Nri 124. 146(1. Blatt.) 0 Montag, den 2. Juni 1913. 45. Jahrgang. (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, gegrinbet 908 : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet; : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet: § 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche: : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).: Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl (Neueste Nachrichten.) die Stadr und Amt Wallenscheu, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts# : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin; ; zusagen ausgeschlossen. 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Freudig war der Empfang und schon bald hatte Graf Haeseler mit seiner markanten Gestalt und seinem soldatisch schlichten sind einnehmenden Wesen die Herzen aller Wattenscheider im Sturm erobert. Auch wir kernten wie seine ehemaligen Soldaten den von ihm ausgehenden geheimnisvoller Zauber kennen, der alle, die mit ihm in Berührung kommen, in seinen Bann zieht; man verstand es damals, wie die Franzosen ihn wegen seiner hervorragenden militärischen Eigenschaften mit abergläubischer Scheu betrachteten und lediablede Metz— den Teufelskerl von Metz — mit einem Kranze von Erzählungen über übermenschliche Taten und Leistungen umgaben. Nur wenige Stunden konnte Graf Haeseler 1907 unter den Wattenscheidern bleiben, gab aber schon damals unter dem Eindrucke des ungekünstelt warmherzigen und begeisterten Empfanges die Zusage, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit seinen Besuch zu wiederholen. Mehrere Male schien eine Verwirklichung dieses Herzenswunsches möglich, immer aber traten infolge dienstlicher Angelegenheiten oder Krankheiten Schwierigkeiten ein, sodaß der Besuch stets verschoben werden mußte. Desto größer war deshalb die allgemeine Freude, als es dem Vorsitzenden des hiesigen Vereins vom 16. Armeekorps, Feldwebelleutnant, Restaurateur Grimm gelang, von Sr. Exzellenz die Zusage zu erhalten, bei Gelegenheit der Fahnenweihe in Katernberg auch nach Wattenscheid zu kommen. Wegen der Kürze der Zeit konnten naturgemäß keine großartigen Vorbereitungen g etroffen werden— solche hatte sich Graf Haeseler in seiner bekannten schlichten Art auch verbeten— desto herzlicher und freudiger aber war die Aufnahme. Graf Haeseler in Katernberg. Graf Haeseler traf Samstag nachmittag 4,30 Uhr in Essen auf dem Hauptbahnhofe ein und wurde hier ebenso lebhaft wie herzlich begrüßt. Auch der Vorsitzende des hiesigen Vereins vom 16. Armeekorps, Restaurateur Grimm hatte sich eingefunden und wurde von Sr. Exzellenz in besonders herzlicher Weise begrüßt. Dann bestieg Graf Haeseler einen Wagen und fuhr zum Essener Hof, wo er sich 1 Stunde aufhielt, um dannseine Fahrt nach Katernberg fortzusetzen. Hier hatte er noch eine längere Unterredung mit Restaurateur Grimm bezüglich seines Wattenscheider Besuches. Die Katernberger waren der Ansicht, daß Graf Haeseler bis heute dort bleiben werde und nicht wenig erstaunt, als sie am Samstag hören mußten, daß er am Sonntag nachmittag nach Wattenscheid fahren werde. In Katernberg nahm der Generalfeldmarschall eine Fahnenweihe vor und nahm die Parade ab, um dann kurz nach 5 Uhr in Begleitung des Vorsitzenden des Wattenscheider Kriegerverbandes, Hauptmann d. R. Kampmann, und des Vorsitzenden vom 16. Armeekorps, Restaurateur Grimm, per Automobil nach Wattenscheid zu fahren. Auf dem Wege dorthin wurde noch dem Gelsenkirchener Flugplatze ein Besuch abgestattet. Zur Begrüßung waren Oberbürgermeister Machens und die Direktoren Giersberg und Fuhrmann erschienen. Ingenieur Suwelack erklärte dem Gaste eingehend die Konstruktion der Flugzeuge. Der Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. Graf Haeseler war von dem Geschauten sichtlich befriedigt. Kurz nach 6 Uhr fuhr er nach Wattenscheid weiter. Der Empfang in Wattenscheid. Unsere Stadt hatte ein überaus farbenprächtiges Festgewand angelegt, wie es schöner in der kurzen Zeit wohl kaum ausgeführt werden konnte. Fahne reihte sich an Fahne, Wimpel an Wimpel, sodaß unsere sonst so nüchterne Arbeitsstadt kaum wiederzuerkennen war. Gegen 6 Uhr flutete eine gewaltige Menschenmenge zum alten Marktplatz, wo der Empfang des Feldmarschalls stattfinden sollte. Inzwischen waren auch die einzelnen Vereine des Stadtkriegerverbandes mit Fahnen erschienen und hatten neben dem Schießstande in einem großen Viereck Aufstellung genommen, und zwar in folgender Reihenfolge: 16. Armeckorps, Verein der Pioniere und Verkehrstruppen, ArtillerieVerein, Kavallerie=Verein, Marine=Verein, Jäger= und Schützen, Kriegeebund, Kameradschaftl. Kriegerbund, Krieger=Verein Kaiser=Wilhelm, Garde=Verein, Krieger= und Landwehr=Verein. Die im Hintergrunde gelegene Steinhalbe der Zeche Holland und der ganze Marktplatz waren im weiten Bogen von einer nach Tausenden zählenden Menge besetzt, die selbst wacker aushielt, als strömender Regen einsetzte— wohl der beste Beweis für die einzigartige Popularität des Grafen Haeseler. Zum Empfange hatten sich auch eingefunden: Bürgermeister Wibberding, Landtagsabgeordneter Bergassessor Althoff sowie das gesamte hiesige Offizierkorps und eine Anzahl auswärtiger Gäste, darunter Polizeipräsident Landrat Dr. zur Rieden, Hauptmann der Gardelandwehr, Bezirkskommandeur, Oberstleutnant Grote mit seinem Adjutanten, Leutnant von Midukind ete. Um 6,30 Uhr kündeten brausende Hochrufe das Herannahen des Grafen Haeseler. Bald darauf hielt das Automobil in der Mitte des Marktplatzes und schnell entstieg ihm die greise Exzellenz, deren Aussehen sich gegen früher kaum geändert hat. Sofort trat Bürgermeister Wibberding an ihn heran und entbot ihm namens der Stadt einen herzlichen Willkommengruß, worauf Graf Haeseler mit Worten des Dankes erwiderte. Auch die übrigen Herren und die Offiziere wurden von Sr. Exzellenz mit liebenswürdigem Lächeln und kräftigem Händedruck begrüßt. Nunmehr nahm Verbandsvorsitzender, Hauptmann d. R. Kampmann das Wort zur Begrüßung des hohen Gastes, in dem er etwa folgendes anführte: Euer Exzellenz! Im Namen des Kriegerverbandes der Stadt Wattenscheid heiße ich Eure Exzellenz auf das herzlichste willkommen und danke gehorsamst, namentlich auch für den Verein des 16. Armeekorps für die hohe Ehre, die unsern Wattenscheider Kameraden durch Ihren Besuch zuteil geworden ist. Uns Westfalen verbinden mit Eurer Exzellenz viele Erinnerungen aus alter und neuer Zeit. Haben doch Tausende von Söhnen der roten Erde unter Euer Exz. Kommando Wacht in den Vogesen gestanden und wenn wir zurückblicken in die Zeiten der deutschen Einigungskriege, so war schon die westfälische 13. Division in Schleswig=Holstein, wo Eure Exzellenz die ersten kriegerischen Verdienste zu verzeichnen hatten. Als Euer Exzellenz dann im Oberkommando der 2. Armee unter dem Befehle unseres unvergeßlichen großen Heerführers, des Prinzen Friedrich Karl am Nachmittage des ewig denkwürdigen 16. Augusttages auf dem Schlachtfeld von Marslatour weilten, kamen gerade dem 10. Armeekorps zugeteilte 4 westfälische Regimenter den hartbedrängten Brandenburgern zur Hilfe, um in verlustreichen Gefechten, wie sie die Geschichte des 70er Krieges nicht schwerer kennt, die Lorbeeren des Sieges an ihre Fahnen zu heften. Wenn Eure Exzellenz unsere Veteranen fragen und die Denkmäler an die Gefallenen jener großen Zeit in den westfälischen Landen ansehen, so werden Sie finden, daß westfälische Hartnäckigkeit, Tapferkeit und Zähigkeit ihren vollen Anteil haben an der großen Entscheidungsschlacht von Metz. Ueber 4 Jahrzehnte sind seit jenen glorreichen Tagen vergangen und wir haben in Eurer Exzellenz den Erzieher unseres Volkes zu bürgerlicher und geistiger Regsamkeit kennen gelernt. Wir wissen, daß Eure Exzellenz nicht allein als Korpsführer, sondern auch als Gutsherr daheim in der Brandenburgischen Mark stets vorbildlich gewesen sind in der Heranbildung der Jugend zur Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, zu König und Vaterland. Richt zum Festefeiern sollen unsere Kriegervereine berufen sein, sondern es soll in erster Linie ihre Aufgabe sein, die Freude am Waffenhandwerke, die Liebe zum Soldatentum nicht nur unter ihren Mitgliedern, sondern namentlich unter der heranwachsenden Jugend zu verbreiten und zu vertiefen. Wir alle wissen, daß die allgemeine Wehrpflicht nicht eine Last ist, wie sie so vielfach hingestellt wird, sondern eine unersetzliche Schule der Selbstzucht und der Opferfreudigkeit. Die Fahne des Vereins vom 16. Armeekorps trägt auf dem Fahnenbande die stolze Inschrift: Begeistere Du das menschliche Geschlecht für seine Pflicht zuerst, dann für sein Recht. Diese Worte, die Euer Exzellenz Wahrspruch sind, zeigen uns den Weg, dem wir folgen wollen, und wir danken Euer Exzellenz von Herzen für den schönen Ausspruch. Wir wollen das Versprechen abgeben, daran mitzuarbeiten, daß ein guter Geist im Vaterlande walte und Treue die Herzen regiere. Euer Exzellenz als dem ältesten Soldaten der deutschen Armee geben wir feierlich heute dieses Gelübde ab, und um dieses zu bekräftigen, bitte ich Sie, meine lieben Kameraden, mit mir einzustimmen in den Ruf Se. Exz. Herr Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler: Hurra;, hurra, hurra! Begeistert stimmten alle ein. Generalfeldmarschall Graf Haeseler dankte herzlichst für den freundlichen Empfang und gab seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß es ihm vergönnt sei, wiederum einige Stunden im Kreise der Wattenscheider Kameraden verbringen zu können. Lobend müsse hervorgehoben werden, daß gerade im Industriegebiet das Kriegervereinswesen in hoher Blüte stehe und Königstreue und Vaterlandsliebe hier eine gute Pflegestätte fänden. Nicht nur die gedienten Soldaten würden hierdurch in ihrer Vaterlandsliebe gestärkt, sondern auch vor allem die Jugend in Treue zu Kaiser und Reich gefestigt. Die markigen, mit heller, klarer Stimme vorgetragenen Ausführungen klangen in ein 3faches Kaiserhoch aus, das brausenden Wiederhall fand. Nunmehr schritt Exzellenz Haeseler die Front ab. Hier zeigte sich sofort die Soldatennatur des Grafen Haeseler. Trotzdem es in Strömen regnete, dauerte die Besichtigung eine Stunde. Mit sichtlichem Interesse nahm der greise Generalldmarschall die einzelnen Vereine in Augenschein und zeichnete zahlreiche Kameraden, natürlich besonders die vom 16. Armeekorps durch Anreden aus. Hierbei bewies er eine überraschende Kenntnis der einzelnen Regimentsgeschichten. Vor allem fragte Graf Haeseler die Veteranen nach ihren Erlebnissen und Kämpfen und freute sich jedesmal sehr, wenn er einen ehemaligen Waffengefährten fand. Als der Regen immer stärker wurde, wollte sein treuer Diener ihm den Mantel umlegen, was Graf Haeseler aber ablehnte. An die Besichtigung schloß sich der Parademarsch, wobei Hauptmann d. R. Kampmann den Verband führte. Der Parademarsch nahm einen äußerst schneidigen Verlaus und befriedigte das Soldatenauge Sr. Exzellenz sichtlich. Während hierauf die Vereine, mit Ausnahme des 16. Armeekorps, zum Festlokal Sonnenschein marschierken, nahm Graf Haeseler noch eine Besichtigung des Schießstandes vor, an dessen Eingang er auch die Kinder des Restaurateurs Grimm begrüßte. Hierauf bestieg er das Automobil und fuhr nach der in der Kaiserstraße gelegenen Villa des Verbandsvorsitzenden Kampmann, wo Se. Exzellenz Absteigegartier nahm. Am Eingange der Villa überreichte das Töchterchen des Vorsitzenden Kampmann dem hohen Gaste einen Blumen=. strauß mit einem sinnigen Willkommengruß. Zunächst wurde von dem Photographen Dahm eine photographische Aufnahme gemacht von dem Verein vom 16. Armeekorps mit dem Grafen Haeseler in der Mitte. Sodann fand Abendtafel statt, während der Verein vom 16. Armeekorps ebenfalls nach der Kronenburg marschierte. An der Abendtafel nahmen teil außer Exzellenz Haeseler und den Gastgebern, Hauptmann d. R. Kampmann und Frau Gemahlin, Bezirkskommandeur Oberstleutnant Grote, Polizeipräsident, Landrat Dr. zur Nieden, Bürgermeister Wibberding, Landtagsabgeordneter Bergassessor Althoff, Adjutant Leutnant von Widukind, Kaufmann H. Kampmann, 2. Verbandsvorsitzender Küpper, Vorsitzender des 16. Armeekorps Grimm und Betriebsführer Kickert. Graf Haeseler saß zwischen Oberstleutnant Grote und Frau KampmannNach dem Abendmahl, um 10 Uhr, stattete der Generalfeldmarschall den Vereinen in der Kronenburg noch einen Besuch ab und verweilte über eine Stunde noch im Kreise der Kameraden. Dann nahm er unter brausenden Hochrufen Abschied, nachdem vorher auf seinen Wunsch das Westfalenlied gemeinsam gesungen war. Er kehrte zur Villa Kampmann zurück. Die Abreise erfolgte heute früh. Der Verein vom 16. Armeekorps war auf der Kaiserstraße angetreten, um sich von dem hochverehrten und hohen Protektor des Vereins zu verabschieden. Graf Haeseler freute sich sichtlich über die Aufmerksamkeit und schüttelte jedem Kameraden mit einem herzlichen Lebewohl die Hand, worauf der greise Heerführer unter donnernden Hurra. rufen das Automobil bestieg und in Begleitung von Kampmann und Grimm nach Bochum fuhr. Auf dem Bahnhofe dortselbst gab er nochmal seiner hohen Freude über unser blühendes Kriegervereinswesen mit seinem echt kameradschaftlichen Geiste und die so überaus herzliche Aufnahme Ausdruck und bestieg sodann nach herzlicher Verabschiedung um 9,05 Uhr den Berliner Schnellzug, um nach seinem Gute Harnecop zurückzukehren. Die beabsichtigte Reise nach Saarburg unterbleibt, weil sich der Kaiser für morgen beim Grafen Haeseler angesagt hat.— Der Besuch des Grafen Haeseler hat somit in allen Teilen einen überaus schönen Verlauf genommen und dürfte dazu beitragen, den Kriegervereinsgedanken zu stärken und die Verbindung zwischen Armee und Volk noch enger zu knüpfen. Welteraussichten. Wetter für Dienstag. Bisheriges Wetter, windig, kühl. Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 2. Juni. Fest des Wattenscheider christlichen Gewerkschaftskartells. * Obwohl unsere Stadt gestern in 1. Linie unter dem Eindrucke der Haeselerfeier stand, so erregte noch eine andere Veranstaltung allgemeine Aufmerksamkeit u. Beachtung, nämlich das 1. Kartellfest des hies. christl. Gewerkschaftskartells. Eingeleitet wurde die Feier, welche gleichzeitig dem 25jährigen Regierungsjubiläum unseres Kaisers gewidmet war, mit einem Festzuge, zu dem sich die dem Kartell angeschlossenen Zahlstellen aus Stadt und Amt Wattenscheid auf dem Kaiserplatze versammelten. Nachdem sich hier der Festzug geordnet hatte, bewegte er sich durch die reichgeschmückten Straßen unserer Stadt. Eingeleitet wurde er durch eine schmucke Radfahrerabteilung des den christlichen Gewerkschaften angeschlossenen Radfahrerverbandes Concordia, der die Musikkapelle und in langen Reihen die einzelnen Zahlstellen und Berufe, zum Teil mit Fahnen folgten. Besonders machten die Jugendabteilungen, die munter u. frisch im Zuge marschierten und teilweise uniformiert waren, einen guten Eindruck, sodaß die Gesamtwirkung der christlich=nationalen Kundgebung eine machtvolle war. Die Teilnehmerzahl wird auf 900 geschätzt, eine Zahl, die um so bemerkenswerter ist, als die Häselerfeier naturgemäß eine große Menge fesselte. Nach dem Umzuge marschierten die Massen zum großen Ahlmannschen Saal, diesen bis zum letzten Platz besetzend. Nunmehr begann die Saalfeier, eingeleitet durch einige flotte Märsche der Wattenscheider Bürgerkapelle(Kapellmstr. Scheele) Kartellsekretär Nick) Wattenscheid hielt mit herzlichen Worten die Begrüßungsrede, indem er besonders auch den zahlreichen Besuch und den imposanten Verlauf des Festzuges hervorhob. Die Festrede hatte Bezirksleiter Schneider von Herne übernommen. Der Redner warf zunächst einen Rückblick auf die Befreiungs=Kriege vor 100 Jahren und zog dann in geschickten Weise Par kallelen zwischen jener großen Zeit und den Aufgaben der Gegenwart auf gewerkschaftlichem Gebiete. Wie uneingeschränkter Opfermut jene Zeit beseelte und die Förderung des Volksganzen das Leitmotiv alles Handelns war, so müsse es auch heute in der Arbeiterbewegung sein, um die hohen ideellen und materiellen Aufgaben der christlichen Gewerkschaften verwirklichen zu können. Dies erfordere die Mitarbeit eines jeden, um für das Ganze Erfolge erringen zu können. Hierbei dürfe es keine konfessionelle Absonderung geben; wohl müsse der christliche Gedanke alles Tun und Lassen beherrschen. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden, wandte sich der Redner noch gegen verschiedene Schlagworte, wie Zentrumsgewerkschaften 2c. und gegen die sogen. gelbe Arbeiterbewegung, um dann mit einem zündenden Appell zur Förderung der christlich=nationalen Arbeitersache zu schließen. Dem patriotischen Charakter der Feier trug Arbeitersekretär Witt in einer Ansprache Rechnung, indem er in begeisterter Weise unseres Kaisers und des Regierungsjubiläums gedachte und zum Schlusse ein freudig ausgenommenes Kaiserhoch motivierte. Für die Unterhaltung der Anwesenden sorgte ein ausgezeichnetes Programm. Die Konzertdarbietungen der Bürgerkapelle wurden ergänzt durch Vorträge der jugendlichen Musikkorps vom hiesigen ev. Arbeiterverein, der Jünglingssodalität St. Joseph und des kath Arbeitervereins Höntrop. Es war eine Freude, zu sehen, mit welchem Eifer und großem Geschick sich die jugendlichen Spieler ihrer Aufgabe entledigten. Mehrere kunstvolle Vorführungen von Radfahrern und gemeinsame Lieder ergänzten das Programm in glücklicher Weise. Ein flotter Festball schloß die in jeder Weise schön und harmonisch verlaufene Feier. Vorbereitung des Propstjubiläums. * Im kath. Vereinshause an der kath. Kirche fand gestern Vormittag unter Vorsitz des Stadtbaumeisters Wallraven als des 2. Vorsitzenden des Kirchenvorstandes eine längere Beratung aller kath. Vereins=Vorstände statt, um ein würdiges Fest zu Ehren des 25= sährigen Hierseins des hochw. Propstdechanten, Ehrendomherrn Hausmann vorzubereiten. Die vom Kirchenvorstand und von der Gemeindevertretung eingesetzte Kommission, bestehend aus Anton Bomers sen., Mich. Böhmer, Franz Brimberg=Sevinghausen, Rechtsanwalt Engels, Bauunternehmer Evers=Westenfeld, Ed. Hackert, Laurenz Schulte=Kemna=Leithe, Stadtbaumeister Wallraven und Fritz Werdelmann haben bereits ein großzügiges Programm ausgearbeitet, wie es dem Jubilar, der wohl von allen bisherigen Pfarrern der bedeutendste gewesen sein wird, mit Fug und Recht zukommt. Wenn sich auch Ehrendomkapitular Hausmann gern jedes Fest versagt hätte, so wird er dennoch ebenso gern mit seinen Dekanatsgemeinden und seinen Vereinen gemeinsam Gott danken wollen für die empfangenen Gnaden. So wird denn das Programm auch ein hervorragendes sein. Wie wir schon mitteilen konnten, sind als Festtage, da der Propst am 1. August 1888 hier einzog. Samstag, 2. Aug. und Sonntag, 3. August gewählt worden. Samstag Abend wird ein Fackelzug aller Vereine, Illumination und ein Feuerwerk dargebracht. Die Vereine lösen sich dann gleich auf, da die weltliche Hauptfeier am darauffolgenden Sonntag stattfinden wird. Zum Levitenhochamt an diesem Tage werden alle Vereine Fahnendeputationen entsenden, die den Jubilar aus dem Pfarrgebäude abholen. Die weltliche Feier findet nach der Andacht bei Sonnenschein statt. Sie wird aus Festansprachen, Konzert, Gesangsvorträgen usw. bestehen. In den weiter stattfindenden Versammlungen werden die Einzelheiten noch beraten und festgestellt. Maiandacht. * Die Maiandachten in den kath. Kirchen sind Samstag abend beendet worden. Der Gottesdienst schloß in üblicher Weise mit sakramentalem Segen und Tedeum.„ Ködlicher Unfall.— 4 * Der in Wattenscheid, Vorstadtstr. 47 wohnhafte Bergmann Karl Lafond erlitt am Samstag auf der Zeche Hibernia in Gelsenkirchen einen tödlichen Unfall. Der Bedauernswerte geriet unter herabstürzende Gesteinsmassen und konnte nur als Leiche zutage gefördert werden. Der Verunglückte ist 43 Jahre alt und verheiratet. Er wollte ohnehin auf Hibernia Samstag nach ordnungsmäßiger Kündigung seine letzte Schicht verfahren. Es sollte leider in Wahrheit seine„letzte Schicht" werden. Er hatte bereits neue Arbeit auf Zeche Centrum, die der fleißige Mann nicht hat antreten können. Viehmarkt. * Auf dem heutigen Viehmarkte auf dem Kaiserplatze und Alten Marktplatze waren 650—700 Schweine und über 100 Pferde aufgetrieben. Der Handel war ziemlich flott. Westf. Feuerwehrverbandstag. * In Lippstadt fand gestern, wie aus unserem Sonderbericht in vorliegender Nummer hervorgeht, der diesjährige große westf. Feuerwehrverbandstag statt, auf dem die Günnigfelder Wehr durch Störr, die Westenfelder Wehr durch Schmidt und Flögel und die Wattenscheider Wehr durch Branddirektor Wallraven, Schriftführer Kuck und Kamerad Max Rosenthal vertreten war. Letzterer wurde in besonders feierlicher Weise dadurch geehrt, daß ihm für seine 25jährige treue Zugehörigkeit zur Wehr das Feuerwehrverdienstkreuz überreicht wurde. Vorsitzender Franken beglückwünschte den Jubilar mit herzlichen, ehrenden Worten für seine aufopferungsvolle Tätigkeit durch 25 Jahre hindurch. Sodann war es von Bedeutung, daß der Vorsitzende auch unserem Ehrenbranddirektor Berg und dem Amtmann Winter von Wanne aus Anlaß ihres Todes einen warmen Nachruf widmete, man erhob sich zu ihren Ehren von den Plätzen. Rück=Erinnerung. 9 * Es sind jetzt 40 Jahre verslossen, oaß die Ifraeliten der Stadt Gelsenkirchen, welche bis dahin zur Synagogengemeinde Wattenscheid gehörten und den Gottesdienst in der hiesigen Synagoge besuchten, sich mit Ende Mai 1873 von der Synagogengemeinde Wattenscheid abtrennten. Die neue Synagogengemeinde Gelsenkirchen übernaym die damaligen gemeinschaftlichen Schulden in Höhe von 500 Talern und bezahlte die Kultussteuern in Wattenscheid für das Jahr 1873. Vorsteher der Synagogengemeinde Wattenscheid war damals der Kaufmann und Stadtverordnete Rob. Dalberg, dem das Verdienst diesen für die Synagogengemeinde Wattenscheid so günstigen Abschluß zustande gebracht zu haben, zusteht. Hausbesitzerverein. * Wir verweisen nochmals alle Mitglieder des Hausund Grundbesitzervereins der Stadt Wattenscheid auf die heute Abend 8,30 Uhr im Restaurant C. Meier, Bochumerstr. stattfindende Generalversammlung. Die Tagesordnung ist diesmal eine sehr wesentliche, so daß der Vorstand alle Mitglieder um pünktliches Erscheinen bittet.(S. A.) * Landtagswahl. * Die lib. Wahlmänner seien nochmals auf die morgen Vormittag 9 Uhr im Bahnhofshotel zu Gelsenkirchen stattfindende Landtagswahl aufmerksam gemacht. Die lib. Wahlmänner aus Stadt und Amt werden sich größtenteils zu Fuß nach Gelsenkirchen begeben und sich schon um 7,30 Uhr am Restaurant Blumbach in Wattenscheid versammeln. Für die Wahlmänner der Zentrumspartei ist Wahlenthaltung proklamiert. Taubensperre aufgehoben. * Die diesjährige Taubensperre, welche während der Saatzeit vom 1. April bis Ende Mai festgesetzt war, ist mit dem heutigen Tage aufgehoben. Kleine lokale Nachrichten. * Die Abschlagszahlungen auf den hiesigen Zechen finden in diesem Monat wie folgt statt: Centrum 1=3 am 10. Schacht 2=5 und 4=6 am 11. Holland 10. Fröhl. Morgenfonne am 10., Hannover am 2. Juni. * Zu Gerichtsassessoren sind ernannt: die Referendare Börger und Dr. Edgar Schmidt im Bezirk des Oberlandesgerichts zu Hamm. * Der Krieger=Verein Kriegerbund hatte gestern in seinem Vereinslokal Rörig seine monatliche Versammlung. Die Verhandlungen wurden eröffnet und geleitet vom 1. Vorsitzenden Restaurateur Löbbert. Der Vorsitzende widmete dem verstorbenen Vorsitzenden des Westfälischen Provinzial=Krieger=Verbands, Oberberg= rat Harz=Dortmund, einen warmen Nachruf. Die Anwesenden erhoben sich zu Ehren der Verstorbenen von ihren Sitzen. Nach Verlesung des Protokolls und Zahlung der Beiträge konnten 3 neue Mitglieder ausgenom men werden. Nach der Versammlung marschierte der Verein geschlossen zum alten Markt zum Empfang des Grafen Haeseler. * Der Kriegerverein Kaiser Wilhelm hatte gestern nachmittag auf dem Verbandsschießstande am alten Marktplatze ein Preisschießen, welches folgendes Ergebnis hatte: 1. Preis Reiter 33 Ringe, 2. Artmann 31 R., 3. Aderhold 30 R., 4. Wächter 28 R., 5. Rosenthal 27 R., 6. Range 27 R., 7. Gerland 27 R., 8. Reckenberg 27 R., 9. Tandetzki 27 R., 10. Oppenheim 26 R., 11. Varenhold 26 R., 12. Truschinski 26 R. Während des Schießens fand die monatl. Versammlung statt. Aufgenommen wurden 2 Kameraden. Die Fackeln für den Fackelzug werden aus der Vereinskasse bewilligt. * Oberregierungsrat Dr. Boehlke in Arnsberg ist der Königl. Regierung in Königsberg als Dirigent der Finanzabteilung für direkte Steuern und Oberregierungsrat Dr. Jacobi in Königsberg der Königlichen Regierung in Arnsberg als Dirigent der dortigen Finanzabteilung überwiesen worden. Steckbrief. * Das Gerichk der 13. Division zu Bochum erläßt einen Steckbrief gegen den Arbeiter Heinrich Witt, geb. 6. 9. 1890 zu Wattenscheid, wegen erschwerter unerlaubter Entfernung, begangen im Beurlaubtenstande. Er ist 1,69 Meter groß, von schlanker Gestalt, hat blonde Haare; besondere Kennzeichen: tiefe Narbe am Kinn.. Lehrer=Alterszulagen. * Im neuen Regierungs=Amtsblatt Nr. 21 veröffentlicht die Kgl. Regierung zu Arnsberg den Verteilungsplan der Alterszulagenkasse für die Lehrer und Lehrerinnen an den Volksschulen des RegierungsbezirksArnsberg. Die gesamten Alterszulagen belaufen sich am 1. Oktober 1912 für Lehrer auf 4 189 950 Mark, für Lehrerinnen auf 738 500 M. Hiervon entfallen für den Landkreis Gelsenkirchen auf 297 Lehrer an 136. Schulen 221 562 Mark und auf 223 Lehrerinnen an 94Schulen 60 210 Mark. Anspruch auf richtige Auskunft. * Hat das Publikum einen rechtlichen Anspruch darauf, daß die bei staatlichen Verkehrsanstalten erteilten Auskünfte richtig sind? Diese Frage ist vor kurzem von einem Gericht bejaht worden, indem ein Postbeamter zur Zahlung eines namhaften Schadenersatzbetrages nebst Verzugszinsen sowie zur Tragung der Kosten des Rechtsstreites verurteilt wurde, weil er am Schalter eine unrichtige Auskuft über die Leitung und Beförderung eines Wertbriefes nach Uebersee erteilt hatte. Zwei Herzen und eine Seele. * Der„Deutsch. Bergw.=Ztg.“ wird geschrieben:„Eine bedeutungsvolle Versöhnung hat jetzt stattgefunden. Es handelt sich um die Herren Emil Kirdorf und August Thyssen. Wie man sich erinnert, haben Thyssen und Kirdorf während der Hibernia=Affäre Gelsenkirchen, den Schalker Gruben= und Hüttenverein und Rote Erde in Aachen vereinigt. Thyssen trat in den Aufsichtsrat von Groß=Gelsenkirchen. Die Erweiterungspläne Kirdorfs, die 5 Jahre später auftauchten, fanden aber nicht den Beifall von Thyssen, und so trennten sich die beiden Männer. Thyssen schied aus dem Aufsichtsrat von Gelsenkirchen und baute Hagendingen als Antwort auf die Adolf=Emil=Hütte. Jetzt haben sich die beiden Männer wiedergefunden. Die äußere Veranlassung zu der Versöhnung gab das Jubiläum Kirdorfs. Zu diesem Jubiläum hat Thyssen Emil Kirdorf herzlich gratuliert und daraufhin ein Dankschreiben erhalten. Kirdorf ließ dann eine Einladung zu einem Essen nach seiner Villa Streithof ergehen. Thyssen hat diese Einladung jetzt durch eine Gegeneinladung auf Schloß Landsberg erwidert. Die Differenzen zwischen den beiden Montanleuten sind also ausgeglichen, ein Ereignis, das im Ruhrgebiet allgemeine Freude hervorgerufen hät. Man ist mit Recht der Meinung, daß es für die Industrie nicht gut sei, wenn sich die Leiter zweier so mächtiger Montankonzerne feindlich gegenüberstehen. Jubiläunmsseier,—.