P — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Angemeiner Vleisanzeiger Bezugspreis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sann= und Feiertage. Geschäftsstelle: : Neustraße Nr 6.— Telagr.= Unschrift: Heitung Schwelm. Für unverlangt gesandte Mannskripte wird keine Vervindlichkeit übernommen. Betriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. für den Ennepe=Kahe nreis erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Frierlagr. Geschaft. Schweim Lienpraße Lir. 0.— Telegr. Anschrrigzgggraung 9ch Gerarnf Nr. 2018.— Hotischeckorte, Bopregzn, ieh.— Füir angt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernor Schibeimer Radlauzeiger Mit den Beilagen: Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig; im Reklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Brdtreibung und im Falle einer Geschäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schtuß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Nummer 120 Erstes Blatt Mittwoch, den 25. Mai 1932 103. Jahrgang Kurze Tagesneuigkeiten 64000 Arbeitslose weniger. * Berlin, 24. Mai. Wie die Reichsanstalt mitteilt, ist in der ersten Maihälfte die Gesamtzahl der Arbeitslosen um 64000 auf 5 675000 zurückgegangen. Vertagung der Schlichtungsverhandlungen für den Ruhrbergbau. * Essen, 24. Mai. Die für den 25. Mai vorgesehenen Schlichtungsverhandlungen für den Ruhrbergbau sind auf Wunsch des Schlichters Professor Dr. Brahn auf den 30. Mai, 9,30 Uhr vormittags, vertagt worden. Dr. Schlenker aus der DBP. ausgetreten. * Düsseldorf, 24. Mai. Der Geschäftsführer des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen(Langnamverein), Dr. Max Schlenker, hat seinen Austritt aus der Deutschen Volkspartei erklärt, ohne sich zunächst für eine andere Partei zu erklären. Er begründet den Austritt mit einem Aussatz der Nationalliberalen Korrespondenz vom 29. April, in dem die deutschnationale Parteiführung angegriffen wird. Raubmord an einer 59jährigen. * Breslau, 25. Mai. Am gestrigen Dienstag abend wurde die 59 Jahre alte Frau Schubert in ihrer Wohnung von ihrem heimkehrenden Ehemann mit einer schweren Kopfverletzung tot aufgefunden. Die Behältnisse der Wohnung waren durchwühlt, so daß Raubmord vorzuliegen scheint. Geheimbrennereien ausgehoben. * Oldenburg, 24. Mai. Von Beamten der Geheimpolizei wurden in den letzten Tagen mehrere Geheimbrennereien im südlichen Oldenburg ausgehoben. Die Täter konnten ermittelt und festgenommen werden. Eine der Geheimbrennereien, die in Kayhauserfeld aufgedeckt werden konnte, war bereits stillgelegt, während sich die Betriebe in der Nähe von Cloppenburg in voller Tätigkeit befanden. Die Opfer des„George Philippar“ * Paris, 25. Mai. Die Schiffahrtsgesellschaft Messageries Maritimes veröffentlichte gestern die Liste der seit dem Brande des Dampfers George Philippar“ vermißten Passagiere. Danach werden insgesamt 53 Personen vermißt, unter ihnen Albert Londres. Von den 53 Vermißten waren 14 Chinesen, die die Reise des Dampfers im Zwischendeck mitmachten. Italienische Ordensauszeichnung für die Transozeanflieger * Rom, 24. Mai. Zu Ehren der hier versammelten Transozeauflieger gab Ministerpräsident Mussolini gestern abend ein Essen, an dem die Minister, der deutsche Botschafter Dr. von Schubert und andere Mitglieder des diplomatischen Korps ferner hohe Staatsbeamte teilnahmen. Nach dem Essen überreichte Mussolini persönlich den Fliegern die ihnen vom König verliehenen Orden und hatte bei dieser Gelegenheit eine herzliche Unterhaltung mit den drei deutschen Fliegern die mit dem Großoffizierskreuz des Ordens des Heiligen Mauritius und Lazarus ausgezeichnet worden sind. Flecktyphus im Wilna=Gebiet— Bisher 100 Tote * Warschau, 24. Mai. Einige Bezirke im Wilnaer Gebiet sind von einer Flecktyphus=Seuche heimgesucht worden. Bis jetzt sind in 20 Ortichaften mehr als 750 Personen erkrankt und davon über 100 Personen gestorben. Die Seuche soll durch Flüchtlinge aus Sowjet=Rußland eingeschleppt worden sein. Eisenbahnunglück in der Mandschurei * Charbin, 24. Mai. Bei einem Eisenbahnunglück in der Nähe von Japlonja an dem östlichen Teil der ostchinesischen Bahn sind 40 Personen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Es handelt sich um einen Zusammenstoß zwischen einem Güterzug und einem von Flüchtlingen vollbesetzten Personenzug. 100 000 RM. Belohnung für Ergreifung der Mörder des Lindbergh=Kindes * Newyork, 24. Mai. Der Senat von New Jersey hat für die Ergreifung der Mörder des Lindbergh=Kindes eine Belohnung von 100000 RM. ausgesetzt. Der„gesährliche“ Vou. Eine Note Polens an den Danziger Senat. * Danzig. 24. Mai. Der diplomatische Vertreter Polens in Danzig, Minister Dr. Papée, hat am Montag dem Senat der freien Stadt Danzig eine Note zugehen lassen, in der es u. a. heißt: Die Unterstützung, die die Danziger Behörden der Tagung der Jugendorganisationen des BDA. (Verein für das Deutschtum im Auslande) in Danzig haben zuteil werden lassen und das rigorose Umzugs- und Uniformtragungsverbot für die polnischen Pfadfinder anläßlich ihres zehnjährigen Bestehens bedeuteten eine flagrante Verletzung der für Danzig geltenden Bestimmungen. Die Note protestiert ferner gegen die Ansprache des Senatsvizepräsidenten Viarcinski=Ceyser bei der Weihestunde des BDA. in Heubude. Erofsnuug des neden Landtager Alterspräsident Litzmann leitet die erste Sitzung Einigung in der Frage der Präsidentenwahl? die Nationalsozialisten ziehen ihren Antrag auf Aenderung der Geschästsordnung zurück Berlin, 24. Mai. Während man am Dienstag nachmittag noch allgemein annahm, daß es am Mittwoch mittag um 1 Uhr bei der Wahl des Präsidiums im Preußischen Landtag zu Kampfabstimmungen und damit zu einer unzweidentigen Verschärfung der Gesamtsituation kommen würde, sahen die Dinge am Dienstag abend schon etwas anders aus. Die Nationalsozialien zogen plötzlich ihren Antrag auf Aenderung der Geschäftsordnung zujück, d. h. also, daß sie sich, wenn auch vielleicht nur vorläufig, den Bestimmungen der vom alten Landtag geänderten Geschäftsordnung beugen wollen, die u. a. vorsah, daß der Minister= fräsident nur mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt werden kann. Die Zurückziehung des Geschäftsordnungsantrages hat ein allgemeines Rätselraten ausgelöst. Hinzu kam, daß die Nationalsozialisten wider Erwarten Neigung zeigten, sich mit den anderen Fraktionen über die Aufteilung der Sitze des Präsidiums zu einigen. Man hörte jedenfalls, daß sie, wenn die Sozialdemokraten für den nationalsozialistischen Kandidaten Kerrl als Landtagspräsidenten stimmen, aus parlamentarischem Anstand heraus auch für den sozialdemokratischen Vizepräsidenten stimmen würden. Sie würden sich der Stimme enthalten, falls die Sozialdemokraten gleichfalls Enthaltung übten. Die Sozialdemokraten haben nun allerdings beschlossen, den bisherigen Präsidenten Wittmaack zur Wiederwahl als Landtagspräsident vorzuschlagen und für ihn zu stimmen. Man nimmt in parlamentarischen Kreisen aber an, daß die Sozialdemokraten noch mit sich reden lassen, wenn von nationalsozialistischer Seite vor der Abstimmung die Erklärung abgegeben würde, daß die Nationalsozialisten unter den oben erwähnten Bedingungen für einen sozialdemokratischen Vizepräsidenten ihre Stimme abgeben würden. Beim Zentrum liegen die Dinge so, daß man möglichst nach dem parlamentarischen Brauch stimmen will, d. h. in diesem Falle also für den Kandidaten der Nationalsozialisten als der stärksten Fraktion für den Posten des Landtagspräsidenten. Danach scheinen unter den gegebenen Umständen für die Bildung des Landtagspräsidiums kaum noch Schwierigkeiten zu bestehen. Vermutlich wird sich also das Landtagspräsidium zusammensetzen aus dem Abgeordneten Kerrl(Nat.=Soz.) als Präsidenten, dem Abgeordneten Wittmaack(Soz.), der bisher den Präsidentenposten bekleidete, als ersten Vizepräsidenten, dem Abgeordneten Baumhof (Zentrum) als zweiten Vizepräsidenten, und, da die Kommunisten am Präsidium auch im alten Landtag nicht beteiligt waren, dem Abgeordneten von Kries(DRBP.) als dritten Vizepräsidenten. Die veränderte Haltung der Nationalsozialisten, mindestens ihr Bestreben, nach Möglichkeit Spannungen zu vermeiden, hat zu der optimistischen Auffassung geführt, daß im Aeltestenrat, der 1½ Stunden vor Beginn der Mittwochsitzung tagt, sich tatsächlich so etwas wie Verhandlungen zwischen dem Zentrum und den Nationalsozialisten anbahnen könnten. Ob dieser Optimismus berechtigt ist, muß man abwarten. Gerade in den letzten Tagen haben bedeutende Führer der Nationalsozialisten erneut darauf hingewiesen, daß die Nationalsozialistische Partei in Preußen nur dann mit sich reden lassen wird, wenn es im Reich zu einem Kurswechsel kommt. Auch die Ansprache Hitlers in der nationalsozialistischen Fraktion war ziemlich eindeutig. Vielleicht hat aber Hitler plötzlich den Entschluß gefaßt, seine Taktik zu ändern und wenigstens den Versuch zu machen, in Preußen an die Regierung zu kommen. Die Gefahr, daß vom Reich her in die preußischen Verhältnisse eingegriffen und auch hier die Parteien sämtlich beiseite geschoben werden, läßt sich jedenfalls nicht so ohne weiteres von der Hand weisen. Es mögen aber auch andere Gründe sein, welche die Natioualsozialisten veranlaßt haben, sich eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen. Sie schweigen sich über das Ziel, das sie mit der Zurückziehung ihres Geschäftsordnungsantrages und mit dem Versuch, Kampfwahlen zu vermeiden, verfolgen, aus, versichern aber, daß sie nach wie vor den Posten des Ministerpräsiden ten ebenfalls für sich in Anspruch nehmen. Es hat sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich, daß sie bei der Ministerpräsidentenwahl den Reichstagsabgeordneten Strasser aufstellen wollen, der durch den gemäßigten Ton seiner=letzten Reichstagsrede allgemein aufgefallen ist. Aber im Zentrum bestehen doch starke Bedenken dagegen, den Nationalsozialisten im Dreimänner= Kollegium, das sich aus dem Ministerpräsidenten, dem Landtagspräsidenten und dem Staatspräsidenten zusammensetzt, die Mehrheit zu überlassen. Jedenfalls dürfte die Aeltestenratssitzung nicht ganz uninteressant werden. Klarer wird man aber erst sehen können, sobald die Wahlen zum Landtagspräsidium abgeschlossen sind. Sitzungsbericht Berlin, 25. Mai. Der am 24. April d. J. gewählte vierte Preußische Landtag hielt am Dienstag nachmittag seine konstituierende Sitsung ab. Wenige Minuten nach 3,15 Uhr betrat der greise General Litzmann(Nat.= Soz.) das Präsidentengestühl, begleitet von dem Direktor des Landtages, Kienast. Bei seinem Eintritt erhoben sich die Nationalsozialisten und grüßten ihn mit dem Faschistengruß. Die Nationalsozialisten waren im Gegensatz zu der konstituierenden Sitzung des Reichstages diesmal nicht Uniform erschienen. Nur einige von ihnen trugen braune Anzüge. Alterspräsident Litzmann mußte gegenüber den von Kommunisten sofort einsetzenden Rufen:„Nieder mit den kaiserlichen Generälen" und„Nieder mit dem Faschismus“] sofort und anhaltend von der Glocke des Präsidenten Gebrauch machen. Dann fing er mit lauter Stimme seine Ausführungen an, vereinzelt noch von Pfiffen auf der äußersten Linken schon in den ersten Sätzen abermals unterbrochen. Der Alterspräsident führte u. a. aus: Ich eröffne hiermit die erste Sitzung des vierten Preußischen Landtages(Rufe bei den Kommunisten: „Der letzte Büttel des Kapitals!") Nach den bisherigen Ermittlungen bin ich das älteste Mitglied des Hauses(Rufe bei den Kommunisten: „Du lebst. und unsere Brüder liegen unter der Erde! Nieder mit den Generälen!) Ich bin am 22. Januar 1850 geboren, stehe also im 83. Lebeusjahre.(Rufe bei den Kommunisten:„Sie haben den Krieg ganz gut überstanden!") Ich frage, ob in dieser Versammlung jemand ein noch höheres Lebensalter aufweist. Das ist nicht der Fall, also habe ich die Verhandlungen zu leiten, bis der eigentliche Präsident gewählt ist. Ich habe vier Beisitzer zu berufen. Ich berufe die Abgeordneten Hinkler(Nat.=Soz.), Haake (Nat.=Soz.), Paetzel(Soz.) und Giese(Zentrum). Der Alterspräsident fordert die Beisitzer auf, zu seiner Rechten und Linken Platz zu nehmen. Als der Sozialdemokrat Paetzel sich neben den nationalsozialistischen Alterspräsidenten setzt, wird im ganzen Hause gelacht, und von den Kommunisten kommen Oho=Rufe. Der Alterspräsident gedenkt dann, während alle Abgeordneten und Tribünenbesucher sich von ihren Sitzen erheben, des schweren Grubenunglücks, das sich kürzlich bei Dorstfeld ereignet hat. Er erinnert daran, daß infolge Bruchs eines Förderseils bei dieser Katastrophe mehrere Bergleute ums Leben gekommen sind, und, fügt hinzu: Ich spreche wohl im Namen des ganzen Landtages, wenn ich hiermit den Hinterbliebenen dieses Unglücks das herzliche Beileid des Landtages zum Ausdruck bringe.