Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Nageineiner Kreisangeiger Bezugspreis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwelm Neustraße Nr. 6.— Telegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Nr. 2018.— Postscheckkonto Hannover 76918.— Für unverlaugt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Betriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. fur den Ennepe==Kahe kreis Schibeiner Radlangeiger Auf roter Erde— Blätter für Mit den Beilagen: Unterhaltung— Modebericht Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig: im Reklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Ge chäftsaufsicht oder eines Ronkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schaug der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. — Auf heimischer Scholle. Rummer 109 Erstes Blaki Mittwoch, den 11. Mai 1932 103. Jahrgang Gregte Poltische Seoatien in Reichslag Das Schuldentilgungsgesetz in zweiter Lesung angenommen— Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Nationalsozialisten— Reichsminister Groener über die Auflösung der Sturmabteilungen— Unterbrechung der Sitzung * Berlin, 10. Mai. Der Reichstag setzte am Dienstag die erste Beratung des Schuldentilgungsgesetzes in Verbindung mit der allgemeinen politischen Aussprache fort. Die Regierung war wiederum durch Reichskanzler Dr. Brüning und die meisten übrigen Minister vertreten. Bei Eröffnung der Sitzung teilt Präsident Loebe mit, daß von dem Präsidenten der französischen Kammer ein Danktelegramm für das Beileid des Reichstages aus Anlaß der Ermordung des französischen Staatspräsidenten eingegangen sei. Für die Deutschnationalen nimmt Abg. Dr. Bang in Fortsetzung der Aussprache das Wort, der feiner Verwunderung darüber Ausdruck gibt, daß der Reichstag überhaupt noch der Ehre teilhaftig werde, zu Finanz= und Haushaltsberatungen hinzugezogen zu werden. Man will damit, so erklärt er, den Anschein erwecken, als ob auf dem wichtigen Gebiete des Staatslebens noch verfassungsgemäß regiert werde. In einem gesunden Staat lebt die Wirtschaft von der Politik, bei uns lebt seit 13 Jahren die Politik von der Wirtschaft mit dem Erfolge ihrer Zerstörung. Währung und Reichsetat sind bei uns zu etwas geworden, was wir als Kinder auf dem Jahrmarkt als„Mädchen ohne Unterleib“ anstannten.(Heiterkeit.) Wir leben finanzwirtschaftlich in und von Luftspiegelungen.(Sehr richtig rechts.) Wie es um die Gemeinden, selbst um die größten steht, brauche ich hier nicht darzulegen. Helfen kann uns allein die Befreiung und Entlastung der freien Wirtschaft, bei grundsätzlicher Umstellung des staatssozialistischen Apparates. Bisher ist das Gegenteil geschehen. Insgesamt hat seit 1925 eine Steigerung der Belastung des Steuerzahlers von 45,2 Prozent stattgefunden und zwar wesentlich bei den direkten Belastungen. Abg. Baltrusch(Volksnationale Reichsvereinig.) stimmt dem Schuldentilgungsgesetz mit Einschluß des Kreditermächtigungsgesetz zu: Die wichtigste Frage ist die, wie die Beschäftigungslosen wieder in Arbeit zu bringen sind. Ohne Beseitigung der Tributzahlungen ist die Belebung der Wirtschaft nicht möglich. Die Reichsregierung muß das Nein aufrecht erhalten. Wer für völlige Autarkie eintritt. drückt den Lebensstandard des Volkes herab. Wenn der Völkerbund überhaupt einen Sinn haben soll, muß er die Initiative für eine vernünftige Zoll= und Kreditpolitik ergreifen. Der Redner setzt sich für Verstärkung der ländlichen Siedlung wie auch der vorstädtischen Kleinsiedlung und für die Einsetzung arbeitsloser Industriearbeiter des Westens in die ländliche Siedlung ein. Einem weiteren Lohnabbau müsse sich die Reichsregierung mit allen Mitteln widersetzen. Abg. Strasser(Nat.=Soz.) führt aus: Die Reichsregierung beschränkt ihre ganze Politik auf den Kampf gegen die nationalsozialistische Bewegung. Die gesamte Propaganda der Reichsregierung in den letzten Wahlkämpfen richtete sich darauf, die Nationalsozialisten vor dem Volke und vor dem Auslande zu infamieren. Die Behauptung der Regierungsparteien, daß der Sieg der Nationalsozialisten automatisch den Bürgerkrieg zur Folge haben würde, ist vom staatspolitischen Standpunkte aus um so gefährlicher, als wohl niemand im Hause mehr daran zweifelt, daß die Lösung der großdeutschen Frage niemals gegen und ohne die Nationalsozialisten durchgeführt werden kann. Die große antikapitalistische Sehnsucht, die durch unser Volk geht, ist der Protest gegen eine entartete Wirtschaft. Man fordert vom Staat, daß mit diesem materialistischen Denken gebrochen und für ehrlich geleistete Arbeit ein ehrliches Auskommen gewährleistet wird. Auch wir wollen Frieden, Frieden nach Außen und Ordnung im Innern. Wer die außenpolitischen Behauptungsmöglichkeiten Deutschlands zerstört, zerstärt damit auch die Lebensfähigkeit des deutschen Arbeitnehmers. Arbeitszeitverkürzung ist jetzt ihr Allheilmittel, Arbeitszeitverkürzung bedeutet praktisch 16prozentigen Lohnabbau für Millionen, Minderung der Kaufkraft, Verringerung der Arbeitsmöglichkeit. Wir brauchen eine großzügige Wohnungs= und Bevölkerungspolitik. Das Wohnproblem ist das größte aller sozialen Probleme. Insbesondere muß durch den Bau von Eigenheimen der Lage des Großstädters Rechnung getragen werden.(Lebhafte Zurufe von den Sozialdemokraten.) Die Urbarmachung brachliegender Flächen würde jährlich für 100.000 Menschen neue Siedlungsmöglichkeiten schaffen. Wir haben von jeher nicht bezweifelt, daß Reichskanzler Brüning mit festem Willen an die Bewältigung der Probleme herangegangen ist. Aber er hat sich dabei mit Parteien verbündet, mit denen man einfach nicht zusammengehen kann. Abg. Hepp(Landvolk) bezeichnet es als einen schweren Fehler, daß man bereits nach den Reichstagswahlen von 1930 die großen politischen Kräfte der Rechten zur Verantwortung mit herangezogen habe. Verbot der SA und SS der Nationalsozialisten werde von der Landvolkpartei in keiner Weise gebilligt. Nach einer Kritik der allgemeinen Wirtschaftspolitik der Reichsregierung erkennt der Redner die Maßnahmen an, die zur Sicherung der Ernte und der landwirtschaftlichen Betriebe im Osthilfegebiet durchgeführt wurden. Da keine weiteren Wortmeldungen vorliegen, schließt Präsident Loebe die erste Lesung des Schuldentilgungsgesetzes. Abg. Dr. Frick(Nat.=Soz.) beantragt Ueberweisung des Gesetzes an den Haushaltsausschuß. Abg. Esser(Ztr.) widerspricht diesem Antrag. Im Hammelsprung wird die Ausschußüberweisung mit 264:209 Stimmen abgelehnt. In zweiter Lesung werden ohne besondere Abstimmung die Paragraphen 1 bis 7 des Schuldentilgungsgesetzes gegen die Rechte und die Kommunisten angenommen. Zu§ 8, der die Kreditermächtigung zur Auflegung einer Prämienanleihe für die Arbeitsbeschaffung enthält, wird von der Deutschen Volkspartei ausdrückliche Abstimmung gefordert. Da das Ergebnis der einfachen Abstimmung zweifelhaft ist, muß wiederum Hammelsprung erfolgen. § 8 wird mit 245:224 Stimmen angenommen. Annahme findet auch§ 9, womit die zweite Lesung des Schuldentilgungsgesetzes beendet ist. Die dritte Lesung findet am Donnerstag statt. In der weiter fortgesetzten allgemeinen politischen Aussprache tritt Abg. Gratzmann(Soz.) zunächst der Behauptung der Nationalsozialisten entgegen, die Vorwürfe wegen landesverräterischer Aeußerungen in der nationalsozialistischen Presse seien unwahr. Der Redner verliest einige Stellen aus einem Artikel des pommerschen nationalsozialistischen Organs„Die Diktatur“ und erklärt, der Vorwurf des Landesverrats sei trotz aller gegenteiligen Behauptungen der Nationalsozialisten sehr wohl berechtigt. Die Bemerkung des Abg. Dr. Bang(Dn.), nicht das Kapital, sondern die Kapitalzerstörung sei Schuld an dem Niedergang der Wirtschaft, sei recht deplaziert angesichts der Tatsache, daß das Kapital geradezu ruinös gewirtschaftet habe. Bei der gegenwärtigen schwierigen Wirtschaftslage gebe es in Deutschland 2½mal so viel Direktoren wie vor dem Kriege. 100000 Aufsichtsratsmitglieder bezögen in einem Jahre— wenigstens war das 1928 und 1929 der Fall— ebenso viel an Tantiemen wie die Aktiengesellschaften Dividende an ihre Aktionäre ausgeschüttet hätten, nämlich 1½ bis 2 Milliarden im Durchschnitt. Die Lohnsenkungen haben zu einem Zustande geführt, der jeden Deutschen mit Scham erfüllen müßte. Wir verlangen die Verkürzung der Arbeitszeit; sie muß allerdings verbunden werden mit einem Einstellungszwang und darf nicht eine Gewinnsteigerung für den Unternehmer zur Folge haben. Abg. Göring(Nat.=Soz.) erinnert daran, daß sich das Kabinett Brüning vor 2½ Jahren als Kabinett der Frontsoldaten eingeführt habe. Wir glaubten selbst, so fährt er fort, daß wenn es in diesem Geiste arbeiten würde, es tatsächlich Aufbauarbeit leisten könnte. Es zeigte sich aber bald daß man es besser bezeichnen könne als„Kabinett der Illusionen“. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, daß wir diesem Habinett in seiner Gesamtheit unser Mißtrauen aussprechen Es ist nach unserer Auffassung nicht möglich. Herr Reichskanzler, mit der Teilnahme an internationalen Verhandlungen die Lage des Volkes zu bessern, sondern eine gesunde Politik im Innern muß erst die Möglichkeit schaffen, an solchen Verhandlungen mit Erfolg teilzunehmen. Wir sehen die wirkliche Bedeutung der Brüningschen Außenpolitit deutlich in der geringen Einschätzung Deutschlands. Ich erinnere an Danzig und Memel. Das sollen die Leistungen der Außenpolitik sein, daß die Bedrohung der Ostarenzen heute stärker denn je ist? Auch in der Memelfrage sehen wir keinen Erfolg. Das Verbot der SA war nichts anderes als eine moralische Abrüstung des Freiheitswillens durch die Regierung. Das Lebensrecht der deutschen Nation ist nie stärker als von unserer Bewegung betont worden. Die SA. hat niemals Waffen besessen.(Widerspruch links.) Wir wissen, daß die lächerliche Aktion, die sich Herr Severing erlaubt hat, restlos zusammenbrechen wird. Ich protestiere daß dieser Bewegung Landesverrat untergeschoben wird. Für Landesverrat sind Sie(nach links gewandt) zuständig.(Anhaltendes Händeklatschen bei den Nationalsozialisten.— Dauernde Rufe der Kommunisten und Sozialdemokraten: Lump. Schuft und Sie Lümmel.— Vizepräsident Esser ruft den Redner zur Ordnung und ermahnt das Haus zur Ruhe mit den Worten: Wir haben doch 1½ Tage lang friedlich verhandelt!) Göring wendet sich an den Reichskanzler mit den Worten: Ist es richtig, Herr Reichskanzler, daß Botschafter von Hoesch vor dem SA.=Verbot wiederholt in dringenden Telegrammen darauf hingewiesen hat, daß das Verbot sowohl für die Abrüstungsverhandlungen als auch für die sonstigen außenpolitischen Verhandlungen notwendig sei? Brünings Antwort Reichskanzler Dr. Brüning: Diese Frage kann ich sofort dahin beantworten, daß in keinem Telegramm des Botschafters von Hoesch von einem Verbot der SA. auch nur die Rede war. (Lebhaftes hört, hört und Rufe links: Schon wieder eine nationalsozialistische Lüge zerklatscht!) Abg. Göring setzt seine Rede fort Abg. Göring fährt fort: Während die SA. verboten wird, läßt man das Reichsbanner bestehen, das zum größten Teil aus Sozialdemokraten besteht, also aus Angehörigen einer Partei, die die Kriegsdienstverweigerung proklamiert hat. Bei den Sozialdemokraten setzt hierbei ein neuer Proteststurm ein. Abg. Sollmann (Soz.) ruft:„Sie sind ein Lügner!“— Abg. Dr. Frick(Nat.=Soz.) ruft zum Vizepräsidenten Esser:„Sollmann muß zur Ordnung gerufen werden!" Abg. Sollmann(Soz.) ruft:„Ja, ich habe Göring wegen seiner verlogenen Verleumdung meiner Partei einen Lügner genannt und wiederhole das!“— Vizepräsident Esser ruft den Abg. Sollmann zur Ordnung. Abg. Göring fährt fort: Ohne die SA. wäre die Ordnung im Innern überhaupt nicht hergestellt worden. Die Nationalsozialisten werden Deutschlands Grenzen schützen, aber sie werden vorher mit den Verrätern im Innern aufräumen.(Lebhafter Beifall bei den Nat.=Soz.) Der Redner widerspricht Darstellungen über Hitlers Lauenburger Rede und weist darauf hin, daß Hitler auch erklärt hat: Mir ist so recht verständlich geworden, daß es keine Rettung der deutschen Grenzen gibt, wenn nicht hinter den Formationen, die die Grenze schützen sollen, das ganze Volk steht.— Vor zwei Jahren wäre noch Zeit gewesen, endgültig von dem Kurs mit der Linken abzugehen. Seitdem ist der nationale Wille in Deutschland aufs schärfste unterdrückt worden, so daß wir geradezu verpflichtet sind, diesem Kabinett unser Mißtrauen auszusprechen.(Zuruf des Abg. Torgler(Komm.):„Sprechen Sie nicht zu viel, morgen kommt es vielleicht anders!“— Heiterkeit links.) Wenn wir unsere Bereitschaft zur Uebernahme der Verantwortung ausgesprochen haben, so nicht etwa aus Sehnsucht nach Ministersesseln(Lachen links), sondern um dem entgegenzuwirken, daß Deutschland dem Chaos nähergebracht wird. Als der Berliner Polizeipräsident in der Nähe des Reichsratstisches sichtbar wird, rufen die Nationalsozialisten laut:„Istdor ist da!".„Raus mit Isidor!“. Der Lärm legt sich erst, als Abg. Göring seine Parteigenossen zur Ruhe ermahnt. — Abg. Göring richtet dann weitere Angrisse gegen die Sozialdemokraten unter allgemeiner Unruhe, die in ein allgemeines Gelächter übergeht, als Vizepräsident Esser sagt:„Ich ersuche den Abgeordneten sich zu melden, der soeben den Redner„Blöder Hammel“ genannt hat.