Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Angemeiner Kreisanzeiger Einschließlich Botenlohn für Mark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig. den Monat 1.80 ReichsDie Schwelmer Zeitung für den Ennepe=Kahe kreis Fernruf Nr. 2018.— Hostscheckonto Hannover 76918.— Für under igt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Betriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. Auf roter Erde Tchibeimer Vadlanzeiger Mit den Beilagen: Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig; im Reklameteil(75 mm breit) 80 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Geschäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Kurze Tagesneuigkeiten „Graf Zeppelin" bei den Kanarischen Inseln. * Hamburg, 6. April. Wie die Hamburg=Amerika=Linie mitteilt, befand sich das Luftschiff„Graf Zeppelin“ auf seiner zweiten Südamerika=Fahrt am Mittwoch morgen 5 Uhr(MEZ.) auf 30 Grad 7 Minuten Nord und 14 Grad 1 Minute West. Das ist ungefähr nördlich der Kanarischen Inseln. Direktor Martin von der Berek vorläufig beurlaubt. * Berlin, 6. April. Der am Dienstag nachmittag zusammengetretene Aufsichtsrat der Berek faßte gegen den Direktor Martin, dem die vorzeitige Eröffnung des Wahlkampfes durch Plakatanschlag vorgeworfen wurde, folgenden Beschluß: Direktor Martin wird sofort beurlaubt unter dem ausdrücklichen Vorbehalt der fristlosen Entlassung nach beendetem Strafverfahren. Oesterreich schaltet sich in die Verhandlungen ein. * London, 6. April. Der österreichische Gesandte in London, Baron von Frankenstein, hatte am nachmittag eine Unterredung mit dem englischen Außenminister. Am Dienstag abend stattete er dem französischen Finanzminister Flandin im Hyde=Park=Hotel einen längeren Besuch ab. Das Eingreifen Oesterreichs in die Verhandlungen hat in diplomatischen Kreisen ein erhebliches Aufsehen erregt. Grandi in London eingetroffen. * London, 5. April. Der italienische Außenminister Grandi traf mit etwa dreiviertelstündiger Versvätung um 23,30 Uhr MEZ. auf dem Viktoria=Bahnhof in London ein. In seiner Begleitung befand sich der Finanz= und Reparationssichverständige Beneduce sowie mehrere Angehörige itatienischer Ministerien. Der Senator de Michelis war schon mit einem früheren Zug in London angekommen. Zum Empfang auf dem Bahnhof waren Außenminister Simon und der italienische Botschafter mit Herren der deutschen Botschaft erschienen. Nach kurzer Begrüßung fuhr Grandi in das Claridge=Hotel. Das englische Parlament tagt wieder. * London, 6. April. Das englische Parlament hat am Dienstag nach Ablauf der Österferien seine Sitzungen wieder aufgenommen. Montagn Norman bleibt Gonverneur der Bank von England. * London, 6. April. Montagn Norman ist zum 13. Mal zum Gouverneur der Bank von England wiedergewählt worden. Sozialistischer Bergarbeiterausschuß für Verstaatlichung der Gruben. * Brüssel, 6. April. Der internationale sozialistische Bergarbeiterausschuß nahm in seiner Dienstagsitzung mehrere Entschließungen an, in denen u. a. die Verstaatlichung der Gruben und die 40=Stunden=Woche gefordert werden. Ein Leverkusener Lehrer in den Bölkerbund berufen. * Leverkusen, 6. April. Studienassessor V. F.ranke ist in den Völkerbund in Genf berufen worden, wo er in der Schulabteilung als Sachverständiger beschäftigt werden wird. Franke war bisher am Leverkusener Oberlyzeum als Studienafsessor tätig. Verschärftes Redeverbot für den nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Bürgermeister Schwede. * Koburg. 