Nr. 52. (1. Blatt.) Dienstag, den 4. März 1913. 45. Jahrgaug. gegründet 1800 4 6 * gegrunder 1905(Rossofte Wachuächtes (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden speziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Ueckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, 0 800 990000 80 0000000 000000000 00000 0000 00000 : Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet; : inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet: : 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche# : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).: 900000000000 0r 00m 00 20000m 000 0 (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, bevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts: 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin=; ; zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach: Erhalt der Rechnung. Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto.: Köln 8566. Die nine BiltoriaTuisenhaue in Günnigseir! #" 55 Oorderonzscht * Die Bestrebungen der Jugendpflege, d. h. die körperliche Ausbildung der Jugend, wie die Pflege des Sports findet auch in unserer Gemeinde warme und opferwillige Unterstützung und Förderung. Das beweist wieder die in der letzten Sitzung des Gemeinderats beschlossene Errichtung einer Jugendhalle, von der wir vorstehend zwei Ansichten im Bilde vorführen. Der Plan des architektonisch hervorragenden Gebäudes wurde von Amtsbaumeister Schumacher ausgearbeitet, der es verstanden hat, neben einer praktischen Einrichtung dem Gebäude eine gefällige Ansicht zu geben. Wie schon mitgeteilt, wird die Jugendhalle in der Marktstraße errichtet werden, auf einem 28 ar großen Platze, der von der Kruppschen Verwaltung der Zechen Hannover u. Hannibal in opferwilliger Weise unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde. Die Gesamtkosten des Baues, der nicht nur eine Turnhalle, sondern auch eine Brausebad=Anlage u. einen Feuerwehrgeräteraum enthält, beziffert sich auf 40000 M. Anlaß zur Errichtung der Jugendhalle gab das in diesem Jahre stattfindende 25jährige Regierungsjubiläum des Kaisers und die 100jährige Wiederkehr der Erhebung Preußens. Sie erhielt den Namen„Viktoria Luisenhalle". Nachstehend geben wir noch eine Beschreibung der Inneneinrichtung des Gebäudes, das unzweifelhaft eine Zierde unserer Gemeinde bilden wirb. Das Gebäude enthält als Hauptraum die Turnhalle; daran anschließend liegen die Bühne u. der Versammlungsraum, sowie die Lehrerzimmer. Unter den letztgenannten Räumen befindet sich der Geräteraum. Der rechte Anbau enthält ein Brausebad und einen Ankleideraum sowie drei Wannenbäder. Darunter befindet sich der Heizraum und die Warmwasserbereitung. Der nach der Straße vorspringende Flügel enthält einen Feuerwehrgeräteraum und darüber eine Wohnung für den Kastellan. Wetteraussichten. Wetter für Mittwoch. Veränderlich, zunehmende Bewölkung, bölg. Aus Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 4. März 1913. Sitzung des Presbyteriums. * In der letzten Sitzung des Presbvteriums, die von Pfarrer Engelbert geleitet wurde und die im Gemeindehause stattfand, standen folgende Punkte auf der Tagesordnung: Die Feststellung des Etats wurde nach eingehender Beratung der Vorlage gemäß vorgenommen. Die Beschlußfassung über die Einfriedigung des Krankenhausgrundstückes und der Höntroper Kirche wurde vertagt. Unter Verschiedenes wurden noch interne. Angelegenheiten beraten. Höhere Mädchenschule. * Für die an unserm Lyzeum zu Ostern neugegründete Stelle einer Zeichenlehrerin ist in der letzten Sitzung des Kuratoriums einstimmig Fräulein A. Wallraven, Tochter des Stadtbaumeisters Wallraven, welche im Juli 1912 in Düsseldorf die Prüsung für Zeichenlehrerinnen bestanden hat und schon seit dem 1. Okt. aushilfsweise an der Anstalt tätig war, gewählt worden. Generalversammlung des Vaterländischen Frauenvereins. ** Unter dem Vorsitze von Frau Bürgermeister Wibberding traten die Vorstandsmitglieder des hiesigen Vaterländischen Frauenvereins gestern nachmittag 5 Uhr im großen Rathaussaale zu der jährlichen Generalversammlung zusammen, um einen Rückblick zu werfen auf die Arbeiten des verflossenen Jahres und Ausschau zu halten über die weitere Gestaltung der für unsere Kranken und Armen so sehr bedeutungsvollen Vereinstätigkeit. Erschienen waren 15 Damen des Vorstandes, ferner als Vertreter der Stadt Bürgermeister Wibberding, die Mitglieder des Stadtverordnetenkollegiums Dr. Beckhaus, Blome, Sanitätsrat Dr. Vonnin, Dyckerhoff und Küpper, ferner Rektor Förster und der Kassenführer des Vereins Schröder. Die Vorsitzende begrüßte zunächst die erschienenen Damen und Herren und teilte mit, daß die bisherige Vorsitzende, Frau Bauunternehmer Ecke, durch die Verleihung des roten Kreuzes 2. Klasse ausgezeichnet worden sei. Sie habe Frau Ecke im Namen des Vereins die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck gebracht, worauf ein ebenso herzliches Dankschreiben eingegangen sei. Frau Bürgermeister Wibberding nahm dann Veranlassung, Frau Ecke nochmals für die um den Verein erworbenen Verdienste Dank abzustatten. Die Schriftführerin, Jau Professor Hall brachte nunmehr das Protokoll der letzten Sitzung vom 2. Dezember zur Verlesung und erstattete dann den Jahresbericht, der in großen Zügen ein Bild von der umfassenden und erfolgreichen Liebestätigkeit des Vereins bot. Wir entnehmen dem Bericht folgendes: Der Verein zählte im verflossenen Jahre 1265 Mitglieder. Die Haupttätigkeit des Vereins bestand wieder in der Säuglings= und Wöchnerinnenfürsorge, in der Entsendung von kranken und schwachen Kindern in Solbäder, in Milchabgabe an Kinder, Ferienspielen usw. 100 Kinder wurden im verflossenen Jahre auf Kosten des Vereins der Wohltat einer längeren Badekur zuteil. Für die genannten Zwecke wurden erhebliche Summen verausgabt, die aus der untenstehenden Abrechnung ersichtlich sind. Ein Dienstmädchen wurde für treue Dienste prämiiert. Im Anschluß hieran legte der Kassenführer Schröder den Kassenbericht vor. Näheres ergibt die nachstehende Uebersicht: Einnahme vom 1. Januar bis 31. Dezember 1912. 1. Bestand am 1. Januar 1912......... 2397,97 Mk. 2. Zinsen für 1911............... 2.11„ 3. Zuschuß der Stadt Wattenscheid........ 750,00„ 4. An Mitgliederbeiträgen bis 1. Juli 1912.... 747,00 g 5.„ Mitgliederbeitrügen............ 518,00„ 6. Aus dem Kinderheilstättenkonto........ 226,80„ 7„ 2 Fonds zur Bekämpfung der Säuglings= sterblichkeit................“. 113,15„ 8. Aus 2 Bazarkonto.............. 225,25„ 9. Von Rettor Dolle in Sühneangelegenheiten... 13.00„ Summa der Einnahme 4992,78„ Ausgabe vom 1. Januar bis 31. Dezember 1912. 1. Für Milch an Säuglinge und Wöchnerinnen 2.„„„ alte und Frau': Laut3. 4. 5. 6 alte und kranke Leute „ Unterstützungen in Naturalien etc. 742,94 Mk. 392,69„ 153,61"„ 50,00„ 10,75„ Wöchnerinnenpflege in 4 Fällen „ Verwaltungskosten(Bücher u. hesten der Beläge) Für Lieferung und Verabrcichung der Milch an die Kinder und Beaufsichtigung derselben während der Ferienspiele..... T.;. 437/44 7. Für Badekuren einschließlich Fahrkosten in Werl und Saßendorf..... 1060,00 8. Für Badekuren einschließlich Fahrkosten in Raffelberg 542,05 9„ Milch an Säuglinge uud Wöchnerinnen.. 473,76 10. 25% der eingegangenen Mitgliederbeiträge an den Hauptverein in Gelsenkirchen......... 318,85 11. Für Unterstützungen in Naturalien...... 52,15 12.„ Diverseausgaben............ 128.76 Summa der Ausgabe 4358,01 Es ist ein Bestand von 2115,02 vorhanden. Auf Vorschlag der Vorsitzenden wurde die Kasse von Rektor Förster und Kaufmann Dyckerhoff geprüft. Die Vorsitzende gab inzwischen noch einige Erläuterungen zu dem Kassenbericht und teilte u. a. mit, daß die Kassenverhältnisse sich inzwischen erheblich günstiger gestaltet hätten durch den Eingang mehrerer größerer Summen, so durch eine Zuwendung seitens des Kreises in Höhe von 1200 M, seitens der Stadt in Höhe von 500 M, durch den Reingewinn des Germaniakonzerts von 735— etc. Die beiden ersten Summen seien allerdings für die Einrichtung einer Säuglingsfürsorge= und Mutterberatungsstelle bestimmt. Allen Gebern sagte die Vorsitzende herzlichen Dank. Auch die Mitglie ehören endosiltig derzahl dürfte in diesem Jahre eine größere werden, da s 9oren, endhutng schon bis jetzt 1186 Mitgliedskarten abgesetzt wurden. Hierauf wurde nach Richtigbefund der Kasse Entlastung erteilt. Bekanntlich hat die frühere langjährige Kassiererin, Frau Groß=Albenhausen mit dem 1. Januar d. J. ihr Amt wegen Ueberbürdung niedergelegt. Um die Ausgaben des Vereins besser regulieren zu können, wurde für dieses Jahr ein Haushaltsplan ausgearbeitet, der von Bürgermeister Wibberding verlesen und erläutert wurde. Nach diesem Haushaltsplan ist eine Einnahme von 6390 M zu erwarten, die sich aus folgenden Hauptpositionen zusammensetzt: 1360 M an Mitgliederbeiträgen, 1175 A Zuwendungen des Kreises für Säuglingsfürsorge, 750 J Zuwendung der Stadt 885 M sonstige Einnahmen, 104 J Zinsen. Die Ausgaben weisen folgende Posten auf: für Badekuren 1700 M, Säuglingsfürsorge 1785 J, Ferienspiele und Milchkuren 200 M, 25% der Mitgliederbeiträge an den Hauptverein 340 Mark, Unterstützung durch Lebensmittel 265 J, sonstige Ausgaben 40 M, zusammen 4330 M, so daß noch 2060 A für die beschlossene Einrichtung einer Mutterberatungsstelle verbleibt. Nachdem die Versammlung diesem Haushaltsplan zugestimmt hatte, erklärte die Vorsitzende noch, daß wegen der Mutterberatungsstelle Verhandlungen mit den hies. Aerzten und der Oberin der Schwestern vom Roten Kreuz in Gelsenkirchen stattgefunden haben zwecks Gewinnung eines Arztes und einer Schwester für diese Einrichtung. Man hofft, mit dem 1. April d. J. die Mutterberatungsstelle ins Leben rufen zu können. Es dürfte hierfür ein geeigneter Raum in der Gertrudisschule zur Verfügung gestelle werden. Sanitätsrat Dr. Bonnin berichtete hierauf über die Benutzung der Krankengeräteniederlage. Es haben 88 Verleihungen stattgefunden, davon 8 im Amt Wattenscheid. Die Geräte waren im ganzen 258 Wochen ausgeliehen. Die Einnahmen bezifferten sich einschließlich eines Zuschusses seitens des Hauptvereins von 200 M auf 316,30 ck, die Ausgaben auf 116,95 M. Es ist jetzt ein Bestand von 2151,37 M vorhanden. Wie der Referent am Schlusse seiner Ausführungen hervorhob, ist eine stärkere Benutzung der Geräte wünschenswert und im Allgemeininteresse nur zu empfehlen. Die Verhandlungen über die Veranstaltung eines Samariterinnenkursus in unserer Stadt sind, wie die Vorsitzende mit, teilt, noch nicht zu einem positiven Resultat gelangt. Das kath. Krankenhaus hat abgelehnt, während sich das ev. Krankenhaus bereit erklärt hat, einen solchen Kursus zu übernehmen. Dr. Beckhaus, der Chefarzt des ev. Krankenhauses, führte hierzu aus, daß die Abhaltung des Kursus kaum vor der 2. Hälfte dieses Jahres stattfinden könne, da zunächst noch eine “; hierzu besonders geeignete Schwester engagiert werden müsse. Bei diesem Punkte konnte die Vorsitzende die erfreuliche Mitteilung machen, daß sich bei einer Rundfrage in unserer Stadt 295 Familien bereit erklärt haben, im Falle eines Krieges 417 Verwundete in Pflege zu nehmen. Auch für das im Kriegsfalle hier zu errichtende Lazarett sind genügende Pflegerinnen vorhanden. Der zuständige Festungskommandeur in Wesel ist hiervon benachrichtigt worden. Hiermit war die arbeitsreiche Tagung erschöpft, und die Vorsitzende schloß die Sitzung mit Worten des Dankens.— In der anschließenden Sitzung des engeren Vorstandes wurde, wie wir die Einführung einer Mutterberatungsstelle zum 1. April beschlossen. Als Arzt hierfür werden die hiesigen Aerzte der Reihe nach für eine bestimmte Zeit fungieren, und zwar nach dem Alter. Näheres über die ####, im Interesse der Säuglingsfürsorge sehr zu begrüßende Neneinrichtung werden wir in der morgigen Nr. berichten. Der Wanner Hafen und Stadt und Amt Wattenscheid. * Die Kosten für den Hafen bei Wanne nebst Hafenbahn sind auf 2000000 Mk. veranschlagt. Der Land kreis Gelsenkirchen hat einen Beitrag von 1 260 000 Mk. übernommen. Diese soll durch eine Anleihe dadurch auf gebracht werden, daß jährlich ein Schatz von 55 000 M. aus Kreisabgaben angesammelt wird. Am 17. März1911 beschloß der Kreistag, daß Stadt und Amt Wattenscheid für die Ansammlung nicht in Anspruch genommen werden sollen, daß die Kanalhafenbahn nur bis Bochum geführt werden sollte, so daß die Strecke Wanne=Wattenscheid ausschied. Der Beschluß war auf Grund des § 10 des Gesetzes vom 23. April 1906 gefaßt worden: Handelt es sich um Veranstaltungen des Kreises, die ausschließlich einzelnen Kreisteilen zustatten kommen, so kann der Kreistag deren ausschließliche Belastung beschließen. Dagegen wendete sich Röhlinghausen an den Bezirksausschuß, der das bestätigte. Die Beschwerde hat der Provinzialrat zurückgewiesen. Die Gemeinde hatte sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie, wenn die Aemter Wanne und Eickel allein die 55000 Mk. jährlich aufbringen sollten und die Stadt Wattenscheid und die Gemeinden des Amtes Wattenscheid ausschieden, eine zu erhebliche Belastung erfahre; sie habe von dem Unternehmen nicht Vorteile in dem angenommenen Umfange. Sie erhob auch Klage, als sie für 1911 mit einem Beitrage von 6365 Mk. herangezogen wurde. Es sei zu prüfen, ob der Kreistagsbeschluß vom 17. März 1911 überhaupt eine geeignete Grundlage für die Veranlagung zu den Kosten des Unternehmens bilde. Das müsse bestritten werden. Wenn der Kreistag eine Mehr= oder Minderbelastung einzelner Kreisteile beschließe, so habe er gleichzeitig zu bestimmen, in welchem Umfange eine Mehroder Minderbelastung die einzelnen Kreisteile treffen Dieser Beitrag müsse genau beziffert sein. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab. Das hat der 2. Senat des Oberverwaltungsgerichts bestätigt. Allerdings gibt der Kreistagsbeschluß vom 17. März 1911 zu Zweifeln Anlaß. Seine unbestimmte Fassung, daß die südlichen Kreisteile von der Aufbringung jenes Schatzes entbunden sein sollen, bildet allein nicht eine Grundlage für die ausschließliche Belastung der nördlichen Kreisteile. Der Beschluß enthält aber eine Bestimmung, in der eine bestimmte Vorschrift bezüglich der fortan zu erfolgenden Aufbringung des Schatzes gefunden werden könne. Die Zweifel, die noch möglich seien, werden dadurch beseitigt, daß der Haushalt des Kreises den Betrag, der angesammelt wird, erwähnt und dabei bemerkt, daß für ihn ausschließlich die nördlichen Kreisteile aufzukommen haben. Wird diese Bestimmung zur Auslegung des Kreistagsbeschlusses herangezogen, so ergibt sich das Maß, das an Kreisabgaben im einzelnen entrichtet werden soll. Theater=Abend Gemeinwohl. * Der am Sonntag von der Theatergesellschaft„Gemeinwohl“ in der Kronenburg veranstaltete Theaterabend hatte sich eines besetzten Hauses zu erfreuen, da einmal der Besuch ein überaus starker wor und andererseits die zur Aufführung gelangende Posse Berliner Kinder rauschenden Beifall erntete. Der urkomische Inhalt des Stückes in Verbindung mit der ausgezeichneten humoristischen Darstellung verfehlte nicht die Wirkung auf das Publikum. Lachsalve auf Lachsalve erschütterte den Saal, sodaß die Erschienenen wohl lange nicht einen solch vergnügten und lustigen Abend verlebt haben. Die Inszenierung des Stückes erfolgte durch den Regisseur des Vereins Th. Krengel, der seine Aufgabe brillant gelöst hat. Von den Mitwirkenden verdienen ganz besonderes Lob Fritz Mees=Westenfe=d als Lehrling Wilhelm, Elise Löffler von hier als Tochter des Böttchermeisters Fatmann, Franziska, Umlauf=Ueckendorf als Kusine des Fatzmann und Carl Mees=Westenfeld als Grützmacher. Mit Rücksicht auf den großen Anklang den die Posse gesunden hat und auf allgemeinen Wunsch wird eine Wiederholung des Stückes erfolgen. Die Löhne der Bergarbeiter. * Das Königliche Oberbergamt Dortmund veröffentlicht jetzt die Statistik über die Bergarbeiterlöhne im Ruhrrevier für das Jahr 1912. Die Berechnung des Jahresdurchschnittslohnes ergibt für die Gesamtbelegschaft 5,03 K, im Vorjahre 4,69 M, für die Hauerschicht 6,02 K(5,55 M). Im Vergleich zum Vorjahre ist eine Steigerung eingetreten bei der Gesamtbelegschaft um 34§ und den Hauern um 47 Im Jahre 1909 betrug der Schichtverdienst bei der Gesamtbelegschaft 4,49 M, der Jahresverdienst 1350 M, bei den Hauern der Schichtverdienst 5,33 M und der Jahresverdienst 1556 M. Im Jahre 1910 stellten sich die entsprechenden Zahlen auf 4,54 M, 1382 M, 5,37 M, 1589 K, 1911 auf 4,69 K, 1456 M, 5,55 J, 1666 M, 1912 auf 5,50 M, 1586 J, 6,02 J, 1858 M. Seit 1909 ist demnach bei der Gesamtbelegschaft der Schichtverdienst um 54 J, der Jahresverdienst um 236 M gestiegen; bei den Hauern der Schichtverdienst um 69 J, der Jahresverdienst um 302 M. Im Vergleich zu dem 1907 gezahlten, bisheeigen Höchstlohn 4,87 f je Schicht der(Gesamtbelegschaft) ist eine Steigerung um 16 J zu verzeichnen. Das Jahreseinkommen eines Arbeiters der Gesamtbelegschaft stellte sich 1912 mit 1586 M 24 M höher als 1907 mit 1562 J. Die Gesamtsumme der 1912 gezahlten Löhne betrug 570059 Mill. A gegen 492095 Mill. A im Jahre 1911. Von den einzelnen Arbeitern wurden 315(308) Schichten verfahren. Handwerkerauszeichnung. * Im oberen Saale des Centralhofes Kesten (Theißen) fand gestern abend eine feierliche Sitzung unserer Handwerker aus Stadt und Amt statt. Die Handwerkskammer Dortmund hatte dem Obergesellen Franz Schulte, der 30 Jahre ununterbrochen bei Schneidermeister Hr. Steins(Burbank Nachf.) beschäftigt ist, und dem Polier Carl Steinbach, der 25 Jahre ohne Unterbrechung bei der Firma Wilhelm Ecke arbeitet, auszeichnungweise künstlerisch ausgearbeitete Ehrendiplome zuerkannt. Letztere wurden gestern abend den beiden Jubilaren vom Obermeister Hr. Breul als Vorsitzenden des Innungsausschusses mit einer herzlichen, erhebenden Ansprache im Kreise der gesamten Meister aus Stadt und Land überreicht. Auch wir schließen uns den Glückwünschen der Bürgerschaft an. Neuer israelitischer Jugendverein. * Unter dem Namen„Vereinigung Harmonie“ Wattensscheid hat sich hierselbst vor kurzem ein israelitischer Jugendverein gebildet. Der Vorstand besteht aus folgenden Mitgliedern: A. Katz, 1. Vors.; W. Sommer, Kassierer; Leo Bloemendal, Schriftführer. Dem Verein ist bereits eine stattliche Zahl von Mitgliedern beigetreten. Sachsen- und Thüringer=Verein. * Der Sachsen= und Thüringerverein veranstaltete am Sonntag nachmittag in seinem Vereinslokal Hrch. Voortmann einen Familienabend, verbunden mit Kaffeetrinken. Der Vorsitzende Föllmer hieß die Erschienenen herzlich willkommen und schloß mit einem 3 fachen Hoch auf die Damen. Die hübsch arrangierte Feier nahm eine überaus gemütlichen und angereg'en Verlauf. Ev. Knappenverein. * Der ev. Knappenverein hatte Sonntag im Restaurant W. Recke seine monatliche Versammlung, die vom 1. Vorsitzenden Gustav Hermann eröffnet und geleitet wurde. Der Verein beschloß, sich an dem aus Anlaß der Jahrhundertfeier stattfindenden gemeinschaftlichen Kirchgang zu beteiligen. Der Antrag auf Erhöhung des Sterbegeldes wurde bis zur Generalversammlung im April vertagt. Nach Aufnahme von zwei neuen Mitgliedern und Erledigung einiger interner Sachen wurde die Versammlung, welche sehr gut besucht war, geschlossen.„„ Krieger=Verein Kaiser Wilhelm. * Unter dem Vorsitze des Betriebsführers Kickert fand Sonntag nachmittag im Kaisersaal eine Versammlung des Kriegervereins Kaiser Wilhelm statt. Nach Erledigung der üblichen Tagesordnung wurde beschlossen, 15 Mk. für einen Veteranenfonds zu stiften. Der Vorsitzende bat um recht zahlreiche Beteiligung an der am nächsten Sonntag stattfindenden Feier des Kriegerverbandes und verbreitete sich im Anschluß hieran über die Erhebung Preußens vor 100 Jahren. Der 2.Vorsitzende Fuchs ergänzte die Ausführungen noch durch die Wiedergabe von interessanten Einzelheiten aus den Befreiungskriegen. Verbandstag der deutschen Brieftauben=Liebhaber=Vereine. Der unter dem Protektorat des Kaisers stehende Verband deutscher Brieftauben=Liebhaber=Vereine hielt am Sonntag in Bochum seinen 29. Verbandstag ab. Zur Hauptversammlung, an der als Vertreter des Kriegsministeriums Wölsche=Berlin teilnahm, waren gegen 2000 Besucher aus allen Teilen Deutschlands erschienen. Nach Absendung eines Huldigungstelegrammes an den Kaiser und eines weiteren Drahtgrußes an den am Erscheinen verhinderten 1. Präsidenten des Verbandes Grasen von Alten=Linsingen wurde in die Tagesordnung eingetreten. Der 2. Vorsitzende Troullier=Essen begrüßte die Delegierten und Gäste. Generalsekretär Dördelmann=Hannover erstattete den Geschäftsbericht. Am 1. Januar 1912 gehörten dem Verbande 1432 Vereine an, wozu noch 92 Vereine des bayrischen Verbandes treten. Im Laufe des Jahres 1912 kamen 125 Vereine neu hinzu, Während 36 Vereine infolge Auflösung oder Verschmelzung eingingen. Der bayrische Verband steigerte die Zahl der ihm angeschlossenen Vereine von 92 auf 102. Am Schlusse des Jahres zählte der Verband 1521 Vereine, die auf den bayrischen Zweigverein entfallen mit zusammen 18 255 Mitgliedern, die über 361 623 Tauben verfügen. Die größte Zunahme hate mit 29 Vereinen die Provinz Westfalen; die Rheinprovinz ist an der Zunahme mit 8 Vereinen beteiligt. Um die Prämien für das Abschießen von Raubvögeln bewarben sich 269 Schützen. Im ganzen wurden 4012 Paar Fänge eingeliefert, hauptsächlich von Wanderfalken, Hühnerhabichten und Sperberweibchen. Der Bericht stellt fest, daß ein Rückgang in der Zahl von Raubvögeln in Ostpreußen und Schlesien. Das Verbandsvermögen ist von 77 522,94 Mk. auf 91 161,18Mk. gestiegen. Das Kriegsministerium hat auch für das neue Geschäftsjahr wieder eine Raubvögel=Abschußprämie von 2500 Mk. bewilligt. Vom Verbande aus sollen ebenso wie im Vorjahre 1000 Mk. hinzukommen, sodaß für den Zweck inisgesamt 3500 Mk. zur Verfügung sind. In den weiteren Verhandlungen stimmte man einem Antrag zu, der eine genauere Kontrolle bei Wettbewerben um die Goldenen Staatsmedaillen ermöglicht. Vom Verein„Kolumbia"=Bochum wurde beantragt, auf künftigen Ausstellungen den schon bestehenden Klassen noch 2 Sieger klassen anzugliedern, um die Möglichkeit zu haben, neben der Rasseneinheit und=Schönheit auch die bewiesene Flugtüchtigkeit zu prämiieren. Die Kaiser=Medaille soll dann für diese Siegerklassen vorbehalten sein. In die 1. Klasse würden Tauben hineingehören, die bereits für Flüge von 600 Klm. und mehr ausgezeichnet sind, und in die 2. Klasse solche Tauben, die mindestens 400 Klm. mit Auszeichnung zurückgelegt haben. Die weitere Verfolgung dieses Antrages wurde der Präsidialkommission überlassen. Die nächste Verbandsversammlung im Jahre 1914 soll in Hamburg abgehalten werden. Ein schamloser Mensch. * Der Arbeiter H. B. aus Westenfeld benahm sich am Sonntag und Montag auf der Kaiser= und Bernardstraße Frauen gegenüber in nicht wiederzugebender schamloser Weise. Die benachrichtigte Polizei machte dem Treiben ein Ende und stellte den Namen des Uebeltäters fest. Von einer Verhaftung wurde nur deshalb Abstand genommen, weil B. eine feste Wohnung hat. Kleine lokale Nachrichten. * Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse muß mit Vorlegung der Lose der 2. Klasse bei Verlust des Anrechts bis zum 7. März 1913 bei den zuständigen Einnehmern planmäßig geschehen. * Der Stenographenverein Stolze=Schrey hat morgen abend 8,30 Uhr im Restaurant C. Hagedorn seine Monatsversammlung. * In der Fortbildungsschule wurde gestern der bei Wilh. Ecke beschäftigte Maurerlehrling Joh. Dürmann von hier für die beste Leistung in der 1. Abteilung(Lehrer Janßen) durch eine besondere Auszeichnung erfreut. * Samstag abend wurde auf der Strecke WanneUnser Fritz der Bergmann Ludwig Gernand aus Wattenscheid vom Personenzug erfaßt und überfahren. es. wurde nach dem ev. Krankenhaus in Gelsenkirchen verführt. Dort ist er in der vergangenen Nacht noch an den erlittenen Verletzungen gestorben. G. war nicht verheiratet. * In der heutigen Nummer bringen wir nochmals die Tabelle über die Auszahlung der Knanp= schaftsrenten, da bei der gestrigen Veröffenili chung ein Irrtum unterlaufen war. Freigegebene Leiche. * Westenfeld, 4. März. Der im Grubenbetried tot aufgefundene Maschinenwärter Josef Buske, Karlstraße 2 hierselbst wohnhaft, ist heute morgen felerlich auf dem kath. Kirchhof in Wattenscheid durch PropstDechant Hausmann beigesetzt worden. Die Teilnahme am letzten Ehrengange des beliebten Entschlafenen war eine allgemeine. Die Beisetzung konnte nicht eher stattfinden, da die Todesursache nicht klar zutage lag und auch heute noch nicht aufgeklärt ist. So viel steht fest, daß der Aermste am Donnerstag tot in der Brechmühle der Zeche aufgefunden wurde. Anscheinend liegt, wie man sagt, ein elektrischer Schlag vor. Wie wir hören, sind noch einige Körperteile zur weiteren Feststellung zurückbehalten worden. Verschiedene Nachrichten aus Höntrop. * Höntrop, 4. März. Eine Frechheit beging die G#efrau H. von hier. Vor 8 Tagen erschien sie in der Filiale des Bäckermeisters Ph. von hier, Chausseestraße, und forderte von der Verkäuferin H. ein kleines Schwarzbrot. Nachdem sie dieses erhalten hatte, forderte sie für 2+ Gebäck, welches sie für eine hiesige Geschäftsfrau angeblich mitbringen sollte. Dieses wurde ihr dann auch verabreicht. Jedoch mit dem Bezahlen wollte sie warten, denn die 2 M wolle die Geschäftsfrau selbst bezahlen. Als aber die Verkäuferin nähere Erkundigungen bei der Geschäftsfrau P. einzog, wurde die Sache der Polizei gemeldet.— Jeden Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, findet für die evgl. Gemeinde Passionsgottesdienst statt. Am Sonntag, 9. d. M., findet in der ev. Kirche aus Anlaß des 100 jährigen Gedenktages der Erhebung Preußens ein Festgottesdienst statt. Pfarrer Geck hat die Festpredigt übernommen. Die rechte Galerie wird für die sich an der Feier beteiligenden Vereine, Arbeiter=, Krieger=, Jünglings= u. a. Vereine reserviert, während die linke für den unter dem Vorsitze des Lehrers Walter vom Hofe gebildeten Sängerchors vorbehalten bleibt. Nachmittags wird bekanntlich vom Kriegerund Landwehrverein Höntrop an dem Kaiserdenkmal vor der ev. Kirche eine Festrede unter Kranzniederlegung gehalten werden.