Mikrotilmarchi der deutschsprachigen Presse e.V. OrertveT BTV Allgemeine Zeitung General=Anzeiger Hertener Tageblatt Hauptgeschäftsstelle: Wanne=Eickel, Hindenburgstr. 257— Fernsprech=Anschluß: 40741 u. 40742 Annabmestellen: Buchbandlung Ernsting, Wanne=Eickel, Hindenburgstraße 18, und Herten, Ewaldstraße 1.— Verantwortlich für Politik, Kommunalpolitik, Lokales und Wirtschaft: W. Kortenbach: für Unterhaltung. Provinzielles u. Sport: O. Pohle: für den Anzeigenteil: Fritz Fischer: sämtlich in Wanne=Eickel.— Rotationsdruck u. Verlag der Wanne=Eickeler Zeitung G. m. b. H.— Geschäftsleitung: Artbur Herchenbach in Wanne=Eickel. 44. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- u. Feiertage.— Bezugspreis: Imonatl. 1.10 R Mi einschl. 15% Botenlohn. Anzeigenpreise: Für 1 Millimeter Höhe in Spalienbreite im kehr 7 Pfg., im Arbeits= u. 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Die reine Wissenschaft erklärte die Welt, die angewandte beherrschte sie. Jetzt frieren wir auf der Schattenseite, frieren bis zum Erstarren. Der Kopf hat das Herz entthront. Nun erleben wir, was eine Welt ohne Herz bedeutet. Die Technik hat Lebensmöglichkeiten für neuentstehende Hunderte von Menschenmillionen geschaffen. Nun stößt sie fast allmonatlich Dutzende von Millionen wieder ab, sie braucht sie nicht mehr, mögen die noch verwendbaren die überflüssig gewordenen mit durchfüttern— geht das nicht länger, sie verhungern lassen. Schattenseite! Die ganze ungeheuerliche, aber unbedingt zwangsläufige Logik dieser Entwicklung gilt es zu verstehen, wenn wir sie bemeistern wollen. Wir haben alle Bindungen der Vergangenheit gesprengt, nun finden die entfesselten Mächte freie Bahn. Das ging hundert Jahre lang vortrefflich und ermöglichte den beispiellosen„Fortschritt" des technischen Jahrhunderts. Jetzt haben diese Kräfte und die durch sie erst ins Leben gerufenen Millionen den bei Beginn der Evoche noch vorhandenen Lebensspielraum der Menschheit ausgefüllt, die ganze gewaltige Bewegung ist ruckhaft gegen ihre äußersten Grenzen angeprallt, ohne ihre ursprüngliche Stoßkraft einzubüßen, ein fürchterlicher Rückstau trat ein, der universale Katzenjammer ist jetzt da. Nackte, unmißverständliche Tatsachen. Sie treffen nicht alle Nationen gleich hart. Verschont bleibt keine. Den großen Krieg kennten die vier„anderen“ Kontinente noch beschönigend den europäischen nennen. Sein Verlauf hat Asien und Afrika nur eben gestreift, Amerika und Australien blieben unberührt. Seine Folgen unterwühlen alle Erdteile gleich erbarmungslos. Es war wirklich ein Weltkrieg, das beweist seine Auswirkung, die Weltkrise. Woher kann Rettung kommen?! Von der Vernunft? Sie hat den ganzen erdumwälzenden Bankerott verschuldet. Veni creator spiritus— komm, Schöpfer Geist! Das ist das inbrünstige Pfingstgebet von Millionen abnender Herzen. Die Schuld an der heutigen Weltkrise trägt im letzten Grunde die Entgeistung, die Entseelung, die Matetialisierung des Lebens. Der schauerliche Irrwahn, als könne der Verstand die Welträtsel lösen oder habe sie gar schon gelöst. Er„gleicht dem Geist, den er bePfingsten Laßt uns der kleinen Schar gedenken. Die nach des Sohnes Himmelfahrt Vom Vater ausersehen ward, Der Erde Gottes Wort zu schenken: Ihr wurde brausend offenbar, Was Tausenden versiegelt war. Der Feuergeist, dem Wind entsprungen, Zerteilte sich auf Stirn und Mund... Sie redeten mit Engelszungen Und taten Gottes Liebe kund. Uns aber wird die Zunge schwer: Geist, wir erfassen Dich nicht mehr! Drum kehre ein in alle Hütten Und wähle neue Boten aus! Umgehe nicht das dunkle Haus, Darin wir Dich um Gnade bitten, Denn Deine Gnade ganz allein Kann unsres Volkes Retter sein. greift". Er sucht den Sinn des Lebens da, wo er niemals zu finden sein kann: in der Erringung äußerer Machtmittel zur Sättigung körperlicher Begierden. Der Mensch aber ist nur Mensch, weil und insoweit er Geist ist. Er schreitet in Wahrheit nur fort, er kommt nur vorwärts und in die Höhe, wenn er seiner Selbsterfüllung näher rückt. Das ist keine Weisheit bloß für Geistige, Intellektuelle,„Gebildete". Das ist ein Wissen und Erleben, dessen der Geringste teilhaft werden kann. Solange der Mensch sein Leben auffaßt als einen zeitlich begrenzten Ablauf körperlicher Vorgänge, von der Zeugung über die Geburt, den täglichen Stoffwechsel und die Fortpflanzung bis zum Tode— so lange er des Wahns lebt, in diesen physiologischen Funktionen sei des Daseins Inbegriff beschlossen— so lange ist er „ein Tier, auf dürrer Heide von einem bösen Geist im Kreis umhergeführt". Ein Volk, das in seiner überwältigenden Mehrheit aus solchen geistigen Analphabeten besteht, ist ein wüster Haufe menschenähnlicher Geschöpfe, aber keine Nation. Ganz unsinnig ist auch jene Hoffnung, von vorne herein zum Scheitern verurteilt jeder Versuch, die Weltkrise durch den ordnenden Eingriff des Verstandes zu überwinden. Der Geist muß ausgegossen werden über alles Volk. mit feurigen Zungen müssen wir wieder zueinander reden lernen vom wahren Sinn des Lebens. Was ist aber der Sinn des Lebens? Die Umsetzung des Körperlichen in Geistiges— jene erhabene Transsubstantiation oder Wandlung, die alles Tatsächliche zum Sinnvollen erhebt, das Irdische als bloße Erscheinungsform des Ewigen begreift, das Endlich zum Gleichnis des Unendlichen adelt. Kein Ding und kein Geschehen ist in Wahrheit das, was es ist, sondern das, was es bedeutet. Sagt es allen Menschen, die eure Stimme erreicht: Ueber Wert und Schicksal des Einzelnen entschcidet nicht das, was er erlebt und was er errafft, sondern das, was er selber daraus macht. Glück wächst uns nicht von außen zu, es muß im Inneren erkämnft, es muß durch eigene Umdeutung, Umformung, Umwertung gestaltet werden. Die Weltnot wird nicht überwunden durch zwbeckmäßigere Anordnung des äußeren Lebensablaufes, nur durch innere Umwandlung des Menschen. Er kann sich selbst erlösen, wenn er sich von der körperlich=sinnlichmaterialistischen Lebensauffassung abwendet und zur seelisch=geistigen erhebt. Wer den Massen erzählt, der Himmel könne für die Gesamtheit auf die Erde berniedergezwungen werden durch eine„bessere" und„gerechtere“ Gesellschaftsordnung, der belügt sie und führt sie in die Irre. Das Reich Gottes ist immer und ewig nur„inwendig in uns“ oder soll und kann es wenigstens sein. Nie wird der Mensch reich und zufrieden durch das, was er anderen wegnimmt, sondern immer nur durch das, was er in sich selber auferbaut. Und niemals gelingt es, aus Millionen Einzelner eine Gesamtheit zu formen, heiße sie nun Nation oder Menschheit, bevor diese Einzelnen, jeder für sich, ihr eigenes Ich zur Ganzheit umgestaltet haben. Dazu uns selber zu erziehen und bei solchem Selbsterziehungswerk einander brüderlich zur Seite zu stehen, das ist unsere irdische Aufgabe. Es ist eine rein geistige Aufgabe. Komm, Schöpfer Geist! Aus dem Schatten uns ins Licht zu führen, hast du allein die Kraft. Bor neurn=Endern! Umsatzsteuer als letzte Reserve 7 Konzessionen an die Sozialisten Berlin, 22. Mai. Gerüchte von den Absichten der Regierung, eine neue Steuererhöhung vorzunehmen, werden in politischen Kreisen schon seit einigen Tagen herumgereicht. Wir haben davon ebenfalls Kenntnis genommen und sind auch jetzt noch der Meinung, daß ein Kern von Wahrheit darinsteckt, wenn es sich vorläufig auch nur um Pläne handelt. Der Kanzler und der Finanzminister haben sich wiederholt dahin ausgesprochen, daß eine Steuererhöhung für sie nicht in Frage käme, ebenso wie sie sich gegen jeden weiteren Eingriff in die Beamtengehälter festgelegt haben. Aber es könne schon sein daß die Not stärker ist als ihr guter Wille. Bei 1,5 Milliarden Mark Defizit kommt man mit dem Rotstift allein nicht aus. Was an Steuermöglichkeiten übrigbleibt, ist nach dem Raubbau der letzten Jahre nicht allzu viel. Es bleibt eigentlich nur die Erhöhung der Umsatzsteuer, die unter dem Finanzminister Reinhold abgebaut wurde und vielleicht die Steigerung um ½ Prozent tragen könnte, zumal da sich gezeigt hat, daß e ide die Umsatzsteuer auch in schlechten wirtschaft. en Zeiten in ihren Einnahmen die geringsten Schwankungen zeigt. In amtlichen Kreisen ist bisher aber die Erhöhung der Umsatzsteuer als die letzte Reserve für den Fall aufgespart worden, daß Kämpfe um die Reparationen von außen her mit Kreditsperren beantwortet werden sollten. Diese Reserve in das fürchterliche Defizit des Etats auch noch hineinzuwerfen, wo sie versinken würde, ohne etwas zu nutsen, kann eigentlich nicht in Frage kommen. Wir nehmen deshalb auch an, daß der Finanzminister an eine Erhöhung der Umsatzsteuer nur denkt im Zusammenbang mit dem Beginn einer aktiven Reparationspolitik. Daneben spielt auch noch eine Erhöhung der Steuern aus Einkommen über 8000 Mark eine Rolle, der Vorschlag der Sozialdemokraten, der ja schon im Reichstag angenommen, aber vom Reichsrat wieder abgelehnt wurde. Es wäre möglich, daß die Regierung in ihrer Not einen solchen Ausweg nun doch betritt, um den Sozialdemokraten den Eingriff in die Sozialversicherung tragbarer zu machen. Berlin, 22. Mai. Die ursprünglich für Ende dieser Woche vorgesehenen Gesamtberatungen des Reichskabinetts sind verschoben worden, da einstweilen noch Einzelbesprechungen zwischen den Ressorts stattfinden müssen. Sie beziehen sich besonders auf die Reform der Arbeitslosenversicherung und auf die sonstigen Notmaßnahmen im Gebiet der Sozialversicherung. Reichsarbeitsminister Stegerwald hat zur Rettung der Arbeitslosenversicherung einen Reformplan fertigstellen lassen, der im Zusammenhang mit den notwendig werdenden finanziellen Maßnahmen steht. Am Donnerstag fanden zwischen dem Reichsarbeitsminister und dem Reichsfinanzminister darüber Besprechungen statt. Die Fertigstellung des Sanierungsplanes wird vor allem erörtert zwischen dem Reichskanzler Dr. Brüning, dem Reichsfinanzminister Dietrich, dem Reichsarbeitsminister Stegerwald und dem Reichsbankpräsidenten Dr. Luther. Dieser Sanierungsplan, dessen Einzelheiten noch nicht feststehen, dessen Ziel aber eine große organische Lösung sei, die freilich von allen Volksteilen Opfer verlange, werde alsdann dem Gesomtkabinett nach Pfingsten vorgelegt werden. Brutl auf Wralng Sozialdemokratische Forderungen zur Brotpreisfrage und Sozialpolitik Vor einem neuen Schritt beim Kanzler Berlin, 22. Mai. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat am Donnerstag abend beschlossen, die Reichstagsfraktion auf Donnerstag, den 28. Mai nach Berlin einzuberufen. Der Vorstand beschäftigte sich ferner mit der politischen Lage und erörterte in mehründiger Aussprache die gegenwärtig im Vordergrund stehenden innen= und ßenpolitischen Fragen. Er beschloß u. a., beim Reichskanzler erneut ernsteste Vorstellungen in der Brotpreisfrage zu erheben und zu verlangen, daß die Regierung durch eine allgemeine Senkung des Weizen= und Roggenzolles binnen kürzester Frist die Gewähr für die Vermeidung weiterer Brotvreiserhöhungen und für die Rückgängigmachung der bisherigen Preissteigerungen schaffe. Der Reichskanzler soll dabei nachdrücklichst auf die politischen Folgen aufmerksam gemacht werden, die durch ein Versagen der Reichsregierung in dieser politisch und psuchologisch so ungemein bedeutungsvollen Angelegenheit entstehen würden. Der Vorstand erörterte sodann die Eventualitäten, die sich aus dem geplanten Erlaß einer neuen Notversordnung ergeben können. Ohne den Beschlüssen der Fraktion im einzelnen vorzugreifen, stellte er sich auf den Standpunkt, daß die überaus ernste Finanzlage der öffentlichen Körverschaft nicht zu einem Abbau der sozialen Einrichtungen benutzt werden dürfe. Die Finanzsanierung müsse mit Mitteln erzielt werden, durch die eine weitere Verschlechterung der Lebenshaltung der durch die Wirtschaftskrise in besonderem Maße geschädigten Volksschichten vermieden werde. Die Entwicklung des Brotpreises Berlin, 22. Mai. Vom Preußischen Statistischen Landesamt wird in der„Statistischen Korrespondenz“ über die weitere Entwicklung des Brotpreises folgendes berichtet: Zu den 29 Städten, die von 51 zweimal im Monat berichtenden Städten bis Ende Avril Brotpreiserhöhungen gemeldet hatten sind in der ersten Hälfte Mai sieben Orte mit Erhöhungen hinzugekommen, die im März und April noch unveränderte Preise hatten. Von den 22 an der Berichterstattung beteiligten Großstädten ist der Brotpreis bis Mitte Mai bisher nur in zwei, nämlich in Kiel und Harburg=Wilhelmsburg, nicht erhöht worden. Auch in den 84 monatlich berichtenden vielfach kleineren Gemeinden wirken sich die Preissteigerungen denn auch langsamer aus. Von diesen 84 Gemeinden haben im März oder April 38 Erhöhungen des Brotvreises gemeldet. Der Halbjahresdurchschnitt Oktober 1930 bis März 1931, der durch das Gesetz über Zolländerungen vom 28. März 1931 zur Beurteilungsgrundlage der Brotpreisgestaltung bestimmt worden ist, wurde von den 51 Gemeinden, die halbmonatlich berichten, bis Mitte Mai in 38 Gemeinden überschritten. Von den 84 Gemeinden, die monatlich berichten, wurde der Durchschnitt bis Ende April in 41 Gemeinden überschritten. Er wird also bisber nach dem erwähnten Stand der Berichterstattung von insgesamt 135 Berichtsgemeinden in 79 Gemeinden, d. b. in 39 v. H., darunter(mit einer einzigen Ausnahme: Kiel) in sämtlichen berichtenden Großstädten, überschritten. Preußens Verwaltungsreform Berlin, 22. Mai. Preußen folgt als erster deutcher Staat dem Reiche. Gleichzeitig mit der Ankündigung der Reichsreform wird heute bekannt, daß auch die preußische Verwaltungsreform ihrer Gesetzwerdung entgegengeht. Bedenken bestehen nur noch hinsichtlich der Frage, ob der jetzige Landtag diese Reform noch durchführen soll, die zu lebhaften Kämpfen im Parlament führen wird. Denn insgesamt sollen 45 Kreise und 5 Regierungsbezirke zur Aufhebung kommen, um die Staatsausgaben einschneidend und dauernd zu senken. Der Osten Preußens ist an den Zusammenlegungen, wie wir hören, nur in ganz bescheidenem Maße beteiligt, da hier jede Zusammenlegung sich ungünstig auf die 10jährige Reichsosthilfe auswirken würde. Keine Untersuchung über die Reparationsfrage Berlin, 22. Mai. Zu der Meldung ausländischer Blätter, die Reichsregierung beabsichtige bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich die Entsendung einer Kommission zu beantragen, die eine Diagnose hinsichtlich der Revarationsfrage stellen soll, wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß derartige Absichten bei der Reichsregierung nicht bestehen. Nachprüfung der Besoldungsordnung im Regierungsbezirk Arnsberg Dortmund, 22. Mai. Gegen die Essener Musterbesoldungsordnung, die für die Besoldung der rhein.= westfälischen Industriestädte richtunggebend ist, hat der Regierungspräsident in Arnsberg in einem Rundschreiben grundsätzliche Einwendungen gemacht. Diese Einwendungen sind Gegenstand eingebender Prüfungen durch den Gutachterausschuß gewesen. Die weitere Entscheidung liegt nunmehr bezüglich dieser grundsätzlichen Fragen bei dem Minister des Innern. Von größter grundsätzlicher Bedeutung bei den zur Erörterung stehenden Fragen ist die Einfügung einer besonderen im schwierigen Dienst nach bestendener erster Prüfung zu erreichenden Besoldungsgruxze und die Regelung des Aufstiegs über Gruppe 6a hlaaus nach bestandener zweiter Prüfung. Der Kampf um die Angesteiltengehälter Der Zentralverband der Angestellten teilt mit: Die am Tarifvertrag beteiligten Angestelltengewerkschaften haben an den Reichsarbeitsminister einen Antrag auf Einleitung eines neuen Schlichtungsverfahrens zur Beilegung des schwebenden Gobaltsstreites gestellt. BDA=Tagung in Aachen Aachen, 12. Mai. In Nachen nahm die 51. Tagung ses Vereins für das Deutschtum im Auslande sam Freitag ihren Anfang. Man erwartet zu der Tagung wenigstens 10.000 Gäste aus dem Reich, Oesterreich, den übrigen deutschen Siedlungsgebieten in Europa und den anderen Weltteilen. Reichskanzler Brüning hat ein Begrüßungstelegramm geschickt. Christliche Vergarbeiter-Internationale Straßburg, 22. Mai. Im Rahmen der Tagung der Christlichen Bergarbeiter=Internationale sprach Abgeordneter Imhoff über die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit im Kohlenbergbau. Die Erzeugungsmöglichkeiten überstiegen die Absatzmöglichkeiten, weil manche Länder ihren Bergbau planmäßig ausgebaut hätten, anderseits aber die Brennstoffe einmal viel sparsamer angewandt würden, und zum anderen Oel und Elektrizität in stärkerem Ausmaße Verwendung fänden. Der Konkurrenzkampf habe sich derart verschärft, daß in den umstrittenen Marktgebieten die Brennstoffe vielfach geradezu verschenkt würden. Das habe zur Stillegung zahlreicher Gruben geführt. Im Ruhrgebiet allein seien seit dem Jahre 1920 105 Gruben stillgelegt worden. Die Unternehmer führten diesen Kampf auf Kosten der Arbeiter durch Herabsetzung der Selbstkosten, wodurch das Uebel aber nur noch verschärft werde. Die Schleuderpreise in den umstrittenen Marktgebieten müßten sich naturgemäß zum Nachteil der ganzen Industrie des eigenen Landes auswirken. Führende Persönlichkeiten des Unternehmertums hätten das auch erkannt und die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit in der Koblenindustrie betont. Diese Zusammenarbeit müsse aber ausgebaut werden zur gemeinsamen Liquidierung des Krieges und seiner Folgen. Ohne diese internationale Zusammenarbeit würden internationale Wirtschaftskrisen zum Dauerzustand erboben. Kein Verfahren gegen Pfarrer Schenk Berlin, 22 Mai. Die Meldungen über ein Verfahren des evangelischen Konsistoriums gegen Pfarrer Schenk in Bornim entsprechen in keiner Weise den Tatsachen. Das Konsistorium hat, wie der Brandenburgische Evangelische Pressedienst mitteilt, die gegen Parfarrer Schenk im Fall Frenzel erhobenen Vorwürse seinerzeit eingebend geprüft und keinen Anlaß zu einem Vorgeben gesunden. Die amerikanischen Luftmanöver New York, 22. Mai. Am Sonnabend nachmittag wird New York ein ungewöhnliches Schauspiel erleben. Als Auftakt zu den großen amerikanischen Luftmanö= vern werden 672 Militärflugzeuge in Kampfformation über die Stadt binwegfliegen. Während dieser„Luftparade“ werden zahlreiche Friedensgesellschaften, Jugendvereine und religiöse Verbände auf allen öffentlichen Plätzen Kundgebungen veranstalten und gegen diese„Verhöhnung des Geistes des Kellogg=Paktes" protestieren. Annnurbensenlung der ossenn. Aasgaden Sanierung des Etats durch Rotverordnungen Berlin, 22. Mai. Der Reichskanzler hat die in Berlin anwesenden Finanzminister der größeren Länder empfangen. Der Kanzler hat, wie gemeldet wird, darauf hingewiesen, daß das Reichskabinett einig sei, die abermals notwendige Sanierung des Etats nur durch Notverordnungen des Reichspräsidenten vorzunehmen. Eine Ausdehnung der Notverordnungen auf die Etats der Länder und Gemeinden sei nur bedingt zulässig. Der Kanzler versprach die Prüfung der ihm unterbreiteten Vorschläge der Finanzminister in der Kabinettssitzung. Damit ist die Aktion der Konferenz der Länderminister vorläufig zum Abschluß gelangt. Die große Verwaltungsreform des Reiches soll uns, wie wir von dem Vertreter eines Mittelstaates hören, eine Milliardensenkung der öffentlichen Ausgaben bringen, aber auch eine Erhöhung der Einnahmen, da das Ende des Abstieges kaum schon da sei. Gegen neue Steuern hat sich die Länderkonferenz nicht ausgesprochen. Langfristige Anleihe für Deutschlaud? London, 22. Mai. Der Genfer Korrespondent des „Daily Herald“ nennt die Einsetzung eines Ausschusses zur Erleichterung internationaler Anleihen unter den Auspizien des Völkerbundes hochwichtig. Denn es werde davon gesprochen, daß die Folge eine große langfristige Anleihe für Deutschland sein werde, die die Gefahr seines völligen wirtschaftlichen Zusammenbruchs abwenden und 100 andere Probleme erleichtern würde. Tagung des Deutschen Beamtenbundes Berlin, 22. Mai. Die Bundesleitung des Deutschen Beamtenbundes trat am Donnerstag, dem 21. Mai, zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um zu den bevorstehenden Maßnahmen der Reichsregierung auf finanzpolitischem und wirtschaftspolitischem Gebiet Stellung zu nehmen. Die Bundesleitung sprach sich erneut mit aller Entschiedenheit gegen jede Gehaltskürzung oder Sonderbelastung der Beamtenschaft aus. Sie bedauerte zugleich, daß der Reichskanzler bis jetzt noch keine Gelegenheit zu einer Aussprache gegeben habe, um die der Deutsche Beamtenbund bereits am 23. April nachgesucht bat. Das lasse befürchten, daß die Beamtenschaft wieder vor eine vollendete Tatsache gestellt werden soll. Die Bundesleitung bringe nur die große Erregung der deutschen Beamtenschaft zum Ausdruck, wenn sie dieses Verhalten als eine Nichtachtung der berechtigten Interessen der Beamten bezeichnet, das um so mehr, als die Beamtenschaft sich stets bereit erklärt habe, ein allgemeines Notopfer mitzutragen. Die Bundesleitung hat angesichts des Ernstes der beamtenpolitischen Lage eine außerordentliche Tagung der Führer des Deutschen Beamtenbundes aus dem ganzen Reiche für Mittwoch, dem 27. Mai, nach Berlin einberufen. Am Abend wird eine große Kundgebung stattfinden. Die deutsche memeideschideror und die Ganziger Frage Genf, 22. Mai. Der Völkerbundsrat hat heute nachmittag seine Arbeiten mit einer sehr reichhaltigen Tagesordnung fortgesetzt. Angenommen wurde zunächst der Bericht des spanischen Delegierten über den deutschen Antrag, die Zivilluftfahrt nicht in die Arbeiten der Abrütstungskonferenz einzubeziehen. Der Bericht erklärt, daß es Sache der Abrüstungskonferenz sei, auf Grund der bis dahin auszuarbeitenden Unterlagen eine Entscheidung zu treffen. Ferner wurde angenommen, der Bericht über die Vorbereitung der Abrüstungskonferenz, der außer verschiedenen technischen Einzelheiten die Wahl Hendersons zum Vorsitzenden und die Abhaltung der Konferenz in Genf vorsieht; der Bericht über die auf der dritten Tagung des Europaausschusses gefaßten Beschlüsse und schließlich der vom deutschen Vertreter erstattete Bericht über die zweite Konferenz für eine planmäßige Wirtschaftspolitik. Die auf der Tagesordnung stehenden Punkte: Schutz der Minderheiten in Oberschlesien und in den polnischen Wojewodschaften Schlesiens, Posen und Pommerellen wurden sodann auf morgen zurückgestellt. Ueber die deutsche Memelbeschwerde berichtete der norwegische Delegierte. Er sprach in seinem Bericht die Hoffnung aus, daß es gelingen werde, auf der Grundlage der Memelkonvention eine Regelung sowohl der juristischen als auch der finanziellen Fragen zu finden. Was die juristischen Fragen betrifft, so sollen sich die Signaturmächte der Memelkonvention auf Grund des Artikels 17 dieser Konvention mit Litauen in Verbindung setzen. Komme eine Einigung nicht zustande, so soll auf Grund des gleichen Artikels der Haager Gerichtshof angerufen werden. Bezüglich der finanziellen Fragen verwies der Berichterstatter auf die im Anschluß an seinen Bericht von dem litauischen Außenminister Zaunius gegebene Erklärung, daß der Anteil des Memelgebietes an den Einnahmen Litauens durch statistische Erhebungen mit Unterstützung von Sachverständigen des Völkerbundes ermittelt werden solle. Reichsaußenminister Dr. Curtius begrüßte es, daß die finanzielle Frage im Memelgebiet mit der autoritativen Hilfe von Sachverständigen des Völkerbundes; gelöst werden solle. Hoffentlich werde sich nach Erledigung der beiden Fragen der Völkerbund nicht mehr mit dem Memelgebiet zu befassen haben. Als nächster Punkt der Tagesordnung wurde der Bericht des Oberkommissars in Danzig über die Beziehungen zwischen der Freien Stadt und Polen behandelt. Der britische Außenminister Henderson als Berichterstatter analysierte die hauptsächlichsten Bestimmungen dieses Berichtes und hob dessen Feststellung hewor, daß der gegenwärtige Konflikt kein Konflikt zwischen Danzig und dem Völkerbund sei und daß infolgedessen zu besonderen Schritten, insbesondere zur Heranziehung volnischer Truppen, keine Veranlassung sei. In der von Henderson vorgeschlagenen Entschliebung forder: der Völkerbundsrat die beiden Teile auf, alles in ihren Kräften stebende zur Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu tun. Der Oberkommissar wird aufgefordert. für die nächste Ratstagung einen neuen Bericht vorzulegen. Der volnische Außenminister Zaleski erklärte, daß er sich bei der Abstimmung über die Entschließung der Stimme enthalten werde, da sie nicht dazu angetan sei, die Lage zu bessern. Der Danziger Senatspräsident Dr. Ziehm behielt sich vor, seine Bemerkungen zu gegebener Zeit vorzubringen, insbesondere auch gegenüber dem Oberkommissar des Völkerbundes, dem er anläßlich seiner Wiederwahl sein volles Vertrauen aussprach. Der Oberkommissar des Völkerbundes in Danzig, Graf Gravina, führte aus, daß in letzter Leit die Lage in Danzig sich in recht bedroblicher Weise entwickelt habe. Er kehre aber nach den heutigen Erklärungen im Völkerbundsrat nach Danzig mit der Hoffnung auf eine Besserung der Lage zurück. Henderson gab noch eine kurze Erklärung ab, in der er zum Ausdruck brachte, daß der vorliegende Bericht ergeben habe, daß in Danzig Zwischenfälle vorgekommen seien, die geeignet seien, das Verhältnis zwischen Polen und der Freien Stadt Danzig zu erschweren. Er richtete an die Stadt Danzig einen Appell, alle Maßnahmen zu ergreisen, um die Möglichkeit einer Wiederholung solcher Zwischenfälle zu unterbinden. Dr. Curtius ergriff zum Schluß das Wort, um als Präsident des Rates dem Völkerbundskommissar Graf Gravina dafür zu danken, daß er sich bereit erklärt habe, seine schwierige Stelle für weitere drei Jahre beizubehalten. Dann richtete Dr. Curtius an alle Parteien den Avvell, sich vom Geiste völliger Unvarteilichkeit leiten zu lassen. Der Völkerbundsrat beschloß sodann auf Vorschlag Hendersons, die Frage der von Polen geforderten Gleichberechtigung der volnischen Staatsangehörigen auf Danziger Gebiet mit den Danziger Staatsangehörigen dem Haager Gerichtshof zu überweisen. Der Völkerbundsrat vertagte sich dann auf Sonn abend vormittag. Die Oberschlesienfrage Genf, 22. Mai. Reichsaußenminister Dr. Curtius hat am Freitagvormittag dem Pariser japanischen Botschafter Yoshisawa, der im Völkerbundsrat Berichterstatter für die Oberschlesienfrage ist, einen Besuch abgestattet. Die vertraulichen Verbandlungen in den letzten Tagen über die Vorschläge, die der japanische Botschafter dem Rat in der Oberschlesienfrage in der Sonnabendsitzung vorlegen wird, sind bisher ergebnislos verlaufen, da die deutsche Abordnung die Vorschläge des Völkerbundssekretariats, den Oberschlesien=Bericht der volnischen Regierung zur Kenntnis zu nehmen und damit die Verhandlungen der Oberschlesienfrage vor dem Rat abzuschließen, auf das nachdrücklichste ablehnt. Die deutsche Abordnung hält den Standpunkt aufrecht, daß der Oberschlesien=Bericht der polnischen Regierung völlig ungenügend ist, und die von den Polen erwähnten Maßnahmen zum Schutz der deutschen Minderheiten in keiner Weise eine Ausführung der Polen im Januar vom Rat auferlegten Verpflichtungen darstellt. Die Vertagung der Oberschlesienfrage auf die Septembertagung wird als feststehend angesehen, jedoch wird das deutsche Ratsmitglied ausdrücklich auf den ungenügenden und unbefriedigenden Charakter des Berichts der polnischen Regierung hinweisen und die Notwendigkeit neuer verschärfter Forderungen des Rates an die volnische Regierung zum Schutze der deutschen Minderheit fordern. Endgültige Ratsbeschlüsse zur Abrüstungsfrage Genf, 22. Mai. Der Rat nahm am Freitag den ofiziellen Bericht über die Einberufung der Abrüstungs= konferenz an, in dem auch die Ernennung Hendersons zum Präsidenten und die Wahl von Genf als Tagungsort festgelegt wird. Von den Staaten, die dem Völkerbund nicht angehören, werden zur Konferenz eingeladen: Afghanistan, Brasilien, Kostarika, die Vereinigten Staaten, Aegypten, Exuador, Mexiko, die Türkei und Rußland. Vertiefung der Gegensätze Bern, 22. Mai. Die russische Delegation in Gen hat gestern abend eine Pressebericht ausgegeben, in dem es heißt: Die Tagungen des Europakomitees haben keine Annäherung; sondern nur eine Vertiefung des Gegensatzes zwischen Arbeiterstaat und kapitalistischen Staaten gebracht. Die russische Delegation scheidet mit wenigen Hoffnungen aus Genf. Von Drinnen und Draußen Berlin, Pfingsten 1931. Pfingsten... Wir kennen alle die Botschaft nach dem Bericht der Apostelgeschichte:„Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander, und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen“. Unter all dem Seltsamen des Berichts, nach dem jeder Hörer den Redner in seiner Sprache verstand, Parther und Meder und Elamiter und die wohnen in Kappadozien, Pontus und Asien— unter all den Wundern das menschliche Bekenntnis:„Sie entsetzten sich aber alle und wurden irr und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?" Und dann hat Petrus, sich auf Joels Prophetenwort berusend, die andern übertönend gesprochen.„Da sie aber das höreten, ging's ihnen durch's Herz und sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun?"... Die Kirche des späten Mittelälters, im Bestreben, ihrer schlichten Gemeinde durch primitive Symbole ein Gleichnis jenes Tages der Erfüllung zu geben, da die Jünger einmütig beieinander waren, hat bei der Pfingstfeier in der Kirche einfach eine bunt bemalte Holztaube, manchmal auch eine silberne mit Edelsteinen besetzt, über den Häuptern der fromm Versammelten schweben lassen. Ein schlichter Brauch, der sich in ein paar Landgemeinden im Gebirge noch erhalten haben soll. Jedenfalls haben die Augen unserer Ahnen, nachdem das Heidentum mit seinen Götter=Muthen überwunden war, oft gläubig zu dem Zeichen des Friedens, zu dem bunten Vogel mit den gebreiteten„Schwingen, emvorgesehen. In dem Maien=geschmückten Kirchlein zu frommem Geläut Harrten die gläubig Beglückten Ob sich das Wunder erneut; Ob der Himmelsgeschenke Köstlichstes, flügelgespannt, Eine Taube, sich senke, Die der Himmel gesandt. Heilige Worte beschieden's Gläub'gen zum Troste wohl: Einer Taube des Friedens Weltbeglückend Symbol, Segen bringend den Frommen, Schwebend in Harmonien, Werde sie wiederkommen, Wie sie den Jüngern erschien. In dem Maien=geschmückten Kirchlein zu frommem Geläut Schauen die wonnebeglückten Augen das Wunder erneut. Aus den heil'gen Vitrinen Nahm der Priester voll Stolz, Hoffendem Glauben zu dienen, Eine Taube aus. Holz. Ach, einen buntbemalten Vogel aus frommem Geschlecht, Den viel Steine umstrahlten— Keiner der Steine war echt. Und das Tier hat kein Leben Und keine Schwungkraft wohl, Und so blieb es im Schweben Nur ein ärmlich Symbol... Ist uns Besseres beschieden Als zu Pfingsten der Traum Ach, wir reden vom Frieden, Und wir kennen ihn kaum. Priester mit den Brevieren Treten hinaus in den Mai— An der Kirche marschieren Im Gleichschritt Soldaten vorbei. Bei uns sind es nur wenig Soldaten, die vorüberziehen. In diesen Trüppchen kann wahrlich keine Drohung liegen für die Welt und keine Kriegsgefahr. Aber in den„abgerüsteten". Ländern dauert der Vorüberzug der Krieger an den Kirchen stunden=stundenlang. Und sie tragen und führen mit sich Waffen, die uns verboten sind... Und geht es uns im Anschauen dieser vorbeiklirrenden Züge anders als jenen schlichten Männern, Parthern und Medern und Elamitern, die sich alle entsetzten und irre wurden und einer zu dem andern sprachen: Was will das werden? ... Manche aber— auch in Frankreich, vielleicht sogar in Rom— schauen hinüber nach Spanien und denken stirnrunzelnd: Das also soll es werden!... In Rußland war kaum der Thron gestürzt und der Kaiser samt den Frauen seines Hauses gemeuchelt, da hat man die Priester verjagt, die Kirchen verweltlicht, die Kreuze zerbrochen. In Madrid hat kaum der König das Land verlassen, da hat der Pöbel die Klöster zerstört, hat vernichtet, was zu vernichten war, hat die wertvollen Geräte gestohlen und die Kunstwerke auf die Gasse geworfen, wo die kotigen Stiefel der im Siegeszug Jubelnden die Heiligen Murillos und Zurbarans beschmutzten... Wir sind nicht— und werden's hoffentlich nie sein— in Spanien, wo die aufgewühlte Masse, die ihre Führer schon nicht mehr zu zügeln vermögen, ein Strafverfahren gegen den König verlangen und den Monarchisten, die nicht schleunigst umfallen, vorwerfen: Sie provozieren. Die den Adel abschaffen und die eben die spanischen Granden, die einmal das Stolzeste vom Stolzen waren, über die Grenze jagen... Es war ja schon ein bißchen ein spaßiger Unfug allmählich geworden mit der Grandezza mancher Granden. Und die Fülle der Titel war gewiß für die Träger manchmal selbst unerträglich. Ein Beispiel für viele. Der Nachkomme des Herzogs von Alba, den der Knabe Karl im Vorzimmer der Königin auf deutschen Bühnen reizt, durfte, nein mußte sich nennen:„Duque de Alba de Tormes, Duque de Liria y Férica, de Olivares und de Penaranda, Maraués del Carvio, de Coria, de Eliche, de la Mota, de San Leonardo, de Sarria, Tarazona, Villanueva del Rio, de la Algaba, Barcarrota, Valderrabano, Villanueva del Fresco, Conde de Andrade, de Ayala, Fuentes de Valdevero, Gelves Lemos, Lerm, Monterro, Arsono, Villalba...“ Aber ehrlich— von den Titeln abgesehen— denkt nicht mancher jetzt— an jenen großen Alba zurück, von dem der Infant bei Schiller zornig zugleich und doch voll heimlich knirschenden Respekts zum königlichen Vater sagt:„Philipp braucht einen Alba— daß er einen braucht, daß ist es nicht, worum ich ihn beneide." Jetzt fliehen die Albas— mit den anderen Großen— vom Pöbel gehetzt über die Grenzen, über die Pyrenäen, über den Ozean. Der heiße Hengst nahm eine neue Hürde, Der wilde Gaul der Republik: Und abermals fällt eine stolze Würde, Die hell gestrahlt, ins Nichts zurück. Wo hinterm roten Tuch erhitzte Banden Bestürmen Schloß und Gotteshaus, Da wandern schleunigst Spaniens Granden Nach Frankreich aus. Gleichheit vor Gott— gewiß! Doch vor den den Die sterblich sind...? Ich zweifle sehr[Leuten, Ein Name, ruhrbestrahlt, will das bedeuten, Die Ahnen wandeln hinterber. Gewiß dem Narren war das Spott und Schemen, Die Neuzeit will nicht„Knecht" noch„Herrn", Doch gutem Blute heißt's das Beste nehmen— Den Klang von fern. Die Neuzeit stürzt im Wirbel-Irev Nutsche, Was ihrem Geiste nicht gefällt— Doch auch das Hifthorn und die Reisekutsche Sind der Erinn'rung ein Stück Welt. Und wie die Postillone längst verschwanden, Vom Bock gezerrt vom neuen Stil, So wandern jetzt die kastilian'schen Granden Müd' ins Exil. „Sieg" und„Triumph“— Von ferne hör' sch Kurz ist der Weg zur Bruderschlacht. lschallen, Ein Blutrausch fegt durch die zerstörten Hallen Von Burg und Klöstern in die Nacht. In Staub die Bilder herrschender Geschlechter! In Staub Madonnen und das ewige Licht! Die Welt wird rasch moderner und„gerechter“, Blok schöner nicht. Diogenes. Nr. 119 Zweites Blatt Samstag, den 23. Mai 1931 1 Ferteuer Taehat Wanne=Eickeler Zeitung General=Anzeiger Unfere Frälige Ausgabe umffust 24p Geiten Wild- und Vogelfänger an der Arbeit In d enletzten Tagen mehren sich die Meldungen und Beschwerden über Wilddieberei im Ruhrgebiet. In mehreren Bezirken des Ruhrgebietes wurde gefangenes Wild gefunden, das sich in den ausgelegten Angeln gefangen hatte. Die Wilddiebe sind zu schlau, um ihr Handwerk mit Feuerwaffen auszuüben, da sie sehr genau wissen, daß sie alsdann der Wachsamkeit der Forstbeamten zu leicht verfallen. Auch die Vogelfänger sind stark bei der Arbeit. Mit allen möglichen Mitteln gehen sie den Singvögeln zu Leibe. Eine große Anzahl der gefiederten Sänger ist ihrem Treiben schon zum Opfer gefallen. Die Wild= und Vogelfängerei ist noch stets in unserem Bezirk im Frühjahr und im beginnenden Sommer sehr rege gewesen. Noch nie hat sie aber so starke Ausmaße angenommen wie in diesem Jahre. Die Forstbeamten finden immer wieder bei ihren Rundgängen Fallen für das Wild und Angeln für den Vogelfang. Nur die Personen, die Fallen und Angeln auslegen, werden nicht gefunden oder nur in den seltensten Fäll enermittelt. Sie sind eben bei der Ausübung ihres Handwerks zu vorsichtig und da es unmöglich ist, die Wild= und Vogeldiebe von den harmlosen Besuchern unserer Wälder zu unterscheiden, können diese ihr Handwerk fast ohne Gefahr ausüben. Die Bevölkerung wird von den Forstverwaltungen gebeten, sie bei ihren Bemühungen, die Pild= und Vogelfänger zu ermitteln, zu unterstützen. Nur wenn die Bevölkerung diesem Ersuchen nachkommt, wird es möglich sein, unsere heimische Tier= und Vogelwelt ausreichend zu schützen. Vorbereitungen für endgültigen Finanzausgleich Wissenschaft und Wirtschaft an der Arbeit. Wie wir erfahren, hat sich unter dem Vorsitz des ehemaligen Staatssekretärs im Reichsfinanzministerium Prof. Dr. Povitz ein Ausschuß konstituiert, dem neben anerkannten Finanzwissenschaftlern auch Vertreter der Großstädte und der Landgemeinden angehören. Der Ausschuß hat die Aufgabe, endlich einmal die Bestrebungen, den seit 10 Jahren„vorläufigen“ Finanzausgleich zwischen Reich Ländern und Gemeinden in eine Form zu bringen, die Regierung und Reichstag als endgültige Regelung akzeptieren können. Man hat es vermieden, Interessentengruppen oder ihre Vertreter.in diesen Ausschuß hineinzubringen. Als bekannte Persönlichkeiten gehören zu ihm z. B. die Oberbürgermeister Bracht=Essen, Gördeler=Leipzig, Abg. Landrat a. D. Gereke, der Industrielle Silverberg, der Bankier Warburg und der Vorsitzende des Bundes zur Erneuerung des Reiches, Graf Rödern. Die Mitarbeit des letzteren ist besonders interessant. Sie zeigt, daß der Ausschuß die hohe politische Bedeutung des Finanzausgleichs erkannt hat und sich in Graf Rödern nicht nur einen Finanzsachverständigen, sondern auch einen an den Reichsreformvorschlägen des Bundes zur Erneuerung des Reiches führend beteiligten Mann gesichert hat. Man wird nur wünschen können, daß der PovitzAusschuß Erfolg haben möge. Seine Zusammensetzung läßt jedenfalls erwarten, daß der Reichsregierung wertvolle Vorschläge unterbreitet werden Die Schaffung eines gerechten Finanzausgleichs ist jedenfalls das Zentralvroblem der gemeindlichen Finanzwirtschaft. Der Ausschuß hat seine Arbeiten bereits ausgenommen. Zusammenarbeit aller Schulen mit dem Jugendherbergswerk. Die Regierung in Arnsberg veröffentlicht im„Amtl. Schulblatt" Nachstehendes: Was ein gutes Dach sein will, muß alles decken können, was immer man ihm anvertraut. Ein solches Dach möchte das Jugendherbergswerk für alle Schulen sein. Bietet es nicht den Schulen aller Gattungen die Freude des Erlebens, das frohe Schauen und Genießen, bietet es ihnen nicht Gesundheit. Sonne, Luft, weil es ihnen die Möglichkeit bietet, unbeirrt von Unterkunftssorgen den Kreis der Wanderungen nach Belieben auszudehnen, immer mit der Gewißheit, daß der Abend in der Jugendherberge frohes Zusammensein, billiges Lager, Ungestörtheit und Geborgensein für alle bereit haben wird? Es wohnen viele Schulen unter diesem Dach, aber noch nicht alle. Soweit aber müssen wir es um der deutschen Schuljugend willen bringen. Wer sollte die Kinder besser zum Wandern erziehen können als der Lehrer, dem sie vertrauen, der ihre Sehnsucht kennt und ihnen hilft. Es ist nicht so, als ob das Jugendberbergswerk um Was Graachei ton z8 Tinligseit— lous i Asnicstelauch! Vom Wetter, Hertener Wald und allerlei Maienzauber Daß sich Pfingsten nicht auf Wanne=Eickel reimt, liegt in der Natur der Sache; denn wenn ein altes Sprichwort sagt, daß„Pfingsten der schönste Festtag“ ist, so tröstet das nicht über die Flaute der Zeit hinweg und über das Bewußtsein, daß wir mit diesem schönsten Festtag nicht viel anfangen können. Die armseligen Naturoasen im mittleren Industriegebiet können die Frühlingsweihe, die doch mit Pfingsten auf einen Tag fällt, nicht so erhebend gestalten wie in den Bergen des Sauerlandes und in den Wäldern der münsterschen Bucht. Die Luft der Zechen verdrängt den angenehmen Duft des keimenden Grüns in den von Menschenhand geschaffenen Anlagen zum guten Teil. Und unser Pfingsausflug wird— falls wir nicht an die Ruhr, nach Haltern oder zum Rhein fahren— recht bescheiden sein. Aber trotzdem freuen wir uns auf die Pfingsttage. Wir hoffen auf die Sonne, harren auf bekömmliche Stunden der Ruhe und wünschen uns überhaupt recht fröhliche Pfingsten. Diese sind ohne schönes Wetter nicht denkbar. Wenn der Verkehr in unseren Straßen still liegt, wenn die Läden geschlossen, die Sirenen der Zechen verstummt sind, wenn an das böse Wort„Arbeit“ nicht g dacht wird, da treibt es uns, die schöne Zeit der Muße richtig zu genießen. Und wie genießen wir sie! Ohne Entnervung, ohne Vergnügung—„am Busen der Natur“, wie der Dichter so schön sagt. Und wenn die hiesige Natur sich auch eigentlich erst den Hals waschen müßte— so beschmutzt ist sie— wir sind schon mit ihr zufrieden. So schlimm ist es auch in Wanne=Eickel und Umgebung nicht, als daß wir diese Zeit nicht als die wonnevollste Zeit des Jahres empfinden müßten. Auch hier blüht es im Freien— in den Stadtgärten, am Bahnhofsvorplatz und im Hertener Walde. Apropos, der Hertener Wald! Da haben wir ja unsere eigentliche„Natur“. Am Pfingstmorgen ziehen wir uns recht schmuck an und vilgern in den Wald hinaus. So ein Spaziergang tut wohl, er darf zu Pfingsten nicht fehlen. Wenn wir den Tag richtig ausnutzen wollen, so wandern wir sogar weiter bis zum Katzenbusch, der immer noch beliebtes Ausflugsziel ist, oder nach Langenbochum zum Paschenberg, oder in die Buerschen Wälder. Wenn nur das Wetter frühlingsherrlich bleibt! Das ist sehr wichtig; denn das Pfingstwetter hat nach alter Volksweisheit eine besondere Bedeutung. Eigentümlich ist nur, daß unsere Vorväter etwas ganz anderes wünschten als wir. Alle Sprichwörter, die sie uns hinterlassen haben, besagen, daß es zu Pfingsten regnen möge.„Pfingstregen heilt alles aus,“ sagt das eine, „Nasse Pfingsten, fette Weihnachten,“ das andere. Denn der Bauer wußte besonders gut, daß das Getreide auf dem Felde, insbesondere die Gerste, um die Pfingstzeit des Regens dringend bedarf. Er sagte darum auch: „Märzenstaub und Mairegen sind Goldes wert“. Das alles wäre ein kleiner Trost für uns, wenn die Pfingstfeiertage„ins Wasser fielen". Bitter aber ist wiederum, daß der Regen über Pfingsten nicht nur die schönsten Reise= und Wanderpläne verdirbt, sondern auch Aussicht auf länger anhaltendes Schlechtwetter gibt; denn„Wenn es am Pfingstmontag regnet, dann regnet es noch sieben Wochen". So haben wenigstens unsere Vorfahren auch behauptet. Jawohl, unsere Vorfahren taten sich was! Die machten noch keine Pfingstreisen; denn sie lebten sowieso inmitten der schönen Natur. Trotzdem liebten sie aber diese Feiertage ebenso, wie wir sie auch lieben. Manch alter schöner Brauch erinnert an ihre Festfreude, die ebenfalls ganz dem Frühling galt. Wenn heutzutage in mondänen Großstadtlokalen von Jahr zu Jahr und Ort zu Ort mehr oder minder hübsche„Schönheitsköniginnen“ gewählt werden, so erkor man sich früher frischfröhlich in der Pfingstzeit eine„Frühlingsbraut". Jedenfalls war das viel Usus und auch im alten Eickel. Zur Zeit, als im Friedgras bei der Dorneburg noch die Ochsen und Kühe Tag und Nacht in Menge weideten, erschienen zu bestimmten Tageszeiten die Eickeler Dorfschönen, um Milchbauer zu spielen. Das gehörte zu ihrer täglichen Arbeit, natürlich. Aber an einem Tage im Jahre hatte der Gang zum Melkplatz eine besondere Bedeutung. Am Pfingstmorgen nämlich wurde die Maid, die zuletzt am Platze erschien, zur Pfingstbraut gemacht. Eine Schmeichelei sollte das wahrscheinlich nicht sein. Sie wurde mit Ginsterkraut gekrönt und fertig war die Laube. Die Sache soll den jungen Mädels viel Spaß gemacht haben. Aber wie gesagt, das ist schon lange her.... Heute zählen wir das Jahr 1931 und die Sitten haben sich geändert. Nur der Brauch, zu Pfingsten in die Natur zu schweifen, ist geblieben. Und weil diese Betätigung für uns so selten ist, erscheint sie um so schöner. „Pfingsten, das liebliche Fest, ist gekommen!" Laßt uns auf jeden Fall guter Laune sein! Jovo. einzelne Mitgliedschaft bittet oder als ob es fürchte, seine Herbergen könnten leer stehen, nein, der Raum ist eher zu klein, Tausende mußten abgewiesen werden. Warum will der Jugendherbergsverband das Dach für alle Schulen sein? Darum nämlich, weil jedem deutschen Kinde einmal das Glück werden soll, Gast einer Jugendherberge zu sein. Eine Jugend, die so geführt wird, wird sich jenes Glücks immer von neuem erinnern und hinausziehen, um sich gesund zu leben und Freude in ihre Tage zu tragen. Nur darum allein heißt unsere Losung: Alle Schulen in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendherbergswerk! Westfälische Straßenbahn und Handelskammer Auf Anregung von Interessenten beschäftigte sich der Verkehrsausschuß der Industrie= und Handelskammer zu Bochum mit den Fragen, die sich aus den Schwierigbeiten bei der„Westfälischen Straßenbahn“ für den Straßenbahnverkehr im Kammerbezirk ergeben. Der Verkehrsausschuß formulierte seine Stellungnahme dahin, daß im Interesse der Einheitlichkeit des Verkehrs im Kammerbezirk die Aufrechterhaltung der bestehenden Linien der„Westfälischen Straßenbahn“, entweder als Straßenbahn= oder als Leicht=Autobuslinien im Rahmen einer gesunden Wirtschaftlichkeit dringend wünschenswert sei. Endlich Verbot der Geldspielautomaten Der Polizeipräsident in Bochum schreibt uns: Bis Ende April 1931 waren die Geldspielautomaten„MintSystem“ wozu auch der Rotarn=Automat gehört, als Geschicklichkeitsautomaten zugelassen. Die Erfahrung bat jedoch gelehrt, daß an den Apvaraten vielfach unlautere Machenschaften vorgenommen worden sind. Auch haben viele jugendliche Personen durch Nichtbenutzung der technischen Vorrichtung(Bremsen!, die das Sviel wesentlich beeinflussen, das Moment der Geschicklichkeit selbst ausgeschaltet. Hierdurch wird das Spiel zu einem reinen Glücksspiel, Ferner ist festgestellt worden, daß entgegen der Annahme der beurteilenden sachverständigen Beamten der Durchschnittsspieler nicht in der Lage war, in absehbarer, angemessener Zeit mit Aussicht auf Erfolg an den Apparaten zu spielen. Mit Rücksicht hierauf wird das Sviel an allen„Mint=Automaten“(„Weltmeister".