“ Ein Sozialdemokrat meldet sich und wird zur Ordnung gerufen. Auf die Frage des Vizepräsidenten, wer„Isidor“ gerufen habe, melden sich fast alle Nationalsozialtsten. Sie werden zur Ordnung gerufen. Abg. Göring fortfahrend: Wenn man den Nationalsozialisten vorwirft, mit dem Gedanken einer neuen Inflation zu spielen, so vergißt man dabei ganz, daß sich der ehemalige sozialdemokraDanzigs Kampf in Geuf * Berlin, 10. Mai. Nicht weniger als fünf Fragen standen am Dienstag auf der Tagesordnung der Genfer Ratstagung, die sich allesamt mit dem Verhältnis zwischen Danzig und Polen beschäftigten. Drei dieser Fragen betrafen Eisenbahnangelegenheiten, die bereits durch Entscheidungen des Völkerbundsrates im Januar dieses Jahres geregelt worden sind. Danzig hat durchgesetzt, daß Polen für die auf Danziger Gebiet liegenden Eisenbahnen eine besondere Eisenbahnverwaltung mit dem Sitz in Danzig einrichten muß, und daß die Danziger Souveränitätsrechte durch die Besugnisse der polnischen Bahnbehörden nicht in Mitleidenschaft gezogen werden dürfen. Ein weiterer alter Streitfall ist der Kampf um die volle Ausnützung des Danziger Hafens. Diese ist der Stadt Danzig durch internationale Verträge zugesichert. Die Polen haben aber durch den sorcierten Ausbau des Hafens Gdingen praktisch das genaue Gegenteil ihrer Vertragspflicht getan. Der sachliche Anspruchs Danzigs ist durch den Völkerbundsrat einwandfrei festgestellt. Aber was nützt dies, wenn die Polen sich einfach nicht darum kümmern. Der Völkerbundskommissar und die beiden Regierungen sollen sehen, wie sie weiterkommen. Das ist die ganze Weisheit des Rates. Am heftigsten war der Kampf um die berüchtigte polnische Zollsperre an der Grenze Danzigs. Der Ratspräsident wollte ein Juristenkomitee einsetzen, um ein Gutachten über diese Frage zu erwirken. Aber Polen und mit ihm zusammen Frankreich haben diesen Plan sabotiert, weil sie offenbar fürchteten, daß das Juristenkomitee durch sein zweifellos für Danzig ausfallendes Gutachten eine zu starke Wirkung ausüben würde. Inzwischen gehen die polnischen Kampfmaßnahmen gegen Danzig weiter. Polen hat neue Bestimmungen erlassen, durch die die Einfuhr von Veredlungswaren, von Waren des Danziger Lagerverkehrs und von Waren, die aus den für Danzig freigegebenen Kontingenten stammen, mit Strafe bedroht wird. Damit ist die Zollgrenze gegen Danzig zur Tatsache geworden. Darüber hinaus beweist Polen wieder einmal, daß es auf die vom Völkerbund eingesetzten Schiedsinstanzen pfeift. Alles ruft jetzt nach Maßnahmen, um die Autorität des Völkerbundes gegenüber der Böswilligkeit der polnischen Regierung wiederherzustellen. Aber die Polen wissen genau, daß kein Hahn danach kräht, wenn sie in aller Seelenruhe ihre Politik der Vertragsverletzungen fortsetzen. Wann wird dieses schamlose Schauspiel einmal ein Ende haben? Ein amtliches lisauisches Dementi * Kowno, 11. Mai. Wie dem Vertreter der Telegraphen=Union vom litauischen Außenministerium auf Anfrage mitgeteilt wird, ist der Regierung von Zusammenrottungen von Jungschützen nichts bekannt. Auch der Vorstand der Schützen in Kowno erklärt auf das entschiedenste, daß kein Verband nach Memel oder in das Memelgebiet entsandt sei. Etwaige Gerüchte seien als Provokationen aufzufassen. Auch der Chef der litauischen Geheimpolizei will nichts von der Entsendung von Schützen nach Kowno wissen. tische Reichsfinanzminister Hilferding, der Fachmann für Inflation, zurückgesetzt fühlen muß.(Händeklatschen bei den Nationalsozialisten.) Jeder Tag, den die Regierung Brüning länger am Ruder bleibt, vergrößert den Scherbenhaufen, der von ihr geschaffen worden ist. Jetzt, nachdem wir aus den Länderwahlen so stark hervorgegangen sind, wenden wir uns ausdrücklich an alle Parteien, die bewußt am Aufbau Deutschlands arbeiten wollen. Wir reichen ihnen die Hand zu gemeinsamem Aufbau, lassen aber auch darüber keine Unklarheit, daß ein völlig neuer Kurs Platz greifen muß. Wer unter diesen Umständen bereit ist, mit uns zusammenzuarbeiten, den werden wir nicht zurückstoßen. Die erste Voraussetzung für jede Aufbauarbeit ist, daß das Kabinett Brüning verschwindet. Das Kabinett Brüning muß beseitigt werden, damit Deutschland leben kann!(Anhaltender Beifall und Händeklatschen bei den Nat.=Soz.) Abg. Dr. Frick(Nat.=Soz.) bittet den Präsidenten in einer Geschäftsordnungsbemerkung, festzustellen; was der Berliner Vizepolizeipräsident Dr. Weiß auf der Reichsratstribüne zu suchen habe. Vizepräsident Esser geht auf diese Frage nicht ein. Reichsinnen- und Wehrminister Groener Wenn der Abgeordnete Göring der Regierung und mir den Vorwurf gemacht hat, daß wir durch das Verbot der Sturmabteilungen und Schutzstafseln die moralische Abrüstung des Freiheitswillens herbeigeführt hätten, so muß ich dagegen auf das ernsteste Verwahrung einlegen.(Erregt mit der Faust auf das Rednerpult schlagend): Ich verbitte mir das!(Händeklatschen in der Mitte; erregte Zurufe bei den Nationalsozialisten.) Von den Nationalsozialisten werden nach die 7.) WFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Ceoran=Pasiden von Framtrrich Das Ergebnis der Wahl in Versailles 633 von 826 Stimmen Mehrheit sem Satz Zwischenrufe gemacht, von den Sozialdemokraten Gegenrufe. Abg. Dr. Frick(Nat.=Soz.) ruft drohend nach links: Insame Burschen! Von links: Was hat er da gesagt? Wir verlangen Ausweisung oder wir ergreisen Selbsthilfe. Minutenlang dauert der Lärm an, bis der Vizepräsident endlich dem Minister wieder Ruhe schaffen kann. Herr Abgeordneter Göring hat, so fährt der Minister fort, in außerordentlich warmer Weise die Vaterlandsliebe der Sturmabteilungen gerühmt. Es war aber für die Staatsautorität nicht erträglich, daß 400000 tatbegierige junge Leute nur ihrem Parteiführer zur Verfügung stehen und nicht dem Staat. Ich kann hier nicht das Material vortragen, das uns in die Hände gefallen ist, aber einiges muß einmal gesagt werden zur Erläuterung der Worte, die Hitler in Lauenburg gesagt hat.(Die Abgeordn. Göring und Frank II machen erregte Zwischenrufe.) Hier steht schwarz auf weiß:„Kleine polnische Banden sind abzuwehren. Sobald ein Aufmarsch regulärer Truppen erfolgt, rüchen die Sturmabteilungen in die besohlenen Bereitstellungsräume.“ Als Grund ist angegeben:„Wir wollen unserem Führer unbedingt die Sturmabteilungen zur Verfügung halten.“(Zuruf von den Nationalsozialisten: Na, Ihnen doch nicht etwal. Von links wird geantwortet: Das ist das Bekenntnis des Landesverrats!) Wenn unsere Grenzen bedroht werden, dann müssen wir von jedem Deutschen verlangen, daß er sich dem Reiche zur Verfügung stellt, einschließlich der Sturmabteilungen und einschließlich Hitlers.(Beifall bei der Mehrheit, Lachen und Unruhe bei den Nationalsozialisten.) Die Sturmabteilungen waren bis zum Herbst 1930 verhältnismäßig harmlos. Erst mit dem Erscheinen des Hauptmanns Röhm ist ein neuer Zug in die Sturmabteilungen gekommen(große Heiterkeit links). Die Tatsache, daß die ganzen Sturmabteilungen in der Hand eines einzelnen Mannes ein unbedingt fügsames Werkzeug sind, bedeutet eine besondere Gefahr.(Lärm und Lachen bei den Nationalsozialisten.) Ich erinere nur an den HitlerPutsch.(Lärm bei den Nationalsozialisten.) Das Verbot der Sturmabteilungen war im Interesse der Staatsautorität notwendig. Die Forderung eines Verbots des Reichsbanners konnte dagegen nicht begründet werden, denn die Sturmabteilungen sind gegen den Staat eingestellt, das Reichsbanner dagegen für den Staat.(Lärm und Lachen bei den Nationalsozialisten.) Minister Gröner verliest hierauf seinen Brief an den Reichspräsidenten, in dem er die Gründe darlegt, aus denen nach seiner Meinung ein Verbot des Reichsbanners nicht in Frage komme, da das Reichsbanner überparteilich sei und keine Umsturzbestrebungen verfolge. Der Minister fährt fort: Wenn Abg. Göring behauptet, ohne die Sturmabteilungen gäbe es keine Ruhe und Ordnung, so antworte ich: Ohne die Sturmabteilungen hätten wir seit Jahren Ruhe und Ordnung im Staate.(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.] Wenn Abg. Göring nur für seine Partei die Vaterlandsliebe in Anspruch nimmt, so ist das eine unerhörte Anmaßung. Die Vaterlandsliebe hat in allen Parteien ihre Stätte, und ich will dafür wirken, daß sie im ganzen deutschen Volke immer stärker wird.(Beifall bei den Mittelparteien, Lärm und Gelächter bei den Nationalsozialisten.) Die Sitzung wird unterbrochen Abg. Strasser(Nat.=Soz.): Ich beantrage daß diese Gröner=Rede durch Schallplatten in Deutschland verbreitet wird(Heiterkeit), und daß eine Pause eingelegt wird, damit weiterhin die öffentliche Sicherheit und die Armee in Deutschland in Händen halten kann.— Die Nationalsozialisten begleiten diese Erklärung Strassers mit lautem Beifall und Gelächter. Vizepräsident Esser weist den Abgeordneten Strasser wegen seines Angriffs auf den Minister aus dem Saale. Die Nationalsozialisten protestieren lärmend gegen diese Maßnahme des Vizepräsidenten. Strasser bleibt im Saal und seine Freunde bringen laute Heil=Rufe aus. In dem ungeheuren Lärm verläßt gegen 18 Uhr Vizepräsident Esser seinen Platz und unterbricht dadurch die Sitzung. Nach Wiedereröffnung der Sitzung gegen 19 Uhr teilt Vizepräsident Esser mit, der Aeltestenrat habe sich inzwischen mit den Vorfällen beschäftigt, die zur Unterbrechung der Sitzung führten. Er, der Vizepräsident, habe vor der Unterbrechung den Abg. Strasser(Nat.=Soz.) von der Sitzung ausgeschlossen, weil er und andere verstanden hatten, daß Strasser von einer Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch Minister Gröner gesprochen habe. Da das amtliche Stenogramm erweise daß Abg. Strasser tatsächlich nur gefragt habe, ob Gröner die Ordnung und Sicherheit noch gewährleiste, nehme er, der Vizepräsident, die Ausweisung zurück und halte nur den Ordnungsruf gegen den Abg. Strasser aufrecht.(Lachen und Zurufe bei den Kommunisten.) Nach einer Rede des Abgeordneten Dr. Bell (Ztr.) wird die Weiterbevatung auf Mittwoch 10 Uhr vertagt. Vorher steht die dritte Lesung des Schuldentilgungsgesetzes auf der Tagesordnung. Mißtrauensanträge auch gegen Schiele und Schlange= Schoeningen * Berlin, 10. Mai. Die Wirtschaftspartei hat im Reichstag Mißtrauensanträge gegen den Reichsernährungsminister Schiele und den Reichskommissar für die Osthilfe, Schlange=Schoeningen, eingebracht. Sie will wie sie betont damit dokumentieren, daß sie mit der Politik dieser beiden Minister in der Frage der Osthilfe nicht einverstanden sei, weil dadurch die Gewerbetreibenden benachteiligt würden. Lustschiff„Akron“ im Sturm Vergeblicher Landungsversuch. * Fortworth(Texas), 10. Mai. Das Riesenluftschiff„Akron“ geriet bei der Stadt San Angelo in einen schweren Sturm. Sämtliche Einwohner der Stadt wurden alarmiert, um bei einem Landungsversuch des Luftschiffs Hilfe zu leisten. Alle Versuche, das Luftschiff zur Erde zu bringen, schlugen jedoch wegen des heftigen Sturmes fehl. Die„Akron“ trieb in der Richtung auf Christobal. Nach einer weiteren Meldung nimmt das Luftschiff Kurs auf San Antonio(Texas). Es scheint, daß sich das Schiff wieder trotz des Sturmes in der Gewalt seiner Lenker befindet. Versailles, 10. Mai. Der aus Kammer und Senat bestehende französische Nationalkongreß hat heute nachmittag mit überwältigender Mehrheit den bisherigen Präsidenten des Senats, Albert Lebrun, zum Präsidenten der französischen Republik gewählt. Als amtliches Ergebnis der Präsidentschaftswahl wurde vom Vizepräsidenten des Senats folgendes verkündet: Stimmberechtigt 902 Abstimmende 826 Weiße Zettel oder ungültig 49 Es erhielten: Albert Lebrun 633 Paul Faure 114 Painlevé 12 Cachin 8 Verschiedene 10 Stimmen. Der Verlauf des Wahlattes Wenige Minuten nach 14 Uhr eröffnete Senatspräsident Lebrun die Nationalversammlung mit der Verlesung der Dekrete und mit folgender kurzen Ansprache: Der Präsident der Republik ist tot.(Die Versammlung erhob sich von den Sitzen.) Ein Verbrechen ist verübt worden, das Frankreich in Trauer stürzt und in der ganzen Welt Abscheu erregt. Die Parlamente vieler Länder haben mich gebeten. Ihnen gegenüber das Sprachrohr ihres Mitgefühls zu sein. Die Vorsitzenden unserer beiden Kammern werden zu gegebener Zeit dem Gefühl der Volksvertreter Ausdruck verleihen. Heute will ich mich nur in ihrem Namen vor der loyalen und vornehmen Persönlichkeit Paul Doumers verneigen und seinen durch das Verbrechen gebeugten Angehörigen das Beileid der Nationalversammlung aussprechen. Nach alter Tradition stieß darauf der Präsident ein Papiermesser zwischen die Seiten eines geschlossenen Buches und schlug dann den vom Schicksal bestimmten Buchstaben auf, mit dem die Abstimmung beginnen soll. Heute war es der Buchstabe M. und als erster trat der Abgeordnete Malvy an die Urne. Der Wahlakt nahm seinen eintönigen und langwierigen Verlauf. Offizielle Kandidaten waren Lebrun und die beiden bei den letzten Kammerwahlen durchgefallenen Abgeordneten Paul Faure(Soz.) und Cachin(Kom.) Kurz vor 17 Uhr wurde die nach Schluß der Abstimmung unterbrochene Sitzung des National= rats wieder ausgenommen. Der stellvertretende Präsident des Senats, Jeannenin, verkündete das Ergebnis der Abstimmung. Der Präsident fragte, ob irgendein Einwand gegen die Abstimmung erhoben würde. Da das nicht der Fall war, erklärte er:„Ich erkläre den Senatspräsidenten Lebrun als gewählt zum Präsidenten der Republik."