der deutschsprachigen Presse.V. in ## 145 e er on t Nr. 60.— 1884. Adonnementsyreict Die„Arnsberger Zeitung“ erscheint Sonntags und Donnerstags und kostet vierteljährlich 4 1,25, inel. des illustrirten Sonatagsblatts und der landwirthschaftl. Zeitung„Märkisch Sauerland“. Für die Redaction verantwortlich: J..: F. Wenker in Arnsberg. sberger Sonntag, 27. Juli. ..„ Inserate in der„Arnsberger Zeitung“ werden mit 12 pf. die Garmondzeile berechnet und bis Mittwoch und Samstag, 12 Uhr Mittags erbeten. Druck u. Verlag von F. W. Becker in Arnsberg. zugleich Amtliches Kreisblatt für den Kreis Arnsberg und Allgemeiner Anzeiger für den Regierungs-Bezirk Arnsberg. Briefe über wirthschaftliche Fragen. Die volkswirthschaftlichen Anschauungen, welche die Mehrheit heutiger Gebildeter für der Weisheit letzten Schluß ansieht, rühren aus der Zeit her mit der die unserige kaum mehr Etwas gemein hat.— Wer hat vor hundert, wer auch nur vor fünfzig Jahren eine Vorstellung davon gehabt, daß im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts West=Amerika, Südrußland und Indien auf den europäischen Märkten eine entscheidende Rolle spielen würden,— wer vorausgesehen, daß man einmal in zwölf Tagen von New=York nach Hamburg kommen, die nach Ostasien bestimmten Schiffe über Suez führen und den Weg von Washington San Francisco in sechs Mal vier und zwanzig Stunden zurücklegen werde?— Als um die Mitte des Jahrhunderts die mitteleuropäischen Eisenbahnlinien fertig gestellt, und mit Hilse der Dampfmaschinen Großindustrien geschaffen worden waren, die der im Handwerk beschäftigten Menschenkraft ein gut Theil ihrer früheren Thätigkeit abnahmen, hatte hatte man bereits die Empfindung, die Welt neu einrichten zu müssen. Seitdem sind auf politischem wie auf wirthschaftlichem Gebiete Dinge von noch größerer Traggweite erlebt worden. Die Aufhebung der Sclaverei in Nordamerika, die Emancipation der russischen Leibeignen, die wirthschaftliche Erschließung eines großen Theils der Balkan=Halbinsel sind von einer und derselben Generation erlebt worden. Dieselbe Generation hat dann der Erbauung des russischen Eisenbahnnetzes, der Durchstechung der Landenge von Suez, den Vorbereitungen zu einem Panama=Canal, der Eröffnung der nordamerikanischen Pacific=Bahnen und neuer über die Alpen geführter Schienenwege und einer Anzahl technischer Entdeckungen zugesehen, welche sämmtlich darauf hinauslaufen, Naturkräfte an Stelle der Menschenkraft zu setzen. Hand in Hand damit ist eine Ansammlung ungeheurer Kapitalien in den Händen Einzelner gegangen, welche völlig neue Großmächte geschaffen und von selbst zu der Frage geführt hat, wie lange der Bestand einer unabhängigen Mittelklasse überhaupt noch möglich sein werde.— Auf diese neuen Verhältnisse die alten Lehren von der Heilkraft der freien Konkurrenz und der natürlichen Uebereinstimmung der Interessen anzuwenden, ist zur Unmöglichkeit geworden. Es sind Konkurrenten auf den Kampfplatz getreten, von denen die alten Volkswirthschaftslehrer sich Nichs träumen ließen. Wenn vor 50 Jahren gesagt wurde, Deutsche, Engländer, Franzosen, Holländer, Russen u. s. w. sollten diejenigen Güter, die in jedem Lande am Besten und Wohlfeilsten hergestellt würden, frei und ungehemmt gegen einander austauschen, so hatte das einen Sinn. Heute ist derselbe verloren gegangen. Wie soll z. B. die deutsche Landwirthschaft mit Länderen konkurriren, in denen unerschöpflich fruchtbarer Boden überreichlich vorhanden, die Arbeitskraft wegen der großen Einfachheit der Bedürfnisse spottwohlfeil, das Klima unvergleichlich günstiger ist, wie bei uns? Südrussische, indische und nordamerikanische Productionsbedingungen sind in Mitteleuropa nicht vorhanden und die Einwendung, Deutschland solle die Producte dieser Länder gegen seine Industrie= Erzeugnisse austauschen, ist eine bloße Redensart. Weder läßt sich die Thatsache aus der Welt schaffen, daß einstweilen 42½ Proc. aller Deutschen von der Landwirthschaft leben müssen, und nur so lange leben können, als sie für die Früchte derselben Abnehmer finden,— noch wird jemals davon die Rede sein können, die an den Mitteleuropäischen Markt gebrachten amerikanischen, indischen und russischen Körner, Hölzer, Schlachtthiere u. s. w. mit unsern Industrieerzeugnissen zu bezahlen. Rußland und Amerika sind selbst im Besitz ausgedehnter Industrien, die sie durch Zollschranken zu schützen wissen und in den asiatischen Ländern hat die Natur dafür gesorgt, daß die Bedürfnisse, für deren Befriedigung unsere Fabriken arbeiten, nicht vorhanden sind und niemals vorhanden sein werden. Dazu kommt, daß die industrielle Konkurrenz eben so schwierig geworden ist, wie die landwirthschaftliche. In dem größten Theil Europas haben die Menschen sich zu Folge der großen Kapitalansammlungen so einseitig auf die Industrie geworfen, daß das Angebot die europäische wie die außerenropäische Nachfrage übersteigt und daß die massenhaft nach Europa gelangenden amerikanischen und asiatischen Naturprodukte nur zum Theil mit Waaren bezahlt werden können.— Was bleibt übrig, als der Versuch, die ein Mal vorhandenen und durch andere Thätigkeiten nicht zu ersetzende einheimnische landwirth= schaftliche Production so weit zu schützen, daß sie wenigstens fortbestehen kann? Da unsere Landwirthschaft in Bezug auf Wohlfeilheit mit Amerika, Indien 2c. nicht koncurriren kann, darf sie auf Abnehmer an ausländischen Märkten kaum mehr rechnen: wird sie auch noch von dem inländischen Markte verdrängt, so sind nicht nur Producenten(Gutsbesitzer, Bauern, und ländliche Arbeiter) sondern außerdem die Gläubiger, ja alle Bürger des deutschen Staates schwer gefährdet. Die alten Lehren halten den neuen Verhältnissen gegenüber aber nicht mehr Stich: jede Zeit hat ihre eigenen Wirthschaftsgesetze und diejenigen unserer Zeit müssen erst gefunden werden. Kundschau. Berlin. Kaiser Wilhelm setzt seine Badekur in Gastein mit bestem Erfolge fort. Am Sonntag war in Gastein so starker Schneefall, daß der Monarch den gewohnten Kirchenbesuch unterlassen mußte.— Kaiser Wilhelm hat zugesagt, der am 19. October d. I. stattfindenden feierlichen Einweihung des neuen Universitätsgebäudes in Straßburg beizuwohnen.— Das deutsche Kronprinzenpaar ist mit seinen drei jünsten Kindern zum Besuche der Königin Viktoria nach England gereist. — Die Frau Prinzessin Wilhelm und der neugeborene Prinz befinden sich so wohl, daß weitere Nachrichten über deren Befinden nicht ausgegeben werden. Die Taufe des Prinzen wird voraussichtlich im August, nach der Rückkehr des Kaisers und der Kaiserin von ihren Sommerreisen und vor ihrer Wiederabreise zu den großen Manövern des 7. und 8. Armeecorps stattfinden. — Das Reichsgericht hat beschlossen, von einer strafrechtlichen Verfolgung des Abg. Antoine in Metz(wegen Landesverraths) abzusehen. — Wie in früheren Jahren soll auch diesmal wieder im Interesse der Volkswirthschaft und allgemeinen Landeskultur die Stellung beziehungsweise Abkommandirung aktiver Soldaten zu Erntearbeiten erfolgen, und es sind Truppentheile demgemäß mit Anweisung versehen, den Gesuchen um Abgabe von Erntearbeiten nach Möglichkeit, soweit es die Interessen des Dienstes zulassen, zu willfahren. — Die Reichsregierung hat der schweizer Behörde die Mittheilung zukommen lassen, daß sie Maßnahmen gegen die Einschleppung der Cholera von Frankreich her treffe und gewärtige, daß auch die anderen Grenzländer, Belgien, Luxemburg und die Schweiz solche Anordnungen erlassen würden. Andernfalls