„Germania" „Turf",„Dreipunkt" und„Rotary") ab 1. Juni 1931 als Glücksspiel angesehen und in Zukunft gegen alle Spielveranstaltungen und Dulder dieser Spieler wegen Glücksspiels bezw. Beihilfe dazu polizeilich ein geschritten. Regierungsverordnung gegen Einichunagemeinbeigener Werstäten Der„Schuhmarkt“ schreibt in seiner letzten Ausgabe: Schon seit Jahren haben Handel und Handwerk mit Recht darüber geklagt, daß Selbstverwaltungskörper eigene Betriebe einrichten, weil sie glauben, auf diese Weise billiger fabrizieren zu können. Es ist erfreulich, daß sich nunmehr das fächsische Wirtschaftsministerium gegen derartige Betriebe wendet. Es heißt in der im Ministerialblatt für die sächsische, innere Verwaltung veröffentlichten Verordnung: „Im Hinblick auf die schwere Notlage des Handwerks wird den Gemeinden dringend empfohlen, bei der Vergebung von Aufträgen die Reichsverdingungsordnung anzuwenden und nicht grundsätzlich dem billigsten Anbieter den Zuschlag zu erteilen, denn dieser wird durch minderwertige Arbeit zu einem nicht einmal seine Selbstkosten deckenden Preis in den Konkurs getrieben, wodurch die Arbeitslosigkeit vermehrt und das Steueraufkommen in der Gemeinde vermindert würde. Wanne-Eickeler Bauernhofromantik Frühlingszauber auf Wanne-Eickeler Bauerngehöften 7 Die interessanten Inschriften der Scheunentore 7 Aus Wanne-Eickels Vergangenheit Erinnerungszeichen an die bäuerliche Vergangenheit unserer engeren Heimat, sind trotz des immer stärkeren Vordringens der Industrie noch teilweise erhalten geblieben. Wenn die Spitzhacke auch schon eine große Reihe ehemals stolzer Bauerngehöfte zu Fall gebracht hat, so gibt es doch noch heute eine ganze Anzahl schmukker Höfe, die das Stadtbild Wanne=Eickels zieren. Wir, die wir täglich an diesen alten Bauernhöfen vorbeikommen, achten kaum ihre Eigenart, die für unser Landschaftsbild so charakteristisch ist. Für den Fremden jedoch ist es ein Erleben, hier rauchende Schlote und Fördertürme neben alten Bauernhäusern in friedlicher Eintracht beieinander zu sehen. Welch' schönes Bild genießt man, wenn man im Stadtteil Eicke! die schmucken Bauernhöfe mit den im Hintergrunde liegenden Zechenanlagen betrachten kann oder wenn man den idyllisch gelegenen Schulteschen Hof mit den dahinter grüßenden Zechenanlagen von Shamrock sieht. Erfreulicherweise haben die meisten Besitzer der alten Wanne=Eickeler Bauernhöfe großen Wert auf Sauberkeit und Schönheit ihrer Besitzungen gelegt, so daß man in sehr vielen Fällen von regelrechten Schmuckkästen sprechen kann. Ein Besuch in einen der Bauernhöfe läßt bald vergessen, daß man sich mitten im„Kohlenpott" befindet. Man fühlt sich bald in die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts hineinversetzt, in der noch in Eickel der Gänse= und in Crange und Bickern der Schweinehirt das Feld beherrschten, in der noch der Ackersmann unbehelligt mit seinem Pflug über das Land schritt, in der Friede und Ruhe auf den Boden des jetzt so belebten Wanne=Eickel herrschte. Dann aber kam gegen Ende des vorigen Jahrhunderts der industrielle Aufschwung, der manchem unserer alten Bauernhöfe den Untergang brachte. Wie mancher trauliche Winkel ist verschwunden, wie mancher einst stolze Bauernhof wurde dem Erdboden gleichgemacht. Aus ehemals stattlichen Gebäuden wurden gar Plätze, auf denen man heute Lumpen und altes Gerümpel findet.. Zu einem Stück Geschichte dieser Bauernhöfe sind die alten Inschriften der Scheunentore geworden, die gewissermaßen die Visitenkarten der Gebäude abgaben. Wir haben uns bemüht, eine Reihe solcher Inschriften aus allen Stadtteilen festzustellen... Oftmals war es nicht leicht, auf den durch Witterungseinflüsse vergilbten und verwitterten Balken alles richtig zu entziffern. Immerhin gelang es uns, unseren Lesern eine Anzahl von Sprüchen, die charakteristisch für die Erbauer der Höfe sind, nachstehend bekanntgeben zu können. Fast alle Sprüche lassen die christlich=religiöse Denkart unserer Altvordern erkennen. Im Eickeler Volkshaus, in Holsterhausen und auch in Röhlinghausen gibt es noch eine Reihe Sprüche, die man allerdings kaum mehr entziffern kann. An zahlreichen Gebänden waren auch die Balken derart schlecht, daß sie erneuert werden mußten, wobei dann vielfach die Inschrift des Hauses verloren gegangen ist. Jedenfalls dürfte diese Zusammenstellung der alten Inschriften an den hiesigen, noch erhaltenen Bauernhöfen besonders für diejenigen, die sich für Heimatkunde interessieren, von besonderem Interesse sein und überhaupt dazu beitragen, die Liebe zur engeren Heimat zu fördern und zu pflegen. Volkshaus Röhlinghausen (früher Strathmann=Hof). Anno 1812 Joh. Wilh. König genannt Strathmann, Maria Sibil Lahhmann. E. L., T. M. 1. D. R. Probst im Wilhelm F. B. d. 7. April. Schütz uns hinfort bei Feuersglut, bewahre Leib und Leben, sei Rat und Tat, gib guten Mut, wenn in Gefahr wir schweben. Je größer oftmals wird die Not, je näher seist Du uns, o Gott, lösch aus was sonst und brannt. Joh. Diedr. Strathmann, Anna Clara Brunstein. Laß uns kein mehres Feuer erwecken, laß uns bei Nacht- und Tageszeit nicht ohne Not erschrecken. Wach über uns in Gnad und Gunst, sonst wacht der Wächter gar umsonst. Brennholdt=Hof— Gelsenkirchenerstraße (Besitztum Zeche Pluto): Juni 1808 Es' kommt alles von Gott, Glück und Unglück, Armut und Reichtum. Grawenhoffs=Kotten— Plutostraße. Wer ein- und ausgeht durch die Thür, der muß bedenken für und für, daß unser Heiland Jesus Christ die rechte Thür zum Himmel ist. Heinrich Beisemann— Maria Dortelmann. Eheleute, 1872 Schultes Hof in der Landarafenstraße. Wo der Herr nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst die daran bauen. Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wachet der Wächter umsonst. 21. 7. 1722 Dörnemann, Anna Maria Langebeckmann. Der Sassenhoff'sche Kotten in Holsterhausen. Es ist genug zu deinem Leben, Wer Wasser und Brot, Kleider und Haus hat, damit er seine Notdurft decken kann. Pried und Gesundheit, Kraft gedeihn, zu unserem Handeln Gott giebst du. Anno 1845 Heinrich Sassenhoff, Maria Hangohr. Der Schlenkhoff=Kotten in Holsterhausen. 1839, Joh. Engelb. Blanke, Cath. Maria Becker. Wer aus- und eingeht durch die Thür, der soll gedenken für und für, daß unser Heiland Jesus Christ, die rechte Thür zum Himmel ist. Die Wege des Herrn sind eitel gut und wahrhaft denen, die seinen Bund halten. Mehrere Kotten an der Cranger Dorfstraße. Brockhoff: Forchte Gott und Halte seine Gebote. Und an Oettes Segen ist alles gelegen. Anno 1716. Oettes Furcht und Weisheitsgaben, wollen dieses Haus bewahren. Wilhelm Schulte 1784. Glück aus, Glück ein, die Tür muß offen sein. Johann Schulte 1784. Nicht wenn ich mit vielen bete, find ich bei Gott Gehör, nein ist mein Wunsch gerecht und gut, so ist gewiß, daß Gott ihn tut. Dirich Beisemann 1784. Der Bönninghaus=Hof in Eickel. Geh Deine Zukunft froh entgegen und bau Dein Glück auf Redlichkeit, dein längstes Leben sei nur Segen. Dein Trost sei nur Zufriedenheit. Heinrich Bönninghaus und Anna Maria Weinberg. Der Balke'sche Hof in Eickel. Abbrechen und Aufbauen hat seine Zeit. Soll Dir vorm Tode nicht grauen, bau für die Ewigkeit. Balke, 21. Juni 1796. Der Funkeshof in Röhlinghausen. Uns trieb die große Not, dies Haus allhier zu bauen. 0 Got. Du großer Got mit Gnaden anzuschauen. Kasber Vollmer und Maria Maderhoff, Eheleute 1736. Der Brunkhorstkotten in Wanne. Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hätte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbaut, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewin im Himmel ist. Der Wilhelmsbof in Wanne. Bewahre Vater unsere Saten und unsere Häuser, Hab und Gut. bewahre uns vor Missetaten, vor Wollust und Uebermut, weil sonst im reichsten Ueberfluß, wie die Seie doch verderben muß. Anno 1827. Alter Kotten im Moskamoweg Wanne. Wohl dem, der den Herrn fürchtet, der große Lust hat zu seinen Geboten, des Same wird gewaltig sein auf Erden. Das Geschlecht der Prommen wird gesegnet sein. Reichtum und die Fülle wird in ihrem Hause sein und ihre Oerechtigkeit bieihet ewiglich Bernd Rusche und Anna Maria Braukhof, Eheleute 1747. Der Scharowinkel=Kotten in Holsterbausen. Wohl dem der den Herrn fürchtet, der große Lust hat an seinen Geboten Durch die Einrichtung gemeindeeigener Werkstätten Hr Erwerbslose wird die Arbeitslosigkeit nicht vernindert, sondern nur verschoben, denn die in diesen Werkstätten ausgeführten Arbeiten werden dem freien Gewerbe entzogen, sodaß dieses Arbeitnehmer entlassen muß oder gar selbstständige Handwerker Wohlfahrtsunterstützung in Anspruch nehmen müssen. Es wird daber den Gemeinden weiter empfohlen, von Einrichtung solcher Betriebe Abstand zu nehmen.“ Auch für unsere Stadt enthält diese Verordnung der sächsischen inneren Verwaltung mancherlei, was zu beberzigen wäre. Das gilt ebensosehr für die Nichteinrichtung gemeindeeigener Werkstätten wie für die Anwendung der Reichsverdingungsordnung bei der Vergebung von Aufträgen. Wo sollte es auch binführen, wenn die öffentliche Hand lediglich immer nur dem billigsten Anbieter den Zuschlag erteilen würde. Nicht nur daß der billigste Anbieter auf die Dauer durch solche Geschäfte dem Konkurse zutreibt, wird auch derjenige Anbieter, dessen Angebot auf reeller Kalkulations= basis in dem Bestreben, den Betrieb lebensfähig zu erhalten, aufgebaut ist, dadurch, daß er kaum mit öffentlichen Aufträgen bedacht wird, geschädigt und schließlich gar dem Ruin zugeführt. Versammlung der Röhlinghausener Hausbesitzer Die Bezirksgruppe Röhlinghausen des Allgemeinen Haus= und Grundbesitzervereins Wanne=Eickel hielt Donnerstag im Vereinslokal Kreter eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab, die in Abwesenheit des durch eine andere Sitzung verhinderten Vorsitzenden, Bezirksschorsteinfegermeister Hilburg, durch den 2. Vorsitzenden Raub, eröffnet wurde. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung gab Geschäftsführer Dr. Schaaf einen Bericht über den kürzlich stattgefundenen Verbandstag des Verbandes der Haus= und Grundbesitzervereine für das rhein.= westf. Koblenrevier in Witten. Darauf gab der 2. Vorsitzende die Beschlüsse des Vorstandes des Allgemeinen Haus= und Grundbesitzervereins bekannt, die dahin gignen, baldmöglichst eine eigene Vereinszeitung für die Mitglieder berauszugeben. Im Interesse einer rechtzeitigen und eingehenden Information sei es dringend erforderlich, daß die Mitglieder laufend über alle aktuellen Fragen, die den Hausbesitz betreffen, benachrichtigt werden, zumal sämtliche umliegenden Haus= und Grundbesitzervereine bereits seit langem eigene Vereinszeitungen unterhalten. Auf Grund einer günstigen Offerte sei es auch möglich, die Zeitung ganz billig erscheinen zu lassen, sodaß nur die Zustellungskosten bezahlt werden müßten. Es würde im ganzen nur eine Beitragserhöhung von 10 Pfg. pro Monat eintreten brauchen. Es wurde bemerkt, daß für die Mitglieder der Bezirksgruppe Röblinghausen eine Erhöhung nicht einzutreten braucht. Nach kurzer Dehatte ergab die Abstimmung, daß sämtliche Anwesenden einstimmig für die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift eintreten. Der Geschäftsführer bemerkte noch, daß diese Angelegenheit nochmals zur Beschlußfassung dem großen Verein vorgelegt werden muß, da sich die Herausgabe der Zeitung nur lohne, wenn die Auflagenziffer eine große sei. Anschließend referierte Dr. Schaaf über die Rückzahlung und Verzinsung der Aufwertungshypotheken und eine kurze Uebersicht über den derzeitigen Stand der Hypothekenumschuldung. Er teilte u. a. mit, daß in ganz Preußen bereits über 52.000 Anträge auf Gewährung einer Zahlungsfrist bei den Aufwertungsstellen gestellt seien, jedoch seien über die Praxis der Aufwertungsstellen bisher Erfahrungen infolge der Kürze der Zeit nicht gesammelt. Er wies nochmals auf die 3monatige Frist hin, innerhalb welcher seit dem Tage des Eingangs des Kündigungsschreibens der Antrag auf Bewilligung einer Zahlungsfrist bei der Aufwertungsstelle gestellt werden muß. Anschließend berichtete der Geschäftsführer noch kurz über die Aenderungen der Hauszinssteuerverordnung ab 1. 4. 1931, gab die Senkungen der Hauszinssteuer in den einzelnen Fällen bekannt und erläuterte an Hand von Beispielen. Weitere Ausführungen erübrigen sich, da die Hauszinssteuerveränderungen bereits ausführlich veröffentlicht worden sind. Er betonte ausdrücklich, daß die ab 1. 4. 31 eintretende Senkung automatisch erfolgt, daß also dieserhalb Anträge an das Katasteramt nicht zu stellen sind. Unter Punkt Verschiedenes wurde zum Wassergeld mitgeteilt, daß das Wasserwerk jetzt versucht, das Wassergeld zum Preise von 18 Pfg. durch Boten einzuReichtum und die Fülle wird in seinem Hause sein. W. Scharpwinkel gen. Abendroth. 15. 10. 1846. Hetkamps=Kotten in Holsterhausen. Ich fahre ein oder aus. Gott segne unser Keller und dies Haus. An Gottes Segen ist alles gelegen. Jan. Heinr. Hetkamp, Anna Catharina Fitinghoff gen. Hetkamp. Anno 1744. Laarmanns=Hof an der Stöckstraße. Unseren Ausgang segne Gott, unseren Eingang gleichermaßen. Johann Heinrich Darfe, Annamaria Stratmann. 1789. Gott behüte dieses Haus und alle Narung die hier gehet ein und aus. Gosewinkels=Hof an der Lothringerstraße. Salomon saget: Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten. Sprüchwörter Salomonis 34 V. 3. Joh. Engelbert Möller v. Bickern, Anna Gerthrud v. Eckel haben dies Haus lassen bauen. Anno 1773. Inschrift am alten Eickeler Pfarrbaus. (1752 wurde der Bau beschlossen und 1764 aufgerichtet) „Hier sammelt man die reiten Prüchte Und sondert Waizen von der Spreu; Dort an dem großen Weltgerichte Wird offenbar was jeder sei: Wohl dem, der diesem denkei nach. Wie er das Leben haben mag.“ Anno 1764 M. B. W., den 10. Oct. Die 1886 errichtete Pfarrscheune verzkichnete folgende Inschrift: „Als Denkmal schöner Eintracht ehrend die Gemeinde Steht dieser Bau, mit deiner Gnadenhand Schützt ihn, Herr, auf ferne Zeiten, und uns vereine, Zu jedem guten Werk. stets deiner Liebe Band.—“ Aus freiwilligen Beiträgen der Gemeinde erbaut 1836 M. H. V. D.— 9. Kässenn dor Sem=Kahrsnolungsverdahe Das festgelegte Verbandsstraßennetz, die sog. zwischengemeindlichen Hauptdurchgangsstraßen, hat eine Gesamtlänge von 1570 km. Hiervon sind 810 km vorbandene Kreis=, Provinzial= und Stadtstraßen, während die restlichen 660 km als fehlende Zwischenstücke neu zu bauen sind. Die Verwirklichung dieser Neubaustrecken hat der Verband übernommen, während die Umgestaltung der bestehenden Strecken für den Durchgangsverkehr zu Lasten der jeweiligen Wegeunterhaltungspflichtigen erfolgen muß. Das erste Ausbauprogramm umfaßt die große Ost=West=Straße von Hamm über Dortmund=, Bochum=, Essen=, Mülheim=, Duisburg=Rheinübergang nördlich Mörs in Richtung Geldern, nebst Zubringerstraßen von Norden und Süden her. Im zweiten Ausbauprogramm ist eine weitere Ost=West=Straße in Richtung Duisburg=Hamborn im Zuge des Emschertals mit Zubringerlinien von allen Seiten. Allein zum ersten Ausbauprogramm kamen 58 km Einzelstraßen hinzu. Die Kosten betragen einschließlich der Bauwerke u. dal. 40 Millionen R.4 für das erste und 32 Millionen R.A für das zweite Ausbauprogramm. Der Verband vermochte es nicht, an der im Jahre 1925 von der Verbandsversammlung festgelegten Finanzierungsgrundlage des programmäßigen Ausbaues festzuhalten, da er im wesentlichen durch die Erhebung der jährlichen Umlage von 3 Millionen R.4 bebindert war. Der Ausfall an Umlagebeiträgen war bis Ende 1928 allein auf 4600000 R.4 angewachsen, und zum anderen mußte bis dahin aus der Umlage auch noch der Kostenaufwand aufgebracht werden, der für das erste Ausbauprogramm hinaus— allein zur Beschäftigung von Arbeitslosen— begonnenen Baustrecken aufgewandt worden ist und etwa 11 Millionen R.A ausmacht. Die Hereinnahme langfristiger Anleihen gestaltete sich dabei noch sehr schwierig. Für die beiden Straßenbauprogramme sind bisher im außerordentlichen Haushalte 37 Millionen R.4 aufgewendet, und das allein vom Verbande. Die Anleibeverpflichtungen betragen 2.7 Millionen R.A. Nach einem Beschluß des Verbandsausschusses soll die Umlage für 1931 um 200000 R.A. gegen das Vorjahr gemindert werden, wonach also nur 3,2 Millionen R.4 zur Verfügung stehen. Mithin bleiben für Bauzwecke und Aufnahme neuer Anleihen für Abteilung 1 und 2 des außerordentlichen Haushalts für 1981 nur 500 000 R.A verfügbar. Die im Etatsjahre 1931 für den Verbandsstraßenbau erforderlichen Mittel sollen dazu verwendet werden, um die aus den vorigen Jahren vorbandenen Verpflichtungen für Grunderwerb und Abdeckung laufender Verträge abzugelten. An einzelnen Stellen aber ist ein Weiterbau insoweit erforderlich, als naheliegende Schäden und Zerstörungen an zum Teil fertiggestellten Teilarbeiten vermieden werden müssen. Eine Fortführung der Baustrekken kommt nur an wenigen Stellen in Betracht und zwar nur dort, wo Verkehrsgefahren beseitigt werden müssen. Diese Arbeiten erfordern jedoch rund 4 Millionen R.A. Damit die Anleibeverpflichtungen mit dem Umlagebetrag von 3.2 Millionen R.A auch für die nächsten Jahre abgedeckt werden können, ist für 1931 nur eine Anleihe von 3.5 Millionen R.A für Abtlg. 1 und 2 des außerordentlichen Haushalts einschließlich der Anleihen aus der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge möglich. Insgesamt ergibt sich ein verfügbarer Baubetrag von nur 8780000 R.A. Somit muß selbst ein Teil der als dringend bezeichneten Arbeiten zurückstehen. ziehen. Es wird jedoch allen Mitgliedern empfohlen, nur nach einem Satz von 13,15 Pfg. zu bezahlen. Der Vorsitzende Hilburg, der inzwischen erschienen war und die Leitung der Versammlung übernommen hatte, gedachte u. a. mit warmen Worten der inzwischen verstorbenen Mitglieder Frau Hense, Arenz und Sommer. Die Mitglieder erhoben sich zu Ehren der Verstorbenen von ihren Plätzen. In lebhafter Diskussion konnte noch eine Reihe von Fragen geklärt werden, bis die Versammlung gegen 23,30 Uhr durch den Vorsitzenden geschlossen werden konnte. Ausbau des Ringnetzes des RWE. 59 Höchstspannungsstationen— Ueber 4800 km Drehstromleitungen. Im neuen Geschäftsjahr hat das Rheinisch=Westfälische Elektrizitätswerk den inneren Ausbau weiter wesentlich durchgeführt. Im Augenblick sind wiederum zwei 100000=Volt=Hochsvannungs=Doppelleitungen im Bau. Bei der einen handelt es sich um den Bau einer von der Leitung Leithe=Gladbeck abzweigenden 100 000=Volt=Hochspannungs=Doppelleitung mit einer Mastenreihe nach Mülheim=Ruhr. Im zweiten Falle wird eine 100000=Volt=Doppelleitung von der Station Nordstern nach Recklinghausen gelegt. Die Arbeiten sind bereits im Gange und dürften in den nächsten Wochen beendet sein. Bei diesen beiden Leitungen handelt es sich in erster Linie um den Ausbau des Ringnetzes. Aber auch im weiteren Versorgungsgebiet ist die Zahl der Höchstspannungsstationen im Verlauf des neuen Geschäftsjahres wesentlich erhöht worden. Während mit Ablauf des Geschäftsjahres 1929=30 die Zahl der Höchstspannungsstationen von 220000 und 100.000 Volt 49 betrug, ist diese mittlerweile um 10 auf 59 erhöht worden. Darunter sind 12 Stationen mit einer Oberspannug von 220000 Volt in Betrieb. Die Kilometerzahl beträgt 2062. 1048 km entfallen allein auf die 220=000 380000=Volt=Leitung, die bekanntlich im Süden bis nach der Schweiz durchgeführt ist. Die 100000 Volt=Leitungen mit ihren 47 Stationen machen eine Länge von 2776 km aus. Insgesamt ist also seit Ablauf des letzten Geschätfsjahres die Kilometerzahl von 4300 auf 4838 erhöht worden. Ev. Kirchliches Hordel: Der Kindergottesdienst macht am Pfingstmontag einen Ausflug. Abmarsch um 12 Uhr vom Gemeindehaus. Aus den kath. Pfarreien St. Michael: Die Werkjugend Wanne=West macht Pfingstsonntag einen Ausflug nach Werden. Abfahrt vom Hbf. 6,14 Uhr.— St. Marien: Der Gesellenverein hat Mittwoch um 20,30 Uhr Versammlung bei SchultePelkum.— St. Franziskus: Dienstag nach der Maiandacht hat die Vinzenzkonferenz Sitzung bei Lansing. — Herz=Jesu(B.=H.): Die nächste Versammlung der Vinzenzkonferenz ist Dienstag um 20 Uhr bei Krüdewoagen. Hohes Alter. Am Pfingstsonntag begeht in körverlicher und geistiger Frische die Hausbesitzerin Witwe Wilbelmine Falk, geb. Sender, Hindenburgstraße 395, ihren 81. Geburtstag. 8 Kinder und 40 Enkel, sowie 5 Urenkel dürfen der alten Greisin ihre Glückwünsche darbringen. Die alte Dame liest seit 20 Jahren die „W.=E. 3.“. 75 Jahre alt wird heute die Witwe Hahn, Stöckstraße 95a wohnhaft. Diese langjährige Abonnentin unserer Zeitung wohnt bereits 50 Jahre in dem gleichen Hause. Im Silberkranz. Die Eheleute Heinr. Plester und Frau, Maria geb. Klanke, können am 1. Pfingstfeiertag das Fest des Silberkranzes feiern. Vandalen im Stadtgarten. In der Nacht vom Dienstag haben unbekannte Täter in den Anlagen im Stadtgarten an der Stöckstraße eine Anzahl Teerosen, Tulven und mehrere Alvenrosensträucher aus dem Boden gerissen, bezw. abgebrochen und diese an Ort und Stelle liegen lassen. Wer kann hinsichtlich der Täter Angaben machen? Teinkhalleneinbruch. In der Nacht vom 21. 5. 31 wurden aus der Trinkhalle an der Goethe=, Ecke Holsterhausenerstraße, durch Einbruch 2 Töpfe Kautabak (1 Topf mit der Aufschrift: Josef Dam, Ratibor, der andere mit der Aufschrift: Cramer, Bochum) mit 10 bezw. 50 Rollen, 1 Paket Kautabak zu 50 Rollen, eine Anzahl Tafeln Schokolade der Marken Trumpf und Burkbraun, Milchkaramellen, Kaugummi und 10 Flaschen Dortmunder Ritterbier entwendet. Wer kann über die Täter Angaben machen? Unehrlicher Schwager. Am Donnerstag wurde auf der Eickelerstraße ein junger Bursche aus Hagen verhaftet, weil er dort seinem Schwager einen Geldbetrag von ungefähr 200 Rn gestohlen hatte. Das Geld hatte er hier bei einem Mädchen niedergelegt, das aber selbst über die Herkunft des Geldes nichts wußte. Das Geld wurde beschlagnahmt und dem Bestohlenen wieder zugesandt. Verscheuchte Diebe. In der Nacht zum Donnerstag versuchten unbekannte Täter an der Ziegelei bei der Grabenstraße im Stadtteil Holsterhausen Holz zu stehlen. Sie wurden aber von hinzukommenden Passanten in ihrer Arbeit gestört und suchten in der Dunkelheit das Weite. Die Pfändung von Postscheckguthaben. Eine alte Streitfrage ist die, ob eine Pfändung des Postscheckguthabens lediglich das zur Zeit der Pfändung noch vorbandene Guthaben betrifft, oder ob sie sich auch auf die noch zu erwartenden Zahlungseingänge des Kontos erstreckt. Die bisher in der Rechtsprechung vorherrschende Meinung ging dahin, auch die Pfändung künftig zu erwartender Zahlungen des Kontos zuzulassen. Dieser Standpunkt wurde neuerdings vom Landgericht Krefeld in einem Urteil vom 17. 12. 30— 4 T 611=30— wie wir der Jur. Wochenschrift 1931 S. 1204 entnehmen, verlassen. Die Begründung des Urteils ist interessant. Sie bringt zum Ausdruck, daß eine Pfändung zukünftiger Forderungen nur insoweit möglich sei, als die Forderungen genügend bestimmbar und bestimmt sind. Bei der Pfändung eines zukünftigen Guthabens auf dem Postscheckkonto stehe zwar die Art der zu pfändenden Forderung fest, diese sei aber insofern unbestimmt, als nicht der geringste Anhalt dafür gegeben sei, ob überhaupt und durch wessen Einzahlung auf das Konto und in welcher Höhe sie entstünde. Das Heimatmuseum bleibt am 1. Pfingsttag geschlossen. Umschlag in den Wanne=Eickeler Häsen vom 21. 5.: Westhafen: 6544,6 t Brennstoffe, Osthafen: 128 t Güter verschiedener Art. Aus dem Partei= und Vereinsleben Die Photographische Gesellschaft Wanne=Eickel hielt Donnerstag abend im Hotel zur Krone einen Familienabend ab. Verwaltungsdirektor Sporkborst. der Vorsitzende des Vereins, sprach eingangs berzliche Begrüßungsworte. Dann wurde vom Mitglied Schrever ein Lichtbildervortrag geboten über „Pfingsttage am Lago Magiore", der große Aufmerksamkeit bei den Anwesenden fand. Im weiteren Verlauf wurde die Herner Bildermappe einer Beurteilung unterzogen. Die Sängervereinigung Röhlinghausen veranstaltet Pfingstmontag in den Anlagen der„Flora“ unter Mitwirkung der Herner Stadtkapelle ein Frübkonzert. (Näheres siehe Anzeige.) Eisenbahnverein Wanne=Eickel. Der 2. Familienausflug am Mittwoch, den 27. ds. Mts., führt wieder nach Menden ins Sauerland. Mit dem Ausflug, der im Interesse der Schulkinder in die Ferien gelegt worden ist, wird wieder ein Kinderfest verbunden. Die verstärkte Vereinskavelle unter Leitung von Albert Mar wird sich ebenfalls beteiligen und auf der Wilbelmshöbe, die den ganzen Tag zur Verfügung des Vereins stebt, ein Konzert veranstalten, wobei auch die Tanzlustigen zu ihrem Recht kommen werden. Der Fahrplan ist der gleiche wie am ersten Ausflugstage. Der Jugend=Wanderverein„Porta=Westfalica“ unternimmt am heutigen Sonabend vom Vereinsheim aus eine Ztägige Wanderung zur Hohensyburg und zum Hengstensee. Die 1. Uebernachtung ist in der Wittener Jugendherberge, die 2. Uebernachtung in der Hohensyburger Jugendberberge vorgesehen. Veranstaltungen (Siehe auch im Anzeigenteil.) Schloß Horst, Gelsenkirchen=Horst, ein beliebtes Ausflugsziel, wartet auch in diesem Jahre wieder mit einem erlesenen Pfingstmusikvrogramm auf. Aus den von einem 28 Mann starken Blasorchester aufgeführten Musikstücken verdienen insbesondere verschiedene Fanfarenmärsche(Kreuzritter, Fehrbelliner usw.) Beachtung. Während die genannte Kavelle für die Unterbaltung auf den mehrere Tausend Personen fassenden Terrassen sorgt, wird abends in den oberen Räumlichkeiten mit Tanzdiele die Hauskavelle anregende Unterhaltung bieten. Pfingstmontag ab 8 Uhr auf der Tanzdiele Tanz. Die Cranger Pfingstkirmes findet wieder wie all. jährlich mit viel Jubel und Trubel statt.(Siehe Inserat.) Café=Restaurant„Ritter“: Sonntag ab 4 Uhr Künstlerkonzert, Montag nachmittag Tanztee, abends Konzert der 4 Stöltings. Flora=Marzina: Pfingstmontag Frühkonzert der Sängervereinigung Röhlinghausen. Saalbau Franke: Am 2. Pfingsttag Tanzvergnügen. Garten=Restaurant Löns Mühle: An beiden Pfingsttagen Unterhaltungsmusik. Feldmans Restaurant(Eickeler Markt): An beiden Pfingsttagen Matinée. Nachmittags Stimmungskonzert. Metrovol=Künstlerspiele: Gastspiel der Rheinischen Burleskengesellschaft mit Direktor Kurt Blanke. An den Feiertagen neues Programm. „Zur Sonne“(Karlstraße): An beiden Pfingsttagen Karlv mit seinem Pfingstprogramm. „Zum wilden Mann“.(Eickeler Markt): Am Pfingstsonntag Frühkonzert und Matinée. „Bauernschänke“(Hännes Grothe, Ebertstraße): Von heute bis Pfingstmontag Komiker=Gastspiel. „Katzenbusch“ Herten. An beiden Pfingsttagen große Gartenkonzerte. Morgens Frühkonzert. „Alt Hochlar“(Inb. M. G. Kaulfuß): An beiden Pfingsttagen Früh=, Nachmittags= und Abendkonzert (Groß=Lautsprecherübertragung). 25000 Frauen in Front Fünfundzwanzigstes Jahressest der westfälischen evgl. Frauenhilfe In Ergänzung unserer Meldung in unserer Donnerstag=Ausgabe bringen wir nachstehenden ausführlichen Bericht. Am 20. Mai beging der Westfälische Provinzialverband der evgl. Frauenhilfe sein fünfundzwanzigstes Jahresfest. Nicht weniger als 25000 Frauen waren dazu nach Dortmund gekommen. Aus allen Teilen der Provinz rollten Lastautos und Omnibusse heran. Dortmund stand im Zeichen der Tagung. Auf allen Straßen marschierende Frauen. Die Westfalenhalle viel zu klein, was etwas sagen will. Dreimal mußte die Festversammlung wiederholt werden, trotzdem in mehreren Kirchen ebenfalls Veranstaltungen stattfanden. 25000 evangelische Frauen in Front, unter Bannern und Wimpeln tapfer marschierend. Man hatte Ursache, vor der Diszivlin des weiblichen Geschlechts Respekt zu bekommen. Der reibungslose Ablauf, der wegen des Massenandrangs immer wieder neu zu treffenden Maßnahmen, lieferte den Beweis für das Vorhandensein einer in fünfundzwanzigjähriger Arbeit festgefügten und ausgereiften Verbandsorganisation. Nicht ohne Absicht war wohl für die Jubelfeier die Form der öffentlichen Demonstration gewählt. Es galt zu demonstrieren für die Grundsätze dieses größten Frauenverbandes Deutschlands, die als bedingungslos evangelisch im ursprünglichen Sinne des Wortes zu bezeichnen sind, und zu einer vielseitigen Arbeit in der Linie der Wohlfahrt, Fürsorge, Krankenpflege und Volksbildung geführt haben. Es galt auch zu demonstrieren für das Recht, die Freiheit und die Anerkennung dieser Arbeit. Bei der Uebersicht über das vielseitige Programm dieser Großorganisation, das allein in Westfalen von 746 Ortsgruppen mit 160 000 Mitgliedern durchgeführt wird, ergab sich der Satz, daß„jede evangelische Frauenhilfsgrupve zugleich eine Volkshochschule im allseitigen Sinne des Wortes" sei, als in der Tat vollauf berechtigt. Neben der charitativen Arbeit, für die jährlich von den westfälischen Mitgliedern eine Million R.A aufgebracht wird, wird in der Tat für die geistige Schulung der Mitglieder für ihren Beruf als Frau und Mutter und Glied des Volkes Großes geleistet. Der Festakt im Goldsaal der Westfalenhalle stellte durch die Begrüßungsreden der Führer aus Kirche und Provinzialverwaltung eine eindrucksvolle Anerkennung der Frauenhilfsarbeit dar. Die evgl. Kirche hat in ihr eine ungemein tätige und dadurch werbende Truppe im Ringen um die Seele des Volkes, die darum so erfolgreich ist, weil die westfälische Frauenhilfe in einer für die Gesamtkirche vorbildlichen Weise den Weg von der grundsätzlichen Besinnung und Haltung zur praktischen Tat und Hilfe gegen vielfache Volksnot gefunden hat. Staat und Provinz aber wissen heute wieder besser als vor einigen Jahren, daß sie für die Förderung der Volkswohlfahrt, die in der freien Liebestätigkeit und Dienstbereitschaft der evgl. Frauenhilfe zusammengefaßten und aktiv gewordenen Energien nicht entbehren können. So durften die Führer der westfälischen Organisationen dankbar die Anerkennung entgegennehmen, die ihnen von allen Seiten zuteil wird. Mit der Geschichte dieser Arbeit sind die Namen der 1. Vorsitzenden, der Gräfin Plettenberg=Heeren, des Generalsuverintendenten i. R. D. Zoellner, des eigentlichen Schöpfers der Frauenhilfe, und des langjährigen Geschäftsführers Pastor Johanneswerth=Soest uneöslich verbunden. Dem Wesen des Verbandes und der durch und durch evangelischen Grundhaltung der Führung entsprach es, daß die Freude an dem gewaltigen Fortschritt von 1906—1931 in einem starken Bekenntnis des Dankes gegen Gottes Führung ihren lebendigen Ausdruck fand und gleichzeitig in dem Gelöbnis zu unermüdlicher Weiterarbeit im Dienst der evgl. Kirche zum Besten des Volkes, wo immer es in Not ist. Daß dieser Dienst auch von höchster Stelle gewürdigt wird und daß alle Stände und Schichten zu gemeinsamer Aufbauarbeit vereinigende evgl. Frauenhilfswerk auch in der Reichsleitung heute wieder in seiner Bedeutung erkannt ist, bestätigte das Telegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg: „Herzlichen Dank für Ihr freundl. Meingedenken und die Grüße, die ich mit den besten Glückwünschen für die weitere segensreiche Arbeit der westfälischen Frauenhilfe herzlichst erwidere.“ Die 25000 Frauen in Front, insonderheit die 8000 Bezirksfrauen in Stadt und Land, die ihre besonderen Bezirke unermüdlich pflegen, und mit ihnen die ganze westfälische Armee der 160000 werden dieses Gedenken des Reichsoberhauptes als starke Ermutigung zu weiterem Vormarsch empfinden. 1— Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Nr. 119 Deittes Blatt Hertener Tageblatt Wanne=Eickeler Zeitung General=Anzeiger Samstag. den 23. Mai 1931 Gestaltende Kraft Pfingsten 1931. Neugestaltung! Erneuerung! Neuorientierung! Soviel Worte, soviel Sehnsucht, soviel Eingeständnis unhaltbarer Verhältnisse und hoffnungsloser Verwirrung. Nirgends ein Anzeichen, daß sich ein Ausweg auftut. Auch wer das Ringen der deutschen Politiker und Wirt. schafstführer um grundlegende Aenderung der Not ganz positiv wertet, kommt doch nicht zur Feststellung solcher Kräfte, von denen er eine Neugestaltung der Dinge erwartet Es ist eine verzweifelt schwierige und bittere Situation für die Verantwortlichen und Verantwortungsbewußten. Dazu das Treiben der Unverantwortlichen. Auf allen Gebieten wirkt es sich aus: Recht, Religion, Sitte Sittlichkeit, öffentliches Leben, soviel Worte, soviel Hinweise auf Zersetzungserscheinungen und auf Umwertung aller Werte, von deren unerschütterlicher Geltung von jeher der Bestand der Staaten und Völker als abhängig galt. Und auch hier ein Herumkurieren an den Symptomen, ein unablässiges Sichherumschlagen mit den neuartigsten und in ein neues Licht gerückten Fragen der aufgewühlten Zeit und ihrer Lebensauffassung. Aber nirgends ein einiges Anfassen der Dinge von einem Kraftzentrum aus, von dem die verworrene Vielheit der Energten des Kräftefeldes zu einem geordneten, positiv wirkenden Ganzen gestaltet würde. Vielmehr ist alles in einem verworrenen Durcheinander und Gegeneinander. Was die einen mit Energie festzuhalten oder durchzusetzen bestrebt sind, versuchen die andern mit womöglich noch größerer Energie niederzureißen. So entsteht die Frage: Wo ist gestaltende Kraft? So kam es zu dem Hunger im Lande nach einer neuen Energie, deren Einsatz eine wirkliche Erneuerung des Lebens mit sich brächte. Wir feiern Pfingsten, einen der frohesten Tage des deutschen Volkes. Keines der großen Feste ist so in Blüten und Sonne gebettet wie dieses. Keines hat so Anteil am Pulsschlag des Lebenserwachens draußen wie das Pfingstfest Keines ist aber auch wohl wie dieses in Gefahr, im jubelnden Frohsinn des Frühlings seinen tiefsten Sinn zu verlieren. Denn Pfingsten ist mehr als ein farbenfrohes Blütenfest, das man jauchzend durchwandert, um darnach wieder im dunklen Chaos des verworrenen Kräftespiels unserer Zeit zu enden. Pfingsten ist der Tag der Verkündigung einer Wiedergeburt durch den beiligen Geist, Tag der Besinnung und der Bereitschaft zum Empfang der gestaltenden Kraft deren wir bedürfen. Mit dem Kurieren an den Symptomen kommen wir nicht zum Ziele! Im Inneren der Menschheit liegt die Wurzel, von der der neue Kraftstrom ausgehen muß, der Blüten und Frucht zu gestalten vermag. Wir vermögen den kranken Baum unseres Volkes nicht zu heilen, indem wir nur seine Zweige beschneiden und künstliche Triebe aufsetzen, wenn die Wurzel versagt und das innerste Mark verdirbt. Im Innersten des Menschen ist das Organ, das die gestaltende Kraft der Erneuerung aus beiligem Geist zu empfangen und dann in neue Lebensenergien umzusetzen vermag. Von diesem Innersten her muß die Neuordnung des Lebens beginnen. Mit allen anderen Mitteln hat man die Heilung der Zeit seit Jahrzehnten schon versucht, nur nicht mit diesem das ins Zentrum des Lebens vorstößt. Immer wieder hat man es nur mit äußerlichen Rezepten versucht. Und noch immer verharrt die Welt in der Haltung eines Menschen, der sich mit allerlei Auswegen zu retten hofft. Weder in der Politik, noch in der Wirtschaft, noch in der Gesamtheit des Lebens kann das System der Ausreden und Auswege die Rettung bringen. Der Quell neuer gestaltender Lebenskräfte muß im Gewissen erschlossen werden. Darum ist die Notstunde unseres Volkes gleichzeitig diejenige, in der wir uns einig werden müssen in der Pfingstbitte: Komm. Schöpfer Geist! Vereinfachte Zusendung der Gewerbesteuerveranlagungsbescheide Der preußische Finanzminister hat durch Verordnung vom 20. April 31 angeordnet, daß bei den Gewerbesteuer=Veranlagungsbescheiden die Zustellung dadurch ersetzt werden kann, daß der Bescheid dem Steuerpflichtigen durch einfachen Brief verschlossen zugesandt wird. Bei dieser Art Zusendung gilt die Bekanntgabe der Veranlagung an den Steuerpflichtigen mit dem dritten Tage nach der Aufgabe zur Post als bewirkt. Eine Ausnahme gilt nur, wenn der Steuerpflichtige darlegt, daß der Steuerbesechid ihm nicht innerhalb dieser Frist zugegangen ist. 10 Bähle S. O. D. Am 30. und 31. Mai wird der größte nordwestdeutsche Heimat= und Wanderverein, der Sauerländische Gebirgs=Verein, in Hagen die Feier seines 40jährigen Bestehens begehen. Alle Veranstaltungen sind in den einfachsten Rahmen gefaßt, der möglich war. Allerdings die große Sauerland= Ausstellung in den Räum der einstigen Villa Post dürfte über den großen Kreis der S. G. V.=Freunde hinaus ein lebhafteres Echo im Sauerlande und im Industriegebiete auslösen, wird doch auf einen nach Zehntausenden zählenden Besuch von Jung und Alt gerechnet. Der Hauptverein des S. G. V. hat außerdem das Maibeft seiner Vereinszeitschrift, des„Sauerländischen Gebirgsboten" als Jubiläumsheft besonders reichhaltig ausgestattet. Durch seinen reichhaltigen Inhalt und die 4farbige Kunstdruckbeilage von K. Schäfer„Der Vordere Hohe Knochen im Sauerland“ dürfte das Heft sicherlich gern als Andenken aufbewahrt werden. Zur Jahresversammlung des V. d. A. in Aachen Das Deutschtum in Europa. Unsere Darstellung zeigt, wie sich das Deutschtum auf die verschiedenen europäischen Länder verteilt. Der Verein für das Deutschtum im Ausland, der seine Jahresversammlung diesmal in Aachen abhält, sieht seine Aufgabe darin, die kulturellen Beziehungen zwischen Auslandsdeutschtum und Reichsdeutschen zu pflegen. Florentine Goswin=Benfer versetzt den Leser mit einem Festgedicht in die rechte Stimmung und da der S. G. V. ja durch ein treffliches Hauptwegenetz bestens bekannt ist, an Hand dessen einfachen Zeichen sich Kind wie Greis leicht zurechtfinden kann, so führt sein Geschäftsführer weiter durch die Vereinsgeschichte des S. G. V. 1891—1931. Wir erleben die Gründung, die ersten Entwicklungsjahre unter Forstrat Ehmsen wie die Hoch=Zeit unter Ingenieur Kolb, die Schaffung von Bezirken wie das Wirken der 217 Abteilungen, die Entwicklung des Vereinsblattes wie der Wegebezeichnung und Wanderpflege, der Schüler= und später der Jugendherbergen wie des Jugendwanderns, die Pflege des Verkehrswesens und des Natur= und Heimatschutzes, das Wirken des E. G. auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft, endlich auch des heimischen Schrifttums, die Einwirkungen des Weltkrieges auf den Verein und die Entstehungsgeschichte des wundervollen S. G. V.=Ehrenmals, dazu noch manches andere nach. Zahlreiche Bilder verdienter S. G. V.er und mancher S. G. V.=Schöpfungen, eine Ehrenliste der 40jährigen Mitglieder, zahlreiche Statistiken, eine Zusammenstellung aller Bezirke und Abteilungen und eine Uebersicht über den Hauptvorstand und alle Ausschüsse runden das Erinnerungsbild ab, indessen Prof. Dr. b. c. Bach, Arnsberg, einiges „Aus der Vorgeschichte des S. G. V.“ plaudert. Prof. F. Wipvermann gedenkt schließlich noch zweier plattdeutscher Dichter des märkischen Sauerlandes, Karl Prümer und Eduard Raabo aus Anlaß des 85. bzw. 80. Geburtstages: schließlich nimmt Prof. C. Schwindrazheim noch das Wort, um uns„Vom rechten Wandern und Schauen“ Einprägsames und Nachdenkliches zu sagen. Den Beschluß bilden zwei die Heimat und das Wandern preisende Gedichte von Hans Horstmann. Wer sich ein einigermaßen umfassendes Bild über das vielseitige und umfangreiche Wirken des Sauerländischen Gebirgs=Vereins machen will, findet in diesem schönen Festhefte alles besammen. Dem S. G. V. wünschen auch wir zum 5. Jahrzehnt nicht nur Fortsetzung seiner segensreichen Arbeit, sondern auch Hinaufführen weitester Bevölkerungskreise zum Jungbrunnen der Natur und damit zum einzigen, unserem Volke noch nicht verschlossenen Gesundungsquell. Was Spengler kürzlich in München forderte.— Die verflossenen Unterlassungssünden dadurch wieder einigermaßen gut zu machen, daß das heranwachsende Geschlecht zur Natur zurückgeführt wird— hat der S. G. V. seit 40 Jahren auf seine Fahne geschrieben und wird auch weiterhin Leitspruch allen Handelns bleiben. Die Abteilung Wanne=Eickel, die zum Bezirk Emscher=Lippe gehört, wurde am 5. März 1914 gegründet. Wie hoch damals die Mitgliederzahl war, ist uns nicht bekannt. Im Jahre 1916 waren es bereits 97. Den Höchststand erreichte die Abteilung im Jahre 1920, wo sie 345 Mitglieder zählte. Von da an sank die Mitgliederzahl fortwährend. Für 1930 werden nur noch 99 gemeldet. Vorsitzender der Abteilung ist Lehrer P Richmann. * Cohylich uy Na un Feuchtwanger. Halle(Saale! 4„(Nachdruck verboten.) Eine Weile gingen sie in Schweigen versunken nebeneinander ber. Dann sagte Dela:„Du lebst in einer Schönen, gepflegten Umgebung, Sibylle——“ „Vor der mir graut der ich entfliebe, so oft ich nur kann. Ich bin immer auf der Flucht. Nicht zum mindesten vor mir selber.“ Dela antwortete nicht. Als die schnell bereinfallende Dunkelheit sie umhüllte, sagte sie:„Es ist Zeit für mich, an den Heimweg zu denken.“ „Ich fahre dich nach Hause.“ Trotz der Wärme, die ihnen aus dem Zimmer entgegenschlug, zon Dela das Tuch noch fester um die Schultern. „Du füblst dich noch immer ungemütlich. In der Zeit, in der der Wagen hergerichtet wird, nimmst du noch eine Tasse Tee und einen Chartreuse." Es war eine geschlossene Limousine mit Pullmanndremse und Spitzkübler, die vor der Tür stand. Die Sitze waren mit grauem Seidendamast bezogen. An den Türen und an der Decke prangten Mahagonischnitzereien. Zwei silberne Vasenhalter waren mit frischen Blumen gefüllt. Sibolle, das Gesicht von der Automütze dicht umschlossen, wandte sich zu dem Chauffeur, der, die Tür geöffnet haltend, die beiden Damen erwartete. „Sie bleiben zurück, Krüger. Ich fahre allein. Steig' ein, Dela. Oder willst du zu mir neben den Führersitz kommen?“ „Gern würde ich neben dir sitzen, nur din ich nicht so angezogen, daß ich mich dem starken Zugwind aussetzen kann.“ „Das ist im Augenblick abzuändern. Krüger," wandte sich Sibolle an den Chauffeur,„bitte sagen Sie meiner Jungfer, sie möchte einen Ulster und eine Automütze berunterbringen.“ Sibylle saß bereits auf dem Führersitz, als Krüger zurückkehrte. Er trat dicht neben sie, und in devoter Haltung sagte er mit einer Stimme, durch die ein leiser Vorwuri klang:„Gnädige Frau, der Herr Direktor sieht es nicht gern, wenn gnädige Frau in der Dunkelheit ohne Begleitung ausfährt.“ „Ich weiß es, Krüger, aber trotzdem werde ich ohne Sie fahren. Sie wissen ja, daß ich mich ganz sicher füble.“ „Gnädige Frau fahren in die Stadt?“ wandte Krüger noch einmal ein. Sibylles Hände, die auf dem Steuerrad lagen, zuckten Sie antwortete nicht. Blickte auf Dela, die ihren Fuß jetzt auf das Trittbrett setzte. Der Wagen ratterte, fauchte und vibrierte. „In einer Stunde bin ich zurück,“ rief Sibolle noch: dann sausten sie davon. Sibylles in braunem Napvaleder steckende Hände drebten leicht, wie spielerisch, das Rad. In ihre Augen, die auf den Weg geheftet waren, trat jetzt ein belles Leuchten. Sie atmete ein paarmal tief, in voller Befriedigung. „Weil er meine Tollkühnheit fürchtet, soll ich den Krüger mit mir nehmen. Warum soll ich mein Leben denn nicht aufs Spiel setzen? Was habe ich denn zu verlieren?" „Vielleicht steht für dich doch noch ein schönes, volles Lebensglück bereit, Sibylle." „Vielleicht!" lachte Sibylle.„Wenn ich so dahinfause, dann könnte ich es beinahe glauben, dann fühle ich mich frei, dann vergesse ich alles.“ Sie hatten den Reichskanzlerplatz erreicht, glitten nun in den starken Verkehr hinein. Sibylle spähte aufmerksam umher. Verminderte die Fahrgeschwindigkeit. Dela, ängstlich geworden, daß sie sich Sibylles Führerschaft anvertraut hatte. vermied es, zu sprechen, um Sibylle nicht abzulenken. Erst als sie die Kaiser=Wilhelm=Gedächtniskirche binter sich hatten, durch die Budapester Straße dem Lützowufer zufuhren, sagte sie: „Möchtest du mich nicht tanzen sehen?" „Natürlich werde ich ins Theater kommen, um dich zu seben.“ „In der nächsten Woche findet die Erstaufführung der neuen Revue statt. Wenn du willst, bestelle ich Karten für dich.“ „Kannst du nach der Vorstellung mit uns zusammen sein?“ „Was könnte mich daran hindern?“ „Du könntest andere Vervflichtungen haben.“ „Ich habe keine“. Eine gewisse Herbheit lag in Delas Stimme, als sie diese Worte sprach. Jetzt waren sie am Schönberger Ufer. Nur noch wenige Häuser, bann hielt der Wagen. „Hab' Dank, Dela, daß du gekommen bist.“ Ein Händedruck, dann lenkte Sibolle um und fuhr davon. Dela war an der Bordschwelle stehengeblieben und blickte dem Wagen nach. Erst als er ihren Augen entschwand, ging sie in das Haus hinein——— Als Sibolle die Bismarckstraße wieder erreicht hatte, beschleunigte sie das Fahrtemvo über das erlaubte Maß. Sie überholte alle Fuhrwerke. Flitzte im Eiltempo an Häusern und Bäumen vorüber. Der Wagen fibrierte. Schnellte in die Höhe. Nahm die Kurven geschmeidig wie eine Eidechse. Sibylle saß fest und unbeweglich, die Augen geradeaus gerichtet, ihrem Ziele entgegen. Wollte sie an irgendeinem Baume zerschellt werden, oder strebte sie dem Glück entgegen, daß irgendwo für sie bereitstehen mußte? Welches war ihr Ziel? Wie konnte sie wagen, an Glück zu denken; solange sie die Fessel klirren hörte? Da tauchten schon die ersten Kiefernbäume auf, die auch das Haus umsäumten, in dem Josef Eickstedt ihrer harrte. Fort. Nur fort. Weiter. Immer weiter. Der Wagen raste. Seine Geschwindigkeit bohrte sich in den hellen Strahl der Scheinwerfer hinein. Fraß ihn auf. Aber immer von neuem grellte spukhaft das blendende Licht vor ihr auf. Gespenstisch, in rasender Eile, flogen schwarze Schatten ihr entgegen, für das Hundertstel einer Sekunde von den Lichtern des Wagens aus ihrer Dunkelheit herausgerissen. Aus der Ferne leuchteten zwei glühende Augen. Sie wurden größer. Glühender. Hielten geradeaus auf sie zu. Sie würde ihnen nicht ausweichen. Sie war bereit zu todbringender Umarmung. Nun hatte sie ein Ziel. Geradeaus. Immer geradeaus. In die bohrenden Augen hinein.——— Ein Schürfen, das Sibylle zum Halten zwang. Der Wagen stand. Sibylle hörte laute, heftige Worte, die in einer Sprache, die ihr fremd war, gewechselt wurden. Ruhig blieb sie sitzen, wartend, bis jemand kam, um ihr über den Zusammenprall zu berichten. Sie schaltete eine kleine Lampe ein, die es ibt ermöglichte, eine Person, die neben den Wagen trat, voll zu beleuchten. Kaum glühte der Drabt, so fühlte sie sich von Entsetzen gepackt vor der teuflischen Fratze, die ihr entgegengrinste. Aus den schräggestellten Schlitzaugen eines olivenfarbenen Gesichts funkelten tückische Blicke sie an. Lange knochige Finger griffen gestikulierend in die Luft, um sich dann ihrer Schulter zu nähern. Ein langgezogener breiter Mund öffnete sich und stieß zischende Laute aus. War es auf Mord, auf Beraubung abgesehen? Schon berührten diese Krallen ihre Schulter, da stieß sie den teuflischen Menschen zurück, daß er taumelte. Er duckte sich, wollte ansetzen zum Sprunge, aber plötzlich veränderte seine grinsende Fratze ihr Aussehen. Statt Tücke und Verschlagenheit überzog unverhohlenes Erstaunen sein Gesicht, und rufend wandte er sich dem Wagen zu, der neben ihrer Maschine zum Stehen gekommen war. Eine zweite Gestalt trat in den Lichtkreis hinein und näherte sich Sibolle, die, sich vorbeugend, jetzt auch vom Licht bell beschienen wurde. Ihre Hände umschlossen fest das Steuerrad, um bei den geringsten Zeichen eines Angriffs ein Entfliehen zu ermöglichen. Und wieder blickte sie in ein Gesicht von mongolischer Häßlichkeit. Wieder waren es schräggestellte Augen mit denen ihre Blicke sich kreuzten. Sie sah eine regungslose, undurchdringliche Maske, aus deren schmalen Lippenspalt ihr Worte der Entschuldigung in französischer Sprache entgegenklangen. In tiefer Neigung beugte sich die Gestalt vor ihr nieder. Reckte sich erst wieder empor, als sie zu sprechen begann. „Es war meine Schuld", erwiderte Sibylle,„Sie haben die vorgeschriebene Wendung gemacht, während ich geradewegs auf Ihren Wagen zugefahren bin. Irgend etwas zwang mich, das zu tun.“ Die letzten Worte hatte sie gegen ihren Willen nach einer Atempause hinzugefügt. „Wir sollten nicht aneinander vorbeifahren, Madame—— Sie horchte auf. Er sprach sehr leise. Seine Stimme hatte einen singenden, schwebenden Klang. Wie feines, klingendes Glas. Er stand, grell beleuchtet, im scharfen Licht ihrer elektrischen Lampe. Der gelblich=braune Ton seiner Haut glänzte. Seine Augen, die nicht von ihr los zukommen schienen, brannten. Sie waren das einzige, das in diesem steinernen Gesicht zu leben schien. Denn auch die Lippen, die wie ein langer, schmaler Strich auf die Maske gezeichnet waren, waren blutlos und unwirklich. Sibylle überflog ein Frösteln. Diese Begegnung mit den beiden Söhnen aus dem Reich der Mitte im Abenddunkel des Waldes erschien ihr plötzlich wie ein Verhängnis. „Wir sollten nicht aneinander vorbeifahren.“ Ein jeder andere hätte wohl in der gleichen Cit ation die gleichen Worte gesprochen. Für sie wurden sie von diesen Lippen in Verbindung mit dem Zwange, der sie getrieben, bedeutungsvoll. Da klang es wieder, das feine klingende Glas. „Bestimmung— gnädige Frau“. „Wenn mein Wagen heil ist, dann sebe ich unser Zusammentreffen als beendet an.“ Er schüttelte den Kovf.„Das Leben wird uns wieder zusammenführen.“ „Möglich“. Sie kurbelte die Maschine an. „Unsere Begegnung war Bestimmung. Ich werde Sie wiedersehen.