Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Angemeiner Kteisanzeiger Bezugspreis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwelm Neustraße Nr. 6.— Celegr.-Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Nr. 2018.— Hostscheckkonto Hannover 76918.— Für unver angt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Betriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. fur den Ennepe=Kahr ureis Schibeiner Radlanzeiger Mit den Beilagen: Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig, im Reklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Geschäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Rummer 147 Erstes Blakt Samstag, den 25. Juni 1932 103. Jahrgang „Die Lust ist kühl...“ Reichslanzter nach Bernn abgereist Eine nichtssagende amtliche Erklärung über die deutsch=französichen Besprechungen Reichskanzler von Papen fährt vorübergehend nach Berlin Die erste Arbeitssitzung Kurze Tagesneuigkeiten Beschlagnahme des„Angriffs“. * Berlin, 24. Juni. Das Gericht hat die beutige Nummer des Angriffs wegen zweier Artikel mit schweren Angriffen gegen den Polizeipräsidenten Grzesinski und den Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß beschlagnahmt. Uebertritt zur DRBP. * Beuthen, 24. Juni. Die Ortsgruppe Beuthen der Deutschen Volkspartei hat, den Blättern zufolge, beschlossen, sich aufzulösen. In einem an die bisherigen Mitglieder gerichteten Schreiben empfiehlt der Vorstand den Mitgliedern, sich der Deutschnationalen Volkspartei anzuschließen, da diese, wie es in dem Schreiben heißt, die Gewähr für eine gradlinige nationale und gesunde Wirtschaftspolitik gibt. Führende Vorstandsmitglieder und ein Teil der Ortsgruppe haben den Uebertritt bereits vollzogen. Aschenregen hinderte Elli Beinhorns Flug * Buenos Aires, 24. Juni. Elly Beinhorn. die von Mendoza nach Buenos Aires gestartet war, ist nach Mendoza zurückgekehrt, weil der durch erneute Vulkanausbrüche verursachte Aschenregen ihren Flug behinderte. Der Besitz der Stadt Köben wird freihändig verkauft * Köben, 24. Juni. Der Besitz der in Konkurs geratenen Stadt Köben an der Oder soll freihändig verkauft werden. Zum Verkauf stehen u. a. Aecker, Wiesen und Baugelände, einige kommunale Betriebe und der städtische Park. Rücktritt der Meckleuburg=Schweriner Regierung * Schwerin, 24. Juni. Das Kabinett, bestehend aus Ministerpräsident Eschenburg. Finanzminister Haack und Innenminister Dr. Schlesinger, ist zurückgetreten. Der Memelstreit vor dem Haager Gerichtshof * Haag. 24. Juni. Der Ständige Internationale Gerichtshof hat heute vormittag die von Litauen erhobene Einrede der Unzuständigkeit des Haager Gerichtshofes für die Memelklage der Signatarmächte mit 13 gegen 3 Stimmen für unbegründet erklärt. Eine deutsche Studentin verunglückt * Paris, 24. Juni. In den französischen Alpen in der Nähe von St. Nizier bei Grenoble wurden am Donnerstag zwei Grenobler Studenten und eine Studentin bei der Besteigung des Dreijungfernbergs von einem Erdrutsch überrascht. Die junge Studentin, eine Deutsche namens Fischer, wurde dabei von einem Felsblock so unglücklich getroffen, daß sie bereits bei ihrer Ueberführung ins Krankenhaus starb. Die beiden Studenten blieben unverletzt. Schneefall in Bologna * Rom, 25. Juni. Infolge von heftigen Niederschlägen und Gewitterstürmen macht sich in Italien ein erheblicher Rückgang der Temperatur bemerkbar. Auf dem Appennin bei Bologna hat es sogar heftig geschneit. In mehreren Gebieten werden Ueberschwemmungen gemeldet. Eine Windhose hat in der Nähe von Venedig fünf Häuser abgedeckt. Ein Zementstreifen von etwa 80 Kilogramm ist über 200 Meter weit geschleudert worden. Deutscher Beamter von den Franzosen verurteilt * Neustadt a. d. Hardt, 24. Juni. Nach einer Mitteilung des bayrischen Staatsministeriums ist Oberforstmeister von Bomhard gestern von der Metzer Strafkammer zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Strafausschub wurde nicht gewährt. Oberforstmeister von Bomhard befindet sich im Metzer Gefängnis. Wie erinnerlich, war von Bomhard wegen verbotener Rückkehr nach Lothringen und anderer ähnlicher„Delikte“ verhaftet worden. Die Reichsregierung setzt ihre Bemühungen, Herrn von Bomhard trotz seiner Verurteilung frei zu bekommen, fort. * Das gibt es also noch: ein französisches Gericht verurteilt einen deutschen Beamten dreizehn Jahre nach Kriegsende zu einer Gefängnisstrafe und zwar deshalb, weil der Beamte einmal die Stätte seiner früheren Tätigkeit besucht hat und sich von der Hausangestellten seines französischen Nachfolgers den Gatten zeigen ließ, in dem er mit seiner Familie früher glückliche Stunden verbracht hat. Das ist nach französtscher Auffassung„Hausfriedens= und Bannbruch.“ * Lausanne, 24. Juni. Die Sitzung der deutschen und der französischen Delegation hat bis kurz vor 13 Uhr angedauert. Bei ihrem Abschluß wurde folgender Bericht ausgegeben. „Die deutsche und die französische Delegation haben heute morgen eine erste Arbeitssitzung abgehalten. Graf Schwerin von Krosigkhat eine eingehende Darlegung der finanziellen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands gegeben.“ * Lausanne, 24. Juni. Die der heutigen Arbeitssitzung zwischen der französischen und deutschen Delegation vorangegangene Besprechung des deutschen Reichskanzlers und Herriot begann um 10 Uhr und hat gutem Vernehmen nach einen Verlauf genommen, der auch weiterhin positive Möglichkeiten aufzeigt. Die Unterredung dauerte ca. ½ Stunde worauf der Reichskanzler und der französische Ministerpräsident an der Sitzung der beiden Delegationen teilnahmen. Die Darlegungen der Finanzminister Deutschlands und Frankreichs in Lausanne * Lausanne, 24. Juni. Ueber die beiden deutschfranzösischen Sitzungen wird von zuständiger deutscher Seite darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen im allgemeinen in freundlichem Geiste geführt worden seien. Sie hätten im wesentlichen aus den Ausführungen des deutschen und französischen Finanzministers bestanden, die die Gesamtlage in der Tributfrage beleuchtet hätten. Der Reichsfinanzminister habe sich in seinen Darlegungen zunächst darauf beschränkt, darzulegen, wie sich die gegenwärtige Lage Deutschlands gegenüber den Feststellungen des Baseler Sachverständigenberichtes vom Dezember 1931 verschlechtert habe. Der Reichsfinanzminister sah sich hierzu durch den Hinweis Herriots veranlaßt, daß der Baseler Sachverständigenbericht die Grundlage der gesamten Konferenzverhandlungen bilde. Demgegenüber habe Graf Schwerin=Krosigk den Nachweis geführt, daß auf allen Gebieten der Wirtschaft eine wesentliche Verschlechterung in Deutschland eingetreten sei. Insbesondere hätten die in den Notverordnungen vom Dezember und Juni neu festgesetzten Sätze für die Arbeitslosenunterstützung einen Stand erreicht, der Anlaß zu schwersten sozialen Spannungen geben müsse. Der deutsche Finanzminister wies hierbei auf die außerordentliche Notlage der deutschen Arbeitslosen hin. Der französische Finanzminister ist in seinem Bericht in der Nachmittagssitzung nur kurz auf die deutschen Darlegungen eingegangen, hat in der Hauptsache die französische Tributthese vertreten, nach der die gegenwärtige Notlage Deutschlands durchaus anzuerkennen sei, doch würde mit dem Ende der Weltwirtschaftskrise auch die deutsche Krise ein Ende finden, so daß von einem gewissen Zeitpunkt ab die Möglichkeit neuer deutscher Tributzahlungen und des Transfers dieser Zahlungen an die Gläubiger eintreten werde. Ferner würde nach französischer Auffassung eine Einigung auf dem Tributgebiet zu einer allgemeinen Erleichterung und Erholung führen, so daß nach einer gewissen Pause eine Wiederaufnahme der deutschen Zahlungen in beschränktem Umfange durchaus möglich sei.(!) Die Verhandlungen sind dann bald nach kurzer Aussprache auf die Montagsitzung vertagt worden, in der die Hauptfrage der grundsätzlichen Gegensätze zwischen der deutschen und französischen Tributauffassung geklärt werden soll, die darin besteht, daß die französische Regierung weitere Tributzahlungen verlangt, hingegen die deutsche Regierung erklärt, es könne keine weiteren Tributzahlungen mehr geben. Gibsous Erklärungen Gens. 24. Juni. Die Abrüstungsbesprechungen zwischen der amerikanischen, englischen und französischen Delegation sind heute unterbrochen worden. Sie sollen am nächsten Montag wieder ausgenommen werden. Der Führer der amerikanischen Delegation, Botschafter Gibson, hat heute die Vertreter von 29 amerikanischen Friedensorganisationen empfangen und bei dieser Gelegenheit erklärt, das Irgendwelche präzise Forderungen sind in den beiden Sitzungen am Freitag von französischer Seite nicht gestellt worden. Die Ausführungen Germain Martins trugen einen allgemeinen Charakter. Die weiteren Verhandlungen werden bis zur Montagsitzung jetzt zwischen den beiderseitigen Finanzsachverständigen geführt werden. Von der Einsetzung eines besonderen Studienausschusses für die Tributfrage ist abgesehen worden. Was Herriot meint * Lausanne, 24. Juni. Bei Schluß der heutigen Vormittagsbesprechung gab Herriot, Pressevertretern eine kurze Darstellung des Verlaufes, in der er betonte, daß es sich um eine gute Arbeitszusammenkunft gehandelt habe. Er sei zufrieden und rechne auf den guten Willen aller, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Die Verhandlungen würden morgen unter allen Umständen auch in seiner Abwesenheit weitergehen. Zum Schluß charakterisierte er die Stimmung mit folgenden Worten in deutscher Sprache:„Die Luft ist kühl, aberes dunkelt nicht!" Die Nachmittagssitzung * Lausanne, 24. Juni. Die zweite gemeinsame Sitzung der deutschen und französischen Minister die um 5.30 Uhr begonnen hatte wurde um 7.30 Uhr abgeschlossen. Ueber den Verlauf der Sitzung wurde folgende amtliche Verlautbarung herausgegeben: „Die deutschen und französischen Verhandlungen sind am heutigen Freitagnachmittag weiter fortgesetzt worden mit einem Bericht des französischen Finanzministers Germain=Martin. Hieran hat sich ein Gedankenaustausch angeschlossen, der von dem gleichen Wunsch beider Seiten getragen wurde, gründlichst alle Elemente des gestellten Problems zu prüfen. Die nächste gemeinsame deutsch=französische Sitzung ist auf Montag nachmittag 4.30 Uhr festgesetzt worden. Es ist vereinbart worden, daß jetzt unverzüglich Beratungen der Finanzsachverständigen der deutschen und französischen Abordnung stattfinden sollen, die die Montagsitzung vorzubereiten haben.“ Abreise des Reichskanzlers * Lausanne, 24. Juni. Der Reichskanzler fuhr heute nachmittag nach Berlin. Er wird Montag zur Teilnahme an der Konferenz in Lausanne sein. heute Sitzung des Reichskabinelts Berichterstattung beim Reichspräsidenten— Beratung der innerpolitischen Lage * Berlin, 24. Juni. Die Reise des Reichskanzlers nach Berlin hat den Zweck, daß Herr von Papen dem Reichspräsidenten über die Situation von Lausanne Bericht erstattet und sich außerdem mit den in Berlin verblibenen Mitgliedern des Kabinetts darüber berät. Voraussichtlich wird morgen mittag der Empfang des Reichskanzlers beim Reichspräsidenten und nachmittags eine Kabinettssitzung stattfinden. Ursprünglich hatte man geglaubt, daß der Kanzler schon verhältnismäßig bald wieder nach Berlin zurückkehren könnte. Nach dem tatsächlichen Verlauf der Konfrerenz, ist eine Teilnahme aber notwendiger denn je, denn die Verhandlungen sind doch erst heute mit der direkten deutsch=französischen Fühlungnahme in den entscheidenden Abschnitt eingetreten. Bei seinem Besuch hat der Kanzler auch Gelegenheit, sich wieder genau über die innerpolitische Situation zu informieren, wie sie sich nach der Länderkonferenz vom Mittwoch ergeben hal. In unterrichteten Kreisen rechnet man für Anfang der nächsten Woche mit einer Entscheidung, vahrscheinlich für Dienstag. Diese Entscheidung wird in den Grundzügen bereits in der morgigen Kabinettssitzung besprochen werden. amerikanische Volk könne sicher sein, daß die Delegation sich mit allen Kräften für die Annahme des Hoover=Vorschlages auf Herabsetzung der Weltrüstungen um ein Drittel in Form eines internationalen Uebereinkommens einsetzen werde. Das Programm. das der Präsident veröffentlicht habe, bilde ein Fundament, auf dem die amerikanische Delegation in Zusammenarbeit mit den anderen Delegationen einen wirksamen Abrüstungsvertrag aufzubauen hoffe. (Fortsetzung auf der zweiten Seite.) Bayern lehnt ab Erklärung des Ministerpräsidenten Held TU. München, 25. Juni. In der heutigen Vollsitzung des Landtages gab Ministerpräsident Dr. Held namens der bayrischen Staatsregie. rung eine längere Erklärung ab, in der er einleitend sagte: Von dem aufrichtigen Bestreben geleitet, wenn irgend möglich, die Grundlage für eine Verständigung zu schaffen, habe die bayrische Staatsregierung das Ersuchen des Reichsinnenministers, dem Ernst der Lage entsprechend, sorgfältig und ohne Voreingenommenheit geprüft. Das Gesamtministerium habe nach eingehenden Beratungen einstimmig beschlossen, daß es nicht in der Lage sei, dem Ersuchen des Reichsinnenministers zu entsprechen. Nun hat die Reichsregierung das Wort. Rage bewdahren Das Zentrum und die Linke tun augenblicklich alles, was in ihrer Kraft steht, um den innenpolitischen Konflikt zu verschärfen. Die Uniformdebatten, die sich gegenwärtig in den süddeutschen Landtagen abspielen, sind geradezu ein Höhepunkt der parteipolitischen Verbohrtheit. Die Art und Weise, in der die Bayrische Volkspartei im Münchener Landtag diese Angelegenheit behandelt hat, kann nur so aufgefaßt werden, daß eine Verschärfung des Konfliktes hier direkt gewünscht wurde. In Stuttaart ist es zwar nicht zu einer derartigen unbegründeten Maßregelung der gesamten nationalsozialistischen Landtagsfraktion gekommen, weil dort ein Nationalsozialist das Präsidium innehat. Trotzdem scheint es so, als wollten das Zentrum und die Linke den Landtag arbeitsunfähig machen, weil die Nationalsozialisten dort in der S. A.=Uniform aufgetreten sind. Man fragt sich vergeblich, welchen politischen Sinn es haben soll, wenn jetzt die Landtagsmehrheiten etwa beschließen, daß die Anwesenheit von Abgeordneten in Uniformen nicht statthaft sei. Eine spätere Zeit wird nicht verstehen, daß das deutsche Volk oder, besser gesagt, seine Parteien im gegenwärtigen Augenblick keine anderen Sorgen haben. Auf der Straße rast inzwischen der sorganisierte Mordterror weiter. Man braucht nur die beglaubigten Verlustlisten einzusehen, um zweifelsfrei zu erkennen, wo die Angreifer sitzen. In verschiedenen preußischen Städten treiben die Kommunisten schweren Landfriedensbruch und offenen Aufruhr. Leider hat die Polizei sich bei der Behandlung dieser Dinge schon vielfach erhebliche Mißgriffe zuschulden kommen lassen. Man kann es psychologisch verstehen, wenn innerhalb der nationalsozialistischen Reihen die Erbitterung von Tag zu Tag steigt. Trotzdem ist es im jetzigen Augenblick dringend notwendig, daß sämtliche Führer Ruhe und Besonnenheit bewahren. Denn die selbstverständliche Sorge der Reichsregierung muß darauf gerichtet sein, angesichts des politisch unverständlichen Widerstandes der süddeutschen Regierungen eine Lösung zu finden, die auf lange Sicht hin betrachtet, nicht die Wege für eine vernünftige Gestaltung des Verhältnisses zwischen dem Reich und den Ländern verschüttet. Der Reichsinnenminister, Freiherr von Gayl, hat den dankenswerten Versuch unternommen, eine gemeinsame Linie mit den süddeutschen Regierungen zu finden ehe das Reichskabinett und der Reichspräsident sich entschließen, durch eine neue Verordnung die notwendige Einheitlichkeit in der Reichspolitik wieder herzustellen. Für dies Bestreben muß man Verständnis haben, auch wenn der dadurch entstehende Schwebezustand große Unzuträglichkeiten mit sich bringt. Es ist deshalb bedauerlich, wenn gewisse Kreise in Bayern mit dem Gedanken spielen, die Vorgänge des Jahres 1923 wieder lebendig werden zu lassen und in Bayern einen Ausnahmezustand zu verkünden, durch den die ganze vollziehende Gewalt auf das Bayrische Staatsministerium übergehen würde. Nach den neuesten Meldungen glaubt man in den der Reichsregierung nahestehenden Kreisen nicht an eine solche Möglichkeit. Die Verhandlungen, die Reichsinnenminister Freiherr von Gayl am vergangenen Mittwoch mit den Länderregierungen eingeleitet hat, sind durch obige Erklärung des bayrischen Ministerpräsidenten Held von heute morgen, was Bayern anbetrifft, leider ergebnislos verlaufen. Die Lage hat sich dadurch entschieden verschärft. Aus diesem Grunde ist es notwendig, auf die möglichen Gefahren rechtzeitig hinzuweisen, damit wir nicht in Zustände hineinschliddern, die in ihrer Auswirkung zu einer erheblichen Erschütterung des Reichsgefüges führen könnten. Jetzt wäre es an der Zeit daß die Zentrumspartei selbst, in der sich der bisherige Reichskanzler Dr. Brüning an führender Stelle beUnterbrechung der Abrüstungsbesprechungen Hrofimeschiv mrrommalen“ der deutschsprachigen Presse e.V. Tädersihaug des Ladotags Ein Chikago=Ausschuß— Das Amnestiegesetz verabschiedet Umfangreiche Tagesordnung 28 Staaten für den neuen Hoover-Vorschlag Paris, 24. Juni. Nach einer Meldung des Matin sollen 28 auf der Abrüstungskonferenz vertretene Staaten gestern der amerikanischen Delegation mitgeteilt haben, daß sie sich dem amerikanischen Vorschlag anschließen. Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wird den amerikanischen Plan am Dienstag oder Mittwoch prüfen. Leon Blum teitt für den Hoover-Plan ein Paris, 24. Juni. Im heutigen Populaire richtet Léon Blum, der Führer der französischen Sozialisten, eine ernste und eindringliche Mahnung an Herriot und seinen ehemaligen Parteigenossen Paul=Boncour, den Vorschlag des amerikanischen Präsidenten ja nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Diesen Ausführungen kommt angesichts der Tatsache, daß das Kabinett Herriot auf die Stimmen der 131 sozialistischen Abgeordneten angewiesen ist, ziemliche Bedeutung zu. Keine Schuldenstreichung ohne Abrüstung Das Schicksal des Hoover=Vorschlages hängt von Frankreich und Japan ab Newyork. 24. Juni. Die Washingtoner amtlichen Kreise erklären, aus dem Abrüstungsvorschlag Hoovers gehe notwendig und deutlich hervor, daß Amerika alle europäischen Bitten um Streichung oder Herabsetzung der Kriegsschulden so lange unbeachtet lassen werde, bis Europa abgerüstet habe. Sie erklären weiter, Amerika werde seine Luft= und Seestreitkräfte nicht erheblich herabsetzen, wenn Europa seine Landkräfte nicht erheblich vermindere. Das Schicksal des Hoover=Vorschlages hänge, wie man ausspricht, in der Hauptsache von der Haltung Frankreichs und Japans ab. Stimson dankt der italienischen Regierung * Rom, 24. Juni. Der amerikanische Botschafter in Rom hat dem italienischen Regierungschef eine Dankeskundgebung des amerikanischen Staatssekretärs Stimson anläßlich der italienischen Zustimmung zum Hoover=Vorschlag überreicht. Stimson spricht darin seine Befriedigung darüber aus, daß die beiden Regierungen Hand in Hand für eine günstige Lösung des Abrüstungs= problems arbeiten. Das Steuerprogramm der Nationalsozialisten * Berlin, 24. Juni. Die nationalsozialistische preußische Landtagsfraktion hat einen umfassenden Steuerantrag eingebracht, um, wie es in der Begründung heißt, schon jetzt die Grundlage für die Aufbauarbeit der kommnden nationalsozialistischen Volksregierung sicherzustellen. Die Staatsregierung wird in dem Antrag ersucht, bei der Reichsregierung aufs dringlichste vorstellig zu weren, um sofort eine Aenderung der Einkommensteuerstaffelung durch Notverordnung zu erreichen. Der steuerfreie Einkommenteil soll von 720 auf 2400 Mark erhöht werden, für Ehefrau und unterhaltsberechtigte Kinder von bisher 8 Prozent auf 12 Prozent und von bisher höchstens 600 Mark auf nunmehr höchstens 2100 Mark. Die Einkommensteuer bei Einkommen bis zu 8000 Mark soll von 10 auf 8 Prozent ermäßigt werden. Die bisher 12½ prozentige Einkommensteuer bei Einkommenteilen von 8000 bis 12000 Mark soll bestehen bleiben, während bei den Einkommensteilen über 12000 Mark eine Staffelung eintreten soll, die mit 20 Prozent beginnt und für den Einkommensteil über 46000 Mark auf 80 Prozent steigt. Ferner soll durch Reichsgesetz die volle Erfassung der Gewinne von Kapital=Gesellschaften, insbesondere Großbanken, Trust und Konzernen mindestens in Höhe der Versteuerung der einkommensteuerpflichtigen Einkommen unter entsprechender Erhöhung der Körperschaftssteuer gewährleistet und durchgeführt werden. Die Staatsregierung soll bei der Reichsregierung gegen die Kürzung der Rentenbezüge für Kriegsopfer, Sozialrentner und Erwerbslose protestieren und die Nichtdurchführung der letzten Notverordnung verlangen. Weiter besagt der Antrag, daß die gesamten Vermögen der seit dem 1. August 1914 eingewanderten Ostjuden als unsittliche Bereicherung einer produktiv arbeitenden, sondern raffenden Rasse sofort restlos beschlagnahmt werden sollen. Sie sollen nach einem binnen drei Wochen dem Landtag vorzulegenden Gesetz der Arbeitsbeschaffung dienstbar gemacht werden. Das Vermögen sämtlicher Parteibuchbeamten innerhalb Preußens in Staat, Kommunen und öffentlich=rechtlichen Körperschaften und Unternehmnugen soll sofort sichergestellt werden, um im einzelnen daraufhin untersucht zu werden, wieweit es in Ausbeutung der Amtsstellung zu eigenem Vorteil erworben wurde. Soweit das festgestellt wird, soll das Vermögen unbeschadet der strafrechtlichen und disziplinarischen Verfolgung der Parteibuchbeamten in doppelter Höhe beschlagnahmt und der Arbeitsbeschaffung dienstbar gemacht werden. Ebenso wie mit dem Vermögen der Ostjuden soll mit sämtlichen im Zusammenhang mit dem Barmat= und Sklarek=Skandal kompromittierten Persönlichkeiten verfahren werden. In findet, ein Warnungszeichen gibt, damit nicht die parteipolitische Voreingenommenheit jeden gesunden Ausgleich für lange Zeit unmöglich macht. Denn man soll sich in den Parteikreisen die es angeht, nicht darüber täuschen, daß die Reichsregierung unbeingt darauf bestehen muß. in ganz Deutschland endlich alle die Hemmungen zu beseitigen, die der Arbeit der nationalen Kräfte bisher in den Weg gelegt wurden. Die nationale deutsche Oeffentlichkeit würde es einfach nicht länger ertragen, wenn in gewissen Ländern parteipolitisch orientierte Regierungen gegen die bessere Einsicht und den klaren Willen der Reichsleitung eine Politik verfolgen, die früher oder später zu den verhängnisvollsten Ergebnissen führen müßte. Die Reichsregierung sorgt daher am besten für den inneren Frieden Deutschlands, wenn sie jetzt die Widerstände niederkämpft, die immer nochgegen eine freie Betätigung des nationalen Willens in unserem Volke aufgerichtet werden. * Berlin, 24. Juni. Die Freitags=Sitzung des Landtags, die letzte vor der Vertagung bis zum 6. Juli, galt der Erledigung einer so umfangreichen Tagesordnung, daß wieder einmal eine kaum endenwollende Dauersitzung notwendig wurde, die an die Parlamentarier wie an die Beamten des Hauses sehr starke Kraftansprüche stellte. Mit nervöser Erregung begann die Sitzung gleich, als ein Antrag des Geschäftsordnungsausschusses zur Debatte stand, in etwa 50 Fällen die Genehmigung zur Strafverfolgung nationalsozialistischer Abgeordneter zu versagen. Zwischen Zentrum und Sozialdemokraten einerseits und Deutschnationalen und Nationalsozialisten andererseits kam es dabei zu erregtesten Auseinandersetzungen wobei namentlich die letzteren scharfe Angriffe auf die jetzige preußische Justiz richteten. Gegen die Regierungsparteien wurde der Antrag des Geschäftsordnungsausschusses angenommen. Auf nationalsozialistischen Antrag wurde ein Untersuchungsausschuß unter der Bezeichnung„Chikago= Ausschuß Bernhard Weiß" eingesetzt, der die Berliner Polizei überprüfen soll und die Vorwürfe gegen den Polizei=Vizepräsidenten Dr. Weiß, wonach er finanziell an Spielklubs beteiligt und eifriger Spieler sein soll. Zugleich beantragten die Nationalsozialisten das Verbot aller Spielklubs. Bei einer Serie von Abstimmungen nahm eine Mehrheit der Rechten und Kommunisten die umfassende Amnestie an, allerdings in der gemilderten Fassung, wonach schwere Verbrechen, insbesondere gegen das Leben, schwerer Raub und Körperverletzung, Landesverrat usw., nicht amnestiert werden sollen. Gesetz werden kann die Amnestie aber erst, wenn der Staatsrat keinen Einspruch erhebt. Weiter fanden bei den Abstimmungen Annahme die Ausschußanträge auf Durchführung eines Arbeitsbeschaffungsprogramms und Beseitigung der anonymen Kapitalgesellschaften sdwie Kontrolle des Bank= und Börsenwesens. Dagegen wurde mit 200 gegen 198 Stimmen der Antrag auf Einführung der Arbeitsdienstpflicht abgelehnt. Anträge auf Rückgängigmachung der Kürzungen an den Unterstützungen wurden angenommen und ebenso der kommunistische Antrag auf Wegsteuerung aller Einkommen über 12000 Mark. Der letztere Antrag wurde mit 141 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten gegen 45 Stimmen der Deutschnationalen und anderen Rechtsgruppen bei 34 Enthaltungen des Zentrums angenommen. Die Nationalsozialisten beteiligten sich nicht an der Abstimmung. Im Regierungsbezirk Arnsberg gibt es eine Stadt, deren Oberhaupt mit einer beneidenswerten Sicherheit das Sorgenschiff der Finanzen durch die Nöte dieser Zeit steuert. Diese Stadt heißt Siegen. Es lohnt sich, eine vergleichende Betrachtung zwischen Siegen und Schwelm anzustellen, die in vielfacher Hinsicht lehrreich ist. Ein solcher Vergleich ist auch durchaus möglich; denn die Lebensbedingungen beider Gemeinden sind nicht so sehr verschieden, als daß man eine vergleichende Betrachtung grundsätzlich ablehnen könnte. Nur zu oft wird in den Beratungen der Körperschaften auf Beispiele in anderen Gemeinden verwiesen. Leider sind solche Beispiele nicht immer Vorbilder. Wir glauben aber, daß das bei Siegen bestimmt der Fall ist. Um den Verwickelungen aus dem Wege zu gehen. die durch die Realsteuersperre der Notverordnung vom Dezember 1930 hervorgerufen worden ist, nimmt man am besten die Haushaltspläne des Jahres 1930 für die Durchführung des Vergleichs, und zwar die darin aufgeführten Ansätze. 1. Grundvermögenssteuer. Grundbetrag Zuschlag Aufkommen Schwelm: 122000 280% 340 000 Siegen: 205000„ 140% 287 000 Rechnet man im Verhältnis zur Einwohnerzahl. die für Schwelm mit 22800 und für Siegen mit 31200 Seelen angegeben ist, die Grundbeträge auf den Kopf der Bevölkerung um, so ergibt sich für Schwelm 5,35 RM. und für Siegen 6,57 RM. Demnach ist Siegen bezüglich der Steuerkraft günstiger gestellt, müßte also bei gleichem Finanzbedarf dementsprechend niedrigere Sätze erheben, jedoch nur im Verhältnis von 5,35 zu 6,57. Tatsächlich begnügt sich Siegen mit einem Zuschlag, der nur halb so hoch ist wie in Schwelm. So kommt es, daß die Stadt Schwelm, obwohl sie nahezu 10000 Einwohner weniger hat als Siegen, dem ortsansässigen Besitz 53000 RM. Grundfeierlicher, an allen Anschlagsäulen zu veröffentlichender Aufforderung sollen die preußischen Minister aufgefordert werden, rückwirkend ab 1. Januar auf den 12000 Mark jährlich übersteigenden Teil ihres Gehaltes zu verzichten. Schließlich soll die Staatsregierung bei der Reichsregierung vorstellig werden, daß die Lohnsteuererstattung von 1931 sofort nachgeholt wird. Kürzung der oberen Beamtengehälter in Anhalt * Dessan, 24. Juni. Das anhaltische Staatsministerium hat eine Notverordnung beschlossen, die infolge der Senkung der Ministergehälter auf 12000 Mark im Jahre notwendig wurde. Danach werden die Gehälter der Ministerialdirektoren, Präsidenten, Ministerialräte so gesenkt, daß sie unter der 12000=Mark=Grenze der Ministersätze ltegen. Einen großen Raum nahm in der Sitzung die fortgesetzte Aussprache über die Kulturanträge ein. Zu einer außerordentlich scharfen Auseinandersetzung kam es zwischen dem deutschnationalen katholischen Abg. Dr. Stadtler und dem Prälaten Dr. Lauscher(Ztr.). An der weiteren endlosen„Kulturdebatte" die sich vielfach darin erschöpfte, dem Gegner Vorwürfe zu machen, beteiligten sich de Abgg. Wecker und Bestlein(Komm.), Dr. Haupt und Peperkorn (Natl.=Soz.), Frau von Kulesca(DVP.), Schallock (Soz.), Beidt(Chr.=soz.), Frau Dr. Wegscheider (Soz.), Biester(Hannov.), Borke(DN.) und mehrfach Lauscher(Ztr.). Die Kulturanträge gingen in die Ausschußberatung. Aeltestenrat des Preußischen Landtags. * Berlin, 24. Juni. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages beschloß, die umfangreiche Tagesordnung, die in diesem Sitzungsabschnitt noch abzuwickeln ist, die insbesondere die Beendigung der Kulturdebatte und im Anschluß daran die Beratung politischer und finanzieller Anträge des Hauptausschusses sowie die Aussprache über Agraranträge usw. betrifft, noch heute zu erledigen, wozu eine Nachtsitzung erforderlich ist. Der Landtag will dann in einem neuen Sitzungsabschnitt vom 6. bis 9. Juli Plenarsitzungen abhalten, deren Hauptgegenstand die erste Lesung des Etats für 1932 sein soll. Der Beschluß, den Etat zu beraten, wurde mit den Stimmen der Regierungsprateien und Kommunisten gefaßt, während die Rechtsparteien eine Etatsberatung vor den Reichstagswahlen für nicht zweckmäßig halten. Aufhebung des Demonstrationsverbotes angenammen Der Landtag nahm gegen 1 Uhr nachts nach erregter Aussprache den nationalsozialistischen Antrag auf Aufhebung des Verbotes der politischen Aufzüge und Versammlungen mit den Stimmen der Nationalsozialisten, der Deutschnationalen und der Kommunisten an. Zwei Millionen Mark für die durch Unwetter geschädigten preußischen Gebiete In der Nachtsitzung fand ferner auch ein Ausschußantrag Annahme, umfassende Hilfsmaßnahmen für durch Unwetter geschädigte Gebiete im Münsterland, im Landkreis Koblenz, in der Umgebung der Stadt Ratingen bei Düsseldorf, in Nieder= und Oberschlesien und im Kreis Insterburg durchzuführen. Zur Behebung der dringendsten Notstände sollen zunächst zwei Millionen Mark bereitgestellt werden. vermögensteuer mehr entzieht. Würde Siegen dieselben Sätze erheben wie Schwelm, so ergäb sich dort ein Mehr von 287000 RM., dessen Erhebung an sich nichts im Wege stünde. Rechnet man die tatsächliche Belastung auf den Kopf der Bevölkerung um, so ergibt sich für Siegen 9,20 RM. und für Schwelm 14,91 RM. 2. Gewerbesteuer vom Ertrage. Grundbetrag Zuschlag Aufkommen Schwelm: 80000 750% 600 000 Siegen: 124000 400% 496 000 Die Steuerkraft der Stadt Schwelm ist hier günstiger als bei der Grundvermögenssteuer. Gemessen an den Grundbeträgen beläuft sie sich in Schwelm auf 3,51 RM. und in Siegen auf 3,97 RM. Das Mißverhältnis der Zuschläge ist auch hier sehr groß. Die Stadt Schwelm entzieht absolut genommen der Wirtschaft 104000 RM. mehr als Siegen. Die Belastung ist relativ auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet erheblich größer und beträgt 26,32 RM., in Siegen 15,90 RM. Würde Siegen dieselben Zuschläge erheben wie Schwelm, so ergäbe sich dort ein Mehr von 434 000 RM. 3. Gewerbesteuer vom Kapital. Grundbetrag Zuschlag Aufkommen Schwelm: 11000„ 2400% 264000 Siegen: 15000 1200% 180000 Bei der Kapitalsteuer ist die Steuerkraft in beiden Städten gleich, sie beträgt 0,48 RM. je Kovf der Bevölkerung. Der Zuschlag ist wie bei der Grundvermögenssteuer in Schwelm doppelt so hoch als in Siegen. Das absolute Mehraufkommen in Schwelm beläuft sich auf 84000 RM. Die Belastung auf den Kopf der Bevölkerung richtig umgerechnet ergibt für Siegen 5,77 RM., für Schwelm dagegen 11,58 RM. Fürwahr ein gewaltiger Unterschied. Würde Siegen denselben Zuschlag erheben wie Schwelm, so ergäbe sich ein Betrag von 300000 RM., das ist 180000 RM. mehr als jetzt. Bei denselben Steuersätzen wie Schwelm hätte die Wirtschaft der Stadt Siegen im Jahre 1930 900000 RM. mehr hergeben müssen. Dieser Betrag ist ihr aber verblieben. Nun wird vielleicht entgegnet, daß Schwelm durch die Wohlfahrt ganz besonders belastet sei und daß eben deshalb ein Vergleich nicht zugelassen werden könnte. Demgegenüber steht fest, daß die gesamten Fürsorgeund Wohlfahrtslasten in Siegen damals 16,21 RM., in Schwelm 17,31 RM. je Kopf der Bevölkerung ergeben. Das ist für Siegen ein kleiner Vorteil. Wesentlich ist, daß eine zunehmende Belastung von Siegen bedeutend leichter getragen werden kann, da seine Steuersätze sich zum Teil erheblich unter dem Landesdurchschnitt bewegten. Tatsächlich ist denn auch im Jahre 1931 wie überall eine stärkere Anspannung des Wohlfahrtsetats erfolgt, der aber ohne Erhöhung der Gewerbesteuer, allein durch Einführung der Bürgersteuer, Erhöhung der Biersteuer und durch Inanspruchnahme von Reserven ausgesangen werden konnte. Würde Siegen bei Grundvermögen= und Ertragsteuer auf den Landesdurchschnitt geben, so ständen rund 350000 RM. zur Verfügung. Es bewahrheitet sich also der Grundsatz, daß niedrige Steuern die beste Reserve darstellen und am allerersten die Freiheit der Selbstverwaltung verbürgen. B. K. W. Unabhängigkeit und Freiheit der Presse Die Arbeitsgemeinschaft der Niederrheinisch= Westfälischen Presse hat die satzungsmäßige Aufgabe, alle Versuche abzuwehren, die die Presse in der Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben hindern oder beschränken können. Diese Abwehr wird besonders notwendig in einer Zeit wachsender politischer und Interessen=Gegensätze. Die Arbeitsgemeinschaft hat sich stets gegen die Versuche der öffentlichen Gewalt, die Freiheit der Presse zu beschränken, gewehrt. Sie hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß ihr die schweren Einschränkungen, die die Pressefreiheit durch die Gesetzgebung erfahren hat, bedenklich erscheinen. Umso mehr muß sie sich heute mit aller Entschiedenheit gegen jene sich häufenden Versuche von Vereinigungen und Unternehmen aller Art wehren, die durch Drohung mit wirtschaftlicher Schädigung auf die freie Gestaltung des Inhalts und der Haltung der Zeitung unberechtigten Einfluß nehmen wollen. Mag es sich nun um politische Parteien oder Vereine, um Sport= oder Geselligkeitsvereine vder um wirtschaftliche Verbände und Unternehmungen handeln, immer wieder wird durch die Drohung, entweder die Zeitung abzubestellen oder keine Inserate mehr zu geben, der Versuch gemacht, eine Einstellung und Gestaltung der Zeitung zu erzwingen, die nicht durch die freie Ueberzeugung des verantwortlichen Leiters bestimmt wird, sondern durch die Furcht vor solchen wirtschaftlichen Nachteilen. Die Unabhängigkeit und Freiheit der Presse ist eines der höchsten Kulturgüter eines Volkes. Jeder Versuch, sie zu beeinträchtigen und egoistische Interessen ihr aufzuzwingen, muß deshalb nicht nur von der Presse selbst, sondern von der Gesamtheit des Volkes zurückgewiesen werden. Die Arbeitsgemeinschaft der Niederrheinisch= Westfälischen Presse fühlt sich daher mit der gesamten Oeffentlichkeit einig, wenn sie sich gegen alle diese illegitimen Versuche von Interessenten mit aller Entschiedenheit wehrt und in ihrem Kampfe für die