müsse sie die betreffenden Staaten als choleraverdächtige behandeln. Da die durch die Schweizer Regierung verfügten Anordnungen mit den von Deutschland vorgesehenen übereinstimmen, wird der Verkehr zwischen den beiden Staaten wohl keine Beeinträchtigung erfahren. — Da durch§ 1 des Gesetzes vom 6. Juni d. ., betreffend die Stempelsteuer für Kauf= und Lieferungs=Beträge im kaufmännischen Verkehr und für Werkverdingungs=Verträge, die Allerhöchste KabinetsOrdre vom 30. April 1847 und die derselben entsprechenden Vorschriften der Tarife zu den StempelVerordnungen vom 19. Juli 1867 Nr. 29 d und 7. August 1867 Nr. 28 d aufgehoben sind, so unterliegen Kauf= und Lieferungs=Verträge über andere Gegenstände als Grundstücke oder Grundgerechtigkeiten — insoweit dieselben nicht nach§ 11 des Reichsstempelgesetzes vom 1. Juli 1881(R. G. Bl. S. 185) vom Preußischen Stempel befreit sind(vergl. Tarifnummer 4 a zum Reichsgesetze und§ 9 des letzteren) — in Zukunft dem für Kauf= und Lieferungsverträge über bewegliche Gegenstände im Allgemeinen vorgeschriebenen Stempel von 1/8 Procent des Kauf= oder Lieferungspreises auch dann, wenn die von einem Kaufmann vorgenommene Veräußerung eines nach seinem Geschäft zur Veräußerung bestimmten Gegenstandes in Frage steht. Dieser Stempel ist hei Kaufverträgen, welche mit einer vom Stempel befre.. Kehrer Person(z. B. dem Reichs= oder Preußischen Fiskus) geschlossen sind nur zur Hälfte— dagegen bei Verträgen über Lieferungen an das Reich, den Staat oder öffentlichen Anstalten, zum vollen Betrage zu verwenden. Bei Werkverdingungsverträgen, inhalts deren der Uebernehmer auch das Material für das übernommene Werk ganz oder theilweise anzuschaffen hat, ist nach§ 2 des Gesetzes vom 6. Juni d. J. zu verfahren. Für Nebenverträge(z. B. Kompromißverträge), welche in Kauf= oder Lieferungsverträgen, oder in Werkverdingungsverträgen der im§ 2 Abs. 1 des Gesetzes bezeichneten Art enthalten sind, ist neben dem Kauf= oder Lieferungsstempel auch noch der allgemeine Vertragsstempel,— und zwar, wenn der eine der Vertragschließenden eine vom Stempel befreite Person ist, in der darstellbaren Hälfte von 1— zu verwenden. Dagegen bedarf es bei Werkverdingungsverträgen der in§ 2 Abs. 2 des Gesetzes bezeichneten Art, falls wegen der darin enthaltenen Arbeitsvertrages der allgemeine Vertragsstempel verwandt ist, eines besonderen Stempels für etwaige Nebenverträge nicht. Oestereich. Die Untersuchung gegen den Anarchisten Kammerer hat auch ergeben, daß gegen die kaiserliche Hofburg in Wien ein Attentat von Kammexer, Stellmacher und Genossen geplant war. Sie wy tten die Burg, während der Kaiser in Wien weilte, mättels Dynamit in die Luft sprengen. Drei Anarchisten, welche dabei mit Kammerer und Stellmacher in Verbindung waren, sind noch nicht in Händen der Polizei, welche sie verfolgt. Zwei davon sollen sich nach Deutschland geflüchtet haben, der dritte dagegen in Wien sein. Frankreich. Die Nachrichten über den Konflict mit China sind sehr widersprechend. Einem angeblich in Paris eingetroffenen Telegramm aus Pecking zufolge erklärt China, daß, nachdem die Vorgänge bei Langson klargestellt seien und es feststehe, daß den chinesi80 60 605 80 50 23) Der Verschollene. Novelle von M. Gerhardt. Verfasser von:„Geächtet,“ Die„Weltverbesserer." Fortsetzung. „Bube, Du zitterst für Dein Leben?“ knirschte Arnold und riß das Gewehr empor.„Was hindert mich Dich niederzuschießen wie einen tollen Hund?“ „Drück' los!“— Mit großartiger Gelassenheit, ohne mit der Wimper zu zucken, blickte Herbert auf den seiner Sinne nicht mehr Mächtigen, der aufgesprungen war und die Büchse in Anschlag hielt.„Mein Leben ist Dir verfallen, und ich wollte, Du hättest niemals die Hand ausgestreckt, es mir zu erhalten. Drück los!— ich bin bereit.“ In der That war die Mündung der Waffe kaum drei Schrittentfernt auf seine Brust gerichtet. Die Zähne aufeinander gebissen, mit todtbleichem, entstelltem Gesicht zögerte Arnold, und in demselben Moment, wo sein Finger den verhängnißvollen Griff that, fuhr der Lauf des Gewehrs abwärts, und der Schuß ging in die Luft. Ein paar Tannenzapfen raschelten nieder— dann schleuderte Arnold die Flinte weit von sich zu Boden, wandte sich und ging, ohne einen weiteren Blick auf seinen Gegner. Schwankend wie ein Trunkener tummelte er sich den steilen Pfad hinunter, stürzte unten in dem Haidekraut nieder, wie ein gefälter Baum, und blieb liegen, das Antlitz in die Arme gedrückt.— Sechzehntes Kapitel. Die kleine Ella war sehr krank. Der Schlummer im feuchten Grase, nach der Angst, dem Weinen und der Erhitzung, in welche das Herumirren und Suchen nach der Mama das Kind versetzt, hatten eine entzündliche Halskrankheit zum Ausbruch gebracht, deren Keim wohl bereits vorher in dem kleinen Körper lag. Das ließ Natalie indeß nicht als Milderungsgrund ihrer Schuld gelten, die sie in voller, erdrückender Schweere auf sich nahm. Die heiligste Pflicht, die die Mutter gegen ihr hülfloses Kind, hatte sie im Rausch der Leidenschaft versäumt!— Als das Fieber immer heftiger ward, als am dritten Tag der Arzt eingestand, daß das Schlimmste zu befürchten, und daß er wenig thun könne, eine Gefahr abzuwenden, deren Natur ihr ja aus vielen traurigen Fällen bekannt sei, da schrie es in ihr auf, daß sie ihr Kind getödtet und nie mehr wagen werde, ihre Augen frei zum Himmel zu erheben.— Jene Minuten weltentrückter Seligkeit in den Armen des Jugendgeliebten, die sie als Wendepunkt in ihrem Leben und Denken, als den höchsten Sieg freigeschaffenen Menschenseins empfunden, mutheten sie in der Erinnerung abstoßend, wie ein plötzlicher Wahnsinnsausbruch, an, Herbert selbst, den nun einmal tausend schmerzliche Fäden unlöslich an sie fesselten, erschien ihr wie der Genosse ihres Verbrechens und ihres Elends, und der Gedanke an Arnold, dessen ganzes Lebensglück durch ihre Schuld zerstört ward, lastete auf ihr wie die schwerste Buße, die Gottes Gerechtigkeit über ihr verhängt. Herbert war, seinem Versprechen getreu, ihr fern geblieben. Doch setzte er sich schriftlich mit ihr in Verbindung, und meldete ihr, schon am Tage jener verhängnißvollen Begegnung, daß er seinen Aufenthalt im Forsthaus genommen, wo er in der Stille die Flucht vorbereite, und das Signal dazu von ihr erwarte. Nataliens Erwiderung bestand in einer kurzen Benachrichtigung von dem Zustand ihres Kindes, der, wie er wol fühlen würde, die Unausführbarkeit seiner Pläne in sich schlösse. Herbert ließ sich dadurch nicht entmuthigen. Er würde warten, schrieb er, bis Ella genesen. Er begreife sehr wol die niedergedrückte Stimmung der um das Leben des Kindes zitternden Mutter, beschwöre sie aber, nicht sein und ihr Loos von Umständen abhängig zu machen, die, außerhalb der menschlichen Machtsphäre gelegen, als ein Gegebenes hingenommen werden müßten, und aus denen nur ihre zarte Gewissenhaftigkeit sich Grund zu Selbstvorwürfen herleiten könne.—„Genug der quälenden Skrupel, laß in hochherzigem Entschluß hinter Dir zurück, was doch aufgehört hat, Dein Sein anszufüllen, fasse Muth, Dich ganz und voll dem Glück hinzugeben, die eigenste Bestim mung Deines Lebens erreicht zu haben, in der Vereinigung mit mir, der ich ein Theil Deines Selbst bin.