“ Sie hatte das Gefübl von etwas Unheimlichen, das ihr entgegenwebte und das sie von sich abzuwehren suchte. Die Maschine ratterte. Sie strebte vorwärts. Doch ihre Gedanken zogen sie zurück. Die steinerne Maske und die grinsende Fratze begleiteten sie (Vortsetzung folgt.) 2 Nilkrommarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Wird den Gemeinden geholfen? Konferenz der leitenden politischen Verwaltungsbeamten Preußens Ansprache des Preußischen Innenministers Severing der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, fand am Dienstag, den 19. Mai 1931, im Preußischen Ministerium des Innern eine Konferenz der Oberpräsidenten. Regierungspräsidenten und Polizeivräsidenten Preußens statt, an der auch Vertreter der anderen Preußischen Ministerien teilnahmen. Der gemeinsamen Sitzung ging eine Besprechung mit den Oberpräsidenten voraus, in der der reußliche Minister des Innern, Severing, nach einem ueberblick über die gegenwärtige politische Lage vor allem die finanzielle Belastung der Kommunen durch das Anwachsen der Wohlfahrtserwerbslosen erörterte. Minister Severing wies darauf bin, daß unter der Last der Arbeitslosenfürsorge die Lage der Kommunen sich immer bedrohlicher gestalte. Das Preußische Ministerium des Innern sei deshalb unablässig bemüht, eine Entlastung der Kommunen durch Eingreifen des Reiches in der Fürsorge für die Wohlfabrtserwerbslosen zu erlangen. Es bestände Aussicht, daß die Reichsregierung trotz der ernsten Finanzlage des Reiches sich der Notwendigkeit einer finanziellen Hilfe nicht verschließen würde. Die in den letzten Jahren schon geübte Sparsamkeit in den Gemeinden müsse nach wie vor unnachsichtig weiter durchgeführt werden; denn leider müsse Staats= und Kommunalv waltung damit rechnen, daß die Lage auf dem Arbeitsmarkt auch in den nächsten Monaten keine fühlbare Erleichterung erfahre. Es sei deshalb eine harte Notwendigkeit, alle nicht lebensnotwendigen Ausgaben in den Gemeindeetats auf das Mindestmaß herabzudrücken. Es gehe darum, einen Teil unseres Volkes vor dem Elend zu bewahren. Um diesen Preis müsse auch eine Herabdrückung des allgemeinen Lebensstandards mit in den Kauf genommen werden. An die Ausführungen des Ministers schloß sich eine längere Aussprache, in der die Oberpräsidenten aus ihrem Verwaltungsbereich über die Lage der Kommunalv##rbände, berichteten. Unmittelhar nach dieser Besprechung begann dann die gllgemeine Konferenz unter dem Vorsitz des Preußischen Ministers des Innern, Severing, der die Beratungen mit einer kurzen Ansprache eröffnete. Der Minister führte u. a. aus, daß seit der letzten Konferenz im Februar ds. Is. die innerpolitische Situation eine Klärung erfahren habe. Die Entwicklung seit dem Februar habe der damals in den zum Ausdruck gekommenen Ueberzeugung, daß die Gefahr eines gewaltsamen Umsturzes nicht bestände, recht gegeben. Die Maßnahmen der Behörden gegenüber radikalen Auswüchsen im politischen Kampf hätten sich durchaus bewährt. Deshalb sei die bisherige Praxis beizubehalten. Die Notverordnung des Reichspräsidenten habe wesentliche Dienste geleistet in dem Bemühen, aus dem politischen Streit die Verwilderung und die Gewalt zu entfernen. Das sei unzweifelhaft ein Fortschritt; denn das ungehemmte Toben radikaler Parteien und Gegner der habe innen= und außenpolitisch bedeutenden Schaden angerichtet. Der Kampf gegen Gescotversräntich deir voltischen Sitten bedeute aber selontverstandlich rein Ausschalten des politischen Kampfes in anständigen Formen. Deshalb dürften die Behörden und die Polizei die bestehenden Verordnungen nicht kleinlich handhaben, weder gegen die Regierungsparteien noch gegen die Opposition. Der Minister wies dann weiter auf die bevorstehenden Maßnahmen der Reichsregierung iin, die sich u. a. auch mit der Frage der Wohlfahrtserwerbslosenunterstützung befassen würde, die in ihrer heutigen Form allein den Gemeinden zur Last fiele und diese finanziell erdrückten. Er habe Grund zu der Annahme, daß sich die Reichsregierung den immer wieder erhobenen dringlichen Vorstellungen des Preußischen Innenministeriums nicht verschließe. Voraussetzung für eine Hilfe des Reiches sei nach wie vor die streugste Durchführung der seit Jahr und Tag erlassenen Sparvorschriften für die Gemeinden. geschehen, um die Ausgaben einzuschränken. Im Vordergrund müsse für die nächste Zeit die Notwendigkeit stehen, die erforderlichen Mittel für die Wohlfahrtserwerbslosen aufzubringen. Nur wenn von den Behörden des Reiches, der Länder und der Kommunen auf dem sozialen Gebiet alles Erdenkliche geschähe, erst dann hätten die staatlichen Organe das moralische Recht, gegen die Ruhestörer mit Strenge der staatlichen Macht vorzugehen. Wir so schfoß der Minister seine Ausführungen, .„ Bebörven und Polizeiverwaltungen vorangeben, alles getan wird, um die Not zu kindern. Die Wohlfahrtserwerbslosen über die schwere Zeit bis #I.Besserung der Wirtschaft binwegzubringen, sei die „egabe, zu deren Lösung sich alle Kräfte vereinen Auf die Ausführungen des Ministers folgte ein Referat des Sachvearbeiters, Ministerialrats Schönner, über die Handhabung und Ausführung der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931. Daran schloß sich eine Aussprache, die bis in den Nachdauerte und die völlige Uebereinstimmung der Behörden aus dem Lande mit den Ausführungen des Ministers ergab. jeweiligen Droschkenhalteplatz gerechnet. Für weitere Entfernungen regelt sich der Fahrpreis nach freiet Vereinbarung. Der zu entrichtende Fahrpreis wird von dem Fahrpreisanzeiger(Taxuhr), der polizeilich geprüft und vlombiert ist, angezeigt. Der Tarif sieht vier Taxen vor. Taxe 1 gilt bei Beförderung von einem, Taxe 2 bei zwei, Taxe 3 bei drei und mehr Fahrgästen. Nachts von 23 bis 6 Uhr gilt die jeweils höhere Taxe. Bei Nachtfahrten mit drei und mehr Fahrgästen wird Taxe 4 erhoben. Ein Kind unter 6 Jahren in Begleitung Erwachsener ist frei. Je zwei Kinder dieses Alters rechnen als ein Fahrgast. Abweichend hiervon gilt bei Beförderung eines Fahr. gastes üver die Grenze des Gemeindebezirks des Drosch= kenstandortes hinaus stets gleichviel ob bei Tage oder bei Nacht, vom Beginn der Fahrt an Taxe 2. Beförderungen mit anschließender Rückfahrt an den Ausgangspunkt der Fahrt(Rundfahrten) werden ohne Rück. sicht auf die Personenzahl am Tage nach Taxe 1, bei Nacht nach Taxe 2 ausgeführt. Die leere Anfahrt bestellter Droschken erfolgt stets nach Taxe 1. Der Fahrgast kann sich durch einen Blick auf den Fahrpreisanzeiger leicht davon überzeugen, ob er nach der richtigen Taxe befördert wird. Die Taxe, auf die der Fahrvreisanzeiger von dem Droschkenführer eingestellt wird, erscheint seitlich neven der Taxuhr. Der Fahrpreis wird von dem Fahrvreisanzeiger nach folgenden Grundsätzen automatisch errechnet: Der Mindestfahrvreis(Grundtare) beträgt in allen Fällen 0,60 R.A. womit bei Taxe 1 die ersten 750 m. bei Taxe 2 die ersten 600 m. bei Taxe 3 die ersten 450 m, bei Taxe 4 die ersten 375 m abgegolten werden. Zu dieser Grundtaxe kommt ein Zuschlag von je 10 Pfg. bei Taxe 1 für jede weiteren 250 m, bei Taxe 2 für jede weiteren 200 m. bei Taxe 3 für jede weiteren 150 m, bei Taxe 4 für jede weiteren 125 m. An besonderen Zuschlägen werden erhoben: Für Gepäck von über 10 bis 25 kg 0.25 R. f. für jede weiteren 25 ka 0,25 RM: für Hunde 0.50 R.U. Die Wartezeit wird mit 10 Pfg. für je zwei Minuten, für eine halbe Stunde demnach mit 1.50 R. g, für eine Stunde mit 3.— R.A. berechnet. Der Fahrgast ist zu keiner Zahlung verpflichtet, die nicht auf dem Fahrvreisanzeiger(Taruhr) nachgewiesen wird. Er kann über den entrichteten Fahrpreis eine Quittung verlangen. Beschwerden und Anfragen über die Berechnung des Fahrpreises können an das Polizeipräsidium Bochum, bezw. die zuständigen Polizeiämter Herne und Witten mündlich oder schriftlich gerichtet werden. Nur geringes Abflauen der Arbeitslosigkeit im Bezirk des Arbeitsamtes Herne in der 1. Hälfte des Mai muß man wissen wenn man mit der Aufodroschke fährt? Der Polizeipräsident in Bochum teilt mit: Die Kraftdroschken mit den weißen. Karostreifen als Kennzeichen sind in den Großstädten ein oft und gern benutztes Verkehrsmittel geworden, das wir nicht mehr entbehren möchten. Mit der Kraftdroschke zu fahren, in heuts kein Lurut mehr, sondern für viele eine Notwendigkeit, 1. B bei Erledigung dringender geschäftlicher oder rripater Angelegenheiten Danilt eine angemessetze und einheitliche Fahrvreisge. stalkugs gewährleistet istz, sind die Tärise für Kraftdroschken volideflich vorgeschrieben. Der vom Polizeipräsidenten in Bochum festgesetzte Troschkentarif gilt füür die Städte Bochum, Wattenscheid Wanne=Eickel und Vitten darüber hinaus im Umkreise von 12 km, vom Der Bericht des Arbeitsamtes Herne über die Lage in der 1. Hälfte des Mai teilt mit: Die im letzten Lagebericht angegebene Stagnation hat erfreulicherweise angehalten und in den letzten Tagen sogar einer Entlastung des Arbeitsmarktes Platz gemacht. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger ist von 15319 auf 15 191 zurückgegangen. Der effektive Abgang beträgt somit 128. Die Vermittlungen rühren her in der Hauptsache aus Landwirtschaft Bergbau, Metall, Bau und Lohnarbeit. Die Vermittlungszahl ist allerdings gegenüber der Vorbereichtszeit etwas gefallen. Das hat seine eBgründung darin, daß der Abruf größerer Transporte landwirtschaftlicher Jugendlicher nicht mehr in demselben Umfange eintrat als in der Vorberichtszeit. Die saisonmäßige Belebung des Arbeitsmarktes wird auf die künftige Gestaltung dieses Marktes zweifellos weiterhin einwirken und eine Abschwächung der Arbeitslosenkurve bringen. In Landwirtschaft war es möglich bei einem an sich guten Angebot 27 Burschen und 29 Mädchen in landwirtschaftliche Stellen unterzubringen. Gefragt werden in diesem Frühjahr stärker gelernte Mädchen, dagegen hat die Nachfrage, nach Hüteburschen und sonstigen ungelernten Jugendlichen ganz empfindlich nachgelassen. Die heimischen Aufnahmebezirke fragen in der Regel nur jüngere Melkburschen und jüngere Knechte nach. Für älteres Personal ist im Augenblick die Vermittlungsmöglichkeit schlecht. Im Bergbau ist zwar der Abgang aus dem Arbeitsverhältnis mit rund 219 noch groß, dagegen steigert sich aber langsam die Zahl der Abrufe. Inwieweit mit einer Besserung auf dem bergmännischen Arbeitsmarkt gerechnet werden kann, ist augenblicklich noch nicht zu übersehen. Bei Metall hat sich ebenfalls erfreulichetweise die Zahl der Vermittlungen gesteigert. 50 Arbeitslose konnten in ein Arbeitsverhältnis überführt werden. Die Zahl. der Kurzarbeiter hat sich auf der Höhe der Vorberichtszeit gehalten. Auch hier wird mit einer geringen Belebung des Marktes zu rechnen sein Bei Bekleidung setzt der Aoruf bei Schneider stärker ein. Ebenfalls ist bei Schuhmacher eine Besserung der Lage durch stärkere Vermittlung eingetreten. Hier ist es das Sommergeschäft, das sich langsam anbahnt, und zu einer Entlastung zweifellos führen wird. Bei Gesundheit und Reinigung ist eine Verängerung nicht festzustellen. Im Baugewerbe ist die Lage nach wie vor recht uneinheitlich. Neue Bauvorhaben sind in den 3 Städten des Bezirkes in ganz geringem Umfange in Angriff genommen worden. Die dadurch benötigten Fach= und Bauhilfsarbeiter können dagegen den Abstrom der Arbeiter aus dem Arbeitsverhältnis nicht aufhalten, sodaß mit einer weiteren Verschlechterung auf diesem Teilarbeitsmarkt gerechnet werden muß. Bei Theater, Musik, Gast= und Schankwirtschaft hält die Verschlechterung noch an Es ist jedoch bei Gast= und Schankwirtschaft mit einer Besserung in einiger Zeit zu rechnen. Die Fortbildungsmaßnahmen für stellenlose Berufsmusiker haben insofern fördernd gewirkt, als Arbeitsmöglichkeit gegeben waren und auch für die Zukunft mi Abruf von Musikern zu rechnen sein wird. Im Verkehrsgewerbe ist die Schiffahrt bei der saisonmäßigen Belebung noch nicht so aufnahmefähig, daß der Abgang aus der Kartei der Arbeitsuchenden sich besonders bemerkbar macht. Der Verkehrsrückgang bei der Reichseisenbahn gestattet immer noch nicht die Anlegung von Unterhaltungsarbeitern. Auf dem weiblichen- Arbeitsmarkt konnte im Bekleidungsgewerbe fast sämtliche Schneiderinnen und Modistinnen als Aushülfen für Handwerk und Handel zur Verfügung gestellt werden. Bei häusliche Dienste ist das Angebot immer noch gut zu nennen. Dagegen macht sich eine Verknappung an offenen Stellen bemerkvar. Bei den übrigen Berufsgruppen ist die Lage des Marktes unverändert. An Unterstützung wurde gezahlt a) Arbeitslosenversicherung b) Krisenfürsorge 452.106,96 R.A. 216 706.25 R. /l. Kriegsbeschädigtenversorgung und Wehrwille Der Gesamtvorstand des Deutschen Kriegerbundes „Kuffhäuser“ hat in seiner Sitzung am 17. Mai d. J. auf dem Kuffhäuser eine Entschließung angenommen, in der er sich die Besorgnisse und Wünsche der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen zu eigen macht. In der Entschließung heißt es u. a.: „Weitere Einschränkungen auf dem Gebiete der Versorgung oder gar ein Abbau der Leistungen bestebender Ansprüche würden auch geeignet sein, die Erhaltung oder Erweckung des Wehrwillens und der Wehrfreudigkeit im deutschen Volke zu beeinträchtigen. Sie wären aber auch aus staatspolitischen Gründen im Interesse des Reiches und der von ihm zu vertretenden Gerechtigkeit tief zu bedauern. Der Vorstand des Deutschen Reichsfriegerbundes „Kyffhäuser“ hält es deshalb für seine Pflicht, ernent die verantwortlichen Stellen auf die einschneidenden Folgen eines Versorgungsabbaues binzuweisen und dringend zu ersuchen, von Kürzungsmaßnahmen. namentlich wenn diese ungleichmäßig die Kriegsopfer allein betreffen sollten. Abstand zu nehmen.“ Neue Bestimmung über Azetulen-Entwickler Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, weist in einem Erlaß an die Regierungspräsidenten und die Oberbergämter der Preußische Handelsminister darauf hin, daß der deutsche Azetulen=Ausschuß unter Bezug auf§ 20 der Azetylen=Verordnung beschlossen hat, die für tragbare Hochdrucklötapparate bis 0,5 kg Karbidfüllung erteilte allgemeine Ausnahme widerruflich auf Entwickler der genannten Bauarbeit bis 1 kg Karbidfüllung auszudehnen. Somit können tragbare Hochdruck=Azetylenentwickler bis 1 kg Karbidfüllung für Lötzwecke, welche nur mit Luft betrieben werden und welche ohne Wasservorlage als freizügige Entwickler(I=Entwickler) zugelassen und ordnungsmäßig abgestempelt sind, auch dann benutzt werden, wenn ein der Ziffer 38 der Technischen Grundsätze für den Bau und die Aufstellung von Azetvlen=Anlagen entsprechender Raum nicht vorhanden ist. Dies gilt insbesondere bei Verwendung für Montagezwecke. Werden diese Entwickler jedoch dauernd in dem gleichen Raume benutzt, so muß dieser für jeden dauernd rarin verwendeten Apparat mindestens 20 chm Luftinhalt aufweisen. Diese Ausnahme hat auch rückwirkende Kraft für die bereits gemeldeten Entwickler. Kahrhalldewlalntin und Gemeinde-Haushaltspläne Forderungen der Wirtschaft In der Vollversammlung der Industrie= und Handelskammer zu Bochum berichtete Syndikus Dr. Trainer über die Etatsverhandlungen des Handelskammerbezirks. Dr. Trainer führte u. a. folgendes aus: Das Anhörungsrecht der amtlichen Berufsvertretungen ist in diesem Jahre besonders schwierig zu handhaben, da die Realsteuerzuschläge nach der Senkung durch die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 nach oben hin begrenzt sind. Bei den ungedeckten hohen Fehlbeträgen, die die einzelnen Gemeinden in diesem Jahre aufzuweisen haben, ist nicht zu erwarten, daß die Realsteuersenkung unter die notwendige Grenze hinaus erfolgt. Trotzdem ist die Frage, ob sich die Kammer zu den Etats der einzelnen Städte äußern soll, zu beHochzeitsreise mit Hindernissen +9 Ueber die Anerkennung der deutsch=österreichischen Ze union konnte in Genf keine Einigung erzielt werden, weshalb der Völkerbundsrat die Untersuchueng der Rechtsgrundlage an das Haager Schiedsgerich: gab. Curtius zu Schober: Vielleicht wer den wir hier besser ausgenommen. saben, und zwar aus folgenden Gründen: 1. damit nicht wieder ungerechtfertigterweise behauptet werden kann, die Wirtschaft habe nicht rechtzeitig gewarnt: 2. aus grundsätzlichen Erwägungen: da die Städte das Ankörungsrecht grundsätzlich bekämpfen, könnte ein Schweigen der Kammer als Nichtinteresse aufgefaßt werden: 3. die Kammer muß mit Nachdruck darauf hinweisen, daß die Realsteuerzuschläge auch nach erfolgter Senkung absolut untragbar sind und zusammen mit den übrigen öffentl. Lasten eine Wiederingangsetzung der Wirtschaft und eine Rückführung der Erwerbslosen in den Arbeitsprozeß verhindern. Darum darf als wichigste Forderung der Wirtschaft gelten: Anpassung der Ausgaben an die Einnahmen, Verminderung der Ausgaben durch Abbau von Aufgaben. Die Verwaltungstätigkeit muß durch billigere Kräfte erledigt werden. Die Städte sind zur Aufstellung von Stellenpläne anzuhalten. Verfügbarer Besitz soll realisiert werden, ohne daß er verschleudert wird. Eine Senkung der Wohlfahrtserwerbslosen=Unterstützungssätze ist entsprechend d. gesunkenen Lebenshaltungsinder unumgänglich notwendig, vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Spanne zwischen dem Arbeitslohn, den ein Arbeiter bei Verfahren von 20 und weniger Schichten verdient, und der Höhe des Unterstützungssatzes leicht so gering wird, daß sich Arbeitslohn und Unterstützungssatz überschneiden, bzw., wie es in vielen Gemeinden der Fall ist, daß der Unterstützungssatz den Arbeitslohn übersteigt. Beim Schulwesen ist eine Erhöhung der Klassenfrequenz auf 50 anzustreben. Ueberdies ist eine Zusammenlegung von Sustimen erforderlich. Einzelvorschläge für die Ausgabensenkung in diesem Jahre vorzunehmen, erscheint nicht zweckmäßig, da die Verwaltung selbst am besten die Möglichkeite.. einer Ausgabensenkung erkennen kann und ausnutzen muß. Als einziger beweglicher Faktor für die Ausgabensenkung kommt nach Erstarrung der Realsteuer die Bürgersteuer und Getränkesteuer in Frage. Da bei der Biersteuer bzw. bei der Getränkesteuer das Steueraufkommen bereits überspannt ist. Mehreingänge demnach nicht zu erwarten sind, bleibt noch eine angemessene Heranziehung der Bürgersteuer unbedingt erforderlich, einmal aus grundsätzlichen Erwägungen, da nur durch Beteiligung aller Kreise der Bürgerschaft an der Lastentragung ein Druck zur Ausgabensenkung und damit eine Entlastung der Wirtschaft erreicht wird, andererseits wegen der zu erwartenden Verkoppelung der Sätze der Bürgersteuer mit denen der Gewerbesteuer. Nur wenn die Bürgersteuer trotz der in der jetzigen Staifelung liegenden außerordentlich schwerwiegenden Bedenken angemessen wird, kann ein für die Wirtschaft tragbares Verhältnis zustande kommen Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. m Kartrelfax führten sle Jesum hinaus nach Golgatha, schlugen ihn ans Kreuz und wähnten frohlockend, sie hätten den Geist getötet, weil der gequälte Leib unter ihren grausamen Martern zerbrochen war. Aber sie täuschten sich, die Schriftgelehrten und Pharisäer. Die Jünger, die den Herrn in den Stunden der Not verraten und verlassen hatten, lernten die Tiefe ihres Palles ermessen, schlugen sich an die Brust und wurden zu aufrechten Bekennern. Als der Tag der Pfingsten gekommen war, waren sie wieder einmütig beieinander. Jeder zum Einsatz des Lebens bereit. War auch der Meister von ihnen gegangen — sein Geist und Wille lebt in ihnen und wurde mächtig. Er ließ sie die Furcht vor dem Hohen Rat und seinen Häschern vergessen. Sie gingen ins Land hinaus und predigten. Parther, Meder und Araber hörten sie in ihrer Sprache sprechen, und dachte auch mancher, sie seien des süßen Weines voll, so wurde es doch bald den Zweiflern klar, daß Gott Geist von seinem Geiste über sie ergossen hatte, daß sie weissagten nach seinem eigenen Willen. Sie fanden den Weg zu dem Herzen des Volkes und selbst der trotzige Paulus mußte die Gewalt der neuen Lehre erfahren. Ueber Länder und Meere zogen die heilstrunkenen Verkünder, ließen die Armen und Sündhaften aufatmen, denn auch ihnen sollte Erlösung und Aufrichtung werden. Nicht nur die Reinen durften hoffen, im Himmelreich Christi sollten auch die reuigen Sünder willkommen sein. Und es liefen ihnen zu alle die, die mühselig waren und unter der Last ihrer Schuld aufseufzten. Auf dem Karfreitag war ein Pfingsten gefolgt, das die Welt erkennen ließ, daß Gott diesen Jesum, den sie gekreuzigt hatten, zu einem Herrn und Christum gemacht hatten. O. N. „Nun, armes Herz, vergißt Kein Fest wird von der Natur so mitgefeiert wie Pfingsten, ja, man fragt sich, ob die Menschen dieses Fest nicht gerade in die Feierstunde der Natur verlegt haben, weil neuer Geist noch heute bei diesem Aufieuchten und Blühen der Welt die Menschheit ergreift.„Sie sind voll des süßen Weines“, sagten die Leute von den Jüngern, als Begeisterung sie ergriff, daß sie wie mit neuen Zungen redeten. So fühlen wir selber uns wie berauscht von neuem, starkem Lebensgefühl, wenn die Pfingstzeit die Natur aufstrahlen läßt in unerhörtem Glanze. Seit Ostern die Fesseln des Winters sprengte, hat sie emsig geschafft, hat Keime entfaltet, Säfte steigen lassen, Blüten erschlossen. Nun steht sie da in voller Pracht, und obwohl wir das stille Walten beobachten konnten, sind wir doch voll frohen Staunens und können uns nicht satt schauen an all der Schönheit. Da schimmern alle Gärten, da funkelt und blitzt jedes Wässerlein, da dehnen sich Felder und Wiesen in sattem Grün.„Es blüht das fernste, tiefste Tal“, sagt der Dichter so schön. Und was fügt er hinzu?„Nun, armes Herz, vergiß der Qual, nun muß sich alles, alles wenden!“ Während die große Schönheit um uns her Mut und Lebenskraft erhöht, macht sie uns fähiger, den Kampf mit den Schwierigkeiten des Lebens zu bestehen. Es kommt ja schon viel darauf an, wie wir einen Fall, eine Lage ansehen. Wer hätte nicht schon beobachtet, wie sich die Welt verklärt, wenn die Sonne aus düsterem Gewölk hervorbrechend sie überstrahlt? So zeigt uns auch unser Geschick ein freundlicheres Gesicht, wenn wir es nicht mehr bedrückt und hoffnungslos, sondern mit dem festen Willen anschauen, das Beste daraus zu machen. Und das sind wir dem holden Pfingstfeste wirklich schuldig. Die Welt wird schöner mit jedem Tag— es blüht an allen Enden, und wir sollten uns der Schönheit, die doch für uns geschaffen ist, undankbar verschließen? Was jetzt blüht und duftet, hat auch viel Kampf, viel Dunkel und langes, beharrliches Ringen hinter sich. Damit ist’s nicht getan, liebe Mitmenschen, wehmütig zu sagen:„Ueberall Freude— und ich bin davon ausgeschlossen.“ Wer nur etwas über sich hinausdenkt, kann kaum ausgeschlossen werden. Die Natur breitet ihren Reichtum vor uns hin: Da, schaut an, genießt. Das bereitete ich für euch alle.— Hast du Sorgen? Bist du krank, einsam, vergessen? Verschließe dich deshalb dem Einfluß der Schönheit nicht.— Hast du Liebes verloren? Denke, daß diese Pracht sich dem Wintertode entrang. Und sie wird vergehen und eine Zeitlang verschwunden sein und wird wieder neu erstehen. Du gehörst mit zum großen Weltgetriebe, laß dich von seiner Woge heben und senken, sie kommt von Ewigkeit und führt zur Ewigkeit. Wir haben manche neue Erkenntnis gewonnen, manche neue Kraftquelle entdeckt im letzten Jahrzehnt. Ob wir’s beabsichtigt haben oder nicht: Der Kreis unserer Beziehungen spannt sich weiter, unsere Teilnahme bleibt nicht mehr allein am Persönlichen haften, sondern strebt dem allgemein Menschlichen zu. Das aber ist in der Natur verwurzelt, von ihr umgeben, empfängt tausend aufbauende Kräfte von ihr. Es schiene mir wirklich etwas engherzig und rückständig, wollten wir uns ihrer Stimme verschlieBen, zumal Pfingsten, wo sie so zärtlich lockt. Nein, armes Herz, vergiß der Qual! Die Segenskraft, die ins fernste Tal drang, die wird auch dich finden. „Kein Ding wächst so vergessen, es kommt sein Blütetag“, sagt ein anderes Dichterwort. Man muß die Blütentage nur nicht immerfort erwarten; sie haben eben ihre Zeit. Wenn sie aber mit dem herrlichsten Pfingstfest für alle Welt kommen, dann dürfen wir uns von ganzem Herzen mittreuen an all dem Glanz und der Schönheit. Klara Forster. Schmückt das Fest mit Maien! Die Sonne ist wieder auferstanden und das Frühlingsgrün wacht auf... Willst du dastehen gesenkten Hauptes und der Schatten gedenken, und des Winters mit seinem Frieren und Schauern, seinem Dunkel und den früh sinkenden, müden Tagen? Schmücke das Fest mit Maien! Pfingsten, das Frühlingsfest! Sieh, der Maibaum treibt junges Grün... und die Pfingstkerzen stehen auf— weiß und leuchtend und duftend— allenthalben! Einer nach dem anderen kehrten die fröhlichen Sänger zurück, die vor den düsteren, müden Tagen ihr Lied in ferne Sonne bargen. Nun sind sie wieder in der Heimat, sind wieder bei dir... und ihr Lied singt: Hoffen! und: Glauben! und: nimmer verzagen!! Darum schmücke das Fest mit Maien! Den Pfingstbaum trage vor deine Tür, den Pfingstbaum pflanze hin vor dein Fenster! Den Pfingstbaum in jungstarkem Grün des kommenden Blühens und Reifens daß du unter seinem Segen eingehest zum heiligen Herde deines Heims und hinaus an dein Werk, dessen Ruf draußen ergeht: Komm! Fasse an! Schaffe!! Und wenn du aus deinem Fenster hinausschaust in das Geschehen, daß frohes und still-starkes Hoffen, sonder Zagen und Zweifeln, lichtgrün dein Schauen geleite dein Schauen aus Heim in Heimat— und Ferne. Schmücke das Fest mit Maien und laß die Frühlingsfeuer auflohen— hoch— dem Himmel entgegen, dem Himmel, der hoch und weit und ruhevoll noch immer und immer über dir steht. Und die tiefen, lastenden Wolken, die grauen, jagenden Nebel— wo sind sie hin? Der Himmel aber steht hoch und weit und ruhevoll noch immer und immer.. Und viel tausend Lerchen heller Jubel singt sonnenwarm seinen Tieten entgegen: Frühlingsfest! Maienfest! Schmücket das Fest mit Maien! Willst du gesenkten Hauptes dastehen und zur Erde niederschauen, weil es einst— vielleicht jüngst noch— Winter war und alles grau und tot? Zur Erde nieder..2 Wohl. tue es, doch tue es recht! Wirst dann erschauen ein Regen und Keimen, Drängen und Sprießen! Schau nur, schau“ nur zur Erde hinab! Doch schaue tief und— schaue recht! Und— vergiß nicht darüber den Himmel und die Pfingstkerzen und das höhenhohe Lerchenlied! Und den Pfingstbaum— den Pfingstbaum vergiß ihn nicht! Weder den vor deiner Tür, noch jenen vor deinem Fenster. Schmücke das Fest mit Maien bis an den Altar deiner Seele! Daß auch die fasse und habe und halte: der Himmelstiefen, Blaufernen und des Lerchenliedes Sonne darin, den weiten Heimweg der Sänger im Walde und des Maienbaumes Grünen vor Tür und Fenster. Tue auf— tue auf die Türen und Fenster und laß die Festglocken hinein, die aus den Fernen hersingen: Frühlingsfest— Maienfest! Tue auf— tue auf, was noch starr und verschlossen und dunkelgedrückt! Tue auf— tue auf es dem Rufen, das nun dahergeht in des Erwachens Brausen über Berge und Hügel und Wipfel und Tal... Tue auf! Tue auf!! Tue auf!! Du bist das Keimen, du bist der Maibaum, du bist deSänger im Walde und bist das Lerchenlied in des Himmels weiten, weiten Tiefen! Das Brausen sollst du werden— ob im Tal oder Wipfel, ob um Hügel oder Gipfel! Willst du dastehen— gesenkten Hauptes— und zurückschauen und des Winters gedenken? Tue auf! Tue auf!! Schmücke das Fest mit Maien! Heinz O. Schönhoff. Das Wunder Eine Pfingstgeschichte von Hannamaria Batschewskl. Noch nie hatten die Fliederbäume im Cratziger Plarrgarten so voll geblüht wie in diesem Jahre. Mit ihrer blau-weißen Pracht wetteiferten die weißen Narzissen, die gelben und roten Tulpen, samtweiche Primeln und duftende Goldlackstauden auf den zierlich umharkten Beeten. Behaglich lehnte der Pfarrherr im offenen Penster seiner Studierstube und blies den Rauch seiner Pfeife in die Abendluft. Ihm gegenüber stand ein junges Mädchen am Gartenzaun und grüßte lachend.„Herr Pastor, ich glaube, Ihre Blumen wissen, was morgen los ist.“ „Ei freilich, Fräulein Gertrud, wie sollten sie nicht, da doch ihr alter Freund und Pfleger heimkehrt, Parade über sie abzunehmen! Sie wissen, daß sie Altar und Kanzel schmücken sollen für ihn bei seiner ersten Predixt hier.“ Gertrud Nebelung, die junge Hauslehrerin der Cratziger Gutskinder, nickte.„Oh. Herr Pastor, wo ist's schöner als in der Heimat? Wohl Ihrem Sohn, daß er sie so schön und traut noch hat!“ „Das mein“ ich auch, und Gott gebe, er fühlt es selbst“, bejahte der Pfarrer und erwiderte herzlich den Abschiedsgruß des jungen Mädchens.— Der aber, von dem sie also sprachen, saß am nächsten Tage seinem Vater gegenüber und bekannte: „Papa, ich weiß, es war euer Wunsch, mich einmal als dein Nachfolger zu sehen. Ich hab’s bis hierher gebracht, aber nun geht's nicht mehr— nein, nimmer geht's weiter. du weißt, wie mich schon als Kind die Musik anzog. Alle habt ihr mein Talent bewundert, aber niemand Ach, Papa, ich hab heimlich die ganzen Jahre nebenher Musik studiert; meine Lehrer weissagen mir eine Zukunft. Nichts soll es dich mehr kosten, nur laß mich umsatteln! Papa, du warst immer für Toleranz— üb sie bei mir! Ich kann— nicht Theologe bleiben.“ Der hochgewachsene, blonde Sohn griff nach der Hand des Vaters. „Papa, ich bitte nicht aus Laune, aus Abenteurerlust, glaub mir's doch! Die Sehnsucht nach Klang und Tönen quillt immer wieder hoch, immer mächtiger. Zuerst hab“ ich's mit Gewalt unterdrücken wollen, aber es ist das Mächtige, Starke Vater, du wirst sehen, meine Predigt morgen enttäuscht euch, wird zum Fiasko eurer Träume,—— Vater, ich bitte..!“ In heftiger Bewegung sprang Ernst König auf und beugte das Knie vor dem alten Hern. Dessen Gesicht überglitt nach anfänglichem Erschrecken eine stille Heiterkeit. „Getraust du dich, ein Meister im Reich der Töne zu werden?“ „Meister? Ja, wie, Vater? Das Höchste, das meine Kraft erlaubt, will ich erstreben; nur zum Broterwerb entweihe ich mein Können nicht.“ „Du wirst es wohl müssen, hart müssen, viel härter. als wenn du neben deinem Pfarramt der edlen Musika dientest. Hier ist nicht Berlin, hier ist deine Heimat; laß sie zu dir sprechen. Wird deine Predigt morgen wirklich ein Fiasko, fühle ich dich am unrechten Platz; dann laß uns weiterreden. Aber Ernst, denk daran: Pfingsten ist ein Fest des heiligen Geistes, der Wunder tun, auch an dir ein Pfingstwunder tun kann. Und nun laß mich allein!“ In innigem Gefühl beugte sich Ernst König über die gütige Vaterhand. Aber in seiner Seele war Zweifel, Aufruhr, ein wogendes Chaos widerstreitender Empfindungen. Ohne Blick für die Pracht des Gartens stürmte er draußen über die Wiese, dem alten Gutspark zu, der in den Kiefernwald mündete. Pastor werden, Pfarrer bleiben, o welche Qual! Was galten ihm Homiletik und Exegese, Dialektik und Rhetorik, wenn seine Seele Zwiesprache hielt mit den Genien eines Wagners, eines Mozart, Haydn und Gluck? „Bim! Bam!— Bim! Bam!“ sangen hinter ihm die Pfingstvorabendglocken vom altersgrauen Kirchturm. Ernst König griff an die Stirn:„Oh, immer dies Läuten, dies dünne Klingen hören müssen? Immer, Sonntag und Festtag, auf dem verschabten Teppich stehend, verkünden: Im Namen des Vaters. des Sohnes und des heiligen Geistes! Unsere Hilfe stehet Im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!— Immer? Nein! Nein! Herrgott, ich kann nicht Pastor werden— nein. nein, lieber heute noch.. „Nach Amerika!“ vollendete eine heiter-spöttische Stimme, und aus den bergenden Gebüschen trat Gertrud Nebelungs helle Gestalt. Ernst König faßte sich schnell.„Sie hörten meinen Monolog?“ „Von Anfang bis zu Ende!“ „Und denken nun von mir...“ „Daß Sie Pastor Königs Sohn sind und“— ihre helle Stimme wurde dunkel und ernst—„daß Sie einen Veg gehen wollen, wie ihn mein Vater ging.“ Sie sah seine stummen, fragenden Blicke und fuhr fort:„Gerade so. wie Sie eben, hat mein Vater als Junger Lehrer einst gerufen:„Ich kann nicht!“ Die Musik zog ihn. Seine Geige ließ ihn von Weltruhm träumen. Er gab seinen Beruf, die Eltern, die Heimat auf. Um der Kunst willen, die ihm den Himmel erstürmen sollte und kaum Brot verdiente. Er kam nach Leipzig ins Gewandhausorchester. Nach kurzer Zeit gab’s Differenzen mit dem Dirigenten. Vater ging. Nach Berlin. Auch da keine bleibende Stätte. Sein Spiel war gut, aber es fügte sich keinem Klangkörper harmonisch ein. War eigenwillig, launisch. Da kam schließlich die Sorge ums Dasein. Und die Sehnsucht nach Amerika. Drüben verstand man den eigenbrötlerischen Deutschen nicht. Ein Jahr schlug Vater sich durch, stieg in Cafés und Bars hinab. Dann kehrte er heim. Gleich nach der Ausfahrt aus Neuyork wurde der Schiffskapellmeister krank. Vater vertrat ihn. Lernte unterwegs Neumeister, den König der Geiger, kennen. Und hörte sein Spiel. Da fühlte der Künstler in ihm, daß er nie, nie ein Neumeister werden würde. Der Primgeiger Walter Nebelung kam nach Hause, packte die Geige ein, wurde wieder Lehrer. Wenn heute die Menschen bei uns daheim sagen:„Oh. der Kantor Nebelung, das wäre ein Künstler geworden!“, dann leuchten meines Vaters Augen in wahrhaft heiliger Freude.“ Die Sprecherin atmete tief auf.„Und ich? Meine Paten, die Lehrer, Freunde und Fremde riefen:„Gertruds Stimme! Gertrud muß Sängerin werden! Sie darf nicht seitab bleiben mit diesem Gottesgeschenk!“ Ich habe mich prüfen lassen von berufenen Meistern. Die Eltern wollten es. Die Urteile sind günstig, sehr gut sogar. Aber gottbegnadet, überragend hat mich niemand geheißen. Da hab“ ich alle Künstlerträume schwinden lassen und die Philologie herzhaft beim Schopf gefaßt.“ Sie lachte ihn an. Ernst König stand da wie ein von gütigen Feenhänden Beschenkter.„Sie singen?“ Statt einer Antwort hub sie ohne Scheu an: „Schmückt das Fest mit Maien, Lasset Blumen streuen, Zündet Opfer an...“ Hingerissen lauschte er der weichen Altstimme, bis sie endete.„Oh, wollen Sie mir etwas Köstliches, Liebes antun? Daß meine Sehnsucht wieder heimfindet ins Vaterhaus? Dann singen Sie morgen in der Kirche, ja? Dasselbe Lied, Fräulein Gertrud, ia?“ Sie neigte bejahend den blonden Kopf und reichte ihm die Hand zum Scheiden.„Auf morgen!“ „Auf morgen.“— Die dichtgedrängte Schar der Andächtigen im Cratziger Gotteshause saß weltentrückt da. Hatte schon je ein Pfarrer in diesen Mauern so mit Menschen- und Engelzungen gepredigt von der Liebe Gottes und dem Geist der Pfingsten wie Pastors Ernst? Und hatte gleichsam als Echo seiner Worte je eine Stimme so geklungen, so himmlisch froh und wolkenleicht, wie die des Präuleins vom Gute? Guckten da nicht lauter Engelsköpfchen durch die offenen Fenster und lauschten? Oder waren's nur die Zweige der alten Obstbäume von jenseits der Straße? „Halleluja!“ sang Gertrud Nebelung, und„Halleluja! Halleluja!“ respondierten die Orgel und die Gemeinde.— Unter dem alten Apfelbaum zu Hause empfing Pastor König seinen Sohn.„Nun, Ernst?“ „Vater, Vater— das Pfingstwunder ist geschehen. Ich bleibe bei euch. Und. Vater, darf ich dir und Mutter Gertrud Nebelung auch bringen?“ Des alten Pfarrherrn Augen leuchteten auf.„Die Gertrud? In Gottes Namen, ia!“ Pfingstwerben Von Peter Prior. Sonnenschein und Maienpracht war es draußen in der Natur, leise zwitscherten die Vögel in den grünen Baumkronen, der moosige Waldboden glich einem wunderschönen Teppich und dämpfte den Schritt der beiden munteren Wanderer. In tiefem Schweigen schritten sie nebeneinander her, die ungleichen Freunde: der zierliche, fast unscheinbare Mediziner Doktor Brendel und der große, breitschultrige Landwirt Hans Lindau. Doktor Brendel war hierher gekommen, seinen Pfingsturlaub auf dem kleinen Gutshof zu verleben. Denn da fühlte er sich ganz daheim, nur litt es ihn nicht lange hier; sein heißer Schaffensdrang zwang ihn immer schnell wieder an seine Wirkungsstätte zurück. In einer Beziehung aber waren die beiden Freunde gleich: in der Liebe zur Natur und in der Liebe zur gemeinsamen Heimat. Tagelang waren die Preunde nun schon zusammen. Gar nicht oft genug konnte Doktor Brendel seinen geliebten Wald aufsuchen, mit Allgewalt zog es ihn immer schnell wieder hin: und immer tiefer wurde die Erkenntnis in ihm, daß er nur hier und sonst nirgends die rechte Hei„Das Pfinostfest“ von Hans Multscher(1400—1457). emmatenr der deutschsprachigen Presse e.V. F.3„Petiage Der 75 5 Wanne=Eickeler Zeitung MA N ea mat finden würde. Und dann: Hanna Lindau, des Freun7. Sap vester, hate, gs. hm ausetanl Er war aber viel zn viel zn ranhen. dem Bruder vircis Se Verehas iu u ihn de Schreter gehnen seine Angen auehtnu a den Wansch sil in dich, nur Frauensestalt. Sie selbat abn une vieder die schlante er ühr doch ge.“ sie kieio“ merkte es vohl kaum, var #ech schon als kleiner Junge wie ein Bruder vertraut. Er wußte nicht, warum Hans Lindau sich noch immer nicht entschlossen hatte, zu heiraten, bis— bis ihm auf der Herrenpartie der alte Sanitätsrat, dessen Lieboswonsech. s: Fer: den sungen Koleren für immer zu halten, verriet:„Der Hans ist eben ein zu großer Pflichtenmensch, will die Hanna nicht allein lassen.“ Von Stunde PCe igr, Brendel keine Rohe mehr: eine unere #gast trieb Ihn hin und her. Aber er war la so ein rechter großer Junge in Dingen der Liebe und beim Thema Da guckte aus lichtem Waldesgrün das kleine Forsthaus heraus. Maien, Junge Maien schmückten den Eingang. Flieder rings, und auf den Bäumen schneeige Blütenpracht. Tiel ztmend dieb Doktor Brendel stehen. Mit lungen Schritten lief Hans Lindau um die Ecke. Hinter der Laube ein rotbäckiges, schwarzlockiges Mädel: flink sprang sie mit blitzenden Augen auf den großen Mann zu, ihm den Plinxstgrus dietend. Ein Lachen war auch in seinem Blick. Da drehte sie sich übermütig herum, saxte: „Hiolen Sie mich ein!“- und flink lief sie ihm voraus. Mit Riesenschritten nahm Hans Lindau die Verfolgung auf, und hielt dann ein lustiges Mädel im Arm.„Oefangen“, stieß er atemlos heraus und ehe sie wußte, wie ihr Sssrgren. hoben— imDurch die Raete hindurch zchaue veraohlen und trüb. Jahre hate er er nledte mehe gen ir die leitsiten selis einer zu. Und drchte dann schnurstracks um und gesen... wehr geten, hate daraut verwar um die Hausecke.! Der Bauss wast Dar P Fas Porter. ve un has: Hhs:„Dder Rauer vut den Beik us. unltiennene den Stein im Gartan vierr Boiegn mit seinen beiden Fäusten. Ein Ruck— verlucht wie „Im Garten, Herr Doktor.“ schwer! Doch es ging. Aber dann— da er ihn in Höhe laste er wie der Wind davon, stürste s0 impulsiv der Kniee hatte— der Bauer keuchte und ächste, Schweis auf den Liegestuhl zu, daß dieser wild zu schwanken begann. troft von seiner Stirn— aber er schaffte es nicht! Mußte „ich habe mich verlobt. Hanna Lindau“, kündete er sie endlich fallen lassen, die Last, und hätte sich dabei dann mit lauter, Jubeinder Stimme. Einen Augenblick noch fast die Zehen zerschmettert. überzos eine geisterhafte Blässe das schöne Gesicht, aber Nun saß er nachdenklich auf diesem Block, den er einst Gaur hste sie sich wieder in der Oevalt und wolle bervungen. zich bin aleo bei Got schon ihm Glückwünsche sagen. Er aber pflückte bereits wahl-er.„Und der Hiesl hat recht. ios die Blten, wart sie ihr aber den Kopt in den Schos: zvinzen— und rein wis tall zahien da. amzte matitgs, zu den Schoß: rein wie toll schien der ernste Doktor.„Und du fragst nicht einmal, mit wem?“ Wieder fuhr es ihr wie ein Stich durch das Herz und zequält schaute sie ihn an. „Wer ist denn die Plingstbraut, Karl Brendel?“ Bang klang die Frage, und doch so tot, 30 leer. Er aber hate inzwischen sein närrisches Spiel weiter getrieben, sie über und über mit Blumen. Frühlingsblüten überschüttet. Sier endlos schienen ihr die Minuten, die sie auf die Antwort warten mußte. Dann kam es lubelnd:„Dul Hanna, dul“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, küßte er ihr nach bestem Vorbild das Ja von den Lippen. Sie hielt still, ganz still, und schloß nur fest die Augen. Im Pliederbusch aber sang leise ein Vöglein ein Lied vom Frühling und von Liebe, von einem Maientraum, einem wunderschönen Pfingsttag und seinem Erfüllen. einen alt“ drummte Der würde diesen Stein schwereren noch.“ Ja— und dann lächelte der Buchner in sich hinein. Ein stolzes Lächeln.„Ein tüchtiger Kerl, der Hiesl“ „Ein Mannskerl. Er wird, was sein ist, schon dachte er. zusammenhalten. Und wir werden's gut haben, bei ihm. Ist doch ein guter Sohn.“ Als er endlich heimwärts ging, da pfift er vor sich hin. Die schlechte Laune der letzten Woche war mit eins wie weggewischt. veggewischt.„Ein Herrgottswetter“ dachte er, und brach einen dicken Buschen Junggrüner Birkenreiser ab. Und freute sich auf diese Pfingsten, auf das liebliche Fest, wie er sich seit langem nicht mehr gefreut hatte. Beinah hätte er am Nachbarhof ans Fenster geklopft und die Leni rausgetrommelt. Aber so was schickte sich wohl nicht für einen grauhaarigen Bauern. So begnügte er sich statt dessen, dem füesl, der schon auf dem Hof werkte, zuzuschreien:„Nach dich lein, heut, Hiesl, und dann bestelle dein Mädel zum Mittagessen. Es ist doch Plingsten heut. Und Dienstag... höre, Dienstag fahren wir in die Stadt und machen alles fertig, mit dem Ausgedingl.... Pfingst-Ausflug Der Stein der Prüfung Eine Plingstgeschichte von Benedikt Zorn. keine sehöne Zeit diesmal, die woche vor Von Edith Munk. In je einer der hohen Mietskasernen, die sich— alle gleichmäßig eintönig, vollgerußt, dick überstaubt— auf beiden Seiten der Straße aneinander reihten, hatten Fritz und Lotte ihre möblierten Zimmer Beide im vierten Stock. Trotzdem sie einander gerade gegenüberwohnten und ihre Fenster direkt ineinander sahen, wusten sie lange nichts voneinander, hatten sich nie beachtet. Das bringt nun einmal das Leben in der Großstadt mit sich: Man eilt morgens zur Arbeitsstätte, und kommt man am Abend wieder in seine„Bude“, läßt man sofort die Vorhänge zugleiten. Aber eines Tages wurden sie wirklich aufeinander aufmerksam. Es war ein sonniger Frühlingstag. Und zu alledem war es ein Sonntag. Dla gescheh as. daß „Und ich nicht das meines Vaters“ kam's zur Antwort. Es war keine schöne Teit diesmal, die Woche vor Pinsten. Zoar: das Weiter war herlich und eisenleh„lieh du diedt mehr zun.—(suge Rengon, 2vei duterwaure trten dch und erei ans arn aurelan, de. Nenecten mit Freute un elsen dem ichon. D. gauh sen, hat aun. us veamn etonzl“igszucten auden blenchel deidien urciauder. Ban und sehimmernd wnannte ich der minme ader der achon Laut. de agen.. 2. Periu... adil Antieh vuten de aun mit dren ereneiten de Erde, de veidsen dauschlten Voltenschlte, die unter ihm Kaundert Jahre i. u.: Aichtiren Grostnecht brauchen,!Pohnbeiten vertraut und beramen ein rütrentes, StonPesise Ten, Teiln, L. grezede udeiaune, uur sich urt do eiaent, ider sed ul dlei m igz. Vetlisge egug het die eiter ued beude gem war es ein Sonntag. Da geschah es, daß im gleichen Augenblick, in dem Fritz sein Fenster öffnete und die die Büsche ringsum waren zu Zeitungsständen geworden, auf dem Waldhader hiühten Pariarhlu Haken einlegte, auch sein Gegenüber die Fensterflügel weit aufschob. Zwei Augenpaare trafen sich und zwei am esenane rerte, vergen keige Drobung, keige Gelahr ins ten. dis ds nlcht mehr krauschen kaunust., geln, dn hat Mluge. De wostenu uu ud ucten der Vor sich. Manchmal freilich ballten sie sich zusammen, schlt. dein Leben gehabt und bist lang ertisehendes Nas auf Feider undh Wiezen, ahur a. letet ave retadt zud Biet laus telten ertiebendes Nas auf Feliter undh Wiezen, ader en Letet vurz meine Leit. Adax u.d gehi maetr gewenen. Vd,grann er beintehrte. iur erter und letter biek var in. gut. das es ne var. Und das er des Nachts ne. nicht vilet 4 ud g, auer uen geir ecbon, das dus in Tare kut dem renster des Gerenibers, Diese Grübe easch, Faden Birns aun dauns uns dus Praliarn, Kortrlaten dien. Gas gas u ueunun un er gagiu baue uer mielent und veumate Sauner. wust, der Nachts eraulekender Kexen füir Oras und Sat] Darau, an dlete Upterhon ud e. 5ge u dem deiehtomiten beten, au sich üur die u.6 und Kartoteln u— wirtich, man golte Bohl zutrieden geig. Iten. Goe. 11.— J. reltur, madie der Buchner den= seggstunden, mödlerten Zinmner, Soirtustocher, ells und feln girklich, man sclte wohl zufrieden sein. ken, die ganze Woche lang. Und noch die letzte Nacht jebigs„bereiteten Mahlzeiten und gleichgültigen Dann saßen sie ernsthaft auf dem Bänkchen unter der Buche. Sie sprachen über das elegante Auto von Lottes Chef. Ganz im allgemeinen natürlich. Was sie sonst noch redeten, vernahmen nur die Waldbäume und der streicheinde Frühlingswind. Und die sind verschwie. gen. Nur die geschwätzige Eister hat es nicht für sich behalten können, daß zwei Menschenlippenpaare sich zum ersten Kus fanden. Die Sonne schmückte die Welt schon mit Abendgold, als Fritz und Lotte heimwärts schritten. Ihr Ganz war beschwingt, wie ihn das Glück macht oder eine große Freude. Der Gesangverein war schon vorher nach Hause xczogen. Als die beiden seinen ehemaligen Lagerplatz überguerte, hätten die ein Waldwunder bestaunen können: g dem„Waldboden blühten Papierblumen und zwischen den Frühlingsblumen sproßten Bananen-, Apfelsinen- und Eierschalen auf. Fritz und Lotte beachteten es nicht: ihnen hatte sich la in der grünen Waldeinsamkeit ein viel 1755ares Wunder oltenbart: das Wunder Ihrer lunger Aber Heinrich Buchner, der Bauer, war nicht zufrieen. Keineswegs. Brummelte morgens bei stakte zornig und böse über die Felder, die an. Seseinent Bauntnats, Bnene daien Panalck, Gerah de. Kig;: in uit ius uit denr erderunten eidaelen Neruschen auemmeuraute, Fülr 342. oder warv. rranstsch. Serzseh. des Kalmus einatmete, den man über die weis=(teie jeden Abend, bis das tante Licht hinter hottes Fenesieten Gige Praerten. aate alt dr Pau uit den tes sane G. P. deurener Fodsten aureuren hade uer uergaete, Dan aun deud er der ustnz an Mlasch echalt aul den Kaeit ucd hats iun alien ereen gesiasen. 4— Erianernus un deun Vorrechual nlent Kadte üder de lenten den Aual ucht edilehtlieht dceh ensnieten. Odgleich de Eate is zestane. ais bersel Kel, r Keuzt. L.oiu. Sgeate.... siu Harenuen auer au ur vurehen, Velsieht bei u. edes Verspreben var, obsleieh die Jaut Winterorten der Freude sehien ium keine umme Genit. Das reut eiren de Furcht od, uiehi de schtdve Vorstelins von ur. Verhagelte Pkgstlage Von Lotte Land. Es war in einem Berliner Nachtcafé! Die alte Szenerie: unter den Gästen waren zwei Arten leicht zu unterscheiden: Lebemänner aus Berlin und dann— in überwiegender Istienen.— diedere Proviazier, tellweize vorar mit Uhren Man mus sich— das gehört nun einmal zu den Wel anr nicht aut Brechen eueni vat mie hm. Vene ihm Prau. imn Radsechll.„Ta sot nach nieht viera..: de gen in verleren vor, belte der Ciel verstasch in vel. T1.7e: 64 ud getaesten ut duez, elteie ue rot wie die servierte Mokkatasse, die Vorgänge, die sich vor ihren Augen— nicht abspielen. Der da eben hereinkam, wer***— v. eg2. dem. Vere, vom Lager laste.„Was vilst denn, ehr“ fragte d. Peteale vereget vnt, vie aus as uste, den]„ialen doalar= Hrmmte de, Kaer und zus au dansien derunen us eine Lehreuhn enseh. Ven deuen Hiesl. sein Eraitgeborener, sein Eineiger, zing ihm nieht Hause, ehe dich zein Weid geulzend auf die ungeng aeu) are an lies deh Frite niecht meihr am Fenter seten: 64s aus dem Wer, oh, neinl Er war nicht feige, er hatte redrcht hatte. 