der deutschsprachigen Presse e.V. Ungemeiner kteisanzeiger Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung Aglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Nenstraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Nr. 2018.— Oostscheckkonto Hannover 76913.— Für unver langt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Betriedsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. fdr den Ennepe=Kahe kreis Schibeimer Radlauzeiger Mit den Beilagen: Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm dreit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig, im Reklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Geschäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Aummer 91 Erstes Blatt Dienstag, den 19. April 1932 103. Jahrgang Levhäste Aorustangsdebutte in Gen Botschafter Nadolny setzt sich mit Entschiedenheit für Herabsetzung der Rüstungen ein Berücksichligung der deutschen Forderung die Entschließzung erklärte legte besonderen Wert * Genf. 18. April. Der Hayptausschuß der Abrüstungskonferenz hat heute vormittag seine Beratungen über Artikel 1 des Konventionsentwurfes fortgesetzt, und zwar über eine Aussprache über die Frage, ob das Konferenzziel in einer einzigen Konferenz erreicht oder in Etappen verwirklicht werden soll. Der Präsident Henderson erklärte, daß bei dieser Gelegenheit auch der deutsche Antrag über den Grundsatz der Rüstungsherabsetzung auf ein möglichst niedriges Niveau erörtert werden könne. Bolschafter von Radoluy Als erster Redner ergriff der deutsche Vertreter, Botschafter von Nadolny, das Wort, um die erwähnte Forderung Deutschlands einer effektiven Herabsetzung der Rüstungen auf einen möglichst niedrigen Stand ausführlich zu begründen. Botschafter Nadolny erklärte, daß in den deutschen Vorschlägen die Methoden zur wirksamen Erreichung dieses niedrigen Standes aufgezeigt worden seien. Deutschland gehe davon aus, daß ein wirksamer entscheidender Schritt in Richtung der Abrüstung gemacht werden müsse. Eine unbedeutende oder nur scheinbare Abrüstung oder eine Stabilisierung der Rüstungen bei dem jetzigen Stande könnte in keiner Weise als Erfüllung der Konferenzaufgabe betrachtet werden. Schon die schwere Finanzkrise, unter der alle leiden, müsse an sich ein ausreichender Grund sein für eine möglichst weitgehende Herabsetzung des allgemeinen Rüstungsstandes. Deutschland wurde es auf alle Fälle vorziehen, wenn die Konferenz sich einigen könnte, um ihr Ziel in einem Zuge zu erreichen. Im anderen Falle wäre es jedenfalls notwendig, nicht nur die erste Etappe, sondern auch die folgende sowie das Endziel festzulegen. Doch die Zeiträume müßten so klein wie möglich sein, und vor allem müßte schon die erste Etappe eine beträchtliche Herabsetzung bringen. Nadolny erwähnte die deutsche Abrüstung als Beispiel dafür, bis zu welchem Grade man in kurzer Zeit abrüsten könne. Im Hinblick auf die in der letzten Woche insbesondere von versischer Seite gemachten Vorbehalte wegen des jetzt schon ungenügenden Rüstungsstandes gewisser Länder erklärte der deutsche Vertreter, daß eine mechanische Herabsetzung und ein Verzicht auf das in Artikel 8 der Völkerbundssatzung vorgesehene Mindestmaß natürlich nicht in Frage kommt. Deshalb könne Deutschland auch das rein mechanische Reduktionsprinzip der russischen Vorschläge nicht annehmen. Der russische Grundgedanke, daß die stark gerüsteten Staaten stärker abrüsten müßten als die schchwachen, sei aber vollkommen richtig, und es würde sich empfehlen, zur Verwirklichung dieses Grundsatzes die russischen und die türkischen Vorschläge zu verbinden. Die Aussprache Nach der Rede des deutschen Vertreters legte der tschechoslowakische Delegierte Vierlinger gleichzeitig im Namen der belgischen, dänischen, spanischen, estnischen, norwegischen und uruguayischen Delegationen einen Entschließungsentwurf über die etappenweise Erreichung des Konferenzzieles vor, der folgenden Wortlaut hat: Der Hauptausschuß glaubt, daß die Herabsetzung der Rüstungen, wie im Artikel 8 der Völkerbundssatzung vorgesehen ist, nur etappenweise und mit Hilfe einer Reihe von Revisionen, die möglichst nahe aufeinander folgen sollen, voll verwirklicht werden kann. Der deutsche Vertreter erklärte, daß dieser Entwurf der deutschen Auffassung nur unvollkommen Rechnung trage. während der russische Vertreter Litwinow die Erwähnung der Völkerbundssatzung als unannehmbar für die Nichtmitgliederstaaten bezeichnete und eine Ergänzung durch den Hinweis auf die Notwendigkeit einer „substanziellen Herabsetzung im ersten Stadium“ verlangte. Auch der englische Außenminister erklärte, es komme auf das erste Stadium an, und die in der Entschließung vorgesehenen Etappen dürften kein Vorwand zur Verschleppung sein. Der französiauf die Erwähnung des Artikels 8. durch den die Berücksichtigung der Sicherheits= und sonstigen Verhältnisse der einzelnen Länder gewährleistet sei. Vor der Eotscheidung Mit der heutigen Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz sind die Arbeiten der Konferenz in ein wichtiges neues Stadium getreten. Der Verlauf der Sitzung, die den Charakter einer recht lebhaft geführten Debatte hatte, hat bereits gezeigt, daß die Konferenz aus dem Stadium der großen Reden nunmehr an dem Punkangelangt ist, wo die konkreten prinziviellen Fragen der Abrüstung zur Entscheidung gestellt werden. Gegenstand der heutigen Aussprache war die Frage, ob das Ziel der allgemeinen Abrüstung in einer einzigen Konvention oder etappenweise erreicht werden soll. Die Konferenz hat, ohne daß bereits eine Abstimmung über diese prinzipielle Frage erfolgte, sich praktisch für die zweite Lösung ausgesprochen. Die Entschließung, die hierüber von einer Reihe kleinerer Staaten eingebracht worden ist. wurde einem Redaktionskomitee überwiesen, das sie unter Berücksichtigung der in der Debatte von verschiedenen Rednern gemachten Bemerkungen genauer prüfen und ihr eine Fassung zu geben hat, die ihre Annahme durch den Hauptausschuß der Konferenz ermöglicht. Nachdem die Konferenz sich entschlossen hat. nicht den Weg sofortiger Radikallösungen zu beschreiten, war es besonders wichtig, daß vom deutschen Standpunkt nochmals klar zum Ausdruck gebracht wurde, daß die etappenweise Lösung nicht zu einer Umgehung und Verwischung des Zieles der allgemeinen Abrüstung, wie sie in Artikel 8 des Völkerbundspaktes vorgesehen ist, führen darf. In diesem Sinne hat Botschafter Nadolny in seinen Ausführungen sehr stark wieder den Gedanken in den Vordergrund gestellt, daß das leitende Prinziv der künftigen Arbeiten nicht die Begrenzung, sondern die Herabsetzung der Rüstungen sein müsse. Eine gewisse Anerkennung dieser Forderung bedeutete, wenn in der oben erwähnten Entschließung das Wort„Begrenzung" der Rüstungen nicht vorkommt. Es ist auch viel bemerkt worden, daß in der heutigen Debatte alle Redner nur mehr von einer„Herabsetzung“ gesprochen haben. Der deutsche Vertreter hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß die deutsche Regierung es lieber gesehen hätte, wenn die Konferenz sich dafür entschieden hätte, schon jetzt einem Schlag das Endziel der allgemeinen Abrüstung zu verwirklichen. Ein Erfolg Radolnys Genf. 18. April. Der vom Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz eingesetzte Redaktionsausschuß hat dem heute vormittag eingebrachten tschechoslowakischen Antrag eine Fassung gegeben, die das Konferenzziel wesentlich genauer bestimmt. In der neuen Fassung wird gesagt, daß das Konferenzziel schrittweise erreicht werden soll, nachdem die gegenwärtige Konferenz eine entscheidende Etappe für die allgemeine Rüstungsherabsetzung auf das niedrigstmögliche Niveau herbeigeführt habe.„Dieser Entwurf. der morgen ohne weiteres angenommen werden dürfte, trägt demnach den Hauptgesichtspunkten Rechnung, die Botschafter Nadolny heute vormittag geltend gemacht hat. Besprechungen mil Brüning * Genf. 18. April. Reichskanzler Dr. Brüning hat heute vormittag den dänischen Außenminister Dr. Munch empfangen. Im Anschluß hieran empfing der Reichskanzler den britischen Außenminister Sir John Simon. Nachmittags stattete Dr. Brüning dem Präsidenten der Abrüstungskonserenz, Henderson, einen Besuch ab Weiter hatte Reichskanzler Brüning abends eine längere Unterredung mit Grandi. Die Besprechung diente der ersten Fühlungnahme der Staatsmänner für die Behandlung der zur Debatte stehenden großen internationalen Fragen. Kurze Tagesneuigkeiten Zunahme der deutschen Doktor=Dissertationen * Berlin, 18. April. Im letzten Universitätsjahre ergab sich nach den neuesten Feststellungen eine ganz erhebliche Zunahme der Doktor=Dissertationen in Deutschland. Die aufsteigende Linie geht in ihrem Ursprung bereits auf das Jahr 1927 zurück und hat sich seit der Zeit ständig weiter bewegt. Im Jahre 1927 wurden an den deutschen Universitäten und Technischen Hochschulen 6299 Doktorarbeiten vorgelegt: 1928: 6400, 1929: 6456 und 1930: 6997 Arbeiten. Verleihung der Goethe=Medaille an Furtwängler * Berlin, 18. April. Aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums des Berliner Philharmonischen Orchesters hat der Herr Reichspräsident dem Generalmusikdirektor Dr. Wilhelm Furtwängler die Goethe=Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Goerdeler erwartet 20 Millionen Reichsmark Reichshilfe für Leipzig * Leipzig, 18. April. Der Leipziger Oberbürger= meister Goerdeler begründete am Montag den Leipziger Haushaltsplan für 1932. Der Haushaltsplan ist nur dadurch zum Ausgleich gebracht worden, daß eine Reichshilfe von 20 Millionen Reichsmark auf die Einnahmeseite gesetzt wurde. Gverdeler gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Reich angesichts der ungeheuren Wohlfahrtslasten, unter denen die Gemeinden erdrückt zu werden drohen, an einer Reichshilfe in erheblichem Ausmaß nicht vorübergehen könne. Baseler Kaufmann unter dem Verdacht der Devisenschiebung verhaftet * Lörrach, 18. April. Von den deutschen Grenzbehörden in Lörrach=Stetten wurde der Kaufmann K. aus Dasel festgenommen, der dringend verdächtig ist, die Devisen und Effektenbestimmungen verletzt zu haben. Die Staasanwaltschaft Lörrach hat seine sofortige Verhaftung angeordnet. Von den Berliner zuständigen Stellen war den Grenzbehörden mitgeteilt worden, daß K. im Februar und März für etwa 340000 Reichsmark Effekten in Berlin veräußert hat, die er in Basel vorher zusammengekauft hatte. Den Erlös hat K. dann nach Basel herübergebracht. Der Kaufmann, der in Lörrach eine kleine Niederlassung besitzt, in der er sich mit dem Handel von Chemikalien befaßt, leugnet bis jetzt jede Schuld. Geldbeträge wurden bei ihm nicht gefunden. Weitere Ausdehnung des Kreugerskandals? * London, 18. April.„Evening Standard“ will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die Untersuchung der Kreuger=Angelegenheit wahrscheinlich noch aufsehenerregende Enthüllungen über den Abschluß der Streichholzmonopole Kreugers mit verschiedenen Staaten bringen werde. Es handele sich dabei um Prämienzahlungen Kreugers an einflußreiche Privatpersonen, die den Abschluß der Monopolverträge in den betreffenden Staaten begünstigt haben sollen. Otto von Habsburg operiert * Brüssel, 18. Apvil. Ottovon Habsburg, der älteste Sohn des verstorbenen Kaisers von Ungarn, mußte sich heute einer Blinddarmoperation unterziehen. Die Operation wurde von dem Chirurgen Dr. von Haberger, Professor an der Universität Köln unter Assistenz von drei belgischen Aerzten ausgeführt. Die Operation ist gut gelungen, der Zustand des Patienten ist durchaus zufriedenstellend. Die Ueberschwemmungskatastrophe an der Save * Belgrad, 18. April. Die Nachrichten aus dem Ueberschwemmungsgebiet der Save lauten täglich ernster. Die„Prawda“ meldet die Bevölkerung sei von einer Panik ergriffen. Alle Schilderungen aus den heimgesuchten Gegenden würden durch die Wirklichkeit noch in den Schatten gestellt. In der Nacht zum Montag habe die Save die Dämme bei Mitrowitza und Obronsvatz gesprengt. Beide Städte seien völlig überschwemmt worden. In Mitrowitza seien noch im Laufe der Nacht fünf Häuser eingestürzt. Das Wasser reiche stellenweise bis an die Dächer der Häuser. 17 Tote bei einem Bergwerksunglück * London, 18. April. Infolge Ausbruchs von Feuer in dem Entlüftungsschacht eines Glimmer= Bergwerks in der Nähe von Patna(Indien) erlitten 14 Bergleute den Erstickungstod. Drei Bergleute wurden verschüttet und fanden ebenfalls den Tod. Ein nordargentinischer Bulkau erneut ausgebrochen * Buenos=Aires, 18. April. In der argentinischen Nordprovinz Salta ist der Vulkan Las ledras, der bei den Ausbrüchen der vergangenen Woche ebenfalls beteiligt war, erneut in Tätigkeit getreten und wirft Steine und Asche aus. Die Aschenwolken haben einen gewaltigen Umfang angenommen und lagern über den argentinischen Provinen Santa Fe, Corrientas, Entrerios, der Republik Paraguay und verschiedenen brasiliaulschen Südstaaten. Irgendwelche Menschenverluste sind auch in diesem Fall bisher nicht eingetreten. Große Unkerschlagungen bei der Oparrasse in Bremen * Bremen, 18. April. Am Sonntag förderte eine unvermutete Revision der Kasse der Sparkasse in Bremen Unterschlagungen des seit dem Jahre 1916 bei der Kasse tätigen Kassierers Meyer zutage, die sich nach den bisherigen Feststellungen auf rund 100000 RM. belaufen. Als Beamte in die Wohnung des Kassierers kamen, war diese bereits leer und Meyer geflüchtet. Inzwischen hat er durch Mittelspersonen und Mitteilung an die Polizei die Sparkassenleitung wissen lassen, daß er bereit sei, die Ursache dieser Verfehlungen aufzuklären. Er ist inzwischen jedoch verhaftet worden. Eine unhaltbare Lage Noch immer ist in der Oeffentlichkeit keine Beruhigung eingetreten über den gestern auch von uns veröffentlichten Artikel, mit dem ausgerechnet am Samstag. wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Hindenburg=Briefes, Reichsinnenminister Groener seinen Standpunkt in der Verbotsfrage zu begründen suchte. Ganz abgesehen davon, daß die Darlegungen des Ministers in keiner Weise die Bedenken zerstreuten die gegen die Einseitigkeit der neuesten Notverordnung erhoben werden müssen und die sich offenbar der Reichspräsident auch zu eigen gemacht hat, war der Zeitpunkt für die Veröffentlichung dieses Artikels so unpassend wie nur möglich. Dies ist den„zuständigen Stellen" des Reichsinneuministeriums inzwischen wohl auch selbst zum Bewußtsein gekommen, denn es wurde am Montag mitgeteilt, daß der Groenersche Artikel bereits fix und fertig vorgelegen habe als das Schreiben des Reichspräsidenten an den Reichsinnenminister bekannt wurde. Groener steht auf dem Standpunkt, daß seine Ausführungen auch sonst so interessant seien, daß kein Grund bestanden habe, sie zurückzuhalten. Man ist iin amtlichen Kreisen offenbar sehr betroffen darüber, daß einige Zeitungen den Artikel Groeners mit der Ueberschrift versehen haben „Groener gegen Hindenburg", und man beeilt sich festzustellen, daß von einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem Reichswehrminister und dem Reichspräsidenten keine Rede sein könne. Der Zeitpunkt, in dem der Artikel veröffentlicht wurde, läßt aber eigentlich gar keine andere Deutung zu, als daß der Reichsinnenminister seinen Standpunkt in der SA.