Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Nugemeiner nteisangeiger uspreis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichswark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwelm Nenstraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Nr. 2018.— Hostscheckkonto Hannover 76913.— Für unver langt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Betriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. für den Ennepe=Kahe nreis Schibeier Radlauzeiger Mit den Beilagen: Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig, im Reklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Ge chäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Kummer 81 Erstes Blakt Donnerstag, den 7. April 1932 103. Jahrgang 1 Große Schlacht an der Grenze von Korea TU. Mukden, 7. April. In der Nähe der Grenze zwischen der Mandschurei und Korea an der ostchinesischen Eisenbahnlinie hat eine große Schlacht zwischen japanischen Truppen unter General Tamon und chinesischen Truppen stattgefunden. Japanischen Berichten zufolge wurden 500 Chinesen getötet und 3060 verwundet. Ihre eigenen Verluste gaben die Japaner mit 9 Toten und 36 verwundeten Offizieren an, während über die Zahl der verlorenen Mannschaften keine Angaben gemacht wurden. Die Truppen des General Tamon nahmen die Stadt Fancheng ein. Iin Feichen des Wähnlampfer Keine neue Notverordnung * Berlin, 6. April. Die Reichsregierung dementiert verschiedene Gerüchte die davon sprachen, daß Reichskanzler Dr. Brüning am 25. April eine neue Notverordnung erlassen wolle, die insbesondere weitgehende Beamtengehaltskürzungen und Kürzungen der Unterstützungssätze der Erwerbslosen mit sich bringen sollte. Es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß durch die letzte Notverordnung bereits etatsrechtliche Maßnahmen für das Vierteljahr April=Juni getroffen worden seien. Irgendwelche Vorarbeiten für eine Notverordnung seien nicht in Angriff genommen. Senkung der Vermögenssteuer geplant * Berlin, 7. April. Wie die„Vossische Zeitung" meldet, beabsichtigt das Reichsfinanzministerium, die bei der Veranlagung der Vermögenssteuer entstandene Härte durch eine generelle Herabsetzung der Steuer zu beseitigen. Dadurch solle der seit dem 1. Januar 1931 eingerretenen Wertminderung Rechnung getragen werden. Einheitliche Währung für die fünf Donauländer? * Berlin, 7. April. Die„Vossische Zeitung" meldet aus Prag: In politischen eingeweihten Prager Kreisen wird nicht ohne Besorgnis davon gesprochen, der französische Plan für die Hilfsaktion im Interesse der Donaustaaten sehe nicht nur eine gemeinsame Haftung der fünf Donauländer für alte und neue Anleihen, sondern auch ihre Währungsgemeinschaft vor. Ob diese Pläne sich bereits im jetzigen Stadium der Entwicklung verwirklichen werden, bleibe dahingestellt. Kommunistische Antikriegskundgebung aufgelöst * Berlin, 6. April. Auf einer von der KPD. veranstalteten Antikriegskundgebung im Sportpalast am Mittwoch abend wollte auch ein chinesischer Kommunist sprechen. Als er das Rednerpult betrat, wurde ihm das Sprechen von der Polizei untersagt mit der Begründung, er hätte keine Sprecherlaubnis. Es setzte ein ungeheurer Lärm ein, so daß sich die Polizei gezwungen sah, die Versammlung zum Teil unter Anwendung des Gummiknüppels aufzulösen. Schutz von Erwerbslosen vor: Glücksspielern * Chemnitz, 6. April. Ein größeres Polizeiaufgebot unternahm heute ganz unerwartet im Städtischen Speisehaus in der Brückenstraße eine Durchsuchung nach Spielern und anderen verdächtigen Personen. Im Speisehaus hatten sich in letzter Zeit Elemente gesammelt, die in zahlreichen Fällen den Arbeitslosen auf dem Karl=Max=Platz die Unterstützungsgelder im Glücksspiel abgenommen hatten. Es wurden etwa hundert Personen festgenommen und auf Lastkraftwagen dem Polizeipräsidium zugeführt. Flugzeug Berlin—Wien brennend gelandet * Wien, 5. April. Das Großflugzeug A. 100 der österreichischen Luftverkehrs=A.=G., das die Linie Berlin—Prag—Wien befliegt, ist Dienstag in Aspern(dem Wiener Flughafen) brennend gelandet. Bei den letzten Landungsmanövern geriet der rechte Tragflächenmotor in Flammen. Durch sofortiges Sperren der Zuleitungshähne gelang es dem Piloten. Flugkapitän Mandl, trotz der Stichflammen, das Flugzeug noch sicher zu Boden zu bringen. Während Flugplatzmannschaft und Polizei mit 35 Handlöschapparaten den Brand bekämpften, konnten die zwei Fluggäste und die Fracht heil herausgebracht werden. Durch das Tetrachlor der Löschapparate, das von starkem Sturm zurückgetrieben wurde, erlitten sieben an den Löscharbeiten beteiligte Personen leichte Gasvergiftungen. Die dreimotorige Junkersmaschine ist betriebsunfähig. Tragfläche und Wand, in die der Motor eingebaut war, sind eingeschmolzen. Große Ueberschwemmungen in Rumänien * Bukarest, 6. April. Die plötzlich eintretende Schneeschmelze hat in allen Teilen des Landes große Ueberschwemmungen verursacht. Zahlreiche Eisenbahnhauptstrecken stehen unter Wasser. Züge aus Polen und Deutschland müssen umgeleitet werden und treffen mit großen Verspätungen ein. Die Regierung hat die Entsendung von sieben Pionierregimentern in die bedrohten Gegenden angeordnet. Hiller in Würzburg und Nürnberg * Würzburg. 6. April. Mittwoch nachmittag sprach Hitler in einer Versammlung in Würzburg. Seine Rede wurde durch Lautsprecher in weitere 14 Säle übertragen, so daß sie von etwa 30000 Versammlungsbesuchern vernommen werden konnte. Hitlers Ausführungen beschäftigten sich vorwiegend mit der Widerlegung der gegen die Nationalsozialisten gerichteten Angriffe. * Nürnberg, 6. April. Gegen 20 Uhr traf Hitler auf dem Nürnberger Flugplatz ein. Er begab sich sofort zur Versammlungshalle, die bereits vor Beginn wegen Ueberfüllung polizeilich geschlossen war. Hitler ging hier ebenfalls auf die gegen die NSDAP. gerichteten Behauptungen ein. Gegenüber dem Versagen des Systems, das mit seiner ganzen Wirksamkeit nur zu dem heutigen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zuständen geführt habe, pries Hitler die vorbildliche Geschlossenheit in der nationalsozialistischen Bewegung, die keine soziale Krise mehr unter dem Hakenkrenz kenne, die Spargroschen sichere und die Frau in ihre vornehmsten Rechte und Pflichten wieder einsetze. Er, Hitler, und seine ganze Bewegung seien keinem ihrer Grundsätze in den 13 Jahren untreu geworden. Das heutige System dagegen sei nur in seinen Schlagworten steckengeblieben. Das Ziel seiner Arbeit sei der Sieg über die schwarz=rote Koalition. Die Ausführungen Hitlers wurden wiederholt von gewaltigen Beifallsstürmen unterbrochen. Nach seiner Rede begab er sich sofrt nach Regensburg, wo er ebenfalls am Mittwoch abend sprach. Nach Hitler sprach in der Nürnberger Versammlung Staatsminister Klagges= Braunschweig. Er betonte, daß der Nationalsozialiomus in praktischer Regierungsarbeit bereits Erfolge erzielt habe. Er beschäftigte sich besonders mit den gen der Erwerbslosenfürsorge, der Fürsorge für die Rentner und mit Haushaltsfragen. Hauptmann a. D. Goering ließ sich des breiteren über die Methoden des Kampfes, die gegen den Nationalsozialismus angewandt würden, aus. Der Redner wandte sich besonders scharf gegen die Behauptungen des Kanzlers, der Naitonalsozialismus untergrabe das Ansehen des Deutschen Reiches. Aus dem Munde von Parteien, die im Jahre 1918 systematisch die Autorität des Reiches untergraben hätten, sei dieser Vorwurf in jeder Beziehung unberechtigt. Auch den Vorwurf, man lasse den Feldmarschall sein hohes Alter in unvornehmer Weise fühlen, wies Goering energisch zurück. Bereits 1925 hätten die heute hinter Hindenburg stehenden Parteien diesen für zu alt für den Posten des Reichspräsidenten erklärt. Hiller in Regensburg * Regensburg, 6. April. Mittwoch abend gegen 22 Uhr sprach Hitler in Regensburg. Da die Regensburger Ortsgruppenleitung trotz elfmaligen Versuches, staatliches Gelände für die Abhaltung zur Verfügung gestellt zu erhalten, gescheitert war — verschiedentlich auch an dem Widerspruch des Stadtrates— fand die Veranstaltung in einem großen Zelt statt. An den Plakatsäulen waren Anschläge angebracht, die die Unterschrift trugen „Der Hindenburg=Ausschuß“ und in denen bezweiselt wurde, daß Hitler wegen seiner Rede in Nürnberg fast zu gleicher Zeit auch in Regensburg sprechen würde. Hitler wies auch in dieser Versammlung wieder eine Reihe von böswilligen Beschuldigungen zurück. Von der falschen Hotelrechnung angefangen, so erklärte er. bis zu dem Flugblatt, das mit einer gesälschten Unterschrift meinen Rücktritt von der Präsidentschaftskandidatur behauptet, ist von der gegnerischen Seite mit den unmöglichsten Mitteln gegen mich gearbeitet worden. In Berlin habe ich eben noch vernommen, daß man aufs neue behauptet, ein schweizerisches Konsortium hätte uns vier Millionen Franken gegeben (große Heiterkeit). Wenn der Herr Reichskanzler bei seiner Rede in Königsberg von der Notwendigkeit der Verteidigung unserer Ostgrenzen sprechen will, so meinen wir, er hätte das nicht in Königsberg, sondern in Geuf sagen sollen. Das Schlimmste aber ist die Verquickung politischer Arbeit mit der Religion. In Millionen von Flugblättern habe man in Norddeutschland erklärt, ich sei ein von Rom bezahlter Jesuit. Hier in katholischen Gegenden sage man ich sei Wotananbeter und Feind der Religion überhaupt.„Wir haben es schon seit langem als das Wichtigste erkannt," so betonte Hitler,„daß man die Priester aus diesem politischen Kampf herausnimmt und sie wieder in die Kirche hineinbringt. Auch wir in Deutschland wollen das fertigbringen, was in dieser Beziehung der Faschismus in Italien fertig gebracht hat. Den Generalfeldmarschall von Hindenburg verehre ich und habe ihn verehrt, als die anderen ihn besudelten.“ Brüning in Thüringen * Erfurt, 6. Aprik. Am Mittwoch abend sand im überfüllten Reichshallentheater eine Kundgebung des Hindenburg=Ausschusses statt, in der Reichskanzler Brüning und der Vorsitzende der Hindenburg=Ausschüsse, Gereke, sprachen. Landrat a. D. Gereke erklärte in seiner Ansprache u. a., daß die von Hugenberg vorgeschlagene parlamentarische Lösung der Reichspräsidentenfrage ohne zweiten Wahlgang zu spät gekommen sei. Mit aller Schärfe müsse man sich gegen die demagogische Kampfesart der Nationalsozialisten wenden, die ein System bekämpsten, auf das ihr Führer türzlich erst den Treueid geleistet habe. Das Deutschland eines Dritten Reiches würde mit seinen unerfüllbaren Versprechungen Chaos und Bürgerkrieg bedeuten. Das System der Einigkeit, der Treue und Pflichterfüllung sei in Hindenburg verkörpert. Nur mit diesem System könne auch wieder eine Wehrhoheit und die Tributfreiheit erkämpft werden. Reichskanzler Brüning, der von der Versammlung lebhaft begrüßt wurde, führte u. a. aus, ein Sieg Hindenburgs im ersten Wahlgang hätte dem Volk viel ersparen können. Anscheinend wisse man noch nicht, daß von politischer Festigkeit die gesamte Kreditwirtschaft und damit das Leben von Industrie, Wirtschaft und Arbeiterschaft abhängig sei. Das Evangelium vom Dritten Reich würde nicht lange bestehen können, denn, wer die Macht mit solchen Versprechungen erringen würde, müßte schon nach 14 Tagen ein Fiasko erleben. Die Behauptung, daß die Regierung sofort nach der Wahl eine neue Notverordnung erlassen würde, sei eine Lüge. Die Reichsregierung habe kein Interesse an Beamtengehaltskürzungen und werde alles daran setzen, neue schwere Opfer zu vermeiden. Ein Zusammenbrechen der Landwirtschaft sei durch die Zollmaßnahmen der Reichsregierung verhindert worden. Es habe keinen anderen Weg gegeben, als Maßnahmen zu treffen, um den völligen Zusammenbruch zu verhindern. Von einer sachlichen Regierung hänge auch der Glaube der Welt an unsere Währung ab. Die Währungsvorschläge, wie sie z. B. der Nationalsozialist Dr. Feder gemacht habe, seien nichts anderes als versteckte Maßnahmen für eine neue Inflation. Ein Volk, das so tief im Elend stecke, müsse solche Experimente ablehnen. Die nächsten Monate würden wohl hier und da schwere Nervenproben in der Außenpolitik bringen, aber wenn Deutschland die Kraft zur Einigkeit aufbringen könne, dann würde man auch diese überwinden. Wenn Hitler und Hugenberg seinerzeit, als ihnen dies angeboten worden sei, Hindenburg auf den Schild gehoben hätten, dann wäre eine Rechtsregierung die Folge gewesen. In den Kandidaturen Hitlers und Duesterbergs sei die Unfähigkeit zu erkennen, in politischen Dingen eine klare Linie zu sehen. Der Kanzler schloß mit einem besonderen Aufruf an die Mütter, Hindenburg zu wählen, da seine Person für eine disziplinierte Jugend Gewähr biete. Nachdem der Kanzler anschließend in zwei weiteren Erfurter Versammlungen