ausgabe die Heeresverwaltung die größte Sparsamkeit walten und allen Luxus möglichst einschränken läßt. Auch die sozialen Aufgaben der Zeit soll die Verwaltung nicht vergessen. Wir Urkraft der Liebe. Roman von Karl Engelhardt. 52!.(Nachdruck verboten.) „Nein, Herr Lichten.“ Ich habe gesonnen und mit mir gerungen, seit ich Sie kennen gelernt habe. Und es ist mir nicht leicht geworden. Man verzichtet nicht so rasch auf alles, was andern das Leben erhellt. Auf Liebe und Glück und Sonne. Aber immer wieder kämpfte ich mich zu der Überzeugung durch: es darf— es darf nicht sein!“ Eine Ahnung von dem, was sie gelitten, stieg in ihm auf. Und eine heilige Ehrfurcht vor der Heldengröße dieses Weibes. Und sie sollte er aufgeben? „Karla— vielleicht sehen Sie zu schwarz. Vielleicht wird doch noch alles gut. Ich kann Sie nicht lassen.“ „Herr Lichten, wenn Sie mich lieben— quälen Sie mich nicht mehr! Sie ahnen ja gar nicht, wie Sie mich quälen!“ „Also nie— nie—!“ „Nie“ Er stand vor ihr auf und seine Blicke glühten auf ihrem Antlitze. Und frei, wenn auch unendlich traurig, begegneten ihre Augen den seinigen. „Nie—!“ atmete er noch einmal aus tiefster Brust auf. Und seine Stimme bebte wie von verhaltenen Tränen. Karla preßte die Zähne aufeinander, um nicht laut aufzuschluchzen. So standen die beiden Menschen einige Sekunden. Einsam, im huschenden Mondenscheine. Da drang langsam, fast verklingend durch die Abendstille von der Seite des Dorfes eine weiche, wohlbekannte Melodie zu ihnen herüber. Zum Herzen dringend. Die Töne eines Klaviers. Das war zu viel. Fast schreiend riß sich krampfbaftes Schluchzen aus der Kehle Karlas. „Walter— Walter— Walter!" Und dann schlug sie die Arme um seinen Hals, und strebte zu seinem Munde und trank ihm in durstigen Zügen siebernde Küsse von den Lippen. Und wieder dazwischen das schluchzende: „Walter— Walter—!“ In himmelaufflammender Liebe hielten sie sich umschlungen. Und vergaßen Zeit und Ort und Vorsatz. Immer und immer wieder stammelten, sie süße, unvernünftige Liebesworte. Und preßten die Lippen aufeinander in glühenden Küssen. Aber nur einige Angenblicke währte diese Liebesverzückung. diese Weltentrücktheit. Dann wich das Vergessen und die Erinnerung kehrte zurück. Mit beiden Händen wehrte Karla Walter von sich ab. „Geh—.—,“ sagte sie rasch atmend,„geh! Ich kehre allein nach Hause zurück.“ „Karla— jetzt glaubst du, daß ich dich lasse? Nie!“ „Ich bitte dich!“ flehte sie.„Ich habe mich selbst vergessen. Verzeih mir. Aber ich kann nicht dein Weib werden. Nie. Sage Maja und Erich alles. Morgen in der Frühe reise ich ob: „Ich lasse dich nicht, Karla!“ „Du liebst mich? Und kannst mich so quälen? Wie gerne — wie gerne wäre ich dein! Aber ich habe kein Recht mehr zum Glücke. Und wenn du mich liebst, laß mich gehen. Mein Entschluß ist fest. In langen, schweren Stunden gefaßt.“ „Ich kann es nicht denken.“ „Also, Walter, leb wohl! Vielleicht lacht dir das Glück noch einmal.“ Wieder umschlang sie ion und küßte ihn. Dann wandte sie sich zum Gehen. Auch er machte einen Schritt. „Bei deiner Liebe! Walter—!“ bat sie fest.„Laß mich gllein geben! Ihr Antlitz leuchtete doppelt bleich im Mondschein wie das einer Toten. In ehrfürchtiger Scheu blieb er stehen und wagte nicht, ihren Worten zuwiderzuhandeln. rechnen darauf, daß die Regierung die in unseren Resolutionen niedergelegten Wünsche auch erfüllen wird. Das deutsche Volk würde eine ablehnende Haltung der Regierung nicht verstehen.— Abg. Nogala von Bieherstein(Kons.): Wir sind nicht in der Lage, der Interpretation, die der Abg. Bassermann der Rede des Reichskanzlers gegeben hat, zuzustimmen. Der Kanzler hat ausdrücklich erklärt, daß er die Erledigung der Heeresvorlage und die Bereitstellung der Mittel für gleich wichtig halte. Und das ist unsere Auffassung auch, und sie entspricht auch, wie wir meinen, der Auffassung des gesamten deutschen Volkes.— Abg. Mertin(Np.): Im Interesse meiner oberschlesischen Heimat habe ich mich mit voller Energie für die Herstellung der Forderung von 6 Kavallcrieregimentern einzusetzen. Die oberschlesischen Gebiete in einer Größe des Königreiches Sachsen entbehren just völlig des militärischen Schutzes. Abg. v. Gamp(Rp): Auch für mich sind für Ostpreußen die Kavallerieregimenter von allergrößter Bedeutung. Dazu kommt, daß für den Kriegsfall die ostpreußischen Garnisonen sehr bald aus der Provinz entfernt werden. Das für die Viehzucht von ganz Deutschland hochwichtige Gebiet würde schwer leiden.— Kriegsminister von Heeringen: Ich stimme dem Vorredner durchaus zu. Wir sind uns der Pflicht bewußt, solchen Boden mit allen Kräften zu schützen. Geben Sie uns die Mittel, diesem Verhältnis zu entsprechen. Beifall.)— Abg. Liesching(Vp.): Wir stimmen für die 3 Kavallerieregimenter. Werden diese nach dem Osten verlegt, so ist allen Wünschen entsprochen. Wenn es der Heeresverwaltung ernst mit dem Grenzschutz ist, dann mag die Kommandogewalt damit den Anfang machen.— Kriegsminister von Heeringen: Die militärischen Gründe müssen auch für Sie ausschlaggebend sein. Bei Ihnen liegt die Verantwortung. Sorgen Sie dafür, daß keine Lücke in unseren Rüstungen besteht. Damit schließt die Debatte. Zunächst wird über die die Kavallerieregimenter betreffenden Anträge namentlich abgestimmt. Der konservative Antrag auf Schaffung einer weiteren Kavalleriedivision über die Regierungsvorlage hinaus wurde mit 302 gegen 67 Stimmen bei 1 Stimmenenthaltung abgelehnt. Der nationalliberale Antrag auf Schaffung 6 neuer Kavallerieregimenter wurde mit 203 gegen 159 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen gleichfalls abgelehnt.— Abg. Ledebour(Soz.) ruft: Auflösen!— Vizepräsident Dr. Dove: Ueber die Auflösung wird hier nicht entschieden.— Die Kommissionsfassung wird darauf angenommen. Es werden also nur 3 Kavallerieregimenter und die sonstigen Etatsverstärkungen und Neuformationen angenommen. Angenommen werden die Resolutionen, in denen gefordert wird, daß nur Volltaugliche ausgehoben werden dürfen, daß infolge der bürgerlichen Verhältnisse Befreiung vom aktiven Heeresdienst in der bisherigen Weise zu erfolgen habe und ein jährlicher 4wöchiger Urlaub tunlichst zur Erntezeit bewilligt wird. Angenommen wurden ferner die Resolutionen auf Hebung des Train, Aenderung des Namens, Unterstützung der Familien von Angehörigen des Beurlaubtenstandes, Hebung der Schießfertigkeit, Militäranwärter, Hebung der freiwilligen Krankenpflege, Einschränkung der militärischen Kosten durch einheitliche Uniformen, Beschränkung der Offizierspensionierungen, Beseitigung des Parademäßigen und des Luxus, Koalitionsfreiheit und Lohnverhältnisse der Arbeiter bei Militärlieferanten und Berücksichtigung des ortsansässigen Gewerbes bei Vergebung von Militärlieferungen.— Abg. Gradnauer(Soz.): Mit Resolutionen allein ist nichts getan. Wir verlangen bei den großen Opfern und zur Entspannung der internationalen Lage eine Verkürzung der Dienstzeit. Die Regierung sollte sich mit den anderen Mächten in Verbindung setzen; dann würde das Mißtrauen gegen Deutschland schwinden.