9 andere Seite axto hatte ihn verstimmt— und Lotes Daseln betam keine Aurnt, auer ar vot gem Bauer, dem Veter kaum! Die Songe auchte eden loternd und breaneud an No. ledter den eindinten, Praleosen Biurihmu. sieh bererneten, morzens oder risont emnor, der Tau hing in leuchtenden, schimmernden angehörte faste ate Oesainererein. dem Pritz auch nach Felerabend, beim Nachtmahl. Werkte gevis Perten an alen Orisern und Blättern und Sträuchern. wolle uu derotechen Entschlus: Han unverdrossen und mit Zähigkeit, wie es seine Art war. Schwerfällig schritt der Bauer, der Buchner, dahin, dem Damen, Aber er tat es ohne Freudiskeit und piff nicht und sans Walde entgegen. Seinem Walde— der sich aus Laub- Am Pi A.E We sn. hereinkam, war auch so einer. Man sah dem wohlgenährten, gutgekleideten Herrn schon von weitem gen gemachten Henn an; er verbreitete ordentlich einen Dunst von Wohlhabenheit am sich. einen Ausflug machen— einen Pfingstaustlug mit in den Wald. nicht wie sonst. einander. „Dieser Hies!“ Kriegte die trotzigen Lippen kaum ausDer Provinzler setzte sich an einen Tisch, an dem nur ein jüngerer Herr saß. Dieser grüßte nachlässig, schenkte und Nadehtelern bertich zemischt oder vele Morten Seiche, die Jon iun vir der.immel wie blaugensamdte Gliaen“ der bitbrtluche. die vor ihm vunt, woch en a, Te bim.-mnscmr uper weie morgen Seide, die, Sonne leuchtete golden und Gie Erde prangte Oizshen ein und goß es mit Virtnostät hinter die Binde. Dar Buchner brauectte vieht sange zn zuchen in vinstiechem Brautgenanc, als dieh der OezanevereinI Almählen ranen beide Tiechsenossen ins Getorieh: uund seinen Weg m— hate ihm zeldak im Donkela geigen, rn einer Temtieten guc,lunge, auzgsehnten Plektisetz sin: Rep=zuge, Ver, die nichliehten Veranlamngen Verden. ud seinen Wier m— hatte An zeihst im warteis a.e“ in sinemn gemitlichen und lange ausgecehnten Piekniet zus Thens lus nabe: die nichtliehen Verenleungen Beren, eieb schleslich an einer Steie vierern Teranr= im Walde zusammenland., Und vbtzrlich— vars Tulau lnz, Der luge kerr var hierin Spezialst, und die Art. sehen, an dener Steue, de sein Gebelmage Parn..... Tcticksals— dasen dieh Fritr und Lotte, die von u. der er dieh ausgrach, lies vermuten, das er, auber Das Gebeimaite var ein Stein, ein rinchar r. einem Ontel zu der Parise mitzenonmen worden var, Leinem Vernt, den er la leidter auch mitmichen muiste, „ein ringung, wie es gegenüber. Schweigend ansehen konnte man sich nicht nichts kannte als diese Pläsierche- P-tu-u Der Bauer entsann sich auf die Dauer. So sprach man ahlzatr B.szu-ias1azicht bei stete in Oeselischeft. stöhnte der Buchner, wenn er, mit schräg spähendem Seitenblick mal beobachtete, wie dem Jungen die Arbeit von der Hand ging,„schafft für drei, a. aber...“ Und Zorn war in seinen Augen, und Liebe. stef— Ja., Liebe wohl auch, Aber das zeigte er niemandem. Das Oeheimnis— Wis halle er bios getact. der Mei. leitsten Somtag, deren viele aab dier im Walde. Der Bauer enisanm zeh zei ealder, Schveiend mnseben konnte man deh neh Achtz kone ui: deie Plidereten, Katich vur er d. am Sonate Prachs Abenchz aie die au der Bank vor agch, vie er as Tosnalescheiger in den Walck verangen arch. Ai." sder u icde BelaustantckeienVei det u. Leliechut denn dlein wonie er sch ir. dem Hause anben und üre Pielte raschten und Kiahntens vur und einen Sein geiucht halte, den ar mit Auaten. auled. Au man wder„aus Weterhena Hnaus vor.(Fe de 2: 8= uunte, uu den ddend buten in die Die Worte virsten noch in dem Alten, venn er bios dar. runs aller Kriste hate hoeheben Könen. Pa var— elie man Lemeinam kest. das Waltspaulerstiage ve. exerien veiner Geteliechut eiten lussen, und io machte esise S ar. u. ee. au Phage ae. ce, #s. heißt das nun?“ hatte der Bauer gefragt und Kraft stand, hatte sich einen anderen, hatte sich diesen seinen Lonn ganz dumm angexuekt, Aber der ließ sich hier ausgesucht. Der nahe an zwei Zentner wog. Und wer sträcks auf sein Ziel losge- Jahr für Jahr war er einmal, im Frühling, hein““ aus gewandert, hierher, und nicht einschüchtern, gangen. „Oelt— i4 mein nur“, hatte er gesagt,„ich... also eigentlich wärs langsam Zeit für mich zu heiraten. Wo ich doch schon dreisig bin. Die Leni drüben vom Nachbar. die tit mich wohl nehmen. Wir sind uns schon einig. Und etwas Rechts bekommt sie auch mit und dir und Muttern ist sie schon gut als Schwiegertochter, denke ich.“ „Ja— und?“ hatte der Bauer gefragt.„Was steht daanlschen?“ „Du!“ hatte der Hiesl geschrieen. Und, da er des Alten erstaunte Augen sah, hatte er nochmals laut gebrüllt. Ja— du, Vater. Ich heirate nicht als dein unbezahlter Großknecht, nein, das tu ich nicht.“ „Hab“ ich dich Jemals karg gehalten, HliesiP“ hatte der Bauer getragt, ganz sanft noch.„Hat's dir an was geschlt? Hast dich zu beklagen über mich, über deinen Vater2“ „Das nicht— das nicht“ war die Antwort gewesen. „Aber ich schaft mein Werk, ich tu meine Arbeit s0 gut wie zwei.“ „ich weiß— ich weis— hab' ich nicht Augen im Kopf?“ „Ja du weise“, höhnte der Hieal.„Aber ich vill nicht ein Weib nehmen und weiter so auf deine Onade angewiesen sein. Das tut nicht gut. Vater, das ist nicht das Rechte. Glaub es mir. Ich will mein Recht— ich will mein eigener Herr sein. Und wenn du nicht magst. lieber geh ich zu einem andern Bauern als Kuscht, als das ich bei dir bieib, und abhängig von die din...“ „Soll ich ins Ausgedinge?“ hatte da der Bauer gesehrien,„Glaubst du, ich bin schon so alt, daß ich abrchaltert werden mus? Nein— das gibts nicht, ich bin noch rüstig, ich fresse nicht das Onadenbrot meines Sohnes.“ eimlich hinhatte seine Kraft an dem Len## Ds zu einer läuschigen Lichtung.] Ruhig hörte der Altere Herr zu, indem er hier und da go hein angerer Laut als das Pfeifen und Trillern der einen Schluck Münchener nahm, während sich der„schnei. Vögel und das Summen der Insekten das Klopfen der dige Herr“ auf dem Gebiete der Liköre bewegte, so daß Herzen übertönte. Wie zwei übermütige Kinder tollten sie sich sein blasses, trotz seiner Jugend verlebtee Gasicht st. baild durchs Gras, apiellen mit den Sonnenkringeln im vas rötete. end veriebte desicht er. Farnkraut Fangen und wollten die Waldfrau suchen gehen. 0 Pfingsten Was Sehnsucht war in langer, banger Zeit. Worauf wir all voll Ungeduld geharrt. Nun ists ertält, ist schöne Gegenwart, Und Wunsch und Träume werden Wirklichkeit. Der Gott des Lichtes wandert durch die Lande Und bricht des Dunkels unbarmherz'ge Bande Und löst des Lebens ew'igen Widerstreit. Wo immer segnend er vorübergeht. De ruft sein Mund verborg'ne Schönheit wach: Ein jedes Hers erguickt er tausendiach, Das voll Vertrauen ihm entgegenbebt. Und farbenbunte Blumen läßt er sprossen Aus Tränen, die um totes Glück geflossen, Und aus dem Blute, das an Dornen kiebt. Schaut auf zu ihm, nur die ihr erdbestaubt In Pron und Plicht euch immer abgemüht, Und hebt, von lichten Wundern überblüht, In stiller Andachtsstunde Herz und Haupt! Emplanget froh, das alles Leid zerstiebe, Den heilgen Geist, den Oeist der ew'gen Liebe. Der jedem lächelt, der noch an ihn glaubt. Durchs weite Land des Frühlings Odem weht Und übers Tal braust Feierglockenschall: Plingsttreude bicht und leuchtet überall Und wird zum heisen, bränstigen Oebet. Ihr alle aber sollt sie selig trinken, Das ihr gefeit seid, wenn die Schatten sinken Und euer Wer durch tiefes Dunkel gcht! Haus Ludwig Linkenbach. e# Ein schärferer Beobachter, als er, der nach seiner eigenen Ansicht ein sehr interessanter Unterhalter war, hätte gesehen, daß diese Schilderungen den höflich lauschenden Zuhörer wenig anmuteten; aber der Erzähler war von seiner Ueberlegenheit derart durchdrungen, daß er darauf nicht achtete. Plötzlich fagte der Provinzler:„Haben Sie denn nicht Lust zu heiraten.“ Der lunge Herr lachte und klemmte das Monokel ins Auge. Wissen Sie, lieber Herr“, sagte er dann,„ich bin vorsichtig in der Wahl meiner Schwiegereitern. Erst das Auskunftsbüro, dann die Liebel Für das Arbeiten habe ich keine große Schwärmerei, die ist eigentlich mehr für die Dummen. Mädel, die nichts haben, sind für unsereinen Luft; man schlängelt sich stets nur an eine heran. die„Charakter hatl“ Der Provinzler hörte der Aeußerung dieser praktischen Ansichten gespannt zu. Endlich fragte er etwas unschlüssis:„Wird das Mädel Sie denn auch zleich haben wollen?“ „Haben wollen?“, spöttelte der Unwiderstehliche.„Die Weiber sind la so leicht zu fangen. Man spielt den Zarten, Rücksichtsvollen, schwatzt ihnen was vor von Oemüt, tiefer Empfindung, Sehnsucht nach stiler Hauslichkeit; man schneidet dem kleinen Hasen, den man gerade bearbeitet, etwas von ewiger Liebe und Treue auf, scht zärtlich, auf alle seine Wünsche ein— kurz, man fängt das Mädel schon. Bin wirklich gespannt. was für einen Goldfisch ich mir einmal angle.“ Nach einiger Zeit verabschiedete sich der Proviaaler ruhig und höflich und verlies das Café, um sein Hotel aufzusuchen. Seine Bewertung des Tischgenossen kleidete er in zwei Worte:„Nettes Bürschchen!“ „Dem habe ich einmal imponiert!“ saxte sich der junge Hegr.„So n öder Spießer aus der Provinz mus auch einmal baut „Wai einige Franz 55 „Wol „Me: Zufall war.“ „Und „Und „Na. kunftsb Charak „Im „Natd üblichen ein pas in mich „Grat „Mus4 „Wird bewußt. „Woll fen, dat „Verh Die 0 voll dur „Wenn Kohlert. er auss Größer pracht widmete und der zu werd patent Anhängli zahlt ha Auf de mung: dahinwan Dabei di erzlänzte grünumia Kauer Kohlert. beste und Eltriede und 8sr Pfingstsol Und de sollte, wi Garten Ben und geweiht deutungen seines St kritischen Zur ver schon sie, ihn ein, in die Gartenhau Sie bos suchte der fest: die daher der herausbeil mich erst „können Gerade war, ihn einen Sch Aber liches Ges er murme ehen!“ Man fas ein steifbe Und dan Als sich hatte, teilt Friedcher Pranz al „So n Set un Himmel kul doch recht Der Zen Commts Seine Fei matiker. sache ist, Daumen chen wort dings, daß Arbeit mm tung best. Auch an missar T: deutlich Plingstson sich nicht darauf zu „Uebert reibunde In einer „Komme Beamten. Es war drichstraß erwartete „Hellen „Sie müss ien. Ich Stich lasse Mikrotily der deutschsprachigen Pre Haus- enate..-cter lobt. Ja, vie wir ge. * „Was werden Sie denn zu Pfingsten machen?“ fragte snise Plonzte später eip lusendlicher Leberreis Herrn Franz Koniert, den Helden des Nachtcafés. geht nach auswärts“, erwiderte dieser. „Wohin?“ fragte jener neugierig. Geheimnis! Goldfischangeln! Lernte da durch Zufall ein Junges Mädchen kennen, das hier zu Besuch „Und verliebt?“ „Und verliebt?“ tonstehorn nd Aber das AusCharatter uat lamosen Bericht über den Alten— hat „Im Portemonnale?“ „Natürlich! Wo sonst? ich machte dem Mädel die üblichen Flausen, wußte es so einzurichten, daß ich sie noch ein paarmal traf, und nun ist der kleine Hase verliebt in mich— das Mädel hat Geschmack!“ „Gratuliere!“ sagte der andere mit ärgerlichem Gesicht. „Muß das Rezept nächstens auch einmal befolgen!“ „Wird ein rentables Pfingstiest!“ äußerte Kohlert selbstbewußt. „Wollen's hoffen!“ erwiderte der andere.„Wollen hoffen, daß Ihnen Pfingsten nicht verhagelt!“ „Verhagelt? I wol Wie wir gebaut sind!“ Die Glocken läuteten den Pfingstmorgen ein, und weihevoll durchzogen die hehren Töne die Frühlingsluft. „Wenn nur das Gebimmel aufhörte!“ sagte sich Franz Kohlert, als er den Bahnhof der Provinzialstadt, auf dem er ausgestiegen war, verlassen hatte. Größere Aufmerksamkeit als der prangenden Prühlingspracht— langweilige Kiste, immer wieder dasselbe— widmete der angenehme junge Mann seinem Aeußeren, und der Taschenspiegel hatte den Vorzug, öfter vorgezogen zu werden.„Tadellos!“. Der neue Anzug saß wirklich patent— natürlich besaß der Junge Herr viel zu viel Anhänglichkeit an seinen Schneider, als daß er ihn bezahlt hätte. Auf den Straßen der Stadt herrschte eine festliche Stimmung: über die fröhlichen Menschen, die da Im Freien dahinwanderten, hatte sich der Pfingstzauber ausgebreitet. Dabei dieser herrliche Himmel, der in wohlkenlosem Blau erglänzte, dies Blühen und Duften in den Gärten, auf den grünumlaubten Wegen. „Langweilig, dieser Pfingstrummel!“ sagte sich Herr Kohlert. Er begab sich ins Hotel, aß und trank aufs beste und ging dann aff die Ausführung seines Planes. Elfriedes Vater besaß einen Garten vor der Stadt, und es war sicher, daß die Familie den Nachmittag des Pfingstsonntags dort verleben würde. Und darauf hatte Friedchen ihren Plan gebaut. Franz sollte, wie von ungefähr, aber zu bestimmter Stunde, am Garten vorbeikammen, und sie wollte ihn dann begrüBen und ihn ihren Eltern vorstellen. Die Mutter, die eingeweiht worden war, hatte auch dem Vater bereits Andeutungen gemacht; doch dieser, vorsichtig in der Wahl seines Schwiegersohnes, hatte zunächst nur mit einem kritischen Blick stumm geantwortet. Zur verabredeten Stunde traf er ein. Und da stand schon sie, die ihn erwartete. Sie begrüßten sich; sie lud ihn ein, näherzutreten, und nun ging er an ihrer Seite in die Blütenpracht hinein zum Kaffeetisch vor dem Gartenhause. Sie bogen um die Ecke, und Franz grüßte und versuchte den Bescheidenen zu spielen. Eins stand bei ihm fest: die Eltern mußten gewonnen werden— er mußte daher den kreuzbraven, biederen, soliden, jungen Mann herausbeißen, wenn es auch schwer tiel.„Haben sie mich erst drin in der Familie“, hatte er sich gesagt, „können sie nachher ihren Schaden besehen.“ Gerade stellte Elfriede, die recht verlegen geworden war. ihn den Eltern vor, da— erschrak er und trat einen Schritt zurück. Aber auch Elfriedes Vater sprang auf; sein friedliches Gesicht überzog sich mit der Rôte des Zorns, und er murmelte zwei Worte inhaltsschwer:„Das Bürschchen!“ Man faßte sich, sammelte sich, und es entspann sich ein steifbeiniges, ledernes Gespräch. Und dann war es aus. Als sich Franz nach einer Vierteistunde empfohlen hatte, teilte der Hausvater seine Erfahrung mit. Priedchen weinte sehr, fand sich aber damit ab. Pranz aber schlich zur Bahn und murmelte: in verteufelter Zufall! Der Spießer aus dem Nachtcafé!“ Und„it einem Blick auf den wolkenlosen blauen Himmel fuhr er fort:„Nun hat der Kerl von heute früh doch recht behalten: Verhagelte Pfingsten!“ sagte Tesch. Er war die Oemütlichkeit selber, als er in den Laden eintrat. Hinter dem Ladentisch saß ein tief deprimierter Junger Mann, der die Beamten mit einem hoffnungslosen Blick begrüßte. „Herr Donnermann junior, vermute ich.“ sagte Tesch. err Donnermann ir. verbeugte sich und stammelte etwas von Revolver und tätliche Bedrohung. „Gemach“, sagte Tesch.„Erzählen Sie alles der Reihe nach. Waren Sie allein?“ bsräst.#der, war ich allein, lch war vollkommen unvorwaren Sie, Herr Donnermann?“ wandte sich Tesch an den Vater. der Bank,“ erwiederte dieser.„ich löste einen Scheck ein, den mir gestern ein Kunde gegeben hatte.“ „Wann verließen Sie das Geschäft?“ „Gegen zwölf Uhr.“ „Mein Vater war etwa eine halbe Stunde lang fort,“ erzählte Donnermann weiter.„als ein Herr eintrat, der auf den ersten Blick ein absolut vertrauenswürdigen Eindruck machte. Er wünschte Brillantringe zu sehen, für ein zartes Oeschenk, wie er sagte. ich zeigte ihm zuerst etwas in der Preislage für zwei- bis dreihundert Mark. Aber er lächelte nur geringschätzig. Geld spiele gar keine Rolle, sagte er und wünschte das Beste zu sehen, was gig haben. Da zeixte ich ihm einige von den teuersten Stucken. Der Mann war sehr wählerisch und bald war der ganze Tisch hier mit Etuis bedeckt. Haben Sie sonst noch etwas? fragte er schließlich. Ich verneinte. So, sagte er dann ganz plötzlich mit ziemlich ruhigem von, dann heben Sie mal ganz schnell Ihre beiden Arme in die Höhe und geben keinen Laut von sich, wenn Sie noch mal zu Pus hier heraus gehen wollen. Ich blickte in eine schwarze Revolvermündung und sah ein, daß mir gar nichts anderes übrig blieb, als dem Befehl Folge zu leisten. Der Mann packte nun in aller Seelenruhe den Inhalt von zwei Dutzend Etuis in die Taschen. Dann drängte er mich ins anstoßende Zimmer und schloß hinter mir ab.“ „Kann ich das Zimmer sehen.“ sagte Tesch. Er blickte sich flüchtig darin um, das Zimmer hatte, wie viele Ladenzimmer, keinen Hinterausgang und im Hintergrund ein vergittertes Penster. „Wie sah der Mann aus“, fragte Tesch.„Können Sie ihn genau beschreiben?“ „Ja,“ antwortete erleichtert Donnermann Junior.„Er war hochgewachsen, hatte einen kleinen Schnurrbart, trug eine Hornbrille und hatte vorne zwei Ooldzähne. Er trug einen hellgrauen Sommerüberzieher und einen dunkelblauen Hut mit umgeschlagener Krempe.“ „Dann scheint er den Hut wohl hier vergessen zu haben“, meinte Tesch und deutete auf einen Hut, der auf dem Ladentisch lag. Die Maikcühle Man jubelt bereits, daß die gefürchteten Eisheiligen dies. mal erfreulicherweise ausgeblieben seien. Es ist mögHut und auberdem ut mein zur nenvart. Waurens der auch oust mit diemicher Rezeinisisken ehnstelt, kann . gie eie even norten, dunkelblau sein sol.:1 uch nur ein veniz Versoituns eritten haben. Alto lut es wohl auch hier besser, man lobt den Tag nicht vor dem ist mein Hut schwarz. während de des Täters, wie Sie eben hörten dunkelhlen sein soll „So.“ sagte Tesch.„Ich hätte geschworen, das dieser auch dunkelblau ist. Aber das Licht täuscht wohl. Ja, la ich sehe nun, daß er schwarz ist.“ „Werden Sie mir meine Juwelen wieder zur Stelle schaffen,“ wandte sich Donnermann senior mit tremolierender Stimme an Tesch. Aber Tesch gab darauf nicht gleich eine Antwort. Er war auf einen Wandkalender zugegangen und betrachtete ihn nachdenklich. Dann seutzte er leise vor sich hin und ris einige Blätter ab. Abend oder den Mai nicht vor dem Juni. Aber auch die bekannte Maikühle, die sich nicht auswächst zu einem Kälterückfall, scheint sich diesmal nicht einstellen zu wollen. Die lichten Kleider bilden bereite die Sorgen der Frauen, die lichten Kostüme sind begehrt, und wenn die Schneiderin einmal nicht Wort halten konnte, ist es nicht unmöglich, daß ein paar Zornestränen aus sonst kalender“, wandte er sieh an Vonnermann gerien. Aber schließlich ist das alles kein Problem. Die Schneiderin wird schon liefern, und ein Ausbleiben der Kältewelle ist kein Unglück. Eine Maikühle aber kann Problem sein, eine Maikühle anderer Art, die aber in unserer Zeit nicht ganz fehlt, im Gegentell, fast ziemlich häufig auftritt. Wenn man als einer, der bereits ein Stück ins Leben hineingeschritt enist die Gedanken zurückschickt in eine Zeit, in der man sich zur Jugend rechnen konnte, und Attlllllllllllnltlllllllllllllllllllllllllltlll Pfingsten Pfingstglocken läuten in das Land, Der Jubel hallt durch Wald und Flur, Andächt'gen Blickes lesen wir Im heilgen Buche der Natur. M Pfingstrose mit zn den schönsten Soatrühineg= und Vorsommerbiu. aur.ee.1 utgiehenten Boden, und die virc dam vieder men. Kraftvoll, üppig, wie die Gesundheit selbst, steht sie in den Gärten. Ihre Blüten sind um die Pfingstzeit, da Kalender verzeichnet Pfingsten Kriminalnovelle von Otto Kander. Kommissar Tesch war der ruhigste Mann des Präsidiums. Seine Feinde schimpften ihn einen unverbesserlichen Phlegmatiker. Aber das war natürlich nur Verleumdung. Tatsache ist, daß Tesch vier Stunden lang hintereinander die Daumen drehen konnte; ein Rekord, der noch nicht gebrochen worden ist. Ganz wenige Eingeweihte wußten allerdings, daß das Resultat dieser anstrengenden vierstündigen Arbeit manchmal in einer kleinen, unauffälligen Verhattung bestand, die unmittelbar darauf vorgenommen wurde. Auch an diesem schönen, sonnigen Sonnabend saß Kommissar Tesch in einer Weise vor seinem Schreibtisch, die deutlich bewies, daß er nichts zu tun hatte. Morgen war Pfingstsonntag und es gab wenig Leute im Präsidium, die sich nicht darauf freuten. Als sich gerade auch Tesch darauf zu freuen begann, klingelte plötzlich sein Telefon. „Ueberfall? Vor einer halben Stunde? Wieviel? Für zweihunderttausend Mark? Ja, ich werde selbst kommen. In einer Vierteistunde bin ich dort.—“ „Kommen Sie“, sagte Tesch im Vorzimmer zu einem Beamten.„Man will uns gesegnete Pfingsten wünschen.“ Es war eine mittlere Juwelenfirma in der unteren Priedrichstraße. Donnermann& Sohn. Donnermann senior erwartete die Beamten vor dem Eingang. „Hellen Sie mir.“ lamentierte er in weinerlichem Ton. „Sie müssen mir heifen und die Steine wieder herbeischafien. Ich bin ein ruinierter Mann, wenn Sie mich im Stich lassen... die Rosen noch nicht blühen, ein herrlicher Schmuck. Besonders, wo es in den Gärten auf Fernwirkung ankommt, ist die Pfingstrose an der richtigen Stelle. Wegen ihres gesunden Aussehens und auch wohl, weil sie viel in ländlichen Gärten angepflanzt worden ist, wird die Blume auch die„Blumenbäuerin“, die„Bauernrose“ und die „Bäuerin unter den. Blumen“ genannt. Die Päonie war bereits im alten Griechenland eine bekannte Blume, der man auch große Heilwirkungen zuschrieb. Nach griechischen Ueberlieferungen soll die Blume, ihren Namen erhalten haben nach Päon, einem Sohne Endymions, der Herrscher über die Landschaft Päonien war. Ebenfalls nach griechischen Ueberlieferungen wurde dereinst Pluto, der Gott der Unterwelt, durch die heilenden Wirkungen einer Päonie von schwerem Leiden befreit. Die Pfingstrose blieb dann auch bei anderen Völkern eine Heilpflanze, und sie ist es noch heute. In Deutschland soll sie nach dem Volksglauben besonders gegen die Gicht helten. Daher trägt sie auch noch den Namen Gichtrose. Aus dem Samen der Pflanze stellt man Ketten zusammen, die zahnenden Kindern umgehängt werden. So soll das Zahnen leichter sein. Wie bei den Griechen war die Päonie auch bei den alten Römern eine bekannte Schmuckund Heilpflanze. Aus Wurzeln, Blättern und Samen stellten sich die Römer eine Salbe her, die besonders gegen den Angriff wilder Tiere und gegen Schlangenbiß heifen sollte. Wenn die Pfingstrose Heilung bringen soll, so darf sie jedoch nur während der Nacht ausgegraben werden. Im heutigen Italien, wo im Volke vielfach noch eine große Furcht vor dem„bösen Blick“ besteht, wird der Samen der Pfingstrose auch dagegen angewendet. Wenige Vorsommerblumen dürfte es geben, die in den verschiedensten Ländern Europas eine so weite Verbreitung gefunden haben wie die Pfingstrose. Zu dieser weiten Verbreitung hat auch beigetragen, daß sie so ziemlich auf jedem Boden denkbar ist mit Ausnahme von nassem Boden. Die Pfingstrose verlangt zwar eine gewisse Peuchtigkeit, kann aber keinen nassen Untergrund vertragen. Auf gutem Boden kommt sie zwar besser fort, als auf ganz leichten, doch lassen sich auch auf weniger gutem Boden noch schöne Pflanzen heranziehen, wenn nur genügend frischer Dünger in den Boden gekommen ist und der Boden nicht zu trocken gehalten wird. Beim Einpflanzen der Pfingstrose wird oft der Fehler gemacht, das Wurzelwerk zu tief in die Erde zu bringen. Darunter leidet dann das Wachstum wie das Blühen. Im allgemeinen dart die Wurzelkrone nicht mehr als 5—6 Zentimeter mit Boden bedeckt sein. Nur auf einem sehr leichten Boden kann das Wurzelwerk etwas tiefer stehen. So manche, die die Pfingstrose einpflanzen, sind enttäuscht, weil die Blumen nur spärlich hervorkommen. Dann kann wohl die „Was hat das mit...?“ „Gemach, mein Herr. ich wollte nur sagen, daß mir „ Wandkalender eben verraten hat, wer der Dieb ist. Wenn Sie nichts dagegen haben, wollen wir einen Moment ins Nebenzimmer gehen. So, setzen Sie sich bitte! Haben Sie die Juwelen bei sich? Wollen Sie sie freiwillig wieder herausgeben oder muß ich Sie verhaften? Schweigen Sie und protestieren Sie nicht. Sagen Sie #is., Kahrheitt. Sie wollten einen Versicherungsschwindel „Aber“ warte Nerr Donuermann mit ereilekter Si.u.! Teit in der man diech zu Juend rehuen komte. une zu fragen,„wie wollen Sie mir das nachweisen3ssmue, versucht, Verzleiche zu ziehen, es bleibt nicht aus. das „Durch eine einzige, kleine dumme Lüge, mit der sie man der heutigen Jugend das Prädikat zuerkennt, dem haben. Sie sagten, daß Sie auf der Bank Leben ziemlich kühl gegenüberzustehen. Nicht, als ob sonnabend und jeder bessere Kaulmann gaste Plinrst= die keine Berelzternsslähiskelt hütte, auch nieht, al. ob das heute nur die Wechselschalter geölinet aind und auch He dur beder Gelihisviärme vire, die hut nur andere die nur bis 12 Uhr mittags. Auf Ihren Kalender steht#e#ichungen zu den Dingen des Lebens und zu seinen ProGoseglane schet abernisien..d die baden in sa gehon diemen. Ait einer Sachliehtelt, die krühere Jurend nieht berangen haten und venn ihr Sohn nleht auf den erten der die Diure, die un. d. beru. Blick im Halbdunkel dieses Ladens einen dunkelblauen( tveten- und man könnte zuweilen der Meinung sein, als ob Hut von einem schwarzen unterschieden hätte dann hat Sie Jenseits lener Irrungen stände, denen eine frühere ten Sie Plingsten wo unders verlebt.“ Generation unterworfen war, weil sie die Welt sah, wie sie sie sehen wollte. Natürlich ist auch das ein Trugschluß. Sie hat ihre Schäume und Träume wie je eine Jugend, nur die Probleme sind anders geworden, die an sie herantreten, und diese neuen Forderungen zwingen sie auch zur Lösung in anderer Form. Eine gewisse Sorglosigkeit war der früheren lugend gegeben. Sie hatte nicht nötig sich schon fréh mit tiefernsten Pragen herumzuschlagen, sondern konnte ihre Jugendtage mehr oder minder als ein Geschenk empfinden, als ein Gefäß, in das sie nach Belieben Inhalt gießen konnte. Die späteren Tage erst stellten die wirklich ernsten Probleme vor sie hin. Das ist heute anders. Noch während der Schulzeit drängen sich mancherlei ernste Gegenwartstragen an die Jugend heran, dié ihre Entscheidung in dem einen oder im andern Sinne fordern. Elternhaus und Schule und auch andere Faktoren wirken dahin, der Jugend mehr als früher eigene Entscheidung und eigene Verantwortung aufzubürden. Und das ist gewiß gut so. Daß sich daraus in natürlichster Weise eine kühle Beurteilung der Dinge ergibt, ist selbstverständlich, kann gar nicht anders sein. Die harte Zeit, in der wir leben, rechtfertigt das auch, und im Grunde ist es keine Ausnahme besonderer Art. Auch frühere Zeiten, die eine berte Sehnle für de. Volk warer Blauvellchen, Anemonen blühn. Im Festkleid prangen Baum und Strauch, Der Birken zärtlich junges Grün Ziert Haus und Tier nach altem Brauch Auf Schritt und Tritt begegnen wir Dem Walten Gottes— weit und breit, Der Sonne gold'ne Strahlenpracht Beglänzt des Pfingstfest’s Herrlichkeit. Otto Köppe. n, und sie wird dann wieder „sxerisen. Dem ist entgegen zu halten, daß die Pllanze“ u ur auns haurte Schule für dus Volk waren. b schönsten, Blten nicht sleich im ersten Jahre her- haben Ahnliche Einlise ausselbt, uund der Jnrend von Die Lase füir den Anbeu der Pingstrose kann sonnie oder aber kam a. a. t eder gendtrt, vor alen auch zeitweise beschattet sein. Sehr gut ist es, wenn über kam es gem Volke zugute, das aus der rechten die Blüten sogleich nach dem Verblühen abgeschnitten wer- Mischung von Begeisterung und kühler Sachlichkeit die den. Auch müssen gelb gewordene Blätter stets entfernt Kräfte gewann, um eine neue, eine bessere Welt zu forwergen. In der rarve der Diuten ist schon die gronte men. Daß es in unserer Zeit anders sein sollte, ist nicht er Farbe der Blüten ist schon die vrößte Mannigfaltigkeit erreicht, so daß jeder seine Lieblingsfarbe auswählen kann. Man kennt die Pfingstrose mit in rosa und gelb hervorbringen, manche haben Blüten, in rosa und gelb hervorzubringen, manche haben Blüten, die wie feines Elfenbein aussehen. Noch mehr Farbenabtönungen ließen sich anführen. Auch in den Formen zeigen sich mancherlei Abweichungen. Dr. M. recht einzusehen. Allerdings— ob diese Jugend, die sich mit Maikühle vergleichen läßt, eine bessere, glücklichere Jugend hat als die frühere, das ist die eine Frage. Und ob sich nicht unter den Einflüssen der Gegenwart eine blasierte Jugend entwickelt, das ist die andere. Silluige Phngsieh Eigentlich brauchen wir mit den uns zugemessenen zwei Pfingstfeiertagen gar nicht zufrieden zu sein, denn ursprünglich war„Pfingsten“ der ganze Zeitraum von Ostern bis zum fünfzigsten Tage danach. In der alten Kirche waren diese füntzig Tage ein Freudenfest, an dem weder gefastet noch kniend gebetet wurde. Im Mittelalter begann die frohe Pfingstzeit meist am 30. April, und Feuer flammten auf allen Höhen. Diese Höhenfeuer leiteten das große Frühlingsfest ein, sie taten allen kund, daß das Fest nahe sei und lockten Jung und Alt herbei. Die Chronisten der damaligen Zeit klagen aber sehr über das freie Leben der Jugend in den Pfingstnächten, wo sie in den Straßen lärmten und allen möglichen Untug trieben. Von den Regierungen der verschiedenen Länder wurde eine Verfügung nach det anderen gegen diese Ausschweifungen erlassen, und die Geistlichen hatten aufzupassen, daß die Verordnungen auch richtig innegehalten wurden. Aber das Ergebnis dieser geistlichen Aufsicht war meist, daß die Dortpfarrer von den ausgelassenen Burschen verprügelt wurden, la im Jahre 1570 ist es sogar vorgekommen, daß ein Geistlicher totgeschlagen wurde, der das nächtliche Umherstreifen und Trinken zur Pfingstzeit verboten hatte.— Um einen anderen Pfarrer zu ärgern, hatte die Gemeinde beschlossen, den Maibaum gerade vor seinen Penstern aufzupflanzen. Darauf drohte dieser von der Kanzel allen denen, die sich an den Ausschweifungen der Nacht beteiligt hatten, mit dem Kirchenbann. Da ging ein Bauer, dessen beide Söhne dabei gewesen waren, mit einer Axt nach dem Eine kulturhistorische Betrachtung. Pfarrhause und forderte den Pfarrer heraus, mit ihm zu kämpfen. In der Stadt Schleswig wurde Im Jahre 1560 der grüne Mai von 230 Personen eingeführt, von denen 31 Rüstungen trugen, 52 mit Schrotflinten. und 85 mit Hellebarden. Speeren und dergleichen ausgerüstet waren. In Danzig stellten sich zum Maifest 1552 234 Ritter in vollem Harnisch und Rüstung ein, dazu 460 Mann in Harnisch und mit langen Speeren, und 480 Mann mit Hellebarden und Schwertern, die übrigen mit Flinten. Sie hatten vier Pahnen mit, Pfeiten und Trommeln, und waren im ganzen 1344 Mann. Und wenn diese Schar glücklich so und so viele Tonnen Bier geleert hatte, begann das Blut zu fließen. Heute haben wir es mit friedlicheren Pfingsten zu tun, glücklicherweise. Mag es auch hier und da in einem Wirtshaus zu einer Rauferei kommen,— im ganzen sind unsere Zeitgenossen doch darauf gestimmt, die schönen Feiertage erholsam in der mailichen Natur zu verbringen. die Ihr Bestes tut, sich festlich zu schmücken. Kastanien. Flieder, Goldregen strotzen in Fülle und Pracht, sie, die Weggenossen des Pfingstfestes, wie wir Heutigen es uns denken. Im Walde ruft der Kuckuck, in den Anlagen und Gärten schlägt und schluchzt die Nachtigall, blau lacht der Himmel und eine goldene Sonne will uns glauben machen, das Leben könnte ewig in lachender Sorglosigkeit verfließen. Wir werden herausgehoben aus dem Alltag. etwas von dem echten Pfingstgeist überkommt uns, und wir fühlen in allen Zellen die frohe Botschaft. Pfingsten, das liebliche Fest ist gekommen! T. M. - Ailkrorimareniv der deutschsprachigen Presse e.V. — A FT Pfingst-Beilage der Wanne-Eickeler Zeitungs## . und allen recht viel Pfingstfreude! Der Pfingstfreier Pfingsten, vormittags elf Uhr, Da besucht der Herr Purr, Mit erwartungsvoller Miene Seinen Schwarm, die Quakeline. Redet erst vom schönen Wetter. Von der Bekömmlichkeit der Blätter, Und wie gestern abend wieder Sie gesungen jene Lieder, Die zu Tränen ihn gerührt. Dies alles hat dazu geführt, Daß er nach einer Frau sich sehnt Und ohne sie nicht leben könnt“. Nachdem er dies hat vorgebracht, Hat Quakeline laut gelacht. Das hat Herr Purrens Herz zerrissen. Warum sie lachte, wollt“ er wissen. Da entgegnete die Holde: Es könnte kommen, wer da wollte, Sie wär“ ein Mädchen, das modern, Und sie verachte jeden Herrn, Der um ihre Hand anhält, Denn alle wollten nur ihr Geld.— Entschwand darauf mit einem Satz. Den Freier aber fraß ein Spatz. WIII. Maiers wandern zu Pfingsten Humoristische Skizze von Ernst Rader. „Zu Pfingsten“, sagte mein Freund Maier,„muß der ##usch hinaus in die Freiheit der Natur. Schon Schiller ###t:„Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen...“ „Goethe!“ wart ich ein. *„Du weißt natürlich wieder alles besser. Goethe— Lachen! Aber das ist gleichgültig. Du hast doch einen Wagen noch?“ Ich konnte es nicht leugnen. „Schön. Wir fahren also Samstag nachmittags drei Uhr spr. Nach Niedergroßholzhausen sind es zweihunderta#btzig Kilometer— die wird deine Karre doch bis zum Bend bewältigen?, ###ch glaube wohl. Aber was willst du in Niedergroß###zhausen?“ „Das wirst du schon sehen!“ ###ch fuhr also am Samstagnachmittag fünf Minuten vor Rei bei Maier vor. Um halbfünf waren verstaut: Maier. Line Frau, seine beiden Jungen. Seine beiden Dackel, der Kanarienvogel. Fünf Rucksäcke. Und ein großer Ballen #itleinen. Es war schwer, das alles in einem Viersitzer Gterzubringen, aber es ging. Maier prüte kritisch die Reifen, fragte nach Benzin, meinte, ich hätte den Wagen such mal frisch lackieren lassen können, und dann kuhren Dir 1os. Der Motor ächzte, die Dackel kläften, die Jungen, die natürlich neben mir saßen, brüllten vor Vergnügen — es war sehr nett, besonders als wir erst einmal die Stadt hinter uns hatten und die Leute nicht mehr lachend auf uns zeigten. Das Wetter war zweifelhaft und ein wenig kühl. Maier meinte, ich müßte mir unbedingt eine Limousine anschaffen, denn seine Frau friere. Ich entnahm daraus, daß Maier ein besorgter Gatte ist. In Pfungstadt hatten wir die erste Panne: der linke Hinterreiten war platt. Maier war etwas ungehalten und meinte, wenn man schon seine Freunde zu einem Pfingstausllug einladet, sollte man sich besser vorschen. Ich brachte den Ersatzreifen an, dann ging es weiter. Nach künf Minuten merkte Maier, das„Lumpf“ fehlte. Das Hundevieh hatte sich selbständig gemacht, also zurück. um„Lumpi“ zu suchen. In einem Kleefeld hörten wir ihn kläffen. Nach einer Stunde war er eingefangen und der Flurschütze hatte meinen, Namen notiert. Wegen Betretens des Kleefeldes. ich hätte mehr acht geben sollen, meinte Maier. Es ging schon gegen Abend und ich gab ordentlich Gas. In Obernburg kollidierten wir mit einem Mistfuhrwerk, wobei der linke Kotflügel das Zeitliche segnete und der Fuhrmann lästerlich schimpfte. in Niederbornheim überfuhr ich eine Henne und wurde wegen Schnellfahrens aufgeschrieben. Geschähe mir recht. meinte Maier; das Tempo, das ich fahre, sei schon der reige Mord. Drei Kilometer vor Mönchsweiler blieb der Wagen stehen. Der Benzintank war leer. Wie sich hergusstellte, hatte er ein Leck. Als ich zurückkam, war Es Nacht und es regnete leise. Und Maier Hluchte. Nie mehr werde er sich verleiten lassen! Aber es ging wieder weiter, in die Nacht hinein. Hinter Bruckstadt, sagte Maier, sweist die Straße nach Niedergroßholzhausen ab. Sie tut es auch, aber es war keine Straße, sondern ein Feldweg. Niedergroßholzhausen fand ich nicht. so schr ich augh suchte „Schön!“ sagte Maier.„Biwakieren wir Im Freien. Dazu habe ich das Zeitleinen mitgebracht!“ Wir hielten in einem Tal, und Maiers bauten ein Zelt. Ich hatte leider keinen Platz in dieser etwas engen Behausung, aber da ich einigermaßen müde war, legte ich mich unter einen Strauch und schließ. Am Morgen weckte mich ein mörderisches Geschrei. Ich sah gerade noch, wie Maiers Jungen in dem Wagen die Böschung hinunterfuhren in den Bach. Im Wasser blieb die Karre stehen. Sie hatten olfenbar Auto gespielt und die Bremsen geöfinet. Es geschah ihnen nichts: sie wurden nur ein wenig naß. Maier war aus seinem Zelt gekrochen und schimpfte furchtbar auf mich. Es sei ein verbrecherischer Leichtsinn, den Wagen unbeaufsichtig stehen zu lassen.— Aber das habe man, wenn man sich von einem ldioten überreden lasse usw. Der ldiot war ich. Er schien furchtbar in seinem Zorn. Ich schlich mich tiefer in das Gehölz, fand einen Weg, kam nach Niedergroßholzhausen und fuhr mit der Eisenbahn nach Hause Was Maiers tun, weiß ich nicht. Es interessiert mich auzenblicklich nicht weiter. Max Maier den Wagen aus dem Bach herausziehen lassen, mag er mit ihm hinkutschieren, wo er will. Am nächsten ersten ist ein Wechsel fällig.— mag Maier ihn einlösen. Ich habe mich in meiner Wohnung eingeschlossen und verbringe das Fest in stiller Beschaulichkeit. Gerichtsvollziehern und Maier ist der Zutritt verboten. Uebermorgen trete ich eine Fahrt nach der Südsee an. Auf den Inseln gibt es noch keine Autos und keinen Maier mit Frau, Jungen, Dackeln und Kanarienvogel. Der Pfingstbesuch Humoreske von Ludwig Waldau. „Nein!“ trompetete Gotthold Knesebeck elefantisch.„Wir fahren auf alle Fälle! Oder glaubst du, ich stecke den Osterbesuch, den uns Klapproths liebenswürdigerweise abzustatten beliebten, stillschweigend ein?— Wo sie uns von unserem zarten Osterlämmchen kaum noch die Knochen zum Abknaupeln übriggelassen haben?— Und hast du deinen selbstgebackenen Kuchen schon wieder vergessen, von dem wir selbst nur die Ränder scheu knappern durften, während Klapproths wie die Scheunendrescher futterten?— Und die vielen Zigarren? Der Wein?— Oh, ich werde mich fürchterlich revanchieren! Und du mit, Klothildchen! Ich verlange das!— Wie die Heuschrecken werden wir zu Pfingsten über sie herfallen, über diese Klapproths!— Rache! Rache!!“— Klothilde Knesebeck blickte ganz verdattert auf ihren Gatten, der aufgeregt seine zweizentrige Mopsfigur durch das Zimmer wälzte. „Aber eine Karte möchten wir Klapproths doch vorher schreiben, damit sie sich drauf einrichten können“, schlug sie schüchtern vor.„Selbstredend!“ stimmte der Mops bei.„Die Herrschaften sollen sehen, daß wir Bildung haben! Ich schreib“ die Karte gleich und nehm sie dann mit in den Kasten, wenn ich in die Stadt geh’.“ Das war am Montag gewesen. Der Pfingstsonnabendnachmittag sah das Ehepaar Knesebeck zum Bahnhof keuchen, im Zuge schwitzen, in Quetschdorf erschöpft wieder frausklettern, erheblich die Köpfe schütteln, daß nicht eins von Klapproths auf dem Bahnhof war, und dann im scheidenden Sonnenstrahl mühsam die staubige Landstraße langkollern, die nach dem Scheibenberge führte, an dessen Hängen das Landhaus„Juhu“ liegen sollte— Klapproths Sommersitz.„Donnerkiel!“ frohlockte Gotthold Knesebeck, als nach zweistündigem Tippeln endlich auf halber Bergeshöhe das Ziel hinter aufragenden Fichten sichtbar wurde.„Hab“ ich einen herrlichen Hunger! Klapproths, sattelt euch!“ Sein Eheweib aber seutzte; sie konnte bald nicht mehr, denn ihr Ootthold hatte auch die geringste Verproviantierung vor der Abreise unerbittlich untersagt.„Wie Wölle müssen wir ankommen, die vierzehn Tage lang keinen warmen Löffelstiel im Leibe gehabt haben!“ war seine Devise gewesen, und seine Schweinsäuslein hatten dabei erschrecklich wildkannibalisch gefunkelt. Und dann saßen Knesebecks nach weiteren drei Viertelstunden zermürbendster Kletterei durch finstersten Forst wie erschlagen am Waldessaum und sammelten Krätte. Hundert Schritt vor ihnen, auf dürtiger Bergwiese, das Landhaus„Juhu“. Komisch: nichts rührte sich dort— kein Mensch zu schen!—„Nich mal ine Fahne hamm se rausgesteckt!“ mäkelte Frau Knesebeck matt.„Laß nur“, winkte der Gatte ab,„ich zahle es ihnen schon heim!“ und knurrte drohend mit dem völlig leeren Magen. Und dann kommandierte er mit letzter Kraft:„Los! Ich hab“ Hunger!“ Zwei Oelgötzen konnten, kaum blöder glotzen als das Ehepaar Knesebeck, als es vor der— fest verschlossenen Gartentür des Landhauses stand und sich auf das scheppernde Klingeln nichts, aber auch gar nichts und niemand rührte! Doch dafür drohten überall am Zaun sehr leserliche Warnungstafeln:„Achtung! Selbstschüsse!“—„Vorsicht! Fußangeln!“—„Flatterminen! Lebensgefahr!“— Außerdem der ganze Zaun ein Drahtverhau und dahinter undurchdringliches Dornengeheck!—„Nette Leute, die Klapproths! Wirklich liebe Menschen!“— Vernichtet lehnten sich Knesebecks an die verschlossene Pforte. In tiefer Nacht las dann ein mitleidiges Auto auf der Landstraße unten im Tal ein halbverhungertes Ehepaar auf und brachte es nach Quetschdorf. Dort aber, in der Bahnhofswirtschaft, fiel beim Bezahlen der Riesenzeche, die die Leutchen— heisgierig— gemacht hatten, dem Ehemann eine— Postkarte aus der Brieftasche; die Marke noch unentwertet, der Text folgendermaßen:„Herrn Fritz Klapproth und Frau, Landhaus Juhu am Scheibenberg bei Quetschdorf. Liebe Leute. Wir landen Pfingstsonnabend 6 Uhr fünfzehn in Quetschdorf, um Euch zu besuchen. Auf frohes Wiederschenl Eure Knesebecks.“— Es war die Karte, die Gotthold Kuesebeck am Montag vor Pfingsten natürlich— vergessen hatte, dem Briefkasten einzuverleiben! Und ehe er die Karte erschrocken aufraffen und verschwinden lassen konnte, war sie schon in der Hand seiner„besseren“ Hälfte. Was die ihm nach der Lektüre der Karte„erzählt“ hat, sei hier diskret verschwiegen. Jedenfalls: auf Plingstbesuch sind Knesebecks nie wieder gefahren. Fröhliche Pfingsten Heitere Skizze von Hermann Ler. Meine Frau und ich saßen nach dem Abendessen plaudeuernd zusammen und besprachen unter anderem unsere Pfingstreise. Unvermittelt erklärte mir meine Gattin, es müßte noch Hausputz gehalten werden, denn es seien nur noch einige Tage bis zum Fest. „Aber wir sind doch kaum etwas mehr als ein halbes Jahr verheiratet, Schatz, und unsere Möbel, Teppiche und sei weiter sind doch ganz neu und sauber!“, wagte ich ihr entgegenzuhalten. Mitleidig sah sie mich an und erklärte: „Davon verstehst du nichts. Du machst dir gar keinen Begriff, was für eine Unmenge Staub sich in einem halben Jahre auf und in die Möbel und Dekorationsstücke setzt. Wenn du sagst, die Sachen sind noch neu und sauber, so sage ich dir, sie müssen rein sein, Altred.“ Als ich am anderen Morgen zum Büro ging, begegnete mir im Vorgarten eine große, stämmige Frau, die mich, freundlich lächeind, grüßte. Es war die Putzfrau, die meine Frau zu Annas Unterstützung angenommen hatte. Mittags standen auf dem Korridor im Durcheinander Möbelstücke— eine Dunstwolke von Seifenlauge lagerte über ihnen. Mir wurde ganz übel. Aus meinem Zimmer drang Poltern; man schien auch dort Möbel zu rücken. Frauchen erschien in der Tür. Ihren Bubikopf bedeckte eine Art Turban, das sonst blasse Gesichtchen war krebsrot von den Anstrengungen des Hausputzes. „Kommst du schon zum Essen?“ „Schon? Es ist doch gleich halb zwei Uhr.“ „Nicht möglich! Du mußt heute mit Aufschnitt und Brot vorliebnehmen. Man hat wirklich keine Zeit zum Kochen!“ Wortlos verschwand ich in die Küche, in der die Seifenlauge zurechtgemacht wurde; man konnte kaum atmen. Still und ergeben würgte ich zwei Schnitten Brot hinunter, suchte mir etwas Kaffee dazu, der nach Seite schmeckte; es war vielleicht auch Persil... Ich vermochte den Geschmack der einzelnen Reinigungsmittel noch nicht zu unterscheiden. „Du kannst heute abend eine Stunde später kommen, dann ist dein Zimmer wieder in Ordnung“, rief meine Liebe mir nach, als ich wieder zum Büro ging, eine gute halbe Stunde früher als sonst. Abends kam ich eine gute Stunde später als sonst nach Hause. Wieder mußte ich in der Küche Butterbrote essen, diesmal ohne Katiee— er war alle geworden. „Wir hängen eben die Bilder noch auf in deinem Zimmer, dann sind wir fertig.“ Mit diesen Worten begrüßte mich meine Frau. Es war acht Uhr, bis neun Uhr dauerte das Bilderaufhängen, dann kam meine Frau ins Eßzimmer. sank auf das Sofa und seutzte:„Endlichl, lch bin recht müde geworden und gehe gleich zu Bett.“ Am anderen Morgen besah ich mein Zimmer. Ein Klubsessel hatte eine klaffende Wunde im Leder davongetragen, die Lampe hing schief und der eingerahmte Goethe sah etwas verzogen aus; auch waren ihm Glassplitter ins Gesicht gedrungen. Im übrigen roch es stark nach Seite und Bohnerwachs. Mir lief ein Frösteln über den Rücken, und ich eilte ins Büro. Mittags bekam ich kein Mittagessen. Das. Ebzimmer wurde„rein“ gemacht. Ich warf schnell einen Blick hinein, um mich, schaudernd abzuwenden. Das Wasser stand fünf Zentimeter hoch auf dem Boden, und die Lampe: wurde gerade abgenommen... Abends kam ich zwei Stunden später nach Hause, aber wieder zu früh.„Du könntest noch hellen die Glühbirnen reinigen“, bat meine Frau, und ich suchte nach einem Tuch.„O nein, Lieber, die müssen mit Seifenwasser abgewaschen werden“, sagte sie und steckte die acht Birnen in eine Schüssel mit Lauge. Als ich Bedenken äußerte, erklärte sie, das schade den Birnen nichts, sie müßte das doch wissen. Nach beendeter Arbeit schlängelte ich mich nach meinem Zimmer, um das Licht zu probieren: er brannte natürlich nicht. Am dritten Tage aß ich mittags im Hotel, denn das Schlafzimmer war an der Reihe, gereinigt zu werden. Wir schliefen nachts auf dem Sofa und der Chaiselongue. Matratzen und Federbetten lagen auf dem Balkon.„Es gibt keinen Regen“, saxte meine Frau. Es regnete aber doch, wie wir am anderen Morgen leider feststellen mußten. Am letzten Hausputztage kam die Küche an die Reihe. Abends hörte ich, daß das Kaffee- und Esservice um ein paar Teile ärmer geworden seien. Die Teckanne, die sonst vier Tassen um sich hatte, stand jetzt einsam und verlassen da. Auch Wein- und Biergläser waren in Scherben gegangen... Als der Hausputz beendet war, stand Pfingsten vor der Tür. Er dauerte doch länger, als meine liebe Frau aunahm. Der Fußboden hatte sich etwas geworfen, er bildete Hügel und Täler.„Das macht sich wieder“, sagte mein Frauchen,„dafür ist es aber auch rein.“ Nach dem Fest kam der Anstreicher, der die weißlackierten Türen, die durch den Todleind Soda Glanz und Weisheit verloren hatten, wieder neu anstrich und neu lackierte. Die Clühbirnen sind auch erneuert worden; sie sollen beim nächsten Hausputz trocken gereinigt werden, sagte Frauchen... Als die Pfingstglocken läuteten und wir mit dem Rheindampfer rheinaufwärts fuhren, erinnerte mich nur der aufdringliche Seitengeruch, der unseren Kleidern entströmte und der trotz Kölnischem Wasser und anderer Essenzen sich kaum abschwächen ließ, an den vertlossenen Pfingsthausputz 2 S S 8 5 5 — „Das ist der Mann,“ sagte er.„Er will mir weismachen, die Summe sei sein Eigentum, und er habe sie als Kaufpreis für ein in der Lotterie gewonnenes Auto erhalten.“ Einer der Herren, die sich als Polizisten Jegitimierten— forderte meine Papiere, die er aufmerksam prüfte, und ich machte mich schon darauf gefaßt, zum vierten Male den Marsch nach dem Polizeigebäude anzutreten, als er zu meinem freudigen Erstaunen äuherte:„'s ist alles in Ordnung, Herr Senf. Der arme Teufel ist bereits dreimal unschuldig wegen derselben Angelegenheit verhaftet worden, wir haben telephonisch in Leipzig und Chemnitz angefragt. Ich wollte mich nur überzeugen, ob's auch der Richtige ist. Also nehmen Sie ihm nur immer sein Geld ab, sonst ommt er aus dem Gefängnis nicht mehr heraus. Ich atmete auf, als ich endlich den Depotschein in der Hand hielt. Denn ich hatte die Wahrheit erkannt und an mir erfahren: Wem Gott ein Auto gibt, dem muß er auch einen anständigen Rock dazu geben, sonst ist's ein heimtückisches Geschenk, das seinem Besitzer nur Not und Gefahr bringt. Ich wenigstens denke nur mit Entsetzen an meinen großen Lotteriegewinn, der die Ursache ward der drei schrecklichsten Tage meines Lebens!“ Togagsgeöbtge. Wir Menschen beklagen uns oft, daß der guten Tage so wenig sind und der schlimmen so viel, und, wie mir dünkt, meist mit Unrecht. Wenn wir immer ein offenes Herz häten, das Gute zu genießen, das uns Gott für jeden Tag bereitet, wir würden alsdann auch Kraft genug haben, das Uebel zu ertragen. 9—„„ Goethe. e#t. Wer genau wissen will, was er selber wert t, braucht nur zu beobachten, was er denkt und it. wenn er mit sich allein ist. Schenthan. * Hast einen dummen Streich du gemacht, so reiche dir's nicht zu Leide. Sei nur der erste, darüber lacht, und mache, dann zwei geeite. W. Hamm. * Eilig schwindet die Zeit, unmerklich beleicht uns das Alter, und die Tage enteln, da sie ein Zügel nicht hemmt. Ovid. II Viel besser ist's fürwahr, auf gut Glück gehn, als bis zum Untergang der Sonne am Scheideweg steh'n. Rückert. * Ein Mensch, der behauptet, er wechsele nie eine Meinung, ist ein Mensch, der sich vorgendommen hat, immer geradeaus zu laufen; ein Tropf. der an die eigene Unfehlbarkeit glaubt. „ Balzac. 