(1. Blatt.) Nr. 105. Donnerstag, den 8. Mai 1913. 45. Jahrgang. „„„„„ gegründei 1868 □ (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden speziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, bevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet: : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet; : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche: : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).: Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen, Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln: 8566. : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts § 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin: zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach : Erhalt der Rechnung. Diese Nauner umsast 10 Seiter Wetteraussichten. Wetter für Freitag: Besseres Wetter, etwas wärmer, windig. Aus Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 8. Mai. Beisetzungsfeier. * Von der Vödestraße her bewegte sich heute morgen gegen 9,30 Uhr ein außergewöhnlich stattlicher Leichenzug zum kath. Gottesacker hin; es galt: die Beerdigung eines ehrenwerten Mitbürgers, des am 4. Mai verstorbenen Viehhändlers Anton Mikus. Die Spitze des langgestreckten Leichenkonduktes hatte die Marianische Sodalität inne, welcher der Verblichene viele Jahrzehnte angehört hatte. Daran reihte sich der Männer=Gesang=Verein„Glückauf“ Sätliche Vereine waren stark vertreten und mit ihren Fahnen=Deputationen nebst florumhüllten Fahnen erschienen. Sodann folgte die übrige Bürgerschaft beiderlei Geschlechts aus Stadt und Amt Wattenscheid in unabsehbarer Reihenfolge. Auf dem Wege zum Friedhofe wurde das Miserere gesungen. Die Grablegung in der Familiengruft auf dem neuen Teil des Begräbnisplatzes vollzog Ehrendomherr, Propst=Dechant Hausmann unter Mitwirkung der gesamten Pfarrgeistlichkeit. Nach der Einsenkung des mit zahlreichen prächtigen Kränzen reichgeschmückten Sarges erfolgte die hergebrachte Abschiedshuldigung der Fahnendeputationen, währenddem der Männer=Gesang=Verein„Glückauf“, der im Floren'schen Saale tagt, die Abt'sche Toten=Hymne unter Leitung des Dirigenten Kropp tadellos zu Gehör brachte. An die Begräbnisfeier reihte sich das Leviten=Seelenamt in der Propsteikirche, welches Ehrendomherr Propstdechant Hausmann zelebrierte, sofort an. Einem Nachrufe für den Verblichenen entnehmen wir folgendes: Der teure Verstorbene war geboren am 16. Dezember 1846 zu Istrup, Kreis Höxter. Vermählt am 18. November 1872 lebte er mit Anna geb. Kammann aus Wattenscheid in glücklicher Ehe, welche mit 2 Kindern gesegnet war. Am 11. April 1905 wurde ihm die teure Gattin durch den Tod entrissen. Der Dahingeschiedene war ein treuer Gatte und herzensguter Vater, durch seinen geraden Charakter und sein aufrichtiges, diederes Wesen geachtet und beliebt bei allen, die ihn näher kannten. R. 1. P. S. Erweiterter Geschäftsverkehr. * Die Geschäftswelt und das kaufende Publikum seien darauf aufmerksam gemacht, daß an den beiden letzten Werktagen vor Pfingsten, also morgen und Samstag die Geschäfte bis 10Uhr abends geöffnet bleiben dürfen. Vaterländischer Frauenverein. * Unter dem Vorsitze von Frau Bürgermeister Wibberding traten Montag nachmittag die Vorstandsdamen des Vaterländischen Frauenvereins im Rathause zu einer Sitzung zusammen. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten wurde eingehend über die Veranstaltung der diesjährigen Kaiseringebur tagsfeier beraten, die bekanntlich abwechselnd in Stadt und Amt Wattenscheid abgehalten wird und in diesem Jahre hierselbst stattfindet. Vom Lyzeum. * Die Oberklasse unseres städtischen Lyzeums stattete gestern mittag der Druckerei der Firma Carl Busch einen Besuch ab. Die Zöglinge der genannten Anstalt waren unter Zustimmung der Direktorin, Fräulein Oberlehrerin Sasse, unter Führung der Oberlehrer Peine und Dr. Tochtrop, sowie der Lehrerin Fräulein Wallraven dort erschienen, um sich über den Gang und den Betrieb einer Buchdruckerei zu informieren. Den wißbegierigen jungen Mädchen wurde zunächst an den Setzmaschinen Linotype und Monoline die Herstellung einer Druckzeile, sodann an den Schnellpressen der Druck einer Druckschrift gezeigt. Besonderes Interesse rief die große Rotationsmaschine hervor und die Herstellung und der Guß der einzelnen stereotypierten Rund=Plaiten für die Rotationsmaschine, welche den Druck der 8seitigen Wattenscheider Zeitung liefert. Sichtlich befriedigt verließen die jungen Damen nach einstündigem Aufenthalt unsere Geschäftsräume. Vom Gymnasium. * Wie wir hören, hat sich Professor Hall, der seit Jahrzehnten an unserem Gymnasium wirkt, wegen Krankheit bis zu den großen Ferien beurlauben lassen. Hoffentlich kehrt der allbeliebte und hochgeachtete Lehrer nach den Ferien vollständig gesundet und neugestärkt zurück. Mit seiner Vertretung wurde vom Provinzialschulkollegium auf Ersuchen des Kuratoriums der Kandidat des höheren Lehramtes Dr. Schönemund betraut. Schöffensitzung. * Am hiesigen Kgl. Amtsgericht sand unter dem Vorsitze des Amtsrichters Dr. Kißler heute vormittag eine Schöffensitzung statt, in der über 10 Strafsachen verhandelt wurde. Als Schöffen fungierten Steiger Fr. Rottmann und Bauunternehmer Jos. Evers von Westenfeld. Die Amtsanwaltschaft vertrat Oberstadtsekretär Krengel. Steuerzahltermin im Amte. * Im Amte Wattenscheid finden morgen folgende Steuerhebetermine statt: für Günnigfeld nachm. von 1—4.30 Uhr im Parkrestaurant und für Westenfeld von 8,30—12 und 2,30—5 Uhr im Kassenlokal. Turn=Verein D. T. * Unter dem Vorsitze des Lehrers Gold von Westenfeld fand gestern abend im Restaurant Koch eine Versammlung des Turn=Vereins D. T. statt, welche zahlreich besucht war und einen sehr angeregten Verlauf nahm. Es wurde beschlossen, im Laufe des Juli einen Ausflug mit Damen nach Nierenhof zu unternehmen. Das Datum wird später festgelegt. Sodann berichtete der Vorsitzende eingehend über das Deutsche Turnfest in Leipzig und teilte mit, daß sich von dem hiesigen Verein 10 Mitglieder an dem Feste, wofür sich bereits 80 000 Turner angemeldet haben, teilnehmen werden. Die Abfahrt erfolgt am 11. Juli abends 11 Uhr mittels Sonderzuges ab Essen. Sodann gelangte auch das von der Stadt für den 14. bezw. 16. Juni geplante große Volksfest aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers zur Besprechung. Der Verein wird sich daran beteiligen und hat in Aussicht genommen, nach dem Fackelzug im Kaisersaal turnerische Vorführungen zu veranstalten. Der 2. Turnwart des hiesigen Vereins Jerabeck ist, wie weiter mitgeteilt wurde, zum Bezirksschriftführer gewählt worden. Die übrigen verhandelten Gegenstände waren interner Natur. Eine Eingemeindungsdebatte. * Der Haus= und Grundbesitzerverein in Röhlinghausen befaßte sich in seiner letzten Versammlung mit der Eingemeindungsfrage. Vom Vorsitzenden wurde darauf hingewiesen, daß die von den Gemeinde=Eingesessenen gewünschte Selbstständigkeit zu einem eigenen Amte heute mehr als je aussichtslos sei, weil, wie es heißt, Hordel einen Anschluß an Röhlinghausen ablehnt, dagegen sich zu einem Anschluß an Eickel=Wanne bereit erkläre. Röhlinghausen sei infolge der dadurch geschaffenen Lage gezwungen, einen Anschluß entweder nach Gelsenkirchen oder ebenfalls nach Wanne=Eickel zu erwirken. Dabei sei zu bedenken, daß die Angelegenheit bis zum Jahre 1914 erledigt sein müsse, weil bis zu Ende dieses Jahres die Stadt Wattenschei d voraussichtlich aus dem Kreis=Verbande ausscheide, ebenso Wanne=Eickel. Dadurch aber würde der Landkreis Gelsenkirchen als solcher aufgelöst sein. Wenn sich nun Röhlinghausen nicht nach der einen oder anderen Seite hin entschließe, so wird die Regierung in dieser Beziehung die Entscheidung treffen, ohne auf die Wünsche der Eingesessenen Rücksicht zu nehmen. Wenn also etwas in diesem Punkte geschehen soll, dann ist es hohe Zeit. Einbruch in ein Leichenzimmer. * Ein Einbruch, der von großer Gefühlsroheit zeugt, wurde in der Nacht zum Mittwoch auf der Vödestraße verübt. Diebe drangen in die Wohnung des verstorbenen Viehhändlers Mikus, und zwar in dasjenige Zimmer, in welchem die Leiche des Verblichenen aufgebahrt war. Sie hatten es anscheinend auf den Geldschrank abgesehen, den sie mit einem scharfen Gegenstand bearbeitet haben. Die Einbrecher sahen aber bald das Nutzlose ihrer Bemühungen ein und ließen von dem eisernen Schranke ab. Sie entwendeten dann 2 Uhren und 1 Kiste Zigarren und entkamen unerkannt. Am Tatorte wurde am folgenden Tage noch ein Meißel gefunden. Bisher ist es leider nicht gelungen, die gefühllosen Menschen zu ermitteln. Uebertragbare Krankheiten. * Nach der amtlichen Nachweisung über die in der Woche vom 28. April bis 3. Mai im Regierungsbezirk Arnsberg gemeldeten Fälle von übertragbaren Krankheiten ereigneten sich 120 Erkrankungen(12 Todesfälle) infolge Diphtherie; davon entfallen auf Dortmund=Stadt und Land 33(6), Bochum=Stadt und Land 9, HagenStadt und Land 8. Erkrankungen an Scharlach wurden 104(8 Todesfälle) gemeldet, davon in Bochum= Stadt und Land 10(1), Dortmund=Stadt und Land 23(8), Gelsenkirchen=Stadt und Land 26(1). Todesfälle infolge Lungen= und Kehlkopftuberkulose kamen 56 zurAnmeldung, und zwar in Dortmund=Stadt 4, Bochum=Stadt und Land 6, Gelsenkirchen=Stadt und Land 7. Ein„netter“ Ehemann. * Westenfeld, 8. Mai. wer hier wohnhafte Bergmann F. hat sich vor einigen Tagen von seiner Familie entfernt und seine Frau und seine Kinder in größter Not zurückgelassen. Von dem Verbleib des Mannes ist noch nichts bekannt. Verschiedenes aus Kray=Leithe. * Kray=Leithe, 8. Mai. Der Beitrag der Bürgermeisterei Kray=Leithe zu den Kosten der Königl. Polizeiverwaltung beträgt nach dem Eiat für das Steuerjahr 1913=14 rund 25 000 Mark, davon entfallen auf die Gemeinde Kray 22 500Mark, auf die Gemeinde Leithe 2500 Mark.— In der hiesigen Bürgermeisterei wurden endgültig angestellt die Lehrer Heinrich Leggewic und Ferdinand Lufen. Aus dem öffentlichen Schuldienst ausgetreten ist die Lehrerin Emilie Oschel. Die Gelsenkirchener Sänger in Frankfurt. * Gelsenkirchen, 8. Mai. Wie schon gestern mitgeteilt, hat es der hiesige Männergesangiv erein, dem bekanntlich der städtische Zuschuß verweigert wurde, doch noch möglich gemacht, gestern nach Frankfurt zum Kaiserpreissingen zu fahren. Ein Mitglied des Vereins, der Bergmann Pohl gab dadurch einen Beweis von großer Opferwilligkeit, indem er ein Sparkassenbuch von 2000 Mark deponierte. Man wird aber wahrscheinlich dasGeld nicht anzugreifen brauchen. Ueber die Ankunft und das Auftreten der Gelsenkirchener in Frankfurt wird berichtet: Kurz vor Schluß des gestrigen Singens zeigte ein an der Tribüne erscheinendes Schild die Ankunft der Gelsenkirchener an die in letzter Stunde durch eine Sammlung in ihrer Stadtgemeinde die Reise ermöglichen konnten. Sie wurden lebhaft begrüßt, nicht zuletzt durch Wilhelm 2., der durch die Nachricht von der Haltung der Stadtverwaltung, wie wir hören, außerordentlich verstimmt worden ist, da er gerade auf das Erscheinen der Arbeitervereine großen Wert legt. Der Gelsenkirchener Verein hielt sich trotz der Anstrengung der eben vollendeten Reise außerordentlich wacker. Der schwierige Preischor gelang über Erwarten gut und fand lebhaften Beifall. Noch freier und ungezwungener gaben sich die Sänger in den beiden selbstgewählten Liedern:„Grüß Gott“ von Oberreich und„Drei Röselein“ von Silcher, die sie zu schön abgerundetem Vortrag brachten. Am eindrucksvollsten gestaltete sich das weiche und leise ausklingende Piano in dem dadurch sehr stimmungsvoll wirkenden Silcherschen Lied, das lebhaft applaudiert wurde.