— Darauf wird die Weiterberatung auf Sonnabend vertagt. Deutschland. Eine Huldigung vor dem Kaiserpaar im Stadion. Berlin, 14. Juni. Das Kaiserpaar traf gestern nachmittag 3 Uhr an der Havelbrücke bei Pichelswerder ein, um die Huldigung des Kraftwagenklubs entgegen zu nehmen. Mit dem Kaiserpaar kamen Prinz Heinrich, Prinzessin Heinrich, sowie Prinz Waldemar, ferner das Prinzenpaar Eitel Friedrich, Prinzenpaar August Wilhelm, Prinz Oskar, Erbprinz und Erbprinzessin von Sachsen=Meiningen u. A. 500 blumengeschmückte Kraftwagen des Kaiserlichen Kraftwagenklubs, des hannoverschen Kraftwagenklubs und des freiwilligen Automobilkorps waren aufgefahren. Der Herzog von Rativor begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache und überreichte eine Adresse. Das Kaiserpaar fuhr sodann mit dem Kraftwagen bis zum Stadion, wo es einen offenen 4spännigen Wagen mit Spitzenreitern bestieg, um das Reit= u. Fuhrturnier der Kartelle für Reit= und Fahrsport zu sehen, welches anläßlich des Regierungsjubiläums veranstaltet wurde. Das Kaiserpaar wurde von dem Präsidenten des Kartells, GeneUnd sie ging. Festen Schrittes. Noch einmal wandte sie sich und winkte ihm zu. eb mohl!!#n „Karla—!“ Mit ein paar Sätzen war er bei ihr. „Wenn ich dich bitte, Walter! Laß mich nicht ganz schwach werden! Ehre mich und meine Liebe, wenn ich dir sage: er geht nicht, es darf nicht sein. Ich gehe den Strand entlang Geh' du den Weg, der oben herum führt. Bitte—! Leh' wohl—!“ In dumpfer Betäubung gehorchte er ihr. So schieden sie. Und während sie gingen, hub das Klavierspiel in der Ferne wieder an und eine Männerstimme begleitete es. Man hörte die Melodie. Es war dieselbe wie vorhin. Die Worte aber konnte man nur abnen. Maja lag in den Kissen mit selig verklärtem Antlitz und lauschte. Erich aber saß seit langem wieder einmal am Flügel im dunklen Zimmer nebenan. Und in vollen Tönen drangen die machtvollen, wunderbaren Lisztschen Akkorde schon zum zweiten Male in die stille Nacht hinaus, während Erich mit weicher Stimme den Text zu seinem Spiele sang, Glück im Herzen. „Es muß ein Wunderbares sein „Ums Lieben zweier Seelen, „Sich schließen ganz einander ein, „Sich nie ein Wort verhehlen. „Und Freud und Leid—— „Und Glück und Not—— „So miteinander tragen, „Vom ersten Kuß bis in den Tod „Sich nur von Liebe sagen.“ ralleutnant von der Marwitz, und anderen Mitgliedern des Vorstandes empfangen und in die Kaiserloge geleitet. Es wurden vorgeführt: ein zweispänniges Herrenfahren, Inländer Jagdspringen, eine große Dressurprüfung, ein Hindernisfahren, ein Damenreiten, ein Preishochsprung. Die Vorführungen wurden besonders anfangs durch starke Regengüsse beeinträchtigt. Nach 5 Uhr begab sich das Kaiserpaar im Kraftwagen nach Berlin, um im Königlichen Schlosse für die Jubiläumstage Wohnung zu nehmen. Unterwegs sah das Kaiserpaar zum ersten Male die Straßenausschmückung, die, obgleich noch nicht ganz fertig, doch ein fast vollständiges und einheitliches Bild bietet, wie es von namhaften Künstlern geplant ist. Der Kompromiß in der Deckungsfrage. Berlin, 13. Juni. Wie verlautet, sollen nach Fertigstellung des Steuerkompromisses die Arbeiten so beschleunigt werden, daß sie bis zum 28. Juni abgeschlossen sind. Der Haushaltsausschuß soll alle Deckungsvorlagen bis zum 21. Juni fertigstellen. Die Vollversammlung will den Wehrbeitrag in der nächsten Woche beraten, außerdem kleine Vorlagen, darunter das Staatszugehörigkeitsgesetz. Die übrigen Deckungsvorlagen und die Wehrvorlage in 3. Lesung folgen in der Woche vom 23. bis 28. Juni. Wenn sich noch Weiterungen ergeben, sollen höchstens noch 3 Tage zugelegt werden, so daß die Vert agung spätestens am 2. Juli erfolgt. Oesterreich. Die Jubiläumsfeier in Wien. Wien, 14. Juni. Zu einer glanzvoll verlaufenen des 25jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm 2. hatten sich gestern abend unter dem Vo rsitz des deutschen Botschafters von Tschirschky die Mitglieder der deutschen Kolonie in Wien, der Verein Niederwald, der bayerische Verein und die deutschen Offiziere des Beurlaubtenstandes mit ihren österreichischen Freunden, insgesamt etwa 5000 Personen, in einem prächtig geschmückten Gartenlokal unweit Schönbrunn eingefunden. Besondere Weihe erhielt das Fest durch die Anwesenheit des Erzherzogs Franz Salvator. Ferner nahmen an der Jubelfeier teil: Frau von Tschirschky, der bayerische Gesandte, der sächsische Gesandte mit Gemahlin, Graf und Gräfin Berchtold, der italienische Botschafter Herzog von Avarna, der Circolo d' Italia, der rumänische und der schweizerische Gesandte, sowie die schweizerische Kolonie, Ministerpräsident Graf Stürgkh und die Mitglieder des Kabinetts, Graf Paar, zahlreiche Damen und Herren der Hofgesellschaft, Bürgermeister Dr. Weißkirchner mit den Stadt= und Gemeinderäten und viele andere hervorragende Persönlichkeiten. Zu Beginn des Festes begrüßte namens seiner deutschen Landsleute Botschafter von Tschirschky den Erzherzog Franz Salvator als Vertreter des Kaisers Franz Josef; das Hoch auf den Kaiser Franz Josef wurde begeistert aufgenommen. Das Festprogramm wurde eingeleitet durch einen von Josef Lauf gedichteten und vom Hofschauspieler Reimers gesprochenen Prolog. Es folgten mit erklärenden Musikstücken lebende Bilder, welche erhebende Momente aus der Geschichte der Hohenzollern darstellten. Während das Bild„Der Dreibund“ dargestellt wurde, hielt der Vizepräsident des„Niederwald", Dr. Euler, die Festrede auf Kaiser Wilhelm. Als das Kaiserhoch ausgebracht wurde, ertönte unausgesetzter Jubel durch den Saal, worauf die deutsche Nationalhymne gespielt wurde. Frankreich. aris, 14. Juni. Wie der Matin heute berichtet, wird der französische Staat wahrscheinlich an die Unteroffiziere des Heeres mehrere Millionen Franken bis jetzt vorenthaltener Entlöhnung nachzuzahlen haben. Das Gesetz von 1905 schreibt nämlich vor, daß die Kapitulanten nach 5jähriger Dienstzeit als Ersatz für verschiedene Entschädigungen einen Wochenlohn zu erhalten haben, der ihnen durch einen Erlaß vom Jahre 1906 eine monatliche Einnahme von 15—18 Frcs. sichert. Dieser Erlaß ist aber immer nur toter Buchstabe geblieben, und das Geld ist niemals ausgezahlt worden, bis vor kurzem ein Unteroffizier auf die Nachzahlung des ihm jahrelang vorenthaltenen Soldes vor dem obersten Verwaltungsgericht, dem Staatsrat, klagte. Dieser gab ihm recht. Daraufhin haben über 3700 Unteroffiziere, die sich in derselben Lage befinden, beim Kriegsministerium ihre Ansprüche geltend gemacht. T Paris, 14. Juni. In der Senatskommission stellte Finanzminister Dumont bei Besprechung der Einkommensteuer fest," daß er mit der Kommission über die Steuerbefreiung französischer Rentenkupons übereinstimme. Die Regierung sei nicht gegen die Aufrechterhaltung der Behandlung der an der Börse gehandelten ausländischen Werte. Für die ausländischen Staatsfonds sei;, eine Uebereinstimmung über die Taxen erzielt worden, die sie zu bezahlen hätten. Spanien. Ernste Kämpfe der Spanier in Marokko. Madrid, 14. Juni. Bei dem gestrigen Kampfe bei Laurient in Tetuan wurden getötet: auf seiten der Spanier 1 Major und 1 Leutnant, verwundet wurden 2 Oberleutnants und 4 Leutnants; 20 Soldaten wurden getötet und 45 verwundet. Sämtliche Getöteten und Verwundeten gehören zur Kolonne des Generals Primo deRibera, der die Stellung Laurient nach heftigem Kampfe mit starken feindlichen Streitkräften nahm, wobei diese sehr große Verluste erlitten. Amerika. Washington, 14. Juni. Die Bestimmungen des Tarifs, daß Rohwolle und Zucker auf die Freiliste zu setzen sind, wurde gestern in dem Senatsausschuß angenommen. Vom Baltan. T Athen, 