(Rufe bei den Kommunisten: Die Bergleute sind vom Kapital gemordet!) Der Alterspräsident dankt den Abgeordneten, daß sie sich zu Ehren der Verstorbenen von ihren Sitzen erhoben haben und führt u. a. weiter aus: Außer der Rücktrittserklärung des Staatsministeriums sind zahlreiche Uranträge von Fraktionen eingegangen. Ich werde ein Verzeichnis der Vorlagen dem Bericht über die heutige Sitzung beifügen lassen. Der neue Landtag, so fährt Alterspräsident Litzmann fort, hat sich eine Geschäftsordnung noch nicht gegeben. Wenn ich infolgedessen für meine Tätigkeit zunächst die Bestimmungen der Geschäftsordnung des bisherigen Landtages zugrunde lege, so bedeutet dies, was ich hervorzuheben mich für verpflichtet halte, in keiner Weise die Uebernahme der bisherigen Geschäftsordnung durch den jetzigen Landtag. Auf Vorschlag des Alterspräsidenten beschließt das Haus die Einsetzung eines Reltestenrates.(Lebhafte Zuruse von den Kommunisten: Kein Protest gegen Versailles, Young= und Tributzahlungen! Kein Wort zur Arbeitslosenfrage!) Abg. Pieck(Komm.) erhält dann, während seine Fraktion einen dreimaligen Rot=Front=Ruf ausbringt, das Wort zur Geschäftsordnung. Er bringt einen Antrag ein, zu dessen Begründung er zunächst ausführt, daß die Regierung Braun=Severing mit ihrem Rücktritt zum Ausdruck gebracht habe, daß sie eine andere Re(Fortsetzung auf der zweiten Seite.) 100 Meter vor dem Ziel? Dieses Wort aus der letzten Brüningschen Reichstagsrede dürfte auch in den parlamentarischen Verhandlungen eine große Rolle spielen die sich jetzt im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags abspielen. Bekanntlich sollte diese Sitzung des Auswärtigen Ausschusses schon vor Pfingsten stattfinden, aber damals lebten wir in den Tagen des Klotz=Skandals, und die Parteien der gegenwärtigen Regierungs,mehrheit“ glaubten es ihrer Würde schuldig zu sein, damals nicht unter dem Vorsitz des nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Frick zu tagen. So mußte Brüning mit seiner großen Informations= und Rechtfertigungsrede noch warten, bis der Sturm im Wasserglas sich wieder beruhigt hatte. In der Sitzung des Auswäntigen Ausschusses, die am Dienstag stattfand, dürften die Vertreter der Opposition den Reichskanzler und Außenminister Dr. Brüning sehr nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht haben, welche tiefe Kluft zwischen seinen hochgespannten Erwartungen und der tatsächlichen außenpolitischen Lage klafft. Insbesondere dürfte an den Kanzler die Frage gerichtet worden sein, welches denn das Ziel ist, dem er sich jetzt so nahe glaubt. Ueberblickt man die tatsächliche Entwicklung, dann kann man eigentlich nur feststellen, daß sich in bezug auf die Lebensfrage des deutschen Volkes, also die Abrüstung und die Tribute, gegen früher eigentlich nichts geändert hat. Wir sehen nicht die Möglichkeit, mit unseren ehemaligen Kriegsgegnern durch eine friedliche Vereinbarung zu einer Lösung zu gelangen, die den Lebenserfordernissen unseres Volkes Rechnung trägt. Denn schließlich handelt es sich für uns doch darum, eine Endlösung im Sinne der Befreiung von den Tributlasten überhaupt zu erreichen, weil nur eine solche geeignet ist, der deutschen Wirtschaft das Vertrauen wieder zu geben und das internationale Vertrauen wieder zu wecken, an dessen Festigung angeblich die Regierungen aller Länder so tatkräftig arbeiten. Die Erklärungen, die der französische Parteiführer Herriot, der wahrscheinlich in Kürze auf die Geschicke seines Landes einen maßgebenden Einfluß ausüben wird, gerade jetzt über die Fragen der französischen Außenpolitik abgegeben hat, sind sogar der deutschen Linkspresse auf die Nerven gefallen. Denn Herrivt beweist mit seiner Berufung auf die„heiligen Verträge" und auf die„unverjährbaren Rechte Frankreichs“, daß er seine Außenpolitik grundsätzlich genau so einzurichten gesonnen ist wie die aller seiner Vorgänger, gleichgültig ob sie Briand oder Poincaré geheißen haben. Immer wieder taucht die alte französische Behauptung auf, Deutschland habe freiwillig den Young=Plan unterzeichnet, obwohl der Sachverständigenausschuß der Baseler Tributbank inzwischen mit der Unterschrift des französischen Vertreters Ritz ein für allemal festgestellt hat, daß der Young=Plan unanwendbar geworden ist. Man mag über die Möglichkeiten eines Einlenkens der angelsächsischen Mächte denken, wie man will auf jeden Fall wird die französische Opposition jede wirkliche Lösung der Tributfrage in Lausanne verhindern. So deutet alles darauf hin, daß die Gegner wiederum den Versuch machen werden, Deutschland zu einem neuen Provisorium zu nötigen, das wir entweder annehmen oder ablehnen können. Kann da der Kanzler mit Recht sagen, daß er sich 100 Meter vor dem Ziele befinde? Oder ist dieses Ziel etwa die Feststellung der Tatsache, daß wir uns mit der Gegenseite über die Tributfrage nicht einigen können? Dazu hätte es doch wohl nicht eines so großen Aufwandes und so langer Zeit bedurft. Mit der Abrüstungsfrage läuft es ähnlich. Im Luftfahrtausschuß haben die Vertreter der Mächte sich allen Ernstes darüber gestritten, ob der Bombenabwurf aus der Luft eine Gefahr für die Zivilbevölkerung bedeutet. Die Franzosen haben erreicht, daß eine entsprechende Feststellung aus dem Ausschußbericht gestrichen wurde. In Genf wird einfach dekretiert, daß Gas= und Sprengbomben die Zivilbevölkerung nicht gefährden und infolgedessen keine Angriffsmittel sind. In diesem Stile„arbeitet“ die sogenannte Abrüstungskonferenz weiter, bis sie einmal an den entscheidenden politischen Punkt gelangt, ob Deutschland die von ihm mit Recht geforderte Gleichberechtigung weiterhin vorbehalten werden soll. An der französtschen Haltung in dieser Frage kann nicht der geringste Zweifel bestehen. Auch bei der Abrüstung sind die Aussichten, zu einer für uns erträglichen Vereinbarung zu gelangen, auf den Nullpunkt gesunken. Kann der Kanzler behaupten, daß sich Deutschland in dieser Frage„100 Meter vor dem Ziele" befände? Wir halten es für gefährlich in der deutschen Oeffentlichkeit Hoffnungen zu erwecken. die die Bevölkerung über den surchtbaren Ernst der Gesamtlage hinwegtäuschen. Es droht in kurzer Zeit ein moralischer Zusammenbruch, der nachher nicht mehr aufzuhalten ist. Die Vorgänge des Jahres 1918 sollten den Reichskanzler warnen. — 1 P offlmarchi RSGEE der deutschsprachigen Presse e.V. gierung an die Macht heranlassen wolle. Auch das Zentrum sei bereit, mit den Nationalsozialisten unter gewissen Voraussetzunegn zusammen zu arbeiten. Die Regierung Braun, so erklärt er weiter, will aber als geschäftsführendes Kabinett zunächst noch im Amt bleiben, um ihre arbeiterseindliche Politik weiter fortsetzen zu können. Die Regierung Braun=Severing trägt auch die volle Verantwortung für die kommende Notverordnung. Wir beantragen:„Der Landtag spricht dem Geschäftsministerium Braun=Severing das schärfste Mißtrauen aus.“ Wir fordern, daß dieser Antrag als Dringlichkeitsantrag sofort ohne Debatte angenommen wird. Alterspräsident Litzmann: Sofortige Abstimmung über den Antrag ist nach der Geschäftsordnung nicht zulässig.(Großer Lärm bei den Kommunisten.) Ich frage, ob der Antrag des Abg. Pieck sofort behandelt werden soll. Nur die kommunistische Fraktion erhebt sich, während die Abgeordneten der übrigen Fraktionen sitzen bleiben.(Lebhafte Aha=Rufe und Lärm bei den Kommunisten.) Alterspräsident Litzmann: Ich schlage vor, die nächste Sitzung abzuhalten am Mittwoch um 13 Uhr mit folgender Tagesordnung: 1. Wahl des Präsidenten; der drei Vizepräsidenten und der fünf Beisitzer; 2. Bestellung des Ständigen Ausschusses; 3. Feststellung der Zahl der Mitglieder der Ausschüsse; 4. Beratung des Urantrages Kube und Fraktion auf Einstellung von Strafverfahren gegen Abgeordnete(Zurufe bei den Kommunisten: „Ist das alles?— Nochmal zurück, Herr General!") Abg. Kasper(Komm.)(zur Geschäftsordnung) protestiert im Ramen der Millionen Erwerbsloser gegen die vorgeschlagene Tagesordnung. die sich lediglich mit technischen Fragen des Landtages beschäftigen solle. Diese Tagesordnung kennzeichne bereits in der ersten Stunde die volksfeindliche Haltung dieses neugewählten Landtages und der Nationasozialistischen Fraktion. Abg. Kasper beantragt ferner, auf die Tagesordnung zu setzen den Antrag auf Rückgängigmachung aller durch die Kommunalverwaltungen oder die Notverordnungen angeordneten Kürzungen der Wohlfahrtsbezüge sowie des Urantrages auf sofortige umfangreiche Arbeitsbeschaffung. Der Redner setzt sich weiter für Mieterschutz ein und spricht von der„reaktionären Meute von den Sozialdemokraten bis zu den Nationalsozialisten im neuen Landtage“, die schon zu verfaulen beginne. Abg. Kloft(Ztr.) erklärt, daß seine Fraktion zustimme, daß die kommunistischen Anträge auf die Tagesordnung kommen, im Anschluß an die vom Alterspräsidenten verlesene Tagesordnung, wenn sie dann sofort ohne Aussprache dem zuständigen Ausschuß überwiesen würden. Da die Kommunisten auf eine Aussprache verharren, kündigt Abg. Kloft Widerspruch seiner Fraktion an. Als der Alterspräsident die Frage stellt, wer Widerspruch erhebe, stehen dann aber mit dem Abg. Kloft nur noch zwei Zentrumsabgeordnete auf. Der Alterspräsident erklärte, daß dieser Widerspruch nicht ausreiche und die kommunistischen Anträge daher auf die Tagesordnung gesetzt seien. Abg. Dr. von Winterfeld(DNBP.) beantragt, folgenden Antrag auf die morgige Tagesordnung zu setzen:„Ministerpräsident Dr. h. c. Braun hat mitgeteilt, daß er und die übrigen Mitglieder des Kabinetts ihre Aemter zur Verfügung stellen. Damit ist die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten erforderlich. Dr. Braun hat durch seine Rücktrittserklärung der durch die Wahl vom 24. April zum Ausdruck gekommenen Volksstimmung Rechnung getragen. Da er bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten mit seinem Kabinett die Amtsgeschäfte weiterführt, erscheint es notwendig, daß der neugewählte Preußische Landtag dem bisherigen Kabinett Brann seine Meinung für die bisherige Geschäftsführung zum Ausdruck bringt. Der Landtag stellt fest: „Die Amtsführung durch den bisherigen Ministerpräsidenten und die bisherigen Minister, gleichgültig auf welcher formellen Rechtsgrundlage sie erfolgen sollte, entbehrt des Vertrauens des Landtages.“ Von den Sozialdemokraten wird Widerspruch dagegen erhoben, daß der Antrag auf die morgige Tagesordnung gesetzt wird. Die Sitzung wird auf Mittwoch, 13 Uhr, vertagt. Um 15,45 Uhr schloß Alterspräsident Litzmann die konstituierende Sitzung des wierten Preußischen Landtages. Im gleichen Augenblick erheben sich die Kommunisten und rufen im Chor:„Nieder mit dem Faschismus!" Dann stimmen sie die Internationale an von der sie mehrere Verse singen. Während die Mitglieder der übrigen Fraktionen zum größten Teil den Saal verlassen haben, scharen sich die Nationalsozialisten um den Saalausgang auf der rechten Seite des Hauses. Als die Kommunisten nach Beendigung des Gesanges erneut im Chon ihre Niederrufe ausbringen, wird von den Nationalsozialisten ihnen entgegengerufen:„Seid ruhig, ihr Toren!“ Auf der Tribüne ruft ein Besucher:„Heil Hitler!". Die Kommunisten antworten mit lärmenden Gegenrufen, verlassen dann aber doch zu gleicher Zeit mit den Nationalsozialisten den Sitzungssaal, auch die Publikums= und Pressetribünen leeren sich rasch und bereits wenige Minuten vor 16 Uhr ist der Sitzungssaal des Landtages wieder völlig leer. Der Kronprinz und die Politik * Berlin, 24. Mai. Im Zusammenhang mit der Reichspräsidentenwahl, bei der auch der frühere Kronprinz politisch hervortrat, ist behauptet worden, die Reichsregierung habe dem Kronprinzen seinerzeit die Rückkehr nach dem Deutschen Reich nur unter der Voraussetzung gestattet, daß er sich jeder politischen Betätigung enthalte. Hierzu nimmt Major a. D. L. Müldner von Mülnheim, Referent der Generalverwaltung des preußischen Königshauses, Stellung und führt u. a. aus:„Ich beschränke mich lediglich darauf, mit aller Bestimmtheit festzustellen, daß der Kronprinz niemals eine Verpflichtung eingegangen ist, sich im Falle seiner Rückkehr der politischen Betätigung zu enthalten, geschweige denn hat er für eine solche Verpflichtung sein Ehrenwort verpfändet. Eine solche Verpflichtung oder Verpfändung des Wortes ist auch niemals vom Kronprinzen verlangt und wäre auch niemals übernommen worden.