“ Das Haus erhob sich und spendete lebhaften Beifall. Lediglich auf den kommunistischen Bänken wurde gezischt, getrampelt und Lärm geschlagen. dem Leben Lebruns Neue Steuern in Preußen? * Berlin, 10. Mai. Die Finanzschwierigkeiten des Landes Preußen haben sich weiter vergrößert. Man rechnet jetzt Mindereinnahmen an Steuern in Höhe von mehr als 300 Millionen Mark heraus, hat aber noch keineswegs die 100 Millionen Mark, die das Reich dem Lande Preußen seinerzeit grundsätzlich zugesagt hat. Das Reich ist aber nicht mehr in der Lage, seine Versprechungen erfüllen zu können. Die preußische Staatsregierung will zunächst abwarten, wie die Dinge im Reich laufen und wie der neue Finanzausgleich aussieht. Erst dann wird sie sehen können, mit welchen neuen Steuerüberweisungen aus dem Reiche zu rechnen ist und welche Summen sie ihrerseits für die Gemeinden bereitzustellen hat. Nach den vorläufigen Berechnungen im preußischen Finanzministerium wird ein nicht unerhebliches Loch im Etat erwartet. Infolgedessen werden bereits wieder allerlei neue Steuerprojekte gewälzt. Die Absicht, die Schlachtsteuer noch einzuführen, wird energisch bestritten. Da aber kaum mit einer Ueberweisung von zusätzlichen hundert Millionen Mark durch das Reich zu rechnen ist, sieht es doch so aus, als ob schon binnen kurzem die preußische Regierung auf dem Notverordnungswege neue Steuergesetze herausbringen wird. Besprechungen über die Begriffsbestimmung der Augriffswaffen * Genf, 10. Mai. Die amerikanische Abordnung hat der Abrüstungskonferenz eine Denkschrift eingereicht, in der festgestellt wird, daß bei der Behandlung der Angriffswaffen vollständige Verwirrung in der Begriffsbestimmung herrsche. Die Frage des Angriffes sei rein politisch. Bevor man zu einer Festlegung der Angriffswaffen gelange, müsse zunächst der Begriff„Angriff“ bestimmt werden. Ohne eine derartige Darstellung würde es nicht möglich sein, zu einem endgültigen Bericht über die Bestimmung der Angriffswaffen zu gelangen. Die bisherigen Verhandlungen hätten ergeben, daß der Hauptausschuß von einer einstimmigen Haltung in dieser entscheidenden Frage weit entfernt sei. Alle Erwägungen über die gesamte militärische Stärke eines Landes müßten aus den technischen Beratungen ausgeschlossen werden. Nach amerikanischer Auffassung könne die Frage der Bestimmung der Angriffswaffen nur in der Weise gestellt werden, ob bei einem drohenden militärischen Angriff gegen die gebietsmäßige Oberhoheit eines Landes Rüstungen vorhanden seien, die dem angreifenden Staat größere Vorteile böten als der vom Angriff bedrohten Macht. Rekordfahrt des„Graf Jeppelin“ * Friedrichshafen, 11. Mai. Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ ist am Dienstag gegen 8.30 Uhr blik, der bisherige Senatspräsident Albert Lebrun, wurde am 29. August 1871 in Mercyle=Haut(Departement Meuthe et Moselle) geboren. Er stammt aus einer bäuerlichen Familie, besuchte das Gymnasium zu Nancy, später das Polytechnikum, und war drei Jahre auf der Bergbauhochschule, nach deren Absolvierung er bis 1900 als Bergwerksingenieur im Staatsdienst war. Politisch betätigte er sich seit 1898 als Generalrat in seinem Heimatdepartement, dessen Vorsitz er seit 27 Jahren führt. 1900 wurde er zum ersten Male in die Kammer gewählt, der er bis 1919 ununterbrochen angehörte. Er war dort bei der Fraktion der Linksrepublikaner eingeschrieben. Kolonialminister im Kabinett Caillaux 1911/12, Kriegsminister im ersten Kabinett Poincaré 1912/13 an Stelle des zurückgetretenen Millerand, später wieder Kolonialminister, und zwar im Kabinett Doumerque 1913/14, 1917 im Kabinett Clemenceau Minister für die Blockade und befreiten Gebiete(bis 1919), 1920 zum Senator gewählt, und zwar ließ er sich einschreiben bei der Fraktion Poincaré. Er gehörte den verschiedensten Kommissionen an. 1925 bis 1929 Vizepräsideut des Senats und wurde am 1. Juni 1931 an Stelle des zum Präsidenten der Republik gewählten Doumer zum Senatspräsidenten gewählt und 1932 in dieser Eigenschaft bestätigt. 1923 war Lebrun auch französischer Delegierter beim Völkerbund. Lebrun gehörte der Republikanischen Union(Poincaré) an. Die Regierung Tardien zurückgetreten * Paris, 10. Mai. Nachdem der neue Staatspräsident Lebrun im Palais Luxembourg seine Amtsräume bezogen hatte, überreichte Ministerpräsident Tardien ihm in Gegenwart des gesamten Ministeriums das Rücktrittsgesuch. Der neue Präsident hat das Gesuch angenommen. Die Begründung des Rücktrittsgesuches Paris, 10. Mai. In dem Rücktrittsgesuch, das Ministerpräsident Tardieu bei seinem Besuch im Palais Luxembourg verlas, heißt es, die Regierung müsse darum bitten, sie nicht durch einen Erlaß wie sonst üblich um die Fortführung der Geschäfte zu ersuchen. Der Ausgang der Kammerwahlen habe gezeigt, daß die Regierung nicht mehr das Vertrauen der Mehrheit besitze. Die außenpolitische Lage aber erfordere eine autoritative Regierung, hinter der das ganze Land stehe. Beschlüsse müßten gefaßt werden, die die Zukunft Frankreichs auf lange Zeit hinaus festlegten. Selbstverständlich stünden er und die Minister zur Erledigung der laufenden Angelegenheiten auch weiterhin zur Verfügung. Aber er bitte darum, daß die Zwischenzeit bis zur Bildung einer neuen Regierung so kurz wie möglich bemessen sein möge. Nach Lage der Dinge dürfte die Regierung Tardien noch bis in die ersten Juni=Tage hinein die Geschäfte weiterführen, da Lebrun die ersten Schritte zur Bildung der neuen Regierung kaum vor dem Zusammentritt der neuen Kammer tun Hürfte. früh von seiner Fahrt nach Südamerika zurückgekehrt. Es hat auf dem Rückflug eine neue Höchstleistung vollbracht, da es an reiner Fahrzeit von Pernambuco bis nach dem Bodensce nur 77½ Stunden benötigte, gegenüber der durchschnittlichen Normalfahrzeit von rund 85 Stunden. Dieser Erfolg ist auf die günstigen Windverhältnisse während des Fluges und nicht zuletzt auf die gute Navigierung zurückzuführen. Um 8.45 Uhr ging das Luftschiff über dem Flughafen bis auf etwa 30 Meter herunter und war mittels Fallschirms zwei große Postsäcke ab. Da ein außergewöhnlich starker Westwind bis zu 12Sekunden=Meter wehte, konnte das Luftschiff erst nach stundenlangem Kreuzen über dem Werftgelände um 13,28 Uhr glatt landen. Amerikanische Denkschrift über internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Geld= und Kreditwesens * Basel, 10. Mai. Die Gouverneure der Nationalbanken setzten am Montag nachmittag in einzelnen Gruppen die Erörterungen über die Möglichkeit einer engen Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Geld= und Kreditwesens fort. Zusammen mit den aus den übrigen Mitgliederstaaten der BJZ. in Basel eingetroffenen Zentralbankenleitern und Finanzleuten werden diese Besprechungen auch am Dienstag nachmittag fortgesetzt werden. Die Verlängerung des deutschen Reichsbank=Kredites bis zum 4. September ist so gut wie gesichert. Der Kredit läuft ja erst am 4. Juni ab, so daß über gewisse Modalitäten seiteus der BJZ. in der Zwischenzeit noch Verhandlungen geführt werden. Reichsbankpräsident Dr. Luther hat seine Bemühungen auch auf eine weitere Herabsetzung des Zinssatzes gerichtet. Nachdem der Zinssatz vor einigen Monaten von 7 auf 6 v. H. ermäßigt wurde, hält man nunmehr eine weitere Herabsetzung auf 5 v. H. entsprechend den heutigen liquiden Verhältnissen am Geldmarkt durchaus für am Platze. Mißglückter Kaubübersall auf einen Geldbrieftrager * Berlin, 11. Mai. Als der Geldbriefträger Weichert auf seinem Bestellgang gestern früh den Flur eines Friedenauer Hauses betrat stürzte sich ein junger Mann auf ihn und schlug ihn mit einem schweren Stein zu Boden. Obwohl der Geldbriefträger eine ernste Kopfverletzung erlitten hatte, konnte er doch noch um Hilfe rufen. Hausbewohner verfolgten den flüchtigen Täter, der seinen geplanten Raub nicht zur Ausführung bringen konnte. Er wurde einige Straßenzüge weiter gestellt und der Polizei übergeben. Man nimmt an, daß er noch einen Helfershelfer hat. Der neue Präsident der Französischen RepuHier wurde Frankreichs Präsident gewählt. Der Kongreß=Saal von Versailles, in dem die Abgeordneten und Senatoren des Nationalrats den neuen Präsidenten der Französischen Republik wählten. Kurze Tagesaeuinteilen Reichsaußenminister Brüning stellt Strafantrag gegen die„Preußische Zeitung" * Berlin, 10. Mai. Der Reichskanzler hat in seiner Eigenschaft als Reichsminister des Auswärtigen gegen die„Preußische Zeitung“ in Königsberg wegen Beleidigung des deutschen Gesandten in Kowno, Morath, Strafantrag gestellt. DNBP. beantragt Auflösung des Reichsbauners * Berlin, 10. Mai. Die deutschnationale Reichstagsfraktion ersucht in einem Antrage die Reichsregierung, das Reichsbanner Schwarz=RotGold aufzulösen. Professor Kahl erkrankt * Berlin, 11. Mai. Wie die Nationalliverlae Korrespondenz mitteilt, ist Reichstagsabgeordneter Dr. Kahl, der Senior der Deutschen Volkspartei und Vorsitzender des Strafrechtsausschusses, an einer Bauchfellentzündung erkrankt. Die Mittwochssitzung des genannten Ausschusses fällt daher aus. Kommunistische Kundgebungen gegen das Verbot der Gottlosenverbände * Berlin, 10. Mai. In den Abendstunden des Dienstag versuchten die Kommunisten an zahlreichen Stellen der Stadt, Demonstrationenzüge zu bilden, um gegen das Verbot der Gottlosenverbände zu protestieren. Die Polizei mußte verschiedentlich vom Gummiknüppel Gebrauch machen, um die Ansammlungen zu zerstreuen. Bis gegen 21 Uhr wurden 15 Verhaftungen gemeldet. Wahl eines Nationalsozialisten zum Landtagspräsidenten— Zusammentritt des neugewählten württembergischen Landtags * Stuttgart. 10. Mai. Der neugewählte württembergische Landtag trat heute nachmittag zusammen. Bei der Wahl des Landtagspräsidenten erhielt der nationalsozialistische Abgeordnete Mergenthaler 52 von 80 Stimmen. Zum ersten Vizepräsidenten wurde Andre(Zentrum) mit 71 Stimmen gewählt. Bedingungslose Zurückziehung aller japanischen Landtruppen aus Schanghai TU Tokio, 11. Mai.(Funkspruch.) Das japanische Kabinett beschloß die Zurückziehung aller zurzeit in Schanghai befindlichen Landtruppen. Die Sicherung der internationalen Niederlassungen soll den Vertragsmächten überlassen werden. Deutsche Journalisten in der Mandschurei verhaftet * Genf, 10. Mai. Der chinesische Gesandte Den hat dem Generalsekretär des Völkerbundes einen soeben telegraphisch eingetroffenen Bericht übermittelt, aus dem hervorgeht, daß einige deutsche Journalisten, die den Untersuchungsausschuß des Völkerbundes in der Mandschurei begleitet hätten, in Tschangtschun verhaftet worden seien und sich gegenwärtig noch in Haft befänden. Die Namen der deutschen Journalisten werden in dem Telegramm nicht angegeben. In dem Bericht wird ferner mitgeteilt, daß die Kontrolle der Jaapner über den den Untersuchungsausschuß begleitenden Vertreter Chinas. Wellington Ku, unerträglich geworden sei. Japau sendet weitere Truppen in die Mandschurei * Tokio, 10. Mai. Die 14. japanische Division ist heute in Dairen eingetroffen, wo sie zu den sechs Divisionen stößt, die die militärische Macht Japans und Koreas und der Mandschurei bilden. Der Kriegsminister erklärte, daß die Absendung von Verstärkungen nach der Mandschurei wegen der Unzulänglichkeit der mandschurtschen Polizeiund Militärkräfte notwendig sei, um dem wachsenden Banditenunwesen entgegenzutreten. Kaffee Hag— Preis den Zeiten angepaßt. 