14. Juni. Die griechische Sondermission, die unter Theotokis' Führung nach Berlin geht, wird vom deutschen Kaiser am Mittwoch empfangen. General Soutos und Rangabe, früher Vertrauensmann der Regierung auf Kreta, gegenwärtig in London, sind der Mission noch zugeteilt. Griechenlands=Ansicht zur Lage. Athen, 14. Juni. Obwohl die griechische Regierung den Frieden wünscht, und dafür arbeitet, immer unter der Voraussetzung der Anerkennung der erworbenen Rechte Griechenlands, und Wert darauf legt, nicht als der Urheber eines neuen Krieges zwischen den Bundesgenossen zu erscheinen, wird der Krieg doch allgemein als kaum vermeidlich angesehen. Man glaubt, daß bei der bekannten kriegerischen und unversöhnlichen Stimmung Danews der Bruch erfolgen muß, ohne daß ein Eingreifen der Mächte, wenn es überhaupt erfolgt, Aussicht auf Erfolg hat. Die Rüstungen Bulgariens dürften in 8 Tagen beendet sein. Zur Ermordung Schewket Konstantinopel, 14. Juni. Das Haus, worin die vermutlichen Mörder Mahmud Schefkets sich versteckten, ist von der Polizei um 4,30 Uhr nach 4stündigem Kampfe eingenommen worden. 8 Verhaftungen wurden vorgenommen. Konstantinopel, 13. Juni. Die Beisetzung des ermordeten Großwesirs ist ohne Zwischenfall verlaufen. Der deutsche Botschafter hat der türkischen Regierung das Beileid seiner Regierung am Tode Schefket Paschas übermittelt. * Konstantinopel, 14. Juni. Die Ernennung des Prinzen Said Halim zum Großwesir zeigt, daß der bisherige Kurs der Regierung beigehalten werden soll. Prinz Said besaß im Kabinett das Vertrauen Mahmud Schewket Paschas, der sich besonders in Fragen der auswärtigen Politik in weitestem Maße auf Said verließ. Prinz Said ist ein europäisch erzogener und europäisch denkender moderner Mann, der Enkel des berühmten ägyptischen Mehmed Ali, ein ergebener Anhänger des Komitees und bei verschiedenen diplomatischen Aktionen erprobt, wie bei den türkisch=italienischen Friedensverhandlungen. Gerichtssaal. Düsseldorf, 13. Juni. Am Abend des 4. Februar geriet im Güterbahnhofe in Neuß der Heizer Hubert Wirtz zwischen das Mauerwerk einer Kohlenladebühne und dem Kohlenkasten und wurde getötet. Vor der Strafkammer hatte sich gestern der Lokomotivführer Johann Lauterbach wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Durch die Beweisaufnahme wurde dargetan, daß er seinen Berufspflichten nicht genügend nachgekommen war, weshalb das Urteil auf 1 Mon. Gefängnis lautete. Duisburg, 14. Juni.(Strafkammer.) Der Buchhalter Heinrich Spielkamp stahl am 29. März aus dem Geldschrank seines Arbeitgebers, Kaufmann Joh. Hengstenberg in Ruhrort 11 200 M. Er ließ Frau und Kinder im Stich und fuhr nach Italien. Am 18. April kehrte er zurück und gab seinem Chef 9700 Mark wieder. Spielkamp, der Vater von zwei Kindern ist, lebte in geordneten Verhältnissen. Dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend, erkannte das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. Elberfeld, 13. Juni. Die 3. Zivilkammer des hiesigen Landgerichts hat den Antrag der Stadt Barmen auf Erlaß einer vorläufigen Verfügung, durch die der Stadt Elberfeld das Recht auf den Abschluß eines Vertrags mit der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Nürnberg wegen der Errichtung einer Betriebsgemeinschaft für die Straßen= und Kleinbahnen in Elberfeld sowie das Recht des Verzichts auf den Ankauf der elektrischen Straßenbahn Barmen=Elberfeld vom 1. Januar 1920 ab untersagt werden sollte, abgelehnt. Marburg, 13. Juni. Das Schwurgericht verurteilte gestern den 28 Jahre alten Kuhschweizer Karl Balzereit aus Landskeim(Reg.=Bez. Königsberg), der am 6. Apvil in Selbach seinen Dienstherrn, den 40 Jahre alten Landwirt Konrad Kraft i mStreit erstach, zu 5 Jahren Gef. u. 5. J. Ehrverl. Berlin, 14. Juni. Dr. C. von Preiß, der bei der Firma Wertheim als Dolmetscher angestellt war, hatte für über 10000 Mark Teppiche und andere Sachen ge stohlen. Er wurde gestern von der 10. Strafkammer Berlin 1 zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Petersburg, 13. Juni. In dem Mordprozeß gegen die 2 Beamten im Ministerium des Aeußern, die im Januar einen Raubmord an einer Frau Thieche begingen, wurde gestern das Urteil gefällt. Dolmatew wurde zu 17 J. und Baron Geismar zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Westdeutschland. Düsseldorf, 13. Juni. Auf dem Güterbahnhof Derendorf wurde ein Rottenarbeiter von der Lokomotive eines Güterzuges überfahren und getötet. Meiderich, 13. Juni. Gestern wurde ein in einer Gartenlaube spielendes, 6 Jahre altes Kind plötzlich von einer Kugel ins Herz getroffen, so daß es tot zu Boden sank. Man rief sofort die Polizei, die eine Untersuchung vornahm. Bisher ist es nicht möglich gewesen, den Sachverhalt aufzuklären und den Schützen zu ermitteln. Viersen, 13. Juni. Gestern feier te Eduard Wentges sein 25jähriges Jubiläum als Beigeordneter der Stadt. Sowohl als Beigeordneter wie auch in seiner fast 30jährigen Tätigkeit als Stadtverordneter hat er sich namhafte Verdienste um die Entwicklung der Stadt erworben. Korschenoroich, 13. Juni. Der Gemeinderat hat aus Anlaß des Kaiserjubiläums die Errichtung eines öffentlichen Schwimmbades und eines Vogelschutzgehölzes beschlossen. Köln, 14. Juni. Gegen den der Ermordung des 9jähr. Kindes der Familie Klein in Mülheim=Rhein verdächtigen Metzger Klein haben sich die Verdachtsmomente derart zusammengezogen, daß trotz des Leugnens des Verhafteten, er wohl der Mörder ist. Klein steht im Verdacht, auch in Amerika, wo er sich 3 Jahre aufhielt, einen Mord begangen zu haben. Nach der Tat soll er nach Mülheim geflüchtet sein. Auch nach dieser Richtung hin wird die Untersuchung geführt.— Seit 8 Tagen wurde der Referendar Deubel von hier vermißt. Die Leiche wurde nunmehr im Rhein gelandet. Da er sich im Badeanzug befand, wird angenommen, daß der Verunglückte beim Baden den Tod fand. Köln, 13. Juni. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde der Beigeordnete Dr. Laus, dem die Kunst= und Museumsangelegenheiten unterstehen, wiedergewählt; sein Gehalt wurde auf 13.000 JA, steigend bis 15 000 A festgesetzt. Für die Schlacht= und Mastviehausstellung 1914 wurde ein städtischer Zuschuß von 10000 M bewilligt. Für die Beschafsung von weiteren Stücken für das Ratssilber der Stadt Köln 4 Tischleuchter und 4 Kredenzen) wurden 20 000 J bewilligt. Koblenz, 13. Juni. Die Strombefahrung durch die Rheinschiffahrtskommission findet vom 8. bis 10. Juli statt. Am 1. Tage geht die Fahrt von Bingen bis Köln, am 2. von Köln nach Wesel. Dort findet am 3. Tage eine Schlußsitzung im Rathaus statt. Herne, 14. Juni. Im Quersch lag des Schachtes 1 der Zeche Mont Cenis griff der Schießmeister Denkelmann an eine bei der Patronenausgabe vorüberführende Starkstromleitung und wurde auf der Stelle getötet. Iserlohn, 13. Juni. Mit der gesetzlichen Regelung des Zugabewesens hatte sich die hiesige Handelskammer zu beschäftigen. Während der Kleinhandel=Ausschuß sich für ein gesetzliches Verbot des Zugabewesens aussprach, glaubte die Vollversammlung dem nicht zustimmen zu können. Die Kammer ging in der Verwerfung der gesetzlichen Untersagung des Zugabewesens auch von dem Standpunkte aus, daß der Handel bereits derart durch gesetzliche Bestimmungen eingeengt ist, daß seine Bewegungsfreiheit ungemein eingeschränkt ist und jede weitere Behinderung, die durch