— Die Prüfung der Konfirmanden und Konfirmandinnen vor hier findet am Sonntag, 9. d. M., mittags 2 Uhr durch Pastor Geck statt, während die Konfirmation derselben am darauffolgenden Sonntag stattfindetKrieger= und Landwehrverein Sevinghausen. * Sevinghausen, 4. März. Die diesmonatliche Versammlung des Krieger= und Landwehr=Vereins Sevinghausen, die im Restaurant Mehring an der Morgensonne stattfand, war von ca. 50 Mitgliedern besucht. Dieselbe wurde vom Vorsitzenden, Rechnungsführer Tegtmeier mit einem 3 fachen Hoch auf den Kaiser eröffnet und geleitet. Nach Zahlung der Beiträge wurde das Programm für die am 9. März im Vereinslokal Franz Schwartmann stattfindende Erinnerungsfeier der Erhebung Preußens vor 100 Jahren festgesetzt. Dasselbe ist sehr umfangreich und enthält u. a. auch 3 dem Tage entsprechende Theateraufführungen, die von den Mitgliedern Ottmann, Neumann, Schmidt, Breuker, Rolla, Günzel, Franz, Gottowick, Wapelhorst und einer Dame, Fräulein Witthaut gespielt werden. Ferner hat sich das Doppel=Quartett„Eintracht“ in liebenswürdiger Weise dazu erboten, die Zwischenpausen durch gesangliche Vorträge auszufüllen. Die Mitglieder des Quar= tetts heißen: Breuer, Stötzel, Gebr. Bäcker, Hauphoff, Mehring, Strotkämper und Grell. Es steht also ein genußreicher Abend in Aussicht und der Kriegerverein ##s sicherlich wieder ein volles Haus haben. Nach Erledigung dieses Punktes wurden noch einige interne Vereinsangelegenheiten besprochen, und man ging dann zum gemütlichen Teil über, der die Mitglieder bei einem vom Kameraden Mehring gestifteten Fäßchen Freibier noch lange in gemütlicher und sehr fideler Stimmung zusammenhielt. Schwere Betriebsunfälle. * Gelsenkirchen, 4. März. In der Kohlenwäsche der Zeche Consolidation gerieten 2 Bergleute in die Transmission und wurden getötet. Auf Schacht 2=3 der gleichen Zeche erlitt unter Tag ein Anschläger so schwere Schädelverletzungen, daß er im kath. Krankenhaus starb. *. In der Betrunkenheit totgestürzt. * Gelsenkirchen, 4. März. Ein böses Ende nahm eine feucht=fröhliche Sitzung in dem Hause Bismarckstraße 96. Der Arbeiter Wilhelm Kaeßler hatte Bekannte besucht und scheinbar des Guten zu viel getan. In der Trunkenheit stürzte er beim Verlassen der Wohnung unglücklich die Treppe hinunter und brach das Genick. Er war auf der Stelle tot. Knappschaftliches. Die Auszahlung der Krankengelder, Alters=, Invaliden= Berginvaiden=, Witwen= u. Kinderrenten für den Monat März findet statt: 55 14 4 8„ 2½" 2½* 2½„ * 2•/2„ 2 3¾ 3¼ 3¼ 3¾ 3½ 2% Bioson die Idealnahrung! Ich trank Ihr Bioson zur Stärkung und Bluterneuerung. Während ich früher stets über Schlaflosigkeit oder unruhigen Schlaf zu klagen hatte, ist dieser jetzt einfach vorzüglich und stehe ich morgens wirklich gestärkt auf. Staffeldt, Zollaufseher, Kalterherberg(Eifel). Unterschrift beglaubigt: 4. November 1912, Das Bürgermeisteramt. Bioson, Blechdose(ca. ½/2 kg) Mark 3.— erhältlich in Apotheken, Drogerien. K * — 1 Eingesandt. „Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft.“ Diese Worte möchte ich allen denjenigen Eltern zurufen, welche zu Ostern einen ihrer Jungens aus der Schule ins Haus geschickt bekommen, damit sie weiter sorgen für eine gute Erziehung ihrer Sprößlinge. Ein guter Helfer an diesem großen Werk ist ein guter Verein, in dem den schulentlassenen Jünglingen Bildung, Gehorsam und Disziplin beigebracht wird. Diese Eigenschaften ihren Mitgliedern zu vermitteln, darf die Deutsche Turnerschaft sich rühmen. Darum möchte ich allen, Eltern, Lehrherren und Meistern zurufen: Schickt Eure Söhne, Lehrlinge und Gesellen in einen der Deutschen Turnerschaft angehörenden Verein, damit sie gesund bleiben und kräftig werden. Eine wahre Wohltat muß es doch für einen jungen Mann sein, der während des ganzen Tages in gebückter Stellung auf dem Büro gesessen, tief unten im Bergwerk seine Kräfte angestrengt, hat, oder in der Werkstatt seinen Berufspflichten oblag des Abends seine Glieder in gesunden Uebungen wieder geschmeidig zu machen und seine Brust mal wieder frei ausdehnen zu können. Auch in unserer lieben Stadt Wattenscheid besteht ein Turnverein, D. T., welcher es sich zum Hauptziele gesetzt hat, gerade die jungen Leute in seine Reihen aufzunehmen und gesunde und kräftige Staatsbürger aus ihnen zu machen. Die Jugendpflege steht augenblicklich auf einer Höhe, wie nie zuvor, und auch die Deutsche Turnerschaft ist stets bemüht gewesen, dieses Streben zu unterstützen. Als vor nunmehr über 100 Jahren der Turnvater Jahn den Grundstein zu diesem Werk auf der Hasenheide in Berlin legte, wurde sein Ziel von allen Seiten verkannt und bekämpft. Sogar der Staat sah in diesem Treiben eine Gefahr für seine Organisation. Mittlerweile aber ist es anders geworden in unserem Vaterland. Hiervon zeugt am besten die Statistik, nach welcher der Staat alljährlich viele Tausende für die edle deutsche Turnsache spendet. Auch heute noch haben gerade so viele Eltern ein Vorurteil gegen die Deutsche Turnerschaft, aber dieses findet wohl hauptsächlich seinen Grund darin, daß unsere Vereine meistens verwechselt werden mit den sogenannten„wilden Vereinen". Ganz andere Ziele verfolgen wir. Wir machen keine halsbrecherischen Uebungen, hoffend, auf irgend einem Feste einen Wertgegenstand zu erringen. Nein, ein schlichter grüner Eichenkranz ist der Lohn für unser Bemühen im edlen Wettkampfe und im friedlichen Streite um die Ehre. Ganz hehre Gefühle sind es, die einen deutschen Turner durchwallen, wenn er eichenlaubgeschmückt von einem Wettstreite heimkehrt. Auch unser Turnverein kann auf eine siegesreiche Vergangenheit zurückblicken und ist bestrebt, seine Erfolge noch immer weiter auszudehnen und sie nutzbringend zu verwenden auf diejenigen, die unserem Verein neu beitreten. Darum, Ihr Eltern, Lehrherren und Meister, schickt uns Eure Jungens, sind sie doch bei uns sicher besser aufgehoben, als wenn sie abends auf der Straße umherlaufen, wo sie gewiß nichts Gutes lernen. Der hiesige Turnverein D. T. Wattenscheid steht augenblicklich unter einer so guten Leitung, daß Ihr Eure Jungens den Aufsichtführenden getrost anvertrauen dürft. Welche Erfolge wir mit unsern Jungens erzielten, konnte man auf jedem von uns veranstalteten Feste sehen. Auch andere Feste durch unser Mitwirken verschönern zu helfen, sind wir stets gerne bereit gewesen. Wer den Elternabend, welcher am 23. d. J. von der Reustadtschule im Koch'schen Saale veranstaltet worden ist, besucht hat, mußte doch seine Freude daran haben, als unsere Zöglinge in einer so stattlichen Anzahl auftraten und eine Reihe sehr schöner Uebungen vorführten. Sicher dachte mancher der kleinen Zuschauer, das möchtest du auch mitmachen. Kommt nur zu uns, wir sehen nicht auf Stand und Stellung, ein jeder ist uns lieb und wert und wird sehr gern in unsere Reihen aufgenommen. Die monatlichen Beiträge betragen für Zöglinge von 14—16 Jahren 10 Pfg. und von 16—18 Jahren 25 Pfg. Diese kleine Ausgabe kann wohl jeder junge Mann erschwingen. Zudem kommen diese Gelder ausschließlich den Zöglingen wieder zugute, denn eine besondere Kasse wird über diese Gelder geführt. Es haben dafür die Zöglinge im Sommer freie Fahrt und dergl. zu Ausflügen und Turnfesten. Somit bekommen sie alle ihr Geld mehr wie doppelt zurück. Aufnahmegelder brauchen Zöglinge nicht zu bezahlen; sie rücken nach Vollendung des 18. Lebensjahres ohne weiteres in die Reihe der aktiven Turner, alles Vorteile, welche ein anderer Verein seinen Mitgliedern schwerlich zu bieten vermag, ganz abgesehen von der körperlichen Ertüchtigung, die in unserem Verein ja die Hauptsache ist. Wenn wir zur Zeit noch in einer Wirtschaft unsere Turnabende abhalten müssen, so hoffen wir doch, daß unsere Stadtverwaltung uns demnächst die städtische Turnhalle zur Verfügung stellen wird, denn auch sie kennt unsere Bestrebungen und unterstützt sie in weitestem Maße.— Nur in einem gesunden Körper kann eine gesunde Seele wohnen! sagt schon Turnvater Jahn, und wie recht er damit hat, beweist schon der Umstand, daß die Deutsche Turnerschaft alljährlich über 40000 Vaterlandsverteidiger unserem Landesherrn zur Verfügung stellen kann. Der im vorigen Jahre verstorbene Prinzregent Luitpold von Bayern verdankte, nach seiner eigenen Angabe sein hohes Alter nur seinen täglichen Leibesübungen, wie auch der deutsche Kaiser sich sehr für die edle Turnsache interessiert. Der Wunsch eines jeden deutschen Jünglings ist es doch, einmal des Kaisers Nock tragen zu dürfen, und die hierzu notwendigen Eigenschaften will eben die Deutsche Turnerschaft ihren jungen Mitgliedern zu eigen machen. Darum, Ihr jungen Leute, kommt in unsere Reihen, denn dadurch könnt Ihr unsere gute deutsche Sache am besten unterstützen. Solltet Ihr noch ein Vorurteil haben, so stellen wir es Euch gerne anheim, uns auf unserem Turnboden, im Koch'schen Saale, des Dienstags und Freitags Abends um 8,30 Uhr zu besuchen. Jedem steht es frei, unseren Uebungen zuzusehen. Es sind Turnfreunde stets gerne willkommen. Eben unsere Turnstunden sind unsere Werberinnen, sie zeigen von unserm Zusammenwirken, denn wir sind einig, einig, einig Wattenscheid, 4. März. „Gut Heil“ Hubert Jerabek, Turnwart. EnVergte. billiger Kaffeezusätze mit Weber's Carlsbader Kaffee=Gewürz zeigt, daß jene meist ein bitterschmeckendes Getränk ergeben und das Aroma des Kaffees unterdrücken, während Weber's Carlsbader Kaffee=Gewürz den feinen Kaffeegeschmack veredelt und dem Tranke eine prächtige goldbraune Farbe gibt. Zum 1. Juli oder 1. Oktober herrschaftl. 4= evtl. 5=räumige 2 Thnun!. gesucht. Offert. unt. S. O. 1077 in die Exped. dieser Schöne nmer, 1 Etage und 1 Manzum 1. April zu vermieten. bilhelm Streier, Freiheitstraße 25. 3 durchgehende Zimmer nebst Stall und Keller sind zu vermieten. Mittelstr. 13. Schönes einzelnes (West= oder Steelerstr.) per 1. April zu mieten gesucht. Näheres Steelerstr. 4, I. Etage. betreffend die Arbeiter=Fürsorge auf Bauten. Auf Grund der§§ 6 und 15 des Gesetzes über die PolizeiVerwaltung vom 11. März 1850 und der§§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird unter Zustimmung des Kreis=Ausschusses und nach Anhörung der zuständigen Berufsgenossenschaften für den Landkreis Gelsenkirchen, mit Ausnahme der Stadt Wattenscheid, folgende Polizei=Verordnung erlassen: 81. Die Bestimmungen unter§§ 2 bis 5 finden Anwendung: a) bei Hochbauten, wenn einschl. der Poliere und Lehrlinge mehr als 10 Personen zurzeit der Rohbauausführung gleichzeitig auf dem Bau beschäftigt sind; während der Rohbauausführung vorübergehend beschäftigte Arbeiter, wie Zimmerleute usw. werden nicht in diese Zahl eingerechnet; b) bei Tiefbauten, welche von Unternehmern ausgeführt werden, wenn an einer bestimmten Stelle des Baues mehr als 10 Personen länger als eine Woche gleichzeitig beschäftigt sind. § 2. Zur Benutzung während der Arbeitspausen und bei ungünstiger Witterung sowie zur Aufbewahrung von Kleidern, Lebensmitteln und Eßgeschirr muß für die an Bauten beschäftigten Arbeiter ein allseitig dichtumschlossener, mit Fenstern genügend versehener, lüftbarer Unterkunftsraum geschaffen werden, der im Mittel mindestens 2,20 Meter im Lichten hoch sein muß und dessen Grundfläche derart zu bemessen ist, daß auf jeden am Bau dauernd beschäftigten Arbeiter(§ 1) eine Fläche von wenigstens 0,75 Quadratmeter entfällt. Dieser Raum muß einen festen Dielenfußboden haben und in der kälteren Jahreszeit heizbar sein. Sinkt in der Zeit vom 1. November bis 1. April die Außentemperatur unter plus 10 Grad Celsius, so ist der Unterkunftsraum zu erwärmen. Für die dauernd auf dem Bau beschäftigten Arbeiter sind in den Unterkunftsräumen Sitzplätze und Tische zur Verfügung zu stellen. Auch muß ihnen auf der Baustelle während der kälteren Jahreszeit die Möglichkeit gegeben sein, Speisen und Getränke zu erwärmen. Bei Tiefbauten außerhalb geschlossener Ortschaften sind die Wärmevorrichtungen unmittelbar bei der Baubude anzulegen. Es kann zugelassen werden, daß während der kälteren Jahreszeit die Heizanlage der Baubude zugleich als Wärmevorrichtung für Speisen und Getränke eingerichtet und benutzt wird. Baumaterialien irgendwelcher Art dürfen in den Unterkunftsräumen nicht gelagert werden. Bei Tiefbauten müssen die Räume so belegen sein, daß der Beschäftigungsort eines jeden Arbeiters von der Unterkunftsstätte der Regel nach höchstens 500 Meter entfernt ist. Für schwimmende Unterkunftsräume findet die Vorschrift über die notwendige lichte Höhe keine Anwendung. § 3. Bei Bauausführungen(§ 1) müssen für die Arbeiter Aborte in solcher Anzahl vorhanden sein, daß ein Sitz (Brille) für höchstens 23 Personen dient. Zwischen mehreren Sitzen sind Scheidewände anzubringen. Für am Bau beschäftigte Frauen sind besondere Bedürfnisanstalten zu errichten. Die Aborte müssen möglichst entlegen von den Unterkunftsräumen(§ 2), der Regel nach mindestens 6 Meter davon entfernt aufgestellt werden; sie müssen genügend hell und derart eingerichtet sein, daß von außen nicht hineingesehen werden kann. Erforderlichenfalls sind vor den Türen Blenden anzubringen. Die Aborte dürfen keine durchlässigen Gruben erhalten. Sie sind entweder an eine öffentliche Entwässerungsanlage vorschriftsmäßig anzuschließen, oder es müssen wasserdichte Tonnen, welche nach Bedarf fortzuschaffen und durch leere, mittels Kalkanstrichs desinfizierte Tonnen