=Frage nochmals unterstreichen wollte, auch nachdem Hindenburg bereits seine berechtigten Bedenken öffentlich geltend gemacht hatte. Natürlich nehmen wir keinen Augenblick an, daß Minister Groener es zu einer Kraftprobe kommen lassen will, über deren Ausgang kein Zweifel sein könnte. Wenn er aber durch die Veröffentlichung seines Artikels den Versuch gemacht haben sollte, seine Stellungnahme zu rechtfertigen. dann ister sehr unglücklich beraten gewosen. Der preußische Ministerpräsident Braun geht natürlich sofort einen Schritt weiter und nimmt die Antwort, die der Reichsinnenminister dem Reichspräsidenten nach der Prüfung des Materials geben wird, schon vorweg: Er„stellt fest“, daß von einem Verbot einer so verfassungstreuen Organisation, wie es das Reichsbanner ist natürlich keine Rede sein könne. Hier sieht esdochganz so aus, alsob die Sozialdemokratie durch ihren hervorragendsten Vertreter es wirklich zu einer Kraftprobe mit dem Reichspräsidenten kommen lassen wolle, denn es ist einbisher noch nicht dagewesener Vorgang, daß der Ministerpräsident eines Landes in dieser Weise die Entschlüsse der Reichsregierung und des Reichspräsidenten vorweg zu nehmen sucht. Das letzte Wort über diese Frage wird natürlich nicht jetzt, sondern nach dem 24. April gesprochen werden. Eine Entscheidung über die Forderung des Reichspräsidenten wird innerhalb des Reichsinnenministeriums so schnell noch nicht erfolgen. Wahrscheinlich wird die Prüfung des Materials einige Zeit in Anspruch nehmen, zumal die Referenten des Reichsinnenministeriums auf dem Standpunkt stehen, daß eine Fühlungnahme mit den Länderregierungen erfolgen müsse, um die Stichhaltigkeit des Materials zu prüfen. Ganz abgesehen davon aber wird sich auf die Länge der Zeit eine politische Entscheidung in dieser Frage nicht mehr umgehen lassen. denn trotz aller Verneblungsversuche hat die deutsche Oeffentlichkeit das richtige Empfinden, daß der Brief Hindenburgs an Groener eine empfindliche öffentliche Zurechtweisung des Reichsinnenministers und schließlich der Reichsregierung überhaupt bedeute, die sich in dieser Sache zu einem einstimmigen Beschluß aufgerafft hat. Wenn eine Regierung, um eine innenpolitische Auseinandersetzung zu vermeiden, sich zu einem so bedenklichen Schritt drängen läßt, dann beweist sie damit, daß sie von den Notwendigkeiten der deutschen Innenpolitik eine Auffassung hat, aus der sich nach den Preußenwahlen wahrscheinlich zwungsläufig Folgerungen ergeben werden. Lindbergh verdoppelt das Lösegeld * Newyork, 17. April. Wie mitgeteilt wird, wartete Lindbergh die ganze vergangene Nacht hindurch auf die Benachrichtigung, daß er zu einem bezeichneten Punkt fliegen solle, um das Kind gegen Zahlung von 50000 bis 100000 Dollar zurückzuerhalten. Eine Zeitung will von einer zuverlässigen Persönlichkeit erfahren haben, daß Lindbergh bei einer Newyorker Bank 100000 Dollar je zur Hälfte in Banknoten und Gold hinterlegt habe, die nur ausgezahlt werden sollen, wenn das Kind gleichzeitig zurückgegeben wird. MFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Der Bahlstiozag um Monlag Weitere Wahlreden * Berlin, 18. April. Mit Beginn der Woche vor den Wahlen wurde der Werbefeldzug der Parteien in verstärktem Maße fortgesetzt. In Erfurt sprach am Montag abend der deutschnationale Parteiführer Hugenbera. Er sorderte die Versammlung auf, am nächsten Sonntag der schwarz=roten Koalition die entscheidende Niederlage beizubringen. Das Volk solle mit gesunder Erbitterung die Hand ausstrecken nach dem, was ihm gebühre: Recht, Ordnung. Freiheit der Bewegung, Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeit und Zukunft für unsere Kinder. Alles das habe die schwarz=rote Herrschaft uns genommen. Die Deutschnationalen, so erklärte Hugenberg u. a., haben nach Kräften dazu beigetragen, die nationalistische Seele in den Nationalsozialisten stark der NSDAP. sei bereit, im gegenseitigen Einvernehmen mit der DNBP. die Niederringung des Marxismus und die Regierungsbildung der nationalen Front zu bewirken. In seinem Schlußwort umriß dann Schmidt=Hannover die Grundlagen und Voraussetzungen einer neuen, festeren Harzburger Front. Die nationale Opposition wäre heute bereits an der Macht und die SA. wäre nicht aufgelöst worden, wenn die NSDAP. während der Reichstagskämpfe des Oktobers und während der Präsidentschaftsverhandlungen die„# ernsten, auf Einheit und Macht der gesamten na=swerksbundes zur Preußischen Landtagswoh Elternvertretungen in die Schulverwaltungskör= per stimmt die Staatspartei zu. Die S PD. greift die Frage der Gleichberech. tigung der evangelischen Schule heraus, die sl. „unbedingt bejahen“ könne, falls die Forderungen des Reichselternbundes so gemeint sein sollten, daß man dieses Recht auch den Dissidenten zubilligen wolle,„wie wir überhaupt immer für Bleichberechtigung und Parität eintreten werden.“ Die Antworten der Wirtschaftspartei und der Nationalsozialisten auf die Fragen des Reichselternbundes lagen bis zu dem festgesetzten Termin noch nicht vor. Wahlaufruf des Westsälisch-Lippischen Handgen. Eine Entscheidung darüber, ob dem Antrag tattzugeben sei. könne zurzeit noch nicht erfolgen. weil der Vorsitzende des Staatsministeriums, Küchenthal sich zurzeit in Urlaub befinde. Aus demselben Grunde könne auch dem Wunsche Hitlers auf vorläufige Enthebung von seinen Amtsgeschäften noch nicht entsprochen werden. der Verdacht der nal.=soz. Betätigung tionalen Opposition abzielenden Vorschläge Dr. Hugenbergs berücksichtigt hätte. Ein Aufruf der VOB zur Preußenwahl Berlin, 18. April. Das Präsidium der Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutschlands zu machen. Wir haben es damit bezahlt, daß erläßt folgenden Aufruf:„Am 24. April geht es manche von uns zu ihnen hinübergelaufen sind. nicht Vein um den Lamuf von Parteien. Es gilt Zentrum und Sozialdemokratie aber kämpften hartnäckig darum, die nationalistische Seele in den Nationalsozialisten nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Sie lassen sie und uns nicht an die praktische Arbeit in der Regierung, sondern tun alles, um diese praktische Arbeit zu verhindern in der Hoffnung.„daß schließlich die Verzweiflung sich der vor Arbeitslosigkeit und Zukunftslosigkeit stehenden Jugend bemächtigen werde und daß dann diese Jugend hinüberschwenken werde in das Lager des Sozialismus oder Kommunismus. In Beuthen und Görlitz sprach am Montag der Führer der NSDAP., Hitler. Beuthener Stadion hatten sich etwa 35000 Zuhörer eingefunden. Bei der Wahl am 24. April, so erklärte Hitler, werde das Volk zu Gericht sitzen über die Taten, die die zurzeit Herrschenden geleistet hätten. Wenn die gegnerische Seite behaupte. der Nationalsozialismus werde eine neue Inflation bringen, so erwidere er, daß die Spezialisten der Inflation im anderen Lager zu suchen seien. Die deutsche Grenze im Osten werde von dem Tage an nicht mehr bedroht sein, an dem das Erwachen des deutschen Volkes eine starke nationalsozialistische Bewegung in Deutschland geschaffen habe. Gegenüber den Behauptungen, daß er ein Feind von Religion und Kirche sei erklärte er, daß der Herr seine Bewegung bisher gesegnet babe.. H tntm In Magdeburg hielt oer prannschweigische Innenminister Klagges eine Rede über das SA.=Verbot. Zur Vorgeschichte bemerkte er, daß die Konferenz der Innenminister der Länder nur ein Befehlsempfang bei Groener gewesen sei. In dem Brief des Reichspräsidenten an Groener erblicke er den Beginn einer neuen Dämmerung. In Hamburg sprach in einer volksparteilichen Kundgebung der Führer der DBP., Dingeldey. Seit dem vorigen Jahr habe alle politische Ueberlegung des deutschen Volkes und seiner Führer darauf gerichtet sein müssen, die Front im Innern zu schaffen, die stark genug sein würde, um den schweren Kampf um die Zerreißung der Ketten von Versailles erfolgreich durchführen zu können. Es sei eine Utopie, zu glauben, daß ein Teil des Volkes die Befreiung des ganzen Volkes erwirken könne dadurch, daß selbstverständlich, daß der Staat, von besonderen er den Fuß auf den Nacken des anderen Teiles Einzelfällen abgesehen, der Zusammensetzung setze. Die Vorstellung, daß es den Nationalsozialisten möglich wäre, im Reich und in Preußen allein und aus eigener Kraft jemals die Macht zu erringen, sei irrig. Wer in Deutschland an die Macht wolle, müsse sich mit der Tatsache abfinden, daß das nur in loyaler Bundesgenossenschaft zu erreichen sei. Der Redner schloß mit den Worten, daß in Deutschland regiert werden könne durch die Verbindung von sachlicher Erfahrung, politischer Besonnenheit und nationaler Gesinnung. In Görlitz sprach in einer Kundgebung der Staatspartei Reichsfinanzminister Dietrich. Er wandte sich u. a. scharf gegen die Versprechungen, die im Wahlkampf gemacht worden seien. In Deutschland werde nie eine Partei allein herrschen, auch die Nationalsozialisten nicht. Die Staatspartei wolle die junge Generation zu den Gedanken am Staat erziehen, denn der Staat sei die Voraussetzung für eine Wiedergesundung unseres Vaterlandes. Er sprach die Hoffnung aus, daß bei einem nicht„wilden" Ausfall der Wahlen eine Beruhigung eintreten und eine große Zahl Arbeitsloser wieder Beschäftigung finden würden. In Kreuznach führte in einer Wählerversammlung der Zentrumspartei der Abgeordnete Joos in einer Betrachtung der durch die Auflösung der Formationen der NSDAP. geschaffenen Situation folgendes aus:„Die Zentrumspartei hat in den verschiedenen Verlautbarungen der letzten Jahre betont, daß es vom Standpunkt der Wahrung der Staatsautorität aus unmöglich ist, wenn private Organisationen militärähnliche Parteiarmeen schaffen und damit Anlaß geben, daß Fronten im Volke gegeneinander gebildet werden. Sie hat darüber keinen Zweifel gelassen, daß nach ihrer grundsätzlichen Auffassung der Staat so stark sein muß, daß er alle Bewegungen niederzwingt, die seine Grundlagen zu erschüttern trachten, und daß es auch allein seine Aufgabe ist, Ordnung und Sicherheit aller Staatsanhörigen im Lande zu gewährleisten. Nachdem Rot=Front bereits vor Jahren aufgelöst und Reichs= und Länder=Regierungen sich nunmehr entschlossen haben, auch die Formationen der Nationalsozialisten zu beseitigen, ist eine Entwicklung eingeleitet, die unter verständiger Mitwirkung des ganzen Volkes zu einer allgemeinen Abrüstung im Innern führen muß. nicht aulein um den Kampf von Palleien. Es Hill die Entscheidung, ob die schwarz=rote Herrschaft über unser einst freies und reines Preußen unn damit die Gefahr des Unterganges auch für jeden einzelnen bestehen bleiben soll oder nicht. Preußen wählt die großen nationalen Parteien. die den Befreiungskampf gegen das uns entrechtende schwarz=rote System preußisch=kämpferisch zu fühe ren gewillt sind. Diese sind die DNBP. unter Führung Hugenbergs, des Gründers der Harzburger Front, und die NSDAP. Preußen liegt am 24. April im Befreiungslampf. Präsidium der Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutschlands. gez. Graf von der Goltz.“ Parteien und evangelische Elternschaft * Berlin. 