bürokratische Anwendung der Bestimmungen zur Schikane ausarten kann, durchaus unterbleiben muß. Arnsberg, 14. Juni. Die Meisterprüfung im Fleischerhandwerk bestanden gestern hier die Gebrüder Theodor, Max und Felix Löwenstein von Brilon. Minden, 13. Juni. Der Kreistag bewilligte 10 000 0 für Beihilfen zu Wegebauten für 2 Gemeinden und die Ueber nahme einer Bürgschaft für ein Darlehen von 250000 A de Elektrizitätswerkes Minden=Ravensberg. Kassel, 14. Juni. Ein 39 Jahre alter Zuschneide aus Krumbach wurde in der Fulda tot aufgefunden. Di Leiche wies erhebliche Verletzungen am Kopfe auf, auch wa dem Manne ein Tuch in den Mund gesteckt. Vermutlich# der Mann ermordet und dann in die Fulda geworfen. Kaiserslautern, 13. Juni. Gestern brannte da Fabrikgebäude der Mälzerei von F. W. Gilbert vollständi aus. Das=Maschinenhaus und das Wohnhaus konnten ge rettet werden. Bei den Rettungsarbeiten sind 7 Feuerwehr leute mehr oder weniger schwer verletzt worden. Heidelberg, 13. Juni. Das neue badische Landes krüppelheim wurde gestern in Anwesenheit der Großherzogin Witwe Luise von Baden hier feierlich eröffnet. Aus aller Welt. Berlin, 13. Juni. In Deutsch=Ostafrika greift die pe in Usmao im Bezirk Muansa weiter um sich. Die Krankhei tritt recht bösartig auf und verläuft fast immer tödlich. Di Zahl der täglichen Todesfälle beläuft sich bereits auf über 30 Berlin, 14. Juni. In der Brunnenstraße ist gester ein Zusammenstoß zwischen 2 Straßenbahnwagen erfolgt. De eine Wagen schlug gegen einen Pferdeomnibus. Es habei sich 26 Verletzte gemeldet. Schwer verletzt wurde der Straßen bahnführer Schenk und der Handelsmann Nathan Stark. Kiel, 14. Juni. Bei Sylt wurde die Leiche des Ober leutnants Pies, des Kommandanten des untergegangene Torpedoboots S. 178 gelandet. Die Ueberführung der Leich nach der Heimat Trier ist bereits eingeleitet. Klausthal, 14. Juni. Auf dem Kaiserschacht verun glückten gestern nacht 2 Bergleute tödlich dadurch, daß de Förderkorb aus 40 Meter Höhe herabstürzte. Ein 3. Berg mann wurde schwer verletzt. Stuttgart, 14. Juni. Auch die württembergische Hochschulen werden dem Kaiser zu seinem Regierungsjubi läum ihre Huldigung darbringen. Von der Universität Tü bingen wird sich der Rektor, der Ordinarius der kath.=theologi schen Fakultät, Professor Dr. Anton Koch und von der Techni schen Hochschule in Stuttgart, Professor Anton Bantlin zu Beglückwünschung nach Berlin begeben. Pola, 13. Juni. Der Maschinenmaat Birkhofer, der in Marinehospital seit 3 Tagen schwer erkrankt daniederliegt steht in dem Verdachte, an der Spionage Redls beteiligt ge wesen zu sein. Er hat sich seine Verletzungen selbst beige bracht und wird jetzt von Polizisten streng bewacht. In der Papieren Birkhofers befand sich eine genaue Beschreibun mehrerer Kriegsschiffe sowie Aufstellungen über die Beman nung und ein Spionagebericht in einem Briefumschlage mi einer Chiffre unter einer Prager Adresse. Der Briefumschla enthielt einen anderen kleinen Briefumschlag mit der Auf schrift:„An den Generalstabschef“. Lüttich, 11. Juni. Der Gewehrarbeiter Spitz feuert auf der Straße auf seine Frau, die ihm Faulheit vorwar und erschoß sich dann. Die Frau blieb unverletzt. Toulon, 14. Juni. Der am 7. Mai auf den Wäller hier aufgefundene Selbstmörder ist der deutsche Postbeamt Thomas, der kürzlich in das Breslauer Postgebäude einbrach Schwere Flieger=Unfälle. T London, 14. Juni. Der Flieger Kordon Bell ist beir Landen in der Nähe von Brookland mit seinem Aeropla: heftig auf den Erdboden aufgestoßen. Er wurde schwer ver letzt, sein Passagier, Leutnant Kemnedy, wurde getötet. Lissabon, 14. Juni. Bei einem Flugwettbewerb stürzte der Flieger Manie bei Sacavence aus einer Höhe vo 300 Metern ab. Er war sofort tot. Aufgegebener Flug. T Warschau, 14. Juni. Der Flieger Brindejone hat sei nen Flug nach Petersburg wegen ungünstigen Wetter autgegeven. .„ Wassergeister. Wenn die Sommersonne mit weitgehender Frei gebigkeit ihre heißen Lichtstrahlen den Erdbewohner spendet, dann ist es für viele, viele Menschen ein köst liches Labsal, im kühlen Naß zu plätschern, und nich wenigen ist es zur täglichen, schier unentbehrlichen Ge wohnheit geworden. Es lächelt der See, er ladet zun Bade... Wenn es auch nicht ein wirklicher, von Felund Wald umsponnener See ist—, auch ein leise wal lender Fluß, ja, ein bescheidener Teich kann hochwill kommen sein. Eine reizvolle Landschaft tut natürlich da Ihre. Da werden die Märchengestalten der Nixen un der anderen Wassergeister lebendig. Man entsinnt sich oft heuchelten sie nur eine wunderholde Art, um dest sicherer eines arglosen Menschenkindes Körper und Seel in bodenlose Tiefen zu zerren. Wie war's doch mi dem Fischer, der nicht genug gegen alle Lockung gefe war?„Halb zog sie ihn, halb sank er hin!“ Uralte Volksglaube meint, von Zeit zu Zeit müsse See un Strom ein besonderes Opfer haben. Das heißt, di Gottheiten in und um verlangten es so, und manche schwermütig schauerliche See=Mythus eignete nicht zuletz dem alten Germanentum. Und darum wurden auch jen grausigen kultischen Spenden dargebracht, die manche blühende Menschenleben den unheimlichen Wasserschlün den überantworteten. Oder man warf, um nicht den be rühmten Götterneid zu erregen, freiwillig irgend en Kleinod oder sonst einen wertvollen Gegenstand in di geheimnisvollen Fluten... Wasserorakel waren imme sehr beliebt. Wenn etwa um die mitternächtige Stund der Mond sein silbriges Licht über den Wasserspiege gleiten ließ, da schöpfte man unter seltsamen Reimfor meln von dem beziehungsreichen Naß; und manche aber gläubischen Leute tun derartiges auch jetzt noch an be sonderen Lostagen und in allerlei Nächten.. Wasser geister——, soll man immer nur Angst vor ihnen ha ben? Nun, wer ordentlich schwimmen kann, ist ihner schon reichlich gewachsen. Den deutschen Jungen un Mädels muß es immer wieder zugerufen werden: Lern schwimmen! Meistert das Wasser und freut euch dabe erst recht seiner belebenden Kräfte! Das Wohlgefühl de sicheren Schwimmers ist kaum zu beschreiben. Jedenfallhaben wir hier eine der gesündesten Sportbetätigungen vorausgesetzt natürlich, daß sie nicht durch unsinnig Uebertreibung verdorben wird. Sehr anregend, kräfti gend, unterhaltend, macht sich auch der Sport auf den Wasser, also vor allem das Rudern. Manchem genüg es, im leichten Nachen langsam dahinzutreiben, wobe die Gedanken spazierengehen und freundliche Träume keln. Ja, da ist sie wieder da, die Fluß= und mantik, und die Wassergeister gucken neugierig zwisch Schilf und Ufergräsern hervor und schütteln wohl.! Kopf über diese närrischen Erdenleute. Oststr. 13. Wattenscheid. Oststr. 13. Lichtspielhaus ersten Ranges. Angenehmer Familien-Aufenthalt.:-: Bequeme elegante Sitzgelegenheiten, gutventiliertes, kühles Theater, eigenes Theater-Orchester. 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Montag, den 16. Juni, er., abends 7.30 Uhr Antreten im Vereinslokal zur Teilnahme am Fackelzuge. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. D beste ernttdlaseige Saien- Fiämes noch ganz wie neu, von kräftigster Bauart, großer Tonfülle und hochmoderner Ausstattung, gebe mit langjähriger Garantie billig ab. E. Hilger, Essen, Wishoterplatz(Grabenstrasetce.) Größter Umsatz am Platze! Sonntag, den 15. Juni. St. Gertrudis=Propsteipfarre. 6 Uhr: hl. Messe. Kommunion der Jungfrauen. 