“ Die Wirkung dieses Briefes auf Natalie war eine, den Erwartungen des Schreibers ganz entgegengesetzte. Sein unzeitiges Andringen verletzte sie in ihrem innersten Empfinden, und bestimmte sie, ihr letztes, entscheidendes Wort ihm gegenüber zu sprechen. Sie bestellte die Botin früh zum folgenden Morgen. In der Nacht, die sie am Bett der kleinen Kranken durchwachte, hatte sie Muße, dem Manne, den sie liebte, das Urtheil zu sprechen. Einige Stunden, nachdem dies Schreiben abgesendet, trat Arnold bei seiner Frau ein. Er hatte nur einen halblauten Gruß für sie, ließ den Blick müde und fast theilnahmlos über das verwachte, vergrämte Gesicht mit den tiefen, bläulichen Schatten um die Angen, den nachlässig aufgesteckten Haaren, dem hastig übergeworfenen Anzug gleiten. Wie war seine jugendlich schöne Frau verwandelt!— Und wie verwandelt stand er selbst vor ihr!— „Du hast die Nacht gewacht?“ fragte er, indem er unverw.ilt nach dem Schlafzimmer schritt, einen Blick auf Natalie zurückwerfend.„Steht esschlimmer?“ „Es steht nicht gut,“ antwortete sie gedrückt. Arnold beugte sich über das Bettchen, in welchem sein Liebling fieberglühend und schwerathmend lag. Natalie stattete über den Verlauf der Krankheit mit allen Einzelheiten gewissenhaft, mit leiser ausdrucksloser Stimme Bericht ab. Als sie den letzten verhängnißvollen Ausspruch des Arztes wiederholte, zitterte ihre Stimme, sie rang nach Athem und stammelte die letzten Worte so gebrochen heraus, daß Arnold, der sie stumm und gesenkten Auges angehört, aufblickte. „Du bist angegriffen,“ sagte er.„Lege Dich jetzt nieder, ich bleibe hier. Ich bin Dir sehr dankbar, daß Du bisher so aufopfernd für das Kind gesorgt hast.“ Die fremd und kalt klingenden Worte gaben Natalie einen Stoß ins Herz.„Ella ist mein Kind, wie Deines," erwiderte sie mit aufflackerndem Trotz,„Du wirst mich nicht von ihrem Lager fortschicken,— Du hast nicht das Recht dazu.“ Er sah sie wieder flüchtig an und preßte die Lippen zwischen die Zähne. Wie zerstört und zerfahren sie aussah, wie ganz und gar aus ihrem schönen harmonischen Gleichgewicht geworfen!— Ihr Anblick empörte ihn und machte sein Herz bluten. Und wie sie sich mit beiden Händen an die Bettpfosten zu Häupten des Kindes klammerte, merkte er, daß sie, dem Zusammenbrechen nahe, sich nur mit Gewalt aufrecht hielt. „Ich schicke Dich nicht fort,“ sagte er sanft. „Aber— Du wirst Deine Kräfte noch sehr nothwendig brauchen, und daher bitte ich Dich, ruhe jetzt gründlich aus. Ich werde Dich rufen, falls hier— eine Veränderuug eintritt.“ Als Natalie in der alten Gewohnheit der Folgsamkeit ohne weiteren Widerspruch sich zurückzog, fiel ihm der Brief ein, den er über dem Anblick seines todtkranken Kindes fast vergessen. Alle Bitterkeit der letzten Stunden stürmte wieder in ihm auf, aber er zwang sie nieder. Natalie war offenbar sehr schonungsbedürftig und die Sache eilte nicht.— Er saß neben dem kleinen Liebling, seine brennenden Lippen befeuchtend und mit der äußersten Sorgfalt alle Pflichten der Krankenpflege erfüllend— und dachte mit dumpfer Ergebung daran, wie es sein würde, wenn dies kleine Herz, das stärkste Band, das ihn ans Leben fesselte, zu schlagen aufgehört und sein Weib ihn verlassen haben würde. Wie er selbst dann weiter leben— weiter schaffen sollte, konnte er nicht ausdenken— es war, als versagte sein schmerzendes, zuckendes Hirnden Dienst. Endlich tauchte das Bild seiner Mutter in ihm auf. Ja, sie würde seiner noch bedürfen— und auch Hans— und das Schicksal seiner Arbeiter war ebenfalls an das Seinige gekettet. Er durfte nicht A — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse.V. schen Kommandanten für den Zusammenstoß mit deu französischen Truppen keine Schuld treffe, Frankreich keinerlei Recht habe, eine Entschädigung zu fordern, die zu zahlen China entschieden ablehnen müsse.— — Die wegen der Cholera veranstaltete Massenversammlung der Arbeiter in Marseille war von einigen Tausend Menschen besucht. Anarchisten suchten in das Stadthaus zu dringen; verschiedene Verhaftungen kamen vor, darunter diejenige des Anarchisten führers, welcher Inhaber eines öffentlichen Hauses ist. — Am Montag theilte Lesseps in der Pariser Akademie der Wissenschaften mit, daß sich die internationale technische Kommission für Erweiterung des Suezkanals und gegen die Anlage eines zweiten Kanals ausgesprochen habe. — Ministerpräsident Ferry hat dem Ministerrath mitgetheilt, die Verhandlungen mit China nähmen einen guten Verlauf, der chinesische Staatsrath habe den Vizekönig von Nanking beauftragt, die schwebenden Fragen, namentlich die Entschädigungsfrage, mit dem französischen Gesandten zu regeln. Eine baldige Lösung der Angelegenheit stehe bevor.— Die Regierung hat in Hinblick auf Choleragefahr beschlossen, in diesem Jahre die militärischen Manöver in Südfrankreich nicht stattfinden zu lassen. England. Die Finanzbeiräthe der egyptischen Konferenz haben ihre Arbeit beendet und das Ergebniß derselben einer am Dienstag stattgehabten Gesamtsitzung vorgelegt, der am Donnerstag eine zweite folgte. Beschlüsse irgend welcher Art scheinen noch nicht gefaßt worden zu sein. — Wenn es sich bestätigt, daß die Konferenz die Vorschläge Englands in den Fragen der egyptischen Finanzregulirung ablehnt— und es hat ganz den Anschein— dann mag Herr Gladstone ruhig sein Bündel schnüren. Seine Politik bringt dem Lande Enttäuschung über Enttäuschung. Die Reformen in Irland haben die Mondscheinbande und die Dynamitarden nicht entwaffnet; in Egypten und im Sudan Mißerfolge; die Wahlreformvorlage scheiterte am Widerstand des Oberhauses; sagt nun auch die Konferenz zu den englischen Vorschlägen„Nein“, da wäre das Maß des Mißgeschickes für Gladstone voll. — Im Hydepark zu London fand am Montag eine große Kundgebung für die Wahlreform und gegen deren Ablehnung durch das Oberhaus in sieben durch Führer des Unterhauses geleiteten Volksversammlungen statt. Es wurden Resolutionen angenommen, in welchen eine Herbstsession des Parlaments empfohlen und das Verhalten des Oberhauses gemißbilligt wird, dessen Macht, den Willen des Volkes zu hemmen, nicht beitrage zum Wohle Englands. Die Zahl der Theilnehmer an Kundgebung, welche vorzüglich geordnet war, wird auf 50—70000 geschätzt. Schweiz. Die Schweizer wollen sich nun die Anhänger der Heilsarmee, da es im guten nicht geht, mit Gewalt vom Halse schaffen. Nachdem in Bern bereits am letzten Sonntag gegen die Heilsarmee Demonstrationen stattgefunden hatten, an welchen sich gegen 2000 Personen betheiligten, wurde am Montag das Versammlungslokal der Salutisten demolirt. Zur Verhinderung weiterer Ausschreitungen wurde ein Com pagnie Infanterie aufgeboten. Italien. Der Präsident des Senats, Tecchio, hat aus Gesundheits= und Altersrücksichten seine Entlassung gegeben. Der Ministerpräsident ersuchte Tecchio, das Präsidium weiterzuführen, Tecchio beharrte indessen auf seiner Entlassung.