31% billiger als 1930. Dabei Qualität unverändert: die beste. =4*-P Z Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Alt. s. in datioischen strag sat in Aus1 KöGeestellt. Auers onale je die -Rotberlae rdneSolkssausrankt. husses derbet n des zahlnzüge losene verachen, gegen dtagsäblten würtg zudenten rdnete ersten nit 71 gischen as jaaller uppen. assunlerden. sandte undes Bericht einige ausei bevorden änden. verden m Belle der uß beu. univision su den Macht bilden. ndung wegen olizeinache el ser tät Aus Radl aud Arel. Wied r ein Prozeß wegen Bildersälschung Bekannter Restaurator der Bilderfälschung beschuldigt * Berlin, 10. Mai. In einem Zivilprozeß. der das Amtsgericht Charlottenburg beschäftigte, sind gegen den früheren langjährigen Restaurator der staatlichen Museen, Professor Hauser, schwere Vorwürfe erhoben worden. Hauser hatte an Geheimrat Wigger in Garmisch=Partenkirchen für 22000 Mark ein Gemälde verkauft, das von dem Holländer Ian Steen stammen sollte. Vor der Lieferung des Bildes ließ der Käufer das Bild aber noch durch Hauser restaurieren, und als diese Arbeit beendet war, entdeckte Geheimrat Wigger zu seinem Erstaunen, daß aus einem Hund, der vorher auf dem Bilde zu sehen war, nun eine Katze geworden war. Infolgedessen schöpfte er den Verdacht, daß das Bild vertauscht worden sei. Er verweigerte die Zahlung des Kauspreises, wurde aber zur Zahlung verurteilt, weil Hauser eidesstattliche Versicherungen bezüglich der Vorbesitze. des Gemäldes beibringen konnte, wonach der Verdacht eines Vertauschens hinfällig sei. Die Tatsache, daß sich der Hund auf dem Bilde in eine Katze verwandelt habe, hatte der Restaurator damit erklärt, daß es sich um eine Uebermalung gehandelt habe, deren Untergrund durch die Restaurierung zum Vorschein gekommen sei. Nachträglich, nachdem schon die Kaufsumme auf Grund des Urteils gezahlt war, kamen aber Geheimrat Wigger neue Gerüchte zu Ohren, die das Verhalten Professor Hausers in ein merkwürdiges Licht rückten. Geheimrat Wigger ließ deshalb über die gezahlte Summe von 22000 Mark Arrest verhängen. Ueber diese Arrestklage wurde nun verhandelt. Dabei wurden in der Oeffentlichkeit Vorwürfe belannt, die gegen Hauser erhoben werden. Der Rechtsbeistand des Geheimrats Wigger führte u. a. aus, daß Professor Hauser vor einiger Zeit einem Berliner Rechtsanwalt für 3500 Mark einen angeblich echten Spitzweg verkauft und dieses Gemälde mit einer eigenen Begutachtung versehen habe. Später habe sich herausgestellt, daß es sich keineswegs um einen Spitzweg handelte, sondern um ein Werk eines in München lebenden Malers Moralt, der es für 250 Mark verkauft hatte. Die Entscheidung in dem Rechtsstreit wird am Dienstag nach Pfingsten verkündet werden. Südslawisches Offizierskomplott? * Wien, 10. Mai Das„Neue Wiener Extrablatt“ will aus Marburg erfahren haben, daß dort vier Offiziere verhaftet und in einer Garnison interniert worden sind. Es heißt, daß sie der Vorbereitung eines Offizierskomplotts beschuldigt sind. Das Komplott sei durch die Freundin eines der Offiziere den Militärbehörden verraten worden. Ein Offizier sei aus der Haft entflohen und über die Grenze nach Oesterreich geflüchtet. In der Nacht zum vergangenen Samstag seien bereits zwei andere Offiziere entflohen. Die Militärbehörden hätten daraufhin die strengste Absperrung der Grenze und allerschärfste Zensur angeordnet. Einer der verfolgten Offiziere sei in einem Marburger Hotel entdeckt worden und habe sich vor seiner Verhaftung eine Kugel in den Kopf gejagt. Einen gewissen Fingerzeig gebe auch die Meldung des regierungsfreundlichen Agramer „Morgenblattes“, wonach sich in Marburg eine geheimnisvolle Bluttat abgespielt habe, über die im Interesse der Untersuchung keine näheren Angaben gemacht werden könnten. Diese alarmierenden Meldungen werden durch zahllose in Wien umgehende Gerüchte noch schlimmerer Art unterstrichen die jedoch stark übertrieben sein dürften. Verbürgt ist lediglich, daß sich gewisse Bauernunruhen ereignet haben Eine Anfrage in Belgrad ergab, daß jedenfalls der Köwig sich in Belgrad aufhält. Große Unterschlagungen einer Buchhalterin * München, 11. Mai. Eine 24 Jahre alte Buchhalterin hat bei der Lokomotivfabrik Kraus 81000 Mark unterschlagen. Die Veruntreuungen reichen etwa drei Jahre zurück. Sie wurden aufgedeckt, als die Angestellte wegen einer Operation beurlaubt war. Als sie nun wieder im Bürv erschien, wurde die Polizei verständigt, die sie verhaftete. Die Täterin verweigert jede Auskunft, wohin das Geld gekommen ist. Die Erdrutsche in den Savoyer Alpen * Paris, 10. Mai. Die schweren Erdrutsche, die seit Montag wieder aus den Savoyer Alpen gemeldet werden, haben bereits sehr großen Schaden angerichtet. In Germagny(Obersavoyen) hat sich plötzlich ein Schlammstrom gebildet, der zwei Dörfer zu vernichten droht Die lavaähnliche Masse bewegt sich bei einer Dicke von zwei Metern, einer Breite von 800 Metern langsam talabwärts. Sämtliche Verbindungen sind abgeschnitten. Am trostlosesten ist die Lage in der kleinen Ortschaft Auressieux, auf die etwa zwei Millionen Kubikmeter Erdmassen im Anmarsch sind. Zwei Häuser wurden bereits fortgerissen. Die tiefen Risse, die überall wie nach einem Erdbeben auftauchen, haben zuweilen eine Breite von 40 Metern und eine Tiefe von 30 Metern. Ein Augenzeuge, dessen Haus dem Erdboden gleichgemacht wurde, berichtet, daß dem langsamen Abrutschen der Erdmassen ein donnerartiges Getöse vorausgegangen sei, dem ein orkanartiger Sturm folgte. Für die Katastrophe hat man nur die Erklärung, daß bisher unterirdische Gewässer jetzt einen Ausfluß gefunden haben und dadurch die über ihnen lagernde Erde mit sich rissen. Japan ehrt Robert Koch In Erinnerung an die vor fünfzig Jahren erfolgte Entdeckung des Tuberkelbazillus durch Rovert Koch fand kürzlich in Tokio eine Gedenkfeier statt, an der neben den Vertretern verschiedener Ministerien zahlreiche Gelehrte der führenden Fachorganisationen Japans und die deutsche Kolonie in Tokio, an ihrer Spitze Botschafter Dr. Voretzsch, teilnahmen. Nach einem Vortrag von Professor Kitashima über das wissenschaftliche Verdienst Robert Kochs übergab Fürst Tokugawa dem deutschen Botschafter einen von der Aerzteschaft Japans gesammelten Geldbetrag für die Robert=Koch=Stiftung in Berlin mit einer Stiftungsurkunde. Der deutsche Botschafter dankte und betonte in längeren Ausführungen die große Bedeutung der kulturellen Verbindungen der japanischen und deutschen wissenschaftlichen Welt. Die Magnolien blühn Nun stehen sie wieder in keuscher Blütenpracht in unseren Gärten und Anlagen, daß wir fragen michten, woher kommt ihr prächtigen, geheimnisvollen Kinder der Flora? Irgendwo in einem fremden Lande, wo die Sonne glühender scheint und der Himmel blauer glänzt, war eure Heimat. Wie kamt ihr zu uns, aus dem sonnigen Süden in das kalte unwirtliche Nordland. Fragt uns nicht! Schicksal. Schauet uns an und freut euch der kurzen Schönheit, die wir in eure Parks und Anlagen bringen. In Schwermut und Melancholie denken wir der fernen Heimat, und doch tragen wir die leuchtenden Becher weißer Blüten in den nordischen Frühling, daß Freude alle erfülle, die uns anschauen.... Nur wenige Tage halten sie die weißrosafarbigen Blütenblätter der Lenzsonne entgegen, die sie rief. Lebensfreude zu künden auch in der notvollen Zeitwende. Kaum daß sich die Blüten dem Lichte entgegenstreckten, müssen sie sterben, nach ein paar Tagen sinken sie auch schon zur Erde. Noch schimmert, lacht und leuchtet in der Sonne der nächsten Tage eine herrliche schneeige Flut: Blüten, nichts als Blüten. Aber dann kommt nach den glanzvollen Tagen die önnkle Nacht. Wie schnell dahin! Magnolien blühen auf, um in Sehnsucht zu sterben. Blütentraum und Frühlingswirklichkeit. Blühen und Vergehen! Die Botschaft der Magnolienbäume an alle, die vorüberschreiten. Schwelm, 11. Mai. (=) Pingstferien. Der letzte Schultag ist morgen, Donnerstag, 12. Mai. Dann beginnen die Pfingstferien, die hoffentlich ein etwas besseres und wärmeres Wetter bringen. Der erste Schultag nach den Ferien ist Dienstag, der 24. Mai. (=) Aus dem Polizeibericht. Ein Kassierer kam zur Anzeige, weil er Verbandsbeiträge in Höhe von 1700 Mark einkassiert und nicht abgeliefert hatte.— Aus einem Hause in der Bahnhofstraße sind aus einem Kellerraum 40 bis 45 Flaschen Wein und Sekt gestohlen worden. Der Täter ist unbekannt. = Bestandene Prüfung. Herr Sparkassensekretär Piepenbrink bestand gestern vor der Prüungskommission der Süd=Westfälischen Verwaltungsbeamtenschule die zweite Finanzbeamten= (Rendanten=) Prüfung mit gut. (Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Einzeichnungen für die Männerfahrt nach Kaiserswerth nur bis Samstag, den 14. Mai, erfolgen kann, da dann die Abrechnung mit der Eisenbahndirektion erfolgen muß. Für die Männer aus den Nachbargemeinden sei noch bemerkt, daß der Sonderzug kurz nach 8 Uhr von einem der beiden Schwelmer Bahnhöfe abfährt. Alles Nähere über Abfahrt und was sonst noch zu wissen nötig ist, wird im Gemeindeblatt und in den Zeitungen noch mitgeteilt werden. Je mehr sich beteiligen, um so billiger wird die Fahrt. (=) Erwerbslosen=Spielschar. Wir machen hiermit nochmals auf die erfolgreichen, heute und morgen stattfindenden verbilligten Vorstellungen (Eintritt 20 Pfg.) der Erwerbslosen=Spielschar des Ennepe=Ruhr=Kreises aufmerksam. Sie bringt an diesen beiden Abenden ein erweitertes Programm. Es wird somit jedem der noch nicht den bunten Abend besucht hat, Gelegenheit gegeben, für wenig Geld sich 150 Minuten sehr gut zu unterhalten. Sichern Sie sich baldigst einen Platz, da die Nachfrage sehr rege ist. :: Der SGV. wirbt für den Sauerlandverkehr. Die Deutsche Reichsbahn hat beschlossen, Ferienreisenden ab 1. Juni bei einer Mindestentfernung von 200 km eine Fahrpreisermäßigung von 20 v. H. zu gewähren. Der Sauerländische Gebirgsverein hat Einspruch erhoben und beantragt, die Mindestgrenze auf 50 km zu ermäßigen. Der Verein stützt sich in der Begründung des Antrages auf die Tatsache, daß für viele Bewohner des Industriegebietes das Sauerland das einzig erreichbare Ziel für Ferienreisenden ist. Dieses Erholungsgebiet liegt aber von allen Orten des Industriebezirks nur 50—150 km entfernt. Die Fahrpreisermäßigung kommt also für die Bewohner unseres Bezirkes, der doch an sich schon am meisten die Auswirkung der schlechten Lage trägt, nicht in Betracht. Das ist eine erhebliche Härte. In der Eingabe wird weiter erwähnt, daß die Festsetzung der 50 km=Grenze auch ein gutes Mittel sei, Holländer in noch größerer Zahl als bisher ins Sauerland zu ziehen. (=) Festgenommen und dem hiesigen Amtsgerricht zugeführt wurde ein Mann, der am Arbeitsamt unversteuerte Tabakwaren verkaufte. 1 Postdienst an den Pfingsttagen. Am ersten Feiertage findet eine einmalige Briefzustellung im Orts- und Landbezirk statt, Geld= und Paketzustellung ruhen. Am zweiten Festtage ruht die gesamte Zustellung. Die Telegramm= und Eilzustellung erfolgt an beiden Tagen wie gewöhnlich. Die Postschalter sind an beiden Festtagen wie Sonntags geöffnet. * Luftpostsendungen nach Asien. Vom 1. Mai an gelben für Luftpostsendungen, die sowohl mit der Luftpost Amsterdam—Niederländisch Indien, als auch mit der England—Indienlinie befördert werden können, folgende einheitliche Luftpostzuschläge: a) nach Jrak für je 10 g 30 Rpf., b) nach Afghanistan, Britisch Indien mit Belutschistan und Birma sowie nach Ceylon für je 10 g 40 Rpf. Die bisher vorgeschriebenen Leitvermerke„Mit Lustpost Amsterdam—Niederländisch Indien",„Mit Luftpost bis Karachi" und„Mit Luftpost bis Delhi“ sind nicht mehr erforderlich, da die Sendungen künftig stets mit der nächsten sich bietenden Luftbeförderungsgelegenheit weitergeleitet werden. Auch für Sendungen nach dem Ostjordanland, Palästina, Persien, Siam, den Malayischen Staaten, den Straits Settlements und Niederländisch Indien kann der Vermerk„Mit Luftpost“ Amsterdam —Niederländisch Indien“ und nach Französisch Indochina der Vermerk„Mit Luftpost Amsterdam— Bangkok—Saigon" wegfallen. Dagegen müssen Sendungen nach Afghanistan und Persien, die mit der Luftpost über Moskau hinaus befördert werden sollen, auch künftig den Vermerk„Par avion au dela de Moscon" tragen. :: Ueber vier Millionen Rundsunkteilnehmer. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer in Deutschland hat die 4=Millionen=Grenze überschritten. Am 1. April 1932 waren 4168 440 Rundfunkteilnehmer angemeldet. Darunter befanden sich die verhältnismäßig geringe Zahl von 356 837 Arbeitslosen, Blinden, Schwerkriegsbeschädigten usw., denen die Zahlung der Gebühren erlassen ist. Am 1. Januar betrug die Teilnehmerzahl 3 980 852, davon waren 283960 gebührenfrei. Im vergangenen Vierteljahr sind mithin 114711 gebührenpflichtige und 72877 gebührenfreie Rundsunkanlagen hinzugekommen. Von den 4 Millionen Rundsunkteilnehmern befinden sich über eine Million im Bereich der Funkstunde A.=G., Berlin. Auch der übrige europäische Rundsunk ist trotz der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage überall im Wachsen begriffen. So verzeichnet der Schweizer Rundfunk im Januar einen Zuwachs von 12000 Anlagen auf 162 428. Der ungarische Rundfunk wuchs in der gleichen Zeit um 7000 Hörer. In Südafrika zählte man am 31. Dezember genau 39610 Rundfunkanlagen, in Australien etwa 340 000, in Brasilien 6830, in Kanada rund 550000, in Japan 920000, in Palästina 612 und in Albanien 232. :: Der Arbeitsmarkt in Westfalen. Das Landesarbeitsamt Westfalen berichtet über die Lage auf dem westfälisch=lippischen Arbeitsmarkt für die Zeit vom 16. bis 30. April 1932: In der zweiten Hälfte des Monats April verminderte sich die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger im Landesarbeitsamtsbezirk Westfalen um 7604 oder 3 v. H. Sie beläuft sich nach dem Stande vom 30. April 1932 auf 248361. Daran ist die Arbeitslosenversicherung mit 103569(Abgang 3597) und die Krisenfürsorge mit 144792(Abgang 4007) beteiligt. Auf 1000 Einwohner entfallen nunmehr 48,2 Hauptunterstützungsempfänger gegenüber 54.5 zur Zeit des winterlichen Höchststandes am 15. Februar ds. Is. Die Zahl der Arbeitsuchenden verminderte sich um 9222 oder 1,7 v. H. Sie sank auf 521 479. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen stieg weiter an. Sie erhöhte sich im Monat März um 8720 auf 209 847. Milspe, 11. Mai. (=) Der nächste Volksbildungsabend findet am Freitag, dem 13. Mai, abends 8 Uhr im evangelischen Gemeindehause, Wilhelmstraße statt. Es gelangt der erste Teil des Nibelungenfilms zur Vorführung. Der Eintritt ist frei.