zu ersetzen sind, aufgestellt werden. Die Tonnen sind durch Sitz- und Stoßbretter zu verdecken. Bei freier, von Wohngebäuden entfernter Lage der Baustellen kann die Herstellung einer Erdgrube gestattet werden. Bei den für die Arbeiter bestimmten Aborten ist ein Pissoir anzulegen. Außerdem ist in jedem Geschosse der Bauausführung ein Urineimer aufzustellen. § 4. Die Unterkunftsräume und die Aborte sind stets in reinlichem Zustande zu erhalten. Die Urineimer und die Behälter für die Pissoirs sind nach Bedarf, mindestens täglich, zu entleeren. Die Aborte und Pissoirs sind nach Erfordernis zu desinfizieren. § 5. Auf jeder Baustelle ist gutes Trinkwasser bereit zu halten. § 6. Vom 1. November bis 1. April dürfen Stukkateur=, Maler=, Putzer=, Schreiner und dergl. Arbeiten in Neubauten nur dann ausgeführt werden, wenn die Räume, in denen gearbeitet wird, durch Türen und Fenster geschlossen sind. Die Räume sind durch Oefen zu heizen. Die nur vorläufige Anbringung derartiger Verschlüsse ist für genügend zu erachten. § 7. In Raumen, in denen offene Koksfeuer ohne Ableitung der entstehenden Gase brennen, darf nicht gearbeitet werden. Solche Räume sind gegen andere, in denen gearbeitet wird, dicht abzuschließen. Sie dürfen nur vorübergehend von den die Kokskörbe beaussichtigenden Personen betreten werden. § 8. Für den in§ 7 vorgeschriebenen Verschluß durch Türen und Fenster und für das Aufstellen und Heizen der Oefen ist der Bauunternehmer verantwortlich, soweit die auszuführenden Arbeiten ihm übertragen sind. Sins die Arbeiten vom Bauherrn an verschiedene Handwerker einzeln vergeben, so ist der Bauherr verantwortlich. § 9. Uebertretungen der Vorschriften dieser Polizeiverordnung werden, soweit nicht sonstige weitergehende Strafbestimmungen Anwendung finden, mit Geldstrafen bis zu 30 Mark, im Unvermögensfalle mit verhältnismäßiger Haftstrafe geahndet. Außerdem werden zur Verhinderung von Zuwiderhandlungen, nötigenfalls auch zur Verhütung vorschriftswidriger Anlagen den Umständen entsprechend die gesetzlichen Zwangsmittel zur Anwendung kommen. § 10. Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft. Gelsenkirchen, den 15. Februar 1913. Der Königliche Landrat. Dr. zur Rieden, Polizei=Präsident. Wöhenr Sie! sich gut sitzende Paletots, Anzage, Hesen, Westen etc. zu billigen Preisen anfertigen lassen, so wenden Sie sich am besten an Emil Seip, Schneidermeister, alter Markt 10. Herren, die Stoff liefern, billigste Berechnung bei besten Zutaten 1 TUIung Ran. Für die besorstehende Scisom ist hier im großen. Special-ause alles vorbereitet Seit Wochen und Mlonaten sindd besten Schneider der großen Kleiderfabriken und Werkstatten damit beschäftigt, die FrühjahrsWare fertigzustellen S#ie dürfen versichertsein, daß nichtts verabräumt ist, das Beste und Dotlendletsteo zuschaffen. Die gesamte Confehtion wird genaus nacheigenen Angaben unter songfältigster fachtechnischer Leitung gearbeitet. Hanz besmdenr wird auich Anenverarbeitung geachtet. Diemit scharfem. Nenner btich, gewählten. Stoffe rind die er# zeugnsse der bedeutendsten. 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Wöchentliche Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, bevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. : : Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts : 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin=; : zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach: : Erhalt der Rechnung.: Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung“ erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Anfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto.: Köln 8566. Zum Frieden. Es wird nun doch so kommen, wie es trotz des Wiederausbruchs des Krieges zu erwarten war: Die neuen Kämpfe waren umsonst, die Türkei wird auf Adrianopel verzichten müssen. Die türkischen Truppen haben sich in Adrianopel selbst und in den beiden andern Verteidigungsstellen, der Tschataldschalinie und bei Gallipoli, gut gehalten, aber keine Aenderung der allgemeinen Kriegslage herbeigeführt. Gegenwärtig sind die Operationen noch durch die Ungunst des Wetters mit starken Schnee= und Regenfällen, die den Boden aufgeweicht haben, erschwert. Es ist auch nicht gelungen, das nötige Geld für eine längere Fortsetzung des Krieges aufzutreiben. Die Pforte hat sich deshalb entschlossen, einen neuen Schritt zum Frieden zu tun. Kam ihr früher alles darauf an, wenigstens einen Teil von Adrianopel zu retten, so scheint sie jetzt zu Verhandlungen auf der Basis bereit zu sein, daß ihr gegen einen vollen Verzicht auf jene tapfer verteidigte Festung eine bessere Grenze für den Rest ihres europäischen Besitzes gewährt wird, als sie Bulgarien bisher zugestehen wollte. Formell ist jedoch die Voraussetzung noch nicht erfüllt, von der die Großmächte ihre Vermittelung abhängig gemacht haben. Die Pforte wird sich dazu verstehen müssen, den ihr in der Kollektivnote der Mächte zur Zeit des Waffenstillstandes erteilten Rat auf Abtretung Adrianopels unbedingt anzunehmen und im übrigen die Festsetzung der neuen Grenze der Londoner Botschafterkonferenz zu überlassen. Für das gegenwärtige jungtürkische Ministerium ist es freilich eine harte Sache, jetzt wieder da anzufangen, wo das von Enver Bey gestürzte Ministerium Kiamil aufgehört hat. Aber Mahmut Schefket hätte doch sein Kabinett nur durch eine neue entscheidende Wendung auf dem Kriegsschauplatze befestigen können, und diese ist eben ausgeblieben. Treiben somit im Südosten des Kriegsschauplatzes die Dinge dem Friedensschluß zu, so ist im Nordwesten noch nicht alles reif für eine endgültige Entscheidung. Dort droht keine ernste Uneinigkeit unter den Großmächten, hier sind die Gegensätze zwischen Rußland und Oesterreich inbezug auf die neuen Grenzen für Montenegro, Serbien und das neu zu bildende autonome Albanien noch nicht völlig ausgeglichen. Serbien soll sich anschicken, noch eine neue militärische Kraftanstrengung zur Eroberung von Skutari zu machen und damit die neuerdings hervorgetretene Bereitwilligkeit Rußlands zur Anerkennung des Skutari für Albanien fordernden österreichischen Standpunktes zu durchkrenzen. Dabei ist aber wahrscheinlich mehr Bluff als ernster Wille. usseee Auch bei den Serben sind Kräfte und Kriegslust erschöpft. Jedenfalls sind Rußland und Oesterreich auf dem Wege zu einer Verständigung, und die Annäherung scheint schon so weit vorgeschritten zu sein, daß es sich für keinen Teil mehr lohnen kann, sich in einen Krieg zu stürzen oder auch nur die Kosten erhöhter Kriegsbereitschaft noch länger zu tragen. Vermischtes. Schutzleute, die Zylinder tragen. Savona, die rührige Stadt der ikalienischen Riviera, kann sich einer Eigentümlichkeit rühmen, die in der ganzen Welt kein Seitenstück findet. Die Hüter der öffentlichen Ordnung in Savona sind nämlich von Zylindern„behütet". Wenn man die Savoneser Schutzleute in ihren langen mit einer Doppelreihe blanker Knöpfe besetzten Röcken und ihren Zylindern durch die Straßen wandeln sieht, so möchte man sie eher für livrierte Diener, als für Schutzleute halten. Sie tragen aber ihre Zylinder mit großer Würde. Nur— wenn sie einmal mit widlrborstigen Ellmenten ins Handgemenge geraten, welches wird dann das Schicksal ihrer„Behauptung" sein? Zylinder sind ja sehr vornehm, aber den derben Fäusten von Vagabunden oder Einbrechern pflegen sie bei weitem weniger Widerstand entgegenzusetzen, als die Pickelhaube oder die sonst üblichen Formen des Helms. Französische Unverschämtheit vor hundert Jahren. Ebenso merkwürdig wie gleichzeitig bezeichnend für die Willkürherrschaft französischer Beamten unter Napoleon 1. ist ein in der Aschaffenburger Zeitung vom 22. April 1814 abgedrucktes Aktenstück, das folgendermaßen lautet:„Vertraulich. Speyer, den 25. Oktober 1810. Der Unterpräfekt des Bezirks von Speyer an den Herrn Maire der Gemeinde Worms. Der Herr Präfekt des Departements hat mir, mein Herr, zufolge höherer Weisung den Befehl wiederholt, ihm ohne den geringsten Zeitverlust eine Aufstellung sämtlicher junger Frauenzimmer aus guten Familien zugehen zu lassen, die 14 Jahre alt und darüber alt und noch nicht verheiratet sind, und deren Mitgift oder Erbschaft sich auf über 40 000 Francs belaufen kann, und sie folglich in die Klassen der reichen Erben versetzt. Sie erhalten hier das Muster zu einer Ausfüllung, welche die verlangte Auskunft enthalten soll, und deren Einsendung, wie ich aus den stärksten Beweggründen wünsche, mit einer anderen Aufstellung zusammentreffen muß, die sich ebenfalls auf die persönliche Statistik bezieht. Sie, mein Herr, werden mich auf das wesentlichste verbinden, sowohl wenn Sie nicht unnützerweise diejenige Frist verstreichen lassen, die mir noch vergönnt ist, und die ich durchaus nicht imstande bin, zu verlängern, als wenn Sie im Gegenteil sich beeilen, meiner Einladung Genüge zu leisten, deren Gegenstand übrigens nicht unüberlegt ausgeplaudert werden darf. Ich habe die Ehre, Sie zu grüßen. Verey.“ Diesem Briefe lag das darin erwähnte Formular bei. Es war dies eine Tabelle, in der zuerst der Name jedes unverheirateten Frauenzimmers, dann ihr Alter, die Namen der Eltern, deren Stand, die Vermögensverhältnisse, die mutmaßliche Mitgift, der Ort, wo sich etwaiges Grundeigentum befindet, und endlich Angabe und körperliche Reize, Talent, Benehmen usw. in ebenso vielen Rubriken vermerkt werden sollten. Wozu diese Unverschämtheit dienen sollte, ist mit Bestimmtheit nicht festzustellen. Man nimmt an, daß vielleicht Zwangsheiraten deutscher Mädchen mit französischen Offizieren oder Beamten beabsichtigt waren. Die größten Städte der Welt. Auf Grund der Volkszählungen der jüngsten Zeit ist die Zahl der Städte, die mehr als eine halbe Million Einwohner zählen, in der ganzen Welt auf nahezu 60 anzusetzen. Europa steht in dieser Liste mit 29 Städten an der Spitze, 18 davon liegen in Asien, 10 in Amerika, 2 in Australien. Die Zahl der eigentlichen Riesenstädte, also derer, die mehr als eine Million Menschen in ihren Mauern verdienen, beläuft sich gegenwärtig auf 20, und zwar sind diese Riesenstädte, in absteigender Reihe nach ihrer Größe geordnet, die folgenden: London, NewYork, Paris, Tokio, Chicago, Berlin, Wien, Petersburg, Moskau, Hamburg, Konstantinopel, Philadelphia, Buenos Aires, Rio deJaneiro, Kalkutta, Bombay, Peking, Sinangfu, Canton, und Osaka. Zählt man die in diesen 20 Wohnorten vereinigte Bevölkerung zusammen, so gelangt man zu dem Ergebnis, daß diese 20 Riesenstädte nicht weniger als 38 Millionen Menschen beherbergen. Zeitbild. Langsam wird der deutsche Leser Ueberdrüssig der Geschichte. Und er übersteigt in böser Absicht alle Kriegsberichte. Denn er wußt' schon aus Erfahrung, Wie wohl die Berichte klingen. (Seine Neugier fand nicht Nahrung) Und er konnt' als überspringen. Morgens gibt es meistens Frieden, (So zum Frühstück ist das lobend), Mittags ist es„unentschieden", Aber Krieg gibt es am Abend. Aber schon die Morgenblätter Rüsten sich zur Friedensfeier... Nachts gibts wieder Kriegsgeschmetter, Jeden Tag dieselbe Leier. Turl. Nachbarskinder. Original=Roman von Irene v. Hellmnch. 41)(Nachdruck verboten.) Die Kranke seufzte leise. Sie wußte es besser, es würde niemals so gemütlich und vertraut werden, wie früher. Die sonnige Heiterkeit der Tochter war verschwunden, und ob sie jemals wiederkehren würde, wer konnte es sagen? Drü ben an der hochzeitlichen Tafel mußte es laut und lustig hergehen, es schien, als ob die Fenster geöffnet wären, denn manchmal drang sogar lautes Lachen in Evas stilles Stübchen. Dann trat ein Ausdruck stummer, seelischer Qual in die schönen Augen, die zu sagen schienen:„Wäre nur dieser Tag erst vorüber.