(Siehe auch Sonderbericht.) Fau's ächte Sodener Mineral-Pastillen E: werden aus den Beilquellen IlI u. XVIII 9 der Gemeinde Bad Soden am Taunus G bergeltellt, die sich sell Jahrbunderten 8 bei Bulten, Beilerkeit, Bronchialkatarrh E gornüglich bewührt haben. Naabahmungen weise men surtch. Pruis 45 Pig. par Schachtel, Aberall anbtüldlichBongrerrn eeenmmmameer. nerneerang. Inbustrie=Kurtosser hat billg abzugeben.„TTaleinkore Ant. Dreyer, Feldstr. 2. Die für sofort gesucht. Herm. a. Heesen, Oststr. 9. beste Qualität, staunend billig. Likörgeschäft Walterscheid. Schue Wohung 2 Zimmern in der I. Etage in ruhige Leute zum 1. Juni zu vermieten. Ww. H. Hoffmann, Wattenscheid, Hüllerstr. 94. Büic elhchsch. prima Maiüsche, AngatSesche. Ueckendorfer bbst& Fischhalle. Cognac, Rum, Arrac, Herren mit trockenem, sprödem oder Spn HoSen u. Weine GBuckers bud uie Bibin größter Auswahl. Talggensta " Ein Feverben für 35 M. zu verkaufen. Westenfeld, Hauptstraße 53. Kasher Sischen zu verkaufen 7 Monate alt, oderl. gegen einen Stamm Hühner zu. vertauschen. 55. Kopfschuppen Uneigt, sei folgendes bewährte und billige Rezept zur Pflege des Haares empfohlen: Wöchentlich 1 maleges gründliches Waschen mit Zuckers kombiniertem Kräuter-Shampoon(Pat. 20 Pf.,) möglichst täglliches keäftiges Einreiben mitt Zucker's Original-KräuterHaarwasser(Fl. 1,25 u. 2,10 M. außerdem regelmäßiges Massieren der Kopfhaut mit Zucker's Spezial- Kräuter- Haarnährfett (Dose 60 Pf.) Großartige Wirkung, von Tausenden bestätigt. Echt bei Carl Berghaus, Drogerte. Die Räumung Skutaris. Die Entspannung auf dem Balkan macht bereits ihre wohltätigen Folgen geltend, wie folgende Meldung beweist. Wien, 8. Mai. Die Entlassung der Reservisten in den südöstlichen Korps soll innerhalb einer Woche erfolgen. Cetinje, 8. Mai. Es wird berichtet, daß König Nikita sich mit der Absicht trage, St. Giovanni di Medua zu besetzen, um ein Unterpfand für eine günstige Regelung der Entschädigungsansprüche für Skutari in Händen zu haben. Wien, 8. Mai. Um die Besetzung von St. Giovanni di Medua durch König Nikita zu verhindern, habe das internationale Geschwader Befehl erhalten, die Stadt sofort mit Marinesoldaten zu besetzen. Auch Serbien lenkt ein. * Wien, 8. Mai. Wie man aus politischen Kreisen erfährt, sollen die Verhandlungen zwischen Oesterreich u. Serbien über die Regelung der wirtschaftlichen Fragen auf Wunsch Serbiens in Kürze wieder aufgenommen werden. Die wirtschaftlichen Fragen beziehen sich hauptsächlich auf die Erneuerung des Handelsvertrages. Rußland Schiedsrichter zwischen den feindlichen Brüdern. Petersburg, 8. Mai. Die bulgarische sowie die serbische Regierung haben vereint die russische Regierung in Kenntnis gesetzt, daß sie sich in ihrem Konflikt dem Schiedsspruch Rußlands unterwerfen. Essad Pascha Kriegsminister des künftigen Albanien? Die österreichischen und italienischen Konsulatsbehörden In Valona und Durazzo unterhandeln im Auftrage ihrer Regierungen mit Essad Pascha wegen seines Eintritts als Kriegsminister in die provisorische albanische Regierung. Durch diesen Eintritt soll die politische Autorität der provisorischen Regierung gestärkt werden. Die türkische Regierung widerstrebt nachdrücklich der Errichtung eines osmanischen Emirats in Albanien, da ein solches ihr nur Schwierigkeiten schaffen würde. Dementsprechende Erklärungen hat die türkische Regierung bereits den Großmächten abgegeben. Oesterreich und Italien werden vorläufig von militärischen Maßnahmen in Albanien absehen, sie haben jedoch die feste Absicht, ihr albanesisches Programm durchzuführen. Sollte sich dies auf anderem Wege durchführen lassen, so werden die beiden Mächte gern diesen Weg einschlagen. T Durazzo, 8. Mai. Essad Pascha kündigte an, daß er bereit sei, seine Truppen in Durazzo einzuschiffen, und bittet die Pforte, ihm die nötigen Dampfer zu senden. Essad Pascha bestreitet ferner, daß seine Truppen mit denjenigen Dschavid Paschas einen Kampf gehabt oder daß sie Gewalttaten begangen hätten. Serbisch-bulgarische Verständigung. Belgrad, 8. Mai. Es verlautet, daß zwischen der serdischen und bulgarischen Regierung in der serbisch=bulgarischen Grenzfrage jetzt ein grundsätzliches Einvernehmen erzielt worden sei, und daß gegenwärtig Verhandlungen über die Festsetzung der neuen Grenzlinie geführt werden. König Alfons in Paris. Paris, 8. Mai. König Alfons von Spanien ist gestern um 10 Uhr hier auf dem Bahnhof Bois de Boulogne eingetroffen, wo er vom Präsidenten Poincare und den MitHegrißte der Reoierung, wigehhaßen Furnuf, Ddie Vevökterung .. den König mit levhafu Zurufen. — Der König von Spanien, Prasioent Poincare und die Mehrzahl der Minister wohnten gestern vormittag einer Parade der Truppen der Garnison auf der Invaliden=Esplanade bei, an der auch die Zöglinge der Militärschulen teilnahmen. Eine große Menschenmenge jubelte dem König, dem Präsidenten Poincare und dem Ministerpräsidenten Romanones zu. Um 1 Uhr begab sich der König von Spanien nach dem Elysee, wo Präsident Poincare dem Könige zu Ehren ein Frühstück in kleinem Kreise gab. Nach dem Besuch der Militärschule kehrte der König von Spanien um 4 Uhr ins Ministerium des Aeußern zurück. Dort empfing der König gestern den Besuch des früheren Präsidenten Emile Loubet und die Mitglieder des diplomatischen Korps. Der König hat Präsident Poincare das Goldene Vließ verliehen. Ein Zwischenfall. Paris, 8. Mai. Während der Fahrt des Königs Alfons durch die Champs Elysees stießen an 60 Maurer, welche auf dem Gerüst eines Neubaues standen, Pfiffe aus und riefen: „Hoch Ferrer!". Die Menge erhob dagegen Einspruch und die Polizei mußte einschreiten und die Ruhe wieder herstellen. Ein Mann, welcher gleichfalls ein Hoch auf Ferrer ausbrachte, wurde verhaftet. Die Polizei hat sehr strenge Maßnahmen getroffen, um die von Anarchisten und Gewerkschaftlern angekündigten Demonstrationen vor der spanischen Botschaft zu verhindern. Die sozialistischen Organe„Humanite" und „Bataille Syndicaliste“ veröffentlicht gleichlautende Kundgebungen, die sich in leidenschaftlicher Weise gegen den Besuch des Königs Alfons in Paris wenden. Dieses Manifest ist nicht nur von den französischen, sondern auch von der spanischen Sozialdemokratie unterzeichnet. Deutschland. pflegung der Offiziere von Abnahmekommandos Zahlenangaben, deren Richtigkeit sich nicht kontrollieren läßt. Wie offiziös bekannt wird, bestand seit Anfang der 90er Jahre in Rücksicht auf die damaligen Wohnungs= und Lebensverhältnisse in Essen mit der Firma Krupp eine Abmachung, derart, daß 10 zu dem Abnahmekommando kommandierte Feuerwerksoffiziere Wohnung und Verpflegung gegen eine angemessene Entschädigung von der Firma Krupp erhalten. Da die Wohnungsverhältnisse sich jedoch geändert haben, sind die Abmachungen inzwischen aufgehoben worden, und die Mitglieder der Abnahmekommission haben, wie dies immer geschehen ist, für Unterkunft und Verpflegung in Hotel oder Privat= wohnung selbst zu sorgen. Nur für den Schießplatz Meppen und für Tangerhütte bestehen in Anbetracht der donigen Verhältnisse Vereinbarungen mit der Firma Krupp über Benutzung ihrer Logierhäuser durch Mitglieder der Abnahmekommandos. Die vereinbarten Preise dabei entsprechen durchaus den Leistungen.— Daß die Abmachung für Essen aufgehoben ist, ist das erfreulichste an dieser Mitteilung. Man sollte auch den Schein meiden und daher von solchen Abmachungen mit Lieferungsfirmen grundsätzlich abstehen. Neue militärische Formationen. Berlin, 8. Mai. Das Militärverordnungsblatt veröffentlicht unter den gemäß dem neuen Reichshaushaltsetat für 1913 neuaufzustellenden Formationen u. a. ab 1. April 1913: Ein Inspekteur der Eisenbahntruppen, Standort Berlin(Divisionskommandeur), ein Stab für die 2. Eisenbahn=Brigade, Standort Hanau(Brigadekommandeur), ein Artilleriedepot in Altona unter Fortfall des Artillerienebendepots in Stade, eine Geschoßfabrik in Spandau. Am 1. Juli 1913: Ein Remontedepot auf dem Vorwerk Wendenen im Kreise Rastenburg. Ab 1. Oktober 1913: 80 Maschinengewehrkompagnien, ein Kavallerieregiment(Jäger zu Pferd Nr. 7, Standort Trier), eine Offiziersreitschule in Soitau, 10 Scheinwerferzüge usw. Der bayerische Prinzregent in Baden. Karlsruhe, 8. Mai. Der Prinzregent und die Prinzessin Ludwig von Bayern sind gestern nachmittag 2,15 Uhr von Karlsruhe und Edenkoben abgereist. Zur Verabschiedung hatten sich auf dem Bahnhofe der Großherzog und die Großherzogin sowie Prinz und Prinzessin Max von Baden eingefunden. Für eine Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich. Straßburg, 8. Mai. Von der 2. Kammer des elsaßlothringischen Landtages wurde gestern einstimmig ein Ersuchen an den Statthalter gerichtet, die Vertreter ElsaßLothringens im Bundesrat dahin zu instruieren, daß sie sich mit Entschiedenheit gegen jeden Gedanken eines Krieges zwischen Deutschland und Frankreich wenden und den Bundesrat veranlassen, Mittel und Wege zu prüfen, die geeignet sind, eine Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich herbeizuführen, weil in dieser ein Mittel zu erblicken sei, wodurch dem Rüstungswettkampf der Europäischen Mächte Einhalt geboten werden könnte, Der Dank des Kronprinzen. Perlin, 8. Mai. Das Hofmarschallamt des Kronprinzen hier sendet ein Schreiben, worin es heißt, dem Kronprinzen seien zu seinem 31. Geburtstage aus allen Teilen der Bevölkerung des Deutschen Reiches und darüber hinaus wieder so außerordentlich zahlreiche Glückwünsche zugegangen, daß es ihm unmöglich sei, jeden einzelnen zu beantworten. Der Kronprinz lasse daher allen denen, die seiner so freundlich gedachten, auf diesem Wege für die erwiesene Aufmerksamkeit bestens danken. Ssasonow zum Zarenbesuche in Berlin. Berlin, 8. Mai. Der russische Minister des Aeußern, Ssasonow, äußerte sich dahin, daß die Erledigung der noch schwebenden Fragen um so schneller und zuverlässiger eintreten werde, als ein hoher russischer Gast bald in Berlin eintreffen werde. Dieser Besuch wird