Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. „ Rigeineiner kteisanzeiger Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmark. Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwelm Nenstraße Nr. 6.— Telegr.=Anschrift: Heitung Schwelm. Fernruf Nr. 2118.— Postischeckonto Hannover 76913.— Für unver langt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Betriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche für den Ennepe-Kuhr-Kreis Schibeiner Hadlauzeige Mit den Beilagen: Auf roter Erde— Blätter für Anterhaltung— Modebericht Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für! mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig; im Reklameteil(75 mum breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher T.streibung und im Falle einer Ge chäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schkaß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. — Auf heimischer Scholle. Rummer 136 Erstes Blait Montag, den 13. Juni 1932 103. Jahrgang Jeuischer Landwoirtschaftsrat Der Reichnlanzler due soninten=rage Das große Ziel: Wiedergewinnung der inneren und äußeren Freiheit Reichsernährungsminister Freiherr von Braun über die Probleme der Landwirtschaft Für innere und äußere Freiheil * Berlin, 11. Juni. Der Deutsche Landwirtschaftsrat trat heute zu seiner Vollversammlung zusammen, in der er gleichzeitig sein sechzigjähriges Bestehen feierte. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden Dr. Dr. h. c. Brandes, der Reichskanzlex von Papen, den Reichsminister des Innern. Freiherrn von Gayl, den Reichsernährungsminister, Dr. Freiherrn von Braun, den Reichswirtschaftsminister, Professor Warmbold, sowie zahlreiche Vertreter der Reichs= und Staatsbehörden und Mitglieder der Parlamente begrüßte. nahm der Reichskanzler zu seiner Ansprache das Wort. Reichskanzler von In einer der entscheidungsvollsten Stunden der Nachkriegszeit hat der Herr Reichspräsident mich zu dem neuen Amt berufen, und ich lege Wert darauf, zu betonen, daß die Bildung der neuen Regierung wenig zu tun hat mit dem gewohnten üblichen Wechsel parlamentarischer Kabinette, sondern daß es sich hier um die Dokumentierung einer grundsätzlich neuen Richtung der Staatsführung — selbstverständlich im Rahmen der Reichsverfassung— handelt. Die unerhörte geistige und materielle Lage des deutschen Volkes verlangt eine Loslösung der Regierungsführung aus den Fesseln parteipolitischen Denkens und parteipolitischer Doktrinen. Sie verlangt eine Zusammenfassung aller Kräfte zur Wiedergeburt Deutschlands. Die Gesamtlage, welche die Regierung vorfindet— das ist, ich stelle es ausdrücklich fest, nicht die Schuld der letzten Regierung, die bemüht gewesen ist, eine klare Bilanz zu ziehen— ist auf allen Gebieten fast verzweifelt. Die private Wirtschaft jeder Art ist in einem Ausmaß zerstört, dessen Furchtbarkeit noch nicht entfernt erkannt ist. Die Wiederherstellung aber der wirtschaftlichen, finanziellen und nicht zuletzt der politischen Ordnung erfordert von der neuen Regierung ein sofortiges Anfassen der grundlegenden Probleme, deren Lösung allen Volkskreisen zugleich schwere persönliche Opfer. Entsagungen, und Entbehrungen auferlegen wird. Diese Opfer sind nicht vertretbar, wenn es nicht gelingt, die dem deutschen Volke innewohnende ungeheure moralische Kraft offenkundig auf das eine große gemeinsame Ziel zu lenken: Die Wiedergewinnung der inneren und äußeren Freiheit und die Lebensmöglichkeit von Volk und Land. Demgemäß wird das Ziel dieser Regierung sein, eine neue, einheitliche Willenssbildung der Nation herbeizuführen. Die Regierung ist der Ansicht, daß der neue Reichstag eine eindeutige Mehrheit für die Politik geistig=sittlicher Gesundung, wirtschaftlicher Neuordnung auf christlicher, nationaler und sozialer Grundlage erbringen muß. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhange ein Wort über die Auffassung der neuen Reichsregierung von ihren sozialen Pflichten sagen: Eine der unerfreulichsten Arten, das Ziel der neuen Regierung zu verfälschen, ist die Unterstellung, daß ihre Haltung unsozial sei. Wir sind der Ansicht, daß es versäumt worden ist, den Aufbau eines rein staatlichen Versicherungsschutzes seinem Umfange nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten anzupassen, die ein so verarmtes, wirtschaftlich darniederliegendes Land im Augenblick noch hat. Es ist aber auch ein grundlegender Irrtum daß der omnipotente, unpersönliche Staat an die Stelle der persönlichen Verpflichtung des Arbeitgebers treten könne. Die Verantwortlichkeiten die aus der gottgewollten organischen Regelung der Dinge erwachsen, müssen wieder aufgerichtet, die Berbundenheit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer wiederhergestellt werden. Gewiß hat angesichts der Größe und des Umfanges der Notlage unseres Volkes auch der Staat klare Verpflichtungen zu sozialer Hilfe, und die Regierung wird es als ihre vornehmste und ernsteste Pflicht betrachten, die dahingehenden Einrichtungen den notleidenden Voiksgenossen auch über diese Krise hinweg zu erhalten. Darüber hinaus aber sieht sie den besten Weg sozialer Fürsorge in dem Bestreben, alles zu tun, um durch einen organischen Umbau der Wirtschaft die Fehler des kapitalistischen Systems auszumerzen und den Volksgenossen Arbeit und Brot zu verschaffen. Wir sind mit dem Deutschen Landwirtschaftsrat einig in der Auffassung, daß eine gesunde Landwirtschaft und die Liebe zur Scholle die Vorbedingung nicht nur der materiellen Ernährung, sondern mehr noch der geistigen Erneuerung des Laudes sind. Eine gesunde Landwirtschaft aber ist auch ein dringendes nationales Erfordernis. Einmal gilt es, das Letzte herzugeben, um Deutschlands heimische Ernährungsbasis zu erhalten darüber hinaus aber verlangt die Lage in den Grenzgebieten Maßnahmen, die der Stärkung des nationalen Selbstbehauptungswillens dienen. Eine starke zielbewußte Agrarpolitik ist das Fundament jeder gesunden Entwicklung, die in sorgsamer Abwägung der Interessen auch der anderen Berufsstände der deutschen Wirtschaft getecht wird. Reichseraährungsminister von Braun Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Freiherr von Braun, entwickelte die Grundzüge der künftigen Agrarpolitik der Reichsregierung. Einleitend betonte er, daß sämtliche Mitglieder des Reichskabinetts mit ihm die gleiche Einstellung der deutschen Landwirtschaft gegenüber hätten. Die Notlage in der Landwirtschaft, sagte der Minister, sei allgemein. Nach der neuesten Verschuldungserhebung der Rentenbank=Kreditanstalt seien mehr als 12 Millionen Morgen landwirtschaftlichen Nutzflächen zu mehr als 100 Proz. des Einheitswertes verschuldet. Seit zwei Jahren sei zu beobachten, daß in Westdeutschland, wo die bäuerliche Struktur durchweg vorherrscht, die Verschuldung schneller zunimmt als im Osten. Nach den Buchführungsergebnissen des Deutschen Landwirtschaftsrates sei nur noch etwa ein Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe in der Lage, die Zinsen aus den Reinerträgen zu bezahlen. Wesentlich für die Ursachen der Verlustwirtschaft in der ganzen Nachkriegszeit sei das Mißverständnis zwischen den Produktionskosten und den Einnahmen. Die Preisschere habe sich in den letzten Jahren zwar etwas verringert, jedoch wirke sie auch in ihrer jetzigen Höhe für die Landwirtschaft vernichtend. Eines der Ziele der Agrarpolitie müsse die Schließung dieser Preisschere sein. Auf den Märkten für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse mache sich durchweg die Verarmung unserer Bevölkerung bemerkbar. Infolge Kaufkraftverringerung hätten wir zu verzeichnen eine Bedarfsverminderung bei Weizen um mindestens 10 Prozent, bei Milch um etwa 10 Prozent, bei Butter um 5 Prozent. bei Zukker um 13 bis 18 Prozent, bei Bier um 40 Prozent und bei Branntwein um 75 Prozent. Beim Fleisch konnte ein Konsumrückgang nur durch ungeheuren Tiefstand der Fleischpreise vermieden werden. Somit werde das Arbeitslosenproblem— eine Absatzfrage. Der Minister ging sodann auf das Problem der Autarkie ein und erklärte, daß selbstverständlich keine Rede davon sein könne, uns völlig von der Welt loszulösen. Die Autarkie sei kein Ziel, sie sei Schicksal. Die alten Methoden der Handelspolitik würden bei der völlig veränderten Struktur der Weltwirtschaft unseren Interessen nicht mehr gerecht. Der Minister skizzierte dann die Probleme, die besonders vordringlich behandelt werden müssen. Auf dem Getreidegebiet müsse für eine auskömmliche Verwertung der kommenden Getreideernte durch das Zusammenwirken von handelspolitischen und finanzpolitischen Maßnahmen gesorgt werden. In aller Kürze werde er auf diesem Gebiete die nötige Klarheit schaffen. Auf den Märkten der Veredelungsprodukte sei die Lage katastrophal. Die Reichsregierung müsse daher der gesamten Veredelungsproduktion ihr besonderes Augenmerk schenken, da es sich hier um eine Existenzfrage für den deutschen Bauer handelt. In der Kartoffelfrage wird der erhöhten technischen Verwertung, wobei der Minister auch die Treibstoffrage erwähnte, besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden sein. Beim Zucker müsse wenigstens dem verminderten Rübenanbau ein angemessener Preis gesichert bleiben. Auf dem Gebiete des Gemüse=, Obst= und Weinbaues sei eine Besserung der Lage nur durch Aenderung der bisherigen Handelsvertragspolitik und von der Einsicht der Verbraucher zu erwarten, die endlich einmal deutschen Erzeugnissen den Vorzug geben wollten. Schwerste Sorge bereite der Reichsregierung die Lage der deutschen Forst= und Holzwirtschaft. Hier sei dringend Abhilfe geboten. Eine auf zollpolitischem Gebiet liegende Maßnahme werde in den allernächsten Tagen veröffentlicht werden. Im Rahmen der allgemeinen Maßnahmen werde die Hilfsaktion für den Osten in beschleunigtem Tempo fortgesetzt werden. Bezüglich der Siedlung erklärte der Minister, daß er die Ansiedlung deutscher Bauern im Osten aus nationalpolitischen, wirtschaftlichen und menschlichen Gründen als eine der dringendsten Aufgaben von Reich und Staat ansehe. Der Präsident des Landwirtschaftsrates. Dr. Brandes behandelte Gegenwartsaufgaben deutscher Landwirtschaftspolitik. Entwicklung des Binnenmarktes sei heute das beste Arbeitsbeschaffungs= Programm. Die Schrumpfung des Binnenmarktes infolge des Zusammenbruchs der nicht an der Ausfuhr beteiligten Wirtschaft sei eine der entscheidenden Ursachen für das unermeßliche Anschwellen der Arbeitslosenzifser Durch Erzeugung von Nahrungsmitteln könnten Einfuhren im Werte von 1,1 Milliarden ersetzt werden. Durch Vermeidung der Einfuhr von im Inland hergestellten Industrieerzeugnissen ließen sich weitere 1,4 Milliarden Ersparnisse machen. Dazu kämen Ersparungsmöglichkeiten in Höhe von 860 Millionen durch Eigenerzeugung bei Genußmitteln, Faserpflanzen usw. Insgesamt könnten also etwa 3,3 Milliarden erspart werden. Auch wenn durch diese Maßnahmen unsere Ausfuhr um eine Milliarde zurückgehen würde, würde aelegenheit im Deutschen Reich vorhanden sein. Er. Brandes, kenne kein Arbeitsbeschaffungsprogramm, das auch nur annähernd mit solchen Zahlen rechnen könne. Dieses Programm erfordere keine nennenswerten Kapitalaufwendungen und Festlegungen. Hinsichtlich der Siedlung müsse vor der Annahme gewarnt werden, als ob bei den jetzigen Rentabilitätsverhältnissen große Menschenmassen auf dem Lande mit der erforderlichen Lebensmöglichkeit untergebracht werden könnten. Das platte Land und der Osten brauchten nicht so sehr die Menschen als zunächst die Rentabilität, um die Menschen beschäftigen und den Bauer auf der Scholle erhalten zu könen. Abschließend forderte der Redner, daß nun endlich einmal der als richtig erkannte Weg auch dauernd inne gehalten werden müsse. Entschließung des Deutschen Landwirtschaftsrates * Berlin, 11. Juni. In der heutigen Vollversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates wurden zwei Resolutionen angenommen. In der einen wird die Aufrechterhaltung der Sperre bezw. Ueberwachung der Einfuhr aus Frankreich wegen der der deutschen Kartoffelwirtschaft drohenden Gefahr durch den Kartoffelkäfer gefordert, die zweite befaßt sich mit der organisatorischen Umwandlung der gesamten Erwerbslosenfürsorge in ein einheitliches Fürsorgesystem. Mit den Reformen für die Arbeitslosenbetreuung müsse eine beschleunigte und planmäßige Verminderung der Arbeitslosenzahl durch Einbeziehung insbesondere Jugendlicher in eine neu zu schaffende Arbeitpsflichtorganisation verbunden werden.— Der Ständige Ausschuß des Deutschen Landwirtschaftsrats hatte gestern bereits eine Entschließung angenommen, die eine erneute Prüfung der Düngemittelpreise durch die zuständigen Stellen mit dem Ziele einer Preissenkung verlangt. das preußische Amnestiegesetz * Kassel, 11. Juni. Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Dr. Roland Freisler veröffentlicht in der„Hessischen Volkswacht“ einen Artikel über den Inhalt des preußischen Amnestiegesetzes. an dessen Entwurf er mitgearbeitet hat. Der Entwurf sieht, wie aus dem Artikel hervorgeht, Straferlaß für Straftaten aus politischen Beweggründen vor. Ausgenommen sind nur Landesverrat, Verrat militärischer Geheimnisse, Straftaten aus verderblichen Beweggründen, Brandstiftungen und Eisenbahnanschläge. Beamte, die wegen ihrer Zugehörigkeit zur nationalsozialisttschen Partei disziplinarisch bestraft worden sind, sind auf ihren Antrag sofort wieder in ihre Aemter einzusetzen oder, wenn sie dies nicht wollen, so zu behandeln, als ob sie in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden wären. Ihr Gehalt ist ihnen auch für die Vergangenheit so, als wären sie in den einstweiligen Ruhestand versetzt, nachzuzahlen. Laufende Dienststrafverfahren sind sofort einzustellen und keinerlei Verfolgung eines Beamten darf mehr stattfinden wegen Zugehörigkeit zur NSDAP. und der Betätigung in ihr. Arbeiter und Angestellte von Behörden und öffentlichen Körperschaften, die wegen ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP entlassen worden sind, sind alsbald wieder einzustellen, falls sie dies nicht wünschen, ist ihnen eine Entschädigung in Gestalt eines Vierteljahresgehaltes auszuzahlen. Der Entwurf ist bekanntlich vom Rechtsausschuß des preußischen Landtages angenommen worden. Armes Oesterreich! Der Preis für die französische Hilfe * London, 11. Juni. Wie der diplomatische Korrespondenz des Daily Telegraph erfährt, steht die französische Regierung im Begriff, den in Frage kommenden Genfer Ausschüssen die Bedindungen mitzuteilen, unter denen sie bereit wäre, eine finanzielle Unterstützung Oesterreichs durch französische Banken gutzuheißen und zu garantieren. Die österreichische Regierung würde sich verpflichten müssen, 1. die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit Oesterreichs nicht aufzugeben, und 2. an keinerlei wirtschaftlichen Donaukombinationen teilzunehmen, die Frankreich nicht billigt. Ersolgeiche Schaßz=Sucher * Brest, 11. Juni. Taucher des italienischen Bergungsdampfers„Artiglio“ haben heute bei ruhiger See aus dem 130 Meter tief liegenden Wrack des vor vielen Jahren gesunkenen englischen Dampfers„Egypt“ eine Kiste mit 15.000 Rupien(rund 23.000 Mark) bergen können, die der Dampfer nach Indien schaffen sollte. In der Schatzkammer befinden sich noch beträchtliche Goldvorräte, nach denen jetzt gesucht wird. immerhin für zwei Milliarden RM. mehr ArbeitsDer Reichskanzler vor den Landwirten Reichskanzler von Papen(rechts, stehend). rechts neben dem Reichskanzler Innenminister Freiherr von Gayl. •) MFA Mikrotilmarchin der deutschsprachigen Presse e.V. Sechaublangen. Hotschen dem Aeich aud den Landern Kleppers Erklärungen * Berlin, 11. Juni. In der heutigen Besprechung der Vertreter der Länder mit dem Reichskanzler nahm bei der Aussprache über die Finanzlage nach dem Reichsfinanzminister für die Länder zunächst der preußische Finanzminister Klepper das Wort. Von preußischer Seite wird über seine Ausführungen mitgeteilt: Er erklärte die vorbehaltlose Billigung zu den grundsätzlichen Ausführungen des Reichsfinanzministers über die Notwendigkeit eines echten Haushaltsausgleichs und die Zurückweisung aller Währungsexperimente. Eine exakte Währungspolitik sei keine theoretische Frage, sondern einfach eine gebieterische praktische Forderung. Dazu gehöre aber der reale Haushaltsausgleich, den zu erzielen es im vitalen Interesse des Reiches keine Grenzen geben dürfe. Die Länder dürften in ihrer finanziellen Bewegungsfreiheit nicht dadurch gelähmt werden, daß sie in der Einnahmegestaltung behindert, ihnen aber Aufgaben auferlegt würden. Eine differenzierte Behandlung der Länder durch Sonderzuweisungen an einzelne Länder sei moralisch unhaltbar; das Reich könne sich das auch künftig gar nicht mehr leisten. Die Länder dürfen auch nicht in ihren Beziehungen zu den Gemeinden durch Eingriffe der Reichsregierung gehemmt werden. Die Reichsregierung müsse auf die Handelspolitik Einfluß nehmen. Intensievierung des Güteraustausches sei erforderlich. Deutschland müsse aus der Abschnürung heraus. Er bedauere, daß der Reichsarbeitsminister in der Frage der Arbeitsstreckung über vorsichtige Erwägungen nicht hinausgekommen sei. In dieser Frage müsse schnell etwas geschehen. Es entspreche der wirtschaftlichen Erfahrung, daß mit zunehmender Technisierung die Arbeitszeit zurückgehen müsse, und daß der Staat die Lösung dieses Problems, das sich in Krisenzeiten enthülle, in die Hand nehmen müsse. Ebenso müsse die Arbeitsbeschaffung richtig angefaßt werden. Die Hauptsache dabei sei, daß Teile der Industriebevölkerung allmählich aufs Land gebracht würden. Daher sollte die Reichsregierung die Siedlungspläne der alten Regierung möglichst schnell aufnehmen. Distanzierung von der Parteipolitik sei gut, dann aber von jeder Parteipolitik; Zusammenfassung der nationalen Kräfte sei gut, dann aber aller nationalen Kräfte. Nur dann könne sich der Erfolg einstellen, den die Länder von der Reichsregierung als ihrer Repräsentantin wünschen. Anfängliche Zuspitzung * Berlin, 11. Juni. In den heutigen Verhandlungen zwischen den maßgebenden Vertretern von Reich und Ländern sind von den Ländern, namentlich den süddeutschen und an ihrer Spitze Bayern, sehr deutlich die Ansichten vorgetragen worden, die sich aus süddeutschen Blättern bereits in den letzten Tagen entnehmen ließen. Auf diese Zuspitzung war auch eine Unterbrechung der Sitzung der Vereinigten Reichsratsausschüsse zurückzuführen, die der bayrische Ministerpräsident Dr. Held nach der einführenden Rede des Reichskanzlers beantragt hatte, damit sich Kanzler und Reichsinnenminister auf der einen und die Ministerpräsidenten der Länder auf der anderen Seite zunächst einmal in einem engeren Kreise aussprechen konnten. Schon die Tatsache, daß sich die Verhandlungen bis zum Abend hinzogen, läßt darauf schließen, daß die Ländervertreter ausgiebig von der Gelegenheit Gebrauch gemacht haben, den maßgebenden Instanzen des Reiches ihren Standpunkt darzulegen. In den Kreisen, die der Reichsregierung nahestehen, wird hierzu erklärt, daß der Kanzler zu allen aktuellen Fragen in aller Ruhe und Sachlichkeit die Auffassungen der Reichsregierung entwickelt habe, und zwar zu all den Dingen, die in der Notverordnung enthalten sein werden, und besonders wohl über die Fragen der Aufhebung des SA.= und des ulliformverbots, der Reichsreform und der Einsetzung eines Reichskommissars in Preußen. Gerade zu dieser Angelegenheit dürfte der Kanzler den Ländervertretern auseinandergesetzt haben, daß die Absichten der Reichsregierung selbst gar nicht auf eine solche, sondern auf die normale Lösung im Wege einer ordentlichen Regierungsneubildung gerichtet sind. In Kreisen der Reichsregierung ist man denn wohl auch der Auffassung, daß die heutigen Verhandlungen, die naturgemäß zu Anfang einen etwas zugespitzten Charakter haben mußten, dazu beigetragen haben, eine ruhigere Auffassung der Lage anzubahnen. In diesem Sinne erwartet man auch von dem morgigen Empfang der süddeutschen Minister und Staatspräsidenten eine weitere Entspannung. Jedenfalls scheint es, als komme diesem Empfang schon keineswegs mehr die alarmierende Bedeutung zu, die man ihm beimaß, als das Ersuchen der Ländervertreter um diese Besprechung bekannt wurde. Die sehen die neden Holberdro“ nungen aus! * Berlin, 11. Juni. Am Samstag haben Kabinettsberatungen nicht stattgefunden. Die endgültige Formulierung der neuen Maßnahmen, die in drei Notverordnungen zusammengesaßt werden sollen, ist erst am Montag innerhalb des Kabinetts zu erwarten. Das Kabinett wird sich dann über die finanzielle Auswirkung der gemachten Vorschläge schlüssig werden, so daß am Dienstag bereits die neuen Maßnahmen mitgeteilt werden können. Es handelt sich darum, für rund 375 Millionen Mark neue Steuern zu schaffen. Hierin sind enthalten die 325 Millionen Mark, die schon als Fehlbetrag vom Kabinett Brüning auszubringen waren, und weitere 50 Millionen, die in der Zwischenzeit dazugekommen sind. Im Mittelpunkt der Beratungen steht weiterhin die Beschäftigtensteuer, die aber in wesentlich anderer Form erscheinen soll. Die letzten Vorschläge gehen darauf hinaus, die Stener für die Festangestellten zu staffeln und gleichzeitig mit der Krisenlohnsteuer zu verbinden, so daß im Durchschnitt etwa eine neue Belastung von 4 Prozent herauskommen soll. Für die Beamten wird diese Steuer gleichmäßig 1½ Prozent betragen und den Namen„Beamtensteuer“ führen. Außerdem ist an eine Salzsteuer gedacht. Schließlich sollen bei der Umsatzsteuer noch Maßnahmen getroffen werden, die einen höheren Betrag erbringen. Das Gleiche gilt im Hinblick auf die Stundungstermine. Die 375 Millionen müssen aufgebracht werden Phasenpauschalierung, die ursprünglich zum 1. Juli eintreten sollte, ist einstweilen verschoben worden. Was die Kürzungen in der Sozialversicherung anbelangt, so werden sie sich im wesentlichen an die Pläne halten, die bereits vom Kabinett Brüning ausgearbeitet worden sind. Das gilt auch insbesondere von einer Verkürzung der Kriegsrenten. Wenn die sozialdemokratische Presse heute von einem„Rentenraub an Kriegsopfern“ spricht, so möge sie sich an das Kabinett Brüning halten, das diese Vorschläge bereits im einzelnen ausgearbeitet hatte. Da bekanntlich der Reichspräsident von Hindenburg gegen diese Kürzung Einspruch erhoben hatte, so ist eine Reihe von Milderungen eingetreten. Immerhin wird man damit rechnen müssen, daß die gesamte Kürzung etwa 30 Millionen Mark erbringen soll, und zwar durch eine Kürzung der Unverheirateten 30 bis 40 Prozent erwerbsbeschränkten Kriegsbeschädigten und durch den Entzug der Kinderzulage und der Waisenrente nach vollendetem 15. Lebensjahr. Außerdem soll das Verfahrensrecht wesentlich eingeschränkt werden. Was nun die Bestimmungen über die sogenannten militärähnlichen Organisationen anbelangt, so wird eine Gleichstellung sämtlicher Organisationen erfolgen und unter Kontrolle des Reiches gestellt werden. Von irgend einer Bevorzugung der sogenannten SAFormationen kann infolgedessen keine Rede sein. Meineidsprozeß Abel Hauptmann Goering und Leutnanz a. D. Scheringer als Zeugen * München, 11. Juni. Im Meineidsprozeß Abel teilte der Vorsitzende zu Beginn der Sitzung mit, daß Leutnant a. D. Scheringer in München eingetroffen sei. Als erster Zeuge wurde Hauptmann Goering vernommen, der wohl von einem Ysenburg gehört hat, aber Abel nicht kannte. Goering hält es für ausgeschlossen, daß im Wurzerhof ein Italiener mit Hitler gesprochen habe. Goering habe sich damals mit allen italienischen Angelegenheiten zu befassen gehabt. Wenn ein Italiener dagewesen wäre, hätte er sicher davon erfahren. Der Zeuge stellte entschieden in Abrede, daß irgendwelche Auslandgelder an die Partei gegeben worden seien, auch nicht von Italien. Er sei später viel in Italien gewesen und habe sich bei faschistischen Organisationen erkundigt, ob Gelder an die Partei gegeben worden seien. Man habe dort sehr gelacht und gesagt, man könne selbst jede Lira gebrauchen. Sodann wurde der 27 Jahre alte frühere Reichswehrleutnant Scheringer, der sich in Festungshaft in Bielefeld befindet, vorgeführt. Einleitend bekundet der Zeuge, er wisse nichts von dem ganzen Fragenkomplex. Er lasse sich nicht als Instrument gegen seine früheren Kameraden verwenden, auch wenn er in scharfem Kampf zu der Nationalsozialistischen Partei stehe. Der Zeuge gab zu, daß er sich innerhalb der Reichswehr für die Nationalsozialistische Partei betätigt habe. Der Vorsitzende bemerkte, daß seine Vernehmung feststellen solle, ob vor dem zweiten Ulmer Reichswehrprozeß von der Nationalsozialistischen Partei aus mit ihm verhandelt worden sei, daß er bestreiten solle, die Absicht gehabt zu haben, die Reichswehr zu zersetzen und daß Hitler als Zeuge unter Eid dementsprechend aussagen werde. Der Zeuge sagte hierzu, die Frage stimme nicht und schilderte in längerer Ausführung, daß Hitler tatsächlich erklärt habe, er sei mit den revolutionären Bestrebungen in der Reichswehr nicht einverstanden gewesen. Damit war das Verhör Scheringers abgeschlossen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung betonte der als Zeuge vernommene nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt Frank II, daß Hitler eine Zersetzung der Reichswehr nicht notwendig habe, da, wie er bereits in seinem Leipziger Plädoyer ausgeführt habe, die Reichswehr ohnehin eine einzige nationalsozialistische Zelle sei. U. a. wurde auch ein Brief des zurzeit in Ungarn befindlichen angeblichen Gareis=Mörders, Otto Braun, verlesen, worin er mitteilt, daß alle Bekundungen Abels über ihn erlogen seien. Er habe Gareis niemals gesehen und gar nicht gekannt. Damit war die Samstagverhandlung beendet. Am Montag kommen noch zwei Zeugen zur Vernehmung, worauf die Sachverständigen das Wort ergreifen. Der deulsche Flottenbesuch in Stockholm * Stockholm, 11. Juni. Die deutschen Kriegsschiffe, die, wie bereits gemeldet, hier zu einem Der Empfung der Hindenduig Entspannung zwischen Reich und Ländern Berlin, 12. Juni. Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichspräsident empfing heute in Gegenwart des Reichskanzlers von Papen den bayrischen Ministerpräsidenten Dr. Held, den württembergischen Staatspräsidenten Dr. Bolz und den badischen Staatspräsidenten Dr. Schmitt zu einer eingehenden gemeinsamen Besprechung der politischen Lage. Die Aussprache berührte das Verhältnis des Reichs zu den Ländern, den Ausgleich der Finanzen, die Wirtschaftspolitik und eine Reihe von innerpolitischen Fragen. * Die Besprechung zwischen den Präsidenten der süddeutschen Länder und dem Reichspräsidenten dauerte nahezu fünf Viertelstunden. Wie in der amtlichen Mitteilung bereits gesagt wird, nahm auch Reichskanzler von Papen an dem Empfang teil, außerdem Staatssekretär Meißner. Schon aus der verhältnismäßig langen Dauer der Besprechung ergibt sich, daß in der Tat alle wichtigen und aktuellen Probleme behandelt wurden, namentlich diejenigen, die sich auf das Verhältnis zwischen Reich und Ländern beziehen. In unterrichteten Kreisen glaubt man als Ergebnis der Aussprache eine weitere Entspannung der Beziehungen zwischen Ländern und Reich sehen zu können, die bereits am Samstag durch die Verhandlungen in der Reichskanzlei eingeleitet wurden. Der Empfang beim Reichspräsidenten vollzog sich natürlich in der verbindlichen Form, die bei einer Aussprache mit dem Reichspräsidenten selbstverständlich ist. Was die Ländervertreter vorzutragen hatten, wurde trotzdem mit allem Freimut gesagt. Aber in Kreisen, die den Reichsstellen nahestehen, scheint man doch den Eindruck zu haben, daß die Minister= und Staatspräsidenten mit dem Bewußtsein der Gewißheit aus Berlin abreisen, daß der Reichskanzler nicht daran denkt, irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, die Interessen der Länder zu beeinträchtigen. Weiter können auch die Vertreter der süddeutschen Regierungen das Gefühl mitnehmen, daß ihr Berliner Aufenthalt nicht umsonst war. Die Beziehungen zwischen Reich und Ländern haben durch die Aussprachen der letzten beiden Tage wieder eine Grundlage bekommen, auf der sich die zukünftige Entwicklung aufbauen läßt, wenn es auch, wie anzunehmen ist, nicht gelungen sein sollte, in einer so umstrittenen Frage wie die Aufhebung des Sturmabteilungsverbots eine restlose Uebereinstimmung herbeizuführen. Diese Dinge sind ja auch weniger unter dem Gesichtswinkel Reich und Länder, als unter dem der parlamentarisch=parteipolitischen Lagerung zu sehen. Das wesentliche bleibt, daß in den Beziehungen zwischen Reich und Ländern die außerordentliche Schärfe stark gemildert worden ist, die sie seit dem Wechsel in der Reichsregierung zunächst angenommen hatte. Noch eine Besprechung mit dem Reichskanzler Wie das Kontinentale Nachrichtenbüro erfährt, hat nach dem Empfang beim Reichspräsidenten am Sonntag mittag in der Reichskanzlei noch eine einstündige, also ebenfalls recht eingehende Aussprache zwischen den drei süddeutschen Regierungschefs und dem Reichskanzler stattgesunden. Von unterrichteter Seite wird dazu erklärt, daß die Aussprache über die Probleme, die beim Reichspräsidenten behandelt worden waren, in dieser Besprechung noch vertieft wurde. Auch diese Zusammenkunft bestätigt den Eindruck, daß es gelungen ist, an die Stelle der Spannung zwischen den Ländern und dem Reich immerhin eine gewisse Beruhigung zu setzen. Dabei wird aus Kreisen, die den beteiligten Ländervertretern nahestehen, allerdings kein Hehl daraus gemacht, daß in der Frage der Aufhebung des Sturmabteilungsverbots der Standpunkt der süddeutschen Länder auch weiterhin von dem der Reichsregierung abweicht. Von der gleichen Seite wird die Lage dahin gekennzeichnet, daß die Länder nun zunächst einmal abwarten würden, wie sich die Reichsregierung zu ihnen stelle. Flottenbesuch erwartet wurden, haben heute früh die Festung Oskar=Friedrichsborge passiert. Dann fuhren sie stromaufwärts und wurden von den schwedischen Panzerschiffen„Gustav V“ und „Drottning Victoria“ sowie den Zerstörern„Ehrenköld".