“ Gegenfage un Neichsädillen Gerüchte über Brüning RW3. Berlin, 24. Mai. In politischen Kreisen wird heute bekannt, daß der Reichswehrminister Dr. Groener dem Reichskanzler sein Gesuch um Euthebung vom Amt des Reichswehrministers zugeleitet hat. Die Erledigung des Gesuches soll erst dann erfolgen, wenn Klarheit über die Nachfolgeschaft geschaffen ist. Diese Frage wird voraussichtlich erst dann gelöst werden können, wenn der Reichspräsident seine letzte Entscheidung getroffen hat. Gelingt es dem Reichskanzler Dr. Brüning, das bisherige Vertrauensverhältnis, das ihn mit dem Reichspräsidenten verbindet, aufrechtzuerhalten, so wird man damit rechnen müssen, daß Dr. Brüning seine Pläne zur Ergänzung des Kabinetts durchsetzt, sofern es gelingt, einen Zusammentritt des Reichstages vor Lausanne zu verhindern. Entscheidend ist immer wieder die Haltung der Sozialdemokraten, die aber heute im Haushaltsausschuß des Reichstages schen bewiesen haben, daß sie einstweilen die Tolerierungspolitik fortsetzen wollen. Sie erklären freilich, für die Notverordnung nicht verantwortlich zu sein, die sie trotzdem Gesetz werden lassen, da nach ihrer Ansicht bisher etwas Besseres nicht an ihre Stelle gesetzt werden könnte. Immerhin ist rein theoretisch möglich, daß sich eine Mehrheit für Einberufung des Reichstages findet, oder daß der Staatsgerichtshof für den Antrag der Rechten, die auf Einberufung des Reichstags besteht, sich ausspricht. Kommt es noch zu einem Zusammentritt des Reichstages Anfang Juni, dann ist freilich das Reichskabinett ernstlich gefährdet, da sich auch neue Gegensätze innerhalb des Kabinetts gebildet haben. So zum Beispiel hat der Reichsarbeitsminister Stegerwald mehrmals gegen Beschlüsse des Kabinetts Einspruch erhoben, und auch der Reichsernährungsminister Schiele trat wiederholt in Gegensatz zum Ostkommissar Schlange. Auch der Reichslandbund hat sich in einem Schreiben an den Reichspräsidenten gegen Herrn Schiele ausgesprochen. Unter diesen Umständen erscheint das Kabinett vor dem Parlament nicht mehr aktionsfähig, wenn es dem Reichskanzler nicht gelingt, die Zustimmung des Reichspräsidenten zu einer vollkommenen Umbesetzung zu erhalten. Bezeichnend ist, daß selbst der„Demokvatische Zeitungsdienst“ heute von einer Möglichkeit des Rücktritts des Reichslanzlers Brüning spricht und behauptet, daß als Kanzlerkandidat der Name des Landrats a. D. von der Osten genannt werde, von der Osten gehörte dem Preußischen Landtag bis zum Jahre 1928 an, und zwar als stellvertretender Fraktions= vorsitzender der Deutschnationalen. Er ist 1916 aus dem Staatsdienst ausgeschieden. Er werde, so behaupten Linkskreise, deshalb in Vorschlag gebracht, weil man glaube, daß es ihm gelingen werde, den Kurswechsel nach rechts reibungslos durchzuführen. Ob freilich diese Kombinationen im einzelneu zutreffen, bleibt dahingestellt. Sicher ist bis heute nur, daß der Reichskanzler zunächst das Kabinett ergänzt und alle weiteren Entscheidungen von dem Ausgang der Lausanner Konferenz abhängig machen will. Er wird aller Voraussicht nach zu diesem Zweck bei seiner Unterredung mit dem Herrn Reichspräsidenten die Vertrauensfrage stellen. Von dem Ausgang dieser Unterredung wird das Schicksal des Kabinetts Brüning und der kommende Kurs in Reich und Preußen abhängen. Eatschließungen des Auswärtigen Ausschusses * Berlin, 24. Mai. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages nahm Abstimmungen über verschiedene Anträge vor. Angenommen wurde ein Antrag Dr. Frick(Natsoz.), nachdem er mit einer Aenderung des Abg. Leicht(B. Vp.) versehen war, mit sämtlichen Stimmen gegen die Stimmen der Kommunisten und bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen. Dieser Antrag ersucht die Reichsregierung, alles daranzusetzen, daß die Gleichberechtigung, welche besonders von einem Staat als nur„theoretisch“ bezeichnet wird, in einwandfreier Formulierung, entsprechend namentlich dem Artikel 8 der Völkerbundsakte und unter Ablehnung des§ 53 des Konventionsentwurfes, als tatsächliche Voraussetzung anerkannt wird und als bindende Grundlage für alle weiteren Verhandlungen zu gelten hat. Weiter wurde mit 11 gegen 10 Stimmen ein nationalsozialistischer Antrag angenommen, worin die Reichsregierung ersucht wird, die polnische Republik darüber nicht im unklaren zu lassen, daß jeder Antrag auf den Freistaat Danzig vom ganzen deutschen Volk als Angriff auf deutsche Lebensrechte betrachtet und dementsprechend beantwortet würde. sen, Dr. Dornier und mehrere Mitglieder der Besatzung, von der Menge am Ufer immer wieder mit lauten Hochrufen begrüßt, zum Regierungsdampfer, wo die Vertreter der Reichsregierung, der Reichshauptstadt und der Luftfahrt Begrüßungsansprachen hielten. Nach dem offiziellen Empfang an Bord des Regierungsdampfers begab sich die Besatzung der Do. X in Kraftwagen zum Hotel Kaiserhof, wo sie als Gäste der Reichshauptstadt für die Dauer ihres Aufenthalts in Berlin wohnen wird. „Do X“ auf dem Müggelsee niedergegangen * Berlin, 24. Mai. Um 18,20 Uhr traf das Flugschiff Do. X, von riesigen Menschenmengen begeistert begrüßt, über dem Müggelsee ein. Unter den Hochrufen der Menge und dem Geheul der Schiffssirenen zog das Flugschiff eine Schleife über dem See und ging vier Minuten später glatt am Ankerkreuz nieder. Die Begrüßung. * Berlin, 24. Mai. Sofort nach dem Aufsetzen des Flugschiffes auf dem Wasserspiegel näherten sich fünf Motorboote des Reichswasserschutzes der Do. X und legten einen weit gezogenen Bojensperrkreis, der für die voraussichtlich 14tägige Dauer des Aufenthaltes der Do. X auf dem Müggelsee bestehen bleibt. Nach der Verankerung gingen die Regierungsdampfer, auf dem sich neben dem Reichsverkehrsminister Treviranus auch Oberbürgermeister Dr. Sahm und zahlreiche Ehrengäste befanden, sowie der Dampfer des Oberpräsidenten nahe an den Luftriesen heran. Auf einem Motorboot begaben sich der Kommandant der Do. X, Kapitän ChristianErste Zrugenvernehmung im Devaheim-Prozeß * Berlin, 24. Mai. In der heutigen Verhandlung gegen die Leitung des Devaheims=Konzerns ging der Vorsitzende noch auf die Fälle ein, in denen Pastor Cremer im Zusammenhang mit der Hilfskasse unberechtigte Verfügungen vorgenommen hatte. Die Hilfskasse evangelischer Wohlfahrtsvereine war ein Zusammenschluß von fünf Wohlfahrtsverbänden. D. Cremer trat 1928 in den Vorstand der Hilfskasse ein, veranlaßte aber bereits 1924 die Einrichtung zweier Geheimkonten über 180000 Mark, wozu er nach Annahme der Anklage nicht berechtigt war. Pastor Cremer erklärte, es sei in der evangelischen Kirche für jeden Pfarrer eine selbstverständliche Sache, daß er einen Fonds zur Verfügung habe, aus dem er Bitten und Gesuche erfülle, ohne daß die Gelder durch die Kirchenkassen gingen. Er habe daher die Geheimkonten errichtet, um einen Dispositionsfonds zu schaffen. Weiter erklärte Pastor Cremer, daß in seinem Gehalt von 22000 Mark jährlich auch die Auslagen enthalten seien. Nach seiner Pensionierung habe er sich zur Unterbringung seines Hausstandes ein Haus gekauft, das 70000 Mark gekostet habe. Dieser Bau sei keineswegs eine Luxusvilla. Das Geld sei ihm vom Aufsichtsrat der Hilfskasse geborgt worden, und zwar aus dem eigenen Gesellschaftskapital der Hilfskasse. Nach der Pensionierung habe er keine anderen Einnahmen, als die 1000 Mark Zuschuß vom Zentralausschuß und seine Pension gehabt. Der Büchersachverständige Grade teilte mit, daß Pastor Cremer 1929 15000 Mark, 1930 16000 und 1931 in einem halben Jahre 7400 Mark für Autospesen erhalten habe.— Pastor Cremer versuchte die Höhe damit zu erklären. daß er die Wagen dienstlich außerordentlich beansprucht habe. Der Vorsitzende stellte dann fest, daß Pastor Cremer in fünf Jahren 6 Autos verbrauchte. Dann wurden die ersten Zeugen vernommen. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß alle Zeugen Die erste Sitzung des neuen Preußischen Landtags Blick in den Plenarsitzungssaal während der Eröffnung des neuen Landtags durch den Alterspräsidenten General Litzmann. wegen der überaus komplizierten Zusammenhänge dieses Prozesses vorerst unvereidigt vernommen werden. Der Zeuge Liebchen, seit 1928 Geschäftsführer bei der Hilfskasse, schilderte die Verwendung der amerikanischen Auslandsanleihe und erwähnte dabei daß die von der Hilfskasse aus Mitteln dieser Anleihe finanzierten Gesellschaften zum Teil in Konkurs gingen, so daß der Hilfskasse ein Verlust von 1,8 Millionen M. entstand. Außerdem mußte die Hilfskasse 46.000 Mark an Hypotheken und 19000 Mark an Autospesen Pfarrer Cremers übernehmen, die später von der evangelischen Versicherungs=Zentrale abgedeckt wurden. Nach Ansicht des Zeugen war Pfarrer Cremer berechtigt, über die Geheinkonten zu verfügen. Direktor Gerhard Voth. der beim Devaheim=Konzern angestellt war, erklärte, daß— entgegen der Behauptung Pfarrer Cremers— die für das Koblenzer Sanatorium gegebenen 20000 Mark aus Gewinnen der Deuzag stammten. Auf die Frage, ob Pfarrer Cremer darüber verfügen durfte, erklärt der Zeuge: Nein, es handelt sich um das Geld der Sparer. Die Weiterverhandlung wurde dann auf Donnerstag vormittag vertagt. Sklarek-Prozeß immer noch schleppend * Berlin, 24. Mai. Das Geheimnis um den Sklarek=Prozeß hat sich auch heute noch nicht gelüftet. Amtsgerichtsrat Keßner eröffnete die Sitzung mit der kurzen Bemerkung, daß für sie dasselbe gelte, wie für die vorhergegangenen und daß nicht länger als 10 Minuten verhandelt werden könne. Die nächste Sitzung finde am Freitag statt, wo man vielleicht schon etwas weiier sein werde. Dann hielt Staatsanwaltschaftsvat Dr. Weißenberg wieder ein Kurzplädoyer, in dem er sich mit den Vorwürfen gegen den Angeklagten Degner weiter beschäftigte. Für seine Wohnungseinrichtung habe Degner insgesamt 30 200 Mark ausgegeben. Die Verteidigung des Angeklagten, daß er sich 8000 Mark in Devisen in der Inflation gespart habe und von seiner Mutter 26000 Mark erhalten habe, sei unglaubwürdig. Es spreche vielmehr alles dafür, daß die Beträge aus einer dunklen Quelle stammten, und zwar von den Sklareks, wo die Summen in Kassenbelegen vorgefunden worden seien.— Die Sitzung wurde dann auf Freitag 9 Uhr vertagt. Wie wir hören, hat sich das Befinden des Angeklagten Bürgermeister Kohl in der Zwischenzeit wesentlich gebessert. Schweres Unglück in einem englischen Bergweri 8 Tote * London, 24. Mai. In der Ortschaft Youl= greave in der Grafschaft Derby ereignete sich in einem Bergwerk eine Explosion. Dabei wurden fünf Bergleute getötet. Von den Rettungsmannschaften kamen gleichfalls drei Mann ums Leben. Das Unglück ereignete sich gestern am späten Abend in einem kleinen Bleibergwerk, das insgesamt 24 Mann beschäftigt. Im Augenblick der Explosion waren sechs Bergleute in einer Tiefe von 60 m an der Arbeit. Fünf von ihnen wurden durch einstürzende Erdmassen getötet; der sechste vermochte den Schachteingang zu erreichen und Lärm zu schlagen. Von den Rettungsmannschafren, die sofort einfuhren, wurden drei durch giftige Gase getötet, obwohl sie Gasmasken trugen. Mehrere andere, die ebenfalls von den Gasen betäubt wurden, erholten sich bald in der frischen Luft. Unter den Toten befindet sich der Betriebsdirektor, der die Rettungsmannschaften geführt hatte. Seine Frau hatte am Abend kurz vor der Katastrophe einem Kinde das Leben geschenkt. Regengüsse über England Ueber 1000 Wohnhäuser überschwemmt— Vieh in den Fluten umgekommen— Weite Strecken Saatland vernichtet * London, 23. Mai. Neun englische Grafschaften wurden am Sonntag von wolkenbruchartigen Regengüssen heimgesucht, wie sie in solcher Stärke seit dreißig Jahren nicht verzeichnet waren. Viele Bäche und Flüsse traten über ihre Ufer und überschwemmten weite Landbezirke und zahlreiche Ortschaften. Der Schaden dürfte Hunderttausende Pfund Sterling betragen. Im mittleren Teil der Stadt Derby wurden mindestens 600 Kaufläden, und mehr als 1000 Wohnhäuser überschwemmt. Stellenweise erreichte hier das Wasser eine Höhe von drei Meter. In Ashby(Leicester) schlugen Polizisten ein großes Loch in eine Mauer, die einen Sportplatz umgibt, und ermöglichten dadurch ein Abfließen der Wassermassen. Trotzdem mußte die Hälfte der Bevölberung der Stadt in den oberen Stockwerken Zuflucht suchen. Die 35000 Einwohner von Rugby waren ohne Trinkwasser, da die Maschinen des städtischen Wasserwerkes von der Flut außer Tätigkeit gesetzt wurden. Die Landwirte haben überall empfindliche Verluste erlitten. Viel Geflügel und Vieh ist umgekommen, und weite Strecken Saatland sind vernichtet.— Die Ueberschwemmungen nahmen am Montag immer größere Ausdehnung an. Neu entstandene Seen dehnen sich kilometerweit aus und erreichen vier bis fünf Meter Tiefe. Die Jugend tummelt sich in den überschwemmten Orten im Badekostüm von Haus zu Haus schwimmend. Zehntausende von Drahtleitungen sind unterbrochen, ebenso zahlreiche Eisenbahnverbindungen. Viele Städte, darunter Sawley, Bridge, Ashby und Stratford, stehen vollkommen unter Wasser. Der Verkehr mit den in den Dachgeschossen hausenden Bewohnern kann nur mit Booten aufrechterhalten werden. In der Stadt Derby allein wird der Schaden auf 10 Millionen Mark geschätzt. Mehrere Personen sind ertrunken. Viele Häuser sind eingestürzt. Das Shakespeare=Theater in Stratford ist völlig von einem tiefen See umgeben. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Zunächst noch stark wolkig bis bedeckt, dabei zeitweise Regen, meist in Schauerform, Demperaturen noch unverändert, auffrischende westliche, später nach Nordwest drehende Winde, allgemein fortschreitende Wetterberuhigung. Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Aus Kadi aus ürels Unsere neuen Romane Ein Silbenrätsel Heute beginnen wir mit einem neuen Roman in täglichen Fortsetzungen unter dem Strich, und zwar mit dem Werk von Felix Neumann:„Von Zimmer 7 nach Zimmer 7 im Schwarzen Adler“. In diesem Roman schildert der Verfasser ein junges Liebespaar, das lebensmüde ist, weil ihm seine Verbindung— sie ist aus wohlhabendem Hause, er einer, der erst etwas werden soll— aussichtslos erscheint, und so beschließen beide in ihrem jugendlichen Weltschmerz, aus dem Leben zu gehen. Auf Zimmer 7 im Gasthof„Zum Schwarzen Adler“ wollen sie gemeinsam aus der Welt scheiden. Aber das Schicksal will es anders. Durch ein unvorhergesehenes Ereignis werden sie dem Leben wieder zugeführt. Getrennt von einander, nimmt jedes seinen Weg, der über Enttäuschungen und harte zielbewußte Arbeit führt und überaus spannend, lebenswahr und dramatisch geschildert wird. Der Roman wird daher den Leser bis zur letzten Fortsetzung fesseln. Am Freitag dieser Woche wird unser zweiter, mit großem Beifall ausgenommener Roman: „Ilse von der Esche" beendet sein. Am Samstag beginnen wir mit einem neuen Roman in ganzseitigen Fortsetzungen——— dessen Titel wir noch nicht nennen wollen, den aber unsere Leser selbst erraten können, wenn sie dem Silbenrätsel Beachtung schenken, das wir heute im Anzeigenteil veröffentlichen. Die Lösung des Rätsels bringen wir am Samstag gleichzeitig mit dem Beginn des neuen Romans. Schwelm, 25. Mai. * Reisegepäckbeförderung ohne Fahrkarte. Seit 1925 kann im innerdeutschen Verkehr der Reichsbahn Reisegepäck auch ohne Fahrkarte zu den Sätzen des Expreßguttarifs aufgegeben werden. Das Mindestgewicht beträgt 10 kg. Bei Gewichten von 11 bis 15 kg wird die Fracht für 20 kg berechuet. Es kosten also z. B. 20 kg auf 200 km Entsernung 2 M. Diese Einrichtung bietet besonders solchen Besuchern Vorteile, die— wie Wanderer, Radfahrer, Automobilisten usw.— auf anderem Wege oder mit anderen Verkehrsmitteln den Reiseweg zurücklegen. ** Die Stadt Schwelm hat die drei Fürsorgeschwestern, die sie bisher beschäftigte, entlassen. Die Fürsorgeschwestern des Kreises müssen jetzt die Arbeit in der Stadt Schwelm mit übernehmen. Auch der Kreis=Kinderfürsorge stehen bedeutend weniger Mittel zur Verfügung. Nur ein Kindererholungsheim kann noch die erholungsbedürftigen Kinder des Kreises aufnehmen. Die Schulzahnpflege ist bekanntlich auf den ganzen Kreis ausgedehnt und kann nur die Kinder der bedürftigen Eltern noch kostenlos behandeln. = Photowettbewerb des Westf. Verkehrsverbandes. Anläßlich der vom 3. bis 19. Juni d. J. in Dortmund durchgeführten Ausstellung veranstaltet der Westfälische Verkehrsverband einen Photowettbewerb für gute Landschaftsaufnahmen aus Westfalen, der sowohl für Berufsphotographen als auch für Amateurphotographen offen ist. Es stehen für diesen Wettbewerb namhafte Preise zur Verfügung. Die näheren Bedingungen sind gegen Einsendung des Briefportos beim Westfälischen Verkehrsverband, Dortmund, Olpe 3, erhältlich. Milspe, 25. Mai. &* Sonnenbrand. Ein mit Feldarbeiten beschäftigter junger Mann mußte sich in ärztliche Behandlung begeben, da er sich ohne Vorsichtsmaßnahmen mit dem nackten Oberkörper den Sonnenstrahlen ausgesetzt hatte. Er hat sich einen schweren Sonnenbrand zugezogen. Voerde, 25. Mai. : H o h e s A l t e r. F r a u W i t w e W i l h e l m i n e Schluckbier, geborene Stracke zu Altenvoerde, Hochstraße Nr. 13, vollendet am heutigen Tage bei körperlicher und geistiger Frische ihr 88. Lebensjahr.— Ihr 84. Lebensjahr vollendete in verhältnismäßig körperlicher und geistiger Frische Frau Maria Preuß, Loherstraße 10. 70jähriges Bestehen des Voerder Turnvereins. Der Voerder Turnverein wird am 4. und 5. Juni ds. Is. das 70jährige Bestehen durch eine würdige Feier begehen. Bei der Schwere der Zeit ist es ein Wagnis, Feste zu feiern. Da der Verein in den letzten Jahren mit den Veranstaltungen sehr zurückhaltend gewesen ist, soll das 70jährige Bestehen in kleinem Rahmen und zu niedrigen Eintrittspreisen erfolgen. Die Feier wird des Samstags abends um 7 Uhr mit einem Umzug eröffnet. Anschließend findet im Haarmannschen Saale der Feastbend statt, der mit einem Festball abschließt. Des Sonntags finden unter Teilnahme der übrigen DT.=Vereine von Voerde (Turn= und Spielverein Deutsche Eiche, Turnverein Altenvoerde und Turn= und Spielverein Haspetal) die Veranstaltungen auf dem Sportplatz Tanneneck statt. Um 2 Uhr wird eine Straßenstaffel gelaufen. Anschließend finden auf dem Sportplatz neben Vorführungen des festgebenden Vereins Vereinswettkämpfe statt. Zwischen dem Turnklub Haspe und Voerder Turnverein wird ein Faustballspiel ausgetragen. Die Siegerehrung bildet den Abschluß der Veranstaltung. Die Musik wird an beiden Tagen von der Musikkapelle „Waldesgrün" Voerde ausgeführt. Die Eintrittspreise sind sehr niedrig gehalten und betragen für des Samstags 0,50 M. und des Sonntags 0,30 M. Gevelsberg, 25. Mai. * Das Städtische Krankenhaus ist durch Runderlaß des Ministers für Volkswohlfahrt vom 18. April 1932 zur Annahme und Ausbildung von Medizinalpraktikanten ermächtigt worden. Silschede, 25. Mai. * Eine Gemeinderatssitzung fand im Lokale Trögler unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Külpmann und im Beisein des Bürgermeisters Fischer statt. Die Gemeindevertreter waren vollzählig erschienen. Für die öffentliche Sitzung standen nur zwei Punkte zur Verhandlung. Der erste Punkt betraf die Getränkesteuer. Der Kreisausschuß hat mit Genehmigung der Regierung die Getränkesteuerordnung der Gemeinde bis zum 31. März 1933 verlängert. Es tritt gegenüber der bisherigen Handhabung insofern eine Aenderung ein, als die Erhebung von Pauschalsätzen nicht mehr gestattet ist. Die Wirte müssen also in Zukunft genaue Aufzeichnungen über ihre Umsätze machen und dem Amt angeben. Die Gemeindevertretung nahm hiervon Kenntnis.— Die Gießerei und Maschinenfabrik Peyinghaus in Egge bei Volmarstein will, um eine Aufrechterhaltung des Bahnbetriebs von ihrem Werk bis nach Silschede sich für alle Zeit zu sichern, die den Bahnkörper schneidenden Grundstücke von dem eigentlichen Bahngelände trennen und neu parzellieren lassen, damit das Recht zum Betrieb der Bahn grundbuchamtlich eingetragen werden kann. Mit den Anliegern hat das Werk bereits verhandelt und eine Einigung erzielt. Da auch die Gemeinde eine Parzelle des Bahngeländes besitzt— das frühere Harksche Grundstück— muß die Gemeindevertretung ihre Zustimmung dazu erteilen. Eine besondere Parzellierung kommt für das Grundstück nicht in Frage, weil das Bahngelände von dem übrigen schon seinerzeit abgetrennt wurde. Als Gegenleistung soll das Werk einigen Erwerbslosen der Gemeinde Beschäftigung geben. Damit war der Verhandlungsstoff für die öffentliche Sitzung erschöpft. Es schloß sich eine geheime Sitzung an, in welcher der Etat für das Jahr 1932 vorberaten wurde. Haßlinghausen, 25. Mai. * Auch die Kirchengemeinden haben die größesten Schwierigkeiten, durch diese Notzeit durchzukommen und ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Sie können die Gemeindeschwestern nicht mehr halten, müssen Beamte und Angestellte entlassen trotz Notverordnungen und Herabsetzung der Löhne. Am Donnerstag, dem 26. d. M. abends 7,30 Uhr, versammelt sich die größere kirchliche Gemeindevectre= tung zur Beratung der Notlage im Gemeindehause. Am vergangenen Sonntag sind von der Kanzel alle Gemeindeglieder zu dieser Versammlung eingeladen worden. Es sollen in einer öffentlichen Besprechung die Lage dargelegt und Mittel und Wege gesucht werden, wie die Not zu überwinden ist. Dieses außergewöhnliche Vorgeben offenbart die Größe der Notlage, aber auch das Vertrauen des Presbyteriums in die Gemeindeglieder. Da den Abbau der Schwester in Frage kommt, ist zu erwarten, daß auch Frauen der Versammlung nicht fernbleiben. Sprockhövel, 25. Mai. * Die Erkrankung an Masern in unserer Gemeinde haben einen derartigen Umfang angenommen, daß bei dem gestrigen Schulbeginn in der Klasse der Lernanfänger nahezu die Hälfte der Kinder wegen Erkrankung dem Unterricht fernbleiben mußte. * Ein herrenloser Jagdhund soll am 31. Mai, vormittags 11 Uhr, im hiesigen Amtsbüro. Zimmer 1, versteigert werden, falls der Eigentümer sich bis zum 30. Mai nicht meldet. Wetter, 25. Mai. * Bindschuß festgenommen. Wie berichtet, wurde vor kurzem von der Polizei eine Reihe Diebstähle aufgeklärt, die der etwa 30jährige Erich Bindschuß=Voßkuhle verübt hatte. B. entzog sich durch die Flucht seiner Festnahme. Vorgestern morgen nun kam Förster Neuhaus dem B. im Park von Schloß Mallinckrodt auf die Spur. Er vermochte ihn zu stellen. Die sofort benachrichtigte Polizei nahm Bindschuß in Empfang. Auf den Verhafteten lenkte sich auch der Verdacht, das Eisenbahnattentat bei Wetter ausgeführt zu haben. Die Vernehmungen sind noch nicht abgeschlossen. * Direktor Kamp tot. Aus Berlin kam die Nachricht, daß Direktor Diplom=Ingenieur Hermann Kamp gestorben ist. Kamp war bis vor kurzem Leiter des hiesigen Demag=Werkes. Er spielte im Märkischen Arbeitgeberverband eine führende Rolle. In Berlin übernahm er die Leitung der Maschinenfabrik Flohr, die mit dem Demag=Konzern eine Interessengemeinschaft bildete. Hattingen. 25. Mai. * Als Leiche geborgen. Gestern vormittag wurde die Leiche des Anstreichergehilfen Paul Dorpatka aus Bochum=Linden, Buschstraße 20, an Birschels Mühle aus der Ruhr geborgen. D. ging, wie wir seinerzeit berichteten, in der vorigen Woche beim Baden in der Ruhr am Bochnmer Wasserwerk unter und ertrank. * Hagen=Haspe, 24. Mai. Der Hasper Kirmesfestzug ist eine Einrichtung, an der die weitesten Schichten der Bevölkerung des Stadtteils Haspe seit langem in Liebe hängen. Der traditionelle Zug ist in heutiger Notzeit natürlich eine Geldfrage. Es ist nicht damit zu rechnen, daß die erforderlichen Mittel wie bisher durch freiwillige Spenden oder Zeichnung aufkommen. Dazu sind die Kassen in Haspe doch zu sehr erschöpft. Man wird also auf Sammlung angewiesen bleiben und, wie man es im Vorjahre schon machte, Groschenbeiträge hereinzubekommen suchen. Und damit ist die Grundlage für jede weitere Erörterung gegeben. Die Kirmesfreunde werden diesmal den Zug in bescheidenster Weise aufbauen und ausstatten müssen. In der ersten Versammlung des Kirmesfestzugsvereins die am Samstag abend stattfand, ließ man über diese Sachlage keinen Zweifel. Und dennoch will man es wagen, auch diesmal die Freunde der Kirmessache aufzubieten und sie zur Beteiligung einzuladen. Mag es gelingen! Immerhin ist einige Eile angebracht. Denn es bleiben nur knappe 6 Wochen der Vorbereitung. * Witten, 24. Mai.(Goethe=SingspielAufführungen in Witten.) Die Aufführungen des Goetheschen Singspiels„Fischerin“, die das Realgymnasium in Witten unter Leitung von Dr. Konrad Maria Krug vorbereitet, beginnen am 18. Juni. Auf der Ruhrinsel bei Witten, die zum Schauplatz der Handlung gewählt wurde, hat der Kunstmaler Gesinus=Visser ein Bühnenbild von schlichter Schönheit errichtet. Die Musik stammt von Robert Ruthenfranz. * Schwerte, 24. Mai.(Drei Personen vom Auto angefahren und schwer verletzt.) Am Montag abend wurden beim Ueberqueren der Hörderstraße am Königsplatz drei Personen von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Es handelt sich um eine Frau Rasche aus Schwerte und eine Frau Meyer aus Hohensyburg mit ihrem fünfjährigen Kind. Sie wurden von einem Kraftwagen erfaßt, zur Seite geschleudert und schwer zugerichtet. Mit schweren inneren Verletzungen und Knochenbrüchen wurden die Verunglückten ins Krankenhaus geschafft. Der Zustand der Frau Meyer ist sehr ernst, da sie außerdem noch einen Schädelbruch erlitt. * Dortmund, 24. Mai.(Der Fall Schellersheim vor Gericht.— Betrügereien in Gesamthöhe von 100000 Mark.) Vor der Großen Strafkammer begann gestern die Hauptverhandlung gegen den Kaufmann Paulus, Freiherr von Schellersheim, einem Vetter des Majoratsherrn von Amorkamp bei Hausberge, dessen Ehefrau und den Kaufmann Arthur Kaltz wegen Betruges. Zur Verhandlung, die bis Mitte Juni dauern soll, stehen im ganzen 50 Betrugsfälle, von denen allein 40 den Eheleuten von Schellersheim zur Last gelegt werden und die zusammen rund 100000 Mark ausmachen Die Angeklagten leugnen jede Betrugsabsicht, bestreiten aber nicht, daß ihre Schulden sich auf weit über 100000 Mark belaufen. Der Angeklagte von Schellersheim gehört dem verarmten Zweig einer wohlhabenden Feudalfamilie an, die im Besitz eines Majorats war. Er lernte in früher Jugend Kaufmann, war später als Reisender tätig und begann nach Beendigung des Krieges einen wilden Handel mit Brillanten, Perlen und Kunstgegenständen. 