als wichtiges Moment zur Annäherung des Dreiverbandes an den Dreibund in der europäischen Politik angesehen. Landtagsschluß. Berlin, 8. Mai. Der„Staatsanzeiger“ veröffentlicht in seiner gestrigen Ausgabe die Verordnung über die Auflösung des Hauses der Abgeordneten und die Vertagung des Herrenhauses. T Berlin, 8. Mai. Mit der Auflösung des Landtages des Abgeordnetenhauses ist das vom Herrenhause abgeänderte Ausgrabungsgesetz unter den Tisch gefallen. Das gleiche gilt für die vom Abgeordnetenhause unerledigt gelassene Novelle zum Einkommensteuergesetz. Der Vorwärts brachte vorgestern über Aufwendungen der Firma Krupp für die Unterbringung und VerFrankreich. Die Regelung des Luftverkehrs in Frankreich. Paris, 8. Mai. Der Minister der öffentlichen Arbeiten erklärte über den Gesetzentwurf zur Regelung des Luftverkehrs, daß das Gesetz den Zweck habe, für die Sicherheit der Luftschiffe und des Publikums zu sorgen, das Privateigentum zu schützen und die Bedingungen des Verkehrs und der Landung festzustellen. Das Gesetz sei sehr liberal. Es verbiete keineswegs grundsätzliche Flüge über Städte und größere Ortschaften. Man werde vielleicht später eine Mindesthöhe für Flugzeuge anordnen müssen. Im allgemeinen behandle die geplante Vorlage die Luftfahrzeuge ungefähr so, wie gegenwärtig die Kraftwagen behandelt werden. Die Behandlung der vom Auslande kommenden Luftfahrzeuge wird durch die Vorschriften des staatlichen Verwaltungsdienstes geregelt werden. Die Regierung wird sich so volle Freiheit für die Verhandlungen wahren, die über diesen Gegenstand unter den Mächten geführt werden könnten. Schließlich erwähnte der Minister, daß gegenwärtig in Frankreich bereits über 1800 Flugzeuge vorhanden seien. England. König Georgs angeblicher Besuch in Paris. London, 8. Mai. Die Reutersche Agentur erfährt aus amtlicher Quelle, daß das in der französischen Presse verbreitete Gerücht, der König und die Königin würden wahrscheinlich in diesem Herbst Paris besuchen, völlig unbegründet ist. König Georg wird im Herbst den englischen Manövern beiwohnen und hat, abgesehen von der Reise nach Berlin zur Teilnahme an der Hochzeitsfeier am 24. Mai, nicht die Absicht, den Kontinent in diesem Jahre zu besuchen. Der König wird den Besuch des Präsidenten Poincares erst im Jahre 1914 erwidern. Der Zeitpunkt ist noch nicht festgesetzt. Weitere Untaten der Frauenrechtlerinnen. London, 8. Mai. Bei der St. Pauluskathedrale und im Bureau der„Daily News“ wurden Bomben entdeckt. Ferner wurde der Cricket=Pavillon durch Feuer zerstört. Man schreibt die Schuld den Anhängerinnen des Frauenstimmrechts zu. Auch in der St. Pauluskathedrale und zwar unter dem Stuhl des Bischofs, wurde eine Bombe gefunden. Sie wurde sofort ins Wasser getaucht und der Polizei übergeben. — Die in der St. Pauluskathedrale gefundene Bombe war mit Dynamit gefüllt. Ein Fehler in der Mechanik hat die Explosion in der Kathedrale verhindert. Die in den Geschäftsräumen der Daily News gefundene Bombe war leer. Eine neue englische Inspizierungsreise ins Mittelmeer. Malta, 8. Mai. Die Admiralitätsjacht„Enchantreß hat Befehl erhalten, nach Venedig zu fahren, um dort den Ministerpräsidenten Asquith, den ersten Lord der Admiralität Cchurchill und den dritten Seelord Moore zu erwarten und sie nach Malta zu bringen. Portugal. Die portugiesischen Noyalisten. Lifsabon, 8. Mai.(Amtlich.) Noyalistische Verschwörer sammeln sich in der Provinz Galieien, aber sie denken nicht an einen Einfall. Die Regierung kennt ihre Pläne und ist durchaus nicht beunruhigt. Das Kaiserpreissingen in Frankfurt. Frankfurt=Main, 8. Mai. Der Kaiser verließ um 5 Uhr gestern nachmittag die Festhalle und begab sich nach Wiesbaden zurück. Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen wohnten auch dem gestrigen Sangeswettstreit bei. Am Freitag wird der Kaiser direkt nach Potsdam fahren. Frankfurt, 8. Mai. Im Wettstreit der Männergesangvereine sang gestern vormittag die 3. Gruppe. Das Publikum war verstärkt durch Tausende von Kindern der oberen Klassen der Frankfurter Gemeindeschulen. Der Kaiser traf bei andauerndem Regenwetter im Automobil gegen 10 Uhr ein. Auch das Prinzen=Paar Friedrich Karl von Hessen war erschienen. Als der Kaiser in der Hofloge sichtbar wurde, ertönte ihm aus den Kehlen der Jugend ein dreifaches Hurra entgegen, worauf die Kinder„Heil Dir im Siegerkranz“ anstimmten, worin auch die Sänger und die Zuhörerschaft einfielen. Um 11 Uhr traf das Großherzogspaar von Hessen in der Festhalle ein und nahm in der Hofloge Platz. Am Vormittag sangen folgende Vereine:„Konkordia"=Essen (266 Sänger),„Liedertafel"=M.=Gladbach.(198 Sänger); „Frohsinn“=Menden(Sieg)(128),„Männergesangverein Essen“(346 Sänger);„Konkordia“=Aachen(196 Sänger), „Oberbarmer Sängerhain"=Barmen(199 Sänger),„Sängerchor"=Barmen(250 Sänger). Der Tag begann gleich mit einem Treffer. Das prächtige Sängermaterial der „Konkordia"=Essen ermöglichte eine ausgezeichnete Wiedergabe der Chöre. Der Verein hielt sich sogar beim schwierigen Preischor im Ton, was bekanntlich bisher nur wenigen Vereinen gelungen ist. Der Verein kommt sicher in die engere Wahl. Auch die„Liedertafel"=M.= Gladbach, die über ein gutes Material verfügt und musikalisch vorbildlich geleitet ist, errang mit dem Preischor, wie besonders mit den beiden selbstgewählten Chören einen vollen Erfolg. Der„Frohsinn" aus Menden (Sieg) konnte sich weder hinsichtlich des Materials noch der Auffassung in dieser Umgebung behaupten. Der Dortmunder„Männergesangverein" verdarb sich viel durch die Tuerei seines Dirigenten, die am peinlichsten beim Volksliede berührte. Mit der„Hunnenschlacht“ erzielte der Verein einen schönen Erfolg. Der Essener „Männergesangverein“, brachte mit dem Preischor und dem„Morgenlied“ von Rietz eine auf virtuose Wirtung zugeschnittene Leistung. Er war der stärkste Chor, der überhaupt sang. Die„Konkordia"=Aachen sang, ohne besondere Vorzüge zu erzielen, schön und mit gutem Ausdruck, besonders das Pianissimo klang sehr gut. Der „Oberbarmer Sängerhain"=Barmen brachte den Preischor durchweg in guter Auffassung, die„Hymne“ von Hummel wurde leider durch starke Unsicherheit in der Intonation getrübt. Die Uebertreibung in der Betonung der Hauptsilben siel unangenehm auf. Der„Barmer Sängerchor“ sang die beiden größeren Chöre sehr gut und dürfte wohl in die engere Wahl kommen. Der Gesangwettstreit ist auch heute außerordentlich stark besucht.— Am Nachmittag“ sang der Männergesangverein Schlägel und Eisen, Bochum mit markigem Schwung und wurde auch musikalisch verständig geleitet. Nur war der Klang zu scharf und entbehrte jedem wirklichen Wohlklanges. Jetzt kommt der große Augenblick. Die Kölner erscheinen. Man weiß es seit Jahren, daß sie vollendetesMaterial besitzen, dem man auch nicht das Atom einer Ermüdung anmerkt. Der Chor ist einzig in der Welt und doch ist es sonderbar, daß die Wiedergabe nicht im eigentlichen Sinne des Wortes zündete. Es war eine Virtuosität, nicht eine besondere Leistung im musikalischen Sinne. Eine solche Leistung staunt man an. Herzlicher Beifall war nicht zu beobachten. Bevor man die Berliner nicht gehört hat, ist es natürlich müßig, Vermutungen auszusprechen und leicht ist solche vollendete Leistung nicht umzustoßen. Der Trierer Männergesangverein hatte die unangenehme Aufgabe, nach den Kölnern zu singen. Der Unterschied war stimmlich natürlich sehr groß. Die Auffassung war recht gut. Der Männergesangverein Waffenklang=Erfurt mit 100 Mann hatte seine Kraft gewaltig überschätzt, wenn er sich an diesem Wettstreite beteiligte. Der Arion aus Mülhausen in Thüringen hatte bei der Intonisation des Preischores wenig Glück. Die Sängervereinigung Krefeld besitzt ein schönes Material, das freilich im forte viel vornehmer klingt. In der Auffassung des Preischores zeigte sich nichts, was besonders hervorzuheben war. Als selbstgewählten Chor trug der Verein eine Novität von M. Neumann „Der Trompeter an der Katzbach“ vor. Das Werk und sein Vortrag fanden viel Beifall, besonders der Schluß. Der Männerchor Duisburg steht stimmlich auf derselben Stufe, vielleicht daß der Dirigent im Sentimentalen eine besondere Nuance hat. Webers Schwertlied litt unter geschmacklosen Verzerrungen. Zum Schluß sang der Duisburger Sängerbund das volkstümliche Lied Muttersprache, Mutterlaut mit Baritonsolo, das sehr beifällig aufgenommen wurde. Mit dem lateinischen In Ephiphania Domini, der sehr gut und dankbar komponiert ist, fanden die Sänger ebenfalls Beifall. Der Männergesangverein Gelsenkirchen kam als letzter an die Reihe. Heute morgen war er am Auftreten verhindert. Er sang den Preischor und das Volkslied, von lauten Brawos begrüßt, ausgezeichnet. Gerichtssaal. Köln, 8. Mai. Die Voruntersüchung gegen den wegen Veruntreuung verhafteten Rechtsanwalt Justizrat Leyendecker ist beendet. Der Angeklagte wird sich am 11. Juni vor der Strafkammer wegen Untreue zu verantworten haben. Es soll sich um Veruntreuungen von mehr als einer Million handeln, und der Angeklagte soll einen großen Teil der Verfehlungen zugegeben haben. Aachen, 7. Mai. Das Schwurgericht verhandelte gestern den Totschlagsprozeß gegen den Förster Kühn aus Düren. Für die Verhandlung sind 30 Zeugen und Sachverständige zu vernehmen. Der Angekl. Ernst Kühn steht unter der Anklage, am 15. Dezember 1912 den Maurer Mathias Braun und den Tagelöhner Joseph Münstermann, beide aus Düren, vorsätzlich getötet zu haben, als er sie in Gemeinschaft mit Windelschmidt und Pauly, beim Frettieren antraf. Beide Getötete waren unbewaffnet. Kühn tötete sie ohne weiteres aus einem Abstand von kaum 2 bis 3 Schritten durch Schüsse in den Kopf und legte dann auf den Dritten, Windelschmidt, an, der auf den Knieen vor ihm lag u. flehentlich um Gnade bat. Windelschmidt und Pauly wurden dann von Kühn verhaftet und abgeführt. Kühn will sich in Notwehr befunden haben und arg bedrängt worden sein. Dagegen behaupten die Zeugen, daß er sich unbemerkt herangeschlichen und— unter Ausstoßen eines wilden Fluches— sofort geschossen habe.— Das Urteil lautete unter Annahme mildernder Umstände auf 3 Jahre Gefängnis. — Der Handlungsreisende Nordhausen, der von der Strafkammer vorgestern wegen 8maliger böswilliger Alarmierung der Feuerwehr mit 9 Mon. Gef. und 3 Wochen Haft belegt wurde, hat gegen das Urteit Berufung an das Reichsgericht eingelegt. 