18. April. Der Evangelische Pressedienst teilt mit: „Der Evangelische Reichselternbund hatte den politischen Parteien in Preußen seine Wahlforderungen unterbreitet, die u. a. die volle Gleichberechtigung der evangelischen Schule in einem kommenden Reichsschulgesetz, die Abwehr aller sie schädigenden Verwaltungsmaßnahmen, die Verwirklichung einer gerechten Parität bei Besetzung der Schulverwaltungsstellen und den Einbau einer geordneten Vertretung der Elternschaft in den Schulverwaltungskörper zum Ziele haben. Nach den bis jetzt vorliegenden Antworten haben die Deutschnationale Volkspartei, die Deutsche Volkspartei, der ChristlichSoziale Volksdienst, die Deutsch=Hannoversche Partei und die Christlich=Nationale Bauern= und Landvolkpartei die sämtlichen Fragen des Reichselternbundes bejaht, meist unter Berufung auf ihre bisherige parlamentarische Tätigkeit. Die Staatspartei macht gewisse Einschränkungen. Zur Frage der Gleichberechtigung verweist sie auf die Reichsverfassung. Eine Aufteilung der staatlichen Schulaussicht nach konfessionellen Gesichtspunkten(um die es sich bei den Fragen des Reichselternbundes nicht gehandelt hatte) lehnt sie ab. Dagegen betrachtet sie es als Eingersauen abgesehen, der Zusummensetzung der Bevölkerung Rechnung trägt. Dem Einbau von Zu den am 24. April ds. Is. stattfindenden Preußischen Landtagswahlen erläßt der Westfälisch=Lippische Handwerkerbund folgenden Wahlaufruf: Die bevorstehende Neuwahl des Preußischen Landtages ist nicht nur für die preußische Staatsund Kommunalpolitik, sondern zugleich für die künftige Reichspolitik von entscheidender Bedeutung. Der Freiheits= und Erhaltungskampf, den das selbständige Handwerk heute in Verzweiflung und Erbitterung mit dem Einsatz seiner letzten Kräfte zu führen hat, verlangt gebieterisch eine Abkehr von dem bisherigen für Staat und Volk unhaltbaren Zustand der Vernachlässigung elementarster Lebensinteressen der handwerklichen und übrigen mittelständischen Wirtschaft. Das Handwerk steht in schärfster Opposition zu jeglicher parteipolitischen Staatsführung und parteipolitisch durchsetzten Verwaltung, die der Erhaltung und dem Wiederaufstieg der für eine gesunde Staats=, Wirtschafts= und Sozialordnung unentbehrlichen Volksschichten und Berufsstände entgegenstehen. Nur eine weitgehende Aenderung der bisherigen Methoden der Wirtschafts=, Finanz= und Sozialpolitik kann auch die Grundlage einer gesunden und finanziell lebensfähigen Selbstverwaltung in Gemeinde und Gemeindeverband wieder herstellen. Die wahlberechtigten Angehörigen des selbständigen Handwerks werden daher aufgefordert, am 24. April nur denjenigen Parteien und Kandidaten die Stimme zu geben, die unbedingt willens und in der Lage sind, eine den Forderungen des Handwerks endlich gerecht werdende Politik herbeizuführen. Die beste Garantie für eine Politik der Berücksichtigung der Interessen des Handwerks ist die Entsendung von Handwerksvertretern in das Parlament. Das Handwerk muß diejenigen politischen Parteien bevorzugen, die Handwerker an aussichtsreicher Stelle aufgestellt haben. Handwerker, seht Euch die Wahllisten der politischen Parteien daraufhin an und wählt darnach, damit eine bessere Berücksichtigung der Wünsche des Handwerks durch die politischen Parteien und eine bessere Vertretung des Handwerks im Parlament gewährleistet wird! Wahlrecht ist Wahlpflicht! Westfälisch=Lippischer Handwerkerbund Dortmund. Das Disziplinarverfahren gegen Hitler * Brauuschweig, 18. April. Wie Minister Klagges der Telegraphen=Union auf Anfrage mitteilt, ist der Antrag Hitlers auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen sich selbst beim braunschweigischen Staatsministerium eingeganDie Belampfung der Gomlosendewegung 26000 deutsche Kinder sind in Gottlosengruppen zusammengefaßt Die Aufgabe von Schule und Kirche Festigung der Harzburger Front Berlin, 18. April. Der Lokalanzeiger berichtei aus Curhaven, daß dort im Verlaufe einer deutschnationalen Kundgebung, bei der Abg Schmidt=Hannover sprach, auch der Gauleiter der NSDAP. von Osthannover, Telschow, Mitglied des Reichstages, das Wort ergriff. Er habe den deutschnationalen Rednern für die ritterliche und verständnisvolle Art, mit der sie bei voller Betonung der vorhandenen Gegensätze das Verhältnis der Deutschnationalen zur NSDAP. behandelt hätten, gedankt. die vom Abg. SchmidtHannover an einem verletzenden hannoverschen SA.=Befehl geübte scharfe Kritik als berechtigt anerkannt und solche zur Bekämpfung der DRBP. und des Stahlhelms abgestellte Aeußerungen von Unterführern mißbilligt. Die Leitung Die gesetzlichen Bestimmungen haben die Bewegung wesentlich eingedämmt * Berlin, 18. April. Der Ministerialdirektor im Reichsinnenministerium, Dr. Haentzschel, sprach heute abend in der Deutschen Welle über das Thema:„Was tut der Staat zum Schutze der Religionsgesellschaften?" Der Redner führte aus: Der Kampf gegen die Kirche ist zum Bestandteil des politischen Kampfes geworden. Weil man auf kirchlicher und sittlicher Grundlage beruhende Glaubens= und Weltanschauungsgemeinschaften als Hindernis für die Entfaltung des Bolschewismus ansieht, deshalb sollen sie vernichtet werden. Um müheloser das äußere Staatsgefüge zerbrechen zu können, soll zuvor der innere, auf gemeinsamer geistiger und sittlicher Ueberzeugung beruhende Zusammenhalt der Nation erschüttert werden. Dann meint man, sei auch bei uns die Bahn frei für das bolchewistische Staatsexperiment. Der Generalstab der Gottlosenarmee, so führte Dr. Haentzschel weiter aus, befindet sich außerhalb Deutschlands, die deutschen Kommunisten sind nur willenlose, den ausländischen Drahtziehern geistig untergeordnete Werkzeuge. Die Zentrale ist die sogenannte„Internationale proletarischer Freidenker". Die Stammmutter der internationalen Gottlosenbewegung ist der im Jahre 1925 gegründete russische„Verband kämpfender Gottloser“. Er zählt in Rußland heute über fünf Millionen erwachsener und rund zwei Millionen junger Gottloser. Die deutsche Sektion der kommunistischen FreidenkerInternationale ist der„Verband proletarischer Freidenker Deutschlands“. Mit Hilfe dieses, von Moskau aus geführten Verbandes soll jetzt in Deutschland die geistige Zersetzung und Wühlarbeit gegen Gott, Kirche und Religion in die Tat umgesetzt werden. Mit großem Kostenaufwand wird eine ungeheure Propaganda durch Schriften, Film und Rundfunk entwickelt, wie sie sich auf die Dauer kein Staat gefallen lassen kann. Mit im Ausland gedruckten, in deutscher Sprache erscheinenden Schriften, wie z. B. der in Charkow erscheinenden Halbmonatschrift„Neuland“, wird revolutionärer Atheismus nach Deutschland hineingeschmuggelt. Die vom Moskauer Gewerkschaftssender in deutscher Sprache verbreiteten Rundfunksendungen aus der antireligiösen Universität und dem antireligiösen Museum daselbst dienen dem gleichen Zweck. Eine Rundfunksendung„Spaziergang durch das antireligiöse Museum“ wurde ausgerechnet zu Weihnachten zu uns herübergesunkt. Hand in Hand damit ging eine vom„Verband proletarischer Freidenker Deutschlands“ veranstaltete Anti weihnachtskampagne. Ein proletarischer Schallplattenverlag gibt sogenannte kommunistische Weihnachtslieder, wie„Der neue Stern“,„Gottlosenlied“ heraus. Darin werden Einrichtungen und Gebräuche der christlichen Kirchen verspottet und beschimpft. In den Arbeitervierteln der Industrie= städte werden Aufklärungsabende mit Lichtbildervorträgen veranstaltet mit Themen wie Kampf gegen die Pfaffen in der Sowjetunion", Pfaffenhetze einst und jetzt“,„Braucht das arbeitende Volk Religion?“ Kommunistische Bühnendarsteller wurden in besonderen Truppen zusammengefaßt und brin. gen religionsfeindliche Stücke und rote Revuen zur Aufführung. Ein besonders trauriges Kapitel ist die antireligiöse Propaganda unter den schulpflichtigen Kindern. Die Sechs= bis Zehnjährigen werden in„Roten Jungscharen“, die älteren in den„Roten Schulvorposten“ und den„Roten Jungpionie= ren“ zusammengefaßt. Die„Internationale Arbeiterhilfe“, die„Kampfgemeinschaft für rote Sportarbeit“, die„Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur“ und die„Rote Hilfe“, alles Hilfsorganisationen der Kommunisten, haben sich Kindergruppen angegliedert. Es sind jetzt nicht weniger als 26000 deutsche Kinder in solchen Jugendtruppen erfaßt. Ein Blick auf die Schulaufsätze der so beeinflußten Kinder zeigt daß hier eine sittliche Verwahrlosung der Jugend systematisch organisiert wird. Die Organisation der deutschen Gottlosen bewegung war ein wesentlicher Anlaß zum Erlaß der ersten Notverordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen im März vorigen Jahres. Durch eine weitere Verordnung wurde in das Lichtspielgesetz die Bestimmung aufgenommen, daß ein Film verboten werden kann, wenn er lebenswichtige Interessen des Staates verletzt. Auch dabei war nicht zuletzt an die alle sittlichen Fundamente des Staates untergrabende Gottlosenbewegung gedacht. Diese wenigen gesetzlichen Bestimmungen haben bereits den Erfolg gehabt, die Bewegung wesentlich einzudämmen. Die„Rote Fahne“ gestand am 1. Januai ein, daß z. B. die kommunistischen Theater= und Revuetruppen vor der Märzverordnung zurückgewichen und fast völlig aus der proletarischen Oeffentlichkeit verschwunden seien. Von den vor einem Jahr die Oeffentlichkeit noch lebhaft bewegenden Gottlosenversammlungen ist es still geworden. Trotzdem bleibt noch viel zu tun übrig. Besonders erschreckend ist die Propaganda unter den schulpflichtigen Kindern. Man wird dagegen nicht nur mit polizeilichen, sondern ebensosehr auch mit den geistigen Mitteln der Aufklärung zu arbeiten haben. Dies wird in erster Linie Aufgabe von Schule und Kirche sein. Kirche und Schule haben die drohenden Gefahren rechtzeitig erkannt und alles daran gesetzt, um ihnen zu begegnen. Kasseler Polizei=Oberleutnant verhaftet. * Kassel, 18. April. Ein Kasseler Blatt berichte: von der Verhaftung eines Polizeioberleutnants der Kasseler Schutzpolizei, der sich dadurch verdächtig gemacht haben soll, daß sich in einem Lokal gleichzeitig mit ihm ein in ein Schnellgerichtsverfahren verwickelter, jedoch freigesprochener nationalsozialistischer Referendar befunden habe. Der Oberleutnant, der bereits zehn Jahre im Polizeidienst tätig sei, sei beim Verlassen des Lokals von der Kriminalpolizei verhaftet und nach dem Popolizeipräsidium gebracht worden, wo er einem mehrstündigen Verhör unterzogen worden sei. Er habe später eine Verfügung des Polizeipräsidenten erhalten, die ihm jede Amtsverrichtung untersagte und das Betreten der Polizeikaferne verbot. Eine amtliche Stellungnahme zu dieser Angelegenheit liegt bisher noch nicht vor, wir hören aber, daß der Regierungspräsident einen Antrag auf Amtsenthebung des Polizeioberleutnants abgelehnt habe mit der Begrüdung, daß die zuständige preußische Regierungsstelle in Berlin hierüber die Entscheidung fällen müsse. * Kassel, 18. April. In der Angelegenheit des Kasseler Polizeioffiziers erfährt die Telegraphen= Union von durchaus zuverlässiger Seite, daß es sich um den Polizeioberleutnant Werner von der 2. Bereitschaft handelt. Der Grund für die vorübergehende Festnahme kann nach Ansicht der Beteiligten nur darin zu erblicken sein, daß leutnant Werner eine kurze Zeit mit einem Nationalsozialisten in dem betreffenden Lokal au einem Tisch gesessen hatte. Oberleutnant Werner hat inzwischen bei seiner Dienststelle gegen die an dem Vorgang beteiligten Beamten der politischen Partei Strafantrag wegen Freiheitsberaubung gestellt. Gaserkrankungen in Harburg * Hamburg, 18. April. Auf dem bei den Laudungsbrücken in Harburg liegenden Dampfer „Courier“ der Harburger Dampfschiffahrtsgesellschaft wurden Sonntag morgen 7 Uhr sieben Personen der Besatzung und ein Passagier durch Einatmen von Gas unwohl. Die Harburger Polizei gibt darüber folgenden Bericht: Am Sonntag morgen kurz vor 7 Uhr spürten mehrere Personen der Besatzung des Hamburg=Harburger Dampfers „Courier“, der an der hiesigen Anlegebrücke lag, plötzlich einen schwefelartigen säuerlichen Gasgeruch, der bei ihnen Hustenreiz und ein Uebelbefinden hervorrief. Bei einigen Personen stellten sich auch Kopfschmerzen ein. Nach Verlauf von zwei bis drei Minuten war der üble Geruch verschwunden. Ernste Erkrankungen sind nicht erfolgt, weswegen die betroffenen Personen auch ärztliche Hilfe nicht in Anspruch nahmen. Der Geruch war durch den Wind aus Richtung Wilhelmsburg herübergezogen. Obwohl sofort seitens der hiesigen und der Hamburger Polizei Ermittlungen angestellt wurden, konnte die Ursache des Gasgeruchs, der übrigens auf verschiedenen Teilen des Dampfers einen Niederschlag hervorgerufen hat, nicht festgestellt werden. Die Feststellungen wurden durch die Polizei und durch die Gesundheitspolizei Hamburg=Harburg fortgesetzt. * Hamburg, 18. April. Die eingehenden Untersuchngen der Sachverständigen haben bisher ergeben, daß die Gase, die sich auf dem Dampfer „Courier“ niederschlugen, weder von einem Betrieb in Hamburg noch in Harburg oder Wilhelmsburg stammen können. Man vermutet, daß sie sich in den Feuerungsanlagen des Dampfers selbst gebildet haben. Sklarek-Prozeß Die Wahrsagerin soll durch Lautsprecher vernommen werden. * Berlin, 18. April. Im Sklarek=Prozeß wurde heute über Zuwendungen verhandelt, die der Angeklagte Bürgermeister Schneider von den Sklareks erhalten haben soll. Der Vorsitzende brachte u. a. zur Sprache, daß ein Scheck über 5000 Mark gefunden sei, von dem die Anklage vermutet, daß Schneider diese Summe zum Erwerb einer Hypothek erhalten habe. Schneider bestritt den Empfang dieser 5000 Mark. Ihm hätten für eine Hypothek lediglich 500 Mark gefehlt, die ihm Max Sklarek verliehen habe, die er aber nach einiger Zeit wiedererhalten hätte. Die Frage des Vorsitzenden, ob Schneider oder seine Frau irgendwelche geldlichen Beziehungen zu den Sklareks gehabt hätten, verneint der Angeklagte. Darauf verlas der Vorsitzende einen Brief von Frau Sklarek an Schneider, der bei der letzten Haussuchung beschlagnahmt wurde und in dem die Absenderin von Schneider die Rückzahlung der geliehenen 5000 Mark verlangt. Schneider behauptet, von diesem Brief sei ihm nichts bekannt, er könne sich das alles nicht erklären. Dann wurden noch einige frühere Angestellte der Sklareks vernommen, darunter die Chauffeure, die alle diejenigen Mitglieder des Magistrats, die bei den Sklareks ein= und ausgingen, gefahren haben. Der Chauffeur Schreiber bekundete, daß viele dieser Magistratsmitglieder mit Vorliebe die Hintertreppe benutzt hätten, wenn sie zu den Sklareks gekommen seien. Noch vor Schluß der Beweisaufnahme soll die Wahrsagerin Seidler wegen Kränklichkeit in ihrer Wohnung vernommen werden. Da der Schlafraum, in dem sich Frau Seidler aufhält, nur für wenige Personen Platz bietet, soll bei der Vernehmung eine Lautsprecheranlage aufgestellt werden, so daß ihre Aussagen durch die ganze Wohnung zu verstehen sein werden. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Bei schwachen, in Richtung wechselnden Winden stärkere Bewölkung, erst später strichweise längere Aufheiterung, für die Jahreszeit kühl. der deutschsprachigen Ein neuer Monstreprozeß Der Prozeß um den Zusammenbruch der Bank für deutsche Beamte * Berlin, 18. April. Vor der großen Hilfsstrafkammer begann heute die auf mehrere Monate berechnete Hauptverhandlung gegen den Kaufmann Weber und Genossen. Es handelt sich um die zweiselhaften Geschäfte der Bank für deutsche Beamte. die mit Millionenverlusten Ende Oktober 1929 zusammengebrochen war. Durch diesen Zusammenbruch wurde die deutsche Beamtenschaft stark in Mitleidenschaft gezogen. Eine Bildersälschungsaffäre größten Ausmaßes spielt in diesem Prozeß eine wesentliche Rolle. Angeklagt sind die Kaufleute Alois Weber und Treumann, der Makler Egon von Buchwald, der früher Ramrath hieß, der Kunstmaler Professor Jacques Kende und der Prokurist Paul Höpfner. Die Bank für deutsche Beamte ist aus einer Beschaffungsstelle hervorgegangen, die der Postfiskus im Jahre 1919 für die Bekleidung der Reichspostbeamten eingerichtet hatte. Ihre Leitung hatte der Postinspektor Joseph Weber, dessen Bruder Alois die Führung der Bank übernahm. Das Institut ließ sich seit 1925 in recht bedenkliche Geschäfte ein, die außerhalb ihres eigentlichen Arbeitsgebietes lagen. Sie erwarb und lombardierte Bilder alter Meister, die durch recht zweiselhafte Gutachten für echt erklärt worden waren. So erhielt eine Frau von Schwarzenberg, die angeblich ein Gemälde von Leonarda da Vinci: „Die Heilige Familie“ besaß, gegen eine Option auf den Verkauf des Bildes einen erheblichen Kredit. Das Bild, mit dem Weber auch nach Amerika fuhr, wurde von den verschiedensten Seiten als eine Fälschung bezeichnet. Dieses Geschäft kostete die Bank 138000 Mark. Noch größere Verluste erwuchsen der Bank durch die Bildergeschäfte, die Weber mit dem Lombardhaus Bitterlich machte. Der Angeklagte Treumann, der sich als Kapitän der Hapag ausgab, obwohl er nur früher Zahlmeisterstellvertreter gewesen war bei den Verhandlungen trat er mit einer Kapitänsmütze auf— bot dem Lombardhaus und durch dieses Weber zehn z. T. angeblich schon verkaufte Bilder an, auf die ein Kredit gewährt werden sollte. Ueber diese Bilder lag ein Gutachten des Professors Kende vor, in dem eines davon als ein echter Sarto im Werte von 1 bis 2 Millionen Mark bezeichnet wurde. Nach und nach kamen zu den ersten zehn Bildern noch weitere 49 hinzu, für die von der Bank ein Lombardkredit von insgesamt etwa 680000 Mark gewährt wurde. Schließlich trat ein Prinz Hohenlohe als Käufer der gesamten Sammlung auf. erwarb sie um 2 Mill. Mark, welcher Betrag ihm von der Bank als Kredit eingeräumt wurde. Prinz Hohenlohe war aber wegen Verschwendungssucht entmündigt, und die Bank mußte ihn aus dem Vertrag gegen Rückzahlung von 100000 Mark entlassen. Der Gesamtschaden aus dieser Transaktion betrug etwa 2½ Millionen Mark, er erhöhte sich noch durch andere ähnliche Geschäfte. Schulrat Meyer wird nicht freigelassen * Memel, 18. April. Ministerpräsident Tubelis gewährte hier Pressevertretern eine Unterredung. Auf die Frage des Vertreters des Memeler Dampfbootes, wieweit sich die Auswirkung der Wirtschaftskrise bei den Einnahmen aus den Zöllen und Aktiven bemerkbar machte, antwortete der Minister, die Einnahmen des litauischen Staates seien infolge der Krise in erheblichem Maße zurückgegangen. Man werde damit rechnen müssen, daß die Einnahmen in diesem Jahre um über 50 Mill. Lit geringer sein würden als bisher. Außerdem stellte der Vertreter des genannten Blattes die Frage, ob es nicht möglich sei, daß der gefangengehaltene Schulrat Meyer, bei dem weder Fluchtverdacht noch Verdunkelungsgefahr vorliegt, freigelassen werden könnte. Der Ministerpräsident erwiderte, daß der Fall Meyer jetzt eine Angelegenheit der Staatsanwaltschaft sei und nicht Sache der Regierung. Ein Schiff telefoniert um den halben Erdumfang Erstannliche funktelephonische Leistungen des Dampfers„Europa“. Die Funkstation an Bord des Norddeutschen Lloyddampfers„Europa“ bekannt durch ihre vollkommene, dem neuesten Stand der Technik angepaßte Ausrüstung, macht wieder von sich „reden". Auf der letzten Reise von Newyork nach Bremen gelang ihr eine gute telephonische Gegensprechverbindung auf Kurzwellen mit der Küstenstation Norddeich=Radio über eine Entfernung von 2600 Seemeilen, also fast von der amerikanischen Küfte ab. Die Sprechversuche wurden auf der ganzen Reise aufrecht erhalten, und die Verständigung war so ausgezeichnet, daß NorddeichRadio eine Verbindung mit dem Ueberseeamt in Berlin und der Großfunkstelle in Nauen herstellte, um die Fernsprechversuche vom Schiff nach dem fernen Osten und nach Südamerika auszudehnen. Der Dampfer wurde auf obigem Wege zunächst mit der Telefunkenstation Bangkok in Siam verbunden. In halbstündiger Unterhaltung wurde festgestellt daß die Sprachqualität die des normalen Fernsprechens mit sehr guter Lautstärke erreichte. Am nächsten Tag wurde von der Telesunkenstation der„Europa" telephonische Verbindung mit Rio de Janeiro ausgenommen, gleichfalls über Norddeich—Ueberseeamt Berlin— Nauen. Auch hier war die Verständigung beiderseits einwandfrei. Es wurde deutsch, spanisch und portugiesisch gesprochen. Arbeitsfragen Entlassung von weiteren 2000 Bergleuten im Saargebiet * Saarbrücken. 16. April. Wie die französische Generaldirektion der Saargruben den Vertretern der Bergarbeiterorganisationen mitgeteilt hat, sollen am Dienstag. dem 19. April, weitere 2000 Bergleute zur Entlassung kommen. Außerdem wird die Grube Hostenbach stillgelegt. Die Organisationen wollen gegen diese neue Maßnahme der Verwaltung sofort Schritte unternehmen. Mit den neuen Entlastungen beträgt die Zahl der in den letzten vier bis fünf Wochen entlassenen Bergleute 5000. Nus Nanl aud Arels Schwelm, 19. April. (=) Bei Mitgliedern des ehemaligen Rotfrontkämpferbundes, kommunistischen Sportorganisationen und der„Andifa“ wurden heute morgen um 10 Uhr in ganz Preußen einheitlich Hausuchungen von der Polizei auf Anordnung des preußischen Innenministeriums vorgenommen, weil der Verdacht besteht, daß diese Nachfolgeorganisationen des verbotenen Rotfrontkämpferbundes sind. Auch in Schwelm wurde heute morgen diese Anordnung durchgeführt. Ueber das Ergebnis ist noch nichts bekannt. :: Vorträge für Erwerbslose am Mittwoch nachmittag 5 Uhr im Realgymnasium. Herr Vittinghoff wird eine große Zahl von Lichtbildern aus Schwelm und der Umgebung zeigen mit interessanten neuen Motiven. Der Vortrag wird empfohlen nicht nur den Heimatfreunden, sondern auch den Liebhabern der Photographie. Die Straßensammlung für die Deutschen Jugendherbergen hatte in Schwelm, trotz der schweren Zeit, das erfreuliche Ergebnis von 191.04 RM. Allen Spendern recht herzlichen Dank für reundliche Unterstützung dieser so wichtigen Jugendsache. Die Haussammlung. die der Preußische Staatskommissar zur Regelung der Wohlahrtspflege dem Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen e. V. zugunsten des Jugendherbergwerkes vom 16. April bis 1. Mai genehmigt hat, wird erst am 2. Mai abgerechnet. Das Ergebnis wird dann in der Zeitung bekannt gemacht werden. Die Sammlung ist auch in Schwelm polizeilich genehmigt und wird von der hiesigen Ortsgruppe durchgeführt. Es wird gebeten, dieses wichtige Jugendwerk, das ja der gesamten deutschen Jugend dient, zu unterstützen. Mitgliedskarten und Bleibenausweise für Jugendliche werden nach wie vor bei Herrn Lehrer Brenner, Bahnhofstr. 53, und im Reformhaus Haussels. Kaiser Friedrichplatz, ausgestellt. * Keine kleineren Fünfmarkstücke. Der Wunsch des Reichsrates die Ausprägung von weiteren 100 Millionen Mark in Fünfmarkstücken so vorzunehmen, daß die neuen Münzen verkleinert werden, kann aus technischen Gründen nicht berücksichtigt werden. Die Fünfmarkstücke für den vorgesehnen Betrag werden weiter in der alten Größe zur Ausprägung kommen. Die„Landplage“ der großen schweren Münzen, die sogar schon so viele Taschen und Portemonnaies ruiniert haben, bleibt also weiter bestehen.— Von den Vier=Pfennig=Stücken sind für rund eine halbe Million Mark ausgeprägt worden, für 1½ Millionen stehen noch aus. Auch das Vier=PfennigStück, das die Pfennigmünze in der Preis= und Lohnabbauaktion wieder zu Ehren bringen sollte, aber viel zu spät herausgekommen ist, erfreut sich nicht großer Beliebtheit. Es ist zu groß, gibt, wenn es neu ist, leicht zu Verwechslungen mit der Mark Anlaß und wird dann sehr schnell schwarz. Die aus Aluminiumbronze hergestellten 5- und 10=Pfennig=Stücke behalten ihren Glanz bedeutend besser. * Fernsprechverkehr mit Rußland. Der Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und USSR wurde am 5. Avril 1930 nur zwischen Berlin und Moskau über Riga ausgenommen. Nunmehr sind zwischen Berlin und Moskau zwei unmittelbare Fernsprechleitungen hergestellt worden, über die vom 10. April an der Sprechverkehr zwischen allen deutschen Orten und Moskau sowie Leningrad abgewickelt werden kann. Zugelassen sind alle auch sonst üblichen Gesprächsarten mit Ausnahme der Blitz= und Festzeitgespräche. Für ein gewöhnliches Gespräch von 3 Minuten Dauer in der verkehrsreichen Zeit zwischen der 1. deutschen Zone und Moskau oder Leningrad werden 8 Mark erhoben. Für jede weitere deutsche Zone von 100 Kilometer Tiefe erhöht sich diese Gebühr um 0,50 Mark. Die weiteren Einzelheiten sind beim zuständigen Fernsprechamt zu erfragen. Milspe, 19. April. Bautätigkeit. Augenblicklich sieht es recht trübe auf dem Baumarkt aus. Bei den im vergangenen Jahr angefangenen Bauten blieben zum Teil die Gelder aus, die man für dieses Frühjahr erwartet hatte. Das eigene Kapital hat zumeist nur dazu gereicht, das Grundstück zu erwerben und vielleicht noch das Kellergeschoß zu errichten, wie das bei den Wohnhausbauten Habich an der Eichenstraße und Bovermann u. Osenberg an der Hardt der Fall ist. Das Wohnhaus Deppe am Strückerberg braucht nur noch verputzt zu werden. Einige Neubauten sind aber auch in diesem Jahre vorgesehen und zum Teil schon in Angriff genommen. Der Klempnermeister O. Weuster von hier baut gegenwärtig an der Kirchstraße neben der„Himmelsleiter“ ein Wohn= und Geschäftshaus. Der Witwe Kramer, Vorwerk, wurde die Baugenehmigung zur Errichtung einer Scheune und eines Schuppens erteil. An weiteren Bauvorhaben sind zu nennen ein Wohnhaus von W. Kaltenbach am Strückerberg, kleine Ställe und Einfriedigungsmauern. Das Wochenendhaus O. Klump an der„hölzernen Klinke“ geht langsam der Vollendung entgegen. Im südlichen Gebiet unserer Gemeinde wurden im letzten Jahre mehrere Wochenendhäuser errichtet. Natürlich werden die besonders schön gelegenen Gegenden bevorzugt; so finden wir z. B. eins an der Heilenbecker Talsperre und im Spreel, am Saalberg gibt es sogar schon drei.— Die Straßenarbeiten an der Rüggebergerstraße schreiten rasch voran, zum Teil sind die Wasserleitungsrohre schon ausgewechselt. Doch fehlt für nötige Arbeiten an der Berninghauser= und Eichenstraße das Geld, trotzdem gerade diese Verkehrswege dringend der Ausbesserung bedürfen und schon lange auf einen Beschluß der Gemeindevertretung warten. Die Arbeiten an dem Wege Homberg—Oertchen—Hal= bachshäuschen ruhen schon seit Beginn des neuen Jahres, und zur Hälfte fertig liegt der Weg da. Nur an dem Wege zum Waldheim am Neuenlande werden zurzeit einige Ausbesserungsarbeiten vorgenommen und zwar vom evangelischen Männerund Jünglingsverein, der diese Arbeiten aus eigenem Antrieb und mit eigenen Mitteln ausführt. ::: Guter Erfolg des Jugendherbergstages. Im Rahmen des Reichsopfer= und Werbetages für die deutsche Jugendherberge veranstaltete die hiesige Ortsgruppe eine Sammlung. Am Samstag nachmittag und während der Hauptverkehrsstunden am Sonntag wurde auf den Hauptstraßen gesammelt. Ein Werbeauto, das mit Plakaten beklebt Tchulrrans Kaussant Lehrer als Funkhelfer— Eine sechsjährige Entwicklung Wie die Zentralstelle für Rundfunk in einem Gutachten an den preußischen Unterrichtsminister ausführt, hat der Schulfunk während seiner sechsjährigen Entwicklung in der Arbeit der Schule, aber auch der des Rundfunks, eine besondere Bedeutung erlangt. Die Schulen beziehen die Darbietungen des Schulfunks in steigendem Maße in ihre Unterrichtsarbeit ein. Von insgesamt rund 55 000 Schulen sind gegenwärtig bereits 20000 mit etwa 70000 Lehrern und 2,5 Millionen Schülern in der Lage, am Schulfunk teilzunehmen. Davon sind 10000 Schulen mit amtlichen Rundfunkgeräten ausgestattet, während in den übrigen 10000 Schulen die Lehrer ihr privates Gerät der Schulfunkarbeit zur Verfügung stellen. Die Lehrerverbände behandeln auf ihren Tagungen und in ihren Lehrgängen die methodisch=pädagogischen Fragen der Rundfunkarbeit in der Schule, und die pädagogische Fachpresse nimmt zu den Funksendungen regelmäßig Stellung. Dieses Interesse wird dadurch gefördert, daß die Unterrichtsverwaltungen Schulfunklehrgänge für die Lehrerschaft veranstalten. Die deutschen Sendegesellschaften sind ausnahmslos am Schulfunk beteiligt; die Reichs=Rundfunk=Gesellschaft selbst hat sich des Schulfunks angenommen. Reichs=Rundfunk=Gesellschaft und preußisches Kultusministerium haben die Zentralstelle für Schulfunk gegründet, die seit dem 1. Juli 1930 der Reichs=Rundsunk=Gesellschaft angegliedert ist. Der Schulfunk will die Schuljugend in eine enge Berührung mit dem Gegenwartsleben von Politik und Kultur bringen. Deutsche Dichter sprechen zur Jugend, bekannte Forscher erzählen von Reisen und Erlebnissen, Führer der Wirtschaft. der Technik, der Wissenschaft und des Staats sprechen über ihr Werk und ihr Leben, Hörberichte geben lebendige Bilder von den wichtigsten Stätten deutscher Arbeit und Kultur, künstlerisch vorbildliche Aufführungen von Dramen und Musikwerken gehören zu den Sendungen des Schulsunks. In letzter Zeit wurden insbesondere Schul sunksendungen durchgeführt, die in den Dienst der staatsbürgerlichen Erziehung gestellt wurden; es wurden Gegenstände behandelt, an denen die Verbundenheit des Einzelnen mit dem Leben von Volk und Staat den Schülern vor Augen geführt wurde. Von besonderer Bedeutung ist der Schulsunk für die entlegenen Schulen, die sonst am wenigsten die Möglichkett haben, außerhalb des Rund sunks solche Veranstaltungen zu bieten. Aus die sem Grunde haben die Unterrichtsbehörden be der Verteilung der staatlichen Beihilfen in erster Die Gebühren zu hoch! Linie die Landschulen berücksichtigt. Aus staatssolitischen Erwägungen wurde diese Förderung besonders auf die Grenzgebiete konzentriert. Ein Beweis dafür, daß der Schulfunk Pionier= arbeit für die Ausbreitung des Rundsunks geleistet hat, liegt in der Beobachtung, daß Hörgemeinden sich auflösten, weil die Mitglieder, angeregt durch gemeinsame Rundfunkabende in der Schule, sich selbst Geräte anschafften. Die Lehrer sind in vielen Fällen als Funkhelfer tätig. Der preußische