„Nordenskhold" und„Klas Horn" empfangen. Die Ufer waren dicht von Menschen umsäumt. Die„Königsberg“, die vor den Zerstörern „Seeadler“,„Möve".„Falke" und„Albatros“ fuhr, tauschte mit den schwedischen Schiffen die üblichen Begrüßungen aus und ankerte dann vor den Panzerschiffen„Gustav V“ und„Drottning Victoria". Der deutsche Admiral stattete zunächst dem schwedischen Kriegsminister, dem deutschen Gesandten und anderen Persönlichkeiten einen Besuch ab. Bankguthaben und Goldvorräte in Chile beschlagnahmt Newyork, 11. Juni. Wie aus Santiago de Chile gemeldet wird, hat die Junta entgegen den Erwartungen begonnen, alle Bankguthaben der Ausländer zu beschlagnahmen. Ferner hat die Junta alle Goldvorräte der einheimischen und fremden Banken beschlagnahmt. Der Finanzminister erklärte, daß die Goldhergabe nötigenfalls mit Gewalt erzwungen werden würde. Kommunistische Studenten haben die Landesuniversität gestürmt und verlangen die Teilnahme an der Regierung. Tage hilflos auf dem Meere Der polnische Ozeauflieger Hausner aufgefunden * Newyork, 13. Juni. Der amerikanische Flieger polnischer Herkunft Stanley Hausner, der vor neun Tagen von New Jersey aus einen Versuch unternahm, den Atlantik zu überqueren, ist, von dem britischen Tankschiff„Circe Shell" lebend aufgefischt worden. Wie der Kapitän des Schiffes auf radiotelegraphischem Wege mitteilt, war Hausner schon am Tage des Startes, d. h. am Freitig, dem 3. Juni, gezwungen, mit seinem Flugzeug auf dem Meer notzulanden. Volle acht Tage und Nächte bis zu seiner gestern abend erfolgten Rettung trieb der Flieger mit seinem Flugzeug hilflos auf dem Ozean umher. Seine Nahrung bestand aus Butterbroten. Das Wasser des Kühlers schützte ihn vor dem Verdursten. Er ist unverletzt, aber so erschünft, daß er noch nicht in der Lage ist, einen zusammenhängenden Bericht seines Erlebnisses abzugeben. Elly Beinhorn in Chile Ein vernanischer Orden für die deutsche Fliegerin * Berlin, 12. Juni. Die deutsche Herrenfliegerin Elly Beinhorn ist am Samstag abend mit ihrem Klemm=Argus=Sportflugzeug, von Lima kommend, in Arica eingetroffen. Sie flog die Strecke Lima=Arica, die über 1200 Kilometer lang ist ohne Zwischenlandung. Der Flug führte sie wiederum über die großen Gebirgsmassen der Anden hinweg. Vor ihrem Abflug von Lima wurde Elly Beinhorn außeordentlich gefeiert und ihr u. a. ein veruanischer Orden verliehen. Der nächste Flugabschnitt wird Elly Beinhorn über die Salpeterwüste Chiles nach Santiago führen, wo sie am Dienstag einzutreffen gedenkt. Der Flug findet in ganz füdamerika außerordentliche Beachtung. Auf der ganzen bisher geflogenen Strecke ist sie der erste Flieger überhaupt, der einen Alleinflug ausführt. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Stark wolkig, strichweise noch Gewitterbildung, warm, schwache Winde aus wechselnden Richtungen. Aus Radl und Kreis Einzelhandel in Rot! Der Landesverband des Einzelhandels Westfalen=Industriegebiet saßte auf einer Tagung in Recklinghausen zur wirtschaftlichen Notlage des mittelständischen Einzelhandels folgende Entschließung: „Die fortschreitende Wirtschaftskrise hat im deutschen kaufmännischen Mittelstand eine Not nie gekannten Ausmaßes gebracht. Sie findet Ausdruck in der steigenden Zahl der Zusammenbrüche, in leerstehenden Ladenlokalen, in massenhaften Zwangsversteigerungen, in einer Verschuldung und Verarmung, die weiteste Kreise des kaufmännischen Mittelstandes ins Elend gestürzt hat und eine Verzweiflungsstimmung mit bedenklichsten Konsequenzen nährt. Wenn nicht noch der Rest des staatserhaltenden selbständigen kaufmännischen Mittelstandes der Vernichtung anheim fallen soll, ist es allerhöchste Zeit, daß alle verantwortlichen Stellen dieser Not unverzüglich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln begegnen. Die Mitgliederversammlung des Landesverbandes des Einzelhandels Westfalen=Industriegebiet richtet daher in letzter Stunde an Reich, Länder. Gemeinden und alle verantwortlichen Stellen die dringende Forderung, durch ein sofortiges umfassendes Mittelstandsprogramm dem kaufmännischen Mittelstand den Schutz auf allen Gebieten zu geben, dessen er dringend bedarf und der ihm in der Reichsverfassung verbürgt ist. Insbe sondere wird verlangt, die ungeheuerlichen Lasten an Steuern, Abgaben und Gebühren, die die Not in erster Linie mit verschuldet haben, auf ein erträgliches Maß zurück zuführen. Die Reichsregierung muß darüber hinaus der ganzen Welt zu verstehen geben, daß die Not des deutschen Mittelstandes einen Höhepunkt erreicht hat, welcher bei allen außenpolitischen Vorgängen und Maßnahmen unbedingte Berücksichtigung finden muß. Der gänzliche Zusammenbruch des kaufmännischen Mittelstandes würde ohne Zweifel eine Katastrophe der ganzen deutschen Wirtschaft bedeuten.“ Der Rokkreuztag in Schwelm Der Vaterländische Frauenverein und die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hatten am Samstag abend im Saale der Wilhelmshöhe zu einer Wohltätigkeits=Veranstaltung zum Besten des Roten Kreuzes eingeladen. Als Mitwirkende hatten sich zur Verfügung gestellt die Turnerinnenabteilung des TV.„Zur rothen Erde“, die Musikkapelle des Ev. Arbeitervereins und die Gesangabteilung des Kath. Gesellenvereins. Sämtliche Darbietungen waren gut und fanden ein sehr dankbares Publikum. Fräulein Hinnenberg brachte einen dem Charakter der Veranstaltung entsprechenden Prolog zum Vortrage, Mitglieder der Sanitätskolonne erfreuten durch die Aufführung des äußerst humvorvollen Theaterstückes:„Landsturmmann 2. Aufgebots“. Dr. med. Gregory, der Kolonnenarzt unserer Sanitätskolonne, begrüßte die zahlreich Erschienenen und führte u. a. folgendes aus: Heute und morgen werden alle deutschen Gaue im Zeichen des Roten Kreuzes stehen, des Zeichens, das über Meere und Erdteile hinweg bei Freund und Feind das Symbol helfender Menschenliebe geworden ist. In diesem Zeichen begrüße ich Sie alle namens des Vaterländischen Frauenvereins und der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Schwelm. Wenn ein einziges Mal im Jahre das Rote Kreuz aus der Reserve seiner stillen, oft wenig beachteten Friedensarbeit heraustritt, so hat der Fernstehende den Anspruch darauf, etwas vom Wesen des Roten Kreuzes zu erfahren. Herr Dr. Gregory gab einen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung des Roten Kreuzes von seiner Gründung nach der Schlacht bei Solferino, der deutschsprachiger seinem segensreichen Wirken in Kriegszeiten und seiner heutigen Bedeutung auch in Friedenszeiten. Das Ziel des Roten Kreuzes ist: Die Verhütung, die Bekämpfung, die Linderung gesundheitlicher, wirtschaftlicher und sittlicher Not. Das Rote Kreuz hat etwa 1,4 Millionen Mitglieder, über 3000 Sanitätskolonnen mit rund 120000 ausgebildeten Mannschaften. In 55 Mutterhäusern wurden 8000 Schwestern ausgebildet; 68 Krankenhäuser, 75 Säuglings= und Mutterheime, Kinder=, Alters= und Erholungsheime mit insgesamt 20000 Betten wurden vom Roten Kreuz ins Leben gerufen. Dazu kommen noch rund 2500 andere Schwestern für Krankenpflege, Kindergärten usw., die von den Frauenvereinen betreut werden. Meine Damen und Herren! Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache! Glauben Sie wohl, daß diese Einrichtungen und Personen notwendig sind? Sie sind bestimmt nicht zum Vergnügen da! Glauben Sie wohl, daß hier dem Lande, den Kreisen und manchen Kommunen ein großes Arbeitsgebiet wesentlich erleichtert, ja in manchen Fällen ganz von den Schultern genommen wird? Wenn Sie mir zustimmen, und Sie können garnicht anders, dann rufen wir Ihnen, die keinerlei Arbeit an das Rote Kreuz bindet, zu: Helftuns wenigstens helfen! Heute noch ist's für den deutschen Bruder, morgen vielleicht schon für dich! Bedenkt, daß die Kolonnenarbeit fast ganz auf den Schultern des kleinen Mannes=ruht. Da wird von den Frauenvereinen durchweg ein besseres Beispiel gegeben. Das Rote Kreuz ruft Ihnen zu: Helft uns helfen. Nichts für uns, nichts für irgend eine Partei, alles für den deutschen Bruder und damit für das Vaterland! Nach einem Dank an alle Mitwirkenden des Abends schloß der Redner seine Ausführungen mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Vaterland, in das die Anwesenden freudig einstimmten und daran anschließend das Deutschlandlied sanAbgeordnetentag der Krieger- und LandwehrVereine in Langerseld Aus Anlaß der Feier des 75jähhr. Bestehens des Kriegervereins Langerfeld fand vorgestern nachmittag im Saale des Gastwirtes Fritz Korte zu Langerfeld ein Abgeordnetentag des Verbandes der Krieger= und Landwehr=Vereine des früheren Kreises Schwelm statt. Der 1. Vorsitzende des Verbandes, Schlachthofdirektor SasseSchwelm, eröffnete die Tagung mit einer kurzen Begrüßungsansprache. Er dankte den zahlreicherschienenen Kameraden für das Interesse, welches sie durch ihre Gegenwart dem Kriegervereinsgedanken gegenüber bekundeten und gab der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck, daß auch die Langerfelder Tagung, zum Nutzen aller dem Verbande angeschlossenen Vereine und auch des gesamten Kriegervereinswesens sein möge. Einen besonderen Dank zollte der Redner dem Langerfelder Kriegerverein für die Uebernahme der Tagung und für die famose Aufmachung des Saales in den alten Farben der Kriegervereine. Kamerad Löwe, der 1. Vorsitzende des Langerfelder Kriegervereins, dankte im Namen des von ihm vertretenen Vereins für die Worte der Anerkennung und des Dankes. Allen Kameraden rief er ein herzliches Willkommen in Langerfeld zu und gab den alten westfälischen Kameraden die Versicherung, daß die Langerfelder Kriegervereinsmitglieder auch in Zukunft treu an der Seite ihrer alten Verbandskameraden stehen würden, denn wenn man auch zum Rheinländer gestempelt sei, so bleibe man doch im innersten Herzen Westfale. Nach Schluß der Tagung konnte erfreulicherweise festgestellt werden, daß der Appell und das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Kriegervereinsmitglieder auf äußerst fruchtbaren Boden gefallen war, denn es formierte sich ein recht stattlicher Festzug, der unter der schneidigen Marschmusik der Schwelmer Feuerwehrkapelle durch die wichtigsten Straßen Langerfelds führte. Der Abgeordnetentag selbst nahm gleichfalls einen glatten Verlauf. Nach Feststellung der Anwesenheitsliste durch den Schriftführer. Studienrat Pläcking=Schwelm, erstattete der 1. Vorsitzende Bericht über den Abgeordnetentag des ProvinzialKriegerverbandes in Witten. Ein genauer schriftlicher Bericht wird allen Vereinen des Kreiskrie= gerverbandes in den nächsten Tagen zugehen. Zu einer kurzen, aber recht lebhaften Debatte, angeregt durch den Abgeordneten Engermann vom Kriegerverein Nächstebreck, führte die Stellungnahme zum Sitzungsbericht des Provinzial= ausschusses, in welchem es heißt:„Wir bitten im Namen der dem Provinzialverband angeschlossenen 180 000 Kameraden den 1. Präsidenten unserer Organisation, daß er als alter Soldat auch in schwerer Zeit auf seinem verantwortungsvollen Posten ausharrt und uns unter keinen Umständen verläßt.“ Abgeordneter Engermann brachte in seinen Ausführungen zum Ausdrucke daß diese Stellungnahme nicht im Sinne des Kreisverbandes Schwelm liege. Er begründete daher folgenden Antrag: Nach Meinung und Stimmung der Kameraden, die an der Vorstandssitzung und am Abgeordnetentage vom 8 März teilgenommen haben, durfte dieser einstimmige Beschluß nicht gefaßt werden, weil in der genannten Versammlung unseres Kreis=Kriegerverbandes genau das Gegenteil zum Ausdruck gekommen ist.