Erhaltung ihrer Unabhängigkeit im Dienste der Allgemeinheit auch die Mithilfe aller verantwortungsbewußten Volksgenossen erwartet. Konzerte im Freien am Deutschen Liedertag Die beiden ersten Liedertage, die neuartige Veranstaltung des Deutschen Sänger=Bundes haben sich in Stadt und Land bestens eingeführt. Die allgemein begrüßten Erfolge dieses fröhlichen Freisingens berechtigen und verpflichten daher die dem Bunde angeschlossenen Gesangvereine, den Liedertag als jährlich wiederkehrende Aufgabe zu betrachten. Es ist erfreulich, daß auch der MGV. Eintracht Schwelm der Aufforderung der Bundesleitung, des Liedertages zu gedenken, nachkommt. Der Liedertag schafft den Sängern eine freudig zu begrüßende Gelegenheit, mit ihren Leistungen vielfach vor eine breitere Oeffentlichkeit zu treten, als sie sonst manchmal in den Konzerten ihrer harrt, und zudem ihre Lieder vor Zuhörern erklingen zu lassen, die meist nicht gewöhnt sind, ihnen in den Sälen zu lauschen. Der Liedertag soll ja nicht nur eine innere Freude und Genugtuung für die Sänger sein, sondern auch eine bewußte und vollberechtigte Werbung für ein hochwertiges Gut, dessen Geist und Gemüt erhebende Kraft nicht zu den letzten Wirkungen gehört, die das Innenleben unseres Volkes neu befruchten und mit stärkender Zuversicht auf eine bessere Zukunft erfüllen sollen und auch können. „Das Volkslied soll wieder unter das Volk“, das ist die Parole zum Deutschen Liedertag am Sonntag, dem 26. Juni. Der MGV. Eintracht gibt morgen vormittag um 10,30 Uhr im Marienhospital und um 11 Uhr im Städtischen Krankenhause ein Volksliederkonzert. Um 11,30 Uhr wird von der Eintracht unter Mitwirkung des Posaunenchors des Vereins christl. junger Männer an den Anlagen der Sophienhöhe ein Konzert im Freienveranstaltet. Wir wünschen dem Veranstalter sonniges Wetter und rege Beteiligung der Bürgerschaft. In unseren Nachbarorten finden folgende Konzerte statt: rde(Marktplatz und Platz Häufgen): Ab 11 Uhr: MGV. Erholung Häufgen(unter Mitwirkung des Blasorchesters„Waldesgrün" Voerde). Altenvoerde(Schulplatz und Mittelstraße): Ab 11,30 Uhr: MGV. Harmonie Altenvoerde (unter Mitwirkung der Kapelle„Waldesgrün". Voerde). Milspe(Marktplatz): Ab 11 Uhr: MGV. Orpheus, MGV. Arion(unter Mitwirkung der Feuerwehrkapelle); Platz a. d. Fuhr: Ab 11 Uhr: Männerchor Friedenshöhe; Platz a. d. Wassermaus: Ab 3 Uhr: Heilenbecker Sängerbund. Gevelsberg(Nirgenaplatz und städt. Krankenhaus): Ab 11 Uhr: MGV. Concordia; Waldeslust: Ab 10,30 Uhr: MGV. Harmonie. Zu diesen Veranstaltungen ist der Besuch frei. Ratorgeternine des Gesundheitsamtes des Ennepe=Ruhr=Kreises für die Woche vom 27. 6. bis 2. 7. 1932 Dienstag, den 28. Juni 1932: Gevelsberg, Rathaus. 9 bis 12 Uhr: Sprechstunde der Tuberkulosefürsorgestelle. Schwelm. Kleinkinderschule, Südstr., 16 bis 18: Sprechstunde der Mütterberatungs= und Stuglingsfürsorgestelle. Mittwoch, den 29. Juni 1932: Schwelm, Kreisgesundheitsamt, Barmerstr. 19, 9 bis 12 Uhr: Sprechstunde des Kreiskommunalarztes. Freitag, den 1. Juli 1932: Schwelm, Kreisgesundheitsamt, Barmerstr. 12. 9 bis 12 Uhr: Aus Radi und üreis Schwelm und Siegen Ein Vergleich r — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Sprechstunde des Kreiskommunalarztes. Milspe, Turnhalle, 16 bis 18 Uhr: Sprechstunde der Tuberkulosefürsorgestelle. Eine Sommer-Rodelbahn An der Waldlust tut sich was! Man sollte es nicht glauben und doch ist es wahr: An der Waldlust kann man im Sommer rodeln. Morgen. Sonntag, findet die Einweihung der künstlichen Sommer=Rodelbahn statt. Die Schlitten hierzu gibt der rührige Wirt der Waldlust, Wilhelm Krack, leihweise unentgeltlich ab. Die Rodelbahn selbst ist etwa 60 Meter lang. Die Schlitten laufen auf gefetteten Schienen. Mehr wollen wir nicht verraten. Man gehe selbst hin und rodele! Schwelm, 25. Juni. : Personalnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Hamm. Der Amtsgerichtsrat Dr. Beyersdorf in Neheim ist gestorben. Zum Handelsgerichtsrat ist ernannt der Bergwerksdirektor Wüstenhöfer in Essen. Amtsgerichtsrat Hoese bei dem Amtsgericht in Dortmund wurde an das Arbeitsgericht daselbst versetzt. In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen Amtsgerichtsrat i. R. Ostermann gen. Deusemann bei dem Amtsgericht und Landgericht Dortmund, der frühere Rechtsanwalt Großebütter bei dem Amtsgericht Unna. die Gerichtsassessoren Dr. Lensdorf bei dem Amtsgericht und Landgericht Essen, Dr. vom Kahl bei dem Amtsgericht Erwitte. Wiese bei dem Amtsgericht Meschede. Dr. Sasse bei dem Amtsgericht Schwelm. Zu Gerichtsassessoren sind ernannt die Referendare Bruns, Schulte=Kückelmann, Wöhrmann, Knüppel. (=) Am morgigen Sonntag findet im evangelischen Vereinshaus, nachm. 4 Uhr eine Uebertragung der 50jährigen Jubelseier des evangl. Arbeitervereins, Gelsenkirchen aus der Ausstellungs= halle statt. Es sprechen: Generalsuperintendent Dr. Zöllner und=Generalsuperintendent Weirich. (=) SGV., Abt. Schwelm, wird heute nur seine 435. Wanderung unternehmen, Treffpunkt 7,30 Uhr abends an der Sophienhöhe. Die Sonnenwendfeier wird verschoben. * Keine Vorverlegung der Polizeistunde in Preußzen. Zu den Meldungen über eine beabsichtigte Vorverlegung der Polizeistunde in Preußen erfahren wir von zuständiger preußischer Regierungsseite daß sich an der gegenwärtigen Regelung der Polizeistunde nichts ändern wird. 11 Keine Sonderfahrt nach Mitteldeutschland. Nach einer Mitteilung der Preffestelle der Reichsbahndirektion Wuppertal muß die für die Zeit vom 1. bis 7. Juli nach Würzburg—Rothenburg— Nürnberg—Eisenach vorgesehene Sonderfahrt wegen nicht ausreichender Beteiligung nach den Voranmeldungen ausfallen. (=) Die Höhe der Schulbeiträge für die Berufsschule für das Rechnungsjahr 1932 ist vom Magistrat festgesetzt worden. Wir verweisen auf die diesbezügliche Bekanntmachung. (=) Der deutsche Pfadfinderbund„Westmark“ e. V. Horst Schwelm schreibt uns: Der Bund tvitt hiermit erstmalig an die Oeffentlichkeit. Der Horst Schwelm wurde im November vorigen Jahres gegründet. Er nahm an allen Veranstaltungen des Gaues teil. Erstmalig im November an einem Gepäckmarsch(35 km) zur Erinnerung an die Schlacht von Langemark. Die Gruppe selbst wurde später zum Horst erhoben. Die Pfadfinder Westmark unterscheiden sich von andern Pfadfinderbünden dadurch, daß sie im nationalistischen Sinn ihre Arbeit vollbringen, sie gehören nicht dem internationalen Pfadfinderbüro an, solange unsere ehemaligen Gegner an der Behauptung festhalten, daß Deutschland der Alleinschuldige am Kriege sei. Am 2. Sonntag im Juli findet im Nahmertal ein Gauwölflingslager statt, und am 1. Sonntag im August folgt ein Gaulager, der Horst Schwelm unternimmt daran anschließend eine 10tägige Fahrt. An alle deutschen Jungens vom kleinsten bis zum größten, die mit kämpfen wollen für ein gesundes Deutschland nach außen und innen, ergeht der Appell, sich dem Bunde anzuschließen, um in ihm frohe Stunden auf Fahrt und im Lager miterleben zu können. Die Horststunden sind bis auf weiteres um 4½ Uhr jeden Samstag im Prinz von Preußen. Anmeldungen nimmt Rudi Möller, Kölnerstraße 51 entgegen. (=) Der Schwelmer Schützenverein beginnt morgen nachmittag mit dem diesjährigen Wander=Medaillen= und Medaillen=Schießen auf seinem Scheibenstand beim Rest. Drebes, Brunnenstr. Das Schießen wird, ebenso wie das Kleink.=Preisschießen und das Ausschießen eines Kalbes mit Großkaliber an den folgenden Sonntagen fortgesetzt. Die Preise sind ganz bedeutend ermäßigt und ist es trotz der Notzeit jedem Schützen ermöglicht worden, an den verschied. Schießen teilzunehmen. — Eine Neuerung hat der Vorstand auf vielfachen Vorschlag hin beschlossen. Künftig sollen im Schützenverein Schützenschnüre ausgeschossen werden. Die Bedingungen sind einfach gehalten und nicht zu schwer gestellt, so daß auch weniger geübte Schützen den Preis erringen können. Näheres morgen auf dem Scheibenstand.— Am 7. August soll bei gutem Wetter in den Gartenanlagen des Vereinslokals ein kleines Sommerfest veranstaltet werden, worüber heute nur gesagt werden kann, daß besondere Ueberraschungen vorgesehen sind. Näheres demnächst. Zum Schießen werden alle Schützen aufgefordert, recht zahlreich zu erscheinen. (=) Gesellenprüfung. Vor dem erweiterten Gesellenprüfungsausschuß für das Tischler=Gewerbe Schwelm, legte der Schreinerlehrling Willy Rademacher seine Gesellenprüfung ab. Er bestand dieselbe theoretisch: Fach= und Bürgerkunde, Schreib- und Rechnungswesen mit„gut"; praktisch: 1 Damenschreibtisch. Eiche fourniert, Nußbaum abgesetzt, mit„sehr gut“.— Der Lehrling ging aus der Schreinerei des Herrn Lorenz Spormann, Schwelm, hervor. = Auszeichnung von Lehrlingsarbeiten. Der Westfälische Provinzialverband der Friseure hielt am letzten Sonntag und Montag in Siegen seinen diesjährigen Verbandstag ab. Gleichzeitig fand eine Auszeichnung der von den Lehrlingen angefertigten Haararbeiten statt. Die Ausstellung war von allen Innungen der Provinz Westfalen gut beschickt. Es erhielten Preise die Innungen Bielefeld 15, Schwelm 13, Münster 10, Dortmund 8. Siegen 7. Hamm 6. Bochum 4, Iserlohn 3. Werl 3. Unna=Kamen 3, Kastrop=Rauxel 3. Lüdenscheid 2, Wattenscheid 2, Witten 2. Hagen 2 und Herne 2. Aus dem Bezirk der Friseur=Zwangsinnung Schwelm erhielten folgende Lehrlinge Preise: Willi Langewiesche bei Walter Bahr, Schwelm, den 1. Preis der Oberstuse, Werner Hossommer bei Friedrich Liebig, Schwelm, Karl Becker bei Bernhard Fust. Milspe, Wilhelm Stöcker bei Fritz Menzel, Milspe, Hans Offschany bei Paul Wieprecht. Gevelsberg, Gerda Dreisbach bei Karl Wohllaub, Schwelm, Günter Moos bei Gustav Becker, Altenvoerde, Heinz Ackermann bei Karl Wohllaub. Schwelm, den 1. Preis der Mittelstufe, Karl Lohmann bei Paul Schriewer, Altenvoerde. Paul Weber bei Wilhelm Bernhard, Schwelm, Grete Mittelbach bei Ewald Effen, Milspe, Rudolf Bohnert bei Wilhelm Kaiser. Milspe. :: Der Reichskurzschrift=Verein Schwelm(Einheitskurzschrift) veranstaltete am 12. d. M. in den Räumen der Städtischen Berufsschule sein diesjähriges Vereinswettschreiben. Wie in den Vorjahren, war auch diesmal eine stattliche Anzahl Wettschreiber erschienen, die zum Teil beachtenswerte Erfolge erzielten. Nachstehende Damen und Herren erhielten Preise: 300 Silben Franz Rethemeier, Schwelm, 1. Preis 260 Silben Heinz Rommel, Schwelm, 1. Preis, 240 Silben Maria Rosenkranz. Milspe, 1. Preis, Lotte Rommel, Schwelm, 1. Preis. 200 Silben Herta Ackermann, Schwelm, 1.Preis Elfriede Winkelmann, Schwelm, 1. Preis, Grete Schaumburg. Schwelm, 2. Preis, 180 Silben Elly Janzen, Schwelm, 1. Preis 140 Silben Hilde Seubert, Schwelm, 1. Preis Anni Bahr, Schwelm, 1. Preis, Maria, Mohing, Schwelm, 1. Preis, Hiltburg Böhmer, Schwelm, 1 Preis, Edith Emde, Schwelm, 1. Preis Else Becker, Schwelm, 1. Preis, Irmgard Ulbrich, 1. Pr., Grete Franke, 1.Pr., 120 Silben Ruth Nölle, 1. Preis, Marg. Schemmer, Schwelm, 3. Pr., Ilse Delligs, Schwelm, 3. Preis, Emmi Hesse, Schwelm, 3. Preis, Erna Michel, Schwelm, 3. Preis 80 Silben Elisabeth Koch, Schwelm, 3. Preis, 60 Silben Lisa Schaumburg, Schwelm, 2. Preis, Hilde Holthaus, Schwelm, 2. Preis, Hilde Bellingrath, Schwelm, 2. Preis, Grete Pilgram, 3. Preis, Gerda Wesché, Schwelm, 3. Preis, Gertrud Gräfingholt, Schwelm, 3. Preis. * Wahllokale auf großen Bahnhöfen. Amtlich wird mitgeteilt: Bei der Reichstagswahl werden für den Inlandreiseverkehr über weite Strecken und für die am Wahltage nach dem Ausland fahrenden oder vom Ausland zurückkehrenden Inlanddeutschen auf wichtigen Bahnhöfen Wahlmöglichkeiten geschaffen werden. Es handelt sich dabei um besondere Einrichtungen für solche Reisende, die vor Antritt oder nach Beendigung der Reise innerhalb der allgemeinen Abstimmungszeit(8 bis 17 Uhr) von den gewöhnlichen Abstimmungsmöglichkeiten keinen Gebrauch machen können. Gleichzeitig wird damit den am Wahltage in den Fernzüge diensttuenden Beamten der Reichsbahn und der Reichspost sowie den Angestellten der Mitropa und der internationalen Schlaf= und Speisewagengesellschaft Gelegenheit zur Ausübung ihres Stimmrechts eröffnet. Die Bahnstationen und die näheren Bestimmungen über die Stimmabgabe im Reiseverkehr, besonders die für ide einzelnen Bahnstationen in Betracht kommenden Abstimmungszeiten, werden noch bekanntgegeben werden. Milspe, 25. Juni. (=) Die Hebeliste über die Handwerkskammerbeiträge für das Rechnungsjahr 1932 liegt vom 25. Juni bis 8. Juli 1932 im Amtshaus II— Zimmer 5 1— zur Einsicht aller Beteiligten offen. (=) Die hiesige Amtskasse ist am Montag, dem 27. Juni und Dienstag, dem 28. Juni wegen Jahresabschlußarbeiten am Mittwoch, dem 29. und Donnerstag, dem 30. Juni 1932 wegen des Monatskassenabschlusses für den Publikumsverkehr geschlossen. (=) Bei der im April ds. Is. stattgefundenen Körung wurden in der Gemeinde Milspe die Bullen folgender Landwirte angekört: Hugo Göbelsmann, Halzenbecke, Gustav Ebbinghaus, Steinbrink, Gerhard Michels. Bransel, August Hesterberg, Ebbinghausen, August Eibach, Schweflinghausen, Hans Mones, Oberhülsenbecke, I. D. Brackelsberg, Milspe, Gerhard Kolk, Wuppermannshof, Witwe Huthwelker, Milspe, Hugo Hedtstück, Mönninghof. :: Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins Milspe: Voerde: Altenvoerde am Diensdem 21. Juni, im Vereinslokal Ebbinghaus=Altenvoerde. Unter reger Anteilnahme hielt der Tierschutzverein seine diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Der 1. Vorsitzende, Tierarzt Dr. Biecker gedachte eingangs des verstorbenen Vorstandsmitgliedes des westdeutschen Tierschutzverbandes, Rektor Ungerath in Hagen, zu dessen Ehren sich die Versammlung von ihren Sitzen erhob. In einer längeren Begrüßungsansprache verbreitete sich Dr. Biecker alsdann eingehend über Zweck und Ziel der Tierschutzvereinssache. Tierschutz sei nicht überflüssig, sondern eine Bestrebung von höchster innerer Berechtigung, und unter keinen Umständen sei er zu betrachten als eine Sonderliebhaberei sentimentaler alter Tanten, wo es sich um den Schutz milchnaschender Katzen oder um den Schutz kleiner Schoßhündchen handelt, sondern um eine Humanitätsbestrebung aller Menschen eines guten Herzens, die nichts koste, dagegen aber unendlich viel einbringen könne. Wer dazu beitrüge, daß die jetzige Menschheitsgeneration in ihrer Gesinnung edler, inniger und großherziger werde, der tue ein Werk so wichtig, wie es kaum ein zweites in der Welt geben könne, denn er sorge dann nicht nur dafür, daß die aus Roheit, Mutwillen oder Nachlässigkeit stammenden Tierquälereien mehr und mehr schwänden, sondern er helfe auch, die Menschenseelen für alles Gute, Große und Wahre zu öffnen, das in ihnen verborgen liege. Er schaffe dadurch den Boden für eine künftige neue und bessere Menschheit mit Gottesdienst im wahrsten Sinne des Wortes. Abschließend gab der erste Schriftführer Lehrer Plettenberg, einen längeren ausführlichen Bericht über die bisherige Vereinsarbeit und den letzten Verbandstag in Gütersloh. Der Vorstand wurde darauf einstimmig wiedergewählt. Der Jahresbeitrag wurde wiederum auf 1 Mark festgesetzt. Dafür sollen in Zukunft alle Mitglieder die Zeitschrift„Recht der Tiere" erhalten. Der Tierschutzverein bittet noch einmal an dieser Stelle alle, die ein Herz für die Wesesnen, aheinlaus aud Aachbargedien * Hagen, 24. Juni.(70000 Mark unterschlagen.) Die hiesige große Strafkammer beschäftigte sich gestern mit den Unterschlagungen bei der Textilfirma Moritz Ribbert A.=G., Hohenlimburg. Unter Anklage stand ein Steuerber nter aus Iserlohn, der bei der Firma Ribbert angestellt war, um die Steuerangelegenheiten zu erledigen. Dabei hat er 70000 Mark unterschlagen. In der ersten Instanz erhob der Angeslugte die schwersten Auschuldigungen gegen die Direktoren und gegen verschiedene Finanzbeamte. Die Beweisauinahme ergab die völlige Haltlosigkeit dieser Behauprungen. Der Angeklagte wurde in der ersten Instanz zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis bestraft. Dagegen hatte er Berufung eingelegt. Gestern wurde beschlossen, den Ange#lagten auf seinen Geisteszustand beobachten zu lassen. Dortmund, 24. Juni.(Beteiligung der Reichswehr am 4. Deutschen Reichskriegertag in Dortmund.) Für den vom 1. bis 4. Juli ds. Is. in Dortmund stattfindenden 4. Deutschen Reichskriegertag„Kyffhäuser“ hat auch die Reichswehr ihre Beteiligung zugesagt. Das Infanterie=Regiment Nr. 18(Paderborn) wird seine 1. Kompanie in voller Stärke mit Musik und Spielleuten nach Dortmund entsenden. Sie trifft am Samstag, dem 2. Juli, in der Mittagszeit in Dortmund ein und führt die sonst im Landesmuseum in Münster aufbewahrten Fahnen der alten westfälischen Regimenter mit. Die Fahnen werden während der Festtage im Alten Rathaus in Dortmund unter Bewachung eines Doppelpostens untergestellt. Am Sonntag wird die Reichswehr die alten westfälischen Regimentsfahnen in geschlossenem Zuge durch die Stadt zur Parade im Volkspark führen. Aus den abgetrennten Gebieten sind inzwischen 50 Fahnen in Dortmund eingetroffen, die durch eine besondere Fahnenkompanie in der Uniform der westfälischen Landwehr von 1813(Hacketäuer) und von schlesischer Landwehr in Uniform zur Parade getragen werden. Diese Fahnen=Kompanie nimmt, ebenso wie die Reichswehr, auch an dem am Samstag, dem 2. Juli, 16 Uhr, und am Sonntag, dem 3. Juli, gegen 17 Uhr in der Kampfbahn„Rote Erde“ zur Aufführung kommenden Festspiel„Barbarossas Traum" teil. In diesem Festspiel werden historische Gruppen mit reiterlichen und sportlichen Darbietungen einen großen Abschnitt deutscher Geschichte darstellen. Die Vorbereitungen für dieses Festspiel stehen kurz vor dem Abschluß. Die historischen Gruppen werden von rund 800 Mitwirkenden gebildet. Diese kurzen Andeutungen zeigen bereits, daß den vielen Tausenden von Teilnehmern des 4. Deutschen Reichskriegertages etwas ganz Besonderes in Dortmund geboten wird. * Bochum. 