1 Nie Meister will ich sein, mit Lernen ferAg: nein. Schüler stets, noch höh'ren Lichts gewärtig. Gerok. * Gemeinsames Lachen erzeugt Sympathie. Das Lachen ist der flinkste Brückenbauer. Die Schrankwand in der Küche. Es sieht ja ohne Zweifel sehr nett aus, wenn in der Küche alle die hübschen Töp chen der Reihe nach auf dem Spinde stehen, wenn die Geräte am Küchenrahmen hängen, oben und seitlich Büchsen und Flaschen, darunter Schubkästen, Behälter für Mehl und Salz, Nudelvollen, Wiegebretter, Küchenwerkzeuge aller Art und vieles andere noch. Aber die Hand aufs Herz, meine Damen— hat die ganze Herrlichkeit nicht ihre zwei Seiten? Macht das ständige Reinigen so vieler Dinge, die noch dazu nicht alltäglich allsamt gebraucht werden und eben zumeist nur wahrhaftige Staubsauger sind, Ihnen oder Ihrem Mädchen nicht eine ganz unendliche Arbeit? Mindestens alle Sonnavend muß gereinigt werden; von der Tafelwaage bis zum Korkzieher, jeder Gegenstand wird heruntergenommen, abgewischt und abgewaschen, nun, Sie kennen ja wohl auch derartige, zeitraubende, umständliche Arbeit, ganz genau. Und wie manches wird gerade hierbei zerbrochen. Muß das alles sein?— Wie soll mans aber ändern! O, sehr einfach: hat man für das Geschirr, Schüsseln, Teller, Tassen, Gläser usw. die schönen Küchenschränke, für die Speisen die schönen Speiseschränke(falls keine Speisekammer vorhanden), für die Eimer und Besen wieder andere Schränke, warum sollte man der Ordnung und Reinlichkeit wegen sich nicht auch einen Küchengeräteschrank anschaffen, einen flachen Wandschrank, in dem alle die Krüglein und Töpflein stehen, die kleinen und großen Kochtöpfe, die Büchsen, Quirle, Löffel, Messer, Flaschen, Nudelvollen, Wiegebretter, Gewürztonnen, Kaffeemühlen, Blechsachen und so vieles andere, gut verschlossen, gesichert vor Fliegenschmutz und Bratendampf und Staub und Schmutz? Und würde, wenn auch alle die Kleinigkeiten unter Dach und Fach stehen, die ganze Küche etwas in ihrem Aussehen verlieren? Würde sie nicht vielmehr, besonders wenn einfache aber lange Gardinen, nicht bloß Lambrequins am Fenster hängen und wenn die Tische sauber mit einer Wachstuchdecke bedeckt sind, den Eindruck eines anheimelnden Stübchens machen, anstatt einer Stätte der Mühe und Arbeit? In vielen Wirtschaftsmagazinen bekommt man solche„Schrankwände“ in jeder Größe zu kaufen, oder kann sie sich billig vom Tischler machen lassen, sie sind etwas Treffliches, Empfehlenswertes in jeder Beziehung, und darum sollte jede Hausfrau, vor allem jede Braut sich die Vorteile eines solchen Schrankes zunutze machen. Erziehungshilfen. Wenn auch die Mutter, und zwar in jedem Stande, die beste Erzieherin ihrer Kinder sein und bleiben wird, so gibt es doch in vielen Fällen berechtigte Gründe, die es rätlich erscheinen lassen, eine fremde Persönlichkeit besonders zur Pflege und Beschäftigung der Kinder anzustellen. Die Nachfrage nach gut geschulten Kräften, namentlich nach Kindergärtnerinnen, ist in den letzten Jahren bedeutend gestiegen: man hat eben mehr und mehr erkannt, daß man als Mutter vielfach selbst nicht die richtige, systematische Erziehungskunst versteht, andererseits hat man die Nachteile mit sogen. Kindermädchen, die meist selbst noch Kinder waren und kaum erst aus der Schule kamen, eingesehen. Wie überall ist aber besonders für die Kinder das Beste nicht zu teuer. Leider sind eine Menge Privat=Institute entstanden, welche„Kindergärtnerinnen“ ausbilden, oft schon in wenigen Monaten; diese jungen Mädchen haben dann kaum eine rechte Idee von den Aufgaben, die ihrer harren, und von den Ansprüchen, die man an sie zu stellen sich berechtigt fühlt. Der„Deutsche Fröbel=Verband“, dem alle vollwertigen Kindergärtnerinnen=Seminare angehören, sah sich kürzlich genötigt, zur Aufklärung des Publikums darauf hinzuweisen, daß ein gewichtiger Unterschied gemacht werden müsse zwischen den wirklichen Erzieherinnen, die sich ein bis zwei Jahre lang in ernster Arbeit für eine vernunftgemäße, zweckvolle und verständnisvolle Ausübung ihres Berufes vorbereiteten, und jenen, die sich nur Kindergärtnerinn nennen, ohne jemals genügend Zeit gehabt zu haben, in die Tiefen der Fröbe'schen Erziehungsideen und in das Wesen der seelischen und körperlichen Bedürfnisse und Zustände von Kindern einzudringen. Man nehme also lieber eine Kindergärtnerin 1. Klasse, wie sie sich nennen, und scheue die geringen Mehrausgaben nicht. Dennoch mag auch eine Kindergärtnerin 2. Klasse oft genügen, es kommt hier viel auf die Verhältnisse an und auf die Persönlichkeit des jungen Mädchens selbst, jedenfalls sollte man vor einem Engagement sich genau über den Bildungsgang der Reflektantin orientieren und alle Dienste mit ihr besprechen, die sie zu verrichten hat. Es stände bei vielen besser, wenn man beizeiten die Ausgaben für eine wirklich gediegene Erziehung der Kinder in ihren jungen Jahren nicht scheuen würde. Ein richtig von klein auf erzogener Mensch wird sich und den Eltern kaum Kümmernisse verursachen, er ist eben für Lust und Leid des Lebens erzogen, er kennt die Arbeit und die Freude am Erfolg, er ist an Ordnung und Selbstzucht gewöhnt und deshalb kommt er auch sicher vorwärts Winke. Angeziefer an Zimmerpflanzen. Bei Uebergang von kühler zu warmer Luft stellt sich oft Ungeziefer ein. Blatt= und Schildläuse müssen gleich bei ihrem Auftreten unterdrückt werden. Die Blattläuse streicht man am besten mit einem tvockenen Pinsel in eine untergestellte Schüssel mit Wasser und vernichtet sie, die Schildiause entfernt man mit einem spitzen Hölzchen und wäscht darauf die Stelle mit einem Schwamm, welcher in einer Abkochung von 10 Gramm Quassia mit 50 Gramm schwarzer Seife in einem Liter Wasser getaucht und etwas ausgedrückt wird. Härtere Pflanzenteile, wie lederartige Blätter und die Stamm= und Stengelteile werden dadurch von etwa anhaftenden Schildläusern befreit, daß man sie mit einerin die erwähnte Mischung getauchten alten Zahnbürste vorsichtig abwäscht. Verwendet man überhaupt die größte Sorgfalt auf die Reinhaltung der Pflanzen und schützt man sie gegen trockene Luft, so werden von vornherein dem Ungeziefer die Lebensbedingungen abgeschnitten und ihrer Verbreitung entgegengearbeitet. Allerlei. Allerlei vom Winde. Die letzte Zeit hat uns so viel windiges, ja stürmisches Wetter gebracht, daß man glaubt, schon wieder im Herbst zu leben. Es ist nicht uninteressant, zu erfahren, daß nach den Feststellungen der Deutschen Motorluftstudiengesellschaft in Deutschland mehrere„Windgebiete“ vorhanden sind, ja man kann sogar von besonderen Windwegen sprechen. Am wenigsten Winde, resp. die schwächsten Winde gibt es in den Provinzen Hannover und Sachsen sowie in der Ebene zwischen den Vogesen und dem Schwarzwalde. Hiernach kommt die Provinz Schlesien sowie ganz Süd= und Südwestdeutschland. Sehr windstarke Gebiete sind sodann Rheinland, Westfalen, noch mehr Mecklenburg und die Provinz Posen. Die stärksten Winde wehen aber an den Küsten und ganz besonders an der Danziger Bucht. Diese Feststellungen beruhen auf Beobachtungen durch 49 Stationen während eines Zeitraumes von 20—30 Jahren. Die Winde entstehen bekanntlich durch die Verschiedenheit der Wärmeverteilung der Erdoberfläche. Die Atmosphäre kommt dadurch in Zirkulation und bildet zufolge von Störungen der mannigfachsten Art die Winde. Eigentümlich ist es nun, daß in etwa 500 bis 1500 Meter Höhe die Windgeschwindigkeit im allgemeinen doppelt so groß ist als in der untersten Luftschicht, und in 3000 Meter Höhe fast regelmäßig Sturmesstärke erreicht. Deshalb sieht man auch so oft die Wolkenschichten mit größter Schnelligkeit sich fortbewegen oder zerstreuen. Eigentümlich ist auch, daß in großen Höhen, schon von 2000 Meter an, niemals Ostwinde herrschen. Allerlei Weisheit. In den Straßen chinesischer Provinzstädte kann man Bettler finden, die i je Köpfe so lange gegeneinander stoßen, bis man ihnen ein Almosen reicht. Die Insekten und Raupen atmen nicht nur durch den Mund, sondern auch durch eine Anzahl feinster Oeffnungen, die am ganzen Körper entlang verteilt sind. Beim heftigen Atmen, wie es das Fliegen der Insekten erfordert, vibrieren diese Löcher und erzeugen dadurch das bekannte Summen, das durch die Bewegung der Flügel oft noch verstärkt wird. Die ersten metallenen Stecknadeln kamen im Jahre 1343 auf. Bis dahin mußte man sich mit hölzernen Stiften begnügen. Ein gewisser Jakob Horst, Professor in Helmstedt, schrieb 1595 ein gelehrtes Buch, in dem er behauptet, daß einem Knaben in Schweidnitz ein goldener Zahn gewachsen sei, In Genf bestanden vor etwa 400 Jahren so strenge Verodrnungen gegen Luxus und Wohlleben, daß man einfach einst zwei Diener 24 Stunden lang in das Stadtgefängnis einsperrte, weil sie zwei Pasteten mit Zucker ge? gessen hatten. Die Fahrzeit durch den Suez=Kanal beträgt durchschnittlich 16 Stunden 54 Minuten. S S#g 13# B.OHLNE ##S„SS S#SDS 5 2.* p. 2 S 9.5 LME 4 9 S 5 □ — 2 8 5.5 5 „##S T g 2.** 2 9 85 6 28 ∆ 9 8 S S S 0 S 5 S• Blätter für Heimatpflege und Unterhaltung Beilage der Wanne=Eickeler Zeitung. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen... Roman von Helma von Hellermann.!(Nachd.u# se bo en) (10. Fortsetzung.) Professor Hardt stimmte ein wenig gezwungen in das lustige Lachen der beiden Frauen ein. Zu sehr war ihm der Schreck in die Glieder gefahren. Er erwartete Nachricht von Helmut im Verlauf dieses Vormittags. Von elf bis ein Uhr hatte Anna ihre Massage und Liegekur— zu dieser Zeit wollte der Junge ihn aus Berlin anrufen, wenn möglich. Mutter sollte doch nichts erfahren! Ach, dieses schreckliche, ungewohnte Verheimlichen! Wenn nur alles erst vorüber und geordnet wäre! Nachher schrieben sie gemeinsam an Rosemarie. Der Regen hatte sich verstärkt, floß gleichmäßig rauschend vom grauverhangenden Himmel herunter. Eine Stunde war wieder sehr langsam vergangen, dem Zeiger schien es ordentlich Spaß zu machen, so langsam wie nur möglich vorzurücken, fand der unruhige Mann, der wieder und immer wieder heimlich auf die Uhr sah. Endlich schlug es elf Uhr. Frau Anna legte die beschriebenen Bogen zusammen, schloß ihre Briefmappe und erhob sich. „Schon Zeit!?“ sagte der Professor verwundert. „Ja, mein Schatz, erst Bad, dann Liegekur. Langweile dich nicht zu sehr!“ erwiderte sie, neben ihn tretend und liebkosend über das graue Haupt fahrend, das sich ihr entgegenhob. Der Professor legte einen Arm um sie. Wange an Wange verharrten sie einen Augenblick im beglückenden Gefühl ihrer innigen ZuKantr gend eieit. löste lich Frau Anna sanft aus ven zärtlich haltenden, Händen, küßte ihren Mann aufs Haar und ging in ihr Zimmer. Kurz darauf hörte er die Stimme der Schwester.— Eine Tür wurde geöffnet. Frau Anna war fort. Schnell raffte der Prosessor einige Manuskriptbogen zusammen und begab sich nach dem Lesezimmer im Erdgeschoß, nachdem er den Portier von seiner Anwesenheit unten benachrichtigt hatte, falls ein Anruf aus Berlin käme. Es saßen nur noch zwei ältere Herren unten, die vertieft in den Zeitungen lasen und seine stumme Verneigung ebenso stumm erwiderten. Professor Hardt legte seine Bogen auf einen der vorhandenen Schreibtische zurecht, schraubte seine Füllfeder auf und sammelte mit Anstrengung seine Gedanken zum Weiterarbeiten an seinem neuesten biologischen Werk. „Diese Versuche haben bewiesen, daß die einzelnen Zellen gleiches Formbildungsvermögen besitzen, daß sich aus den Teilen immer das Ganze entwickelt.. Nebenan spielte jemand Billard. Durch die halb offen stehende Tür, in deren Nähe er saß, konnte Professor Hardt den einsamen Spieler sehen— ein blasser Mann in mittkeren Jahren, der mit gelangweilter Miene nach den Elfenbeinbällen stieß.— Nun gesellte sich ein zweiter Herr hinzu, wurde erfreut begrüßt. Deutlich konnte Professor Hardt hören, was die beiden zusammen sprachen: „Ja, mit dem Achtuhrzug angekommen. — Ach, ich schlafe ausgezeichnet unterwegs, nehme immer Schlafabteil.— Danke, nee— bloß Vorsichtsmaßregel! So'ne kleine Diätund Ruhekur, ehe ich deine Damen an der See besuche. Wollen dann noch zusammen ins Gebirge, wenn's Wetter schön ist.— Mein Schwager? Mies, mies! Der arme Kerl schwitzt Blut vor lauter Angst, hat nir zu lachen: sein Bankier hat falliert. Faule Sache— Depots angegriffen und dergleichen hübsche Sachen gemacht. Gestern abend hat er sich in seiner Wohnung erschossen. Hat sich schön aus dem Staub gemacht, nachdem er die anderen'reingelegt hat!— Wie? Markmann, ja, Leopold Markmann, die große Bank in der Tauentzienstraße.— Ganz recht, heutzutage ist nir mehr sicher; die solidesten Häuser betrügen. Na, mein Schwager kann noch von Glück sagen, hat noch andere Eisen im Feuer. Bin nur froh, daß ich meine Finger von den verdammten Malzaktien ließ, die Markmann mit so großem Tamtam auf den Markt warf.— Das wußten Sie nicht? Der war der Hauptmacher, stand hinter der ganzen Sache. Erst stiegen die Aktien rasend im Kurs, dann— bums, fielen sie mit der Promptheit eines abgeschossenen Ballons. Das war wohl Markmanns Verderben. Na, dem kann nun keiner mehr was anhaben: aber bei dem Krach verliert mancher sein Ganzes. Die Passiva soll die Aktiva ums Doppelte übersteigen, munkelt man.“ Professor Hardt saß da mit der Feder in der halb erhobenen Hand, starrte auf den weißen Bogen vor sich, auf dem kleine schwarze Teufelchen einen wilden Reigen vollführten. Saß regungslos— wie gelähmt von dem Gehörten. Die Stimme drinnen klang weiler, gewichtig und laut. Mit einem ärgerlichen Brummen erhob sich einer der beiden zeitunglesenden Herren und zog die Tür hart ins Schloß. Was hatte der gesagt— Leopold Markmann erschossen— Depots angegriffen— Bankrott— Schulden zweifach so hoch wie alle Guthaben— Leo, sein alter Freund, ein Betrüger— Herrgott, laß mich kiaren Kopf bewahren! Ich träume gewiß— Ein kleiner Page mit funkelnden Livreeknöpfen stand plötzlich vor ihm. „Herr Professor Hardt? Berlin ruft an—“ Der Gerufene erhob sich schwerfällig, ging steif und gerade aufgerichtet wie ein Automat, fühlte seine Glieder nicht. Stand in der kleinen Zelle hinter der Vorhalle, ohne zu wissen, wie er hineingekommen war. Helmuts Stimme:„Bist-du's, Vater?— Leider habe ich nichts Gutes zu melden, lieber alter Herr...“ Ein Zögern. Es fiel dem Jungen schwer— „Ich weiß schon: Leo Markmann hat sich erschossen, nachdem er sich am Eigentum fremder Menschen vergriffen hat. Die Bank hat die Zahlungen eingestellt.“ Kalt, tonlos, als würde eine auswendig gelernte Lektion wiederholt. Ein erschrockener Ausruf.„Woher weißt du—“ „Man hat es sich soeben hier erzählt?“ „Muttchen—?“ „Die ahnt noch nichts.“ „Du mußt sie schonend davon unterrichten, Vater, damit sie es nicht auch unversehens erfährt!“ „Ja!“ „Deine Stimme klingt so fremd, Vater—. geht es dir schlecht? Behalte nur den Kopf oben, mein lieber, guter alter Herr; vietleicht ist doch noch etwas zu retten! Du hast dein Amt, ich kriege den Brunnen— wir werden's schon schaffen!“ Wie herzlich er tröste e, der gute Bub.—„Hast du noch Bargeld fürs erste? Das Weitere findet sich schon. Grüße Muttchen innigst! Ich bleise wohl am besten hier, bis einigermaßen Klarheit herrscht. Vater, hörst du mich? Vater— Vater—“. Dem Professor war der Hörer mit jähem Ruck aus der Hand gefallen, klirrte gegen die Wand. Der linke Arm hing schlaff herab— er starrte verständnislos darauf herab, riß mit der Rechten am Kragen entlang: eine Blutwelle schoß ihm zu Kopf, färbte das fahle Gein ein böses Dunkelrot. Er trat aus der Zelle— taumelte, hielt sich an einem Stuhle fest. Eilig sprang eine zufällig vorüberhuschende Schwester hinzu. „Darf ich um— ein— Glas Was...“ Ein gurgelndes Lallen. Krahend schlug der schwere Körper zu Boden. * Rosemarie von Rohsen saß auf der Bank am kleinen See, zu dem sie Helmut Hardt bei seinem ersten Besuche geführt hatte. Vor wenigen Monaten war das gewesen. Wie viel schönes, wie viel schweres Gedenken lag zwischen jenem Tage und dem heutigen! Auf dem stillen, dunklen Wasser blühten die Seerosen in verträumter Märchenschönheit, hoben ihre rosig überhauchten Kelche sehnsüchtig gegen die Sonne. in deren goldenem Licht buntglitzernde Lioellen auf schimmernden Flügeln liebestolle Tänze aufführten. In Hochsommerpracht lag das Land da, satt und schwer wogte das Korn im Winde, das nun der Sense verfiel. Alle Früchte der gütigen Mutter Erde reisten der Ernte entgegen. Schön, wunderschön war diese Erfüllung aller knospenden Verheißungen. Warum wurde sie dem Herzen verwehrt? In die ernsten Augen, die fast übergroß in dem schmal gewordenen Gesichtchen wirkten, trat ein weher Ausdruck. Das Glück, das sie schon mit Händen zu greifen gewähnt, war durch die unselige Tat eines Menschen, den das Schicksal zum Verderber von vielen gestempelt hatte. in weite Fernen gerückt. Als Helmut damals, vom Leiler des Sanatoriums“unterrichtet, wiederum nach dem Schwarzwald gehetzt war, fand er seinen Vater gelähmt und sprachtos daniederliegen. Dem ersten Schlaganfall war bald darauf ein zweiter gefolgt, der dem Leben des gütigen. klugen Mannes ein vorzeitiges Ende bereitete. Tagelang wachte Helmut mit Arzt und Schwester am Bett der Mutter, die mit dem Tode rang. Ihre geschwächte Gesundheit war dem Schlag, der wie ein Blitz aus dem wolkenlos heiteren Himmel ihres Glücks herabfuhr, nicht gewachsen. Allmählich genas sie so weit, um den Verlust ihres Vermögens zu erfahren. Ohne Erregung, fast gleichgültig nahm sie diese Kunde auf— alles Empfinden schien mit dem Scheiden des Gatten erloschen zu sein. So lag die * S 93h * S 5 GEESE. 2e S 2. S0 *- Toy u SSE S S 8 SOs 7SSSE S BOT—x * 9 S8UUMPEEB ergns-Toxs S S88SS SS5SS 9#gS, P Sexes S S 3.8 3. OFELESSES 2 5-% EE SUTgESLS *S LESs ! 1 2 SS„SEEES“ SEES DSESES P SSEAGEE *SS•• SSR SaUE GTDNEN S 58 WRES SSTLLSSLSRGS EEE ns S PgnggSgEss Sans G 3 a#### SSBSES S 238 S: SSSESNE. 5 5%5SSSESS. S 55 5.* S B9.T ** 5 6 2 0 S 5 9 5 E 9 4 9 C * 8 S E 5 9 Esus Verantwortung des Nachlaßordnens auf muts Schultern, der sie zwar willig, aber ungewohnt der schweren Last, zu tragen sich bemühte. Der Zusammenbruch der Markmannschen Bank war eines der folgenschwersten Ereignisse in einer Kette ähnlichen Geschehens. Große Vermögen, die Gesamtersparnisse fleißig schafsender Menschen waren im Strudel chaotischer Verzweiflungsspekulationen rettungslos verloren gegangen. In spaltenlangen Artikeln berichteten es die Zeitungen ihren Lesern. Die Gläubiger hielten Versammlungen ab mit wenig günstigen Resultaten, der alte Prokurist des Hauses saß lange in Untersuchungshaft— wurde aus Mangel an Beweisen endlich wieder freigelassen; eine neue vernichtete Eristenz. Mit anteillosem Gesicht saß die Frau des schuldigen Toten im Gastzimmer der Tochter, nachdem sie die ihr gehörende Villa mit gesamtem Mobiliar. zur Konkurzmasse bestimmt atte, ließ deren Klagen und Vorwürfe schweigend über sich ergehen. Schien sie so wenig zu bemerken wie die finsteren Mienen des Schwiegersohnes, dem der Zusammenbruch eine reiche Jahresbeihilfe und die Hoffnung auf eine noch reichere Erbschaft geraubt hatte. Aehnlich wie die Freundin geartet, die auch um den Gatten trauerte, war das Licht ihres Lebens mit dem Tode des Gefährten erloschen. Was nun geschah, war gleichgültig— Herz und Verstand hatten die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erreicht. Helmut Hardt hatte die Leiche des Vaters nach der kleinen Universitätsstadt bringen lassen, die ihm solange glückliche Arbeitsstätte und Heim gewesen war und die dem allbekannten und beliebten Gelehrten in reicher Fülle die letzten Ehren erwies. Er blieb bei der Mutter, solange es möglich war, reiste nach zärtlichem Abschied von der stillen, siechen Frau nach Berlin zurück, um mit Hilfe Georg Sättlers die finanzielle Regelung des väterlichen Nachlasses zu beschleunigen, von da nach Weimar, wo mit dem Bau des Brunnens begonnen werden mußte. So war der August ins Land gekommen, ohne daß Rosemarie den Geliebten wiedergesehen hatte. Tapfer ertrug sie die Trennung, sprach ihm Trost und Mut zu, wenn er zu verzweifeln drohte, klammerte sich fest an die Hoffnung auf ein baldiges Ende all ihrer Nöte und Sorgen. Ihr ganzes liebendes Herz legte sie in die Zeilen, die täglich den Weg zu ihm wanderten, und empfing gleiche Gabe mit seiner Antwort. Aber nun war die Sehnsucht kaum mehr zu ertragen. „„Ich muß dich wiedersehen, mein einziger Liebling! Das Verlangen, dich in meinen Amen zu halten, deine süßen Lippen zu küssen, deine Stimme zu hören, macht mich noch krank, unlustig und unfähig zur Arbeit.“ Das Mädchen küßte die lieben Worte oft und immer wieder— schrieb ihm ab.„Erst“ wenn du fertig bist, mein Helmut! Verläßt du dein Werk jetzt, so leidet es darunter. Alles hängt von diesem Brunnen ab: neue Aufträge, unsere Zukunft. Ich liebe dich mit jedem Schlag meines Herzens. Harre aus— ich warte.“ Still und gleichförmig gingen die Tage auf der Rohsenburg dahmn, lösten einander ab wie die Glieder einer nie endenwollenden Kette. Und war ein Sommer, so herrlich, so reich und bunt an duftender, sonnenstrahlender Schönheit wie nie zuvor. Nachks sangen die Nachtigallen im Gebüsch des stillen Parks. Am offenen Fenster kniete das Mädchen, hielt die Hände aufs Herz, das sich hier verkrampfte vor Liebesweh und Sehnsucht. Ta war es zu Ende mit allen tapferen Vorsätzen.„Komm, komm,“ bat sie den Geliebten,„ich ertrage das Getrenntsein nicht länger! Nur einen Tag— nur eine Stunde, komm!“ Nun wartete sie auf seine Antwort. Würde er ihre Bitte erfüllen, nachdem sie die seine abgeschlagen hatte? Ja, tausendmal ja! Zu proß und gütig war das Herz, das ihr Hort euer Seligkeit geworden war, um ihre Gründe miahst verstanden zu haben. Aber— konnte er die Reise ermöglichen? Das war die einzige Sorge, die sie in banger Unsicherheit erzittern ließ. Helmuts letzter Brief lag auf ihrem Schoß. Immer und immer wieder suchte sie linden Trost an seinen geschriebenen Worten, schöpfte aus ihnen den Mut zum geduldigen Ausharren— den Mut, der sie nun verlassen hatte, von jener Macht umdrängt, der alle Gesetze der Welt sich beugen: der Macht der Liebe. Sie hob die eng beschriebenen Bogen an ihren Lippen, schmiegte ihre Wange gegen das kühle, glatte Papier und träumte mit geschlossenen Augen vor sich hin, eine unbeschreiblich zärtliche Innigkeit in den zarten Zügen. Vermeinte einen Hauch der geliebten Nähe zu spüren, seine Arme, die sie an sich zogen, die Wärme seiner Lippen auf den ihren... Ein Schauer durchrieselte sie plötzlich wie ein elektrischer Strom. Sie zitterte am ganzen Körper, hilflos einem Verlangen preisgegeben, das sie noch nie in solcher Stärke empfunden hatte. Schrecklich war es— und süß zugleich. Ach, daß er käme— * Auf dem schmalen, unkrautbewucherten Wege, der vom Schloß auf allerlei Umwegen hierher führte, knirschten Schritte. Rosemarie barg hastig den kostbaren Brief in ihrer Tasche mit Händen, die noch zitterten vor innerer Erregung. Sie hatte dem Pfleger gesagt, wo sie zu finden sei, falls der Vetter nach ihr verlange. War Joachim schon aufgewacht?— Ach, da schlug es ja schon zwölf Uhr von der alten Turmuhr— wo war die Zeit hin? Sie träumte ihren Liebestraum und versäumte ihre Pflichten. Wenig Dankbarkeit verriet das gegen die Verwandten. Schuldbewußt erhob sie sich, ging dem Diener entgegen, dessen Schritte erklangen. Nun bog er um die Tarushecke, die Rosemaries Lieblingswinkel bergend umgab. Mit einem unterdrückten Aufschrei blieb das Mädchen stehen— starrte mit weit geöffneten Augen auf den Mann, der vor ihr stand. Aeffte sie ein Wahn? Eine hohe, schlanke Gestalt neigte sich ihr entgegen, graue Augen leuchteten in einem schönen, sonnengebräunten Gesicht. Aufjubelnd flog sie in die ausgestreckten Arme, die sie umfingen, als wollten sie sie nie wieder lassen. „Helmut, Helmut— bist du's auch wirklich? Träume ich nicht?“ Bebende Hände umfaßten sein Haupt, strichen zag über seinen Arm, schlangen sich um seinen Hals.„O, du — du bist gekommen—“ Helmut Hardt hob die feine Gestalt emvor und trug sie auf die weiße Steinbank zurück, die sie soeben verlassen hatte. Eng aneinander geschmiegt saßen sie da, in wortlosem, wunschlosem Glück ihrer Sehnsuchtserfüllung. Er küßte die Lippen der Geliebten, ihre Augen, ihre Wangen, ihr herrliches schwarzes Haar, preßte sie fester an sich. Wie sie zitterte, seine holde Rose, wie schmal und blaß das süße Gesicht geworden war, wie federleicht der schlanke Körper, elfenhafter denn je. Sie hatte gelitten, wie er. „Du bist gekommen.“ flüsterte sie wieder, an seine Brust gelehnt, lächelte mit nassen Augen zu ihm empor. O, wie sie es ihm danken wollte!„Ich glaube, ich wäre gestorben, wenn du meine Bitte nicht erfüllt hättest,“ fügte sie kaum hörbar hinzu. Bewegt neigte sich der Mann, preßte seine Lippen auf das feine Mädchenhaupt, das so kindlich hingebend und vertrauend an seinem Herzen ruhte, als fühle es, daß dort seine Heimat sei.„So haft du mich vermißt, Rosemarie?“ Sie nickte nur. „Es ist mir nicht anders ergangen, Rosemarie! Wenn zwei Menschen sich einmal gefunden haben, die von göttlicher Vorsehung füreinander bestimmt sind, dann fügen sich ihre Seelen zur Einheit zusammen. Reißt man sie auseinander, so bleiben blutende Wunden, die nie völlig geheilt werden können. Das Beste in uns geht an der Trennung zugrunde, wie das Beste in uns geweckt wird durch die Liebesgemeinsamkeit. Das habe ich jetzt so recht an mir erfabren. Du fehltest mir wie die Luft zum Atmen, mein kleines Mädchen!“ Wie wundersüß klang das Wort aus feinem Munde Ein tiefes, zitterndes Atemholen. Fester schmiegte sie sich in seine Arme. Nun war sie geborgen— o Glück! Des Mannes Stirn aber hatte sich beschattet. Ernst sah er über das dunkle Köpfchen hinweg vor sich hin, wo die grauen Schatten der sorgenschweren Gegenwart plötzlich aufzutauchen schienen in stummer Mahnung: wir sind da... Leise begann er von den Geschehnissen der letzten Zeit zu sprechen, die sein Leben so jäh aus geregelter Bahn geschleudert: von jener Nacht der stillen Totenwache am Lager des Mannes, der sie alle ins Verderben gestürzt, von seines Weibes verzeihender Liebe, die alles dahingegeben habe, um seine Schuld zu fühnen, soweit es in ihren schwachen Kräften stand. Viel zu wenig war es für die hetzende Meute der Gläubiger, die immer neue Verfehlungen aufdeckten, immer mehr verlangten. Von der Amwandlung der Verhältnisse in der eigenen Familie sprach er. Und ohne daß sie sich dessen bewußt, löste sich die Amarmung der beiden jungen Menschen— als schiebe sich all die trauervolle Schwere wie eine kalte, fremde Hand zwischen ihre heißen Herzen. Still saß Rosemarie neben dem Verlobten, lauschte aufmerkam seinen Worten, die ein gar ernstes Bild malten. Professor Hardt hatte seine zwei Schwestern unterstützt, die seit der Inflation gänzlich von ihm abhängig waren. Da die alten Dämchen ein wenig schrullig und sich nicht gut miteinander vertrugen, hatte jede ihre eigene Wohnung und Stütze besessen. Die Villa, die der Proffessor in der Stadt Marburg bewohnte, gehörte der Universität und mußte nun dem Nachfolger zur Verfügung gestellt werden. So schien es das ratsamste, daß Frau Hardt mit den Schwägerinnen zusammenzog in die billigste der Wohnungen.„Nur auf diese Weise ist ihre Eristenz einigermaßen gesichert und den Beträgen entsprechend, die ich zu verdienen hoffe. Vorläufig freilich ist das noch nicht möglich. Mutter ist noch viel zu krank und elend, um ein solches Dasein zu ertragen. Die Lunge ist noch nicht ganz ausgeheilt— das rauhe Wetter unseres Winters würde sie töten. Sie sol! im Herbst, wie geplant war, nach dem Süden.“ „Wird es denn gehen?“ fragte Rosemarie zaghaft. „Es muß gehen.“ Um den Mund der Mannes gruben sich die harten Linien eines bis zum äußersten angespannten Willens.„Die paar tausend Mark, die mir nach Abzug aller Unkosten vom Brunnenbau übrig geblieben, werde ich Muttchen bis auf einen kleinen Rest zur Verfügung stellen. Für die Tanten ist auf ein halbes Jahr ebenfalls vorgesorgt durch Verkauf aller entbehrlichen Möbel und Kunstgegenstände.“ „Und dann?“ „Das Weitere muß sich finden. Vielleicht springen noch ein vaar Tausend beim Konkursabschluß heraus. Vielleicht! Wahrscheinlich ist es nicht. Das Mädchen, das mit im Schoß gefalteten Händen dasaß, sah ihn ernst an. „Das ist kein leichter Weg, den du gehen willst, lieber Helmut.“ „Hätte ich einen anderen wählen können, Rosemarie?“ Sie sah ihn lange an. Schüttelte dann das Haupt.„Nein— nein. Du wärest nicht Helmut Hardt, dächtest du anders.“ „Und du wärest nicht meine Rosemarie, verständest du dies nicht so völlig.“ Behutsam nahm er ihr Gesicht zwischen beide Hände, sah tief in die blauen Augen, aus denen ihm ein ganzes Menschenherz liebend entgegenleuchtete. „Ich kann nicht anders handeln. Drei hilflose Frauen bedürfen meiner. Aber— weißt du auch, was das für uns bedeutet, mein Liebling? Warten—“ Ein tiefes Atemholen. Die Hände, die sich so zart um ihr Haupt geschmiegt hatten, lösten sich jäh. Starr sah der Mann geradeaus auf die still leuchtende Schönheit der Seerosen, ohne ihrer gewahr zu werden, ein Zutken um die fest aufeinander gepreßten Kiefer. (Fortsetzung folgt.) *• —" 5 ** 2 9 2 93 1— S ar 5ESSSS ### 2.8% E 2 5 8 S * SnS: ## 5 • 8 5e5: 6 5 S 2 # S * F.2 3 2— * S P• 965 5 #8; 8. 80 S 5 55 * 2 8— 2 E F ESpEE B###gENG1. GGES 5555oES— 255 Se2 Lesg. StyS.S. ESSTZESESE GUSREOE 5 S 5 —5 # S 8 EO — 3— Der Verhängnisvolle Gewinn. Humoreske von Fr. Th. Ein Verein, zu dessen Vorstandschaft ich zählte, veranstaltete eine große Wohltätigslotterie. Jedes Mitglied mußte wohl oder übel 50 Lose zum Vertrieb übernehmen. Nachdem ich alle meine Freunde und Verwandten mit der Anwartschaft auf mühelosen Gewinn versehen hatte, kamen die Bekannten und zufällig meinen Gesichtskreis berührenden Personen an die Reihe. Auch ein junger Schlossermeister, der eines Tages in meiner Wohnung das Schloß des Küchenschrankes reparierte, blieb nicht verschont. „Für 1 Mark können Sie, wenn Sie Glück haben, eine ganze Zimmereinrichtung gewinnen, Meister," suchte ich ihn zu locken. Aber er schüttelte energisch den Kopf.„Danke — ich spiele nie in der Lotterie. Einmal ein Los gehabt in meinem Leben und nicht wieder!“ „Sie haben nichts gewonnen?“ „O doch— auf meine Nummer fiel der zweite Hauptgewinn.“ „Wirklich?“. „Jawohl. Ein Auto für 5000 Mark. Der erste Hauptgewinn bestand in einer Villa. Es handelte sich um eine Lotterie zum Besten einer neu zu erbauenden Badeanstalt.“ „Mensch, ein Auto haben Sie gewonnen? Und wollen nicht wieder spielen? Haben Sie mit dem Auto Pech gehabt?“ „Ja, viel— aber nicht in dem Sinne, wie Sie's meinen.“ „Die Geschichte müssen Sie mir erzählen, Meister. Da, nehmen Sie eine Zigarre, und schießen Sie los!“ Meister Lukas brannte sich seine Zigarre an und begann bereitwillig seine Erzählung. „Es war vor zehn Jahren. Ich war damals noch auf der Walze, wie wir Handwerksgesellen es nennen, und ein richtiger Handwerksbusch, der sich aufs Fechten verstand, und dem, wie es in dem alten Liede heißt, Schuhe und Strümpfe zerrissen waren und der Wind durch die Hosen pfeift. Na, wenn's auch nicht so schlimm war— aber schäbig genug mag ich ausgeschaut haben. Komme ich eines Abends in Leipzig an, ohne einen Pfennig Geld für die Herberge. Ich bedenke mich nicht lange, trete in einen Wirtshausgarten, in dem ich eine Anzahl Herren und Damen sitzen sah, und halte mit ein paar in den künftigen Bart gemurmelten Woten meinen Hut hin. Einige Nickel= und Kupfermünzen flogen schnell genug hinein, an einem Tisch aber mußte ich warten. Einer der Herren bot da Lose der Badeanstalts=Lotterie aus, und ein anderer Herr, der sehr reich und in etwas fideler Stimmung schien, stand im Begriff, ein ganzes Dutzend an sich zu bringen. Als er meinen ausgestreckten Hut sah, lachte er, warf mir ein Los hinein und sagte gutmütig: „Da, Handwerksbursch, versuchen Sie auch mal Ihr Glück! Morgen ist Ziehung.“ Ich dankte und machte mich glückstrahlend davon. Ich hatte noch nie in einer Lotterie gespielt, und der Besitz des Loses schien mir gleichbedeutend mit der Gewißheit des Gewinns. Aengstlich verbarg ich mein Los, fürchtend, meine Herbersgenossen möchten es mir stehlen, und obgleich ich eigentlich am andern Morgen hatte weiterreisen wollen, blieb ich nun den nächsten Tag noch in Leipzig. Ich begab mich sogar selbst nach dem Ziehungslokal und befand mich noch keine Stunde daselbst, als ich plötzlich meine Nummer ausrufen hörte. Ich traute erst meinen Ohren nicht, aber der Ruf wurde wiederholt: „Nr. 53248!“ „Hier!“ rief ich fast erschvocken. Alle Anwesenden blickten nach mir hin. „Sie Glückspilz, Sie haben das Auto gewonnen!“ raunte mein Nachbar mir zu. Ich nahm das für bloßen Scherz, aber die Folge lehrte, daß es richtig war. Ich war in der Tat eine halbe Stunde später der glückliche Besitzer eines prachtvollen Autos, fix und fertig zum Abfahren, und die Tatsache, daß ein armer reisender Handwerksbursch der Gewinner sei, erregte allgemeine Sensation. Eine Menge Leute standen um mich her, und mehrere Personen erboten sich, mir meinen Gewinn abzukaufen, freilich für höchstens den fünften oder vierten Teil des Wertes. Aber ich hätte mein Auto in diesem Augenblick nicht für das Doppelte des Preises hergegeben. Als Schlosser verstand ich damit umzugehen, hatte sogar han, ein paarmal in Vertretung Chauffeurne geleistet, und mein ganzes Sehnen war es gewesen, einmal so ein Ding zu besitzen und recht nach Herzenslust damit herumzukutschiexen. Um Reisegeld zu bekommen, nahm ich Frein und gottesfürchtig wieder zu meinem einträglichen Hute die Zuflucht, und unter dem Eindruck der Neuheit dieser Szene sammelte ich bald mehrere Mark, mit denen ich mich reich genug dünkte, um die halbe Welt zu reisen. Also frisch hinein in das Auto! Alles staunte, wie ich so sachverständig mit den Hebeln zu hantieren begann— töff töff— fort ging's, die Straße hinab in das Land hinein. Schön war's, hat er g'sagt— ich hätte mit keinem König getauscht! Drei Stunden jagte ich immer vorwärts, dann machte ich halt in einem kleinen Landstädtchen, um mich zu stärken, denn es war ein glühend heißer Sommertag. Stolz ließ ich mein Auto vor dem Gasthof stehen, forderte Bier und ein Schinkenbrot und ließ mir's wohl schmecken. Mit Genugtuung bemerkte ich, wie die Anwesenden nach mir hinblinzten, und wie dann und wann jemand durch die Tür lugte, mich zu sehen. Ja, ja, dachte ich wohlgefällig, als Autobesitzer spielt man gleich eine andere Nolle in der Welt! Plötzlich trat ein Polizist in die Gaststube — die Sorte kannte ich gut genug, ich hatte oft vor seinesgleichen Fersengeld gegeben, wenn ich beim Fechten erwischt wurde. Indessen, heute brauchte ich nichts zu fürchten, meine Paviere waren in Ordnung. Der Mann wollte offenbar nur einen Schnaps trinken. Richtig, er trank ihn— aber er schielte dabei nach mir— und plötzlich stand er vor mir. „Ihre Papiere!“ schnarrte er mich an. Ich überreichte sie ihm. „Hm— wie kommen Sie zu dem Auto draußen?“ „Es ist mein Eigentum.“ „Ihr Eigentum? Sie halten mich wohl für blödsinnig? Wo haben Sie's her?“ „Heute mittag in der Lotterie gewonnen—“ Der Mann des Gesetzes schlug eine helle Lache auf. „Sie sind mir der Richtige.“ höhnte er und packte mich beim Kragen.„Marsch, Kerl, jetzt kommste mit mir! Das ist sicherlich das Auto, das vor drei Tagen in Altenburg gestohlen worden ist!“ Alle Beteuerungen halfen mir nichts, ich mußte mit. Und da der Polizeiinspektor meinen Angaben dasselbe hämische Lachen entgegensetzte wie sein Untergebener, so wurden mein Auto und ich in Gewahrsam genommen, und ich verbrachte zum erstenmal in meinem Leben eine Nacht hinter Gefängnismauern. Ich fühlte mich tief geknickt und konnte nicht schlafen, die Schande däuchte mir zu groß. Am anderen Vormittag gegen 11 Uhr wurde ich wieder zu dem Inspektor geführt. Diesmal lachte er mir schon von weitem freundlich entgegen. „Mensch. Sie haben wirklich wahr gesprochen! So ein Teufelsglück! Wer konnte aber auch so etwas glauben!“ Das war meine Entlassung— freudig stieg ich inmitten einer zahlreichen Zuschauerschaft wieder in mein Kraftfahrzeug und töfft ab. Aber meine Freude galt nur mehr meiner glücklichen Befreiung, nicht mehr der Fahrt. Ich fühlte mich nicht mehr geheuer in meinem Gefährt und erwog bei mir, ob es nicht geratener sei, es zu einem annehmbaren Preise loszuschlagen. Dazu war am besten in einer großen Stadt Gelegenheit, ich steuerte daher auf das nahe Chemnitz los, unterwegs verfolgt von neugierigen Blicken, die ich jetzt gar nicht mehr ausschließlich auf Kosten der Bewunderung setzte. In Chemnitz stellte ich mein Auto in einer Garage ein und erkundigte mich bei dem Wirt, ob er nicht jemand wisse, der vielleicht ein Auto zu kaufen Lust hätte. Er nannte mir mehrere Personen, und ich machte mich, von dem Wunsche erfüllt, das verhängnisvolle Ungetüm so schnell wie möglich los zu werden, sofort auf den Weg. Nummer eins hörte mich gar nicht an, wies mir die Tür. Rummer zwei lehnte etwas höflicher ab, Nummer drei— ein Fabrikbesitzer— stellte mir allerhand Fragen und schien mir in der Tat nicht abgeneigt. „Ich, will nur erst noch mit meiner Frau sprechen,“ erklärte er mir.„Kommen Sie in einer Stunde wieder.“ Froh über die Aussicht, kehrte ich nach der angegebenen Zeit zurück. Wer beschreibt aber meinen Schrecken, als ich im Kontor des Fabrikanten zwei Polizisten fand, die mich sofort in peinliches Verhör nahmen. Wieder die alte Geschichte: man glaubte mir kein Wort, und das Resultat war dasselbe wie gestern, man nahm mich beim Schlafittchen und sperrte mich ein. Wieder eine traurige Nacht im Kittchen— erst am anderen Tage setzte man mich, nachdem Anfragen in Leipzig meine Unschuld ergeben hatten, auf freien Fuß. Das verwünschte Los— der heimtückische Gewinn— das vermaledeite Auto! Ich wollte es gar nicht mehr sehen! Zum Glück kaufte es der Fabrikant mir nun wirklich für etwa zwei Drittel des Wertes ab, und hochbeglückt setzte ich mich auf die Bahn und fuhr mit dem Gelde direkt nach meinem bei Dresden gelegenen Heimatstädtchen. Da ich keine Eltern mehr besaß, stieg ich in der Herberge ab. Zufällig traf ich dort ein paar frühere Wandergenossen, mit denen ich mir einen lustigen Abend machte. Ich traktierte natürlich, ließ Essen und Bier und schließlich sogar Wein kommen und ren##mierte mit meinem Reichtum. Dem Wirt, der an meiner Zahlungsfähigkeit Zweifel hegte. zeigte ich triumphierend ein paar Hundertmarkscheine. Da— es mochte kurz vor Mitternacht sein, und wir waren mitten in einem lustigen Liede — legte sich plötzlich eine harte Hand auf meine Schulter. Ich wandte mich betroffen um und schaute in das bärtige Antlitz eines Schutzmannes. „Was— was wollen Sie von mir?“ „Wissen, woher Sie das viele Geld haben, Mosjöh, entgegnete er grinsend.„Das ist verdächtig. Vor ein paar Tagen ist in Dresden in einer Bank eingebrochen worden — ich denke, wir brauchen nach dem Täter nicht weiter zu suchen.“ Ich versicherte kleinlaut, das Geld sei der Erlös für ein Auto, das mir am Morgen der Fabrikant Melchers in Chemnitz abgekauft habe. „Auto? Sie sehen gerade danach aus, als ob Sie Autos zu verkaufen hätten!“ „Ich habe es in einer Leipziger Lotterse gemonnen—“ „Auto in der Lotterie gewonnen— hahaha — kommen Sie mit, Freundchen, das wird sich finden!“ Und zum dritten Male innerhalb drei Tagen ward ich nach dem Polizeigebäude transportiert, und zum dritten Male innerhalb drei Tagen ward, nachdem man mir mein Geld abgenommen hatte, mein Quartier die Zelle eines Polizeigefängnisses! Diesmal dauerten die Recherchen länger, weil es sich nicht allein mehr um das Auto, sondern auch um das Geld handelte. Erst nachdem ich zwei lange Nächte mein unfreiwilliges Logis bewohnt, gab man mir in gewohnter Weise mit ein paar entschuldigenden Worten meine Freiheit zurück. Und der Polizeikammissar gab mir noch einen guten Rat mit auf den Weg.„Junger Mann,“ sagte er,„es ist in Ihrer Lage nicht ratsam, mit soviel Geld herumzustreifen. Wenn sie klug sind, legen Sie's sicher an und benutzen es, sich irgendwo zu etablieren. Fahren Sie nach Dresden, und geben Sie's einem sicheren Bankier.“ Er war so freundlich, mir die Adresse eines großen Bankinstituts aufzuschreiben. Da ich nun keine Ruhe mehr hatte, bis der verhängnisvolle Mammon aus meiner Tasche war, stand ich noch am Nachmittage desselben Tages im Bureau der Bank und brachte mein Anliegen vor. Der Beamte erklärte sich höflich bereit, meinen Wunsch zu erfüllen.„Warten Sie, bis ich den Depotschein habe ausfertigen lassen.“ sagte er mir und verschwand im anstoßenden Zimmer. Wohl eine halbe Stunde hatte 1# geduldig gewartet, da erschien der wieder, von zwei militärisch auss.“. ren begleitet oarene der deutschsprachigen Presse e.V. Die Biersteuerbilanz Rechnungsjahres 1930-31 Rückgang auf der ganzen Linie 7 Konsumsteuererhöhung bei schwindender Konsumkraft ist ein Unding! Soeben veröffentlicht das Statistische Reichsamt die Ziffern der Biersteuererzeugung im 4. Viertel des Rechnungsjahres 1930. Damit liegt nun das Ergebnis für das gesamte Jahr 1930=31 vor. In dieser Zeit wurden 48 486 268 Hektoliter erzeugt. Die Ziffern für die früberen Jahre betragen: 1913(jetziges Reichsgebiet) 66 220 000 Hektoliter, 1925........ 47 560 000 Hektoliter, 1926........ 48342000 Hektoliter, 1927........ 51 619000 Hektoliter, 1928 54 995000 Hektoliter, 1929... 58 063 000 Hektoliter, 1930.....„... 48 486 000 Hektoliter. wer Rückgang gegenüber dem Vorjahr beträgt 9.6 Millionen Hektoliter oder 16.5 Prozent, gegenüber der Vorkriegszeit etwa 16 Millionen Hektoliter oder 28 Prozent, so daß die heutige Biererzeugung nur noch 72 Prozent der Vorkriegserzeugung ausmacht. Die Ergebnisse des Jahres sind noch zu günstig, da in den Anfang des Rechnungsjahres der Absatz noch nach den alten Steuersätzen erfolgt(Gesamtbelastung des Bieres 10 Mark je Hektoliter, demgegenüber beträgt heute die Belastung 22 Mark je Hektoliter). So betrug dann der Rückgang gegenüber dem Vorjahre im 1. Vierteljahr 4,0 Prozent, im 2. Vierteljahr 21,1 Prozent, im 3. Vierteljahr 17,7 Prozent, im 4. Vierteljahr 24,3 Prozent. Das letzte Vierteljahr bringt also einen Rückgang um ein volles Viertel, und man muß für die Zukunft mit einer weiteren Entwicklung in dieser Richtung rechnen. Symptomatisch sind dafür die uns vorliegenden Ziffern zweier westdeutscher Brauereien für den Monat Avril. Die eine dieser beiden Brauereien hatte einen Rückgang von 40,98 Prozent und die andere einen solchen von 30,13 Prozent für Faßbier und 49.46 Prozent für Flaschenbier. Das lausende Jahr wird also die Mindererträgnisse des Vorjahres noch erheblich übertreffen. Zu bedenken ist, daß die ganze Erhöhung der Reichsbiersteuer keine Mehrerträge mehr liefert, sobald erst einmal der Rückgang den Satz von 31 Prozent überschritten hat. Dieses Ergebnis ist bei dem westdeutschen Landesfinanzämtern schon eingetreten. Diese Bezirke nämlich haben einen Rückgang, der wesentlich über den Reichsdurchschnitt hinausgeht. Die Landesfinanzämter: Münster mit einem Rückgang von 32,1 Prozent, Düsseldorf mit einem Rückgang von 30,9 Prozent, Köln mit einem Rückgang von 30,1 Prozent, stehen fast an der Spitze des Reiches.— Sie werden nur noch übertroffen von Würzburg und Darmstadt mit 33,9 bzw. 32,1 Prozent, wo der billige und steuerfreie Wein dem Bier die Hauptkonkurrenz macht. Die Jahresbilanz der Biersteuer ist dementsprechend trostlos. Voranschlag im Reichshaushalt pro 1930 550000000 Mark, tatsächliches Aufkommen 1930 473 200000 Mark, das bedeutet Minderaufkommen gegenüber dem Voranschlag von 76 800000 Mark. Das Mehraufkommen gegenüber dem Vorjahr ist 61,4 Millionen Mark. Also bei rund 46 Prozent Steuererhöhung nur 14.9 Prozent Mehreinnahme. Diese Mehreinnahme wird erkauft durch viele Tausende von kurzarbeitenden oder erwerbslosen Brauereiarbeitern und einen erheblichen Rückgang bei anderen Steuern, da die Brauindustrie an Steuerkraft natürlich eingebüßt hat. Es ist erinnerlich, daß einer der Hauptvorkämpfer der sogenannten Steuerverlagerung von den direkten auf die indirekten Steuern, Dr. Gustav Stolver gewesen ist. Mit Wort und Schrift hat er immer wieder den Satz verfochten, daß für die Behebung unserer ganzen Finanzkalamität, ja für die Behebung der Wirtschaftskrise nur ein Umbau unseres Steuersystems notwendig sei. Senkung der Realsteuern, vor allem der Gewerbesteuer, sowie der hohen Sätze der Einkommensteuer und dafür Einführung und Erhöhung von Verbrauchsabgaben auf entbehrliche Genußmittel. Dr. Stolver hat immer behauptet, der Konsum wird diese Steuerbelastung ohne Schwierigkeit tragen können und dabei auf das englische Beispiel hingewiesen. In der Tat hat der Konsum auf diese Steuerervöhung ganz anders reagiert und heute steht auch der Vater der Biersteuer vor der Frage, wie es denn möglich sei, daß seine Theorie in der Praxis solchen Schiffbruch erlitten hat. Er führt das Versagen der Steuer auf ihre fehlerhafte Konstruktion zurück und hierbei muß man ihm teilweise zustimmen. Dr. Stolver schreibt iu seinem„Deutschen Volksibirt“: „Jetzt zeigt es sich am Biersteuerertrag, wie unheilvoll es gewesen ist, neben eine Reichsbiersteuer eine kommunale Biersteuer zu setzen. und in der kommunalen Besteuerung wieder das Bier in der Höhe und Erhebung der Steuer gegen die anderen Getränke zu differenzieren. Es war falsch, die Reichsbiersteuer zu erhöhen, wenn man das Bier für eine unentbehrliche Steuerquelle der Gemeinden hielt, und es war handgreiflich falsch, eine kommunale Biersteuer bei den Brauereien zu erheben, wenn die Steuern auf die sonstigen Getränke bei den Gastwirten erhoben wurden. Nur so konnte es kommen, daß der Konsum fast gewaltsam vom bochbesteuerten Bier auf den fast unbesteuerten billigen Wein abgedrängt wurde und Brauindustrie und Fiskus gemeinsam den Schaden trugen. Niemals hätte der Bierkonsum einen so scharfen Ausfall erfahren, wenn diese steuervolitisch durch nichts zu rechtfertigende und nur auf die Bequemlichkeit der Kämmerer zurückzuführende Differenzierung der Getränkesteuern nicht erfolgt wäre.“ Tatsächlich hat auch die deutsche Brauindustrie auf diese unhaltbare Zustände immer erneut hingewiesen. Dabei halten wir allerdings daran fest, daß der wesentlichste Grund des Mißerfolges wo anders liegt. Es ist einfach unmöglich, in einer Zeit sinkenden Einkommens Verbrauchsabgaben zu erheben, ohne damit einen notwendigen Mißerfolg zu erzielem Konsumsteuern sind nur ertragreich in Zeiten steigenden Wohlstandes, in Zeiten sinkender Konjunktur wirken sie krisenverschärsend. Ebensowenig kann man gleichzeitig hobe Lirekte Steuern und hohe indirekte Steuern einführen. Die Höhe der Konsum steuer muß sich immer nach der Konsumkraft des Volkes richten. Westfalens öffentliche Geldinstitute im Monat April 1931. Ein Zeichen dafür, daß trotz der schweren Wirtschaftslage noch eifrig in unserem Bezirk gespart wird, ist die Tatsache, daß Ende April der Einlagebestand der westfälischen Sparkassen die erste Milliarde erreicht bat. Wenn die Spartätigkeit heute noch verhältnismäßig groß ist, so ist das vor allem wohl darauf zurückzuführen, daß viele Sparer darauf beducht sind, sich Geld für Notstände zurückzulegen. Ueber den Stand der ösentlichen Geldinstitute der Provinz Westfalen im Monat April gebt uns der nachfolgende Bericht zu: 1. Die westfälischen Sparkassen. Die Spareinlagen wuchsen im April 1931 um 9 Millionen RMk. Der Spareinlagenbestand erreichte Ende April eine Höhe von 1 Milliarde RMk. Der Bestand an Scheck= und Kontokorrenteinlagen nahm im Berichtsmonat um 1 Million RMk. ab und betrug Ende April 109 Mililonen RMk. An Sparvüchern wurden im Monat April ca. 21 500 Stück neu ausgestellt. Die Gesamteinlagen betrugen mithin 1,116 Milliarden RMk. 2. Die Landesbank und das Pfandbriefamt für Hausgrundstücke. Die Bilanzsumme der beiden Institute betrug Ende April 1931 533 Millionen RMk gegenüber 502 Millionen RMk. Ende April 1930. Die Umsätze stellten sich am Ende des Berichtsmonats auf 687 Millionen RMk. gegen 785 Milionen RMk. Ende April vorigen Jahres. 