(Siehe Anzeige.) ::: Wäschediebstahl. Nachdem in der vorigen Woche in die Stallräume des Fuhrmanns A. in der Heilenbeckerstraße ein Einbruch verübt wurde, haben in der vorletzten Nacht die Familien P. und B. unerbetenen Besuch in der Waschküche gehabt. Als sie gestern morgen zeitig aufstanden, um die Wäsche noch einmal zu kochen, hatten„gute Freunde“ bereits in der Waschküche gearbeitet, die nasse Wäsche aus dem Kessel geholt und nur die geflickten schlechteren Sachen zurückgelassen. Hoffentlich gelingt es der Polizei, dem Handwerk dieser unsauberen Heinzelmännchen ein Ende zu machen. :: Silbernes Ehejubiläum. Ihre Silberne Hochzeit feierten gestern die Eheleute Mankel, Esbeckerstraße hierselbst. Dem Silberpaar unsern Glückwunsch. Gevelsberg, 11. Mai. * Vermißt. Der bei dem Bäckermeister Konze, Dörnenstraße, beschäftigte Helmut Kaffka, hat sich vorgestern abend 10 Uhr, ohne Grund entfernt und ist bisher nicht zurückgekehrt. Der Vermißte ist 15 Jahre alt, 168 bis 170 cm groß und trug eine schwarze Hose, eine Windjacke, schwarze Schnürschuhe und eine blaue Mütze. Angaben, die zu seiner Ermittlung dienen, werden von der Kriminalpolizei erbeten. Sprockhövel, 11. Mai. * Die Mühlenstraße wird gepflastert. Die Strecke vom Bleichhause bis zur Wirtschaft Nippus, einschließlich Wegkreuzung Eickerstraße und Fänkenstraße erhält Kleinpflaster. Bisher wurde dieses Straßenstück von Fußgängern wie Fahrern möglichst gemieden, da es bei trockenem Wetter in eine große Staubwolke gehüllt war und bei regnerischem Wetter unversiegende Vorräte an Straßenschlamm von den Kraftwagen gegen die Passanten geschleudert wurden, die man deshalb häufig weitab auf die Weiden flüchten sah. Bei den Wagen aber nützte die schönste Federung nichts gegen die Erschütterung durch die vielen Löcher. Hoffentlich gehen die Arbeiten flott vonstatten. Volmarstein, 11. Mai. * Die Krüppelanstalten Volmarstein hatten, wie alljährlich, ihre ehemaligen Lehrlinge zu einer Wiedersehensfeier eingeladen. In der Begrüßungsfeier, die Mittwoch abend stattfand, sprach nach Darbietungen der Musik=, Theaterund Turnabteilungen der Direktor der Anstalten. Pastor Vietor. Im Festgottesdienst am Himmelfahrtstage sprach Pfarrer Niemöller über rechte Berufsauffassung. Am Nachmittag wurde die Gründung eines Bundes der Ehemaligen, des „Arndtbundes“, beschlossen, der für einen festen Zusammenschluß sorgen und die Stellenvermittlung aufnehmen soll. Wetter, 11. Mai. * Die Wettersche Kirmes wird in diesem Jahre am Sonntag, dem 12. und Montag, dem 18. Juni, stattfinden. Hattingen, 11. Mai. Furchtbare Bluttat Am Montag abend wurde in Groß=Möringegen bei Stendal in der Altmark eine furchtbare Bluttat verübt bei der zwei Hattinger Bürger das Leben einbüßten. Die junge Frau des 25jährigen Schlossers Kurt Reimann erschlug mit einem Beil ihren Mann und ihre Schwiegermutter. Nach der grausigen Tat warf sich die Mörderin vor einen Zug und wurde auf der Stelle getötet. * Zu dieser entsetzlichen Bluttat werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Gegen 11 Uhr am Montag abend wurde Herr Reimann, der am 12. März 1907 in Hattingen geboren wurde, mit schweren Kopfverletzungen tot in seinem Bett aufgefunden. Seine Mutter, die 59 Jahre alte Frau Reimann, die hier, Bismarckstr. 11, wohnt, die seit Anfang April zu Besuch in Groß=Möringen weilte, fand man mit schweren Verletzungen im Nebenzimmer auf. Sie wurde sofort ins Krankenhaus in Stendal gebracht, wo sie kurze Zeit darauf verschied. In der Wohnung wurde ein Zettel gefunden, auf dem sich die Frau Reimann als Täterin bezeichnete. Man forschte sofort nach der Mörderin und fand sie entseelt auf dem in der Nähe liegenden Bahnkörper auf. Sie hatte ihrem Leben dadurch ein Ende bereitet, daß sie sich vor einen Zug geworfen hatte Ueber die Beweggründe zu dieser furchtbaren Bluttat läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Allgemein nimmt man an, daß die Frau die schreckliche Tat in einem Anfall geistiger Umnachtung ausführte.— Den Angehörigen der Familie Reimann, die sich in Hattingen allgemeiner Beliebtheit erfreut, bringt man allseitige Teilnahme entgegen. * Der Trarbacher Hof, jeden Fremden interessierend, trägt jetzt zwei Schilder, nach der Seite Bahnhofstraße und nach dem Schepmannschen Hause, die an Tillys Einquartierung in Hattingen im Dreißigjährigen Kriege erinnern. Einige Jahre später als Tilly, 1682, wohnte auch der kaierliche Feldherr General Pappenheim im Trarbacher Hof, Hattingens ältestem noch vorhandenen Gasthaus. Spoei=Nacheichten Borussia-Fulda im Licht der Kritik Borussia=Fulda— Außenseiter? In geographischer Hinsicht ja! Wer kennt die alte Stadt an der Rhön mehr als dem Namen nach? Der Sportler wußte, daß in Hessen die Hauptstadt Kassel jahrelang im Fußball die Vorherrschaft hatte, man kannte den besten deutschen Verteidiger nach dem Kriege— Heini Weber— und damit war der Name Kassels eng verbunden. Aber wer kannte Borussia=Fulda? Kaum einer mehr als der ganz fanatische Anhänger, denn der wußte, daß da unten in Hessen eine Mannschaft jahrelang Zweiter war. Die Zeiten haben sich geändert. Borussia ist Erster geworden. Wer kannte vor 6 Jahren Schalke. Wer hat Schalke=Gelsenkirchen in Sportdeutschland bekannt gemacht? Der Fußball! Wer hat es urplötzlich mit Fulda getan: Borussia. Der Eingeweihte zwar mußte aufhorchen, als man vor kurzer Zeit von diesem fabelhaften Ergebnis der Borussen aus Fulda gegen die beste internationale Extraklasse, gegen FTC. Budapest hörte, die die Borussen in einem unerhörten Elan zur Hergabe ihres ganzen Könnens zwangen, so daß die Ungarn am Schlusse froh waren, einen 5:4=Sieg buchstäblich gerettet zu haben. Tatsächlich ist der Aufstieg der Borussen fabelhaft und es ist von großem Interesse, einmal die Presse zu Wort kommen zu lassen. Besonders nach dem ausgezeichneten Kampfe gegen die Knappen in Köln war man des Lobes voll— trotz der Niederlage. Man gibt Borussia den Titel der zweitbesten Mannschaft in Westdeutschland, der nicht durch Zufall, sondern durch wahres Können errungen sei. So schreibt u. a.: Lokal=Anzeiger Köln: Hinter Schalke, das nun einmal Sonderklasse darstellt, dürfen sich die Fuldaer mit den meisten Bezirksmeistern gecrost in eine Reihe stellen. Sport=Tageblatt Köln: Um so größer ist die Leistung der tapferen Borussia. Die Mannschaft spielte weit besser, als man erwartet hatte, äußerst kampfkräftig, gar nicht primitiv, in elanvoller Arbeit... Stadt=Anzeiger Köln: Die Mannschaft hat ein Können bewiesen, wie man es ihr nie zugetraut hätte. Kölnische Zeitung: Die Weitgereisten (Fulda) holten sich starke Sympathien. Es war ein fast lückenloses Zerstören Schalker Absichten. Ganz groß schlug sich die Torabwehr, deren Hüter durch seine unheimliche Ruhe das Publikum erheiterte... ganz überzeugend der rechte Läufer. Noch besser ist die Kritik der Presse nach dem guten Abschneiden der Borussen in Nürnberg beim Kampf um die deutsche Meisterschaft, wo die Borussen ein ganz großes Spiel zeigten und nach den Berichten den Klub in den letzten 20 Minuten vor eine gefährliche Aufgabe stellten. Mit 3 Ersatzleuten ein solches Spiel liefern, zeugt von großem Können. Träume sind nicht immer Schäume Eine Ungarin setzt beim Pferderennen auf erträumte Außenseiternummern und erhält 2726faches Geld. * Budapest, 10. Mai. Das Rennpublikum in Budapest hatte gestern nachmittag eine große Sensation. Die Frau eines Polizeiwachtmeisters, die auf zwei Pferde zusammen fünf Pengö gesetzt hatte, erhielt infolge eines außergewöhnlichen Umstandes den 2726fachen Betrag, nämlich 13.628 Pengö als Gewinn. Die Frau hatte nämlich als einzige auf die beiden Außenseiterpferde gesetzt. Sie erklärte Journalisten gegenüber, daß sie beide „Nummern“ der Pferde 3 und 4 erträumt habe und bereits zweimal durch Träume die richtigen Nummern der jeweils siegenden Pferde gewettet hätte. Die Frau, die von ihrem Glück ganz verstört war, wurde von einem Polizisten zu einem Auto geleitet, damit sie ihren Renngewinn vor dem Andrang der Leute in Sicherheit bringen konnte. 25 Jahre Chlorodont bezeugen die Richtigkeit, daß sich Chlorodont zur Erlangung schöner weißer Zähne immer bewährt hat. Allein in Deutschland sind es über 6 Millionen Menschen, die täglich die berühmte Chlorodont=Zahnpaste benutzen. In dieser allgemeinen Verbreitung und in der langjährigen Bewährung liegt ein starker Beweis für die vorzügliche Reinigungskraft und für die Beliebtheit der herrlich erfrischenden Chlorodont=Zahnpaste, die infolge ihres angenehmen Pfefferminzgeschmacks auch von Kindern bevorzugt wird. Versuch überzeugt. Tube 50 Pf. und 30 Of. Besssalen, Rheinland und Nachbargevieie * Soest, 10. Mai.(Zwei Raubmörder sestgenommen.) In Welzheim(Württemberg) war am 22. April die 67 Jahre alte Tischler= witwe Adis in ihrer Wohnung erdrosselt aufgefunden worden. Heute gelang es der hiesigen Polizei, ihre Mörder festzunehmen. Als sie die Paviere zweier Straßensänger nachprüfen wollte, stellte es sich heraus, daß es sich bei diesen um die beiden steckbrielich gesuchten Burschen handelte, die in Verdacht stehen, die Greisin ermordet und beraubt zu haben. Die Burschen werden nach Stuttgart überführt werden. * Dortmund, 10. Mai.(Gastod in einem wilden Kohlenstollen.) Am Spätabend des Montag versuchte der arbeitslose Bergmann W. in einem wilden Kohlenstollen in der Nähe von Dortmund mit drei Bekannten Kohlen zu schürfen. Nachdem der etwa acht Meter tiefe und ein Quadratmeter breite Schacht abgedeckt war. stieg W. ein. Seine Bekannten bemerkten, wie er, unten angekommen, sofort wieder aussteigen wollte, jedoch umfiel und zusammenbrach. Da dem Schacht gleichzeitig Gasschwaden entströmten, benachrichtigte man die Dortmunder Feuerwehr. Ein Beamter stieg mit Hilfe eines Frischluftgerätes in den Schacht ein und konnte den Verunglückten bergen, doch blieben die sofort eingeleiteten Wiederbelebungsversuche erfolglos. Der Tod ist zweifellos auf Grubengase und Sauerstoffmangel zurückzuführen. * W.=Barmen, 10. Mai.(Eine Wohnung ausgeplündert.) Ein Wohnungsdiebstahl wurde an einem der letzten Abende in einem Hause in der Carnaperstraße in Barmen ausgeführt. Dort öffneten Diebe, vermutlich mit falschen Schlüsseln, eine Wohnung, brachen mehrere Schränke und Behältnisse auf und entwendeten 2 Damenmäntel, 2 Damenschirme, einen Feustervorhang, eine Brillantnadel, einen Brillantring, eine graubraune Handtasche, in der sich 150 Mark befanden, ein grünes Sommerkleid mit schwarzen Streifen, eine lederne Einkaufstasche, 2 Kneifer, einen Manschettenknopf mit Brillantsplittern, eine schwarze Aktentasche, enthaltend einen Konzessionsplan, einen Kaufvertrag, 2 Hypothekenbriefe und verschiedene Quittungen sowie eine Damenarmbanduhr, auf deren Deckel sich 2 Brillantsplitter befinden. Die Kriminalpolizei warnt vor Ankauf der gestohlenen Sachen. * W.=Barmen, 10. Mai.(Tödlicher Unfall an der Schiffsschaukel.) Im Garten einer Restauration in der Gelpe, in dem eine Schiffsschaukel aufgestellt ist, ereignete sich am Sonntag ein folgenschwerer Unfall. Ein junger Mann aus Elberfeld, der anscheinend in der Schiffsgondel ohnmächtig geworden war stürzte heraus und schlug so schwer auf, daß der Tod unmittelbar eintrat. Der junge Mann war 17 Jahre alt. * Solingen, 10. Mai.(Hermann Weber geht nach Sowjet= Rußland.) Gestern abend verabschiedete sich der Parteisekretär Hermann Weber von der KPD., der bekanntlich im vorigen Jahre mit sozialistischer Hilfe zweimal zum Oberbürgermeister von Solingen gewählt, aber nicht bestätigt wurde in einer großen Versammlung in der Stadthalle von seinen Solinger Parteifreunden. Hermann Weber geht nach Rußland. Da zwischen ihm und der Parteileitung in letzter Zeit einige Unstimmigkeiten herrschten, hat man angenommen, daß W. aus Moskau eine Vorladung zur Verantwortung bekommen habe. Weber tritt diesem Gerücht scharf entgegen: er erklärt, daß er die Sowjetrepublik zu Informationszwecken aufsucht. * Düsseldorf, 10. Mai.(15 Jahre Zuchthaus für Hanrath.) Im Mordprozeß Hanrath wurde der Angeklagte wegen Totschlags zur Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Ehrenrechte wurden ihm auf 10 Jahre aberkannt. In der Begründung heißt es, daß es sich um eine vorsätzliche Tötung handele, könne der Angeklagte nicht leugnen. Trotzdem zahlreiche Punkte dafür sprächen, daß es sich um einen überlegten Mord handele, habe das Gericht nicht mit genügender Sicherheit sich davon überzeugen können. Bei einer so scheußlichen und bestialischen Tat verdiene der Täter keine mildernden Umstände. Das Gericht habe daher auf die Höchststrafe erkannt. * Grevenbroich, 10. Mai. Zu dem schweren Kraftwagenunfall, der sich am Montag abend zwischen Hemmerden und Noithausen ereignete, wird noch gemeldet, daß heute morgen auch der mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus eingelieferte Chauffeur seinen Verletzungen erlegen ist. Bei den Toten handelt es sich um den Kaufmann Gottfried Obschoe aus Mörs, der der Besitzer des Wagens war, die Ehefrau Eduard Gelodeumann aus Neuß und den Kraftwagenführer Wilmchen aus Mörs. Der Oberstaatsanwalt aus Gladbach=Rheydt hat sich heute nachmittag zur Untersuchung an die Unsallstelle begeben. * Köln, 10. Mai.