Unterrichtsminister hat diese Entwicklung durch einen Erlaß unterstützt, in dem er, einer Anregung der Reichs=Rundsunk=Gesellschaft folgend. die Lehrer zur Funkhilfe aufforderte. Dieser erfreulichen Entwicklung stellen sich in süngster Zeit trotz der immer größeren Bedeutung große Hindernisse in den Weg: die Mittel vieler Schulen sind oft so gering bemessen, daß die jährliche Rundfunkgebühr von 24 Mark für sie nicht mehr tragbar ist. Der gesamte Lehrmitteletat beträgt in vielen Landschulen nicht mehr als 50 Mark jährlich. Es geht nicht an, dafür 24 Mark für Rundsunkgebühren und den Rest für Reparaturen und Auffrischungen des Geräts auszugeben, so daß für die andern Lehrmittel nichts übrig bleibt. Da sich der deutsche Schulfunk zum großen Teil auf Schulen stützt, die bei ihren geringen Etatsmitteln die Rundfunkgebühren nicht mehr zahlen können, besteht die Gefahr des plötzlichen Absinkens der Zahl seiner Teilnehmer. Dadurch würde ein Faktor des deutschen Rundfunks ausgeschaltet, der seine Bedeutung für die Gesamtentwicklung des Rundfunks schon bewiesen hat. Je mehr die Schulen überall durch Kürzung ihrer Etatsmittel in ihren Unterrichtsmöglichkeiten beschränkt werden. um so größer wird natürlich die Bedeutung des Schulfunks. Allgemeine und volkswirtschaftliche Gründe sprechen gleichfalls für die Erhaltung und Förderung des Schulfunks: die in etwa 20000 Schulen in Funkanlagen investierten Geldmittel würden brachliegen. Gerade in den Grenzgebieten würde das wertvolle Band zwischen den Grenzschulen und den politischen und kulturellen Mittelpunkten Deutschlands zerrissen werden. Der preußische Unterrichtsminister hat unter Bezugnahme auf das Gutachten der Zentralstelle für Schulfunk den Reichspostminister gebeten, den Schulen und den übrigen Bildungseinrichtungen sach dem Beispiel anderer Länder, wie Italien olle Gebührenfreiheit zu gewähren oder die Ge ühren wesentlich herabzusetzen. Der Städtetag at den dankenswerten Schritt des Unterrichts itnisters seinerseits bei der Reichsregierung unterstützt. Deutschlands ständiger Vertreter bei der Abrüstungskonferenz. Der Leiter der Luftfahrtabteilung des Reichsverkehrsministeriums, Ministerialdirektor Ernst Brandenburg, ist vom Reichspräsidenten zum ständigen deutschen Vertreter bei der Genfer Abrüstungskonferenz ernannt worden. war, und auf seiner Fahrt durch Milspe, Altenverde, Schwelm und Rüggeberg Flugblätter verteilte, unterstützte die Sammler tatkräftig. Die jungen„Freischärler" und„Pfadfinder" warben eifrig und brachten volle Sammelbüchsen ein. Das Ergebnis der Sammlung ist für die heutige schlechte Zeit erfreulich hoch, ein Beweis dafür, daß die Arbeit des deutschen Jugendherbergsverbandes sich größter Beliebtheit erfreut. Der Ertrag wird zum Teil dazu verwendet, für die hiesige Jugendherberge Sprungfedermatratzen anzuschaffen, zum Teil fließt er nach Hilchenbach, wo aus dem Ergebnis der Sammlungen im ganzen Reich eine neue Jugendherberge errichtet wird. Voerde, 19. April. Einen bedauerlichen Unglücksfall erlitt die 66jährige Landwirtsfrau Emma Asbeck zu Ebbinghausen, Gemeinde Voerde. Die Genannte hatte aus dem Hühnerstall Eier geholt und kam auf dem Rückwege so unglücklich zu Fall, daß sie sich am linken Bein einen Kniescheibenbruch mit Bluterguß zuzog. Nach vorheriger Inanspruchnahme des Arztes Dr. Schuppert mußte die Verletzte dem Gevelsberger Krankenhause zugeführt werden. Rüggeberg, 19. April. Eine Rundfunkübertragung aus Rüggeberg. In der nächsten Zeit wird der hiesige Schülerchor im Schulfunk des Westdeutschen Rundfunks singen. Herr Lehrer Altenhenne, der erst kurze Zeit hier ist, hat es verstanden, den Schülerchor zu einem Klangkörper heranzubilden, der sich wohl hören lassen kann. Am letzten Sonntag sang der Chor im Gottesdienst. Wie man hört, hat der Abnahmebcamte des Westdeutschen Rundfunks schon das Probesingen abgenommen. Gevelsberg, 10. April. * Ein Unglück kommt selten allein. Der Installateur Sp. fiel bei der Ausführung von Installationsarbeiten von der Leiter und brach sich den Oberschenkel. Am gleichen Tage wurde seine Ehefrau auf der Ennepebrücke von einem Lastzug angefahren und an Kopf und Schultern erheblich verletzt.— Eine Frau stürzte beim Feusterputzen aus dem Fenster eines Hauses an der Hagenerstraße auf den Hof und zog sich einen Armbruch zu. * Eingebrochen wurde in der Nacht zum Samstag in den Zigarren=Pavillon Ecke Mittel= und Brunnenstraße. Die Diebe drangen durch die herausgenommene Türfüllung ein und stahlen Waren für 200 Mark. Haßlinghausen, 19. April. :: Gewerbliche Berufsschule. Der Unterricht an der gewerblichen Berufsschule in Haßlinghausen hat am 11. April ds. Is. begonnen. Alle im Amtsbezirk Haßlinghausen beschäftigten gewerblichen Arbeiter(Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge und Fabrikarbeiter) sind verpflichtet, die gewerbliche Berufsschule an den für sie festgesetzten Tagen zu besuchen und an demUnterricht teilzunehmen. Der Unterricht findet Montags von 2 bis 8 Uhr nachmittags in der Schule„Grüner Weg" in Haßlinghausen statt. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß sich die Berufsschule an die Volksschule anschließt; es sind deshalb auch diejenigen Knaben, welche noch keine Arbeit gefunden haben, schulpflichtig. (=) Landtagswahl am 24. April. Für die Gemeinden des Amtes sind 5 Abstimmungslokale festgesetzt worden und zwar für Haßlinghausen die Wirtschaft Heinrich Jansen, Wittenerstraße, für die Häuser Nr. 1 bis 107, 181, 188, 216 bis 290, 334, 335 bis 348 und Adolf Spratte Schmiedestraße, für die Häuser 108 bis 180, 182, 183a bis k. 184 bis 215, 291 bis 333 und 334a. Gennebreck: Abstimmungslokal Witwe vom Lehn, Herzkamp. Haus Nr. 1 bis Schluß. Linderhausen: Abstimmungslokal H. Flokkenhaus, Heide, Haus Nr. 1 bis Schluß. Hiddinghausen I und II: Abstimmungslokal K. Schievelbusch, Hiddinhausen 1I für sämtliche Einwohner der beiden Gemeinden. Die gelben Wahlausweise sind mitzubringen. Es wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß am Sonntag von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags gewählt wird. Gehe daher jeder zeitig zur Wahl. Sprockhövel, 19. April * Der Bürger= und Gesangverein Sprockhövel ehrt seine goldenen Jubilare. Am Sonntag hatte der Bürger= und Gesangverein fünf Jubilare in einer Mitte versammelt, um in schlichter Feier eine Ehrung dieser Herren vorzunehmen. Es handelt ich um die Sangesbrüder Heinrich Schau, Heinrich ehmhaus, Hugo Leveringhaus, Gustav Hochstrat ind Gustav Homberg. Wegen Krankheit waren die Jubilare Richard Bäcker und Heinrich Eickermann erhindert. Der Ehrenvorsitzende Ludwig Lehm saus, selbst im Verein alt geworden, ließ nochmal die Vereinsgeschichte in einer Ansprache in kurzen 4]*P P4 Mikrotilmarchin der deutschsprachigen Presse e.V. Zügen vorbeiziehen. Der Verein seiert im kom menden Jahr sein 75. Wiegenfest. Die gesamte Bürgerschaft hat an den Veranstaltungen dieses, den deutschen Männergesang pflegenden stets den regsten Anteil genommen. Eine Urkunde in Goldrahmen wurde als Andenken mit nach Haus genommen. Möge es den Jubilaren noch recht lange vergönnt sein, ihr Interesse an dem Bürgerund Gesangverein zu bekunden. Volmarstein, 19. April. * Gut abgelaufen. Hier verlor ein Lastwagenführer plötzlich die Gewalt über die Bremsen und fuhr in rasendem Temvo die abschüssige, kurvenreiche Hegestraße hinunter. Der Fabrgrzgrung eisteverggagen zur verlieren, nicht die vrsetzen Kurve, etwos overbal) Wahen den Berg binauf auslaufen lassen, kam aber dem Hause Schrath nahe, daß er Mauer und Zaun umriß. Dadurch kam aber auch gleichzeitig der Wagen zum wodurch größeres Unglück vermieden wurde. Hattingen, 19. April. * Das alte Lied. Beim Abspringen von der ein junger Mann zu Fall. Glücklicherweise erlit schreckung Statistiken über die Unfälle, die durch Ab- und Aufspringen verursacht sind, veröffentlicht. Diese Zahlen sprechen erschütternde Tatsachen aus. Westsalen, Rheinland und Nachbargreiern * Hagen, 18. April.(Böser Ausgang einer Autospritztour.) Zwei Eckesey faßten in der Samzztaggg#cht gehobener Stimmung den Besch##p, eine Auf tour zu unternehmen. Einer von den Beteiliszen war wohl noch im Besitz eines Schlüsser## de Autogarage seines früheren Arbeitgebers in Eckesey, und so lag der Ausführung des Planes nichts im Wege. Als die beiden unterwegs waren, trat auf der Dortmunderstraße während der Fahrt an dem Kabriolett plötzlich eine Reisenpanne ein. Dabei verlor der Fahrer die Gewalt über den Wagen und das Fahrzeug stürzte in den Straßengraben, wo es liegen blieb. Der Fahrer erlitt eine Brustquetschung und Kopfverletzungen, die seine Aufnahme in das Boeler Krankenhaus erforderlich machten. Der Begleiter kam mit Hautabschürfungen davon. Ein gerichtliches Nachspiel wiro 4 Hagen, 18. April.(Kommunales Elektrizitätswerk Mark.) In der Hauptversammlung des Kommunalen Elektrizitätswerkes Mark wurde mitgeteilt, daß sich das abgelaufen Geschäftsjahr verhältnismäßig günstig entwickelt habe. Bemerkenswert ist, daß im vergangene Jahr mit der Errichtung eines druckkesselhauses begonnen wurde, das etwa Mitte 1932 in Betrieb genommen werden soll. Davurch hofft man, den durch die Preissenkung und durch Kundenschwund zu erwartenden Einnahmeausfall ausgleichen zu können. Auch im neuen Geschäftsjahr war die Entwicklung des Unternehmens durchaus befriedigend. * Witten, 18. April.(Von einer einstür. zenden Mauererschlagen.) Auf dem Gelände der früheren Utermannschen Gasfabrik geriet der Maurermeister Alfred Mattheis aus dem Stahlwerk Stockum unter eine einstürzende Mauer. Mattheis hatte die Absicht, Steine auf Abbruch zu kaufen. Als er sich an Ort und Stelle über die Einzelheiten unterrichten wollte, wurde er auf bisher noch ungeklärte Weise von der einstürzenden Mauer erfaßt und auf der Stelle ge* Bochum, 19. April.(Rau büberfallam hellichten Tage.) Gestern nachmittag gegen 13,30 Uhr wurde auf die Filiale der Firma Hill an der Ecke Brück= und Augustastraße ein dreister Raubüberfall verübt. Der Täter, ein 23jähriger junger Mann aus Bochum, betrat mit einem Messer in der Hand und einem Taschentuch über die untere Gesichtshälfte den Laden. Er forderte die anwesenden Verkäuferinnen auf, sich in die Ecke zu stellen, begab sich zur Kasse und entnahm dieser rund 100 Mark. Eine Verkäuferin verließ aber den Laden und rief um Hilfe. Darauf gelang es zwei Schutzpolizeibeamten, den Täter auf der Flucht kurz nach dem verübten Ueberfall zu ergreifen. Das entwendete Geld wurde der Firma wieder zugestellt. Bei dem Täter handelt es sich um einen jungverheirateten erwerbslosen Mann, der früher schon Diebstähle ausgeführt hat und wahrscheinlich für die ähnlichen Raubüberfälle der letzten Zeit in Frage kommt. * Bockum=Hövel, 18. April.(Erdgasquelle entdeckt.) Nach einer Meldung aus Hamm ist auf dem Grundstück des Metzgermeisters Woschütz in Hövel eine Erdgasquelle entdeckt worden. Das Gas strömt an einem Brunnen aus dem Erdboden und zwar in einer Menge, daß sich beim Anzünden eine hohe Flamme bildet. Im vergangenen Herbst sind auf dem Grundstück die vor Anlage eines Brunnens üblichen Bohrungen vorgenommen worden. An dem Brunnen wurde schon vor längerer Zeit ein aus dem Boden kommendes Pfeisen gehört. Spielende Kinder haben jetzt beim Buddeln die Quelle freigelegt. Beim ersten Anzünden des völlig geruchlosen Gases schoß eine haushohe Stichflamme hervor. Eine ungefähr ein Meter hohe Flamme brennt nun schon seit mehreren Tagen in unverminderter Stärke. Daß es sich um eine Erdgasquelle handelt, dürfte keinem Zweifel unterliegen, zumal sich in der Nähe keine Gasleitung befindet. Erdgase sind in der hiesigen Gegend schon öfters beobachtet worden. Im benachbarten Herbern besitzt ein Landwirt bereits seit mehreren Jahren eine solche Kraftquelle, die bis heute noch nicht versiegt ist. Auch hier in Hövel will der Grundstückseigentümer die Quelle wirtschaftlich nutzen. * Wuppertal, 18. April.(Bereitelter Einbruch.) Von Polizeibeamten wurden drei Einbrecher überrascht, als sie versuchten, in ein Geschäft an der Rathenaustraße einzubrechen. Während sich zwei der Einbrecher noch auf der Straße befanden, hatte der dritte bereits seinen Weg durch das Entlüftungsfenster in den Laden genommen. Die Polizeibeamten bewachten bis zum Eintreffen des Geschäftsinhabers den Laden, um eine Flucht des im Geschäft befindlichen Diebes zu verhindern. Als am Morgen der Laden geöffnet werden konnte, fand man den Einbrecher mit einem Gasschlauch im Munde sitzend vor; er konnte aber bald wieder ins Leben zurückgerufen werden. Wie verlautet, soll es sich um einen bisher noch unbestraften jungen Mann handeln. * Düsseldorf, 18. April.(Wollhandkrabben im Rhein.) Die ostasiatische Wollhandkrabbe die bisher schon in verschiedenen deutschen Gewässern aufgetreten ist, ist nun auch im Rhein entdeckt worden. In Düsseldorf hinter der Schnellenburg, unweit des Rheinstadions, wurden dieser Tage im Ufersand seltsame Spuren entdeckt die schließlich zur Auffindung der ostasiatischen Wollhandkrabbe, die man bisher noch nicht im Rhein vermutete, führten.— Auch in Dortmund ist die Wollhandkrabbe angekommen. Dort fing ein Fischer beim Angeln nach Weißfischen ein Exemplar, das einen Schilddurchmesser von etwa 20 Millimeter aufweist. * Mülheim, 18. April.(Im Bad vom Tod ereilt.) Der 19 Jahre alte Laborantenlehrling Wilhelm N. aus Essen=Frintrop wurde auf der Friedrich=Wilhelmhütte in Mülheim, in einem Bad tot aufgefunden. Der Lehrling hatte kurz nach 16 Uhr den Baderaum betreten, um zu baden. Er wurde gegen 18 Uhr entkleidet, auf dem Fußboden liegend, aufgefunden. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. N. dürfte einem Herzschlag erlegen sein. * Schlebusch, 18. April.(Polnische Einbrecherbande machte Schlebusch unsicher.) Eine polnische Einbrecherbande führte in Schlebusch und Umgebung schwere Einbrüche aus, bis sie eines Tages von der Polizei gesaßt werden konnte. Vor Gericht wurden der Bande 18 von 19 Diebstählen nachgewiesen. Der Haupttäter erhielt 8 Jahre Zuchthaus die anderen drei kamen mit je 2 und einmal 3 Jahren Zuchthaus davon. * Andernach, 18. April.