7 Uhr: hl. Messe. Gemeinschaftl. hl. Kommunion der Kommunionkinder der Gertrudisschule. 8 Uhr: hl. Messe mit Predigt. 9 Uhr: hl. Messe mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11½ Uhr: hl. Messe mit Predigt. 12½ Uhr: Taufe. 2½ Uhr: Christlicher Unterricht und Andacht. Montag vorm. 9 Uhr: Festgottesdienst aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers. St. Joseph-Filialgemeinde Wattenscheid. 6,45 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 7 Uhr: erste hl. Messe; gemeinschaftliche hl. Kommunion der Mädchen der Oberklasse und von Westenfeld. 8½ Uhr: Kindermesse. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11,45 Uhr: Taufe. 2½ Uhr: Andacht. Herz Jesu=Filialgemeinde Sevinghausen. 6 und 6½ Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 7¼ Uhr: stille hl. Messe mit Predigt und gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jünglingssodalität. ½10 Uhr: Hochamt. ½3 Uhr: Herz=Jesu=Andacht. Herz Mariä=Pfarrkirche in Günnigfeld. 6½ Uhr: stille hl. Messe. 8 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2½ Uhr: Christlicher Unterricht und Andacht. 4 Uhr polnische Predigt und Andacht. Um 8 Uhr ist gemeinsame hl. Kommunion der Knaben der Oberklasse. Pfarrkirche in Höntrop. 6½ Uhr: stille hl. Messe mit gemeinschaftl. hl. Kommunion der Jungfrauenkongregation und der Kinder(der Mädchen.) 7,45 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 9½ Uhr: Hochamt mit Predigt. 2½ Uhr: Christenlehre mit Andacht und Segen. 3¼ Uhr: Andacht mit Predigt für die Jungfrauen. St. Josefs=Pfarrkirche in Gelsenkirchen=Ueckendorf. 6—7 Uhr: Beichte. 6 Uhr: hl. Messe. 6,50 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion— aber nicht an Frauen. 7 Uhr: Frühamt ohne Predigt. Nach dem orate fratres hl. Kommunion der Frauen, gemeinschaftl. hl. Kommunion des Elisabeth=Frauenvereins. ½9 Uhr: hl. Messe mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. ½12 Uhr: Spätmesse mit Predigt. ½3 Uhr: Christenlehre und Andacht. 4 Uhr: polnische Andacht und Predigt. 6 Uhr: Herz=Jesu=Andacht mit Predigt, besonders für Frauen und Jungfrauen. Sonntag, den 15. Juni. Friedenskirche. Vorm. 8 Uhr: Frühgottesdienst, Pastor Kuhlmann. Vormittags 10 Uhr: Festgottesdienst aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers, Pastor Greve aus Bethel.— Jahresfest des Blaukreuzvereins. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst, Pastor Bonne. Nachm. 3 Uhr: Taufstunde, P. Bonne. Alte Kirche. Vorm. 9 Uhr: Masurischer Gottesdienst, Pastor Mückeley. Kapelle zu Höntrop. 9½ Uhr: Gottesdienst zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers. Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst. Krankenhaus. Vorm. 10 Uhr: Hausgottesdienst, Pastor Engelbert. Amtswoche vom 15. bis 21. Juni: Pastor Bonne. Gemeindehaus. Sonntag nachm. 2½ Uhr: Gottesdienst für Holländer Günnigfeld. 9,30 Uhr Gottesdienst. 11 Uhr Kindergottesdienst. Ueckendorf. 8 Uhr P. Hußmann. 10 Uhr P. Sewing. 10,15 Uhr Gottesdienst im Krankenhaus, P. Hußmann. 2 Uhr Jugendgottesdienst, P. Sewing. 2,45 Uhr Kirchentaufen. 9,30 Uhr im Gemeindehause masur. Bibelstunde, Gemeindehelfer Symanski. Amtswoche: P. Hußmann. Eedert Leder! kaufen Sie am besten u. billigst. in der Lederhandlung von Ad. Hake, Wattenscheid, Hochstr. 14, gegenüber der Post. Größte Auswahl. Größte Leistungsfähigkeit. — Gemeinschaftlicher Einkauf für 6 Geschäfte.— Fuhie 2 Mk. 10 Jahre„ehrit, Garantie für Haltbarkeit. Zahnziehen in den meisten Fällen fast gänzlich schmerzlos. 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S. 207) weiter bekannt gemacht, daß der mit dem Landwirt Wilhelm Kopp in Sevinghausen abgeschlossene vertrag vom 10. Juni d. Irs. zwei Wochen lang, und zwar vom 16. Juni bis 30. Juni d. Irs. in der Wohnung des Unterzeichneten öffentlich ausliegt. Jeder Jagdgenosse kann während der Auslegungsfrist bei dem Kreis=Ausschuß in Gelsenkirchen gegen den Pachtvertrag Einspruch erheben. Dieser Einspruch darf sich jedoch gegen die Art der Verpachtung und gegen die Pachtbedingungen insoweit nicht richten, als dieselben durch das im§ 21 des obengenannten Gesetzes vorgeschriebene Verfahren festgestellt sind. ausen, den 12. Juni 1913. der Jagdvorsteher: Th. Fellermann. Sonnlag, den 15. ds. großes Wettfliegen, Konzert, Illumination, Peuerwerk. Sonntag, den 22. ds. Bröffnung der Fahrten mit„Charlotte“. Preis ½ Stunde Mk. 40, für Mitglieder Mk. 30. auf jedes Mk. 1000 Eintrittsgeld durch Verlosung der Eintrittskarten eine Freifahrt mit Charlotte. 0000000000000000000 Rennen zu Düsselder Sonntag, den 22. 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Lesemeessemssseserssenssrenensseeseensemneessseneneessssenseeeresenenern s Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten Jei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.:Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Aus Stadt, Amt und Kreis. Heil Kaiser dir! Heut' ist auf Jubel mein Sang gestimmt, Nur Frohes gilt es zu künden, Wer heute zur Hand die Harfe nimmt, Zum Spiel die Finger zu ründen, Dem fließt begeistert das Lied vom Mund. Dem Kaiser, der fünfundzwanzig Jahr Das Schiff durch die Wellen gesteuert, Der immer ein braver Seemann war, Ihm sei der Treuschwur erneuert, Am Jubeltage mit Herz und Hand. Was soll ich preisen noch lang und breit, Ihr wißt, was wir ihm verdanken, Wie er den Frieden in schwerer Zeit, Wenn Sturm bedrängte die Planken Des Schiffes, geschützt mit starker Hand. Er möge weiter steuern das Schiff, Durchviele Jahre noch lenken, Und glücklich umfahren Fels und Riff, Begegnen der Feinde Ränken; In diesem Sinne: Volldampf voraus! Mein Wattenscheid ist auch auf dem Plan Am Tage der großen Freude, Vom Dache flattert im Winde die Fahn', Und schmückt gar schmuck die Gebäude Mit Deutschlands Farben schwarz, weiß, rot. Am Kriegerdenkmal der Adler glüht Mit tausendzüngelnden Flammen, Verlöscht, entzündet sich, braust und sprüht, Und alle Flämmchen zusammen Hinzaubern den Aar aus Licht und Glanz. Am Abend, da zieht der Fackelzug, Wenn Mond und die Sterne scheinen, Die Straßen herauf wie Zauberspuk, Gestellt vonfünfzig, Vereinen, Und Kind und Kegel marschieren mit. Beim Zeus, wer hätte denn das gedacht, Daß soviel Vereine hier tagen, Auch der Dichterverein hat sich aufgemacht, Emilius und ich, sozusagen, Wir leuchten uns„einträchtig“ heim. Musik an allen Enden ertönt, Hell klingen die Jubellieder. Die Trommel wirbelt, die Pauke dröhnt, Es fliegen im Takt die Glieder Der Beine mit strammem Schritt. Wie Mauern steht das Volk und Des fürchterlich langen Schwanzes, Wie ist ein jeder so gut gelaunt Und freut sich des flackernden Glanzes, Dem Kaiser gegründet zum Ehrentag. Auf dem alten Markt, da rollt sich dann Zu einem Klumpen die Schlange, Die Fackeln leuchten wie Zauberbann Aus der riesigen Massen Drange. Ein prächtiges Bild, wie selten man sah. Da tönt wie Jubel der Festessang Aus kräftigen Männerkehlen. Er preist den Kaiser mit hellem Klang, Begeistert die Herzen und Seelen, Zu reinen Gefühlen zu Kaiser und Reich. Das Haupt der Stadt ergreift das Wort Vom Feuerwehrturm herunter, Und reißt wie Sturmwind die Hörer fort; Wie klingt hellauf und so munter Das Hoch für den Kaiser, den Kaiser Drauf Feuerwerk überaus brillant, Es fliegen zum Himmel Raketen, Bengalisches Licht seinen Zauber spannt, Nie schön're Sonnen sich drehten, Als