6. April. Nach einer Meldung der „Koburger Nationalzeitung“ hat das bayrische Staatsministerium des Innern das bisher im Gebiet der Stadt Augsburg gültige Redeverbot für den nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten und ersten Bürgermeister von Koburg, Schwede, auch auf die übrigen bayrischen Städte ausgedehnt. Schwede ist es bis auf weiteres verboten— auch während der Wahlzeit— in öffentlichen Versammlungen als Redner aufzutreten. Bereits erteilte Genehmigungen von Versammlungen, in denen Schwede als Redner vorgesehen ist, werden widerrufen. Der Wahltampf auf dem Hohepanlk Eine deutschnationale Erklärung zum Wahlkampf Gegen eine Aenderung der Geschäftsordnung des Landtags für die Wahl des Ministerpräsidenten Berlin, 5. April. Der deutschnationale Parteivorstand führt in einer„gegen den Mißbrauch des preußischen Staatsapparates“ gerichteten Erklärung aus: die in Preußen an der Macht befindliche Regierungskoalition trage sich offenkundig mit dem Plan, durch eine Aenderung der Geschäftsordnung des Preußischen Landtages die für die Wahl des Ministerpräsidenten geltenden Bestimmungen so abzuändern, daß das Kabinett Braun gegen den Volkswillen und gegen den Willen des Parlamentes als GeschäftsministeHugenberg in Nürnberg Nürnberg, 5. April. Dr. Hugenberg sprach am Dienstag abend über„Kampf dem schwarzroten System“. Er erklärte, daß er nicht über die Reichspräsidentenwahl, sondern über die bevorstehenden Länderwahlen sprechen wolle. Die Reichspräsidentenwahl sei eine erledigte Sache. Er und die DNBP. hätten die Verpflichtung, sich nicht durch Stimmungen treiben zu lassen, sondern mit ihrer Haltung den einen Gedanken klar hervortreten zu lassen: So wie die Dinge gelaufen sind, hat nicht etwa das System im Volke einen Sieg davongetragen, sondern die Hitler gegenüberstehende historische Gestalt Hindenburgs. Es ist aber nicht die nationale Opposition, gegen die sich die Mehrheit des Volkes ausgesprochen hat. Das wird sich bei den Länderwahlen in überraschender Weise zeigen.„Ich habe,“ so führte Hugenberg weiter aus,„in diesem Augenblick die oberste Pflicht. nicht die falsche Vorstellung aufkommen zu lassen, als sei nationale Opposition gleichbedeutend mit Hitler und Nationalsozialismus. Millionen deutscher Menschen haben, weil der Name Hitler herausgestellt wurde, vorgezogen, Hindenburg zu wählen. Sie stehen aber bereit für eine klare, sachliche, aufbauende, gemeinsame Rechtsregierung, wie sie in Brannschweig und Mecklenburg=Strelitz jetzt besteht. Die Millionen. die zur nationalen Opposition stehen und trotzdem Hindenburg gewählt haben, gehören nach wie vor zur nationalen Opposition und wollen bei den Länderwahlen der nationalen Opposition die Mehrheit schaffen die Mehrheit von Deutschnationalen und Natioualsozialisten, die gemeinsam eine ruhige, gesunde und klare Aufwärtsentwicklung gewährleistet.“ Hugenberg erklärte zum Schluß, wenn Bayern nach den Wahlen ein Bündnis Bayrische Volkspartei— Sozialdemokratie bekommen sollte, so werde es in Bayern schlimmer als in Preußen werdest: Nur ein neuer starker Anteil der DNVt. an der künftigen bayrischen Regierung und ein kräftiges Zusammenhauen der Sozialdemokratie könne Bayern davor bewahren. Reichskanzler Brüning in Stuttgart Stuttgart, 5. April. Reichskanzler Brüning sprach am Dienstag abend in der Stuttgarter Stadthalle vor etwa 10000 Personen, darunter Staatspräsident Dr. Bolz, Justizminister Dr. Beyerle und Oberbürgermeister Dr. Lautenschlager. Brüning erklärte einleitend. die politische Agitation der letzten Wochen sei von fortschreitender Gemeinheit und Gewissenlosigkeit gekennzeichnet. Dieser Wahlkampf werde vielen Kreisen des deutschen Volkes für immer die Augen öffnen. Die NSDAP. habe anscheinend mit normalen Waffen überhaupt keine Aussicht mehr, Anhänger um sich zu sammeln. Allen Ständen müsse es gelingen, gegenseitiges Verständnis füreinander aufzubringen. Die Reichsregierung habe Maßnahmen treffen müssen, die allen Berufen und Ständen Opfer zumuteten. Diese gemeinsamen Opfer müßten getragen werden, um zu einem Ziel bezüglich der Reparations= und Abrüstungsfragen