— Epf Gi, Gersinichen Ver. * Westenserd, 1. Juni. Die vereinigten Vereine der Gemeinde Westenfeld begehen die Feier des 25jährigen Regierungs=Jubiläums unseres Kaisers u. den 100jähr. Gedenktag der Erhebung Preußens am 7. und 8. Juni durch Fackelzug, Feuerwerk, Kommers, Konzert und Tanz im Schmi dt'schen Saale. Der Fackelzug am Sonnabend bewegt sich durch die Hauptstraße bis zum Amt, Bußmann=Weg, Bahnhof=, Wilhelm=, Haupt=, Heinrich= und Morgensonnenstraße, Friedrich=, Bahnhof=, Mühlen=, Berhard= und Höntroverstraße zum Schmidt'schen Saale. Günnigfeld, 2. Juni. In langgestrecktene Leichenzuge wurde gestern nachmittag die irdische Hülle des auf der Zeche Hannover verunglückten Bergmanns Peter Morgen zu Grabe geleitet. Der Schützenverein Kaiser Wilhelm von hier und der Bürgerschützenverein=Günnigfeld waren mit florumhüllter Fahne erschienen. Die Direktion, Beamten und die gesamte Belegschaft der Zeche Hannover gaben dem Entschlafenen das letzte Geleit. Die Grablegung vollzog Pfarrer Wulf. Neues aus Günnigfeld.„ Gen: Im Samätes Ahens * Günnigfeld, 2. Juni. um Samstag Abend wurde der Bergmann Karl G. von hier auf der Hauptstraße von mehreren Burschen überfallen und mit dem Messer übel zugerichtet; ebenso wurde demselben der Anzug total zerschnitten. Die Täter sind ermittelt und zur Anzeige gebracht. Die Verletzungen des G. sind nicht lebensgefährlich. * Günnigfeld, 2. Juni. Gestern hielt der Sportverein Union im Vereinslokal Kneider seine Monatsversammlung ab. In dieser wurde beschlossen, am Sonntag, 8. Juni das Retourwettspiel gegen die Fußballmannschaft der 3. Komp. des Inf.=Regts. Nr. 56 auszutragen. Die Abfahrt erfolgt 9,13 vormittags von Gelsenkirchen H. B. Mitglieder, die die Fahrt nach Wesel mitzumachen gedenken, haben sich bis spätestens Mittwoch beim 1. Schriftführer W. Lechleitner zu melden. Ferner überreichte der Ehrenvorsitzende Rektor Seewald die von der Gemeinde Günnigfeld in dankenswerter Weise bewilligte Unterstützung von 100 Bor. 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Unsere Leser seien auf den ebenso lehrreichen, wie interessanten Inhalt dieses Prospektes noch besonders hingewiesen. Man begegnet hin und wieder noch der irrigen Ansicht,„Palmin“ sei ein aus verschiedenen Fetten zusammengesetztes Kunstprodukt, das irgendwelche unbekannten Zusätze oder Beimischungen enthalte. Dem ist aber nicht so.„Palmin“ ist ein absolut reines Pflanzenfett und wird lediglich aus dem sehr fettreichen Fleisch der Kokosnuß gewonnen. Es weist keinerlei Zusätze auf und ist ebensogut ein reines Naturprodukt wie z. B. Butter. Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, Anderahrun -Krankankoss Darmkatarrh, etc. Einige fl. junge sofort gesucht. Wegmann& Henke, Kaiserstraße 46. Sanitäts-Kolonne vom roten Kreuz Wattenscheid. Montag, den 2. Juni abends 7 Uhr Versammlung bei Th. Ahlmann. Wegen Vorbereitung der Teilnahme am Fackelzug vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Der Vorstand. Klarertump? billig zu verkaufen. Weststraße 69. 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Der Waffenstillstand mit Bulgarien ist allerdings auf unbestimmte Zeit verlängert worden. Gewisse einflußreiche, türkische Kreise aber sprechen die Hoffnung aus, daß dieTürkei im Falle eines Konfliktes zwischen den Alliierten mit den Waffen eingreifen werde. Der„Tanin“ meint, England habe als Preis für seine Neutralität Koweit bekommen, Rußland brauche man nichts zu geben, wenn man im Fall eines Krieges sich mit den Serben gegen die Bulgaren vereinigen sollte. Des weiteren bestehen Anzeichen dafür, daß Bulgarien noch zu weiteren Zugeständnissen an mänien bereit wäre, um es Rumänien zu ermöglichen, in dem drohenden Balkanstreit auf Bulgariens Seite zu treten. Unter Förderung durch mächtige Einflüsse wurden Beziehungen angeknüpft, um in diesem Sinne ein Abkommen zu erzielen, das den Interessen des Friedens und Rumäniens dient und Bulgarien die Erwerbung der türkischen Provinzen auch gegen Griechenland=und Serbien vielleicht auch gegen die Türkei sichert. Jedenfalls werden schon die nächsten Tage wichtige Entscheidungen bringen. Daß Serbien sich ernsthaft mitKriegsgedanken trägt, beweist schon der Umstand, daß die gesamte Grenzbevölkerung gegen Bulgarien militärisch organisiert wurde. Unser Bild zeigt einen Trupp Bauern, die als Landsturm Verwendung finden sollen, unter dem Befehle ehemaliger Offiziere stehen und neben militärischer Ausrüstung besondere Fahnen haben. Trotzoem. wasSkizze von E. Stramm. Und nun war der Mai da! Auf dem Hofe, der vor dem Fenster des Kontors lag, stand, von niedrigem Eisendraht umspannt, ein Fliederbusch über spärlich gesätem Rasen. Viel Sonne ließen die hohen Häuser nicht hinunter auf dieses grüne Fleckchen. Dennoch begann es zu knospen und zu blühen zwischen den munteren Zweigen. Thilde lächelte jedesmal, wenn sie von ihrem Fensterplatz dieses Blühen sah. Heute nachmittag hatte sie sogar schon 3mal die Feder sinken lassen und im süßen Nichtstun geradeaus in den blauen Tag geschaut. „Mai!“ jauchzte ihre Seele,„Mai!“ zwitscherten die Spatzen am Fenstersims. Bis der alte Buchhalter Reschke brummend„Aber Fräulein!“ mahnte und die beiden jungen Gehülfen wütend auf die reglosen Mädchenfinger starrten. Dann schrieb sie wieder, rechnete, zählte nach und war doch mit allen Sinnen beim lieben Frühling. Und bei Hans! Frühling und Hans waren gleichbedeutend für sie. „Hans,“ flüsterte sie ganz versonnen, als sie den Geschäftsbrief adressierte und mechanisch dabei„An Herrn Ferdinand Meyer“ schreiben mußte. Am heutigen Sonnabend war 6=Uhrschluß im Geschäft. Und dennoch schlichen die Stunden langsamer als an anderen Tagen dahin. Thilde konnte gar nicht mehr still sitzen. Als sie schon wieder einmal verträumt durchs Fenster blickte, hob der alte Buchhalter drohend den gekrümmten Zeigefinger. „Wenn Sie bis 6 Uhr nicht fertig werden, Fräulein, Fräulein, wird hübsch nachgearbeitet,— jawohl!“ „Machen Se bloß nicht so was!" ulkte ein Junger. „Se hat’ne weiße Bluse an. Menschenskinder! Da brennt's irgendwo!"... Und der andere zwinkerte eifersüchtig mit den serblauen Augen und hob die mageren Schultern. „Er wart' gewiß schon wieder unten... Na, denn man zu, und raus mit de Bluse an de Frühlingsluft!" setzte er singend hinzu. Das Mädchen hielt den braunen Kopf tief, tief über ihre Arbeit gesenkt. Sie antwortete gar nicht. Aber in das junge Gesicht war dunkles Rot gekommen, und die Hand über der Feder zitterte. Sie war auch fertig, als es 6 Uhr schlug. Mit dem ihr eigenen kurzen, stolzen Nicken grüßte sie zurück und war auch schon zur Tür hinaus, ehe die anderen 3 sich recht umgesehen. Sie lief die Treppen hinab, durch 2 Höfe und Haustore auf die Straßen im Herzen Berlins, und dann weiter bis zum Schloßplatz, Dort, kurz vor dem Kaiser=Wilhelm=Denkmal, stockte ihr Fuß. Er war schon da. Er stand, scheinbar in das Kunstwerk vertieft, vor der Säulenhalle und sah sich nicht um. Im nächsten Augenblick war sie an seiner Seite. Sie konnte vor lauter Seligkeit nicht einmal„Guten Abesid“ sagen. Sie streckte nur die Hand aus und sah ihn an. Da lächelte er. Es war aber ein sonderbares Lächeln. Die Zähne halb zusammengebissen, das hübsche Gesicht gesenkt und helles Rot unter dem blonden Haar. Und als er so stand und sie anblickte, das braune, gelockte Haar, das ganze, junge, holde Gesichtchen, da kam es dem jungen Mädchen vor, als täte ihr dieser Blick weh, als müßte sie schnell hier vor allen Menschen seinen Kopf nehmen, um ihre zitternden Lippen wie schutzbedürftig auf seinen Mund zu pressen. Er hatte ihren Arm genommen und hielt ihre Hand mit seiner Linken fest..... Eesgug in#4 „So luftig heute?“ fragte er keise.„Frlerst on nichl in dem Mulldings, Thilde?“ Sie schüttelte den Kopf. 1 „'s is ja Mai, Hans!“ Das war gerade wie ein Jauchzen. Er preßte krampfhaft ihre Hand und schritt so schnell nit ihr die Linden entlang, daß ihr Atem schwer wurde. „Wieder in der Tiergarten, jak“ Sie nickte. „Wohin du willst, Hans.“ Sie zitterte plötzlich noch mehr. Ueber ihre helle Seligkeit kam ein unverstanden Bangen. Sie begriff sein seltsames Schweigen nicht und seinen Blick, der sich förmlich festklammerte an ihrem Körper. Als die ersten stillen Wege des Tiergartens um sie waren, seufzte er. Sie blieb stehen, versuchte zu lachen und zog ihren Arm aus dem seinen. „Du bist wohl vom Mai trübsinnig geworden, Hannemann? Huh— wie siehst du aus! Denk mal, morgen ist Sonntag, der 1. Maiensonntag! Weißt du noch, voriges Jahr?... Werder,, Friedrichshöhe... Johannisbeerwein und Kirschblüten? Machen wir morgen alles nochmal.. du.. jat“ Er schüttelte den Kopf. Seine Arme streckten sich ihr entgegen und legten sich schwer um ihre Schulter. Wie ein Trunkener küßte er sie. Als sie sich endlich wieder losriß, hatte sie die Augen geschlossen und war totenblaß geworden. „Nein.. so.. sollst du mich nicht küssen, Hans, So.. so, ich will das nicht, ich.. Hans, ich kann das nicht!“ Es war fast wie Schluchzen, als sie das sagte. Ich tu's auch nicht mehr, Thilde. Weißt du, was das eben war?" Er schritt jetzt neben ihr weiter und hielt die Hände in den Manteltaschen. Sie sah gar nicht auf. Es war noch alles Sturm und Erregung in ihr. „Das war.. der Abschied, Thilde.“ Er hatte das zuerst flüsternd gesagt und wiederholte es nun noch einmal laut und schroff. „Jawohl, der Abschied!" Sie sah ihn verständnislos an. Da ging er noch einen Schritt weiter von ihr entfernt den stillen, grünen Weg entlang. Es klang gerade wie eingelernt, was er nun sprach:„Du hast doch damals, ais wir uns vor 2 Jahren kennen lernten, gleich gesagt: Auf gute Freundschaft... nicht wahr? Und ich — ich hab dir doch auch gleich klar gemacht"—— er stockte nun doch und versuchte wieder ihren Arm zu nehmen. Sie ging aber wie eine Kranke, der jede Bewegung weh tut, und ihre Hand fiel wie leblos" nieder. „Ja, klar gemacht, Thilde, daß aus einer Heirat zwischen uns nie etwas werden könnte. Habe ich das nicht getan, Thilde?“ Sie nickte. „Na ja—— du bist ja auch ein so vernünftiges Mädchen, Liebling. Und wenn wir uns nun nicht mehr sehen werden, bleibt uns die schöne Zeit doch immer noch als Erinnerung, und jeder von uns kann sagen: „Wir haben einander nichts vorzuwerfen— was, Thilde?" Sie blickte langsam empor. Er hätte sie am liebsten noch einmal in die Arme genommen, als er sie so sah. „Wußtest du daß Mittwoch— Mittwoch abend schon daß—— daß“—— Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich ich hab' darüber überhaupt noch nicht ernstlich nachgedacht. Gestern war ich in Grünau draußen bei Verwandten, bei Sielkes, weißt du. Agnes Sielke— wir duzen uns und kennen uns von Kind auf, obwohl ich nur ein halber Vetter von ihr bin. Unsere Mütter sind Cousinen. Na ja, und das haben sie wohl schon lange so ausgemacht, daß wir uns nach meinem Staatsexamen verloben sollten. Du weißt es ja, ich muß Geld heiraten, Thilde. Ich bin zu großartig, leider, erzogen, um mit meinem Gehalt allein auszukommen, na.. und.. und“— Sie unterbrach ihn. „Du hast dich.. schon verlobt?“ Er nickte. „Ja, gestern. Morgen soll es bekannt werden, morgen ist die Feier draußen in Grünau Ich weiß selber nicht, wie das so schnell kommen konnte. Aver Agnes liebt mich wohl schon lange, und es ist ein großesGlück * für mich, also... es ging eben nicht anders.“ Er schwieg und blieb ganz erschrocken stehen. „Aber Thilde, nein! Weinen mußt du nicht. Um so einen, wie ich bin, lohnt sich's gar nicht", versuchte er zu scherzen.„Und du wußtest es ja auch von Anfang an, daß es mal ein Ende gibt zwischen uns.“ Sie schluchzte krampfhaft die Tränen hinunter. „Ich weine ja gar nicht. Ich— nein, du sollst mich loslassen. Nein, ich will nicht, daß du mich nun noch anfäßt!“ stieß sie hervor.„Geh— geh nun— geh schnell, Hans!“ Er wurde ganz verlegen vor ihrem Jammer, „Es ist ja doch das beste so, Thilde.“ „Ja— das beste,— ich sag' ja auch nichts, aber geh!“ „Warum denn? Laß uns doch erst noch mal vernünftig reden miteinander, Abschied nehmen, Thilde— du, du"— Er erschrak, so heftig hatte sie sich von seiner ausgestreckten Hand losgerissen. „Nein, ich will nicht. Geh nur— geh!“ Sie lief von ihm fort, geradeaus und wegfremd in das nächste Gebüsch hinein. Es war nur ein schmaler, wenig betretener Pfad zwischen dem Grün. Sie zerriß sich die neue, lichte Bluse an den Zweigen, und der gute schwarze Rock schleifte schwer über die nasse, frühlingsfrische Erde. Sie achtete es gar nicht. Sie lief u. lief, und als sie plözlich am Brandenburger Tor war, stieg sie, als würde sie verfolgt, ganz scheu und hastig auf die Straßenbahn, um durch die Stadt nach Hause zu fahren. „Es ist ein großes Glück für mich,“ hörte sie wieder und wieder sagen, als sie so in ihrer Ecke saß, dieweil draußen die Sonne ganz über den Häusern herniedersank. Sie sprang auf und lief die letzten paar Straßen zu Fuß nach Hause. Und es war wie ein Grauen in ihr, als sie die vielenTreppen hinauf bis zur elterlichen Wohnung stieg und niemand, niemand oben finden würde, der ihr Leid verstehen konnte. Die Geschwister schrien durcheinander, der Vater las müde und abgearbeitet seine Zeitung am Küchentisch und nur die Mutter blieb einen Augenblick wie fragend vor ihr stehen. Die kleine verkümmerte Frau hatte trotz aller Mühe und Plage so wunderbar weiche Hände. Die glitten sacht und kosend über der Tochter braunes Haar. „Jetzt sagt sie gewiß: Sei stark, mein Kind, sei tapfer, mein liebes Mädchen. Wir Frauen müssen alle, alle durch Tränen unsere Wege finden,“ wünscht sich Thilde in stummer Sehnsucht. Die schlichte, blasse Frau mochte vielleicht so etwas Aehnliches denken, als sie das junge, verstörte Antliz sah. Sie konnte es aber nicht in Worte kleiden. Sie lächelte darum nur und meinte:„Nun iß aber mal tüchtig, Thildchen, und nimm dir auch'ne Flasche Bier zu. Das kam nun wunderbar mit des Mädchens Leid. Sie wurde stiller und blasser von Tag zu Tag, und wo sie ging und stand, dachte sie immer nur das eine: „Wenn er jetzt käme, wenn du ihn jetzt bloß mal sehen könntest— du stirbst ja, wenn er nicht mehr kommt!