an des deutschen Kaisers Jubeltag. Was dann noch geschieht, ist schnell gesagt, Spielt ab sich in festlichen Sälen, Und wie es jedem dort hat behagt, Wird Busch uns am Dienstag erzählen. Wenn hingerauscht der Festes Schall. Ich aber wünsche allen gar sehr Das allerbeste Vergnügen. Daß keiner fehle im Fackelheer! Genießet in vollen Zügen Den köstlichen Trunk, die festliche Zeit: Villa Kuckucksheim, zum 16. Juni 1913. Gottlieb. Die staun! Zu Kaiser Friedrichs Gedächtnis. Wattenscheid, 14. Juni. ie Unterführung am Bahnhof Gelsenkirchen=Wattenscheid. * Die Arbeiten an der im Bau begriffenen Unterfühung am rheinischen Bahnhof Gelsenkirchen=Wattencheid nehmen trotz der sich entgegenstellenden Schwierig#ten einen guten Fortschritt. Ungeheure Erdmassen mußten erbeigeschafft werden, um die Hebung der Gleise, die schon um größten Teil ausgeführt ist, bewerkstelligen zu können. der Unterführung selbst hat man, nachdem unter Der 15. Juni, an dem zum 25. Male der Tag sich jährt, da Kaiser Wilhelm II. den Herrscherthron seiner Ahnen bestiegen hat, ruft mit Naturnotwendigkeit zugleich die Erinnerung wach an Kaiser Friedrich III., den erhabenen Vater und Vorgänger unseres Kaisers. Die edle Duldergestalt Friedrichs III. ist mit einem dichten Schleier ernster Tragik umhüllt, denn ein langes Leben hindurch hatte er ununterbrochen daran gearbeitet, sich auf seinen Herrscherberuf vorzubereiten, aber als endlich die glänzendste Krone Europas sich auf sein Haupt senkte, wurde sie ihm zur Märtyrerkrone. Auf der sonnumglänztesten Höhe menschlicher Größe stand er da, krank und machtlos, bis ein sanfter Tod ihn vom qualvollsten Leiden erlöste. Im Neuen Palais bei Potsdam, dem damaligen Schloß Friedrichskron, hatte die Wiege Prinz Friedrich Wilhelm gestanden, und in Glück und Frieden waren seine ersten Kindheits= und Knabenjahre verflossen. Seit 1841 wurde dann mit dem militärischen Unterricht durch den Obersten von Unruh begonnen, während der Prediger Godet und vom 13 Lebensjahre ab der berühmte Altertumsforscher Ernst Curtius den Prinzen in die Wissenschaften einführte. Am 18. Oktober 1848 schloß diese schöne Jünglingszeit ab, es erfolgte die Großjährigkeitserklärung des zukünftigen Thronfolgers, der kurz darauf die Universität Bonn bis 1852 zur Fortsetzung seiner Studien bezog. Seine ersten Kriegsstudien im Felde zu machen, gab ihm der Schleswig=Holsteinische Krieg 1864 Anlaß, obschon er dort nicht im Feuer stand. Hohen Kriegsruhm aber gewann er im Feldzuge 1866, wo ihm der Oberbef ehl über die zweite preußische Armee übertragen worden war. Die Siege bei Nachod, Trautenau und Skalitz, und die Entscheidungsschlacht von Königgrätz sind die Marksteine seines damaligen Siegeszuges. Der Deutsch=Französische Krieg 1870 rief den Kronprinzen wieder ins Feld: ihm war das Oberkommando über die 3. Armee übergeben worden, die die süddeutschen Truppen bildeten. Der sampf bei Weißenburg, die Schlacht bei Wörth und die entscheidende Schlacht bei Sedan seien hier hervorgehoben als seine glänzendsten kriegerischen Erfolge. Am 18. Januar 1871, nachdem König Wilhelm zum Deutschen Kaiser proklamiert worden, erhielt sein Aeltester die Würde als Kronprinz des Deutschen Reiches, den Titel Kaiserliche Hoheit und nach der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien in Berlin am 22. März das Großkreuz des Eisernen Kreuzes. Als General-Inspekteur der 4. Armee-Inspektion mußte er sich oft nach Süddeutschland begeben, wo ihm stets des Volkes wärmste Sympathien entgegenkamen. Oft vertrat er in den letzten Jahrzehnten denKaiser, in Wien und Stockholm, in Madrid und Rom. Nach dem Nobilingschen Attentat warer von Juni bis Dezember1878 der Vertreter des Kaisers in allen Regierungsange8aic Here Se ian das Sche iür Herie. 50jährige Regierungsjubiläum seiner Schwiegermutter, der Königin von England, bei dem die imponierende Heldengestalt„unseres Fritz“ wieder, und zwar zum letzten Male, die Bewunderung der englischen Bevölkerung erregte. Aber bereits umschwebte der düstere Schatten des Todes den Recken. Kurz nach seiner Heimkehr traten die ersten Anzeichen seiner entsetzlichen Krankheit zu Tage, der er, nachdem er vergebens im fernen Süden am herrlichen Gestade des Mittelmeeres Heilung gesucht, noch kein Jahr später erlag. Ein Vierteljahrhundert ist nunmehr seit jenen denkwürdigen Tagen dahingegangen, aber unvergessen bleibt das Andenken an den zweiten Kaiser des neuen Deutschen Reiches, der, zuerst als Schlachtenlenker, dann aber vor allem als heldenmütiger Dulder fortlebt im Herzen der Nachwelt. den Gleisen die Erde zum Teil bereits in der erforderlichen Tiefe ausgehoben ist, eine starke Stützmauer hochgeführt und ist augenblicklich damit beschäftigt, mächtige Eisenlager einzubauen. Diese, sogenannte Bänder, dienen dazu, um die Unterführung vor Schäden, die durch Bodensenkungen hervorgerufen werden, zu sichern. Inzwischen wird das nach dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof führende Gleis außer Betrieb gesetzt und ebenso der daran anstoßende Lagerplatz der Firma Markmann u. Moll geräumt. Die Firma hat ihren Lagerplatz jetzt direkt neden Zeche Holland verlegt. Der hierdurch gewonnene freie Platz soll während des Umbaues für den Rangierdienst benutzt werden. Im Laufe der nächsten Tage wird sich auch das Schicksal des Vatterschen Restaurants entscheiden. Erweist sich das Gebäude, und namentlich das Fundament, stark genug, um die notwendigen Aenderungen und Bauten aushalten zu können, so bleibt es stehen, andernfalls wird es niedergelegt. Auch das alte Stellwerksgebäude wird bald verschwinden und dann das etwas zurückliegende, neue Stellwerk, das bedeutend größer und mit den neuesten Errungenschaften der Technik ausgestattet ist, in Betrieb gesetzt. Der Platz des alten Stellwerks ist ebenfalls für Gleisanlagen vorgesehen. Ist der erste Teil der Unterführung an der Gelsenkirchener Seite fertiggestellt, so wird ein Teil der Gleise über den neuen Teil des Baues geführt und dann die andere Hälfte der Arbeit gleichzeitig mit der erforderlichen Senkung des Weges, die bekanntlich sehr erheblich ist, in Angriff genommen. Zunächst soll die westliche Hälfte des südlichen Teiles der Ueckendorferstraße gesenkt und fertiggestellt werden, sodaß nach Beendi. über 34,000 ähnlich lautende schriftliche Anerkennungen! ung dieser Arbeiten der Fuhr= und Fußgängerverkehr durch den gesenkten Teil der Straße geleitet und der provisorische Umgehungsweg aufgehoben werden kann. Hierauf erfolgt die Fertigstellung des übrigen Teiles. Inzwischen wird vor dem Stationsgebäude ein Personentunnel geschaffen, sodaß für die Folge, ähnlich wie auf Station Wattenscheid, 1 Mittel=Bahnsteig vorhanden ist. Dagegen bleibt das Stationsgebäude in seiner jetzigen Gestalt bestehen. An und für sich von unschöner Form, wirkt es jetzt, besonders vom Bahngleise aus gesehen, direkt häßlich und— komisch, da wegen der Hebung der Gleise direkt vor dem Gebäude eine mehrere Meter hohe Mauer gezogen werden mußte, wodurch nur der obere Teil des Gebäudes sichtbar bleibt. Hoffentlich handelt es sich hier nur um einen provisorischen Zustand. Es wird erzählt, daß das Stationsgebäude in wenigen Jahren niedergelegt und an der Ueckendorferstraße einen dem gesteigerten Verkehr entsprechenden Neubau aufgeführt werden soll. Die neue, geräumige Güterabfertigung ist nahezu fertiggestellt und zum Teil schon in Benutzung genommen. Wie schon eingangs erwähnt, gestalten sich die Arbeiten äußerst schwierig, und zwar hauptsächlich deswegen, weil der ganze Bau wegen des beschränkten Raumes bei vollem Betrieb, sozusagen unter dem rollenden Rade ausgeführt werden muß. Von dem auf dem Bahnhofe herrschenden gewaltigen Verkehr kann man sich ein Bild machen, wenn man bedenkt, daß an jedem Tage ca. 250 Züge die Station passieren, der umfangreiche Rangierbetrieb garnicht mitgerechnet. Desto mehr muß lobend anerkannt werden, daß die Arbeiten einen guten Fortschritt nehmen und bisher ohne Unfälle verlaufen sind. Dies ist wohl in erster Linie der umsichtigen Leitung des Bahnmeister Kortz zu danken. Der größte Teil der Arbeiten dürfte bis Ende Oktober ausgeführt sein, so daß dann der Umgehungsweg aufgehoben werden kann. Die Kosten für die Unterführung dürften 1 Million Mark weit überschreiten. Katholische Vereinsn achrichten. * Marianische Jungfrauenkongregation: Nach der Andacht monatliche Versammlung; nachher Spielstunde.