zu kommen. Alle diese Fragen seien von dem Kredit abhängig, den das Reich genieße, und dieser Kredit hänge wiederum davon ab, daß es der Reichsregierung gelinge, den Haushalt auszugleichen, um damit den Glauben im In= und Auslande an die stabile deutsche wahrung zu erhalten. Die beiden Ziele, stabile Währung und Befreiung von den Reparationslasten, würden von der Reichsregierung„mit System“ hochgehalten und durchgekämpft. Wenn die Nationalsozialisten je zur Herrschaft kommen würden, dann würde die deutsche Mark innerhalb von 14 Tagen ins Bodenlose sinken. Hindenburg sei der Mann in Deutschland, der vielleicht auein für das ganze deutsche Volk eine Persönlichkeit bedeute, die über allen Parteien, über allen Ständen. Berufen und Konfessionen nande. Dieser Mann sähe Menschen und Dinge viel klarer und einfacher als die meisten Menschen, die in führender Stellung tätig seien. Bei einem Volk, das noch ein Ideal hochhalte, könne es eigentlich gar nichts anderes geben als eine überwältigende Mehrheit für den Mann, der für die ganze Welt ein unbestreitbares Symbol deutschen Willens und Zukunftsglaubens sei. Es zeigen, daß sich das deutsche Volk nicht von Phrasen betören und von einer vergifteten Agitation beherrschen lasse. Er stimme dem Führer des Stahlhelm zu, wenn er gesagt habe, daß die nationalsozialistische Agitation eine Erziehung besonders der Jugend zur Disziplinlosigkeit bedeute. Zum Schluß seiner Rede, die immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen wurde, erklärte der Kanzler, es sei an der Zeit, daß das gegenseitige Vertrauen in die politische Stabilität der Staaten wieder Platz greife. Wenn Hindenburg am 10. April mit weitaus größter Stimmenzahl gewählt werde, dann sei die Bahn frei für die Außenpolitik, die von der Reichsregierung bezüglich der Reparationsfrage und der Gleichberechtigung Deutschlands unter den Völkern schon lange vorbereitet sei. Hindenburg sei die Grundlage für das Glück und die Freiheit kommender Generationen. Mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland und den Reichspräsidenten und dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes wurde die Versammlung geschlossen. Adolf hiller in Lauenburg, Elbing und Königsberg * Stolp, 5. April. Vor etwa 20000 Personen sprach am Dienstag mittag in drei großen Hallen der seit Jahren stillgelegten Flachsfabrik in Lauenburg Adolf Hitler. Er führte u. a. aus, es werde gesagt, wenn die Nationalsozialisten zur Macht kämen, so würde es ein Chaos geben. Dieses Chaos sei aber heute schon da. Es werde ferner der Vorwurf erhoben, die Nationalsozialisten betrieben die Inflation:„Die Inflation können wir nicht machen“, so erklärte Hitler,„weil wir die Spezialisten dafür nicht besitzen. Sie befinden sich bei den Parteien, die jetzt so von Angst erfüllt sind vor einer neuen Inflation.“ Wenn uational und soztal weiterhin für einander feindlich gehalten würden, so wäre das deutsche Volk verloren. Hitler wandte sich dann gegen den Vorwurf, die Nationalsozialisten wollten die Grenze nicht schützen. Er wolle seine Kämpfer nicht für dieses System in den Kampf schicken, sondern für ganz Deutschland, und daher sei es notwendig, erst einmal das System zu beseitigen. Damals seien die jungen Deutschen nach Oberschlesien gezogen, in dem Glauben, ganz Deutschland stehe hinter ihnen. Sie seien aber genau so getäuscht worden, wie die Frontkämpfer der viereinhalb Jahre. Herr Brüning verteidige jetzt die Ostgebiete in Königsberg. Man hätte aber erwartet, daß er sie in Geuf verteidigen würde. Zum Schluß erklärte Hitler:„Es ist denkbar, daß sie mich unterdrücken, daß sie meine Propaganda verbieten, daß sie mich überhaupt verbieten. Es ist denkbar, daß sie nicht nur meine SA.= Leute, sondern mich selber einsperren. Es ist auch möglich, daß man meine Leute und mich selber tötet, aber daß ich kapituliere— niemals.