gesprochen hätte, begab er sich nach Weimar, um auch dort in einer Rede für die Wahl Hindenburgs einzutreten. Rede Hugenbergs in Ulm * Ulm, 6. April. Der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenberg hielt am Mittwoch im Saalbau eine Rede in der er u. a. ausführte: Die Schmarotzer behandeln jede Frage unter dem Gesichtspunkt, welches Geschäft man damit machen kann. Das Geschäft ist natürlich meist ein politisches. Aber es hat den Zweck der Sicherung der Herrschaft und damit der Pfründe. Auch die Frage Reichsreform droht, ein solches Geschäft zu werden. Es scheint schon auf der Fahrt zu sein, denn schon redet der Reichsverkehrsminister davon. Was eigentlich eine Frage höchster Sachlichkeit sein sollte, was eine Lebensfrage deutscher Zukunft ist, soll Mittel zum Zwecke des Parteienkampfes werden. Man will das alte ehrwürdige Preußen auf dem Altar der Parteienbedürfnisse schlachten. Im Reiche hofft man mit Hilfe des Reichspräsidenten, der Reichswehr und der 21 von Sitzung zu Sitzung systemgebundenen wirtschaftsparteilichen Abgeordneten der Aufrechterhaltung der Systemherrschaft sicherer zu sein als in Preußen. Darum taucht plötzlich eine große Frage deutscher Zukunft auf. Man empfindet mit einem Male den Dualismus Preußen=Reich schwer, bei dem es ihnen früher so war. So wirft man ein„großes Problem“ in den Wahlkampf und sucht ihn damit aus den„Niederungen der gegnerischen Angriffe“ auf ein„anständiges Niveau“ emporzuheben. Reichsministerien und preußische Ministerien— so ist ungefähr der Plan— werden miteinander verknüpft. Die preuhische Polizei wird dem Reichsinnenminister unterstellt, der nebenbei preußischer Innenminister ist. Versetzen wir uns in die Lage nach der Neuwahl und in die Gedanken derjenigen, die sich trotz ihrer Niederlage an der Macht halten wollen. Sie sagen:„Mit dem törichten neugewählten Landtage (Fortsetzung auf der zweiten Seite.) Das Aaterial Nach dem ersten Eindruck, den die Veröffentlichung des Severingschen Materiales hinterläßt fragt man sich, welche objektiven Gesichtspunkte dafür angeführt werden können, daß der verantwortliche Leiter der Innenpolitik des größten deutschen Landes die Oeffentlichkeit mit der Bekanntgabe dieser teils harmlosen, teils noch zu klärenden Einzelheiten beunruhigt. Wenn man auch ohne weiteres als richtig unterstellt, daß diese oder jene nationalistische Unterabteilung es für ihre Aufgabe erachtet hat, eine Beobachtung der Polizei durchzuführen oder sich gar durch Vertrauensbruch Zugang zu geheimen amtlichen Schriftstücken zu verschaffen, so muß selbstverständlich, soweit die Polizeirazzia des Herrn Severing derartige Dinge zutage gefördert hat, durchgegriffen werden. Für derartige Dinge sind der Strafrichter und der Disziplinarrichter zuständig. Eine ganz andere Frage aber ist, ob aus diesem Material der Beweis für die hochverräterische oder gar landesverräterische Einstellung einer ganzen Partei, der derzeitig größten Partei in Deutschland, hergeleitet werden kann. Hier kann man sich die Auffassung der volizeilichen Stellen nicht zu eigen machen. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die agitatorische Behandlung der sogenannten Boxheimer Dokumente, die schließlich auch nichts weiter darstellen, als das Geltungsbedürfnis einiger nationalsozialistischer Unterführer, alle möglichen und unmöglichen Dinge auf dem Papier festzulegen. Wir erinnern ferner an die Hochverratsuntersuchung, die seinerzeit gegen die westdeutschen Industrieführer mit völlig negativem Erfolge durchgeführt worden ist. Bis heute ist die preußische Staatsregierung diesen zu unrecht verdächtigten Männern noch eine Ehrenerklärung schuldig. Nach diesen Vorgängen kann es keinem verargt werden, wenn er gegenüber allen derartigen Aktionen des preußischen Innenministeriums ein erhebliches Maß von Zurückhaltung zeigt. Dies ist umso notwendiger, als die Aktion der preußischen Amtsstellen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ohne Zusammenhang mit der jetzigen Wahlbewegung veranstaltet worden ist. Dies wird zwar vom preußischen Innenminister ausdrücklich bestritten. Aber selbst wenn dieser Zusammenhang dem verantwortlichen Leiter der preußischen Innenpolitik nicht zum Bewußtsein gekommen ist— wir werden natürlich niemals das Wort eines preußischen Ministers in Zweifel ziehen— so ist es dennoch wahrscheinlich, daß im Unterbewußtsein diese Dinge eine entscheidende Rolle gespielt haben. Wir halten die publizistische Aufmachung der ganzen Aktion für einen schweren Schaden für Deutschland. Denn es muß durch diese Art der Propaganda der Eindruck erweckt werden. als gebe es in Deutschland eine große— gegenwärtig die größte— Partei, die mit allen Mitteln am illegalen Umsturz arbeitet. Dieser Auffassung widersprechen zunächst die vom Reichsinnenministerium immer wieder als zu Recht bestehend anerkannten Legalitätserklärungen der nationalsozialistischen Führung. Im übrigen reicht das von Severing hervorgebrachte Material nicht im entferntesten aus, um einen derartigen Vorwurf zu begründen, und schließlich ist die Feststellung, ob die Partei als solche illegal ist oder nicht, nicht Sache des Klägers, also der preußischen Polizei, sondern des Richters. Im übrigen darf man den Nationalsozialisten ohne weiteres zubilligen, daß sie das subjektive Bedürfnis haben, sich gegen die Bürgerkriegsrüstungen von der anderen Seite zu schützen. Hat man im heutigen Deutschland überhaupt kein Gefühl mehr dafür, daß es auf der äußersten Linken eine zu allem entschlossene Millionenpartei gibt, die den Sturz des heutigen Regierungs= und Wirtschaftssystems offen auf ihre Fahnen geschrieben hat und deren Anhänger sich täglich Bluttaten zuschulden kommen lassen? Man hat leider noch nichts davon gehört, daß die Systempresse, die sich jetzt mit wahrem Feuereiser auf dieses Material gegen die Nationalsozialisten stürzt, in ähnlicher Weise gegen die notorischen kommunistischen Bürgerkriegsvorbereitungen reagiert. Außerdem gibt es bei uns auch noch sozusagen eine„Eiserne Front“. Es paßt ausgezeichnet, daß gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Severing'schen Materials gegen die Nationalsozialisten ein schwerer bewaffneter Ueberfall von Reichsbannerleuten auf Nationalsozialisten bekannt wird. In Münder am Deister wurde auf Grund dieses Ueberfalles in einem Verkehrslokal der Eisernen Front eine Haussuchung veranstaltet, bei der 33 bewaffnete Reichsbannerleute festgenommen wurden. Man sand bei ihnen Karabiner, Revolver, Seitengewehre, Schlagwafsen und zahlreiche Munition. Wenn also Herr Severing es für nötig hält, mit äußerster Schärfe gegen gewisse Organisationsspielereien nationalsozialistischer Unterführer vorzugehen, warum T.) MFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Auf Kosten Deutschlands —„„„*„** ist es nicht zu machen. Darin sitzen so viele Nationalsozialisten und Deutschnationalen, daß sie beinahe die Mehrheit haben. Sie haben nur eine negative Mehrheit— mit den Kommunisten zusammen. Darum sind sie zu positiver Arbeit unsähig.! Euglesch Frute,l den Sozialdemokraten, Zentrum und etwaigen Was ist zwischen Macdonald und Tardien vereinbart worden? Restbestand von Zentrumshörigen, wie ChristlichSozialer Volksdienst, Wirtschaftspartei usw. verrichtet werden. Zu ihren Gunsten kann man rurichtet werden. Zu ihren Gunsten kann, man ruhig vom Reiche her die fehlende Mehrheit durch „Reichsreform“, ersetzen. In Preußen regieren eben die Reichsminister, die des Vertrauens des preußischen Landtages nicht bedürfen.“ Das ist statt ausgeführt hat. Im preußischen Landlag wia man jetzt schnell noch vor der Neuwahl eine Aenderung der Geschäftsordnung durchpeitschen, die gans offenbar diesem sauberen Plane zugute kommen 9v.„.. ist im Grunde Das sind„Schigpuppen. Has int im Grunde Ver Ausschüsse werden gebildet Amtliche Verlautbarung zur Viermächtekonferenz * London, 6. April. Ueber die heutigen Bespre. preußischen, Landtages„nicht bedür)..., sattep lchungen in der Donau=Frage wurde am Ende de ganz einsach die Methode, nach der man in tr9r.:/ Nachmittagssitzung folgender Bericht veröffen: Zeit ständig in Deutschland Verfassung gemachtiche. hüschen vagotag win Es wurde ein Ausschuß gebildet, der über die Igegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse der Donaustaaten sowie über die Ar“ der für eine Lösung am besten geeigneten Maßnahmen zu berichten hat. Der Bericht soll morger Das sind„Schiebungen.„ulationen dielerstattet werden. Die Vertreter der vier Mächte Verfassungsbruch. Das suind Beanl#####z#kamen weiterhin überein, einen kleinen Sachverständigenausschuß einzusetzen, der die durch den kürzlich veröffentlichten Bericht des Finanzaus= schusses des Völkerbundes angeschnittenen Fragen prüfen soll. Hochbetrieb * London, 6. April. Die deutschen Delegierten für die Vier=Mächte=Konferenz, an der Spitze hoffentlich Millionen Wählern die Augen öffnen und die veranlassen, keiner Partei die Stimme zu geben, die sich damit befleckt. Der einzige sichere Schutz gegen solche Ungeheuerlichkeiten besteht darin, daß Preußen sich auf Preußen besinnt und die preußischen Deutschnationalen so stark macht, daß sie zusammen mit den Nationalsozialisten eine Mehrheit haben und solchen Wahnsinn verhüten Hier in Württemberg sind Sie noch eine Stufe Staatssekretär von Bülow und Ministerialdibesser gestellt als wir in Preuen. Sie haben all' rektor Dr. Posse, trafen heute um 8.15 Uhr auf die Jahre hindurch einen guten Finanzminister gehabt und eine gute Finanzwirtschaft. Dieser Fihanzminister ist ein Deutschnationaler. Ich habe zu Ihnen sehr viel weniger von Württemberg gesprochen, dessen Lage Sie viel besser als ich kennen, als vielmehr von Preußen. Denn ich erbitte nicht nur das Interesse der Preußen für diese preußischen Fragen, sondern auch das Interesse der übrigen deutschen Länder. Denn diese preußischen Fragen sind deutsche Fragen. Aufruf des Zentrums zur Hindenburgwahl * Berlin, 6 April. Die Zentrumspartei verbreitet einen Aufruf zur Hindenburg=Wahl, in dem es u. a. heißt: Am 10. April wird der Sieg Hindenburgs vollendet! Die Gefahr des Augenblicks ist die Saumseligkeit bei denen, die im ersten Wahlgang ihre Pflicht getan. Die Erreichung des Wahlzieles erfordert, daß niemand aussetzt, niemand zurückbleibt. Hindenburg ist der Treuhänder des deutschen Volkes und die Bürgschaft für eine ruhige Entwicklung zum Aufstieg. Darum darf keine einzige Stimme am 10. April fehlen. Es gilt neue Stimmen zu werben in den Städten und Dörfern. Hindenburg muß siegen, weil Deutschland leben will! Röhm bleibt Stabschef München, 6. April. Ueber den Stabschef Hitlers, Röhm, sind auf Grund einiger Briefe Röhms, die der gegnerischen Presse in die Hände gekommen sind, in der letzten Zeit allerlei Mitteilungen wegen eines staatsanwaltschaftlichen und richterlichen Ermittlungsverfahrens bezüglich sittlicher Verfehlungen veröffentlicht worden. Dazu verbreitet jetzt die Pressestelle bei der Reichsleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeitervartei folgende Erklärung Adolf Hitlers: Aus sehr durchsichtigen Gründen wird jetzt in der Wahlzeit immer wieder das Gerücht verbreitet, daß ich beabsichtigen würde, mich von meinem Stabschef zu trennen. Demgegenüber erkläre ich ausdrücklich ein für allemal, Oberstleutnant Röhm bleibt mein Stabschef jetzt und nach den Wahlen. An dieser Tatsache wird auch die schmutzigste und widerlichste Hetze, die vor Verfälschungen, Gesetzesverletzung und Amtsmißbrauch nicht zurückschreckt und ihre gesetzesmäßige Sühne finden wird, nichts ändern.“ Hiller über den Kronprinzen * London, 6. April. Der Sonderkorrespondent des Daily Expreß, der als einziger ausländischer Journalist Adolf Hitler auf seiner Wahlreise begleitet, gibt eine Unterredung mit Hitler über die Zustimmungserklärung des deutschen Kronprinzen zum Nationalsozialismus wieder. Auf die Frage, ob sich Hitler hierüber gefreut habe, erklärte Hitler:„Ja! Ich würdige die Haltung des Kronprinzen, sie kam von seiner Seite völlig spontan. Er hat damit öffentlich seine Uebereinstimmung mit dem Haupttrupp der deutschen Rechten zum Ausdruck gebracht. Daran waren keinerlei Bedingungen geknüpft. Ein Verhandeln hat es nicht gegeben. Ich wäre auch nicht bereit gewesen, irgendwelche Zugeständnisse zu machen. In Deutschland stehen zurzeit wichtigere Fragen als Monarchismus oder Republikanismus zur Entscheidung.