24. Juni.(Beim Bügeln verbrannt.) Eine Hausangestellte aus BochumLangendreer kam beim Bügeln einem Gasofen zu nahe. Ihre Kleidung sing Feuer und bald darauf stand die Unglückliche in hellen Flammen. In ihrer Angst lief sie nach draußen, wodurch die FFlammen sich noch mehr entfachten. Die Bedauernswerte hatte so schwere Brandwunden erlitten, daß sie bald nach ihrer Ueberführung ins Krankenhaus starb. * Wuppertal, 24. Juni.(Die Täter geständig.) Die beiden Kommunisten, die in der Nacht zum Sonntag dieser Woche vor der Hauptfeuerwache in Barmen den SA.=Mann Hilbert erschossen haben, sind in vollem Umsange geständig. Anscheinend haben sie— entgegen der jetzt zuverlässig bekannt werdenden Tatsache, daß die Amnestie nur für die vor dem 15. Juni liegenden Delikte gilt— angenommen, daß ihre Tat amnestiert werde. Ohne jede Umschweife legten die beiden ein volles Geständnis ab und gaben zu, den Nanotleidende Tierwelt haben, um tatkräftige Unterstützung und rege Mitarbeit, auch außerhalb unseres Bezirkes. Eine rege Aussprache über alle möglichen Tierschutzangelegenheiten hielt die Versammlung noch lange beieinander, wobei das amüsante Jägerlatein von Förster Simon besonders lobend erwähnt sei. Gevelsberg. 25. Juni. * Ein Kind von einem Lastwagen überfahren und tödlich verletzt. Gestern nachmittag gegen 4,30 Uhr ereignete sich in der Nähe des Hotels zur Haufe ein tödlicher Verkehrsunfall, dem die sechsjährige Tochter der Eheleute Fidtkau, Hagenerstraße 15, zum Opfer fiel. Das Kind wollte zu seiner Großmutter, die in einem anderen Hause an der Hagenerstraße wohnt. An der oben genannten Stelle versuchte es die Straße zu überqueren, blieb aber dann stehen, um ein Pferdefuhrwerk vorbeifahren zu lassen. Hierdurch hat das Mädchen höchstwahrscheinlich das Herannahen eines Lastwagens übersehen und wurde überfahren. Wiederbelebungsversuche mit einem Sauerstoffapparat blieben erfolglos. Den tiefbetrübten Angehörigen bringt man allseitige Teilnahme entgegen. Voerde, 25. Juni. Ausbau der Straße„Am Westfeld". Der Ausbau der Straße„Am Westfeld“, eine Verbindung zwischen Linden= und Breckerfelderstraße, ist in Angriff genommen Gemeindearbeiter sind augenblicklich damit beschäftigt, Einebnungen vorzunehmen. Zu diesem Zweck wird die Halde an der Loherstraße abgetragen und der hier entnommene Schutt an der Baustelle angeschüttet. Hoffentlich gelingt es, trotz der zeitigen schlechten Finanzlage, diese Straßenstrecke ordnungsmäßig auszubauen. Hattingen, 25. Juni. * Ausgemeindungsbestrebungen? Immer wieder auftauchende Gerüchte reden von Bestrebungen, die auf eine Loslösung aus den eingemeindeten Gebilden hinauslaufen. Auch in parlamentarischen Kreisen soll man sich schon, wie die Hattinger Zeitung meldet, mit diesen Absichten befaßt haben und namentlich sollen die Nationalsozialisten dafür eingetreten sein. Im Landtag soll diese Angelegenheit schon sehr bald zur Sprache kommen, und man darf gespannt sein, zu welchen Entschlüssen man hier kommen wird. tionalsozialisten erschossen zu haben, nachdem sie ihn aufgefordert hätten, sein Abzeichen abzulegen. * Wuppertal, 24. Juni.[Ueberfahren und tödlich verletzt.) Ein schweres Unglück ereignete sich heute morgen gegen 8 Uhr an der Ecke der Schützen= und Klingelhollstraße in Barmen. Dort geriet ein mit Milchkannen beladener, 16jähriger Radfahrer unter ein Lastauto. Das linke Hinterrad ging über den Unglücklichen hinweg. Er wurde mit schweren Verletzungen in das St. Petrus=Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zeit darauf starb. * W.=Elberfeld, 15. Juni. Die staatliche Privatmusiklehrer=Prüfung für den Regierungsbezirk Düsseldorf fand vom 19. bis 23. Juni in Düsseldorf statt. Von den 47 Prüflingen bestand Fräulein Friedel Brill aus W.=Vohwinkel, ausgebildet im Musikseminar des Konservatoriums Potthoff=Zimmermann, Elberfeld, als einzige„Mit Auszeichnung". * Langenberg, 24. Juni.(Der„Langenberger“ in Neuseeland.— Rheinische Musik über 11000 Meilen.) Die deutsche Rundfunktechnik hat einen schönen Erfolg aufzuweisen. Die Westdeutsche Rundfunkgesellschaft bezw. der Sender Langenberg erhielt aus Neuseeland ein Dank= und Anerkennungsschreiben, in dem es heißt:„Es ist mir ein besonderes Vergnügen, Ihnen mitteilen zu können, wie ausgezeichnet der Langenberger Sender von mir gehört wird. Obwohl wir über 11000 Meilen voneinander entfernt sind, kann ich die Sendungen Ihrer Station in guter Sprecherstärke in meinem Hause empfangen, und Ihre ausgezeichnete Musik ist immer ganz besonders von allen geschätzt worden, die sie hören. Ganz besonders habe ich mir angelegen sein lassen, festzustellen, ob die Station Fading aufweist und es ist mir ein Vergnügen, Ihnen mitzuteilen, daß zu keiner Zeit irgendwelche Fadingerscheinungen bei Ihrer Station zu bemerken waren. Hin und wieder klang das gesprochene Wort etwas dumpf, aber die Musik war stets klar.“ tem Ziel— Eine Neuerung bei der Reichsbahn.) In den letzten Tagen hatte die Reichsbahndirektion Essen in den Schalterhallen der Bahnhöfe ihres Bezirks Verkaufstische aufgestellt. Bunte Heftchen, die das Reiseprogramm für den Sommer 1932 enthalten, bedeckten diese Tische. Auf der Seite 12 dieses Heftchens ist ein Hinweis angebracht, daß am 29. Juni(Peter und Paul) die Reichsbahn erstmalig mit einer Neuerung auswartet, die eines gewissen Reizes nicht entbehrt. An diesem Tage wird ein Ausflugszug nach X, also nach einem Ort verkehren, der den Reisenden vorerst nicht bekannt gegeben wird. Auch das Zugbegleitpersonal, der Zugführer, Lokomotivführer und die Schaffner erhalten auf dem Bahnhof versiegelte Ordre, die erst kurz vor der Abfahrt des Zuges geöffnet werden darf. Die Reichsbahn will mit dieser Maßnahme dem Publikum hinsichtlich des Reiseziels die Qual der Wahl abnehmen; sie will das Ziel der Fahrt bestimmen und ihren auten Geschmack unter Beweis stellen. Sie will auch und gut“ bedienen denn die Rückfahrt aus dem „unbekannten Land“ erfolgt kostenlos. Der Zielort wird erst nach der Abfahrt des Zuges bei der Verteilung eines Führers(kostenlos), der über Landschaft und Sehenswürdigkeiten unterrichtet, bekannt gegeben. * Solingen, 24. Juni.(Die Stadt um eine halbe Million geschädigt. In der Stadtverordnetenversammlung wurden in dreistündiger Aussprache erstmalig die Verfehlungen bei den städtischen Straßenbahnen Solingen besprochen, die schon einige Jahre zurückliegen, aber erst vor einem Jahre aufgedeckt wurden. Der Untersuchungsausschuß stellte fest, daß durch Fehler und Nachlässigkeiten von drei führenden Beamten, dem Beigeordneten Krenzer, dem Direktor Tacke und dem Betriebsingenieur Löscher, ein Schaden entstanden sei, der sich auf rund eine halbe Million Mark belaufen soll. Von dieser Summe seien etwa 300000 Mark je zur Hälfte einer Solinger und einer Kölner Baufirma auf unrechtmäßige Weise zugute gekommen. Gegen diese beiden Firmen schwebe ein Strafverfahren, das aber noch nicht entschieden sei. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung stellten die Kommunisten den Antrag, gegen den Beigeordneten Krenzer ein Disziplinarverfahren einzuleiten, dessen Pension zu beschlagnahmen und die beiden Beamten der Straßenbahn fristlos zu entlassen. Ueber denAntrag wurde aber nicht abgestimmt, weil er über die Zuständigkeit der Stadtverordnetenversammlung hinausgehe. Bürgermeister Brisch wolle erst das Ergebnis der Zivilprozesse abwarten, um alsdann die nötigen Konsequenzen zu ziehen, soweit sie die drei Beamten beträfen. * Düsseldorf, 24. Juni.(Aus 30 Meter Höhe abgestürzt.) Als in den gestrigen Morgenstunden ein Kamindauer am Schornstein einer Wäscherei in der Schwerinstraße Reparaturarbeiten ausführte, riß der Rettungsgürtel, an dem der Kaminbauer sich festgemacht hatte, und er stürzte von dem 30 Meter hohen Kamin ab. Der Verunglückte war sofort tot. * Dieringhausen, 24. Juni.(Kinderluftballon fliegt 800 Kilometer weit.) Im benachbarten Kurtensiefen fand am 18. Juni eine Frau einen Kinder=Lustballon, der laut anhängender Karte am 16. Juni die Reise in einem Städtchen der Grafschaft Cheshire(Westengland) angetreten und die 800 Kilometer lange Strecke in anderthalb Tagen zurückgelegt hat. Dem Finder war auf der Karte eine Belohnung von 5 Schilling versprochen worden, falls die Karte bis zum 1. Juli an den Absender zurückgelangt. * Aachen, 28. Juni.(Eine Million Mark ür persönliche Zwecke.) Die große Strafkammer verurteilte nach zweiwöchiger Verhandlung den Bankter Probst aus Aachen wegen Konkursvergehens und Depotunterschlagungen zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr acht Monaten Gefängnis. Das Gericht hatte als festgestellt erachtet daß der Angeklagte für seine persönlichen Zwecke in der Zeit von 1924 bis 1929 nicht weniger als eine Million Mark verbraucht hat. In der Urteilsbegründung wird erklärt, Probst hätte beizeiten seine privaten Aufwendungen abdrosseln sollen, zumal 1928 sein Vermögen eingebüßt und dazu noch eine Schuldenlast von einer Million zu : 2) MFA Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. verzeichnen hatte. Straferschwerend sei der auberordentliche Umsang des angerichteten Schadens sowie die außerordentliche Täuschung des ihm entgegengebrachten Vertrauens gewesen, er habe ein gewissenloses Spiel mit fremden Geldern getrieben. Eingesandt. du verössintlichung unter dieser Rubrik übernimmt bie Rebaktlen nud R. Gerantwirtung im Sinne des Preßgeseges, während dem Gubithur wenrüber iche Beneutene-ung cberichnt uich Die Konsumgenossenschaft„Eintracht" Sitz Dortmund hat ihren Mitgliedern eine schöne Ueberraschung bereitet. Scheinbar hat die Notverordnungspolitik der Regierung gute Schule gemacht, denn es heißt kurzer Hand: Auf Grund des Deligierten=Beschlusses vom 6. 12. 1931 wird allen Mitgliedern von ihren Geschäftsanteilen ein Betrag von 30.— RM. abgeschrieben. Die Abschreibung ist eine glatte Enteignung, ja, wenn man deutlicher werden will, ein Raub. 30.—RM. ist fraglos für jeden Genossen in der heutigen Zeit ein großer Betrag. Es ist kaum anzunehmen, daß die Mitglieder mit derartigen„Notverordnungen“ einverstanden sind; denn warum sind wir in einer Konsumgenossenschaft? Doch nicht, damit man uns unser größtenteils sauer verdientes Geld abnimmt, sondern darum, daß wir gegenüber Privatgeschäften besondere Vorteile genießen wollen, die eben durch einen genossenschaftlichen Zusammenschluß erzielt werden sollen. Es ist kaum anzunehmen, daß die meisten Genossen Kenntnis von dieser„Notverordnung“ erhalten haben. Sollen wir dies ohne Weiteres über uns ergehen lassen? Nein! Wir werden uns dagegen zu wehren wissen. Wir wollen das Sprichwort:„Einigkeit macht stark“ bedenken und geschlossen gegen den Raub unseres Geldes protestieren. Noch eins! Ihr seid jedenfalls der Meinung, das Euer Anteil 50.— M. betragen muß. Etwaige weitere Beträge, die in Eurem Spar= und Anteilbuch eingetragen stehen, gelten als Spargeld und ihr könnt jederzeit darüber verfügen. Irrtum! Nach wie vor soll Euer Anteil 100.— RM erreichen. Eure Spareinlagen werden, wenn Ihr diese haben wollt, einfach festgehalten, weik 100.— RM. Anteil notvendig ist. Warum dies? Der damalige Delegiertenbeschluß, das die Anteile auf 50.— RM. ermäßigt werden, ist einsach nicht, und soll jedensalls auch nicht in das Genossenschaftsregister eingetragen werden; solange die Eintragung nicht erfolgt, gilt die alte Bestimmung, daß 100.— RM. Anteile zu leisten sind. Wir wollen uns diese Maßnahmen nicht gefallen lassen. Es ist ein geschlossenes Vorgehen hiergegen erforderlich, um machtvolle, erfolgreiche Proteste der Mitglieder durchzusetzen. Peter Hofmann, Schwelm, Loherstr.36. Sport-Nachrichten Sommerspielmeisterschaften 1. Bezirk. Die Spielreihe geht bereits wieder ihrem Ende zu, um Platz zu schaffen für die Gruppen= und Endspiele. Im Schlagball Kreisklasse steigen Sonntag die letzten Spiele: Altenvoerde— Grundschöttel, Eintracht Vogelsang— Haspe 1860. Die Schlagball=Gauklasse beginnt mit den Rückspielen: Deutsche Eiche Voerde— Eintracht Vogelsang, Berge=Westerbauer— Jahn Westerbauer. Im Faustball wird mit den restlichen Spielen aufgeräumt. Die Kreisklasse tritt Sonntag in Gevelsberg auf dem Jahnsportplatz an. Beteiligt sind: Milsper Tog., Tgm. Schwelm, Voerder Tv. und Gevelsberg 62. Ebenfalls auf dem Jahnsportplatz in Gevelsberg soll die Gauklasse die noch ausstehenden Spiele erledigen, an denen beteiligt sind: Haspe 60, Haspe 09. Hasper Turnklub, Gevelsberg 62, Eintracht=Jahn Gevelsberg und Altenvoerde. Für die Bezirksklasse sind Spiele auf dem Platz des Turnvereins Eintracht Vogelsang angesetzt mit folgenden Mannschaften: Milspe 3., Beyeröhde, Altenvoerde, Beckacker 1. und 2. Eintracht=Jahn Gevelsberg, Tam. Schwelm und Vogelsang. Und schließlich sollen in Hasverbach einige restliche Spiele der Bezirksklasse ausgetragen werden zwischen Hasverbach. Haspe 09, Lichtenplatz, Vogelsang 2. und 3. Ob allerdings alle diese angesetzten Spiele zum Austrag gelangen, ist zweifelhaft, da viele Mannschaften sich lieber auf eigenem Platz des schönen Fußballspiels als Uebungsspiel erfreuen, als sich wegen der Pflichtspiele in Unkosten zu stürzen, obgleich sie sich seinerzeit freiwillig zu denselben meldeten. * 2V.„Zur rothen Erde“— Schwarz=W. Barmen 2B.„Zur rothen Erde“— 2V. Langerseld Wir machen nochmals aufmerksam auf die am Sonntag 3 Uhr stattfindenden Klubkämpfe an der Wilhelmshöhe. Schwarz=Weiß hat eine sehr starke Besetzung abgegeben und sind die Leistungen überzeugend. 100 m 11.1 Sek., 400 m Finkensieper und Gathmann 53.2 und 54 Sek. Im 3000 m=Lauf starten Hohgardt und Höfner, beide mit 10 Min. Viermal 100 m läuft Barmen die Zeit von 45.5 Sek. Der Mehrkämpfer Schwan erzielte im Hochsprung 1.75 m und Weitsprung 6,50 m, Kugelstoßen 11.60 m und Diskus 35 m. Es ist nach diesen Leistungen mit einem sehr interessanten Treffen zu rechnen, dessen Besuch dringend empfohlen werden kann. Hense(Rote Erde) wirft 39,.34 m Diskus Bei dem am vergangenen Mittwoch stattgefundenen Kampf Universität Köln— B. TV. Barmen warf Hense den beachtlichen Wurf von 39.34 mn, wobei der Diskus noch trillerte. Die Kugel stieß er 12.10 m. Fußball der Bäcker und Metzger Am kommenden Sonntag treffen sich die beiden Ortsrivalen, der Bäcker= und Konditorengesellenverein Schwelm und der Metzgergesellenverein Schwelm zu einem Fußballkampf. Die Mannschaften treffen sich zum ersten Male, es ist daher ein sehr„interessanter“ Kampf zu erwarten. Die Metzger=Mannschaft, die schon mehrere Spiele hinter sich hat, z. B. gegen einen Gegner wie M. G. V. Bochum=Linden 4:3 gewann, ist als sehr stark zu bezeichnen. In der Bäcker=Mannschaft wirken einige„Repräsentative“ mit, sie ist daher auch sehr spielstark. Als Linienrichter sind die Internationalen Kuzorra und Cepan von Schalle 04 verpflichtet worden(122). Darum auf zum Sportplatz des FC. 06 an der Brunnenstraße. Anstoß pünktlich 2.30 Uhr. Die Mannschaften werden mit Musik um 2 Uhr vom Deutschen Haus abgebolt. Die Kaiser-Attentäterin gestorden * Berlin, 23. Juni. Am 16. November 1900 wurde die Oeffentlichkeit durch die sensationelle Nachricht überrascht, daß auf Kaiser Wilhelm II. ein Attentat verübt worden sei. Es wurde aber gleich hinzugefügt, daß der Anschlag mißlungen sei. Spätere Telegramme gaben dann eine genauere Schilderung. Danach fuhr der Kaiser in Begleitung des Prinzen von Meiningen durch Breslau. Plötzlich wurde ihm aus der Zuschauermenge ein Beil entgegengeschleudert, daß aber sein Ziel verfehlte uchinter dem vorbeifahrenden Wagen auf das Straßenpflaster fiel. Polizisten ergriffen eine Frau, die das Beil geworfen hatte. Man nahm in der ersten Aufregung an, daß ein als Frau verkleideter Anarchist festgenommen worden sei. Die Untersuchung ergab aber, daß es sich um die 40jährige Händlerin Selma Schnapka handelte. Da sie sofort als Irre erkannt wurde, kam sie in eine Heilanstalt nach Rybnik. Hier ist sie im Alter von 73 Jahren gestorben. Velerbericht der Welterwarte Essen Zunehmende Unbeständigkeit im Witterungscharakter und strichweise auch Regen. Temperaturen wenig geändert, auffrischende, überwiegend westliche Winde. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau! Scherz, für den Anzeigenteil: Hans Scherz. Druck und Verlag von M. Scherz; sämtlich in Schwelm. Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben, lasset mich, daß ich zu meinem Herrn ziehe. 1. Mose 24, V. 56. Gestern nachmittag 3½ Uhr durfte unsere liebe Schwester, Schwägerin, Tante und Grosstante Frau Bäller-Schröer Auguste geb. Lange im Alter von 70 Jahren in Frieden heimgehen. Um stille Teilnahme bittet im Namen aller Angehörigen: Familie Friedrich Lange. Schwelm, Schulstrasse 25, W.-Elberfeld, Hilgenplatz b. Schwelm, Berninghausen b. Milspe, den 24. Juni 32. Die Beerdigung findet Sonntag, den 26. Juni, nachm. 