“ * Elbing, 5 April. Am Dienstag nachmittag traf Hitler in Elbing ein. Die Straßen waren von einer dichten Menschenmenge umsäumt, die Hitler lebhaft begrüßte. An einigen Stellen kam es zu kommunistischen Gegenkundgebungen. So wurde ein Kraftwagen, in dem Begleiter Hitlers saßen mit Steinen beworfen. Ein Münchener SA.=Führer wurde dabei am Arm verletzt. Eine große Halle der Firma Komnik, die mehr als 10000 Personen faßt, war lange vor Beginn der Kundgebung überfüllt. Hitler wurde bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt. Er sprach etwa eine Stunde lang und ging dabei insbesondere auf die Frage der Inflation ein. Er erklärte, die Nationalsozialisten dächten selbstverständlich nicht an eine Inflation. Sie wollten vielmehr ein Strafgericht abhalten über die, die das deutsche Volk um seine Spargroschen gebracht hätten. Die Nationalsozialisten hätten als erste erklärt, die deutsche Zukunft liege im deutschen Osten. Hitler begab sich dann zum Flugplatz, um nach Königsberg zu fliegen. * Königsberg, 5. April. Der größte Saal der Stadt im Hause der Technik, der etwa 15000 Personen fast, war schon eine Stunde vor Beginn der Hitler=Versammlung in Königsberg wegen Ueberfüllung geschlossen. Die Rede wurde noch in drei übertragen, so daß Hitler etwa 25000 Zuhörer gehabt haben mag. Der Inhalt der Rede Hitlers deckt sich mit den Gedankengängen seiner heutigen Ausführungen in Lauenburg und nationalsozialistische Idee könne, so führte Hitler u. a. aus. nicht scheitern, wenn sie sich nicht selbst aufgebe. Sollten die anderen Parteien auch die klugen Köpfe haben, die Nationalsozialisten hätten die Menschen, und die Zukunft werde entscheiden, ob die Köpfe oder die harten Menschen siegen würden. Wenn die Nationalsozialisten herrschen würden, so würde es keinen Bürgerkrieg geben. Am Ende ihres Weges stehe ein großes und einiges Deutsches Reich, dessen Gerechtigkeit auch eine soziale Gerechtigkeit sein werde. Wenn das erreicht sei, dann habe die nationalsozialistische BeBrünings Besprechungen in Karlsruhe Karlsruhe. 5. April. Die Besprechungen zwischen Reichskanzler Dr. Brüning und den am Montag abend eingetroffenen Mitgliedern der deutschen Abordnung für die Londoner Donaukonferenz fanden am Dienstag vormittag im Hause des früheren badischen Gesandten in Berlin, Dr. Honold, statt, dessen Gast der Reichskanzler während seines Karlsruher Aufenthalts war. Ueber die Besprechungen selbst wird strengstes Stillschweigen bewahrt. Sie nahmen etwa drei Stunden in Anspruch. Die Mitglieder der Londoner Abordnung verließen Karlsruhe mit dem Rheingoldexpreß um 12,30 Uhr zur direkten Fahrt nach London. sich in Bieser Sache an die preutische Ge. apvelliert werden, damit diese von vornherein sezu wenden, müßse um so eindringlscher de Versuch unterbinden, die preußische Wähler. Reichspräsdenten und an die Reichs; an den schaft durch eine parlamentarische Schiebung in Nengerruswenden andd uie Per bruchbregierung= ihren politischen Rechten zu schädigen. Der Moskauer Prozeß * Moskau, 5. April. Zu Beginn der heutigen Abendsitzung des Prozesses gegen Stern; und Wassiljew berichtete zunächst der Vertreter der Anklage über die Ergebnisse der bisherigen Beweisaufnahme, um dann zur Weitervernehmung des Angeklagten Stern zu schreiten. Nach Stern, der direkte Antworten auf Fragen nach seinen politischen Anschauungen vermied wurde Wassiljew vernommen, welcher sich als Feind der Sowjetunion bekannte. Er erklärte, von dritten Personeu beauftragt worden zu sein, einen Anschlag auf den deutschen Botschafter zu organisieren, und schilderte, wie er Stern kennen gelernt und ihn zur Ausführung des Attentats bestimmt habe. Dann schilderte er die Vorbereitungen, erwähnte, daß er von Stern nicht geglaubt habe, er