(Die Bitte des Ministers war nur eine Höflichkeitsform, denn Tecchio hat sich durch eine heftige, gegen Oesterreich gerichtete Rede unmöglich gemacht.) — Wie aus Rom gemeldet wird, hat der Papst dem Maler Franz v. Lenbach die erste Sitzung zur Schaffung eines Portraits gewährt. Dieses Papstbild, welches der berühmte Künstler dem Münchener Ceutral=Verein für Kirchenbau zum Geschenke angeboten hat, wird in München ausgestellt werden. Portugal. Die Regierung hatte für alle aus deutschen Häfen kommenden Schiffe eine fünftägige Quarantäne vorgeschrieben. Der deutsche Gesandte in Lissabon hatte hiergegen Protest eingelegt, da diese Maßregel gänzlich unbegründet und zwecklos ist und alle deutschen Seeplätze bisher in keiner Weise choleraverdächtig sind. Rußland. Der Czar wird nun doch nach Warschau kommen. Die Vorbereitungen sind im vollsten Gange und eine Militärbewachung von 13.000 Mann für den Bahnkörper bis Warschau angeordnet. Alle Russen, die sich nicht legitimieren können, werden vor der Ankunft des Kaisers aus Warschau ausgewiesen. — Aus Warschau schreibt man: Die Zahl der unter dem Verdacht eines geplanten Attentats Verhafteten wird auf 100 angegeben. Am Dienstag wurden 20 russische Studenten verhaftet. Zwei Offizire des Regiments„Kaiser Wilhelm" haben sich erschossen. Man nimmt an, daß sie im Komplot ver wickelt waren. Bei dem Friedensrichter Bardowski fand man Dynamit, er wohnt in der Straße, die der Kaiser bei seinem Einzug in Warschau passiren muß. Die Stadt wimmelt von Soldaten. Türkei. Die Pforte sitzt in der Geldklemme bis über die Ohren. Schulden über Schulden und kein Geld in den Kassen! Rußland ist einer der ungeduldigsten Gläubiger, der nicht müde wird, wegen der Zahlung der Kriegsentschädigung zu drängen, und, da die hierfür bestimmten Einnahmequellen nicht ausreichten, die Zuweisung neuer zu verlangen. Gleichzeitig dringt der Botschafter von Nelidow auf die Zahlung von Schadenersatz an jene russischen Kaufleute in der Türkei, welche durch den Krieg geschädigt wurden. Die Gesammtsumme dieser Ersatzleistungen beträgt ungefähr 6 Millionen Frank, wovon die Pforte sich anheischig machte, eine Million sofort zu zahlen. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Rumänien. Aus Bukarest wird gemeldet, daß infolge der jüngsten königsfeindlichen Kundgebungen daselbst vor der Hauptwache des königlichen Schlosses zwei Geschütze mit der nöthigen Bedienungsmannschaft aufgestellt worden sind. Aegypten. Seit Wochen galt der Mudir von Dongola als zu den Rebellen übergegangen, wie vierzehn Tage lang Kartum für gefallen und General Gardon für gefangen galt. Jetzt wird mit einemmal alles widerrufen. Der Mudir von Dongola telegraphirte nach Kairo, er habe von Gardon am 22. Juni eine Depesche erhalten, derzufolge sich Kartum und das dieser Stadt naheliegende Senaar in gutem Vertheidigungszustande befänden; Gordon habe 8000 Mann Truppen und fragt an, wann er Verstärkungen erhalten könne.— Trotzdem trauen die Engländer dem Frieden nicht recht und haben nun einen Mojor mit 40 Mann nach Dongola entsendet, der sich überzeugen soll, wie denn die Dinge zu Dongola in Wirklichkeit stehen. Nordamerika. Die Regierung der Vereinig ten Staaten hat strenge Maßregeln gegen die Einschleppung der Cholera angeordnet. Regierungsschiffe werden an der Küste einen Kordon bilden, um das Land von aus fremden Ländern kommeuden Schiffen, welche nicht mit einem reinen Patente versehen sind, zu verhindern. Arnsberg. Der zum Dampfkessel=Revisor für die Stadt Hagen und für die landräthlichen Kreise Olpe, Altena, Iserlohn, Arnsberg, Meschede, Brilon ernannte Regierungsbaumeister Köpke wird seinen Wohnsitz in der Stadt Iserlohn nehmen. — Der evangelische Ober=Kirchenrath wird mit Allerhöchster Genehmigung zur Abhülfe der dringendsten Nothstände der evangelischen Landeskirche in den Provinzen Ost= und Westpreußen, Brandenburg, Pom mern, Posen, Schlesien, Sachsen, Westfalen und Rheinland am 5. Oktober d. Is. eine Kirchenkollekte, sowie während der auf diesen Tag folgenden Zeit in den evangelischen Haushaltungen eine Hauskollecte durch kirchliche Organe abhalten lassen. — In Menden bei Iserlohn ist eine Landes= und Reichsstempel=Distribution errichtet und deren Verwaltung dem Rendanten der städtischen Kommunal= und Sparkasse daselbst, Hüll, übertragen worden. — Die Zahl der am ersten Juli cr. in Preußen vorhandenen Gerichtsassessoren betrug 928. Damit ist die höchste Ziffer seit einer langen Reihe von Jahren erreicht. Die Zunahme im letzten halben Jahre betrug gerade 100. Soest, 21. Juli. Vom Rhein kommt die betrübende Nachricht, daß dort ein Offizier der hiesigen Garnison beim Baden ertrunken sein soll.(Dm..) Münster, 24. Juli. Unsere Provinzial=Hauptstadt Münster wird am Sonntag, 21. September cr., des Allerhöchsten Besuches Seiner Majestät unseres allverehrten Kaisers und Königs sich zu erfreuen haben. Höchstderselbe trifft am genannten Tage, von Benrath kommend(nicht von Schloß Babelsberg, wie der Westfälische Merkur irrthümlich berichtet hat, der auch als Ankunftstag des Kaisers ein einfaches Datum anführt), wo am 20. Sept. cr. die Manöver zu Ende gehen, zu Münster ein und kehrt nämlichen Tages von da zurück. Das zu Ehren Sr. Majestät daselbst stattfindende Bankett wird, einschließlich des auf 100 Personen angenommenen kaiserlichen Gefolges, 435 bis 450 Gedecken berechnet. Es werden außer 84 Provinzial=Landtagsabgeordneten, viele hohe Würdenträger aller Beamten= Kategorien, richterliche und Verwaltungsbeamte, u. a. auch 10 Geistliche beider Konfessionen, eine Anzahl höherer Militairs, die Vorsitzenden von 11 Handelskammern und 5 landwirthschaftlichen Vereinen Einladungen zur Theilnahme an diesem Kaiserfeste erhalten. Das Diner wird, da der Rathhaussaal als dazu zu klein sich erweist, in dem neu erbauten Akademie=Gebäude stattfinden. Paderborn, 22. Juli. In Vertretung des hochwürdigsten Herrn Bischofs Franz Caspar, welcher durch ein leichtes Unwohlsein verhindert war, hat heute Morgen der hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Freusberg in unserer Domkirche 7 junge Theologen der Diöcese die hl. Pristerweihe ertheilt. Witten, 22. Juli. Wie wir aus guter Quelle hören, wird die neue Werkstättenanlage der Bergisch=Märkischen Bahn hierselbst, welche rund 13000 gm. Flächenreal, darunter 7800 gm. bebaute Fläche umfaßt, elektrische Beleuchtungseinrichtungen erhalten, und zwar soll Bogenlicht zur Verwendung gelangen. Die Neuanlage soll noch im Laufe dieses Jahres in Betrieb genommen werden. ei genmächtig über sich verfügen, wie irgeud ein anderer lebensmüder Bankerotteur, der seinem wurzelloßen Dasein ein Ende macht, wenn er aufhört, ihm zu behagen. Sehr bald war Natalie wieder bereit, ihrem Mann, der sich den Dienst bei der kleinen Kranken nicht nehmen ließ, demüthig, hülfreich zur Hand zu gehen. Der Arzt kam Nachmittags und fand die Sachlage nicht verschlimmert, wenn auch nicht hoffnungsvoller als gestern. Er bewegte verneinend das Haupt und wieder saßen Beide Stunde um Stunde fremd gegenüber. Endlich gewann es Arnold über sich, den Brief hervorzuziehen. Er reichte ihn seiner Frau hin, deren Antlitz von Purpurgluth übergossen ward. „Wenn ich mir zuviel herausgenommen, das Schreiben, das mir zufällig kzu Gesicht kam, an mich zu nehmen, so bitte ich um Verzeihung, sagte er, die Stimme dämpfend, kühl und gemessen. „Aber noch lebst Du unter meinem Dache und meinem Schutze und ich hielt es für meine Pflicht, Dir die Möglichkeit zu geben, noch einmal zu überlegen, ehe Du einen unwiderruflichen Schritt thust. Ich habe den Brief nicht gelesen, fügte er rasch hinzu, als Natalie betroffen den Schluß des Umschlags betrachtete,„nur aus Domhoffs Anwesenheit und der Thatsache einer Correspondenz mit ihm meine Schlüsse gezogen— die er selbst bestätigt hat.— Bist Du willens, ihm zu folgen, so werde ich Dir nichts in den Weg stellen.— Geht es hier zu Ende, so — giebt es ja weiter nichts mehr, was Dich an mich fesselte,“ fügte er fast unverständlich hinzu. —„Wie ich Dich kenne, bin ich zwar fest überzeugt, daß das Leben mit einem Manne wie Domhoff Dich körperlich und geistig zerstören muß,— wie es ja schon einmal nahezu geschehen— allein das ist ja wohl nicht meine Sache.— Aber meine Sache ist es, und ich werde darauf dringen, so viel es in meiner Macht steht, daß Alles, was geschieht, mit Anstand und Ehren geschieht. Mit dem Bewußtsein, Dich weggeworfen, Deinen weib* Minden 22. Juli.