“ Nach Geschäftsschluß lief sie oft in zitternder Sehnsucht die Straßen entlang, die er vielleicht gehen konnte, oder schlich scheu drüben auf der Seite vor seinem Hause vorbei, darinnen er bei den Eltern wohnte. „Wenn er jetzt kommt,“ dachte sie dann,„so würden wir doch noch einmal Abschied nehmen voneinander, ein einziges, ein letztes, süßes Mal, und nie würdest du wieder klagen— nie!“ Sie war oft ganz wirr vor Verlangen und Herzeleid. Sie hatte sich bisher nichts vorzuwerfen gehabt — nein— aber nun, wenn er sie noch lieb hätte, wenn er wieder mit ihr hinaus wollte, irgendwo in denMai. Thilde malte sich die Wonne oft mit krankhafter Begierde aus und wurde elend und schwach dabei. Eines Abends, es war wieder Sonnabend, und irgendwo von einer Kirche her klangen die Glocken, vief jemand ihren Namen, als sie über den großen Lagerhof vom Kontor her schritt, um auf die Straße zu gelangen. Aus einem Seiteneingang trat Hans auf sie zu. Er hielt ihre Hand mit schmerzhaftem Druck fest, und beide blieben ein Weilchen heiß und rot in dem menschenleeren Hausflur stehen. „Ich hab's nicht mehr aushalten können, Thilde,“ flüsterte er haltlos. Sie sah ihn nur an. Schon hob sich sein Arm, schon zuckten seine Lippen ihr wie Flammen entgegen, als sie jäh den Kopf hintenüberbog. Sie hatte seinen Verlobungsring gesehen. Er war so dick und aufdringlich breit, und früher, da waren diese weißen, schlanken Finger noch ganz schmucklos gewesen, wenn sie ihre Schultern festhielten. Und noch etwas war da! Die Glocken! Die Glocken— gerade so, als wäre irgendwo Hochzeit und als stünde. eine Braut da in Kranz und Schleier und winkte, winkte wie hilflos.. Ohne daß es Thilde selber wußte, war sie den Glokkentönen nach die Straße entlang gegangen und sah nicht empor zu ihm, der in kurzer Entfernung neben ihr herschritt. Er sprach so viel. Sie verstand eigentlich nicht recht, was er alles sagte, Nun war es da, das Große, Wunderbare, was sie gewollt, dachte Thilde einen Augenblick zitternd. Und sie sah ihn an, dunkler Sehnsucht voll, und wich doch vor seinem Antlitz zurück, als stünde ein Fremder vor ihr. Blaß sah er aus, und die Leidenschaft glühte in seinem Blick. Und alles Gute, Hohe, Reine war wie fortgelöscht aus seinen Zügen, und als er sie bat, sie förmlich quälte, es solle trotzdem nicht aus zwischen ihnen sein— trotzdem... Das Mädchen hob den Kopf. Sie lächelte sogar, als sie sprach. Ihre Stimme klang ganz frei. „Das glaubst du doch selber nicht, Hans. Ich könnte nicht teilen. Damals, als du mir noch ganz gehörtest, hatten wir uns nichts vorzuwerfen mit unsrer Liebe— nein! Heute aber— lebe wohl, Hans! Trotzdem ist es Sünde für uns. Und— und ich binwohl zu— dumm, um dennoch trotz— trotzdem zu sagen.“ Er sah sie ganz überrascht an. „Dann liebst du mich eben nicht mehr, wenn du#### sprechen kannst!" Sie neigte das Haupt, als trüge es eine schwere Last.„Vielleicht— darum lebe wohl, Er wurde ärgerlich. „Du bist ein verdrehtes Mädel, jawohl! Da ist je Agnes vernünftiger.“ Thilde antwortete nicht mehr. Sie war weitergeschritten, immer den Glocken nach. Und der Lenz war um sie her und blaue, wunderbar reine Maienlutt. Und ihre Seele wuchs. 1 93 **„ 60 das neuzeitliche Kaffeegetränk(kein Bohnenkaffee) h iönninh diniglein Echr nirhl gantz 1 Pjening. m Bekanntmachung. Auf den Bericht vom 21. April d. Is. will Ich der Hafenbetriebsgesellschaft Wanne—Herne mit beschränkter Haftung in Wanne auf Grund des Gesetzes vom 11. Juni 1874(Gesetzsamml. S. 221) hierdurch das Recht verleihen, das Grundeigentum, das zur Ausführung der in dem zurückfolgenden Plane dargestellten Erweiterung des Hafens Wanne erforderlich ist, im Wege der Enteignung dem Eigentümer zu entziehen oder es zu beschränken. Neues Palais, den 30. April 1913. gez.: Wilhelm R. gegengez. v. Breitenbach, Sydow, v. Dallwitz. An die Minister der öffentlichen Arbeiten, für Handel und Gewerbe und des Innern. Bekanntmachung. Zu der durch den Gemeindevorstand in Günnigfeld zu bewirkenden Ernennung des Verwaltungsgehülfen Bernhard Holzem daselbst zum ersten Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Günnigfeld im Kreise Gelsenkirchen habe ich heute meine Genehmigung erteilt. Der Regierungs=Präsident. Im Auftr.: Hartwig. Resescheichich. Durch Ausschlußurteil vom 21. Mai 1913 ist das Sparkassenbuch der städtischen Sparkasse zu Wattenscheid No. 17877 über 351,39 Mk. ausgestellt für den Koksarbeiter Kasimir Gottlinski richtig Goliuski von Gelsenkirchen, Friedrichstraße 18 für kraftlos erklärt worden. Wattenscheid, den 26. Mai 1913. Königliches Amtsgericht Wattenscheid. Bekanntmachung. Der Rotz unter dem Pferdebestande des inzwischen verstorbenen Händlers Anton Mikus in Wattenscheid, Vödestr. 38, ist erloschen u. die angeordneten Schutzmaßregeln sind aufgehoben worden. Die Stadt Wattenscheid ist jetzt wieder senchenfrei. Wattenscheid, 31. Mai 1913. Die Stadt=Polizei=Verwaltung Der Bürgermeister: Wibberding. Bekanntmachung. Beranntmachung. In das hiesige Handelsregister ist in Abteilung A bei No. 130 heute eingetragen worden, daß die Firma Rehwoldt Nachfolger, Wattenscheid geändert ist in: Friedrich Büscher in Wattenscheid. Die bisherige Firma ist erloschen. Wattenscheid, 29. Mai 1913. Königliches Amtsgericht. Ausgekämmies Rar kauft H. Stutzmann, Frieseur, Chausestr 19. ausschlag, Pickel, Mitesser, Flechten verschwinden meist sehr schnell, wenn man den Schaum von Zucker’s Patent- Medizinal- Seife, à St. 50 Pf.(15%ig) u. 1,50 M. (35%ig, stärkste Form) abends eintrocknen läßt. Schaum erst morgens abwaschen und mit Zuckooh-Creme(à 50 und 75 Pf. 2c.) nachstreichen. Großartige Wirkung, von Tausenden bestätigt. Bei C. Berghaus Rchf., H. Feldhoff. O. Luenen, Paul Schulte und Gebr. Ullmann. Belde Grundbesitzer-Verein Wattenscheid. Montag, den 2. abends 8,30 Uhr Juni, JahrosAeeribergungng rateur C Meier, Bochumerstr.90. Wegen der außerordentlich wichtigen Tagesordnung, die in der Versammlung bekannt gemacht wird, bittet um vollzähliges Erscheinen. Der Vorstand. Der Unteroffizier Gabriel in W. schreibt: Die Anwendung Ihrer Obermeyer's Medizinal HerbaSeife bei meinem solchen Erfolg, daßichjetzt aus dem Stations= lazaret entlassen werden kann. Herba=Seise à Stck. 50 Pf. 30% verstärktes Präparat Mk. 1.—. Zur Nachbehandlg. Herba=Creme à Tube 75 Pf., Glasdose Mk. 1,50. Zu haben in allen Apothek. Drog. und Parfümerien. Konkurs=Verkauf. Mittwoch, den 4. und Donnerstag, 5. Juni er. jedesmal nachm. 10 Uhr anfangend, werde ich im Pfandlokale Oststr. 38 die zur Konkursmasse Greve gehörigen Warenbestände als: Schränke, Vertikows, Tische, Kleiderschränke, 17 Oefen, Herde, Stühle, Spiegel, Stuhlsitze, Büffetschränke u. s. w. öffentlich meistbietend gegen Bar versteigern. Grießmann, Gerichtsvollz., Wattenscheid. Auf Grund des§ 21 Abs. 5 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907(G.=S. S. 207) wird hiermit im Anschluß an die Bekanntmachung vom 2. Mai d. Irs. bekannt gemacht, daß die freihändige Verpachtung der Jagdnutzung in dem Jagdbezirk der aus der Gemeinde Höntrop bestehenden Jagdgenossenschaft am Dienstag, den 17. Juni 1913, nachmittags 4,30 Uhr im Amtshause zu Westenfeld— nach Maßgabe der offen gelegten Pacht= und sonstigen Bedingungen— stattfindet. Höntrop, den 31. Mai 1913. Der Jagdvorsteher. Stens, Gemeindevorsteher. 4448 48 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die uns beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen zuteil wurden, sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. Große Auswahl in Möbel, compl. Schlafzimmer, " Küchen, „ Wohnzimmer, sowie Einzelmöbel zu den billigsten Preisen und kulantesten Zahlungsbedingungen. Kunden, welche in anderen Geschäften ihr Konto beglichen haben, erhalten ohne Anzahlung. In Krankheitsfällen übe ich die größte Rücksicht. Prieurich Hontzig, Nach., Wattenscheid, Hochstrasse 62. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Gatten sage ich allen Freunden und Nachbarn, besonders der Direktion, den Beamten und der Belegschaft der Zeche Hannover III/IV, sowie dem Schützenverein „Kaiser Wilhelm“ Wattenscheid und dem Bürgerschützen-Verein Günnigfeld meinen innigsten Dank. Günnigield, den 2. Juni 1913. Wwv. Peter Morgen nebst Kind. 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Rotationsdruck und Verlag Carl gegrünbet 1908 (Neueste Nachrichten.) inr Stabr und Amt Wallenscheib, bevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts## ; 2 0 P f g., R e k l a m e n 6 0 P f g. p r o Z e i l e. B e s t i m m t e P l a t z= u n d T e r m i n=; : zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach## : Erhalt der Rechnung. 8 M. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Dr. Karl’kleineidem.“ Dr. Heinrich Vollmar: ZUfRücktritt Des kathollschen Feldpronstes der deutschen Arieer Dr. Vollmar, der katholische Feldpropst der Armee wird im Laufe dieses Sommers von seinem Amt zurücktreten. Dr. Heinrich Vollmar, welcher am 1. Mai in sein 75. Lebensjahr getreten ist, wurde in Paderborn geboren. 1870=71 im Kriege gegen Frankreich war er als Divisionspfarrer bei der 16. Division tätig. Nach dem Feldzuge wirkte er in Altona, Metz, Rendsburg, Graudenz, Königsberg, Hannover und Berlin. 1891 er hielt er den Rang als Militäroberpfarrer. Nachdem Vollmar etwa zwei Jahre dem Armeebischof Aßmann als Generalvikar eine Stütze gewesen, wurde er nach dessen 1903 erfolgtem Tode dessen unmittelbarer Nachfolger im Amt des katholischen Feldpropstes der preußischen Armee und zugleich auch des Marinepropstes. Als sein nunmeheiger Nachfolher wird der fürstbischöfliche Delegat und Propst zu St. Hedwig, Dr. Karl Kleineidam, bezeichnet. Dieinternationale Baufachausstellung Leipzig 1913. Im nationalen Gedenkjahre 1913, wo die Gefilde Leipzigs alle Schreckenserinnerungen an den grausigen Zerstörer jeder traulichen Heimsiedlung„Krieg“ in greifbarer Lebendigkeit wieder heraufführt, konnte hier an der Stätte des blutigen Ringens der Völker vor 100 Jahren kein packenderer Gedanke in die Wirklichkeit umgesetzt werden, als in einer großen internationalen Ausstellung alles das vereinigt vorzuführen, was der Menschengeist erfunden hat, um die Stätten, in denen sich im Frieden das Leben jedes einzelnen wie der menschlichen Gemeinde in all ihren tausendfachen Lebensäußerungen abspielt, erst einmal zu schaffen. So entstand die Internationale Baufach=Ausstellung zu Leipzig. Sie entstand auf dem Gelände, das der Erinnerung an jene ruhmvollen Tage vor 100 Jahren in alle Zukunft geweiht bleiben wird, im Angesicht des Ruhmesmales des gewaltigen Ringens um die deutsche Freiheit gegen die Sklaverei des Korsen, des Leipziger Völkerschlachtdenkmals. Nach der ersten großen Fach=Weltausstellung, der Dresdener Hngiene=Auselung im Jchre 1911, ist diese zweite, große Fach=Weltausstellung am 3. Mai im Beisein des Königs von Sachsen feierlich eröffnet worden. Im Zuge der neuen Prachtstraße des 18. Oktober, die vom Innern der Stadt nach dem Völkerschlachtdenkmal führen soll, liegt der Haupteingang zu der Ausstellung. Etwa 1 Kilometer der neuen Straße leitete, schon fertiggestellt und noch des belebenden Baumschmuckes entbehrend, auf die Ausstellung zu. Rückwärts gewandt sieht man die große Silhouette der Halbmillionenstadt in ihren charakteristischen Höhepunkten, unter denen das Wahrzeichen des neuen Leipzig, der Rathausturm weitaus hervorragt, im Halbkreise ausgebreitet, zur Rechten ragt in der Nähe die noch im Bau befindliche russische Gedächtniskirche auf. Nach vorn schließt die massige und doch elegante Pyramide des Völkerschlachtdenkmals das Bild. Zwischen den mit dorischen Säulen gezierten Schmalfronten der Eingangsgebäude, welche die Feuerwehr-, Polizei= und Sanitätswache sowie den kleinen Vortragssaal beherbergen, und zwei von Löwen gekrönten Postamenten betreten wir das Ausstellungsgelände. Ein weiter, dunkler Zypressenhain mahnt mit ernstem Willkommengruß sinnvoll daran, daß wir uns auf dem blutgetränkten Gefilde der Leipziger Völkerschlacht befinden. Doch sofort führen uns zwei große Blumengärten mit üppigem Blütenflor, die einen Leuchtspringbrunnen umrahmen, wieder ins blühende Leben zurück. Doch nun weiter auf der Straße des 18. Oktober. Da stehen links und rechts von dem Leuchtspringbrunnen zwei Hauptgebäude der Ausstellung, links das prächtige, weitgedehnte Hauptrestaurant mit schönen Terassenplätzen, rechts die Hauptausstellungshalle, die die Baukunst, Raumkunst, die Baustoffe, Kunstgewerbe und Industrie zeigen wird. Auf dem großen, freien Vorplatz ersteht ein prachtvoller Rosengarten. Eine weite, runde Repräsentationshalle mit prunkender und doch schlichter Glasdeckung in den Leipziger Farben leitet in die Ausstellungsbaulichkeiten ein. 13 gleichfalls in den Leipziger Farben bemalte mächtige dorische Säulen tragen das Rund. In den dahinter liegenden Industriehallen bilden die mächtigen, hellgrünen Gewölbebogen zu dem Hellbraun der Seitenwände einen geschmackvollen Farbenkontrast. Ein großes buntes Glasfenster mit dem die Weltkugel tragenden Atlas und Symbolen der Industrie gibt den wirkungsvollen Abschluß der Halle. Wir treten an der Rückseite der großen Industriehalle wieder ins Freie. Da ragt das wohl eigenartigste Bauwerk der Ausstellung auf, ein Wahrzeichen modernster Technik: das vom deutschen Stahlwerksverband errichtete grandiose„Monument des Eisens“. Es ist in drei Stockwerken ganz aus bis zu 8 Meter hohen Eisen I-Trägern und Gla sgebaut und trägt oben eine vergoldete Kugel von 9 Meter Durchmesser. Dahinter lagern sich breit die beiden großen Maschinenhallen, in denen die eisernen Sklaven unseres modernen Zeitalters bei ihrer Arbeit vorgeführt werden sollen. Weiter schreitend gelangen wir zu dem Glanzpunkt der Ausstellung, der großen Betonhalle. Ein außen über den Vasen unterbrochener und dadurch leichter wirkender Aufbau trägt das mächtige Kuppelrund. Ein Brunnen in der Mitte sprudelt Kühlung. Später soll dieser gewaltige Kuppelbau der Stadt Leipzig als tändiges Austellugsgebäude dienen. Wie jet der Hale. die Räumlichkeiten für die Leipziger Jahreskunstausstellung und für die Ausstellung von Kunst und Wissenschaft angegliedert sind, so werden ihr sich auch in künftigen Jahren jeweilig entsprechende Nutz= u. Sonderzweckbauten anschließen. Rechter Hand vom Eingang durch das Verwaltungsgebäude liegt„Alt=Leipzig um 1800“, der Teil der Ausstellung, der außer dem später zu besprechenden„Dörfchen“ und dem Vergnügungspark wohl das stärkste Interesse bei dem großen Publikum erwecken wird. Der Leipziger Architekt Fritz Drechsler hat hier ein Bild der Wohnweise unserer Altvordern geschaffen, wie es in solcher Lebenswahrheit deutlicher als alle Abbildungen und Beschreibungen vor das Auge gezaubert ist. Grimmaisches Tor, Peterstor, die Paulinerkirche, das anschließende Dominikanerkloster(jetzt Universität), Thomaskirche, die historische Pleißenburg mit dem Vorbilde des heutigen Rathausturmes, Wall und Graben und andere historische Stätten von Alt=Leipzig sind hier mit Naturtreue und historischer Wahrheit wieder erstanden. itTheiahr 4 Goldmundstück, 1 Cigaretten s Feinschmecker Ne 3% 4 5 Luxus-Ne6 8 10 Preis 3½ 14, 5 Qualitäten 6 8 10 Pf.d.Stck Echt mit Firma: Orient. Tabak- u. Cigaretten-Fabrik „Jenidze“ Inh: Hugo Zietz, Dresden der Roman von Karl Engelbardt. 