“ wird nicht gegen die tatsächlichen Bürgerkriegsvorbereitungen der„Eisernen Front“ ebenso scharf eingeschritten? Hinzu kommt, daß neben der sogenannten„Eisernen Front“ auch noch eine „Volksfront“ der Christlichen Gewerkschaften und der Katholischen Arbeitervereine organisiert wird. Ein Aufruf ist ergangen, der zur Bildung von Bereitschaften auffordert, damit„Vorsorge zur aktiven Abwehr jedes verfassungswidrigen Angriffs auf den Staat und seine Ordnung" getroffen wird. Man sieht: Im Lager der heutigen preußischen Regierungsparteien gehen allerhand Dinge vor sich, die die Aufmerksamkeit der verantwortlichen Regierungsstellen mindestens ebenso sehr auf sich ziehen sollten. Wo ist die entschlossene Staatsführung, die auf wirklich überparteilicher Grundlage für Ordnung im Staate sorgt? Die Rechtsopposition wird dem Bahnhof Liverpool Street ein. Sie wurden von einem Vertreter des Premierministers und des Staatssekretärs des Aeußern, sowie von dem deutschen Botschaftsrat Graf Bernstorff empfangen. Auf dem Bahnhof hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Staatssekretär von Bülow empfing kurze Zeit darauf den österreichischen Gesandten Baron Frankenstein. Mittags gab der Premierminister Macdonald ein Frühstück zu Ehren der deutschen und italienischen Delegierten.„„.. zn zmischen Tarsten Kaum sind die Besprechungen zwischen Tardien und Macdonald beendet, da beginnt schon die Viermächte=Konferenz. Im alten Kabinettssaal des Foreign Office, da, wo seit Lord Salisbury zahlreiche welthistorisch gewordene Konferenzen stattgefunden haben, sind bereits alle Vorbereitungen für den Beginn der Konferenz getroffen worden. Englands politisches Leben ist seit jeher stark von Aeußerlichkeiten beeinflußt gewesen, und so sieht man auch jetzt in der Wahl dieses Saales ein gutes Vorzeichen, da er dem sogenannten LocarnoZimmer benachbart ist. Dort ist der Locarno=Vertrag unterzeichnet worden, hier soll der Geist dieses Paktes aufs neue seine Auferstehung finden. Andeutungen gut unterrichteter britischer Kreise lassen einige Schlüsse auf den Inhalt der französisch=britischen Besprechungen zu. Großbritannien, so wird betont, hat bereits soviel Geld, vorläufig ohne Aussicht auf Zurückerstattung, in Oesterreich und Ungarn angelegt, daß die Gewährung neuer Anleihen als höchst zweifelhaft angesehen werden. muß. Frankreich könne als einziger Geldgeber i Betracht kommen. Auf britischer Seite ist mar nicht geneigt, irgendeinem Plan für die Rehabilitierung der Donauländer zuzustimmen, der ohne aktive Zusammenarbeit mit Deutschland und Italien zustande kommen werde. In britischen Kreisen scheint man sich noch nicht völlig klar darüber zu sein, daß die Aufgabe der Meistbegünstigung von seiten Englands ein weit geringeres Zugetändnis bedeuten würde, als von seiten Deutschlands, dessen Handel mit den Donaustaaten 10 Prozent seines Gesamthandels umfaßt. Wenn man daher sich auf britischer ebenso wie auf französischer Seite der Hoffnung hingibt, daß Deutschland bereit sein wird, auf Meistbegünstigung zu verzichten. so wird man wahrscheinlich einer gewissen Enttäuschung nicht entgehen können, da derartige Zugeständnisse von den deutschen Delegierten nicht gemacht werden können. „Noch kein klares Bild“ Der Eindruck des ersten Tages der Viermächtekonferenz London, 6. April. In unterrichteten deutschen Kreisen hat man von dem ersten Tag der Viermächtekonferenz den Eindruck gewonnen, daß die heutigen Verhandlungen noch kein klares Bild über den Gang der nächsten Tage abgezeichnet haben. Bei der Beurteilung der Sachlage müsse man sich vergegenwärtigen, daß man erst am Anfang einer ganzen Kette von Erörterungen von akuten Problemen steht. Von deutscher Seite wurde aber schon heute zur Sprache gebracht, daß man die Donaufrage nicht allein lösen kann, ohne die Weltwirtschaftskrise zu berücksichtigen. * London, 6. April. Reuter erfährt von autorisierter Seite, daß die heutige Nachmittagssitzung der Viermächtekonferenz„einen sehr ermutigenden Verlauf“ genommen habe. Die Vorbesprechung zwischen Macdonald und Tardien Französische Bereitschaft zu einem Verzicht auf Reparationszahlungen? * London. 6. April. Dem Sonderkorrespondenten des Manchester Guardian zufolge waren die britischen Minister bei den französisch=britischen Besprechungen befriedigt über den realistischen Ton Tardieus hinsichtlich der Reparationen und der Lausanner Konferenz. Der empfangene Eindruck in dieser Angelegenheit sei, daß die französische offizielle Meinung sich nunmehr in die Gewißheit gefunden habe, daß niemals wieder Reparationszahlungen ausgenommen werden würden, jedenfalls nicht in großem Umfange, daß ferner die französische Delegation auf der Lausanner Konferenz nicht die Erneuerung des HooverMechanismus“ verlangen werde, wonach die seutschen Annuitäten an die B3Z. zu zahlen und an Deutschland zurückzuleihen seien. „Millionär Hiller“ * München, 7. April. Zu den durch die Presse gegangenen Behauptungen über Riesengehälter und Einkommen Adolf Hitlers und seiner Mitarbeiter, die bei Hitler zwischen monatlich 1100 RM. und 1½ Millionen RM. jährlich schwankend angegeben wurden, stellt die Pressestelle der NSDAP. erneut fest, daß sämtliche Zahlenangaben frei ersunden sind. Adolf Hitler habe überhaupt kein Parteieinkommen, sondern bestreite seinen Lebensunterhalt aus dem Ertrag seiner schriftstellerischen Arbeiten. Auch durch solche Falschmeldungen werde das heutige System sich nicht mehr vor dem siegreichen Ansturm der nationalsozialistischen Bewegung retten können. Die Antwort des Stahlhelm * Berlin, 6. April. Alle Mitteilungen über die Entwicklung des Verhältnisses zwischen dem Reichspräsidenten von Hindenburg und dem Stahlhelm, dessen Ehrenmitglied der Generalfeldmarschall bekanntlich ist, stammen von den zuständigen Regierungsstellen, während der Stahlhelm es nach wie vor ablehnt, sich zu dieser Angelegenheit, die er für vertraulich erklärt überhaupt zu äußern. Wie wir erfahren, trägt die Antwort des Stahlhelms an den Reichspräsidenten dessen Wünschen Rechnung. Die Linke kommt also um das Vergnügen, einen offenen Konflikt zwischen dem Stahlhelm und dem Generalfeldmarschall von Hindenburg sind seitens der Bundesleitung nicht erfolgt. Soweit örtliche Stellen Maßregelungen vorgenommen haben, dürften sie nachgeprüft werden mit dem Ziele der Zurücknahme. ] Es wäre wünschenswert, daß unter alle diese Dinge endlich einmal ein Schlußstrich gezogen wird, denn es erscheint auch im Interesse des Stahlhelms wenig ersprießlich, wenn nachträglich noch eine große politische Maßregelungskampagne beginnen sollte, sei es gegen den Herzog von Sachsen=Koburg und Gotha, der bekanntlich einen Aufruf für Hitler unterschrieben hat, sei es gegen den Stahlhelms=Landesführer von Alvensleben=Neugattertsleben, dessen Name unter einem Aufruf konservativ gerichteter Persönlichkeiten zugunsten Hindenburgs steht. Bemerkenswert ist übrigens auch, daß der Kammerherr von Oldenburg=Januschau, bekanntlich deutschnationaler Reichstagsabgeordneter, seine Stimmabgabe für Hindenburg im zweiten Wahlgang öffentlich begründet hat. der heutigen preußischen Regierung am 24. April.. glsgbung gogen dow Vusisemisiarung beweisen, daß sie in ihr diese objektive Staatsge=Entschließuug gegen den Anttsechnislaus walt nicht zu erblicken vermag. Ein Appell an alle verantwortungsbewußten Deutschen zur Gemeinschaftsarbeit. * Berlin, 5. April. Der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, der am Sonntag und Montag tagte, hat einstimmig eine von sämtlichen Fraktionen eingebrachte Entschließung gefaßt, in der festgestellt wird, daß die Verwilderung der politischen Sitten in Deutschland in ungeahntem Ausmaß zugenommen hat, und daß die Agitation auch vor den gehässigsten Angriffen auf die heiligsten Schriften des Judentums nicht zurückschreckt. Der Landesverband bringt allen verantwortungsbewußten Deutschen eindringlich zum Bewußtsein, daß der Wiederaufbau des Vaterlandes nicht durch die Zurückstoßung eines zur Mitarbeit bereiten und befähigten Volksteils erreicht werden kann, sondern nur durch Zusammenfassung aller vom Gemeinschaftsgeist erfüllten Kräfte. Standortmeldung des„Graf Jeppelin“ * Hamburg. 6. April. Nach einer Mitteilung der Hapag befand sich das Luftschiff„Graf Zeppelin“ um 14 Uhr(Greenwicher Zeit) auf 20,30 Nord und 20,7 West. Vermutlich wird die Landung Donnerstag abend erfolgen. Es gehl nicht ohne Auforiiät Wieder ein Großbetrieb in Rußland stillgelegt * Moskau, 5. April. Das Zentralkomitee der Partei hat sich zu einem energischen Erlaß an die Automobilfabrik in Nishnij Nowgo= rod gezwungen gesehen, da diese mit den neuesten amerikanischen Maschinen ausgerüstete Riesenfabrik schon einen Monat nach der Inbetriebsetzung und nach der Einschulung ihres Arbeiterheeres von 25000 Mann die Produktion wieder eingestellt hat und stilliegt. Der Erlaß des Zentralkomitees hebt als den wesentlichen Grund des Stillstandes in Nishnij Nowgorod die schlechte Leitung des Werkes hervor Wie in letzter Zeit bei vielen neuen Riesenfabriken— derartige Berichte liegen vor vom Zinkwerk in Konstantino, vom Metallwerk im Ural, von landwirtschaftlichen Maschinenfabriken im Nordkaukasus—, so haben auch in Nishnij Nowgorod übereifrige Parteizellen und Parteibüros weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus sich in den Produktionsprozeß und in die eigentliche Leitung des Werkes eingemischt. Dadurch ist der geforderte Grundsatz einer einheitlichen Leitung der Werke durchbrochen, der Einfluß und die Macht des Direktors ausgeschaltet worden. Das Zentralkomitee fordert jetzt die sofortige Reorganisation der Parteibüros in Nishuij Nowgorod, die Wiederherstellung der verantwortlichen Leitung durch den Direktor der Automobilfabrik, die Wiederherstellung der Autorität der Ingenieure und unter allen Umständen die Wiederinbetriebsetzung des Nishnij Nowgoroder Werkes. Der Dichter Rudolf Herzog zum 2. Wahlgang Aus ernstester Gewissensprüfung, die auch von der Scheu vor dem politischen Tagesschmutz nicht gehemmt werden durfte, habe ich mich entschlossen, auch meine Stimme in letzter Stunde hinauszusenden an die ungezählten deutschen Männer und Frauen, die mir ihre Liebe, ihre Treue, ihren Glauben geschenkt haben, unverändert die Jahrzehnte hindurch. Handelte es sich nicht um Hin'denburg, den geliebten Mann und Feldmarschall, das Sprechen wäre mir leichter. Aber darin besteht ja gerade die Ungeheuerlichkeit, daß politische Parteien, weltfern geschieden von der Aufrichtigkeit und Deutschheit des greisen Patrioten, seine ehrwürdige Gestalt nur deshalb vor sich auf die Platform schieben, um das Volk. die Millionen der Wähler, ineine Empfindsamkeit des Gemüts, in eine seelische Not, in eine herzbeklemmende Verlegenheit zu setzen und sie zu einer Wahl zu veranlassen, die sie angesichts der Beweggründe dieser Wahlbestimmer niemals tätigen würden. Die Beweggründe aber heißen: Machthunger auf Kosten des darbenden Volkes. Erhaltung an der Macht selbst um den Preis seiner heiligsten Güter. Nicht nur Paris war eine Messe wert! Es wird in diesem Wahlgang mit ungleichen Waffen gefochten. Es wird von der einen Seite mit Finten und Volten gesochten. Oeffnet die Augen, ihr alle die ihr noch auf Ehre und Sauberkeit der Gesinnung, des Handelns und Vorgehens haltet! Man macht den Feldmarschall glauben, daß Licht und Luft zwischen ihm und seinem Mitbewerber Adolf Hitler aufs genaueste und ritterlichste verteilt seien. Ein einziges Beispiel nur: Der Rundfunk. das darum gewaltigste und eindringlichste Propagandamittel, weil es keine Entgegnung zuläßt, ist dem Führer des Nationalsozialismus gesperrt, während es den heutigen Machthabern widerspruchslos zur Verfügung steht! Laßt fahren dahin! Noch nie ist ein Reich, eine Welt, ein Glaube durch Unwahrhaftigkeit erhalten worden. Unwahr aber ist, daß die heutigen Machthaber sich anders erhalten hätten, als durch die Macht. Die aufschreiende Sehnsucht des gemarterten Volkes hätte sie sonst seit Jahr und Tag hinweggesegt. Jahraus, jahrein haben wir gutgläubig gewartet, haben wir uns vor dem In= und Ausland bis auf die Haut entkleiden und schänden lassen. Arm an Lebensgütern, totarm an Idealen sind wir geworden. Hoffnungslos starrt die Jugend in eine bettelarme Zukunft. Vierzehn Jahre lang haben die Männer der alten Machtparteien versagt. Ein kleines noch, und auch der letzte Mann im Volk versagt. Vor Ekel. vor Müdigkeit, vor Sterbenselend. Brüder und Schwestern, wir wollen aufstehen und„Halt und dreimal Halt!“ gebieten.