— Gesellenverein: Sonntag abend 8,30 Uhr.— Vinzenzverein: Dienstag abend 8½ Uhr: St. Gertrudis=, St. Joseph- u. St. Rikolaus=Konferenz.— St. Antonius=Knappenverein: Die Mitglieder werden gebeten, sich am Fackelzuge zu Ehren des Kaiserjubiläums am Monntag, 16. Juni, vollzählig zu beteiligen. Versammlung abends 7,30 Uhr im Vereinslokale (Sonnenschein). Daselbst werden auch die Fackeln an die Vereinsmitglieder ausgegeben.— Wanderabteilung der Sodalität: Die Wanderabteilung veranstaltet Sonntag, 15. Juni, eine Tageswanderung nach Hardenberg. Die Teilnehmer versammeln sich nachts 2 Uhr auf dem Kirchplatz.— Radfahrer=Abteilung der Sodalität: Sonntag morgen 11,30 Uhr Versammlung im Kolpingshaus.— Christstlich=sozialer Arbeiterverein: Sonntag, 15. Juni, morgens in der 7 Uhr=Messe gemeinschaftliche hl. Kommunion. Nachmittags 5 Uhr Versammlung im Vereinslokale. Um 4 Uhr Vorstandssitzung. Montag abend beteiligt sich der Verein an dem gemeinschaftlichen Fackelzuge anläßlich des Kaiserjubiläums. Antreten 7,30 Uhr im Kolpinghause. Daselbst sind die Fackeln zum Preise von 20 Pfg. erhältlich.— St. Josefkirche: Borromäus=Verein: Die Bibliothek ist geöffnet von 1,30 Uhr bis 2,30 Uhr.— Elisabethverein: Gleich nach der Andacht Versammlung.— Arbeiterverein: 5 Uhr nachmittags Versammlung beim Wirt Walter, wozu auch die Frauen der Mitglieder eingeladen werden.— Herz=Jesu=Kirche Seving= hausen: Nach der Andacht Versammlung der JünglingsSodalität. Evangel. Vereinsnachrichten. * Sonntag nachm. 3,30 Uhr: Jungfrauenverein im Gemeindehaus.— Mittwoch nachm. 2 Uhr: Diakonissen=Hilfsverein im Gemeindehaus.— Mittwoch nachm. 3 Uhr: Arbeitsstunde des älteren Frauenvereins im Pfarrhause an der Hochstraße.— Sonntag nachm. 4 Uhr: Gem. Chor im Gemeindehause.— Donnerstag abend 7,30 Uhr: Frauen= und Jungfrauen=Missionsverein.— Donnerstag abend 7 Uhr: Vorbereitung zum Kindergottesdienst.— Mittwoch nachm. 3 Uhr: Frauenverein zu Leithe im Vereinslokal Hoppe.— Jünglings= und Männerverein zu Wattenscheid. Sonntag barm. 9 Uhr: Posaunenchor. Sonntag vorm. ½12 Uhr: Gesangabteilung. Sonntag nachm. 5 Uhr: Jugendabteilung. Sonntag 6,30 Uhr: Generalverslg., 4 Uhr Kaiserjubiläumsfeier.— Mittwoch abend 7,30 Uhr: Bibelstunde.— Enthaltsamkeitsverein vom blauen Kreuz: Sonntag nachm. 5 Uhr: Versammlung im Vereinslokal Centrum. Samstag abend ½8 Uhr: Gebetsversammlung im Gemeindehaus.— Zweigverein der ev. Gesellschaft: Sonntag nachm. 3 Uhr: Bibertunde im Vereinshaus(Hochstr.) zu Wattenscheid.— Sonntag nachm. 5 Uhr: Bibelstunde im Vereinshaus zu Günnigfeld.— Evgl. Gebetsverein, Wasserstraße 19: Donnerstag abend 6 Uhr: Bibelstunde.— Bibelstunden Donnerstag abend. 7 Uhr in der Kleinkinderschule Centrum, Pastor Kuhlmann. Mittwoch abend 7,30 Uhr im Gemeindehause, Pastor Engelbert.— Jugendbund für entschiedenes Christentum für Mädchen: Jeden Sonntag, nachm. 6 Uhr: Gesangstunde für den gemischten Chor. Jeden Donnerstag abend 7,30 Uhr: Bibelbesprechstunde. Jeden Samstag abend 7 Uhr: Gebetstunde Günnigfeld, Vereinshaus, Marktstraße 18. Jeden Sonntag nachm. 3,30 Uhr: Gesangstunde für den gemischten Chor. Jeden Sonntag nachmittag 5 Uhr: Bibelstunde. Jeden Freitag abend 6 Uhr: Gebetstunde. Die Huldigung der christl. Bergknappen zum Kaiserjubiläum. * Zum 25jahrigen Regierungsjubiläum des Kaisers führt der„Bergknappe“, das Organ des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter, aus:„Als Arbeiter haben wir bei dieser Gelegenheit allen Anlaß, der Leistu ingen für die Arbeiter zu gedenken, die während der Regierung Wilhelms 2. zu verzeichnen sind, und an deren Zustandekommen auch Se. Maj. einen Teil hat. Unvergessen bleiben die bekannten Februarerlasse des Kaisers. Mit Dank erkennen die vernünftigen Arbeiter auch an, daß unter der Regierung Wilhelms 2. auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes und der Arbeiterversicherung viel geleistet wurde. Bei den Bergleuten ist sodann noch in dankbarer Erinnerung das hochherzige Eingreifen des Kaisers in den Streik von 1889. Damals hat sich Se. Majestät in den Herzen vieler Bergleute bis weit in die sozialdemokratischen Kreise hinein ein Denkmal gesetzt, das mehr wert ist, als eins von Erz oder Stein. In der neueren Zeit hat Se. Majestät alle vernünftigen, noch nicht um ihr selbständiges Denkvermögen gebrachten Bergleute erneut für sich eingenommen durch seine warmherzige Anteilnahme an dem grausigen Grubenunglück auf„Lothringen". Es bleibt Sr. Majestät unvergessen, daß er den Ort der Festlichkeiten verließ, die mit gewaligen Aufwendungen vorbereiteten Feste absagte und die Unglücksstätte aufsuchte, um seine Anteilnahme zu bezeigen, die vom Unglück Getroffenen zu trösten und eine Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen anzuregen. Im Interesse des deutschen Volkes, in dankbarer Erinnerung der Leistungen für das Volk, die seine Regierungszeit aufzuweisen hat, sowie auch seiner warmherzigen Anteilnahme an dem Geschick der Arbeiter, wünschen wir Sr. Majestät eine weitere lange, an Erfolgen für sich und das deutsche Volk reiche Regeerunggzeit. Flugplatz Wanne=Herten. * Am Sonntag findet großes Wettfliegen mit Konzert, prachtvoller Illumination und Feuerwerk statt. Diejenigen Besucher, welche ihre Eintrittskarten mit Namen, Stand und Wohnort versehen in die dazu angebrachten Kästen niederlegen, haben Berechtigung an der Auslosung einer Freifahrt mit dem Luftschiff„Charlotte". Dieses wird voraussichtlich am Sonntag, 22. Juni, wieder in Betrieb genommen werden. Eine ½ stündige Fahrt kostet 40 M, für Mitglieder des W. H. L.