1924 war er durch geschickte Spekulationen in den Besitz eines Vermögens von 100 000 M. und 1000 englischen Pfunden gekommen, das er jedoch im Laufe eines Jahres wieder verlor so daß er den Offenbarungseid leisten mußte. Trotzdem lebte er weiterhin auf großem Fuße und kaufte u. a. seiner Familie für 12000 Mark Pelze, die jedoch unbezahlt blieben. Beim Duisburger Leihamt erhielt er 1924 für versetzte Brillanten 60000 RM., und aus den Pfandscheinen erzielte er einen weiteren Erlös von 35000 Mark. von Schellersheim bewohnte in mehreren Großstädten die teuersten Hotels und pachtete sich sogar eine Jagd, obwohl er nicht einmal die Zinsen für die Pfänder im Leihhaus aufzubringen vermochte. Dev Angeklagte gibt an, daß er einen gewissen Aufwand habe treiben müssen, weil er seine Geschäfte nur in den ersten Gesellschaftskreisen gemacht habe. Frau von Schellersheim behauptet, völlig schuldlos und nur einer Intrige zum Opfer gefallen zu sein. Auch der Angeklagte Kaltz bestreitet, sich strafbar gemacht zu haben und weist darauf hin daß er von Schellersheim selbst um 10000 Mark geschädigt worden sei. Frau von Schellersheim die heute im 47. Lebensjahr steht, stammt aus kleinen Verhältnissen und war in jungen Jahren u. a. als Sekretärin bei dem Schriftsteller Rudolf Presber beschäftigt. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt. * Dortmund, 23, Mai.(Verbandsschießen der Jäger= und Schützenvereine in Dortmund.) Der Verband der Jäger= und Schützenvereine von Rheinland und Westfalen hat sich entschlossen, sein diesjähriges Verbandsschießen im Juli ds. Is. in Dortmund abzuhalten. Bei der großen Anhängerschaft des edlen Schießsports ist mit einem guten Besuch der Veranstaltung zu rechnen. * Essen, 24. Mai.(12 Jahre Zuchthaus für vant' Ende.) Der Kommunist vant' Ende, der wegen Tötung des Nationalsozialisten Garthe vor Gericht stand, wurde heute wegen vorsätzlichen Totschlages in Tateinheit mit Raufhandel und verschiedener Waffendelikte zu zwölf Jahren drei Monaten Zuchthaus verurteilt. * Wuppertal, 24. Mai.(Zwei Bühnenmitglieder verlassen Wuppertal.) Zwei beliebte Wuppertaler Bühnenmitglieder verlassen mit Ablauf der Spielzeit Wuppertal: Lotte Hormuth, die sich besonders als OperettenTanzsoubrette großer Beliebtheit erfreute, geht an die Städtischen Bühnen in Hannover, während die erste Altistin, Marion Hundt, an die Krefelder Oper verpflichtet ist. * Velbert, 23. Mai.(Schützentreffen in Velbert.) Auf den Schießständen im Schützenbusch herrschte gestern frohes Treiben. Die Vereine des Kleinkaliber=Schützenverbandes Bergisch=Land gaben sich ein Stelldichein, um den neuen Gaumeister zu ermitteln. Fünf Vereine waren zum Wettbewerb angetreten. Die Kämpfe endeten mit einem Siege des Schützenvereins Nassenkamp, dessen Mitglied Betzen die Gaumeisterschaft errang. Der Wanderpreis des Gauvorsitzenden wurde zum dritten Male und damit endgültig von dem Schützenverein Velbert=Land errungen. Den vom Schutzherrn des Gaues gestifteten Wanderpreis konnte der Schützenverein Langenberg für dieses Jahr erwerben. * Wermelskirchen, 24. Mai.(Falschmünzerwerkstatt ausgehoben.) Am 21. d. M. war der Schleifer Julius V. aus Wermelskirchen nach Elberfeld gekommen, um mit falschen Fünfmarkstücken Einkäufe zu machen. Durch die Aufmerksamkeit einer Verkäuferin eines Warenhauses wurde sein Vorhaben vereitelt und er selbst festgenommen. Kriminalbeamten der Falschgeldstelle des Polizeipräsidiums Wuppertal gelang es, in Wermelskirchen die Falschmünzerwerkstatt, die sich dort in der Wirthsmühle befand, auszuheben. Sämtliches Falschmünzergerät, darunter eine Matritze und mehrere salsche Fünfmarkstücke, wurde vorgefunden und beschlagnahmt. * Dieringhausen, 23. Mai.(Rekordwaldbeerernte im Oberbergischen.) Wenn nicht unvorhergesehene Naturereignisse eintreten, kann in diesem Sommer mit einer Rekordwaldbeerernte in den oberbergischen Wäldern gerechnet werden. Der Blütenansatz ist so stark wie noch nie zuvor. Manche arbeitslose Familie hat jetzt wieder Gelegenheit, sich durch die Waldbeerernte einen schönen Nebenverdienst zu verschaffen. * Mülheim, 24. Mai.(20 Jahre Prozeß um eine Straße.) Nach fast zwanzigjähriger Prozeßführung hat das Reichsgericht nun einen Streit entschieden, der sich zwischen der Stadt Mülheim Ruhr und um die Fluchtlinie einer Asphaltstraße durch den Duisburg=Mülheimer Wald abspielte und der zum Tagesgespräch geworden war. Diese Straße, die als Autostraße quer durch den Wald führen soll und bereits angefangen ist, konnte wegen dieses Prozesses nicht fertiggestellt werden. Sie endete nämlich vor dem Grundstück des ZiegeleiInhabers und soll nach Auslegung der Fluchtlinie mitten durch sein Grundstück gelegt werden. Die Stadt glaubte billig in den Besitz dieses Geländes zu kommen, da die Ziegelei kurz vorher niederbrannte. Der Inhaber aber dachte nicht an einen Verkauf, sondern reichte ein Baugesuch zum Wiederaufbau ein. Dieses wurde aber nicht in der vorgelegten Form genehmigt. Der Ziegeleibesitzer mußte die Stadt durch Anerkennungsurteil zwingen, die Enteignung seines Geländes vorzunehmen. Der Bezirksausschuß zu Düsseldorf setzte die Entschädigung auf den niedrigen Preis von 2700 Mark fest mit dem Erfolge, daß der Besitzer die Stadt auf rund 25000 Mark als Entschädigung für das Grundstück und auf 18000 Mark für die Verzögerung der Bauerlaubnis verklagte. Damit wurde er jedoch in zwei Instanzen abgewiesen, ließ sich aber nicht abschrecken, sondern klagte jetzt auf Entschädigung seines Betriebes, den das Landgericht Duisburg auf 33000 Mark festsetzte. Das Oberlandesgericht Düsseldorf ermäßigte den Betrag auf 17000 Mark. Unverdrossen klagte der Ziegeleibesitzer weiter und das Reichsgericht Leipzig kam nun zu dem überraschenden Ergebnis, daß bisher alle Gerichte die Entschädigung für den unter der Straße liegenden und nicht abzubauenden Ton vergessen hatten. Da diese Schicht eine Mächtigkeit von 15—120 m hat und die Straße 40 m breit werden soll, ergebe sich hier alleine eine Entschädigung von über 100000 Mark außer den Mehrkosten für die Umstellung des Betriebes, der durch die Straße in zwei Teile geteilt wird. Die neue Autostraße durch den Wald wird daher im wahrsten Sinne des Wortes„ein teures Pflaster“. * Köln, 24. Mai.(Immer noch Granaten aus der Franzosenzeit.) Auf einem während der Besatzungszeit für die französische Artillerie beschlagnahmten Schießplatz in Pellingen wurden dieser Tage von einem Landwirt wieder zwei französische 7,5=em=Granaten gefunden. Sein Pflug riß die Geschosse aus der Erde. Glücklicherweise sind sie nicht explodiert. Einem anderen Landwirt geriet eine französische Granate beim Mähen in die Maschine. Auch hier ging es ohne Explosion ab. Immer wieder werden auch in Hecken und Gestrüpp Geschosse gefunden, so daß die Behörden durch öffentliche Bekanntmachung auf die große Gefahr hinweisen müssen, vor der sich die Landwirte beim Betreten und Beackern ihrer Felder in acht zu nehmen haben. * Köln, 23. Mai.(Folgenschwerer Motorradunfall.— Ein Toter, drei Schwerverletzte.) Ein furchtbarer Motorradunfall ereignete sich in den späten Abendstunden des Sonntag auf dem Köln=Brücker Hauspfad bei Köln=Delbrück. Der Motorradfahrer, der noch einen Beifahrer mitführte, fuhr in voller Fahrt in eine Fußgängergruppe. Hierbei stürzte das Motorrad um und die beiden Fahrer wurden in hohem Bogen auf die Straße geschleudert. Der Motorradfahrer war sofort tot während der Mitfahrer einen doppelten Schädelbruch davontrug Von den Fußgängern erlitt ein junger Mann einen Oberschenkelbruch und ein Mädchen einen Schädelbruch. Die drei Schwerverletzten fanden Aufnahme im Krankenhaus. Der Soziausfahrer liegt noch besinnungslos danieder. Die Ursache des Unglücks bedarf noch der Klärung. * Meppen, 23. Mai.(Den Bruder erschossen.) Der 34jährige Angestellte Gerhard Koop in Sögel wollte sich während einer Auseinandersetzung an seinem Vater vergreifen. Als das der 21jährige Bruder Benedikt sah, versuchte er die Streitenden zu trennen. Da zog Gerhard ein langes Messer, um seinen Bruder zu erdolchen. Benedikt glaubte sich in Notwehr, griff zu einem Tesching und schoß seinen Bruder nieder. Der Tod trat auf der Stelle ein. Modenschau im Kaiserhof, Elberfeld Modenschau— ein Wort, das immer wieder elektrisiert und zuweilen auch bei den Herren der Schöpfung frohe Erwartung auslösen kann. So ist es gar nicht verwunderlich, daß sich zu der Künstler=Modenschau am Samstag nachmittag und=Abend im Hotel Kaiserhof, veranstaltet von den Firmen Ph. Freudenberg. H.& L. Fritzsche und P. Homberg, zahlreiche Schaulustige eingefunden hatten. Diese Modenschau war ein Genuß für Auge und Ohr. Erste Kräfte der Vereinigten Stadttheater boten mit Gesangs= und Tanzeinlagen reiche Abwechslung und erreichten damit gleichzeitig, daß den vorgeführten Modellen volle Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dankbar war man auch dafür, daß nicht gleich massenweise die Neuschöpfungen der Modegöttin vorüberschwebten, sondern von jeder Art nur Auserlesenes gezeigt wurde. Bei Christian Gollong lag die„Conference“ in bewährten Händen. In bunter Folge kündigte er solistische Darbietungen der Künstler und neue Modelle an. Entzückende Herbst=Nachmittagskostüme, mit kleinen Pelzen verziert, machten den Anfang, für den Herrn Sportanzüge und Raglans. In vorwiegend hellen Tönen bei einfachstem, so„schlank“ machendem Schnitt wurden schöne Damen=Herbst= und Reisemäntel gezeigt. In einem apart gemusterten Nachmittagskleid sang Leonie Dielmann ein Liedchen von dem „Besseren älteren Herrn“ aber nicht nur diese, auch die jüngeren und ebenfalls die Damen waren entzückt. Modelle in Nachmittagskleidern, häusig Schöne weiße Zähne schon nach einmaligem Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden „Chlorodont=Zahnpaste", schreibt uns ein Raucher. Tube 50 Pf. und 80 Pf. Versuch überzeugt. : D MFA Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e#. in der noch immer beliebten Farbenzusammenstellung schwarz=weiß mit besonders in die Erscheinung tretendem Aermel folgten einem Tango, getanzt von Claire Rommel und Marcella Wunderlin. Hermann Abelmann sang sich schnell in die Herzen der Anwesenden. Was ist modern— fragen Sie, meine Damen? Nun hier einige Stichworte; das für Sie Passende werden Sie schon selbst herausfinden. Also hören Sie: Weiße Gesellschaftskleider aus gestickten Stoffen. Für den Abend natürlich. Ebenso solche aus bunt gemusterten Seidenchiffons. Und für die Reise———— Jackenkleider, schnittig. entzückend, mit passender Krawatte. Ueber die wollenen Sportkleider ein Gazellenjäckchen.(Sehr fesch!) Dann die lange Reihe der Mäntel, z. T. mit Pelzrevers. Für die Herren folgten Sportanzüge, tuvisch 1für sie die einfarbige Jacke zu der gemusterten Hose, in der Farbe aber sehr dezent. Zwischendurch sang und tanzte Ruth Beyer mit Christian Gollong, oder die schönen Stimmen von Marion Hundt und Hermann Abelmann vereinigten sich in Duetten. Nach dem Ohrenschmaus kam dann wieder das Auge zu seinem Recht, man sah dreiteilige Bade= und Strandanzüge, auch hier mit dem so beliebten Jäckchen, oder leichte, lustige Anzüge für den Herrn, schöne Nachmittagskleider mit den passenden Hüten und wundervolle Abendkleider, mit besonders originellen Jäckchen ausgestattet. So verlief in buntem Wechsel die wohlgelungene Veranstaltung, die am Abend, ebenfalls wieder vor zahlreichen Zuschauern und Zuhörern, ihre willkommene Wiederholung sand. Sport-Nachrichten Handball Schwelmer FC.— Gevelsberg 08. Schwelmer FC.— Schwarz=Weiß Barmen. Der Schwelmer FC. spielt am nächsten Samstag gegen die 1. Handballelf von Gevelsberg 08. Da die Gevelsberger gegenwärtig über eine ausgezeichnete Handballmanschaft verfügen und die Schwelmer sich gleichfalls in guter Form befinden, dürfte es bei diesem Treffen zu einem interessanten sportlichen Kampfe kommen. Beginn 5,.30 Uhr. Am Sonntag treten die Schwelmer abermals zu einem bedeutenden Spiele an. Als Gegner wird sich die äußerst spielstarke Mannschaft von Schwarz=Weiß Barmen stellen. Auch hier dürfte es schwer fallen, den Sieger schon im voraus zu bestimmen. Das Sonntagsspiel beginnt um 11 Ubr. Japanisches Vorrücken in der Mandschurei * Chardin, 24. Mai. Eine japanische Division hat Hulan, 25 Meilen nördlich von Charbin, heute mittag besetzt. 500 chinesische Soldaten wurden gefangengenommen. Die Chinesen sind in nordwestlicher Richtung geflohen. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scher; Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Statt Karten Ihre Vermählung geben bekannt: Gustav Flick Luise Flick geb. Weinreich W.-Barmen Schweim den 26. Mai 1932 Statt Karten Ihre Vermählung geben bekannt: Leo Schütte Grete Schütte geb. Körtgen Schwelm Hotel Friedrichsbad den 24. Mai 1932 W.-Barmen Zeughausstrasse 67 — Habe für meine Forderungen in Höhe von Mk. 1200. Ssastele Selthiane 200—220 cm. übernommen, gebe dieselben zu jedem annehmbaren Preis an Private ab. Händler verbeten: Schriftl. Anfragen unt. 3989 bef. die Geschäftst ds. Ztg. Alt. kinderl. Mädchen von ausw. s. z 1 Juni Stellung im bürgerl. Haushalt. Schwelm benorzugt.(3984 Zu erfragen i. d. Geschäftsst. Felsenegehisen per sof. gesucht. Zu melden Sonntag 9—12 Uhr. Kaiser=Friedr.=Platz 15 Für die richtige Wiedergabe telephonisch aufgegebe. ner Anzeigen kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Schwelmer Zeitung. Statt Karten Paul Theiss Lotte Theiss geb. Erfurt Vermählte Dahlhausen Pforzheim Post W.Beyenburg.... Hohenzollernstrasse 40 26. Mai 1932 Heute Mittag 12 Uhr verschied sanft nach langem schwerem Leiden meine herzensgute Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Frau Woe. Curl Hesse Hulda geb. Krumme im 67. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Marie Clever geb. Hesse Wieter Gieter Wolfgang Clever Hagen, den 24. Mai 1932, Dömbergstrasse 25. Die Beerdigung findet am Samstag, dem 28. Mai 1932 Uhr von der Friedhofskapelle des evangl. nachm. 4 Uhr von der Friedhofskapelle des evangl. Priedhofs Schwelm Oehde aus statt.— Trauerfeier ½ Stunde vorher. Für Rätsel-Freunde und Romanleser undel nachstel-Komun!: Silbenrätsel. a—ard—berg—borchca—de—de—di—di—do— du—e—e—figenhu——lia—lotmamamennana nanenen—nen—n—non —n0W—n—— ttra—tu—werth—20. Aus diesen 48 Silben sind 15 Wörter mit nachstehender Bedeutung zu bilden, deren Antangsbuchstaben, von oben nach unten, und Endbuchstaben, in umgekehrter Richtung gelesen den Titel unseres neuen Romans und den Namen des Verfassers ergeben: 9. französischer Straßenhändler 10. deutscher Parteiführer 11. Behälter 12. Fluß in Brandenburg 1. Biegung eines Wortes 2. Frauen der griechischen Sage 3. Sundainsel 4. Mundart 5. Rheininsel 6. rechter Nebenfluß der Weichsel 7. General Wallensteins 8. Abendständchen 13. männlicher Vorname 14. Fisch 15. niederländischer Maler htheit der Kalser’s Brust-Caramellen ersehen Sie aus den Packungen- Beutel u. Dose— mit der Schutzmarke„3 Tannen“. Die hohe Wirksamkeit ist durch 15000 beglaub. Zeugnisse bewiesen. Deshalb immer nur dle schten 8 K%ese aee er S Gekrunkesteuerordnung für die Lundgemeinde milspe. Auf Grund der§§ 13. 18. 69, 70 und 82 des Preuß. Kommunalabgabengesetzes vom 14. 7. 1893 in seiner gegenwärtig geltenden Fassung und des § 3 Kapitel IX des 2. Teils der Notverordnung vom 5. 6. 1931.— R. G. Bl. I. S. 279— wird mit Zustimmung des Kreisausschusses fün den Bezirk der Gemeinde Milspe folgende Getränkesteuerordnung erlassen: § 1. Die entgeltliche Abgabe von Wein, weinähnlichen und weinhaltigen Getränken, Schaumwein, schaumweinähnlichen Getränken, Trinkbranntwein. Mineralwässern. künstlich bereiteten Getränken sowie Kakao, Kaffee. Tee und anderen Auszügen aus pflanzlichen Stoffen zum Verzehr an Ort und Stelle, insbesondere in Gast= und Schankwirtschaften und an sonstigen Stätten, wo derartige Getränke entgeltlich verabreicht werden, unterliegt einer Steuer nach Maßgabe dieser Ordnung. § 2. Die Steuer beträgt 10 v. H. des Entgelts (Kleinhandelspreis) für die in s 1 bezeichneten Getränke. § 3. Zur Entrichtung der Steuer ist verpflichtet, wer steuerpflichtige Getränke zum Verzehr an Ori und Stelle entgeltlich abgibt(Steuerpflichtiger). Jetzt Beutel 35 Pfg. Dose 75 Pig. Zu haben in Apotheken Drogerien und wo Plakate sichtbar S 4. Die Steuerschuld entsteht, wenn gemäß§ 1 steuerpflichtige Getränke zum Verzehr an Ort und Stelle abgegeben werden mit dem Zeitpunkt der Abgabe des Getränkes. § 5. Der Steuerpflichtige hat bis zum 10. Tage eines jeden Monats die Getränke, für die im vergangenen Monat eine Steuerschuld entstanden ist, bei der Steuerstelle nach Art. Menge und Kleinhandelspreisen anzumelden und die Steuer dafür zu entrichten. § 6. Wenn der Steuerpflichtige die ihm durch diese Steuerordnung auferlegten Pflichten nicht erfüllt, insbesondere die Meldung über die von ihm abgegebenen steuerpflichtigen Getränke nicht rechtzeitig oder nicht vollständig erstattet, kann die Steuerschuld geschätzt werden. § 7. Die Vorschriften der§§ 162, 168. 169, 170 Abs. 2. 173. 177 188, 191. 193. 196, 197, Abs. 1 und 2, 198, 199, 204—208, 210 Abs. 1 und 2 der Reichsabgabenordnung sind entsprechend anwendbar. § 8. Die Steuerstelle kann mit den Steuerpflichtigen Vereinbarungen über die zu entrichtende Steuer(z. B. über ihre Berechnung, Fälligkeit, Erhebung. Pauschalierung) treffen, soweit diese die Besteuerung vereinfachen und das steuerliche Ergebnis bei dem Steuerpflichtigen nicht wesentlich verändern. § 9. Dem Steuerpflichtigen stehen gegen die Herer t edene munglabgabengesetzes angeordneten Rechtsmittel § 40 9 mis erhandlge.„ 41 Mrschri#t § 10. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Steuerordnung und die von dem Gemeindevorstand erlassenen Ausführungsbestimmungen werden mit Geldstrafe bis zu dem nach dem Kommunglabgabengesetz in Verbindung mit der V. O. über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. 2. 1924 (RGBI. I. S. 44) und etwaigen späteren Aenderungen zulässigen Höchstmaß bestraft, sofern nicht nach sonstigen Gesetzen eine höhere Geldstrafe oder Freiheitsstrafe verwirkt ist. § 11. Die Steuerordnung tritt mit dem ersten Tage des auf die Veröffentlichung folgenden Kalendermonats in Kraft. Schwelm, den 17. Dezember 1931. Der Staatskommissar für die Gemeinde Milspe: gez. Dr. Strickrodt, Regierungs=Assessor. Beglaubigt: Der Vorsitzende des Kreisausschusses: I. A. gez. Zippmann, (L. S.) Kreisausschußinspektor. Mit Rücksicht darauf, daß die Gemeinde Milspe mit Wohlfahrtsausgaben außerordentlich belastet ist erteile ich meine Zustimmung bis zum 31.März 1932 mit der Maßgabe, daß aus dieser Zustimmung keine Ansprüche irgend welchen Art gegen den Staat oder das Reich auf Gewährleistung des Steuerertrages oder in ähnlicher Beziehung hergeleitet werden können. Ich behalte mir vor, die zeitliche Beschränkung der Zustimmung vor Ablauf der Frist auf Antrag aufzuheben oder die Zustimmung zu verlängern. Arnsberg, den 31. Dezember 1931. Der Regierungspräsident: (L. S.) In Vertretung: gez. Unterschrift. 1. K fr Nr. 105. Was bringt der Kundfunk? Donnerstag, 26. Mai 7,00—7,30 Morgenkonzert. 7,30—8,30 Vom Südwestfunk, Frankfurt: Brunnenkonzert aus Bad Homburg. 9.00—9,05 Uebertragung des Geläutes von St. Gereon, Köln. 9.05—10,00 Katholische Morgenfeier. Ansprache: Pater Ludwig Esch S. J. Köln. 11.00—11,25 Dr. Georg Kinsky: Haydns Kompositionen für die Flötenuhr. 11,30—11,55 Technik für alle. 12,00—12,25 Weltpolitische Tagesfragen. 12,30—13,00 Uebertragung aus der Großen Messehalle Köln: Orgelkonzert von Professor Hans Bachem. 13,00—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Eysoldt. 1. Hensel=Marsch von Wochler. 2. Ouverture z. Oper„Die Stumme von Portici“ von Auber. 3. Seid umschlungen, Millionen 4. Aus der Lyrischen Suite von Grieg. 5. Szenen aus der Oper„Die Boheme“ von Puccini. 6. Römische Suite von Zimmer. 7. a) Toscanetta, Serenade von Becce. b) Kantippchen. Intermezzo von Königsberger. 8. Potpourri aus dem Singspiel„Das Dorf ohne Glocke“ v. Künneke. 14,30—15,00 Kinderstunde. 15,10—15,30 Für den Bienenzüchter. 15,35—16,00 Die Welt auf der Schallplatte. 16,05—16,25 Deutsches Vaterland. 16,30—18,00 Militärkonzert, ausgeführt von der Kapelle des 1. Bataillons 18. Infanterieregiment, Paderborn, Leitung: Musikmeister Ruhland. 1. Badenweiler=Marsch von Fürst. 2. Ungarische Lustspiel=Ouverture von Kelev Bela. 3. Ein Tag in Sanssouci Tanzgemälde von Kockert. 4. Frühlingskinder=Walzer von Waldteufel. 5. a) Heeresmarsch Nr. 9(Herzog v. Braunschweig), b) Katzbachmarsch von Becker. 6. Fantasie über vier deutsche Lieder von Schmidt. 7. a) Geburtstagsovation, Marsch von Kühne. b) Zum Städtle hinaus von Meißner.— 17,25—1735 Intermezzo: Uebertragung aus Horst=Emscher: Der große Preis von Horst.— 8. Fanfarenmärsche der Trompeten und Kesselpauken von Hendriot. 9. Heeresmarsch Nr. 173, Helenenmarsch von Lübbert, 10. Seid einig, Potpourri von Morena. 18.00—18,20 Italienisch. 18,20—18,40 Wanderungen in Rheinland und Westfalen. 18.40—19,00 Der westdeutsche Wirtschaftsraum. 19,00—19,50 Fronleichnamsprozession. 19,50 Sportvorbericht. 20,00 Beethoven. Das verstärkte Orchester des Westdeutschen Rundfunks, die Volkschöre des Arbeiter=Sängerkartells Köln(Leitung: Musikdirektor Willi Brouwers), der Kammer= und der Konzertchor des Westdeutschen Rundfunks(Leitung: Zimmermann). Solisten: Lotte Schrader (Sopran) Adelheid Wollgarten(Alt), Hans Sträter(Tenor), Fred Drissen(Baß). Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über da# geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 24,00 Uhr: Nachtmusik, Leitung: Wolf. Wella-Dauerwellen Neues System: Keine lästige Hitze, kein schweres Gewicht mehr am Kopf Ganzer Kopf kompl. von RM 7.50 an C. Vohllaub. Schwelm, Klrchstruße 2 Nürnberg 1930 silb. Med., Stettin 1931 gr. gold. Med. Kottere-Zwieback und Reks-rabrikate aner kannt verzügliche gualithtt Oeberan Erhälllich. asgr. 1506 Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Speies Dat Ranger 120 Schwelmier Zeitiutg Mltwoch. 2. Na 1932 Wüasich Bbganeste * 237 054 Hauptunterstützungsempfänger in Westfalen. Das Landesarbeitsamt Westfalen berichtet über die Lage auf dem westfälisch=lippischen Arbeitsmarkt für die Zeit vom 1. bis 15. Mai 1932: In der ersten Hälfte des Monats Mai verminderte sich die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger im Landesarbeitsamtsbezirk Westfalen um 11 307 oder 4,6 Prozent. Sie beträgt nunmehr 237 054. Davon entfallen 96 306 auf die Arbeitslosenversicherung (Abgang 7203) und 140688 auf die Krisenfürsorge (Abgang 4104). Auf 1000, Einwohner entfallen 46,0 Hauptunterstützungsempfänger gegenüber 51,5 zurzeit des winterlichen Höchststandes am 15. Februar d. I. Der Rückgang an Arbeitsuchenden hat sich weit weniger stark vollzogen als der Rückgang an Hauptunterstützungsempfängern. Er beläuft sich nur auf rund 3900 oder 0,7 Prozent, so daß die Gesamtzahl der Arbeitsuchenden noch 517 519 beträgt. Zur Beurteilung des Arbeitsmarktes und der Arbeitslosigkeit ist neben der Kenntnis des Bestandes an gemeldeten Arbeitslosen der Glad der arbeitsmarktlichen Fluktuation von Bedentung. Auch mit fortschreitender Krise hat die Fluktuation, insbesondere durch die Zunahme kurzfristiger Arbeitsverhältnisse, nicht nuchgelassen. Die Zahl der monatsdurchschnittlichen Zugänge an Arbeitsuchenden hat sich von 75.500 im Jahre 1930 aus 77700 im Jahre 1931 erhöht und betrug auch im ersten Vierteljahr 1932 wiederum 75 400. Die Jahl der Abgänge stieg ebenfalls von 58 800 im Jahre 1930 auf 65 600 im Jahre 1931 und belief sich im ersten Vierteljahr 1932 auf monatsdurchschnittlich 63 100. * Weitere Zunahme der Wohlfahrtserwerbslosen in Preußen. Während die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge infolge der saisonmäßigen Entlastung des Arbeitsmarktes zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der von den Gemeinden betreuten Wohlfahrtserwerbslosen im April weiter erhöht. Nach der Erhebung des Preußischen Statistischen Landesamts vom 30. April 1932 sind in Preußen 1 464 358 vom Arbeitsamt anerkannte Wohlfahrtserwerbslose(einschließlich der am Stichtag noch schwebenden Anerkennungsfälle) bei den Bezirksfürsorgeverbänden gezählt worden gegenüber 1 414590 Ende März. Somit ergibt sich auch im April wieder eine Zunahme um 49768 Wohlfahrtserwerbslose oder 3,5 v. H., doch ist die Steigerung nur noch annähernd halb so stark gewesen wie in den Vormonaten(März 85 206, Februar 89 079, Januar 105 110). * Immer noch unrichtige Frankierung von Postsendungen. Ab 15. Januar 1932 sind die jetzt geltenden Portosätze in Kraft. Trotzdem bis jetzt vier Monate verstrichen sind und wir schon wiederholt die neuen Gebührensätze mitgeteilt haben, sind die Brief= und Kartensendungen immer noch sehr zahlreich, die ungenügend frankiert sind, also ein Strafporto verschulden. Am meisten wird bei den Briefen im Ortsverkehr gesündigt. Die kosten 8 Pfg. Porto! In Buchstaben:„Acht“! Wir geben nachstehend unseren Lesern nochmals die ab 15. Januar 1932 geltenden Gebührensätze für Briefe und Karten bekannt. Inlandsverkehr (einschl. Saargebiet und freie Stadt Danzig). Postkarten im Ortsverkehr 5 Pfg. im Fernverkehr 6 Pfg. Briefe im Ortsverkehr bis 20 g 8 Pfg. über 20 bis 250 g 15 Pfg. über 250 bis 500 g 20 Pfg. im Fernverkehr bis 20 g 12 Pfg. über 20 bis 250 g 25 Pfg. über 250 bis 500 g 40 Pfg. :: Falsche 10=Reichsmarkscheine. Nachdem man anscheinend in der letzten Zeit etwas Ruhe vor salschem Münzgeld hatte. macht man jetzt die Wahrnehmung, daß salsches Papiergeld im Umlauf ist. Es handelt sich um die Reichsmarkscheine mit dem Bildnis des Kaufmanns Dietrich Born. Die salschen Scheine sind nur daran zu erkennen, daß das Wasserzeichen ganz fehlt. Weiter kann man bemerken, daß der Kopf des Bildnisses, das zum Erschweren etwaiger Nachahmungen dienen sollte, etwas breiter geraten ist. Ebenfalls ist der rötliche Längsstrich um eine Idee breiter. Die Zahlen sind durchweg etwas größer, ebenso die Buchstaben. Auf der Rückseite des Scheines sind die Buchstaben auf der linken Hälfte des Kreises merklich verwischt. Wer sich vor Schaden bewahren will, achte auf die Merkmale. Falls ihm die angeführten Mängel auffallen, weise er das Geld zurück. Die beliebtesten Wechselstellen für Falschmünzer sind immer Straßenbahnen, Trinkhallen und kleine Geschäfte, besonders, wenn dort etwas Andrang ist. Zu bemerken ist noch, daß die Scheine auf den ersten Blick echt erscheinen. :: Die Vorteile der Feriensonderzüge. Neben den bei der Deutschen Reichsbahn eingeführten Sommerurlaubskarten bleiben