1 112•1 10+Entlassung von Mannschaften der Kavallerie und reitenden Feldartillerie nach zweijähriger Dienstzeit. Die Anträge auf Entlassung von Mannschaften der Kavallerie und reitenden Feldartillerie nach zweijähriger aktiver Dienstzeit zur Disposition des Truppenteils können in der Zeit vom 8. bis 25. Mai ds. Is., vormittags von 9—12 Uhr und nachmittags von 3—5 Uhr, auf Zimmer Nr. 7 des Amtshauses unter Vorlage der Steuerzettel, der etwaigen Schulddokumente und ärztliche Atteste angebracht werden. Wattenscheid, den 5. Mai 1913. Der Amtmann: Emisch. verkaufen wir zu jedem annehmbaren Preise. Horren Schune sehr billig. Bochum, ABC-Straße 11. Bananenlikör, Aprikosenlikör, Cherry Brandy. Half om Half etc. Billig! Billig! Zuckersüße Apfelsinen 3 St. 10 Pfg., 10 St. 45 Pig. Spinat 3 Pf. 25, 5 Pf. 30 Pig. Kopfsalat St. 9 Pig. Frische Kartoffeln Pfd. 15 Pig. bechendorter Obst-& Fischhalle. uinische Enöre. Bojar, Nalewajka etc. Geie Wir suchen an diversen Plätzen für la Konsumartikel e. Herrn gleichviel welchen Standes zur Uebernahme u. Verwaltung e. 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Mai, abends 8 Uhr, Ende gegen 11 Uhr: „Der Zigeunerbaron.“ Operette von Strauß. Sonntag, den 11. Mai, abends 7 Uhr, Ende 11 Uhr, der Ring des Nibelungen U: „Die Walküre.“ Montag, den 12. Mai, abends 8 Uhr, Ende gegen 11 Uhr: „Der Bettelstudent.“ Dienstag, d. 13. Mai, abends 7 Uhr, Ende nach 11 Uhr: der Ring des Nibelungen III:„Siegfried.“ Mittwoch, d. 14. Mai, abends 8 Uhr, Ende 10,30 Uhr: Ibsen=Zyklus, 12. u. letzter Abend:„Wenn wir Toten erwachen.“ Ein dramatischer Epilog in zwei Akten. Donnerstag, den 15. Mai, abends 7 Uhr, Ende 11,30 Uhr: letzte Vorstellung, der Ring des Nibelungen IV: „Odtterdämmerung“ — Schluß der Spielzeit.— Siaduheater Vorimund. Donnerstag, 8. Mai, 7,30— 10,45 Uhr:„Faust's Verdammung." Dramatische Legende von Hector Berlioz. Freitag, 9. Mai, 7,30—11 Uhr:„Die Räuber.“ Schauspiel von Friedrich von Schiller. Sonnabend, 10. Mai, 7,30—. 10 Uhr:„Martha oder Der Markt zu Richmond.“ Romantisch=komische Oper von Friedr. von Flotow. Sonntag, 11. Mai,(1. PfingstFeiertag), nachm. 3.30— 5,30 Uhr: Zum vierten Male:„Die kleine Hoheit.“ Lustspiel von Dora Dunker und Hans Gaus. Abends 7—10,30 Uhr: „Lohengrin.“ Roman= tische Oper von Richard von Wagner. Montag, 12. Mai,(2. PfingstFeiertag), nachm. 3,30— 6 Uhr: Zum 19. Male „So'n Windhund.“ Schwank von Curt Kraatz und Arthur Hoffmann. Abends 7,30—10,30 Uhr: „Die Fledermaus." Operette mit Ballett von Johann Strauß. Fürmein Kolontalwaren=Geschäft wird ein Lehrmädchen gesucht. Für meine Dampsbäckerei, Conditorei mit elektrischen Betrieb ein Lehrling mit Vergütung sowie ein Bäcker= u. Conditorgehilfen sucht Wilh. Lück, Bäckermeister, Leithe bei Wattenscheid. Auf sofort ein properes welches zu Hause schlafen kann, gesucht. Frau Wilhelm Streier, Freiheitstraße 25. Braves, katholisches Mädchen gesucht. Frau Theod. Schlenkhefl. Weststraße 20. Wohnung von 8 Zimmern per sofort oder später zu vermieten. Vorstadtstraße 43 Zwei anständige Leute erhalten Kost und Togls. 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Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet# ##kl., Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. Gratis=Beilage:„Illustriertes Son Sssssssssssssssssssschesnsee: voraus Sonntagen zahlbar. Wöchentliche sblatt"(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Sevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. 90 Sse Pereie oder deren Raum 15 Pfa, agswärts 20 pfg., Retlamen 60 Pg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin: zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Vernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postschech=Kto Köln: 8566. An mein Schmerzenskind Emilius. Was sagst Du ba?„Noch einen Hieb, Dann bin ich mausetot getötet!“ Das wäre Dir gewiß recht lieb, enn ich so leichthin ausgeflötet. Du hast in Deinem letzten Sang Dich leider, leider nich Der erste war noch voller Klang, Der letztedoch total verwässert. Von Laten sah ich keine Spur, Die meinen liegen längst zu Tage, So schieß doch los, was säumst Du nur? Du wirst„berühmt“ mit einem Schlage. Verneinen ist nicht gar zu schwer, Doch schwerer schon ist bessermachen, Zeig' Deine Dichtertaten her, Sonst wird Dein Ruhm sich bald verflachen. Run also Laren, wekter nischt, Sonst kann ich nicht mit Dir mehr reden, Es zeige sich, wer leider drischt Das leere Stroh von uns zwei beeden. Villa Kuckucksheim, den 8. Mai 1913. Gottlieb. Literarisches. Lebensweisheit. Eine Deutung unsere Daseins in Geister von Bruno Wille. Deutsches VerAusFür diesmal hast die Wahl Du frei, So wähle, was sich gut mag reimen, Nur, bitte, laß die Nörgelei, Sonst ist der Bruch nicht mehr zu leimen. Und wenn ich bitten darf, so laß Fremdwörter weg, ich bin für Reinheit Der deutschen Sprache, wie ein Glas Erglänze sie in hellster Feinheit. Herichen Pprerder Gesger von Prano Wille. Deuschen lagshaus Bong u. Co., Berlin. In Sagen und Märchen aller Völker lebt neben den Helden des Armes eine milde freundliche Gestalt, der Held des Geistes, der Weise: ein Mann, der nicht durch Studium und Bücher, sondern aus Kenntnis der Menschen und des Lebens wissend geworden ist. Zu ihm kommen die Fragenden und Suchenden aller Art, und er weiß ihnen den rechten Rat zu geben, die verschlungenen Pfade ihres Daseins zu entwirren und ihre Rätsel zu lösen. Wer von uns, die wir in einer höchst komplizierten Zeit leben und eine so schwierige und gefährliche Existenz führen, wie vielleicht noch kein Jahrhundert vor uns, hätte nicht schon den Wunsch gehabt, einem solchen Freund und Weisen zu begegnen, damit er von ihm erfahre, wo für ihn in jedem Augenblick der rechte Weg sei, wie er aus den Niederungen in die Höhe, aus der Dunkelheit zum Lichte gelangen kann? Ein Freund will das nhengenannte Buch für jeden SuchenErhebung solcher Freund will das obengenannte Ruch den, aus dem er Rat und Hülfe, Trost und Er Sett fen kann. Daß wir volles Vertrauen zu diesem Freund und Führer haben dürfen, dafür bürgt der Name Bruno Wille. Dieser Name ist heute ein Programm. Er bedeutet in unserer Zeit der Haltlosigkeit und des Pessimismus ein festes Ziel, den Glauben an die Güte des Menschen und an den Aufstieg der Gesamtheit. In diesem Werke nun trägt Wille seinen kräftigen Optimismus und seine zukunftsfrohe Lebensanschauung nicht mit eigenen Worten vor, sondern er läßt sie aus Gedanken und Versen der größten Geister gewissermaßen von selbst herauswachsen. Das Buch enthält außer einer klaren und tieffinnigen Einleitung eine überreiche Zahl von Sprüchen, Aphorismen, Versen usw., die aus der ganze nWeltliteratur und aus allen Zeiten zusammengetragen und mit der ordnenden Hand des Künstlers zu Gruppen vereinigt sind. Die Reihe beginnt mit allgemeinen Kapiteln, wie Jugend und Alter“,„Schicksal und eigene Kraft“, führt über Themen praktischer Lebensweisheit, wie„Umgang mit Menschen",„Weib und Gattenliebe“, zu den höchsten Fragen hinauf und endet mit dem Kapitel„Der ewige Sinn“.— Mit diesem Buch setzt das Deutsche Verlagshaus Bong u. Co. seine vielversprechend begonnene Sammlung„Bongs Schön=Bücherei“ würdig fort. Der Vorzug einer dem Inhalt angepaßten originellen und künstlerisch vollendeten Ausgestaltung, der schon der ersten Veröffentlichung nachgerühmt wurde, bildet auch den Reiz dieses neuen Buches. Der Preis beträgt wie bei den früheren Bänden von Bongs Schön=Bücherei wieder nur 2 M. So vereinigt sich alles, um Bruno Willes„Lebensweisheit“ zu einem wahren Volksbuch zu machen. Wir zweifeln nicht daran, daß e sch biesen Rane ip kn. diesen Rang in kurzer Zeit errungen haben wird. UnsoreVOrtige Tu KII für Herren und Knaben erfreut sich von Jahr in Jahr grösserer Beliebtheit. — Das Vorurteil gegen fertige Kleidung, dem man früher noch hier und da begegnete, ist längst überwunden, da unsere fertige Kleidung eine Vollkommenheit erreicht hat, die allen, auch den höchsten Ansprüchen gerecht wird. Es ist unser unausgesetztes Bestreben, unermüdlich an dieser Vervollkommnung zu arbeiten, und gans besonders der Nachtrage nach guter fertiger Kleidung Rechnung zu tragen. 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Schäfer habe gleich darauf den zweiten Hauptgewinn von 15,000 Mark ausgerufen. Während des Raddrehens lag wieder ein weißer Zettel am Boden. Schäfer nahm ihn an sich und rief gleich danach den 1. Haupttreffer aus. Schäfer sei während der Ziehung sehr aufgeregt gewesen.— Zeuge Kaufmann Balm bestätigt die Angaben des Vorzeugen. Dem folgenden Zeugen, einem Zigarrenhändler, ist es aufgefallen, daß Schäfer die Hände unter den Tisch hielt und so die Rollen aufmachte. Als er in der Presse von den Anschuldigungen gegen Schäfer hörte, habe er seine Wahrnehmungen der Polizei mitgeteilt.— Die Ueberwachung der Ziehung hatten Polizeikommissar Stolker und Notar Breitmann, die beide als Zeugen geladen sind. Da letzterer nicht erschienen ist, wird gegen ihn eine Ordnungsstrafe von 100 Mark verhängt. Polizeikommissar Stolker bekundet, daß er keine besonderen Instruktionen für die Ueberwachung der Ziehung gehabt habe.— Dem Loshändler Hetterich, der bei der Frankfurter Ziehung mit dem Angeklagten zusammenarbeitete, ist es aufgefallen, daß dieser mit dem Rücken gegen das Publikum saß.— Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, es sei doch merkwürdig, daß er selbst, als Loshändler, noch Lose von anderen Händlern gekauft haben wolle. Der Angeklagte bleibt bei seiner Behauptung, daß er das Gewinnlos bei einem Händler gekauft habe, er habe sich eigentlich überzeugen wollen, ob der Händler die Lose auch führe.— Der betreffende Händler, der als Zeuge vernommen wird, erklärt es als ausgeschlossen, daß Schäfer bei ihm Lose gekauft haben könne. Es kommt dann die Elberfelder Ziehung vom Jahre 1912 zur Sprache, die Schäfer ebenfalls leitete. Dabei sahen 2 Zeugen, daß Schäfer in der einen Hand ein votes Röllchen verborgen hielt, sie wissen aber nicht, ob die Ziehung damals schon vorüber war.— Ein Zeuge erzählt, daß der frühere Prokurist Schäfers Michelbach nach Aufgabe seiner Stellung Verschiedenes ausplauderte. Er behauptete, Schäser habe 2 hohe Gewinne sich zu Unrecht angeeignet. Zerner soll der Prokurist von einem Hauptgewinn 17 000 Mk. abbekommen haben. Um ein gutes Zeugnis zu erhalten, soll Michelbach auf Schäfer einen Druck ausgeübt haben, indem er ihm schrieb, daß er 2 Gewinne in Höhe von 40 000 und 5000 Mark unrechtmäßig sich angeeignet habe.— Eine Reihe von Loshändlern und Lotterieunternehmern behaupten, daß sie sich nie in der von Schäfer angegebenen Weise persönlich an den Ziehungen beteiligt hätten. Daß größere Gewinne nicht ahgehoben würden, komme vor, aber äußerst selten. Ein Zeuge hat einmal als Loshändler Gewinne von 100 und 300 M. gemacht, aber dafür für mehrere tausendMark Lose übernehmen müssen. .„ D a s U r t e i l. Nach 2stündiger Beratung fällte die Strafkammer folgendes Urteil gegen den Lotteriekollekteur Schäfer: Wegen Betruges in 3 Fällen und zwar inbezug auf die Frankfurter Luftschiffahrtslotterie, die Elberfelder Fürsorge= und Säuglingsheim=Lotterie und die Altenburger Dombaulotterie zu Düsseldorf wird Schäfer zu 3 Jahren Gefängnis, 9000 Mark Geldstrafe und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. 