werde ihn verraten, und wiederholt schließlich sein Verhalten in der Bornntersuchung, wo er zuerst leugnete, später aber alles zugab. Mit den Aussagen Wassiljews schließt der Teil des Prozesses, der die Umstände und die politischen Beweggründe des Anschlags behandelt. Die Attentäter Stern und Wassiljew zum Tode verurteilt. TU Moskau, 6. April. Der oberste Gerichtshof der Sowjetunion verurteilte am Mittwoch morgen nach kurzer Beratung die in dem Attentatsprozeß angeklagten Stern und Wassiljew nach den Paragraphen 4 und 6 des sowjetrussischen Strafgesetzbuches zum Tode. Er wollte Franzose werden Maßregelung eines Bergbeamten durch den Disziplinarhof wegen schwerer Verletzung der Treupflicht gegen den preußischen Staat * Berlin, 5. April. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt folgende grundsätzliche wichtige Entscheidung des Preußischen Disziplinarhofs vom 29. März 1932(— D. 22. 32—) mit: Ein preußischer Bergwerksbeamter, der in den Dienst der französischen Grubenverwaltung im Saargebiet beurlaubt, dann aber in die Preußische Bergverwaltung zurückgekehrt war, hatte sich während seiner Tätigkeit im französischen Dienst um die Erlangung der französischen Staatsangehörigkeit bemüht. Das Oberbergamt in Bonn als Disziplinargericht erster Instanz sah in diesem Verhalten ein außerordentlich schweres Dienstvergehen und bestrafte den Beamten mit Dienstentlassung ohne Zubilligung einer Unterstützung. Der Disziplinarhof trat dieser Entscheidung bei. Es liege eine so schwerwiegende Verletzung der Treuepflicht gegen den preußischen Staat vor, daß der Beamte nicht im Staatsdienst belassen werden konnte. Im vaterländischen Interesse muß gerade von den zur Dienstleistung bei der französtschen Grubenverwaltung beurlaubten preußischen Beamten unbedingte Zuverlässigkeit in vaterläudischer Hinsicht verlangt werden. Insbesondere muß von ihnen erwartet werden, daß sie die nötige Charakterfestigkeit besitzen, um alle Verleckungen zu einer Aufgabe der deutschen Staatsangehörigkeit von sich zu weisen und auch bereits den Anschein zu vermeiden, als trügen sie sich mit dem Gedanken eines Erwerbes der französischen Staatsangehörigkeit. Die preußischen Beamten, die zum Dienst bei der französischen Grubenverwaltung beurlaubt sind, sollen den deutschen Einwohnern des Saargebiets ein Beispiel valerläudischer Gesinnung geben. Zur Zubilligung einer Unterstützung befand im Hinblick auf die Schwere seiner Verfehlung kein Anlaß. de Valeras Antwort an England * Dublin, 5. Aprtl. In der Antwort der Regierung des Irischen Freistaates wegen der beiden Streitpunkte mit England wird erklärt, die Auffassung des Freistaates gehe dahin, daß der Untertaneneid aus der Verfassung verschwinden müffe. Er sei eine rein innerpoltische Frage, die Irland allein interessiere. Was die Jahreszahlungen betreffe, so könne hierüber verhandelt werden und de Valera sei bereit, sich zu diesem Zweck nach London zu begeben. S7.) WIFA Mikrotilmarchit der deutschsprachigen Presse e.V. Die Altion gegen die Autionaisohialsten * Berlin, 5. April. Die Telegraphen=Union teilt mit, daß in dem Bericht des preußischen Ministers des Innern über das Ergebnis seiner Untersuchung des bei der Naitonalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei beschlagnahmten Materials zunächst festgestellt wird, daß der sogenannte Nachrichtendienst der Nationalsozialisten eine Spitzeltätigkeit sei, wie sie nicht umfangreicher gedacht werden könne. Sie erstrecke sich auch aus die Tätigkeit des Staates und seiner Organe, wie Regierung, Polizei und Reichswehr. Daß es sich dabei um Auswirkung einer zentralen Anordnung handele, zeigten die überall gemachten Funde an derartigen Spitzelberichten, hauptsächlich mit genauer Aufstellung der Stärke, Gliederung und Bewaffnung der Polizei. Der technischen