“ Dieser Antrag wurde mit knapper Majorität abgelehnt. Der Kreis=Kriegerverband hatte in seiner letzten Sitzung in Voerde beschlossen, in Dortmund mit einer Musikkapelle anzutreten. Da aber kein Festzug stattfindet und man auch Bedenken wegen der Kosten hatte, wurde dieser Beschluß einstimmig wieder aufgehoben. Auf Antrag des Abg. Hammerschmidt soll auch jedem Verein freigestellt werden, wie er seine Reise nach Dortmund bewerkstelligen will. Ein Extrazug kommt aus praktischen und finanziellen Gründen nicht mehr in Frage. Das Standquartier des Kreisverbandes Schwelm soll jedem Verein noch bekanntgegeben werden. Gegen die Beschaffung einer Schreibmaschine für den Verband hatte der Abgeordnetentag nichts einzuwenden. Dem Kriegerverein Langerfeld sollen 96 Mark verausgabte Beiträge für die Fürsorge vom Kreisverband zurückerstattet werden. Die Ortsgruppe Nächstebreck wurde wieder als Ortsgruppe anerkannt. Ueber die Herabsetzung der Beiträge an die höheren Verbände soll den Vereinen in der nächsten Zeit ein ausführlicher Bericht zugehen. In dieSchweres Eisendahnunglau der Anna Ein Personenzug stürzt die Böschung hinunter * Wuppertol, 12. Juni. Amtlich wird gemeldet: Am 11. Juni gegen 17,10 Uhr entgleiste in Kilometer 194,9 der Strecke Unna=Boenen in der Nähe der Blockstelle Mühlhausen der Personenzug 375 Hagen—Hamm aus bisher unbekannter Ursache mit sämtlichen Wagen, wobei alle Wagen aus dem Gleise sprangen und die Böschung hinunterstürzten, während die Lokomotive auf dem Gleise stehen blieb. Die Strecke Unna—Boenen wurde in beiden Richtungen gesperrt. Eine Reisende, Frau Hellkötter aus Holzwickede, wurde getötet, 8 bis 10 Personen wurden schwer und etwa 10 leichter verletzt. Die Verletzten wurden den Krankenhäusern in Unna und Hamm zugeführt. Bericht eines Augenzeugen. Das Unglück ereignete sich in der sogenannten Bodensenkung Heeren=Werve. Nach dem Bericht eines Augenzeugen sprang zunächst der hintere Zugteil aus den Schienen und rutschte die steile Böschung hinunter. Kurz darauf folgten die anderen Wagen unter großem Getöse. Merkwürdigerweise blieb nur die Lokomotive auf den Schienen. Die Wagen, darunter neun Personen=, zwei Post= und ein Packwagen, lagen teils mit den Rädern noch oben auf der Erde, teils standen sie bis zu zwei Dritteln in dem Wasser eines Kolks. Zum Glück ist kein einziger Wagen kopfüber in den Kolk geraten, sonst wären Dutzende von Menschen ertrunken. Die zertrümmerten Wagen sind zum Teil über und über mit Schlingpflanzen bedeckt, die bei dem Sturz aus der Erde gerissen wurden. Auf die Hilferufe der in den Wagen eingeschlossenen Reisenden eilten sofort Bewohner der umliegenden Häuser herbei. Bald darauf trafen auch Sanitätskolonnen und Feuerwehren sowie Hilfszüge aus Unna und Dortmund ein. Die Bergung der Verwundeten gestaltete sich insofern sehr schwierig, als sie über Laufstege hinweg die hohe Böschung hinaufbefördert werden mußten, weil nach der anderen Seite die Unglücksstätte durch das Wasser abgesperrt war. Während der Rettungsarbeiten spielten sich erschütternde Szenen ab. So lief eine Frau in höchster Erregung auf dem Bahndamm umher und schrie verzweifelt nach ihrem Kinde. Ein junges Mädchen vermißte den Bräutigam, mit dem es kurz vorher im Abteil zusammengesessen hatte. Ein Eisenbahnschaffner, der bis zur Brust im Wasser stand, konnte nur mit Mühe gerettet werden. Auch die Befreiung eines Beamten, der im Gepäckwagen eingeklemmt war, gestaltete sich sehr schwierig. Die Insassen der ins Wasser gestürzten Wagen waren vollkommen durchnäßt und über und über mit Schlamm bedeckt. Der Mann der bei dem Unglück ums Leben gekommenen Frau Hellkötter hat einen Arm verloren, während das Kind des Ehepaares schwere Kopfverletzungen davontrug. Mehrere Verletzte haben schwere Schädelbrüche davongetragen, andere innere Verletzungen oder Schnittwunden. Eine Reihe von Leichtverletzten konnte nach Anlegung von Notverbänden die Reise mit einem Hilfszug fortsetzen. Eine Besichtigung der Unglücksstätte zeigt, daß die Schienen auf etwa 200 Meter Länge verbogen und viele Holzschwellen zersplittert sind. Man vermutet, daß Erdsenkungen, hervorgerufen durch den Bergbau, zu dem Unglück geführt haben. Bemerkenswert ist, daß eine halbe Stunde vor der Katastrophe ein Schnellzug die Strecke glatt durchfuhr. Ueber das Ausmaß der Bodensenkungen kann man sich ein Bild machen, wenn man sieht, daß ein ganz in der Nähe der Unglücksstelle befindliches Haus völlig schief steht. Das Gelände hatte sich bereits in den letzten Jahren erheblich gesenkt, so daß der Bahnkörper nach und nach immer höher gelegt werden mußte. Am Sonntag früh konnte der zweigleisiige Betrieb auf der Unglücksstrecke wieder ausgenommen werden. Die Ursache noch nicht festgestellt. * Wuppertal, 12. Juni. Zu dem Eisenbahnunfall, der sich gestern auf der Strecke Unna-Boenen ereignete, gibt die Pressestelle der Reichsbahndirektion Wuppertal u. a. noch folgendes bekannt: Die sieben Personenwagen des verunglückten Zuaes waren schwach, nur etwa zu 40 Prozent besetzt. Außer der bereits als tot gemeldeten Ehefrau Hellkötter aus Holzwickede wurden 16 Personen schwer verletzt. Die Verletzungen bestehen hauptsächlich aus Bein= und Armbrüchen, Kopf= und Rückenverletzungen. Bei keinem der Schwerverletzten besteht zurzeit Lebengsefahr. Von den gesperrten Gleisen war um 20,30 Uhr das Gleis Boenen=Unna wieder befahrbar, so daß eingleisi, ger Betrieb eingerichtet werden konnte. Inzwischen waren D= und Eilzüge umgeleitet worden. Der Personenverkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Die Wiederherstellungsarbeiten am zweiten Gleis Unna=Boenen waren am nächsten Morgen gegen 6,20 Uhr beendet. Darauf konnte der regelmäßige Verkehr auf der Strecke wieder aufgenommen werden. Obwohl die Ermittlungen unverzüglich ausgenommen worden sind, konnte die Ursache des Unfalles bis zur Stunde noch nicht festgestellt werden. Anhaltspunkte dafür, daß eine verbrecherische Handlung als Ursache in Frage kommt, haben sich bisher nicht ergeben. sem Schreiben wird auch nachgewiesen werden, daß alle Gerüchte über hochbezahlte Ehrenposten im Reichskriegerbund jeder Grundlage entbehren. Die Beiträge zum Kreisverbande sind um 20 Prozent gekürzt worden, das macht pro Mitglied 2 Pfennig aus. Auf Antrag des Schatzmeisters Hoffmann=Schwelm war die Versammlung restlos damit einverstanden, daß diese Gelder, es handelt sich für die Vereine um kleine Beträge, in diesem Jahre nicht zurückerstattet werden, sondern in der Verbandskasse verbleiben. Mit großer Mehrheit wurde dann noch ein Antrag angenommen, der besagt, daß auch die Beiträge für die Kasse des Landwehrverbandes mindestens um 20 Prozent zu senken sind unter der Voraussetzung, daß die Leistungen der Kriegerwohlfahrts=Gemein= schaft nicht herabgesetzt werden. Der 1. Vorsitzende schloß dann die Tagung mit der Bitte um rege Betätigung des Gemeinschaftsgedankens auch bei der nachfolgenden Veranstaltung des Langerfelder Kriegervereins. Schneidige Marschmusik der Schwelmer Feuerwehrkapelle, die den Auftakt gegeben hatte, bildete auch den Schluß der Tagung. Schwelm, 13. Juni. (=) Marine=Militär=Konzert. Der Schwelmer Marine=Verein wartete gestern abend im Saale der Wilhelmshöhe mit einem außerordentlich stark besuchten Militär=Konzert auf, das von der Kapelle der 4. Marine=Artillerie=Abteilung unter Leitung des Obermusikmeisters Bartholomäus in glänzender Weise ausgeführt wurde. Es ist bekannt, daß sich die Veranstaltungen des Schwelmer Marine=Vereins stets einer großen Beliebtheit erfreuen, und bisher sind alle ausgezeichnet besucht gewesen. Gestern abend aber reichte der große Saal der Wilhelmshöhe zur Aufnahme aller Konzertbesucher nicht aus, es mußten noch die anstoßenden Räumlichkeiten und ein Teil des Gartens in Anspruch genommen werden. Schon durch den schneidigen Vortrag der beiden Märsche(Präsentiermarsch der 1. Matrosen=Division und„O Deutschland hoch in Ehren“) mit denen das Konzert eröffnet wurde, hatte Obermusikmeister Bartholomäus das ausverkaufte Haus für sich und seine Kapelle gewonnen. Die Ouverture zur Oper „Alessandro Stradella“ von Flotow und die Fautasie aus„Lohengrin“ von Wagner wurden hervorragend zum Vortrag gebracht. Mit großem Interesse wurde auch das alte deutsche Volkslied „s kommt ein Vogel geflogen", im Stile älterer und neuerer Meister bearbeitet von Siegfried Ochs entgegengenommen. Der Strauß'sche Walzer„An der schönen blauen Donau" bildete den Schluß des ersten Teils. Die beiden Fanfarenmärsche„Die Kreuzritter“ und Armeemarsch Nr. 10“ von Henrion lösten, wie immer, stürmischen Beifall aus, ebenso die lieben alten Weisen aus dem Potpuorr!„Sonne über Deutschland“ von Morena, und die prächtige Wiedergabe des Marine=Tongemäldes über das„Flaggenlied". Nach mehreren Zugaben, die gerne gegeben wurden, erklang zum Schluß das Deutschlandlied, welches die gesamte Festgemeinde stehenden Fußes und mit seltener Hingabe mitsang. Alles in Allem ein wohlgelungener, echter Marineabend! :: Die Indexziffer der Großhandelspreise vom 8. Juni 1932. Die vom Statistischen Reichsamt für den 8. Juni berechnete Großhandelsindexziffer ist mit 96.4(plus 0,1 v. H.) gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 92,6(plus 0/8 v. H.), Kolonialwaren 85.3(minus 0.2 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 87,2(minus 0,2 v. H.) und industrielle Fertigwaren 117,9(minus 0,3 v. H.). Milspe, 13. Juni. ::: Schützenfest verbunden mit Königskrönung. Das diesjährige Schützenfest des Milsper Schützenvereins fand am Samstag abend im Rosendahlschen Saale statt. Das Königsschießen war am Sonntag voraufgegangen und Behenke, Milspe, war König geworden. Unter Mitwirkung der Musikvereinigung Milspe wickelte sich eine Vortragsfolge ab, die die zahlreichen Anwesenden überaus befriedigte. Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden Quabeck hielt an Stelle des verhinderten Bürgermeisters Oberst a. D. Roos die Ansprache. Die Brudervereine Schwelm und Gevelsberg überbrachten ihre Glückwünsche und am Ende des offiziellen Teils konnte das neue Königspaar seinen Einzug halten. Der Thron, der erhöht in der Mitte des Saales aufgestellt und mit Tannengrün und jungem Eichenlaub geschmückt war, bot in den grünweißen Farben des Vereins einen prächtigen Anblick. Nachdem der bisherige König Oberhof verabschiedet und ihm der Dank für seine aufopferungsvolle Tätigkeit dargebracht worden war, wurde der neue König Behenke gekrönt. Auch die„Pfänderschützen" Nickel, Hedtstück Mücher, Vormann, Schnautz und Quabeck wurden entsprechend geehrt. Musik, Gesang und Tanz hielt die Gäste noch viele Stunden zusammen. := Seinen 82. Geburtstag feierte gestern der „Oalle Kranz“ Peddenöde. Nachträglich auch unsern Glückwunsch. :=: Ein Fahrradunfall ereignete sich wieder einmal an der gefährlichen Ecke auf Berninghausen unterhalb der Wirtschaft Kartenberg. Ein Radfahrer kam in mäßigem Tempo von oben, während ein Personenkraftwagen von Milspe herauffuhr. Da beide kein Signal gaben und die Straße an der Stelle sehr eng ist, war ein Zusammenstoß unvermeidlich. Wie durch einen glücklichen Zufall kam der Radfahrer mit einem Schrecken und einigen Hautabschürfungen davon, während das Rad vollkommen zertrümmert unter dem Auto hervorgezogen wurde. :::„Das verlorene Paradies.“ Der gemischte Chor„Cantate“, Altenvoerde, und das christl. Streichorchester, Milspe, brachten am Samstag abend im evangelischen Gemeindehause zu Milspe das Oratorium„Das verlorene Paradies“ von August Rücker zur Aufführung. Der Besuch war so gut, daß der große Saal die Gäste nicht alle fassen konnte und auch die beiden hinteren Säle geöffnet werden mußten. Schon beim Vorspiel überraschte das Streichorchester durch seine Fülle und gute Besetzung. Pfarrer Staupendahl hielt eine Ansprache, in der er die Verbindung unserer jetzigen Notzeit mit dem Inhalt des Oratoriums herstellte. Als Solisten wirkten mit: Frl. Elisabeth Butschkus, Essen, Sopran, Ernst Dicke, Dahlerbrück, Tenor und Otto Geib, Hagen, Baß. Solisten, Chor und Orchester gaben ihr Bestes und machten so die Aufführung für viele zu einem Erlebnis. :: Bei der Schweinezählung am 1. Juni ds. Is. wurden gezählt in 154 Haushaltungen: Zuchteber 1 Jahr alt oder älter: 1, Zuchtsauen ½ bis noch nicht 1 Jahr alt, trächtig: 1. ein Jahr alt oder älter, trächtig:„ nicht trächtig: 4, nicht zur Zucht benutzte Schweine: Ferkel unter 8 Wochen alt 58, Jungschweine 8 Wochen bis noch nicht ½ Jahr alt 275, Schweine ½ bis noch nicht 1 Jahr alt 38, Schweine 1 Jahr alt und älter 3. Die Gesamtzahl der Schweine beträgt mithin: 382. Mit der Schweinezählung war eine Kalbezeitenerhebung verbunden, die folgende Zahlen ergab: Im Monat März wurden 88, im April 81 und im Mai 59 Kälber geboren. (=) Eine öffentliche Steuermahnung erläßt die Amtskasse Milspe in der heutigen Ausgabe. Voerde, 13. Juni. :: Schwerer Betriebsunfall. In einem hiesigen Fabrikbetrieb in Hasperbach erlitt der Schmelzer Hellwig einen schweren Unglücksfall. Der Verletzte war damit beschäftigt, Metall umzuschmelzen. Plötzlich hörte der Mitarbeiter einen Hilfeschrei und sah bei dem Hinzueilen, wie der Funkenregen einer großen Stichflamme zur Erde zurückfiel. Er fand den Verunglückten mit schweren Verbrennungen am ganzen Körper auf der Erde liegend vor. Der Schwerverletzte wurde durch die Berufsfeuerwehr dem Evangelischen Krankenhaus in Hagen=Haspe zugeführt. Der Zustand ist bedenklich und hat der Verletzte bisher keine Auskunft über den Hergang des Unfalls geben können. Gevelsberg, 13. Juni. * Steinwürse auf ein Auto. Einem Autobesitzer aus Barmen wurde an der Drehbank die Windschutzscheibe durch den Steinwurf eines Knaben zertrümmert. Der Fahrer verlor für einen Augenblick die Geistesgegenwart, bekam aber schnell wieder die Gewalt über sein Auto und konnte ein Unglück im letzten Augenblick verhüten. Volmarstein, 13. Juni. * Ein dreister Diebstahl. Am Donnerstag abend bemerkte der Kaufmannsgehilfe Fritz Buchholz, in Volmarstein am Kamp wohnend, daß aus seinem Schlafzimmer die im Kleiderschrank befindliche Geldkassette fehlte. Die Kassette enthielt einen nicht geringen Bargeldbetrag nebst Versicherungspapieren und Schuldscheinen. Der Täter muß mit den örtlichen Verhältnissen sehr vertraut gewesen sein. Die Kassette wurde später unterhalb der Buchholzschen Besitzung im Walde erbrochen aufgefunden. Das Bargeld ist herausgenommen, während sich die Papiere noch darin befanden. Nach dem Täter fahndet man noch. Sprockhövel, 13. Juni. * Bedauerlicher Sportunfall. Bei dem gestern nachmittag zwischen der ersten Mannschaft des Sportvereins Sprockhövel und dem Langenberger Spielverein zum Austrag gekommenen Spiel erlitt der Spieler Weber von Sprockhövel bei einer Abwehr eines gegnerischen Spielers einen Stoß und stürzte derart unglücklich, daß er Kopfverletzungen erlitt und ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen mußte. Die Wunde mußte genäht werden. Westfalen, Rheinland und Auchburgeviele den Raubmörder gesehen. aber nicht gefaßt * Bielefeld, 11. Juni. Plötzlich und unerwartet hat sich die Bühne des furchtbaren Morddramas am Gastwirt Dresselhaus von dem stillen Schloß Holte nach Bielefeld verschoben. Dort geschah nämlich am Freitag nachmittag das Unglaubliche: In der Nähe des Sennefriedhofes zwischen Bielefeld und Brackwede ist eine junge Arbeiterin mit der Bestellung des Feldes beschäftigt, als plötzlich aus einem Gestrüpp mit ganz zersetzten Kleidern, von Blut, Schmutz besudelt, ein verkommen aussehender Mann mit hagerm Gesicht und ohne Kopfbedeckung auf sie zutritt und mit erzwungenem Lächeln freundlich meint:„Guten Morgen schöne Frau, besorgen Sie mir doch bitte einen Anzug; ich komme nämlich von einem — Kampf! Geld habe ich genug! Sie bekommen viel; nur: besorgen Sie mir schnell einen Anzug!