(Die rote Fahne über dem Rhein.— Eine gefährliche Wahlagitation.) Eine große Ueberraschung bot sich gestern früh den Bewbohnern der am Rhein gelegenen Ortschaften. Hoch oben, mitten über dem Rhein, an der die beiden Rheinhöhen verbindenden Hochspannungsleitung zwischen Kranenberg und Leutesdorf, war eine große kommunistische Fahne gehißt. Die Kommunisten hatten unter fachmännischer Leitung dieses schwierige Experiment ausgeführt. Man machte sich sofort an die Beseitigung dieser Fahne. Aber die Ausführung war nicht so einfach, sondern nahm beinahe den ganzen Sruntag in Anspruch. Unter Leitgnu eines Oberingenieurs mußte erst die ganze Ueberlandleitung abgestellt werden. Dann wurde die Fahne auf Rollen auf das jenseitige Ufer gezogen. Bereits zur Separatistenzeit war ein solcher Streich verübt worden. Damals hatten Separatisten in dieser Weise eine Fahne der Rheinischen Sonderrepublik angebracht. Sie wurde damals von den Deutschen heruntergeholt und dafür die Reichsflagge gehißt. * Trier, 18. April.(Amtsgerichtsrat Sidon außer Verfolgung gesetzt.) Wie seinerzeit gemeldet, hat der Amtsgerichtsrat Sidon aus Trier in der Nacht zum 27. Oktober 1931 vor der Wohnung eines Sekretärs der Freien Gewerkschaften mehrere Schüsse abgegeben, die ein Fenster der Wohnung durchschlugen und in die Decke gingen. Wie jetzt vom Amtsgericht mitgeteilt wird, ist Sidon entsprechend einem Antrage der Staatsanwaltschaft außer Verfolgung gesetzt worden, weil sich Zweifel an seiner Schuld ergeben hätten. Die Einstellug des Verfahrens erfolgte auf Grund eines amtsärztlichen Gutachtens, in dem gesagt wird, Sidon habe unter der Einwirkung des Alkohols in einem Rauschzustand gehandelt, wodurch die Voraussetzung des§ 51 gegeben sei. Das Disziplinarverfahren wird jedoch weiter betrieben. Wirtschaft, Handel und Industrie Berliner Produktenbörse. * Berlin, 18. April. Weizen, märk. 263 bis 265, Roggen, märk. 198 bis 200. Gerste: Braugerste 190 bis 195, Futter= und Industriegerste 180 bis 190, Hafer, märk. 164 bis 169, Weizenmehl 31.75 bis 35 50, Roggenmehl 26.25 bis 27,75. Weizenkleie 11,60 bis 11,85. Roggenkleie 10.40 bis 19,70, Viktoriaerbsen 18 bis 24. kleine Speifeerbsen 21 bis 24, Futtererbsen 15 bis 17, Wicken 16 bis 18,50, Lupinen blaue 10 bis 11.75, gelbe 14 bis 15.75 Seradella 30 bis 36, Leinkuchen 11, Erdnußkuchen 12.20 bis 12.40, Trockenschnitzel 9,60, Soyaschrot 12.30 bis 12.70. Viehmärkte Elberfelder Schlachtviehmarkt Elberfeld. 18. April. Auftrieb: 790 Stück Großvieh, davon 220 Ochsen, 60 Fresser, 101 Bullen, 341 Kühe, 721 Kälber, 68 Färsen, 2851 Schweine, 11 Schafe. Marktverlauf: langsam. Der Markt wurde geräumt. Es kosteten: Ochsen: a) 34—36. b) 30—33, c) 24—29; Bullen: a) 27—29, b) 22—26; Kühe: a) 29—31, b) 25—28, c) 20—24, d) 14—19; Färsen: a) 32—34, b) 25—31; Fresser: a) 18—25; Kälber: a)—. b) 40—43, c) 36—39, d) 20 bis 29; Schweine: a) 40—42, b) 40—42, c) 40—42, d) 30—40, e) 33—37, f)— a) 31—35 M. Dortmunder Schlachtviehmarkt * Dortmund, 18. April. Auftrieb: 793 Stück Großvieh, 653 Kälber, 30 Färsen, 21 Schafe, 2967 Schweine, 1 Ziege, 48 Ochsen, 116 Bullen, 12 Fresser. Der Marktverlauf war bei Großvieh schleppend, kleiner Ueberstand, bei Kälbern und Schweinen schlecht, geräumt. Es kosteten: Ochsen: a) 35 Zum Kreuger=Skandal: Direktor Karl Lange, der Nachfolger Ivar Kreugers in der Leitung des Kreuger=Konzerns in Stockholm, wurde verhaftet, da er sich an den Betrügereien Kreugers beteiligt haben soll. bis 37, d) 32—34, c) 26—30; Bullen: a) 28—30, b) 25—27, c) 22—24; Kühe: a) 29—31, b) 26—28 c) 22 bis 25, d) 17—21; Färsen: a) 33—35, b) 20—32, c) 26 bis 28; Kälber: a)—, b) 42—44, c) 32—40, d) 23 bis 31; Schweine: a)—, b)—, c) 37—99, d) 35—38, e) 33—35, f)—, g) 30—34 M. Bank von England verbietet den Lippenstift * London, 18. April. Die weiblichen Angestellten der Bank von England sind in großer und nicht unberechtigter Erregung, denn ein Anschlag am Schwarzen Brett des Instituts macht die Damen darauf aufmerksam, daß sie bei ihrer Anstellung durch ihre Unterschrift gelobt haben, nur dunkle Kleidung zu tragen und sich stets mit dem gehörigen Anstand zu benehmen. Es wird betont, daß der Gebrauch des Lippenstiftes ein Bruch dieses Gelübdes sei und daß daher seine Venwendung zur sofortigen Entlassung führen könne. Die Damen geben zu, daß vielleicht einige unter ihnen von dieser Waffe der modernen Frau allzu reichlichen Gebrauch gemacht haben und durch die leuchtende Purpurröte ihrer Lippen auffielen, aber sie bestreiten der Direktion die Berechtigung, der Weiblichkeit eine solche Mode zu untersagen, die in England ganz allgemein sei und sonst nirgends beanstandet werde. Es sei komisch, daß die Bank plötzlich diese „Unanständigkeit" entdeckt habe, die seit Jahren im Schwange sei. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, Sonntag nachmittag 5 Uhr, nach kurzer Krankheit meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frad August-reuier Karoline geb. Sude im Alter von beinahe 74 Jahren zu Sich in die Ewigkeit zu nehmen. Die trädernuch Minterbliebchen. Schwelm, W.-Elberfeld, Hagen, Hüls-Recklinghausen, Triadelphia U. S. A., den 19. April 1932. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 20. April, 4 Uhr nachmittags vom Städt. Krankenhaus, aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine Anzeige erhalten haben, so bitten wir diese als solche zu betrachten. Millwoch, den 20. Aprll auf der„Wilhelmshöhe“ Redner: Landtags-Randidot Pg. W. Schepmann, Hattingen 30 Pfg— Erwerbslose 10 Pig. Eintritt Elnlass 7 Uhr Anfang 8¼ Uhr Hof von 40 00 möigen zu mieten gesucht. Schriftl. Angeb. unt. Nr. 3214 bef. d. Gesch d. Zt. In das Handelsregister A Nr. 417 ist am 16. April 1932 bei der offenen Handelsgesellschaft in Firma Haarmann a Katthagen in Schweim folgendes eingetragen: Der persönlich haftende Gesellschafter Erich Haarmann in Schwelm ist unter Aufhebung der bisher beschränkten Vertretungsmacht ermächtigt, die Firma Haarmann& Katthagen selbständig zu vertreten. Die Prokura des Kaufmanns Kaspar Steinbrink ist erloschen. Amtsgericht Schwelm Seidene Strümpfe müssen nicht nur schön und elegant sein. Wichttig ist vor allern die Haltbarkeit. Meine MAGNET-Damenstrümpfe entsprechen hohen Ansprüchen. Kommen Sie zu Max Klein∆ Schwelm was beingt der Aandfant! Mittwoch, 20. April 6.45—7,00 Atmungs= und Haltungsgymnastik. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7.05—8,00 Morgenkonzert. 7.00 Wiederholung der Wettervorbersage, Zeitan nabe und Wasserstandsmeldungen. 9,15—9,40 Die Frau im Staat. 9.45 Gymnastik für Frauen. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,10—11,10 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempsang für Arbeitslose. 11,20—12,00 Schallplattenkonzert. 12,00—12,50 Unterhaltungskonzert. 12,50 Wetterbericht. 13,00—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Wolf. 1. Bravour=Marsch von Knümann. 2. FestOuverture von Lortzing. 3. Kaukasische Skizzen von Ippciitow. 4. Du und du, Walzer aus der Operette„Die Fledermaus" von Strauß. 5. Rondino von Sibelius. 6. Dur und moll, Potpourri von Schreiner. 7. a) Serenade von Mosz= kowsky, b) Nächtlicher Ritt von Scheinpflug. 8. Frühling im Wiener Wald, Potpourri v. Ascher. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderstunde. 16,20—16,30 Aus der Frauenbewegung. 16,30—17,00 Friedrich Froebel zum Gedächtnis, unter Verwendung alter Froebelscher Kindergartenlieder, vorgetragen durch Kinder der Universitätsschule Jena. 17,00—18,15 Vesperkonzert. Professor Paul Inon (Klavier), Walter Schneiderhan, Josefa Kastert (Violine), August Schreiber(Cello), Georg Grelke(Klarinette), Peter Graeff(Bratsche). 1. Klaviertrio„Litaniae“ von Juon. 2. Klarinetten=Sonate von Inon. 3. Klavierquintett von Inon. 18.15—18,35 Die Welt im Buch. 18,40—19,00 Manfred Sturmann: Gedichte. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19.15—19,30 Vor allem Gesundheit 19,.30—1955 Was jeder wissen sollte. „Das Schwälbchen“ Illustriertes Unterhaltungs, und Familienblatt. Verlag von Ewald u. Co. Nachf. in Leipzig. Umfang jedes Heftes 16 Seiten. Preis 15 Pfg. frei Haus. Das ist einmal ein netter Vogel! Wo er ins Haus fliegt, wird man ihn voraussichtlich nicht wieder von sich lassen, sondern ihm dauernd ein Plätzchen an seinem Tische, seinem Herde gönnen.— Diese Romanzeitschrift, die sich„Das Schwälbcheu“ nennt, verfügt über einen sehr ansprechenden Umschlag, besitzt hübschen Bildschmuck und enthält zudem zwei große Romane aus der Feder bewährter Autoren.„Herzen, die in Liebe brechen“ von M. Blank=Eismann ist der eine, und der andere, von Johannes Jühling verfaßte, betitelt sich:„Stärker als der Tod“. Es ist schwer zu sagen, welcher von beiden spannender, aufwühlender ist, und welcher stärker an das Herz des Lesers greift. Ausdrücklich sei erwähnt, daß es auch an Kleinmaterial, d. h. an Scherzen, Witzen, Spielen und nützlichen Ratschlägen nicht fehlt. Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Firma Theod. Klein, G. m. b. Buch= und Zeitschriftenhandlung, Wuppertal=Elberfeld= Bleichstraße 17, bei, die Bestellungen auf „Das Schwälbchen“ jederzeit entgegennimmt. Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau: Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scher; Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Zwangsversteigerung Am Mittwoch, dem 20. April 1932, mittags 12 Uhr versteigere ich in Milspe in der Wirtschaft Thieme, bezw. an Ort und Stelle: 1 Kredenz, 1 Kamin, 1 Büroschrank, 1 Bild, 1 Gasherd, 1 Klavier, 1 Bücherschrank, 1 Chaiselongue, 1 Schreibmaschine, 1 Flurgarderobe, 1 Regal, Kokosläufer, 1 Schneidernähmaschine, nersch elektr. Lampen, elektr. Ersatzteile sowie Radioartikel, 1 Posten Lebensmittel u. a. Sachen öffentlich meistbietend gegen Barzahlung. Henses, Gerichtsvollzieher kr. A. I. S.. A. P. Grig- ichneln Inserieren schafft Absatz! 19.55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,25 Von der Flöte zur Pauke. 20,30 Dyckerpotts Erben. Komödie von Robert. Groetzsch. 21,35 Aus meinem Leben. Professor Dr. Albert Schweitzer. Auschließend: Letzte Meldungen, Bericht über###### geistige Leben, Sportbericht. Auschließend bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Leitung: Eysoldt. Stadttheater Hagen Mittwoch, 20. April, 15,30 bis 17,30 Uhr: Märchengastspiel Erika Graf mit Ensemble: Frau Holle. 20 bis 22 Uhr, Reihe D. 16: Flieger, Schauspiel. Donnerstag, 21. April, 15,30 bis 17,30 Uhr: Märchengastspiel Erika Graf mit Ensemble: Rotkäppchen. Freitag, 22. April, 20 bis 22,30 Uhr. Reihe F. 16: Die Boheme, Oper. Samstag, 23. April, 19,30 bis 22,30 Uhr: Die Blume von Hawait. Sonntag. 24. April 19,30 bis 22,00 Uhr: Die Blume von Hawali. Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Zweites Blatt Rummer 91 Wappeeiaier Kanstorte! „ 5 Dies und das. An sich war das eine sehr geruhsame Woche, der man den nun mit Macht nahenden Frühling anmerkt, denn es wird schon ruhiger mit den künstlerischen Veranstaltungen. Aber—— die nächste Woche wird uns ein großes Ereignis bringen: dann wird„Die Blume von Hawaii“ aufgeblüht sein, deren Duft schon wie ein zarter Hauch zu verspüren ist! Zunächst war Henny Porten in höchsteigener Person hier anwesend und zwar gab sie mit dem Ensemble der Berliner Rotterbühne ein Gastspiel als„Madame sans gene“ im Thaliatheater. Ein entzückend seines Lustspiel von Sardou, das uns in die Hosatmosphäre des ersten Napoleon versetzt. Madame sans géne, das besagt schon, daß wir es hier mit einer Figur zu tun haben, die ohne Furcht und unbeschwert sich durchzusetzen versteht. Eine kleine Wäscherin ist es, die durch irgendwelche Zufälle an den kaiserlichen Hof kommt und auch nicht davor zurückschreckt, Seiner Majestät ihr Meinung zu sagen! Um diese beiden Hauptfiguren gruppieren sich die anderen sehr geschickt, so daß sie keineswegs zurückstehen, das ist überhaupt der Vorzug dieses alten Theaterstückes, daß es durch und durch unterhaltsam ist und spannend, sein im Dialog unter Vermeidung jeglicher Belanglosigkeit. Und Henny Porten spielte dieses kleine, etwas derbe Wäschermädel in großer Natürlichkeit, was man bei der eleganten Salondame kaum vermutet hätte. Ihre Partner Max Grünberg, Napoleon, Kurt Ehrle, Lefébre und Georg John, Fouché, durften sich in den reichen Beifall teilen. „Wie es euch gefällt“, dieses Mal nicht von Shakespeare sondern ein bunter Abend der Freien Volksbühne zum Besten der Ortsgruppe Deutscher Bühnenangehöriger, des Deutschen Chorsängerverbandes und Tänzerbundes im ausverkauften Elberfelder Stadthallensaal. Fast das gesamte Solopersonal aus Oper und Operette hatte sich für diesen Abend zur Verfügung gestellt und die beliebtesten„Schlager“ aus den neueren Operetten, Opernarien, Lieder zur Laute und Rezitationen erheiterten die Besucher. Der Theaterchor sang den mit Begeisterung ausgenommenen immer beliebten Walzer von der schönen blaben Donau und die Tanzgruppe fehlte ebenfalls nicht in diesem bunten Rahmen, der Jedem etwas brachte. Wilhelm Kienzls Oper„Der Evangelimann“ wurde schon vor längeren Jahren als nicht mehr„zeitgemäß“ betrachtet. Es mag ja auch manches darin veraltet sein, das geben wir zu, vor allem das Rührselige, Uebersentimentale paßt nicht mehr ganz in die Jetztzeit, die nüchtern und fahl sein will und trotzdem ein kleines bißchen Jdealismus und Sentimentalität nicht entbehren kann, das liegt nun mal im deutschen Blut! Geht man aber vom Musikalischen aus, so muß man unbedingt zugeben, daß der Evangelimann auch heute noch verdient aufgeführt zu werden und das ist auch wohl der Grund, warum man ihn einstudierte, gleichsam als Ehrung für den Komponisten, dessen 75. Geburtstag im Januar gewesen ist. Es ist so viel Farbenfreudiges in der Partitur, so viel Humor und dramatische Entwicklungskraft in diesen Tönen, daß es sich immer lohnen wird, dieses musikalische Schauspiel zu hören und zu sehen. Zumal man hier sehr viel Wert auf die Einstudierung gelegt