6 Monate werden auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Wegen der Düsseldorfer Kunstausstellungs=Lotterie erfolgte Freispruch. Der Staatsanwalt hatte 6 Jahre Gefängnis und 12000 M. Geldstrafe beantragt. Aus Westdeutschland. Köln, 8. Mai. Das Programm für das Niederrheinische Musikfest in Köln am 8., 9. und 10. Juni lautet: 1. Tag. Bach: Sanctus aus der H=moll=Messe; Mendelssohn: Violinkonzert E=moll(Hubermann); Gustav Mahler: 8. Symphonie. 2. Tag. Werke von Beethoven, darunter Klavierkonzert Es=dur(d'Albert) und 9. Symphonie. 3. Tag: Chor= und Orchesterwerke von Brahms und Richard Wagner. Mitwirkende Chöre sind: der Gürzenich=Konzertchor, der Aachener Städt. Gesangverein und der Kinderchor des Domchores in einer Gesamtstärke von ca. 1000 Sängern. Das Orchester wird von dem Gürzenich=Orchester und Mitgliedern des Nachener Städtischen Orchesters gebildet. Die Gesamtleitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Fr. Steinbach. Prospekte durch das Konzertbureau Emil Gutmann, Berlin W. 35. Die rheinischen Musikfeste, die seit 89 Jahren um die Pfingstzeit gefeiert werden, wechseln jährlich zwischen Köln, Aachen und Düsseldorf ab. Köln, 7. Mai. Die Kölner Bürgergesellschaft beging gestern den Tag ihres 50jährigen Bestehens durch einen Festgottesdienst im Dom und einen Festakt im Prunksaal ihres Gesellschaftshauses. Köln, 8. Mai. Mit dem Bau der Straßenbrücke oberhalb der jetzigen Schiffbrücke über den Rhein wird am 15. ds. Mts. begonnen werden. Zu gleicher Zeit werden die Gründungsarbeiten für den linksseitigen Strompfeiler sowohl als auch für den rechtsseitigen erfolgen. Zwischen den Rüstungen der beiden Pfeiler wird eine Stromstrecke von etwa 130 Meter freigelassen werden. Durch diese Oeffnung muß der gesamte Tal= und Bergverkehr der Rheinschiffahrt seinen Weg nehmen. Bonn, 8. Mai. Bis gestern, dem letzten gesetzlichen Tag zur Neuanmeldung für das Sommer=Semester an der Universität, haben sich 1413 Studierende gemeldet gegen 1556 im Vorjahre. Davon studieren 63(50) evang. Theologie, 157(157) kath. Theologie, 328(257) Medizin, 350(470) Jura und 515(622) Philosophie. Dieringhausen, 8. Mai. In Derschlag wurde das 6jährige Töchterchen der Familie Röttgers von dem Auto des Fabrikanten B. Steinmüller aus Gummersbach überfahren und getötet. Niederbreisig, 8. Mai. Hier wurde die Leiche eines 20 Jahre alten Mannes aus dem Rhein gelandet. In einem Taschenkalender, der bei der Leiche vorgefunden wurde, stand der Name Willi Bamberg, Günte; eine Visitenkarte lautete auf die Firma Schneider u. Keßler, Volmarstein. Montjoie, 8. Mai. Das am 29. April gefeierte 50jährige Ehejubiläum der Eheleute Paul Bresgen und Luise Bott gibt Anlaß von einer kaum zu überbietenden Langlebigkeit dahier zu berichten. Die kath. Pfarrgemeinde zählt ca. 1700 Seelen. In dieser kleinen Gemeinde wurden in den letzten 9 Jahren 9 Ehejubiläen gefeiert: 5 50jährige, 3 60jährige und gar ein 65jähriges. Ohne Zweifel tragen die einfachen Verhältnisse und die kräftige Eifelluft ihren Teil zu dieser Volksgesundheit bei. Grevenbroich, 8. Mai. Der Kreis Grevenbroich errichtet aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers eine Stiftung im Betrage von 67·000 Mk. zur Bekämpfung der Tuberkulose und der Säuglingssterblichkeit. Düsseldorf, 8. Mai. Die 12 Jahre alte Tochter des Fabrikarbeiters Schulze wurde auf der Nordstraße von einem Automobil überfahren und getötet. Eine Frau, die das Kind zu retten versuchte, wurde ebenfalls schwer verletzt. Düsseldorf, 8. Mai. Ein gemeingefährlicher Hoteldieb wurde von der Kriminalpolizei in der Person des 26jährigen Kaufmanns Arno Hirt festgenommen. Er hat in hiesigen Hotels und Restaurants unter falschem Namen erhebliche Zechprellereien verübt u. die Gäste bestohlen. Ein Teil der gestohlenen Sachen wurden noch bei ihm vorgefunden. Xanten, 7. Mai. Gestern wurde die FrauKrebber aus Hochbruch von einem Zuge überfahren und sofort getötet. Ob Unfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. Duisburg, 8. Mai. Der 40 Jahre alte holländische Arbeiter van Wiel geriet gestern mittag auf der Fabrik von Scheidthauer und Gießing in das Getriebe eines Kollerganges und wurde zu Tode gequetscht. Steele, 8. Mai. Auf der Zeche Altendorf bei Ueberruhr hat sich gestern vormittag bei der Schieß=Arbeit ein folgenschweres Unglück ereignet. Beim Abtun eines Schusses im Gestein stürzten plötzlich große Felsmassen nieder und begruben die Kameradschaft von 6 Mann. 3 Arbeiter wurden erschlagen und konnten nur als Leichen geborgen werden. Die anderen 3 haben lebensgefährliche Verletzungen erlitten und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. T Hagen, 8. Mai. In der Hagener Wergzeugmaschinenfabrik kam der 15jährige Lehrling Joseph Schäfer, während er eine kleine Reparatur an der Transmission vornahm, zu Fall, und stürzte in die Riemenscheibe. Der Unglückliche wurde erfaßt und herumgeschleudert. Der Tod trat sofort ein. Schwelm, 8. Mai. Aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers sollen den dürftigen Veteranen oder deren Witwen einschließlich der vom Kreis beschlossenen Spende von 100 M am Jubiläumstage je 175 A ausbezahlt werden. Außerdem wurden 20000 M als Kaiser=Wilhelm=Jubiläumsstiftung zur Verfügung gestellt. Der Betrag soll entweder für Erwerb von Spielplätzen oder zum Ankauf eines Bauplatzes für eine Badeanstalt Verwendung finden. Aus aller Eine Millionenstiftung. Berlin, 8. Mai. Rudolf Mosse hat aus Anlaß seines heutigen 70. Geburtstages gestiftet: Dem Magistrat der Stadt Berlin 1 Million zur Errichtung einer Rudolf=Mosse=Altersversorgungsstiftung, aus der jährlich erwerbsunfähige Leute von über 50 Jahren Unterstützungen von 500 bis 1000 M erhalten sollen; dem Rudolf Virchow=Krankenhaus 100 000.A, 18 Vereinen und wohltätigen Instituten je 1000 M, schließlich 300 000.A zur Verteilung an die Angestellten seiner Firma. Der Kommandant des Torpedoboots G. 89 und zwei Matrosen ertrunken. Ein tragisches Geschick hat einen Seeoffizier betroffen, der vor 8 Wochen erst durch einen Zufall dem Tod entronnen ist. Der Kapitänleutnant v. Zastrow, der als Kommandant des Torpedobootes„S. 178“ sich in der Nacht zum 6. März d. J., als sein Torpedoboot von Panzerkreuzer„York“ in zwei Teile geschnitten wurde und sank, infolge einer Abkommandierung nicht an Bord seines Schifes befand und so vor dem Tod bewahrt wurde, ist zusammen mit 2 Matrosen ertrunken. Ein Telegramm meldet: Sylt, 8. Mai. Bei Hoernum kenterte ein Beiboot des Torpedoboots„G. 89“. Der Kommandant Kapitänleutnant v. Zastrow und die Torpedoobermatrosen Dorn und Gebhardt sind ertrunken. — Kapitänleutnant Georg von Zastrow war im Jahre 1884 in Lübben geboren. Sein Vater, der zuletzt Generalmajor war, ist bereits gestorben. v. Zastrow trat 1901 als Seekadett in die Marine ein, wurde 1904 Leutnant zur See, 1906 Oberleutnant zur See und 1912 Kapitänleutnant. 1904 bis 1908 wurde er im Torpedowesen ausgebildet. 1908 bis 1909 war er an Bord der Kreuzers„Leipzig“ in Ostasien und von 1909 bis 1910 war er Flaggleutnant beim ostasiatischen Kreuzergeschwader. Von dieser Zeit an hatte er verschiedentlich Verwendung als Kommandant von Torpedobooten gefunden. Stiftungen zum Kaiserjubiläum. T Erfurt, 8. Mai. Aus Anlaß des Regierungsjubiläums bewilligte der Magistrat 292000 A für einen Volkspark, 76 000 A für ein Jugendheim, 50 000 A für Veteranenunterstützung und 2000 A für Krüppelfürsorge. Der Bürgermeister von Usedom in der Fremdenlegion. Swinemünde, 7. Mai. Verwandte des verschwundenen Bürgermeisters Trömel benachrichtigten den Magistrat von Usedom, daß Trömel in die Fremdenlegion in Algier eingetreten sei und sich für 5 Jahre verpflichtet habe. Wie er dazu gekommen sei, könne man nicht angeben. T— Die Famile des Usedomer Bürgermeisters Trömel will Schritte unternehmen, um Trömel, der unter dem Namen Tunzel in die Dienste der Fremdenlegion getreten ist, wieder zu befreien. Der Usedomer Magistrat setzte die Frau des verschwundenen Bürgermeisters von dem Schreiben ihres Gatten schonend in Kenntnis. Frau Trömel ist derart zusammengebrochen, daß sie sich in ärztlicher Behandlung befindet und sorgsam überwacht wird. Pilzvergiftung. Schwetz(Weichsel), 8. Mai. Nach dem Genuß von Morcheln erkrankten mehrere Familien unter Vergiftungserscheinungen. Die beiden Kinder des Oberlehrers Schlemmer sind bereits gestorben, das Dienstmädchen des Oberlehrers ringt mit dem Tode. Der Vergarbeiterausstand in Schlesien. Beuthen, 8. Mai. Gestern früh fehlten 39 715, abends 15 340 Bergleute, heute 38 708. Ein Abflauen des Ausstands ist bemerkbar. Fliegerabsturz. Reims, 8. Mai. Ein gestern abend mit einem Fliegerleutnant und einem Sappeur aufgestiegener Eindecker stürzte infolge eines falschen Manövers ab. Der Leutnant brach beide Arme, dem Sappeur wurden mehrere Rippen eingedrückt. Beider Zustand ist sehr ernst. Zu Tode geschleift. Nancy, 8. Mai. Der Hauptmann Duprey de la Maberie, der, als sein Pferd durchging, abspringen wollte, verwickelte sich dabei in die Steigbügel und wurde mehrere Meter weit mitgeschleppt. Er erlitt einen Schädelbruch und starb im Hospital. Von seinem Bruder erschossen. Genua, 8. Mai. Der in einer hiesigen Irrenanstalt untergebrachte Anton v. Grimburg aus Wien wurde gestern in seiner Zelle von seinem zu Besuch bei ihm weilenden Bruder, Dr. Wilhelm von Grimburg, durch einen Revolverschuß getötet. Der Schuß soll aus Versehen losgegangen sein, trotzdem wurde Dr. von Grimburg in Haft genommen. Raubmörder. T Moskau, 8. Mai. Gestern nachmittag gelang der Geheimpolizei die Aufdeckung eines Verbrechens, das in der Charwoche hier verübt war. Es drangen in das Haus von 2 alten reichen Damen 2 Leute ein, die den gebildeten Kreisen angehörten und forderten die Herausgabe des Geldes. Eine der alten Damen, die sich zur Wehr setzte, erlag 3 Tage später ihren Wunden. Die Raubmörder wurden bei der Arbeit durch die Rückkehr der Dienstboten gestört und flüchteten. Sie konnten gestern in Petersburg verhaftet werden. Einer von ihnen ist ein stellenloser russischer Schauspieler, der andere der Sohn eines Moskauer Großkapitalisten, der schon vorbestraft ist und einen lockeren Lebenswandel führte. Streikunruhen. T Newyork, 8. Mai. Der Aufruhr in Syrakus, der von streikenden italienischen Maurern erregt wurde, ist schlimmer, als die ersten Meldungen vermuten ließen. Mindestens 50 Personen sind verwundet. Ueber die Stadt ist der Belagerungszustand verhängt. Die Wirtschaften sind geschlossen und die Straßen mit Militär besetzt. Der italienische Konsul bemüht sich, seine Landsleute von Gewalttaten abzuhalten. Donnerstag, Freitag und Samstag: „ 9 5 Kaflfee- und Batterloperiat. bicuree. 