“ Das Mädchen stutzt und wird nervös. Noch immer redet der unheimliche Mann auf die Arbeiterin ein, weist dabei auf seine Aktentasche, in der er viel Geld und außerdem noch einen Hammer und ein Messer habe. Aber wie sehr auch der Fremde zuredet, die Arbeiterin schickt sich nicht an, seinen Wunsch zu erfüllen, sondern versucht zu fliehen. Da in diesem Augenblick in der Nähe weitere Personen sichtbar werden, verschwindet der Mörder— nur um ihn kann es sich nach den polizeilichen Ermittlungen gehandelt haben noch schneller als er gekommen ist. Die Arbeiterin läuft zur nächsten Polizeistelle und schildert in höchster Erregung das Gesehene. Ein Ueberfallkommando der Bielefelder Polizei nach dem andern fährt in rasendem Tempo zu der bezeichneten Stelle hinaus, sucht alles Gestrüpp und die ganze Umgebung ab, aber den Mörder findet man nicht. * Hagen, 11. Juni.(Straßenbahnprozeß.) Am Montag wird sich der frühere Direktor der Hagener Straßenbahn, Pfordte, vor dem Großen Schöffengericht Hagen zu verantworten haben. Es wird ihm vorgeworfen, erstens fortgesetzt handelnd als Mitglied der Hagener Straßenbahn absichtlich zum Nachteil der Gesellschaft und wissentlich in seinen Darstellungen den Stand der Verhältnisse der Gesellschaft unwahr gargestellt oder verschlechtert zu haben, zweitens fremde bewegliche Sachen, nämlich Geldbeträge der Hagener Straßenbahn, die er im Besitz oder Gewahrsam hatte, und die ihm anvertrauten Waren sich rechtswirksam zugeeignet zu haben, indem er sie unbefugt aus seinen Einnahmen oder als Darlehen ausgab und später wieder einzog und nicht ablieferte. Die Nachprüfung der Kassenführung hatte nämlich ergeben, daß ein Geldbetrag von ungefähr 263000 Mark vom Angeschuldigten in ungewöhnlicher Weise den Mitteln der Aktiengesellschaft entzogen ist, für den Belege fehlen, daß insbesondere für den Bau der Dienstwohnung des Angeschuldigten, der mit 43300 Mark veranschlagt und bewilligt war, rund 138000 Mark ausgegeben waren. Der Angeschuldigte hat auf Aufforderung hin nicht angeben können, wofür er den Geldbetrag entnommen hat. Er bestreitet, sich un * Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. gerechterweise bereichert zu haben, und er führt aus, daß alle Entnahmen im Interesse der Aktien= gesellschaft. teils zu karikativen, teils zu repräsentativen oder Werbezwecken verwandt worden seien. Er beruft sich dabei auf das Einverständnis des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden, des Oberbürgermeisters a. D. Cuno. Dieser habe ihm einen Dispositionsfonds ohne zisfernmäßige Beschränkung eingeräumt und keine Bindung für die Verwendung der aus diesem Konto entnommenen Geldbeträge vorgeschrieben. Der Angeschuldigte räumt aber ein, daß die übrigen iMtglieder des Aussichtsrates von dem Bestehen dieses Kontos keine Ahnung hatten. * Dortmund, 12. Juni.(Qualvoller Tod eines fünfjährigen Mädchens.) Gestern nachmittag spielten zwei fünf= und sechsjährige Mädchen eines Arbeiters aus dem Stadtteil Dorstfeld während der Abwesenheit der Eltern mit Streichhölzern. die sich plötzlich entzündeten. Das fünf Jahre alte Mädchen stand alsbald in hellen Flammen. Es erlitt schwere Brandwunden am ganzen Körper. Das Kind wurde sofort dem Krankenhaus zugeführt, wo es am Sonntag morgen unter qualvollen Schmerzen seinen erlittenen Verletzungen erlegen ist. * Haltern, 11. Juni.(Neue Altertumsfunde im Römerlager.) Im Römerlager bei Haltern werden zurzeit unter der Leitung von Dr. Stieren und Dr. Albrecht(Münster) neue Ausgrabungen durchgeführt, die in den letzten Tagen gute Erfolge zeitigten. So wurden wertvolle Münzen und Gefäße geborgen. Inzwischen ist bei den Ausgrabungen eine große Fläche freigelegt worden; dabei stieß man auf die deutlichen Spuren eines großen Gebäudes. So sind klar erkennbar die Stellen, an denen vor Jahrhunderten die Balken des Gebäudes sich befunden haben, außerdem sind in dem freigelegten Gelände kreisrunde Stellen zu sehen. auf denen sich allem Anschein nach die das Gebäude damals tragenden Pfeiler befanden. Sämtliche Räume sind durch Zwischenwände getrennt, die sich genau 3,40 Meter von einander befinden. Nach den Spuren zu urteilen, ist zweimal an dieser Stelle ein Gebäude errichtet worden. Die Forscher sind sich noch nicht klar darüber, ob es sich bei diesem Gebäude um eine Kaserne oder um einen Tempel handelt. * Bielefeld, 11. Juni.(Der Schnelltriebwagen der Reichsbahn kommt.) Dem vor einigen Wochen erst aufgetauchten Plan der Reichsbahn, nämlich die Einführung der neuen Schnelltriebwagen auf der Strecke Berlin=Hannover= Bielefeld und darüber hinaus, folgte ungewöhnlich schnell die Ausführung. In den nächsten Tagen verläßt der erste dieser Schnelltriebwagen die Werkstätte, um auf der Strecke Hamburg=Berlin eingesetzt zu werden; wahrscheinlich schon Ende dieses Monats wird die Bielefelder Strecke befahren. Der neue Schienenwagen der Reichsbahn ist als Doppelwagen mit zwei Maybach=Diesel=Motoren von 410 PS. Leistung gebaut. Innen erhält der Wagen einen Gepäckraum und Sitzplätze zweiter Klasse. Außerdem wurde in der Mitte ein Erfrischungsraum eingerichtet. Der neue Schienenwagen ist ungefähr 42 Meter lang und wiegt rund 77 Tonnen. In seinem Aeußern soll der Schnelltriebwagen dem Rheingoldexpreß ähneln. Er wird silberfarben gestrichen sein und breite violette Streifen tragen. * Düsseldorf, 11. Juni.(Aufhebung einer Falschmünzer=Werkstätte.) Nachdem es vor einigen Tagen gelungen war, zwei Frauen und drei Männer beim Vertrieb von Falschgeld abzufassen, konnte jetzt auch das Haupt der Bande, der 28jährige Hammerführer Peter Knips aus Büderich bei Düssedlorf festgenommen werden. Sämtliche fünf Verhafteten sind untereinander verwandt. Es sind dies u. a. ein Metallarbeiter und ein Vergolder, die zusammen mit Knips die Falschstücke, und zwar 50=Pfennig=Stücke sowie Zwei= und Dreimark=Stücke herstellten, während die zwei Frauen die Falschstücke vertrieben. Seit längerer Zeit waren in der hiesigen Gegend im Straßenhandel, auf Kirmesplätzen und besonders während des Ausverkaufs der Warenhäuser Falschstücke umgesetzt worden. Bei einer Haussuchung sand man noch weitere Falschgeldstücke sowie die zu ihrer Herstellung benutzten Materialien. Zwei weitere Personen wurden nach ihrer Verhaftung wieder freigelassen. * Duisburg, 12. Juni.(Wiederinbeariebnahme der Krupp= Werke in Rheinhausen.) Zu der Wiederinbetriebnahme der Kruppschen Werke in Rheinhausen wird noch berichtet, daß die Friedrich=Alfred=Hütte am 15. ds. die Hauptbetriebe, Stahl=, Hochofen=, Martin=, Thomas= und Walzwerke wieder in Betrieb nimmt. Insgesamt kommen 4890 Arebiter zur Wiedereinstellung. * Dorsten, 12. Juni. Anläßlich der Geburt des zwölften lebenden Kindes in der Familie Goldhagen in der Lindenfelderstraße in Dorsten wurde den Eltern durch Bürgermeister Dr. Lürken eine Ehrenurkunde des preußischen Staatsministeriums zusammen mit einem Geldgeschenk von 200 Mark überreicht. „Bayern“, München Fußballmeister Eintracht. Frankfurt 0: 2 geschlagen 60 000 Zuschauer * Nürnberg, 12. Juni. Selten hat ein entscheidendes Spiel um die deutsche Fußballmeisterschaft derart auf die Massen der Interessenten gewirkt wie dieser Kampf zwischen den süddeutschen Spitzenmannschaften, Eintracht Frankfurt und Bayern München, im Nürnberger Stadion. Die Laune des Schicksals hatte es gefügt, daß diese Mannschaften, die vor fast zwei Monaten in Stuttgart schon einmal um die süddeutsche Meisterschaft zu kämpfen hatten, auch im Kampf um den deutschen Meistertitel die große Rolle spielten. Den Münchener„Bayern“ gelang der große Wurf, zum ersten Male ist eine deutsche Meisterschaft nach München gefallen. Die Entscheidung stellte sich in einem harten, wenn auch nicht immer hochklassigen Kampf ein. Man stand sich wirklich nichts nach, die bessere Tagesform mußte das Ergebnis formen und die hatte Bayern. Die Münchener haben das Spiel verdient gewonnen. Sie sind ein würdiger deutscher Meister. Daran kann nicht gezweifelt werden. Sie hatten ihrem Kontrahenten das große Plus voraus: sie spielten ruhiger und hatten zudem noch den technisch reiferen und vor allem gutaufgelegten Sturm. Im Gegensatz zu Stuttgart, wo beim Endspiel um die süddeutsche Meisterschaft Frankfurt als die bessere Mannschaft verdient gewann, waren diesmal die Rollen vertauscht. Die Bayern spielten besser, die Frankfurter schlechter als in Stuttgart. Als nach etwa einer halben Stunde klar wurde, daß die Eintracht das Spiel nicht so diktieren würde, wie sie wollte, war die Entscheidung eigentlich schon gefallen. Die Münchener wurden immer sicherer, Frankfurt immer nervöser, aber auch härter, womit man sich die Sympathien des vordem völlig objektiven Publikums allmählich verscherzte. Der Beifall für den Sieger am Ende des dramatischen Ringens war ungeteilt. Deutscher Tennissieg gegen Irland 4:1 Prenn— von Cramm gewinnen mit 6:4, 6:3, 1:6, 8:6 das Doppel. Bei wieder herrlichem Sommerwetter und überraschend starkem Besuch von 4000 Personen wurde im Daviskampf Deutschland—England das Doppelspiel ausgetragen, das die Deutschen Prenn— von Cramm über Rogers— Guire nach einem Viersatz für sich entschieden. Nachdem die Deutschen die ersten beiden Sätze 6:4, 6:3 an sich gebracht hatten mußten sie den dritten 1:6 an die Irländer abgeben. Nach einem harten Gefecht fiel der vierte Satz mit 8:6 wieder an die Deutschen, die somit im Länderkampf die 2:1=Führung herstellten. Der Sieg wurde aber schwerer errrungen, als es das Ergebnis besagt. Mit 2:1 Punkten, 8:4 Sätzen und 17:53 Spielen dürfte der deutsche Gesamtsieg nicht mehr gefährdet sein. Der Sport im Schwelmer J. C. 06 Ein unerfreulicher Kampf in Langerfeld Mit einem starken Mißklang endete das gestrige Fußballtreffen in Langerfeld. Befleißigten sich die beiden alten Rivalen noch im ersten Teile des Kampfes im allgemeinen der erforderlichen Sportlichkeit, so brachte die 2. Halbzeit doch Erscheinungen, die nichts mehr mit Sport zu tun haben und von jedem rechtlich denkenden Menschen aufs schärfste verurteilt werden müssen. Schwelm lag in der Pause mit 2:0 in Führung. Nach dem Seitenwechsel brachten dann die eigenartigen Entscheidungen und Nichtentscheidungen des Unparteiischen Reichhoff vom Sport= und Spielv. Barmen und auch die stärkeren Entgleisungen verschiedener Spieler die Gemüter in Aufregung. Der Schiedsrichter schien seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein, denn bei energischem Eingreifen zu rechter Zeit wäre es nicht zu dem schweren tätlichen Angriff des Langerfelder Verteidigers Wolf auf den Schwelmer Linksaußen Winkelmann gekommen. Wenn auch Winkelmann einen Zusammenstoß mit einem Langerfelder Spieler hatte, so lag doch für den unbeteiligten Wolf durchaus kein Anlaß vor, Winkelmann mit der Faust so ins Gesicht zu schlagen, daß er blutend zu Boden fiel und vom Platz getragen werden mußte. Seine Verletzungen sollen nach ärztlichem Befund nicht unbedenklicher Natur sein. Es berührt eigenartig, daß der Schiedsrichter von diesem Vorfall nichts bemerkt hat, er hätte doch den Spieler Wolf sofort des Platzes verweisen müssen. Warum ist das nicht geschehen? Ueber den Spielverlauf ist nicht viel Erfreuliches zu sagen. In der ersten Halbzeit hatte Schwelm erheblich mehr vom Spiele als Langerfeld, was auch in dem 2:0=Torerfolg für Schwelm zum Ausdruck kam. Nach dem Seitenwechsel nahm der Kampf bald recht unseine Formen an. Langerfeld holte durch Herkelmann bald ein Tor auf, bei größerer Aufmerksamkeit der Schwelmer Tordeckung hätte dieser Erfolg Langerfelds verhindert werden können. Durch einen Elfmeterball kam Langerfeld zum Ausgleich. Durch diese Elimeterentscheidung, die durchaus nicht am Platze war, trug der Schiedsrichter eine gewisse Mißstimmung in die Reihen der Schwelmer Mannschaft und auch in einen erheblichen Teil der Zuschauer. Der Kampf wurde immer härter. Verschiedene durchaus berechtigte Elfmeterbälle wurden für Schwelm nicht gegeben. Schwelms Mannschaft spielte scheinbar lustlos. Als dann auch noch der erwähnte Zwischenfall eintrat und die Gäste schließlich mit nur drei Stürmern spielen mußten, da war es mit einem regelrechten Kampfe vorbei. Langerfeld holte sich noch zwei weitere Tore und stellte damit das Endergebnis auf 4:2. Schwelm spielte ohne Balschau. Henning und Frese. FC. Schwelm— Sp. V. Milspe 3:3 Auch im Kampf gegen den Sportv. Milspe hatte der Schwelmer FC. kein Glück. Unter Berücksichtigung des Gesamtspielverlaufes hätte ihm sonst ein klarer Sieg beschieden sein müssen. Schon in der 1. Minute erzielte man ein einwandfreies Tor, das jedoch vom Schiedsrichter nicht gegeben wurde. Der Kampf wurde nun sehr schnell und auch recht abwechslungsreich, etwas weniger Härte hätte auch genügt. Schwelm lag dauernd im Angriff. zu Torerfolgen sollte es jedoch vorerst nicht kommen. Milspe war in seinen Aktionen glücklicher. In der 13. Minute holte Schnöring(HL.) den Führungstreffer. Stiller im Schwelmer Tor hätte den Ball wohl halten können. Schwelm wurde allmählich im Feldspiel überlegen. In der Sturmreihe wollte es nicht klappen, trotzdem sie von der Läuferreihe mit Lier als Mittelläufer gut unterstützt wurde. Milspe versuchte durch durchbruchsartige Vorstöße sein Heil, und in der 18. Minute war ihm dann auch wieder das Glück hold. Halbzeit 2:0 für Milspe. Kurz nach der Pause drängte Schwelm längere Zeit erheblich. Milspe legt sich mehr auf die Verteidigung seines Vorsprunges. Sein linker Verteidiger schießt aber bald zum Treffer für Schwelm ein, und in der 10. Minute köpfte der linke Läufer der Gäste gleichfalls ein Tor für den FC. ein. 2:2. Aus klarer Abseitsstellung kam der Gast wieder in Führung. Stiller wartete scheinbar auf den Abpfiff des Unparteiischen, denn er machte überhaupt keine Anstalten zur Abwehr des Balles. Schwelm drängte wieder mehr. Im Tor stand nunmehr Staat und Stiller wirkte als Verteidiger. Schwelm konnte die vielbeinige Tordeckung der Gäste nicht überwinden, der Torhüter war ausgezeichnet. Ein Elfmeterball brachte den Ausgleich. FC. Schwelm A. H.