(Gedächtnisfeier.) Mind. Ztg. berichtet: Heute morgen wurde 100jährige Gedächtnisfeier der Geburt des men und Professors Friedrich Wilhelm Bessel in Aula des hiesigen Gymnasiums durch einen Fes begangen. Um 10 Uhr versammelten sich eine An Damen und Herrn, letztere allen Berufsklassen an hörend, in der Aula, um das Andenken an eine berühmtesten Kinder unserer Stadt durch ihre Geg wart zu ehren. Der Gymnasialschüler=Gesang eröffnete die Feier mit dem Liede:„O Natur deinum Busen", worauf der Gymnasiallehrer## Dr. Kohn eine Vorlesung hielt, die die Biograg des Gefeierten zum Gegenstande hatte. Das 9 „Die Himmel rühmen die Ehre Gottes“, wieder vom Chor gesungen, beschloß den Festakt, der 11 Uhr beendet war. Halver, 22. Juli. Heute starb, wie die W. Ztg. mittheilt, der letzte Veteran unserer Gemei aus den Befreiungskriegen, Peter Kaspar Mo Magdheide, im beinahe vollendeten neunzigsten Leben## jahre, Inhaber des eisernen Kreuzes, des russise St. Georgsordens, der Kriegsdenkmünze von 1814 der Erinnerungs= Kriegsdenkmünze vom 17. Mi 1863 und des allgemeinen Ehrenzeichens. Um sein Heimgang trauern 10 Söhne, 42 Enkel und 18 Urg kel. Die Zahl der Kämpfer aus jenen großen Zei der Befreiung Deutschlands vom französischen Jo ist damit im Kreise Altena auf einen zusammgeschm zen. Derselbe, I. P. Hagebök zu Rönsahl, erft sich trotz seiner 93 Jahre noch einer rüstigen Gesundhe so daß er Fußwege von einer Stunde und m ohne Beschwerden zurücklegt. Barmen. Der Vorsteher der Filiale der höher Töchterschule, Dr.., ist seit vorigen Sonntag v schwunden. Die Ursache seines Verschwindens s# Enthüllungen, die plötzlich über seine sittliche Führu# ans Tageslicht getreten sind und worüber sich einmal nicht weniger als fünfzehn Väter von T im Alter von 12—14 Jahren beschwerten. Geschichte spielt schon lange. T. ist verheiratet Vater mehrerer Kinder. Die Staatsanwaltschaft h einen Steckbrief hinter ihm erlassen. Essen, den 22. Juli. Durch Verfügung d Oberbürgermeister= Amtes vom 17. d. M. ist Anord nung getroffen worden, daß bei den Schulen ein tägliche Desinfection der Aborte stattfinde Remscheid. In einer der letzten Stadtverord neten=Sitzungen in Remscheid entspann sich eine leb hafte Debatte über das Rauchen von Cigarren währen der Sitzung des Kollegiums. Während auf der eine Seite Beschwerde darüber geführt wurde, daß man sich vier Stunden ins Gesicht müsse qualmen lassen wenn man seine Pflicht als Stadtverordneter erfülle wolle, wurde auf der anderen Seite die Besorgni ausgesprochen, daß es bei einem Rauchverbote schwet halten würde, den Stadtrath zusammenzukriegen zugleiwurde noch hervorgehoben, daß der Rauch einer gute Cigarre viel zur Reinigung der Luft beitrage. Im Hinblic auf die drohende Choleragefahr dürfte der letztangeführte Grund schwer in die Wage fallen. Von der Ahr, 23. Juli. Die Reblausgefa erweißt sich laut der„K..-Ztg.“ für unser The weit dringlicher, als selbst die schlimmsten Befürchtun gen der Sachverständigen gingen. Nachdem am vori gen Freitag ein neuer Infectionsherd entdeckt ist, wurde am Montag gar drei und gestern Dienstag zwei tere infizierte Strecken gefunden. ochten weich lichen Stolz, Deine ganze Vergangenheit verleugnet zu haben, würdest Du nicht weiter leben wollen und können, und ich will nicht, daß sich an den Namen von Ella's Mutter ein Makel hängt. „Du hast den Brief nicht gelesen, erwiderte Natalie gepreßt und riß den Umschlag auf.„Ließ, ich bitte Dich darnm.“ Ihre Hand zitterte und zögerte doch, als sie ihm das Blatt reichte, das er sich nicht zu nehmen beeilte. Arnold las: „Ich habe mich nicht zu beklagen, wenn die Lage, in welche ich mich gebracht, kein Verständniß bei Dir findet. Du stehst allein in der Welt und vermagst Dich nicht in die Seele des Weibes zu versetzen, das nichts anders kennt, als sich in bedingten Verhältnissen zu fühlen. Dennoch hätte ich vermocht, mich loszureißen von Allem, was bisher mein Leben ausfüllte, dem dunkeln, gewaltsamen Triebe zu solgen, der mich zu Dir zieht, — hätte es ohne schwere Schuld geschehen können. — Nun aber hat meine Liebe zu Dir, der mein geliebtes Kind höchst wahrscheinlich zum Opfer fällt, ein veränderndes, abschreckendes Antlitz angenommen. Mir graut vor einer Leidenschaft, die das aus mir gemacht, die Alles, was der Halt meines Lebens war, was Anlage und Erziehung, Einsicht und Willen in mir gefestet, wie mit Sturmesgewalt zerbrochen und vernichtet hat.— Du hast wol Recht, ein hochherziger Entschluß könnte sich über solch niederdrückenden Erwägungen hinwegsetzen. Ich aber finde diesen kühnen Muth nicht in mir. Mein Leben ist ruhig und schuldlos verlaufen und ich weiß es jetzt gwiß, für mich ist ein Glück ohne den Frieden undenkbar,— Zwar — der ist verloren für immer.— In dem Dunkel, das vor mir liegt, erkenne ich nur zweierlei: das Grab des Kindes, das ich gemordet, und an dem ich trauern werde, bis sie auch mich hinunterbetten — oder wenn Gott gnädig ist und mir Ella erhält, ein Leben der Buße, von dem ich nichts Höheres erhosse, als daß es mir gegönnt sei, es n demüthiger Dienstbarkeit in ihrer Nähe zuzubringen. Und Du— lebe wohl, denn unsere Wege scheiden sich für immer. Versuche nicht, mich anderen Sinnes zu machen. Nicht in der vorübergehenden Muthlosigkeit der Verzweiflung— mit vollem, ruhigen Bewußtsein ist mein Entschluß gefaßt. Ließe ich mich überreden, Dir zu folgen, so würde ich das unglücklichste Geschöp unter der Sonne, denn meine Schuld würde immer trennend zwischen uns stehen, sie würde mir meine Liebe zu Dir zur Qual, zur Erniedrigung machen, und Du selbst würdest in der Erfüllung Deiner Wünsche das Elend an Dich gekettet haben. Auch Du wirst leiden und entbehren, ich weiß es wol!— Habe ich doch Dein freudloses Geschick hinfort und immerdar mit Dir zu tragen. Gott geleite Dich, und verleihe Dir den innern Frieden, der das Höchste ist, was uns armen Menschen hinieden zu Theil wird.— Es war Nacht und wieder Morgen, und abermals Abend;— langsam und bleiern schleppten sich die Stunden hin;— stumm und fremd saßen die Beiden sich gegenüber, das zarte, ringende Leben bewachend, das nun zu verlöschen drohte, und dann wieder aus unerforschlichen Quellen neue Kräfte zu saugen schien. Fast ohne ein Wort, in instinktivem Verständniß fanden ihre Hände sich zusammen, das Kraft= und willenlose Körperchen der kleinen Kranken zu heben und zu betten; fast ohne ein Wort trat eines für das Andere hülfreich ein. Arnold hatte den Brief, nachdem er ihn gelesen, schweigend zu sich gesteckt. Er war tief erschüttert, und wagte kaum, den Augen seines Weibes zu begegneu. Das Vergehen, dessen sie sich anklagte, und dessen Beschaffenheit er fast errieth, nach dem er aber nicht forschen mochte, brannte ihm auf der Seele, als hätte er selbst es begangen. Wie hatte er sie hochgehalten und geschützt und behütet vor jeder rauhen Berührung mit der Welt und jetzt, da sie sich selbst das schwere Leid zugefügt, war er nicht im Stande, ihr ein Wort des Trostes zu sagen!