Ausgestaltung eines umfangreichen Nachrichtendienstes ist besondere Aufmerksamkeit gewidmet worden, und zwar unter Einsatz aller nur denkbaren Nachrichtenmittel einschließlich Brieftauben und Blinkverbindungen. Ein über das ganze Reich sich erstrekkender Relaisdienst sei festgestellt worden. Auch über die Einrichtung eines eigenen Funkverkehrs mit Kurzwellensendern sei verschiedenes bekannt geworden. Alle Vorbereitungen, die mit besonderem Nachdruck gerade einige Wochen vor der Reichspräsidentenwahl gefördert wurden, gewännen ihre besondere und erhöhte Bedeutung, wenn man sie in Zusammenhang mit der in Göttingen gefundenen Weisung, daß mit einem Einsatz der SA. gerechnet werden müsse, betrachte, und wenn man weiter die aus diesem Anlaß näher erörterte Bedeutung der drei Alarmstusen für die SA. abwäge: Alarmstufe A gleich erhöhte Aufmerksamkeit, alles zu Hause bleiben, Befehle abwarten; Alarmstufe B gleich Zusammenziehen der Trupps; Alarmstufe C gleich Mobilmachung: C erfordert volles Gepäck, Dienstanzug, der verdeckt mitgeführt wird, eiserne Rationen, Verpflegung für mindestens drei Tage. Die Nationalsozialisten hätten im übrigen offenbar weitgehende Vorbereitungen für den Fall der Machtübernahme getroffen. Eine Reihe von Unterlagen weise darauf hin, daß an Hand von sehr ins einzelne gehenden Fragebogen Uebersichten über alle in Frage kommenden öffentlichen Behörden sowie über alle lebenswichtigen Betriebe geschaffen worden seien. Besonders aufschlußreich in dieser Beziehung sei eine viele Seiten lange, bis in die kleinsten Einzelheiten sich vertiefende Ausarbeitung über den Generalmobil= machungsplan für technische lebenswichtige städtische Betriebe. * Im Anschluß an die Uebergabe des Berichtes gab Minister Severing am Dienstag abend vor der Presse eine längere Erklärung ab. Er betonte mit Nachdruck, daß die Auffassung unrichtig sei, daß es sich bei der Zusammenziehung der SA.= Leute am Wahltage darum gehandelt hätte. Zusammenstöße mit Andersdenkenden zu vermeiden, wie die Beauftragten der Nationalsozialisten dem Reichsinnenminister es dargelegt hätten. Severing betonte, daß Nachrichten über nationalsozialistische Putschabsichten bereits früher an ihn gelangt seien, so am Tage des preußischen Volksentscheides, dem 9. August, am Tage des nationalsozialistischen Aufmarsches in Braunschweig im Oktober und um den 8. November vorigen Jahres herum, dem Jahrestage der Revolution. Die preußische Regierung habe sich aber niemals vorzubereiten gebraucht, sie habe sich stark genug gefühlt, jeder gewaltsamen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung entgegenzutreten. So habe er, der Minister, zunächst auch die Nachrichten beurteilt, die in den ersten Märztagen an ihn durch Hunderte von Briefen, Hunderte von Telephonaten und Dutzende amtlicher Mitteilungen an ihn herangetreten seien. Der Brief des Reichsinnenministers Groener vom 8. März sei im preußischen Innenministerium am 9. März eingegangen und am 10. März zur Kenntnis Severings gelangt. Severing ließ, so schilderte er weiter, den Reichsinnenminister sofort um eine Unterredung bitten, die am 11. März stattfand. Er erklärte Groener, es komme darauf an, kaltes Blut und ruhige Nerven zu behalten. Er selbst lege den Nachrichten keine größere Bedeutung bei als früher. Groener möge aber dafür sorgen, daß der Panikstimmung, die sich in den zahlreichen Warnungen offenbare, entgegengetreten würde. Severing erließ am gleichen Tage an alle Polizeiverwaltungen das Ersuchen, den Gerüchten entgegenzutreten, als ob die Nationalsozialisten einen Putsch beabsichtigten. Er fügte aber hinzu, die Polizei solle mit dem letzten Mann und der letzten Waffe den etwaigen Versuchen entgegentreten, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu stören. Der 12. und 13. März verliefen