3. Die Provinzial=Lebensversicherungsanstalt von Westfalen hatte im April 1931 einen Antragszu. cg. 1 Million RMk. und Ungebung Wiederum ein Anschlag auf den Personenzug Herten—Recklingbausen Der Personenzug Herten=Recklinghausen wurde am Donnerstag gegen 11,23 Uhr von der Brücke Feldstraße in Herten aus mit Steinen beworfen, der zweite Fall innerhalb weniger Tage. Diesmal ist glücklicherweise weder Personen= noch Sachschaden entstanden. Die Polizei fahndet eifrig nach den Tätern. Zur Ermittlung der gemeinen Täter ist die Mithilfe des Publikums dringend erforderlich. Die Kriminalpolizei bittet alle die, die Wahrnehmungen gemacht haben, sich sofort zu melden. Verschwiegenheit wird zugesichert. Zusammenbruch der Kleinindustrien in den Landgemeinden. Der Preußische Landgemeindetag West hat in einer Eingabe an den Reichswirtschaftsminister auf die in letzter Zeit immer mehr um sich greifende Konzernierung bzw. Vertrustung hingewiesen, die eine außerordentliche Gefahr für die in den Landgemeinden angesiedelte Industrie darstellt und das gesamte Erwerbsleben in diesen aufs äußerste gefährdet, da hiernach nicht nur der einzelne Arbeitnehmer brotlos wird, sondern auch die auf die wertvolle Kaufkraft der Arbeiterbevölkerung sehr wesentlich angewiesene Geschäftswelt in ihrer Existenz bedroht ist. Vor allem aber wird auf diese Weise in den betroffenen Gemeinden die Steuerbasis vollständig erschüttert, während gleichzeitig die an sich schon hohen Lasten der Gemeinden eine unerträgliche Steigerung erfahren. Durch diese verderblichen Vorgänge wird gleichzeitig aber auch die doch gerade regierungsseitig betriebene und eifrgst gefördete Wirtschafts= und Siedlungspolitik untergraben: denn auf Grund des Erliegens der verschiedensten für das platte Land lebenswichtigen Industrien und der hierdurch bedingten Vermehrung der Arbeitslosigkeit muß zwangsläufig die Abwanderung in die umliegenden Großstädte immer größeren Umfang annehmen. Mit Rücksicht auf die an sich schon große Not der Landgemeinden hat daher der Preußische Landgemeindetag West den Reichswirtschaftsminister gebeten, zum Schutze der bedrohten Landgemeinden, der Arbeiterschaft und des gesamten geschäftlichen Mittelstandes dieser gefahrdrohenden Entwicklung erböbte Aufmerksamkeit zu schenken und ihr durch geeignete Maßnahmen zu begegnen. Nachwarsah . Ein rabiater Dieb Am Donnerstag wurde von einem Mann beobachtet, wie ein Gast in einem Lokal an der Bahnhofstraße in Herne während der Abwesenheit des Büfettversonals einen Geldbetrag aus der Ladenkasse entwendete und sich darauf aus dem Lokal entfernte. Ein Schutzpolizeibeamter, dem dieser Vorfall mitgeteilt worden war, stellte den Täter und bat ihn, zwecks Klärung der Angelegenheit mit zur Wache zu kommen. Der Täter lehnte es jedoch entschieden ab, mit zur Wache zu gehen, weshalv der Beamte ihn am Arm erfaßte, um ihn so mit zur Wache zu nehmen. Auf dem Wege zur Wache leistete der Täter erheblichen Widerstand, indem er den Beamten am Halse erfaßte, sich mit den Füßen gegen den Boden stemmte und sich losriß, bezw. dieses wiederholt versuchte. Erst durch Anwendung des Gummiknüppels gelang es, den Widerspenstigen zur Wache zu bringen. Auf der Wache tobte er weiter und riß den Rahmen des Zellenfensters heraus. Schwerer Verkehrsunfall. Auf der Viktoriastraße in Bochum wurde am Donnerstag eine Ehefrau von einem Motorradfahrer angefahren und schwer verletzt. Die Verletzte wurde sofort dem Elisabeth=Hospital zugeführt. Schweineseuche. Nach Mitteilung der Stadtvolizeiverwaltung in Gelsenkirchen ist unter dem Viehbestande des Invaliden Skopnich in Gelsenkirchen, Marienstraße 84, die Schweineseuche ausgebrochen. Wegen gefährlicher Körververletzung festgenommen. Am Donerstag wurde in Herne ein Bergmann im Verlaufe einer Auseinandersetzung von einem im gleichen Hause wohnhaften Bergmann mit einem Gummischlauch, der mit Blei gefüllt war, geschlagen und dabei am Halse und am Kopfe verletzt. Der Täter wurde festgenommen. gewachsen. Im ganzen kaufte Rußland jetz: 15.000 Zuchtsauen. Bei der großen Ueberproduktion in Deutschland bebeuret das einen wesentlichen Schritt zur Besserung der Marktverbältnisse. Toter und ein Schwerverletzter bei Verkehrsunfällen. Köln, 21. Mai. An der Ecke Moltke= und Mastricher= straße wurde am Mittwoch ein Radfahrer von einem Lastkraftwagen mit Anhänger überfahren. Der Verletzte wurde zum Krankenhaus geschafft, wo der Arzt nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen konnte. Ecke Kervener= und Josef Stelzmannstraße fuhren eine Kraftdroschke und ein Lieferwagen zusammen. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt. Der Führer der Kraftdroschke erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Schlüsselbeinvruch. Dortmund. 22. Mai. Auf der letztlich stattgefunvenen 7. Westfälischen Gastwirtsmesse in Dortmund wurde auch in diesem Jahre den Mielewerken A.=G. in Gütersloh für bervorragende Leistungen die Goldene Medaille zuerkannt. Von der Firma waren auf der Ausstellung insbesondere Elektro=Waschmaschinen, Waschanlagen, Waschkessel, Wäscheschleudern, Wäschemangeln, Geschirrspülmaschinen und Staubsauger ausgestellt. Der Hörter Bankikandal zieht immer weitere Kreise. Höxter, 22. Mai. Zu dem großen Bankskandal in Hörter, über den wir bereits eingehend berichteten, erfahren wir jetzt, daß eine Reihe von Firmen, die ebenfalls ihre Kredite überzogen hatten, inzwischen ihre Zahlungen haben einstellen müssen. Wie wir weiter erfahren, wird die Kreissparkasse, um den Schaden einigermaßen zu mildern, intervenieren. Zwei Bergleute von Gesteinsmassen erschlagen. Dortmund. 22. Mai. Durch Steinfall aus dem Haugenden wurden gestern mittag im Stadtteil Kirchlinde zwei Hauer verschüttet. Die Rettungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Es waren jedoch zwei Stunden erforderlich, um die Verschütteten zu bergen. Bei beiden war der Tod schon eingetreten. Neben schweren inneren Verletzungen hatten sie auch Genickbrüche davongetragen. Bei den Toten handelt es sich um den 80jährigen Bergmann Friedrich Joseph und den 42jährigen Bergmann Gustav Biallas. Verfehlungen eines Lehrers. Duisburg=Hamborn, 22. Mai. Wegen schwerer sittlicher Verfehlungen nahm die Polizei einen 40jährigen verheirateten Lehrer fest, der an der Sammelschule in Hamborn=Marxlob tätig war. Wie festgestellt wurde, hat er sich an mehreren 10—12jährigen Mädchen seiner Klasse vergangen, die er zum Teil in seine Wohnung bestellt hatte. Die Verfehlungen geben schon einige Monate zurück. Der Lehrer wurde dem Hamborner Amtsgericht zugeführt. Westdeutschland Auch Hameln hat seinen Bankskandal Zwei Angestellte verhaftet. Hameln, 22. Mai. Bei einer hiesigen größeren Bank wurden umfangreiche Unterschlagungen aufgedeckt. Die Höhe der veruntreuten Summe steht noch nicht fest, sie soll sich aber auf etwa 10000 Mark belaufen. Die Unterschlagungen waren durch falsche Buchungen und sonstige geschickte Manivulationen zweier Angestellter bisber verschleiert worden. Beide Angestellte sind bereits entlassen worden und befinden sich in Haft. Der verhaftete Buchhalter behauptet, von den Unterschlagungen nichts gewußt zu haben, sondern die falschen Buchungen nach den von ihm richtig gehaltenen Angaben des anderen verhafteten Angestellten ausgeführt zu haben. Viertes Todesopfer in Osnabrück Osnabrück, 22. Mai. Wie bereits gemeldet, erkrankten in dem benachbarten Dorfe Stockum sieben Personen nach dem Genuß von Käse. Nachdem bereits drei Kinder der Vergiftung erlegen sind, verstarb in der Nacht zum Mittwoch auch der Ehemann Fiesker. Es besteht die Hoffnung, die übrigen drei Erkrankten am Leben zu erhalten. 15000 Zuchtschweine nach Rußland. Bielefeld, 21. Mai. Am Dienstag weilte eine sowietrussiche Kommission in Bielefeld, um Zuchtschweine des Minden=Ravensberger Schweinezuchtverbandes abzunehmen. Minden=Ravensberg ist die älteste Zuchtstätte des veredelten Landschweines. Der Export aus Minden=Ravensberg ist infolge des gesunden robusten Fleischscheinetyps in den letzten Jahren außerordentlich Heute: Einweihung des Schlagetermals in Düsseldorf Briefkasten (Anonyme Anfragen werden nicht beantwortet.— Sprechstunden der Redaktion täglich von 16—17 Uhr außer. Samstags, Sonn- und Feiertags.) O. N. Die Mitteilung über die von Ihnen beschriebenen Gläser hat auch die„W.=E. Z.“ gebracht. Die ganze Angelegenheit befindet sich jedoch erst im Stadium des Versuches. L. G. Darüber hat der Vormund zu bestimmen. Umschlag in den Wanne=Eickeler Häfen am 20. Mal. Westhafen: 7492 To. Brennstoffe.— Osthafen: 1270 To. Güter verschiedenre Art. A. M. Der Hauswirt kann Ihnen das Waschen auf dem Flur verbieten. Wenn keine Waschküche vorhan den ist, dürfen Sie in Ihrer Wohnung waschen. K. N. Für die Erteilung von Avothekenkonzessionen ist der Regierungspräsident, in dessen Bezirk der Ort der geplanten Apothekenerrichtung bezw.=übernahme liegt, zuständig. Dort erfahren Sie auch die Bedingungen. Milchverbraucher. Ihre Zuschrift ist in dieser Form als Flugzettel zur Veröffentlichung in einer Zeitung nicht geeignet. Auch haben wir uns bekanntlich ja schon wiederholt für die Verbilligung der Mischvreise eingesetzt. Zeitschriftenschau „Die Pfingstreise im Auto“ erfordert allerlei Vorbe. reitungen, wenn sie wirklich genußreich und ohne die sonst unvermeidlichen kleinen Aergernisse verlaufen soll. Das soeben erschienene, als Pfingstnummer herauskommende neueste Heft der„Eleganten Welt“ gibt Ihnen wertvolle Anleitung für eine sinnvolle Reisevorbereitung auch in Bezug auf die Kleidfrage, die ja eine besonders wichtige Rolle spielt: denn nicht nur auf der Reise selbst, sondern auch bei allen Gelegenheiten im Kurort will man gern nach letztem Stil und doch individuell gekleidet sein. Die Anlage des Leo Schlageter=Ehrenmals in Düsseldorf, die beute feierlich eingeweibt wird. Das Denkmal, dessen stählernes Kreuz sich 27 Meter hoch erhebt, befindet sich an der Stelle, wo Schlageter am 26. Mai 1923 von den Franzosen wegen angeblicher Spionage erschossen wurde. Wetterbericht der Essener Wetterwarte. Essen, 22. Mai 1931. Auf der Vorderseite des im Abbau begriffenen Tief druckwirbels westlich des Kanals hat sich etwas angewärmte, maritime Luft mit südwestlicher Strömungsrichtung heute morgen bis zum Rhein durchgesetzt. Ihr Aufgleiten über der kühlen Festlandluft erzeugt in Westeurova allgemein starke Bewölkung und im Grenzgebiet der verschiedenen temperierten Luftmassen verbreiteten Staubregen oder Regen, besonders in Südengland.— Der osteuroväische Wirbel ist bis zum voinischen Korridor vorgerückt, füllt sich aber ebenfalls langsam auf. Die Hochdruckbrücke zwischen ihm und dem westeuroväischen Schlechtwettergebiet besteht noch wird sich auch später wieder kräftigen, jedoch ist in den nächsten Tagen kein beständiges Hochdruckwetter zu erwarten. Vorbersage bis Pfingstmontag: Noch unbeständig, ein zelne Regenschauer. Mäßig warm. Wer ein billiges Darlehn, sei es zum Bau, Umban Kauf eines Hauses oder zur Umschuldung einer teuren Zinshypothek zu erhalten wünscht, wer also nach einen schuldenfreien, eigenen Hause strebt, verlange Auftlä rungsschriften der Deutschen Bausparkasse Berlin 20 S. Unter den Linden 16, die zu den führenden deutschen Großbausparkassen gehört, und deren Geschäftspläne Gewähr dafür bieten, daß jeder Sparer unter Berücksichtigung seiner Leistungen ordnungsgemäß zur Zuteilung kommt.(s. Inserat in der heutigen Ausgabe). Aiikrommareni der deutschsprachigen Presse e.V. Stadlverband der Treiw. Feuerwehren der Siadt Wanne-Eickel. Freiwillige Feuerwehr Shamrock 3/4. Nachruf. Am 21. Mai verstarb nach kurzem, schwerem Leiden, unser Kamerad, der Wehrmann Nichl inn ven Raden Wir verlieren in ihm einen treuen Kameraden und gewissenhaften Wehrmann. Sein Andenken wird bei uns in Ehren bleiben. Pohl, Oberführer. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. Mai, um 15,30 Uhr vom Sterbehause, Dorneburgerstr. 62, aus statt. Nachruf. Am 21. Mai entriß uns der unerbittliche Tod unsere hochverehrte Chefin Frau Eniöusom Bresser Sie war uns allezeit in jeder Hinsicht ein leuchtendes Vorbild und hatte stets ein warmes, mitfühlendes Herz für uns. Ihr Andenken wird uns unvergeßlich sein. Die Angestellten der Firma H. Bresser. Nach Gottes heiligem Willen entschlief heute nachmittag 5½ Uhr, nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, wohlvorbereitet durch einen frommen Lebenswandel und gestärkt durch den ötteren Empfang der heiligen Sakramente, meine liebe Frau, unsere treusorgende gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Prad-Enleubemh-Bresse. geb. Siekaup im Alter von 51 Jahren. In tiefer Trauer, namens der Hinterbliebenen: Heinrich Bresser. Wanne-Eickel, den 21. Mai 1931. Die Beerdigung findet am Pfingstmontag, den 25. Mai 1931, nachmiltags 3½ Uhr, vom Trauerhause, Gabelsbergerstraße 11, nach dem kath. Friedhof in Eickel statt. Das feierliche Leviten-Seelenhochamt ist am Dienstag, früh 8 Uhr, in der Pfarrkirche St. Joseph. Frauengruppe der deutschen Volkspartei wanne Die Beerdigung unseres lieben Mitgliedes Frau Huguste Endemunn geb. Nagel findet am Pfingstmontag, den 25. 3., nachmittags 3½ Uhr, vom Trauerhause, Gelsenkirchenerstraße 29, statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet: Der Vorstand. Nachruf. Am 20. Mai 1931 ist Herr Gesundheitsaufseher a. D. Gdotat- Noumamn gestorben. Herr Gustav Neumann war uns seit Jahren ein lieber Kollege und hatte unser aller Verehrung und Nochachtung. Unserem Ortsverbande gehörte er seit dem Jahre 1919 als treues Mitglied an. Infolge seines aufrichtigen und ehrlichen Charakters hat er manchen von uns seinen Freund nennen können. Er wird uns unvergessen bleiben. Wanne-Eickel, den 22. Mai 1931. Ortsgruppe Wanne-Eicke! des Verbandes der Kommunal-Beamten und-Angestelllen Preußens e. V. Beamten- und Angestelllenausschuß der Stadt Wanne-Eickel. Evangelische Frauenhille Wanne-Christuskirche. Die Beerdigung unseres lieben Mitgliedes Frau Auguste Endemann findet am 2. Pfingsttag, nachmittags 3½ Uhr, vom Trauerhause, Gelsenkirchenerstr. 29, aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Händler! 6 Daar Galallth-Besiedte 6 ER- und Teelöllel zusammen 4.80 RPI. Albert Leyy Wanne- Eickel, Freisenstraße 28. Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen, heute morgen 8 Uhr meine innigstgeliebte Frau, die Mutter meines Kin des, unsere liebe Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin, Tante, Nichte und Cousine, die Ehefrau geb. Nagel im Alter von 31 Jahren nach längerem, schwerem Leiden zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Dieses zeigen tietbetrübt an: Emil Endemann nebst Angehörigen. Wanne-Eickel, den 21. Mai 1931. Die Beerdigung findet am 25. Mai 1931(2. Pfingstfeiertag) nachm. 3½ Uhr vom eiterlichen Hause, Gelsenkirchenerstraße 29, aus zum alten Friedhof statt. Trauerfeier ½ Stunde vorher. Allen, denen keine besondere Nachricht zugegangen ist, diene diese als solche. T bunnsngung* Bin 56 Jahre alt, litt an einem Hautausschlag(Flechte), genannt Ekzem. Dann bekam ich 28 Geschwüre. Der ganze Körper war damit übersät. Habe alles versucht, doch keine Linderung trat ein. Dann wurde ich durch Bekannte auf Frau Wilking, Herne, Schulstr. 20. aufmerksam gemacht. Nach einigen Rezepten war ich geheilt, ohne die Geschwüre zu schneiden. Frau Wilking meinen herzlichsten Dank; ich kann selbige allen Leidenden empfehlen. L. Geldmacher, Bäckermeister, Witten, Ardeystraße 168. + Bruchleidende+ Eine Erlösung von dauernder Qual ist das berühmte Spranzband ges. gesch. Kein Gummiband, ohne Feder, ohne Schenkelriemen, trotzdem unbedingt zuverlässig für alle Arten von Brüchen. Leiste vollste Garantie. Glänzende Zeugnisse, auch Heilerfolge. 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Wanne-Süd. 1. Pfingsttag. 8 Mette, 10 Hauptgottesdienst. P. Keinath, verbunden mit Tauffeier, 11,15 Kindergottesdienst. 2. Pfingsttag. 10 Hauptgottesdienst, P. Brenne. Crange. 1. Psingsttag. 10 Festgottesdienst, P. Brenne, anschl. Feier des hl. Abendmahls, 11.30 Kindergottesdienst, 12,15 Taufstunde. 2. Pfingsttag. 10 Festgottesdienst, P. Keinath. Eickel. 1. Pfingsttag. 7 P. Beckmann, 9,30 P. Beer aus Wanne, 10 Krankenhaus P. Bechmann, 11 Kinderzottesdienst, P. Maennel. 2. Pfingsttag, 7,30 Vikar Klinzing, 9,30 P. Maennel, 10 Krankenhaus, Vikar Klinzing, 12 Taufen, P. Beckmann. Amtshandlungen in der Kirche, P. Beckmann. Röhlinghausen. 1. Pfingsttag. 7 liturgische Pfingstseier, P. Tigges. 9.30 Festgottesdienst. P. Höfker,(Hordel) Kirchenchor. 2. Pfingsttag. 9,30 Festgottesdienst, P. Tigges, 11 Taufstunde. Eickel lI=Holsterhausen, 1. Pfingsttag, 7 Pfingstleier des Kindergottesdienstes, 10 Gottesdienst P. Steil, 1,30 Beichte und Feier des hl. Abendmahls, 12 Taufkunde.— 2. Pfingsttag, 10 Gottesdienst, P. Steil. B.=Hordel, 1. Pfingsttag. 7 Frühgottesdienst, P. Abendroth, 9,30 Gottesdienst, P. Abendroth, 10,45 Kindergottesdienst. 2. Pfingsttag. 9,30 Gottesdienst, P. Hoefker, 10,.45 Taufen. Donnerstag,(28. 5.): 20 Gemeindebibelstunde, P. Abendroth. Freie Gemeinden. Ev. Gemeinschaft Wanne=Eickel(Paulus=Kapelle), Deutschestr. Nr. 1, Stöchkstraße(Ecke). 1. Pfingsttag, 8 Männerchor, 9,30 Gottesdienst, 11 Sonntagsschule, 17,30 Gottesdienst, anschl. Jugendverein, Mittwoch, 20 Bibelstunde, Donnerstag, 16 Frauenverein. Freitag, 19 Vorbereitung für Sonntagsschulhlefer, 20,30 Musikgruppe. Evgl. luth. Gebetsverein(innerhald der Landeskirche), Schlachthofstr. 29. 1. Pfingsttag, 7 Frühgottes. dienst, 2 Gottesdienst, Pred. Kopka. 2. Pfingsttag. 2 Gottesdienst, 7 Jugendbundstunde, Prediger Jaberger. Dienstag, 5 Gottesdienst, Mittwoch 6 Posaunenchor, Donnerstog, 5 Bibelstunde, 7,30 Guitarrenchor, Freitag, 8 gem. Chor. Baptistengemeinde Wanne.E.(Reichsstraße 55). 1. Pfingsttag. 9,30 Predigt, Prediger Krause. 10,45 Kindergottesdienst, 16 Predigt. Prediger Krause, Mittwoch, 19,30 Bibel= und Gebetsstunde. Versammlungslokal Wanne I. Schlachthofstr. 33. 9.30 Gottesdienst, 10,30 Kindergottesdienst, Dienstag 19,30 Bibelstunde. Evgl.(altluth). Kirchengemeinden Bochum. 1. Gemeinde, Dibergstraße 25. 1. Pfingsttag, 10 Predigt, Hilfspred. Steffen 2. Pfingsttag, 10 Festpredigt, Superint. Ziemer, Donnerstag,(28. 5). 4,30 Frauenverein. 2. Gemeinde Hamme, Kirche am Hindenburgplatz, 1. Pfingsttag, 9,30 Predigt, P. Greve, 11 Kindergottesdienst, 2 Pfingsttag, 9,30 Predigt, P. Greve, Dienstag 20 Jungmännerverein, Mittwoch 8,15 Kirchenchor, Freitas 8 Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Herten. 1. Pfingsttag. 8 Frühgottesdienst, P. Pohlmann, 9,30 Hauptgottesdienst, P. Vetter, 1,30 mas. Andacht, Gemeindehelfer Piduhn. 2 Pfingsttag, 9,30 Hauptgottesdienst mit Beichte und Abendmahlsfeier, P. Pohlmann. Katholische Gottesdienstordnung. St. Laurentius. 6 hl. Messe, 7 Austeilung der hl. Kommunion, 7,15 hl. Messe u. Predigt, 8.15 hl. Messe mit poln. Gesang und Predigt, 9,15 hl. Messe u. Predigt für die Schulkinder 10,15 Levitenhochamt mit mehrst. Gesang und Segen, 11,30 hl. Messe und Predigt, 7,30 Andacht und Segen. Herz=Jesu W.=E. 1. Pfingsttag, 6 stille hl. Messe mit Austeilung der hl. Kommunion, 7,30 Frühmesse mit Predigt und Austeilung der hl. Kommunion, 9,30 Hochamt mit Aussetzung, Predigt und Segen, 2,30 Vesper, sofort danach Beichtgelegenheit. 2. Pfingsttag. Gottesdienst wie am ersten. St. Joseph. 6 hl. Messe, 8 hl. Messe mit Predigt, 10 Hochamt mit Predigt und Segen, 3 feierliche Vesper, 8 Maiandacht. 2. Pfingsttag. 6 hl. Messe, 8 hl. Messe mit Predigt, 10 Hochamt mit Predigt, 3.30 Andacht für die Polen, 8 Maiandacht. St. Michael. 7 hl. Messe, 3.30 hl. Messe mit Predigt und gemeinschaftlicher hl. Kommunion des Müttervereins, 11 Hochamt, 2,30 Maiandacht. 2. Pfingsttag, 7 hl. Messe, 8.30 hl. Messe mit Predigt, 11 Hochamt, 2.30 Maiandacht. St. Marien. 6.30 Eröffnungsamt mit Aussetzung des Allerheiligsten, 8 stille hl. Messe, 9 feterl. Leviten=Hochamt, 10.30 stille hl. Messe, 12—1 Armenseeienstunde, 1—2 Marien= und Johannesschule, 2—3 Vonisatiusschule. 3—4 Feierliche Vesper, 4—5 Frauen und Jungfrauen, 5—6 Schlußstunde für Männer, Gesellen und Jünglinge.— 2. Pfingsttag, 6,30 Eröffnungsamt mit Aussetzung des Hochwürdigen Gutes, 8 stille hl. Messe, 9 Feierliches Hochamt. 10,30 hl. Messe, 11—12 Marien- und Johannes schule, 12—1 Armenseelenstunde, 1—2 Bonifatiusschule, St. Franziskus. 7 Frühmesse mit Predigt 9 feierliches Hochamt mit Aussetzung und Predigt, 10,30 letzte. hl. Messe mit Predigt, 3— 7 nachm. Gelegenheit zur hl. Beichte, 8 Maiandacht mit Segen. 2, Pfingsttag, Gottesdienst wie am 1. Pfingsttage. Pfarrvikarie Haus Nazareth. 7 hl. Messe mit Predigt und gem. hl. Kommunion der Mütter u Frauen der Gemeinde, 9 hl. Messe mit Predigt, 10,30 feierliches Amt mit Festpredigt, Aussetzung und Segen, 3 Festandacht danach Beichtgelegenheit. 2. Pfingsttag, 7 Frühmesse mit Predigt, 9 Polenmesse mit poln. Gesang und poln. Predigt, 10,30 feierliches Amt mit Predigt, 2,30 Taufgegenheit, 3 Maiandacht. 2,30 feierliche Dankandacht mit Te Deum, 4 Andacht für den 3. Orden. St. Barbara. 6,30 hl. Messe mit gem. hl. Kommunion des Mütter= und Elisabethvereins, 7.45 gem. hl. Kommunion der Mädchen der Görresschule, 8 Frühmesse mit Predigt, 9 Amt mit Predigt für die Polen, 10 Feierl. Hochamt mit Predigt und Segen, 20 Andacht zum hl. Geiste und Maiandacht.— 2 Pfingsttag, 6.30 hl. Messe, 8 Frühmesse, 9 hl. Messe mit voln. Gesang, 10 Hochamt, 20 Andacht zum hl. Geiste u. Maiandacht. B.=Hordel. 6.30 erste hl. Messe, 8 Frühmesse mit Predigt, 10 Hochamt mit Predigt, 2,30 Vesper und Maiandacht.— 2. Pfingsttag, 6.30 erste hl Messe, 8 Frühmesse mit Predigt, 10 Hochamt mit Pre diat. 2.30 Maiandacht. 18 — Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Venesch und die Zolunion Prag. 22. Mai. Das„Prager Tageblatt“ bringt eine Unterredung seines Genfer Berichterstatters mit Außenminister Benesch. Benesch führte aus, er begnüge sich mit dem negativen Ausgang der Verbandlungen über den deutsch=österreichischen Zollplan nicht, sondern dabe die Absicht, den Plan in größerem Rahmen zu erweitern und dadurch schöpferisch zu machen. Er sei überzeugt, daß die gefährliche wirtschaftliche und politische Unrube, die ganz Mitteleurova, nicht bloß Deutschland ergriffen habe, einen Stillstand der Bemübungen zum Zusammenwirken nicht mehr dulde und daß es nun Aufgabe der zu diesem europäischen Kreis gehörigen Staaten sei, die Initiative zu ergreifen. Frankreich werde einer solchen Methode größerer Regionalzusamwenschlüsse, die sich nie gegen Deutschland richten dürfun oder richten würden, nicht bloß seine Sompatbie, sondern auch außerordentlich materielle Mittel zur Verfügung stellen. Der Sturm um Curtius Berlin, 22. Mai. Am Vortage vor Pfingsten setzt nochmals der Blättersturm ein, für und gegen das Kabinett, besonders um den Außenminister Curtius. In Genf hat Curtius jede eigene Erklärung über seine Politik gegenüber den Pressevertretern abgelebnt. Aber die deutsche Delegation in Genf hebt ausdrücklich bervor, daß die Delegation einstimmig des Außenministers Taktik in Genf gebilligt und unterstützt habe. Die Erklärungen der Pressestelle des Reiches für Curtius sind bereits gemeldet worden. Ein demokratisches Blatt gibt auch eine Aeußerung des Kanzlers selbst wieder, die dahingebt, daß Curtius die Intentionen des Gesamtkabinetts ausgeführt habe. Die Entwicklung der nächsten Wochen läßt sich beute Kar überblicken: Der Kanzler stützt Herrn Curtius und läßt ihn nicht fallen. Eurtius wird im Auswärtigen Ausschuß seine Gegner aufzuklären und zu überzeugen versuchen. Das ist, wenn es bei den jetzigen Dispositionen bleibt, erst nach der Englandfahrt. Aber nach dem Ausgang der Aussprache im Auswärtigen Ausschuß werden Curtius und der Kanzler zu einer Klärung kommen müssen für den Fall. daß der Auswärtige Ausschuß Curtius die Gefolgschaft versagt. Denn in diesem Falle steht der Antrag der Mehrheitsparteien bevor auf Einberufung des Reichstags zu dem Zweck, die Außenpolitik des Reiches grundlegend zu klären Radikale Sprache des Angestelllengewerkschaftsbundes Berlin, 22. Mai. In einer offiziellen Veröffentlichung des Gewerkschaftsbundes der Angestellten, die Anfang Juni der Oeffentlichkeit übergeben werden soll, nimmt diese führende Angestelltenorganisation zur wirtschafts= und sozialpolitischen Lage und zu den kommenden Notverordnungen Stellung. Der Gewerkschaftliche Pressedienst gibt jetzt einen Auszug daraus. Es heißt darin u. a.: Im Juni werden die Notverordnunaen kommen. Das Geheimnis um ihren Inhalt lüftet sich. Was durchsickert, verrät ein neues, ungebeuerliches Attentat uuf die Arbeitnehmer. Man hört, daß die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erhöht, die Unterstützungssätze aber gesenkt werden sollen. Die Krisenfürsorge soll beseitigt und die Bezugszeit für die Unterstützungen gekürzt werden. Alle Maßnahmen treffen mit besonderer Wucht die Angestellten, deren Beiträge zur Arbeitslosenversicherung jetzt schon die Inanspruchnahme um viele Millionen übersteigen. Das ganze heißt, daß die Regierung, nachdem es ihr nach dem Ausspruch des Reichskanzlers zu ihrer eigenen Verblüffung gelungen ist, den Weizenpreis auf das Zweieinhalbfache des Weltmarktpreises zu steigern,„ohne daß es bei der riesigen Arbeitslosigkeit zu Tumulten gekommen sei,“ Geschmack an solchen Massenbelastungsproben bekommen hat. Der Tritt nach unten ist zur Pinchose geworden. Herr Reichskanzler! Die von tausend Sprüngen durchzogene Decke hat noch einmal gehalten. Bei weiteren Belastungen riskieren Sie nicht nur neue Sprünge, sondern den Zusammenbruch. Dann geht es auch über alle noch so schön ausgeklügelten Notverordnungen hinweg. Auch die übrigen sozialen Versicherungszweige sind bedroht. Schrittmacher der Wirtschaft haben genügend ins Horn gestoßen. Die Angestellten haben es jetzt gründlich satt, daß man sich immer wieder an ihre sich aus eigener Kraft erhaltende Versicherungen beranpirscht, um sie schließlich, ohne anderen zu helfen auch noch notleidend zu machen. Nur eine Rezterung, die von jedem gesunden Instinkt verlassen ist, kann so handeln wollen. Sie würde eine ungebeure Erbitterung der Angestellten als Quittung eintauschen. Der Vierleifahesbericht der Baurregierung Verdrehungen Genz. 22. Mai. Der Vierteljahresbericht der Saarregierung über die Lage im Saargebiet wurde am Freitag vom Völkerbundssekretariat veröffentlicht. Die Regierungskommission des Saargebietes nimmt darin in völlig tendenziöser Weise zu dem Schulskandal Stellung. Bekanntlich hat die französische Grubenverwaltung im Widerspruch zum Versailer Vertrag im Saargebiet französische Schulen eingerichtet und zwingt die deutschen Saarbergleute unter Drobung mit Entlassung und anderen wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen, ihre Kinder in diese Schulen zu schicken. Die Regierungskommission bebauptet nun in ihrem Bericht, die französische Grubenverwaltung habe derartige Maßnahmen nicht ergriffen und sich völlig loval verbalten. Dagegen hätten deutsche Lehrer und Geistliche in einer Weise gegen den Besuch der französischen Volksschulen agitiert, die den Bestimmungen der Regierungskommission zuwiderlaufe. Der Bericht enthält auch nähere Angaben über die Finanzlage des Saargebietes. Es gebt daraus bervor, daß die Regierungskommission im Laufe der vergangenen Jahre aus der Steuerkraft der Saarbevölkerung einen Ueberschuß von 180 Millionen Francs herausgewirtschaftet hat, aus dem nach den Bestimmungen den französischen und internationalen Beamten der Völkerbundsverwaltung eine hobe Abfindung gezablt werden solle. Diese Maßnahmen stehen zu der Notlage im Saargebiet, der wachsenden Arbeitslosigkeit und den von der französischen Grubenverwaltung vorgenommenen erheblichen Lohnkürzungen in krassem Widerspruch. Krise auf der Londoner Weizenaussuhrkonserenz London, 22. Mai. Im Verlaufe der heutigen Ausschußsitzung der Weizenausfuhrkonferenz, ist die Gefahr eines Abbruchs der Verhandlungen in bedenkliche Nähe gerückt, da der Ausschuß keinen Plan gefunden bat, von dem angenommen werden kann, daß er die Billigung der Konferenz finden würde. Die Vollversammlung, die heute stattfinden sollte, ist auf morgen vertagt worden. Wieder Ueberfall auf einen Geldbriefträger Duisburg, 22. Mai. Am Freitag gegen 11 Uhr wurde der Geldbriefträger Müller, als er in der Hindenburgstraße 12 eine Nachnahme erbeben wollte, von zwei jungen Burschen überfallen und mit einem Sandsack niedergeschlagen, worauf die Täter versuchten, ihm die Geldtasche zu entreißen. Der Beamte konnte laut um Hilfe rufen und schließlich die Verfolgung der beiden Burschen aufnehmen, die über den Hindenburgplatz, auf dem gerade Markt abgehalten wurde, zu flüchten versuchten. Nach kurzer Verfolgung, an der sich Pubkikum, Markthändler und Polizei beteiligten, konnte einer der Täter in der Moltkestraße gefaßt werden. Der andere Bursche wurde auf dem Speicher eines Hauses in der Moltkestraße festgenommen. Wie bekannt wird, hatte der eine Täter vor einigen Tagen unter falschem Namen in der Hindenburgstraße 12 ein Zimmer gemietet und an sich eine Postschecknachnahme über zwei Reichsmark gerichtet. Als der Geldbriefträger am Freitag mittag erschien, versetzte der hinter der Tür stehende Täter dem Beamten mit einem mit Sand gefüllten Strumpf einen Schlag über den Kopf. Einer der Täter ist ein 30jähriger Heilgebilfe aus Wesel, der andere ein 20jähriger wohnungsloser Schuhmacher aus Hamborn. Ersterer ist bereits vorbestraft, gegen letzteren schwebt zur Zeit ein Haftbefehl wegen Einbruchsdiebstahls. Verurteilung einer Straßenräuberbande Köln, 22. Mai. Nach mehr als viereinhalbstündiger Beratung erkannte heute das Große Schöffengericht gegen die Straßenräuber Inveen, Deblon. Waldi, Kurz und Steinbrecher, die den Raubüberfall auf eine Bankfiliale in Köln=Lindenthal verübt haben, weswegen sie sich in einem besonderen Schwurgerichtsverfahren am 30. Mai zu verantworten baben werden, sowie vier weitere Angeklagte wegen Straßenraubes, Einbruchs, Autound anderer Diebstähle und gefährlicher Körververletzung auf folgende Strafen: Für Kurz und Waldi je 6 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte, gegen Deblon 5 Jahre Gefängnis, Inveen 4 Jahre Gefängnis und Steinbrecher 6 Monate Gefängnis bei Anrechnung der Untersuchungshaft. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von 2 Monaten bis zu einem Jahr 9 Monaten bei teilweiser Anrechnung der Untersuchungshaft, Gewährung von Strafaussetzung und in einem Fall Aufhebung des Haftbefebls. 3 Benzol=Explosionen in Seraing: 13 Verletzte Brüssel, 22. Mai. In den Cockerill=Werken in Seraing ereigneten sich am Donnerstag abend drei aufeinanderfolgende Benzol=Explosionen, die großen Sachschaden verursachten. 13 Arbeiter wurden verletzt. Lüttich, 22. Mai. Durch die Explosion des Riesengasometers in der Kokerei Seraing ist eine gewaltige Feuersbrunst entstanden, die auf die Destillationsanlagen übergriff und sie vollkommen zerstörte. Die Verwüstungen in der Umgebung der Fabrik sind ungebeuer. In dem benachbarten Dorfe wurden durch den Lustdruck alle Fensterscheiben zerbrochen. Außer den 15 Verletzten wird noch eine Person vermißt. Die Feuerwehrleute waren die ganze Nacht mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt. Verhaftung von Toscanini=Anhängern Mailand, 22. Mai. Im Konservatorium von Bologna veranstalteten einige Musikschüler eine Sympathie=Kundgebung für Toscanini. Sofort wurden Faschisten aufgeboten, die sie verprügeln wollten, worauf es zu einem blutigen Zusammenstoß kam. Zugleich wurde die Polizei geholt, die die Verehrer des Dirigenten verhaftete. Bei dieser Gelegenheit sind sowohl in Bologna als in Mailand mehrere als Antifaschisten bekannte Studenten in Haft gesetzt worden. In ein paar Zeilen „Das Kind“. Mit einer Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Dr. Adenauer wurde in der Messehalle in Köln die Ausstellung„Das Kind“ eröffnet. Pfingstüberraschungen sind für die Berliner Industrie eingetreten. Es sind eine größere Anzahl kurzfristiger Kredite gekündigt worden, hauptsächlich aus Amerika. Die letztgemeldeten Arbeiterkündigungen in Berlin sollen mit dem Abruf der Kredite in Verbindung steben. Auch an der Berliner Börse stellt Amerika große Teile seines deutschen Aktienbesitzes zum Verkauf, wie im gestrigen„Börsenkurier“ zu lesen ist. Eröffnung der Usedomer Bäderbrücke. Unter starker Beteiligung der Bevölkerung von Usedom, von Behörden, Vereinen, Abordnungen und Schulkindern fand gestern nachmittag um 3,15 Uhr die feierliche Eröffnung der neuen Brücke statt, die die Insel Usedom mit ihren zahlreichen Badeorten mit dem Festlande verbindet. Die„Woche" in Litauen verboten. Die im Scherlverlag erscheinende„Woche“ ist wegen eines kürzlich erschienenen Artikels über das Memelgebiet auf die Dauer von einem Jahr in Litauen verboten worden. Sport-Nachtrag Fisa=Tagung eröffnet Berlin. 22. Mai. Nach einer Zeitspanne von 20 Jahren begann am Freitag vormittag pünktlich 11.45 Uhr im Plenarsaal des ebemaligen Herrenhauses zu Berlin erstmalig wieder eine Tagung des Internationalen Fußballverbandes, der Fédération International de Football Association(Fifa). Im Jahre 1911 hatte die damals noch nicht so umfangreiche Organisation anläßlich der Hygiene=Ausstellung in Dresden getagt. Von den 47 dem internationalen Verband angeschlossenen Fußballnationen hatten 35 ihre Vertreter entsandt. Es herrschte eine recht feierliche Stimmung, als Felix Linnemann die ersten Begrüßungsworte sprach. Reichsinnenminister Dr. Josepb Wirth ergriff darauf das Wort. Er hob hervor, daß der Sport heute alle Nationen erfaßt habe. Deutschland stände heute in den vordersten Reihen und finde Anerkennung. Er wie auch der folgende Redner Magistratsrat Trisalski, der als Vertreter der Stadt Berlin sprach, wünschten dem Kongreß einen guten und erfolgreichen Verlauf den Teilnebmern aber recht angenehme Stunden ir Berlin und in Deutschland. Exz. Jewald, der als Präsident des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen anschließend das Wort ergriff, gab vor allem seiner Freude darin Ausdruck, daß die Olumvischen Spiele 1936 an Berlin vergeben worden waren und daß er persönlich keinen größeren Wunsch babe und den Versammelten unterbreiten könne, als in Verbindung mit den Olympischen Spielen auch wieder ein Olvmpisches Fußballturnier zu bringen. Darauf sprach dann der Fifa=Präsident Rimet(Frankreich) in einem glänzenden Stil mit gewinnender Herzlichkeit und unverboblener Freude über den freundlichen Empfang. Besonders liebenswürdige Worte sand Rimet für den Reichsinnenminister, der ja selbst einmal früher Fußballspieler gewesen sei. Auch er habe den Wunsch, daß anläßlich der Olympischen Spiele 1036 in Berlin auch ein Olympisches Fußballturnier abgehalten würde. Wie der Sport die Einigung der Völker fördere, so müsse es auch im polittschen Leben sein. Triumphaler Empfang Briands! Paris 23. Mai Dem gestern abend von Genf zurückgekehrten Außenministers Briand haben seine Freunde einen triumphalen Empfang bereitet. Schon Stunden vor dem Eintreffen des Zuges drängte sich eine nach Tausenden zählende Menscheumenge vor und in dem Bahnhof. Als der Zug einlief und Briand den Wagen verlicß, erhob sich ein ohrenbetäubender Jubel, der sich auf dem Platz vor dem Bahnhof fortsetzte. Damen überreichten Briand Rosensträuße. Das Gedränge wurde derart, daß die Scheiben der Glastüren in Splitter gingen, Leute in Ohnmacht fielen, und die Polizei Mühe hatte, den Minister durch einen Seitenausgang aus dem Bahnhofsgebäude zu bringen. Es kam auch zu kleinen Gegenkundgebungen seitens der Royalisten. Schließlich formierte sich ein Demonstrationszug nach dem Quai d’Orsav. Neuer Aufruhr in Asghanistan Mailand, 22. Mai.„Sera Secolo“ meldet aus Teheran: Hier sind viele afghanistanische Führer als Flüchtlinge eingetroffen. Nach ihren Berichten herrsche in Afghanistan volle Anarchie. Die Mehrzahl der Stämme marschiere auf Kabul. Dortmunder Getreidebörse „“ Westfälischer Weizen 29,5, inl. Roggen 21,5, Ostfriesischer Weißhafer 222.25—22.50, ausl. Hafer 22.5 bis 28.5, ausl. Gerste 22.25—22.5, Platamais 26, Einauantine=Mais 28, Weizenmehl Grundvreis 415,(Oprozentiges Roggenmebl 31—315, Ostdeutsches Roggenmehl 29,5—29,75, Weizenkleie 14.25—14.5, Trockenschnitzel 7,5 bis 7,75, Zuckerschnitzel 10,5—11, Rogegnkleie 14.25 bis 14.50. Tendenz: ruhig. Diese Preise sind Großbandelsverkaufspreise und versteben sich per 100 Kilo vaggonfrei Dortmund in Ladungen von 10—15000 Kilo, 200 Jahre Zwilling Solingen Am 13. Juni feiert der Zwilling, die weltbekanne Schutzmarke der Firma J. A. Henckels Zwillingswert Solingen, ihren 200. Geburtstag. Seit zwei Jahrbunderten wird das Zeichen in seiner tyvischen, jedem geläufigen Form in die Klingen und Scheren und die tausenderlei sonstigen Erzeugnisse der Firma eingeprägt, die— im Zwillingswerk aus eigenem Stahl fabriziert — sich die Gunst zufriedener Kunden eroberten und in all der Zeit zu erbalten wußten. Wenn die Achtung der Welt vor den Leistungen einer Nation in erster Linie aus ihrem Gewerbefleiß, aus der Qualität der Erzeugnisse erwächst, die auf dem Weltmarkt mit der heimischen Industrie erfolgreich konkurrieren, so hat die Firma J. A. Henckels allen Anspruch auf den Ehrentitel eines Pioniers deutscher Weltgeltung. Das repräe sentative Zeichen des Hauses, der Zwillinge, aber baf in den 200 Jahren seines Bestebens stets an bevor zugter Stelle das seine dazu beigetragen, deutschen Marken=Zeichen auf dem ganzen Erdball den Platz## erobern, der ihnen mit Recht gebührt. Kunderand WAraschidhr Reine Dividende der Bochum-Geisenkirchener In der gestern im Verwaltungsgebäude unter Vorsitz des Amtsrichters a. D. Thomas stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung der BochumGelsenkirchener Straßenbahn waren 8947 Aktien durch 5 Aktionäre vertreten. Der Bericht des Vorstandes und des Aufsichtsrates über die Lage des Unternehmens, die Bilanz, Gewinn= und Verlustrechnung wurden genehmigt und dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Den Vorschlägen des Vorstandes über Verwendung des Gesamtüberschusses in Höbe von 1 438.987 Mark für Erneuerungsrücklage, Abschreibungen und Tilgung von Anleihen wurde zugestimmt. Eine Dividende kommt in diesem Jahre, wie auch im Vorjahre, nicht zur Verteilung. Auf Anfrage aus der Versammlung wurde erklärt, daß die Dividendengarantie von 6 Prozent schon seit dem Jahre 1908 außer Kraft gesetzt sei. Die Gesellschaft habe keit dieser Zeit aus eigenen Kräften Erträgnisse zu schaffen. Weiter wurde auf Befragen vom Vorsitzenden mitgeteilt, daß der Verkehr auf den Straßenbabnen in den letzten Monaten infolge der wirtschaftlichen ungünstigen Verhältnisse zurückgegangen sei. Angaben über den Stand der Verhandlungen einer etwaigen Betriebsgemeinschaft zwischen den BochumGelsenkirchener Straßenbabnen und der Westsälischen Straßenbahn wurden nicht gemacht. Karstadt ohne Dividende Die neuen schweren Kursverluste sind auf große zmerikanische Abgaben zurückzuführen. Auch die Sorgen über die drobenden neuen Steuern wollen nicht verstummen. Die„Voss. Ztg.“ meldet: der Riesenkonzern Karstadt werde keine Dividende verteien können, sondern stebe vor einer Zusammenlegung seines 80=Millionen=Kavitals Berliner Börse Berlin, den 22 Mai 1931. Keine Oewähr für Hörtebler G Hirsch Kupter Hösch Eisen Hon Stärke IIse Bergban Karstadt Klöcknerwerke Koch Adler Köln-Neuess. B Körtins Oebr. Küopersbusch Laurahütte Losw. Love .Odensch. Met. Mannesm. Rohr Mansteld Akt. Mot.-Deuts Moih. Berss. Mdser Brasetel Oberbedart Phönis Bersb. Phsals Braunk. Rbein. Brauok. Rbein. Stable. Amtliche Berliner Devisenkurse Berlin, den 22. Mai 1931 in Reichamart Geld Brief Holland Belzlen Norweren Dinemart Schweden Italien England Amerike Frankreich Schweiz Disch. Oestert Tech. Siov. 100 Gulden 100 Fr.(Belza) 100 Kronen 100 Kronen 100 Kronen 100 Lira 1 Pic. Sterl. 1 Dollar 100 Frank 100 Frank rH100 000 Kronen 100 Kronen 168.66 58.37 112.34 112.37 11248 21.97 20411 4.196 16.406 80.93 58.95 12434 169.00 58.49 112.56 112.59 112.70 2201 20451 4.204 16.446 81.09 59.07 12.454 Preußische Landespfandbriefanstalt Ooldofagadr. 21..“: 8 Preusk Landespfandbr. Goldpianddr. 19... 9700 100.50 84 Preuß. Landespfandbr. Goldkomm. 20..“ 9700 8. Preud Landesplandbr. Goldkomm. 16.... 0000 Westf. Landesbank-Anleihen 61 Westt 8: dia #3 dte. et dta Landesb. 23 11 dn. 2 die. 99 4ta 271 84 West. Landesbenk Goleigand 98.25 98.25 10000 95.50 58.47 Berliner Produktenbörse Berlio, den 22. Mai 1931 1000 kr ad Stat. Weizen märk. Rossen märk. Sommergerste Winterserste Putterserste Hater märk. Mais ab Berlin 100 ke ad Stat. Weizenmehl Weizenkleie Rosserme bl Rossenkleie Viktorigerbsen 0000—0000 2010—2030 000-000 227-242 195—193 000—000 3325—88.75 1500—1525 26.75—28-50 1450—14.75 2800-91.00 Kl. Speiseerbe. Futtererbsen Peluschken Ackerbohnen Wieken Lupinen blane Lupinen geibe Raoskuchen Seradella, alte Seradella, nese Trockensche Leinkuchen Soiaschret Kart,„ Flost. 00.00—0000 1900—21.00 25.00—3000 1900—2100 2400—2600 1500—16.60 2200—2700 9.80—10#20 0000—0000 0000—0000 8.20—6.30 14.00—14#20 0000—0000 12.50—1380 9#### 7 EHT der deutschsprachigen Presse e.V. Wie immsere ein lag nach Pingsten Nud Billiergergenschonelte Gelsenkirchen A.-G. Statt Karten. Elisabeth Becker Willy Brinkmann Verlobte. Wanne-Eickel, Pfingsten 1931, Moltkestraße 18 Uedes Brautpaar besichtige die Ausstellung der für Raumkunst maßgebenden Firma A. EICK SOHNEIN ESSEN. 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In bunten Gewändern, mit groben Silberknöpfen geschmückt, ritten sie auf kleinen flinken Rossen voran, und ihnen folgten in großrädrigen Wagen, gezogen von aus. gebungerten Pferden und Maultieren, Hunderte von schwarzgebräunten Männern und Frauen, mit halbnack. ten Kindern im Schot und bungrigen Bären und Affen an der Kette. so war es vor Jahrhunderten— so ist es auch heute. Man nannte dieses Volk„Rome“, was in der Koptensprache einem spät=ägyptischen Dialekt,„Mensch" bedeutete. Die Wanderer erzählten, sie kämen aus Aegypten, und ihre Führer wären von fürstlicher Abstammung. Ihre Abnen sollen eine ungeheure Sünde begangen haben indem sie der Mutter Gotes, die mit dem Heiligen Kinde im Arm um Asol bat, die Gastfreundschaft verweigerten. Diese Missetat mußte das ganze Volk büßen: es wurde durch die göttliche Gerechtigkeit zu ewigem Wandern durch die Welt verurteilt. Mit dieser Legende erschienen die Zigeuner zum ersten Male in Europa. Heute noch beißen sie in der spanischen und englischen Sprache„Aegypter“, und die Ungarn bezeichnen sie als„Pharaos“. Ohne Habe und Gut, ohne Ueberlieferung und kulturelle Sitte gelangten sie in alle Länder Europas, und kein Mensch konnte sagen, wober sie eigentlich gekommen waren. „Komm Zigan Jahre 1777 kam der deutsche Forscher Rüdiger, der sich dem Studium der Zigeunersprache widmete, zu dem Ergebnis, daß die Urbeimat der Zigeuner am oberen Lauf des Indusstromes lag. Andere Sprachforscher fanden in der Zigeunersprache große Aebnlichkeit mit den bindu=kaukasischen Dialekten. Warum die Zigeuner ihre indische Heimat verlassen hatten oder von welchen Eroberern sie aus Indten vertrieben wurden, bleibt trotz aller Nachforschungen ein Gebeimnis. „Du wirst gewinnen, Charlie...! Von Alfred Hein. Hastings war kein Spieler. Weiß der Teufel, wie er in die Runde dieser Pokerbelden geraten war. Richtig. Me. Carbo hatte ihn mitgeschleppt.„Alter Junge, na, komm schon mit! Was willst du auf der Straße? Den Londoner Nebel kennst du doch nachgerade.“ Hastings sträubte sich, er wollte allein sein, über den Neubau seiner Fabrik nachdenken. In irgendeinem kleinen Restaurant. Doch der dicke Mc. Carbo sah ihn so zärtlich an wie auf der Schulbank, die sie zusammen in Southampton gedrückt, Söhne von armen Bergleuten. Jetzt hatten sie's beide geschafft. „Weil du's bist, nur weil du's bist, alter Knabe!" „Vern good!“ Und nun spielten sie seit vier Stunden. Von den anderen drei Mitspielern kannte er nicht einmal die Namen. Verbissen hockten die vier in dieser Junggesellenwohnung. Von wem? Wenn er das wüßte! „Zwei Pfund!“—„Ich gehe mit!“ „Ich auch!" „Des!“ nickte Me. Carbv. „Mit! Drei Pfund zu!“ „Mach' ich!“ flüsterte Hastings mechanisch angeregt. Er hatte drei Könige, konnte es schon wagen... an, alter Freund! Natürlich mit, dir zur Gesellschaft! Und noch ein Pfund..“ „Sieben!“ schrie Hastings.— Drei Könige, zwei Damen! Wer wird vier von einer Sorte haben? „Damm it!“ fluchte der eine der Mitsvieler. Ich passe!“ „Ebenfalls!“ schmiß der zweite die Karten beiseite. „Ich hette!(Scholte Me. Carbo Es gibt unter den Gelehrten auch eine einheitliche Aufsassung über den Arsprung des Wortes„Zigeuner". Zanche, Forscher fübrten es auf die Benennung einer mirtelaniarischen Samariter=Sekte„Atbinganen“ zurück, andere dagegen stellten es in Verbindung mit dem mittelindischen Volksnamen„Zangar“. Sicher scheint nur zu sein, daß die Zigeuner nach dem Verlassen ihrer indischen Urbeimat sehr lange das ägäische Archivel und die griechische Halbinsel bewohnten, von wo aus sie im 14. und 15. Jahrbundert ihre Wanderung durch Europa angetreten hatten. In allen Zigeuneridomen findet man zahlreiche griechische Sprachdlemende. Nirgends in Eurova wurden die Zigeuner gern geleben, obwohl die Zigeunerfrauen immer mit einem gebeimnisvollen Nimbus umgeben waren. Bei allen europäischen Völkern war der Glaube verbreitet, daß die Zigeunerinnen über Zauberkraft und Hellseherkunst verfügten. Das Ständeparlament in Orléans beschloß 1561, die Zigeuner„mit Feuer und Schwert“ auszurotten. Kaiser Leopold I. erklärte sie 1701 für„vogelfrei". Kaiser Karl VI. erließ 1726 eine Verordnung, dergemäß alle erwachsenen Zigeunermänner hingerichtet werden sollten. Frauen, Mädchen und Knaben unter 16 Jahren wurden im Falle der Weigerung, das heilige römische Reich deutscher Nation zu verlassen, mit dem Abschneiden der Ohren bedroht.