87(Nachdruck verboten.) Die Liebe schwoll in ihm an, daß sie ihm fast die Brust zersprengte. Eine so glühende, sommerluftdurchhauchte Sehnsucht, daß er sich mit aller Kraft gegen das immer lebendiger werdende Verlangen stemmen mußte, Karla zu fassen, ihren widerspenstigen, kleinen Kopf in die Hände zu nehmen und diese spröden, widerstrebenden Lippen zu küssen—— zu küssen, bis zur Atemlosigkeit. Und die Worte drängten sich ihm auf die Lippen. Aus seiner Stimme aber klang noch die Erregung. „Fräulein Fannemor— weshalb verließen Sie Königsberg so rasch und ohne zu sagen, daß Sie hierher gehen würden?“ „Ich war ja nur zur Hochzeit von Berlin herübergefahren. Und jetzt bin ich hier wegen meiner Gesundheit.“ „Sind Sie krank?“ fragte er bestürzt. „O nein,“ erwiderte sie rasch.„Aber die Seeluft tut mir zut. Und ich hatte auch Herrn Throndhiem versprochen, ihn in seiner neuen Häuslichkeit zu besuchen.“ „Sie haben mir noch nicht geantwortet. Wesbalb sagten Sie uns nichts davon?“ „Aber was glauben Sie denn? Das wäre ja die reine Verabredung gewesen.“ „Und wäre das wirklich so schlimm gewesen?“ „Natürlich, weil Sie es sind, nicht. Welche Einbildung doch die Männer besitzen!“ „Nein, Fräulein Fannemor. Ich habe mir nie etwas eingebildet. Und in bezug auf Sie konnte ich mich keinen Illusionen hingeben. Dafür haben Sie gesorgt. „Ich liebe die Klarheit,“ sagte sie kurz und schrog. Er sah traurig vor sich hin. Dann sprach er weich: „Fräulein Fannemor— ich weiß, daß Sie gut sind. Ihre Freundschaft mit Maja und Erich würde das allein schon bestätigen. Sie können lieb und freundlich sein. Ich habe das Bild gesehen, das Erich eben von Ihnen malt. Sie lieben die Kinder. Also haben Sie Herz. Nur bei mir—— da kaprizieren Sie sich darauf, stets bitter und sarkastisch zu sein. Ich bin wohl der einzige Mensch, dem Sie mit Absicht weh tun.“ Er hatte das alles halblaut, resigniert gesagt. Karla aber wagte die Augen nicht zu heben, in denen es feucht schimmerte. Und ganz kleinlaut, so verzagt, wie man Karla gar nicht kannte: „Ich habe nie die Absicht gehabt, Ihnen wehe zu tun.“ „Und doch mußten Sie es wissen. Sie mußten einsehen, fühlen, wie gerade mich Ihre Behandlung traf.“ Sie hatten nicht darauf geachtet, daß am Horizonte eine blaugraue, gelbumsäumte Wolke heraufgezogen war. Immer höher war sie gestiegen, immer weiter hatte sie sich mit breiter Brust über den Himmel gelegt. Da zuckte der erste Blitz. Und schwacher Donner folgte grollend. Karla blickte überrascht empor. Aufatmend freute sie sich der Ablenkung. „Nun aber rasch! Sonst werden wir eingeweicht,“ rief sie. „Fürchten Sie sich vor dem Gewitter?“ fragte er, ärgerlich über die Abschweifung. „Ich—?“ Sie schüttelte lebhaft den Kopf.„Nein, ich fürchte mich nicht vor dem Gewitter. Ich liebe sogar das Gewitter. Im Augenblick ist es mir nur allenfalls um die Nässe zu tun. Ich habe keinen Schirm und bin sehr leicht gekleidet. Sonst—! Ich weiß mir nichts Schöneres, als im Regenmantel hinauszulaufen, wenn es draußen wettert und stürmt. Wenn die Blitze im grellen Feuer die Luft zerreißen, wie lichtfrohe Leuchtbogen, und der Donner zürnend und scheltend hinterherstürzt hinter jedem springenden Leichtfuß. Wenn einem der Regen prasselnd mit spitzen, kalten Fingern in das Gesicht fährt. Das ist herrlich. Die Brust wird so weit. Und der Geist so leicht und freil“ „Möge der Himmel Ihnen diese Gesundheit erhalten, Fräulein Fannemor, geistig und körperlich.“ Ein trüber Schatten legte sich auf Karlas Stirn. Sie preßte die Lippen aufeinander, daß sie schmal und glatt lagen. Eine unausgesprochene Erregung zuckte in ihrem Gesicht. Nach einer kleinen Pause sagte sie langsam und gedehnt; „Selbst wenn ich krank wäre. Ich hasse jedes hinsterbende Leiden mit der Lazarusmiene im Gesicht, das klagt und mit jedem trübseligen Blick kund tut, wie beklagenswert es ist, und mit jeder müden schmerzlich= resignierten Bewegung Mitleid heischt. O— ich fürchte mich unsäglich vor dem Augenblick, wo uns eine Krankbeit die letzte Kraft und die letzte Frische nimmt. So lange ich mich noch aufrecht halten könnte, möchte ich leben, leben wie die Gesunden und mit den Gesunden. Ohne Klage und ohne Mitleid. Nur nicht beklagt und bedauert. Und keine zarte Rücksicht, die einem jeden Genuß verkümmerte, indem sie stetig und immer daran erinnert, daß man nicht zu den Vollmenschen gehört. Das ist mir widerwärtig, verhaßt.“ Je länger sie sprach, desto mehr ereiferte sie sich. Als spräche sie für ihre eigene Person. Diesen Eindruck hatte auch Walter. „Sie mögen recht haben, Fräulein Fannemor. Aber sie sprechen, als gälte es für Sie selbst. Und Gesunde können nur schwer über Kranksein urteilen. „Ja,—!“ sagte sie und atmete tief auf.„So wird es wohl sein.“ Das letzte klang wie eine Abweisung. Das Gespräch stockte. Man mußte rascher schreiten. Und über den so sommerabendschwülen Herzenston, von dem die ersten Worte Walters getragen gewesen waren, hatte sich's wie Morgentau gelegt. Abkühlend, ernüchternd im Lichte des aufgrauenden Tages. In der Seele Karlas schwang es wie Saiten, über die der Bogen gestrichen. Weiche, wehe Mollakkorde. Schmerzerzitternd. (Fortsetzung folgt.) * Eikläbung zur 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Metz. (17.—21. August 1913.) Metz, die alte Feste am Moselstrande, hat in diesem Jahre zum ersten Male die hohe Ehre, die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in ihren Mauern zu bergen. Der großartige Verlauf des internationalen Kongresses im Jahre 1907 hat den Beweis erbracht, daß die Hauptstadt Lothringens ein zugkräftiger Versammlungsort ist, und daß die Metzer Bevölkerung große Tagungen glanzvoll einzurichten versteht. Es wurden daher in unserer Mitte die Stimmen immer zahlreicher, welche wünschten, daß die Katholiken Deutschlands einmal ihre Generalversammlung in unserer ehrwürdigen Bischofsstadt abhielten. Und als am 15. August vorigen Jahres aus Aachen die Nachricht eintraf, Metz sei als nächster Tagungsort gewählt, da bemächtigte sich eine große Freude und Begeisterung unserer katholischen Bevölkerung. Seit Monaten sind schon Hunderte fleißig und opferfreudig an der Arbeit, die Versammlung vorzubereiten und all den lieben Glaubensgenossen, die im nächsten August aus des Deutschen Reiches Gauen und seinen Nachbarländern in Metz zusammenströmen werden, einen schönen und würdigen Empfang zu bereiten. So kommt denn zu uns, teure Glaubensbrüder! Im Kampfe des Lebens, in den Sorgen ums tägliche Brot, ums irdische Fortkommen, da verblassen oft die Ideale. Die materialistische Lebensauffassung und die Vergnügungssucht der heuttigen Welt lassen die Liebe zur Religion, die Begeisterung für unsere heilige Kirche oft erkalten. Angesichts der großen stets wachsenden Aufgaben, die die Gegenwart an uns stellt, verliert der Einzelne oft die richtige Einsicht, übersieht er schlimme Gegner und große Gefahren, irrt er sich in der Wahl der Verteidigungsmitttel. Die Menge der Gegner, die Vielseitigkeit ihrer Angriffe raubt ihm oft den Mut. Wo aber die Glaubensgenossen zu Tausenden zusammenströmen, um die großen religiösen und sozialen Fragen der Zeit zu studieren und zu besprechen, da schöpfen wir Mut und Kraft, da entbrennt in uns die Begeisterung für unsere Religion und unsere Kirche. Das Jahr 1913, das Jahr der konstantinischen Erinnerungsfeier, ist besonders dazu angetan, die Liebe zu unserer Kirche und ihrer Freiheit neu zu beleben und zu kräftigen. Unser Hl. Vater Pius 10. lädt mit dringenden Worten alle seine Kinder ein zur Betrachtung jener großen Zeiten, in denen der jungen, lebenskräftigen Christenheit die Religion der Glaube an den Auferstandenen alles war, wo die schönsten Tugenden sich in makelloser Reinheit entfalteten, wo die todesmutigen Christusjünger in froher Begeisterung ihr Leben und ihre Güter hingaben für den Glauben. Das Jahr 1913 lenkt unseren Blick auf den stets wachsenden Einfluß, den das Christentum auf die Menschheit ausübte, auf den Sieg und die Freiheit der Kirche, die durch unerschütterlichen Glaubensmut und zähe Ausdauer in einem dreihundertjährigen Kampfe erstritten werden mußten. Dieser großen Zeit, dieser Kämpfe, dieses Sieges, dieser mühsam errungenen Freiheit wollen wir auf der diesjährigen Versammlung der Katholiken Deutschlands gedenken. An den Idealen der damaligen Christenheit wollen wir uns stärken und begeistern und diese Begeisterung mitnehmen in unser trautes Heim sowohl wie ins öffentliche Leben. Auf denn zur 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Metz! Metz, 20. Mai 1913. Ehrenpräsident: Willibrord Benzler, Bischof von Metz.##### Vorstand des Lokalkomitees: I. Präsident: Prof. Kintzinger, Oberlehrer, Mitglied des Gemeinderats. 2. Präsident: Dr. Ernst, prakt. Arzt, Mitglied des Hemeinderats. 3. Präsident: Alfons Federspil, Regierungsrat. 1. Schriftführer: Dr. Cuny, Oberlehrer. 2. Schriftführer: Dr. Schumann, Rechtsanwalt. 3. Schriftführer: Dr. Folz, Oberlehrer. 4. Schriftführer: Ed. Guenser, Kaufmann. 1. Schatzmeister: Viktor Prevel, Bankdirektor. 2. Schatzmeister: Rechnungsrat Tutt, Rentmeister. Reichstag. Berlin, 31.: Mai. Am Bundesratstisch Dr. v. Bethmann Hollweg, Delbrück, Mandel, Kühn.— Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet die Sitzung um 12,20 Uhr. Die„Ausnahmegesetze“ für Elsaß=Lothringen. Die Besprechung der soziald. Interpellation wird fortgesetzt. Dr. v. Calker(natl.): Ich habe mich seit Monaten mehrfach bemüht, eine Debatte über Elsaß=Lothringen hier im Hause zu verhindern, weil solche Diskussionen auf die dortige Entwickelung ungünstig einwirken. Heute ist das nicht mehr möglich. Allerdings liegt ein Beschluß der verbündeten Regierungen nicht vor. Wir müssen uns ebenso wie der Reichskanzler mit großer Vorsicht zu der Frage äußern, doch können wir eine Orientierung für uns und die Regierung schaffen, kein Urteil, wohl aber Entscheidungsgründe. Im Januar herrschte eine Entrüstung über die Umtriebe der Nationalisten. Diese Empfindung wurde der elsaß=lothringischen Regierung deutlich genug ausgedrückt. Wir dürsen die Bedeutung des Nationalismus nicht übertreiben, aber er bedeutet eine Gefahr für Elsaß=Lothringen und unsere Beziehungen zum Auslande. Es ist selbstverständlich, daß die Regierung von ihrem Standpunkte Maßregeln fordert, die dem Nationalismus begegnen. Aber sind sie geeignet und erforderlich? Ich verneine diese Frage. Die Nachteile solcher Maßregeln sind größer als die Vorteile. Wenn es notwendig ist zu schießen, so schieße ich nicht in die Luft, sondern suche zu treffen. Vor einer politischen Notwendigkeit soll der Staat nicht davonlaufen. Ausnahmemaßregeln schafft gelegentlich jeder Staat, aber der Schuldige wird sehr häufig nicht von ihnen getroffen und die Mißstimmung darüber ergreift andere Kreise, und diese Mißstimmung halte ich für berechtigt. In Elsaß=Lothringen sieht man in den Anträgen einen Angriff auf die Verfassung. Die Verfassung hat günstig gewirkt. Ohne sie wäre die Reaktion noch stärker gewesen. Wir sind dem Reichskanzler dankbar, daß er das gestern ausdrücklich hat. Beide Kammern haben mit überwältigender Mehrheit den Nationalismus verurteilt. Das wäre unter der alten Verfassung überhaupt nicht möglich gewesen. Wie sind die Mißstände entstanden? Der Schnitt gegen den Nationalismus ist vielleicht nicht immer kräftig genug geführt worden. Den Grund zu Mißstimmungen geben oft Kleinlichkeiten, wie die Verleihung eines kleinen Ordens. Wenn aber in der 1. Kammer der oberste Richter des Landes die Regierung scharf angreift, ohne auch nur ein Wort des Widerspruchs zu finden, so beweist das, daß nicht alles so ist, wie es sein sollte. Die Vorgänge in Elsaß=Lothringen haben leider eine große Bedeutung für unsere auswärtigen Beziehungen. Sie sind ein gutes Barometer für unsere auswärtige Politik. Es ist ein schweres Unrecht, wenn unsere alldeutsche Presse Frankreich beleidigt. Das ist unser nicht würdig. Ich hoffe, daß in Elsaß=Lothringen selbst die Reaktion gegen das deutschfeindliche Treiben kräftig genug wird. Man soll ihnen nur das deutsche Staatswesen als die Verkörperung eines festen Willens zeigen, der freiheitliche Gesinnung fördern will.(Beifall.)— Abg. Roeser (Volksp.): Das Bekanntwerden der Pläne der elsaß=lothringischen Regierung hat im ganzen Lande Erbitterung hervorgerufen. Diese Ausnahmegesetze haben beide Kammern einmütig verurteilt, aber der Nationalismus ist höchst zufrieden. Das hätte die Regierung voraussehen müssen. Der Nationalismus kann nur durch eine Gegenbewegung der Bevölkerung von unten herauf überwunden werden. Diese Gegenbewegung ist da, die Regierung hätte nichts zu tun, als sie zu fördern.