— Sie hingege schöpfte schon aus dem Bewußtsein, daß ihm je das Schlimmste bekannt sei, eine gewisse Beruh gung. Kannte er doch ihren Schmerz und ihr Reue, und mußte er sie auch streng verurtheilen, war es auch nichts als mitleidiges Erbarmen, daß er sie am Sterbebette des Kindes duldete, das sie geboren— sie war bereit, hinzunehmen in Geduld, was über sie verhängt war, um ihrem Gewissen gnug zu thun. Abends kamen Briefe aus der Heimath. Arnold ging in das Wohnzimmer, sie zu lesen und zu beantworten. Als er lange ausblieb, trat Natali schüchtern auf die Schwelle, nachzusehen, obe etwa ausgegangen sei. Da sah sie, daß er, vor Erschöpfung überwältigt, über dem Schreiben in Schlaf gesunken war. Furchtsam, auf den Fuß spitzen schlich sie sich näher heran. Er lag in der unbequemsten Stellung auf dem Sopha, das dunkele verworrene Haar war non der blassen Stirn zu rückgefallen und sein männliches Antlitz, das in Wachen seinen Ausdruckfest beherrschte, sah so leidend so schmerzzerwühlt aus, daß Natalie ihr Hererbeben fühlte. Sie hätte ihn so gern in eine bessere Lage gebracht, aber sie wagte nicht, anzurühren. War das doch nicht geschehen### jener schrecklichen Gewitternacht, als sie ihn der Lüge und des Verraths geziehen und sich von ihm losgesagt hatte— ohne zu ahnen, wie bald ihr selbst ein viel tieferer Fall bevorstand.— Was hatt er denn gethan?— Eine zweifelhafte Pflicht versäumt, aus Liebe zu ihr. Was dem vorausge“ gangen und ihn in eine so widerspruchsvolle Lage gebracht, daß er sich zum ersten Mal im Lebes elbst untreu geworden,— jene stille That aufopfernden Edelmuths gegen einen Fremden, das war fast eindruckslos an ihr vorüber geganger; Eine Handlungsweise freilich, so selbstverständlich für Arnold. Und was war sein Lohn?— Bückeburg, benen Geh. OberLandgerichtspräside früher Appellation die Spitze der für Bensberg, gende Woche liegt nischen Zeitung. entlud sich über 2 heftiges Gewitter, Schloßen in der C namentlich an de erheblichen Schader mer kommen. An 1 Uhr, zog aber und Umgegend her tet, wie es hier In wenigen Minuten Winterlandschaft, Fluren waren von Hagelstücke in der massenhaft gefallen in prächtiger Fülle nei verwandelt. 9 gänzlich verhagelt, wo noch etwas Ol vom Hagel zerschle mann und hülflos hülflos, als seit M schlag niedergegang versichert hat. Ab Am Nachmittag der es abermals, vom unheilverkündend he und schwarze Wolk mit einander zu kä rer Kraft gegen un regt sich auf der E Male stockfinstere von einem Wolkenb nicht gedacht werder Hunderte von Häus strömt in die schutz artige Regen, dem fallen. Tausende darunter hundertjäh abgebrochen da, die und Mauern ein, 1 sich neue Betten suc tigkeit des Orkans, März 1876 wüth schätzen. In der einige zwanzig Häu Hunderte von Häu mitgenommen, daß gelegt werden müsse ganz unbemittelte L stern der Hagelschla der Gewalt des Or einige Mittheilungen selbe beträgt an der am Schloß(Kadet —8000; in1 an 40—50000 f ausgebrochen sein. sprechend ist mehr o Hamm. Am das Gauturnfest des in Verbindung mit Turn=Vereins zu§ hof statt. Ueber 3 Feste betheiligen. R 89 84 84 Sonntag di ausgeführt Diri bei günstig 1.„Frei 2.„Fest3.„Wein 4.„Air 5.„Auf d v. Mer 6. Fantas 7. Quadr 8.„Fanfo 9.„Musil 10.„Witz (Forts. folgt.) u Entrée: Kasse 5 2VI. — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse.V. dächtnisfeier.) torgen wurde burt des Astra selm Bessel in urch einen Fes en sich eine An erufsklassen an denken an eines durch ihre Geg hüler=Gesang :„O Natur mnasiallehrer## e die Biogran# satte. Das 9 ittes", wieder estakt, der g# irb, wie die„ unserer Gemei Kaspar Ma eunzigsten Leben# I, des russisc ize von 1814/1 vom 17. Mi ens. Um sein el und 18 Ur en großen Zeit anzösischen Jozusammgeschm Rönsahl, erfe stigen Gesundh unde und in iliale der höher n Sonntag ven rschwindens sittliche Führu## orüber sich iter von Töchten eschwerten. verheiratet um anwaltschaft Verfügung M. ist Anor### Schulen ein sorte stattfinde Stadtverorh mn sich eine leb igarren währen nd auf der einen# irde, daß man qualmen lassen ordneter erfülleg die Besorgni hverbote schwet kriegen zzuglein zuch einer gute ge. Im Hinblich der letztangen len. Reblausgefah für unser Tha sten Befürchtung chdem am vori# deckt ist, wurden instag zwei wei Sie hingege daß ihm zet# wisse Beruhis terz und ihr verurtheilen s Erbarmen, duldete, nzunehmen in *, um ihrem eimath. Arzu lesen und ) trat Nataligz sehen, ob daß er, von Fuß in d Herz einet ihn se n der ihm ihr hatte ver: das Bückeburg, 22. Juli. An Stelle des verstorbenen Geh. Ober=Regierungsraths von Campe wird Landgerichtspräsident Freiherr von Bülow hierselbst, früher Appellationsgerichts=Rath in Arnsberg— an die Spitze der fürstlichen Regierung berufen. Bensberg, 22.(Unwetter) Eine grauenerregende Woche liegt hinter uns, heißt es in der„Kölnischen Zeitung. Zunächst am Sonntag, den 13. ds. entlud sich über Bensberg abends gegen 11 Uhr ein heftiges Gewitter, welches uns einen Hagelschlag mit Schloßen in der Größe von Taubeneiern brachte und namentlich an den eben schnittreifen Roggenfeldern erheblichen Schaden anrichtete. Es soll jedoch schlimmer kommen. Am Mittwoch den 16. d.., mittags 1 Uhr, zog abermals ein Gewitter über Bensberg und Umgegend herauf, von einem Hagelwetter begleitet, wie es hier noch nicht erlebt worden ist. In wenigen Minuten befanden wir uns mitten in einer Winterlandschaft, denn Straßen, Gärten und Fluren waren von einer mehrzölligen Eisschicht bedeckt. Hagelstücke in der Größe von Hühnereiern waren massenhaft gefallen und hatten in 10 Minuten unsere in prächtiger Fülle stehenden Saatfelder in eine Wüstenei verwandelt. Roggen, Weizen, Gerste, Hafer sind gänzlich verhagelt, die Obstbäume stehen kahl da und wo noch etwas Obst an den Bäumen hing, ist es vom Hagel zerschlagen. Verzweifelt steht der Landmann und hülflos an seinen Feldern, um so mehr hülflos, als seit Menschengedenken hier nie ein Hagelschlag niedergegangen ist und infolge dessen niemand versichert hat. Aber noch waren wir nicht am Ende. Am Nachmittag des nächsten Tages, am 17. ds., zog es abermals, vom Rhein herkommend, dunkel und unheilverkündend heran. Während in der Luft gelbe und schwarze Wolken in nie gesehener Schnelligkeit mit einander zu kämpfen schienen und von unsichtbarer Kraft gegen und durcheinander gewirbelt werden, regt sich auf der Erde kein Blättchen. Da mit einem Male stockfinstere Nacht und los bricht ein Orkan, von einem Wolkenbruch begleitet, wie er schrecklicher nicht gedacht werden kann. In wenigen Minuten sind Hunderte von Häusern ihrer Dächer beraubt und herein strömt in die schutzlosen Wohnungen der wolkenbruchartige Regen, dem Zimmerdecken u. s. w. zum Opfer fallen. Tausende und abertausende von Bäumen, darunter hundertjährige Eichen, liegen entwurzelt oder abgebrochen da, die ausgetretenen Bäche reißen Wehre und Mauern ein, überschwemmen Gärten und Flur, sich neue Betten suchend. Erst jetzt läßt sich die Heftigkeit des Orkans, der hier weit stärker als der im März 1876 wüthete, annährend an seinen Folgen schätzen. In der Bürgermeisterei Bensberg liegen einige zwanzig Häuser und Scheunen ganz darnieder, Hunderte von Häusern sind ganz abgedeckt und so mitgenommen, daß sie unbewohnbar sind und niedergelegt werden müssen. Meistens sind es arme und ganz unbemittelte Leute, die betroffen sind; was gestern der Hagelschlag nicht vernichtet, heute mußte es der Gewalt des Orkans weichen. Eben erhalte ich einige Mittheilungen über abgeschätzten Schaden, derselbe beträgt an der katholischen Pfarrkirche 4000 M, am Schloß(Kadettenanstalt) 8000, Grube Weiß —8000; in der Oberförsterei Königsforst sollen an 40—50000 Festmeter Bäume entwurzelt oder ausgebrochen sein. Den vorgenannten Schäden entsprechend ist mehr oder weniger jedes Haus betroffen. Hamm. Am Sonntag den 27. findet hierselbst das Gauturnfest des Hellweg=Märkischen Turngaues in Verbindung mit der 25jährigen Stiftungsfeier