=V. 30 JA. Die Verwaltung macht darauf aufmerksam, daß das Schiff bei Festlichkeiten jeder Art gegen Entgelt Landungen, oder auch nur Schleifenfahrten auf rechtzeitige Bestellungen ausführt. Polizeihunde=Prüfung. * Der Verein zur Förderung der PolizeihundeZucht und Dressur Gelsenkirchen 3 und Umgegend veranstaltet am morgigen Sonntag, pünktlich 1 Uhr nachmittags beginnend, eine Polizeihunde=Prüfung auf dem Gelände der Ziegelei Wilhelms, gegenüber der Zeche Holland 1=2. Die Karten kosten im Vorverkauf 30, an der Kasse 50 Pfg. Ballon=Aufstieg. * Gestern mittag 3,20 Uhr stieg auf der zeche Rheinelbe in Leithe der Ballon„Gelsenkirchen“ mit nur einem Insassen auf, der sein Führerexamen ablegte. Zuerst flog der Ballon nach Essen, drehte dann aber nach links und überflog Hattingen. In einer Höhe von 400 Metern erreichte er die Wolken. Diese Wolkenschicht war so dick, daß sie, als der Ballon 1500 Meter Höhe erreicht hatte, noch nicht durchstoßen war. Es waren nur noch 3 Sack Ballast vorhanden und der Ballon durchnaß, sodaß sich der Führer zur Landung entschließen mußte, welche auch sehr glatt mit 1½ Sack Ballast und ohne Benutzung des Schlepptaues um 5.10 Uhr bei Dahlhausen an der Wupper vonstatten ging. Provinzial=Kriegerverband. * Am 21. d. M. findet in Bielefeld der Abgeordnetenlag des Westfälischen Provinzial=Kriegerverbandes statt, zu welchem von sämtlichen Kriegervereinen des Stadt= und Landkreises Gelsenkirchen Abgeordnete entsandt werden. Die Verhandlungen beginnen 12 Uhr mittags auf dem Johannesberge im Saale der Schützengesellschaft. Leiter der Verhandlungen ist der Königl. Oberbergrat Salomon aus Dortmund. Die Tagesordnung ist reichhaltig. Das gemeinschaftliche Mittagessen beginnt nachmittags 2 Uhr. Im Anschluß hieran nehmen die Abgeordneten an der Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers teil, veranstaltet vom Kriegerverband des Stadt= und Landkreises Bielefeld.— Bekanntlich soll in Bielefeld beantragt werden, den nächstjährigen Abgeordnetentag in Wattenscheid abzuhalten. Zur Wohnungsfrage im rheinisch=westfälischen Kohlenrevier. * Auf Beschluß des letzten Verbandstages der Hausund Grundbesitzervereine des rheinisch=westfälischen Kohlenreviers in Wattenscheid wird in den nächsten Tagen sämtlichen Baupolizeibehörden des rheinisch=westf. Kohlenreviers eine Denkschrift über die Bauordnungen im rheinisch=westfälischen Kohlenrevier zugehen. Diese Denkschrift befaßt sich mit der Prüfung der Frage, ob die Tendenz der neueren Bauordnungen, die Ausnutzung der Baugrundstücke, insbesondere hinsichtlich der Zahl der Stockwerke, weiter einzuschränken, für das rhein.= westf. Kohlenrevier am Platze sei. Sie verneint diese Frage und legt dabei Berechnungen zu Grunde, die des Interesses nicht entbehren. Im Jahre 1950 würden, wenn die Bevölkerung sich nach den bisherigen Verhältnissen vermehrt(eine progressive Vermehrung ist dabei nicht angenommen) in dem Gebiete des engeren Kohlenreviers, umfassend die Kreise Recklinghausen Stadt und Land, Buer, Hamm Stadt und Land, Dortmund Stadt und Land, Hörde Stadt und Land, Bochum Stadt und Land, Witten, Herne, Gelsenkirchen Stadt u. Land Hattingen, Duisburg, Oberhausen, Mülheim=Ruhr, Dinslaken, Essen Stadt und Land und Mörs insgesamt 7 550 391 Personen wohnen gegen 3 164 831 nach der letzten Volkszählung. Diese Personen würden sich aber zum größten Teile im Herzen des Kohlen=Reviers befinden und die Randgebiete vielfach freilassen. Bei der zur Verfügung stehenden Fläche werde, wenn man im Sinne der neueren Bauordnungen baue, sich also schon nach wenigen Jahrzehnten in der Richtung über Bottrop, Carnap, Gelsenkirchen, Wanne, Dortmund, Langendreer, Bochum, Essen usw. ein Gebiet ergeben in welchem Haus an Haus stehe und jede größere Feld= und Waldfläche verschwunden sein würde. Die von Redakteur A. Ecker verfaßteDenkschrift sieht dies für einen erheblichen Nachteil an. Sie bekämpft die weiträumige Bebauung, die eine Verteuerung des Mietzinses zur Folge haben müßte. Die Denkschrift sieht weiter in den neueren Bau=Ordnungen auch die Quelle eines weiteren Wachsens der Straßen=, Wasserversorgungs=, Kanalisations=, Verwaltungs= und Schullasten. Ein sehr wichtiger Grund, der gegen die weitläufige Bebauung spräche, ergäbe sichnochaus den Verkehrskosten, die, wenn man zwangsweise weitläufiger baue, sich stark erhöhen würden und besonders den Bergarbeiterstand treffen müßten. Diese Mehrkosten müssen die Bergarbeiter dann in eine Verminderung ihrer Lebenshaltung umsetzen. Aber auch die Lebenshaltung selbst bleibe nicht unberührt, auch sie werde sich verteuern, weil man durch die weiträumige Bebauung die letzten Teile der Landwirtschaft aus dem Kohlenrevier dränge. Die Denkschrift gibt einige Beispiele, wonach jetzt schon in den zentraleren Punkten des Kohlenreviers gegenüber den am Rande gelegenen die Nahrungsmittelversorgung verteuert ist. Zum Schlusse meint der Verfasser, daß die neueren, die Ausnutzbarkeit beschränkenden Bauordnungen, auch den Zechenwohnungsbau einseitig wesentlich fördern würde. Für die nächste Zeit sei der Neubau von mehreren 1000 Zechenwohngebäuden beabsichtigt. Die starke Zunahme der Wohngebäude der Zechen werde durch den neuen Kurs in der Bauordnungspolitik neue Nahrung erhalten und dadurch die kleine Privatunternehmung ausgeschaltet, Die Denkschrift gibt ein Beispiel, wonach der kleine Un ternehmer nur 75 Prozent der Bodenfläche ausnutzen kann, während beim Gruppenbau, wie er nur von den Zeches gepflegt werden kann, die Bodenfläche zu 83,33 Prozent ausgenutzt wird. Aus all diesen Gesichtspunkten kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß die Tendenz der neueren Bauordnungen für das rheinisch=westf. Kohlenrevier nicht am Platze sei. 100000 M.=Stiftung der Bergwerksgesellschaft Consolidation. * Gelsenkirchen, 14. Juni. Aus Anlaß ihres 50jährigen Bestehens hat die Bergwerksgesellschaft Consolidation eine Stiftung von 100000 Mark errichtet, aus I deren Zinsen den Kindern der Belegschaftsmitglieder Badekuren ermöglicht werden sollen. Weiter erhält jeder Arbeiter, der am Belegschaftstage eine Schicht verfährt, je nach der Zahl der Dienstjahre ein Geldgeschenk von 3 bis 20 Mark. Weitere Lokalnachrichten siehe 2. Blatt. „Vaterliche Worte an den Wattenscheider Gottlieb, Noch immer seid Ihr Dichtersleut', Sehr scharf am duellieren, Ich mache daher Euch die Freud', Im Kampf zu sekundieren. Dein Lied, mein Gottlieb, ist sehr schön, Man muß es richtig nur versteh'n, Dein Lied vom herrlich wogenden Korn, Ach, wär' ich doch Dein Vater word'n. Ich hätte dann Dein tiefes Leid Verwandelt in größere Traurigkeit, Ich wäre gejagt mit Stiefel und Sporn Dir nach ins herrlich wogende Korn. Hier hätt' ich sicher Dich aufgespürt, Und Dich am Oehrchen nach Hause geführt, Zuvor aus der Hecke vom weißen Dorn, Ein Stöcklein geschnitten, am wogenden Korn. Wenn wir dann gekommen vor's Bauernhaus. Das still aus dem Büschchen lugt heraus, Dann hätt' ich geblasen auf meinem Horn, Ein Lied vom herrlich wogenden Korn. Dann hätt' ich die Richtbank aufgestell: Dein Herzchen bebt schon, Gottliebchen, gelt? Es wär’ dann entladen mein ganzer Zorn Ueber Dein loses Treiben im wogenden Korn. Das Höslein hätt' ich Dir stramm gezogen Und hoch im Bogen wär's Stöcklein geflogen, Bis mir zerbrochen wäre der Dorn, Der Nächer vom herrlich wogenden Korn. Wattensceid, 14. Juni 1913. Die Wattenscheider Spottdrossel. Sessehen Gardur! Lassen Sie Uhr MAGGI-Fläschchen nur aus dieser Originalflasche nachfüllen! der 1h Hamasemmmiel beste Fabrikate, kaufen Sie bei uns sehr billig. Bochum, ABC-Str. 11. A. Eiek& Sehp. Ein in Küche und Hausarbeit erfahrenes möglichst bald gesucht. Kampmann, Kaiserstraße 12. Kräftiger Gange 15 Jahre, sucht Arbeit gleich welcher Art, zu erfragen Chausseestraße 24, part. Zadchiokal zu vermieten. Westenfeld, Hauptstr. 23, 3 1. Etage, z. 1. Okt. zu vermieten. Zimmerp reis 6,25 M, dazu Land und Stall ohne bes. Vergütung. Hamm erstraße 8. Ein lerres Zemmer sofort gesucht. Hochstr. 62, Parterre. 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