die Feriensonderzugkarten bestehen. Die Feriensonderzugkarten gelten auf der Hinfahrt nur für Feriensonderzüge. Sie verkehren im allgemeinen nur noch zu Ferienbeginn. Bekanntlich setzt zu Beginn der Ferien ein außerordentlich starker Reiseverkehr ein. Viele und namentlich zusammengehörende Kreise von Reisenden(Familien) werden sich gern der Vorteile bedienen, welche die Feriensonderzüge bieten. Auf Grund der Feriensonderzugkarte wird den Reisenden im Feriensonderzug ein Platz gesichert. Zusammengehörende Reisende können im allgemeinen damit renchen, zusammen in einem Abteil untergebracht zu werden. Auf Fahrten über weite Strecken wird den Reisenden das lästige Umsteigen und Warten auf Anschlüsse erspart. Die Reisenden werden im Feriensonderzug so schnell wie in Schnellzügen befördert, sind aber von der Zahlung der Eil- und Schnellzugzuschläge befreit. Die Rückfahrt kann innerhalb der Geltungsdauer der Feriensonderzugkarte jederzeit angetreten werden. Die Feriensonderzugkarten gestatten vielfach den Reisenden, außerhalb der Fahrt im Feriensonderzug— namentlich auf der Rückreise— verschiedene Wege für ihre Fahrt zu wählen. Massenvergistung durch spanischen Wein In dem französischen Hafen Le Havre beschäftigen sich die Behörden mit dem geheimnisvollen Fall einer Massenerkrankung französischer Handelsmatrosen, die offenbar durch den Genuß spanischen Weines vergiftet worden sind. Es handelt sich im ganzen um mehr als 300 Erkrankungen, von denen zwei tödlich verlaufen sind. Die Vergiftungserscheinungen traten nicht nur in Le Havre, sondern auch in anderen, zum Teil überseeischen Häfen zutage. Die ersten Opfer meldeten sich Ende des vorigen Jahres bei verschiedenen Aerzten in Le Haore zur Behandlung. Sie erklärten, sie hätten das Gefühl an den Füßen, als seien diese eingeschlafen, während die Hände zeitweise wie gelähmt seien. Außerdem hätten sie Schmerzen in allen Gliedern. Die Aerzte glaubten zunächst, sie hätten es mit Drückebergern zu tun, und sandten die Matrosen wieder in den Dienst zurück. Eine Woche später waren aber die Patienten wieder da. Nunmehr wurden bei der Untersuchung allerlei Krankheitsmerkmale festgestellt, wie geschwollene Füße, aufgesprungene Haut an den Händen und Entzündung der Augen. Einige Matrosen waren stärker angegriffen als die anderen. Es wurde ermittelt, daß sie eine größere Weinration erhalten hatten. Dadurch wurde die Aufmerksamkeit auf den Wein gelenkt. Man stellte fest, daß der Wein, ein spanisches Gewächs, in allen Fällen von derselben Firma bezogen worden war. Eine sofortige Untersuchung ergab das Vorhandensein von kleinen Meugen Arsenik in der spanischen Einfuhrware. Man nimmt an, daß der Wein am Stock mit Arsenik besprengt worden ist, oder daß aus Fahrlässigkeit bei der Behandlung des Weins mit einem Laugensalz Arsenik mitverwendet worden ist. v. Brauchtisch erhält den Siegerpreis. Der junge Berliner Fahrer v. Brauchtisch, der Sieger in der Klasse der schweren Wagen, bei der Preisverteilung durch den Präsidenten des ADAC., Feuereisen(links). Neben v. Brauchtisch(in weißem Dreß) seine Mutter, Frau Oberst v. Brauchtisch. Mißglückte Köpenickiade in Lemberg Ein mißglückter Streich nach Art des Hauptmanns von Köpenick hat sich in Lemberg zugetragen. Eine Polizeistreife beobachtete eine Gruppe von Leuten, geführt von Personen in militärischen Uniformen, darunter einige in Offiziersuniform. Die Leute marschierten in Richtung einer sich in der Vorstadt befindlichen Kaserne. Offenbar sollte vorgetäuscht werden, daß eine Gruppe Rekruten, begleitet von Militär, sich auf dem Marsch befand. Tatsächlich hatte es sich darum gehandelt, die Wache eines Militärwaffenlagers zu täuschen und einen Raub von Gewehren und Handgranaten auszuführen. Die erwähnte Polizeistreife kam dem Streich jedoch zuvor. Sie alarmierte weitere Polizeikräfte und verlegte den Verschwörern den Weg. Diese ergriffen die Flucht. Einige der Beteiligten konnten jedoch verhaftet werden. Es ist vorläufig noch ungeklärt, ob es sich um einen kommunistischen oder um einen ukrainischen Anschlag handelt. Jedenfalls kennzeichnet auch dieser jüngste Vorfall die Lage in Ostgalizien. Beim Ausstellen eines Passes „Haben Sie irgendwelche besonderen Merkmale2“ „Jawohl, mir sind einmal als Kind die Mandeln herausgenommen worden!“ Der Sohn Besucher:„Ihr Vater sieht aber sehr vornehm aus mit seinen grauen Haaren!“ Der Sohn:„Jawohl! Und die hat er nur mir zu verdanken!“ Der Unterschied „Sie sind gar nicht so dumm, wie Sie aussehen!“ „Danke sehr! Sehen Sie, und das ist gerade der Unterschied zwischen uns beiden!" Der Höhepunkt des Rennens auf der Berliner Avus war der große Zweikampf zwischen Caracciola auf Alfa=Romeo und dem Berliner v. Brauchtisch mit einem Mercedes=Stromlinienwagen. Unser Bild zeigt den Moment, in dem von Brauchtisch in einer Kurve nach rundenlangem Duell an Caracciola vorbeigeht und sich dadurch den Sieg sichert. Racnüimmer 2n Sihwanen Hdler — Roman von FELIX,NEUMANN— Das kleine Gehölz unweit der großen Industriestadt im Kohlenrevier des deutschen Westens badete sich im Sonnenglanz eines Frühlingsnachmittags. Auf einem schmalen Pfade, der sich am Saume des Wäldchens und offenen Feldern hinzog, wandelten zwei junge Menschen. Hand in Hand gingen sie, aber um sie herum war es finster, in ihren Herzen spiegelte sich kein heller Schein des Lenzleuchtens ringsumher. Und Joachim Thomas, der junge Gelehrte, der etwa fünfundzwanzig Jahre zählen mochte, sagte zu Annemarie Hild, der Achtzehnjährigen, mit klangloser Stimme:„Du siehst also keinen Ausweg mehr, alle deine Bemühungen waren vergeblich?“ Das Mädchen nickte und blieb stumm. Die Blicke der beiden Einsamen schweiften zum Horlzont, wo die Stadt mit ihren vielen Menschen lag, die sie glaubten hassen zu müssen, weil sich ihrer Verbindung kleinliche und engherzige Hindernisse entgegenstellten. Auf einer welligen Erderhöhung, auf der im Moos einige Anemonen blühten, nahmen sie, eng aneinandergeschmiegt, Platz. „Seit einem halben Jahre sind wir heimlich verlobt, seit einem Jahr kenne ich dich, Annemarie! Mit allen Mitteln führten wir den Kampf gegen die Gewalten, die sich uns in den Weg stellten, nun sind wir am Ende unserer Kräfte!“ Annemarie Hild, die Tochter des Grubenmagnaten Hild, zuckte zusammen und warf die blonde Locke aus der Stirn. „Und— was soll jetzt geschehen?“ Thomas starrte vor sich auf den Boden. „Das— hängt— von— dir— ab!“ Sie legte den schmalen Arm zärtlich um den Hals des Gebeugten. „Wohin du gehest, da gehe ich auch hin!“ Langsam wandte er das Haupt und blickte ihr sorschend in die Augen. „Wie meinst du das Annemarie?“ „Ich— werde— alles tun, was du von mir verlangst!“ „Und— deine Eltern?“ „Sie haben mich nie verstanden, wenigstens die Mutter nicht, und— deren Wille gilt!“ Und ihre Gedanken schweiften nach der Villa draußen im Vorort. Gewiß, sie liebten ihr einziges Kind auf ihre Weise, aber sie fanden auf dem Wege gesellschaftlicher Konvenienz nicht die notwendige Fühlung mit den feinen Herzensregungen eines jungen Mädchens. Spöttisch lachte die Mutter auf als ihr unlängst eine Freundin zutrug, die Annemarie interessiere sich für einen jungen Menschen, der eben erst sein Studium beendete. „Beruhige dich, Liebste! So etwas gibt es bei uns nicht. Eine harmlose Freundschaft, wie sie jetzt modern sind. Aber— eine Herzenssache? Lächerlich!— Ich werde mir die Kleine vornehmen!“ Und gerade, weil die Eltern die Angelegenheit als eine alberne Verirrung ansahen, nahmen die Ereignisse ihren unheimlichen Lauf. Jvachim und Annemarie erkannten immer deutlicher, daß sich vor ihnen eine unübersteigbare Mauer auftürme, die hinwegzuräumen, ihre Kräfte nicht ausreichten. Und als gar Hilds ihrem Kinde den künftigen Bräutigam vorstellten, einen schwerreichen Schiffsrecder in mittleren Jahren, dem es scheinbar darum zu tun war, sich durch diese Heirat aus den Fesseln ihm widerwärtig gewordener illegitimer Verbindungen zu befreien, beschloß Annemarie in einer letzten stürmischen Aussprache, ihren Herzenswunsch durchzusetzen. Das war gestern gewesen, und— es war vergeblich! Nun saßen sie hier draußen in der Einsamkeit, die Herzen zerrissen von Qualen und Zweifeln. Vor ihren Augen stieg das, was kommen mußte, auf, aber keiner wagte, das erste Wort zu sprechen. Joachim Thomas hatte einen kleinen Buchenzweig ergriffen und zeichnete Figuren vor sich in den Sand. Dann nahm er den Ast, zerbrach ihn und schleuderte ihn beiseite. „Wir sind Narren, Annemie, Narren!“ „Warum, Achim?“ „Weil wir nicht handeln! Auf wen haben wir denn noch Rücksicht zu nehmen? Mit allen Mitteln führten wir bisher den Kampf gegen die Gewalten, die uns trennten, nur eines verbot mir mein Gefühl anzuwenden, um deine Eltern zur Nachgiebigkeit zu zwingen, und— du— dachtest ebenso! Gehen wir in den Tod. aber— genießen wir vorher noch einmal das Leben! Und niemand wird uns deswegen verdammen!“ Still war es um sie herum. Durch die Baumkronen mit dem feinen jungen Grün fuhr schmeichelnd der Wind. Und sie saßen beisammen, Joachim und Annemarie, und gestanden sich, daß sie in dieser Welt von heute Toren gewesen seien. Er flüsterte:„Geben wir unser Leben bin und tauschen wir dafür ein letztes Glück ein. Du begreifst mich und denkst wie ich!“ Sie nickte und schmiegte sich an ihn. „Warum wir nicht schon früher so dachten, Achim?“ Sie lächelte schmerzlich. „Weil wir in schwärmerischer Verzückung uns das Schöne, Geheimnisvolle aufsparen wollten, bis wir unser Ziel erreicht hatten! Wir beide, anders veranlagt als die meisten jungen Menschen unserer Zeit, strebten nicht danach, den Goldstaub von den Flügeln unserer Sehnsucht zu srüh abzustreifen!“ Er neigte sich zu ihr nieder:„Ja— so war es! Und wir Narren und Glücksträumer stehen nun vor den Scherben unserer Hoffnungen!“ Hand in Hand, das Haupt gesenkt, schritten sie den Waldweg zurück. „Also— morgen abend?“ „Ja— morgen abend, im„Schwarzen Adler.“ wir treffen uns vorher an der bekannten Stelle!“ ** Zehn Uhr abends! Schauplatz das Hotelzimmer eines Gasthofes draußen in der Vorstadt unweit eines Nebenbahnhofes. Man gewann den Eindruck, daß vielleicht die Hand des Zufalls dieses Haus gerade hierher verpflanzte, um den Raum auszufüllen, der sich bis dahin unbenutzt zwischen den Ausläufern des Villenviertels und den neu, angelegten Tennisplätzen hinzog. Ein Eilzug hielt kurz und unwillig auf dem Bahnhof, spie einige Reisende aus und setzte sich dann hastend wieder in Bewegung, um dem Hauptbahnhof zuzustreben. Von den Türmen riefen es sich die verschiedenen Glocken mahnend zu, daß die zehnte Stunde dieses Tages soeben aus dem unendlichen Schoß der Ewigkeit gestiegen sei. Im Zimmer 7, erleuchtet durch eine dreiarmige Deckenkrone, saßen in bedrückendem Schweigen Joachim und Annemarie. Auf dem Tisch, am Fußende der beiden Betten, lagen wirr durcheinander einige Bücher, Briefe, Schreibzeug. Im Eiskühler räkelte sich eine Flasche Sekt. Die Schläge der Uhren drangen fein und silbern durch die geschlossenen Vorhänge des Raumes, der erfüllt war von jener indifferenten Luft, die allen Zimmern eigen ist, die dauernd den Besitzern wechseln. Thomas füllte die Gläser neu. „Trinken wir! Es gehört Mut dazu, den Lebensfaden abzuschneiden, wenn eigentlich alles anders sein könnte!“ Annemarie leerte den Sektkelch, ihre feine weiße Hand zitterte. „Ja— es gehört Mut dazu. Aber wir haben es uns geschworen und werden unser Wort nicht brechen!“ Joachim erhob sich und ging durchs Zimmer. „Es ist genug von der Pein gewesen! Noch haben wir ein oder zwei Stunden Zeit, das liegt in unserem Belieben. Und dann wird das Personal dieses kleinen Hotels seine Sensation erleben. Drei Tage wird man in der ganzen Stadt von uns sprechen, um dann achselzuckend den Vorhang über unserm Ende zuzuziehen. Hier und da noch ein wenig Lüge, hier und da noch ein wenig Lästern über das„Liebespaar“, das in einem Gasthofzimmer Abschied von der gemeinen Welt nahm, und alles ist vorbei!“ Er blieb vor dem jungen Mädchen stehen und suhr zärtlich mit der Hand über das wellige Haar. „Woran denkst du?“ „An— die Eltern! Die sind jetzt in der Oper. Sie ahnen nichts von dem Drama, das sich durch ihr Verschulden hier abspielen soll. Sie sind vielleicht gerade im Foyer, von Freunden und Bekannten umringt. Der gute, aber doch auch wieder etwas engherzige Vater, die stolze Mutter aus dem alten Industriegeschlecht. Nun lachen sie wohl und geben sich der Geselligkeit hin, die ihnen Taseinszweck und Lebensbedürfnis ist——“ (Fortsetzung folgt.) Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Ilse führte ihn durch das Anwesen und fand, daß er wohl als Nachfolger für Byrd in Frage kommen könnte. Sie war beruhigt und bat ihn, ganz selbständig zu handeln, da sie wenig Zeit habe, sich um alles bekümmern zu können. Er versprach, sich voll und ganz für sie einzusetzen. Dann entließ sie ihn. Sie war seit dem gestrigen Tage in einer sonderbaren Stimmung. Zuerst die Unterredung mit Byrd, dann die Aussprache mit Fock. Das hatte sie angegriffen, sie fühlte sich auf einmal schwach und hilflos und war froh, daß sie alles diesem Verwalter übertragen konnte. Und das sollte ewig so bleiben? Sie stützte den Kopf in die Hand und sann nach. War ihre Ehe mit Hans wirklich alles, was sie vom Leben erwartet hatte? Ach! Sie seufzte, wollte sich nicht eingestehen, daß doch ein leiser Zweifel in ihrer Brust war, ob sie dieses Leben für die Dauer befriedigte. Nun war Fock gegangen und auch Byrd. Beide würden niemals wiederkommen, das wußte sie. Sie hatten wie mit einem scharfen Messer einen Strich gezogen. Traute sie sich wirklich nicht zuviel zu? Sie war den ganzen Tag unlustig zu irgend einer Arbeit, verbrachte ihn im Hindämmern, im Träumen, versuchte sich durch Lesen zu zerstreuen, aber es gelang ihr nicht. Sie war froh, als der Abend kam und sie ihr Schlafzimmer aufsuchen konnte. Seit dem Tode ihres Gatten benutzte sie nie mehr das gemeinsame Schlafzimmer. Das Bett, in dem Hans im Blute gelegen, hatte sie entfernen lassen, das einstige Schlafzimmer als Fremdenzimmer eingerichtet. Sie selbst schlief in einem kleinen Raum. Er war einfach eingerichtet, aber— hier war sie allein, sah das Drama jener Nacht nicht immer und beständig vor Augen. Aber in dieser Nacht stand sie lange vor dem Spiegel, prüfte ihr Gesicht und fand, daß sie immer noch schön war, ja, daß die Trauer und der Schmerz ihre Züge vergeistigt hatten. Sie war üppiger geworden, vollschlank, ihre Bewegungen waren von einer fraulichen Würde. Als sie ihr Haar ordnete, entdeckte sie ein einziges graues Haar, das sich eingeschlichen hatte, ohne daß sie es seither bemerkt hatte. Sie erschrak über dieses graue Haar mehr als über die ganzen Dinge, die sie bewegten, riß es aus und betrachtete es lange. Wurde sie alt oder waren es nur die Sorgen? Sie verlöschte fast hastig das Licht und schlüpfte ins Bett. Aber dieses eine graue Haar gab ihr mehr zu denken als alle Vorkommnisse der letzten Zeit, es war wie eine stumme Mahnung, die sie beherzigen sollte. Einige Tage gingen dahin. Der neue Verwalter war ein erstklassiger Fachmann. Sie hatte kaum nötig, sich um etwas zu bekümmern. Da kam Macdonald mit dem Auto. Sein Gesicht zeigte aufrichtige Betrübnis.„Warum haben Sie mir das Geld angewiesen, gnädige Frau? Ich hätte doch wirklich noch gerne gewartet.“ „Ich will keine Schulden, Herr Macdonald.“ „Nun ja, das verstehe ich, aber immerhin— Sie hätten den Betrag vielleicht noch gebrauchen können. Fühlen Sie sich nicht sehr einsam hier draußen? Darf ich Sie nicht einmal einladen, abends nach Winnipeg zu kommen? Sie müssen doch etwas Abwechslung haben. Ich kann mir nicht denken, daß eine junge und schöne Frau wie Sie sich in dieser Einsamkeit, unter Stallknechten und Cowboys, wohlfühlt. Wir haben diesen Monat ein ganz erlesenes Programm im Kabarett, wollen Sie nicht kommen?“ *„Ich danke Ihnen, Herr Macdonald. Ich bleibe hier.“ „Unbegreiflich,“ murmelte er.„Ich kann das nicht verstehen. Die Trauer um Ihren Gatten kann Sie doch nicht allein davon abhalten. Das Trauerjahr ist zudem bald vorbei. Es wird Ihnen niemand einen Vorwurf machen, wenn Sie sich etwas unter die Leute mischen. Man bewundert Sie in Winnipeg. Sie haben jeden Kredit, wenn Sie wollen. Lunzerttausend Dollar und mehr liegen Ihnen zu Füßen, sie Frauchin nur den Wunsch zu außern. „Ich weiß noch nicht, ob ich fur immer hier bleibe, Herr Macdonald.“ „O, das wäre eine große Unklugheit von Ihnen. Ein solches Objekt, wie Sie es jetzt dastehen haben, läßt man nicht im Stich. Darf ich Ihnen verraten, daß sich verschiedene angesehene Männer Hoffnung machen, einmal bei Ihnen um „ie Hand anklopfen zu dürfen?“ „Herr Macdonald, sagen Sie bitte diesen Herren, daß ich nicht mehr heiraten werde, sie möchten sich einen Korb, den ich bedauern müßte, auszusprechen, erssparen.“ Er seufzte auf.„Ich verstehe das mit dem besten Willen nicht, gnädige Frau. Sie hätten hier die Aussicht, in einigen Jahren eine reiche Frau zu sein, die überall geachtet und geehrt wird. Man spricht von Ihnen. In ganz Winnipeg ist niemand, der nicht Hochachtung vor Ihrem Mut und Ihrer Tatkraft hätte. Und Sie entziehen sich allem. Das ist nicht recht. Als Geschäftsfrau allein schon sollten Sie die Gesellschaft aufsuchen. Man wartet darauf. Die ersten Kreise stehen Ihnen offen. Ich würde mir eine Ehre daraus machen, Sie einführen zu dürfen. „Verehrter Herr Macdonald, Ihr Anerbieten ist wirklich gut gemeint. Aber ich kann keine fremden Menschen um mich sehen. Ich liebe die Einsamkeit und die Stille. „Und täuschen sich doch über sich selbst, gnädige Frau. Ilse rang innerlich mit einem Verlangen, das in ihr aufsteigen wollte.„Ich täusche mich nicht, Herr Macdonald. Ich wünsche allein zu bleiben.“ Er zuckte bedauernd die Achseln.„Im Anfang habe ich das begriffen und gewürdigt, Frau von Mendheim. Aber heute, nachdem nahezu acht Monate seit dem Tode Ihres Gatten dahingeflossen sind, vermag ich es nicht mehr zu verstehen. Entschuldigen Sie, daß ich Sie mit dieser Frage belästigt habe.“ Er fuhr ganz betrübt wieder nach der Stadt zurück und Ilse fühlte, daß sie auch ihn gekränkt hatte. Warum stieß sie alle ehrlichen Freunde von sich ab? Macdonald hatte sich bisher noch nie erlaubt, ein unschönes Wort zu ihr zu sagen? Und doch hielt man ihn allgemein für einen skrupellosen Menschen. Sie verstand das so wenig, wie Macdonald ihr Benehmen verstand. Machte er sich am Ende auch Hoffnungen? Sie wußte, daß er unverheiratet war. Mein Gott, war sie denn hierher gekommen, damit alle Männer, die sie kennenlernte, ihr einen Antrag zu Füßen legten? Wie konnte sie dem allem entfliehen?„Heimkehr!“ schrie es in ihrem Innern. Aber sie bebte davor zurück, war hier noch nicht so weit, konnte und wollte sich noch nicht lösen. So verging abermals ein Vierteljahr. Die Ernte war eingebracht und wurde in der neuen Mühle gemahlen. Geld floß ihr wieder zu. Ihr Bankkonto wuchs. Sie verfügte auf einmal wieder über zwanzigtausend Dollar. Wie war das gegangen? Sie hatte wirklich ein paar gute Verkäufe tätigen können, konnte Vieh abstoßen, einige Pferde verkaufen, das Sägewerk rentierte und nun brachte man ihr jeden Tag mit Lastwagen Korn zum Mahlen. Sie setzte sich abermals an ihren Schreibtisch. Hundertfünfzigtausend Mark war ihr Vater an Eberhard Greiner schuldig. Fünfzigtausend Mark würde sie nun bezahlen können. Sie schrieb die Anweisung an die Bank, ließ das Geld ihrem Vater anweisen und bat, es Herrn Greiner zu übermitteln. Das war die erste Rate. Sie atmete auf. Fühlte sich wieder ruhiger. Noch ein Jahr, dann war alles hinter ihr, und sie war frei, ganz frei. Die Farm wuchs zusehends. Ilse konnte ein Stück Gelände günstig verkaufen und erhielt abermals fünftausend Dollar. Jeden Tag brachte die Milch= und Käsewirtschaft Geld ins Haus. Und sie zahlte, zahlte unermüdlich. Keinem Lieferanten war sie einen Pfennig schuldig. Nun war auch Macdonald ganz bezahlt. Und aller Grund und Boden, alle Gebäude und Einrichtungen waren ihr Eigentum. Der Wert der Farm belief sich nach den Büchern bereits auf über fünfzigtausend Dollar. Und das in einem Jahr! Sie faltete die Hände und dachte an Hans. Warum nur — warum nur hatte er das nicht fertig gebracht? Tränen stahlen sich in ihre Augen, tropften langsam auf die Geschäftsbücher. Man bot ihr Geld an. Von allen Seiten. Sie lehnte ab. Keine Schulden, kein fremdes Kapital. Nichts! Und die Verwunderung über ihre Tatkraft stieg. Mehrere Anträge waren ihr bereits unterbreitet worden, durch dritte Hand. Sie hatte alle abgelehnt. Da zogen sich die Freier gekränkt zurück, man nannte sie hochmütig und stolz. Nun besaß sie bereits orei eigene Lastwagen, aber sie selbst benutzte immer noch den kleinen Fordwagen, in dem sie, die ersten Ausfahrten mit Hans unternommen. An sich elbst war sie sparsam, gönnte sich fast nichts, steckte, alles in den Besitz, fühlte den Rausch, den aufsteigender neichtum gewährt. So kam wieder der Winter und kam der Frühling. Da ging die zweite Rate an den Vater ab. Sie hatte nur die Bestätigung in der Tasche, Greiner hatte über den Betrag quittiert. Das war alles. Kein Fock, niemand ließ sich mehr sehen. War sie wirklich darüber so tief zufrieden? Eine leise Stimme war in ihr, die das verneinte, die ihr die Heimat immer trügerischer aufbaute. Es riß etwas an ihr. Der Sommer kam. Die letzte Rate war vor acht Tagen abgegangen. Sie war sowohl selbst als auch ihre Eltern niemand mehr etwas schuldig. Keinen Pfennig. Keinen Cent. Da klappte sie ihr Buch hörbar zu und drehte sich um, denn es hatte an ihre Tür geklopft. Graf von Rauscheneck stand vor ihr, mit lächelndem Gesicht, und noch gebräunter, als er schon war. „Verzeihen Sie mir, gnädige Frau, daß ich noch einmal in Ihr Leben eingreife. Ich habe meine Güter in Litauen verkauft. Ich gedenke hier zu bleiben und mache Ihnen ein Angebot: Verkaufen Sie mir die Farm. Da ich Sie selbst nicht erringen kann, so möchte ich doch wenigstens auf dem Grund und Boden leben, da Ihr Fuß gewandelt.“ „Herr Graf, ist das wirklich Ihr Ernst?“ „Mein voller Ernst, gnädige Frau.“ Sie streckte ihm die Hand hin.„Herr Graf, wenn ich mich je mit dem Gedanken getragen habe, dieses Anwesen zu verkaufen, niemand würde ich es lieber abtreten als Ihnen. „Ich biete Ihnen hunderttausend Dollar bar auf den Tisch.“ Ilse wankte, die Summe machte sie verwirrt. Dann lächelte sie.„Gut, ich bin einverstanden. Nun steht meiner Rückkehr in die Heimat nichts mehr im Wege.“ „Sie wollen also wirklich fort?“ „Ja, ich will heim, zu meinen Eltern.“ „Ich will und kann Sie nicht halten, Frau von Mendheim. Aber ich sehe, Sie haben mir ein gutes Andenken bewahrt. Wir können also zum Notar fahren. Bitte, mein Auto steht draußen.“ Und Ilse Mendheim verkaufte die Farm und allen Besitz an Graf von Rauscheneck um die bare Summe von hunderttausend Dollar. Als sie in Gegenwart des Notars das Geld lächelnd einschob, meinte dieser:„Gnädige Frau, Sie hätten für diese Farm in drei Jahren fünfhunderttausend Dollar bekommen.“ „Ich will heim,“ sagte sie nur. „Nun ja, gegen das Heimweh kann kein Mensch, das ist ein Gefühl, das stärker ist als alle vernünftigen Erwägungen, meinte der Notar. Ilse kehrte noch einmal auf die Farm zurück, um Abschied zu nehmen. Sie saß im Auto an der Seite des Grafen, der stumm vor sich hinsah. Er dachte daran, wie schön es gewesen wäre, wenn sie jetzt als seine Gattin mit ihm nach dem Gut fahren würde. Es sollte nicht sein. Er sprach kein Wort mehr darüber. Ilse hatte Tränen in den Augen, als sie allen Arbeitern, dem ganzen Gesinde die Hand reichte und ihnen dankte für ihre Arbeit und Treue. Dann fuhr sie zurück. Sie nahm nichts mit als ihre Kleider und ihre Wäsche, die wichtigsten Erinnerungsstücke an Hans und einige kleine Gegenstände, die ihr teuer geworden waren. In Winnipeg vervollständigte sie noch ihre Garderobe und trat dann die große Reise an. Sie unterließ es, heim zu schreiben, sie wollte die Eltern überraschen. Unangemeldet auf einmal dastehen. Sie malte sich das schön aus, freute sich auf das Wiedersehen. Die Zeit, die hinter ihr lag, zear doch in mancher Hinsicht für sie zum Segen geworden. Graf und Gräfin von der Esche saßen auf der Terrasse ihres Schlosses beim Kaffee. Warmer Sonnenschein lag über der Landschaft. „Wenn man bedenkt, liebe Mathilde, daß wir eigentlich Ilse verdanken, daß wir wieder auf eigenem Grund und Boden sitzen. Wer hätte das gedacht? Es war vielleicht alles doch gut gewesen, wie es gekommen ist.“ „Herr Greiner fühlt sich gekränkt,“ sagte die Gräfin.„Er hat das Geld angenommen, weil er schließlich nicht anders konnte. Nun entfällt für Ilse jede moralische Pflicht, wenn sie einmal zurückkehrt. Sie hat ihm nie Hoffnungen gemacht. Wenn er dennoch bis heute gewartet hat, so kann er Ilse daraus keinen Vorwurf machen. „Er hat sich sehr lange nicht mehr sehen lassen. Seit er das letzte Geld in Empfang genommen, nicht mehr. Und wir können Ilse auch nicht mehr bedrängen, sie ist ihr eigener Herr geworden. Sie kann heute tun und lassen, was sie will.“ „Das hat sie so gewollt. Ich kenne doch mein Kind. Zwang war ihr von jeher ein Greuel.“ Ein Diener kam und meldete, daß ein Auto in Sicht sei. Eine Dame säße darin, sie lenke das Auto selbst. „Wer kann das sein?“ meinte der Graf und stand auf, um über die Landstraße seinen Blick zu werfen. Aber seine Augen waren nicht mehr scharf genug. Er sah wohl ein Auto sich immer schneller nähern, konnte aber nicht erkennen, wer darin saß. „Bringen Sie mir mein Fernglas, schnell!“ rief die Gräfin. Der Diener stürzte davon, brachte das Glas. Nun war das Auto schon ganz nahe herangekommen. Die Gräfin stieß einen Schrei aus.„Mein Gott, sie ist es, Ilse!“ stieß sie hervor. „Nicht möglich,“ meinte der Graf, wollte das Glas an die Augen heben. Da hielt der Wagen schon, ein eleganter Mercedes, und eine Dame entstieg ihm, sprang schnell die Stufen hinauf. „Ilse!“ schrien der Graf und die Gräfin zu gleicher Zeit hervor. 4Fortsetzung folgt.)