„Es ist gewißlich an der Zeit“, singt ein altes Kirchenlied. Das Steuer herum! Besser ist es, durch den Sturm brausen, denn als ewiges Wrack hin und her geschleudert zu werden zu jedermanns Verlustigung. Brüder und Schwestern, macht euch frei von der deutschen Nörgelsucht, der Stammtischkritikasterei. Hindenburg errettete Deutschland im Kriege vor den Russenstürmen. Hitler errettete das Deutschland nach dem Kriege vor der Bolschewistenwoge. Vor mehr: Vor dem nationalen Zusammenbruch, dem Brei! So wolle es denn die Gerechtigkeit, daß nach dem alten Erhalter der neue das Ruder packe und dem Schiff den Weg weise in die neue Zeit. In unabänderlicher Liebe grüßen wir Dich, großer, geliebter Hindenburg. Und dann— um Deutschlands willen, um der Zukunft unserer Söhne und Töchter willen— ohne Unterschied des Ranges und der Religion, heran an die Urne: für Adolf Hitler! Rheinbreitbach a. Rhein, 4. April 1932. Rudolf Herzog. Ehlte Mindchburg Wähle Hitler! Freitod eines Bürgermeisters Der Bürgermeister der anhaltischen Stadt Wörlitz, Behrens, hat sich in der Nacht auf dem Hofe des Rathauses in Dessau erschossen. Man fand ihn auf einer Kiste vor der Ratskellerküche tot auf. Neben ihm lag die Pistole, sein Waffenschein und ein von ihm geschriebener Zettel des Inhaltes, daß er in Dessau eingeäschert zu werden wünsche. Der Grund zu der Tat ist bisher nicht bekannt. Geschäftliche Mittellung Seidenbau als Erwerbsquelle! Herr Hauptlehrer E. Glaser in B. schreibt:„Durch meine diesjährige Seidenraupenzucht habe ich unseren Ortsbenohnern usw., trotz dem Für und Wider des deutschen Seidenbaues den Beweis erbracht, daß die Seidenraupenzucht in Deutschland mit keinerlei Schwierigkeiten verbunden ist, denn der Verlauf und Erfolg meiner Zucht in diesem Jahre war einfach wunderbar; so daß ich und einige Leute aus dem Dorfe(welche ich vorerst ins Vertrauen gezogen hatte) sehr erstaunt darüber waren. Infolgedessen sind wir voll u. ganz überzeugt, daaß auch unser Ort in der Seidenraupenzucht selbst eine neue Erwerbsquelle gefunden hat".(Vergleiche heutige Anzeige.) Wareahaussitener bleibt besiehen„Faarglanz“ bedeutet Haar-Hygiene. * Berlin, 6. April. Die Aufhebung der erhöhten Umsatzsteuer für Konsumvereine und Warenhäuser, die der Reichstag in einer Entschließung verlangt hatte, lehnte die Reichsregierung in ihrer Antwort auf diese Entschließung mit Rücksicht auf die Finanzlage ab. Wellerbericht der Wellerwarte Essen Frische bis starke südwestliche Winde, vorherrschend bedeckt und vielfach Regen, später in Schauer übergehend. mild und Temperaturrückgang. Wie hält man sein Haar gesund? Durch regelmäßiges Nachspülen mit Schwarzkopf-Haarglanz nach jeder Kopfwäsche! Denn SchwarzkopfHaarglanz strafft das erweichte Haar wieder— er adstringiert es— und er entfernt die alkalischen Rückstände aus dem Haar— er neutrallsiert es. Das Haar wird fest und elastisch, es leuchtet in reinem Glanze: Schwarzkopf-Haarglanz ist sein Verlüngungsbad. „Haarglanz“, liegt jedem Beutel Schwarzkopf-Schaumpon bei. Welße Packung 20 Pfg., grüne Extra-Packung und Extra-Biond mit Sdlaumbrille 27 Pfg. leuchtet in * =1• Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. u r 5 st r t d ech 21 R18 aist rt. r ne en en Is cht hr ge5 ne ung erun vor vir al it“, er en, ert der hen enden and Vor sem ach acke seit. roum rer died ge: 9 tadt dem Nan üche feudes versbe uptdiesortsdes daß erlei lauf einaus geolgeunneue atige RO. gellaropfer hen es. in * Schwerer Raubüberfall und Einbruch in die Waldlust Telesonleilung durchschnitten— Zwei maskierte Männer dringen in die Küche ein und rauben die Tageskasse Gestern abend gegen 8 Uhr hatte der Pächter der Waldlust, Herr Krack, seine Wohnung in der Waldlust verlassen, um sich zu seinem Nachbar Hamm zu begeben, der 200 bis 300 Meter von der Waldlust entfernt wohnt. Frau Krack befand sich mit einer Hausangestellten in der Küche allein, um das Abendbrot zuzubereiten. Plötzlich wird die Küchentür aufgerissen und zwei Männer dringen ein mit schwarzen Tuchmasken vor dem Gesicht. Der eine hält einen Trommelrevolver in der Hand, der andere schwingt einen Gummiknüppel. Sie drohen den beiden Frauen, sofort zu schießen, falls eine um Hilfe rufen oder Widerstand leisten sollte und verlangen, sofort alles Geld herauszugeben. Frau Krack muß unter fortwährender Bedrohung mit dem Revolver mit dem Einbrecher in den Saal gehen, wo der Mann aus der Kasse das Wechselgeld von 6 bis 8 Mark nahm. Der andere Täter blieb in der Küche, um das Mädchen in Schach zu halten, dabei zog auch dieser einen Revolver. Mit dem Wechselgeld nicht zufrieden, sagte der Mann. der Frau Krack bedrohte:„Das ist Ihr Geld doch nicht alle. Sie gehen jetzt mit mir nach oben.“ Unter Bedrohung mit dem Revolver mußte Frau Krack aus dem Saal durch die Küche in den Hausflur gehen. Dort ging der Einbrecher, der sich wohl in Sicherheit wiegte, zuerst die Treppe herauf und forderte Frau Krack auf, ihm zu folgen. Statt dessen lief Frau Krack aber geistesgegenwärtiig schnell zur Kellertreppe und durch den Keller und den Kuhstall ins Freie, von dem Einbrecher verfolgt. Frau Krack nahm Richtung auf die Wohnung des Hamm, bei dem ihr Mann war. Als sie etwa 100 Meter von der Waldlust entfernt war, rief sie laut um Hilfe. Jetzt holte sie der Einbrecher ein, warf sie zu Boden und würgte sie. Auf erneutes Schreien ließ er von ihr ab und lief zur Waldlust zurück, um seinen Komplizen zu holen. Dieser hatte inzwischen weiterhin das Mädchen in Schach gehalten. Plötzlich rief der andere von der Haustür her:„Komm.“ Darauf flüchteten beide. Währenddessen hatte man in der Hammschen Wohnung das Schreien und Hilferufen gehört und eilte herbei. Als man die Polizei telephonisch herbeirufen wollte, stellte man fest, daß die Leitung gestört war. Einer der Söhne des Hamm lief zum Ehrenberg. stellte dort die Zerstörung der Oberleitung fest und telephonierte von dort an die Polizei. Diese begab sich sofort mit Kraftwagen zur Waldlust. Dort wurde u. a. festgestellt, daß die Lampe an der Haustür abgeschraubt und fortgeworfen worden war. Sie fand sich nachher in einer Wiese. Fingerabdrücke konnten leider infolge des Regens nicht mehr festgestellt werden. Die Täter trugen dunkle Röcke und hellere Hosen, trotz des Regens hatten sie keine Mäntel. Der eine war etwa 1,72 Meter groß, der andere etwas kleiner. Beide waren sehr schlank, es ist daher anzunehmen, daß sie noch juna sind. Beide sprachen Hochdeutsch in Schwelmer Dialekt. Heute morgen hat die Polizei eine schwarze Tuchmaske mit weißen Gunemibändern auf einer Bank in dem Tal der Wolfsegge zwischen Waldlust und Wildpark gefunden. Hoffentlich gelingt es der Polizei bald, diese gemeingefährlichen Einbrecher zu fassen. Schwelm, 7. April. A Wichtig für die bevorstehenden Wahlen. Wahlberechtigt sind alle Personen, die in den amtlichen Stimmlisten eingetragen sind. Für die Reichspräsidentenwahl am kommenden Sonntag und für die Landtagswahl am 24. April 1932 werden dieselben Stimmlisten benutzt, wie beim 1. Wahlgang der Reichspräsidentenwahl. Wer also für diese Wahl einen Wahlausweis erhalten hat, wird im allgemeinen auch für die beiden nächsten Wahlen in der Wählerliste mit aufgenommen sein und mithin sein Wahlrecht ausüben können. Neue Wahlausweise sind deshalb(mit Ausnahme von Zugängen) weder für den 2. Wahlgang der Reichspräsidentenwahl noch für die Landtagswahl ausgegeben worden. In seiner Bekanntmachung vom 29. Februar 1932 hat der Magistrat ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der am 13. März benutzte Wahlausweis seine Gültigkeit auch für spätere Wahlen behält und deshalb sorgfältig aufzuheben ist. Wer nicht mehr im Besitz einer Wahlkarte ist, kann auch ohne diese wählen, vorausgesetzt, daß er in der Stimmliste eingetragen ist. In diesen Fällen empfiehlt es sich aber, eine andere Legitimation zum Wahllokale mitzunehmen. Bis Freitag mittag kann auch jeder, der nicht mehr im Besitz des Wahlausweises ist, die Nummer, unter welcher er verzeichnet steht, auf dem Einwohnermeldeamt, Zimmer Nr. 4 des Rathauses, in Erfahrung bringen. Nochmals wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Stimmscheine ebenfalls nur noch bis Freitagmittag ausgestellt werden können. Die Wählerlisten müssen dann abgeschlossen und an die Wahlvorstände weitergeleitet werden. Nach diesem Zeitpunkt können Anträge auf Ausstellung von Stimmscheinen von der Vevwaltung in keinem Falle berücksichtigt werden, weshalb solche Anträge zwecklos sind. (=) Der Unterricht in den Schulen beginnt morgen. Die Aufnahme der Lernansänger findet in den einzelnen Schulen von 8 bis 10 Uhr statt. An die katholische Schule wurde die Lehrerin Fräulein Franziska Menze aus Lünen und an die Schule Kaiserstraße Herr Lehrer Erich Möller aus Bochum versetzt. (=) Die Rechnung der Stadtkasse für das Rechnungsjahr 1930 liegt vom 8. April 1932 für 14 Tage zur Einsicht der Einwohner im Rathaus Zimmer 18 offen. Vom Vorstand der Schwelmer Zentrumspartei geht uns ein Bericht über eine am Dienstag abend stattgefundene erweiterte Vorstandssitzung zu, in der es u. a. heißt: Der erweiterte Vorstand befaßte sich u. a. mit der an die Partei von seiten der NSDAP. erlassenen Einladung zu der am Donnerstag stattfindenden öffentlichen Versammlung. Er lehnt es einstimmig ab, der Einladung Folge zu leisten, da nach allen bekannten Vorgängen in früheren Versammlungen das Niveau einer nationalsozialistischen Versammlung vollkommen ungeeignet sei, grundsätzliche Die dun Gogy Ausstienaug im Gerichtssaul Fragen, wie die Frage:„Nationalsozialismus und Katholizismus“ zu diskutieren. Auch die hiesige kath. Geistlichkeit lehnt den Versammlungsbesuch ab. Nach Auffassung des Vorstandes der Zentrumspartei ist die Stellungnahme der Bischöfe der kath. Kirche Deutschlands. die die Zugehörigkeit des Katholiken zur NSDAP. ablehnt, für jeden Katholiken maßgebend.— Das in dem Schreiben von der Pressestelle der NSDAP. an die Schwelmer Zeitung erwähnte Flugblatt: Katholiken, die Augen auf!, das vom Oberpräsidenten in Münster für ganz Westfalen genehmigt war, aber nur in Schwelm durch die Polizeiverwaltung beschlagnahmt wurde, ist bereits durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Arnsberg wieder freigegeben worden und wird weitgehendst zur Verteilung gelangen. Eine BeweWacker wird vernommen Berlin, 6. April. Unter großem Publikumsandrang begann der Prozeß gegen den Kunsthändler Otto Wacker. Die Anklage beschuldigt Wacker der Urkundenfälschung, des versuchten und vollendeten Betrugs. Zu der Verhandlung sind etwa fünfzehn Sachverständige erschienen. Vor Eintritt in die Verhandlung, die Landgerichtsdirektor Neumann leitet, beantragte der Verteidiger Ablehnung der Sachverständigen Geheimrat Justi, de la Faille, Bremmer und Stopperan, die sich bereits vorher einseitig dahingehend festgelegt hätten, daß die Bilder Wackers samt und sonders Fälschungen seien. Das Gericht lehnte den Antrag ab, soweit er gegen Justi und Stopperan gerichtet ist; die Entscheidung über de la Faille und Bremmer stellte es zurück. Geheimrat Friedlän= der und die Inhaber der Firma Cassirer erscheinen dem Gericht als Sachverständige nicht mehr erforderlich. Der Ablehnungsantrag der Verteidigung gegen die Sachverständigen Geheimrat Justi und Stopperan wurde abgelehnt. Es begann dann die Vernehmung des Angeklagten Wacker. Er stammt aus einer Malerfamilie. Sein Vater war Landschaftsmaler; auch sein Bruder und seine Schwester haben sich als Maler betätigt. Mit 12 Jahren hat der Angeklagte, wie er weiter angab, schon Bilder seines Vaters selbständig verkauft und mit dreizehn Jahren schon Wanderausstellungen geleitet,.. 6 H etir Ml unn Mach Vorsitzender:„Hat Ihr Vater Bilder von Gogh restauriert?“ Angeklagter:„Er hat die meisten der dreißig in Frage kommenden Bilder restauriert. Auf Vorhalt des Vorsitzenden gab der Angeklagte zu, daß schon vor fünfzehn Jahren gegen ihn der Vorwurf erhoben worden sei, er habe einen unechten Stuck verkauft. Vorsitzender:„Haben Sie den Verkauf der VanGogh=Bilder gebucht," Angeklagter:„Ich habe nur die Gewinne notiert.“ Vorsitzender:„Das ist doch eine ungewöhnliche Buchführung.“ Angeklagter:„Ich verstehe nichts von der Buchführr ng.