(Im Bett tot aufgefunden.) Heute morgen gegen 7 Uhr wurde in einem Hause an der Weißbüttengasse die 18 bis 20 Jahre alte Maria Stöcker im Bett tot aufgefunden. Die St. hatte am Montag abend mit ihrem Bräutigam Robert Blum das Haus betreten und dort übernachtet. Nach Mitternacht hat B. das Haus verlassen. Die Leiche wies einige Kratzwunden am Halse auf. Ob diese den Tod herbeigeführt haben, bedarf noch der Feststellung durch die gerichtliche Obduktion. Vermutlich ist die St. einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Wieweit B. an dessen Ausführung beteiligt ist. wird die Untersuchung ergeben müssen. Die Nachforschungen der Polizei, ob zwischen der St. und B. ein Kampf stattgefunden hat, haben ein Ergebnis noch nicht gezeitigt. * Köln, 10. Mai.(Vor dem Strafverfahren gegen den Abg. Dr. Ley.) Wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst aus dem Preußischen Justizministerium mitgeteilt wird, ist in dem Kölner Strafverfahren gegen den Abgeordneten Dr. Ley und Genossen wegen Mißhandlung des Abgeordneten Wels und des Polizeipräsidenten Bauknecht nunmehr Hauptverhandlungstermin in beschleunigtem Verfahren für Samstag, 14. Mai, in Aussicht genommen. Die vor einigen Tagen von der Justizpressestelle Köln verbreitete Nachricht, daß der Abgeordnete Wels noch nicht reisefähig sei, habe auf einem Mißverständnis beruht. Die Angelegenheit werde noch nachgeprüft. * Düren, 10. Mai.(Raubüberfall auf eine Greisin.— Der Täter entkommen.) In dem Eifeldörschen Simmerath wurde in der vorvergangenen Nacht die 85 Jahre alte Frau Agnes Henn von einem vermummten Mann üiberfallen und gewürgt. Der Eindringling verlangte Geld. Die Frau rief um Hilfe und suchte aus dem Haus zu kommen. Dabei kam es zu einem erbitterten Kampf. Mit blutenden Wunden im Gesicht wurde die Greisin von den herbeieilenden Nachbarn angetroffen, die sofort in das Schlafzimmer der Ueberfallenen eindrangen. Mittlerweile hatte sich der Räuber schon auf und davon gemacht; er konnte im Schutze der Dunkelheit unerkannt entkommen. Allem Anschein nach war es dem Räuber bekannt, daß die Frau vor einigen Tagen eine Kuh verkauft hatte, deren Erlös er an sich nehmen wollte. Man nimmt an, daß es sich um die gleiche Person handelt, die vor einigen Monaten versuchte, in das Haus der alleinstehenden Frau einzudringen. * Frankfurt a. M., 10. Mai.(Kommerzienrat Dr. Heinr. Kleyer.) Der Gründer der Adler=Werke, vorm. Heinrich Kleyer A.=G. in Frankfurt a. M., Kommerzienrat Dr. Ing. e. h. Heinrich Kleyer, ist am Montag vormittag in seinem 79. Lebensjahre an einer Grippe in Frankfurt gestorben. Wirtschaft, Haudel und Industrie Die Eisenwarenhändler tagten * Dortmund, 10 Mai. Bei einer Kundgebung des Verbandes Deutscher Eisenwarenhändier sprach der Verbandsvorsitzende Senator May, Bremen, über die Wirtschaftslage des Gewerbes. Er bezeichnete als Ursachen des Zusammenbruchs den Rückgang der Ausfuhr, die Arbeitslosigkeit und die staatliche Finanzpolitik. Er forderte eine weitgehende Stärkung des Außenhandels und eine Beschränkung der Einfuhr durch Schutzzollmaßnahmen, weiter ein Verbot sämtlicher Einheitspreisgeschäfte. Fabrikant Peddinghaus, Gevelsberg, sprach als Vorsitzender des Vereins der Märkischen Kleineisenindustrie und verlangte als vordringlichste Regierungsmaßuhmen Zinssenkung, Zusammenstreichung der Steuern, sowie Vereingerung der Sozialabgaben. In einer Entschließung wurde ein Verbot zur Abhaltung von Inventurausverkäufen, der Zugaben, und eine gleichmäßigere Behandlung der Berufsgruppen bei staatlichen Maßnahmen gefordert. Wiederaufnahme der Arbeit bei Henschel u. Sohn. * Kassel, 10. Mai. Die vor einigen Wochen bereits angekündigte Wiederaufnahme der Arbeit in den Werkstätten der Henschel u. Sohn A.=G., Kassel, ist gestern erfolgt. Zunächst haben 700 Arbeiter ihre Tätigkeit wieder ausgenommen. In den nächsten Wochen erfolgen weitere Einstellungen. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Wechselnde, aber meist stärkere Bewölkung, einzelne Regenschauer, etwas milder, um Südwest schwankende Winde, später zunehmende Eintrübung. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau! Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scher; Druck und Verlag von M. Scherz; sämtlich in Schwelm. Aufräumungsarbeiten an der Trümmerstätte in Lyon. In den Trümmern der eingestürzten Häuser wird fieberhaft nach Verletzten und Toten gesucht. Auch der Bürgermeister von Lyon, Herriot(X)— der Sieger des französischen Wahlkampfes,— war an der Unglücksstätte, um die Rettungsarbeiten persönlich zu leiten. □ 8 D D □ D anie Lebensmttel Sür und Billis bei SUHWELRT Ostenstr. Tc D D D D ERU Hess. Lier, Nisdie Kale 10 Stück Pfund schnittfest . P f u n d Pfund Leber- u. Blutwarst Blasekschmant ia. Von Mittwoch bis einschl. Samstag: Pfd. Pfund sammelt unsere • — frisch gebr. ¼ Pfund Kalfee Karsurmhe Pfd. d 0 a b d 0 50 20 Sch Boppelte Kabattmarken Gp; Zarden Dr. Geber Sprechstunden: vorm. wochentags 11—12 Uh Marienhospital nachm. Montags, Dienstags, Donnerstags, Freitags 3—5 Uhr in der Wohnung. K Freitag, den 13. Mai 1932, abends 8 Uhr im evangelischen Gemeindehause, Wilhelmstraße Filmvorführung „Die Nibelungen“ I. Teil Eintritt frei! Zu der Veranstaltung ladet ein Ramens des Volksbildungsausschusses Milspe Elsemann, Bürgermeister. was deingt der Aandfan! Donnerstag, 12. Mai 6,45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7.05—8,00 Morgenkonzert. 1.00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitan gabe und Wasserstandsmeldungen. 9.45—10,00 Gymnastik für Frauen. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,10—11,10 Meusch und Welt. Gemeinschaftsempfang für Arbeitslose. 11,10—11,20 Schulfunk für Schüler vom 7. bis 10. Lebensjahre. 11,20—12,00 Schulfunk für Schüler aller Schulen vom 12. Lebensjahre an. 12,00—12,50 Unterhaltungskonzert. 12.,50 Wetterbericht. 13,00—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Eysoldt. 1. Ouverture zur Oper„Lodoiska“ v. Cherubini. 9. Neues Leben, Frühlingssuite von May. 3. Szenen aus der Pantomime„Das Wunder" v. Humperdinck. 4, Rossiniana, Potpourri von Rofsini=Respighi. 5. Der Tanz in der Dorfschenke, erster Mephistotanz von Liszt. 6. Humoreske von Tschaikowsky. 7. Melodien aus der Operette„Schön ist die Welt“ von Lehar. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15.,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderstunde. 16,30—16,55 Natur und Geist. 17,00—18,15 Vesperkonzert. Giacomo Puccini I. Einleitende und verbindende Worte: Ernst Kalthoff.(Schallplatten.) 18,15—1835 Die Welt im Buch. 18.40—19,00 Italienisch. 10,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschafte meldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,40 Der westdeutsche Wirtschaftsraum. n.55 Erste Abendmeldungen. 19.45—21,00 Von der Funkstunde Berlin: Tanzabend. Kapelle Barnabas von Geczy unter Mitwirkung von Austin Egen(Tenor). 21,00 Glauben Sie das? Eine Folge von heiteren Einaktern. Spielleitung: Kandner. Auschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. 22,40—24,00 Kammermusik. Oeffentliche Versteigerung. Am Donnerstag dem 12. Mai 1932, 15 Uhr wird der Vollziehungsbeamte des Finanzamtes Schwelm in Schwelm beim Wirt I. Paas, Ostenstraße, folgende Gegenstände öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern: Credenz, Weine, Schokoladen, Himbeersast, Standuhr, Schreibmaschinen, Schreibtische, Radioanlage, Drehpult, Geldschrank, Klaviere, Glasschränkchen, Korbsessel mit Tisch und sonstige Gegenstände. 3706 Finanzamt Schwelm, Vollstreckungsstelle. Wella-Dauerwellen Neues System: Keine lästige Hitze, kein schweres Gewicht mehr am Kopf Ganzer Kopf kompl. von RM 7.50 an C. Wohllaub, Schwelm, Kirchstraße 2 Nürnberg 1930 silb. Med., Stettin 1931 gr. gold. Med. Büro- haus, Lagerräume u. Lagerplätze mit Bahnanschl preisw. z. verm. Schriftl. Anfr. unter 3699 an die Geschäftsst. ds. Ztg. In einer größeren G. B. A. Donnerstag, 12. Mai 1932, abds. 8½ Uhr, im Prinz von Preußen 683 Garase, im Mittelpunkt der Stadt, kann noch ein größerer Wagen gegen geringes Entgeltuntergestellt werden. Schriftl. Anfragen unt. 3703 def. die Geschäftsst ds. Ztg. KOSMOS S heite mit vielen Bildern und ein- und sellerbiges Telelgan nochinteressanter Buch im Vierteljahr 15 Ner RI H Scherz. Schwelm. 2—3 Zimmerwhng. mit Zentralh. i. ruh. Einf.=Haus m Hausgarten zu vermieten. Schriftl. Anfragen unter 3698 a. d. Geschäftsst. d. 3. Indigeamaochen nicht unter 18 Jahren für Geschäftshaushalt f. sof. ges. Zu erfragen i. d. Geschäftsst. dieser Zeitung. 3700 Kräftiges Tehemädchen für Obst= und Gemüse= Geschäft gesucht. 3702 Näh. in der Geschäftsst. d. Z. — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Zweiles blalt Aummer 109 „ 5 Mittwoch, Ir. Mal 1932 Tafelfreuden als Wegweiser Statt des früheren Pfingstochsen genügt heute ein „Spätzle“ oder ein„Giezlebraten mit jungem Moscht“.— Seine Majestät der Kaiserschmarren. — Wenn das„Bratwurstglöckle" läutet.— Das pfingstliche„Pörkölt" aus vielerlei Flossengetier. Von Gustav Kern. „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“ Diese viel belächelte Urväterweisheit hat in heutiger Notzeit ihre besondere Berechtigung. Zum Reisen und Wandern, zu dem jetzt all die prangende Schönheit des Frühlings verlockt, gehört nun einmal nicht nur Freude an der Natur, an der bunten Fülle neuartiger Eindrücke und Erlebnisse, gute Unterkunftsgelegenheit, gehobene Stimmung und vielleicht ein guter Wanderkamerad oder Reisebegleiter, sondern auch zur rechten Zeit— ein gediegener„Happenpappen“, wie es im Volksmunde heißt. Hat— Hand aufs Herz! — nicht jeder von uns auf seinen Reisen oder Wanderungen schon in seiner engeren Heimat die Beobachtung gemacht, daß auch Tafelfreuden, vornehmlich wenn sie sich unerwartet einstellen, geeignet sind, einer feiertägigen Erkundungsfahrt oder einer Ferienwanderung als krönender Abschluß eine besondere Note ins Wohlverdient=Behagliche zu verleihen? Unter den köstlichen Erinnerungen, die einen Touristen mit dieser oder jener Stätte verbinden, befinden sich nicht zuletzt Gaumenfreuden verschiedenster Art. Ein guter Trunk und ein gutes Essen haben sich noch stets als starkes Werbemitte! nicht nur einzelne Gaststätten, sondern auch ganzer Landstriche erwiesen. Und die Behauptung erscheint nicht übertrieben, daß sich alljährlich zahlreiche Touristen dorthin begeben, wo außer landschaftlichen Vorzügen auch Möglichkeiten bestehen, an Ort und Stelle ein auserlesenes Gericht, die „Spezialität“ einer Stadt oder einer Gegend zu genießen, eine Tafelfreude, die man bisher vielleicht nur als geographischen Eigennamen auf der Speisekarte großer Hotels kennen gelernt hatte. Und wir sind ja auch bescheidener geworden in unseren Ansprüchen. Wir verlangen nicht jene Mengen Gebratenes oder Gesottenes wie unsere Altvorderen, die sich beispielsweise ohne einen öffentlich am Spieß gebratenen Pfingstochsen keinen rechten Pfingstschmaus vorstellen konnten. Der wackere Schwabe läuft heute noch meilenweit dorthin, wo ihm die schönsten„Spätzle" im Frühjahr winken, der Badenser erfreut sich im schönen Monat Mai an einem lecker zubereiteten„Giezlebraten“.(Ziegenbraten) und läßt sich seinen geliebten„Moscht“ dazu trefflich munden. Und es gibt sowohl in Deutschland als auch in unserem Bruderland Oesterreich genug ehrenwerte Feinschmecker, die es sich nicht verdrießen lassen, einen noch so weiten Weg zu machen, um in den seltenen Genuß eines echten Kaiserschmarrens zu gelangon, der nicht zu Unrecht seine überragende Stellung im Reiche der nahrhaften Mehl= und Eierspeisen seit altersher behauptet. Wieder in anderen Gegenden unseres schönen Vaterlandes beginnen auf öffentlichen Straßen und Plätzen die sogenannten„Bratwurstglöckle“ den Frühling einund alles wurstliebende Volk anzuläuten. Es soll nicht der schlechteste Lebensgenuß sein, an einem schönen Maientage eine frisch gerösttete und noch dampfende Bratwurst zwischen hungrigen Lippen zu zerknacken. Und es mögen nicht wenige Deutsche sein, welche die warme Frühlingssonne an die grünenden Rebenhänge des Rheins oder der Mosel treibt, sind doch Himmel und Sonne diesen Rebengärten so heiter zugetan wie kaum anderswo in der Welt. Was Jahrhunderte an kultiviertem Lebensgeschmack dort zusammengetragen, findet seinen Niederschlag in dem hohen Adel jener auserlesenen Kellerschätze, die verlend wie flüssiges Gold im Becher trunkfester Zecher schimmern. Im Ungarland gehört zu Pfingsten zu einem guten Tropfen feurigen Weines noch der sogenannte„Pörpölk“, ein auf der Zunge zergehendes Fischgericht, das sich aus vielerlei Flossengetier zusammensetzt,„welches seit erdenklichen Zeiten im trägen Wasser der Theiß fett und sleischig wird". „Sage mir, wohin Du reist, und ich will Dir sagen, was Du dort essen wirst", soll einst ein viel in der Welt herumgekommener Lebenskünstler zu einem seiner Freunde geäußert haben. Dieser Mann wußte aus eigener Erfahrung, welche Anziehungskraft seit altersher alle möglichen Tafelfreuden auf die reiselustige Menschheit ausüben. Schwindelreise durch Deutschland Warnung vor einem Anzahlungsbetrüger. Seit Anfang des Jahres 1931 reist der Kaufmann Hans Schulgen durch ganz West=, Nord= und Mitteldeutschland bis nach Bayern und sucht durch Anzeigen Vertreter für den Vertrieb von Scheuertüchern, die er zu einem unmöglich niedrigen Preis offeriert. Die auf diese Weise leicht gefundenen Vertreter müssen Lieferungsverträge bis zu 1000 Scheuertüchern abschließen und auf diesen Abschluß Anzahlungen in Höhe von 30 bis 300 Mark leisten. Die Lieferung, die vereinbarungsgemäß innerhalb einer Woche erfolgen soll, bleibt stets aus. Es geht Schulgen nur um die Anzahlung, die zum Lebensunterhalt und zu den erforderlichen Reisen verwandt wird. Erleichtert wird das Vorgehen des Schwindlers noch dadurch, daß er schriftliche Unterlagen einer Berlinder Firma vorweist die die Scheuertücher liefern soll. In letzter Zeit vertreibt Schulgen Rezepte zur Herstellung von„Tomby=Pulver“. Er läßt sich zunächst Anzahlungen in Höhe von etwa 30 Mark geben und verspricht, nach einigen Tagen durch seine Vertreter das Rezept liefern zu lassen. was jedoch nicht geschieht. Neuerdings versucht er, den Vertrieb für den Kunstkafsee„Hauslob“ und das Rezept für ein Reinigungsmittel„Lavende!" anzubieten. Gegen den Betrüger liegen über 80 Anzeigen vor. Schulgen ist in zahlreichen kleinen und auch in folgenden größeren Städten aufgetreten: Köln, Aachen, Bonn, Trier, Kassel, Elberfeld, Hagen, Hamborn, Recklinghausen, Duisburg, Hamm, Iserlohn, Bielefeld, Minden, Herford Münster, Marburg, Braunschweig, Magdeburg, Celle, Hannoover, Aurich, Hamburg, Kiel, Fleusburg und Nürnberg. Der Kaufmann Hans Schulgen ist am 30. 