— Abg. Dr. Laczewski(Pole): Das Vorgehen gegen die Elsaß=Lothringer könnte auch unmittelbar gegen die Polen angewendet werden, die sich dort aufhalten und die Zeitungen der Heimat lesen wollen. Dasselbe gilt für polnische Vereine, und wir legen Protest ein gegen solche Ausnahmegesetze, weil wir keine Präzedenzfälle haben wollen.— Abg. Schultz(Reichsp.): Wenn die Regierung ihre Vorlagen für notwendig hält, dann darf sie sich auch durch den Protest des Reichstags, der ohne Kenntnis der Vorlagen erfolgt, nicht davon abhalten lassen. Man unterschätzt das Treiben Wetterles. Hoffentlich wird der Tag kommen, wo dem Reichstag die Geduld reißt über das nationalistische Treiben in Elsaß. — Abg. Hauß(Elsässer): Ich habe den Eindruck, daß mit jeder neuen Rede, die hier gehalten wird, ein Leichnam einbalsamiert wird. Wir haben hier viel Schlechtes über den Nationalismus gehört, aber noch nichts darüber, was man unter diesem schwankenden Begriff eigentlich versteht. Die Zahl derjenigen, die die Lostrennung Elsaß=Lothringens wünschen, ist sehr gering. Wenn die elsaß=lothringische Regierung mit diesen paar Leuten nicht fertig wird, dann soll sie es dem Volke überlassen, das diese Leute schon los werden wird. Gewiß ist die Beseitigung des Nationalismus wünschenswert. Aber man kann es begreifen, daß er entstanden ist. Sind nicht viele Fehler vorgekommen, daß man die Unversöhnlichkeit derjenigen begreifen kann, die abseits stehen. Aber wir verwahren uns dagegen, daß man, wenn die Avantageure Wetterle und Blumenthal beim Parademarsch die Knie nach Frankreich durchdrükken, dem ganzen elsässischen Volke:„Zurück!" kommandiert. Ausnahmegesetze sind bei uns stets von= Uebel gewesen, das bezeugt der Reichskanzler Hohenlohe. Die Schwankungen der Regierung müssen die bürgerlichen Parteien bei uns immer mehr auf die radikale Seite führen. Wir haben zum Bundesrat und namentlich zum Reichstag das Vertrauen, daß sie für Beschränkung unserer Freiheit nicht zu haben sind.— Abg. Dr. Weill (Soz.): Ich muß Herrn Mandel doch fragen, ob er nach allem, was bisher gesagt worden ist, dem Hause gar nichts mitzuteilen hat. Ich habe mit Aufmerksamkeit auf seine Antwort gewartet. Jede Ausnahmegesetzgebung ist unerträglich. Diese mußte ein selbstbewußtes und fein empfindendes Volk kränken und erbittern. Seit Erlaß der Verfassung ist nichts geschehen, was ein solches Vorgehen rechtfertigte. Beweise dafür gibt es nicht. Wir können unsere Eigenart nicht aufgeben, aber der Mann ist bei uns eine vereinzelte Erscheinung, der als französischer Mobilgardeleutnant Straßburg verteidigte und heute Ausnahmegesetze gegen sein eigenes Land beantragt. Diese Politik ist ungerecht und nicht zu verantworten.— Unterstaatssekretär für Elsaß=Lothringen Mandel: Nachdem man mich so liebenswürdig gereizt hat, muß ich doch einige Unrichtigkeiten richtigstellen. Es ist nicht eine Ungeheuerlichkeit, daß die Reichsgesetzgebung in einem Gesetze für Elsaß=Lothringen einen Vorbehalt haben soll. Das ist gar nichts Neues. Sie haben in dem Einführungsgesetz zur Gewerbe=Ordnung zahlreiche solcher Vorbehalte, und im Reichs=PreßGesetz heißt es ausdrücklich, die Einführung eines Preßgesetzes für Elsaß=Lothringen bleibt einem besonderen Gesetz vorbehalten. Unser Preßgesetz von 1898 wurde auch von dem damaligen Landesausschuß angenommen. Dieser hat uns die Antwort gegeben, ein Verbot franz. Zeitungen könne ihm nicht zugemutet werden, weil in der Tat das Französische zum Teil Volkssprache, nicht eine fremde Sprache sei. Käme eine solche Bestimmung aber vom Reiche, so werde man sie annehmen. Wir hatten damals darauf verzichtet, haben aber in dem Gesetz einige andere Vorbehalte, die wir nachher auch fallen ließen. Es ist richtig, daß die Vereine der Fremdenlegionäre die statutenmäßige Bestimmung haben, die jungen Leute von dem Eintritt in die Legion abzuhalten. Aber im Laufe der Zeit sind diese Vereine Sammelpunkte der Fremdenlegionäre geworden und tatsächlich wirken die Leute nicht bewußt, aber jedenfalls unbewußt für die Legion. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß die Leute vielfach mit ihrer früheren Zugehörigkeit zur Fremdenlegion renommiert haben. Darauf haben wir die Vereine als bedenklich betrachtet. Auch für die Fahnen hat man eine Zusammenstellung gewählt, auf der einen Seite weiß, auf der anderen rot und etwas blau. Das war, wie man im Elsaß sagt, damit die dummen Schwaben geärgert werden. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß man niemand irgendwie verfolgen soll, der nichts Unrechtes getan hat. Das wäre unmoralisch. Solange ich die Polizei zu verwalten habe, werde ich niemals meine Hand dazu bieten. Ich have ein gutes Gewissen und werde so verfahren, solange ich an der Spitze der Polizei stehe. Daß dem franz. Lustschifferverein hochverräterische Gedanken zuzuschreiben sind, davon kann keine Rede sein. Aber dieser Verein will doch die franz. Luftmacht emporbringen und weist auf die deutschen Rüstungen hin. Da darf er doch nicht Deutsche als Mitglieder aufnehmen. Man hat von dem Zickzack=Kurs der Regierung gesprochen. Es hat im Laufe der letzten Jahrzehnte verschiedene Träger der Staatsgewalt gegeben. Solange der gegenwärtige Statthalter am Ruder ist, ist aber von einem Zickzack=Kurs überhaupt nicht die Rede. Er ist lediglich darauf gerichtet, das Land dem Deutschtum zuzuführen durch eine unparteiische und gerechte Verwaltung. Wenn wir diesen Kurs beibehalten, wird das Land auch Ruhe und Frieden bekommen. Man hat von der geringen Weisheit unserer Regierung gesprochen. Wen soll man an unsere Stelle setzen, damit wir die Gewißheit für die höhere Weisheit der neuen Regierung haben? Die Widmung des Abg. Wetterle an den Staatssekretär von Bulach bezieht sich meines Erinnerns auf einen Vortrag über den Bischof Dupont des Loges. Wenn das zutrifft, so ist das kein großes Verbrechen. Denn dieset Vortrag ist nicht beanstandet worden, wenn er auch mancherlei Spitzen für das Reich enthielt. Der Nationalbund erweckt doch schwere Bedenken. Bei seiner Gründung im Jahre 1911 wurde ausdrücklich gesagt, er solle nicht eine besondere Partei sein, er wolle vber mit seinen Ideen alle Parteien durchdringen, so daß alle Eingeborenen von ElsaßLothringen gegenüber den Eingewanderten eine kompakte Masse bilden. Und bei den Wahlen ist allerdings seine Reinkultur Blumenthal, Preiß und Laugel durchgefallen. Bloß diejenigen, die das Glück hatten, in andere Parteien hineinzukommen, kamen noch einmal durch. Da muß man doch sagen, hätte der Nationalismus gesiegt, hätten wir eine nationalistische Mehrheit oder eine starke nationalistische Minderheit, so wäre allerdings das ganze Verfassungswerk vereitelt worden. Das elsaß=lothring. Volk hat sich aber auf sich selber besonnen. Mit der Annahme der neuen Verfassung können sich die Dinge wirklich aufs beste entwickeln. Wohl haben die Nationalisten eine große Presse für sich, und sie treiben eine große Agitation in dem Verein, aber sie haben jetzt weiter nichts, als daß sie auf die nächsten Wahlen hoffen. Heute finden Sie, daß die Leute von Basel bis Weißenburg Deutsch sprechen. Der Bauer ist durchaus deutsch, er ist stolz, daß er bei der preußischen Garde gedient hat, ebenso der Handwerker. Auch der Arbeiter ist deutsch. Aber mit der Bourgeoisie des Landes ist es anders gestellt. Die Besten, die den neuen Verhältnissen nicht abhold sind, stehen doch immerhin abseits im Schmollwinkel. Und wissen Sie warum? Weil sie vor ihren Vettern u. namentlich vor ihren Cousinen in Paris mehr Respekt und Angst haben als vor ihren deutschen Vettern. terkeit.) Wenn Sie die Blätter der Nationalisten ansehen, werden Sie finden, wie da alles Deutsche verächtlich gemacht und verhöhnt wird. Sie können sich denken, welchen Unwillen und Zorn das bei den Altdeutschen hervorruft. Aber nicht allein allesDeutsche wird verächtlich gemacht, es wird auch alles Französische in den Himmel gehoben, die Einrichtungen von Frankreich werden als unübertrefflich hingestefft. Ein solcher Gegensatz muß unklare Vorstellungen erwecken. Wenn wir nun diese Vorschläge machen, so geschieht das nicht, weil das Deutsche verächtlich gemacht und das Französische in den Himmel gehoben wird, sondern es geschieht, weil diese Blätter sich an die Jugend wenden, die Jugend irre führen und sie an ihrer Heimat irre werden lassen; sie wollen die Jugend nicht mit Deutschland versöhnen, sondern wieder an Frankreich ketten. Da eben liegt die große Gefahr. Darum ist es höchste Zeit, hier einzugreifen. Glauben Sie nicht, daß wir solche Vorlagen Ihnen leichten Herzens unterbreiten. Sie können sich denken, daß wir den Sturm im Lande und hier im Reichstage vorausgesehen haben, wir haben es aber für unsre Pflicht gehalten, zur rechten Zeit einzugreifen. Wir wollen der franz. Sprache, wo sie berechtigt ist, nicht nahetreten, aber wir bekämpfen, daß in Elsaß=Lothringen den Leuten weiß gemacht wird, daß Französisch ihre Muttersprache sei. Dieselbe Propaganda wie in den Blättern, macht sich in den Vereinen breit. WollenSie denn, daß wir dem machtlos gegenüberstehen? Was haben wir denn getan? Wir haben in loyaler Weise uns an die gesetzgebenden Faktoren gewandt. Sie haben die freie Entscheidung, aber auch die Verantwortung. Wenn es nicht anders geht, werden wir in 1 oder 2 Jahren wieder vor ihnen erscheinen. Einen großen Vorzug haben die Anträge jedenfaffs schon gehabt, nämlich den, daß sich die beiden Kammern in Elsaß=Lothringen mit großer Schärfe gegen den Nationalismus gewandt haben.(Beifall.)— Abg. Dr. Haas(Volksp.): Was uns der Vorredner vorgetragen hat, sind Kleinigkeiten. Damit ist ein Ausnahmegesetz gegen einen deutschen Bundesstaat nicht begründet.— Abg. Peirotes(Soz.): Der Nationalismus ist nur entstanden bei den ElsaßLothringern, weil in der Verfassung keine genügende Freiheit gewährt worden ist.— Damit ist die Interpellation erledigt. Nächste Sitzung am 8. Juni. Deutschland. Der Dank des Kaisers an die Stadt Berlin. Berlin, 1. Juni. Aus dem Zivikabinett des Kaisers ist an den Magistrat und die Stadtverordneten der Stadt Berlin folgendes Schreiben eingegangen:„Ihre Majestäten der Kaiser und König sowie die Kaiserin und Königin haben die freundlichen Glückwünsche der städtischen Behörden der Haupt= und Residenzstadt zur Vermählungsfeier in Allerhöchstihrem Hause gern entgegengenommen. Ihre Majestäten sind durch die herzliche Teilnahme der Berliner Bürgerschaft an dem Glücke der Prinzessin=Tochter sehr erfreut worden und lassen für alle Beweise treuer Zuneigung vielmals danken. Die Reisepläne des Kaisers. Berlin, 1. Juni. Der Kaiser wird am 20. Juni vormittags in Hannover eintreffen, um dort an der Rathauseinweihung teilzunehmen und das Königs=Ulanenregiment zu besichtigen. Der Aufenthalt des Kaisers ist auf 2 Tage berechnet. Am nächsten Tage trifft auch die Kaiserin in Hannover ein. Der Kaiser wird nach der Besichtigung des KönigsUlanenregiments sich nachmittags mit der Kaiserin im Auto über Celle=Lüneburg durch die Lüneburger Heide nach Hamburg begeben. Die Nordlandreise wird am 7. Juli angetreten. Die Rückkehr des Kaisers ist auf den 6. August festgesetzt. Der Kaiser trifft an diesem Tage in Swinemünde ein und hält sich dort bis zum 10. August auf. Während dieser Zeit finden die„Schießübungen der Marine vor Swinemünde statt. Am 16. August wird sich der Kaiser auf 1 Woche nach Wilhelmshöhe und nach Homburg begeben. Am 24. August reist der Kaiser nach Kehlheim, wo im Beisein aller deutschen Bundesfürsten in der Ruhmeshalle Jubiläumsfeierlichkeiten geplant sind. Von Kehlheim reist der Kaiser nach Posen und Breslau, um an den Manövern teilzunehmen. Die Rückkehr des Kaisers nach Berlin erfolgt am 31. August. Berlin, 1. Juni. Die Kaiserin wird während der Nordlandsreise des Kaisers im Schlosse zu Homburg v. d. Aufenthalt nehmen; ferner wird das junge Herzogspaar zu Braunschweig=Lüneburg zu längerem Aufenthalt in Homburg eintreffen. Gmunden, 1. Juni. Prinz und Prinzessin Ernst August von Braunschweig=Lüneburg sind auf Schloß Auerbach am Almsee(Oberösterreich) eingetroffen. Die Thronfolge in Braunschweig. Berlin, 1. Juni. Preußen wird demnachst dem Bundesrat einen Antrag zu einer neuen Regelung der Thronfolge in Braunschweig einreichen. An der Annahme des Antrages ist wohl nicht zu zweifeln. Da die geschäftsmäßige Behand lung jedoch wohl einige Monate in Anspruch nehmen wird, so ist es wahrscheinlich, daß Prinz Ernst August und seine Gemahlin, die Prinzessin Viktoria Luise, erst Ende November oder Dezember, als Herzog und Herzogin in Braunschweig einziehen werden. Der Panzerkreuzer Blücher beschädigt. Kiel, 1. Juni. Der Panzerkreuzer„Blücher“, der im Großen Belt auf Grund geriet, sitzt noch immer fest. Nachdem die Munition und die Kohlen von Leichterschiffen übernommen sind, werden nun auch die Geschütze abmontiert werden. Bei dem Auflaufen des Schiffes entstand ein Leck. Das Linienschiff Pommern u. 3 Werftfahrzeuge weilen an der Unfallstelle. Reichstagsabgeordnete auf Helgoland. Wilhelmshaven, 2. Juni. 30 Reichstagsabgeordcete treffen heute hier ein und nehmen hier und in Helgoland Besichtigungen vor. Vom Reichsmarineamt nehmen teil Geheimrat Harms, Kapitän Löhlein und Fregattenkapitän Regmann. Oesterreich. Redls Geständnis Wien, 2. Juni. Die Meldung, Oberst Redl habe auch militärische Geheimnisse Deutchlands verraten, wird offiziell als ungeheuerlich dementiert. Es wird dazu bemerkt, jedem, der mit den militärischen Organisationen einigermaßen vertraut ist, sei bekannt, daß kein Offizier überhaupt in den Stand gesetzt ist, militärische Geheimnisse einer auswärtigen Macht preiszugeben. In der letzten Zeit haben mehrere russische Offiziere Selbstmord verübt. Es heißt, weil es zutage kam, daß sie Spionage zugunsten Oesterreichs getrieben haben. Einem Gerücht zufolge soll Oberst Redl, der durch seine Tätigkeit die als Spionage tätigen russischen Offiziere kannte, diese denunziert habe. Bezüglich der Bedenken, daß durch Redls Selbstmord die Untersuchung erschwert sei, wird militärischerseits mitgeteilt, Redl habe vor seinem Tode ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Er habe alle Details seiner Tätigkeit genau angegeben, die vom Beginn seiner Tätigkeit für Rußland bis zu den letzten Tagen reichen, und auch bezüglich dreier Personen Angaben gemacht, auf Grund deren die Untersuchung weitergeführt werden kann. Holland baut vor. Haag, 1. Juni. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der sie ermächtigt, durch königliche Verfügung die Ausfuhr und Durchfuhr von Pferden, Getreide, Reis,, Hülsenfrüchten, Viehfutter, Heu, Stroh, Leder, Heizungs= und Beleuchtungsstoffen und Schmieröl zu verbieten. Dänemark. Zum Besuch des Königs von Schweden. T Kopenhagen, 2. Juni. Anläßlich des Besuches des Königs von Schweden fand gestern abend eine Galatafel statt, an der die königliche Familie, das diplomatische Korps, die höchsten Zivil= und Militärbehörden teilnahmen. Beide Könige brachten herzliche Toaste aus, in denen sie die Stammesverwandtschaft ihrer Völker hervorhoben. Frankreich. Die 3jährige Dienstzeit. T Paris, 2. Juni. Für die heute beginnende Kammerdebatte betreffend die 3jährige Dienstzeit sind bereits 51 Redner eingetragen. 7 Gegenentwürfe und 130 Zusatzanträge sind angemeldet. Einem vom Amtsblatt veröffentlichten Bericht zufolge werden während der Debatte außer dem Kriegsminister auch der Generalstabschef Joffre und General Pau als Regierungskommissare anwesend sein. Spanien. Die Bildung des neuen Kabinetts. T Madrid, 2. Juni. Die vom König befragten Präsidenten des Senats und der Kammer sollen erklärt haben, nach ihrer Meinung müßte die liberale Partei am Ruder bleiben. T Madrid, 2. Juni. Der König beauftragte den Grafen Romanones mit der Bildung des neuen Kabinetts. Romanones erklärte, das neue Ministerium werde die alten Mitglieder ohne Aenderung umfassen. Vom Balkan. T Berlin, 1. Juni. Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt: Die Tatsache, daß am 30. Mai der Vorfriede zur Beendigung des Balkankrieges im St. James=Palast zu London unterzeichnet ist, wird mit gebührender Anerkennung für die Leitung der mühevollen Verhandlungen durch Sir Edward Grey überall willkommen geheißen. Die Großmächte können in dem nun vollzogenen geschichtlichen Vorgang einen Beweis dafür erblicken, daß ihr unter vielfachen Schwierigkeiten bewährtes Zusammenhalten zu einem erwünschten Abschluß geführt hat, und sie dürfen hieraus Ermutigungen zu gemeinsamem Weiterarbeiten schöpfen. Den Staatsmännern des Balkanbundes wird das Vertrauen entgegengebracht, daß sie kein Mittel zu einer gütlichen Lösung der schwebenden Streitigkeiten unversucht lassen werden. Soweit eine Gefährdung des Friedens droht, läßt es die europäische Diplomatie an vermittelnden Einwirkungen nicht fehlen. Alle vernünftigen Erwägungen sprechen gegen den Ausbruch eines Krieges. Zwischen den Großmächten scheint jede Gefahr eines Zusammenstoßes beseitigt und die letzten Wolken im nahen Osten werden hoffentlich sich bald zerstreuen. T London, 2. Juni. Gestern berieten die 4 Balkankommissionen über Verhandlungen wegen besonderer Abmachungen mit der Türkei, die aus dem Kriege hervorgegangen und nicht durch den Friedensvertrag geregelt sind. Die gefaßten Beschlüsse werden den türkischen Delegierten vorgelegt werden, um zu einem gemeinsamen Plan für die nächste menkunft am Montag zu gelangen. Am Montag werden die Delegierten ihre Entscheidung über den Ort der Verhandlungen u. über die Fragen, die noch ihrer Lösung harren, treffen. T Rom, 2. Juni. Das neuerliche Zugeständnis Oesterreichs und Italiens, daß Griechenland den Teil der albanischen Küste von der Mündung des Kalamas bis zur Bey von Etelia besetze, hat auch bei den Albanesen viele Proteste hervorgerufen, die mit guter Begründung sagten, daß das Gebiet üdlich des Kalamas bis Parga zu Albanien gehöre, und daß Italien, um seine Nachgiebigkeit gegen die griechischen Bestrebungen und seine Friedensliebe zu beweisen, sogar schon zu viel nachgegeben habe. Es sei nicht verwunderlich, Cambon mit Rücksicht auf diese Beweise des guten Einvernehmens, die von Italien geliefert seien, sich geneigt zeige, eine griechisch=albanische Grenze von der Bai von Er#lia, südlich des Kaps von Stylos anzunehmen. Es bleibe nunmehr noch die innere Südgrenze Albaniens zu bestimmen, aber es scheine, daß man schließlich die Linie Etelia=Goritza annehmen werde, wobei die Stadt Goritza albanisch bleibe. 23. Westf. Feuerwehrrerbautrlag. Lippstadt, 1. Juni. In unserer festlich geschmückten Stadt hielt gestern der Westfälische Feuerwehrverband seinen 23. Verbandstag ab, wozu 259 Wehren 454 Vertreter entsandt hatten, während 53 Wehren entschuldigt und 159 unentschuldigt fehlten. Der Verbandsvorsitzende Fabrikbesitzer Franken=Gelsenkirchen, begrüßte die erschienenen Vertreter der Wehren und die Vertreter der Behörden, der städtischen Körperschaften und des rheinischen Verbandes, und schloß eine Ansprache mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Im Anschluß hieran wurde folgendes Telegramm an den Kaiser gesandt:„Die in der alten clevisch=märkischen Hansastadt Lippstadt tagenden 500 Vertreter des 28000 Mitglieder zählenden Westfälischen Feuerwehr=Verbandes senden Eurer Majestät als dem Beschützer und Förderer der bürgerlichen Wohlfahrt und des Gemeinsinns zur stattgehabten Hochzeitsfeier im Kaiserhause Glückwunsch und Gelöbnis alter Westfalentreue." Sodann erfolgte die Ueberreichung der Ehrenu. kunden für 25jährige Dienstzeit; es wurden insgesamt 201 Urkunden überreicht, deren Empfänger 67 Wehren angehören. Hierauf wurde der Jahresbericht und die Jahresrechnung entgegengenommen. Nach Wiederwahl der Rechnungsprüfer wurde der mit der Versicherungsgesellschaft„Wilhelma“ abgeschlossene neue Haftpflichtversicherungsvertrag genehmigt. Infolge des Zusammengehens mit dem Rheinischen Feuerwehrverbande ist es möglich gewesen, die Versicherung mit 4 Z pro Mitglied und Jahr abzuschließen. Da die Versicherung auf 10 Jahre abgeschlossen wird, so gewährt die Versicherungsgesellschaft noch einen Rabatt von 10 Proz. Die im Einverständnis mit dem rheinischen Verband in Vorschlag gebrachte Einführung einheitlicher Abzeichen für 10, 15 und 20jährige Dienstzeit findet nach kurzer Befürwortung durch den Referenten Schramm=Hagen die Zustimmung der Versammlung. Sodann erstattete Stadtbaurat Modersohn=Unna eingehenden Bericht über die Entwickelung der Kreisverbände und die Einführung einheitlicher Kreisbrandmeister=Dienstordnungen durch die Landratsämter. Die Muster=Dienstordnung ist in einer gestern stattgefundenen Sitzung der KreisVerbandsvorsitzenden aufgestet worden. Versammlung nahm Kenntnis von dieser Mitteilung. Ueber die Anstellung eines Provinzial=Feuerlöschdirektors für die Provinz Westfalen berichten Schramm=Hagen und Franken=Gelsenkirchen. Es entwickelt sich im Anschluß hieran eine lebhafte Aussprache, in welcher eine große Abneigung gegen einen angestellten Feuerlöschdirektor zutage trat. Drees=Burgsteinfurt berichtete über der Feuerwehrschule Bielefeld und die Stellungnahme des Provinzialverbandes hierzu. Schließlich wurde ein Beschluß dahingehend angenommen, daß die Schule so lange nicht von den Verbandswehren beschickt werden soll, bis die Einrichtungen getroffen sind, welche den Anforderungen des Verbandes entsprechen. Eine längere Aussprache entstand über die Einführung von Führerkurse und Beschaffung der Mittel hierzu durch Erhöhung der Beiträge von 15 auf 25 J pro Jahr und Mitglied einschließlich der Haftpflicht=Versicherung. Schließlich wurde im Sinne des Vorstandes beschlossen und damit die Erhöhung angenommen. Nach Erledigung einzelner Anträge wurde der Uebungs= und Festausschuß gewählt und Franken=Gelsenkirchen, Hartmann=Paderborn und Brünninghaus=Wetter durch Zuruf wiedergewählt. Endlich wurde noch die Bestimmung des Ortes für den nächstjährigen Verbandstag(ohne Fest) dem Ausschuß überlassen. Köln, 1. Juni. Die Strafkammer verhandelte gestern gegen den Maurer August Jülich, den Zement=Arbeiter Wilhelm Muns und den Schneider FranzHaller, aus Köln, ferner gegen den Färbergesellen Karl Busch aus Krefeld wegen Verteilung von anarchistischen Flugblättern. Diese waren betitelt„Krieg dem Krieg". Es wurde darin aufgefordert; sich bei einer Mobilmachung nicht zu stellen. Das Urteil lautete auf je 3 Monate Gefängnis. 9 Bonn, 1. Juni. Das Reichsgericht hat vie Revision des Kommerzienrats Ursprung in Barmen u. des Buchdruckereibesitzers Heeg in Oberkassel, die von der hiesigen Strafkammer wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Fahr in Königswinter, des Vormundes der verstorbenen Frau Peill, zu 1000 M. bezw. 100 M. Geldstrafe verurteilt worden waren, verworfen. Düsseldorf, 1. Juni.(40 000 Mark für 3 Worte.) Der Gutsbesitzer Hölsen in Bliersheim hatte als Bevollmächtigter seiner Miterben ein Grundstück an eine Zeche veräußert. In der am 15. Dez. 1910 vor dem Notar in Mörs getätigten Veräußerungsurkunde hieß es u. a.:„Es erscheint Gutsbesitzer Hölsen, handelnd für seine Miterben“, während es,„handelnd für sich und seine Miterben“ hätte heißen müssen. Der Grundbuchrichter entdeckte den Fehler der 3 Worte„für sich und“; er veranlaßte die Einleitung eines neuen Verkaufsaktes, der endgültig am 8. Dez. 1911 zustande kam. In der Zwischenzeit aber war die Wertzuwachssteuer in Kraft getreten und das Steueramt in Mörs forderte die Bezahlung einer Wertzuwachssteuer von 39 399 M. Gegen diese Heranziehung hatten sich die Erben an den hies. Bezirksausschuß gewandt mit der Begründung, daß es eine Härte sei, auf Grund eines so geringfügigen formellen Versehens eine derart hohe Steuer zu fordern, die letzen Endes doch wohl der Notar werde tragen müssen. Der Bezirksausschuß führte aus, daß für die Erhebung der Steuer der Zeitpunkt des endgültigen Eigentumsüberganges(also der 8. Dez. 1911) in Frage komme. Der Eigentumsübergang habe also erst nach Inkrafttreten der Wertzuwachssteuer stattgefunden und die geforderte Steuer müsse deshalb bezahlt werden. Bochum, 1. Juni. Wegen versuchter Tötung standen vor dem Schwurgericht die Bergleute Albert Schwieder, Christoph Dors und Friedrich Zapatka aus Scherlebeck. Die 3 Angeschuldigten waren am 11. Juli 1912 in Scherlebeck mit dem Bergmann Zilla, mit dem sie in Feindschaft lebten, aneinander geraten und hatten aus einem Revolver Schreckschüsse abgegeben. Das Schöffengericht, das über die Sache urteilen sollte, nahm Totschlagsversuch an und erklärte sich für unzuständig. Auf Grund der Beweisaufnahme bejahten die Geschworenen bei Schwieder nur die Schuldfrage nach Bedrohung, Zapatka wurde der Uebertretung der Oberpräsidialverordnung(Unbefugtes Waffentragen) für schuldig befunden; bezüglich Dors wurden alle Schuldfragen verneint. Das Urteil lautete gegen Schwieder auf 6 Wochen Haft, gegen Zapatka auf 60 M Geldstrafe. Dortmund, 1. Juni. Das Schwurgericht veruneilte den Rechtskonsulenten Hans Riepe von hier wegen wissentlichen Meineids zu 1 Jahr und 1 Monat Zuchthaus. Köln, 1. Juni. Vom Blitz getroffen wurde auf dem Wege zu seiner Wohnung ein in Nippes wohnhafter Oberpostschaffner. Infolge des Blitzschlages wurde ihm das rechte Bein gelähmt; außerdem verlor er die Sprache. Man brachte ihn in seine Wohnung. Köln, 2. Juni.(Der Hund als Lebensretterj) Beim Spielen auf einem Floß fiel ein 8jähriger Knabe am Oberländerufer in den Rhein und verschwand in den Wellen. Das Kind wäre bestimmt ertrunken, wenn nicht ein Herr seinen Dobermannpinscher dem Jungen nachgesandt hätte. Das Tier faßte den Knaben an die Kleider und brachte ihn lebend ans Ufer unter lauten Bravorufen der Zuschauer. Siegburg, 1. Juni. Gestern nacht drang einem Arbeiter auf einem hiesigen Werke ein glühender Eisenstab durch den Leib. Der Tod trat sofort ein. Der Verunglückte war verheiratet und Vater von 3 Kindern. T Düsseldorf, 1. Juni. Die diesjährige Delegiertenversammlung des Reichsverbandes der deutschen Presse, der gestern eine Begrüßungsfeier voraufgegangen war, wurde heute vormittag in der städtischen Tonhalle mit einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Verbandes der Rhein.