“ Der geheimnisvolle Russe. Ueber den Erwerb der Van=Gogh-Bilder sagt der Angeklagte aus, bei einem Tanzabend in Berlin habe er einen Russen kennengelernt, der gelegentlich einer Zusammenkunft im Hotel Esplaunde zu ihm auch von einer Sammlung van Goghscher Bilder gesprochen habe. Wacker will aber keine näheren Angaben weder über den Russen noch über die Art des Erwerbes der Bilder machen. Er verweigerte auch auf alle Fragen die Aussagen. Ihm wurde dann eine Auskunft der Polizei in Bern vorgehalten, die auf eine Anfrage des Berliner Polizeipräsidiums mitteilte, daß es sich bei dem gesuchten russischen Emigranten um einen Fürsten Galatzin handeln könne. Wacker verweigert aber in diesem Punkt jede Aussage. Dann erkläre er seine umfangreiche Sammlung von Literatur über von Gogb damit, daß er sich darüber informieren wollte, ob in diesen Büchern etwas über die ihm von den Russen angebotenen Bilder zu finden war. Er habe die Bilder in Kommission übernommen unter der ehrenwörtlichen Verpflichtung, den Namen des Besitzers nicht zu neunen, wozu er als Kaufmann auch nicht verpflichtet gewesen sei. In der Schweiz habe er auch Verwandte des Vorbesitzers kennengelernt und in Erfahrung gebracht, daß eine Familie in Zürich ebenfalls zwei Bilder van Goghs besaß. Der Vorbesitzer selbst habe die Bilder sehr billig erworben und nur mehrere tausend Mark bezahlt. Für das teuerste, das Selbstbildnis, habe der Vorbesitzer 8000 Mark gegeben. Die Bilder habe der Russe selbst nach Berlin gebracht. Einige Male habe er auch zwei bis drei Bilder aus der Schweiz im Auto mitgebracht. Etwa 14 bis 16 Bilder, die in schadhaftem Zustand waren, seien von seinem Bruder in Düsseldorf restauriert worden. Den Erlös aus dem Verkauf der Bilder habe er dem Vorbesitzer bei dessen Besuchen in Berlin oder bei seinen Besuchen in der Schweiz übergeben. Als im Herbst 1926 die Behauptung auftauchte, die Bilder seien gefälscht, hätten seine Freunde gedrängt, den Namen des Vorbesitzers zu nennen. Er sei zu diesem Zweck in die Schweiz gefahren. Der Vorbesitzer habe sich aber bereits auf einer Reise nach Aegypten befunden. In Zürich, wo er sich Geld besorgen wollte, um den Vorbesitzer noch in Genua zu erreichen, sei er verhaftet worden. Vom Vorbesitzer will er auch aus dem Erlös der Bilder ein Darlehen von 80 000 bis 90000 Mark erhalten haben. Mit diesen Geldern habe er die Einrichtung seines Geschäfts in der Viktoriastraße bestritten. Damit ist die Vernehmung des Angeklagten beendet und die Weiterverhandlung wird auf Donnerstag vormittag vertagt. gung, deren namhafte Führer sich einen Rekord von Beleidigungsklagen zugezogen hätten, müsse es sich gefallen lassen, wenn ihr mit gleicher Münze heimgezahlt werde. Die Zentrumspartei werde am Sonntag die richtige Antwort geben. * Keine Planwirtschaft bei den höheren Schulen. Der preußische Landtag hat sich gegen die vom Kultusministerium in Aussicht genommene Planwirtschaft einer Zusammenlegung höherer und mittlerer Schulen ausgesprochen. Ein Antrag, daß hier nicht über den Kopf des Landtages hinweg verfügt werden darf, sondern diesem jede Maßnahme in dieser Richtung vorher vorgelegt werden müsse, wurde angenommen. * Baumbestand und Grünflächen weiter gesichert. Der preußische Staatsrat hat dem Gesetzentwurf zugestimmt, der die Eigentumsbeschränkungen aus§ 3 des preußischen Gesetzes vom 29. Juli 1922(Pr. Ges. S. 213) zur Erhaltung des Baumbestandes und der Grünflächen um wetiere 5 Jahre verlängert. Hiaeln in die heute Abend Wilhelmshöhe Das Reichsfinanzministerium zur Vorverlegung der Einkommensteuertermine. Gerüchtweise wird behauptet, die Reichsregierung wolle die Einkommensteuer für 1931 durch die geleisteten Vorauszahlungen abgelten und überzahlte Vorauszahlungen nicht erstatten; weiter sei beabsichtigt, am 10. April 1932 eine weitere Vorauszahlung auf die Einkommensteuer zu erheben. Diese Gerüchte entsprechen in keiner Weise den Tatsachen. Die Termine für die Einkommensteuervorauszahlungen sind durch die Notverordnung vom 7. Dezember 1931 und die Verordnung vom 5. März 1932 um je einen Monat vorverlegt worden; die nächste Einkommensteuervorauszahlung ist also am 10. Juni 1932 fällig. Die Einkommensteuerveranlagung wird ordnungsmäßig durchgeführt werden, überzahlte Vorauszahlungen werden nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften erstattet werden. pu. Fahrlässige Tötung. Noch in aller Erinnerung ist der schwere Autounfall vom 12 November v. J. auf der Landstraße Wuppertal=Barmen— Dortmund, wobei der Landwirt Oberste=Werbeck aus Asbeck sein Leben lassen mußte. Am genannten Tage fuhr der Kraftwagenführer Albert W. aus Dortmund abends gegen 7 Uhr mit seinem schweren Personenkraftwagen von WuppertalBarmen und wollte nach Dortmund. In der Nähe von Hiddinghausen fuhr vor ihm auf der gueiiige, Prit FMc Aond Atenzereichn. Senkilchbfenee zi Anie Bneinbinet TAntarotguts: Nk. 29.-NK 846.-NK 38: Oiern eunschnr ** #eod hound Aca.stete. 4 di hceD Sperrendtpuen * FNE Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. rechten Straßenseite ein Radfahrer. W. überholte diesen und beim Wiedereinbiegen auf die rechte Straßenseite fuhr er direkt in die Familie des Landwirts Oberste=Werbeck aus Asbeck, die aus Vater, Mutter und dem achtjährigen Sohn bestand. Mutter und Sohn wurden durch den Stoß auf die Straße geschleudert, der Vater geriet unter den Kraftwagen und wurde einige Meter mitgeschleift. Er wurde mittels Sanitätsauto sofort in das Krankenhaus geschafft, starb aber schon nach einigen Stunden. Nach dem Zusammenstoß sah der Kraftwagenführer W. in einiger Entfernung aus der Entgegengesetzten Richtung einen Lastwagen kommen.. Er winkte und veranlaßte, daß der Wagen hielt. Dieser Wagen wurde von dem Kraftwagenführer Karl H. aus Wuppertal=Elberfeld gesteuert. Die Insassen sprangen vom Wagen und leisteten Hilfe. Aber erst mit Hilfe anderer Kraftwagenfahrer, die des Weges kamen, gelang es, den Unglückswagen so hoch zu heben, daß der tödlich Verunglückte geborgen werden konnte. Beide Kraftwagenfahrer wurden unter der Anklage der sahrlässigen Tötung gestellt, weil W behauptete, er sei durch den Wagen des H., der seine Scheinwerfer nicht abgeblendet hatte so stark geblendet worden, daß er die Straße nicht mehr übersehen konnte. Die gestrige Beweisaufnahme vor dem großen Schöffengericht in Hagen ergab, daß H. mit abgeblendeten Lichtern gefahren ist, daß ferner, als das Unglück geschah, er sich noch mit seinem Wagen zirka 200 Meter von der Unglücksstelle befand und zwar hinter einer Wegekrümmung. Unter diesen Umständen konnte von Blendung keine Rede sein. Der Sachverständige kam zu der Ueberzeugung, daß H. nicht die geringste Schuld treffe. Es blieb nur festzustellen, daß der Angeklagte W. in leichtsertiger Weise gehandelt hatte. Er hatte es an der notwendigen Aufmerksamkeit fehlen lassen und wurde gemäß dem Antrage des Staatsanwalts mit 1 Jahr Gefängnis bestraft. H. wurde freigesprochen. pu. Gefänguis für Nichtabführung von Kraukenkassenbeiträge. Ein Arbeitgeber hat seinen Angestellten und Arbeitern die Anteile an der Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung einbehalten. Diese Beträge über 200 Mark aber nicht abgeführt, sondern für geschäftliche Zwecke verwandt. Seine Einlassung ging dahin, er habe sich in Zahlungsschwierigkeiten befunden. Das Gericht betonte, daß die schwierige Lage des Angeklagten wohl menschlich verständlich sei. Da diese Fälle sich in der letzten Zeit häufen, könne der Strafzweck nur durch Gefängnisstrafen erreicht werden. Das Urteil lautete auf 2 Wochen Gefängnis. Wegen der Unbescholtenheit wurde dem Angeklagten eine dreijährige Bewährungsfrist eingeräumt, mit der Maßgabe, den Betrag innerhalb dieser Zeit zu zahlen. :: Da die Kölner Frühjahrsmesse auf den 17. bis 20. April verlegt worden ist, gelten die von der Reichsbahndirektion Wuppertal mitgeteilten Anordnungen über den Personenverkehr nach und von Köln=Deutz für die Zeit vom 17. bis 20. April. * D i e O p e r e t t e n= G e s e l l s c h a f t D i r. G u s t. E s s e r spielt am kommenden Sonntag, den 10. April, abends 7,30 Uhr, im Viktoriasaal(W. Wiese) die große Ausstattungsoperette in 4 langen Akten: „Es lebe der Reservemann“ mit Dir. G. Esser als Rekrut Hasenbein. Esser, der bei der letzten Aufführung wieder einen außerordentlichen Erfolg hatte, wird auch in dieser urkomischen Rolle die Zuschauer in seinem Banne halten, so daß dieselben aus dem Lachen nicht herauskommen. In den weiteren Hauptrollen: Magdalene Esser=Beigreif, Marta Uslar vom Stadttheater Barmen=Elberfeld, Hans Thyssen. Hilde Schmitz, Erich Winkelmann, sowie das Esser=Ballett. 25 Mitwirkende und ein verstärktes Orchester von 12 Mann. Die Eintrittspreise sind nicht erhöht trotz der großen Unkosten. Erwerbslose 50 Pfg., erster Platz 75 Pfg., numerierter Sperrsitz 1 Mk. einschl. Steuer. Vorverkauf bei Hermann Fischer und Schmidt, Ostenstr., Robert Prange, Barmerstr., sowie im Theaterrestaurant Wiese. Kölnerstr. Altenvoerde, 7. April. * Kriegerversammlung. Im Vereinslokal Wiggenhagen fand die Generalversammlung des Altenvoerder Kriegervereins statt, welche von etwa 40 Mitgliendern besucht war. Der 1. Vorsitzende Kamerad Schwenk begrüßte die Erschienenen. Die Regelung der Zahlung der Beiträg= durch Mitglieder über 70 Jahre und Invaliden soll dem Vorstand überlassen bleiben. Sodann wurde der Bericht über den Kreisabgeordnetentag in Voerde erstattet. Die Versammlung ist für eine geschlossene Teilnahme am Reichskriegrtag in Dortmund. Für die entstehenden Fahrtkosten ist ein Betrag aus der Kasse bewilligt. Eine Kommission zur Vorbereitung zum Zwecke einer glatten Abwicklung wurde gewählt. Ein Sommerausflug ist geplant. Der Vorstand wird Vorbereitungen treffen und in der nächsten Sitzung darüber berichten. Die Abrechnung über den letzten Familienabend ergab. daß ein geringer Zuschuß seitens des Vereins notwendig wurde. Rasch tritt der Tod den Menschen an. Der Werkmeister Fritz Kirchhoff zu Altenvoerde, Milsverstraße, welcher am Mittwoch früh noch zu seiner Wirkungsstätte gegangen war, erlitt kurz nach Aufnahme seiner Beschäftigung einen Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholte. Der Verstorbene, welcher seit langen Jahren bei der Firma C. D. Peddinghaus als Werkmeister tätig und als fleißiger und aufrichtiger Mensch bekannt war. erfreute sich in der Umgebung größter Wertschätzung. Voerde, 7. April. Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Voerde. Im Lokale des Kameraden Haarmann in Voerde sand die Jahreshauptversammlung der Wehren Voerde, Altenvoerde und Oberbauer statt, welche gut besucht war. Kamerad Ferd. Bilstein leitete die Versammlung und begrüßte die anwesenden Wehrmänner. Im Anschluß hierau verlas der Skriftwart Hülsenbeck den Jahresbericht. Die Uebungstätigkeit in den einzelnen Abteilungen erfuhr im verflossenen Jahre keine Aenderung. Eine große Alarmübung vereinigte alle Abteilungen und die Sanitätskolonne zu gemeinsamer Arbeit auf dem Gute Bilstein. Alarmiert wurde Abteilung Altenvoerde zweimal und zwar zu einem Fabrikbrand und einem Waldbrand. Abteilung Voerde hatte einen größeren Brand am Voßwinkel zu löschen und Abteilung Oberbauer wurde zu einem Waldbrand alarmiert. In einer erweiterten Sitzung des Kreisverbandes übernahm Kamerad Bilstein das Amt des Vorsitzenden im Kreisverband. Zu Ehren des verstorbenen Kameraden Albers erhoben sich die Kameraden von ihren Sitzen. Zu Abgeordneten für den Kreisverband wurden gewählt die Kameraden Jellinghaus. Wilkes, Herbers, Brenscheidt, Weiß und Pielhau, als Stellvertreter: Waldmann. Reitze und Salzmann. Für den Provinzialverbandstag wurden als Vertreter bestimmt: Hecker, Hülsenbeck jr., Bilstein, Onfermann und Thiele und als Stellvertreter: Beuler, Haarmann und Thiele. Ein Vorschlag über die anderweitige Regelung der Beiträge wurde angenommen. Inzwischen waren der Bürgermeister Schwalbenbach und Oberbrandmeister Bergmann=Altenvoerde erschienen, welche vom Kameraden Bilstein begrüßt wurden. Anschließend machte Ka1 Westsareu, uheimaue Münster, 6. April.(Gestohlenes Kirchengut wiedergefunden.) Bei Ausschachtungsarbeiten für eine Scheune im Stadtteil Dievenbeck fanden Maurer in einer Tiefe von anderthalb Meter eine goldene Monstranz und zwei goldene Kelche. Aus einem der Kelche sind Teile herausgeschnitten, die in einem ebenfalls gefundenen feuerfesten Gefäß eingeschmolzen worden sein dürften. Die Kirchengeräte stammen aus einem bis heute unaufgeklärten Diebstahl, der am Vorabend von Christi Himmelfahrt im Jahre 1929 in der Kapelle eines münsterschen Klosters ausgeführt wurde. Ob der Dieb des seit zwölf Jahren vergrabenen Kirchengutes inzwischen gestorben ist oder in einem Gefnägnis sitzt, konnte bisher nicht ermittelt werden. * W.=Beyenburg, 6. April.