8 K ne 5533 23 2• P AUNSTT Bochum Herne Obere Marktitr. 18 Bahnhofftr. 78 bietet immer die allergrößte Auswahl in jeder Abtelung, mmm die neuelten Nlodeerzeugnille in denkesemm bar belter Belchaffenheit, 3388888888 eeee gie allerbinnglten Preile, falte dr esten Kuten 646 Die grundreelle Gelchäftsführung bürgt oeeeeeeeeeememem für belte Bedienung. Moderne Herren-Anzüge: usssmssemanne Einreihige Joppen-Anzüge Zweihreihige Joppen-Anzüge Uniblaue Joppen-Anzüge Marengo Joppe und Welte Marengo Cutaway und Weste Farbige Rock-Anzüge Sport- und Touristen-Anzüge Strand- und Reise-Anzüge M. 14.-bis 7515„ 80.20.-„ 75 20.-„ 50.32.-„ 70.27." 80.18.-" 55.15.„ 75 Schwarne Koch= u. Sebrockanzügehh. 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Amtliches Blatt aller Behörden weziellfür die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Aeckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, * Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet: : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt"(Sseitig). (Nieueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Terminzusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Vernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln: 8566. Der österreichisch=montenegrinische. Krieg vor 75 Jahren. Genau dreiviertel Jahrhunderte sind verflossen, seit Oesterreich und Montenegro einander feindlich gegenüber gestanden haben: Im August 1838 brach zwischen der Habsburgischen Monarchie und dem kleinen Balkanstaate ein richtiger Krieg aus. Am 2. August waren österreichische Ingenieure bei dem friedlichen Werke, auf dem Berge Troica, an der Hochebene von Pastrovic, ein trigonometrisches Zeichen aufzustellen, aber die Montenegriner störten die Oesterreicher, rollten von den Höhen Steine hinab und verjagten die Ingenieure. Aus dem nächsten österreichischen Wachthause erschien alsbald ein Unteroffizier mit sechs Mann, die Söhne der Schwarzen Berge eröffneten auf diese Feuer, natürlich erwiderten die Oesterreicher dies, es tauchten ein paar hundert Montenegriner auf den benachbarten Höhen auf, und so war in erstaunlich kurzer Zeit ein richtiges Feuergefecht im Gange. Die steinerne Wachhütte der Oesterreicher bei Gomila war der Punkt, auf den die Montenegriner ihren Hauptangriff richteten, und demzufolge besetzte Hauptmann Spanner, der inzwischen mit einer Kompagnie aus Budua herangekommen war, die wichtigsten Höhepunkte, die zur Verteidigung dieser Wachhütte in Frage kamen. Als die Montenegriner das sahen, gaben sie die nutzlosen Angriffe einstweilen auf. Statt der hunderte kamen am folgenden Tage taufende: sie sammelten sich auf den Höhen von Uterg, dem wichtigsten Grenzpasse Montenegros an dieser Seite, dann griffen sie an mehreren Orten, besonders bei dem Dorfe Novoselo und bei Vidrak an und versuchten, das österreichische Wachhaus an diesem letztgenannten Orte in Brand zu stecken. Dabei spielte eine Montenegrinerin eine verhängnisvolle Rolle: sie schleppte mit ihrem Manne gemeinsam Zündstoffe herbei; die Besatzung des Wackhauses schoß sie nieder, und dadurch wurden die Montenegriner aufs höchste gereizt, denn nach ihren Anschauungen ist es unehrenhaft für einen Mann, auf Weiber zu schießen. Sie kämpften nun nicht nur gegen die Oesterreicher, die(ihrer Ansicht nach) unberechtigt in ihr Gebiet eingedrungen waren, sondern sie kämpften auch für die Blutrache. Die österreichischen Jäger mußten der gewaltigen Uebermacht weichen und zogen sich in die Wachtstube zurück, wo sie von tausenden von Montenegrinern den ganzen Tag und die Nacht über beschossen wurden. Es waren ihrer 26, befehligt von einem Oberjäger, die sich aufs Tapferste verteidigten, bis endlich nach 24= stündigem Kampf von Cattaro her über Gomila und Novoselo Entsatz kam. Oberstleutnant Roßbach war es, der die eingeschlossenen Jäger befreite. Bei Novoselo fand an diesem Tage der Hauptkampf statt: über 2000 Montenegriner standen den Oesterreichern hier gegenüber, und die Uebermacht hatte zudem den Vorteil für sich, daß sie die Höhen besetzt hatte. Oberstleutnant Roßbach beorderte seine Jäger zum Sturm gegen den hohen und steilen Berg Kopac, von dessen Besitz der Ausgang des Kampfes abhing: etwa 100 Jäger schritten langsam(wegen der Steigung), dazu in aufgelöster Ordnung aufwärts, und der unerwartete Erfolg war, daß die Montenegriner vor dieser Hand voll Soldaten zurückwichen! Sie flüchteten sich auf eine etwas entferntere Bergkuppe, aber auch von dieser wurden sie durch einen Bajonettangriff vertrieben, und so behaupteten die Oesterreicher unter nicht allzugroßen Verluste das Schlachtfeld. Die nächsten 2 Tage verliefen kampflos; aus Cattaro und Castelnouvo kamen inzwischen zwei Kompagnien und an die tausend Bauern zur Verstärkung der Oesterreicher heran, die auf die beiden Flügel gleichmäßig verteilt wurden, und so konnte am folgenden Tage, am sechsten des Krieges, ein allgemeiner Angriff unternommen werden, der zunächst vom rechten begonnen und gegen zunächst vom rechten, Flügel bego Vidrak gerichtet wurde. Zuerst flohen die Montenegriner; allein dies war eine Kriegslist, denn sie kehrten bald mit großen Verstärkungen zurück. Lange wogte der Kampf unentschieden hin und her: die Bauern waren ungeschulte Kämpfer, zudem waren die Oesterreicher das Zielen schrägaufwärts nicht gewohnt, außerdem aber bedienten sich die Montenegriner ihrer erprobten Kampfesweise, fortwährend gewaltige Felsbrocken gegen die Angreifer zu Tal rollen zu lassen, aber von der festen Haltung der österreichischen Jäger prallten die montenegrinischen Angriffe ab und nach mehrstündigem Kampft gaben sich die Montenegriner besiegt und zogen sich in ihre Berge zurück. Die Oesterreicher hatten im ganzen 9 Mann eingebüßt, 2 Offiziere und 14 Mann waren verwundet worden. Der sechste Tag des Krieges war zugleich der letzte, denn am siebenten schloß der Kreishauptmann von Cattaro einen Waffenstillstand und Peter 2., der Herr der Schwarzen Berge, beeilte sich, aus diesem einen Frieden werden zu lassen. So endete der„siebentägige Pandurenfeldzug“, wie der tapfere Oberstleutnant den Feldzug zu nennen pflegte. Die Burg der Stimmrechtsweiber. Die purpur=weiß-grüne Flagge weht nicht mehr über dem Gebäude des Hauptquartiers der„Women's Social und Political Union“ im Kingsway von London. Ein kleines Heer von Polizisten besetzte das ganze. Gebäude, griff 6 der Führerinnen auf und setzte die übrigen vor die Tür, worauf dann viele versiegelte Pakete mit Drucksachen und Akten mit Beschlag belegt wurden. Ausgedehnte Vorsichtsmaßregeln wurden beobachtet, um den Plan der Polizei zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Die Stimmrechtlerinnen wuxden vollständig überrumpelt, daß sie kaum wußten, was ihnen geschah, als auch schon alles vorüber war und die Polizei auf der ganzen Strecke gesiegt hatte. Gegen 11 Uhr vormittags marschierten ungefähr 50 uniformierte Beamte vor das Gebäude, und sofort schlossen sich ebensoviel Geheimpolizisten an, die sich ohne weiteres des Türhüters und Aufzugdieners bemächtigten und sich dann auf dem Fahrstuhl nach den verschiedenen Räumen fahren ließen. Ein jeder Beamter nahm seinen im voraus bestimmten Platz ein. Besonders wurde die Telephonzentrale berücksichtigt, in der ein Beamter zurückblieb, um zu verhindern, daß die Außenwelt zu früh von dem Ereignis Kenntnis erhielt. Im Gebäude wurden sofort fünf Frauen unter Arrest gestellt, und zwar: Harriet Roberta Kerr, 54 Jahre alt, die Leiterin des Hauptbureaus; Agnes Lake, kaufmännische Leiterin der Zeitschrift„The Suffragette"; Rachel Barrett und Laura Geraldine Lennox, Ham PEste ist jede Hausfrau darauf bedacht, einen wohlgelungenen, selbstgebackenen Festkuchen auf den Kaffeetisch zu bringen. Sie wird stets Ehre mit ihrem Kuchen einlegen, wenn sie dazu das echte Dr. Oetker's Backpulper„Backiu“ verwendet. (Der Name„Backin“ ist gesetzlich für Dr. Oetker's Fabeikate geschützt und darf nicht nachgemacht werden.) Dr. Detker's Festkuchen. Zutaten: 500 g Mehl, 1 Päckchen von Dr. Oetker's „Backlu“, 200 g Butter, 200 g Zucker, ein Achtel bis ¼ Liter Milch, 5 Eier, das Weiße zu Schnee geschlagen, 150 g Rosinen, 150 g Korinthen, ein halbes Päckchen von Dr. Oetker's VanilUn=Zucker, Salz nach Geschmack Zubereitung: Die Butter rühre schaumig, gib Zucker, Vanillin=Zucker, Eigelb, Milch, Mehl, dieses mit dem Backin gemischt, hinzu und zuletzt die Rosinen, Korinthen, Salz und den Eierschnee. Fülle die Masse in die gefettete Form und backe den Kuchen 1 bis 1½ Stunden. Rschast der Heche. oman von Karl Engelhardt. 151„ ggr(Nachdruck verboten.) „Apropos— werden Sie hier wohnen?" „Nein. Ich will mit jener— ersten— nicht mehr zusammen in einer Stadt sein, wenn ich wieder verheiratet bin. Ich habe in nächster Nähe des Seebades Kranz an der kurischen Nehrung ein Häuschen gemietet—“ „So— da droben?“ warf sie dazwischen. „Ja. Ich verspreche mir viel davon. Das Meer, im Winter die Einsamkeit, und selbst im Sommer nicht allzu viel Verkehr— Kranz ist nicht zu sehr besucht— das ist gerade das, was ich wünsche und brauche.“ „Das kann ich verstehen. Hätte selbst nichts dagegen einzuwenden. Aber sagen Sie mal, haben Sie kein Verlangen, in die Heimat zurückzukehren, in der Sie Ihre Jugend verlebt?“ „Doch. Aber ich will Majas halber noch einige Zeit in der Nähe ihrer Eltern bleiben. Später kehre ich sicher in meine Heimat zurück zu den seltsamen Steingebilden unserer Kiölen. Zu der wilden Einsamkeit unserer Felsentäler, in denen die Dorsche zu Tausenden hausen. Zu unseren wildromantischen zerrissenen Fjorden mit ihren unzähligen Armen, die sich verzweigen wie das Geweih eines Elches; eng und schmal, daß die Sohlen mancher dieser Aste in ewigen Schatten getaucht sind. O ja, Fräulein Karla, ich liebe meine Heimat und ichhabe sie nicht vergessen, wiewol es schon fast zehn Jahre sind, daß ich mich nicht mehr dauernd in ihr aufgehalten.“ Lächelnd sah sie zu ihm auf. „Ich sehe, Sie sind immer noch der alte Schwärmer. Aber vielleicht erklärt gerade das meine Anhänglichkeit an Sie. Denn ich muß es zu meiner Schande gestehen— Ihnen darf ich es doch wohl sagen, Sie plaudern nicht?— auch mir steckt so was Ahnliches im Blut, wenn ich es auch möglichst viel nach außen hin zu verbergen suche.“ „Das weiß ich längst.“ Vor dem Hotel, in dem Karla wohnte, wichte sie ihm die Hand. „Auf Wiedersehen bei der Hochzeit.“ „Kommen Sie auch zu mir inzwischen nicht einmal heraus?“ „Nein. Ich mache darin keine Ausnahmen.“ „Also dann in acht Tagen. Und Ihr Versprechen, uns in Bad Kranz zu besuchen, gilt? Wenn Sie es halten, nehme ich Ihnen auch einen Gesellschafter mit.“ „So—** „Jawohl. Mein Schwager Walter hat mir nämlich gleichfalls zugesagt, eine Zeitlang unser Gast zu sein, um sich zu erholen: „Um sich zu erholen?