hat. Karl Jank=Hoffmann singt den Evangelimann, ist überzeugend, auch in seiner Darstellung, zeigt aber leider Ermüdung seines gepflegten Organes. Prächtig ist der Johannes Freudhofer Rudolf Weyrauchs, seine vornehme Art erfreut immer wieder. Hildegard Kleiber ist Das Haus Ciristlansen Roman von Gertrud v. Brockdortf 13 eine sympathische Martha und Gustel Spahn als Magdalena überrascht in ihren Fortschritten, gesanglich und darstellerisch. Ernst Overlack als Aktuar ein wenig farblos. Die kleineren Rollen sind angemessen besetzt. Fritz Mechlenburg leitet mit Umsicht das Orchester und hat die Bühnengeschehnisse die Rudolf Hesse betreut, fest in der Hand. Heinz Anraths war für die Chöre verantwortlich und Harry Breuers Bühnenbilder sind stimmungsvoll. Das Publikum zeigte sich sehr ergriffen. Erik Weisen= Rose. Spori=Nacheichten Handball D. T. TG. Schwelm— TV. Altenvoerde 10:2 Zu einem schönen sportlichen Wettkampfe führte auch das vorgestrige Handballtreffen zwischen den 1. Mannschaften des Turnvereins Altenvoerde und der Turngemeinde Schwelm. Mit einem Gefühle der Genugtuung werden die Mitglieder und Freunde der Turngemeinde festgestellt haben, daß ihre Mannschaft nunmehr wieder zu guter Form emporgestiegen ist. Wenn auch hier und da noch kleine Schwächen auszugleichen sind, so bildet doch die Mannschaft schon heute eine nicht nur kampfesfreudige, sondern auch technisch und taktisch gut ausgebildete Einheit, die man ohne Ueberhebung zur besten unseres Bezirkes rechnen muß. Der beste Teil der Mannschaft ist gegenwärtig die wurfreudige Sturmreihe, die ihre Stärke im Innensturm hat. Gut ist auch die unermüdliche Läuferreihe, die mit der recht wacker arbeitenden Verteidigung ein nicht leicht zu nehmendes Hindernis bildet u. auch im Angriff auf dassgegnerische Tor ihren Mann steht. Ein Lob auch dem aufmerksamen und talentierten Torhüter. Wenn man das Endergebnis des gestrigen Kampfes betrachtet, so könnte man leicht zu der Annahme gelangen, daß die Altenvoerder Turner in ihrem Können den Schwelmern weit unterlegen gewesen seien, das stimmt aber nicht. Die Gäste stellten gleichfalls eine äußerst flinke und kampfesfreudige Mannschaft, die im Feldspiel ihrem Gegner während des größten Teiles des Kampfes nicht viel nachgab Was ihnen aber die Niederlage bringen mußte und auch brachte, das war die bessere Taktik der Schwelmer im Spielaufbau und in der Verteidigung des Tores. Ihrem Torhüter ist an der gestrigen hohen Niederlage weniger Schuld beizumessen. Das Spiel begann mit äußerst schnellen beiderseitigen Vorstößen. Nach etwa 5 Minuten sandte Kuckart einen Strafwurf unhaltbar ein. Altenvoerde kam dann mehr auf und stellte bald den Ausgleich her. Die Verteidigung der Gäste deckte gut, konnte es aber nicht verhindern, daß Kuckart nach schönem Durchspiel seine Farben abermals in Führung brachte und kurz darauf nochmals erfolgreich war. Die Gästeverteidigung setzte nun ihr Hauptaugenmerk auf die Bewachung Kuckarts, wodurch die rechte Sturmseite Schwelms mehr Luft bekam. Der vorzüglich arbeitende Ebbinghaus kam kurz nacheinander zweimal durch und holte zwei weitere Tore. Einige Minuten vor der Pause war Kuckart wieder der Torschütze, und Ebbinghaus stellte den Kampf auf 7:1. In der Pause hieß es 7:2 für die Turngemeinde. Nach dem Seitenwechsel spielte Schwelm mit dem Winde und man rechnete allgemein mit einer hohen Niederlage der Gäste. Kurz nach Anspiel setzte Neuschäfer das 8. Tor für seine Mannschaft, dann hörte aber das Torwerfen für längere Zeit auf. Altenvoerde wehrte sich tapfer gegen die drohende Niederlage, war aber im Sturm zu unentschlossen und lief sich bei der Schwelmer Verteidigung stets fest. Die Turngemeinde beherrschte die Situation vollkommen. Ebbinghaus holte in der 20. Minute einen weiteren Treffer, und gegen Ende des schönen, von einem tüchtigen Unparteiischen geleiteten Kampfes war auch Kuckart noch einmal erfolgreich. Endergebnis 10:2 für Schwelm. Turngemeinde Schwelm 2.— Altenvoerde 2. 7:3, Turnverein 1862 Haßlinghausen 1.— Grün Weiß F. S. 1. 2.8(1:1). Grün=Weiß fuhr am Sonntag nach HaßlinghauDen Auftakt zu den Wilhelm Busch=Feiern, die zum 100. Geburtstage des großen deut schen Humoristen in gahz Deutschland veraustaltet werden, bildete eine Gedenkfeier am Grabe des Jubilars in Mechtshausen a. Harz. Dienstag, 19. April 1932 Die NSDAP. auch in Newyork. In Newyork wurde kürzlich eine Geschäftsstelle der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei eröffnet. sen, um dort gegen TV. 1862 ein Gesellschaftsspiel auszutragen. Der Platzverein hat Wahl und wählt den Wind zum Bundesgenossen. Die ersten 10 Minuten ein ausgeglichenes Feldspiel und allmählich nimmt Grün=Weiß das Heft in die Hand. Angriff auf Angriff rollt auf des Gegners Tor, aber vorerst will nichts gelingen.-Ein plötzlicher Vorstoß des Haßlinghauser Linksaußen bringt diesen die Führung. In der Folge spielt der Platzverein reichlich hart und Grün=Weiß bekommt eine Serie Strafwürfe zuerkannt. Aber die Schwelmer wersen fast immer die Bälle ganz knapp daneben, oder sie werden eine Beute des gutspielenden gegnerischen Torwarts. Endlich, 5 Minuten vor der Halbzeit hat sich der Rechtsaußen durchgespielt und schon hängt der Ball im Netze. Der Ausgleich war da. 1:1. Nun hatte Grün=Weiß den Wind im Rücken und Haßlinghausen hatte nichts mehr zu bestellen. In regelmäßigen Abständen wirft Schwelm noch 7 Tore, denen der Gegner noch eins entgegensetzen konnte. Zu bemerken ist noch, daß den GrünWeißen 26 Strafwürfe zuerkannt wurden. Geschäftliche Mitteilung Die klugen Dänen Es spricht für den guten Sparsamkeitssinn der Dänen, daß sie fast dreimal so viel Margarine verbrauchen wie die Deutschen. 17,6 Pfund Margarine pro Kopf und Jahr verbraucht Deutschland, 49,6 Pfund Margarine verbrauchen die reichen Dänen.— Hören Sie im Radio die klugen Hausfrauen Sanne und Ella! Sie werden Ihnen verraten, welche Vorteile es hat, Sanella=Margarine zu verwenden: als Brotaufstrich, zum Braten und Bakken, zum Kochen. Die moderne Hausfrau macht sich den Fortschritt zunutze. Sie nützt dem Haushalt, wenn sie immer Sanella verwendet. Ein Unerschrockener Fräulein:„Mein Herr, Sie sind einfach Luft für mich“. Bewerber:„Also endlich das Geständnis, daß Sie ohne mich nicht leben können!“ Der nächste Tanz war ein Charleston. Aber das war unmöglich bei all den knisternden und sich bauschenden Falten. „Wir wollen uns in die letzte japanische Grotte setzen!“ schlug Reimer vor. 6 Es war heiß und enge in den überfüllten Räumen. Mrs. Potter hatte nur dreißig Personen laden wollen, aber es erwies sich, daß sie diese Rechnung gemacht hatte, ohne die Wi ihrer Kinder zu berücksichtigen. In elfter Stunde war Mildred mit fünf Freunden aufgetaucht, die geladen werden mußten, und Walter mit ebenso vielen Freundinnen. Die letzte japanische Grotte besand sich im Schlafzimmer, von dessen sonstiger Einrichtung nur eine seidenumzogene Ampel zurückgeblieben war, deren milchiges Licht sich mit den zitternden, grünblauen Lichtern der leise schwankenden Lamvions mischte. Eben als Hille und Reimer sich gesetzt hatten, drang Walter Potter mit einer hübschen, blondhaarigen Pierette ein.— Walter war Sylter Fischer mit weiten Hosen und rotwollenem, kunstvoll geschlungenen Halstuch. Seine Wohlerzogenheit war von ihm abgefallen und vielleicht kam heute irgend ein von Mrs. Potter ängstlich verleugneter mecklenburgischer Vorfahr in ihm zum Durchdruch. „Mensch— Hille— das ist heute schon der dritte Tanz, den du mir abgeschlagen hast!“ „Du bist deswegen doch nicht in Verlegenheit gekommen, Walterchen!“ sagte Hille.„Wir Christiansens haben nun mal nicht viel Sinn für eure neuen Tänze und Mildred schämt sich wahrscheinlich über ihre Schülerin die Augen aus!“ „Fishing sor compliments, Hille! Soll ich ein Gedicht auf deine Hängelocken machen oder dir die schriftliche Versicherung geben, daß alle anderen Damen heute abend——“ glaube, du solltest etwas weniger trinken, Walter.“ Hille schlug ihm auf die Hand, die an ihren Locken rißz. „Er hat sich zwei Grogs brauen lassen, um im Stile seiner Rolle zu bleiben!“ rief die blonde Pierette.„ 86 — gitt: Du riechst ja nach Schnaps, Walter.“ Die Pierette kicherte, als Walters Hand von neuem nach Hilles Locken griff. „Blond— die große Mode.— Wollen sehen, wie mir die Mode zu Gesicht steht.“— Da sank die Hand plötzlich herab. Von irgend woher war ein kräftiger Stoß oder Schlag gegen Walters Ellbogen geführt worden. Reimer Jessen lachte und hatte sein unschuldigstes Gesicht, während er Walter ansah. Nur in seinen blauen Augen stand eine seltsame Härte, — stand fast eine Drohung. Walter spürte es und gewann von einer Minute zur andern einen Teil seiner sonstigen Wohlerzogenheit zurück. Er erhob sich, um die kleine Blonde zum Tanze aufzufordern.— „Er meint es nicht böse, Reimer,“ sagte Hille, die den beiden nachsah. „Wenn auch.— Es soll dich keiner antasten dürfen, Hillekind!“— Wie war das gesagt worden!— Es klang anders, als Reimer sonst sprach.— Und sein Gesicht war auf einmal blaß, als wäre er über seine eigenen Worte erschrocken. Hille war jäh errötet. Es schoß ihr plötzlich die Erinnerung an ein Wort von Mildred durch den Sinn. „Dann solltest du deinen Vetter Reimer heiraten,“ hatte Mildred gesagt. „Erzähl mir von deiner Insel!“ bat sie hastig umd ablenkend. „Meine Insel?— Ach Gott,— als ob es noch meine Insel wäre, Hille—“ „Du bist doch erst nach Weihnachten drüben gewesen. Reimer, seitdem habe ich dich kaum einmal so für mich gehabt, daß du mir davon hättest erzählen können.“ „Nein,— es gibt bei uns in der Klinik jetzt viel zu tun. Und wenn ich bei euch bin, hält mich meistens die Großmutter Christiansen fest.“ „Ach— Großchen!— Es geht Großchen heute gar nicht gut. Reiner. Ich denke es mir so schrecklich, alt zu sein.“— Hille zog die schmalen Schultern in die Höhe, als ob sie fröre. „Warum schrecklich, Hille?— Wenn das Leben hinter einem liegt! Und wenn es ein schönes und reiches Leben gewesen ist!“ Sie saß ganz still uns sah ihn an. Das zitternde, grünliche Licht der Lampions über ihnen ließ ihr Gesicht bleich und seltsam belebt erscheinen „Trotzdem— ich mag nicht daran denken, Reimer! Nicht heute wenigstens!— Erzähle mir lieber von deiner Insel und davon, wie es Weihnachten gewesen ist.“ „Wie immer, Hillekind.— Schön und schmerzlich zugleich.“ „Schön und schmerzlich— ja—“ „Man fährt in seine Heimat und fährt doch in ein fremdes Land.— Ich weiß nicht, ob du das verstehn kannst, Hille.— Es ist alles fremd geworden.— aber es ist doch die Heimat geblieben.“ „Ob ich es verstehen kann, Reimer!"— ich fuhr mit Hinrichsens Ewer nach drüben.— Es war klares Frostwetter; der Strand war ganz hell und man konnte den Danebrog weithin flattern sehen.— Sie hissen ihn ja jetzt immer an der Landungsseite.— Und das Bad soll auf Abbruch verkauft worden sein.— Die Blockhäuser waren ja längst alt und morsch geworden— und irgend ein Spekulant aus Kopenhagen soll sich mit der Absicht tragen, neue, großartige Anlagen aufzuführen und ein neues dänisches Bad zu gründen.— Ich hörte es im Pastorat.— Der dänische Geistliche ist sehr gastfrei; aber seine Frau spricht kaum deutsch, und es wurde eine recht klägliche Unterhaltung zwischen uns beiden.— Aber ich durfte zwei Nächte lang in meinem alten Kinderzimmer schlafen und die alten windschief gewehten Bäume gegen meine Scheiben rauschen hören. Das tut gut, Hille.— Keiner, der nicht an Heimweh krank gewesen ist, weiß so recht, wie gut das tut.“ „Ich weiß es, Reimer!— Oh— du kannst mir glauben, daß ich es weiß.“ Er sah sie an und lächelte, wie man über den Eifer eines Kindes lächelt. Seine harten, verschlossenen Züge hatten sich entspannt; ein weicher, fast sehnsüchtiger Ausdruck war in seinen Augen. Hille sprang plötzlich auf. „Wir wollen tanzen!“ rief sie, als müßte sie etwas von sich abwehren. Sie hatte plötzlich Sehnsucht, zu den andern zu gelangen, im bunten Wirbel unterzutauchen.— In dem großen, völlig ausgeräumten Eßzim. mer drehten und stießzen sich die Paare.— Mrs. Potter flog vorbei, in den Arm eines turbangeschmückten Arabers geschmiegt. Mrs. Potter trug ein Phantasiekostüm aus modegrünem Samt und baumelnde Obrringe aus Jade, die ihren südländischen Typus unterstrichen. Sie winkte Hille im Vorbeigleiten lächelnd zu. „Sie sind wie ein altes Bild, das aus seinem Rahmen gestiegen ist,“ sagte sie in einer Tanzpause.„Sie würden in Amerika Furore machen, dear.“ Hille errötete. Mrs. Potters Wesen hatte so leicht etwas, das einen in Verlegenheit setzte. Sie hatte sie auch vorhin fast mit Gewalt von Reimers Seite fortgeführt und veranlaßt, mit Walter zu tanzen.— Walter hatte dann davon gesprochen, daß Reimer in sie verliebt wäre, und daß er Reimer haßte.— Er war um vieles nüchterner gewesen als vorher,— aber noch immer nicht völlig nüchtern. Nun war Hille von einem Arm in den anderen geflogen,— es war trotz der bauschigen Röcke zur Not sogar mit dem Charleston gegangen— nun stand sie und sah sich vergebens nach Reimer um. „Gestatten Sie, dear, daß ich Ihnen Herrn Malte Jöns aus Berlin vorstelle,“ sagte Mrs. Potter und legte unvermittelt den Arm um Hilles Schultern, so daß Hille zusammenzuckte.„Es geschieht auf besonderen Wunsch von Herrn Jöns,“ fügte sie mit einem kleinen, listigen Augenzwinkern hinzu. Ein großer, schlanker Herr verbeugte sich vor Hille und fah sie aus dunkelglänzenden Augen ruhig an, als wollte er sich an der Flamme weiden, die ihr flackernd über Stirn und Wangen schlug. Er war nicht im Kostüm. Er war der einzige, der heute Abend nur im Gesellschaftsanzuge erschienen war.— Es hob ihn seltsam aus den Rahmen. Es gab ihm etwas Besonderes, über den Dingen Stehendes. „Man ist im Leben oft genug gezwungen, sich unter einer fremden Haut zu verkriechen,“ sagte er nach dem ersten Tanze mit Hille, während er sie durch das Gewühl zum Büfett führte und es mit ruhiger Zähigkeit erreichte, daß die andern ihm Platz machten.„Wozu sich freiwillig eine sremde Rolle aufzwingen, wenn man endlich einmal Gelegenheit findet, seine eigene zu spielen?