(Die Turner Beyenburgs ehren ihren scheidenden Ehrenvorsitzenden.) Da der Ehrenvorsitzende des Bergischen Turnerbundes, Turnbruder Hauptlehrer Malthan, Beyenburg in nächster Zeit verlassen will, brachten die Turner ihm am vergangenen Samstag einen Fackelzug. Der Gesangverein Eintracht, dessen Ehrenmitglied Turnbruder Malthan ist, schloß sich dieser Ehrung an. Im stattlichen Zug bewegten sich die Fackelträger zur Wohnung des Scheidenden. Hier brachte der Gesangverein Eintracht ein Ständchen dar. Der Vorsitzende des Turnerbundes überreichte ein Ehrendiplom und gedachte in kurzen Worten der vielen Verdienste, die sich Turnbruder Malthan um den Verein erworben hat. Der Vorsitzende des Gesangvereins sprach dann noch einige Worte, merad Bilstein Mitteilung über die Feuerwehrschule. Das Manometer für das Messen des Wasserdrucks ist im Verwahr beim Kameraden E. Niggeloh. Die hierfür entstandenen Unkosten werden von der Gemeinde übernommen. Bezal. des Ersatzes von Kleidungsstücken, welche bei Bränden beschädigt werden, wurde auf einen Artikel im Feuerwehrmann verwiesen. Von den Abteilungen Altenvoerde und Oberbauer sollen einige Kameraden an der Motorspritze ausgebildet werden. Ueber das Thema„Gas und Luft schutz" hielt im Anschluß Kamerad Bilstein einen Vortrag. Gevelsberg, 7. April. * Die Straßendecke der Silschederstraße vom Bahnhof Obervogelsang bis zur Wirtschaft Gräwe am Heck befindet sich augenblicklich in einer ganz schlechten Verfassung. Die Straße weist große Schlaglöcher auf. die für den regen Autoverkehr, der sich auf dieser Straße entwickelt, sehr gefährlich werden können. Es wäre unbedingt erforderlich, die Straßendecke auszubessern. * Unfall beim Turnen. Bei einem Mannschaftsgerätewettkampf, der am Sonntag im Stadtteil Vogelsang stattfand, erlitt ein auswärtiger Turner, als er vom hohen Reck absprang, eine Fußverletzung. * Mit der Leitung des hiesigen Postamtes ist seit dem 1. April Postamtmann Piepgras, bisher bei der Oberpostdirektion Gumbinnen, beauftragt worden. Haßlinghausen, 7. April. * Dienststunden der Amtsverwaltung. Die Diensträume der Amtsverwaltung(einschließlich Amtskasse) bleiben künftighin nachmittags geschlossen. Die Amtssparkasse bleibt dagegen auch nachmittags von 3 bis 5 Uhr geöffnet. Hattingen, 7. April. * Auch ein Rekord!„Ich brauche ja noch keine Schulsachen zu machen!“ Hier traf am Spätnachmittag todmüde ein 10jähriger Junge aus Essen auf seinem Roller ein. Er war des Morgens gegen 10 Uhr von Hause losgerollert immer weiter über Rüttenscheid nach Steele, weiter nach Dahlhausen, den Lindener Berg rauf bis nach Hattingen, eine Strecke von 18 Kilometern. Gutmütige Menschen gaben dem„Kilometerfresser“ Speise und Trank und benachrichtigten telephonisch die Mutter. Eine Nachbarin holte den Jungen in Hattingen ab und brachte ihn zur Mutter wohlbehalten zurück. Die Sorgen der Mutter zerstreute der Kleine mit dem Bemerken,„er brauche ja noch keine Schularbeiten zu machen.“ und Nachbargebiete worauf Turnbruder Malthau dankte Geschlossen zog dann der Zug zum Vereinslokal zurück, wo der Turnverein anschließend seine fällige Monatsversammlung abhielt. * Oberhausen, 6. April.(Unglück im Leichenzimmer.) Ein tragisches Geschehen ereignete sich gestern in den ersten Morgenstunden in einer Wohnung in der Michelstraße. Dort wurde in der Wohnung eines Eisenbahnschaffners eine Leiche aufbewahrt. Durch irgendwelche Umstände ist die am Kopfende des Sarges aufgestellte Ewige Lampe umgefallen. Das Oel ergoß sich über die Leiche und entzündete sich. Als das Feuer bemerkt wurde, war die Leiche bereits zum Teil verbrannt. Zur Löschung des Brandes mußte sogar die Feuerwehr herbeigerufen werden. * Köln, 6. April.(Tragisches Ende eines Hühnerdiebes.) Ein Wirt hatte, veranlaßt durch bei ihm mehrfach vorgekommene Diebstähle, in seinem Anwesen im Hühnerstall eine Selbstschußvorrichtung angebracht, die aus einer Jagdflinte bestand, die mit Schrotkugeln geladen und deren Abzugsbügel mittels eines Drahtes mit der Türklinke verbunden war. Durch diese Selbstschußvorrichtung wurde ein Dieb beim Einbruch in den Hühnerstall durch einen Lungenschuß auf der Stelle getötet. Der Wirt hatte sich jetzt vor Gericht zu verantworten. Die Verteidigung berief sich auf eine Entscheidung des Reichsgerichts bezüglich des Anbringens von Selbstschüssen auf einsam gelegenen Gehöften, der sich das Gericht auschloß, indem es den Wirt freisprach. Der Staatsanwalt hatte wegen fahrlässiger Tötung die Mindeststrafe von einem Monat Gefängnis beantragt. * Höngen bei Aachen, 6. April.(Diebe verschleppen einen sieben Zentner schwe ren Geldschrank.) In der Nacht wurde in die Station Mariagrube ein schwerer Einbruch ver übt. Unbekannte Täter drangen in den Dienstraum und luden auf einen entwendeten Handkarren den sieben Zentner schweren Geldschrank. Auf dem Gelände hinter dem Bahnhof brachen sie den Schrank auf, erbeuteten jedoch nur 2,90 RM. Die Personalakten des Bahnhofs lagen in weitem Umkreis auf dem Boden verstreut. Vor kurzer Zeit hatten Einbrecher die Station Mariagrube schon einmal heimgesucht. Aber auch hier hatten sie nichts erbeuten können und auf den Tisch geschrieben:„Wo habt Ihr das Geld gelassen?!" * Trier, 6. April.(Fünf Gehöfte eingeäschert.) In Koevenig an der Mosel(bei Trabeu=Trabach sind fünf Wohnhäuser mit sämtlichen Wirtschaftsgebäuden vollständig niedergebrannt. Mehrere Bewohner mußten von der Feuerwehr mit Leitern aus den brennenden Häusern gerettet werden, wobei ein Feuerwehrmann erheblich verletzt wurde. Wenn man im Bettlaken zur Wahl gehe Natürlich ist es nicht im deutschen Vaterlande passiert, daß man im Bettlaken zur Wah. zeganzen ist. Vielmehr trug sich dieses im sernen Japan zu Dort ist nämlich nach einem weit verbreiteten Glauben demjenigen, der als erster im Wahlloka. erscheint, eine glückliche Zukunft beschieden. Obwohl diese Stätten des politischen Kampfes„erst" um sieben Uhr morgens geöffnet werden, ließen sich doch bei der kürzlich erfolgten Abstimmung sünf Japauer bereits um zwei Uhr nich Mitternach vor der Tür häuslich nieder. Zum Schutz gegen#### nächtliche Kühle hatten sie sich in Bei#lafen gehüllt. Als dann die Zeit der Wahl heranrückte, entwickelte sich ein seltsames Schauspiel: Jeder der fünf Wartenden wollte als erster seine Stimme abgeben. Alsbald begann eine erbitterte Rauferei zwischen den fünf seltsam bekleideten Wählern einzusetzen, deren Umhüllungen in Atome zerfetzt wurden. Erst die Polizei stellte die Ruhe her, indem sie eine Münze in die Luft warf und den Rangstreit durch das Los entschied. Viel belacht wurde das Pech des trinkenden Zimmermanns". Der hatte sich die nächtliche Kühle durch einige kräftige Züge guten Reisweins vertreiben wollen. Solchermaßen erwärmt ließ er sich lange vor Oeffnung des Wahllokals vor dessen Tür nieder. Da geschah es denn, daß ihm der böse Feind der Alkohol, einen Streich spielte. Als die Wahl begann, war der Zimmermann sanft und selig entschlummert. Die Zeit verrann. Niemand störte den stillen Mann. Als er endlich erwachte, war bereits die achte Abendstunde angebrochen. Er hatte nicht nur den Beginn, sondern die ganze Wahl verschlafen. Kadlische Bahnen Bappelia Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt. Neustraße Barmen Donnerstag, 7. April, 8 bis nach 10,30 Uhr: Sommer von einst. Operette von Ludwig Lajtai Abonnement C. 27. Vorstellung. Preise 2. Freitag. 8. April, 8 bis 10,30 Uhr: Vorstellung für den Bühnenvolksbund Gruppen A und B, Ortsgruppe Barmen: Der Evangelimann. Musikalisches Schauspiel von Kienzl. Oeffentlicher Kartenvorverkauf für Nichtmitglieder an der Theaterkasse. Preise 2. Sonntag, 10. April, 3 bis 6 Uhr: Egmont. Trauerspiel von Goethe, Musik von Beethoven. Pr. 1. 7 bis 9 Uhr: Flieger. Drama von Rotzmann. Preise 1. Elberfeld Donnerstag, 7. April, 8 bis nach 10,45 Uhr: Mignon. Oper von A. Thomas. Abonnement E, 14. Vorstellung. Preise 2. Samstag, 9. April, 8 bis 10,45 Uhr: Außer Abon= nement: Freie Bahn dem Tüchtigen! Preise 1. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scher; Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich Schwelm. Endlich kommt er leise, nimmt mich bei der Hand, führt mich von der Reise heim ins Vaterland. Heute morgen 11½ Uhr nahm der Herr meine liebe, treue Gattin, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante Krau-Tastat-Spicher Agnes geb. Biermann im Alter von 52 Jahren zu Sich in die Ewigkeit. ln tiefer Trauer: Gustav Spieker und Angehörige Schwelm, Beyenburg, W.-Langerfeld, 6. April 1932. Alleestr. 35 Die Beerdigung findet am Samstag, dem 9. April, nachm. 3½ Uhr vom Marienhospital in Schwelm aus statt. Iuserleren schafft Abfag Die Rechnung der Stadtkasse Schwelm für das Rechnungsjahr 1930 liegt vom 8. April 1932 ab 14 Tage zur Einsicht der Einwohner im Rathause, Zimmer 17 offen. Schwelm, den 7. April 1932 Der Magistrat: Dr. Puller. Ich habe einen Posten reizender seidener Wäsche hereinbekommen, die wegen des niedrigen Preises für la Qualität sicher Ihren Beifall findet. Kommen Sie doch mal gelegentlich vorbei und lassen sich diese Stücke zeigen. Max Klein Schwelm Eine der bedeutendsten und ältesten der deutschen Versicherungs=Gesellschaften sucht für Sprockhövel und die größeren Plätze des Kreises Schwelm rührige und einflußreiche Herren als Mkarbcher! Ausreichende Provisionen und Kostenantelle werden gewährt; Einarbeitung sowie dauernde Unterstützung durch Fachbeamte wird gewährleistet. Eingehende schriftl. Bewerbungen erbet. unt. D. 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Zweites Blatt Rummer 81 „ B 5 Beratungen des hausbesitzes von Rheinland und Westfalen Zur Hauszinssteuerablösung In der letzten Sitzung des Kommunal=Ausschusses der Haus= und Grundbesitzer=Organisationen für Rheinland und Westfalen, die am 2. April 1932 in Düsseldorf stattfand, wurde die Frage der Hauszinssteuerablösung auf Grund des Runderlasses des Preußischen Finanzministers vom 10. März 1932 eingehend erörtert. Bis 30 September 1932 ist der dreifache Betrag, ab 1. Oktober 1932 der dreieinhalbfache Betrag des Jahressolls 1932 zu bezahlen, wobei jedoch alle Billigkeitsermäßigungen gemäß§ 9 der Hausziussteuerverordnung unberücksichtigt bleiben. Auf Ablösungsbeträge, die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1932 entrichtet werden, sind die für die Zeit vom 1. April bis 30. September 1932 gezahlten Hauszinssteuerbeträge zur Hälfte anzurechnen. Zwar ist vorgesehen, daß als Ersatz Mietbeihilfen den Mietern gewährt werden, doch dürfen diese im ganzen höchstens den oritten Teil des Ablösungsbetrages ausmachen. Ferner muß bei der Ablösung berücksichtigt werden, daß zirka 10 Prozent der Ablösungssumme für Zinsen abzuziehen sind, die sonst dem Steuerpflichtigen zugute kämen, wenn er statt abzulösen das Geld zu 6 Prozent anlegen würde. Auch erhöht sich eotl. die Einkommensteuer, Bürgersteuer, Kirchensteuer und Gewerbeertragssteuer. Eine Teilablö= sung, die in Höhe von 75, 50, 25 und bei Hauszins= steuerbeträgen von 4000 RM. auswärts auch in Höhe von nur 10 Prozent zulässig ist, wird sich dann empfehlen, wenn wegen Reparaturhypothe= ken usw. bereits Steuervergünstigungen bestehen, da nur noch der Restbetrag nach§ 9 der Hauszins= steuerverordnung gestundet und niedergeschlagen werden kann und sonst der Steuerpflichtige bei voller Ablösung, dieser Vergünstigung verlustig ginge. Die Ablösung erscheint zweifellos rechnerisch im Jahre 1932 am günstigsten. In diesem Falle ergibt sich bei Aufnahme einer 8jährigen Tilgungshypothek eine Ersparnis von 34,8 Prozent, wobei allerdings der Zinsausfall sowie der Mehrbetrag an Steuern nebst dem Disagio nicht berücksichtigt ist. Eskann daher nurimeinzelnen Falle nach Erwägungen aller Für und Wider entschieden werden, ob die Ablösung der Hauszinssteuer für den Steuerpflichtigen in Frage kommt. Die Loro Nichoner uueegiag Die antideutschen Versionen endgültig widerlegt Aus London wird berichtet: Das Geheimnis um den Tod des britischen Feldmarschalls Lord Kitchener ist bis heute ungeklärt geblieben. Und wie um alle Ungeklärtheiten historischen Charakters hat sich auch dieses, gewissermaßen zum„Mayerling des Weltkrieges“ avancierten Geheimnisses die Legende bemächtigt und in unzähligen Versionen Ausdruck verschafft. Allen Gerüchten aber war die antideutsche Tendenz gemeinsam. Die meistverbreitete Wendung war die, daß ein deutscher Spion sich an Bord der„Hampshire“ eingeschlichen und das Schiff mit Lord Kitchener, seinem Stab und der ganzen Besatzung in die Luft gesprengt habe. Die Deutschen, hieß es, hätten in Erfahrung gebracht, daß Kitchener sich nach Rußland begebe, um die russische Armee zu reorganisieren, und deshalb das Schiff zum Untergang verurteilt. Die Gerüchte hatten umso besseren Boden, als die englische Admiralität, trotzdem sie über alle Einzelheiten der Katastrophe vom 5. Juni 1916 informiert war, niemals etwas unternommen hat, um das Geheimnis Berlins Schlesier gedenken Der Reichsbund der Schlesier, der Bund der melte seine Berliner Mitglieder und Freunde auch viele Schlesierinnen in der kleidsamen Das Kaus Chlristlansen Roman von Gertrud v. Brockdortf 3 der gefährdeten Heimat. in Deutschland verstreuten Schlesier, versamzu einer eindrucksvollen Kundgebung, auf der Tracht ihrer Heimat erschienen waren. zu lüften. Die wenigen hohen Offiziere, die von der Sache wußten, waren zur Verschwiegenheit verpflichtet, und nur durch einen