— Sp. Cl. Barmen A. H. 2:4 Sportg. Langerfeld 1a=Jgd.— FC. S. 1a=Igd. 1:6 Handball TV. Vohwinkel— FC. Schwelm 6:1(1:1) In der ersten Halbzeit waren sich beide Gegnet ziemlich gleichwertig. Nach der Pause zog dann aber der Gastgeber in Front. Sein technisch guter und auch wurfkräftiger Sturm holte 5 weitere Tore und stellte das Endergebnis auf 6:1 für seine Farben. Der Kampf wurde stets fair durchgeführt und hinterließ infolgedessen den besten Eindruck. Grün=Weiß Schwelm— Sportklub 08 Elberfeld 2 K1 Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Hans Scherz Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich Schwelm. Oeffentliche Steuermahnung. An die umgehende Zahlung der bis zum 15. ds. Mts fällig werdenden Staats= u. Gemeindeabgaben für den Monat Juni 1932 wird hierdurch erinnert. Nach dem Fälligkeitstage werden die Rückstände im Zwangswege eingezogen. Es wird darauf hingewiesen, daß nach der Verordnung vom 22. Januar 1932 für rückständige Steuern ab 1. Februar 1932 halbmonatlich 1½ Proz. Verzugszuschläge zu entrichten sind. Die Vollstreckungsbehörde ist nicht befugt, aus Billigkeitsgründen von der Erhebung der Zuschläge Abstand zu nehmen. Milspe, den 10. Juni 1932. Die Amtskasse Milsve als Vollstreckungsbehörde. Zwungsoresteigrrung. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll die im Grundbuch von Gennebreck Band 1 Blatt Nr. 43 eingetragene landwirtschaftliche Besitzung des Landwirts Otto Dieckmann in Herzkamp am 25. Juli 1932, 10½ Uhr an der Gerichtsstelle, Zimmer Nr. 15 versteigert werden. Die Besitzung besteht aus den Grundstücken Flur 6 Nr. 94, 95, 184/96, 309/92 und 310/97 der Gemarkung Gennebreck. Sie hat eine Gesamtgröße von 3,0703 ha und einen Reinertrag von 3,39 Talern; sie umfaßt hauptsächlich Ackerland am Mettberge. Auf dem Gundstück Flur 6 Nr. 184/96 steht das Wohnhaus Busch Nr. 208 mit Anbau und Gewächshaus; es hat einen Nutzungswert von 396.— Mark. Schwelm, den 2. Juni 1932. Amtsgericht Schwelm beingi der Randsum! 6,45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7,05—8,00 auch über den Südfunk, Stuttgart und den Südwestfunk, Frankfurt Brunnenkonzert aus Bad Oeynhausen. Kurkapelle Bad Oeynhausen(Orchester der Stadttheater Göttingen und Stralsund), Leitung: Musikdirektor Ladewig. 8,00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9.45—10,00 Gymnastik für Frauen. 10,00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,10—11,20 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempfang für Arbeitslose. 11,10—11,20 Schulfunk. 11,20—11,50 Funkwerbung mit Schallplatten. 12,00—12,50 Unterhaltungskonzert. 12,50 Wetterbericht, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,00—14,30 Mittagskonzert des Kölner KonzertOrchesters(Orchester erwerbsloser Berufsmusiker beim Arbeitsamt Köln), Leitung: E. Walter. 1. An die Gewehre, Marsch von Lehnhard, 2. Anacreon=Ouverture von Cherubini, 3 Samt und Seide, Walzer von Ziehrer, 4. Zug der Frauen zum Münster, aus der Oper„Lohengrin“ von Wagner, 5. Fantasie aus der d. Oper „La Traviate“ von Verdi, 6. Fern vom Ball v. Gillet, 7. Ballettsuite von Rubinstein, 8. Irmana, Tango von Walter, 9. Melodien aus der Operette„Der Vogelhändler“ von Zeller, 10. Ouverture zur Operette„Die Fledermaus“ von Joh. Strauß. 15 30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderstunde. 16,20—16,30 Mitteilungen aus dem Schulfunk. 16,30—17,00 Aus dem Leben der höheren Schule. Die beste Reklame ist und bleibt das Zeitungs. Inserat! 17,00—18,15 Vesperkonzert des Rundsunkorchesters Leitung: G. Görlich Mitwirkende: Ellen Beck (Sopran), Hans Hofele(Bariton), am Flügel: Otto Seyfert. 1. Marsch aus der Oper„Die verkaufte Braut" von Smetana, 2. Fantasie aus der Oper„Madame Butterfly“ von Puccini, 3. Frühlingssuite von Nevin, 4. Duette für Sopran und Bariton von Dvorak, 5. Steirische Tänze aus der Komödie„Das Testament“ von Kienzi, 6. MartinWalzer von Zeller, 7 a) Rheinland von König, b) Frühlingslied aus der Operette„Spitzentuch der Königin“ von Joh. Strauß, 8. Schneidig vor, Marsch von Fucik. 18,15—18,35 Hochschulfragen. 18,85—1850 Französische Unterhaltung. 19,00—19/35 Uebertragung von der deutschen Welle Berlin: Gregor Strasser,„Die Staatsidee des Nationalsozialismus.“ 19.35—20,35 Reichssendung Ostpreußen Heimatabend„ 20,35 Klassische Bühne des Westoeutschen Kunofunks(4) Genoveva. Tragödie von Friedrich Hebbel. Nuschließend: Letzte Meldungen, Bericht über da# geistige Leben, Sportbericht. Funkstille. A I- haben uns gesagt: Wenn wir unser Doppel-Jubiläum wirklich zeitgemäß begehen wollen, dann sollen uns unsere alten Lieferanten heifen. Der Erfolg: Große Posten Waren In allen Abteilungen konnten wir besonders günstig bekommen und veranstalten damit unseren DOPPEL-JUBILAUMS-VERKAUF als Dank an unsere langjährigen Kunden. Kommen Sie und staunen Sie über unsere Leistungen. Max Klein∆ Schwelm Die Mottenbrut in Schrank und Ecken ist jeder Hausfrau Angst und Schrecken! Wie uns die Wissenschaft berichtet, sind Motten schnell, samt Brut, vernichtet mit MOT KI, dem Naturerzeugnis, für jede Hausfrau ein Ereignis! Unfehlbar wirkend, ist zudem der Duft von MOT KI angenehm! Die Hausfrau reibt beglückt die Hände: „Die Mottenqual ist nun zu Ende; dazu vorbei in Fach und Schrank, ist Naphta und p. p. Gestank!“ Drum darf, da Mottenschäden quälen, in keinem Haushalt MOT KI fehlen! Aus ist's mit aller Mottennot, denn: MOT KI ist der Motten Tod! Rafel Biegerte in Milspe Herm. Fischer Haltestelle der Straßenbahn Tel. 2207 Amt Gevelsberg Voerderstr. 17 VUrrerst bis 25. Juni. Dr. Voormann, Spezialarzt für Hautund Harnleiden. Gevelsberg. Zum gründlichen Hauspat: gehört unter allen Umständen die Betten-Reinigung aber nur vom Fachmann, alse von Betten-Heck, Schweim * — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Zweiles biak. Aummer 130 * 8 Montag, 13. Juni 1932 Im Plauschbecken des Benischen Keiches Sandburgen von der Ems bis zur Memel— Jugend. die trotz allem leben will und wird.— Kühle See. kräftiger Wellenschlag, Haifischeier, Bernstein. verlorene Gebisse und andere Strandneuigkeiten. Von Franz Hermann Falke Nun tummeln sich viele tausende unseres Volkes schon wieder in den großen Planschbecken des Deutschen Reiches, in der Nordsee und der Ostsee, und kühlen die im Kampf ums Dasein erhitzten Nerven in den ewig rollenden Wogen des Meeres. Sandburgen wachsen zu Hunderten und Tausenden von der Ems bis an die Memel, und flatternde Fähnchen schießen wie die Spargel im Mai neben dem„eigenen“ Strandtorb an langen und noch längeren Bambusstäbchen in die Höhe zum Stolz ihres Besitzers und als Augenweide aller, die von den hohen Dünen das herrlich bunte Bild deutschen Strandlebens in sich aufnehmen. Viele können das, weil ihnen ein gütiges Geschick ihren Arbeitsplatz in den Stürmen der Zeit noch erhalten hat, und viele nehmen ebenso fröhlichen Herzens an diesem Erlebnis teil, weil der Bürgersinn des deutschen Volkes ihnen und erst recht ihren Kindern den Weg an die See frei macht, auch wenn sie kaum das Nötigste zu leben haben. Die Sehnsucht nach dem Meer, dessen erster Anblick noch jedem aufnahmefähigen Menschen Herz und Atem Sekunden lang zum Stocken brachte, diese Sehnsucht nach der Köstlichkeit der unendlichen Weite wuchtig bewegten Wassers, die einen Friedrich Schiller erregte, ohne daß er sie jemals zu stillen vermochte, erfüllt sich Zehntausenden, Hunderttausenden der Aermsten unseres Landes, die mit gestärktem Körper und gestärkter Seele nach schönen Tagen aufrechter und leistungsfähiger wieder an ihre Pflichten gehen. Das gilt besonders für die deutsche Jugend. In welchem Lande der Erde gibt es auch nur aunähernd soviel öffentliche Heime, soviel Kureinrichtungen privater Wohlfahrtseinrichtungen, so zahlreiche Erholungshäuser wie in den deutschen Bergen und an den deutschen Küsten! Und wie in jedem Jahre tunken nun die Knaben und Mädchen, die am Meeresufer planschen und kreischen und wie immer ihren Herzen Luft machen dürsen, den Finger in die Nordsee oder die Ostsee und führen ihn vorsichtig zum Munde und stellen fest, ob das Meerwasser wirtlich salzig schmeckt. Wirklich und wahrhaftig! Es schmeckt salzig! Und wie! Dann bewundern sie gegenseitig die feine weiße Salzkruste, die ihre luftgetrocketen Arme und Beine nach dem Bade bedeckt. Und dann tun sich allmählich auch die anderen Wunder des Meeres und des Strandes auf. Die kühle See spült die Aengstlichkeit vor den anstürmenden Wellen von ihnen und auch den„Großen“, den Erwachsenen ab, und alle bieten die Brust dem kräftigen Wellenschlag. Klatschend bricht er sich an den Leibern und Köpfen und wirft alt und jung und Mann und Weib wild durcheinander und verwandelt eine steife„ötepötöte“ Menschheit im Nu in eine lustige, unbefangene Gesellschaft von lauter guten Freunden. Es ist so hübsch, so unvergleichlich reizvoll, nach dem Baden in den Dünen zu liegen, dem Rauschen des Meeres zu lauschen und gaukelnde Phantasien in den blauen Himmel zu schicken. An der Ostsee, besonders wo sie nordöstlich wird, träumt man dann von phantastischen Bernsteinfunden und neckischen gelben Dingern, die in ihrer goldgelben Helle winzige Mücken bergen. Wenn man später eine hübsche Muschel findet, so wie sie zu Millionen am Strande umherliegen, ist man auch zufrieden. An der Nordsee beschäftigen sich die Gedanken und der Meinungsaustausch mit den mancherlei Merkwürdigkeiten, welche die Flut aus Ufer trägt. Wenn jemand im Zweifel sein sollte— und die meisten sind es, auch dann, wenn sie sich zu den gelahrten Leuten rechnen—: die putzigen schwarzen Kissen von rund fünf Zentimeter Breite mit den lang ausgezogenen Spitzen an jeder Ecke sind tatsächlich Haifischeier. Aber nur keine Angst. Die Haifische der Nordsee, der Dornhai und der Katzenhai, trauen sich an badende Menschen nicht heran und störten noch niemals einen Schwimmer, der sich von den Wellen in der Rückenlage treiben läßt; denn sie werden wenig größer als die Hechte. Trotzdem sollte man ihre Eier nicht so gering schätzen und einsach als„eine Art Blasentang" bezeichnen. Den angeschwemmten Krabben tut man einen großen Gefallen, wenn man sie flink in tieferes Wasser wirft. Die bunten Quallen rührt man aber klugerweise nicht an; denn sie sind die Brennesseln des Meeres. Gebisse, Brillen oder jedenfalls Brillenrahmen schleudere man nicht wieder ins Meer, weil sie doch wieder an den Strand getragen werden, sondern liefere sie bei irgend einer Fundstelle ab. Denn es kommt vor, daß es manchen Menschen mit diesen Sachen ähnlich geht wie dem Herrn Tyrannen Polykrates mit seinem Ring. Die Geschichte eines Mannes, der in Westerland sein Gebiß verlor und damit in Kampen — oder war's umgekehrt— von dem schleunigst um Hilfe ersuchten Zahnarzt beglückt werden sollte. ist verbürgt und hat sogar die Gerichte beschästigt, weil der eine Teil sein Recht auf das Strandgut geltend machte und der andere meinte, daß sein Gut sein Gut bleibe, auch wenn es im Rummel des Badebetriebes sich selbständig von den Wellen ein paar Kilometer weiter bewegen ließ und schließlich hochnäsig als„Strandgut“ wieder zum Vorschein komme. Vielleicht ist diese Geschichte doch nicht verbürgt, sondern wird nur so dargestellt. Spaß muß doch sein! Und an der See darf man sich nicht wundern, wenn immer wieder Seeschlangen entdeckt werden oder wenn jemand von Seehunden schwärmt, die er niemals gesehen hat, sondern die in Wirklichkeit nur bescheidene kleine, von Wellen umplätscherte Sandbankköpfe waren. Es gibt aber Seehunde. Nur sind sie noch nicht so weit, sich am Badebetriebe zu beteiligen. Vielleicht aber bellen sie doch einmal mit den Schwanzflossen, wenn von der Ems bis an die Memel frohes dentsches Volk sich in See und Sonne gesund badet. Zum Wochenende ins Sauerland Zur rheinischen Grenze. An der Volmetalbahn Hagen—Meinerzhagen liegt die kleine Haltestelle Bollwerk(290 Meter), die wir als Ausgangspunkt unserer 1½Tageswanderung auserkoren haben. Wir finden diese auf Blatt 6 Lüdenscheid der Sauerlandkarte 1:50000 südwestlich von Lüdenscheid. Gleich am Bahnhof gewahren wir das Zeichen der Hauptwanderstrecke 9 des Sauerländischen Gebirgsvereins, an das wir uns am Nachmittag des ersten Tages halten. Südlich geht's über Berkenbaum steigend bis zur Landstraße Halver—Kierspe(420 Meter), nun ein wenig hinab nach Kierspe(390 Meter, 1¼ Stunde). Haben wir das Kirchdorf durchquert, wandern wir über Eichen nach Kiersverhagen(25 Min.) an der Landstraße nach Rönsahl, auf dieser 10 Minuten weiter bis zum Dürenerhäuschen, dann links durch Wald über Benninghausen zur Lingese=Talsperre(340 Meter, 35 Min.). ¾ Stunde dahinter liegt, nachdem wir das Wuppertal verlassen haben, das schon rheinische Städtchen Marienheide(350 Meter), das uns Rast für den folgenden Wandertag gewähren soll. Am nächsten Morgen fahren wir mit der Bahn bis Holzwipper(380 Meter). Mit dem weißen Liegekreuz der Hauptwanderstrecke 3 wandern wir nun südwärts über Müllenbach, Obernhagen, Niedernhagen und den Kerrberg auf wechselndem Feld= und Waldwege mit mehrfach schönen Blikken in 2 Stunden nach Gummersbach(250 Meter), dem freundlichen Lindenstädtchen. Fast die ganze Länge der freundlichen Stadt nehmen wir unter die Füße, um am Ostende über das nahe Mühlensetzmar und Lindenstock an Hesselbach vorüber in einer Stunde nach Dümmlinghausen im Aggertal zu gelangen. Ein ¾ stündiger Marsch über den Galgenberg bringt uns nach Bergneustadt(220 Meter), weitere ¾ Stunde stets steigend bis zur Kreuzung mit Hauptwanderstrecke 19(350 Meter), auf die wir nun übergehen und nordwärts unsere Füße lenken. 15 Minuten später haben wir schon wieder 100 Meter Steigung verloren, queren die Bahn beim Bahnhof Wiedenest und steigen drüben in ¾ Stunde zum Beulberg(440 Meter) empor. Wir steigen nun hinab in Rengsetal, wieder ganz wenig hinauf zum Dorf Lieberhausen(¾ Stunde), wandern weiter über Drieberhausen und Kroplenberg, am romantischen Jagdschlößchen Badinghagen vorbei im obersten Aggertal hinauf nach Meinerzhagen(400 Meter, 1½ Stunde), Der abwechslungsreiche Weg gestattet uns mehrfach schöne Talblicke und einmal auch eine Schau über die Aggertalsperre. Wir sind wieder zur Volme zurückgekehrt. 