“ Und emsiger als vorher arbeiteten die schlanken Finger an der feinen Stickerei. Als der Abend kam und Eva die Läden schließen konnte, atmete sie förwlich auf. Nun hörte man nichts mehr von dem Hochzeitsjubel drüben. Es war behaglich und friedlich in dem sauberen netten Zimmer. Auf dem Tische summte die Teemaschine, feiner süßer Blumenduft durchwehte den Raum. Ein paarmal piepste der kleine, gelbe Kanarienvogel, der im hölzernen Bauer über Evas Nähtischchen hing, laut und vernehmlich. Dann saß er auch still auf seiner Stange und schlief. Als Eva ihr Lager aufsuchte, schlug es vom Kirchturm St. Paulus gerade 11 Uhr. Aber der Schlaf kam nicht in die Augen des jungen Mädchens, das verstohlen in die weißen Kissen weinte. XIII. Die Wohnung des jungen Dr. Linde'schen Ehepaares war sehr geschmackvoll ausgestattet, nur eines ärgerte Siegmund, daß sie so nahe beim Hause der Schwiegereltern lag; sie war nur durch zwei schmale, einstöckige Gebäude davon getrennt und er fürchtete mit Recht den steten Verkehr zwischen seiner Mutter und deren Mutter. Frau Sennebach war ihm nun einmal im innersten Herzen unsympathisch, er hatte sich bis jetzt nicht entschließen können, seine Schwiegermutter„Du“ zu nennen, trotzdem sie ihren„lieben Siegmund“ schon am Hochzeittage darum gebeten hatte. Er wäre am liebsten nach dem anderen Ende der Stadt gezogen; aber da die Wohnung von ihm selbst als praktisch und passend bezeichnet werden mußte und Hilda essreizend fand, so nahe bei den Eltern sein zu können, so mußte sich Siegmund fügen. Bei der Auswahl der Möbel, der Teppiche und Vorhänge hatte es sehr oft Meinungsverschiedenheiten gegeben, und es zeigte sich, daß Hilda sehr wenig Geschmack besaß. Sie liebte die grellen; schreienden Farben, während Siegurund sich mehr de dunkle solide, gediegene S#chen entschied Anf eiae Hochzeitsreise hatte Hilda ebenfalls verzichten müssen, weil der junge Mann erklärte, dieselbe nicht von dem Gelde seiner Frau mochen zu wollen, er selbst aber sich vorläufig aus eigenen Mitteln solchen Luxus nicht gestatten könne. Es gab dabei eine lange Auseinandersetzung, die beinahe zu einem ernstlichen Streit Veranlassung gegeben hätte, weil jedes eigensinnig an seinem Willen festhielt. Es war Hilda weniger um die • Reise selbst, als um das Ansehen bei den Freundinnen und Nachbarn zu tun. Man sollte sie beneiden, bewundern, anstaunen, und was würden alle für Augen machen, wenn sie erzählen konnte, sie sei in Rom, Neapel, Venedig gewesen, denn dahin gingen doch alle„besseren Leute“, wenn sie eine Hochzeitsreise machten. Nun war das alles nichts, weil Siegmund nicht wollte. Sie ballte im Stillen die Hände vor Zorn und nahm sich vor, bei der nächsten Gelegenheit Rache zu nehmen. Fügen mußte sie sich freilich vorläufig, denn allein konnte sie doch nicht reisen. Das wußte er auch gar wohl, und deshalb blieb er stets ruhig bei Aufzählung all ihrer Scheingründe, ja er lächelte sogar etwas spöttisch, und das brachte sie noch mehr auf. Der Sommer war gekommen mit lachendem, blauem Himmel, und goldenem, warmem Sonnenschein. Siegmund hatte sich nun mit Ernst und Eifer an die Ausführung seines Vorhabens— ein wissenschaftliches Werk zu schreiben— gemacht, zum großen Verdruß Hildas, die alle Augenblicke in das Studierzimmer ihres Mannes lief und ihn mit nichtigen Fragen quälte und störte. Sie hatte offenbar kein Verständnis für sein Streben, und begriff es nicht, wie man an so vielen„dummen, langweiligen Büchern“ Freude haben konnte. Sie meinte, da sei es doch viel schöner, in Gesellschaft zu gehen und seine neuen Roben bewundern zu lassen. Siegmund seufzte oft tief auf, wenn seine junge Frau derartige Gedanken laut werden ließ. Er suchte sie zwar über ihre Hohlheit und Oberflächlichkeit hinwegzutäuschen, aber manchmal blickte er sie ganz erschrocken an, wenn sie Aeußerungen machte, die sie in der Gesellschaft geradezu kompromittieren mußten. Er suchte ihr dies auf schonendste Weise beizubringen, aber sie lachte ihn aus:„Ach, wer wird denn alies so genau nehmen, ob ich so sage oder so, das bleibt sich gleich.“ Dies„es bleibt sich gleich“ brachte ihn manchmal beinohe zur Verzweiflung, ebenso ihr ungestümes und oft unmotiviertes Eindringen in sein„Heiligtum“, wie er sein Studierzimmer nannte. Oft brachte sie ihm ein Band, irgend ein Kleidungsstück oder ähnliches und er sollte entscheiden, was ihr am besien zu Gesicht stehe. Seufzend gab er die gewünschte Auskunft. Sie ging dann, um im nächsten Augenblicke mit irgend etwas andorem wiederzukommen. „Aber Kind, Du störst mich, siehst Du denn nicht, daß ich arbeite? Gerade in meinen besten Gedanken platzest Du immer hinein, das darfst Du nicht!“ sagte er oft ungeduldig. „Ich langweile mich furchtbar“, entgegnete Hilda und verzog den Mund. „So setze Dich zu mir, aber still muß Du sein. Nimm Dir ein Buch und lies etwas,— wir haben ja so viele, herrliche Sachen.“ „Ach, Deine dummen Bücher, die langweilen mich am meisten, ich verstehe das alles gar nicht!“ „So geh’ doch ein wenig spazieren!“ „Jawohl, damit die Leute sagen:„Ei seht doch die Hilda an, die geht schon allein, ohne ihren Mann; der scheint auch nicht besonders aufmerksam zu sein, sonst ließe er sie doch nicht allein laufen! Ich kenne das.“ Er seufzte.„Ach, die Leute, was gehen uns die Leute an! Laß sie doch reden, was sie wollen.“ „O, das geht uns schon etwas an, es ist doch die Hauptsache,“ protestierte Hilda. Er lächelte dann so spöttisch und überlegen, daß sie rot wurde vor Aerger. „Bitte, geh doch ein wenig zu meiner Mutter hinüber,“ sagte Sigmund einmal. „Nein, nein, das will ich nicht,“ war die rasche Antwort der jungen Frau. „Warum denn nicht? Hilda, was machst Du für ein komisches Gesicht? Ich bemerkte das schon öfters an Dir, wenn ich von meiner Mutter sprach.“ Es klang eine heimliche Angst und Sorge aus seinen Wort en. In der Tat stand die junge Frau da, mit einer Gebärde eisiger Abwehr, und zwischen ihren Augenbrauen lag einetagse Hale. Agenbanuen ng „Ich mag nun einmal Deine Mutter nicht,“ klang er tobig.—.— Kug Sigmund war sehr blaß geworden. Er begriff es gar nicht, wie man seine gute, alte, praktische Mutter mit dem goldtreuen Herzen nicht lieben konnte. Jeder Mensch mußte sie verehren und hochschätzen, meinte er. .„Und— warum nicht?“ fragte er ernst, indem seine Augen mit beinahe drohendem Ausdruck an dem jungen Gesicht hingen. 1..„Sie ist mir zu klug,“ sogte Hilda spöttisch.„Und dann hat sie an allem, was ich rede und tue, etwas auszusetzen. Beständig tadelt sie an mir herum, seit ich Deine Frau bin.“ Sigmunds Gesicht hatte sich während der mit harter Stimme vorgebrachten Rede mehr und mehr verfinstert, aber Hilda fügte trotzdem kein freundliches Wort hinzu. (Fortsetzung folgt.) Reichstag. Am Bundesratstisch: Staatssekretär von Tirpitz und zahlreiche Kommissare.— Die 2. Beratung des Marineettas wird fortgesetzt. Abg. Roske(Soz.): Noch niemals ist eine Etatsberatung mit soviel Selbstgefälligkeit und so wenig politischer Einsicht gepflogen worden, wie die jetzige. In rasendem Tempo haben sich unsere Flottenausgaben verdreifacht. Ich erkenne auch an, daß Organisationstalent und Technik ein gewaltiges Werk des Krieges geschaffen hat. Die Rechte und die Vertreter der besitzenden Klassen überhaupt haben wohl stets die Kosten bewilligt, zum Bezahlen sind sie aber nicht besonders bereit gewesen. Auch angesichts der bevorstehenden Heeresverstärkung zeigt sich wenig Opferfreudigkeit in ihren Reihen. Wenn es sich um kulturelle Zwecke handelt, z. B. um die Herabsetzung der Altersgrenze bei der Altersversicherung dann wird uns immer entgegengehalten, es sei kein Geld vorhanden. Unbrauchbare Schiffe wollen auch wir nicht auf See schicken, wir beklagen nur, daß man es nicht verstanden hat, den Rüstungstreibereien unter den Großmächten Einhalt zu tun. Anzuerkennen ist, daß der Marineetat so übersichtlich ist wie kein anderer. Die Ausgaben für die Offiziere und Mannschaften sind erheblich gestiegen; auch der Pensionsfonds ist bedeutend angewachsen. Daß die Kaiserjacht Flottenzwecken zu dienen hat, können wir nicht zugeben. Die außerordentlichen Gewinne der Panzerplattenfabrikannten geben uns zu bedenken, wenn sich die Preise noch immer übergroß stellen. Die Arbeiterschaft hat kein Interesse an dem Wachsen der Marine, umsomehr, als sie bereit ist, bei einem Seemannsstreik Streikbrecherdienste zu leisten und wo von der Marineverwaltung die Hand dazu geboten wird, Geschäftsleute zu boykottieren. Die Zahl der Mißhandlungen und der sich daraus ergebenden Selbstmorde hat erheblich zugenommen. Den R''üstungstreibereien der gewerbsmäßigen Hetzer muß ein Riegel vorgeschoben werden. Unser Streben ist auf den Frieden gerichtet und die sichere Gewähr und die Bürgschaft für den Frieden erblicken wir in dem Anwachsen des kraftbewußten Proletariats. Wir lehnen den Flottenetat ab.— Staatssekretär von Tirpitz: Solange wir eine Marine haben, haben wir auch eine Kaiserjacht gehabt. Eine Verfassungswidrigkeit ist in dieser Hinsicht nicht zutreffend. Von einem übergroßen Gewinn der Firma Krupp kann keine Rede sein: Daß die Arbeiter nichtsvon dem Gedeihen unserer Marine hätten, trifft nicht zu. 80 Prozent sämtlicher Ausgaben entfallen auf Löhne. Abmachungen sind mit dem Reichsamt des Innern allerdings dahin getroffen worden, daß bei einem internationalen Seemannsstreik unsere Marinemannschaften einzuspringen hätten. Unfälle sind nicht zu vermeiden; mit derartigen Verlusten, wie wir sie leider bei den kriegsmäßigen Fahrten gehabt haben, müssen wir rechnen, namentlich bei Manövern mit abgeblendeten Lichtern. Die Ausgaben für die Marine halten sich in horizontaler Richtung. Eine absolute Steigerung der Ausgaben ist nicht anzuerkennen. Dafür haben wir den Anleihezustand beseitigt. Wir haben aber weit mehr als 40 Jahre Frieden. Wenn Herr Noske darüber klagt, daß durch die Rüstungen kein Geld übrig bleibe für soziale Zwecke, so hat er es vergessen, anzugeben, welcher Staat verhältnismäßig mehr ausgibt für soziale Zwecke als Deutschland. Darauf kommt es an.— Abg. Struwe (Fortschr. Vp.t.): Die Ausdehnung der Strafgewalt auf niedrige Offiziere ist dringend nötig. Die Deckoffiziere sind das Rückgrat der Marine, sie müssen möglichst durch auskömmliche Besoldungen im aktiven Dienst gehalten werden. Hinsichtlich der Tafel= und Kommandogelder sind wir dem Staatssekretär wegen seiner Haltung dankbar.— Abg. Erzberger(Ztr.): Herr Noske hat sich in seinen langen Ausführungen mit meinen kurzen Erklärungen vom Samstag beschäftigt. Die Haltung des Zentrums in der Tafelgelder=Angelegenheit ist durchaus konsequent. Ein sozialdemokratisches Mitglied der Kommission war auch mit unserem Antrag einverstanden. Mit unserem Antrag der 2jährigen Dienstzeit ist es uns vollkommen Ernst. Die Gegengründe des Staatssekretärs kann ich nicht als durchschlagend anerkennen. Wenn der Abg. Noske hier mit allerhand Wünschen für die Marine und die Mannschaften kommt und zum Schluß erklärt, den ganzen Etat ablehnen zu wollen, dann hat seine ganze Rede für das Parlament keinen Wert. Mit unserem Eintreten für eine starke deutsche Flotte dienen wir ganz entschieden am besten dem Volkswohle.— Abg. Noske(Soz.): Daß die beschäftigten Arbeiter keinen Vorteil von dem Schiffsbauen hätten, haben wir niemals behauptet. Wir behaupten nur, daß das für die Marine ausgegebene Geld besser für kulturelle Zwecke verwendet würde. Das Zentrum sollte einmal mit Ernst seinen Forderungen Nachdruck verleihen und seine Abstimmungen nach seinen Worten einrichten.— Damit schließt die Generaldebatte. Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt. Der Antrag auf Wiederherstellung des ursprünglichen Etats, wonach 6 Departementsdirektoren an Stelle der von der Kommission beschlossenen 5 bewilligt werden sollen, wird abgelehnt.— Es bleibt somit bei dem Abstrich.— Die Resolution der Fortschrittlichen auf Vereinheitlichung der Laufbahn der Marineverwaltungsoffiziere und Beamten wird angenom. men. Ebenso wird eine Kompromißresolution auf Berücksichtigung der Heimarbeiter bei Vergebung von Marinelieferungen angenommens— Eine ganze Reihe von Titeln wird ohne Debatte bewilligt.— Beim Titel Rechtspflege wird gemäß den Beschlüssen der Kommission ein Kriegsgerichtsrat gestrichen. — Eine Resolution der Kommission auf Verbesserung der Gesamtstellung der Deckoffiziere sowie Einführung der 2jährigen Dienstzeit werden angenommen.— Die weiteren Kapitel werden nach den Beschlüssen der Kommission bewilligt.— Beim Kapitel Instandhaltung beantragt die Kommission, blinde Tafelgelder nicht mehr zu bewilligen. Das Haus beschließt entsprechend.— Beim Kapitel Kleidung führt der Abg. Albrecht(Soz.) aus: Es wird geklagt, daß aus Sparsamkeitsrücksichten in den Bekleidungsämtern anstatt Männer in großem Maße Frauen beschäftigt werden, die außerordentlich chlecht bezahlt werden. Auch die hygienischen Verhältnisse der Werkstätten lassen viel zu wünschen übrig.— Vizeadmiral oan Capellen: Auf die Nähfrauen, die lediglich eine Wohlfahrtseinrichtung sind, können wir nicht verzichten. Da die Matrosen ihre Uniformen selbst zu bezahlen haben, müssen wir darauf sehen, daß die Uniformen höchst billig hergestellt werden. Insofern besteht allerdings bei un sein Sparsamleitsprinzip. Die Löhne sind für sämtliche Kategorien der Arbeiter erhöht worden. Es trifft nicht zu, daß 25 Prozent unserer Arbeiterschaft lungenkrank ist. Die hygienischen Zustände unserer Werkstätten sind auch von Herrn Noske als adellose erklärt worden.— Abg. Giesberts(Ztr.): Die Wünsche der Heimarbeiter, die in der Kompromißresolution giedergelegt sind, sollten auch in den Bekleidungsämtern berücksichtigt werden.— Vizeadmiral von Capellen: An Heimarbeiten sind die Stickereiarbeiten vergeben. Wir achten darauf, daß in diesen Betrieben ausreichende Löhne gezahlt werden. Lohndrücker bekommen keine Aufträge von uns.— Abg. Albrecht(Soz.): Die Männer sollten so gestellt werden, daß die Frauen nicht zur Arbeit zu gehen brauchen. Von den in den Marinebetrieben beschäftigten Frauen ist ein großer Prozentsatz verheiratet.— Nach weiterer kurzer Debatte wird das Kapitel bewilligt.— Beim Kapitel Instandhal„55# der Flotte und der Wersten liegt eine Resolution der Tüdgetkommission, sowie eine der Fortschrittlichen Volksparlei vor, in denen verlangt wird, daß das Petitionsrecht der Beamten, Angestellten und Arbeiter in den Betrieben der Marine in keiner Weise beeinträchtigt werde.