Zufall ist jetzt das Rätsel um den Tod Kitchener und den Untergang der„Hampshire“ gelöst worden. Erfreulicherweise sind damit alle antideutschen Versionen endgültig erledigt, wie auch jene romanhaft klingende Theorie, daß Kitchener noch immer am Leben sei und in Rußland in einem Kerker gefangen gehalten werde. Der Enthüller des Geheimnisses ist ein Kapitän, namens Harold Davies, der zu Beginn des Krieges Chefoffizier eines der Großen Flotte von scapa Flow beigegebenen Dampfers war Durch einen besonderen Zufall ist er nun zum Mitwisser des Geheimnisses der Katastrophe der„Hampfhire" geworden und er erzählt nun darüber folgendes: Im Mai 1916 wurde bei Scapa Flow ein deutscher Minenleger gekapert, der 250 Minen verankert hatte. Einen Monat lang suchte man nach diesen Minen, und tatsächlich wurden 200 Stück entdeckt und unschädlich gemacht. Man glaubte nun, daß Scapa Flow von Minen frei sei. Dann, es war am 5. Juni, begab sich Lord Kitchener an Bord der„Hampshire" nach Rußland. Es war eine stürmische Nacht und die zwei Zerstörer, die den englischen Panzerkreuzer begleiteten, mußten zurückkehren. Um 8 Uhr 10 Minuten lief nun die „Hampshire“ auf eine Mine auf und sank innerhalb fünf Minuten. Fünfzig Mann gelang es, sich an ein Holzwrack zu klammern, aber nur zehn erreichten lebend die Küste. Einer der Ueberlebenden war der Wachtoffizier Fraser, der ins Hospital kam und hier mein Nachbar wurde. Dieser erzählte mir:„Um acht Uhr früh am kritischen Tag hatte ich gerade den Maschinenraum verlassen und war im Begriff an Deck zu steigen. Plötzlich hörte ich die Explosion. Im Nu war das Wasser bereits über Deck und das Schiff sank unter meinen Füßen, wie ein Stein. Ich sah noch, wie einige Männer sich an ein Wrack klammerten und folgte ihnen. Ueber das Schicksal Lord Kitcheners war ich mir sofort im klaren, denn während ich an Deck stieg, sah ich ihn wie er gerade in seine Kajüte eintrat, also wenige Sekunden vor der Explosion. Es ist kein Zweifel, daß Lord Kitchener in seiner Kajüte umgekommen ist, denn es ist ausgeschlossen, daß er Zeit gehabt hat, sich noch an Deck zu retten, bevor die„Hampshire“ gesunken war. Fraser hat später der Admiralität Bericht erstattet und ist wie alle anderen an die Verschwiegenheit gebunden. Unlauterer Wettbewerb „Warum sind Sie denn ins Gefäugnis gekommen?" „Aus Konkurrenzgründen— ich machte dieselben Banknoten wie der Staat.“ Donnerstag, 7. April 1932 Was deingt der Kandfant! Freitag, 8. April 6.45—7,00 Atmungs= und Haltungsgymnastik. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7.05—8,00 Morgenkonzert. 7,00 Wiederholung der Wettervorbersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9,45 Gymnastik für Frauen. 10,00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempsang für Arbeitslose. 11,20—11,45 Schallplattenkonzert. 11,45—12,00 Funkwerbung. 12,00—12,50 Unterhaltungskonzert. 12,50 Wetterbericht. 13,00—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Wolf. 1. Krönungsmarsch aus der Oper„Der Prophet“ von Meyerbeer. 2. Ouverture zur Oper „Zampa“ von Herold. 3. Melodien aus der Oper„Die schwarze Orchidee“ von d'Albert. 4. Intermezzo aus der Oper„Die Königin von Saba“ von Gounod. 6. a) Madrigal von Schmalstich, b) Vision von Schmalstich. 7. Bei uns zu Haus, Walzer von Joh. Strauß. 8. Melodien aus der Operette„Der Obersteiger“ von Zeller. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Bastelstunde. 16,20—17,00 Jugendfunk. 17,00—18,15 Uebertragung vom Südsunk, Stuttgart: Vesperkonzert des Rundfunkorchesters des Südfunks, Leitung: Gustav Görlich. 1. Huldigungs=Marsch von Grieg. 2. BallettSuite von Goldmark. 3. Skandinavische Suite von Frederiksen. 4. Wien—Berlin, Marsch von Schrammel. 5. Fürstenkind=Walzer von Lehar. 6. Telefunken=Potpourri von Morena. 18,15—18,35 Meister der Naturschilderung. 18,40—19,00 Englische Unterhaltung. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,55 Drei Deutsche sprechen miteinander. 19,55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,55 Abendmusik, Leitung: Wolf. 1. Einzug der Gäste auf der Wartburg aus der Oper„Tannhäuser“ von Wagner. 2. Ouverture „Die Fingalshöhle“ von Mendelssohn. 3. Raskolnikow, sinfonische Dichtung von Leuschner. 4. Melodien aus der Operette„Der Goldschmied von Toledo“ von Offenbach. 5. Juristen=Ballklänge, Walzer von Strauß. 21,00 Sinfoniekonzert. Das Orchester des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Buschkötter. Solist: Jan Dahmen(Violine). Auschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Leitung: Eysoldt. Stadttheater Hagen Donnerstag, 7. April, 20 bis 22,50 Uhr, einmaliges Ensemblegastspiel Henny Porten:: Madame ans Gene, Lustspiel,.„.##8. Erst. Freitag, 8. April. 20 bis 22 Uhr, Reihe F. 15: Erstaufführung: Flieger. Drama. Samstag, 9. April, 15,30 bis 17,30 Uhr: Märchengastspiel Erika Graf mit Ensemble: Schneeweißchen und Rosenrot. 19,30 bis 23 Uhr: Im weißen Rößl. Revue=Operette. Die alte Frau Christiansen überhörte die Bemerkung. Wie sie in den Reden des Sohnes fast alles überhörte, das irgendwie dazu angetan war, Corinna in den Vordergrund zu drängen. Sie war eifersüchtig und litt unter dieser Eifersucht, ohne imstande zu sein, sie zu meistern. Hans Christian war ihr einziger Sohn. Sie hatte lange davor gezittert, ihn zu verlieren, und hatte sich schließlich damit ausgesöhnt, daß die Frau, an die sie ihn verlieren sollte, Sörine sein würde. Corinna war für sie der Eindringling, die Fremde geblieben, wie sie es von Anfang an gewesen war. Ihr gegenseitiges Verhältnis, obwohl äußerlich höflich und korrekt, hatte in keiner Weise eine Aenderung erfahren. Es war kühl, ohne Herzlichkeit und zeigte einen Unterton verstärkter Feindseligkeit. Die Geburt der kleinen Hille änderte nichts. Im Gegenteil: sie verschlimmerte vielleicht. Denn die Eifersucht der alten Frau wuchs bis ins Schmerzhafte beim Anblick dieses Kindes, das das helle Haar und das klingende Lachen der eigenen, frühverstorbenen Tochter hatte, und an dem sie der andern das heiligste Recht der Natur einräumen mußte. : Als die kleine Hille ihr viertes Lebensjahr. erreicht hatte, brach der Krieg aus. Das bedeutete: jähe Aenderung der äußeren Lebensverhältnisse, Trennung. Abstreifen vieler Dinge, die einen bis dahin lieb und teuer gewesen waren.— Hans Christian rückte im zweiten Kriegsjahre ins Feld.— Im dritten kehrte er zurück, durch einen Streifschuß des linken Auges beraubt. Seine Mutter schrie auf, als er nach langer Nachrichtenlosigkeit mit der schwarzen Binde überm Auge vor ihr stand.— Corinna umarmte ihn ohne Worte und strich mit ihrer kühlen Hand leise über seine Stirn, als wollte sie unsichtbare Falten glätten. g. 82#ne Hans Christian sagte um:„Ich habe draußen viele gesehen, die schlimmer daran waren als ich. — Und ich glaube, ich habe bisher trotz allem noch nicht gewußt, was es bedeutet, die Sonne zu sehen. Jetzt weiß ich es.— Jetzt werde ich jeden Tag danken für das unendlich viele, das mir geblieben ist.“—. Sie standen zusammen im Giebelzimmer uno sahen auf das Wasser, über dem die Umrisse der Panzerkreuzer im grauen Herbstnebel verschwammen „Du bist uns geblieben. Alles andere ist gleichgültig,“ sagte Corinna leise und zärtlich. Sie hielt das weiße Gesicht dem Abend entgegengewendet; ihr Haar stand wie eine Flamme im grauen Dunst. Der Mann sah sie an. Er dachte daran, daß dieser Anblick ihm vielleicht— in Nacht hätte versinken können; er fühlte sich von etwas Schwerem und Dunklem gestreift und fühlte Sehnsucht in sich emporbranden, die wild und schmerzlich nach dem Leben schrie.— Er riß die Frau plötzlich an sich.— Anders als sonst. Mit einer harten, besitzergreifenden Geste.— „Es soll keine Macht über uns gewinnen,“ flüsterte er heiß und hastig.„Wir werden dagegen kämpfen.— Und wir werden es bezwingen.“ „Wogegen kämpfen?“ fragte sie, von seinem fremden Wesen geängstigt, und auf beklemmende Weise an Wenzel Brachmann erinnert. „Gegen das Dunkel,“ sagte er laut, mit einem kleinen, harten Lachen, das anders klang als sein Lachen sonst.„Verzeih mir. Corinna,— es ist mir heute so wunderlich zumute. Der Nebel draußen ängstigt mich.— Du weißt, daß ich den Nebel niemals geliebt habe.— Ich brauche die Sonne, um leben und atmen zu können. Und ich habe mich während der ganzen Reise so verzweiselt darauf gefreut, die Sonne über der Föhrde liegen zu sehen.— Du weißt nicht, was es heißt, die schwarze Binde über den Augen zu tragen.— Ueber beiden Augen, Corinna.— Oht es ist gut, daß du es nicht weißt.— Du sollst es niemals wissen, Liebste.“— Er stand vor ihr, als trüge er noch etwas auf den Lippen, das er doch nicht auszusprechen wagte.— Nach einer Weile wandte er sich und ging zum Zeichentische, der abgeräumt war, und auf dem nur in einer Ecke einige übereinandergeschichtete Zeitungen lagen. Er sah sie flüchtig an und schob sie dann mit einem harten Lächeln zur Seite. „Auch dies steht wie eine Wand von Nebel vor mir, Corinna. Es wird schwer werden, fürchte ich.— Es wird— vieles anders werden.“— Sie lächelte mit blassen Lippen zu ihm auf. Es quälte ihn unsäglich, daß sie in dieser Stunde kein tröstendes Wort zu finden vermochte.—— Draußen auf der Treppe klang Kinderlachen. Eine Minute später stand die kleine Hille im Zimmer und lief jauchzend auf den Mann am Fenster zu. Die schwarze Binde störte sie nicht. Sie beachtete sie kaum. Ihre hellen Augen waren wie das Meer, wenn die Sonne darüber gleitet; das Haar war in Zöpschen geflochten und an den Ohren zu kleinen wunderlichen Schnecken ausgedreht.— Hans Christian lachte, während er das Kind in die Arme nahm und in übermütiger Runde hoch durch die Luft wirbeln ließ.— Corinna atmete auf.— Gottlob nun hatte er sein altes Lachen wiedergefunden! Die Kindheit der kleinen Hille stand im Zeichen der Steckrübe und des Mangels am Nötigsten. Ihre Jungmädchenzeit wurde erstes leises Sichbesinnen nach schwerer Drangsal, ein schüchternes Umstellen der Lebenshaltung und Lebensführung auf halbvergessene Erinnerungen. Der Architekt Hans Christian Christiansen war noch immer Besitzer des weißen Hauses an der Strandpromenade, das er in überschäumender Lebensfreude zu einem Hause des Glücks hatte erbauen wollen. Die Kulissen seines äußeren Lebens standen noch. Aber sie bedeuteten eben nicht mehr als bloßes Kulissenwerk.— Das Büro war aus dem Giebelzimmer in den zweiten Stock eines Hauses in der Kehdenstraße verlegt worden vor dessen Fenstern sich bis zu halber Höhe eine Häuserwand mit den Schaufenstern eines Teppichlagers erhob. Der Sanitätsrat Christiansen hatte die Vermietung der drei Räume vermittelt; denn es war nicht leicht gewesen in dieser Gegend während der Inflationszeit zu billigem Preise etwas annähernd Geeignetes zu. finden. Man hatte wahrhaftig Ursache, dem Onkel Christiansen dankbar zu sein. Denn ohne eine Verlegung der Büroräume wäre die Vermietung von Hans Christians eigener Wohnung an Mrs. Potter ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Mrs. Potter brauchte den Oberstock und legte besonderen Wert auf das große, helle Zimmer mit dem Blick auf das Wasser; denn Mrs. Potter stammte aus Mecklenburg und hatte bis zu ihrer Verheiratung nach Amerika an der deutschen Küste gelebt, was sie nicht hinderte, bisweilen in Gesellschaft in ein recht gebrochenes Deutsch zu verfallen. Mrs. Potter hatte zwei Kinder, eine Angorakatze, ein Eichhörnchen, eine zahme Schildkröte und einen japanischen Zwerghund und klagte beständig über den beschränkten Raum der Christiansenschen Wohnung. Corinna, der gegenüber Mrs. Potter oftmals ihr Herz ausschüttete, setzte diesen Klagen ein kleines, stilles Lächeln entgegen, unter dessen Maske sich viel Entsagung und viel Tapferkeit verbarg. Corinna und Hans Christian lebten jetzt in drei Zimmern, die von der allzu geräumigen Wohnung der alten Frau Christiansen abgetrennt worden waren. Das große Eßzimmer war gemeinsam. Es wurde auch ein gemeinsames Dienstmädchen gehalten und die jeweilige Inhaberin dieses Postens, durch beständige Vergleiche mit den Potterschen Dienstmädchen erbittert und gereizt, pflegte sehr bald über ein Uebermaß an Arbeit zu klagen und die Stelle nach kurzer Zeit wieder zu verlassen. Corinna stand täglich in der Küche, ängstlich darauf bedacht, die Mahlzeiten zur rechten Zeit auf den Tisch zu bringen, denn Frau Christian= sen war an Pünktlichkeit gewöhnt. Corinna übernahm auch heimlich diese und jene Hantierung, ohne daß Frau Christiansen es wußte. Ihre Lippen lagen jetzt oftmals hart aufeinander und ihr Gesicht war um vieles blasser und schmaler geworden. Die Augen aber unter den schmalen, hochgeschwungenen Brauen schillerten bisweilen in Unruhe und Sehnsucht.