7. 90 zu Saarlonis geboren, Köln, Drachenfelsstraße 31 wohnhaft gewesen. Er ist etwa 1,70 Meter groß, kräftig, hat dunkles Haar, spricht Saarländer Mundart, trägt Hornbrille und häufig blangestreiften zweireihigen Anzug und blaugrauen Hut. Bei Auftreten wird gebeten, den Täter vom nächsten Polizeiposten festnehmen zu lassen, da gegen ihn Haftbefehl erlassen worden ist. Deutsche Kunstausstellung in Kopenhagen In Kopenhagen wurde Samstag in Gegenwart des dänischen Königspaares, des dänischen Ministerpräsidenten, der deutschen Gesandtschaft und vieler anderer Gesandtschaften die Deutsche Kunstausstellung eröffnet. Es handelt sich im wesentlichen um die Wiederholung der Ausstellung in Oslo, jedoch wird der künstlerische Kreis eine starke Erweiterung erfahren. Als Hauptvertreter der Freien Ausstellung, in deren Räumen die Ausstellung stattfindet, begrüßte der dänische Kunstmaler Struckmann die Deutsche Ausstellung. Hierauf erhielt Ministerpräsident Stauning eine längere Ansprache, worin er es begrüßt, daß das deutsche Brudervolk Dänemark jetzt seine jüngste Kunst zeige. Als dritter Redner sprach der Direktor der dänischen Kunstakademie, Axel Jörgen= sen, der in weit ausholender Rede auf die VerEröffnung eines Bismarck=Museums. Anläßlich der hundertsten Wiederkehr der Immatrikulation Bismarcks am 10. Mai auf der Göttinger Universität wurde in dem Hause, das Bismarck als Student bewohnte, ein Bismarck=Museum eingeweiht. Das Museum enthält unter den Denkwürdigkeiten aus Bismarcks Studentenzeit auch ein zeitgenössisches Bild, das einen Studentenulk Bismarcks (Dritter von rechts) und seiner Kommilitonen darstellt. Der letzte Kriegsgefangene wieder in der Heimat. Der Elsässer Paoli Schwartz ist jetzt nach elfjähriger französischer Gefangenschaft in seine Heimatstadt Kehl am Rhein zurückgekehrt. Er wurde von einer riesigen Menschenmenge jubelnd begrüßt und auf den Schultern in seine Wohnung getragen. Hier sprach er Worte des Dankes und bat dann, das Deutschlandlied zu singen. bundenheit deutschen und dänischen Geistes hinwies. Der deutsche Gesandte, Freiherr von Richthofen, hielt eine Ansprache, worin er vor allem dem Ny Carlsbergfond den Dank aussprach, daß die Ausstellung in Kopenhagen habe stattfinden können. Er hoffe, daß diese Ausstellung dazu beitrage, daß Dänemark auch mehr Verständnis für deutsche bildende Kunst als bisher zeige. Dr. Thormälen wohnte als deutscher Vertreter der Ausstellung bei und wurde dem Königspaar vorgestellt. Die Ausstellung wird bis zum 30. Mai gezeigt werden. Liebestragödie Im Walde von Domatschine bei Sybillenort im Kreise Oels spielte sich eine Liebestragödie ab, der zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Der 23jährige Student der Breslauer Technischen Hochschule kand. ing. Riedel, der wiederholt den Anforderungen des Examens nicht genügt hatte, tötete seine Freundin, die 17jährige Kunstgewerblerin und Arzttochter Ine Braun mit fünf Schüssen und brachte sich darauf selbst zwei Schüsse in die Brust bei. Das Liebespaar hatte im Walde ein Zelt aufgeschlagen und von hier aus Abschiedsbriefe an die Angehörigen geschrieben, in denen es u. a. genau den Ort, an dem man es finden würde, skizziert hatte. Als in der Dunkelheit ein Onkel des Studenten die Stelle aufsuchte, hörte er plötzlich aus nächster Nähe sieben Schüsse fallen. Er fand das Mädchen bereits tot, während sein Neffe kurz darauf verschied. Der Tüchtige Vater:„Glauben Sie meine Tochter anständig ernähren zu können, ohne Pleite zu machen?" Bewerber:„Jawohl!" Vater:„Dann können Sie bedeutend mehr als ich. Nehmen Sie sie und werden Sie glücklich. Das Haus Ciristlansen Roman von Gertrud. v. Brockdorff 31 Corinna lächelte böse. „Ich habe an der Tür gestanden und Einlaß begehrt, und ihr habt mir nicht geöffnet,“ dachte sie in aufbegehrendem Trotze. Da hörte sie Hans Christians Schlüssel in der Haustür. Sie zuckte in die Höhe, wollte ihrem Manne entgegengehen und stand dann noch unschlüssig neben der Tür. Sie hatte das Zimmer ganz hell gemacht. Als wollte sie damit vor sich selber beweisen, daß sie nicht nötig hätte, etwas zu verbergen. „Es ist ja auch lächerlich,“ dachte sie.„Man löscht neunzehn Jahre einer glückliche Ehe nicht aus. als wären sie niemals gewesen.“— Die Tür wurde geöffnet. Hans Christian stand auf der Schwelle und blinzelte geblendet in das grelle Licht. Sein Gesicht war grau und verstört. Sie erinnerte sich nicht, es je zuvor so gesehen zu haben. „Du bist noch auf?“ fragte er.„Du hast gewartet? Es wäre wirklich nicht nötig gewesen, daß du wartest.“— „Ich beunruhigte mich—.“ sagte sie und dachte: „Warum lüge ich denn?“ Er warf die Mappe, die er in der Hand trug, auf den Tisch und ließ sich schwer in einen Sefsel fallen. „Dreh bitte das Licht aus!“ sagte er.„Das grelle Licht tut mir weh.“— Corinna gehorchte schweigend. Sie ließ nur Iie grüne Lampe auf ihrem Schreibtisch brennen. Der Mann saß stumm und zusammengesunken in seinem Sessel.— „Ist irgend etwas Besonderes geschehen?“ fragte Corinna. Er kuhr in die Höhe. „Was sollte geschehen sein?"— „Ich meinte nur—— du bist so verändert, Hans Christian.“— „Ich bin überarbeitet,“ sagte er, wieder in seine schlaffe Haltung zurücksinkend.„Onkel Karl hat ganz recht.— Ich werde einmal ausspannen müssen.— Vielleicht werde ich auf ein paar Wochen verreisen.“ „Ja—“ nickte sie tonlos und schloß die Augen wie ein Mensch, der sich davor fürchtet, einer Gefahr ins Auge zu sehen. Sie saßen schweigend gegenüber. Minuten verrannen, schwere, bleierne Minuten, die wie Tropfen in ein ehernes Becken fielen. Dann sagte der Mann: „Willst du nicht hinübergehen, Corinna, und dich zur Ruhe legen?— Ich komme dann gleich nach.“— Sie erhob sich ohne ein Wort. „Er weist mich fort—,“ dachte sie.„Es ist irgend etwas in ihm, an dem ich keinen Teil haben darf.“— Sie stand wieder vor dem Spiegel im Schlafzimmer wie am Morgen dieses Tages. Aus der Ampel über ihr brach gedämpftes Licht und glitt sacht und streichelnd über die rote Flut ihres gelösten Haares. Corinna betrachtete mit hungrigen Augen die Frau im Spiegel.— Sie erschien sich selber fremd. — Und dann war es als schöbe sich ein graues, verstörtes Gesicht neben das ihre. Sie fröstelte und zog den Schlafrock fester um ihre Schultern. „Er ist um so vieles älter alls ich.“ mußte sie denken.„Sein Blut hat keinen Teil mehr an meinem Blute.“ Sie starrte in den Spiegel und sah die neunzehn Jahre ihrer Ehe an sich vorübergleiten.— Es war ihr, als hätte sie neunzehn Jahre um eine Erfüllung gerungen, die ihr das Schicksal schließlich schuldig geblieben war. „Das Schlimmste von allem ist ein ungelebtes Leben—.“ sagte sie laut und hart in die helle Stille des Zimmers.— Sie löschte das Licht, warf sich auf ihr Lager und vergrub den Kopf in den Kissen.— Sie hörte Hans Christian eintreten und sich im Dunkeln entkleiden.— Sie lag regungslos, und dann begann sie zu atmen, als ob sie schon schliefe. Hans Christian suchte sein Lager. Sie hörte, wie er sich hin und her warf und plötzlich stöhnte, wie im Schmerz. Nun würgte sie das Mitleid. Sie hätte hätte seine Hand ergreifen und wie in früheren Jahren bitten mögen:„Laß michs mit dir tragen!— Laß mich teilhaben an allem.“— Aber sie fand nicht die Kraft zu der kleinen Bewegung. Ihre Glieder waren wie gelähmt.— Und sie wußte auch: er würde sie wieder von sich stoßen, wie er sie letzthin oftmals von sich gestoßen hatte.— Weshalb aber hatte er das getan?— Fühlte er, daß ihre Gedanken einem anderen Manne gefolgt waren und ihn suchten? Fühlte er, daß das Leben sie in seine Arme genommen und wieder zu ihrem Ausgangspunkte zurückgetragen hatte? Corinna rührte sich nicht. Sie lag mit geschlossenen Augen und atmete den süßen, schweren Duft der blühenden Büsche, der durch das geöffnete Fenster zog. Sie fühlte ihr Blut rauschen, sie fühlte alle Qualen ihres ungelebten Lebens gegen sich aufstehen.— Sie dachte daran, wie sie einmal,— vor langen Jahren, und halb im Scherze, zu Hans Christian gesagt hatte; „Halte mich, damit ich nicht versinke!"— „Wir Christiansens lassen nichts wieder los, was einmal zu uns gehört,“ hatte er lachend geantwortet.— Nun aber hatte er sie doch losgelassen. Nun hielt er sie nicht mehr. Nun würde sie ins Schweifende und Ziellose treiben und vielleicht versinken.—— Corinna schlief endlich ein.— Als sie erwachte war das Zimmer vom Lichte des abnehmenden Mondes erfüllt.— Hans Christians Lager aber war leer.— Corinna fuhr erschreckt in die Höhe. — Sie hörte Schritte draußen im Garten und sah ihren Mann zwischen den mondbeglänzten Sträuchern auf= und niedergehen. Neben dem größten, eng an die Hauswand gelehnten Kirschlorbeerbusche machte er Halt und stand lange, das Gesicht dem Monde entgegengewendet, die Arme erhoben, als wollte er den Lichtstreifen, der über die traubenförmigen Blüten brach, ergreifen und sesthalten. Corinna glaubte ihn sprechen zu hören, aber sie war außerstande, seine Worte zu verstehen. „Wie fremd er mir geworden ist!“ dachte sie und schlüpfte fröstelnd wieder unter ihre Dicke, denn die Nacht war kühl.—— Als Corinna am Vormittage des folgenden Tages mit ihrer Mutter von einem Gange durchs Gehölz zurückkehrte, sah sie in der Gegend der Bellevuebrücke einen großen, schlanken Herrn auf sich zukommen und hatte das Gefühl, daß eine kalte Hand nach ihrem Herzen griff, und daß dieses Herz plötzlich zu schlagen aufhörte. Frau Maurenbrecher griff mit einer krampfhaften Bewegung nach Corinnas Arm. „Es ist Wenzel Brachmann!— Mein Gott,— es ist wahrhaftig Wenzel Brachmann!“— Corinna gab keine Antwort. Sie war stehen geblieben und lächelte dem Manne auf eine seltsam fremde und abwesende Weise entgegen. Er stand jetzt vor ihnen und lüftete grüßend den Hut. Frau Maurenbrecher schüttete sofort einen Schwall von Fragen und bewillkommnenden Worten über ihn aus. Corinna reichte ihm die Hand, fast ohne zu wissen, daß sie es tat. „Er hat sich verändert,“ registrierte sie mechanisch.„Er sah ganz anders aus, als er gestern abend auf der Leinwand erschien.“— „Sind Sie früher gekommen, Wenzel?" erkundigte sich Frau Maurenbrecher.„Wir erwarteten Sie noch gar nicht.— Schauen Sie nur: die arme Corinna ist so weiß geworden wie beim unerwarteten Anblicke eines Gespenstes.“— Blutwellen ergossen sich über Corinnas erblaßtes Gesicht.— Sie haßte ihre Mutter in diesem Augenblicke. Sie haßte auch Wenzel Brachmann. „Jedenfalls hoffe ich, daß nicht allzuviel Gespenstisches an mir haften geblieben ist,“ sagte Brachmann und lachte auf die gleiche spöttische und überlegene Weise, die Corinna früher einmal gekannt und gefürchtet hatte.„Uebrigens bin ich früher gekommen, weil ich mich nach Ruhe sehnte und vor Ankunft des ganzen Trains ein paar Tage ungestört in der Stille verbringen wollte.“ „Ja— Sie schrieben mir freilich davon,“ meinte Frau Maurenbrecher etwas unbedacht. „Aber ich wußte doch nicht recht, was ich von Ihren Andeutungen zu halten hätte.“— Brachmann sah Corinna an; es war, als suchte er nach Zügen, die er in seiner Erinnerung getragen hatte, und die Röte auf ihren Wangen vertiefte sich unter diesem Blicke. „Ich wohne draußen in Laboe und habe gestern schon den halben Tag lang am Strande gelegen und den Wellen zugesehen.“ Die Art, wie er es sagte, erinnerte fast an Hans Christians Art.— Corinna sah auf; sie begegnete seinem Blick zum zweiten Male und sah einen Schleier wie von Müdigkeit über der Iris und Falten der Verwüstung in den Augenwinkeln. (Fortsetzung folgt.) *• Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. „Also so ist es,“ sagte Fock fast unhörbar.„Das ist allerdings für Mendheim ein wahres Verhängnis. Die Frau Baronin weiß noch nichts davon?“ „Nein, er scheint sich, es ihr zu bekennen.“ „Begreiflich— begreiflich. Mendheim kann einem fast leid tun. Er muß also seine Mutter jetzt regelrecht erhalten?