“ fragte sie rasch. „Ja. Wissen Sie nicht? Er muß seine Nerven wieder auf den Damm bringen. Er hat sich anscheinend überarbeitet. Deshalb wird er auch im nächsten Semester nicht lesen.“ „Er kommt nicht nach Berlin?“ „Wohl kaum.“ „So— so!“ tat sie gleichgültig.„Also auf Wiedersehen. Besten Dank für die Begleitung.“ „War mir doch ein Vergnügen. Auf Wiedersehen.“ IV. Erich und Maja waren Mann und Frau. Nur die Intimen der Familie Lichten waren geladen worden. Man wünschte die Hochzeit nicht zu einem Prunk= und Schaustück zu gestalten. Throndhiem durchrann ein eigenartig wohliges Gefühl bei dem Gedanken, daß das reizende Menschenkindchen an seiner Seite, das ihn vergöttert, nun sein Eigen sei, ihm für alle Zeiten sein Heim erhellen solle. Und doch blieb er ernst, und trübe Gedanken zogen ihm durch den Sinn. Er gedachte seines ersten Hochzeitstages. Gegen seinen Willen——————---.u------Toaste wurden gesprochen, Gläser klangen aneinander, Hochs verrauschten. Walter war der Tischnachbar Karlas. Aber er hatte wevig Freude. Deun de war heute unnabbarer als je. Plötzlich klopfte sie mit dem Messerrücken an ihr Sektglas. Die Gäste trauten ihren Augen und Ohren nicht, als sie sich erhob und tatsächlich zu reden begann. „Meine geehrten Herrschaften, verzeiben Sie, wenn auch ich Sie um einige Augenblicke Gehör bitte. Es scheint Ihnen vielleicht absurd, emanzipiert. Aber ich kann nicht anders. Weß das Herz voll ist, deß fließt der Mund über. Und ich weiß, daß das in einem so frei= und feinsinnigen Hause wie hier nicht falsch ausgelegt werden wird. Es haben schon so viele von den Gästen die Glückwünsche dargebracht, die sie auf dem Herzen hatten, daß auch ich es mir nicht versagen kann. Denn auch mir sind die beiden jungvermählten Eheleute lieb und wert. Ich gestehe das ganz offen von meinem früheren Lehrer, dem ich so viel in künstlerischer Hinsicht verdanke. Und ich bekenne es von seiner jugendlichen Gattin, die mir schon wenige Stunden nahe gebracht haben. In einer Zeitschrift behauptete kürzlich mein Landsmann Strindberg, daß die Sonne kein wirklicher Körper sondern nur imaginär wäre, was in unserer Phantasie bestände. Ich habe mich nun zwar von dieser Behauptung noch nicht überzeugen lassen können, aber unwillkürlich hat sie meine Gedanken auf das menschliche Leben gelenkt. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: mit der Sonne im Leben des einzelnen hätte Strindberg unleugbar Recht. So sehr sich leider die große Masse dagegen sträubt. Mit Gewalt wollen sie ihre Sonne real haben, die außer ihnen, ohne ihr Zutun ste mit ihrem Glanze bescheint. Und dennoch besteht sie doch nur in unserer Vorstellung. Ihre Stärke und die Kraft unseres Willens allein bestimmt die Größe unseres Sonnenlichtes, unseres Glückes. Und das möchte ich heute den jungen Eheleuten als meinen Glückwunsch mit auf den Weg geben. Erinnern Sie sich daran! Die Sonne, in deren Licht sich unsere Seele badet, sie ist nur imaginär. Unser eigner Wille schafft sie. Möge die Sonne Ihnen in stetigem Mittagsglanze strahlen!— Das Hoch will ich Ihnen und mir schenken.“ Fortsetzung folgt.) S 1— zwei der Herausgeberinnen der Zeitschrift, und Frau Beatriee Helen Sanders, die Finanzsekretärin des Bundes. Die übrigen Frauen, ungefähr 30 an der Zahl, wurden vorläufig in einem Raume des Gebäudes untergebracht. Dort wurden ihre Personalien aufgenommen und ihre Handtaschen nach geheimen Schriftstücken untersucht, worauf sie freigelassen wurden. Sämtliche Papiere und Schriftstücke wurden nach Scotland Yard geschafft. Als alles dies vorüber war, erschien die„Generalin“, Frau Drumond. Freundlich wurde sie von den neuen Hütern des Gebäudes in Empfang und festgenommen. Alles dies wickelte sich mit derartiger Ruhe ab, daß das Publikum den Ueberfall erst merkte, als schon alles vorüber war und die Frauen abgeführt waren. Die streitbare Gesellschaft ist so vorläufig in alle Winde zerstreut. Frau Pankhurst liegt im Genesungsheim krank im Bett, ihre tätigste Hilfe, Christabel Pankhurst, ist in der„Verbannung“ in Paris und ihre andere Tochter Silvia erholt sich gerade von den Nachwehen ih resletzten Hungerstreiks. Die sechs Verhafteten wurden im Laufe des Tages dem Polizeirichter von Bow Street vorgeführt, der sie alle in Untersuchungshaft steckte, ohne auch nur auf den Antrag einer Entlassung gegen Bürgschaft zu warten. Die„Women's Social and Political Union“ hat eine romantische Laufbahn hinter sich. Im Jahre 1903 gab Frau Pankhurst ihr Amt als Standesbeamtin in Manchester auf und widmete sich mit ihrer Tochter Christabel der Befreiung der Frauen. Zwei Jahre lang arbeiteten sie in aller Stille, und schließlich lenkten sie das Interesse des reichen Herrn Pethick Lawrence auf sich, der sich mit den Problemen der fortgeschrittenen liberalen und Arbeiterbewegung befaßte. Die erste Tat der Stimmrechtlerinnen datierte vom 13. Okt. 1905, wo Christabel Pankhurst und Annie Kenney, eine Spinnereiarbeiterin, verhaftet wurden, als sie eine Versammlung Sir Edward Greys in Manchester störten. Jetzt begann der böse Kampf. Dank der tatkräftigen geldlichen Unterstützung Pethick Lawrences entwickelte sich der Bund immer weiter, bis er schließlich die prächtigen Räume im Kingsway beziehen konnte. 1907 zeigte sich die erste Uneinigkeit in der Liga, und Frau Despard und andere, die mit dem streitbaren Vorgehen der anderen nicht einverstanden waren, bildeten die „Women's Freedom League“, und später zogen auch Lawrence und Frau ihren Beistand zurück. Zwischen 1907 und 1912 wurden Hunderte von Verhaftungen vorgenommen als Folge der zahlreichen Anschläge. Aus Stadt, Amt und Kreis. * Vandamme führt einen größeren Anschlag auf Ham aus, der für diesmal noch abgeschlagen wird. Tetten born, dem etwa 11 600 Mann und 6000 noch nicht ausgebildete, zum Teil unbewaffnete Hamburger Bürgergardisten zur Verfügung standen, hatte seine Zeit zur Befestigung der Stadt und ihrer planmäßigen Verteidigung nur wenig benutzt. So unterließ er z. B., die 320 im Admiralitätsmagazin vorhandenen Geschütze mit den nötigen Bedienungsmannschaften zu versehen. Am Abend des 8. hatte man in der Stadt recht ausgiebig den vermeintlichen Sieg von Großgörschen gefeiert und war so am 9. besonders wenig schlagfertig. Die Franzosen landeten mit Hilfe von Kähnen und Flößen auf der kleinen Insel gegenüber dem alten Harburger Schloß, das Tettenborn auch unbefestigt gelassen hatte, durchwateten den schmalen Elbarm, warfen die Vortruppen der Verbündeten zurück und folgten ihnen bis nach der„Teddel" dicht am linken Ufer der Norder=Elbe. Doch erfolgte jetzt ein Umschlag, der die annähernd 2000 Mann starken Franzosen bis an die Süder=Elbe zurückwarf. Gegen Mittag kamen 2 Kompagnien mecklenburgischer Garde von Hamburg her hier an, mit deren Hilfe die Franzosen auf ihre Kähne zurückgedrängt wurden. Da aber jetzt von jenseits ihre Artillerie den Kampf aufnahm, konnten sie in aller Ordnung abziehen. Sie führten sogar 2 erbeutete Geschütze mit davon, hatten aber 800 Mann verloren, doppelt so viel wie die Verbündeten. Zugleich damit war ein anderer Angriff in fast gleicher Stärke weiter östlich bei Bergedorf erfolgt, der aber durch die rasch herbeieilenden Reserven der Verbündeten abgeschlagen wurde. Französische Vortruppen geh en bei Dresden wieder über die Elbe. Rhein.=Westf. Haus= und Grundbesitzertag in Wattenscheid. * Für den am Sonntag, 8. Juni hier stattfindenden großen Verbandstag des Verbandes der Hausund Grundbesitzervereine im rhein.=westfäl. Kohlenrevier(Vorsitzender Justizrat Greve=Gelsenkirchen) sind nun folgende Säle bestimmt: Morgens 11 Uhr für die Vorstandssitzung und 1 Uhr für das VorstandsEssen, woran ca. 80 Vorstandsmitglieder teilnehmen werden, der Kaisersaal von Gg. Koch; nachmittags 3 Uhr für die Mitgliederversammlung(ca. 800Teilnehmer) der Ahlmann'sche Saal. Mehr Säle ließen sich leider wegen der in einem Saal abzuhaltenden Veranstaltungen nicht in Berücksichtigung ziehen, zumal die Säle im Zentrum der Stadt an der Straßenbahn liegen sollen. Die Geschäftsverteilung für die Gerichtsvollzieher am hiesigen Kgl. Amtsgericht. * Das Königl. Amtsgericht Wattenscheid hat eine Bezirks= und Geschäftsverteilung für die beiden hiesigen Gerichtsvollzieher vorgenommen. Der Bezirk für Gerichtsvollzieher A. Grießmann(Geschäftslokal: Parkstraße) umfaßt 1. Gemeinde Günnigseld, 2. Von Wattenscheid von der Hoch= und Bochumerstraße die linke Seite(Richtung WattenscheidBochum) Hammer=, Pulver=, Centrum=, Bismarck=, Moltke=, Roon=, Quer=, Günnigfelder=, Johannes=, Eli sabeth=, Sedan=, Vöde=, Schul=, Sommerdellen=, Park=, Kaiserplatz=, Vorstadt=, Moritz=, Helenen=, Freiheit=, Ost=, Rosen=, Hagen=, Beisenkamp=, Holz= und Marienstraße, für Gerichtsvollzieher B. Pfeil(Geschäftslokal Hüllerstraße) 1. Gemeinde Westenfeld, Sevinghausen und Leithe, 2. von Wattenscheid von der Hochstraße und Bochumerstraße die rechte Seite(Richtung Wattenscheid=Bochum). Nord=, West=, Hohenstein., Leithe=, Steeler=, Hermann=, Süd=, Brink=, Markt=, Lohrheide=, Holland=, Otto=, Bahnhof=, Chaussee=, Wilhelm=, Friedrich=, Wasser=, Kaiser=, Albert=, Bernard=, Karl=, Hof, Heide=, Georg=, und Hüllerstraße. Vertreter für Grießmann ist Pfeil und für Pfeil Grießmann. Diejenigen Zustellungsaufträge, bei denen der Ort der Uebergabe außerhalb des Amtsgerichtsbezirks belegen ist, sowie sämtliche Aufträge zu Zustellung durch Aufgabe zur Post werden, soweit der Namen der Personen, an die zugestellt werden soll, mit einem der Buchstaben A—M beginnt, Grießmann und die übrigen Pfeil zugeteilt. Aufgabe und Bedeutung der lokalen Presse für das kommunale Leben berichtet. Da scheint es angebracht, aus dem vorauf dem Düsseldorfer Städtekongreß, den der Stadtverordnere und Chefredakteur Dr. Hüsgen dort hielt, einige Hauptpunkte aufzufrischen. Hüsgen führte aus, o# age längst vorüber sind, wo die Gemeinde aus einigen Dagend Hausern bestand und das öffentliche Interesse der Gemeindeangehörigen sich auf das Rathaus konzentrierte, so daß ein Aushang am schwarzen Brett genügte, um die Willensmeinung hoher O brigkeit dem Pub likum kundzutun. Seit dem Aufblühen der Tagespresse ist durchweg auch der bssentliche Ausrufer pensioniert, der noch in der letzten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durch die Straßen der kleineren Städte zog und unter den Klängen seiner Schelle die behördlichen Bekanntgebungen verkündete. Heute ist die TagesGrcheg 3, Organ der behördlichen Bekanntmachungen unJeworden und wird als solches allenthalben unekunnt und benutzt. Unsere Kommunalverfassung ist auf dem Grundsatz der Selbstverwaltung aufgebaut. Aus diesem Grunde muß ein wesentliches Ziel gesunder Gemeindepolitik darin bestehen, das Interesse der schaft für die Aufgaben der Gemeindeverzu wecken, das soziale und staatsbürgerliche Fewissen der Gemeindebürger zu schärfen und das Verantwortlichkeitsgefühl des einzelnen für die Wohlfahrt der Gesamtheit lebendig erhalten und zu kraftvoller Betätigung zu steigern. Wie aver soll dieses Ziel erreicht werden, wenn die Gemeindebürger in Unkenntnis bleiben über das, was in der Gemeindeverwaltung vorgeht". Die Gemeinde=Verwaltung tritt nur ein einziges Mal in persönliche Verbindung mit dem einzelnen Gemeindemitglied, indem sie ihm im ersten Viertel des Steuerjahres den Steuerzettel überreichen läßt. Im übrigen gibt sie ihre Anordnungen in Erlassen an die große Gesamtheit kund und überläßt es dem einzelnen, sich über ihre Tätigkeit so er mag. Hier schlägt nun die Presse die unentbehrliche Brücke, und weil sie unentbehrlich ist, muß sie in den Stand gesetzt werden, über alles ausreichend Auskunft zu geben. Jede Geheimniskrämerei ihr gegenüber fällt auf die Kommunalverwaltung zurück und schädigt den kommunalen Gedanken ebenso, wie den kommunalen Fortschritt. schlachtete zuerst den 15jährigen Sohn ab, um sich dann der 40jährigen Frau zuzuwenden, deren heftiger Widerstand aber nicht imstande war, den Unmenschen an seinem Vorhaben zu hindern. So blieb ihr denn wenigstens erspart, den qualvollen Tod dreier ihrer Kinder mit anzusehen. Als Kusnetzow verhaftet wurde, fragte man ihn, was Ossinow ihm getan habe. Er antwortete:„Getan! Garnichts. Aber ich kann es nicht leiden, daß alle ihn immer loben.