“ 7.) WIFA Mikrotilmarchin der deutschsprachigen Presse e.V. „Es mag ja sein,“ sagte sie langsam,„indessen, ich kann Sie nicht darüber im unklaren lassen, daß meine Liebe einem andern gehört und daß ich diese Liebe nie aus meinem Herzen reißen kann.“ „Ich werde mich mit dieser Tatsache abzufinden wissen, Komtesse. Ich heirate Sie also ohne Liebe Ihrerseits. Schön, es soll für mich kein Hindernis sein, Ihnen trotzdem meine Hochachtung und meine Ehrerbietung zu Füßen zu legen. Sie werden in meinem Hause die Stellung einnehmen, die Ihnen als meiner Gattin gebührt. Nur um eins möchte ich Sie bitten, vor der Dienerschaft— Sie werden über eine Zofe und über eine Kammerjungfrau verfügen können— bitte ich, den Schein zu wahren. „Das ist für eine Dame selbstverständlich.“ „Verzeihung, gnädiges Fräulein. Ich weiß das sehr wohl und doch spreche ich es aus. Von dem Augenblick ab, da Sie meine Gattin sind, können Sie über Ihre Zeit und über mein Geld verfügen, ganz nach Belieben. Ich lage Ihnen alles zu Füßen und warte. 4 „Worauf warten Sie, Herr Greiner?" „Auf die Zeit, da Sie mich lieben werden. „Dieser Zeitpunkt wird nie eintreten. „Das sagen Sie heute, Komtesse. Und heute kann ich es noch begreifen. In einem Jahr vermöchte ich das nicht mehr zu tun. Aber ich weiß genau, daß Sie mich einst lieben werden.“ „Das können Sie niemals wissen.“ Wieder lächelte er fein.„Gestatten Sie mir, darüber anderer Meinung zu sein. Aber Ihr Wunsch ist mir ein Befehl. Ich werde zu Ihnen vom Tage der Hochzeit ab nie mehr von Liebe sprechen. Sie sollen meine Gefährtin sein, ich hoffe, daß Sie sich meiner Nähe nicht ganz entziehen werden. Ich werde Ihnen die Ueberwachung meines Hauses übergeben, Sie können darin schalten und walten nach Belieben. Im übrigen werde ich sehr oft verreist sein. Dann ist Ihnen die Qual erspart, mich um sich zu haben. Ihre Augen forschten unsicher in seinem unbeweglichen Gesicht. Sie konnte nicht umhin, diesen Mann in gewisser Beziehung zu bewundern. Sie hatte sich unter Eberhard Greiner einen anderen Menschen vorgestellt. Aber sie krampfte ihr Herz mit Gewalt zusammen, wollte die guten Eigenschaften Greiners nicht sehen, bemühte sich, alles im kraffesten Lichte zu erblicken. „Sie leiden unter dem Zwang, Komtesse. Das ist alles. Ein freier Entschluß wäre Ihnen leichter gefallen. Leider liegen die Verhältnisse so, daß ich Ihnen diesen Zwang nicht ersparen kann.“ „Warum helfen Sie meinem Vater nicht, ohne auf meine Hand zu rechnen, Herr Greiner? Wenn Sie wirklich so edelmütig sind, dann—“ „Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie unterbreche, Komtesse. Ich bitte Sie nochmals, diese unerquickliche Seite in meiner Gegenwart nicht weiter zu erörtern. Es kränkt mich. Es ist meine erste und wirkliche Bitte. Ich will sehen, ob Sie mir diese erfüllen werden. Und dann, es ist etwas anderes, wenn ich nur als Geschäftsmann oder als Kapitalist Ihr Haus betreten hätte. Aber ich liebe Sie! Das ist für mich der einzig maßgebende Punkt. Ich liebe Sie und werde nie aufhören, Sie zu lieben. Aber meine Liebe ist nicht die eines unerfahrenen, leidenschaftlichen Jünglings. Ich liebe Sie mit dem ganzen Ernst eines Mannes, der weiß, was er will. Und nur, um Ihre Liebe zu erringen, habe ich diesen Schritt gewagt, auf die Gefahr hin, daß Sie mich von einem falschen Standpunkt aus betrachten. Ich mache Ihnen keinen Vorwurf daraus, daß Sie mir keine Liebe entgegenbringen können. Das wäre zuviel verlangt. Keine Dame der guten Gesellschaft wird sich so weit erniedrigen, bei unserer kurzen Bekanntschaft sofort eine Liebe zu heucheln. Ihre Aufrichtigkeit ist mir ungleich wertvoller. Hassen Sie mich, wenn Sie können. Haß und Liebe sind nahe vereint. Ich fürchte Ihren Haß nicht.“ Er lächelte gewinnend.„Ich bin schon zufrieden damit, daß Sie mich anhören. Das beweist mir, daß Sie mir wenigstens die Berechtigung zuerkennen, Ihnen mein Inneres zu offenbaren. Ich hatte das große Glück, als Sohn eines reichen Mannes auf die Welt zu kommen. Als mein Vater starb, übernahm ich den ausgedehnten Betrieb, trat ihn dann an eine Aktiengesellschaft ab, deren Hauptaktionär ich heute noch bin. Ich bin unabhängig in jeder Hinsicht. Meine Gelder sind sicher angelegt. Aber ich habe nie aus meinem Reichtum einen unedlen Gebrauch gemacht. Wenn meine Werbung Ihnen, weil sie mit finanziellen Verhältnissen verquickt ist, als Geschäft erscheint, wenn Sie mich deshalb verurteilen, so haben Sie mich, wie gesagt, falsch eingeschätzt. Das wird Ihnen die Zukunft lehren. Ich bin weder ein Protz noch ein Parvenü. Der Reichtum ist durch Arbeit und wieder durch Arbeit erworben worden. Riesenvermögen fallen einem nicht in den Schoß. Ich werde es Sie auch nie fühlen lassen, daß Sie unter diesen etwas prekären Verhältnissen die Meine wurden. Wenn ich Ihnen das sage, Komtesse, so wünsche ich nur, daß Sie sich kein falsches Bild von meiner Persönlichkeit machen. Ich bin ein Sportsmann, ein begeisterter Jäger, ich liebe es, wenn auch die Frauen dem Sport huldigen. Es steht Ihnen eine hübsche Segeljacht zur Verfügung, Sie haben reichlich Gelegenheit zu reiten. Ich habe in meinem Stall einige ausgezeichnete Pferde, ich habe mehrere Autos, ich sage das nur, um Ihnen zu zeigen, daß Sie sich nicht zu langweilen brauchen. Nicht etwa, um Ihnen mein Angebot etwas verlockender hinzustellen. Das sind alles für mich nebensächliche Dinge. Ich sehne mich nach einer Gefährtin fürs Leben und ich habe es mir in den Kopf gesetzt, daß Sie es sein müssen, Komtesse.“ „Warum gerade ich?" 6 „Muß ich Ihnen wieder von meiner Liebe sprechen? Können Sie das nicht verstehen?“ „Verstehen kann man alles, aber Herr Greiner, Sie versetzen mich in die unangenehme Situation, Ihnen Dankbarkeit entgegenbringen zu müssen.“ „Oh, auf Dankbarkeit erhebe ich keinen Anspruch, Komtesse. Was ich tue, geschieht nicht aus dem Grunde, Ihre Dankbarkeit zu erzwingen. Nein, nein, Sie wollen mich nicht verstehen. Es ist besser, ich verlasse Sie jetzt eine Zeitlang. Bitte, setzen Sie mit Ihrem Herrn Tater den Termin zur Hochzeit fest. Sie werden mich vorher nicht mehr sehen. Er verbeugte sich tief und ehrerbietig vor ihr und schritt nach dem Schlosse zurück. Dort sprach er noch eine Weile mit dem Grafen, dann hörte man das Rattern eines Motors; Greiner hatte das Schloß verlassen. Ilse strich sich über die Schläfen, als ob es sie da schmerze. Sie schreckte fast zusammen, als die Mutter neben ihr stand. „Kind, ist er wirklich so unausstehlich?"— „Ach Mutter!“ Sie warf sich der Gräfin an die Brust und weinte. „Es wird noch alles gut werden, Ilse,“ sagte die Gräfin leise und streichelte ihr Haar.„Du solltest dich glücklich fühlen, einen solchen Mann erringen zu dürfen. „Mama— und doch— ich werde ihn nie lieben können. Ich muß ihn hassen. Er zerstört meinen schönsten Lebenstraum.“ „Ach, mein Kind. Diese Jugendliebe! Sie ist doch so töricht. Wenn du ruhig über das alles nachdenkst, mußt du einsehen, daß wir nur dein Bestes im Auge haben. Ilse erhob sich. „Laß mich jetzt allein, Mama.“ Sie schritt mit langsamen und müden Schritten nach ihrem Zimmer. Wazniewsky war es durch Schleichmittel gelungen, sich die Liste der Gläubiger des Grafen zu verschaffen. Aber als er die ersten Fühler bei den verschiedenen Firmen und Banken ausstreckte, mußte er zu seinem Schrecken gewahren, daß alle Verbindlichkeiten des Grafen von der Esche bereits voll und ganz von Eberhard Greiner getilgt waren. Der Makler begab sich ungesäumt zu Baron von Lerchenfels. Dieser empfing ihn in keiner rosigen Laune. „Ich weiß bereits alles, Sie sind zu spät gekommen, Wazniewsky.“ „Habe ich Ihnen nicht gesagt, Herr Baron, die Komtesse wird Greiner heiraten? Gegen Greiner kann ich nicht kämpfen. Er ist zu mächtig. „Wie hoch schätzt man sein Vermögen?“ „Auf über zwanzig Millionen, Herr Baron.“ Lerchenfels verfärbte sich. Dagegen konnte er nicht aufkommen. Donnerwetter! Dagegen war er ein Stümper, ein armer Mann. „Und doch muß die Heirat verhindert werden, Wazniewsky. Der Jude zuckte die Achseln. „Ich habe mich schon auf einen Weg besonnen. Die Komtesse liebt ihn nicht, das weiß ich.“ „Sie wird ihn dennoch heiraten, weil es der Graf verlangt. Das ist kein Weg. Besinnen Sie sich auf einen anderen.“ „Mendheim,“ sagte der Jude lauernd. Mendheim! Der Gutsverwalter war wirklich der einzige, der die Komtesse dazu bestimmen konnte, Greiner noch in letzter Minute fallen zu lassen. Dann würde Greiner selbst den Grafen bedrängen. „Hm, Wazniewsky, wir müssen es auf diese Weise versuchen. Wenn es gelingt, Greiner die Forderungen wieder abzukaufen. Wie hoch belaufen sich die gesamten Schulden des Grafen?“ „Auf etwa sechshunderttausend Mark. Sämtliche Hypotheken und Uebertragungen befinden sich in den Händen Greiners.“ Der Baron rechnete auf einem Blatt Papier. Es war allerdings kein verlockendes Geschäft mehr. Greiner würde natürlich nichts nachlassen. Aber trotzdem, der Besitz des Grafen von der Esche war diese Summe wert. „Es ist gut, Wazniewsky, Sie können gehen. Ich lasse Ihnen wieder Nachricht zukommen,“ Der Jude verbeugte sich und verschwand. Baron von Lerchenfels ging lange in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Graf von der Esche war nun wieder ein Gegner, mit dem er rechnen mußte. Als Schwiegervater des reichen Greiner würde er sogar ihn vernichten können. Der Baron wurde nervös und kaute an seinem Schnurrbart. Ein paar Mißernten, dann geriet er selbst in Schulden und dann? Er schellte seinem Diener, befahl ihm, Mendheim zu rufen. Als der Gutsverwalter erschien, fand er den Baron äußerst liebenswürdig. „Nehmen Sie Platz, lieber Herr von Mendheim. Sie werden wohl schon gehört haben, daß sich die Komtesse Ilse mit Eberhard Greiner verlobt hat?“ „Ich weiß es,“ sagte Mendheim finster. „Offengestanden, Herr von Mendheim, ich begreife nicht, warum Sie so sang= und klanglos sich von einem Nebenbuhler aus dem Felde schlagen lassen. „Ich bin arm, Herr Baron.“ „Ich will offen zu Ihnen sein, mein lieber Herr Gutsverwalter. Es liegt mir, ich sage Ihnen das ganz offen, viel daran, daß diese Verbindung mit Greiner nicht zustande kommt. Nehmen Sie einmal an, ich gönne es dem Grafen nicht; ich vermute, die Komtesse rennt in ihr Unglück. Sie haben ihre Liebe und Sie stehen beiseite. Wenn ich Ihnen nun die Mittel gäbe, im Ausland mit der Komtesse ein neues Leben anzufangen, sagen wir, in Amerika oder Kanada oder wo Sie wollen, brächten Sie es nicht fertig, die Komtesse zu überreden, mit Ihnen zu fliehen?“ Mendheim sprang auf, Zorn sprühte aus seinen Augen. „Herr Baron, für wen halten Sie mich?“ „Bleiben Sie ruhig, lieber Herr von Mendheim. Wenn Ihre Liebe zu der Komtesse so stark ist, müssen Ihnen, sagen wir einmal zwanzigtausend Mark ohne die Ueberfahrt genügen, drüben eine Existenz anzufangen. Mendheim war bleich wie die Wand. Er starrte den Baron an, als verstände er nicht. „Das wäre infam an den Eltern. Ich kann mich zu einem solchen Schurkenstreich nicht hergeben. „Schurkenstreich. Sie gebrauchen ein sehr unschönes Wort. Ich besorge Ihnen die Papiere und die Pässe, alles, Sie haben nur nötig, nach Bremen zu fahren. Wie ich die Komtesse kenne, wird sie sich sogar dazu bereitfinden lassen. Mendheim kämpfte schwer mit sich. „Herr Baron, ich kann nicht. Ich habe noch so viel Ehre, ein derartiges Ansinnen abzulehnen. „Ehre! Ehre! Hier dreht es sich um Ihr Glück, das bedroht ist. Ich biete Ihnen die Hand dazu. Sie sollten mir dankbar sein. „Lassen Sie mir Zeit, Herr Baron. Ich kann nicht so schnell über diesen Gedanken hinwegkommen.“ „Die Sache gehört natürlich in aller Stille und Heimlichkeit vorbereitet. Sprechen Sie mit der Komtesse. Wenn ihre Liebe zu Ihnen so stark ist, wird sie lieber mit Ihnen gehen, als in das ungewisse Los mit Greiner. Denken Sie, eine freudlose Ehe! Das ist für eine empfindsame Frau wie die Komtesse eine dauernde Marter. Können Sie es über das Herz bringen, Komtesse Ilse so leiden zu sehen? Muß es nicht Ihr Mannesstolz verlangen, sich nicht einfach auf die Seite setzen zu lassen? Sie haben in Kanada Möglichkeiten, schnell reich zu werden. Einem Tüchtigen steht die ganze Welt offen. Die Eltern, nun ja, Eberhard Greiner wird Gläubiger des Grafen bleiben. Und dann—“ „Und dann, Herr Baron?“ „Die Komtesse hat nicht viel Grund, ihren Eltern dankbar zu sein, daß sie ihr diese schmachvolle Verbindung aufzwingen, denke ich. Es muß Ihnen ein Leichtes sein, die Komtesse davon zu überzeugen, daß sie ein Leben mit Ihnen einer ungeliebten und traurigen Ehe vorzieht.“ „Es ist schmählich, Herr Baron. Ich kann es ansehen wie ich will. Ich bin ein Schuft, wenn ich auf diesen Vorschlag eingehe. Der Baron trommelte erregt auf der Platte seines Schreibtisches.„Ich schenke Ihnen diese zwanzigtausend Mark und das Ueberfahrtsgeld. Sie sind es mir nicht mehr schuldig. Warum nennen Sie den Handel schmählich? Wenn Sie sich allerdings nicht zutrauen, sich durch diese Mittel heraufzuschaffen, dann ist es freilich besser, Sie bleiben ewig ein armer Verwalter. Auf meinem Gut ist aber dann für Sie kein Platz mehr.“ Mendheim biß sich auf die Lippen.„Sie versetzen mich also selbst in eine Zwangslage, Herr Baron?“ „Was heißt Zwangslage? Ich betrachte die Dinge nur als nüchterner Geschäftsmann. Für mich ist es ein Geschäft. Ich riskiere fünfundzwanzigtausend Mark, um einen unbequemen Konkurrenten loszuwerden. Ich weiß nicht, od es „Sie spekulieren also auf den Besitz des Grafen?" „Nun ja, das ist die Richtschnur meines Handelns. Das wußten Sie übrigens schon seit unserer letzten Unterredung. „Greiner wird seine Forderungen niemals an Sie abtreten.“ „Das bleibt dahingestellt. Was will er mit dem Besitz anfangen?“ „Ich kenne ihn zu wenig, um ihn einschätzen zu können. Wenn er nur, wie Sie, Herr Baron, geschäftliche Beweggründe zu dieser Verbindung hatte, dann kann es ja möglich sein. Im anderen Falle aber—“ „In welchem anderen Falle aber?“ „Daß er Ilse liebt.“ „Ah, halten Sie das für möglich?“ (Fortsetzung folgt.)