„Diese schweren Verfolgungen und Strafen führten nicht zu dem gewünschten Erfolg. Die Zigeuner kümmerten sich garnicht um die kaiserlichen, königlichen und fürstlichen Verordnungen und gebärdeten sich so, wie es ihnen ihr angeborener Wanderinstinkt diktierte. Als Musiker begleiteten sie die ungarischen und türkischen Heere auf zablreichen Feldzügen, gossen Kanonen für die Janvtscharen des Sultans, spielten und tanzten am Krönungsfest des Königs Mattheus und galten in Siebenbürgen als die besten Henker, da sie die Schmiedekunst und mit ihr alle Gebeimnisse der Torturen und Folterungen glänzend beberrschten. Seit 700 Jahre treiben sich die Zigeuner in Europa herum, das letzte und einzige Wandervolk unseres Erdteils. Sie haben keine Religion und glauben nur an einen großen Geist der sie führt und beschützt, kennen keine Kultur und sehen in der„Freiheit" das böchste Ziel ihres Daseins. In Siebenbürgen haben sich die Zigeuner bis in unsere Tage in ihrer reinsten Form erhalten können. Dort blüben noch die altzigeunerischen Legenden. Zu den Zigeunersagen gebört die Erzählung über die Entstebung des Stechapfels, einer giftigen Pflanze, aus der Atrovin erzeugt wird. Ein weißer Zauberer suchte für sich eine treue Frau und beiratete ein blutjunges hübsches Mädchen. Einige Jahre lebte das Ebepaar glücklich zusammen, bis eines Tages die Frau von ihrem alten Manne beim Ebebruch ertappt wurde. Der Zauberer verwandelte die Frau in eine Stechapfelpflanze, die von Mensch und Tier gemieden wird. Ihre Kinder vertrieb er aus dem Hause. Seit diesem Tage wandern die Zigeuner, Nachkommen dieser verbannten Kinder des alten Zauberes, durch die Welt und finden nirgends eine Ruhestätte. Eine andere Zigeunerlegende berichtet von einem Manne namens Tschalo, der von der Natur mit einem ungewöhnlichen Appetit ausgestattet war. Er aß für zwanzig und konnte nie satt werden. Eines Tages begab sich Tschalo zum König und bat um eine Anstellung. Der König erklärte sich bereit, ihn in seine Dienste zu nehmen. Als königlicher Hofschmied lebte Tschalo in Saus und Braus. Er konnte sich endlich satt essen, beiratete und hatte 12 Kinder. Die Geduld des guten Königs war groß: sie nahm aber ein Ende, als Tschalos 12 Kinder beranwuchsen und an die königliche Speisekammer ungebeure Ansprüche stellten. Sie waren nämlich genau so gefräßig wie ihr Vater. Sogar das Vermögen eines Königs reichte nicht aus, um die verfressene Familie zu sättigen. Aus Angst, selbst zum Bettler gemacht zu werden, warf der König den Schmied Tschalo mit seiner Frau und den 12 Kindern heraus. Seit dieser Zeit suchen die Zigeuner, Tschalos Nachkommen, überall auf Erden nach einer Stätte, wo es genügend zu Essen gibt, können eine solche nicht finden und führen ein ewiges Wanderleben Michael Auspitz. aller Gelt K Von der Gattin abgeschlachtet ### Neutra(Tschechoslowakei). Ein entsetzliches Verbrechen, das sich am 24. November in Sag bei Neutra abgespielt hat, beschäftigte nunmehr die obere Strafinstanz. Die Angeklagte Katbarina Jurik hatte einen gutmütigen Gatten, der Jahre hindurch in Amerika arbeitete und ihr all seine Ersparnisse nach Hause schickte. Die Frau gab jedoch das ganze Geld aus und als ihr Gatte aus Amerika zurückkehrte, empfand sie seine Anwesenheit als Last. Als sie sich denn noch in einen jungen Mann verliebte, beschloß sie, den Gatten zu beseitigen. Sie wartete einen Tag ab, an dem ihr erwachsener Sohn fern vom Hause weilte, schlich sich dann zu ihrem schlafenden Gatten und jagte dem unglücklichen Mann ein großes Messer bis ans Heft in den Bauch. Zwischen dem tödlich Verletzten und der Mörderin entspann sich ein furchtbarer Kampf. in dem der Mann unterlag. Jurik starb dann auf dem Transport zum Krankenhaus. Das Gericht verurteilte Frau Jurik zu zehn Jahren Zuchthaus. Dieses Urteil wurde vom obersten Gerichtshof bestätigt. Der Mann mit dem Galgenhumor 2 Mark wöchentlich— ist das nicht lachhaft? (G92) Berlin. Aufsehen erregte der wegen Einbruchs angeklagte Otto Mikuleit, der den Verhandlungssaal mit einer Miene betrat, als amüsierte ihn die ganze Angelegenheit und als wäre sie ein Anlaß zum herzhaftesten Lachen. Der Richter hielt ihm seine Tat vor, schilderte, wie der unverfroene Dieb das Fenster eines „Und zehn dazu!“ schrie der dritte Unbekannte. „Siebzehn Pfund!“ pfiff Hastings durch die Zähne. Alle Spielerunarten der Soldatenzeit gewöhnte er sich im Nu wieder an. Selbst die Zigarre begann er vor Aufregung zu zerkauen. „Aber Charlie! Na, weil ich dich verführte, bleibe ich...“ „Noch jemand?" fragte Charlie Hastings mit gemachter Ruhe. Drei Könige, zwei Damen.. Sie deckten ihre Karten auf. Charlie war Sieger. Und gewann. Und gewann! „Du willst dich wohl an mir rächen für die Verfübrung?“ klopfte Me. Carby mit seiner fetten Hand dem alten Freund auf die Schulter. Endlich verlangte jeder nach der letzten Runde. Auch diese gewann Charlie. Er verließ mit Mc. Carby die unbekannten Mitspieler und das unbekannte Haus im Morgengrauen. Seit Jahren war er nicht so spät(oder Bett gegangen. Es war vier Uhr morgens. Als Charlie Hastings endlich wieder allein war und in die Straße einbog, in der er seit dem Kriege sein stilles Junggesellenheim bewohnte— pfui Deiwel, wenn so eine Pokerbande ihm derart das Zimmer verqualmte, wie die Kleider stanken!—, da sah er ein Mädchen an einer der Häuserreihen lehnen. Halb ohnmächtig, blaß, verwirrt. Er blieb stehen.„Was ist Ihnen?“ „Ich weiß nicht— helfen Sie mir! Ich wollte schlecht sein— ich kann nicht...“ So fand Charlie Hastings seine Frau, Liszie Hickson. Sie war als Stenotyvistin stellungslos geworden, hatte keine Eltern mehr, niemanden sonst. „Nun weiß ich, warum ich solange vokern mußte, damals“, sagte Charlie zu seinem Trauzeugen Mc. Carby auf dem Standesamt.„Ist sie nicht schön?“ „Wann gibst du uns die Revanche?" „Vorläufig nicht.“ Und er entschwand Arm in Arm mit der schönen blonden Lizzie. Me. Carbv sah ihm Mädchenheime bestiegen und die auf dem Fensterbrett liegenden Spargroschen der Wirtschafterin an sich genommen hatte; dan fragte er ihn, ob er geständig sei. Während dieses Vortrages schüttelte sich der Angeklagte vor Lachen. Die Darstellung seiner Tat erschien ihm so komisch, daß er sich gar nicht berubigen konnte. Bis schließlich der Richter die Geduld verlor und ihm zurief:„Finden Sie das wirklich so lachhaft?“ Jetzt wurde der junge Bursche ernst.„Na, wissen Sie, Herr Rat, zwei Mark Unterstützung die Woche, leerer Magen, nichts zu futtern— da soll man nicht lachen?“ Diese Antwort verfehlte nicht eine große Wirkung auf die Zuhörer. Aber das Gericht fand, daß die traurigsten Lebensverhältnisse noch immer kein Grund seien, um so oft zu stehlen, wie es der Angeklagte bisher getan hat. Da Rückfall vorlag, lautet das Urteil auf 8 Monate Gefängnis. Neunzehnjähriger Stiefsohn als Giftmischer „Wir haben don gelebt“. (S92) Berlin. Erwin Krüger, ein blonder Junge mit treuherzigen blauen Augen, steht unter einer furchtbaren Auklage vor dem Schwurgericht. Die Anklage legt ihm Mordversuch an seiner eigenen Stiefmutter zur Last. Erwin war längere Zeit arbeitslos. Eines Tages lernte er auf dem Arbeitsnachweis zwei junge Burschen kennen, die auf den damals Neunzebnjährigen, aber noch kindlich unreifen Jungen, einen starken Einfluß gewannen. Sie veranlaßten ihn, bei seinem Pater Geld zu steblen. Als die Eltern einmal nicht zu Hause waren, entwendete Erwin 50 Mark und blieb ein vaar Tage von Hause weg. Das Geld gab er in Gesellschaft seiner Freunde aus. Vor Gericht erzählt er jetzt: „Wir haben damals bon gelebt“. Vors.:„Was verstehen Sie unter„bon" leben?“ Augekl.:„Na, ins Kino geben, Würstchen und Schokolade essen.“ Obwohl der Vater ihm nachher den Diebstahl verziehen hat ließ sich Erwin von seinen Freunden zu neuen Diebstäblen im Elternhause verleiten. Mit einem Teil des gestohlenen Geldes fuhren die beiden „Freunde" nach Stettin. Erwin behauptet, daß sie auch dann noch ihren Einfluß auf ihn behalten hätten. Sie hätten ihn zu der unglückseligen Tat veranlaßt. die ihn nun wegen versuchten Mordes auf der Anklagebank gebracht bat. Erwins Stiefmutter lag krank zu Bett und der Junge brübte ihr den Kaffee auf. Der Kranken fiel aber der sonderbar säuerliche Geschmack des Kaffees auf. Sie spuckte das Getränk gleich nach dem ersten Schluck aus und stellte den Stiefsohn zur Rede. Erwin wußte nichts zu erwidern, ging aus dem Hause fort und hielt sich einige Tage bei feinem Onkel auf. Bei dieser Gelegenheit stahl er ihm 500 Mark, die er auf dem Friedhof vergrub. Er ist wegn dieses Falles übrigens schon zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Die Stiefmutter brachte den Kaffee zum Polizeipräksidium und ließ ihn untersuchen. Er enthielt Salzsäure, allerdings nicht in genügender Menge, um einen Menschen zu töten. Sie hatte nicht einmal ausgereicht, um Verätzungen im Munde des Opfers hervorzurnfen. Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin gegen Erwin das Verfahren wegen versuchten Mordes ein. Vors.:„Warum wollten Sie Ihre Stiefmutter veraisten?“ Angekl.:„Ich wollte sie nicht umbringen. Meine Freunde haben mir zugeredet, sie zu vergiften, damit ich nachher allein mit dem Vater wirtschaften und den beiden auch von dem Wirtschaftsgelde etwas abgeben kann. Ich weiß selbst nicht, wie mir damals war... Mir war, als ob ich gefesselt wäre." Der Vater sowie die Stiefmutter sagen aus, daß Erwin stets ein guter, gehorsamer und fleißiger Junge gewesen sei— bis er mit Fritz und Arthur bekannt wurde. Nur auf ihren bösen Einfluß seien Erwins Straftaten zurückzuführen. Das Gericht verurteilte Erwin wegen versuchten Totschlages zu einem Jahr Gefängnis. Wen=SchennonKoachen.. Seine eigene Todeserklärung mitangehörts ahrlässige Aerzte 7 2. ann ist der Mensch tot? Nur einem Zufall verdankt ein Patient eines Berliner Krankenhauses die Tatsache, daß er in der Totenkammer des Krankenhauses von einem Krankenwärter geseben wurde, gerade in dem Augenblick, in dem er schwache Lebenszeichen von sich gab. Dieser Vorfall stimmt mit Recht bedenklich. Umsomehr, als immer wieder Nachrichten von Scheintoten kommen, deren Scheintod erst entdeckt worden ist, nachdem sie ärztlicherseits bereits für tot erklärt worden waren. Andererseits werden auch einwandfreie Tote bisweilen noch als scheintot erklärt, wenn Sinnestäuschungen ihrer Umgebung Lebenszeichen bei ihnen vermuten ließen So gaben unlängst zwei Totengräber an, aus einem frischen Grabe Klopftöne gehört zu haben. Die sofortige Untersuchung ließ die Sinnestäuschung erkennen, der die beiden zum Opfer gefallen waren. In diesem Falle seufzend nach: Der Junge hat wirklich nicht nur im Kartenspiel Glück.— Erst nach ungefähr einem Jahre erschien, mit Hallo begrüßt, Charlie Hastings wieder in der Pokerrunde. Man kam jetzt bei Me. Carby zusammen. „Sind die Flitterwochen endlich zu Ende?“ schrie man ihm entgegen. „Ich komme, um abermals das Glück zu holen. Lizzie schickt mich“, lächelte Charlie. „Lizzie? Wie gebt es ihr?“ „So gut es ihr geben kann. Sie ist abergläubisch und hat mich in ihrer schweren Stunde weggeschickt. Ich wollte nicht, aber sie sagte: Um unseres Glückes willen, geh wieder svielen.. Mc. Carby knurrte wohlgefällig:„Eine tapfere kleine Frau.“ Als Charlie dreiunddreißig Pfund Gewinn in die Tasche steckte, so gegen zwei Uhr morgens, klingelte das Telephon. Me. Carby ging an den Apparat.„Hurra! Charlie! Du hast gewonnen! Ein Junge!“ Da warf Charlie die Karten in die Ecke, sprang in das erstbeste Auto und war in fünf Minuten zu Hause. Doch dann kam die Zeit— Charlies Fabrik blübte, aber den Jungen hatte der Scharlach ihnen genommen, und Lizzie war seitdem krank, immer so ein wenig bleich und krank—, ja, dann kam die Zeit, da schlich die Freude aus dem Hause. Chalie ließ es sich nicht anmerken, daß er gequält und zermürbt wurde durch die müde Krankheitsatmosphäre, durch die Leere nach dem letzten verschollenen Kinderlachen. Aber Liezie merkte es doch. Sie streichelte ihn mit ihren knochendünnen, kalten Fingern:„Armer Charlie...“ „Aber Lizzie, was kannst du dafür?“ „Doch, doch, mo bov! Ich mach' dies kalt!“ „Ach, sübe Liozte...“ bandelte es sich nicht um einen Scheintoten. Doch diese Fälle sind leider seltener und jedenfalls von geringerer Bedeutung als die, in denen Scheintote für tot erklärt worden sind. Da in allen diesen Fällen ordnungsgemäß Totenschein ausgefüllt war, kann es sich trotz der Grausigkeit dieser Begebenheit keineswegs um Hintertreppenromane handeln. Die Frage ob hier ein Verschulden vorliegt und wie diese Vorfälle zu vermeiden sind, ist von allgemeiner Bedeutung. Man stelle sich die Situation jenes Bäckergehilfen in Konstanz vor, der in einem Anfall von Tetanus(Starrkrampf) leblos daliegend. seine eigene Todeserklärung durch den Arzt, alle Vorbereitungen zu seiner eigenen Beerdigung und seine Einsargung über sich ergeben lassen mußte, bis die Angst ihm schließlich noch im letzten Augenblick den Mund zum Schrei Und eines Abends sagte Lizzie:„Charlie Liebster geb doch vokern mit Mc. Carby: vielleicht kommt das Glück wieder ins Haus...“ „Ich lasse dich nicht allein. Wenn du einen Hustenanfall bekommst, Lizzie...“ „Ich fühle mich viel besser. Du kannst wirklich geben. Du wirst gewinnen, Charlie! Komm, jetzt mache ich dir ein gutes Abendbrot, du gibst mir noch einen schönen, schönen Kuß, dann gebst du vokern...“ Sie lachte so hell und jung wie schon lange nicht. „Wie schön du noch immer bist. „Noch immer?!“ „Verzeib— ich wollte dich nicht an die Krankheil erinnern. Es wird ja noch alles gut. Im Frühjahr geht's wieder nach dem Süden. Ich habe das Geld beisammen.“ „Es wird alles gut. Doch nur, wenn du pokern gebst.“ „Aber Lizzie!— Gut, meinetwegen.“ Und er pokerte zum dritten Male.„Du wirst gewinnen, Charlie!“ hatte sie beim Abschied gesagt. So zärtlich, so gitternd=süß. Es ging ihm nicht aus dem Ohr. Und er gewann wirklich. Selbst Me. Carby fluchte, so viel gewann Charlie. Nun konnte Liszie sich's in Katro erstklassig einrichten, wenn das gewonnene Geld noch dazukam. Er pfiff seit langem wieder vergnügt, als er ins Schlafzimmer trat. Er knivste das Licht an. „Liszie! Ich habe gewonnen— Lizzie!!“ Sie lag regungslos da. Das Medizinfläschchen mit den Tropfen war bis auf den Grund geleert. In der welk herabhängenden Hand hielt sie einen Zettel: Du hast gewonnen, Charlie. Auch diesmal. Unsere Liebe durfte nicht dabinsiechen. Ic gebe zum Jungen## halte uns lieb. Aber sei lustis E#—#i= 7 immer wieder gewinnen, mu bov.“ * % Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. öffnete, der seine Rettung bedeutete. Die Qualen dieses Menschen sind mittelalterlichen Folterprozeduren gleich zu setzen. Man könnte sich gut vorstellen, daß jemand der nur scheintot war unter diesen Umständen tatsächlich dem Tode erliegt. Gibt es denn keine exakte Methode, mit der die Tatsache des eingetretenen Todes einwandfrei festgestellt werden kann? Diese Methode gibt es. Die Fälle, in denen jemand für tot erklärt wurde, der nur scheintot war, lassen stets auf ein geradezu fahrlässiges und flüchtiges Untersuchen des Arztes schließen, der den Totenschein ausgestellt bat. Das Gesetz schreibt eine Frist vor, innerbalb der die Beerdigung nicht stattfinden darf. Die Erfahrung lehrt, daß diese Frist nicht immer ausreichend ist. Andererseits gebt es nicht an, sie weiter auszudehnen, da die Zersetzung der Leiche gewisse Gefahren in hygienischer Hinsicht mit sich bringt. Umsomehr muß auf die äretliche Untersuchung zum Zwecke oer Ausstellung des Totenscheins Wert gelegt werden. gibt sogenannte sichere Zeichen des Todes. Das muß zunächst einmal festgestellt werden. Daneben gibt es auch Todeszeichen, die nicht sicher zu sein brauchen. Das ist in erster Linie das Aufbören der Funktionen, iusbesondere der Herztätigkeit und der Atmung. In den Fällen, in denen Scheintote für tot erklärt worden sind, haben sich die Aerzte vermutlich mit diesen Todeszeichen begnügt. Hätten sie aber die sicheren Leichenerscheinungen, die allmählich bei jeder Leiche auftreten, abgewartet, so wäre ihnen der Irrtum bestimmt nicht unterlaufen Die wichtigsten Leichenveränderungen, die äußerlich ohne weiteres wahrnehmbar sind, zeigen sich in der Leichenkälte, der Totenstarre, den Blutsenkungs=, Diffusions= und Fäulniserscheinungen. Zumal die Blutsenkung ist nicht zu übersehen. Ihr Auftreten ist als sicheres Todeszeichen zu betrachten. Sie erfolgt dadurch, daß durch das Aufbören des Kreislauses das flüssige Blut den Gesetzen der Schwere folgend, sich in den Gefäßen der tiefer liegenden Körverteile, also in den unteren Hauptpartien sammelt. Dadurch werden auf der Haut blaurote Verfärbungen bervorgerufen, die als Leichenflecke bezeichnet werden. Diese so wie die ihnen folgenden Leichenerscheinungen der Fäulnis und Zersetzung sind allerdings erst nach einer gewissen Zeit zu beobachten. Gewissenhafte Aerzte warten daher einige Stunden, bis sie nach erfolgtem Tode den Totenschein ausstellen, und sehen sich die Leiche noch einmal an, auch wenn sie den Tod unmittelbar mit dem Erlöschen der Funktionen festgestellt haben. Dr. med. Sünter Fiebig. Damit die Frau nicht mit den euerwehrleuten... Brandstiftung eines eisersüchtigen Ehemanns. 1 Liegnitz. Der 40jährige Landarbeiter Willi Liers scheint ein origineller Kauz zu sein. An einem Faschingsabend besuchte er einen Maskenball der Freiwilligen Feuerwehr in Großhartmannsdorf. Er langweilte sich nach Noten, da er nicht tanzen kann, umso besser aber unterhielt sich seine Frau, die im Maskenkostüm mitgekommen war und sich nach Herzenslust austanzte. war so nett und die strammen Feuerwebrleute tanzten so gut... Liers wurde immer ärgerlicher und verließ schließlich das Lokal. Draußen zündete er sich eine Pfeise an und nun fiel ihm ein, daß es doch nicht in Ordnung sei, daß seine Frau sich im Tanzsaal unter den feschen Feuerwehrleuten amüsierte... L. warf das brennende Streichholz, mit der er die Pfeise in Brand gesteckt oatte, auf einen Wagen, der sich in der Näbe befand und mit Preßstrob beladen war. Bald schlugen die Flammen boch emvor und Dorfbewohner verständigten die Feuerwehrleute, die sofort berbeieilten und den Brand löscheen. Der Sachverhalt kam bald ans Tageslicht und nun hatte sich Liers wegen seiner Tat vor dem Schöffengericht zu verantworten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu sieben Monaten Gefängnis mit dreijähriger Bewährungsfrist. Die greisen Unholde von St. Valentin Dreißig Schulkinder mißbraucht. ∆. St. Pölten. Im April dieses Jahres wurde in St. Valentin ein groder Sittlichkeits=Skandal aufgedeckt. Etwa dreißig Kinder, Burschen und Mädchen, waren von zwei Greisen schwer mißbraucht worden. Der 63jährige Tischlermeister Johann Nöbauer und der 60jährige Hausbesitzer Karl Ladki hatten sich gemeinsam an den Kindern vergangen. Durch ein 13jähriges Mädchen. das weinend in die Schule kam und dem Lehrer das Vorgefallene erzählte, kam die Sache auf. Zwei Jahrzehnte bindurch hatten die beiden Wüstlinge ihr Unwesen getrieben. Während Nöbauer sofort zugab. sich an zwölf jungen Mädchen vergangen zu haben, leugneie Ladki einen großen Teil der ihm zur Last gelegten Verbrechen. Durch das umfassende Geständnis war es möglich, die Verhandlung gegen Nöbauer bereits durchzuführen. In verschiedenen Fällen konnte die Anklage nicht mehr erhoben werden, da sie bereits verjährt waren. In der Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit durchgeführt wurde, belasteten die zahlreichen Zeuginnen den Angeklagten aufs Schwerste. Er hatte sie unter dem Vorwande. ihnen Zitherunterricht erteilen zu wollen, in seine Wohnung gelockt und mißbraucht. Drei der Zeuginnen, die ihm noch als Schulkinder zum Opfer gefallen waren, sind heute verbeiratete Frauen. Das Gericht verurteilte Nöbauer, der in zehn Fällen schuldig erkannt wurde, zu drei Jahren schweren Kerkers. Der angeklagte Hausbesitzer wird sich in einem gesonderten Verfahren zu verantworten haben. *4 Die ige Landesbank der Provinz Westtalen bietet an zur günstigen Kapitalanlage Gold-Pfandbriefe u 95 1/% Gold-Kommunalschuldverschrelbungen.... au 93 1/% Nähere Auskunft erteilen die Landesbank in Münster, Bielefeld, Dortmund, Hagen, sämtliche Banken und Sparkassen. K Warum zahlen Sie noch miete? Wenn Sie sich mit gleichen Ausgaben ein Eigenheim schaffen können? 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Viermal bisber blieb Oesterreich siegreich, einmal trennten sich die Parteien unentschieden, zweimal siegte Deutschland. Infolge der „verschrobenen“. D8B=Bovkottierung der Donauländer haben wir seit 1924 nicht mehr gegen die Oesterreicher gespielt. Es wird sich nun zeigen, ob wir noch, wie zuletzt in Nürnberg mit 4:3, gegen sie bestehen können. Alles spricht dagegen, zumal Oesterreich am vergangenen Samstag Schottland mit 5:0 Toren„einpackte“. Die deutsche Mannschaft ist noch umgestellt worden. Da Kretz und Ludwig absagen mußten. Es sollen nun die schwere Prüfung besteben: Geblbaar; Beier— Weber: Knöpfle— Münzenberg— Müller: Bergmaier— Sobek— Hohmann— R. Hoffmann— Müller.— Oesterreich schickt folgende Spieler ins Gefecht: Hiden: Schramseis— Blum: Braun— SmiGall: Zischek— Gschweidl— Sindelar— Schall— Vogel. Es scheint eine Siegessache der Oesterreicher zu werden. Auch im Westen Wiener Fußball Der WSV ist nun glücklicherweise auch von seiner starren Profisperre abgekommen. Nach den Engländern aus Birmingbam spielen nun Wiener Städtefußballer in Köln und in Duisburg. Die Wiener Elf ist sehr spielstark zusammengestellt. Am Samstag werden sie im Kölner Stadion ihr Können beweisen und am zweiten Feiertag darf sich Duisburg=Hamborn gegen die Wiener erproben.— Natürlich darf auch ein Meisterschaftsendspiel nicht fehlen. München 1860 und Tennis=Borussia Berlin liefern sich am 1. Feiertag in Frankfurt a. M. das noch rückständige Spiel der Zwischenrunde.— In den westdeutschen Gebieten gibt es recht zahlreichen auswärtigen Besuch. Die Spogg. Fürtb ist bei Borussia Rheine und dem BfB Bielefeld zu Gast, der D'C Prag spielt gegen Alemannia Aachen und Mülheimer SV. In Benrath wird der FK Pirmasens, aber ohne Hohmann, spielen. Fortuna Düsseldorf spielt gegen Sppag. Barmen und eigenartiger Weise am nächsten Tage in Hamburg gegen die Biktoria. Austria Wien, Ravid Wien, West United. SE Birmingham sind deutsche Pfingstgäste. Eintracht Frankfurt spielt in Zürich. In Genf treffen sich Schweiz— Schottland, während Dänemark gegen Norwegen stürmt. Deutsche Athleten in Stamford-Bridge Achilles=Club London, Stade Francais Paris und Sese# enbination BSE=DEE tragen einen Leicratbletik=Klubkampf in Stamford-Bridge aus. Nurmi, Lara, Vitanen werden hier ebenfalls starten. Ueber 7 engl. Meilen will„Paovo“ rekordeln.— Münster 08, Schwarz=Weiß Essen und Dortmund 95 tragen einen Klubkampf in Dortmund aus. In Altenund Lennev sind Veranstaltungen, in Detmold Frauen=Wettkämpfe. Borchmeyer und Jonath werden in Lennev starten. Bonn hat sein traditionelles Venusbergfest. Turner und Sportler starten gemeinsam. In Belgien starten deutsche Ruderer zum erstenmal wieder seit 1912. Die Kölner Regatta schickt seine besten Vertretungen gegen belgische, französische, dänische und englische Boote und steht vor einer sehr schweren Aufgabe. Meden=Kämpfe in Duisburg in Leipzig, Stuttgart und Königsberg geben dem Tennisvrogramm Profil. In Duisburg trefer„ sich, in der Vorrunde Westfalen— HamburgSchteswig=Holstein und Rheinland=Niedersachsen. Nournev. Dr. Dessart, Heitmann, Meffert, Kublmann, Utbmöller, Lane und Kuhlenkampf überragen die verschiedenen Teilnehmer. In Königsberg spielt der Berliner Tennis=Verband gegen den Osten, Rotweiß Berlin auf Mittel und in Stuttgart dürften sich die Badenser gegen den Süden behaupten.— In Ems veranstalten die westdeutschen Tennislehrer ihr traditionelles Turnier. Die Besetzung ist ausgezeichnet. Großes Interesse beanspruchen auch die internationalen französischen Tennismeisterschaften in Paris, wo auch deutsche Spieler und Spielerinnen in den Kämpf ensteben. Radsport=Feiertage Ein großes Programm ist auf Bahnen und Straßen zu verzeichnen. Forst veranstaltet am 1. Feiertag, in Hamborn startet Erich Möller, in Dortmund kommen die Flieger einmal zu Wort und auf der Pariser Prinzenbahn werden zum dritten Male die Steher und Flieger geprüft.— Am 2. Tage fahren Sawall, Krewer, Dederichs, Thollembeck eine Revanche in Berlin (Olympia). Frankfurt hat ebenfalls Steberrennen und auch in Zürich wird gefahren. In Rbede wird sogar ein Amateur=Länderkampf Deutschland— Holland ausgetragen. Die Deutschland=Rundfaht wird am 1. Feiertag in Rüsselsheim abgeschlossen werden. Wir erwarten Metze als Einzelsieger und Deutschland als Sieger des Länderklassements. Italiens Rundfahrt dauert noch an. Großer Straßenpreis von SchleswigHolstein, Magdeburg— Quedlinburg— Magdeburg. Lvon— Genf, Lvon, Ablen— Beckum— Hamm— Ablen stehen noch auf dem Programm. Die Saalmeisterschaften der Concordia werden in Erfurt ausgetragen. Motore knattern auf der 10000 km=Fahrt des A. v. D. Italien meldet den Peis von Rom für Motorräder. In Gladbeck und Oberbausen werden Dirt=Track=Rennen ausgefabren, u. a. startet Sprounds Elder, der englische Weltmeister. Auf Pferderücken Bei den Pferdesportlern ist neben dem Turnier in Florenz ein Turnier in Brüssel zu erwähnen; hier starten aber keine deutschen Reiter. Wiesbaden hat ein Pfingstturnier mit guter(auch Reichswehr) Beteiligung. Von Galopprennen sind zu notieren: Enghien (SA), Dresden, Raffelberg, Sonntag: Hoppegarten, Raffelberg, St. Cloud am Pfingstmontag.— Die FIFA=Tagung in Berlin sieht Vertreter von etwa 87 Nationen in der Reichshauptstadt. Man wird sich über wichtige internationale Fußballfragen(Los Angeles, Weltmeisterschaft) unterhalten und das Länderspiel besuchen.— In Worms tagt die deutsche Turnpresse. Der zweite Trabrenntag in Recklinghausen Nach dem gelungenen Auftakt am vorigen Sonntag hält der Verein Rbein.=Westf. Traberbesitzer und Züchter am kommenden Pfingst=Sonntag, seinen zweiten Renntag auf der Rennbahn Hillerbeide ab. Das sehr abwechslungsreiche Programm siebt 7 Rennen vor. Das Hauptereignis des Tages„Der Preis der Internationalen“ dürfte 10 Pferde am Start sehen, von denen der am Sonntag an der Höchstzulage scheiterte, Gelegenheit nehmen wird, seine Niederlage wettzumachen. Von unseren besten Inländern hat er den bärtesten Widerstand in Bernardus, Hagenbek und Columbus 2 zu erwarten. Etwa 75 deutsche Sportlehrer im Ausland Deutsche Sportlebrer sind anerkannt und sehr beliebt im Ausland. Eine Aufstellung des Verbandes Deutscher Sportlehrer belehrt darüber: 11 Sportlehrer sind in der Schweiz, 8 in Oesterreich, 6 in den U. S. 6 in Südamerika, in Spanien, Dänemark, Frankreich, Holland, je 2, in der Türkei, Griechenland, Estland, Lettland, Norwegen, Engländ, Italien, Tschechei, Portugal, Polen, Palästina, Rumänien je einer. Das sind rund 50 Mitglieder die dem BDS. angehören. Etwa 25 Sportlehrer gehören diesem Verbande aber nicht an, sie stammen in erster Linie von der Deutschen Hochschule für Leibesübungen. Man kann also insgesamt die Zabl 75 annehmen. Ein sichtbares Zeichen von der Tüchtigkeit unserer Lehrer. Länderkampf Italien—Deutschland Wie der Deutsche Reichsverband für Amateurboren mitteilt, wird anläßlich des Länderkampfes gegen Italien am 19. Juli 1931 in der Kampfbahn„Rote Erde“, Dortmund, als Vertreter der deutschen Farben im Leichtgewicht der Dortmunder Schmedes aufgestellt, der hier gegen den Europameister BianchiniItalien kämpft. Im Mittelgewicht startet für Deutschland der Deutsche Meister Bernlöhr=Stuttgart, der durch seine eindrucksvollen Siege während der Deutschen Meisterschaften in Hamburg— Ostern 1931— sich als unzweifelhaft bester Mittelgewichtler Deutschlands den Meistergürtel eroberte. In Wanne-Eickel: ein gutes Pfingstprogramm Verhältnismäßig reichhaltig ist das Fußballpro= gramm, das sich die Wanne=Eickeler Sportvereine für ein„Pfingsten daheim" aufgestellt haben. Im allgemeinen ist man es gewöhnt, daß die Fußballmannschaften zu Pfingsten größere Reisen unternehmen. Diesmal hat man aber— mit Ausnahme des Rasensport Wanne— Abstand davon genommen. Die 1. Bezirksklasse veranstaltet drei Treffen. Zunächst aibt es ein Samstagabendspiel Preußen Wanne— TuS. Werne. Es ist das einzige Pfingstspiel der Preußen. Tus. Werne, der Bezirksligist, ist hierorts genügend bekannt — vor allem durch seine bravourösen Aufstiegskämpfe im vergangenen Jahre. Der Verein war damals arger Kontrabent der Wanner Preuben, die er in grobem Kampfe sogar auf ihrem eigenen Gelände schlagen konnte. Das Spiel war mit ausschlaggebend für den Aufstieg. In der Liga bat sich Werne verhältnismäßig Vereinsfanatiker stören Boxsport-Ortstreffen Ver. Faustkämpfer-Schmeling überlegener Sieger Die leidigen Umstellungen Der durch die letzten guten Erfolge der beiden WanneEickeler Boxvereine„Ver. Faustkämpfer=Schmeling" und „BC. Stern“ erzielte Aufbau im heimischen Boxsport ist mit einem Schlage schon wieder zunichte gemacht. Der am Donnerstag abend von beiden Vereinen gemeinschaftlich im Stadtgartensaal aufgezogene Lokalkampf hat das vernichtet, was jeder einzelne Verein durch tatkräftige Arbeit in den letzten Monaten geschaffen hat. Die Veranstaltung, von der man eine Feststellung des Kräfteverhältnisses zwischen den beiden Vereinen erhoffte, hielt in Bezug auf die sportliche Durchführung nicht das Erwartete. Die fast immer vorkommenden üblen Begleiterscheinungen bei Lokalkämpfen blieben auch hier nicht aus. Schuld daran sind die bei Boxkämpfen fast sprichwörtlich gewordenen Um. stellungen, die sich aber— das muß entschuldigend gesagt werden— oftmals nicht umgehen lassen.(Krankheit, berufliche Verhinderung usw. sind häufig die ausschlaggebenden Gründe.) So war durch die Verletzung von Olbricht auf Seiten der„Vereinigten“ eine Umbesetzung nötig, die aber vorber schon bekannt gegeben war. Das Programm selbst litt unter dieser Maßnahme keineswegs, da der eingesetzte Ersatz sich vollauf bewährt hat. Der„BC. Stern“ konnte im Schwergewicht seinen ursprünglich vorgesehenen Kämpfer Schönwald nicht stellen, da dieser am Veranstaltungstage ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Dieser Umstand, der nicht vorauszuseben war, ist der eigentliche Urbeber der Meinungsverschiedenheiten gewesen. Mit dem fruchtlosen Versuch, eine Schwergewichtspaarung zusam. menzubringen, hatten die vereinsfanatischen Reibereien ihren Höbepunkt erreicht. Der von den„Sternern" nominierte Ersatzmann Hommen weigerte sich, den Kampf aufzunehmen, und später wollte man von Seiten des„BC. Stern“ den Mittelgewichtler Grzybowski in der höchsten Klasse starten lassen. Laut Wettkampfbestimmungen des Verbandes ist eine Paarung mit 30 Pfund Unterschied unmöglich. Somit kamen dann diese Punkte kampflos an die„Vereinigten“, was auch im Federgewicht der Fall war, da Bönat(Stern) einen Rückzieher machte, als Wenzek(Ver.) anstelle Handtkes antrat. Ein unglücklicher Umstand war auch das Nichterscheinen des Schiedsrichters Der zufällig als Gast anwesende Gauobmann Köchling, Bochum, übernahm die Leitung, die er als Einzelperson objektiv ausführte. Nicht immer zufrieden mit den Entscheidungen waren die beiderseitigen Veveinsanhänger, die sohe ter aber durch den Ausgleich auf der anderen Seite entschädigt wurden. So muß zugegeben werden, daß im Kampf dem Weltergewichtler Szech(Stern) eber ein Sieg gebührt bätte, dagegen wurde im folgenden Kampf Thiemann(Ver.) durch das Unentschieden benochteiligt, da er technisch weitaus der Bessere war Die im Zuschauerraum mit Beifall ausgenommenen klatschenden Schläge Gavewskis erwiesen sich als unkorrekt, da sie fast sämtlich mit der Innenhand geschlagen waren. Das Gesamtresultat des Clubkampfes, bei dem auch die kampflosen Punkte zählen, hieß am Schluß 10:4 für die„Vereinigten“. * In dem einleitenden Kampf der Bantamgewichtler kam es zu dem vorausgesehenen Siege Josefskis. Anfangs war der Kampf ausgeglichen, da J. sich erst mit der Rechtsauslage von Tribanski, St., abfinden mußte. Später kam I mit rechten Haken genau berein. Nach mehreren Niederschlägen in der 2. Runde brach der Ringrichter den Kampf zu Gunsten Josefskis ab. Wenzek, Ver., wurde im Federgewicht kampflos Sieger, da Bönat, St., obwohl er anwesend und um. gezogen war. nicht antrat. Firlev, St., kämpfte an Stelle von Lehnert im Leichtgewicht gegen Pries. P. berührte durch sein zu tiefes Abducken unangenehm, war sonst F. aber überlegen. Mit den Magenhaken hatte F. wenig Erfolg. In der 2. Runde kam Pries oftmals mit der Rechten bart herein, daß F. zu Boden mußte. Nach dem 4. Niederschlag wurde Pries zum technischen k. o.=Sieger erklärt. Sehr vorsichtig begann der Kampf im Weltergewicht. Trojahn, Ver., und Szech, St., hatten voreinander gewissen Respekt. Erst mit der 2. Runde wurde der Kampf lebhafter, da beide den Schlagwechsel aufnahmen. Szech war wirkungsvoller und Angreifer, bei Tr. gefiel der taktische Rückzug. Unentschieden. Thiemann, Ver., und Gavewski, St., zeigten über 3 Runden einen schnellen Kampf. Mit der Strecke kam Tb. immer mehr in Fahrt, wo er seine gute Linke ausgiebig gebrauchte. Die von G. angesetzten Rechtsbänder verfehlten ihr Ziel, oder sie waren durch die nicht vorschriftsmäßige Ausführung ohne Wirkung. Unentschieden. Der mit Spannung erwartete Kampf im Halbschwergewicht endete zu Gunsten von Stutzke. Durch seine größere Reichweite hatte St. in der 1. Runde Vorteile. Später ließ er sich aber von Manthev die halbe Distanz aufdrängen, wo dieser mit seinen kurzen Haken auf die untere Partie wirkungsvoll war Zum Schluß waren sogar beide fertig". Knapper Punktsieger wurde Stutzke(„Stern“). Die Punkte im Schwergewicht fallen an„Faustkämpfer=Schmeling". In den Einlagekämpfen wurde Thurm gegen Lange wegen eines Tiefschlages bisqualifiziert und der Kampf Pellnv— Berning ohne Entscheidung abgebrochen. Eine beifällig aufgenommene Einlage deigten die jüngsten„Sterne“, zwei Fünftäbrige im„Unter=Fliegengewiches gut gehalten. Man darf gespannt sein, ob die Preuben z. Zt. dem alten Rivalen gewachsen find.— Aw Sonntag gibt es ein Ortstreffen: 2B. Eickel— Wanne 1911 Nach den Preußen versucht es nun auch Turnerbund mit dem klassentieferen Gegner, der am letzten Sonntag ein recht schönes Jubiläumsspiel lieferte und die Preußen seit langer Zeit wieder mal schlagen konnte. In Eickel auf dem Gelände der Turnerbündler dürfte ihm der Sieg schwer glüchen, zumal es eine Art Tradition ist, daß die Elfer beim Turnerbund keine Lorbeeren ernten können. Immerhin bat die stark formverbesserte Mannschaft der Wanner Aussicht auf ein günstiges Abschneiden. Die Gewinnchancen dürften viemlich verteilt sein. In Röhlinohausen: Spielvereinigung— BC. Hordel. Alle freundschaftlichen Beziehungen besteben zwischen der Spielvereinigung Röhlinghausen und dem Nachbarverein in Hordel, der zwar in einer unteren Klasse spielt, aber doch kein schlechter Gegner ist. Am 1. Pfingsttag weilen die Hordeler auf dem Römerplatz zu Gast. U. E. muß ein sicherer Sieg für die Spielvereinigung berausspringen. Ferner: werden uns noch folgende Sviele gemeldet: Westfalia Asseln— Wanne 1911 Barussia Kirchen(Sieg)— Rasensport Wanne Spogg. Klafeld=Geisweid— Rasensport Wanne SC. Holsterhausen— Schalke 96 Res. SV. Heeven— SC. Holsterhausen Der Sportverein 1911 trägt auch am 2. Pfingsttag ein Spiel aus und zwar gegen einen Gruppenmeister der 1 Bezirksklasse Westfalens, Westfalia Wickede=Asseln, der am 2. Pfingsttag seine Aufstiegsfeier zur Sonderklasse begeht. Die Wanner Rasensportler machen eine Pfingstreise ins Siegerland und hoffen dort auf gute Gastfreundschaft. Am ersten Feiertag sind sie Gast von Borussia 07 Kirchen und am zweiten treffen sie auf die Spielvereinigung Klafeld=Geisweid. Der Sportklub Holsterhausen versucht es zunächst einmal auf eigenem Platze gegen die Liga=Res. des alten Schalker Vereins. Am 2. Pfingsttag unternimmt er einen Ausflug in die Wittener Gegend. um bei dieser Gelegenheit in Heeven ein Spiel zu absolvieren. Weitere Spiele: Reichsbahn Tus Res.— Preußen 04 Lehrm. So. 4 Uhr Reichsbpl.: Preußen OAS FEINE- FAI HERREN-MASSGESCHAFT Große Auswahl in modernen Stoffen. Für sorgfältigste Arbeit, beste Ausstattung und vorzügliche Paßform übernehme ich volle Gewähr. Eigene Werkstatt im Hause. WANNE-EICKEL HINDENBURGSTR. 204 An STADTCAFE. TELRPON: 4183. ck der deutschsprachigen Presse e.V. 2: 38·392.— Herne=Süd Mo. 10 Uhr Vwol.: Breuben Breuden d4 4. Höhlag. 1 J90. Ro. 10 Udr 9i. „Schalke 04 Mo. 11 Uhr Lrol;:„Veischsbabn Tus. 1. und 2. Ech.— Preußen 04 Qu. 4##2#0 vor u. 4 Uhr Reichsbpl.: Turnerbund 2. Stamg.— Wanne 1911 So. 3 Uhr in E.: Turnerbuno 5. Stamm— Phönix Bochum So. 1,15 Uhr in E.: Fortuna Wanne 1. und 2. Sch.— Turnerbund Sa. 4.45 und 4 Uhr Pl. F.: Klafeld=Geisweid So. in K.: masensport 1. Jad.— Eintracht Siegen Mo in Holsterhausen 1. und 2. Jad.— VfL. Benratb in B.: Svielvereinigung Lehrm.— BC. Hordel So. 3.45 Röpl.: Svielvereinigung 1. und 2. Jod.— Hüllen 07 Mo. 11 und 10 Uhr Röpl.: Reichsbahn TuS 1. und 2. Jod. u. Sch.— Spvgg. Herten Mo. in H. Und die Handballer melden: Spogg. Andernach— Preußen Wanne IuS Mülheim— Sppgg. Röhlinghausen Sus Vorhalle— Turnerbund Eickel XB Eickel— Reichswehr Münster Preußenhandballer machen eine Rbeinreise und vielen bei dieser Gelegenheit in Andernach.— Auch de anderen Vereine sind alle unterwegs. Einen besonders spielstarken Gegner hat die Mannschaft der Spielvereinigung, die in Mülbeim an der Ruhr ihr schönes Ausflugsziel siebt. Am tätigsten ist wieder mal die Turnerbundmannschaft, die zwei Pfingstspiele austragen will. Am 1. Feiertag weilt sie in Vorhalle und am 2. erwartet sie auf eigenem Platze die Reichswehrsportler aus Münster. nach dem ersten Lauf dem Publikum vorgestellt und sehr begrüßt.=44 a.9#t Guerra Etappensieger— Binda gab auf. Die 7. Etappe der Italien=Rundfahrt von Rom nach Perugia wurde von Guerra in 7:25:26 Stunden mit einer Minute Vorsprung vor Camiso, Cavavani, Giacobbe, Zanzi und Marchisio gewonnen. Weltmeister Alfredo Binda gab auf. Im Gesamtergebnis führt noch Mara vor Marchisio. Pferdesport Rennen zu Saint=Cloud am 22. Mai. 1. Rennen: 1. Gold Cbesnet(Chauffeur), 2. Belle Maman, 3. Clairou. Toto: 367, 72, 21, 22. 2. Rennen: 1. Viminal(Bouillon), 2. Avedik, 3. Transluoide. Toto: 195, 48, 22, 23. 3. Rennen: 1. Alberrus(Sibbritt); 2. Fine Orange, 3. Guilleaume de Sille. Toto: 118, 28, 53, 38. 4. Rennen: 1. Taraskoia(Torterolo), 2. Ammonite, 3. Red Flame. Toto: 49, 26, 27. 5. Rennen: 1. Marimate(Lethien), 2. Paillette, 3. Xanbie. Toto: 136, 46, 88, 24. 6. Rennen: 1. La Mode(Cheret), 2. Veritas, 3. Diesair. Toto: 218, 52, 25, 25, 23. 7. Rennen: 1. Colignv(Elliot), 2. Reventi, 3. Se Polissou. Toto: 14, 11, 16. Vom Lückendorfer Bergrennen Deutsche Fliegerin nach Tokio gestartet und schwer gestürzt Die Sportfliegerin Christel Schultes startete zu einem Weltflug mit dem Ziel Tokio stürzte aber kurz darauf ab und wurde schwer verletzt. Tennis U. S. A. muß kampfen Kanada erzwingt zunächst ein 1:1. In Montreal(Kanada) begann der Schlußkampf der nordamerikanischen Davispokalrunde zwischen den U. S. A. und Kanada. Hatten bisher die Amerikaner immer mit einem„zu Null“ gegen die Kanadier abgeschlossen, so werden sie diesmal zu kämpfen haben Kanada gelang es, am ersten Tage ein Unentschieden von 1:1 herauszuholen. Frankie Shields schlug seinen Gegner Jack Wright klar in drei Sätzen 8:6, 6:2, 6:2, aber der junge Amerikaner Sidnev Wood wurde von dem Kanadier Marcel Reinville überraschend 6:4, 4:6, 3:6. 6:2, 4:6 geschlagen. 99 Dänemark— Polen... 2:1 Der Davisvokalkampf zwischen Dänemark und Polen steht nun 2:1 für die Dänen die etwas überraschend das Dopvel gewinnen konnten. Ullrich=Henricksen siegten über Tloczinski=Stolarow 6:4, 6:8, 3:6, 6:3, 6:4. Aus den Sportvereinen Schwimmklub Poseidon. Die Badeanstalt öffnete Mittwoch für den Sommer 1931 wieder ihre Pforten und der Schwimmbetrieb im S. C. P. nahm am ersten Uebungsabend, am Donnerstag, einen sehr guten Anfang. Ueber 50% der Mitglieder hatten sich trotz des noch nicht einladenden Wassers eingefunden, um beim Anschwimmen zugegen zu sein. Auch konnten schon eine Reihe von Neuaufnahmen vorgenommen werden. Die übliche Pfingstwanderung führt zum Dülmer See. Die älteren Mitglieder fahren beide Tage und die jüngeren und die nicht angemeldeten Mitglieder fahren am 2. Tage unter Führung von Hengstenberg nach. Das deutsche Handballspiel Ein Dialog. „„Vas, Sie kennen das Handballspiel noch nicht, Fräu. lein Mi? Das setzt mich doch aber sehr in Erstaunen!" 12Nun, ist das denn eine solche Lücke in meiner sportlichen Bildung, daß Sie das so sehr wundert?" „Aber unbedingt, bei einer so vollendeten Sportlehrerin wie Sie! Handball ist doch das Spiel von heute und morgen!" „Nicht auch von gestern?“ „Da war es noch nicht da! Es ist ja erst nach dem Kriege entstanden.“ „Natürlich wieder in England!“ „Ausnahmsweise nicht! Gerade das ist ja sein besonderer Vorzug, daß es ein urdeutsches Spiel ist, von einem Deutschen erfunden und ausgebildet, in Deutschland volkstümlich geworden und von hier aus weiter verbreitet.“ „Na, der Ausdruck, daß es von einem Deutschen erfunden sei, ist doch wohl etwas zu hoch gegriffen, solche Spiele werden nicht auf einmal erfunden, sie werden weiter gebildet, sie entwickeln sich, bis sie ihre jetzige Form erreicht waben.“ „Allerdings, Fräulein Mi. sehr richtig gesprochen! So ist es beim Fußball, beim Hockey, beim Rugoy, von deren Ursprung wir nichts Bestimmtes wissen. Auch das Handball hatte einen Vorgänger, immerhin hat diesem alten Spiel dann der Sportlehrer Carl Schelenz von der Deutschen Hochschule für Leibesübungen seine jetzige Gestalt gegeben, ihm vor allem das Kampfvon Morgen fuhr bei dem Lückendorfer Bergrennen, das der A. D. A. C. auf einer 4 km langen Patstraße bei Zittau austragen ließ, die Strecke in neuer Rekordzeit. moment gegeben, das ist gerade das Beste an diesem Spiel.“ „Nach dieser langen Einleitung können Sie mir aber endlich einmal das Spiel erklären.“ „Ja, zu erklären ist da nicht viel! Eigentlich haben Sie auch schon Handball gespielt, als Sie im Sommer in Juist den Ball fingen und warfen. Das ist die Technik des Spiels, aber natürlich nicht ganz so primitiv und einfach. Aber auf das sichere Jangen und kräftige Werfen, vor allem aufs Tor, kommt es in der Hauptsache an.“ „Famos! Also doch kein unbekannter Sport, aber erklären Sie ruhig weiter!“ „Also Sie kennen ja Fußball. Es ist sozusagen dasselbe Spiel, nur daß der Ball statt mit den Füßen mit den Händen bewegt wird, dayer der so überaus treffende Name! Das Spielfeld, die Mannschaften, die Tore, alles ist das gleiche. Nur ein wichtiger Unterschied ist da, der Ball darf nämlich nur außerhalb eines Kreises, der 11 m Durchmesser hat, aufs Tor geworfen werden. Im Gegenteil zum Hockey also, wo man nur innerhalb dieses Schußkreises ein Tor erzielen kann.“ „Sehr klar! Und da die Aufstellung der Mannschaft mit Stürmern usw. die gleiche ist, wie beim Fußball, wird auch der Svielgedanke, die Taktik, die gleiche sein.“ „Ganz recht! Auch hier kommt es vor allem auf das Zusammenspiel an, auf das Vortragen der Angriffe von Mann zu Mann bis vor den Wurfkreis, wo der Stürmer, der am besten steht, den Wurf losläßt. Ist er gut placiert und scharf geworfen, so ist er aus dieser Entfernung natürlich kaum zu halten. Sie glauben nicht, wie packend ein flottes, schönes Handballspeel sein kann! Daher auch die kolossale Beliebtheit, die das Spiel schon in diesen paar Jahren gefunden hat. Ueberall wird es gespielt sogar den Pennälern ist es erlaubt, im Gegensatz zum Fußball.“ „Nun, und die Hauptsache?“ „Welche Hauptsache?“ „Na natürlich, ob es auch Damen spielen?" „Aber selbstverständlich! Wenn es auch ein körverliches Spiel ist, so steht es doch dem schwachen Geschlecht ganz gut. Ja, überall wird das Spiel schon von Damen betrieben, es gibt auch schon eine deutsche Meisterschaft im Damen=Handball.“ „Großartig, also wieder mal ein Punkt, in dem wir gleichberechtigt sind.“ „Weil wir es gestattet haben!“ „Weil wir uns durchgesetzt haben!" „Das will ich Ihnen sagen, Fräulein Mi, das Spiewäre nie von den Damen ausgenommen worden wenn sie sich nicht einen Nutzen davon versprächen. Die Damen können im Winter weniger Sport treiben, die schlanke Linie droht zu schwinden, da ist das Handball sozusagen ein Rettungsengel.“ „So, dieser Nützlichkeitsstandpunkt kommt für Sie natürlich nicht in Frage!