des Turn=Vereins zu Hamm auf dem hiesigen Schützenhof statt. Ueber 30 Vereine werden sich an dem Feste betheiligen. Hamm, 24. Juli. Dem hiesigen Fuß=Gendarm P. gelang es heute, im Nachbardorfe Berge eines gefährlichen Menschen, des Knechts Fleige aus Bork, habhaft zu werden. Fleige wird wegen Raubes, Mordversuchs und einer großen Anzahl Diebstähle steckbrieflich verfolgt, auch ist auf seine Ergreifung von der Regierung zu Münster eine hohe Belohnung gesetzt. Noch in vergangener Nacht hat er hierselbst einen Diebstahl mittels Einsteigung begangen. Er führte außer verschiedenen(gestohlenen) Sachen ein langes Schlachtmesser, sowie geladene Revolver und Pistolen bei sich. Heute Nachmittag fand die Abführung desselben nach Münster statt. Coesfeld, 17. Juli. Am hiesigen Königlichen Gymnasium fand gestern unter dem Vorsitz des Geh. Regierungs= und Provinzial=Schulraths Dr. Schultz die Abiturientenprüfung statt. Sämmtliche vier Abiturienten erhielten das Zeugniß der Reife. Wiesbaden. Bei einer kürzlichen Vorstellung im Zirkus Corty stürzte der Kunstreiter Drexler (einer der tüchtigsten Künster desselben) mit dem Pferde, welches ihm auf die Brust trat. Infolge der erhaltenen Verwundung ist Drexler in der Nacht darauf gestorben. Hattenheim im Rheingau, 20. Juli.(Werthvoller Boden.) Freiherr v. Schenk hat sein hiesiges Weingut, acht Morgen enthaltend, für 150000 M also den Morgen zu der Summe von ca. 19000 M, an den Prinzen Albrecht von Preußen verkauft. Eschwege. Bei dem schwerem Gewitter, welches am vergangenen Mittwoch in der Richtung von Ahlheimer nach Eschwege hinzog, wurde auf dem Felde bei Königswald ein Schäfer mit seinen zwei Hunden und neununddreißig Schafen erschlagen. Guben. In dem Restaurant„Zur Hopfenblüthe“ schoß Sonntag Nachmittag ein junger Mann von etwa 16 bis 17 Jahren auf die anwesende Schenkmamsell und verwundete dieselbe, wenn auch nicht lebensgefährlich. Darauf richtete er die Waffe gegen sich selbst und tödtete sich.“ Halberstadt. Das Trompeterkorps des Magdeburger Kürassirregiments Nr. 7(Bismark=Kürassiere) ist mit Ehren und Schätzen reich beladen von seiner Konzertreise aus England hier wieder eingetroffen. Kolmar. Der zum großen Generalstabe kommandierte Premierleutenant Freiherr von und zu=Gilsa, welcher in der Umgegend von Neu=Breisach mit topographischen Aufnahmen beschäftigt war, ist durch einen Sturz von der Eisenbahn=Rheinbrücke bei Breisach verunglückt. Gilsa war verheiratet. Nürnberg. Durch Beschluß des hiesigen Ober= landesgerichts ist der Oberamtsrichter Müller in Hersbruck vom Amte suspendirt worden, da gegen denselben eine Untersuchung wegen Verbrechens des Meineides eingeleitet worden ist. Waldenburg. In der Nacht vom 15. zum 16. d. ist einem hiesigen Kaufmann ein Centner Dynamit gestohlen worden, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, den Dieb zu ermitteln. Wusterwitz. Am 16. d. ist hier der herrschaftliche Förster Reimann von Wilddieben erschossen worden. Man fand die Leiche in einer Schonung, wohinein sie die Räuber gezogen, mit einem Schrotschuß im Kopfe. Die rechte Hand war auch durchschossen; wahrscheinlich hat Reimann mit derselben den Tod bringenden Schuß abwehren wollen, der ihm in die linke Schläfe eindrang. Agram. In der Nacht zum Sonntag fand in Agram ein durch vier Sekunden andauernder Erdstoß mit donnerähnlichem Rollen statt, jedoch ohne Schaden zu verursachen. Paris, 23. Juli. Seit gestern Abend fanden in Toulon 15, in Marseille 30 Cholera=Todes= fälle statt. London. In Craven Wharf zu Wapping(in Ostende Londons) brach am Sonnabend nachmittag Feuer aus, welches das siebenstöckige und 100 Fuß breite Gebäude, in welchem große Quantitäten Paraf= finöl. Wolle und andere leicht brennbare Stoffe lagerten, gänzlich einäscherte. Der angerichtete Schaden wird auf zwei Millionen Mark geschätzt. London, 23. Juli. Nach einer Meldung aus Coruna(an der nordwestlichen Küste von Spanien) von gestern hat der spanische Postdampfer „Giion“ mit dem englischen Dampfer„Laxham“ kollidiert. Beide Schiffe sanken. Der spanische Dampfer„Santo Domingo" rettete 25 Passagiere von„Gijon" und 11 Personen von der Schiffsmannschaft des„Laxam" nach Courona. Neapel. Die Bewohner der im vorigem Jahre so schwer heimgesuchten Insel Ischia sind dieser Tage wiederum durch ein Erdbeben, das glücklicherweise einen Schaden nicht verursachte, in begreifliche Aufregung versetzt worden. Kalkutta. Der barbarische Gebrauch der Wittwenverbrennung ist in Indien noch immer nicht ganz ausgerottet. Ein neuerlicher Fall wird aus den Raiputana=Staaten gemeldet, wo sich die Wittwe eines Thakur in dem Distrikt von Jeypore verbrannte. Der dortige Distrikts=Gerichtshof hat alle diejenigen, welche sich daran beteiligten, von drei bis sieben Jahren bestraft. New York. Wiederum wird ein schweres Eisenbahn= Unglück gemeldet. Ein Exterazug der Connoton= Valley=Bahn entgleiste am Sonnabend bei Canton(Ohio); der Zug stürzte von dem Eisenbahndamm hinab in ein drei Fuß tiefes Wasser. 25 Personen wurden verletzt, 12 andere werden noch vermißt; man befürchtet, daß dieselben bei dem Unsall ums Leben gekommen sind. (Aus Lugano) wird gemeldet: Bei einem schweren Gewitter, das sich über dem Bedrettothale entlud, fielen Schlossen im Gewicht von 52 Gramm. Zahlreiche Vögel wurden während des Hagels erschlagen. Feldarbeiter trugen Beulen davon oder kamen mit blutendem Kopfe heim. Auch in der nördlichen Schweiz hat es heftige Gewitter gegeben, bei welchen Häuser verbrannten und Menschen getötet wurden. * In Königsberg wurde am 22. d. M. der hundertste Geburtstag des berühmten Astronomen Bessel festlich begangen. Mit Recht hat man Bessel, geboren den 22. Juli 1784 in Minden (Westfalen), den größten Astronomen der Neuzeit genannt. Er starb als Director der Sternwarte zu Königsberg am 14 März 1846. Seine 90jährige Witwe lebt noch. *(Geschenk abgelehnt.) Eine Dame welche ungenannt bleiben will, hat der Universität Heidelberg ein Kapital von 100 000 Mk. angeboten, wenn Frauen das Studium daselbst gestattet wird. Trotzdem hat der akademische Senat die Offerte abgelehnt. *(Durchgebrannt.) Aus Berlin ist der Inhaber eines Wechselgeschäfts mit Hinterlassung von 400000 i Schulden verschwunden. Eine Dame soll 120000 # verlieren. *(Elektrischer Galgenhumor). Von einer kleinen amerikanischen Bahnstation aus beförderte der Draht an die Betriebsvorstandschaft folgende amtliche Meldung:„Rangiermaschine verunglückt. Ursache: Kessel leer, Lokomotivführer voll“ *(Fein unterschieden.) Vater:„Bäbele, wann du heut brav bischt, darfscht du Holz trage, wann du aber bös bischt, mußt du Holz trage.“ Literarisches. Schmidt& Günthers Leipziger Illustrirte Jagdzeitung 1884 Nr. 20, herausgegeben vom Königlichen Ober= förster Nitzsche, enthält folgende Artikel: ! Ein Wort über die Waldschnepfenjagd.— Der Jagdhund, seine Zucht und Pflege bis etwa Mitte des 17. Jahrhunderts. Von Eduard Rüdiger.— Von Verbrechen zu Verbrechen.(Aus dem Tagebuche eines Försters; Schluß). — Die Wachtel. Eine Legeude vom Oberförster Quensell. — Mancherlei.— Illustrationen: Die Straußenjagd. Versorgung mit Jagdbeute.— Inserate.— Die Illustrirte Jagdzeitung von Schmidt& Günther in Leipzig erscheint am 1. und 15. des Monats und kostet bei den Buchhandlungen halbjährlich M. 3. Bei den Postanstalten vierteljährlich M..50. Personal-Chronik der Röniglichen Regierung. Die Wiederwahl des Bürgermeisters Eichholz zum Bürgermeister der Stadt Unna für die Wahlperiode vom 17. September d. Is. bis dahin 1896 ist bestätigt worden.