= Westfälischen Presse Dr. Dresemann eröffnet.. Sodann sprachen Oberregierungsrat Dr. Momm als Vertreter des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Regierungspräsident Dr. Kruse, Landeshauptmann Dr. v. Renvers, Oberbürgermeister Dr. Oehler, die Oberlandesgerichtspräsidenten Exzellenz Dr. Holtgreven=Hamm und Ratjen=Düsseldorf sowie Chefredakteur Westphal. Anwesend waren ferner Major Fiedler als Vertreter des Kriegsministeriums, Kapitän zur See Löhlein als Vertreter des Reichsmarineamts, die Spitzen der Militärbehörden in Düsseldorf, Vertreter der Düsseldorfer akademischen Anstalten und Vertreter von Kunst, Wissenschaft, Handel und Industrie. Der Vorsitzende des Reichsverbandes Chefredakteur Marx=Berlin betonte in seiner Eröffnungsrede mit Bezugnahme auf ein vorher gefallenes Wort, daß die Presse sich der sittlichen Grundlage aller Freiheit bewußt sei, wenn sie Rechte und Freiheiten für sich in Anspruch nehme, und daß sie nicht herrschen, sondern dienen wolle. Hieran schlossen sich die, Referate. Ministerialdirektor Dr. Hermes=Berlin referierte über die Aufgaben der Presse in Krisenzeiten, die Chefredakteure Rippler=Berlin und Dr. Grauthoff=Leipzig über die Behandlung von militärischen Nachrichten durch die Presse. Es wurde folgende Resolution angenommen: Der Reichsverband der deutschen Presse erkennt an, daß die Presse auf die Interessen der Landesverteidigung die weitestgehende Rücksicht zu nehmen und bei Aufnahme von militärischen Nachrichten und Artikeln die größte Wachsamkeit zu betätigen hat. Der Reichsverband lehnt aber die zu weit gehenden Forderungen, die eine Ausschaltung der militärischen Nachrichten und Artikel aus der deutschen Presse bezwecken, als undurchführbar und für das Heer ebenso schädlich wie für die Presse, ab. Ebenso erhebt er Widerspruch gegen die Bestimmungen im neuen Spionagegesetz, die die Sicherheit des Heeres durch eine ewige Rechtsunsicherheit der Presse erkaufen wollen. Der Reichsverband erwartet die Erfüllung der meisten Wünsche der Heeresleitung von einem engeren, vertrauensvollen Zusammenarbeiten zwischen Heer und Presse unter Mitwirkung der zuständigen Berufsorganisation des Reichsverbandes der Presse und des Verlegervereins. Er bittet um die Errichtung einer großen, nach modernen Gesichtspunkten geleiteten Zentralstelle für Auskunfterteilung an die Presse beim Kriegsministerium oder beim Generalstab und um die Errichtung von Auskunftsstellen bei allen selbständigen Truppenteilen. Oberhausen, 1. Juni. Gestern morgen 9 Uhr stürzte in dem noch im Abteufen begriffenen Schacht 6 der Zeche Konkordia das Mauerwerk 130 Meter tief ein und begrub den Bergmann Friedr. Mertens aus Lirich. Er war sofort tot. 1 Arbeiter wurde schwer verletzt, 4 andere erlitten leichte Verletzungen. Kupferdreh, 1. Juni. Gestern wurde in der Nähe des hiesigen Bahnhofes auf dem Anschlußgeleise der Zeche Pörting 7 ein Bremser beim Loskoppeln der Wagen überfahren und sofort getötet. Bochum, 1. Juni. Beim Block der Zeche KarolineVollmond auf der rheinischen Eisenbahnstrecke warf sich gestern nachmitag eine Frau aus Ungarn vor einen heranbrausenden D=Zug. Die Unglückliche wurde buchstäblich in zwei Teile geschnitten... g. D. enenum Wetter, 1. Juni. Die Staotveroroneten haben aus Anlaß des Regierungsjubiläums 10 000 Mk. zur Unterstützung der Veteranen, sowie skrophulöser Kinder bewilligt. Ferner wurden 1000 Mark dem Ausschuß für die Erhaltung der Burgruine Volmarstein überwiesen und 2300 M. für die Veranstaltung einer städt. Feier und Bewirtung der Schulkinder bereit gestellt. Hamm, 1. Juni. Der 14jährige Anstreicher=Lehrling Hermann Becker aus Dortmund wollte Farbentöpfe mit Terpentinöl reinigen. Durch Unvorsichtigkeit entzündete sich das Oel und die Flammen ergriffen den ölgetränkten Malerkittel des Jungen, der lichterloh brennend auf die Straße stürzte und so schwere Brandwunden erlitt, daß er kurz darauf starb. Sein Meister, der die Flammen ersticken wollte, zog sich Brandwunden zu. Holzwickede, 1. Juni. Gestern Abend wurde auf dem Bahnhof der Rottenarbeiter Rusewald von einem Zuge erfaßt und auf der Stelle getötet. Werl, 1. Juni. Die 36jährige ledige Arbeiterin Willebrand soll ihr neugeborenes Kind beseitigt haben; sie gestand nach längerem Leugnen, das Kind im Garten vergraben zu haben. Nach dem Befunde hat das Kind nach der Geburt noch gelebt. Die unnatürliche Mutter wurde verhaftet. Borken, 1. Juni. Ein schweres Jagd=Unglück ereignete sich am Dülmener Weg, wo die 30jähr. Frau Pennekamp beim Kuhhüten durch einen Schuß in den Kopf getötet wurde. Der unglückliche Schütze, ein Gelsenkirchener Jäger, will die Frau für einen Rehbock gehalten haben.: Frankfurt a. Main, 1. Juni. Hier warf gestern der 36jährige Kaufmann Louis Warmhold aus köln seine Geliebte in den Main. Das Mädchen ertrank. Der Täter wurde verhaftet. Offenbach, 1. Juni. Gestern abend benutzten in Zellhausen 2 Kinder eines Landwiys zum Anmachen eines Feuers Petroleum. Dabei gerieten beide Kinder in Brand. Während das eine Kind wohl mit dem Leben davon kommen wird, ist das 2., ein 12jähr. Mädchen, verbrannt. Aus aller Welt. T München, 1. Juni. Heute mittag wurde die 11. Inkernationale Kunstausstellung im Glaspalast mit einem feierlichen Festakt durch den Protektor der Ausstellung, Prinzregent Ludwig eröffnet. 6 Personen ertrunken. T Berlin, 2. Juni. Einen traurigen Abschluß fand gestern ein Ausflug mehrerer Familien nach dem idillisch an der Dahme gelegenen Nieder=Lehn in. 10 Teilnehmer machten mit einem Gastwirt in dessen Boot eine Segelpartie. Das stark überlastete Boot kenterte und 6 Insassen fanden den Tod in den Fluten. — Das furchtbare Unglück auf der Dahme hat besonders hart eine Berliner Familie betroffen, aus der 1 Sohn und 3 jüngere Töchter ertranken. Die Ursache des Unglücks soll ein zu großes Segel auf dem Fahrzeug gewesen sein. Eilt! Geld! ten Staariohner Kirchen-Lose 4 2 Nk. 11 Lose 20.— Mk. 40550 20000 15000 „Ziehung bestimmt 7. uni marienburger Lose à 1 Mk. 5 Lose 5 Mk., 11 Lose 10 Mk. Tesse Kölner Lose à 1 Mk. 5 Lose 5 Ak., 11 Loze 10 Mk. Tsbbs 3 FTese Kölner Lose à 1 Mk. PnsS kr f. a. i. Ai K " Issset rgotm; 3 Stadtiohner Glücksbiuf; Räler mit Porto u. Listen 12. 70 Mk., sonst Porto u. Liste je 30 Plg. extra versendet Glückskollekte August Rolef Münster i. W. Oegr. 1874 .— u. Lotterie-Oeschäffe. amm Die Herren Mitglieder des landwirtschaftlichen Kreisvereins beehre ich mich einzuladen zu einer Generalversammlung auf Donnerstag, den 5. Juni d. Irs., nachm. 4 Uhr, in die hiesige Stadthalle. Tages=Ordnung: 1. Rechnungslegung für 1912. 2. Haushaltsplan für 1913. 3. Vortrag des Herrn Dr. J. Hasenbäumer aus Münster über:„Die Wettervorhersage und ihre Bedeutung für die Landwirtschaft". 4. Verschiedenes. Gelsenkirchen, den 17. Mai 1913. Der Direktor des landw. Kreisvereins: Dr. zur Nieden, Polizeipräsident. Lerthe Wisches Pelsenkrchen und Wattenheid. Ringsum gute Arbeitsgelegenheit Zechen Rheinelbe, Holland Morgensonne, Zentrum und Voni sazius. Schule im Ort, Kirche in Aussicht, billige gesunde „ennangen and Bauland zu haben. Haus=und GrundbesitzerVerein Leithe. Zuerfragen bei Wirt Kampmann in Leithe. Wohnungen 2 und 5 große Stuben mit allen Bequemlichkeiten sofort oder später preiswert zu vermieten. Kaiserstraße 18. Vom 1. Juni ab bleiben sämtliche Metzgergeschäfte der heißen Witterung wegen von mittags 1—4 Uhr geschlossen. Die Metzgerinnung von Stadt und Amt Wattenscheid. Bekanntmachung. Nach einem Beschluße des Bundesrats soll am 2. Juni er. eine Zwischenzählung für Schweine stattfinden. Die Bevölkerung wird gebeten, den Zählern bei ihrer Tätigkeit möglichstes Entgegenkommen zu erweisen, wobei erneut darauf hingewiesen wird, daß die Zählung ebenso wie die allgemeine Viehzählung nicht steuerlichen, sondern lediglich wirtschaftlichen Interessen dient. Gelsenkirchen, den 29. Mai 1913. Der Königliche Landrat: I. V.: gez. Stobbe. Regierungs Assessor. Nad kkhntgsborn Eisenbahnstationen Unns BM und Unna-Königsborn rechtarhein Salson vom 15. Mai bis 1. Oktober. Kchlensburchefige Thermalbäder, Sol., Soldampf. und Mäutterlangenbüder, Licht u. Luftbed, inhelstion. Gradierwerke, Kurperk, Lawm- Tennis Plstze. Kurorchester, Thester, Ráunions. Mössige PonsionsAuskunft, Prospekte u. Wohnungsnachweis unentgeltlich durch die Badeverwaltung Unna-Königsborn in Westfalen. Vom I5. JI. Ma u. v.). B. Sept. gelten um es. Migegmüs. Büderor. Kurenbuch der Stadt Wattenscheid. Für das demnächst im Verlage von Carl Busch erscheinende neue Adreßbuch 1913 haben wir mit dem Satz des namentlichen Verzeichnisses der Bürgerschaft der Stadt, in alphabetischer Reihenfolge begonnen. Die Bogen, welche die Namen der Bürger von L bis R einschließlich enthalten, hängen im Schaufenster unserer Geschäftsstelle zur gefl. Einsicht der betreffenden Bürger aus. Wir bitten sehr um gefl. Einsichtnahme bezw. um mündliche oder schriftliche Mitteilung, wenn Unrichtigkeiten oder Fehler von Namen entdeckt I werden sollten, um eine Richtigstellung herbeizuführen. Nachträgliche Ausstellungen, nach dem Druck der einzelnen Bogen können, wie erklärlich, nicht berücksichtigt werden. Durch diese Einrichtung soll allen etwaigen späteren Einwendungen und Berichtigungen gebeugt werden. Wattenscheid, 3. Mai 1913. vorJunger kräftiger Hulfsarbeiter sofort gesucht. Gehr, Hartmann, Stuckgeschäft, Weststraße 55. SchneiderGehülfen auch außer dem Hause, I. Tarif, sucht M. Dams, Molhestraße 2. Mehrere tüchtige Kaurer für sofort gesucht. Baugeschäft Evers, Wesienseld. Suche zum 15.Juni ein kräftiges, braves Mädchen nicht unter 18 Jahren. Ww. Ferd. Weindorf, Oststraße 1. Zalle Aanie Faise Ar: Lumpen, Alteisen, Knochen, Metall=& Gummiabfälle Papier, sowie sämtliche Felle. Bei Bestellungen genügt eine Postarte, um die Sachen abzuholen M. Diamant. Hochstraße 42, 1. Etage. Seiler-Plano SStünning& Vongardt, Gelsenkirchen,„Weststr.2 Frische Dutzend 60 Pfg. Georg Schmidt, Hochstraße 21. DohunFtmachung führungg 9 Uhr beginnend, im Bahnhofshotel, Bahnhofstraße 92 in Gelsenkirchen statt. Die Abstimmung erfolgt in nachstehender Rheihenfolge: 1. Stadtkreis Gelsenkirchen, 2. Landkreis Gelsenkirchen. WinisK.u1 der in Stadt und Amt Wattenscheid gewählten Wahlmänner Zeichnit für die Wahl eines Abgeordneten, zum Preußischen Abgeordnetenhause. Gelsenkirchen. 1. Stadt Wattenscheid. 1. 608 Hermann, Wilhelm 609 Wiekmann, Heinrich 610 Buchwald, August 611 Schmidt, Wilhelm 612 Althoff, Heinrich 613 Grimm, Fritz 2. Wahlbezirk. 614 Fellner, Adolf 615 Würfel, Karl 616 König, Ludwig 617 Vohwinkel, Louis 618 Meyer, Karl 619 Schäfer Heinrich 3. Wahlbezirk. 620 Fischer, Heinrich 621 Marzinowski, Jak. 622 Schmidt, Johann 623 Ochs, August 624 Fey, Friedrich 625 Wilmsmann, Wilh. 4. Wahlbezirk. 626 Kronsbein, Wilh 627 Toffel, Ludwig 628 Gunia, Gustav 629 Menzel, Wilhelm 630 Hempelmann, Ernst 631 Krienitz, Hermann 5. Wahlbezirk. 632 Pedack, August 633 Kirchner, Hermann 634 Weber, Peter 635 John, Sebastian 636 Kickert, Hermann 637 Riegel, Wilhelm 6. Wahlbezirk. 638 Fuchs, Peter 639 Voßiek, Peter 640 Rosenstock, Heinrich 641 Krolzik, Wilhelm 642 Gerland, Hermann 643 Grothaus, Friedrich 7. 644 Simon, August 645 Lyß, Johann 646 Rumpf, Daniel 647 Möller, Jakob 648 Henschel, August 649 Langenhagen, Otto 8. Wahlbezirk. 650 Kraska, Johann 651 Renner, Karl 652 König, Wilhelm 653 Kayma, Eduard 654 Dill, Woldemar 655 Schlüter, Dr., Paul 9. Wahlbezirk. 656 Wehner, Johann 657 Rathke, Paul 658 Wiesmann, Moritz 659 Krumme, Klemens 660 Dießmann, Robert 661 Blumbach, Karl 10. Wahlbezirk. 662 Dörendahl, Heinrich 663 Czub, Emil 664 Schäfer, Simon 665 Gerhardts, Gerhard 666 Neumann, Ferd. 667 Ahlmann, Theodor 11 Wahlbezirk. 668 Butterwege, Friedrich 669 Rauschenberg, Reinhard 670 Therre, Johann 671 Breienbach. Martin 672 Spelberg Karl, 673 Springob. Theodor 12. Wahlbezirk. 674 Füßgen, Wilhelm 675 Stachowitz, Wilhelm 676 Klingebiel, Heinrich 677 Karries, Heinrich 678 Bonnermann, Jul. 679 Voortmann, Heinrich 13. Wahlbezirk. 680 Kleinkauf, August 681 Vahlbruch, Ferd. 682 Fürster, Rudolf 683 Grisee, Johann 684 Kampmann, Friedrich 685 Salomon, Karl 14. Wahlbezirk. 686 Hülder, Peter 687 Peter, Albert 688 Tinnefeld, Johann 689 Kuhnen, Theodor 690 Kesten, Wilhelm 691 Bonnin, Dr., Leopold 15. Wahlbezirk. 692 Koch, August 693 Dreier, Anton 694 Schwalm, Ernst 695 Fischer, Julius 696 Ullrich, Heinrich. 697 Schwermann, Wilh. 16. Wahlbezirk. 698 Jung, August 699 Bermel, Mathias 700 Henze, Anton 701 Tröster, Heinrich 702 Fischer, Heinrich 703 Pläßzmann, August 17. Wahlbezirk. 704 Sonnenschein, Theod. 705 Oeben, Heinrich 706 Pütz, Karl 2 Amt Wattenscheid, Eppendorf und Munscheid. 1. 1026 Möller, Heinrich 1027 Kenter, August 1028 Schlett, August 1029 Riggeling, Friedrich 1030 Pauly, Ernst 2. Wahlbezirk. 1031 Pepperhoff, Wilhelm 1032 Oberhagemann, Gust. 1033 Sälzer, Fritz 1034 Haake, Heinrich 1035 Schroer, sen., Friedr. 3. Wahlbezirk. 1036 Thurm, Carl 1037 Kropp, Wilhelm 1038 Deppe, Heinrich 1039 Oberhagemann, Gust. 1040 Riepe, Heinrich Günnigfeld. 1. Wahlbezirk. 1041 Asbrock sen. Wilh. 1042 Rosemann, Friedr. 1043 Sander, Wilhelm 1044 Reschke, Hermann 1045 Tölle, sen., Wilhelm 1046 Klein, Konrad 2. Wahlbezirk. 1047 Kleinwächter, Heinr. 1048 Ortwein, Ernst 1049 Klüsekamp, Heinrich 1050 Kürpick, Ferdinand 1051 Tölle, sen., Wilhelm 1052 Schrey, Paul 3. Wahlbezirk. 1053 Roth, Anton 1054 van Rüden, Anton 1055 Nolte, Johann 1056 Bensing, Franz 1057 Schroer, Heinrich 1058 Heckmann, Werner 4. Wahlbezirk. 1059 Remmert, Heinrich 1060 Hermsmeier, Ernst 1061 Heckmann, Wilhelm 1062 Frese, Wilhelm 1063 Schulte=Loh, Joh. 1064 Brasse, Franz 5. Wahlbezirk. 1065 Zimmer, Ludwig 1066 Hellermann, Gust. 1067 Winnefeld, August 1068 Riemann, Friedrich 1869 Lück, Christian 1070 Schuhmacher, August 6. Wahlbezirk. 1071 Betzler, August 1072 Böttner, Konrad 1073 Scholz, Wilhelm' 1074 Böcke, Friedrich 1075 Wilms, Heinrich 1. Wahlbezirk. 1076 Bolte, Johann 1077 Keilmann, Wilhelm 1078 Frigge, Josef 1079 Friehoff, August 2. Wahlbezirk. 1080 Bäcker, Heinrich 1081 Bredenbröcker, Heinr. 1082 Vollmer, sen., Josef 1083 Schmitz, sen., Heinr. 1084 Schellhoff, August 1085 Spellberg, Bernhard 3. Wahlbezirk 1086 Dahlhog, Friedrich 1087 Milsch, August 1088 Möhle, Heinrich 1089 Knappmann, Heinrich 1090 Schröder, Wilhelm 4. Wahlbezirk. 1091 Schröder, Heinrich 1092 Krell, Heinrich 1093 Wagner, Heinrich 1094 Ruhrmann, Theod. Leitche. 1. Wahlbezirk. 1095 Zyla, Gottlieb 1096 Linka, Ludwig 1097 Jedamsky, Michael 1098 Tübben, Heinrich 1099 Eckey, August 2. 1100 Dohmann, Anton 1101 Lückgen, Servatius 1102 Steinsiepe, Eberh. 1103 Keller, Theodor 1104 Küpper, Ludger Sertnchgsern 1105 Keilmann, Wilhelm 1106 Kantowski, Anton 1107 Buschmann, Heinr. 1108 Steindreischer, Frz. 1109 Oberbarnscheidt, L. 1110 Fellermann, Theod. 1. Wahlbezirk. 1111 Biederbeck, Friedr. 1112 Ebert, Friedrich 1113 Niggeling, Ernst 1114 Schalke jun., Heinr. 1115 Meyer, Ferdinand 1116 Schmitz Wilhelm 2. Wahlbezirk. 1117 Hock, Konrad 1118 Kluwe, Josef 1119 Börnle, Wilhelm 1120 Rosau, Karl 1121 Große=Thie, Theod. 1122 Schlotterhose sen., Ig. 3. Wahlbezirk, 1123 Ubrig, Konrad 1124 Stöcker, Friedrich 1125 Oberheidt, Heinrich 1126 Ahlmann, Georg 1127 Ostermann, Ernst 4. Wahlbezirk. 1128 Haverkamp, Heinr. 1129 Becker, Friedrich 1130 Niederhagen, Aug. 1131 Schneider, Albert 1132 Toßberg, Heinrich 1133 Barmeier, Heinrich. rchen 30. Mai 1913. Wahl=Kommissar: Dr. zur Nieden, Königlicher Polizei=Präsident.