— Abg. Brandes=Halberstadt(Soz.): Die Bestimmung, daß sozialdemokratische Agitatoren in den Werkstätten nicht beschäftigt werden dürfen, führt zu den schlimmsten Denunziationen. Das Petitionsrecht der Arbeiterschaft muß möglichst erweitert werden. — Staatssekretär von Tirpitz: Die Beteiligung von Lehrlingen an politischen Organisationen können wir nicht dulden. Mit Politik haben sich Jugendliche nicht zu beschäftigen. Die Wünsche der Arbeiterausschüsse werden von uns geprüft werden. Die Löhne in Unseren Betrieben sind derartig, daß wir uns trotz der Hochkonjunktur kaum des großen Andranges der Arbeiter erwehren können.— Abg. Weinhausen(Fortschrittl. Vpt.): Das Akkordsystem muß möglichst eingeschränkt werden. Die Vorschrift, wonach sozialdemokratische Agitatoren nicht auf Werften beschäftigt werden, müßte dahin geändert werden, daß jede agitatorische Tätigkeit unterbunde wird.— Abg. Giesberts(Ztr.) beantragt Vertagung. Diese wird beschlossen. Nächste Sitzung Dienstag. Preußischer Lanotag. Abgeordnetenhaus. Berlin, 3. März. Auf der Tagesordnung steht die 2. Beratung des Eisenbahnetats. Zunächst fand eine allgemeine Besprechung über die finanztechnische und wirtschaftliche Seite des Eisenbahnetats statt. Berichterstatter Abg. Hirsch=Essen referierte über die Verhandlungen der Kommission. Abg. Graf von der Gröben(Kons.): Es ist anzuerkennen, daß die Verkehrsleistungen ohne entsprechende Steigerung der Betriebsleistungen erheblich gestiegen sind. Inbezug auf die Sicherheit des Betriebes marschieren wir an der Spitze sämtlicher Staaten. Wir sind mit dem Minister darin einverstanden, daß Tarifmäßigung.n in besonderen Fällen gewährt werden, beispielsweise für das Transportgebiet vom Saarrevier nach dem Ruhrrevier. Wir begrüßen es daß die Anstellungsverhältnisse der Unterbeamten sich gebessert haben. Abg Schmedding(Ztr.): Der Landeseisenbahnrat hat die ermäßigten Kohlenausfuhrtarife abgelehnt und hat damit keine weitausschauende Politik getrieben. Das kann dahin führen, daß England uns die Absatzgebiete für Kohlen abnimmt. Wir sind erfreut, daß der Minister der Forderung nach Vermehrung der Arbeitskräfte im großen Umfang gerecht geworden ist. Abg. Macco(Ntl.): Die deutsche Eisenbahngemeinschaft ist zwar ein schönes Ideal, jedoch ist vorläufig’wenig Aussicht vorhanden, es in die Praxis überzuführen. Inbezug auf Betriebsleistung hat die Eisenbahnverwaltung Erfolge in steigendem Maße aufzuweisen. Der Güterverkehr ist etwas vernachlässigt worden. Im Güterverkehr liegt das Hauptmittel für die Rentabilität der Eisenbahnen. Wir wünschen Gütertarifermäßigungen in weiterem Maße, als es jetzt der Fall war. Wir bedauern, daß die Kohlenausfuhrtarife noch nicht wieder eingeführt sind. Der Bewältigung des Massenverkehrs sollte der Minister sein Hauptaugenmerk zuwenden. Frhr. von Zedlitz(Freik.): Der Minister will ermäßtgte Tarife zwischen doer Mosel und Ruhr einführen. Solche ermäßigten Tarife sind auch zur Erleichterung der Absatzverhältn'sse des niederschlesischen Reviers notwendig. Minister von Breitenbach: Wir rechnen damit, daß wir gegenüber dem Vorjahre eine M=ehreinnahme von 150 Millionen Mark erzielen. Man kann nicht sagen, daß die Ausgaben un ungesundem Maße stiegen. Infolge dieser günstigen Zeitlage ist es möglich, daß sich der Ausgleichsfonds nach Abzug der 60 Millionen des Nachtragsetats Ende des Etatsjahres 1912 auf etwa 300 Millionen Mark beläuft. Bei dem außerordentlich gesteigerten Verkehr und bei=der Erscheinung des Wagenmangels im letzten Herbst, muß auf eine weitere Ausgestaltung des Apparates für die nächsten Jahre Bedacht genommen werdene In der Frage, ob es notwendig ist, die Kohlenausfuhrtarife nach Frankreich, Jalien und der Schweiz wieder einzuführen, waren die Auffassungen von jeher schwankend. Die Entwickelung des Ruhrkolenverkehr nahm bis 1910 ab und begann erst wieder 1911 zu steigen. Die Wiedereinführung der ermäßigten Ausfuhrtarife wurde vom Landeseisenbahnrat seinerzeit abgelehnt. Die Entscheidung meinerseits ist noch nicht getroffen. Die Frage der Tarifermäßigung für Schlesien wird sorgfältig geprüft. Abg. Pachnicke(Fortschr. Vpt.): Die Reform der Fahrlartensteuer ist leider in die Ferne gerückt. Wenn sie kommt, darf die 4. Klasse nicht berührt und die 3. muß möglichst geschont werden. Abg. Ströbel(Soz.): Bei der Tarifreform sollte die 1. Klasse, die den Luxusbedürfnissen entspricht, in Wegfall kommen. Abg. Hammer(Kons.): Durch den gemeinsamen Warenbezug der Beamten wird den Handwerkern und Kaufleuten große Konkurrenz gemacht. Abg. Herold(Ztr.): Wir wünschen, daß die ermäßigten Tarife für Gerste und Mais auf dem Dortmund=Ems=Kanal, die den erwarteten Erfolg nicht hatten, abgeschafft werden. Minister von Breitenbach: Mit den ermäßigten Tarifen für Mais und Gerste auf dem Dortmund=Ems=Kanal sind die landwirtschaftlichen Interessenten einverstanden. Ich betonte bereits, daß an einer Aenderung der Fahrkartensteuer in absehbarer Zeit nicht zu denken sei. Falls eine Reform kommt, muß darauf Bedacht genommen werden, die erste Klasse wieder stärker nutzbar zu machen. Die 4. Klasse auch bei Eilzügen einzustellen, die viele Stationen überfahren, ist nicht zweckmäßig. Abgeordn. Friedberg(Natl.): Bei der gegenwärtigen Höhe des Ausgleichsfonds sind Steuerzuschläge nicht nötig. Im Interesse der Volkswirtschaft ist eine generelle Ermäßigung der Tarif notwendig. Finanzminister Lenze: Die Steuerzuschläge sind nicht entbehrlich. Wir brauchen einen reich dotierten Ausgleichsfonds für die Zeiten niedergehender Konjunktur. Die Quotisierung der Einkommensteuer würde zur Erhöhung der Staatsausgaben führen. Minister von Breitenbach: Wir ind Gegner einer Betriebs= und Finanzgemeinschaft der deutschen Eisenbahnen. Die Weiterberatung wurde bis Dienstag vertagt. Deutschland. Parlamentarische Nachrichten. Berlin, 4. März. Das dem Reichstag zugegange Haus. haltsnotgesetz ermächtigt den Reichskanzler, bis zur gesetzlicher Feststellung des Haushalts für das Rechnungsjahr 1913 fü. die Monate April, Mai und Juni alle Ausgaben zu leisten die zur Erhaltung gesetzlich bestehender Einrichtungen und zu Durchführung gesetzlich beschlossener Maßnahmen erforderlich sind. „Berlin, 4. März. Ein Entwurf, betreffend die Errichtu., eines Amtsgerichts in Brühl im Landkreise Köln ist dem Herrenhause zugegangen. Zu dem neuen Amtsgerichtsbezirke gehören neben der Stadt Brühl die Landgemeinden der Bürgermeisterei Brühl, die bis jetzt zum Amtsgerichte Köln gedhrten. Die neue Militärvorlage. Berlin, 4. März. In parlamentarischen Kreisen ver lautet der B. Z. zufolge, daß die Höhe der einmaligen Abgabe vom Vermögen sich auf 4 bis 5 pro Mille belaufen wird, daß aber die Vermögen unter 50000 A von dieser Abgabe befreit werden sollen. Die einmalige Vermögensabgabe. Berlin, 4. März. Aus politisch unterrichteter Quelle will die„Nationalzeitung“ erfahren haben, daß der Reichskanzler von der Aufnahme, die sein Steuerplan bisher in den politischen und parlamentarischen Kreisen gefunden hat, durchaus befriedigt sei, und daß er aus den Besprechungen mit den Parteiführern und sonstigen Persönlichkeiten von Bedeutung den Eindruck gewonnen habe, daß er eine grundsätzliche Ablehnung des Gedankens nicht zu befürchten habe. Es sei als sicher anzunehmen, daß die Besteuerung nur die physischen, nicht aber auch die juristischen Personen treffen wird. Wie das Blatt weiter erfährt, beabsichtigt die Regierung bei der Veröffentlichung des Steuergesetzes sich unmittelbar an das Volk mit einer Kundgebung zu wenden, die ausdrücklich auf die Selbstbesteuerung im Jahre 1813 hinweist und betont, daß die politische Entwickelung der letzten Zeit das friedliebende Deutsche Reich zwinge, für seine Wehr und Sicherheit außerordentliche Opfer zu bringen. Von dem Grundsatz vollster Gerechtigkeit geleitet, strebe die Regierung eine ganz gleichmäßige Erfassung des mobilen und immobilen Kapitals an. Die deutschen Fürsten, die alle ihre Zustimmung dazu gegeben hätten, daß auch sie zur Steuer herangezogen werden, würden in dem Gesetzentwurf voraussichtlich nicht erwähnt sein. Während sonst bei Steuergesetzen ein besonderer Paragraph ausdrücklich die Steuerfreiheit der Fürsten hervorhebe, soll diese Bestimmung diesmal wegfallen. Ebenso legten die meisten Bundesstaaten besonderen Wert darauf, daß diese einmalige Vermögensabgabe an das Reich nichts an dem Prinzip ändere, daß die direkte Besteuerung des Einkommens und Vermögens den Einzelstaaten vorbehalten bleibe. Heeresvorlage und Etat. Berlin, 4. März. Im Reichstage haben sich die Frar. tionen bereit erklärt, zur Beratung der Heeresvorlagen und der Deckungsgesetze zu einer Sommertagung nach Pfingsten am 27. Mai zusammenzutreten u. vom 30. April bis 27. Mai eine Vertagung eintreten zu lassen, hauptsächlich mit Rücksicht auf die Landtagswahlen in Preußen. Die erste Lesung der neuen Vorlagen soll noch im April stattfinden, damit die Kommission schon im Mai ihre Arbeiten beginnen kann. Bis zur Vertagung sollen der Etat verabschiedet, die erste Lesung der Heeresvorlagen erledigt und einige kleine Gesetze beraten werden. Im Juni sollen dann die andexen Vorlagen, soweit sie plenarreif sind, verabschiedet werden. Man rechnet damit, daß der Reichstag sich Ende Juni spätestens auf den Herbst vertagen wird. Kleine politische Nachrichten. Berlin, 4. März. Der frühere Präsident des Herrenhauses Frhr. v. Manteuffel hat einen Schlagaufall erlitten. Sein Zustand gebe zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß. Karlsruhe, 4. März. Der Antrittsbesuch des Prinzregenten von Bayern und seiner Gamahlin am großherzoglichen Hofe wird für Mai erwartet. Die Reise dürfte mit der nach Stuttgart verbunden werden. Kaiserbesuch auf Helgoland. Helgoland, 4. März. Die Ankunft der Kaiserschiffe aus Wilhelmshaven war um 11,15 Uhr bei schlechtem Wetter erfolgt. Um 11,20 Uhr vorm. ging der Kaiser an Land und besichtigte die Hafenanlagen, und begab sich dann durch den Tunnel zur Besichtigung der Fortifikationsanlagen nach dem Oberland. Der Kaiser besichtigte insbesondere die neue Südgruppe. Wegen des starken Wellenanschlages der bei der Uferfußmauer herrschte, mußte dort von der Besichtigung Abstand genommen werden. Der Kaiser begab sich mit Gefolge um 12,30 Uhr wieder an Bord des Linienschiffes„Kaiser". Unter dem Salut der Batterien an der Südspitze der Insel lichteten die Kriegsschiffe um 1,30 Uhr die Anker und nahmen den Kurs nach der Weser. Wilhelmshaven, 4. März. Der Kaiser ist an Bord des Linienschiffes„Kaiser“ gestern abend 9,30 Uhr bei Regen und stürmischem Wetter hier wieder eingetroffen. Schießübung auf Luftballons. T Swinemünde, 4. März. Hier traf ein aus 200 Mann bestehendes Kommando Feldartillerie, darunter 15 Offiziere und 40 Unteroffiziere aus Jüterbog ein, um eine 3 Wochen dauernde Schießübung mit neuen Geschützen nach Luftballons abzuhalten. Die Festtage in Gmunden. Gmunden, 4. März. Die Kaiserin entschloß sich auf Bitten der Familie des Herzogs von Cumberland ihren Beuch bis morgen abend auszudehnen, so daß die Rückfahrt nach Berlin am Dienstag, 10,30 Uhr abends erfolgt. Der Besuch der Cumberländischen Herrschaften am Hofe zu Berlin ist nunmehr auf die Tage nach Ostern festgesetzt. Trotz des unfreundlichen Wetters unternahmen gestern vormittag die Kaiserin, der Herzog und die Herzogin von Cumberland, das Brautpaar, der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg=Schwerin und Prinz und Prinzessin Max von Baden in Automobilen einen Ausflug nach dem herzoglichen Jagdgebiet in Almsee. Oesterreich. Die Heeresvermehrung in Oesterreich. Wien, 4. März. In nicht ferner Zeit soll eine abermalige Erhöhung des Rekrutenkontingents für das gemeinsame Heer durchgeführt werden, da das im neuen Wehrgesetz festgesetzte Kontingent auch in seiner Höchstzahl von 159 500 Mann unzureichend ist, um alle Standessanierungen, besonders aber die infolge der Ausgestaltung der Armee unbedingt notwendigen Neuaufstellungen durchführen zu können. Der Mehrbedarf wird auf 25 000 bis 30000 Mann angegeben, so daß sich eine Kontingentsziffer von 185 000 bis 190000 ergeben würde. Frankreich. Zusammenkunft des englischen und französischen Marineministers. Toulon, 4. März. Der Marineminister ist hier eingetroffen, um den Schießübungen der Flotte beizuwohnen. Fast gleichzeitig traf der englische Kreuzer„Hussar“ mit dem ersten Lord der Admiralität Winston Churchill ein. Winston Churhill begab sich nachmittags an Bord des„Vollaire“, wo er ine Unterredung mit dem französischen Marineminister Bauin hatte. Er blieb an Bord, um den Schießübungen bei Les Salins d'Hyeres beizuwohnen. Offiziös wird erklärt das die Begegnung zwischen dem Marineminister Baudin und dem engl. Handelsminister Winston Churchill, die durch zufällige Umstände herbeigeführt sei, den herzlichsten Charakter gehabt hätte. Als Churchill den Votaire verließ, sprach er dem Maeineminister Baudin seinen lebhaften Dank für den ihm zuteil gewordenen warmen Empfang aus. Baudin erwiderte, wie glücklich er persönlich sei, daß er Sir Winston Churchill an Bord des Voltaire habe empfangen können und fügte hinzu, die französische Marine werde das Verhalten und die Courtoisie Churchills zu würdigen wissen und in dem neuen Zeugnis der Sympathie einen Beweis für die herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Flotten erblicken. Churchill kehrte an Bord des Hussar um 5 Uhr nach