300000 Billionen Elektronen pro Sekunde Die größte Senderöhre der Welt besitzt— wie Emo Descowich in der„Technik für alle“ ausführt — die Großstation Rugby, die das britische Mutterland mit den Dominien verbindet. Die Eingangsenergie entspricht dem Strombedarf einer kleinen Stadt. Die Senderöhre besteht nur aus Stahl, Kupfer und Porzellan. Das Glas fehlt völlig. Auf einer Grundplatte von zweieinviertel Quadratmeter Umfang erhebt sich drei Meter hoch ein Zylinder von 36 Zentimeter Dicke. Ohne die Grundplatte wiegt die Radioröhre mehr als tausend Kilogramm, die Anode— ein hohler Stahlblock von 66 Zentimeter Länge und 36 Zentimeter Dicke— allein über drei Zentner. Neun auswechselbare Sektionen, von denen jede durch einen anderen Heizdraht bedient wird, bilden das Gitter. Der hineingepumpte Strom von 500 Ampere bewirkt einen Emissionsstrom von 160 Ampere, was einem Elektronenfluß von dreihunderttausend Billionen Elektronen in der Sekunde entspricht. Dieser Riesenapparat wurde erst dadurch ermöglicht, daß man nicht mehr auf das in Luftpumpen verwendete Quecksilber, dessen Verdampfung das Hochvakuum verschlechterte, angewiesen war und dafür in Oeldestillaten, die wenig Dämpfe entwikleln, durch Zufall einen geeigneten Ersatz fand. Motiv ist alles Von Professor Arthur Kampf=Berlin Die Natur ist voll der herrlichsten Dinge, und es gibt tatsächlich nichts, was nicht Anregung zum Kunstwerk sein könnte. Form, Farbe, Licht, Ruhe und Bewegung geben dem Künstler die einzelnen Bestandteile zu seinen Schöpfungen; er braucht nur zu schauen und sich dann in das Geschaute zu vertiefen. Mit Liebe zur Schöpfung soll der Künstler alles Sichtbare in sich aufnehmen, und je mehr er sich in die Dinge vertieft, desto mehr sagen sie ihm. Unter dem Eindruck des Geschauten entsteht bei dem mit künstlerischer Phantasie Begabten die freie Schöpfung. Je größer der Künstler veranlagt ist, desto mehr ist er empfänglich selbst für die geringsten Anregungen. Wer zu schauen und sich zu vertiefen versteht, wird nie um Einfälle verlegen sein; diejenigen, die auf die Muse warten müssen, werden von dieser Dame meist versetzt. Es ist nicht immer nur das große Erlebnis, das den Künstler befruchtet, unscheinbarste Anregung kann die Urzelle zu einem Kunstwerk sein. In den wirklich großen Kunstwerken, den Standardwerken der Kunst, ist der bedeutende Inhalt mit bedeutender Form in schöner Harmonie vereinigt. Aber auch das einfachste und unbedeutendste, ja das abstoßende Motiv kann durch den wahren Künstler zu einem schönen vollendeten Kunstwerk gestaltet werden. Wenn Adolf Menzel ein paar Austernschalen oder ein paar Stuhlbeine zeichnet, so macht er daraus ein schönes Kunstwerk. Menzel ist das beste Beispiel dafür, um zu zeigen, daß alles sich künstlerisch verwerten läßt. Es ist letzten Endes ganz gleichgültig,„was“ man darstellt— es kommt nur auf das„wie“ an! Von Zimmer 2 nach Zimmer 2 Im Schwarzen Auler Roman von FELIXNEUMANN 15 Thomas rief den Kellner und zahlte. Seine Hand zitterte, als er das Geld auf den Tisch legte. Vor der Tür stand der Wagen und wartete. Noch einmal drängte Corbinus:„Bedenken Sie, Herr Doktor, was auf dem Spiele steht—“ Thomas winkte ab:„Sie sehen mich morgen abend——“ Es war gerade acht Uhr, als Jvachim das Weinlokal betrat, wo er häufig als Gast weilte. Das Tischchen für zwei Personen, das im ersten Stock in einem Nebensaal stand, war vorher belegt worden. Der Ober nahm Thomas Hut und Mantel ab, während er sagte:„Sie werden sich ein wenig gedulden müssen, Herr Doktor, Herr Menges teilte vorhin mit, daß er vor einhalb nenn Uhr nicht hier sein könnte, Herr Doktor möchten doch anfangen——“ Joachim stutzte. Allerhand Erinnerungen an das, was ihm der Rumäne erzählte, schossen ihm durch den Kopf. Und plötzlich war es ihm, als ob ihn eine unsichtbare Hand wehre, am Tisch Platz zu nehmen. Er rief den kleinen Boy, der die Garderobe sortbringen wollte, zurück.„Halt! Ich muß noch einmal fort.“ Und zum Ober:„Sagen Sie Herrn Menges, er möchte ein wenig auf mich warten, ich hätte sehr dringliche Dinge mit ihm zu besprechen. In einer halben Stunde hoffe ich zurück zu sein.“ In einer stillen Straße vor dem Seitenaufgang des Lokals stand der Mengessche Kraftwagen, den der Chauffeur dort zum Parken aufstellte, während er selbst nach Hause ging. Edi fuhr nachts den Benz persönlich, denn er liebte es nicht, daß der Wagenführer bei diesen nächtlichen Ausflügen dabei war. Thomas zögerte einen Augenblick, dann entschied er sich, einen Mietswagen zu nehmen, der ihn in kurzer Zeit zum Geschäftshaus des Onkels führte. Einsam und dunkel lagen die großen Korridore. Nur hier und da brannte eine Notbeleuchtung. Wie still und unheimlich muteten doch diese gewaltigen Paläste der Arbeit an, wenn sie nicht vom hastigen Erwerbsleben durchflutet waren. Der Aufzug führte ihn zum oberen Stockwerk. Während der Fahrzug leise summend aufwärts strebte, überlegte sich Joachim noch einmal sein Tun. Eigentlich war es doch Unsinn, daß er diese nächtliche Tour antrat, nur weil ein hergelaufener Kerl ihm Verdacht in die Ohren blies. Aber als er vom Kellner hörte, daß der Vetter später komme, ließ es ihm keine Ruhe. Es gibt Augenblicke, da handeln wir wie unter einem Zwang, gegen den es kein Sträuben gibt. Dieser Rumäne hatte Angst um sein Geld, da plauderte er eben Dinge aus, die er sonst gewiß für sich behalten hätte. Ist ein Mensch in Angst und Sorge, dann verliert er oft das logische Denken. Thomas schloß sein Arbeitszimmer auf. das neben dem Büro des Onkels lag. In der Wand eingelassen, befand sich ein Geldschrank. Nicht allerjüngster Konstruktion, aber doch solide. Er enthielt eigentlich nur wertvolle Geschäftspapiere, die feuersicher untergebracht werden mußten, und so viel Bargeld, wie man zum täglichen Gebrauch nötig hatte. Zehn, fünfzehn oder zwanzigtausend Mark. Je nachdem. Der Schalter knackte, es war hell. Forschend blickte sich Joachim um. Nichts Verdächtiges! Alles lag an seinem Ort. Es war ein Blödsinn, daß er hierher kam. Aber nun— wo er zur Stelle war, wollte er doch den Schrank revidieren. Der eigenartig konstruierte Schlüssel knackte im Schloß. Die schwere Stahltür drehte sich. Da lagen die Abschlüsse über die letzten großen Lieferungen, Verträge mit ausländischen Firmen, Patente und ähnliches. Und im unteren Fach die kleine Stahlkassette mit einigen Devisen, daneben ein Drahtkorb mit gebündelten Banknoten. Thomas beugte sich nieder. Hastig schoben seine Hände Papiere beiseite. Das Bargeld fehlte! Wieviel war es gewesen? Er wußte es im Augenblick nicht. Erst ein Blick in die Bücher konnte es ergeben. Aber es mußten etwa achtzehntausend Mark und etwas darüber sein. Er warf sich vor dem Schrank in die Knie und durchwühlte noch einmal jedes Fach. Nichts fehlte, nur die Noten waren fort! Dann sprang er auf. Auf seiner Stirn stand der Schweiß. Und abermals glitt der Blick durch den Raum, um festzustellen, ob nach seinem Verlassen des Büros noch jemand hier war. Auf dem Tischchen in der Ecke stand ein Glas, das sonst nicht hierher gehörte. Thomas hob es gegen das Licht. Ein kleiner Rest von Kognak war in dem geschliffenen Becher. Joachim erinnerte sich genau, daß er am Spätnachmittag keinen Likör getrunken hatte. Und oben in dem Wandschränkchen, das er uun öffnete, lag der Glasstövsel der Kognak= karaffe auf dem Bord. Nun war kein Zweifel, ein Fremder war hier, und das konnte nach dem ganzen Befund nur Eduard Menges gewesen sein. Regungslos stand Thomas inmitten des Zimmers. Die Arme hingen ihm schlaff am Körper. Diese furchtbare Entdeckung traf ihn wie ein Keulenschlag. Sollte alles vergeblich gewesen sein, was er in mühseliger Arbeit schuf, um den Vetter auf bessereBahn zu leiten? Stand er nicht vor den Trümmern seines Werkes? Wieviel Nächte hatte er geopfert, um den Unbesonnenen zu begleiten, ihn zu warnen, ihn zurückzureißen im letzten Augenblick, wenn er im Begriff war, die schlimmsten Torheiten zu begehen. Lokale hatte er besucht, die ihn anekelten, Menschen kennengelernt, die er sonst nicht eines Wortes oder Blickes gewürdigt hätte, Alles nur, um dem Oheim das gegebene Wort einzulösen! Und nun? Noch gab es etwas zu retten! Eine Aussprache mit Edi konnte alles zum Guten wenden. Hastig verschloß er Schrank und Türen. Als er den Gang entlang eilte, kam ihm ein Wächter entgegen, der den starken Wolfspitz kurz an der Kette hielt, die elektrische Lampe hoch erhoben in der Hand. Der helle Lichtkegel fiel gerade in Joachims blasses Gesicht. „Ah— Herr Doktor, entschuldigen——“ Der Hund knurrte leise und bösartig, als sich Thomas mit kurzem Gruß vorbeidrängte. „Alles in Ordnung, Petersen? Ich— hatte noch zu tun!" „Nix besonderes, Herr Doktor— allens in Butter——“ Noch einmal wandte sich Joachim um. „War noch jemand vom Personal hier seit heute nachmittag?“ mittag?“ „Nee— Herr Doktor! Das heißt— unten am Portal bejegnete mir der junge Herr Menges vor ’ner halben Stunde. Aba— ob er hier oben war, weeß ick nich——“ „Na— schön— danke,“ stieß Thomas zwischen den Zähnen hervor. Wieder ein neues Moment mehr, das den Vetter belastete. Als eine Viertelstunde später der Doktor an den reservierten Tisch trat, war Edi bereits zur Stelle. Er begrüßte den Verwandten mit dem etwas mißtrauischen Vorwurf:„Du bist sonst die Pünktlichkeit selbst, heute läßt du mich warten. Und— wie der Ober mir sagte, warst du sogar schon hier?“ Joachim nahm— äußerlich ganz ruhig— Platz und wandte sich dem Kellner zu, dem er eine Bestellung machte. Dann faltete er gleichgültig die Serviette auseinander. „Ich hatte noch zu tun. Dein Vater ist fort, so lasten alle seine Sorgen auf mir!“ Eduard blickte blinzelnd auf. „Also— auch die um mich—?“ Es lag etwas lauernd Spöttisches in diesen Worten. Thomas nahm die Tasse mit Schildkrötensuppe entgegen. „Ja— auch um dich!“ Der Ober zog sich zurück. Kurz lachte Menges auf. „Du bist doch seit Jahr und Tag die Amme, die mich im Auftrage meines Vaters betreut—! Hast du dich an dieses ehrenvolle Amt noch immer nicht gewöhnt? Man sagt doch, daß die Gewohnheit abstumpft!“ Joachim hatte eine scharfe Bemerkung auf der Zunge, aber er unterdrückte sie. Nur nicht vorzeitig das Spiel aufdecken. Er war gewillt, heute reinen Tisch zu machen, und allem auf den Grund zu gehen. Trümpfe hatte er genug in der Hand. In diesem Kampf mit dem Strauchelnden konnte es für Joachim Thomas nur völligen Sieg über den Gegner oder— Niederlage geben. Schweigend aßen sie den Zwischengang. Etwas unheimlich Bedrückendes lag wie ein unsichtbares Ungeheuer zwischen den beiden jungen Männern. Nach einer Weile sprach der Doktor:„Ich habe eine Bitte an dich, Edi, und ich nehme an, daß du sie mir nicht abschlagen wirst.“ „Und das wäre? Du sprichst so feierlich, wie ein Pastor!“ „Wenn wir hier mit dem Essen fertig sind, lade ich dich zu einer Tasse Kaffee bei mir zu Hause ein. Morgen kehrt dein Vater zurück, ich habe Unaufschiebbares mit dir zu besprechen.“ Menges schob das Glas zur Seite und blickte den Better an. „Tut mir leid, mein Freund. Morgen, übermorgen, zu jeder Zeit heute geht es nicht!" „Und warum nicht?“ (Fortsetzung folgt.) MIFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Astikel verbeten. Auf heimischer zmi 3-: z-: Landwirtschaft, Vierzucbt, Obst- und Gartenbau. Nachdrußk dieser Artikel verbeten Gartekarbeiten i Jant A. Vorbereitungen Wandern Sie jetzt mit mir hinaus in die Schreber= und Kleingärten! Es gibt um diese Zeit eine Unmenge zu schauen. Bewundernd blicken wir auf die Fülle bunter Blumen und die Beete mit zartem Gemüse. Selten war wohl auch das Wetter so günstig für alles Gesäte und Gepflanzte wie in diesem Mai. Im Blumengarten fallen uns besonders die Schwertlilien auf. Sie sind im Juni in vollster Blüte und bringen, wenn sie bereits mehrere Jahre an ein und demselben Platz stehen oft einen ganzen Blütenwald hervor. Weil die Wirkung der Iris als Beetstande so groß ist und sie uns gleichzeitig äußerst haltbares Vasenmaterial liefert, sei ein wenig über ihre Kultur gesagt. Die Pflanzzeit ist Ende August. Die Schwertlilie will vollste Sonnenlage, kräftigen, aber nicht frisch gedüngten Boden und viel Feuchtigkeit. Sehr hübsch sehen Trupps aus, die in Rasenflächen oder am Wasser stehen und recht reine leuchtende Farben aufweisen. Meist sind die aufrechtstehenden Domblättchen anders gefärbt als die hängenden Blütenblätter. Neuerdings gibt es fast zahllose Gartenzüchtungen in weißen und gelblichen Farbtönen sowohl als auch in rosa, gelbbraunen, blauen und eigenartig schwärzlichen Schattierungen. Unsere Bewunderung erregen fernerhin die Lilien. Fast feierlich muten die weißen Kirchenlilien an, und stolz recken die Leopards= und Goldbandlilien ihre Blütenschäfte. Man pflanzt die Lilien in der Ruhezeit, die je nach der Sorte im August oder September ist. Der Juß der Pflanzen soll möglichst beschattet sein, weshalb man recht gut Einjahrsblumen um die Lilien pflanzen kann. Bei freiem Standort ist das Erdreich mit kurzem Dung oder Torfstreu abzudecken. Einmal gepflanzt, können die Lilien viele Jahre an demselben Platze stehen und blühen dann sogar überreich. Typische Juniblüher sind auch die Standenpäonien. Ihre Pflanzung kommt aber nur für große Eärten in Frage, weil sie sich im Laufe der Jahre zu riesigen Büschen auswachsen. Um alle ihre Schönheiten entfalten zu können, braucht die Päonie feuchten, tiefen Lehmboden, der stark gedüngt wurde. Nur dann entwickelt sie üppiges Wachstum und reichsten Blütenflor. In fast jedem Garten sehen wir Dahlien stehen, die nun schon kräftige Triebe gebildet haben. Es ist höchste Zeit, daß jede Pflanze einen starken Pfahl erhält, an dem die Zweige lose angeheftet werden. Man beläßt den Dahlien gewöhnlich nur 3—4 der stärksten Triebe, all: schwächeren schneidet man unten ab. Die Pflanzen bauen sich dadurch besser auf, und ihre Blüten werden größer und schöner. Bei starkem Wind und Regen sind auch die Gladiolen der Gefahr des Umlegens ausgesetzt. Wir heften darum ihre Blütenschäfte an Stäbe. Auf manchen Beeten sehen wir noch abgeblühtes Vergißzmeinnicht und Stiefmütterchen stehen. Sie haben ihre Schuldigkeit getan und wandern auf den Komposthaufen. Auch die bunten Tulpen und die duftenden Hyazinthen sind verblüht. Es wäre falsch, Laub und Blütenstände abzuschneiden und die Zwiebeln sofort zu trocknen. Wir nehmen alle Zwiebelgewächse vorsichtig aus der Erde und lassen die Pflanzen im Erdeinschlag an einer abgelegenen Gartenstelle langsam einziehen. Später werden die Zwiebeln in einem trockenen Raume ausgebreitet, getrocknet und gereinigt. Wertvolle Reservestoffe, die der nächstjährigen Blüte dienen, werden dadurch erhalten. Die leer gewordenen Beete können nun mit Astern und Levkojen bepflanzt werden. Für den Herbstflor sind auch die winterharten, kleinblumigen Chrysanthemen zu empfehlen. Wir kaufen davon bewurzelte Stecklinge, die im Verlaufe der Wachstumsperiode noch ein= bis zweimal zu entspitzen sind, damit wir buschige und vieltriebige Pflanzen erhalten.