=Und dann, er ist reich, alle en mn Siuls“ fort. Weg mit ihnen, sie müssen aufhö. Kommune und Presse. * Aus mehreren Gemeinden werden wieder einmal nicht zeitgemäße Ansichten der Gemeindeverwaltung über Wesen, Kleine lokale Nachrichten. * Versetzt wurde Amtsgerichtsrat Vagedes von Peershagen nach Minden, der Amtsrichter Dyckhof von Meschede nach Trier. Zum Gerichtsassessor wurde ernannt Referendar Dr. Meyer im Bezirke des Oberlaudesgerichts zu Hamm. * Bei der jetzigen gewitterreichen Jahreszeit weisen wir darauf hin, daß bei Gewittern Verbindungen wegen der damit verbundenen Gefahren nicht hergestellt werden. Trotz der von der Reichspostverwaltung in den Apparaten angebrachten Blitzschutzvorrichtungen ist vie Beoienung der Fernsprechapparate in solchen Fällen unter Umständen sogar lebensgefährlich. Es kann daher dem Publikum auch nur empfohlen werden, bei Gewittern die Apparate und Leitungen nicht zu berühren. Jedenfalls ist es ganz zwecklos, in derartigen Fällen die Vermittelungsämter anzurufen, da diese angewiesen sind, den Betrieb alsdann gänzlich einzustellen. Jubiläums=Flug. * Die vereinigten Briestaubenliebhaber=Reisevereini gen von Rheinland und Westfalen hielten zu Essen eine außerordentliche Hauptversammlung ab. Man verhandelte über die Beteiligung an dem Massenauffluge von Brieftauben zur großen Parade auf dem Tempelhoferdes 25jähr. Regierungsjubiläums des Kaisers. Beschlossen wurde einstimmig, einen Jubiläumsflug am 2. Juni abzuhalten. Es wurde der Wunsch ausgedrückt, daß sämtliche angeschlossenen Reise=Vereinigungen hieran teilnehmen. Der Flug ist als MedaillenSoll Lentirrenzwettflug geplaut. Außer den zum MeJallkenweufluge zur Verfügung gestellten Staatsmedaillen beschafft die V. R.=V. 2 goldene und 6 silberne Medaillen. Ferner soll der Verband um Bereitstellung von Verbandsmedaillen zu diesem Medaillenwettfluge angegangen werden. Weitere Lokalnachrichten siehe 1. Blatt. Vermischtes. Warnung vor Frankreich. nach Paris, zieh' nicht nach Poris, Du Sohn von germanischem Blut! Dort geht dir ans Leben der Pöbel süß, Dort schlägt man vom Kopf dir den Hut. die Weiber so frech und die Kerle so rauh, Als wär's ein Apachengeschlecht: Gleich wirst du beschimpft und verfolgt mit Radau— So wird dort das Elsaß gerächt! Vom Luftschiff, wie winken die Städte so hell! Doch sie bersten vom ewigen Groll, Und landest du, kommt dir manch übler Gesell Aufs Schiff, zerstört es wie toll. Und in Nancy, da haut man dich ganz ohne Grund, Und hat man dich lächeln gesehn, Gleich schreit man:„Er höhnt uns, der deutsche Hund!“ Und glaub mir: Damn ist es gescheh'n! Dich vermöbelt der Mob, und sie spucken und schrein, Entsetzen saßt dich und Graus. nur immer:„Zum Rhein, zum Rhein! O wär' ich erst wieder zu Haus!“ (Aus dem„Klanderadatscht.) Ein furchtbarer Massenmord. Aus Petersburg schreibt man: Ein schrecklicher Massenmord, der sich in Archangelsk zugetragen hat, ist wohl am ehesten dazu angetan, die hier herrschenden Rückstände zu charakterisieren und der auch beweist, wie glühend der Haß der besitzlosen Klasse gegen die Wohlhabenden in Rußland ist. Ein reicher Bauer, namens Ossinow, der sich in die Kirche begeben hatte, fand bei seiner Rückkehr nach Hause ein entsetzliches Blutbad vor. Ein anderer Bauer, Kusnetzow hatte seine Abwesenheit dazu benutzt, um seine ganze Familie zu ermorden. Von der zahlreichen Familie blieb nur der 1jährige Michael am Leben, seine 8jährige Tochter Anna konnte nicht mehr gerettet werden, obwohl sie bei der Heimkehr des Vaters noch imstande war, sterbend den Namen des Mörders zu nennen, und von den einzelnen schrecktichen Ereignissen zu berichten. Nach ihren Angaben war der Mörder ganz unvermutet in das Zimmer eingedrungen und hatte hinter sich die Tür abgeriegelt. Als er sein Messer hervorzog, hatte er für das herzbrechende Schluchzen der Frau und Kinder nur ein Grinsen übrig. Er Epi u... Essad. Eist mut Halbpart ohne Zögern Macht er mit den Montenegern. Dann als Freund von gute Späß' Haut er Dschawid auf's Gesäß. Was der Liebling von Albanien Morgen schiebt, ist kaum zu ahnien. Morgen macht ein Bündnis jener Heimlich mit der Italiener. Wird die Sache zu gemischt, Wahrt er sich— und weiß von nischt, Fühlt er sich als angestammter Treuer türkischer Beamter. Nächstens auf dem letzten Loche Pfeift der dunkle Diadoche; Macht nix. Wenn die Pleite voll is, Trinkt er mit Herrn Berchtold Schmollis. Sieh bloß, wie er vielgestaltet Sich entpuppert, sich entfaltet. Eine Nummer. Eine Pflanze. Essad=Kassad geht auf's Ganze. Peter im„Tag“. Die Wirkung des Kaffees auf die Stimmung der Menschen. Der Kaffee hat mindestens so viel Feinde wie der Alkohol. Es gibt Gegner des Kaffees, die fest davon überzeugt sind, daß der Kaffee der Gesundheit außerordentlich viel schadet. Die Wirkungen des Kaffees sind sehr verschieden beurteilt worden. Manche Aerzte behaupten, daß er die Verdauung z. B. beschleunige, andere meinen wieder, daß er hindernd dafür eintritt. Sicher ist es, daß der Kaffe ein Reizmittel für das Zentralnervensystem ist, und daß er, in starker Menge genommen, den Schlaf vermindert oder völlig nimmt. In mäßigen Mengen genossen schadet er dem Nervensystem nicht, im Gegenteil, er wird zuweilen als Arzneimittel für das Hirn angewandt werden. Uebermäßig stark und übermäßig viel getrunken, kann er Wirkungen hervorbringen, wie jedes andere Gift auch, er bewirkt Muskelkrämpfe, Magenschmerzen, Störungen i mDarm und in der Herztätigkeit. In seiner Wirkung auf die Stimmung des Menschen, soll er anregend und erheiternd sein, er soll die Zunge lösen und die Sprechmuskeln besonders anfeuern. Die Klatschsucht gewisser Frauen bei einem Täßchen Kaffee scheint also auf die Wirkung der dunkeln Bohnen und nicht auf die Boshaftigkeit der Damen selbst zurückzuführen sein, und man wird in Zukunft, will man sich vor übler Nachrede in gewissen Kreisen schützen, den Genuß des Kaffees untersagen müssen. Außerdem soll er die Fähigkeit haben, die Lachmuskeln rascher in Bewegung zu setzen, als der Alkohol. Jede Hausfrau, die Gäste bei sich sieht, sei also möglichst darauf bedacht, ihren Gästen mindestens eine Tasse Kaffe vorzusetzen, will sie eine gemütliche und lustige Stimmung in ihren Räumen haben. Soviel Feinde der Kaffe hat, soviel Anhänger besitzt er mindestens. Selbst unter scheinbar leidenschaftslosen Naturen besitzt er leiden aftliche Anhänger. Menschen, die wissen, daß der Genuß des Kaffees ihnen schaden muß, lassen nicht davon ab, ihn zu trinken, wenn sie sich ihn auch reichlich verdünnen müssen. Murger war ein leidenschaftlicher Kaffetrinker. Er brachte es bis auf 20 Tassen täglich, er trank ihn schwarz und bitter. Der Genuß dieser großen Mengen von Kaffe soll auch die mittelbare Folge seines Todes gewesen sein. Auch heute noch findet der Kaffe große Anhänger unter den Großen des Landes. Unter Kollegen. Zwei Maler unterhalten sich über ihren Kollegen Z...., einen Kunstmaler, der kaum noch einen ganzen Rock auf dem Leibe hat.„Man darf es ihm nicht übel nehmen,“ sagt der eine,„er ist so schrecklich arm.—„Arm kann man schon sein,“ erwiderte der andere,„aber man darf nicht damit protzen. Enttäuscht! Onkel Georg:„Ich habe deinen Artikel durchgelesen und muß sagen, er zeigt viel O riginalität.“— Arthur:„Danke, das freut mich.“ Ich schmeichele mir auch, daß einige gute Gedanken darin wären.“— Onkel Georg:„O, ich rede nicht von dem Inhalt, sondern von der Orthographie!“ In der Ausstellung der Künstlerinnen.„Wie kann ihre Freundin für ihre Bilder nur so schreiende Farben wählen?“ —„Ja, wissen Sie denn nicht, daß sie taub ist?“— Im Restaurant. Gast:„Bringen Sie mir etwas Illustriertes, Kellner!“— Kellner:„Zu dienen; ein Brötchen, eine Gurke oder eine Zeitung?“ „Eines schickt sich nicht für Alle!“ Manche Hausfrau glaubt, daß die überall bekannten und beliebten Maggi's Suppen alle auf gleiche Weise gekocht werden könnten. Das trifft jedoch nicht zu. Die Zubereitung von Maggi's Suppen ist zwar sehr einfach, aber für jede der 48 Sorten natürlich nicht die gleiche. Es sind nur Kleinigkeiten(längere oder kürzere Kochzeit, mehr oder weniger Wasser, usw.), dabei besonders zu beachten. Dann aber schmecken Maggi's Suppen auch wirklich ganz vorzüglich. Sie ermöglichen der Hausfrau billig, schnell und gut zu kochen. Gesichtsausschläge und Sommersprossen. Als ein gutes Mittel wird neuerdings Obermeyer's Medizinal Herba=Seife empfohlen, deren Schaum man über Nacht auf der Haut haften läßt. Die damit bis jetzt erzielten Erfolge sollen überraschend sein. Medizinal Herba=Seife ist in allen Apotheken, Drogerien und Parfümerien à Stück Mk. 0.50 und 1.— zu haben. Glänzende Erfolge auch im Jahre 1913 haben die Wettgeher= und Läufer der großen Konkurrenzen Berlin=Treptow, Charlottenburg, Fürstenwalde, Magdeburg, Düsseldorf, Hannover u. a. m. errungen, die auch in diesem Jahre Continental=Absätze trugen. Es ist ja gar keine Frage, daß das Tragen der Absätze Continental von günstigstem Einfluß ist, da anerkanntermaßen die Geh=Leistungsfähigkeit bedeutend erhöht und infolge des elastisch=weichen Ganges eine große Schonung von Körper und Nerven erzielt wird. Außerdem sind die Continental=Absätze zweckmäßiger als Lederabsätze, schon wegen der enormen Haltbarkeit der ersteren. Es ist wohl nicht zu kühn, zu behaupten, daß der Continental=Absatz eine Notwendigkeit darstellt für Jedermann.