Villefranch zurück. X Toulon, 4. März. Die Schießübungen der französischen Flotte sind sehr gut verlaufen. Das Linienschiff„Danton“, auf dem sich kürzlich die Kohlenstaubexplosion ereignete, hat dabei sehr günstig abgeschnitten. Der erste Lord der engl. Admiralität, Winston Churchill, drückte verschiedentlich seine Anerkennung aus. Das an Bord des„Voltaire“ eingenommene Frühstück verlief außerordentlich herzlich. Churchill brachte einen Trinkspruch auf den Präsidenten der Republik, auf den Marineminister und auf den Ruhm der französischen Flotte aus. Baudin erwi derte mit einem Trinkspruch auf König bearg. England. Gegen die Stimmrechtlerinnen. London, 4. März. Vor dem Pavillon der Musikhall, in dem sich die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts Montags zu versammeln pflegen, kam es gestern zu aufregenden Szenen. Die von den früheren Versammlungen ausgeschlossenen Personen hatten sich vor dem Pavillon eingefunden, hielten die Eingänge dicht besetzt und machten alle Versuche der Frauen, Einlaß zu erlangen, zunichte. Den Schutzleuten gelang es nicht, die zum größten Teil aus Studenten bestehende Menschenmenge zu zerstreuen. Es kam zu einem erbitterten Handgemenge zwischen den Frauenstimmrechtlerinnen und ihren Gegnern, bei dem ein ohrenbetäubender Lärm vollführt wurde. Erst als Verstärkungen eintrafen, gelang es der Schutzmannschaft, die Straßen zu säubern. Rußland. Vom Zarenhofe. T Petersburg, 4. März. Der Kaiser empfing gestern mittag in längerer Audienz in Zarskoje Sselo den Präsidenten der Reichsduma, Rodsianko, der über die Tätigkeit der Duma sowie über den Arbeitsplan der jetzigen Session eingehend Bericht erstattete. Russisch=französische Freundschaft. Petersburg, 4. März. Zwischen der russischen und französchen Regierung haben noch keinerlei Verhandlungen über die russische Militärvorlage stattgefunden. Rußland wird erst dann sich mit der Aufstellung einer neuen Militärvorlage näher beschäftigen, wenn es genau über die franz. Heeresvorlage unterrichtet ist. Die russische Regierung ist bisher von der französischen über die Ausgestaltung der Verstärkung der Rüstung Frankreichs noch nicht verständigt worden. Ein hoher russischer Staatsmann erklärte, daß Rußland selbstverständlich alle Wünsche seines Verbündeten erfüllen werde. Amerika. Amtsantritt des Präsidenten Wilson. T Washington, 4. März. Präsident Wilson ist gestern nachmittag hier eingetroffen und hat sich in einem ihm vom Präsidenten Taft gesandten Automobil ins Hotel begeben. Er wurde von einer großen Volksmenge enthusiastisch begrüßt. Heute tritt er seine Präsidentschaft an. Bryan als Abrüstungsapostel. Newyork, 4. März. Bryan, der als der Staatssekretär im künftigen Kabinett des Präsidenten Wilson gilt, erklärte in einer Rede über den Frieden:„Es ist die gebieterische Pflicht der Vereinigten Staaten, nicht nur auf jede mögliche Weise mit den Mächten der ganzen Welt für den Fortschritt des Friedens zusammenzuwirken, sondern auch in der Abrüstung ein glänzendes Beispiel zu geben. Die Union ist durch ihre Lage und durch ihre Stellung unten den Nationen besonders dazu geeignet, mutig diese Haltung einzunehmen. Schreckensherrschaft in Mexiko. T Mexiko, 4. März. Der provisorische Präsident Huerta führt eine Schreckensherrschaft ein. Er läßt seine Gegner massenhaft erschießen. Die Lage auf dem Balkan. Friedensbedürfnis der Türkei. London, 4. März. Die türkische Regierung fährt fort, auf indirektem Wege, namentlich durch Rußland ihre Friedensgeneigtheit gegenüber Bulgarien zu versichern. Bulgarien hat erklärt, mit der Grenzlinie Muradli=Enos einverstanden zu sein, doch nur so lange, als sich Adrianopel hält. Sollte die Festung in der Zwischenzeit fallen, so verlangt Bulgarien alluch den Besitz von Rodosto. Von anderer Seite hört man, daß die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen in derWeise vor sich gehen soll daß die Türkei die zum Verzicht auf Adrianopel auffordernde Kollektivnote der Mächte vom 17. Januar annehmen wird. Der amtliche Kriegsbericht. Konstantinopel, 4. März. Der amtliche Kriegsbericht besagt: Infolge des seit 2 Tagen herrschenden Sturmes und Schneewetters sind bei Bulair und an der Tschataldschalinie keine militärischen Operationen ausgeführt worden. Der Feind hat gestern Adrianopel in Zwischenräumen beschossen. der Gesundheitszustand der Truppen ist überall ausgezeichnet. Ein deutscher Dampfer von Bulgaren beschossen. Konstantinopel, 4. März. Die Blätter melden, daß unter anderen Handelsschiffen neutraler Staaten auch ein deutscher Hamburger Dampfer namens„Arkadia“ von Scharloi von den Bulgaren beschossen worden sei. Gerichtssaal. Düsseldorf, 4. März. Das Schöffengericht verurteilte den Zigarrenhändler Walter Hollmann wegen geschäftsmäßiger Vermittelung von Wetten zu französischen Pferdewettrennen zu 800 Mk. Geldstrafe. In seinen Geschäftsräumen waren für 14000 Mk. Wettscheine geBonn, 4. März. Das Schwurgericht verurteilte wegen Straßenraubs die Arbeiter Johann Müller aus Rankenhohn und Anton Quadt aus Kelters zu je 5½ Vägersraderhaf eie Jos. Räsgen aus -gersroterhof zu 3 J. Gef. Sie hatten am 30. August 1912 in Schladern den 15 jährigen Lehrling einer Fabrik seiner Posttasche beraubt. Trier, 4. März. Das Schwurgericht verurteilte den Maurer Ludwig Bunverd aus Wittlich, der am 22. Dezember 1912 seine Braut Barbara Kiesgen erschossen hat, zu 6 J. Zuchth. und 10 J. Ehrverlust. Saarbrücken, 4. März. Das Kriegsgericht der 34. Division verurteilte den Oberleutnant Wilh. Sonntag vom Infanterieregiment Nr. 30 in Saarlouis wegen Betruges zu 9 Monaten Gef., Dienstentlassung und Entfernung aus dem Bochum, 4. März. Am Landgericht begann gestern unter dem Vorsitze des Landgerichtsdirektors Ohme die 2. diesjährige ordentliche Schwurgerichtsperiode. Die 1. Verhandlung richtete sich gegen den kaum 20 Jahre alten Bergmann Heinrich Schilling aus Lütgendortmund, der sich wegen Straßenraubes verantworten mußte. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Gef. Dortmund, 3. März. Das Schöffengericht verurteilte den Milchhändler Fritz Rustemayer von hier gen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu 600 Mk. Geldstrafe. Rustemayer, der bereits wegen eines gleichen Vergehens mit 800 Mk. vorbestraft ist, hatte der Milch 7 Proz. Wasser zugefügt. Westdeutschland. Düsseldorf, 4. März. Der Bauunternehmer L. Iske hat seine Zahlungen eingestellt; die Schulden betragen an 250,000 Mt. Mörs, 4. März. Auf Schacht 1 der Zeche„Frieor##h Heinrich“ wurde der Schlepper Heinrich Kamp von 2 Förderwagen erfaßt und sofort getötet.— In Homberg geriet auf Zeche„Rheinpreußen 1“ der Hauer Konrad Iwanitzki unter Steinfall. Er starb kurze Zeit nach dem Unfall. Elberfeld, 4. März. Im ev. Vereinshause fiel ein 23jähriger Maschinist vom 4. Stockwerk in den Fahrstuhlschacht. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod bald darauf eintrat.„„. Barmen, 4. Marz. Der langjahlige unbesoldete Beigeordnete Fabrikant Ernst Schwartner hat sein Amt niedergelegt. Schwartner hat seit langen Jahren die Verwaltung der städtischen Wasser= und Lichtwerke. Solingen, 4. März. Wegen Brandstiftung wurde heute Nacht der Scherennagler Decker verhaftet. D. hat gestern abend seine Werkstelle in Brand gesteckt. Der Brand konnte von der Wehr gelöscht werden. T Köln, 4. März. Ein verwegener Raubanfall wurde gestern mittag auf der belebten Apernstraße verübt. Einer Dame, die bei einer Bank 20000 M erhoben und das Geld in ihrem Handtäschchen aufbewahrt hatte, wurde von einem Radfahrer das Täschchen entrissen, das sich auf der Flucht öffnete. Das Geld fiel auf die Straße und die Passanten beteiligten sich an dem Aufsammeln, so daß die Dame das Geld größtenteils zurückerhielt. Troisdorf, 4. März. Die Milchhändler haben eine Ermäßigung des Milchpreises um 2 J das Liter auf 20§ eintreten lassen.„. g.„„ 9966rMt Gohrerhei Rhöndorf, 4. Marz. Das hier neuerbaute Lehrecheim des Verbandes der kath. Lehrervereine Deutschlands soll Pfingsten eröffnet werden. Der Haushalt ist den Missionsschwestern aus dem Mutterhause zu Steyl übertragen. Die erzbischöfliche Behörde hat bereits die Genehmigung erteilt. Euskirchen, 4. März. In der am Gymnasium unter Vorsitz des Provinzial=Schulrats Dr. Hecker abgehaltenen Reifeprüfung bestanden von 14 Oberprimanern 13. Koblenz, 4. März. Die Enkelin des Ministers Frhrn. vom Stein, Frau Gräfin von der Goeben, hat ihre Einwilligung dazu gegeben, daß gelegentlich der Jahrhundertfeier im Steinschen Stammschloß zu Nassau eine Ausstellung von Sammlungen aus dem Steinschen Archiv erfolgt. Die Ausstellung soll im März eröffnet werden und bis zum 1. Juli dauern. Das Eintrittsgeld wird zu vaterländischen Zwecken verwendet. Cochem, 4. März. In Poltersdorf wurde ein Winzer von herabfallenden Felsmassen verschüttet und tödlich verletzt. Er starb am nächsten Tage. Bochum, 4. März. In Harpen hat sich die Frau des Arbeiters Richter infolge Verzweiflung über ihr Magenleiden aufgehängt. Als dies der Mann erfuhr, versuchte er sich ebenfalls zu töten. Er wurde aber überrascht und daran gehindert...., gf 51.1. Dortmund, 4. März. Der aschefahrer Wiavislaus Preuß geriet auf dem Eisenwerk Phönix unter einen Eisenbahnwagen, wurde überfahren und blieb auf der Stelle tot. Dortmund, 4. März. Die Stadtverordneten be eschlossen die Erweiterung des städtischen Elektrizitätswerkes mit einem Kostenaufwande von insgesamt Mark 1 070 000, ferner die Einstellung des städtischen Fleischverkaufs mit Rücksicht auf die zurückgegangenen Fleischpreise. Hamm, 3. März. Se. Exzellenz Wirklicher Geh. Rat Dr. Holtgreven, Chefpräsident des Oberlandesgerichts Hamm vollendete gestern sein 70. Lebensjahr. Geboren am 2. März 1843 zu Paderborn wurde Dr. Holtgreven nach dem Tode des Oberlandesgerichtspräsidenten Minister Dr. Falk am 16. Sept. 1900 zur Leitung der Geschäfte des hiesigen Oberlandesgerichts berufen. Im Jahre 1900 zählte das Oberlandesgericht 5 Senate mit 4 Senatspräsidenten und 25 Räten: heute 10 Senate mit 9 Senatspräsidenten, 45 Räten und 6 Hilfsrichtern und steht damit an 6. Stelle unter den 14 Oberlandesgerichten der Monarchie. Die Verdienste Dr. Holtgrevens haben wiederholt durch hohe Auszeichnungen von höchster Stelle Anerkennung gefunden. Holthausen, 4. März. Erfroren aufgefunden wurde am Sonntag morgen der 60jährige Veteran Fritz Dahlsberg. Lüdenscheid, 4. März. Gestern stürzte der Dachdecker Escher von einem Neubau so unglücklich ab, daß er kurz darauf an den schweren Verletzungen starb. Lüdenschei d, 4. März. Der Haushaltsplan unserer Stadt für 1913 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 1385 000 Mk. Die Steuersätze sind dieselben wie im Vorjahre 220 Proz. Bielefel d, 3. März. Die Stadtverordneten beschlossen die Uebernahme der stiftischen Cäcilienschule durch die Stadt. 700000 Mk. wurden für einen Erweiterungs. bau des städtischen Krankenhauses bewilligt. Neubeckum, 4. März. Gestern morgen 6,21 Uhr fuhr der von Beckum kommende Personenzug bei der Einfahrt in den Bahnhof auf einen Rangierzug. Beide Lokomotiven und 4 Wagen entgleisten. Schwer verletzt wurde der Heizer des Personenzuges, leicht veretzt der Zugführer, 1 Schaffner und 3 Reisende. Buer, 4. März. Durch unvorsichtiges Umgehen mit einer Browningpistole hat in Beckhausen ein Kostgänger ein 4 jähriges Kind erschossen. Er wurde verhaftet. Frankfurt=Main, 3. März. Der ChausseurKöhler und Diener van Acken unternahmen eine Vergnügungsfahrt mit einem Automobil. Das Automobil rannte gegen einen Stein. Der Diener wurde dabei auf der Stelle getötet, der Chauffeur schwer verletzt. T Metz, 4. März. Der Buchhalter Soisson von der Hütte Sambre a Moselle in Mezieres der nach Veruntreuungen von 54 000 Mk. verschwunden ist, wurde am Sonntag in Traben=Trabach an der Mosel verhaftet. Ein Anschlag gegen ein Automobil. Berlin, 4. März. Ueber die nichtswürdige Mordtat, durch die ein Berliner Ehepaar getötet und seine Tochter schwer verletzt wurde, auf der Chaussee bei Henningsdorf an der Havel wird noch berichtet: Gestern nachmittag, nachdem das Geschäft geschlossen war, unternahm der Goldwarenhändler Rudolf Plunz aus der Brunnenstraße 81 in Berlin wieder eine Autofahrt nach Lindow in der Mark. In seiner Begleitung befanden sich seine Frau und seine 2 Töchter. Der Automobilhändler Janke aus der Brunnenstraße schloß sich in seinem Auto mit seiner Familie an. In heiterer Stimmung ver lief die schöne Hinfahrt, und in dem idyllisch gelegenen Lindow wurde zu Mittag gespeist, dann eine Fahrt in die Umgebung gemacht, und nachdem man gegen 7 Uhr dort noch den Kaffee eingenommen hatte, rüstete man zur Rückfahrt. Plunz fuhr mit seinem Auto voran„und in geringem Abstande folgte der Jankesche Wagen. Der 1. Wagen war noch 4 Kilometer von Henningsdorf entfernt, er hatte gerade eine Kurve genommen u. hatte jetzt wieder die gerade Chaussee vor sich„so daß Plunz den Wagen mit voller Geschwindigkeit laufen ließ. Plötzlich stieß der Wagen gegen ein Hemmnis, so daß er sich jäh in die Höhe hob und dann zurückprallte. In derselben Sekunde hörten die Insassen des 2. Wagens markerschütternde Schreie, denen ebenso jäh tiefe Stille folgte. Janke bremste sofort, sprang von