4 Uhr vom Wohnhause Milspe, Kirchstrasse 45, aus statt. Standrede ½ Stunde vorher. Nachruf. Kreiskörperschaften und Kreisverwaltung betrauern das Hinscheiden des Arztes Herrn Dr. med. Hülsenbeck In Gevolsberg. Herr Dr. Hülsenbeck gehörte in der Zeit vom 20. Februar 1921 bis 30. März 1926 dem Kreistage des ehemaligen Kreises Schwelm an. Vom 20. Februar 1921 bis 14. Februar 1930 war er Mitglied des Kreisausschusses, ursprünglich im Landkreise Schwelm, seit 1929 alsdann im Ennepe-Ruhr-Kreise. In beiden Körperschaften hat er tätig mitgearbeitet, wobei ihn allein der Gedanke an das Wohl der Gesamtheit leitete. Zu allen wichtigen Fragen, die im Laufe dieser Zeit an den Kreis herantraten, hat er in objektiver Weise Stellung genommen. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der mit dem kommunalen Leben unseres Kreises aufs engste verbunden war. Ein ehrendes Andenken ist ihm gesichert. Schwelm, den 24. Juni 1932. Der Kreisausschuß des Ennepe-Ruhr-Kreises: Dr. Neugebauer, Landrat. Beschluß über die Höhe der Schulbeiträge für die Berufsschule im Rechnungsjahr 1932. Auf Grund des§ 16 Absatz 5 und 11 des Gewerbe= und Handelslehrer=Besoldungsgesetzes und des§ 1. Kap. 1, Teil 4 der Sparverordnung vom 12. September 1931 wird nach Anhörung der Industrie= und Handelskammer sowie der Handwerkskammer und Landwirtschaftskammer folgendes beschlossen: 1. Von den durch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln und sonstigen Einnahmen nicht gedeckten laufenden Unterhaltungskosten der Berufsschule der Stadt Schwelm sind 30 v. H. durch Schulbeiträge aufzubringen. 2. Es sind zu erheben: a) von den Gewerbetreibenden für ihre Betriebsstätten im Gemeindebezirke Schwelm 25 v. H. der Grundbeträge der Gewerbesteuer vom Ertrage, 75 v. H. der Grundbeträge der Gewerbesteuer vom Kapital, b) von den nichtgewerbetreibenden Arbeitgebern für jeden von ihnen beschäftigten Arbeiter und Angestellten, soweit die Jugendlichen der einzelnen bei ihnen beschäftigten Arbeiter= und Angestelltengruppen berufsschulpflichtig sind, 5.00 RM. Der Heranziehung des einzelnen nichtgewerbetreibenden Arbeitgebers ist die Durchschnittszahl der Arbeiter und Angestellten, die in dem dem Rechnungsjahre vorangegangenen Kalenderjahre von ihm beschäftigt worden sind, zugrunde zu legen.(4615 Schwelm, den 17. Juni 1932. Der Magistrat. Dr. Lücken. John. Bekanntmachung. Die Hebeliste über die Handwerkskammerbeiträge für das Rechnungsjahr 1932 liegt vom 25. Juni bis 8. Juli 1932 im Amtshaus 11— Zimmer 5— zur Einsicht aller Beteiligten offen. Milspe, den 22. Juni 1932.(4614 Der Bürgermeister. Die hiesige Amtskasse ist am Montag, dem 27. Juni und Dienstag, dem 28. Juni wegen Jahresabschlußarbeiten am Mittwoch, dem 29. und Donnerstag, dem 30. Juni 1932 wegen des Monatskassenabschlusses für den Publikumsverkehr geschlossen.(4613 Milspe, den 28. Juni 1932. Der Bürgermeister. Die Mottenbrut in Schrank und Ecken ist jeder Hausfrau Angst und Schrecken! Wie uns die Wissenschaft berichtet, sind Motten schnell, samt Brut, vernichtet mit MOT KI, dem Naturerzeugnis, für jede Hausfrau ein Ereignis! Unsehlbar wirkend, ist zudem der Duft von M OT KI angenehm! Die Hausfrau reibt beglückt die Hände: „Die Mottenqual ist nun zu Ende; dazu vorbei in Fach und Schrank, ist Naphta und v. v. Gestank!“ Drum darf, da Mottenschäden quälen, in keinem Hausbalt MOT KI feblen! Aus ist's mit aller Mottennot, denn: M OT KI ist der Motten Tod Auler-Bregeris in Miispe Herm. Fischer Haltestelle der Straßenbahn Tel. 2207 Amt Oevelsberg Voerderstr. 17 Bäckerei Konditorei Carl Sieper ir. Ostenstr. 12 Tel. 2483 Sonntags nachm. von 2-3 Uhrgeöitnet Kostenlos Seltenlgs Westermann in Braunschweig gegen Einsendung von 30 Pfennig für Porto ernsthaften Interessenten ein erwa 100 Seiten starkes, mit vielen ein= und buntfarbigen Bildern und acht Kunstbeilagen geschmücktes Probehefe seiner cch h Rolashse Bine fordern Sie es noch heute an, Sie werden von dem hervorragenden tertlichen und bildlichen Inhalt überrascht sein. 7 Hermarmuseum Schwelm In der Schule Potthoffstraße Geöffnet Sonntags von 11—1! vorm.e Eintrittspreis 30 Pfg. Morgen, Sonnkag, d 26. 6. und folgende Sonntage nur nachmittags: Wänder-Reuallieh u. Aussch. eines Kaldes (Großkal.) ferner: Fortsetzung d. Kleink. Preissch. Ren! Schützenschnur=Schießen! Voranzeige: 7. Aug. Kl. Sommerfest. breparatat erhalten Sie schnell, gut, billig bei F. Kortwittenborg Schuhmachermeister Schwelm, Kirchstr Morgen nachm. ab 3½ Uhr Konzert an der Kanüige in Holhansen Es ladet ergebenst ein: Fr. 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Deshalb immer nur die echten RR Zu haben in Apotheken Drogerien und wo Plakate sichtbar Kötters-Zwieback und Koks-rabrikate Aabrkännt verzügliche Goalitart Osber an Erhälllich. Gögr. 1500 S der deutschsprachigen Presse e.V. * Speies uin dunger in Schwelmer Zeitung sansag. 25. Jui 1932 Politische Wochenschau Bei den Verhandlungen der Lausanner Konserenz hat sich sehr schnell herausgestellt, daß die optimistischen Hoffnungen nach der Erklärung der fünf Mächte über die Tributstundung während der Dauer der Konferenz unberechtigt waren. Schon jetzt steht fest, daß der französische Ministerpräsident Herriot gar nicht daran denkt, auf die bekannten französischen Forderungen zu verzichten. Diese bestehen darin, daß Frankreich eine sogenannte Abschlußzahlung in Höhe von 7 oder 8 Milliarden Mark beansprucht, um auf diese Weise seinen sinanziellen Vorteil aus dem Youngplan zu retten. Dieser Anspruch ist von der Reichsregierung abgelehnt worden. Vorläufig hat es nicht den Anschein, als ob es zu einer wirklichen Verständigung kommen sollte. Jetzt ist der Versuch unternommen worden direkte deutsch=französische Wirtschaftsverhandlungen anzubahnen, um vielleicht auf diese Weise die Möglichkeit einer Entspannung zwischen Deutschland und Frankreich zu finden. Im großen und ganzen aber müssen auch diese Pläne sehr skeptisch beurteilt werden. * Währenddessen ist die politische Verbindung zwischen der Lausanner Tributkonferenz und der Genfer Abrüstungskonferenz durch das Hin= und Herreisen der Staatsmänner auch nach außen hin sichtbar geworden. Wenn auch die Amerikaner bisher öffentlich immer betont haben, daß sie sich für die Lausanner Tributverhandlungen gar nicht interessieren, so steht doch fest, daß Amerika nur dann geneigt ist, seinen europäischen Schuldnern entgegenzukommen, wenn die europäischen Militärstaaten Zugeständnisse in der Abrüstungsfrage machen. Für Frankreich wiederum besteht der Zusammenhang zwischen der Tributfrage und der Rüstungsfrage darin, daß die französische Politik jedes„Entgegenkommen“ gegenüber Deutschland von der Befriedigung der französischen Sicherheitsansprüche abhängig machen will. Jetzt rächt sich die Brüningsche Taktik, durch die die politische Entscheidung in den Genfer Rüstungsverhandlungen den Wünschen der anderen Seite entsprechend allzu lange hinausgeschoben worden ist. Wie die Verhandlungen jetzt laufen, scheint es einen Ausweg aus dem Lausanner und Genfer Labyrinth nicht mehr zu geben. * Die amerikanische Regierung hat einen erneuten Versuch unternommen, das völlig festgefahrene Schiff der Genfer Konferenz wieder flott zu machen. Der amerikanische Vorschlag, daß sämtliche Staaten mit Ausnahme der schon entwaffneten Mittelmächte ihre Rüstungen alsbald um ein Drittel vermindern und auf die Angriffswaffen verzichten sollen, hat in Paris wie eine Bombe eingeschlagen. Schon jetzt kann man sagen, daß die Franzosen unter keinen Umständen den amerikanischen Anregungen zustimmen werden, während auf der anderen Seite verschiedene Mächte, allen voran Italien ihre bedingungslose Zustimmung zu der Hooverschen Anregung erklärt haben. Für Deutschland kommt es im wesentlichen darauf an, daß nicht die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung unter den Tisch fällt. Jetzt erscheint der Augenblick gekommen, die deutsche Sicherheitsforderung in den Mittelpunkt der Genser Debatte zu rücken und das nachzuholen, was die bisherige Verhandlungsführung verabsäumt hat. Der amerikanische Vorschlag ist deshalb zu begrüßen, weil er geeignet ist, die Entwickkung der Genfer Konserenz zu beschleunigen: und endlich eine politische Entscheidung anzubahnen Reichskanzler von Papen dürfte alsbald die Rückreise nach Berlin antreten, weil eine Reihe von wichtigen innenpolitischen Entschlüssen zu fassen ist. Die Verhandlungen des Reichsinnenministers Freiherrn von Gayk mit den Ländervertretern über die politische Notverordnung des Reichspräsidenten haben zu keinem abschließenden Ergebnis geführt. Immerhin gibt man im Reichsinnenministerium die Hoffnung noch nicht auf, daß die süddeutschen Länder sich doch noch im letzten Augenblick besinnen werden, um einen offenen Konflikt mit der Reichsgewalt zu vermeiden. Die Reichsregierung ist jedenfalls entschlossen ihren Willen im Reich einheitlich durchzusetzen. Für den Fall, daß die süddeutschen Länder ihre Gesetzgebungs= und Verwaltungspraxis den Bestimmungen der Reichsgesetzgebung nicht anpassen wollen, wird offenbar eine neue Notverordnung erwogen, die zweifelsfrei feststellt, daß die bestehende Reichsgesetzgebung in allen Ländern einheitlich durchgeführt werden muß. Aufgabe der Länder wird es sein den dadurch geschaffenen gesetzlichen Zustand gegen die Terrorversuche der radikalen Linken wirksam zu schützen. Hoffentlich kommt es obne Zwangsmaßnahmen zu einem vernünftigen Ausgleich. * Dieser ist um so notwendiger, als die aufrührerische Tätigkeit der Kommunisten einen immer größeren Umsang aunimmt. Wenn auch nach den bekannt gewordenen kommunistischen Kampfanweisungen vorläufig mit einer größeren Aktion der moskowitischen Aufrührer noch nicht gerechnet werden kann, so beweisen die Vorgänge der letzten Tage doch, daß die Kommunisten alles daran setzen um den Kampfgeist ihrer Anhänger zu stärken. In Berlin und in Breslau haben kommunistische Hausen Barrikaden gebaut, deren Wegräumung der Polizei erst nach langen Mühen gelungen ist. In Breslau ist es sogar so weit gekommen, daß die Polizei sich außerstande fühlt, die Verantwortung für das Leben und die Gesundheit des einzelnen friedliebenden Bürgers zu übernehmen. Eine entsprechende Bekanntmachung des Polizeipräsidiums hat in der Bürgerschaft berechtigte Beuuruhigung hervorgerufen. Es muß die Frage gestellt werden, ob eine Polizei, die schon beim Beginn größerer Unruhen ausdrücklich erklärt, ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen zu können. überhaupt noch in der Lage ist, ihren Pflichten voll zu genügen. Die Zustände in den meisten deutschen Ländern müssen als um so bedrohlicher angesehen werden, als vielfach Regierungen ohne Verantwortung am Ruder sind. * Dies gilt insbesondere für das größte deutsche Land Preußen, in dem die Wahl des neuen Ministerpräsidenten jetzt bis in den August vertagt worden ist. Reichskanzler von Papen ist also mit seiner Absicht, die Regierungswirren in Preußen beschleunigt zu beendigen, völlig gescheitert. Nach wie vor ist das Zentrum nicht bereit in Verhandlungen über die einzig mögliche Mehrheitsbildung im neuen Landtag einzutreten, und die letzte politische Entwicklung hat dem nationalsozialistischen Führer Adolf Hitler Gelegenheit gegeben, vorerst jede Koalitionsverhandlung mit dem Zentrum abzulehnen. Immerhin hat der neue preußische Landtag es wenigstens fertiggebracht, sein Präsidium endgültig zu bestimmen. Infolge der Haltung des Zentrums ist es dahin gekommen, daß der bisherige sozialdemokratische Vizepräsident Wittmaak ausfiel, so daß das endgültige Landtagspräsidium sich aus dem nationalsozialistischen Präsidenten Kerrk, dem deutschnationalen Vizepräsidenten von Kries, dem nationalsozialistischen Vizepräsidenten Haake und dem Zentrumsvizepräsidenten Baumbach zusammensetzt. Ein Versuch der Kommunssten, die Wahl eines linksstehenden Präsidiums unter Verzicht auf eigene Ansprüche zu ermöglichen, ist an der Bedenklichkeit des Zentrums gescheitert. Langfristige Witter ungsvorhersage Von Karl Plettenberg, Lehrer, Milspe. Vor wenigen Tagen ging eine kurze Notiz von einer umwälzenden Neuerung in der Witterungsvorhersage durch die Presse, und zwar beabsichtigt die von Prof. Dr. Franz Baur in Frankfurt a. M. geleitete Staatliche Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage am 5. Juli dieses Jahres zum ersten Male für Norddeutschland westlich der Oder Witterungsvorhersagen, die sich auf längere Zeiträume erstrecken. Es dürfte daher die Leser interessieren, einiges über Aufgabe, Einrichtung und Tätigkeit der Forschungsstelle zu erfahren. Die Forschungsstelle ist ein Glied der Norddeutschen Wetterdienstorganisation. Ihre Aufgabe ergibt sich aus ihrer Bezeichnung: sie soll die wissenschaftlichen Grundlagen schaffen, auf denen eine Wettervorhersage für längere Zeiträume, als sie die gegenwärtigen Vorhersagen der amtlichen Wetterdienststellen umfassen, möglich wird. In dem Worte Witterungsvorhersage ist der Gedanke enthalten, daß es sich bei den Vorhersagen, deren Grundlegung der Forschungsstelle aufgetragen ist, nicht im Vorhersagen des Wetters der einzelnen Tage eines längeren Zeitraumes handeln kann, sondern nur um die Vorhersage des Wettergepräges, also der bevorstehenden Hauptmerkmale mehrerer aufeinanderfolgender Wetterzustände. Die der Forschungsstelle vom Preußischen Landwirtschaftsministerium gestellte Aufgabe ist ganz allgemein gehalten. Es ist ihr nicht vorgeschrieben, auf welchem Wege das Problem zu lösen ist. Sie befaßt sich sowohl mit der Statistik des bisher gewesenen Wetters, als auch mit theoretischen Problemstellungen. Die wissenschaftliche Wettervorhersage für einen Tag ist ganz und gar nur auf irdische Beobachtungen gegründet. Aus dem augenblicklichen, atmosphärischen Zustand über einem größeren Gebiet und den Aenderungen dieses Zustandes innerhalb der letzten Stunden wird auf Grund von physikalischen Vorstellungen und Ueberlegungen, sowie auf Grund von Regeln die Weiterentwicklung des atmosphärischen Zustandes in den nächsten 24 bis 36 Stunden im Vorhersagegebiet abgeschätzt. Als kosmische Einflüsse werden dabei nur die jahreszeitlichen Besonderheiten berücksichtigt. Auch bei der Grundlegung langfristiger Witterungsvorhersagen handelt es sich vor allem darum, die Gesetze des Zusammenhanges zwischen vorausgegangenen und nachfolgenden WitteEin Bild von Danzigs Wirtschaftsnot Bekanntlich versucht Polen mit allen Mittelnden Danziger Hafen zur völligen Bedeutungslosigkeit zu verurteilen, in dem es den benachbarten polnischen Hafen Gdingen durch eine besondere Steuer=, Tarif= und Zollpolitik bevorzugt. So kommt es denn— wie auch unsen Bild berichtet—, daß Waren, wie hier tausende Tonnen mit Heringen, wochenlang im Hafen lagern, ehe sie verladen werden dürfen. Von Zimmer 2 nach Zimmer 2 Im Schourzen Adler Roman von FELIX NEUMANN 23 In dieser kleinen Welt, die er sah, spielte sich soviel ab, was belanglos schien und doch so wichtig war. Aber überall Kampf ums tägliche Brot! Nun stand er draußen auf der Straße, die Kätle, die an ihm emporkroch, ließ ihn für einen Augenblick erschauern. Von einem Dach stäubte der Wind Schnee herab. Glitzernd breitete er sich über die Laternen. Auf dem Platz, wo vier Straßen ineinander mündeten, herrschte lebhaftes Treiben. Die Straßenbahnen waren vollbesetzt, Autobusse schnoben keuchend heran. hielten ratternd still, spien ein Dutzend Menschen aus, sogen andere in ihren unförmigen Leib und stoben prustend weiter, als müßten sie die versäumte Zeit wieder einholen. Joachim stand und sann. Wohin sollte er sich wenden? Das war doch nur der Ansang, er wollte noch tiefer eintauchen in das unergründliche Meer, das sich„Volksseele“ nannte. Ein junger Mensch, ein Mädchen am Arm, kam im Eilschritt vorüber. Bei dieser Begegnung rempelte der Galan den Doktor an, der erschreckt zurücktrat. Ein Schimpfwort flog Joachim an den Kopf. Schon waren die beiden vorüber, da wandte sich das Mädel um und lachte. Dann blieb sie stehen. Ihr breitverzerrtes Gesicht glättete sich. Sie drückte den Arm ihres Begleiters und hielt ihn an. „Du— Orse! Det is doch son armer Deibel, der'n Rinnsteinabonnemang hat. Da kannste schon Pardong safen, wenn de'n anrempelst.“ Der Jüngling, dem die speckige Locke in die Stirn hing, wandte sich unmutig um, während die Begleiterin in dem Handtäschchen herumkramte. Dann musterte er des Doktors schäbige Gestalt. „Anjerempelt ha'k Ihnen? Dut mir leid!— Na— uff Pistolen wer'n Se mir ja woll nich fordern! Wat stehn Se och so dußlich frad mitten in'n Verkehr——“ „Quatsch nich—“ warf das Mädchen ein und brückte einen„Sechser“ in Menges' Hand Dann hakten sie lachend unter und rannten irgend einem Vergnügen entgegen. Joachim lächelte und betrachtete das Geld. Allmählich fand er sich in die gewählte Rolle hinein. Das Gefühl der Scham, das er zuerst empsand, wich. Er kam sich wie ein Mann vor, der sich in wichtiger Mission unter das Volk mischte. Langsam ging er weiter und überlegte, ob er die Straßenbahn besteigen und in eine andere Gegend fahren sollte. Als er an der Bordschwelle stand und die Blicke nach rechts und links schweifen ließ, kam ein Mann des Weges, der einen kleinen klapprigen Wagen vor sich herschob. Darauf stand eine alte Drehorgel, über die der Fetzen eines Teppichs gebreitet war. Ein Hinterrad des Wagens quietschte und stöhnte, dann legte es sich müde auf die Seite und trennte sich von den drei anderen Gefährten. Der Alte, der die Karre schob, stieß einen gesunden Fluch aus und hielt grade vor dem Doktor. „Verdamm' mich, det olle Kret will nich mehr!" Er bückte sich, hob das in den Rinnstein getrudelte Rad auf, schob es wieder über die Achse und versuchte es mit einem Draht zu befestigen. Das ging nicht leicht, denn der Wagen hatte sich schief gestellt. Da tönte es dumpf aus der Tiefe zu Joachim empor:„Oller Dussel, siehst de nich, wie ick mir abmiehe? Stuck ihm eene in die Rippen!