“ „Ja, und das Trinken läßt sie nicht. Ich glaube, der Sohn hat diese üble Erbschaft auch angetreten. „Hm, hm. Das sind für die Komtesse keine erfreulichen Dinge, obwohl es besser wäre, Mendheim würde es ihr sagen. So bringt er sich selbst in einen falschen Verdacht.“ „Ich habe diesen Verdacht selbst bei der Baronin bestärkt, weil ich nicht klar sah. Es tut mir leid.“ „Sie müssen wieder auf die Farm zurück, Bill. Ich kann Ihnen nicht helfen. Wie die Dinge jetzt liegen, kann man Frau von Mendheim nicht ohne Schutz lassen. Bill Byrd seufzte auf. „Ich werde mich sehr reserviert verhalten müssen. Mendheim vermutet in mir einen Nebenbuhler oder— ich weiß es nicht. Er hat auf jeden Fall eine Voreingenommenheit gegen mich, die nun nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist.“ „Sie müssen mir den Gefallen tun und ruhig sein, Bill. Es hängt zu viel davon ab, daß Sie klug sind. Was Macdonald anbetrifft, so erwarte ich erst meine Instruktionen. Ich werde heute abend schreiben. Brauchen Sie noch Geld, Bill?“ „Vorerst nicht.“ „Macdonald weiß, daß Greiner hinter der ehemaligen Komtesse steht. Er rechnet damit, nichts zu verlieren und die schöne Frau dazu zu bekommen.“ „So ungefähr dürfte es sein, Herr Fock. Aber ich sage Ihnen, ehe das geschieht, nehme ich Macdonald energisch zwischen meine Fäuste. Ich glaube, er wird nicht so ganz heil herauskommen. „Machen Sie keine Dummheiten, Bill. Sie werden sich doch nicht tatsächlich in die Baronin verliebt haben?“ Bill Byrd starrte in sein Glas und sagte nichts. „Schlagen Sie sich das aus dem Kopf, Bill, das führt zu nichts Gutem. In diesem Fall müßte ich Sie doch zurückziehen. Byrd stöhnte auf aus tiefster Brust. „Ich werde immer eine Frau nur von fern anbeten dürfen. Das ist mein Schicksal. „Sie dürfen nicht vergessen, daß Sie eben ein Cowboy sind. „Ein Hinausgeschleuderter!“ „Trösten Sie sich mit anderen. Sie haben noch nicht das schlechteste Los gezogen. „Wenn ich nicht so eine robuste Natur wäre, ich möchte manchmal aufheulen wie ein kleines Kind.“ „Betty ist doch ein hübsches Mädchen. „Betty! Wenn man die Baronin sieht, wie kann man an einem Dienstmädchen Gefallen finden? Die Frauen sind noch mein Unglück.“ „Beherrschen Sie sich, Bill. Gehen Sie lieber nach Alaska, irgendwohin, wo es keine Frauen gibt.“ „Dummheit!“ knurrte der Cowboy und erhob sich.„Ich din in drei Tagen wieder hier. Good bye!“ Jörg Fock blieb noch lange auf seinem Platz sitzen und sann vor sich hin. Am Abend schrieb er folgenden Brief: „Sehr geehrter Herr Greiner! Seit vierzehn Tagen hat sich alles wie auf einen Schlag auf der„Ilse=Farm geändert. Ich schrieb Ihnen bereits das letztemal, daß ein gewisser Ralph Macdonald Mendheim „ Oolar gelchen Hat Zaun, Madonald gab de. de Sunime nochmals der Frau von Mendheim personlich. frum er das tat? Ich habe mich über Macdonald genau erkundigt. Er ist ein gewissenloser Mensch und rechnet darauf, die junge und schöne Frau eines Tages unter dem Druck seiner Forderung besitzen zu können. Ich habe allerdings den Cowboy Bill Byrd als Schutz auf der Farm. Mir scheint, daß Frau von Mendheim diesen Schutz einmal sehr notwendig hat. Mendheim ist sehr leichtsinnig. Er verlor bereits tausend Dollar bei einem Holzverkauf und muß sein Geld nun an eine andere Person hängen— und das ist seine Mutter. Sie ist vor einiger Zeit hier aufgetaucht, eine ehemalige Filmschauspielerin, verkommen, trinkt. Mendheim ist in der üblen Lage, sich seiner eigenen Mutter schämen zu müssen. Rosig liegen die Verhältnisse also nicht für Mendheim. Er ist in der Lage eines von allen Seiten eingeschlossenen Feindes. Frau Ilse leidet darunter. Sie ist sehr bleich geworden und weint heimliche Tränen. Das eigentliche Glück war sehr kurz. Man muß sagen, es ist schon zu Ende, denn was noch kommen kann, ist von einem Glück weit entfernt. Es ist möglich, daß Frau Ilse trotz alledem treu zu ihrem Gatten hält, wenn nicht noch andere, schwerwiegendere Dinge eintreten. Mendheim ist in letzter Zeit sehr leicht erregbar und gereizt. Es mag dies aus dem Verkehr mit seiner Mutter herrühren. Ehre kann er mit ihr keine einlegen. Und doch— er ist der Sohn. Sie hat dies wohl erkannt und nutzt es aus Es ist schmählich, wenn eine Frau so herunterkommen kann. Für Mondheim erwachsen aus allen diesen Dingen schwere Konflikte, die einen Schatten auf seine Ehe werfen werden, obwohl er vielleicht nicht einmal schuld daran ist. Sein Leichtsinn in geschäftlichen Dingen treibt ihn aber auf jeden Fall auf Wege, die ihm gefährlich werden können. Es ist so, daß ihm heute schon so gut wie nichts mehr gehört, wenn man die Schuld an Macdonald in Betracht zieht. Die Ernte, die jetzt hereingeholt wird. wird nicht das halten, was sich Mendheim von ihr versprochen hat. Gewitterwolken steigen auf über der„IlseFarm“. Der Winter steht vor der Tür und er ist hier in dieser Gegend sehr streng. Ich glaube nun selbst, daß es gut und besser ist, ich bleibe hier. Die besonderen Umstände bringen es mit sich, daß meine Berichte sehr verschieden voneinander sind. Ich tue nichts dazu und nehme nichts davon. Ich bleibe ein unparteiischer Beobachter. In letzter Zeit habe ich mich etwas zurückgezogen und Bill Byrd in den Vordergrund geschoben, weil ich den Eindruck hatte, als durchschaue mich die junge Frau. Es ist fast ein Glück— ich muß das sagen—, daß die Ehe bis jetzt ohne Folgen blieb. Wenn die junge Frau jetzt auch noch Mutter würde, so wäre das Unglück meines Erachtens da. So kann sie das leichter ertragen, was auf sie wartet. Ich bin sehr pessimistisch über die Zukunft gestimmt. Es mag sein, daß ich gerade unter dem Eindruck des heute Gehörten stehe. Ich bin selbst in einer ganz melancholischen Stimmung. Das Schicksal der von mir Beobachteten geht mir fast so nahe wie mein eigenes. Wenn ich Ihnen heute zurufe: Hoffen Sie, so glaube ich es wirklich selbst. Nehmen Sie die Versicherung entgegen, sehr geehrter Herr Greiner, daß ich meiner übernommenen Aufgabe bis zum letzten Augenblick treu bleibe. Ich begrüße Sie mit der Bitte um Ihren Gegenbescheid als Ihr ganz ergebener Jörg Fock.“ Dieser Brief ging noch in der Nacht zur Post. Der Mann, der dies tat, war sich seiner Verantwortung, die er mit diesem Briefe übernommen, voll und ganz bewußt. Ilse hatte ihrem Mann nichts von dem Besuch von Macdonald erzählt, weil sie eine begreifliche Scheu zurückhielt, ihm dies mitzuteilen. Aber sie fragte dennoch am anderen Morgen: „Wieviel Geld haben wir noch, Hans?“ Mendheim wühlte in seinen Taschen und wurde verlegen. „Wieviel Geld? Ich kann es dir im Augenblick nicht einmal sagen, Ilse. Es werden noch annähernd zweitausend Dollar sein. „Wir haben aber doch noch keine dreitausend Dollar in den letzten acht Tagen ausgegeben, das wäre ja fürchterlich.“ „Liebes Kind, es war so manches nötig, was du nicht übersehen kannst.“ In der Nacht tat Ilse etwas, dessen sie sich am andern Morgen schämte, sie zählte, während Hans schlief, das Geld in seiner Brieftasche nach und fand, daß es nicht einmal mehr tausend Dollar waren. Ein wahnsinniger Verdacht erfaßte sie. Wo hatte Hans dieses Geld hingebracht? Hatte er am Ende doch in Winnipeg eine Geliebte, der er das geliehene Geld brachte, für das er die Einrichtung verpfändet hatte? Sie vermochte nicht, Hans am Morgen in die Augen zu schauen. Er sagte etwas verlegen:„Ich muß heute mit den Arbeitern in den Wald. Wir wollen nach dem Gefälle für die Errichtung einer Mühle sehen. Es kann sein, daß ich erst spät am Nachmittag zurückkehre. „Du nimmst das Auto nicht mit, Hans?“ „Nein, was sollte ich auch mit dem Auto im Walde machen?" Sie atmete auf. Wenn er nur in den Wald ging, war es ihr gleich. Aber sie mußte wissen, was er in der Stadt machte. Ihm nachzuspüren, erschien ihr als ihrer nicht würdig. Sie dachte an Byrd und verwarf diesen Gedanken wieder. Byrd war gestern sehr spät zurückgekehrt und merkwürdig still gewesen. Ilse hatte ihren Mann gebeten, Bill Byrd nicht mehr so hart anzufahren, sie halte ihn für einen sehr rechtschaffenen Menschen. Er hatte widerwillig„Ja“ gesagt. Nun sah sie Hans nach, als er, eine Axt über der Schulter, mit den Arbeitern nach dem Walde schritt. Er war nicht mehr aufrichtig gegen sie, etwas bedrückte ihn. Was mochte es nur sein? Sie gab Betty fast unwillig den Auftrag, heute nur ein kurzes Essen vorzubereiten, da ihr Gatte nicht da sei. Sie war heute so unlustig zu irgendeiner Arbeit. Sonst hatte sie die Zeit damit verbracht, ihre Wäsche in Ordnung zu halten, überall nach dem Rechten zu sehen. Heute ließ sie die Hände im Schoß liegen und starrte vor sich hin. Keine tausend Dollar mehr! Sie kam nicht darüber hinweg. Das Geld von Macdonald hatte sie in ihrem Wäscheschrank eingeschlossen. Den Schlüssel trug sie immer bei sich. Nun war sie fast froh, daß sie die fünftausend Dollar antt, e entr uch beite Ter duen dunn stand„as mit leeren Taschen da. Wie kann man nur eine D###e enorme Gumme in wenigen Tagen ausgeben? Ein reitender Bote brachte die Post. Es war eine Reklamation des Autogeschäftes wegen der fälligen Rate, ein Steuerbescheid, eine Rechnung über ein Damenkleid mit fünfundsiebzig Dollar. Hans hatte ihr doch kein Kleid gekauft, das nicht bezahlt war: Wer hatte es also erhalten? Wieder ergriff sie die Angst so sehr, daß ihr Herzschlag fast aussetzte. Dann mußte es doch wahr sein, was man behauptete. Sie schob die Rechnung zu ihren eigenen Sachen, entschlossen, die Firma selbst aufzusuchen. Wie ein Riß ging es ihr durchs Herz. Irgend etwas sprang entzwei. War es ihr Vertrauen zu Hans oder ihre Liebe? Er betrog sie. Sie hatte es schwarz auf weiß. Aus ihren Gedanken schreckte sie jäh auf. Es klopfte an die Tür. Die breite Gestalt Bills ward sichtbar. „Frau Baronin, draußen wartet jemand, der Sie gern sprechen möchte.“ „Wer ist es denn?“ „Eine Frau.“ „Eine Frau?“ „Sie sieht nicht sehr vertrauenerweckend aus und da dachte ich, willst mal zuerst die gnädige Frau fragen“. Ilse trat ans Fenster und sah eine ältliche Frau dastehen, die neugierig alles betrachtete und wiederholt die Hände zusammenschlug. Ihr Gesicht war etwas gerötet, ihre Augen waren stechend und irrten umher wie die eines Falken. „Fällt Ihnen an der Frau nichts auf. Frau Baronin?“ „Kennen Sie sie, Herr Byrd?“ Byrd senkte den Kopf. „Ich habe sie einmal in Winnipeg gesehen. Sie saß mit Herrn von Mendheim in der Kolibribar.“ „Diese Frau? Täuschen Sie sich nicht?“ „Nein, ich täusche mich nicht.“ „Lassen Sie das Weib eintreten.“ Bill Byrd ging hinaus und zeigte der Frau die Tür. Wenige Augenblicke später trat sie schüchtern ein, blieb auf der Schwelle stehen. „Also das sind Sie? Und das ist Ihre Wohnung?“ „Was wollen Sie?“. Ilse reichte ihr einen Dollar.„Ich habe keine Zeit. Sonst wohnt niemand hier.“ „Ich bin nicht zum Betteln gekommen, Frau von Mendheim. Ich wollte Ihnen nur guten Tag sagen.“ Sie trat einige Schritte vor. „Mein Gott, Sie riechen ja nach Alkohol! Machen Sie, daß Sie hinauskommen!“ „Eile mit Weile, mein liebes Kind,“ sagte die Alte und setzte sich auf einen Stuhl.„Ich lasse mich doch von meiner Schwiegertochter nicht hinauswerfen. „Von was?“ Ilse verstand nicht recht, glaubte, die Alte sei nicht richtig im Kopf.„Was haben Sie gesagt?“ „Von meiner Schwiegertochter habe ich gesagt, Kindchen. Wußten Sie denn das nicht?“ Ilse griff sich an den Kopf. Träumte sie denn oder— war das ein Spuk? Dieses verkommene Weib behauptete, ihre Schwiegermutter zu sein? „Ich werde nach dem Sheriff schicken, der wird Sie dorthin bringen, wo Sie hingehören. Schämen Sie sich als Frau, sich zu betrinken.“ „Ich habe nicht getrunken, Kindchen. 1 „Ich bin nicht Ihr Kindchen, verstehen Sie mich: „Hihi, also so stolz ist die Komtesse von der Esche? Kennt mich nicht mehr und ich habe sie doch als kleines Kind schon auf dem Schoß geschaukelt.“ Ilse taumelte einige Schritte näher, sah ihr ins Gesicht und schrie auf: „Frau von Mendheim? Allmächtiger Gott! Wo kommen Sie her? Sie leben also noch?“ „Daß ich lebe, das sehen Sie. Das„von“ lassen Sie gefälligst fort, das hat in Amerika keinen Wert.“ „Weiß Hans davon, daß Sie da sind?“ „Allemal weiß er es. Wir waren in der letzten Zeit oft genug beisammen. Hat er es Ihnen nicht erzählt?“ „Ich hatte keine Ahnung. „Das ist nicht recht von dem Jungen. Denken Sie sich: nach zehn Jahren finde ich mein Kind wieder— hier draußen in Kanada.“ „Wie kamen Sie nach Amerika?“ „Wie kommt man hierher? Per Schiff und Bahn natürlich. Mein Mann hatte mir das Leben schwer gemacht. Da packte mich der Leichtsinn. Ich ging eines Tages auf und davon, kam hierher und hatte Unglück. War beim Film, bis man mich hinauswarf. Und Sie wollten soeben dasselbe tun.“ Ilse konnte sich noch nicht fassen. Das war zu ungeheuerlich. Nun verstand sie Hans und seine Erregung in der letzten Zeit. Ach, wie sie ihn bedauerte. „Ja,“ fuhr Frau Mendheim fort,„eine Frau soll nie ihren Mann verlassen. Es tut nicht gut. Sie sehen das an mir. Ich kam unter die Räder.“ „Und Hans hat Ihnen schon mit Geld geholfen?“ „Stimmt, Frau Ilse.“ „Und er hat Ihnen ein Kleid gekauft?“ „Stimmt auch, bei Smith Brothers in Winnipeg.“ Ilse atmete auf. Wenigstens dieser furchtbare Verdacht, den sie gehabt, war nicht Tatsache. Aber diese Frau? Und ihre Schwiegermutter! Und sie sollte nun...“ (Fortsetzung folgt.)