— Niemand sah es jetzt noch— Wer hätte es auch sehen sollen?— Hans Christian fuhr frühmorgens in die Kehdenstraße und kehrte erst gegen Abend wieder zurück. Er war dann heiter und gesprächig, wie er es immer gewesen war; er bemühte sich, alles Schwere von sich abzustreifen und die beiden Frauen in den Bann seiner Fröhlichkeit zu zwingen. Er wußte: auf diese fröhliche Abendstunde am gemeinsamen Tische warteten sie beide den langen Tag über.— Sie hatten ja sonst so wenig.— Sie hatten ja eigentlich nur Hille.— Und Hille kam erst gegen Mittag aus der Schule und saß dann lange Stunden über ihren Büchern. Nicht, daß sie übereifrig gewesen wäre. Aber sie neigte dazu, mit ihrer Zeit verschwenderisch umzugehen. Sie malte kleine putzige Zwerge auf ihre Löschblätter und schnitt tanzende Kinder aus Heftdeckeln. Die Kinder wurden auf Korken gespießt und auf die Heizung gestellt und begannen in der aufsteigenden Wärme wirklich zu tanzen und sich zu drehen. Ueberall, wo Hille ging und stand, wies kleiner komischer Krimskrams ihre Spur. Man merkte es ihr an, daß sie in einer Zeit ausgewachsen war, die an Erfindungsgabe und Sichbescheiden der Menschen harte Anforderungen gestellt hatte. Man merkte es ihr an, daß ihre Phantasie im Erfinden von eigenem Spielzeug und kostenlosen Belustigungen rege gewesen war, und daß sie das Dunkel der schweren Tage kaum als dunkel empfunden hatte.— Als Hans Christian zum ersten Male eins ihrer Wichtelmännchenlöschblätter in die Hände bekommen hatte, war er in helles Lachen ausgebrochen. (Fortsetzung folgt.) MIFA — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Tamwetter Ween Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann Stuttgart 33) Ein Grauen erfaßte Agnes nachträglich bei dem Gedanken an einen unterirdischen Kerker. „Wir müssen das Geheimnis ergründen.“ Männer herbei: „Nein, laß uns allein bleiben.“ „Wenn das Gewölbe zusammenstürzt?“ „Wir müssen vorsichtig sein.“ Ihre Herzen pochten stürmisch. Hatte ein Zufall ihnen endlich den Schlüssel in die Hand gegeben zu den Rätseln? Sie stiegen vorsichtig über das Gerümpel wieder hinaus. „Wir müssen eine Brechstange suchen.“ „Sicher findet sich etwas unter dem Schutt.“ „Einen der Sparren des Glashauses!" Sie suchten unter den Trümmern, und Georg fand eine eiserne Stange. „Bleibe draußen! Ich muß erst sehen, ob die Balkendecke noch hält.“ Die Streben waren zwar angekohlt, aber noch stark zenug. „Komm jetzt und hilf!“ Sie klemmten das Brecheisen in den Spalt. Ein fast inheimlicher Anblick! Die beiden in dem halb niedergebrochenen Haus, von dem sich jetzt der erhaltene kleine kapellenraum um so fremdartiger abhob— alle ihre Nuskeln spannten. Der Stein gab nach, der Altar enkte sich. Eine weite Oeffnung lag frei, und sogar eine kleine Treppe führte hinab. Sie klemmten das Eisen so zwischen die Steine, daß diese nicht wieder in ihre alte Lage zurück konnten. „Ich will hinunter.“ „Wenn die Oeffnung sich schließt!— Laß mich mit dir!“ „Du mußt oben bleiben, damit du Hilfe holen kannst, venn es dennoch geschieht. Wir müssen sehen—“ Vorsichtig stieg er hinab. Unten war es ganz düster, die Luft zwar dumpf, aber immerhin nicht erstickend. Er nahm die kleine, elektrische Taschenlampe hervor, die er immer bei sich trug, weil er oft noch des Nachts die Ställe kontrollierte, und schaltete ein. Modernde Gewebe. Seltsame, indische Gewänder, illerhand Dinge, die längst verwest waren. Er schauderte inwillkürlich. Auch Knochen lagen dort. Waren es Menchen? Waren es Tiere, die der Zufall hier hatte verchmachten lassen? Agnes stand zitternd oben, während Georg umherwpähte. „Hier ist die Chronik, und hier—“ Er hob einen schweren, eisernen Kasten empor, eine oerrostete Truhe, und stellte sie neben Agnes, dann kam er selbst wieder hinauf. „Ich glaube, sonst ist nichts—“ Von den Knochen wollte er Agnes nichts sagen. Sie standen wieder beieinander, lösten die eiserne Stange, und mit einem dumpfen Laut sprang der Stein wieder in seine alte Lage zurück. Agnes trug die Chronik, Georg den schweren, eisernen Kasten. Beide atmeten auf, als sie wieder im Freien und unter den blühenden Sträuchern standen. „Sonst war nichts unten?“ „Nichts, was für uns von Interesse wäre.“ Er war fest entschlossen, den unheimlichen Raum vermauern zu lassen, die Oeffnung für alle Zeiten zu schließen. Die beiden gingen langsam durch den Park dem Schlosse wieder zu. „Ist es nicht abermals das Walten der Vorsehung?“ „Wer weiß. Vielleicht ist nichts von Bedeutung in der Truhe.“ „Oder doch?“ Sie waren im Schloß. „Agnes, hole die Mutter! Sie nur darf entscheiden, ob ich die Truhe zu öffnen berechtigt bin. Ich bin es ja sicherlich nicht.“ Gräfin Hermine kam mit verwundertem Gesicht. „Was ist denn wieder?“ „Vielleicht Glück, vielleicht Unglück.“ Sie erblickte die eiserne Kassette und verstand nicht. Dann erzählte Agnes von dem Geheimnis der Kapelle. Gräfin Hermine dachte nach. „Ich glaube Vater hat davon gesprochen, daß irgendwo im Gotenschlößchen ein Geheimraum sein müßte.“ „Dann wollte er ihn suchen an jenem Tag!“ „Und der Mörder hat ihn überrascht.“ „Vielleicht wäre noch Entsetzlicheres geschehen und er in der grausigen Versenkung für immer verschwunden.“ „Was nun?“ Gräfin Hermine dachte nach. „Ich meine, wir sollten dem Justizrat Erlenbach telephonieren, daß er so schnell als möglich herauskommt. ist besser, wir tun nichts ohne ihn, damit nicht wieder uns ein Verdacht trifft.“ Georg telephonierte, und nach zwei Stunden banger Erwartung rollte das Auto des Justizrates in den Hof. Inzwischen hatte Georg, der ja selbst so gut in technischen Dingen Bescheid wußte, allerhand Werkzeug zusammengeholt. Der Justizrat kam und wurde von dem Fund unterrichtet. „Ueberzeugen Sie sich, daß die Truhe unversehrt ist.“ Georg begann seine Arbeit. Sie war vergebens. Erst, nachdem er sich ein kleines Sauerstoffgebläse aus der Schmiede hatte kommen lassen, gelang es, vorsichtig das vollständig verrostete Schloß auszuschmelzen. Knarrend ließ sich der Deckel zurücklegen. Der Justizrat griff hinein. Es lag kostbares Geschmeide in der Truhe— indische Juwelen, die sicher vom Grafen Sebastian stammten. Dabei aber auch ein vergilbtes Schriftstück. Vorsichtig faltete der Justizrat die mürben Bogen auseinander. „Mein Testament!“ Er sah auf die Unterschrift der letzten Seite: „Sebastian, Graf Tarnau.“ Alle waren unwillkürlich erbleicht. „Das also ist die Lösung aller Rätsel!“ „Ich bin ein Wahnsinniger gewesen. Ich habe geglaubt, mein treues Weib habe mich betrogen. Ich bin fast zum Brudermörder geworden. Ich habe unendlich gebüßt, und dennoch bin ich unendlich glücklich in der Stunde meines Todes. Ich nehme zurück, was ich in mein Tagebuch schrieb. Es ist verschwunden, ich kann die Seiten nicht zerstören, aber ich bereue. Ich danke dir, Maja, für deine unendliche Liebe. Ich bitte dir ab, was ich von dir gedacht. Ich bekunde im Angesicht des nahen Todes: Viola ist mein Kind. Ist mein eheliches Kind, das mir mein Weib Maja geschenkt. Mein treues Weib, das ich in Indien rechtsgültig auch nach dem europäischen Gesetz geheiratet habe. Dessen sind die Inder Gwalion und der Engländer Spenzer Zeuge. Ich habe meinen Bruder Eberhard in dem Glauben gelassen, daß ich zu seinen Gunsten auf das Majorat verzichtet habe. Ich tat es, obgleich ich ihn haßte, denn ich hielt ihn ja für den Schänder meiner Ehre. Aber ich tat es, um das Gesetz des Hauses zu vollziehen, und weil ich seine Tüchtigkeit und Bernhards Leichtsinn kenne. Ich bitte auch ihn um Verzeihung und muß ihm dennoch Kummer bereiten: Ich verzichte nicht! Erbin des Majorats ist mein Kind Viola, das heißt, wenn sie ihrer Mutter ähnelt auch im Charakter. Wenn sie lauter und treu ist wie sie. Wenn sie ihre Liebe einem würdigen Manne schenkt. Der Inder Lahore wird über sie wachen. Ich weiß nicht, was die Zukunft beschert. Mein Bruder Eberhard hat Söhne— vielleicht— das überlasse ich dem Schicksal, aber—ich würde es segnen. Ich werde meinen Bruder nicht wiedersehen, denn er ist fern. Ich vertraue diese Kassette, in der ich das Testament verschließe, der Kapelle des Gotenschlößchens an. Eine Abschrift liegt im Tresor der englischen Bank in Benares. Verzeihe mir jeder, wie ich jedem verzeihe. Segenüber mein Kind! Sebastian, Graf Tarnau. Die Richtigkeit der Niederschrift und die geistige Verfügungsfähigkeit des Testators bestätigt Sheffield, Notar.“ Nachdem der Justizrat geendet, herrschte Totenstille. Endlich brach Gräfin Hermine das Schweigen. „Wie war es möglich, daß diese Kassette—?“ Agnes sagte: „Ein Zufall wird die geheimnisvolle Oeffnung, den unheimlichen Mechanismus des Altars, den wahrscheinlich Onkel Sebastian auch nicht gekannt hat, aufgesperrt haben, und die Kassette ist versunken wie damals die alte Chronik, ohne daß Vater sie je gesehen.“ Der Justizrat hob den Kopf „In jedem Fall ist es ein richtiges, sogar beglaubigtes Testament.“ „Also ist doch Viola die Erbin des Majorats!“ „Darin hatte also Graf Bernhard recht. Er berief sich ja auf den toten Inder Gwalion.“ Gräfin Hermine schrie auf. „Dann habe ich einen Meineid geleistet.“ eines Irrtums. Sie haben nur beschworen, was ja auch Graf Eberhard glauben mußto.“ „Dann also—“ Der Justizrat blieb besonnen. „Jetzt keine Uebereilung. Was ist die Folge?“ „Wir sind nicht Besitzer des Majorats.“ „Also auch nicht Graf Jörge.“ „Herr des Himmels, daran denke ich erst jetzt.“ „Dann aber—“ Agnes sprang auf. „Vaters Andenken ist gereinigt! Ich denke an nichts als an das.“ Gräfin Hermine weinte Tränen des Glücks. „Viola ist Erbin! Viola ist nicht unsere Schwester!" Justizrat Erlenbach lächelte. „Ich weiß nicht, ob ich mich irre. In der Familie Tarnau kommt eben immer alles anders. Wie sagt Graf Sebastian?„Es ist vielleicht möglich, daß einer der Söhne meines Bruders— ich stelle zur Bedingung, daß meine Tochter Viola einen braven Mann liebt.“ Ich glaube—“ Gräfin Hermine liefen noch immer die Tränen über das Gesicht. „Ich denke an nichts, ich kann an nichts anderes denken, als daran, daß mein Herz mich richtig beriet. Ich habe meinem Mann keinen Verdacht abzubitten, denn in Wirklichkeit habe ich nicht eine Stunde an seiner Treue gezweifelt.“ Agnes war hinausgehuscht, jetzt kam sie zurück und hatte Viola an der Hand, die sich verschüchtert umsah. „Was soll ich?“ Justizrat Erlenbach hatte noch immer das Lächeln um den Mund. „Gräfin Viola Tarnau, ich habe Ihnen eine wichtige Mitteilung zu machen.“ „Gutes, Gutes, Viola!“ Agnes hatte noch immer den Arm um sie gelegt und konnte sich kaum bezwingen. „Das Testament Ihres Vaters, des Grafen Sebastian, hat sich gefunden.“ „Meines Vaters? Nicht wahr, er ist mein Vater, mein lieber Vater?“ Nun weinte sie auch an dem Halse Agnes'. „Bitte, fassen Sie sich. Es wird am besten sein, ich lese Ihnen das Testament vor.“ Viola bemühte sich, den Worten des Justizrates zu folgen, dann sagte Gräfin Hermine: „In einem also haben die Daberauer doch recht behalten: du bist in Wahrheit die Erbin des Majorats.“ Agnes war plötzlich übermütig geworden. „Nun wirst du natürlich deinen Bräutigam, den Grafen Gerhard, heiraten und uns alle hinauswerfen!“ Jetzt erst begann Viola zu begreifen. Ihre Augen wurden groß und strahlend. „Dann bin ich nicht Konrads Schwester?“ „Gewiß nicht.“ Sie sank in einer unwillkürlichen Gebärde vor der im Sessel sitzenden Gräfin Hermine nieder. „Dann— dann darf ich ihn lieb haben?“ Jetzt erst, nachdem der Nebel über der Ehre ihrer Ehe gewichen, schloß Hermine sie in ihre Arme und fühlte, wie lieb ihr das fremdartige Mädchen geworden. „Ich gehe zu Konrad.“ „Agnes!—“ „Bitte— laßt mich.“ „Vorsichtig, Kind, er ist doch noch schwach.“ Agnes trat an das Ruhebett, auf dem Konrad geschlafen. „Was gibt es, Agnes?. Du siehst so erhitzt aus.“ „Ich habe sehr ernst mit dir zu sprechen. Nicht wahr, du bist doch gesund?“ Er richtete sich verwundert auf. Er konnte nicht erschrecken, denn Agnes hatte ihr altes, schelmisches Lächeln wieder, und doch war sie so seltsam. „Es sind da merkwürdige Dinge geschehen. Georg und ich haben unter den Ruinen des Gotenschlößchens eine alte Kassette und darin ein Testament gefunden. Denk dir, wir sind gar nicht Erben des Majorats. Auch Jörge nicht. Da kann nun jeden Augenblick der neue Besitzer kommen und uns hinauswerfen. Er ist sogar schon da.“ Noch immer begriff Konrad ihr Wesen nicht. „Sprichst du im Scherz oder im Ernst?“ „Im bitteren Ernst! Es ist sogar eine Dame, die das Majorat erbt, und da gibt es nur ein einziges Mittel, uns das Gut zu erhalten: wenn einer von meinen Brüdern sichk entschließen könnte, die Erbin zu heiraten. Da nun Jörge Konrad stand auf.. soll Agnes machte ein soierliches Gesicht. (Fortsetzung folgt.)