“ Dieser freundlichen Aufforderung leistete Menges gerne Folge. Bald darauf war der Schaden repariert. Der Orgelmann richtete sich schnaubend auf und musterte den Helfer. „Na— am Kurfirstendamm scheintst de och nich ze Hause zu sind!“ Der Doktor schüttelte den Kopf. Der Alte schlug mit der Hand auf die Orgel. „Een Kreiz is det mit de olle Walzerkommode! Lauter olle Sachen druff, die keen Mensch mehr hören will. Un die Konkurrenz mit die neiesten Schlager. Ne— heit safe ick det Vater Filippen, det ick mit die olle Tante nich mehr herumturnen willi: Menges machte fragende Augen. „Vater Philipp, wer ist das?“ „Den kennst de nich? Der valeiht de Orseln. Man zahlt Wochenmiete, un was dariber is, vadient man!“ Der Siebzigjährige holte ein blaues Taschentuch hervor und schneuzte sich. „Siehst de, heit jing det Jeschäft noch lila, weil Stimmung da is, aba sonst—.—?“ Joachim warf ein:„Aber— zum äußersten langt es?“ „Allemal— ick laß mer nich unterkriegen! Un uff de verbitterten Jesichter von die Leite muß mer nich so ville jeben. Se rühren sich un arbeeten und warten jeduldig! Et muß ja ok mal anners werden. Nur die, die arbeeten wollen un nich können, die sin schlimm dran!“ Der Orgelmann rückte die Mütze und schnaufte. „Na— un du? Doch nich etwa Asyl? Denn komm lieba mit, een Strohsack un eene warme Decke kann ick dir vor de Nacht jeben—.—“ Ueber das knochige, verarbeitete Gesicht des Alten flog ein Lächeln. Joachim schüttelte abwehrend das Haupt. „Nein— nein, ich brauche nicht ins Asyl! Ich habe ein Dach über dem Kopf!“. „Na— ja, da bist de noch jut dran! Aba det Nichtstun, det Herumlungern, det hat schon manchen braven Kerl det Jenick jebrochen.“ „Ja— Sie haben recht! Hätten wir nur genug Arbeit für alle die, die sie suchen—.—.“ Der Mann trat an den Wagen heran und ergriff die Stange, um weiterzufahren. „Weßt de, et fiebt och Leite, die sasen: Die Orseldreher sin man verkappte Bettler! Det stimmt nich! Wir jeben wat fors Jeld, un zu meine Walzer hat schon manches hibsche Mädchen jetanzt! Un heite Abend saje ick Vater Filippen, det er mir modern uffziehen soll, der olle Knicker!“ Menges griff in die Tasche, wo er für, alle Fälle Geld verwahrt hielt. Ehe es sich der Greis versah, hielt er ein Fünfmarkstück in der Hand. Mit starrem Blick musterte er das Geschenk. „Mensch— wo hast de det her——“ Da wandte sich der Doktor zum Gehen. „Keine Sorge, es ist ehrlich erworben. Und Dank für das Quartier, das ich nicht brauche.“ Menges vergrub die Hände in den Taschen und ging eilends davon. Verblüfft und staunend sah ihm der Alte nach. 10. Kavitel. An diesem Silvesternachmittag saß Annemarie Hild in ihrem Zimmer in einer vornehmen Pension des Berliner Westens. Gedämpft drang durch die Vorhänge das Leben und Treiben von der Straße. Es war bunkel geworden, aber sie versäumte es, das Licht einzuschalten. Auf dem Tisch vor ihr lag das Telephonverzeichnis und das Adreßbuch von Berlin. Seit gestern weilte sie mit ihrer Mutter in der Reichshauptstadt, und es war ihr, als ob mit dem Augenblick, wo ihr Fuß diesen Boden betrat, wieder die alte Unruhe und Unrast über sie gekommen sei. Ihre Gedanken kreisten in unstätem Fluge in die Vergangenheit, die sie längst begraben glaubte. Und um sich Ablenkung zu verschaffen, um dieses quälende Grübeln abzutöten, ließ sie sich Adreß= und Telephonbuch bringen. Ach— wieviele„Thomas“ gab es in Berlin. Reihenweise waren sie zu finden. Und„Joachim Thomas“? Da war ein Lederhändler in Friedenau, ein Friseur in Moabit und endlich ein Ministerialrat in Charlottenburg. Nein— die alle hatten mit dem Dr. Joachim Thomas, der ihre große Liebe vor Jahren gewesen war, nichts zu tun. Müde gab sie das Suchen auf. Es war ja doch vergeblich und überflüssig. Joachim Thomas, der Feinsinnige, Schwärmerische, war gewiß lange verheiratet, lebte in irgendeiner Provinzstadt, und lächelte wohl halb spöttisch, halb wehmütig, wenn ihm seine Dummheiten aus dem„Schwarzen Adler“ wieder einsielen. Heute abend war eine Entscheidung über ihr künftiges Leben zu erwarten. Um acht Uhr sollten ihre Mutter und sie an einem kleinen Festessen in reserviertem Zimmer teilnehmen, und bei dieser Gelegenheit würde der Gastgeber, Herr von Bernuth, die große Frage tun Die Tür öffnete sich, die Mutter trat ein. „Warum im Dunkeln?“ Das Licht flammte auf. „Ich hatte Kopfschmerzen!" Frau Hild, immer noch eine sehr schöne und wohlgepflegte Frau, ließ sich in einen der bequemen Sessel sinken. Dann blickte sie auf die Armbanduhr. „Noch zwei Stunden Zeit. Es erscheint mir angebracht, mein Kind, daß wir ein letztes und sehr ernstes Wort miteinander sprechen.“ Annemarie schwieg. „Also— darüber bist du dir doch klar, daß Vernuth heute um deine Hand anhalten will——“ „Ja „Und wie gedenkst du dich dann zu verhalten?“ „Ich werde ihn abweisen!“ Ueber Frau Hilds Gesicht zuckte es nervös. (Oestietzung feigt.) —A/*1T Mikrotilmarchn der deutschsprachigen Presse e.V. rungserscheinungen zu ergründen. Nur ist hinsichtlich der Witterungsvorgeschichte das Gebiet hier wesentlich größer, als bei der kurzfristigen Vorhersage. Vor allem müssen auch die Vorgänge in höheren Schichten in Betracht gezogen werden, denn sie sind in hohem Grade für das Witterungsgepräge längerer Zeiträume verantwortlich zu machen. Da aber für die langfristige Vorbersage auch nicht mehr Beobachtungen aus höheren Luftschichten zur Verfügung stehen, als für die Tagesvorhersagen, muß der Mangel dadurch ausgeglichen werden, daß von den Punkten, von welchen wir den Zustand kennen, der Zustand in mehreren aufeinanderfolgenden Zeiten berücksichtigt wird. Durch geeignete zeitliche Mittelbildungen können in vielen Fällen manche sich unserer unmittelbaren Beobachtung entziehende Erscheinungen. z. B. stratosphärische Vorgänge, herausgeschält werden. Solche Mittelbildungen müssen sich aber, wenn sie wissenschaftlichen Wert haben wollen, auf längere Zeiträume erstrecken. Ferner können bei der Grundlegung der langfristigen Witterungsvorhersage im Gegensatz zu den täglichen Vorhersagen die kosmischen Einflüsse nicht ganz vernachlässigt werden. Als solche kommen in erster Linie, wahrscheinlich sogar ausschließlich, die Veränderungen der Sonnenoberfläche und die mit ihnen in Zusammenhang stehenden Strahlungsschwankungen in Frage. Wenn es auch nicht richtig ist, daß jeder strenge oder sehr milde Winter, jeder Orkan, jeder verregnete oder sehr trockene Sommer, der zur Zeit eines Fleckenmaximums sich ereignet, immer auf die Sonnenslecken als Ursache geschoben wird, während doch die gleichen Witterungsnormalien sich auch zu Zeiten geringer Fleckenhäufigkeit ereignen, so sind doch solare Einflüsse vorhanden. Leider ist dieses Gebiet noch sehr wenig erforscht. Die Staatliche Forschungsstelle in Frankfurt besitzt ein eigenes Instrumentarium nicht. Sie benutzt vielmehr die Beobachtungsergebnisse von mehr als 100 meteorologischen und astrophysikalischen Instituten und Observatorien als Grundlage und ist auch der hiesigen Wetterwarte für ihre mehr als 12jährigen regelmäßigen täglichen statistischen Beobachtungen recht dankbar. Die Tätigkeit der Forschungsstelle erstreckt sich vor allem auf folgende Gebiete: 1. Ausarbeitung einer neuen. umfassenderen Theorie der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation. 2. Theoretische und statistische Untersuchungen über die Ursachen und Wirkungen der Strahlungsschwankungen der Sonne in Bezug auf die Atmosphäre. 3. Theoretische und statistische Untersuchungen über die Abhängigkeit der Witterung Mitteleuronas von den vorausgegangenen Witterungsvorgängen. 4. Weiterer Ausbau der mathematischen Statistik und Anpassung ihrer Verfahrungsweisen an die Bedürfnisse der Wetterkunde. 5. Untersuchungen über Zusammenhänge zwischen den Achsenschwankungen der Erde einerseits und Luftmassenverschiebungen und dadurch bedingten Witterungserscheinungen andererseits. Die fortlaufende Ergänzung des Beobachtungsstoffes durch die allerneuesten Beobachtungen bildet einen wichtigen Teil der Tätigkeit der Forschungsstelle, da ohne sie die Anstellung von Versuchen mit langfristigen Vorhersagen nicht möglich ist. Ein Teil der der Forschungsstelle zugehenden Wetternachrichten wird von dieser allmonatlich in einem„Mitteleuropäischen Witterungsbericht" veröffenlicht. Derselbe erscheint in der Regel am 7. des Monats und dient einer raschen Unterrichtung über Witterungsgepräge und Witterungsverlauf im vorvergangenen Monat in Mitteleuropa und den angrenzenden Gebieten. Dem Bericht ist eine kurze, auf Mitteilungen einiger landwirtschaftlicher Institute beruhende Uebersicht über die wichtigsten Auswirkungen der Witterung auf das Gedeihen der Kulturpflanzen in Mitteleuropa angeschlossen. Ferner ist darin das Monatsmittel der Sonnenfleckenrelativzahlen nach den Beobachtungen der Züricher Sternwarte enthalten. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse der Forschungsstelle können, was die praktische Seite der Aufgabe anbelangt, in folgende Sätze zusammengefaßt werden: Von Beinnen und Beaußen Berlin, vierte Juniwoche 1932 Ja, wenn man's so nachher liest— dann hat alles ein ganz anderes Gesicht. Ich bin überzeugt, wenn man Karl den Großen in seiner Gruft zu Aachen wecken könnte und ihm erzählte, wie es kam, daß er damals als römischer Kaiser gekrönt wurde, es würde ihn vieles ganz neu und fremd anmuten. Oder wenn man den Schwedenkönig Gustav Adolf wecken und fragen könnte, wie es zu seinem Siege über Wallenstein bei Lützen kam, bei dem er dann fiel, das würde auch nicht so ganz das Bild ergeben von dem, was uns seit dreihundert Jahren als feststehende Tatsache davon berichtet wird. Und wer weiß, vielleicht ist manche Grausamkeit von Dschingiskhan oder Torquemada oder Alba in den Niederlanden gar nicht so grausam und mancher schöne Zug von Rudolf von Habsburg, Kaisen Josef und vom alten Fritzen gar nicht so streng historisch gewesen, wie wir das als Buben gelesen und nicht mehr vergessen haben. Die geschickt und zur rechten Zeit lancierte Anekdote, gut erzählt wirkt da Wunder. Darin hat sich nichts in der Welt geändert. Brüning, als im Taxameter Er zu Bismarcks Werkstatt fuhr, Hatte— hören wir— in jeder Hand ein kleines Päckchen nur; Also sprang er in die Bresche, Leicht bepackt und hoffnungsfroh, In dem einen— seine Wäsche, In dem andern—'s Radio. Und so trat er auf die Schwelle (Bismarck hatt' es wen'ger leicht). Denn er war ein Junggeselle— So was lohnt sich, wie sich zeigt. Und er saß an Bismarcks Pulte Unerschöpft bis abend zehn. Vortrag, Hymnen und Insulte Ließ er über sich ergeh'n. Reden halten, Vorsitz führen—— 1. Auf Grund von Monatsmitteln lassen sich im allgemeinen keine ausreichenden Unterlagen für langfristige Witterungsvorbersagen ausarbeiten. Monats= und Jahreszeitmittel sind wohl zuweilen für eine empirische Kontrolle theoretisch abgeleiteter Zusammenhänge oder zur Gewinnung eines ersten Ueberblicks über den Tatsachenbestand der obwaltenden Beziehungen geeignet. Die tieferschürfende, die physikalischen Ursachen herausstellende statistische Bearbeitung muß aber immer auf die einzelnen täglichen Beobachtungen zurückgreifen. Dadurch wird natürlich die zu leistende statistische Arbeit ungefähr verdreißigfacht. Sie ist aber zur Gewinnung von Grundlagen für Sie ist aber zur Gewinnung von Grundlagen für praktisch verwertbare langfristige Witterungsvorhersagen unerläßlich notwendig, da durch die Bildung von Monats= und Jahreszeitmitteln sehr häufig Zeiträume grundsätzlich verschiedenen Witterungsgepräges zu unnatürlichen Einheiten zusammengefaßt werden. Gleiches gilt auch von allen anderen Arten unnatürlicher Mittelbildungen, z. B. auch von Dekadenmitteln. Dekaden mit einheitlichem Witterungscharakter kommen natürlich häufiger vor als Monate mit einheitlichem Witterungscharakter. 2. Grundlegende Aenderungen des Witterungsgepräges treten nicht an allen Kalendertagen des Jahres mit gleicher Häufigkeit auf, sondern bevorzugen gewisse Epochen des Jahres, denen die Großwetterforschung daher ihr besonderes Augenmerk zuwenden muß. Aus der Art und Größe der Witterungsumbildung in solchen kritischen Epochen kann auf die ungefähre Dauer des Bestehens des neuen Witterungsgepräges geschlossen werden. 3. Die Sicherheit langfristiger Vorhersagen wird wesentlich größer sein, wenn ihre Ausgabe nicht an bestimmte Tage gebunden wird, sondern wenn nicht nur der Vorhersagezeitraum, sondern auch der Zeitpunkt der Ausgabe der Vorhersage ganz den in der Natur gegebenen Verhältnissen angepaßt wird. Von den im Jahre 1931 von der Forschungsstelle in Frankfurt probeweise herausgegebenen sieben Witterungsvorhersagen auf längere Sicht ist auch nicht eine einzige fehlgeschlagen. Landwirte haben versichert, daß sie auf Grund der beachteten Vorhersage in dem nassen Sommer 1931 einen um 50 Prozent geringeren Schaden gehabt hätten. Da der entstandene Schaden im Regierungsbezirk Wiesbaden 1931 z. B. amtlich auf 16 illionen M. geschätzt wurde, hätte bei weiterem Ausbau der Forschungsstelle und allseitiger Beachtung ihrer Vorhersagen allein in diesem Bezirk ein Schaden von 8 Millionen M. vermieden werden können. Schon aus diesem einzigen Beispiel dürfte der hohe wirtschaftliche Wert der Forschungsstelle und ihrer Arbeit klar hervorgehen. Auf Grund der Ergebnisse des Vorjahres ist Professor Dr. Baur der Ansicht, daß in Zukunft mit einer praktisch brauchbaren Eintreffwahrscheinlichkeit Witterungsvoraussagen für zehn Tage gemacht werden können. Bemerkt sei noch zum Schlusse, daß der genannte Wissenschaftler und Forscher für den Hochsommer 1932 im größten Teile Deutschlands länger anhaltende Trockenheit vorausgesagt hat. Novelle am Strande Von Hans Bethge Es war auf Westerland=Sylt, der letzte Tag vor meiner Abreise. Ich schritt noch einmal den Strand entlang und sah dem schaumgekrönten Wasser zu. Die Wellen der Brandung gingen gelb von aufgewühltem Sand. Die Sonne stand an einem wolkenlosen Himmel. Es war sinkender Nachmittag. Ich schritt südwärts, der Halbinsel Hörnum zu. Die lustig beflaggten Sandburgen der Badegäste lagen schon hinter mir, es wurde immer menschenstiller. Nur ein paar Kinder mit nackten Füßen wateten noch vor mir durch das flache Wasser, der heranschießenden Wellen und zogen sich jubelnd zurück, wenn ein größerer Wogenschwall auf sie eindrang. Und dann einige klagende Möwen in der Luft und eine Schar pfeilgeschwinder Seeschwalben, die elegantesten Flieger, die man sich denken kann. Meine Schritte knirschten auf bunten Muschelschalen, die das Meer ausgespien hatte. Hin und wieder bückte ich mich, um eine schöne aufzunehmen und in die Tasche zu stecken oder irgendein Seegewächs zu betrachten, das zu meinen Füßen lag. An einer der ins Meer hinausgebauten Steinbollwerke, Buhnen genannt, suchte ich nach einem Seestern konnte aber keinen entdecken. Als ich von dem Bollwerk auf den Strand zurücksprang, sah ich etwas am Fuße der Dünen liegen. Es war ohne Bewegung und schien ein Mensch zu sein, der dort der Ruhe pflegte. Langsam kam ich näher. Es war eine schlanke weibliche Gestalt, die auf einem grünen Tuch ausgestreckt lag.— Nun stand ich vor ihr. Sie hatte den einen Arm unter das blauschwarze Haar gelegt und die AuFeinde von gestern— Freunde von heute Der ehemalige deutsche Jagdflieger Freiherr v. Schleich(links)— genannt„Der schwarze Ritter“— ist mit dem Vetter des im Kriege gefallenen Fliegers Manfred von Richthofen, Freiherrn von Richthofen(rechts), in London eingetroffen, um seinen ehemaligen größten Gegner, Leutnant Reese(Mitte) zu besuchen. Freiherr von Schleich hatte im Weltkriege Leutnant Reese abgeschossen, ohne ihn jedoch zu töten. Deutsch=schwedische Prinzenverlobung. Auf Schloß Collenberg bei Koburg fand in aller Stille die Verlobung des ältesten Sohnes des schwedischen Kronprinzenpaares, Prinz Gustaf Adolf, mit der ältesten Tochter des Herzogpaares von Sachsen=Koburg=Gotha, Prinzessin Sibylle, statt. „Zehne"! schlug's von irgendwo, Schwupp! schon bei verschloss'nen Türen Saß er— hinterm Radio. Hier begann er still zu basteln, Stöpfelt, hämmert, ölt und schmiert, Und mit Stiften, Drähten, Quasteln Hat er nächtelang hantiert... Als er mit erhitzten Bäckchen Dann vom Kanzlertisch verschwand, Hielt er scheidend beide Päckchen, Wie beim Einzug in der Hand. „Kampf und Arbeit, Not und Tücke“. Dacht' er sich,„erlebt man so; Aber, ach, die schönsten Stücke Kamen doch— im Radio!