seinem Wagen und eilte rasch nach vorn. Hier bot sich ihm folgendes Bild: vor ihm lag halb auf der Seite das umgekippte Plunzsche Auto, 4 Schritte davon ein Körper in weiblicher Kleidung, unmittelbar daneben die ältere Tochter Else, über und über mit Blut bedeckt und regungslos. Von der anderen Seite kam jetzt die jüngere Tochter Anna zitternd herbei. Inzwischen waren Jankes Angehörige mit hellbrennenden Laternen herangekommen, und nun fand man auch die Leiche des Vaters. Auch sie war gräßlich verstümmelt. Dem Juwelier war der Kopf vom Rumpfe getrennt, er lag 10 Mtr. von dem Körper entfernt auf der Straße. Auf dieselbe Art hatte Frau Plunz den Tod gefunden. Als man nach der Ursache des Unfalles forschte, entdeckte man rasch, daß hier furchtbares Verbrechen verübt worden war. Unbekannte BuBubenhände hatten ein dickes Drahtseil 2 Mal quer über die Chaussee gespannt und an den Bäumen befestigt. Das Seil sperrte die Straße derart, daß es sich einmal ungefähr in der Höhe der Räder, das 2. Mal von 2 Meter befand. Wie die spätere Leichenbesichtigung ergab, hatte das Seil die Oberkörper von Plunz, seiner Frau und der Tochter Else oberhalb der Brust getroffen und war dann bis zum Halse hinaufgerutscht. Unter dem Kinn des Ehepaares wirkte es gleich Messer. Der Tochter Else ging das Seil über den Kopf, so daß sie mit dem Leben davonkam. Die jüngere Tochter Anna hatte sich gerade gebückt, um etwas aufzuheben; nur diesem Zufall verdankt sie, daß sie unverletzt davonkam. — Die Firma Adam Opel in Berlin hat auf die Ergreifung der Urheber des Automobilverbrechens bei Henningsdorf 500 M Belohnung ausgesetzt. Der Inhaber der Tonwarenfabrik Marwitz hat angezeigt, daß das Drahtseil am 19. Febr. aus seiner Fabrik gestohlen worden ist, und zwar von einem Packer. M„„. Gut m. Nach neuerer Mitteilung ist der Auromobithändter Jahnke der Ueberzeugung, daß ein Raubanfall geplant war. Die Täter seien nur dadurch gestört worden, daß er gleich mit seinem Auto hinter den Verunglückten eingetroffen sei. In der Tat hat gestern morgen ein Polizeihund einen Platz verbellt, der 200 Meter vom Tatort in einer Buchenschonung entfernt liegt; die weitere Spur hat der Hund verloren. Der Regierungspräsident von Potsdam hat auf die Ermittelung der Täter eine Belohnung von 1000 Mk. ausgesetzt. Der Kaiserliche Automobilklub, der ja auch ein großes Interesse an der Sache hat, lobte 3000 Mk. Belohnung aus. aller Welt. Der Selbstmord eines Grafen. Berlin, 4. März. Der Selbstmord des Grafen Posadowsky=Wehner, der sich vor 8 Tagen in einem Breslauer Hotel erschoß, scheint mit einer Darlehnsaffäre zusammenzuhängen. Der Graf, der Regierungsassessor in Düsseldorf, Leutnant der Reserve bei den Königshusaren in Bonn und „Alter Herr“ der Bonner Borussen war, hatte einen Geldagenten beauftragt, ihm ein Darlehen von 500000 A zu beschaffen, was aber nicht zustande kam. Sein Vater ist Besitzer einer mehr als 15000 Morgen großen, wohlgepflegten Majoratsherrschaft, die seit 200 Jahren in dem Besitz der Familie ist und einen Wert von 8 Millionen Mark repräsentiert. Für dieses Majorat ist Graf Silvius unumschränkter Majoratserbe. Der Vater besitzt außerdem noch ein Barvermögen von 4 Millionen Mark. Unter Mordverdacht verhaftet. amburg, 4. März. In der Halle des Blauen Kreuzes in der Niedernstraße wurde gestern der Arbeiter Dethleffen verhaftet, der den Landmann Ehlers in Boel bei Flensburg in der Nacht zum 22. Febr. erschlagen und beraubt haben soll. 200 Mk. wurden im Besitz des Verhafteten gefunden. 6 Personen ertrunken. Danzig, 4. März. Bei der Heimkehr von einem Bockbierfest ließ sich gestern morgen der Wächter Blank mit seiner Frau und seinen 2 Töchtern von dem Hofbesitzer Görtz und dessen Schwiegersohn Manski von Weichselmünde nach Neufahrwasser in einem Boot über die Weichsel setzen. Infolge des Eisganges kenterte das Boot. Alle 6 Personen ertranken. 2 Kinder entführt. T München, 4. März. In Neuötting hat der Maurer Franz Neuberger einen 3jährigen Knaben und ein 11jähriges Mädchen entführt, und ist mit seiner Frau über Triest nach Brasilien abgereist, nachdem das Ehepaar zuvor alles zu Geld gemacht und noch zahlreiche Betrügereien verübt hatte. Vom Ehepaar Toselli. London, 4. März. Bei den Londoner Verlegern Duckworth und Company erscheint Ostern ein Buch des Signors Enrico Toselli unter dem Titel„Der Ehemann einer Prinzessin“. In dem Buch wird erzählt, wie Toselli und die ehemalige Kronprinzessin von Sochsen sich heirateten, mit einander lebten und sich trennten. Ueber alle Einzelheiten dieser Ehe wird berichtet: über die erste Zusammenkunft in Florenz vor 7 Jahren, über die schnell aufflackernde Liebesaffäre, über die Hochzeit in England, über das häusliche Leben in Florenz, die Geburt des Sohnes, über die ehelichen Differenzen und mehrfachen Aussöhnungen und den endgültigen Bruch. ss C — 5S eus— SsEx—— 5 Kantipma SEy Komermanucn- u. Nemmunikanten-Anzi Bochum, Obere Marktstr. 18. Herne, Bahnhofstr. 78.““herz und blau Kammsern, Treiut groger Ausge, heriot, beste Verarbeitung, ni. 8.OObis m. 48.00 Un Anzüge Größtes Spezial-Haus Ar Verren zgerickanza wasese eg ss AGA von Feinste Maßschneiderei.= e = Große Werkstätten im Hause stellung eines Oesinfektors Schlüssel Gesundheitsaufsehers.#2992. K.816. Ariegsseiezgren-Vereinigung Gesundheitsaufsehers. Für den verstorbenen Desinfektor Aloys Rose zu Ariegsuczerazen-Vereinigung Wattenscheid ist der Bergmann Adam Pfafsenbach Stadt und Amt Wattenscheid. aus Röhlinghausen für die Gemeinden Günnigfeld, Leithe und Westenfeld als Desinfektor und Gesundheitsaufseher bestellt und in sein Amt eingeführt worden.#### Wattenscheio, ben 1. März 1913. Der Amtmann: Emisch. Der Kamerad Be Bernnl. Veteran von 1866, 1870/71 aus Westenfeld ist in Günnigfeld gestorben. Die Beerdigung findet Mittwoch vormittag 8,30 Uhr in Günnigfeld statt. Die Kameraden versammeln sich 8,15 Uhr am Sterbehause Mittelstraße No. 1. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Der Vorstand. Versammlung am Mittwoch, den 5. März. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder. Beitragszahlung. Kreisversammlung am 9. März. Unterrichtskurstgg. Der Vorstand. 183 cke! Die Herren Mitglieder werden zu der am Mittwoch, 5. März 1913, nachmittags 4,30 Uhr im Restaurant Leppler stattfindenden Versammlung hierdurch freundlichst eingeladen Tagesordnung: 1. Bezug von Saatkartoffeln. 2. Vortrag des Herrn Direktors Tillmann=Münster über„Die künstlichen Düngemittel und ihre Anwendung. 3. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Lehrling der gleich verdient, gesucht. H. Krienitz, Anstreichermstr. Bernardstraße 32. Sauberen Keren stellt sofort ein E. Brockhaus, Weststraße 37. Ein Sohn achtbarer Eltern welcher Lust hat, die Bäckerei zu erlernen, zu Ostern in die Lehre gesicht. Wilhelm Streier, Bäckerei mit elektr. Betrieb. Ein junges, katholisches Mädchen 16 J. alt, sucht Stelle in einem Kleinen besseren Haushalt z. I. April oder auch früher. Westenfeld, Heidestraße 78, Wegen Erkraukung des jetzigen, auf sofort ein tüchtiges Mädchen gesucht. Wirt Zarth. Ueckendorferstraße 802.— Einälteres, in allen Hausarbeiten erfahrenes Mädchen Uüur sofort gesucht. Südstraße 59. Schön gelegenes, fteundlich esch. Zinmer mit voller Pension an besseren Herrn zu vermieten. Hochstraße 11, Eingang Kaiserplatz, I. Etage. Wattenscheid, 4. März 1913. Hier aus meinem Herzen ganz Dank ich Dir, o lieber Franz. Treue schwört zu ew'gem Bunde Deine kleine Kunigunde. Deiner Augen heller Glanz, Macht mich glücklich, bester Franz. Nimm der sel'gen Worte Kunde: O, es liebt Dich Kunigunde. Fort mit jenem schlechten Hans! Dir nur leb' ich, einz'ger Franz. Immerdar, in jeder Stunde, Bin ich Deine Kunigunde. Auf das Haupt setz ich den Kranz Des Triumphes Dir, mein Franz. Tausend Küsse Deinem Munde Treu von Deiner Kunigunde. Als Soldat auf hoher Schanz Hast Du mein gedacht, o Franz. Standst auf weiter Erdenrunde Stets zu Deiner Kunigunde. Zu der Weihnacht eine Gans Sandt ich an den lieben Franz. Sie wog viele ganze Pfunde, Das bezeugt Dir Kunigunde. Wie's geziemt sich eines Manns: Kavalier ist ganz mein Franz. Schon aus diesem wichtgen Grunde Bleib ich seine Kunigunde. Für mein Leben gerne tanz Ich mit meinem schmucken Franz. Nach der Runde Extrarunde Tanzen Franz und Kunigunde. In dem kleinen Garten pflanz Blumen ich für meinen Franz. Denn der Blumen stumme Kunde Spricht von Deiner Kunigunde. O, ich küsse, denn ich kann's, Herzgesund den kranken Franz. Ja, es heilt Dir jede Wunde Treulich Deine Kunigunde. An die Hebammen von Wattenscheid u. Umgegend. N Möbl. Zimmer #m liebsten mit voller Pension per 1. 4. zu mieten gesucht. Nähe Bochumer= und Hochstraße, #sferten m. Preisangabe sub 4078 an die Exped. dsr. Ztg. nach der neuesten Ministerialverfügung sind bei mir vorschriftsmäßig und billigst zu haben. rogerie zum Carl Berghaus. BUSD SE SEE SSSE g! Billig! Große Blutfrische grüne Heringe Psund 7 Pfg. 10 Pfund(5 Pfg. 73 Makrel=Bückinge Kiste Russ. Sardinen Faß 95 Pfg. bechenderter Gust- u. Fischnalte, Rochstraus uu.: Am 27. Februar verstarb plötzlich und unerwartet infolge eines Unglückstalles mein innigstgeliebter Mann, treusorgender Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel der Maschinenwärter Joser-Bucke im Alter von 31 Jahren. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinierbllcbenen. Westenfeld, Wattenscheid, Matzdorf, den 3. März 1913. in der Kaiserstraße verloren. Gegen Belohnung abzugeben in der Expedit. dieser Zeitung. # Oststr. 13, Wattenscheid Oststr. 13. Lichtspielhaus ersten Ranges. Angenehmer Familien-Aufenthalt.:-: Bequeme elegante Sitzgelegenheiten, Dampfheizung, Eig. Theater-Orchester. 7. März. Apollo-Wochenschau. Aktuelle Aufnahmen der neuesten Ereignisse. Moritz sucht Stellung. Humoreske, gespielt von dem beliebten Frince. AstaNielsen! „Die Ainder des Generals. 85 Großes Drama in 3 Abteilung. In den Hauptrollen ASTANIELSEN. Der hervor# ragendste Film der Asta Nielsen-Serie. Cowboylehrling. Komödie. Wildwest-Aufnahmen. Ein Lachschlager. „Seelenstürme.“ Italienisches Sensationsdrama in 2 Abteilungen, aus dem Leben eines italienischen Diplomaten.— Wunderbar kolloriert. Ein Markt in Kabyle. Interessante wunderbare Naturaufnahme. „Stein unter Steinen.“ Großes Sensationsdrama eines entlassenen Strällings aus der Strafanstalt Sonnenburg. Ulk im Film. Sensationelle Neuheit! Kinematographisches Witz-sournal. Bei nicht zu starkem Andrang Extra-Einlagen. Sämtliche Vereine erhalten eine ganz bedeutende Preisermäßigung. Nach wie vor bringt das Apollo-Theater das Neueste und Beste. Mittwoch morgen trifft wieder ein großer Transport prima hochtragender und frischmelker : Kühe: ein. N.&M. Röttgen, Wattenscheid, Hüllerstraße. Telefon=Nr. 1353 Amt Gelsenkirchen. Sm Empfehle mich zum Aufarbeiten v. Damenund Mädchen=Hüten nach neuester Mode bei billigsten Preisen. Josephine Keul, Bödestraße 63 2. Etage. 6 6 Fruchtmarkt. Neuß, 3. März. Rüböl 66,50, faßweise 68,50, gereinigtes 69,50 M. für 100 kg. Rübkuchen 122,00, in kleineren Partien 126 Mk. für 1000 kg. Weizen 1. 20,90, 2. 19,90, 0. 00,00 Mk. Roggen alter 1. 00,00, 2.,00,00 M. Roggen neuer 1. Qual. 17,80, 2. 17,30 Mk. Hafer alter 1. 00,00, 2. 00,00 M. Hafer neuer 1. 18,20, 2. 17,20 Mk. Wintergerste 16,50 Mk. für 100 kg. Kartoffeln 2,50—3,20 Mk. Heu 4,00—4,50. Luzernen=Heu 5,00—5,50 Mk. für 50 kg. Maschinenstroh 15,00 Mk. Flegeldrusch 15,00 Mk. für 500 kg. Raps 29,00—30,00 Mk. Kleien 6,20 Mk. für 50 kg. Butter Kilo 2,80 Mk. Eier 1 Stück 12—14 Pfg. Die Beleidigung die ich gegen Frau Friedrich ausgesprochen habe, nehme ich hiermit zurück. R. Schäfer. Sadlhealer Esch. Dienstag, 4. März, 8—10,45 Uhr: „Der Freischütz.“ Romantische Oper von C. M. von Weber. Mittwoch, 5. März, 7,30—10,30 Uhr:„Nomeo und Julia.“ Trauerspiel von W. Shakespeare. Donnerstag, 6. März, 8—11 Uhr: „Cavalleria rusticana.“ Oper von Pietro Mascagni. Hierauf: „Der Bajazzo“ Oper von R. Leoncavallo. Freitag, 7. März, 8—10,30 Uhr: „Die Journalisten.“ Lustspiel von G. Freytag. Samstag, 8. März, 8—10,15 Uhr: „Er und seine Schwester.“ Posse mit Gesang und Tanz von B. Buchbinder Sonntag, 9. März, 8—6 Uhr: „Die Jungfrau von Orleans.“ Tragödie von Schiller. 8—10,30 Uhr:„Der Troubador.“ Oper von Guisevve Verdi. Datente etc. ###. Sos beraignss,flachschlageduch:“„Wig muss arztiy 1 — mue Brlindung lüir die Verwertung beschaft, sein- WE 141hu. igate erwirkt u. ververtet anerk. schnell) Ewr-iag. Jaerer&am r. Preslager Beria, Gitschinersie. 100, u.d.Pat-Amt Sasliecder Aornaen Dienstag, 4. März, 7,30—10,30 Uhr:„Der Freischütz.“ Roman= tische Oper von Karl Maria von Weber. Mittwoch, 5. März, 3.30—6,30 Uhr:„Der neue Herr.“ Schauspiel von Ernst von Wildenbruch. 8—10,45 Uhr:„Der Raub der Sabinerinnen.“ Schwank von Franz und Paul von Schönthan. Donnerstag, 6. März, 7,30—10 Uhr:„Der Waffenschmied.“ Oper von A. Lortzing. Freitag, 7. März, 7,80—10.15 Uhr: „Der gute Rus.“ Schauspiel von Herm. Sudermann. Samstag, 8. März, 8—10.45 Uhr: „Der Zigeunerbaron“ Opereite von Johann Straus. Sonntag, 9. März, 3,80—6 Uhr: „So'n Windhund.“ Schwank von CirtKraatz und ArthurHoffmann. 7,30—10 Uhr:„Heimliche Liede.“ Operette von Paul Ottenheimer