— Der bisher mit der kommissarischen Verwaltung des Amtmanns=Stelle des Amtes Netphen im Kreise Siegen beauftragte Premier=Lieutenannt der Landwehr Heydweiller ist zum Amtmann des genannten Amtes definitiv ernannt worden. — Der Ewald Franke zu Meinerzhagen ist zum außergerichtlichen Auktionator mit der Befugniß zur Versteigerung von Immobilien für den Amtsbezirk Meinerzhagen ernannt worden.— Dem evangelischen Pfarrer Klein in Plettenberg ist auf Widerruf die Concession ertheilt worden, die PrivatTöchterschule in Plettenberg fortzuführen.— Dem Lehrer Heinrich Camen zu Bickern ist eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Wanne, Landkreis Bochum, provisorisch verliehen worden.— Dem Lehrer Ewald Brücher zu Hoentrop ist eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Bickern, Landkreis Bochum, provisorisch verliehen worden.— Dem Lehrer Wilhelm Elleringmann aus Werne ist eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Dortmund, Stadtkreis Dortmund, definitiv verliehen worden.— Dem Lehrer Wilhelm Westermann zu Bennighofen ist eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Dortmund, Stadtkreis Dortmund provisorisch verliehen worden.— Dem Lehrer Gustav Poth zu Vorhalle ist eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Vorhalle, Kreis Hagen, definitiv verliehen worden. Personal-Chronik des Königl Bberlandesgerichts zu Hamm für Monat Juni 1884. 1) Ernannt sind: a. der Oberlandesgerichtsrath Schmidt hier zum Landgerichtsdirektor bei dem Landgericht zu Schweidnitz, b. der Landgerichtsrath Maske in Torgau zum Oberlandesgerichtsrath bei dem hiesigen Oberlandesgericht, c. die Referendarten Ernst Bertelsmann, Hentze, Wieruszowsky, Fackeldey und Schulte zu Gerichtsassessoren, d. die Rechts=, kandidaten Georg Heitmann, Hermann Weglau, Ernst Budde, Franz Schulz, Sigmund Tenbergen, Hermann Schwartz Carl Harßewinkel, Franz Klaholt und Josef Engels zu Referendarien, e. die etatsmäßigen Gerichtsschreibergehülfen Asfistenten Nierhoff zu Bochum und Brinkmann zu Dortmund zu Gerichtsschreibern mit dem Amtstitel„Sekretair“ und zwar Ersterer bei dem Amtsgerichte zu Hoerde, Letzterer bei dem Amtsgerichte zu Peterhagen, k. zu etatsmäßigen Gerichtsschreibergehülfen mit dem Amtstitel„Assistent“ die diätarischen Gerichtsschreibergehülfen: aa. Hellmich zu Bochum bei dem Amtsgerichte daselbst, bb. Kann zu Hoerde bei dem Landgericht zu Dortmund, g. definitiv zu Gerichtsvollziehern kraft Auftrags: aa. Lüffe zu Bielefeld bei dem Amtsgericht daselbst, bb. Tillmann zu Werden a. d. Ruhr bei dem Amtsgericht daselbst, h. der Rechtsanwalt Greve zu Gelsenkirchen zum Notar im Bezirke des hiesigen Oberlandesgerichts mit Anweisung seines Wohnsitzes in Gelsenkirchen. 2) Versetzt sind: a. der Landgerichtsrath Topp zu Dortmund an das Landgericht zu Paderborn, b der Amtsrichter Schulte=Uffelage zu Hohenlimburg an das Amtsgericht zu Werden a. d. Ruhr, c. der Referendar Leyser aus dem Bezirke des Oberlandesgerichts zu Posen in den hiesigen, d. der Gerichtsschreiber, Sekretair Friedrich Vogel zu Hörde an das Amtsgericht zu Hagen. 3) Der Gerichtsassessor Noest zu Münster ist in die Liste der Rechtsanwalte bei dem Landgerichte zu Paderborn eingetragen. 4) Die nachgesuchte Entlassung ist ertheilt: u. dem Referendar Dr. Baare zu Bochum aus dem Justizvorbereitungsdienste, b. dem Gerichtsvollzieher Schüßler zu Altena aus dem Gerichtsvollzieheramte. 5) Der Referendar Köchling ist aus dem Justizdienste geschieden. 6) Der Gerichtsschreiber, Sekretair Bartsch in Berleburg ist in den Ruhestand versetzt. 7) Der Referendar Josef Kreilmann zu Erwitte ist gestorben. 8) Aus Anlaß des Uebertritts in den Ruhestand ist verliehen: a. dem Landgerichtsrath Hüsser zu Poderborn der Rothe Adlerorden IV. Klasse, b. dem Gerichtsdiener Klüsener zu Hagen das Allgemeine Ehrenzeichen, c. dem Gerichtsschreiber, Sekretair Kleine zu Hagen der Charakter als Kanzleirath. Kestaurant Anothe. Sonntag den 27. d.., Nachmittags 4 Uhr anfangend: Preßes Heulrrth ausgeführt von der Soester=Stadtkapelle(16 Mann), Dirigent Herr B. Göhring(Militärmustk), bei günstigem Wetter im Garten, bei ungünstigem im Saale. Programm: I. 1.„Frei weg.“ Marsch v. Piefke. 2.„Fest=Ouverture" von Neibig. 3.„Wein, Weib und Gesang. Walzer von Strauß. 4.„Air de la Princesse“ von Clarens. 5.„Auf dem Niederwalde. Patriotisches Lieder= und Marsch=Potpourri v. Merzdorf. II 6. Fantasie a. d. Oper„Troubadour“ von Verdi. 7.„Quadrille a. d. Oper„Carmen“ von Bizet. 8.„Fanfare Militair“ von Ascher. 9.„Musikalische Erinnerungen.“ Potpourri von Curth. 10.„Witz=Raketen.“ Galopp von Göhring. Anten Streiter, Warstein. 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August d.., Mittags 12 Uhr mittels frankirter Schreiben an die hiesige Ober=Postdirection einzusenden. Die Verkaufsbedingungen können bei der Letzteren eingesehen, auch gegen Erstattung der Schreibgebühren in Abschrift bezogen werden. Arnsberg, den 24. Juli 1884. Der Kaiserliche Ober-Postdirector: Köhne. Sisekbahn Wireenonsbesirn Siverseld. Die Ausführung von Kopfsteinpflasterung einschließlich Lieferung der Pflastersteine aus Grauwacke, Kalkstein oder Ruhrkohlen= Sandstein franco Waggon einer beliebigen Station im Eisenbahn=Directionsbezirk Elberfeld, und zwar 1630 gm auf Bahnhof Menden und 600 gm auf Bahnhof Bestwig, sowie die zugehörigen Planirungsarbeiten veranschlagt zu 4669 Mark sollen am 29 Juli Vormittags 11 Uhr in öffentlicher Submission vergeben werden. Bedingungen und Kostenanschlag können gegen Einsendung von 1,20 Mark von dem Betriebssekretair Herrn Hannig hierselbst bezogen, auch nebst den Zeichnungen 2c. sowohl im hiesigen Büreau, wie im Stationsbüreau zu Menden und Bestwig während der Büreaustunden eingesehen werden. Versiegelte und mit der Aufschrift: „Submission auf Pflasterarbeiten zu Menden und Bestwig“. versehene Offerten sind bis spätestens zur Terminsstunde frei an die Adresse des Unterzeichneten einzureichen. Der Offerte ist ein Probestein mit Siegel und Unterschrift versehen, beizufügen. Die Eröffnung der Offerten erfolgt zu vorgenannter Zeit in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter, später eingehende Offerten werden nicht berücksichtigt. Arnsberg, den 16. Juli 1884. Der Königliche Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspector: Ehrenberg. Shsenbahn=Tirectionsbesirn Siberserd! schl Die Maurer= und Zimmer= 2e. Arbeiten inel. Materiallieferung zu dem Magazingebäude der Hauptwerkstatt auf Station Arnsberg veranchlagt zu 24534 Mark sollen am 9. August er., Bormittags 11 Uhr in öffentlicher Submission vergeben werden. Bedingungen und Kostenanschlag können gegen Einsendung von 2,30 M von dem Betriebssekretair Herrn Hannig hierselbst bezogen werden, auch nebst den Zeichnungen im hiesigen Büreau während der Büreaustunden eingesehen werden. Versiegelte und mit der Aufschrift:„Submission zu dem Magazingebände der Hauptwerkstatt zu Arnsberg“ versehene Offerten sind bis spätestens zur Terminsstunde frei an die Adresse des Unterzeichneten einzusenden Die Eröffnung der Offerten erfolgt zu vorgenannter Zeit in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter, später eingehende Offerten werden nicht berücksichtigt. Arusberg, den 19. Juli 1884. Der Königliche Eisenbahn-Bau= und Betriebs-Inspector: Ehrenberg. Hermannsborner Sprudel 553 # F* Plohlensaures Meineralwasser A. S aus dem Hermannsborn im Teutoburgerwalde. 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