“ Einen Taxameter schnelle Pfiff er froh gelannt heran— Denn er blieb ein Junggeselle, Der noch manches hoffen kann. Solche kleinen Indiskretionen— sie stammen übrigens nicht vom ihm selbst— mischen dem sonst vielleicht etwas nüchternen Leben die nötigen Körnchen Salz bei, die ja jetzt in Deutschland wieder— zwölf Pfennige das Kilo— besteuert, aber eben doch an Suppen und Biographien nicht ganz zu entbehren sind. Aber es gibt der Leute genug, die sich, weniger zurückhaltend als der Reichskanzler a. D., gar nicht genug tun können im Salzen der eigenen Bekenntnisse. Mir ist zum Beispiel der Pariser Herr Poiret, der„Modekönig“, wie er sich selbst nannte, nie sehr sympathisch gewesen. Auch nicht, als er von Paris aus jedes Jahr zwei bis vier Mal die bessere Hälfte der Welt, die Frauenwelt, mit neuen Erfindungen seiner Eleganz beglückt hat. Auch nicht als er persönlich in Berlin erschien, um sich und seine Schöpfungen gebührend feiern zu lassen. Manche Mode verdankt, wie Anna Blum in ihrem Buch über die Mode des achtzehnten Jahrhunderts amüsant beweist, nur den körperlichen Fehlern einzelner hochstehender Persönlichkeiten ihren Ursprung. Die kurzen Aermel der Balltoilette erklären sich aus den schönen Armen Anna von Oesterreichs, der Mutter Ludwigs XIV., die hohen Hacken aus derKleinheit der Pompadour. Die die Ohren bedeckende Haartracht aus den häßlichen Ohren der Kleo de Mérode. Ludwigs XI. Tochter schuf ihrer großen Füße wegen die Schleppe, die Gattin Philipps IV. ihres Vogelhalses halber den bis an das Kinn stoßenden Kragen, die Schauspielerin Ferronière wegen einer Stirnnarbe die um die Stirn laufenden Seidenbänder mit einem Edelsteinanhänger in der Mitte. Eugenie von Frankreich ließ den Reifrock der Pompadvur in Form der Krinoline neu erstehen und— wieder verschwinden, als der Dauphin gestorben war. Und so. Aber Herr Poiret nahm in seinen Erfindungen keinerlei Rücksicht auf Fehler oder Schönheiten bekannter Frauen. Er erfand und kreierte wild darauf los und galt wohl anderthalb Jahrzehnte für den„arbiter elegantiarum“ und für den geschmackvollsten Mann. Heute noch? Ach nein. Herr Poiret hat jetzt aus den Liebesaffären seines berühmten Schneiderdaseins ein Buch gemacht und— unter Beigabe von Briefchen, die einmal nur für ihn bestimmt waren— eine ganze Anzahl Damen der Welt und Kunst in ziemlich durchsichtigen Schilderungen bloßgestellt. Nobel und geschmackvoll. Ja— die Damen sehen es zu spät ein: Man soll nie Briefe schreiben. Vielleicht sollen das Gelehrte von Weltruf auch nicht tun. Denn eben erscheint zum Beispiel im Autographen= Versteigerungskatalog einer Berliner Firma ein— mit fünfundsiebzig Mark angesetzter — von Professor Albert Einstein geschriebener Brief, der nicht von der Relativitätslehre handelt, sondern... Ja,„sondern" das ist's! Der Brief ist gerichtet an Herrn Harry Domela(man besinnt sich: das war der Hochstapler, der als falscher preußischer Prinz ein paar Gastwirte düpierte) und handelt— von dessen Buch über seine Heldentaten als Zechpreller Und in diesem Brief— den man herzlich gern als apokryph betrachten möchte — findet sich der Satz:„Gerhart Hauptmann war ebenso wie ich tiefergrifsen von diesem Buche. Ich glaube daß er ebenso bereit wäre wie ich sichfür Sie einzusetzen. Haben Sie einen Gedanken, wo ich mich für Ste- verwenden" gen, die von auffallend dichten Wimpern beschattet waren, geschlossen. die war schlank. Die Haut des Armes, den sie unter dem Kopfe hielt, und dessen Spitzenbekleidung bis zum Ellbogen hinaufgeglitten war, glänzte blütenweiß und hatte einen Ton wie Atlas. Ein vaar lichtblaue Adern durchliefen ihn und erhöhten seine Blässe. Sie trug eine dunkelbraune Robe, den Rock schmuck= und faltenlos, den Hals bis oben hinauf bedeckt An ihren Füßen saßen weiße Schuhe, über ihnen bis zum Saum des Kleides schimmerten silberne Seidenstrümpfe. Neben ihr lag ein großer roter Schlapphut. Die eine Hand ruhte, nach der Seite hin ausgestreckt, im Sande, mit den Knöcheln nach oben, während sich die Finger ein wenig in den Sand gegraben hatten. Ich rührte mich nicht, ja, ich atmete kaum. Aber plötzlich, während sie sonst reglos blieb, taten sich ihre Augen auf. Sie richteten sich voll auf mich, sehr groß, ohne Verwunderung, schwarz und kühl. Sie paßten nicht in dieses Gesicht. Geschlossen, mit den langen Wimpern— wundervoll. Aber in dieser ruhigen, weltlichen Offenheit— nein. Es waren schöne Augen, aber sie waren leichtfertig, voll Ueberlegenheit, und es lag eine Welt von Erfahrungen darin. „Nun?“ fragte das Mädchen gedehnt, indem es seine Lage beibehielt.— Auch ihre Stimme war schön. Aber sie paßte zu den Augen. Als sie sprach, ließ sie durch die Finger der seitwärts gestreckten Hand langsam Sandkörnchen rinnen. „Ich kam hier vorüber sah Sie liegen und betrachtete Sie. Durfte ich das nicht?“ „Ich kann es Ihnen nicht verbieten.“ „Ich gestehe offen: fände ich Sie noch einmal so - ich täte es wieder.“ Nach einer kleinen Pause sagte sie mit verändertem Ton: „Aber jetzt will ich Sie erst einmal begrüßen.“ Sie reichte mir lächelnd die Hand die eben noch mit dem Sand gespielt hatte. Ich bückte mich, nahm sie und führte sie an die Lippen. Dann nannte ich meinen Namen. „Nun wollen Sie auch meinen Namen wissen— nicht wahr?" fragte sie.— Ich nickte. Sie sah mich einen Augenblick lustig von der Seite an, dann legte sie beide Hände übereinander auf die Stelle der Brust, wo sich das Herz befindet, sah schmachtend zum Himmel und hauchte mit übertriebenem Pathos:„Martina!“ Ich hätte diese reizende Komik gar nicht bei ihr vermutet. Sie bestrickte mich damit. Und sonderkönnte?“ Herr Harry Domela hat, wie es scheint, diese edle Bereitwilligkeit des Gelehrten mit sofortiger finanzieller Verwertung des Autogramms belohnt. Was vielleicht doch nicht der Zweck dieses Briefchens war. Jedenfalls nahm ich nach Lektüre dieses Schreibens Veranlassung, meinem Jungen, der nächstens in die langen Hosen wächst, auf die Schulter zu schlagen und ihn zu ermahnen: Mein Sohn— schreib’ keine Briefe. Auch nicht, wenn du verreist; Sie sind vielleicht voll Tiefe. Sie sind vielleicht von Geist, Sie sind vielleicht ans Schätzchen, Das dir der Lenz gewann, Doch—— steht darin ein Sätzchen, Das später schaden kann. Du schreibst, was dir die Stunde An Wärme gab und Licht. Als flöß' es dir vom Munde, Wie eins zum andern spricht. Bloß— daß nach Mond und Wochen Dein Herz es nicht mehr faßt. Daß du mal so gesprochen Und so geschworen hast. Es wird der Erdenwandrer In dieses Lebens Wirr'n In steben Jahr'n ein andrer An Knochen Fleisch und Hirn. Es spült des Blutes Welle Das alte weg wie Spreu, Bis in die kleinste Zelle Ist alles wieder neu.. Dann wirst du Briefe lesen Von anno dazumal: Was? Das bin ich gewesen? Die Sache wird satal. Dein Einst liegt wo im Spinde, Gebündelt ruft's dir zu: „Die Tinte, ach, die Tinte Blieb treuer dir als du!“ Diogenes. — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. bar, auch ihre Augen nahmen mich jetzt gefangen. Ich fah nichts mehr an ihnen von dem, was mich vorhin daran verstimmt hatte. Sie waren schön, hinkeißend schön. Wie hatte ich nur erst so philisterhaft philosophieren können! Und dann der Mund, dieser zarte, weiche, üppige Mund. „Ich will jetzt aufstehn“, sagte sie,„wir wollen ein wenig gehen.“— Und dann:„Helfen Sie mir!“ Ich gab ihr die Hände, und sie richtete sich auf. Sie war fast so groß wie ich. Ich legte ihr grünes Tuch zusammen, das noch von ihrem Körper warm war, und wanf es über die Schultern. Dann reichte ich ihr den Hut, den sie mit einer langen Nade im Haar befestigte. „Dort hinunter“, sagte sie, indem sie nach Süden zeigte, also dem Bade und den Menschen abgekehrt. Ich bot ihr den Arm. Sie legte den ihrigen ohne Zögern hinein. Dann gingen wir, in einem sonderbaren Schweigen, unter dem sich unsere Empfindungen verbargen wie die Glut unter der Asche. Wenn wir zuweilen einiges sprachen, galten unsere Worte den silbernen Möwen, die über uns sich tummelten und schrien. Wir lockten sie und streckten die Hände nach ihnen aus, indem wir mit den Fingern schnalzten. Es war ein übertriebenes Interesse, das wir an ihnen nahmen, und das bald ein Ende finden mußte. Ich war mir dessen auch wohlbewußt, und während ich noch daran dachte, spürte ich plötzlich mit zwiefacher Gefühlsstärke den fremden, warmen Arm. in dem meinigen. Ich sah die törichten Möwen nicht mehr und fühlte ein seines Prickeln auf der Haut, an der Stelle wo der Arm lag, dessen alabasterne Weiße mich so entzückt hatte. Es schoß mir verwirrend durch den Sinn, und ich begann diesen Arm zu drücken. Erst schien sie es nicht zu bemerken. Dann wurde sie ganz still. „Sie tun mir weh“, sagte sie endlich, und ich bemerkte, daß sie ein wenig fröstelte. „Es wird kühl“, entgegnete ich.„der Abend kommt. Soll ich Ihnen das Tuch umlegen?" Sie nickte und benutzte die Gelegenheit, den Arm schnell aus dem meinigen fortzuziehen. Ich faltete das Tuch, trat hinter sie und legte es ihr um die Schultern. Aber da ich es ihr umgetan hatte, ließen es meine Hände noch nicht los. Ich bog ihren Körper sauft hintenüber, so daß ihr Kopf mit dem vollen Haar an meiner Schulter zu liegen kam, und küßte sie. Die Sonne ging unter, orangerot. Das Mädchen machte sich los, zog das Tuch fester um die Schultern und sagte, ohne mich anzusehen:„Kommen Sie, es ist unerträglich einsam hier. Ich sehne mich nach Menschen. Wir wollen gehen.“ Sie eilte, nachdem sie meinen Arm abgewiesen hatte, nach Norden zu, mit Schritten, daß ich ihr kaum zu folgen vermochte.—„Wir wollen doch langsamer gehen“, warf ich einmal ein,„wir sind doch keine Verfolgten.“ „Kommen Sie“ flüsterte sie wieder,„ich muß unter Menschen. Ich komme um so.“ Sie flog weiter. Ich, in der seltsamsten Stimmung hinter ihr, immer die weiche, elastische Gestalt vor Augen, das scharfe Profil und das schwarze, starke Haar, das sich im Wind bewegte. Als der an Menschen noch immer reiche Strand von Westerland vor uns lag, wurden ihre Schritte langsamer. Da wir uns dann unter die ersten Leute mischten, machte sie halt. „Ich bin wieder ruhig“, sagte sie, mehr für sich als für mich.— Dann, lauter, indem sie mir die Hand unter dem grünen Tuch hervorgab(und wieder entzückte mich die Blässe des unvergleichlichen Armes):„Wir wollen uns trennen. Haben Sie Dank. Und denken Sie nicht mehr an mich— hören Sie?“ Sie blickte mich nicht an, indem sie das sagte. Ich zog ihre Hand noch einmal an die Lippen. Auch den Arm küßte ich, umbekümmert um die auderen Menschen. Dann hatte sie mir den Arm entzogen. Sie wandte sich und schritt eine der Treppen zu den Dünen hinauf, langsam, Stufe für Stufe, indem ihre Hand sich müde auf das Geländer stützte. Sie sah sich nicht um. Ich stand und blickte ihr nach, bis sie verschwunden war. Dann begab ich mich zu Bekannten. An diesem Abend war ich der letzte, der den Strand verließ. Der Mond stand schon lange, fast gefüllt, hinter mir über der Heide die Lichter in den Strandhallen waren ausgelöscht und keine menschliche Stimme mehr zu vernehmen. Ich saß immer moch auf meinem Schemel, sah auf die dunkelgrüne Flut und lauschte den geheimnisvollen Klängen des Wassers, das durch die Nacht ging, steigend und fallend, raunend und verklingend, unaufhaltsam.——— Ich verschob meine Abreise. Am nächsten Tag, gegen Mittag, begab ich mich, während der Wind aus dem Pavillon der Kurkapelle abgerissene Klänge durch die Luft verwehte. zum Strand, in der Hoffnung, dem schönen Mädchen wieder zu begegnen. Was delngi der Westdeutsche Kandsum! 7,00 Choral. Sonntag. 26. Juni: 7,03—8,15 Bremer Hafenkonzert. 8.15—8,25 Landwirtschaftliche Rundschau. 8.30—8,55 Aus der Mappe eines Foto=Amateurs. 9.00—10,00 Morgenfeier: Menschen im Kampf. 10,00—10,90 Uebertragung aus Kufstein: Konzert auf der Heldenorgel. 11,00—12,00 Uebertragung aus dem Kongreßsaal der Messe: Woche des Rundfunks. Ansprachen: Oberbürgermeister Dr. Adenauer, Generalintendant a. D. Ernst Hardt, Se. Magnifizenz Rektor der Universität Köln, Prof. Dr. Kuske. 12,00—12,30 Konzert des Stadtverbandes Altenaer Männerchöre aus Anlaß des Deutschen Lieder= tages. 12,85—12,55 Musik der Woche. 13,00—14,30 Mittagskonzert, Leitung Wolf. 1. Ouvertüre zur Oper„Johann von Paris“ von Boieldieu. 2. In Norwegens Fjorden, Suite, Berg und See, Des Hirten Lied, Norwegischer Bauerntanz, Sonntag in Balholmen von Frederiksen. 3. Espana=Walzer von Waldteufel. 4. Melodien aus der Oper„Der fliegende Holländer“ von Wagner. 5. Csardas Nr. 8 von Michiels. 6. Franz Schubert=Fantasie von Urbach. 7. Zwei Walzer=Intermezzi: a) Ballgeflüster von Meyer=Helmund, b) Moosröschen von Bosch. 8. Frohsinn=Marsch von Hauschild. 14,30—14,50 Schachfunk. 14,50—15,10 Für den Landwirt. 15,10—15,30 Die Stunde des Arbeiters. 15,40—16,00 Natur und Geist. 16,00—16,10 Werner Fink: Gedichte. 16.10—16,50 50 Jahre Evangelische Arbeitervereine. 16,50—17,00 Deutsches Derby. 17,00—18,00 Vesperkonzert. Posaunenchöre und Volkstänze. 18.00—19,00 Eine heilige Stätte im Ruhrtal. Am Ludgerns=Grab in der Abteikirche zu EssenWerden. 19,00—19,25 Hofrat Max Grube: Meininger Erinnerungen(1). 19,25 Sportvorbericht. 19.35—20,15 Eine Stunde Kurzweil. 20,15 Das Spitzentuch der Königin. Operette in 3 Aufzügen von Johann Strauß. Gegen 22,05 Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Gegen 22,20—22,40 Westdeutsche Schwimmeisterschaften.(Schallplattenbericht.) Gegen 22,45—24,00 Tanzmusik. Dajos Bela und sein Orchester. Montag, 27. Juni: 6.45—7,00 Leibesübungen. 7.10 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7,05—8,00 Brunnenkonzert aus Bad Mergentheim. 6,00 Wiederholung der Wettervorhersage. Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. Anschließend(8,03) Funkwerbung mit Schallplat9,45—10,00 Gymnastik für Frauen. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasser standsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempfang für Arbeitslose. 11,30—11,50 Funkwerbung mit Schallplatten. 12,00—12,50 Unterhaltungskonzert 12,50 Wetterbericht, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,00—14,30 Mittagskonzert des ErwerbslosenOrchesters Gladbach=Rheydt. 1. Ouvertüre zur Oper„Die Stumme von Portici“ von Auber. 2. Kleine Orchester=Suite von Bizet. 3. Musica proibita(Verbotener Gesang), Lied von Gastaldon. 4. Ein Immortellenkranz auf Lortzings Grab von Schreiner. 5. Slawische Rhapsodie von Friedeman. 6. Kommt a Vogerl geflogen, Variationen im Stile alter Meister von Ochs. 7. Weit von dir Walzer von Hohnen. 8. Mit Standdarten, Marsch von Blon. 11,30 Schlachtviehmarktberichte. 15.30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderstunde. Els Vordemberge: Buntes Allerlei. 16,20—17,00 Jugendfunk. Besuch der Vogelwarte in Essen. 17,00—18,15 Vesperkonzert. Prisca=Quartett. 1. Streichquartett op. 62 Nr. 2 Es=dur v. Haydn. 2. Streichquartett op. 130 B=dur von Beethoven. 18.15—18,35 Frauenstunde. 18,40—19,00 Elternstunde. 19,00—19,10 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,10—19,30 Hofrat Max Grube: Meininger Erinnerungen(2). 19,30—19,55 Staat und Wirtschaft. Dr. Bruno Antweiler: Krisis und Zukunft der Börse. 19,55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,30 Das neue Gedicht in der Musik. 20,30—22,00 Reisen im Rollwagen. Hörbild von Hans Meyen. Auschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Etwa 22,20 Gedok=Vokal=Quintett. Etwa 22,45—24,00 Nachtmusik. Der Waffentag der deutschen Kavalleristen In der schönen Leinestadt wurde der zweite Waffentag der deutschen Kavallerie begangen. unsere aufnahme gibt den Aufmarsch der Standartenabordnungen, zum Feldgottesdienst im Stadion von Hannover wieder. Nach längerem Suchen sah ich sie, über ein Buch geneigt, in einem Strandkorb sitzen. Sie trug die Toilette von gestern, nur einen anderen Hut. Das grüne Tuch lag neben ihr. Ich näherte mich ihr, ohne daß sie es merkte. „Guten Morgen“, sagte ich, als ich vor ihr stand. Sie blickte überrascht auf, nachdem sie die rechte Hand auf die Stelle des Buches gelegt hatte, wo sie gerade las. „Guten Morgen“ entgegnete sie.„Ah— Sie sind es? Ich habe es mir gedacht, daß Sie zu mir kommen würden.(Da lachte sie.) Aber ich frage Sie: Was wünschen Sie von mir? Können Sie sich mit gestern nicht begnügen? Und dann: Heute abend kommt mein Baron. Ich bitte Sie inständig, mich nicht mehr zu kennen. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden."“ Ich stand wie angedonnert. Da machte sie eine flinke ungeduldige Handbewegung:„Bitte, gehen Sie.“ Es lag ein Klang in ihrer Stimme, der heraufkommenden Groll verkündete. Nun war ich gefaßt und stieß, wie sie zuvor, ein stilles Lachen aus. Dann ging ich. Ueber mir machten zwei Möven einen zänkischen Lärm. Die eine suchte der anderen einen Brotbrocken abzujagen. Ich sah den Tieren, deren glänzend weißes Gesieder entzückend gegen den hellblauen Himmel abstach, eine Weile zu. Dann schritt ich weiter, hart am Wassen entlang, und ließ mir die Schuhe vom Schaum der zerfließenden Wellen netzen. Am folgenden Tage reiste ich ab. Ein eindrucksvolles Kriegerdenkmal ist von dem Berliner Bildhauer Professor Hosaeus für die Stadt Harburg, bei Hamburg, geschaffen worden. Das Denkmal ist aus Kupfer getrieben und fünf Meter hoch. Kirchliche Nachrichten 5. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juni 1932. Schwelm. Christuskirche. Vorm. 9,30 Uhr: Herr Pastor Becker. Pauluskirche. Vormittags 7,30 Uhr: Herr Pastor Vespermann. Nachm. 4 Uhr: Bibelstunde in Börfben: Herr Pastor Becker. Waldkirche auf dem Loherkopf. Abends 6 Uhr: Waldgottesdienst: Herr Pastor Vespermann. Freie evangelische Gemeinde, Kaiserstraße 30a. Vorm. 9,30 Uhr: Erbauungsstunde.— 11 Uhr: Sonntagsschule.— Abends 8 Uhr: Predigt.— Donnerstag, abends 8.30 Uhr: Gebetsstunde. Voerde. Vorm. 9,30 Uhr in der Kirche: Herr Pastor Dr. Siekermann.— 9,30 Uhr in der Kapelle zu Altenvoerde: Herr Pastor Liz. Mittring.— 9,30 Uhr in der Schule zu Oberbauer: Herr Pastor Knipp.— Vorm. 8 Uhr: Gebetsstunde für junge Männer im Vereinshaus. Gevelsberg. Vorm. 9,30 Uhr in der Kirche Oberstadt: Herr Pastor Boeddinghaus.— 9,30 Uhr in der Kirche Haufe: Herr Pastor Röttger.— 9,30 Uhr in der Kirche Vogelsang: Herr Pastor Sinn. Milspe. Vormittags 9.30 Uhr: Herr Pastor Hohagen, Schwelm(Jahresfest des Blaukreuzvereins: Antreten zu gemeinsamem Kirchgang um 9 Uhr am Gemeindehaus). Langerfeld. Alte Kirche. Vormittags 8 Uhr: Herr Pastor Engels. enz= Kirche. Vormittags 10 Uhr: Herr Missionsinspektor Flicker. Gemeindehaus Beckacker. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Altenpohl. ndehaus Pülsöhde. Vormittags Pastor Engels. Nächstebreck. Vormittags 10 Uhr: Gottesdienst. Rüggeberg. Vormittags 9,30 Uhr: Gottesdienst. Haßlinghausen. Vormittags 10 Uhr: Herr Superintendent Sassenberg. * Katholischer Gottesdienst Schwelm. 6 Uhr hl. Messe. 7,15 Uhr hl. Messe mit Predigt. 8.30 Uhr hl. Messe für die Kinder mit Predigt. 10 Uhr Hochamt. 11 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. 2,30 Uhr Christenlehre und Andacht. 7,30 Uhr Abendandacht. feld. 7.30 Uhr Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr Hochamt mit Predigt. 2,30 Uhr Christenlehre und Andacht. Milsve. 7,30 Uhr Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr ## Hochamt mit Predigt. 2.30 Uhr Andacht. wevelsverg. 7 Uhr stille hl. Messe. 8,15 Uhr Frühmesse mit Predigt. 9,30 Uhr Hochamt mit Predigt. 10 45 Uhr Singmesse mit Predigt. 2,30 Uhr Andacht mit Segen. Jluch die aosen, dustigen lächen— WPOTTWTa. I. Bereite eine kalte Persillauge.! Eßlössel Persil auf je 2 Liter Wasser. Wasche das Wäschestück kurz durch. Vermeide Reiben und Wringen. 2. Spüle gut in kaltem Wasser. Etwas Rüchenessig im ersten Spülwasser frischt die Farben auf. 3. Drücke das Stück vorsichtig aus— nicht wringen— und volle es mehrmals in Tücher ein und aus. 4. Wollsachen richtig in Form ziehen, auf tuchbedecktem Tisch liegend trocknen lassen. Niemals Wolle auf Wole. Kunstseidene Sachen noch feucht mit mäßig warmem Eisen unter Auflage eines Tuches bügeln. Istabends der Himmel grau, ohne Sterne, • Mkrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Roman von Hedwig Teichmann, Das indische Best. Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle(Saale) 20. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Das andere, was Frau Fleur sonst noch schrieb, drang nicht mehr zu Tonis Verständnis vor. Sie hatte nur das eine erfaßt: er geht wieder fort— fort aus meiner Nähe, fort in unerreichbare Fernen. Das durfte nicht sein— nie, nie. Wenn sie auch nichts von ihm wollte und wünschte— aber in ihrer Nähe sollte er bleiben. Ein paar Stunden darauf saß sie im Eilzug. Und in ihr pochte es bang: Uebermorgen ist der erste April; ich muß, ich muß daheim sein. Am letzten März klopfte es an die Tür der Privai kanzlei Herrn Kastners. Auf sein Herein betrat Frau Erben das Zimmer. Er sprang überrascht auf. „Sie, gnädige Frau? Ich vermutete Sie noch im Süden!?" „Ich kam gestern abend an— ich hatte schon solche Sehnsucht nach meinem Heim. Ja, und da bin ich nun. Hat sich nichts Neues ereignet hier in der Fabrik? Mein alter Inspektor schrieb mir, daß er sich zum Herbst zurückziehen will— da muß ich mich beizeiten nach einer guten Kraft umsehen.“ „Ja— leider ich auch, gnädige Frau. Mich will auch eine tüchtige Kraft verlassen— Ihr Schützling, Herr Cornelius.“ „Oh— das war meines Mannes Schützling. Ich kenne ihn gar nicht. Warum geht er? Hat er eine bessere Stelle? Ist er unzufrieden? Denn sonst wüßte ich nicht—“ „Er ist stellenlos. Mein Gott, wo bekommt er denn jetzt etwas Aehnliches wie hier? Wo Tausende stellenlos herumlaufen!“ „Also warum?“ „Aus ganz persönlichen Gründen. Mehr ist aus dem Manne nicht herauszubringen.“ „Kann ich nicht einmal mit ihm sprechen? Wollen Sie ihn nicht einmal herkommen lassen?“ „Gewiß, Gnädigste, sofort kann das geschehen!“ Er rief einen Befehl ins Haustelephon und kehrte dann wieder zu seinem Gast zurück. Wie schön und mädchenhaft die Frau dort in dem Sessel noch war! Zwar etwas blaß— aber die Augen funkelten, als sprühten sie im Widerschein eines inneren Brandes. Toni saß in tiefer, fast schmerzlicher Erregung da. Sie sollte ihm also gegenüberstehen, mit ihm sprechen seit vielen Jahren. Er konnte nicht fliehen, sie nicht zurückweisen in Gegenwart des Direktors. Sie hatte alles genau berechnet, es hatte so kommen müssen. Daheim hatte sie zu Frau Fleur gesagt:„Du mußt mir heute einen Gefallen erweisen. Erstens kommst du mit mir, machst Frau Kastner einen Besuch. Nach einer Viertelstunde läßt du Herrn Kastner ans Telephon rufen — er muß in die Wohnung kommen— vielleicht zum Kaffee— ersinne, was du willst— der Mann muß aus der Kanzlei geholt werden.“ Frau Fleur würde es genau befolgen, das wußte sie. Toni blickte auf die Armbanduhr. Bald mußte der Ruf ertönen. Wenn nur Walter bald käme! In diesem Augenblick klopfte es, und Herr Cornelius stand auf der Schwelle. Als er die schwarzgekleidete Frau am Schreibtisch sah, wollte er zurückzucken. Aber Kastner rief: „Bitte nur näherkommen— die gnädige Frau will Sie kennenlernen, will selbst mit Ihnen sprechen, Herr Cornelius.“ Nun trat er vollends ein und schloß langsam die Tür hinter sich. Dann blieb er mit einer kurzen Verbeugung stehen. Toni schwieg und sah auf den Mann vor ihr. War er es, dessen Bild sie jahrelang im Herzen getragen hatte, dessen Worte und Küsse unvergessen in ihrem Herzen brannten? Der jedes andere Bild mit sieghafter Kraft verdrängt hatte?! Das Gesicht war anders als früher: härter, kühler, älter. Er war ja früher auch meist ernst gewesen, hatte im Gesicht aber doch den Stempel unbesorgter heiterer Jugend getragen. Der war nun fort. Die Enttäuschungen, die Demütigungen der letzten Jahre, vielleicht auch körperliche Leiden und Schmerzen hatten harte Linien hineingegraben. Toni erkannte, daß sie ein ganz anderes Bild im Herzen getragen hatte. Und doch— und doch— war es die Erinnerung— waren es die heimlich süßen Erlebnisse, die sie mit dem Manne verbunden hatten— ihr Herz pochte schwer gegen die Brust, und sie schwieg, weil es ihr jetzt unmöglich gewesen wäre, mit ruhiger Stimme zu sprechen. Herr Kastner besorgte das. Er bot Cornelius einen Sessel an und bemerkte: „Also Frau Erben will Sie persönlich kennenlernen und möchte auch den Grund wissen, warum Sie uns verlassen wollen. Ich erzählte ihr nämlich, welch tüchtige Kraft wir an Ihnen haben.“ Walter Cornelius hatte sich nicht gesetzt. Er stand wie auf der Flucht und sagte leise und höflich: „Es sind durchaus private Gründe— gnädige Frau. Nun sprach Toni gelassen: „Vielleicht überlegen Sie sich die Sache doch noch. In unserem beiderseitigen Interesse.“ Kein Mensch merkte ihr an, wie sehr sie innerlich bebte und zitterte. Sie dachte: Jetzt— jetzt müßte das Telephon schrillen— jetzt müßte Kastner abberufen werden. Es war genau eine Viertelstunde. Und als hätten ihre Wünsche übermenschliche Kräfte— in diesem Augenblick meldete sich das Telephon. Kastner sprang auf, und Cornelius wollte sich zurückziehen. Aber der Betriebsleiter wies ihm mit ungeduldiger Bewegung den Sessel. Da setzte er sich endlich mit ergebener, kühler Miene. Toni saß leicht zurückgelehnt und ließ ihre Blicke mit lächelnder Grausamkeit auf dem Manne ruhen, als wollte sie sagen: Nun bist du gesangen— kannst nicht fliehen. Dabei horchte sie auf das Gespräch am Telephon. Kastner sagte: „Jak Jetzt schon? Hat es nicht Zeit? Nicht einmal fünf Minuten? Gut— aher ich habe Gäste hier—“ Toni warf hastig ein: „Bitte. Herr Direktor— lassen Sie sich nicht abhalten— ich kann ja selbst mit Herrn Cornelius sprechen.“ Einen Augenblick später waren sie allein: Toni beugte sich vor und bemerkte ruhig: „Seien Sie nicht kindisch, Herr Cornelius! Meinetwegen brauchen Sie die gute, sichere Stelle nicht aufzugeben. Wir sehen uns ja nicht und gehen uns nichts an. Ich bin nicht Ihre Dienstgeberin— die Gesellschaft ist es. Und wenn wir uns manchmal sehen, was liegt daran? Wir gingen vor Jahren ein Stück gemeinsam durch den Frühling unseres Lebens. Das tun Tausende, und später treffen sie einander mit ruhigem Herzen. Ich nahm mir sofort vor, mit Ihnen zu sprechen, als ich von Ihrer Absicht hörte. Es täte mir leid, Sie wieder ins Ungewisse— in den Lebenskampf zu lassen. Sie sind abgestürzt? Wieder?“ „Ja— leider! Ich trage eine Prothese, bin also nicht für jeden Beruf verwendbar.“ „Nun sehen Sie! Um so mehr schätzen Sie diese Stelle hier! Sie können ganz in Ruhe leben, wir beide gehen einander nichts mehr an. Wir sind wie zwei ganz fremde Menschen, die nicht einmal den Widerschein einer Erinnerung in sich tragen. Es würde mich quälen, wollten Sie am Ende meinetwegen fortgehen!“ „Ich muß gestehen— es war mir peinlich. Hätte ich gewußt—“ Sie fiel heiter ein:„— daß ich Frau Erben bin, so wären Sie gar nicht hergekommen! Das ist eine Ueberempfindlichkeit, die Sie sich abgewöhnen müssen. So— das hatte ich Ihnen alles sagen wollen. Also— Sie bleiben?“ Sie zwang ihn mit ihren dunklen Augen, den Blick zu heben und sie anzusehen. Er tat es mit großer Kühle und Abweisung. Ebenso kalt klang seine Stimme. „Vorläufig will ich also bleiben— Sie haben recht, gnädige Frau. Vielleicht finde ich mit der Zeit etwas anderes.“ Er erhob sich und ging nach kurzer, höflicher Verneigung hinaus. Toni aber blieb regungslos sitzen. Die Wogen der heftigen Erregung ebbten erst allmählich ab. So war also dies Wiedersehen, diese Aussprache vorüber! Jahrelang hatte sie sich diese in unzähligen Abänderungen vorgestellt, hatte sich alles mögliche ausgemalt. So kurz und nüchtern war kein einziger Traum gewesen. Walter schien alles überwunden und vergessen zu haben. Nur die Scham über sein damaliges, fast ehrloses Verhalten legte einen Bann auf sein Wesen und riß eine breite Kluft zwischen ihnen auf. Ihre fast freundliche Ansprache wollte eine Brücke darüber schlagen, auf der sie sich in Harmlosigkeit manchmal treffen konnten. Hauptsache war, daß er blieb... Der Sommer brachte, wie Toni vorausgesehen hatte, häufigere Begegnungen. Die Fabrik wurde vergrößert, Pläne mußten vorgelegt und geprüft werden. Bei den Beratungen waren meist auch andere zugegen, selten war sie mit Cornelius allein. Und wenn es ja einmal geschah, dann war der Mann von einer frostigen, knappen Höflichkeit, die jedes wärmere, persönliche Wort tötete. Toni hatte sich wunderbar beherrschen gelernt. Sie behandelte ihn mit hochmütig freundlicher Herablassung, die das stürmische Herzklopfen vollkommen verbarg. Um keinen Schritt kamen sie einander näher. Zudem erforderte der Hof ihre ganze Aufmerksamkeit. Oft waren ihr die Last und die Verantwortung zu schwer. Als die Ernte vorüber war, fühlte Toni das dringende Bedürfnis, auszuspannen und ein paar Wochen Ruhe zu genießen. Es war zu viel der Qual, des Sehnens und Verstellens. Ihr Frauenherz sehnte sich nach Liebe, nach dem noch immer geliebten Manne. Aber der schien nichts zu sehen und zu wollen; eisern, hart schritt er den Weg der Pflicht. Kurz vor ihrer Abreise war es. Sie standen beide im nüchternen Kanzleiraum über eine Zeichnung geneigt, die anderen Herren arbeiteten abseits. Da berührten sich unversehens ihre Hände. Er zog seine Hand ruhig zurück, während sie ein elektrischer Strom selig durchrann. Als sie noch so standen, klang vom Garten, der ans Feld grenzte, das Sommerlied eines Vogels herüber. „Titi— titi— titi— tieee—“ Walters weisender Finger, der auf der Zeichnung hinglitt, hielt inne— Toni sah es genau, wie durch sein hageres Gesicht ein Zucken lief— wie seine Wangenmuskeln spielten. Es war ganz still in dem heißen Raume; das süße Lied der Heidelerche übertönte die nüchternen Geräusche von Stift und Feder. Ein Aufatmen ging durch Cornelius' Brust.— Ob auch er jetzt jener Stunde auf der Waldlichtung gedachte? Als er sich aufrichtete, war sein Gesicht ernst und kühl, wie immer. Hatte Toni sich geirrt? Oder verstand er sich so meisterhaft zu beherrschen? Ach nein, er liebte sie nicht mehr, und sie wünschte glühend, daß auch sie endlich über die zähe Leidenschaft Siegerin würde... Erst im Herbst kam Toni wieder, schöner denn je und auch ruhig und beherrscht. Sie trug Halbtrauer, und alle blickten ihr nach, wenn sie durch die Straßen schritt. Beim ersten Wiedersehen mit Walter Cornelius, das ganz unerwartet kam, hatte sie ein blitzartiges Aufleuchten in seinen Augen gesehen, das aber ebenso rasch verschwand. Kühler und noch fremder schien sein Wesen ihr gegenüber. Da bäumte sich alles in ihr auf, und sie nahm sich vor, alle Wurzeln des alten Traumes aus ihrem Herzen zu reißen und ihren Stolz zu Hilfe zu rufen, wenn wieder neue Triebe ausbrechen wollten. An einem Spät=Oktobertage verließ Walter Cornelius die Fabrik. Da rief ihn Herr Kastner zurück. „Bitte, Herr Cornelius, möchten Sie mir nicht einen Gefallen tun? Sie gehen ja bei Frau Fleur vorüber— nehmen Sie ihr, bitte, dieses Brieflein mit. Vielleicht kommt Frau Fleur dann selbst mit der Antwort her, oder Sie bringen sie morgen wieder mit.“ Walter Cornelius nahm das Brieflein und läutete bei Frau Fleur. Das Mädchen sagte, daß ihre Herrin iyn ins Zimmer bitten lasse, sie sei kränklich und wolle die Antwort gleich schreiben. Während Frau Fleur die Karte vollkritzelte, sah sich Cornelius in dem behaglichen Zimmer um. Er hatte die Bewohnerin im Zeitungslesen gestört. Als sie mit dem Schreiben fertig war, drückte er ihr darüber sein Bedauern aus und wollte gehen. Aber Frau Fleur bat ihn, noch ein wenig zu bleiben, und meinte in ihrer würdigen Art: „Die Zeitung ist nur Ersatz, ein lebender Mensch ist mir lieber. Uebrigens hat mich heute nur eine Nachricht gefesselt. Der Inder Lal=Singh von B. ist wieder in Bad Warmbrunn. Ich kenne ihn nämlich persönlich— er weilte schon einmal vor Jahren zur Kur dort. Ein sehr lieber Herr, sehr vornehm und dabei gar nicht hochmütig.“ Sie reckte sich selbstbewußt, und ihr gutes Gesicht bekam einen stolzen Zug, der Cornelius sonst sehr belustigt hätte. Heute bemerkte er ihn nicht. Er hörte nur den einen Namen. Lässig schlug er die Beine übereinander und fragte: „Das ist doch der Nabob, der einmal ein Fest gab— ein indisches Fest—“ „Wie— Sie wissen davon? Kennen Sie vielleicht Warmbrunn? Oder war das Fest so weltbekannt?“ „Ich hörté nur zufällig davon. Erzählen Sie mir, bitte, ein wenig— es interessiert mich—“ Das tat Frau Fleur allzugern. „Ich selbst war ja nicht mit bei dem Fest, hätte vielleicht nicht einmal etwas davon gesehen, wenn nicht eine fremde Dame bei uns gewesen wäre, die ich abends zum Zug begleitete. Damals war Frau Erben noch ein Mädchen, ein bildschönes Mädchen— und der reiche Inder sterblich verliebt in sie. Ich begehe keine Indiskretion, wenn ich Ihnen das alles erzähle— Sie plauschen ja auch nichts weiter— und es ist kein Geheimnis dabei. Also ihr zu Ehren veranstaltete der indische Nabob dies Fest. Und da war es tragisch, daß Toni— so heißt Frau Erben— nicht daran teilnahm. Gerade an dem Tage hatte sie ein Stelldichein— so vermute ich—, sie sagte mir nichts davon. Mein Gott, sie war jung und hatte jemanden sehr gern.“ Herr Cornelius neigte sich vor und fragte hastig: „Wie? Sie nahm gar nicht teil an dem Fest? Und jene Dame, die Sie führten— von der ich alles weiß, die erzählte mir, daß Sie ihr Fräulein Toni gezeigt hätten sie tanzte in höchst mangelhafter Kleidung vor dem Inder — und soll auch, wie ich später hörte, die Nacht bei ihm— Verzeihung—“ Frau Fleurs Gesicht sah recht verlegen und rot aus. „Ja— das ist eine eigene Geschichte. Ich dachte nämlich damals selbst so halb und halb, genau wußte ich es eigentlich erst später, daß Toni gar nicht dabei war.“ Herr Cornelius richtete sich auf und sagte erregt: „Schade, daß sich das nicht feststellen läßt. Ich hätte viel Interesse daran „Aber feststellen läßt sich das sehr gut! Sehen Sie, in der Lade hier bewahre ich lauter Andenken auf— ich bin da noch so altmodisch— hier, hier ist die Einladung— hier die Zeitung mit dem Bericht über das erste Fest. — lesen Sie— jleider nahm unsere einheimische Schönheit, Fräulein Moor, nicht teil“—“ „Warum nahm sie nicht daran teil? Sie sagten wegen eines Stelldicheins? Mit dem künftigen Gatten?“ „Oh— was glauben Sie? Den lernte sie erst auf der Reise nach Schweden kennen. Sie liebte einen Ingenieur — doch ließ sie der, mir scheint es, im Stich— das nahm sie sich so zu Herzen, daß sie krank wurde— sehr krank. Ich ging dann mit ihr nach Schweden, und dort eben lernte sie Apotheker Rohn kennen. Sie wollte zuerst von ihm nichts wissen— der andere steckte ihr noch immer Kopfe— aber schließlich nahm sie ihn doch. Sie war eine arme Waise, hatte eine lieblose Großmutter— gelernt hatte sie auch nichts— so blieb ihr eigentlich nichts anderes übrig.“ „Sie war nicht glücklich in ihrer ersten Ehe?“ „Nein, gar nicht. Herr Rohn war krankhaft veranlagt— sehr eifersüchtig und mißtrauisch. Er hatte schon zwei Frauen in den Tod getrieben— Toni wollte gerade von ihm fort— da endete er auf tragische Weise. Er hatte sie sehr gequält. Auch die zweite Ehe schloß sie nicht aus Liebe— obwohl Herr Erben ja ein sehr guter Mann war. Ich habe viel mit ihr erlebt— sie hat viel durchgemacht— ist noch so jung und schön. Niemals hat sie das richtige Glück gekannt, die Arme.“ „Ob sie— noch an den ersten— den Ingenieur denkt?“ „Wer kann das sagen? Sie spricht nie von ihm. Wer weiß, ob er noch lebt und wo er sich befindet.“ „Sie kennen ihn nicht?“ „Nur flüchtig! Ich würde ihn nicht wiedererkennen— ich habe auch in dieser Hinsicht ein ziemlich schlechtes Gedächtnis!“ Frau Fleur hätte noch gern über das unerschöpfliche Thema geschwatzt, aber Herr Cornelius hatte es plötzlich recht eilig. Vielleicht war es ihm langweilig geworden. Sie begleitete ihn bis zur Haustür und schöpfte„eine Lunge voll“ frischer Herbstluft.