— Bald beginnt auch di. Blütezeit der Rose. Ihre Blühwilligkeit wird durch das Abschneiden der Blumen immer von neuem angeregt. Niemals aber schneide man die Rose mit laugem Stiele, denn dadurch schwächt man die Pflanze zu sehr. Mehr als 2—3 Blätter sollte man mit der Blüte nicht entfernen. Blattläuse und Wickler, die die Rosenstöcke gern heimsuchen, sind zu vernichten. Die Bodenpflege geschieht am einfachsten dadurch, daß eine drei Finger starke Lage verrotteter Dünger auf das gut gelockerte Rosenbeet aufgetragen wird. Die Lage kann auch je zur Hälfte aus gewässertem Torfmull und Rinderdung bestehen. Durch die in dieser Decke besindliche: Nährstosse wird das Wachstum der lockert und, wenn möglich, Stalldung mit Resensträucher dauernd erhalten und gleich=untergraben. Bald wird junger Austrieb erzeitig Bodenverkrustung und Unkrautbildungl folgen, der aber der Pslanze zur Kräftigung verhindert. Außerdem sind alle Rosen im und Ernährung belassen werden muß. Nur Frühsommer ausreichend zu wässern, auch so gepflegte Stauden bringen im nächsten Frühleichte Jauchegüsse sind von Nutzen. jahr wieder gute Ernten. Die Tomaten sind durch das warme Wetter überall flott geIm Gemüsegarten wachsen. Sie sind fortlaufend nachzubinden. sehen wir, daß durch das Ausbrechen der Blattbestand Mit Vorteil zieht man sie ein= oder höchstens ** zmeitriebig. Man erhält dadurch weniger Rhabarberstiele der Blattbestand 2.(zweltricuig, man erhält dadurch Stauden recht vermindert wurde. Wir lassen Laubwerk und starke Fruchtstände. deshalb die diesjährige Ernte beendet sein, Zurch Anhäufel- der Dalch Auhausern der Frühkartoffeln können wir zeitiger ernten. zumal uns ja bald vielerlei Salate, Ra dieschen und Beeren zur Verfügung stehen. Das festgetretene Erdreich zwischen Die Frühkartoffel ist sehr wärmebedürftig. Je den Standen wird tief mit der Grabegabel ge= mehr Wärme an die Wurzel herankann, um Blumenschmuck am Hause An einem schönen Sommertage des letzten Jahres kam ich auf einer Wanderung mit einem Freund bei einem aussehenden Häuschen vorbei. Das tief herabhängende Dach, das morsche Gebälk und die halb erblindeten Fenster boten einen wenig erfreulichen Anblick. Aber auf den Fensterbänken standen, sorgfältig aufgebunden und der Größe nach hübsch geordnet, einige blühende Geranienstöcke. Ich hatte schon ein Lächeln auf den Lippen und die Bemerkung auf der Zunge, wie wenig dieser Fensterschmuck zu seiner Umgebung passe, als mein Begleiter ausrief:„Welch eigenartiger Anblick!" Wie die paar einfachen Blumenstöcke dieses Bild zu beleben vermögen! Wie öde und unwohnlich sähe es hier aus ohne die leuchtenden Blumen, wie heimelig muten sie einen an. Es ist, als ob die leuchtenden Farben einen verklärenden Schimmer über alles andere zu verbreiten vermöchten. Diese Blumen sagen mir, daß da drinnen Menschen wohnen, die trotz ihrer Dürftigkeit nicht verlernt haben, Freude am Schönen zu empfinden. Wo Blumen mit solcher Sorgfalt gehegt und gepflegt werden, da ist der Sinn für Ordnung und Reinlichkeit, für traute Häuslichkeit noch nicht erstorben. Ich wette, drinnen im Stübchen würden wir nicht Unsordnung und Schmutz antreffen.“ Ich mußte ihm recht geben, denn der Platz vor dem Häuschen zeigte sich frisch gekehrt, die Holzscheite waren ordentlich aufgeschichtet, und wie wir uns zum Gehen wandten, trat eine zwar ärmlich, aber reinlich gekleidete Frau mit zwei netten Kindern aus dem Haus. Wenn nun Blumen schon bei den vorübergehenden Fremden einen solch wohltuenden Eindruck hervorrufen, wieviel mehr Freude werden sie dem Besitzer bereiten, der sie hegen und pflegen, alle Tage aufs neue bewundern darf. Wieder ist die Zeit gekommen, da wir die Fenster und Balkone unserer Häuser mit Blumen und Pflanzengrün schmücken. Bei richtiger Auswahl der Gewächse kann man viel Abwechselung und intime Reize schaffen. Nachfolgend sollen die für diesen Zweck passenden Pflanzen kurz aufgeführt werden. Blumenkästen werden am besten zweireihig bepflanzt und zwar nach der Straßenseite hin mit hängenden Pflanzen, gegen die Hausseite zu mit solchen von aufstrebendem Wuchs. Zu der ersteren Kategorie gehören die rosablühenden Efeugeranien, Gebirgshängenelken, die blau und rot und reinweiß blühenden Petunien, Verbenen in allen Farben. Für mehr schattige Lagen eignen sich die Hängeformen der Fuchsien, Kapuzinerkresse und Lobelien. Unter den Blumen mit aufrechtem Wuchs wählen wir vor allem die feurigroten Geranien der Meteorklasse, sie können mit weißen Margeriten wirkungsvoll unterbrochen werden. Salvien und englische Pelargonien sind ebenfalls dankbare Blüher. In schattigen Lagen wählt man lieber Fuchsien, Hortensien oder Heliotrop. Unter den einjährigen Schlingpflanzen zur Berankung von Fensterrahmen und Pfeilern sind besonders geeignet Trichterwinde und Wicke, japanischer Hopfen, die Feuerbohne und die Glockenranke (Cobäa). Zierspargel, hängende Fuchsien, Efengeranien, Glockenblumen und Tradescantien bilden ein gutes Material zur Dekoration von Ampeln und Konsolen. Unter den Blattpflanzen zur Ausschmükkung von Balkonen und Balkonvasen werden wir vor allem wählen Lorbeer in Kübel= und Pyramidenform, Kirschlorbeer, Buchs=Kronenbäumchen und Dracenen. Auch einzelne Palmengarten eignen sich recht gut zu diesem Zwecke. Für die Fraus- Vor einigen Jahren Spargel hätte überhaupt keinen Nährwert, und alle Spargelliebhaber trauerten. Inzwischen ist der gute Ruf des Spargels aber wieder hergestellt worden: man ist überzeugt, daß die in ihm enthaltenen Nährsalze in unserer Ernährung sehr gute Wirkungen haben. Wir können uns also mit doppelter Freude dem Genuß des Spargels hingeben. Möchte nur die Spargelzeit recht lange und ergiebig sein! Beim Einkauf des Spargels soll man sich zwei Regeln merken: man kauft immer besser ungewaschenen Spargel als gewaschenen, denn der gewaschene, der uns durch seine blendende Weiße anlockt, hat schon oft lange im Wasser gelegen; so daß ihm sein würzigstes Aroma verloren gegangen ist. Der ungewaschene dagegen kommt frisch aus der Erde und bringt allen Duft und Geschmack mit, die wir von gutem Spargel erwarten. Außerdem soll man immer möglichst kurzen Spargel kaufen; die langen Enden sind oft holzig; jedenfalls ist das Kopfende immer am schmackhaftesten und weichsten. Kauft man für mehrere Tage Spargel ein, so wickelt man die Bündel fest in angefeuchtetes Papier und legt sie am besten an einen kühlen, dunklen Ort. Beim Putzen des Spargels soll man darauf achten, daß man wirklich alles Holzige entfernt; hier ist Sparsamkeit unangebracht. Denn diese holzigen Teile kochen sich nicht weich und müssen dann doch weggetan werden Stangenspargel bindet man immer am besten zu einem Bändchen zusammen und läßt ihn in Salzwasser richtig weich kochen, was annähernd 45 Minuten dauert. Eine kürzere Kochzeit ist selten anzuraten: Spargel, die nicht weichgekocht sind, sind wenig wohlschmeckend. Man kann dem Kochwasser eine Prise Zucker zusetzen. Stangenspargel werden auf einer langen Spargelgcrichte wurde behauptet, Schüssel angerichtet so daß die Köpfe übereinander liegen. Sie werden meist mit lassener Butter begossen. Sind die Spargel unansehnlicher und kleiner, so verwendet man sie am besten als Brechspargel. Man zerteilt sie in möglichst gleichmäßige, etwa fingerlange Stücke und kocht sie in Salzwasser mit Zucker weich. Man kann auch ein kleines Stück Butter an das Kochwasser tun. Dann gibt man sie in ein Sieb und läßt sie abtropfen. Darauf bereitet man eine Sauce, indem man 30 Gramm Mehl in 30 Gramm Butter schwitzt, mit Spargelwasser verrührt und dann mit einem Achtelliter süßer Sahne vermischt. Sobald die Sauce die richtige Beschaffenheit hat, gibt man die abgetropften Spargel hinein. Sehr schmackhaft ist überbackener Spargel. Der abgekochte Brechspargel wird mit der bereits angegebenen Sauce vermischt und dann in eine feuerfeste, mit Butter bestrichene Form getan, die obenauf eine Saucenschicht haben muß. Man überstreut das Gericht dann mit Semmelmehl und beträufelt es mit leicht gebräunter Butter, worauf man es für eine Viertelstunde in den heißen Backofen stellt(bis die Oberfläche sich gebräunt hat). Spargelfrikassee ist ein angenehmes, leicht zu bereitendes Gericht. Die Spargel werden geputzt, abgewaschen, in Enden gebrochen und zusammen mit Kalbsragout, das in passende Stückchen zerteilt is in soviel Salzwasser, daß Fleisch und Spargel gerade bedeckt sind. weich gekocht. Dann bereitet man aus 60 Gramm Mehl und 60 Gramm Butter eine Mehlschwitze, die man mit Kochwasser verdünnt, bis sie die richtige Beschaffenheit hat. Man gibt diese dickliche Sance über Spargel und Fleisch und füllt einen Reisrand damit. Man kann auch einige frische Morscheln oder andere Pilze diesem Gericht beimischen. so schneller bilden sich die Knollen aus. Wir erreichen das, wenn wir mit der Zinkenhacke das Erdreich an die Pflanze heranziehen, so daß sich längs der Pflanzenreihe ein kleiner Damm bildet. Mit fortschreitendem Wachstum der Kartoffeltriebe häufeln wir noch mehrere Male, so daß der erst flache Damm nach und nach immer höher wird. Das Anhäufeln empfiehlt sich aus den gleichen Gründen bei Bohnen, Porree, Blumen= und Rosenkohl. Zugleich erleichtert es uns das Gießen, da in den entstandenen Furchen das Wasser den Wurzeln gleichmäßig und unvermindert zugute kommt.— Oft findet man in Gärten nicht völlig besetzte Beete oder solche, die nach dem Abernten nicht unmittelbar wieder bestellt werden. Es muß versucht werden, jede Stelle gewinnbringend auszunützen. Bei geringem Bedarf empfiehlt sich's, von allen Gemüsen nur ganz kleine Aussaaten zu machen, die in Abständen von 10—14 Tagen während des ganzen Sommers zu wiederholen sind. Allerdings muß gesagt werden, daß die späteren Sommeraussaaten und Pflanzen gut einzuschlämmen sind. Die tiefgehende Trockenheit des Erdbodens führt nämlich im Hochsommer leicht zu Mißernten. Das Einschläm= men geschieht folgendermaßen: Nachdem die Rillen im Saatbeet gezogen sind und der Same eingebracht ist, lasse man den Wasserstrahl aus dem Rohr der gefüllten Gießkanne entlang der Rillenseite laufen, und zwar so, daß die lockere Erde auf das Saatgut geschwemmt wird. Dieses Einbetten in nasse Erde ist deshalb richtig, weil das Samenkorn dann sofort zur Keimung übergeht. Zuletzt werden die Saatrillen noch mit loser Erde überdeckt.— Für alle Gemüsekulturen ist im Juni neben den Hackarbeiten reichliches Gießen von großer Wichtigkeit. Der Juni stellt an die Bodenfeuchtigkeit die höchsten Ansprüche. Wer recht gute Erfolge erzielen will, gebe allen Kohlgewächsen, Salaten, Sellerie, Tomaten und Gurken des öfteren leichte Jauchegüsse. Beachten muß man dabei, daß die Pflanzen gut eingewachsen sind und daß das Jauchen möglichst an einem regnerischen Tage geschieht. Hinterher ist alles Blattwerk mit klarem Wasser abzubrausen. Im Obstgarten sehen wir zum Teil überreichen Fruchtbehang. Hier wird sich, zumal beim Formobst, ein Auspflücken nötig machen. Man beeile sich aber damit nicht, denn der Baum stößt selbst noch einen großen Teil des Behanges ab, weil er so viele Früchte nicht ernähren kann. Wenn die Aepfel oder Birnen die Größe einer Nuß erreicht haben, dann pflücken wir zunächst alle verkrüppelten und beschädigten Früchte heraus. Wir nehmen diese Auslichtung nicht auf einmal, sondern alle 14 Tage vor, damit sich die Nahrungszufuhr immer gleichmäßig auf die hängenbleibenden Früchte verteilt. Wurzelaustriebe müssen an der Aussprungs= stelle entfernt werden, sonst entziehen sie dem Baume die besten Säfte. Der Ernährung der fruchttragenden Obstgehölze ist die größte Sorgfalt zuzuwenden. Bei trockenem Wetter ist ausreichend zu wässern und zwar am besten so, daß wir längs der Kronentraufe Gräben ziehen, die wir mit Wasser und verdünnter Jauche füllen. Starke und anhaltende Trockenzeiten können auch der Beerenernte schaden. Deshalb sind Stachel= und Johannisbeersträucher und vor allem Erdbeerbeete stets gut feucht zu halten. Jetzt ist's auch Zeit, zum Schutze der Früchte den Erdbeeren eine Bodendecke von Holzwolle zu geben. Das Ernten der Erdbeeren soll möglichst am zeitigen Morgen geschehen. Früh besitzen die Früchte noch ihr köstliches Aroma, das bald verschwindet, sobald die heißen Sonnenstrahlen einwirken. Die geernteten Erdbeeren sind bis zum Verbrauch in einem kühlen, dunklen Raume aufzubewahren. Das zarte junge Grün sowohl im Blumenals auch im Gemüsegarten lockt viel Schädlinge auf den Plan. Jede freie Minute benutzen wir zu ihrer Bekämpfung. An die Obstbäume und ihre Pfähle legen wir Insekten. fanggürtel. Abgefallene wurmstichige Früchte werden gesammelt und verbrannt. Kohlarten untersuchen wir auf Kohlweißlinge und vernichten vor allem die an der Rückseite der Blätter abgelagerten Eierhäuschen. Gegen den echten Meltau bei Rosen hilft Einstäuben der Pflanzen mit pulverisiertem Schwefel, das am vorteilhaftesten am frühen Morgen auszuführen ist. Stachel= und Johannisbeer= sträucher werden manchmal vom amerikanischen Stachelbeermeltau befallen. Er überzieht wie eine Staubschicht die jungen Triebspitzen, geht bald auf die Früchte über, die ungenießbar werden, und nimmt schließlich eine tiefbraune Farbe an. Gründliche Kalkung des Bodens, reichliche Düngung und Wässerung sind vorbeugende Maßnahmen. 1 E