“ „Das will ich nicht bestreiten. Das Handball hat auch für uns viele Vorzüge sonst wäre es kein Volkssport geworden, der dem Fußball Konkurrenz macht. Es bildet wie kein anderes Spiel den ganzen Körper gleichmäßig durch, es vereinigt alle die natürlichen Uebungen der Leichtathletik in gleicher Weise, den Lauf, den Sprung, den Wurf. Es ist die beste Zweckgymnastik, wird aber als solche kaum empfunden, das ist der besondere Vorzug!" „Sie sind ja ein ganz begeisterter Lobredner dieses Spiels. Man möchte gleich anfangen, wenn man Sie so reden hört!" „Oh, ich könnte noch viel mehr sagen, ich könnte von den wertvollen psychischen Eigenschaften sprechen, die dieses Spiel, wie alle Mannschafts= und Kampfspiele, auslöst, der Kameradschaftlichkeit, der Diszivlin, dem schnellen Erfassen der Situation und Handeln. Dann könnte ich erzählen von den famosen Kampfbildern, der Lebendigkeit, dem Einsatz der ganzen männlichen Kraft, der Geschicklichbeit und Gewandtheit. „Sie haben mir Appetit gemacht, ich werde selbst damit anfangen!" Ludwig Hattingen. Dei auferstahorin Bartionsch Der russische Thronerbe am Leben? Boxen Al Brown schlägt Baldock tech. k. o. Weltmeister im Bantamgewichtsboxen, der Neger Alfonso Brown, und der englische Bantamgewichtsmeister Teddy Baldock trafen sich am Donnerstag abend in der Londoner Olympia=Hall in einem 15=Rundenkampf. Es gab ein erbittertes Gefecht, aus dem Brown als sicherer Schlußsieger bervorging. Eddie Philipps schlug Arvin im Schwergewicht in der 4. Runde k. o. Englands Carnera Jack Pettifer siegte durch Kampfabbruch in der 4. Runde über Desmond. Einen Punktsien errang sommy Tone über den auch in Deutschland bekannten Dan Shortland nach fast ausgeglichenem Kampfe. iluftkämpfe in Gladbeck. Im Gladbecker##tadion wird am 31. Mai erstmalig ein Berufs=Box' ipftag aufgezogen werden. Es sollen folgende Bo r beschäftigt werden: Swart(Oberhausen), Skibinf(Bochum), Linke(Duisburg), Kartz (Oberbausen), Bruchhäuser(Gladbeck). Charles— Griselle am 4. Juli. Der Europameisterschaftskampf zwischen dem Belgier Pierre Charles und dem französischen Schwergewichtsmeister Maurice Griselle wird am 4. Juli im Brüsseler Europapalast ausgetragen werden. Radsport Krewer Sieger in Amsterdam Auf der Amsterdamer Stadion=Bahn konnte Paul Krewer ein 75 km=Dauerfahren vor dem Italiener Manera und dem Holländer Schleebaum gewinnen. Der Kölner hatte im ersten Lauf schon nach 10 km die Spitze und siegte sicher; im zweiten Lauf war er schon nach 8 km vornweg. Nur im letzten Lauf mußte er sich mit dem zweiten Platz hinter dem Franzosen Bréau begnügen. In Vonn fiegte Tollembeck 4000 Zuschauer wohnten den Radrennen in Bonn bei. Im Großen Maienpreis über 100 km(20 90 50 km) siegte im Gesamtergebnis der Belgier Thollembeek vor Hille. Ein Teil der Deutschland=Rundfabrer wurde“ Aus Paris kommt die sensationelle Nachricht, daß der totgesagte einzige Sohn des letzten russischen Kaisers, Zarewitsch Alexei, sich dort befinden soll. Die Geschichte Rußlands war von jeber an Abenteuern reich, die sich für Mitglieder des Zarenhauses ausgaben und sogar Thronansprüche geltend machten. Unter dem Namen Dimitri saß bekanntlich auf dem Zarenthron in Moskau vor etwa 300 Jahren ein flüchtiger Klostermönch, Grigori Otreview, der sich in den Wirrnissen der damaligen Kriegs= und Unruhezeit dem russischen Volk als glücklich den Mördern entronnener Sohn des Zaren Iwans des Schrecklichen präsentierte. Das tragische und in allen seinen Einzelheiten noch nicht ganz geklärte Schicksal des letzten russischen Zaren und seiner Familienmitglieder, die 1918 in Jekaterinburg von den bolschewistischen Machthabern erschossen und danach verbrannt worden sein sollen, reizt wiederum verschiedene abenteuerlich veranlagte Personen, unter dem Namen des Zarewitsch oder einer der Zarentöchter von Zeit zu Zeit aufzutreten. In aller Gedächtnis ist noch die Geschichte einer gewisia Tschalkowskv, die sich als jüngste Tochter des Zaren Nikolaus ausgab und merkwürdigerweise von einigen im Exil lebenden Vertretern des ehemaligen russischen Herrscherhauses und der Hofaristokratie als solche anerkannt und gefeiert wurde. Die Geschichte des auferstandenen Zarewitsch klingt nicht weniger phantastisch. Die erste Meldung darüber ging schon vor längerer Zeit durch die Presse. Ein früherer russischer Gardeoffizier, den das Emigrantenlos nach Persien vertrieben hat, enthüllt jetzt in allen Einzelbeiten das Geheimnis des neuzeitlichen zweiten Dimitri. Ende 1929 traf in der persischen Stadt Tebris ein etwa 25=jähriger Flüchtling aus Rußland ein der sich Wassili Wassilijewitsch Schetinin nannte. Der Gardeoffizier B., dessen Bekanntschaft der junge Mann zufällig machte, fragte ihn wiederholt nach den Begleitumständen seiner Flucht Schetinin wich stets jeder Antwort aus und weigerte sich, über sein früheres Leben zu erzählen. Eines Tages aber offenbarte er sich dem Offizier. Er erklärte sein richtiger Name wäre Alexei Nikolajewitsch Romanow. Der erstaunte Offizier wollte zuerst der Behauptung des jugendlichen Flüchtlings keinen Glauben schenken. Da erzählte ihm Schetinin folgende Einzelheiten seines abenteuerlichen Ledens: Anfang 1918 nach Jekaterinburg verschickt und unter Bewachung von Rotarmisten im Hause des Großkaufmanns Ivatiew untergebracht worden. Ein paar Monate seien vergangen. Eines Tages habe die gefangene Zarenfamilie den Befehl erhalten, aus dem zweiten Stockwerk des Hauses in den Keller herunterzusteigen, angeblich wegen der drohenden Gefahr des Bürgerkrieges. Während der Zar, die Zarin und die Zarentöchter von den Wachen nach dem Keller gebracht worden seien, wurde der 13=jährige Zarewitsch Alexei und der Leibarzt Botkin von den Soldaten in die Toilette geführt. Die Soldaten gaben dem Zarewitsch eine alte abgetragene Jacke und ebensolche Hose und sagten zu ihm, er müsse sich schnell umziehen. Darauf sei er über den Zaun geworfen worden und habe beim Fallen einen solchen Schlag erhalten, daß er das Bewußtsein verloren habe. Nach einigen Stunden sei er in einem Bauernhause zur Besinnung gekommen und habe nach dem Vater gerufen und bitter geweint. Er sei von den Bauern gewarnt worden, jemals seinen richtigen Namen und seine Herkunft zu nennen. Zwei Jahre lang sei er bei den Bauern geblieben, bis ein Verwandter der Bauernfamilie, der Mitglied der bolschewistischen Partei geworden war, ihn bei der dortigen Tscheka angezeigt habe. Von der Tscheka sofort verhaftet, sei er in das Gefängnis von Irkutsk gebracht worden, wo er 8 Jahre verbrachte. Er habe bei den zahllosen Verhören stets bestritten, der Larewitsch zu sein. Zusammen mit seinem Vater, dem Zaren Nikolaus, und den übrigen Angebörigen der Zarensamilie sei Im 8. Jahre seiner Gefangenschaft feien ihm gewisse Erleichterungen zuteil geworden. Er durfte im Gefängnishof und im Garten allein spazieren gehen und sei eines Tages einer Frau begegnet, die ihm zur Flucht verholfen habe. Er habe einen Paß auf den Namen Wassili Schetinin bekommen und sei an den bestochenen Wachen vorbei aus dem Gefängnis geflüchtet. Von der Frau habe er Geld und die Adresse eines Ingenieurs in Nischni=Nowgorob erhalten. Der Aufenthalt dort sei gefährlich gewesen. Seine Retter haben den Entschluß gefaßt, ihn über die von den bolschewistischen Grenztruppen am wenigsten überwachte persische Grenze hinüberzubringen. In Begleitung eines früheren Offiziers sei der Weg nach dem Süden angetreten worden. In Jalta habe er bei einer ehemaligen Hofdame Zuflucht gefunden, von iör einen Ring mit den Initialen des Zaren erhalten. An der kankasisch=versischen Grende seien die beiden Flüchtlinge von den Grenzwachen entdeckt worden. Eine wilde Jagd habe begonnen. Alexeis Begleiter sei von einer Kugel tödlich getroffen worden. er selbst habe das Glück gehabt, nach Persien entkommen an Hanen." as# ric In Tebris angelangt, habe der angebliche Zarewitsch ein Schreiben an den Schah von Persien gerichtet. das jedoch ohne Antwort geblieben war. Der Sowjetkonsul habe von dem Auftauchen Alexeis erfahren und einen hohen Preis für seinen Kopf ausgesetzt. In Anbetracht der Lebensgefahr habe er sich darauf dem Gardeoffizier B. anvertraut. Der Garbeoffizier prüfte die Erzählung Schetinins und gelangte zur festen Ueberzeugung, daß dieser die Wahrheit gesprochen bat. Darauf entschloß er sich. den Zarewitsch aus der großen Gefahr, die ihm seitens des Sowietkonsulats drobte, zu retten und nach Mesovotamien zu bringen. Nach monatelangen Wanderungen zu Fuß trafen die beiden Männer in Mesopotamien ein. Der englische kommandierende Oberst an der Grenze geriet ins Staunen, als er erfuhr, daß der verkommene Flüchtling der Thronfolger des russischen Kaiserreiches sei. Er telegraphierte sofort an den britischen Gouverneur von Mesopotamien, der die Abtransportierung der beiden Männer nach Bagdad anordnete. In Bagdad wurde Wassili Schetinin einem Verhör unterzogen und ärztlich untersucht. Die Aerzte stellten bei ihm die Hemophylie fest, jene Bluterkrankheit, an der Zarewitsch Alexei seit der Geburt litt. Eine unter russischen Emigranten veranstaltete Geldsammlung verschaffte dem angeblichen Thronfolger aller Reuben die Möglichkeit, sich in Bevruth nach Paris einzuschiffen. Vor kurzem tauchte Wassili Schetinin alias Alexei Romanow in Paris auf. Er bildet jetzt die größte Sensation der Pariser russischen Emigrantenkreise. Die treuen russischen Monarchisten glauben fest, daß er tatsächlich der Erbe der russtschen Krone ist. Selig sind die Gläubigen... Gri. Boshaft „Wenn ich nur wüßte, an was mich dieser Knoten in meinem Taschentuch erinnern sollte?" Wielleicht 28 in die Wäsche zu geben?“ Mikrot der deutschsprachigen SSSeT Auf Sauerlandfahrt In 2½ Tagen von der Volme zur Bigge erste größere Sauerlandfahrt beginnt in Dabl an der Volme. Links vom Bahnhof geben wir an dem uralten Kirchlein vorbei in den kleinen Ort, um Hauptwanderstrecke 17 des Sauerländischen GebirgsVereins zu suchen. Es waren nur wenige Schritte bis hierber nötig. Wir verfolgen das weiße liegende Kreue in füdlicher Richtung durch Feld und Wald aufwärts, an den Höfen von Rumscheid, später Nöteldieck (395 m: X Std.) vorbei. Hier oben eröffnet sich uns eine wundervolle Fernsicht über ein Meer von Bergen und Wäldern. Nach ½ Std. haben wir Rölvede erreicht, dann(wir sind hier von Blatt 1 Hagen der Sauerlandkarte 1:50000 des Sauerland=Verlages zu Iserlohn auf Blatt 2 Iserlohn übergegangen und benötigen später noch Blatt 7 Attendorn) gebts durch eine kleine Senke und Albringwerde bis zu den einzelnen Häusern von Rehweg, Wersbecke und Vorm Walde(420m: 50 Min.) wieder aufwärts. Auch Großendrescheid, das auf Bstündigem Waldund Höbenweg erreicht wird, liegt noch 440 m boch, ebenso Dickenbagen(½ Std.), dann setzt der Fuß in gewaltigen Schritten begab. Bei Dickenbagen gibts übrigens nochmals eine gar wunderfeine Rundschau. Durch berrlichen Hochwald gelangen wir nach 40 Min. 270 m tiefer ins Städtchen Altena, wo wir die erste Nacht ausruben wollen. Neben der eigentümlichen langgestreckten Lage in den furchtbar engen Tälern der Lenne und der Nette bietet Altena vor allem in der Burg auf dem Wolfseck ein sebenswertes Heimatmuseum. Schon der Aufgang durch zahlreiche Burgtore ist reizvoll. Unsere Weiterwanderung am folgenden Tage auf der Hauptwanderstrecke 1 führt uns unmittelbar an der Burg vorbei. Am 2. Tage steigen wir von Altena in 2¾ stündgem Marsch über Gehöft Anschlag und Nettenscheid nach Höllenstein, weiter Eineiche emvor zum 514 m hohen Kohlberg. Unterwegs auf dem Grat genießen wir dabei wieder und wieder entzückende Ausblicke, mal ins tiefe Lennetal, mal übers Nettetal binweg. Auf dem Kohlberg besteigen wir den Quittmannsturm und rasten dann ein Weilchen am naben SGV.=Ebrenmal. Dann verlassen wir Hauptwanderstrecke 1 und benutzen einen Ortsweg nach Neuenrade binab (325 m: ¾ Std.). Wir treffen hier auf Hwstr. 7. Sie bringt uns in 1½stündigem Marsch über den Gersberg, die alte Landwehr auerend, an der Falkenlei(415 m) vorbei, dann ins Tal des Vorkebaches hinab und wieder ein wenig bergan zum Kirchdorf Affeln(380 m). Das beste hier ist der flandrische Schnitzaltar aus dem Mittelalter, den anzuseben man nicht verabsäumen sollte. In Affeln geben wir auf Hwstr. 18 südwärts über, die uns auf bequemem Weg an den Höfen Birringsen und Birnbaum vorbei, von hier ab schnell abwärts in 80 Min. nach Eiringhausen führt. Wieder im Tal der Lenne angelangt, machen wir zum andernmal genügend Rast, um uns für den letzten Wandertag zu stärken. Am 3. Tag halten wir uns zunächst an Hwstr. 18. geht über die Lennebrücke und dann bald in zahlreichen Windungen mit unvergleichlich schönen Ausblicken bis nach dem Gipfel der Salev(460 m: * Std.). 35 Min. später, binter Gehöft Bracht, verlassen wir Hwstr. 18. um auf Hwstr. 5 überzugeben. An Hand deren Zeichen kommen wir am Gehöft Bärenberg vorbei weiter aufwärts bis zum Heiligenstuhl(584 m: 35 Min.) mit einem der prächtigsten Rundblicke im ganzen weiten Sauerlande. Haben wir genügend davon in uns aufgenommen, setzen wir die Wanderung über den Markberg bis 4 Min. binter dem Geböft„Auf dem Berge“ abwärts fort(440 m: 35 Min.), um bei der Weggabelung für den Rest unserer Fahrt uns der Hwstr. 24, rechtsführend, anzuvertrauen. Ueber den langen Rücken des Berges „Auf dem Höchsten“ wandern wir noch durch schönen Wald, ebenso auch weiter bis zum Hummelsberg(495 m: 40 Min.). Dann wechseln Wald und Feld miteinander ab: vom Tal der Milstenau ab führt der Weg durch Ennest stets zwischen Feldern mit freiem Blick. Nach 1¾ Std. ist Attendorn, der Schlußpunkt unferer unvergeßlich schönen Sauerlandwanderung, erreicht. Die alte Hansastadt bat der Bürger Häuser eng um die alte Kirche gehalten. An dem Wege nach Finnentrop liegt ihre größte Sehenswürdigkeit: Die Attendorner Tropfsteinhöhle. Sie muß unbedingt geseden werden, wenn man sie nicht schon durch und durch kennt. Ihr Besuch gibt der ganzen Sauerlandfahrt die schönste Krönung und nochmal so dankbar ob all des Geschauten und Erlebten lassen wir uns vom gemütlichen Zügle über Finnentrov unserer Heimat zu tragen. Pfingsten auf Raffelberg Das Kurhaus Rafselberg, inmitten eines herrlichen, wald= und wiesengrünen und blumenreichen Kurparks des Solbades gelegen, von dem aus wohlgepflegte Wanderwege in die stundentiefen Wälder zwischen Mülbeim— Duisburg— Kettwig— Düsseldorf führen, ist eir wichtiger Verkebrsknotenpunkt Mülbeims, an dem sich die Verkehrswege für Autos und der Straßenbahnen schneiden, und wo die Mülbeimer Personenschifffahrt, die allsonntäglich Zehntausende von Ruhrtalfahrern aufnimmt, ihren Beginn= bow. Ausgangspunkt hat, Se, trägt Raffelberg als Ausflingssiel eine besondere Note, die nun, da alles im sattesten Frühlingsgrün und in schmucksten Farben stebt, einen besonders festlichen Anstrich hat. Zum zweitägigen Pfingsttreffen auf der Rafselbeng babn, auf der der Mülbeim=Duisburger Rennverein seine zur Tradition gewordenen Pfingst=Pferderennen abhält, wird Raffelberg der große sportliche Treffpunkt des Westens werden, zumal nicht nur alle Trainingszentralen des Westens, sondern auch die großen Trainingsquartiere im Reich mit bestem Material in die 14 auszutragenden Entscheidungen eingreifen werden. Alle Rennen haben einen gans ausnehmend guten Nennungsschluß erzielt, so daß neben dem aufmarschierenden erstklassigen Pferdematerial auch in sämtlichen Rennen mit einer sehr starken Besetzung zu rechnen ist. 388 Nennungen für 14 Rennen entspricht dem fast ungewöhnlichen Durchschnittssatz von 27 Nennungen je Rennen! So werden der rheinisch=westfälischen Sportgemeinde zu Pfingsten auf Rafselberg stark umstrittene, interessante Entscheidungen in einem einzig schönen Rabmen geboten werden, den die im schönsten Festkleide prunkende Früblingslandschaft abgibt. Frühling im Ostharz Von Kaethe Schulken.“ Als beute die ersten Meisen im kablen Wivfelgeäst vor meinem Fenster läuteten, ging ein wundersam Erschrecken durch mein Herz. Meisengeläut bedeutet ja Frühlingsabnen, Frühlingsboffen, Frühlingsseligkeit, Und je länger ich dem lustigen Auf und Ab der bunten Gesellen zuschaute, desto beller wurde es in mir. Ich füblte urplötzlich eine heimliche Seligkeit in mir auffauchzen, fühlte den warmen Sonnenstrabl tiefst in mir singen und klingen und ward seliger denn ein Kind, das in die Sonne bineinläuft. Dann band ich ein bimmelblaues Band an meine Laute, griff in die Saiten und sang ein Lied nach dem andern. Und als ich so sang, weiteten sich mir die Wände— die Häuser versanken, und ich schritt in übermütigster Wanderseligkeit binein in die Wälder des Ostharzes. Wenig Menschen nur kreuzten meinen Weg und sahen mir kopfschüttelnd nach. Warum? Weil das blaue Band gar von meiner Laute webte? Weil ich einen Strauß blühender Schleben im Arme hielt? Oder weil ich auf goldenen Schuben über samtgrüne Wege ging? Frühling im Ostbarz! Blühende Bäume weben ihre seidenen Schleier um rotes Dachgewirr und steben in andächtiger Ehrfurcht um uralte Kirchenmauern. Weitästige Buchen rauschen frühlingsfrob und wiegen ihre halberschlossenen Blättern wie junge Falter in Gold und Grün. In den kleinen Städten blübt und duftet es ohne Ende. Kastanien wuchten auf und tragen ihre roten und weißen Blütenkerzen in beiliger Freude. Flieder= und Holunderduft überströmt stille Parkwege, auf denen das Märchen träumt. Blütenseide schimmert auf einsamen Waldteichen, um die das Dunkel ernster Tannen steht. Von den weichgeschwungenen Linien der Berge reißt jäbe Wandersehnsucht binüber zu den steil aufspringenden Felsen des munteren Tales. Grünes Frühlingsgesträuch klettert bald bier bald da in keckem Uebermut bis in die steilen Zacken und Grate und lacht mitten hinein in den blauesten Frühling. Die Felsenkirche in Oberstein(Rahe) Frübling im Ostbarz! Ein Lied, das immer neue Stropben hat für den, der es versteht. ein Lied, das auf= und abklingt, das von stillen Stunden im Mittagsduft blübender Wiesen und von überfauchzender Daseinskreude auf hohem Fels weiß, ein Lied, das man lieb haben muß. Wer den ganzen Zauber des blübenden Ostbarzes einmal erwanderte, weiß, wie reich er zu beschenken weiß. Gebt selber, schaut und erlebt! Lippe eine wunderschöne Stadt, darinnen ein Soldat“ Alt und jung singen es auf ihren Wanderungen aus vollen Keblen und tragen mit diesem Liede den Namen der wunderschönen Stadt in alle Gaue des deutschen Vaterlandes und darüber hinaus. Detmold, die Hauptstadt des Lipverländchens, liegt im schönsten Teil des Teutoburger Waldes an der Bahnstrecke Herford— Altenbeken, die die Hauptstrekken Köln.— Berlin und Köln— Kassel miteinander verbindet. Sie ist mit ihrem ausgevrägten Stadtbilde, ibrem überkommenen Kunstgute, ihrer berrlichen Umgebung, den Kabinettstücken des Teutoburger Waldes, ibren Schlössern, Burgen und Wahrzeichen, mit ihrer ganzen geistigen und künstlerischen Atmosphäre, die vielbesuchte Fremdenstadt, die bevorzugte Kongreßstadt, der Rubesitz für Pensionäre. Unmittelbar an die Stadt schließt der hobe Buchenwald des Büchenberges an, der binüberleitet zu den waldbekränzten Höben des Teutoburger Waldes mit Partie in Landau(Pfalz.) dem Wahrzeichen Detmolds und des ganzen deutschen Volkes, dem Hermannsdenkmal auf der Grotenburg. Es ist der Edelstein in Detmolds Krone. Von der Grotenburg siebt das Standbild herab auf die Kampfstätten, wo Hermann der Befreier im Jahre 9 u. Chr. den eindringenden Römern unter Varus den Weg versperrte und damit den deutsch=germanischen Kulturkreis vor der Romanisierung bewahrte. Gar manches bedeutsame Denkmal ragt in deutschen Landen, aber schwerlich wird sich unter all diesen ein Heldenstandbild finden, das kraftvoller, einheitlicher, geschlossener wirkt als das von Ernst von Bandel erbaute Denkmal des urdeutschen Arminius mit dem hochgereckten, siegsfroben und ernstmahnenden Schwerte über den dunklen Tannen des Teutoburger Waldes bei Detmold. Von Jahr zu Jahr lockt das schöne Schledehausen mit seiner herrlichen Umgebung mehr Erholungssuchende aus dem Mittelstande an. Laub und Nadelwälder erstrecken sich vom Dorfe aus weit hinaus nach verschiedenen Seiten und laden zum Wandern und Ruhen im küblen Schatten ein. Eine schön gelegene Badeanstalt bietet ausgedehnten Gebrauch von Luft, Sonne und erfrischendem Wasserbade. Die Wochen, die unsere lieblichen Höben im Wiehengebirge aufs neue schmücken, sind dem Naturfreunde Festwochen, deren Freude durch das Lustgetüm der Vögel bis zum eigenen Mitiubeln gesteigert wirs. Wieder billige Hollandfahrten nach Arnheim. An den beiden Pfingsttagen fährt zum ersten Mai wieder der aus dem vorigen Jahr bekannte Salon=Dop. peldeckdampfer„Schiller“ der Köln=Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt von Ruhrort nach Arnheim. Der billige Fahrpreis vom Vorjahr ist mit 4 RMk. beibehalten, die Abfahrtszeit auf 7,15 Uhr verlegt worden (7,35 ab Hamborn, 8.45 ab Wesel). Günstige Zuganschlüsse aus allen Hauptplätzen des Industriegebietes sind für Anreise und Rückkehr gegeben. Ein Reisepaßz ist weder erforderlich, noch wird sonst eine Gebühr für Grenzüberschreitung verlangt. Eine Musikkapelle sorgt für Unterhaltung, und ein guter Restaurationsbetrieb zu sehr mäßigen Preisen für das leibliche Wohl. Es ist jedoch keinesfalls Zwang, ihn in Anspruch zu nehmen. Im Juni sind 2 weitere Fahrten vorgesehen, im Ju# ebenfalls 2, im August 3 und im September 1.— Die Fahrscheine erhält man bei den bekannten Vorverkaufsstellen oder bei den Agenturen an den Landestellen. Am 21. Mat beginnt im übrigen der Hauptsommerfabrplan der Köln=Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt auch im Niederrheinverkehr. Neben den neuen zahlrei. chen Fahrpreisvergünstigungen ist die Veranstaltung von billigen Sonderfahrten ab Düsseldorf rheinaufwärts nach Königswinter. Boppard und Rüdesheim an beiden Pfingsttagen erwähnenswert. ME Keine Kurtars n Sandstrand. Grünstrand. Mattlaufene Sahr wichtis: Schlick gegen Gicht, Rheuma. Ischigs, Erquenleiden uam. eWerbeschrift Nilkrormarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. BAD OETNMAUSEN DIE STADT OHNESTUFEN. GRÖSSTER THERMALSPRUDEL DER WELT D-ZUOSTATIOM, BERLIN-KÖLN DRESDEN-AMSTERDAM. AUSKUNFT DURCM DIE SADIVERWALTUNO HERZ-NERVENGELENKLEIDEN LXHMUNGEN RHIEUMA, ISCHIAS FRAUENLEIDEN PILSCAALKUREN FOR DEN BEDOWNOE MITTELSTAND KÖLN-DUSSELDORFER Plinost-Dampler-Fahrten nach dem schönen Arnheim am belden Plingstlagen(20. u. 25. Mal) Ab Duisburg-Ruhrort(Mühlenweide) 7.15, ab Hamborn(Alsum) 7.35, ab Wesel 8.45; Rückkehr 20.00, 21.50, 22.30(Ruhrort). Nur 4.- Mk. ab Ruhrort und Hamborn, 3.- Mk. ab Wesel für Hin. u. Rückfahrt. Kinder bis zu 14 J. die Hälfte. Reisepaß nicht erforderlich! Musik an Bord! Die Fahrten werden von dem großen äußerst geräumigen SalonDoppeldeck-Dampfer„Schlller“ ausgeführt, der ausgezeichnete Restauration an Bord führt. Sehr billige Preise f. Speisen u. Oetränke(kein Zwang) Auskünfte und Pahrscheinvorverkauf durch: Verkehrsverein Wanne-Eickel e. V. am Bahnhof. Reine Pinngstreise, Reine Wänderung ohne den Feie Wopurat. In allen Preislagen die neuesten Modelle, auch auf bequeme Teilzahlung. Alter Apparat wird in Zahlung genommen. Anleitung und Dunkeikammer- Benutzung umsenst! Stadtdrogerie-POS SB-Foiohaus Hindenburgstraße 169 Sommeroösle finden angenehm. Aufenthalt in herrlich gelegen. Moselbergdorf, Nähe Bad Bertrich. Schöne Waldung. Vorzügl. Verpflegung. Liegewiese. Pensionspreis 50 Mk. Gasthaus u. Metzgerei Steph. Pütz, Beuren, Krs. Kochem. Rotel Schluß der Anzelbenannahme nachminags 3 Uur! 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Ansprachen: Dr. Schlenker, Oberbürgermeister Dr. Lehr, Oberbürgermeister Dr. Jarres, Dr. Derichsweiler. 17,10—18,00 Vesperkonzert der Kurkavelle Bad Nachen. Leitung: Peter Hammers. Uebertragung aus dem Kurpark Bad Aachen. 18.00—18,20 Wanderungen in Rbeinland und Westfalen. Hans Bretz: Im Kranz der sieben Berge. 18.20—18,40 Englisch. Prof. Hase. 18.40—19.00 Gemeinverständliche Rechtskunde. Rechtsanwalt Hankamer: Der Wechsel als Zahlungsmittel der Verbraucher. 19,00—19.15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19.15—19.25 Zehn Minuten Bezirksfunkhilfe: Das Neueste aus der Funkliteratur. 19.30—19,55 Für die Frau im Beruf. Berufsschuldirektorin Peschaes: Fortbildungsmöglichkeiten für Frauen in der Industriearbeit. 19.55 Erste Abendmeldungen. 20,00 Lustiger, Abend. Kapelle Evsoldt, Joseph Plaut, Jupv Hussels Willi Bolesko Dr. Franck, Heinz Kraavvanger, Fritz Neumann, Else Kau, Prof. M. C. Ligbtman. 22.00 Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Unschließend bis 23,30: Nachtmusik, Leitung: Wolf. 3 30—1,00 Uebertragung von der Rheinterrasse, Rodenkirchen: Tanzmusik der Kavelle Herro Head. Sonntag, den 24. Mai 1931. 7,00—8,00 Hamburger Hafenkonzert auf dem Dampfer „Albert Ballin".(Uebertragung von der Norddeutschen Sendergruppe). Die Glocken vom Großen Michel. 8.00—8,30 Morgenkonzert. 8.30—8,55 Aus der Mappe eines Fotoamateurs. Dr. ans Bongardt: Tieraufnahmen. 9.00—9,05 Uebertragung des Geläutes von St. Gereon, Köln. 9.05—10,00 Katbolische Morgenfeier. Redner: Religionslehrer Carl Heider, Elberfeld. Kirchenchor Meschede i. W. Leitung: Johannes Simon, Grote (Cello), Grape(Klavier), Hilgers(Orgel). 1 00—11,2“ Rheinland=Kundgebung aus Anlaß der 51. Jabrestagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Ansprachen: Oberpräsident Dr. Fuchs, Oberbürgermeister Rombach und Kapitular Kanoniker Steinwender. Uebertragung aus dem Kaisersaal des Rathauses Aachen. 11,30—12,00 Reichssendung Bach=Kantate(IX). Kantate zum Heiligen Pfingstfest. Das Städtische und Gewandhausorchester zu Leipzig. Der Thomaner= chor. Solisten: Osk. Laßner, Leipzig(Baß), Günth. Ramin(Orgel), Friedbert Sammler(Cembalo), Professor Edgar Wollgandt(Violine), Hans MünchHolland(Vioncello), Hans Biebl(Oboe 1), Walter Heinze(Oboe 2), Friedrich Rein(Englisch Horn), Leitung: Dr. D. Karl Straube. 12,00—12,20 Ungedruckte Dichter. Margarete Schiestl= Bentlage: Der Pfingsttag. 12.20—12,40 Menschen im Beruf. Richard J. Kern: Der Flugzeugfotograf. 12.40—13,00 Antike und Gegenwart. Artbur Silber= gleit(zum 50 Geburtstag des Dichters). 13,00—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Evsoldt. 14,30—14,05 Schachfunk. Dr. A. van Nüß. 14,50—15,10 Jungmädchenstunde. 15.25—15.45 Reise nach dem Osten. Dr. Alfons Paquet: Mongolische Städte. 15.45—16,05 Die schaffende Stadt. Dr. Hans Hartmann: Rotterdam. 16,05—16.30 Hennerich opp Wollfoert(Erzählung in westfälischer Mundart.) Oberstudiendirektor Dr. Heinrich Beisenberz. 16,30—17,30 Vesverkonzert, Leitung: Ecsoldt. 17,30—18.15 Uebertragung aus Berlin: Fußballspiel Deutschland— Oesterreich 2. Halbzeit. 18.15—18.35 Der westfälische Lebensraum. Archivdirektor Dr. Glasmeier: Westfälische Wasserburgen. 18.35—19.25 Jugendfunk. Von dem Fischer und seiner Frau. Ein fröhliches Spiel nach Grimm und Eduarb Reinacher. Musik von Hans Ebert. Spielleitung: Hardt, Musikal. Leitung: Svitz. Schallplattensendung. 19.25—19.50 Die Welt auf der Schallplatte. Wilhelm Ziesemer: Meisterwerke der spanischen Zarzuela. 19.50 Sportvorbericht. 20,00 Pfingstkonzert. Das Orchester des Westdeutschen Rundfunks. Leitung: Kühn. Solist: Mittmann (Violine). U. a. Intermeszo: Der Holzdieb. Komische Oper in einem Aufzug von Heinrich Marsch= ner. Dichtung von Friedrich Kind. Musikalische Leitung: Breuer. Spielleitung: Anbeißer. Chöre: Zimmermann. 22.85 Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. etwa 23,00—24,00 Tanzmusik der Kavelle Herro Head. Uebertragung von der Rheinterrasse Rodenkirchen. Montag, den 25. Mai 1931. 6.30—9,00 Frühkonzert des Zoo=Orchesters WupvertalElberfeld. Leitung: Artur Kaufmann.(Uebertragung aus dem Zoologischen Garten, Wupvertal=Elberfeld). 9.00—9,05 Uebertragung des Geläutes aus der Trinitatiskirche, Köln. 9.05—10,00 Evangelische Morgenfeier. Ansprache und Leitung: Studienrat D. Dusse, Düsseldorf. Lore Parmann(Alt), Evangelischer Kirchenchor KölnMülheim, Leitung: Musikdirektor Eduard Walther, Kammerorchester der Musikantengilde Köln, Leitung: Willi Isselmann. 10.15—10,35 Besuch am Krankenbett. 11,00—11.20 Johann Sebastian Bach(Legende): Erich Bockemühl. 11,20—12,00 Meister ihres Fachs Moriz Rosenthal (Klavier) und Joseph Szigeti(Violine). 12.00—12,20 Aus der Welt der Pflanze. Friedrich Schnack: Exotische Pflanzenerlebnisse. 12.20—12.40, Musikalische Arbeitsgemeinschaft: Prof. Dr. Hermann Unger. 12.40—13,00 Luftbrücken über Land und Meer: Dr. Heinz Orlovius. 13,00—14,30 Mittagskonzert. Leitung: Wolf. 14.80—14,55 Ungedruckte Dichter. Bernt von Heiseler: Kindheit der Geliebten— Hirtentag(Zwei Erzäblungen). 15.05—15.25 Deutsches Vaterland. Otto Brües: Hamburg und sein Hafen. 15.25—15,45 Als Köttel em ale Kölle(Erzählung in kölnischer Mundart): Laurenz Kiesgen. 15.50—16,30 Uebertragung aus Aachen: Festzug anläßlich der Tagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Sprecher: Ernst— Probst. 16.30—18,00 Vespverkonzert, Leitung: Wolf, unter Mitwirkung des Oberschlesischen Funkquartetts(Willi Arlt, Tenor: Roman Bemben, Tenor: Dr. Walter Schön, Bariton: Gusti Karmeinski, Baß). Begleitung: Georg Richter. 18.00—18,30 Rund um den Drachensels. Ein Hörbild von Hermann Tölle. 18.80—18.50 Der westfälische Lebensraum. Universitätsvrofessor Dr. Schwering: Annette von DrosteHülsboff. 18.55—19.15 Elternstunde. Wilb. Lamszus: Das Kind als Humorist. 19.15—19.40 Der Bölkerbund des Kundfunbts 19,45 Sportvorbericht. 20,00 Uebertragung aus dem Garten der Städtischen Tonballe, Düsseldorf: Militärkonzert. Die verstärkte Kapelle des ehem. Niederrheinischen FüsilierRegiments 39. Leitung: Gottlieb Furch. 22,00 Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 23.00: Nachtmusik. Leitung: Wolf. 23,00—24,00 Tanzmusik der Kapelle Herrv Head Uebertragung von der Rheinterraffe Rodenkirchen. Dienstag, den 26. Mai 1931. 6.45—7,00 Leibesübungen. Dr. Ludwig Bach. 7,00 Wettervorbersage und Zeitangabe. 7,05—8,00 Morgenkonzert. 8,00 Zeitangabe und Wiederholung der Wettervorbersage. 10,15—11,00 Schallvlattenkonzert. 10,30 Erste Meldungen. Amtliche Wasserstandsmeldungen und Zeitangabe. 11,00—11,15 Werbevortrag der Bauspar=A. G. Verlin W. 8. 11,15—11,55 Schallvlattenkonzert. 12,10 Schallplattenkonzert. 12,05 Wetterbericht. 12,55 Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13.05—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Evsoldt. 14,80 Schlachtviehmarktberichte. 15.30 Wasserstandsmeldungen(Wiederbolung), Zeitangabe und Wirtschaftsmeldungen. 15,50—16,15 Kinderstunde. Els Vordemberge: Lustiges Allerlei. 16,15—17,00 Uebertragung aus der Messehalle Köln: Ein Rundgang durch die Volksausstellung„Das Kind". Bürgermeister Dr. Linnartz— Stadtschulrat Dr. Hawel— Dr. Behle. 17,00—18,00 Vesverkonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Kühn, Solisten: Schömmer(Tenor), Strienz(Baß). Aus der „Großen Oper“. 18,00—18,20 Uebertragung aus dem Chemischen Institut der Universität in Wien: Wien in der Chemie. Vortrag von Wirkl. Geh. Staatsrat Prof. Dr. Walden(im Rahmen der 44. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Chemiker in Wien). 18.25—18.40 Die Welt im Buch. Dr. Waldemar Gurian: Französische Erzähler der Gegenwart. 18.40—19,00 Wirtschaftspolitische Umschau. Dr. Adolph Reifferscheidt: Neue Wege in der europäischen Handelspolitik. 19.00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19.15—19,25 Zehn Minuten Funknachrichten. 19.30—19.55 Gemeinverständliche Rechtskunde. Oberreichsanwalt i. R. Prof. Dr. Ebermayer: Der Stand der Strafrechtsreform. 19.55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,55 Abendmusik des Kleinen Orchesters des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Evsoldt. 21.00—22.10 Pfingstchöre. Der Kammerchor des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Maier. 23.10 Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Svortbericht. SbiEg wumzpühr. Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Ti Dr Weer des Rillwellalcens Der Tonfilm=Schlager „Ein kleines Lied, wie gebt's nur an, daß man so lieb es haben kann schrieb einst eine Dichterin, als sie darüber nachsann, welchen Vorzügen so kleine Lieder ihre Beliebtheit verdanken. An ihre Zeilen muß ich immer denken, böre ich einen neuen fassinierenden Schlager bei der Premiere eines Tonfilms. Dann muß ich mir sagen: der macht Karriere, reist morgen um die Welt. Von Mund zu Mund wird er verbreitet werden und durch jene bunten Hefte, auf deren Titelseite uns ein bekanntes Gesicht grüßt oder ein vertrautes Milien und in großen Lettern darüber steht:„Einbrecher“ oder„Ihre Hobeit befiebltl“. In dieser Form treten die kleinen Diger ihre Weltreise an, mit leichtestem Geväck sozusagen: ein paar Textzeilen, einige Takte musikalischen Einfalls, der sich geradegn von selbst weiterentwickelt,(solche organisch gewachsenen Melodien sind die edelsten), das ist scheinbar alles, was sie bei sich führen, ist ihr Paß und Bisum, das ihnen über alle Zollschranken binweg Zutritt in die Herzen der Menschen aller Zonen eröffnet. Scheinbar: im Grunde baben sie nämlich noch etwas Unverlierbares mitbekommen, die Beziebung mit dem optischen Eindruck, den Zusammenbang mit einem Bild, einem Tablean. Denn, seben Sie, wenn so ein Schlager auch herumreist, so besitzt er doch die Gabe, die sonst bloß den Geschöpfen des Märchens eigen: er kann an vielen Orten zugleich sein, ist jederzeit ausgeteilt und doch wieder ganz. Ich kann mir seine Gegenwart in jeder Sekunde gönnen, und so eine Melodie kann auch recht unbequem werden: man wird mitunter den einmal gerufenen Geist nicht mehr los. Oft freilich stellt er sich auch unbeschworen ein. Man gebt auf der Straße oder liegt daheim auf seiner Couch, oder ist mitten in der Arbeit: da zuckt es plötzlich auf, etwas gerät in mir in Schwingungen. Ich vernehme Töne (allerdings nur ich allein, und kein Mensch kann ergründen, warum in selben Moment gerade diese Töne und nicht andere!), und sie reiben sich zur schimmernden Keite; das Geschmeide funkelt. Du mußt dieses Glitzern schon irgenwo geseben haben! Und auf einmal weiß ich es: das stammt aus dem„Liebeswalder“. Hören Sie, wie die Geigen schluchzen.„Brauchst Du noch Worte, um glücklich zu sein?" Nein! Wir brauchen keine Worte! Die chromatische Mittelstimme, die sich zwischen Terzen und Sexten hindurchwindet, sagt alles. Nett der Text Robert Liebmanns, kongenial die Musik von Heymann. Und in meinem Innern erstebt ein Bild: ein blankes Parkett, zwei Menschen tanzen, selig verträumt, auf ihm einen Walzer. Noch sind im Hintergrund Zuschauer sichtbar. Jetzt wird ein Vorhang vorgezogen. Nun sind die Tanzenden allein.„Glück macht uns trunken, die Welt ist versunken, es leben nur ich noch und du“. So weit also hat mich meine Phantasie entführt, und daran waren ein paar Takte Melodie schuld und jene Schwingungen, die sie bervorriefen. Das ist das Besondere an dem guten Tonfilm=Schlager: er schmeichel! sich in unser Bewußtsein(und später ins Unterbewußtsein) nicht allein durch einen prägnanten melodischen Einfall, durch einen schmiegsamen Text. Er ist, vom Publikum aus geseben, in erster Linie einer ssenischen Situation entsprungen. Wenn ich demnach vor mich binsumme:„Ich bin von Kopf bis Fuß...“ dann ist das nicht bloße Reproduktion eines musikalischen Gedankens den ich vielleicht irgendwann in einem Kaffeehaus gebört habe, vielmehr eröffnet sich meinem inneren Blick sogleich ein bestimmtes Milien: eine Seemannskneipe, ein Tingeltangel mit viel Rauch und Bierdunst und einer Frau, schön, verdorben und verbängnisvoll Und wenn ich die Melodie vor mich hinbrumme, ist es eigentlich diese Frau, die sie singt. Sie müssen Sie auch hören, diese Stimme, mit dem animalischen Unterlon, und Sie müssen den verschleierten Blick sehen, den Sie uns zuwendet und dessen raffinierte Gleichgültigkeit den Männern Brand ins Blut wirft. Und können Sie Benatzkys Tango:„Reich' mir dein weißes Händchen“ singen, ohne dabei an den tungen Lehrer zu denken, „Doug“ und„Mary kommen nach Berlin Douglas Fairbanks und Marv Pickford bei ihrem Wiedersehen in Reading(England). Das Filmkünstlerebepaar Douglas Fairbanks u. Marv Pickford traf sich nach kurzer Trennung in Reading (Eusland) und beschloß, demnächst Berlin zu besuchen. In Hollvwood waren schon Gerüchte verbreitet, daß die Fünstler sich scheiden lassen wollten, aber in Wahrheit hängen sie in alter Liebe aneinander, so wie das Filmpublikum sie zu sehen gewohnt ist. Von Dr. Alois M. Naaler. der keinen Schülern das Dachstein=Lied einvaukt und, dann aus dem stillen Gebirgsdorf in das raube Leben hinausgerissen, noch ein berühmter Mann wird, dem man ein Denkmal setzt? Man erinnert sich Gustav Fröhlichs, wie er am Klavier saß und wie er hinter den Kulissen der Wiener Hofover von Schmerz zerrissen wurde, während ein schmelzender Tenor den Tango, nun ins Overnhafte umgebogen, singt. Man trällert:„Du bist das sübeste Mädel der Welt!“ und erblickt Georg Alexander im Fond seines Wagens, siebt Lilian Harvev auch, der Text und Musik gelten. Durch solche Abbängigkeit vom Szenisch=Mimischen wird der Schlager im Tonfilm gleichsam dreidimensional, und damit wird ihm auch eine längere Lebensdauer als etwa seinen Kollegen vom Kabarett oder von der Theater=Operette garantiert. Zwar ist auch der Overetten=Schlager an eine theralische Situation gebunden, doch feblt dieser die Einmaligkeit und Endgültigkeit der Filmischen. Und vor allem entbebrt die Theater=Operette und ihre Schlager der weltumspannenden Suggestion, die von dem Darsteller auf der Leinewand ausgeht und wodurch der Tonfilm=Schlager erst seine gültige Prägung erbält und seine in der Verbindung von Text und Musik schlummernde Magie rit voll geweckt wird. Die Privatsekretärin Chaplins erzählt Man will ihn bemuttern— Charlie und die Kinder Eine Engländerin, Fräulein Shepherd, die jahrelang Privatsekr. Charlie Chaplins war,— eine Stellung, um die sie sicher viel beneidet worden ist— erzählt von ihren Erfabrungen mit diesem Manne, der wahrscheinlich zu den erfolgreichsten gehört, die es überhaupt auf der Welt gab und gibt. Es ist vielleicht gans interessant, einen Blick hinter die Leinwand zu tun, die die Welt bedeutet, und wir lassen deshalb Fräulein May Sbepberd reden: „Obwohl Charlie Chaplin nur klein von Wuchs ist, ist an seiner magischen Macht nicht Iu zweifeln. Sie macht sich schon geltend bevor er spricht. Chaplin im wirklichen Leben ist ein graubaariger Mann mit angenehmem rundlichem, aber traurigem Gesicht. Die Brauen sind nicht sehr betont,— ein Mann dessen Lächeln durch sein plötzliches Hervorbrechen bezaubert, mit einer Stimme die sanfter ist als die vieler Frauen. Ein Mann, der die Armut so gut gekannt bat, daß kein Reichtum je die Erinnerung an das frübe Elend auslöschen kann. Die Erinnerung daran ist immer bei ihm und wird ihm wahrscheinlich bleiben wie das Gedenken an einen schlimmen Albdruck, der einen auch im hellsten Sonnenschein nicht verläßt. Er gebt gern durch die Straßen von London, von Erinnerungen umdrängt. Charlie Chaplin verändert sich im Lauf der Jahre nicht viel. In mancher Hinsicht ist er noch immer ein Knabe, und desbalb neigen die Frauen so sehr dazu, ihn zu bemuttern. Die Hälfte der an ihn gerichteten Briese kommt von Frauen, die Mütter sind, die glauben, daß er temanden braucht, der für ibn sorgt und sich um ihn kümmert, wie nur eine Mutter es kann. Charlie Chaplin liebt es, auch im Leben kleine Späße aufzufübren. Einmal sprachen zwei junge Mädchen in seinem Hotel vor, um ein Autogramm von ihm zu bekommen. Zunächst wollte Charlie sie nicht empfangen, dann tat er es aber doch und stellte sich ihnen als sein eigener Manager vor. Die armen Mädels erfuhren nicht, wen sie wirklich vor sich hatten, waren aber entzückt, mit jemandem zu sprechen, der Charlie Chaplin so nabe stand. Natürlich muß er vor seinen vielen Bewunderern auf der Hut sein, und wenn er zum Beispiel vor dem Ausgeben merkt, daß sehr viele Leute auf ihn warten, so entschlüpft er durch die Hintertür. Besonders gütig zeigt er sich Kindern gegenüber. Einmal wollten Kinder aus dem Armenviertel Londons ihn gern seben, und ein menschenfreundlicher Herr lud die ganze Schar auf einen Autobus und fuhr mit ihnen nach dem Hotel, in dem Charlie Chaplin wohnte. Als der Kinderschwarm ankam, war Charlie Chaplin aber ausgegangen. Die tief enttäuschten Kinder beschlossen, auf ihn zu warten und vertrieben sich die Zeit, indem sie mit schallenden Stimmen allerlei Chaplinlieder sangen. Plötzlich kam Charlie wirklich. Er führte die Kinder in seine Zimmer, ließ sich von ibnen die schon balb verwelkten Blumen schenken, die sie ihm mitgebracht batten, trieb allerlei Späße mit ihnen und schenkte dann jedem einzelnen eine Konfektschachtel, die er batte bolen lassen. Sein Aufentbalt in Paris u. Berlin hat ihm gezeigt, daß er nicht nur von seinen eigenen Landsleuten geliebt wird, aber natürlich gebört England sein Herz, und es fällt ihm schwer, die alte Heimat zu verlassen. Schon jetzt werden große Kisten mit Geschenken, die Charlie Chaplin von seinen Verehrern vermacht wurden, nach seinem Hause in Hollvwood gesandt, und aus diesen Geschenken sieht man deutlich, wie viel Dankbarkeit dieser Mann erntete. Neben den großzügigen Gaben des reichen Mannes stehen bescheidene Spenden von Menschen, von denen man den Eindruck bat, daß die Spender sie sich am Munde abgespart baben, um ibrem vergötterten Liebling eine kleine Freude zu machen, und ihm, der ibnen so viele frobe und beschwingte Stunden schenkt, auch ibrerseits einmal zu zeigen, was sie ihm verdanken. Cbarlie Ehaplin kann von seiner Eurovareise den Eindruck mitnehmen, daß er bier nicht minder geliebt und verehrt wird als drüben in seiner zweiten Heimat, in Amerika. K. v. Eine Unterseestadt auf der Leinwand Im Sommer 1930 machte die archäologische Exvedition der sowietrussischen Akademie der Wissenschaften eine interessante Entdeckung. In der Näbe der Stadt Sevastavol an der Küste des Schwarzen Meeres wurden auf dem Meeresboden Ruinen einer versunkenen altgriechischen Stadt entdeckt. In der Tiefe von 8—40 Metern wurden dicke Festungsmauern mit 16 Türmen und gut erhaltenen Eingangstoren und auf dem Gelände zwischen diesen Mauern eine große Anzahl au einandergefallener Bauten gefunden. Im Zentrum dieser versunkenen Stadt stießen die Taucher auf einen großen gepflasterten Marktplatz, der mit dem Haupt tore der Stadt durch eine breite und gleichfalls sorg fältig gepflasterte Straße verbunden ist. Die Tauche: konnten ca. 20.000 am bebauten Geländes auf d# Meeresgrnud untersuchen und stellten einen schematischen Plan aller entdecken Ruinen auf. Damit fanden die archäologischen Arbeiten des vorigen Sommers, die in der ganzen Welt großes Aufsehen erregten, ihren Abschluß. Die sowjetrussische Akademie beabsichtigt, in diesem Jahre die Unterseestadt zu fotografieren und zu verfilmen. Eine besondere Filmapparatur für Unterseeaufnahmen ist bereits in Amerika in Auftrag gegeben worden. Auf der Leinwand wird die Unterseestadt märchenhaft aussehen. Die Zuschauer werden bei dem Abrollen des merkwürdigen Films wie in einem Traum in frühere Jahrbunderte versetzt werden. Leider ist die ebemals reiche und bevölkerte Stadt nur von Fischen bewohnt. Nichts ist so schwer, als einmal nüchtern und unpbantastisch über sich selbst und seinen Beruf nachzudenken. Der Erfolg der Film=Schauspielerin ist in den wenigsten Fällen ein unmittelbarer. Denn er bängt, im Gegensatz zur Bühne, nur indirekt von unserer Person ab. Die drei Gradmesser unserer Popularität sind auf eine ganz einfache Formel zu bringen. Anzabl der Autogramme, die von unseren Verehrern und Verehrerinnen verlangt werden, und Glückwünsche, die uns von ihnen zugeben, der zufriedene oder unzufriedene Gesichts=Ausdruck unseres Produktions=Chefs, der wiederum in kausalem Zusammenbang mit den Kinokassen im Deutschen Reich steht, und — was eigentlich nicht hierber gehört— die auf= oder absteigende Kurve unserer Gage. Das ist unser Sorgen=Kompler, ganz gleich, ob wir in festem Kontrakt steben oder nur als freie Schauspielerin Film um Film drehen. Ich will nicht aus der Schule vlaudern. Mir fällt immer, wenn ich mich in filmfremder Gesellschaft befir'; die Geschichte von dem jungen Mädchen aus Bautzen ein, das unbedingt zum Film wollte. Ich fragte sie:„Weswegen glauben Sie denn, besonders für den Film geeignet zu sein?“ Sie antworrete in treuberziger Offenheit:„Ich habe keinen Film versäumt und weiß nun ganz genau, wie man es macht! Außerdem trage ich so gern schöne Kleider und fahre mit Begeisterung Auto.“ Damals habe ich mich hingesetzt und ihr spaßhalber einmal an Stelle eines Autogramms kurs zwei Tage aus dem Arbeitsplan einer Filmschauspielerin skizziert. Wir waren gerade mit den Aufnahmen zu dem neuen Kriminal=Tonfilm„D=Zug 13 hat Verspätung“ fertig. Meine Tageseinteilung während der Aufnahmen zu dieser: Film sab so aus: ½7 Uhr früh Aufstehen, 6.40 bis 7 Uhr gymnastische Uebungen, 7 Uhr bis 7.30 Uhr Frübstück(7.30 Uhr stebt das Auto vor der Tür), 7,40 Uhr schnelle Fahrt über die Nous nach Neuhabelsberg. 8,10 Uhr bis 8.40 Uhr Schminken, Frisieren, Umziehen zur Aufnahme, 9 Uhr Beginn der ersten Arrangier=Proben, die Probe und Aufnabmearbeit den ganzen Vormittag bis um 2 Uhr, 2 bis ¾3 Uhr kurze Mittagspause. Essen im großen Kasino der UsA. 2.45 Uhr neues Schminken, 3 Uhr Fortsetzung der Aufnahmen bis 7 Uhr abends. Während der Einstellungen, in denen ich nichts zu tun habe, werden Dialoge rekapituliert. 7 Uhr bis 7.30 Uhr Abschminken, Umzieben, 7,30 Uhr Rückfahrt über die Avus nach Berlin, 8 Uhr ist man zu Hause, 8 bis 9 Uhr Abendessen. Während der Aufnahmezeit abends auszugeben, ist fast unmöglich, da man am nächsten Tage schon wieder um ½7 Uhr auf den Beinen sein muß. Man kann's, aber es rächt sich dann am kommenden Tag. So sah während unserer Tonfilm=Arbeit unter Alfred Zeislers Regie ein Arbeitstag aus. Und was war vorber? In den wenigen Tagen, die zwischen der Beendigung des vorigen Films und dem Anfang dieses Films lagen, hatte ich folgende Tages=Einteilung: 8 Uhr Aufstehen. 8 Uhr bis 9 Uhr gumnastische Uebungen, dann Frühstück, 10 Uhr Anproben bei der Schneiderin für den neuen Film, ½12 Uhr bis ½1 Uhr bei dem Gesanglehrer Gesangstunde und anschließend Essen. 2 Uhr bis 4 Uhr Einstudieren der neuen Rolle, 5 Uhr Ueberbören durch den Dialog=Regisseur, 8 bis 11/12 Uhr abends Ensemble=Proben mit Heinz Könecke, Alfred Beierle und einigen anderen unter Leitung von Alfred Zeisler. So sieht unser Leben während unserer Arbeits= und Freizeit aus.... Vom Boxer zum Filmkomiker Reginald Denny ist heute einer der beliebtesten Film. komiker. In seinen Filmen sind besonders diejenigen Momente auffallend, in denen die sportlichen Fähigkeiten des Schauspielers im Vordergrunde stehen. Mit besonderer Vorliebe betreibt Reginald Dennv in seinen Filmen den Boxsport, da er den Weg zum Film über den Ring antrat. Schon in jungen Jahren, nach endigung der Volksschule, wies Dennv bervorragende Schauspielerfähigkeiten auf, die sich bei ihm mit einer großen sportlichen Begeisterung paarten. 1913 ging Denny mit einer Wandertruppe auf Reisen und trat in Australien und Indien auf. Nach dem Kriege begab er sich nach den Vereinigten Staaten auf die Suche nach Arbeit, Geld und Ruhm. Er wußte nicht, welchem Berufe er sich widmen u. auf welchem Gebiete er leinen Nebenbubler knock=out schlagen sollte. In der ersten Zeit seines amerikanischen Aufenthaltes verstand er es die Boxertätigkeit mit dem Schauspielerberuf zu vereinen, wobei die Anfänge seiner Filmkarriere sich sehr ungünstig für ihn gestalteten. Plötzlich wandte sich ihm die Glücksgöttin zu. Er erhielt die Hauptrolle in einem Film, die ihn weltbekannt machte. Es war die Rolle des Boxers Kid Roberts, genannt„Gentleman des Rings“, in der Dennv sein schauspielerisches Talent und gleichzeitig seine großen sportlichen Fähigkeiten beweisen konnte. Seit dieser Zeit gilt Dennv als einer der guten Filmschauspieler Amerikas. Josephine Baker tonfilmt. Der Negerstar Josephine Baker wurde für einen Tonfilm engagiert, dessen Aufnahmen in Kürze in Paris beginnen sollen. Der Filw wird sich„Mein Blut in deinen Adern" betiteln. Wanne=Eickeler Filmbühnen Spielvlan der Woche. Kammerspiele:„Voruntersuchung“ mit Fröhlich, Bassermann, Brausewetter, Sima, Annie Marbart. (Buster Keaton in„Die unvollkommene Ebe“, Wochenschau, Kulturfilm.) Astoria:„Schuberts Frühlingstraum“ mit Lucie Englisch, Gretl Theimer, Siegfried Arno, K. Jöken. (Rintintin in„König der Wildnis“, Lustspiel, Beiprogramm.) Lichtburg:„Der Schrecken der Garnison“ mit Feiir Bressart.(Lustspiel:„Liebeskleeblatt", Ton=Wochenschau usw.) Avollo=Theater:„Der Hampelmann“ mit Mar Hausen und Lien Devers.(„Das Mädel mit der Peitsche“ mit Siegfried Arno, Tongrotesfe Beipr.) Kino=Liebhaber „Wissen Gie, dem Kino verbanke ich immer ein paar gemütliche Stunden!“ „Geben Sie so gern hinein?“ „Nee, aber meine Frau. Und dann gebe ich immer ins Wirtsbaus!“ Mikrotilmaschiv der deutschsprachigen Presse e.V. Sängervereinigung Röhlinghausen e. V. Mitglied des Deutschen, des Westfälischen Sängerbundes und des Stadtverbandes der M.-G.-V.:: Chormeister: W. Kölling i. V. Bochum. Protekt. Fabrikb. Raake Plingstmontag, den 2s. mat. 11 Uhr vorm. in den frühlingsgrünen Anlagen d. Flora(Marzina) FRUN-ZONLER! unter Mitwirkung der Herner Stadtkapelle Eröffnung 10 Uhr vorm., Anfang pünktl. 11 Uhr Um gütigen Zuspruch bittet DER VORSTAND Binkeit b0 Pdg. Erwerhoiose 80 P8. Sehlobhorst An beiden PIingsttaden, ab 4 Uhr: großes Schloßgartenkonzert! Plindstmontag, von 11 bis 1 Uhr: Frühkonzert!— 28 Mann starkes Blasorchester. U. a. Darbietungen mit Kesselpauken und Fanfaren. ft Bauernschänke, Eberlstr. 11 Samstag, Sonntag, Montag Ssmmmmmm Rriter Restaurant und Café Sedansff. 12, an d. Bahnhofsanlagen Inn.: Heinrich Ostwald Für die Pfingstfeiertage bringe ich meine gute, bürgerliche Küche empfehlend in Erinnerung Speisenkarte Mark 1.00 Kraftbrühe m. Markklöse Lummerbraten, Leipziger Allerlei Schokoladenpudding oder Eis Mark 1.20 Kraftbrühe m. Markklöse Gefüllte Kalbsbrust mit Salat Schokoladenpudding oder Bis Mark 1.40 Mark 1.60 Kraftbrühe m. Markklöse Sabne-Schnitzel Schokoladenpudding oder Bie Mark 1.80 Kraftbrühe mit Markklöse Kalbskotelette mit Spargel Schokoladenpudding oder Eis Mark 2.00 Kraftbrühe m. Markklöse Schwedenbissen Roastbeef garniert Schokoladenpudding oder Eis Kraftbrühe m. Markklöse Omelette mit Spargel Schokoladenpudding oder Eis Mark 2.00 Kraftbrühe m. Markklöse Wiener Backhuhn Schokoladenpudding oder Eis Spezialliät: ia frischen Spargel mit neuen Kartollein S und zerlassener Buller..... 140 Sonntag ab 4 Uhr: Künstlerkonzert 2 Montag von 4-61 Uhr: Tanztee — ab 7 Uhr: Künstlerkonzert der 4 Stöltings Smmmmmmmmmmmmm tt goses Uustspiel Der kleinste Homiker der Gegenwart und Willu, der beliebte Komiker aus Essen. Wer an den Pfingettagen mal herzhaft lachen will, komme zur Bauernschänke hin. Lachen ohne Ende! Es ladet freundl. ein Hännes Grothe. — Gasthaus Zum wilden Mann“ Eickeler Markt 3 Knanaantt Tnnaat Plingsisonnlag Früh-Konzert des Städt. Orchesters Von 11—1 Uhr: Matinée. Zum Ausschank gelangt: Ia nülsmann-Malbodibler. Warme und kalte Speisen — zu jeder Tageszelt.— Es ladet treundlichst ein: Der Wirt Haspar Beck. Metropol-Künstier-Spiele Besitzerin: Wwe. E. Nehring Wanne-Eickel, Hindenburgstr. 164, Fernsprecher Nummer 416 80 Das grone PinngerTregram. 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