ruhig. Dann kamen von den Regierungspräsidenten von Schleswig, Hildesheim, Magdeburg und aus einigen anderen Bezirken Meldungen über die Feststellung bewaffneter Trupps von Nationalsozialisten. Diese Mitteilungen veranlaßten Severing, die Haussuchungen anzuordnen. Er habe nicht aus Gerüchten, sondern aus Tatsachen die Folgerungen gezogen. Der Minister sprach dann sehr eingehend über die den Nationalsozialisten zugeschriebenen landsverräterischen Pläne und legte auch hierfür einige Schriftstücke vor. Das gesamte Material sei dem Oberreichsanwalt zugeleitet worden, der nach Auffassung des Ministers das Strafverfahren einleiten werde. Auch der Reichswehrminister lege Wert darauf, die Untersuchung zu beschleunigen. Ueber die innenpolitischen Folgen wollte Severing sich noch nicht äußern. Er erklärte aber, die Regierung werde es sich unter keinen Umständen gefallen lassen, daß unter dem Deckmantel politischer Erziehung Rüstungen für eine Privatarmee betrieben würden, die innenpolitisch zu einer großen Gefahr geworden sei und auch sonst eine Gefahr zu drohen werde. Mit der gemütlichen Existenz der Sturmabteilungen und Schutzstaffeln, so schloß Severing seine Ausführungen, sei es vorvei. In der Beurteilung des Materials seien sich die Regierungen von Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden und Hessen— um nur diese zu nennen— völlig einig, und sie seien durchaus geneigt, die entsprechenden Folgerungen zu ziehen. Protesttelegramme der A59AP. An Hindenburg. Groener und den Oberreichsanwalt. * München, 5. April. Namens der Reichsleitung der NDSAP. hat Rechtsanwalt Dr. Fank 11 an den Reichspräsidenten, den Reichsinnenminister und den Oberreichsanwalt Protesttelegramme geprüsen und danach ihr Vorgehen so einrichten, wie die Autorität des Staates und die Gleichheit vor dem Gesetz es erfordern. Aber die politische Ausmünzung vorläufig unbeweisbarer und phantastischer Beschuldigungen gegen eine Partei von sieben oder acht Millionen Deutschen ist sachlich höchst bedenklich und heute, kurz vor den Wahlen,(bracht, in dem es heißt: richtet. In dem Telegramm an den Reichspräsidenten von Hindenburg wird schärfstens Protest erhoben gegen die„Herabwürdigung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“, die in dem Vorwurf erblickt werden müsse, das bei der sollen, zutreffen, dann müsse eigentlich die preuAnbaltspunkte für boch= und landesverr9 en sische Zegierung den Oberreichsanwaut svon Ein neues Volksbegehren? * Duisburg, 5. April. Der„Radikale Mittelstand“, eine Absplitterung von der Wirtschaftspartei, hat beim Reichsminister des Innern einen Zulassungsantrag auf ein Volksbegehren eingeauch politisch verfehlt.“ Der„Lokalanzeiger“ sagt u. a.:„Wenn die Behauptungen, die angeblich durch dokumentarisches Material belegt sein politische Bewegung des deutschen Volkes beleidi verlangt, schon zum Zweck der unbedingten gende Behauptungen unter Berufung auf den Feststellung der Wahrheit. Es ist unmöglich, daß Oberreichsanwalt aufzustellen. mit Andeutungen gegen die Nationalsozialisten Soectrricrnecnang gearbeitet wird. Aehnlich äußert sich der„Tag“. Vertreter der Landesregierungen beim Reichsinnenminister. * Berlin, 5. April. Beim Reichsinnenminister Groener fand am Dienstag eine Besprechung mit Vertretern der Landesregierungen statt, in der eine Reihe wichtiger innerpolitischer Fragen erörtert wurde. An der Besprechung nahm u. a. der preußische Innenminister Severing teil. Die Besprechung dürfte sich mit dem Material befaßt haben, das von der preußischen Polizei vor kurzem bei der NSDAP. beschlagnahmt worden ist. Die Berliner Blätter zu den Veröffentlichungen Severings * Berlin, 6. April. Die Berliner Morgenblätter nehmen zum Teil ausführlich zu den Veröffentlichungen Severings über das Ergebnis der jüngst bei den Nationalsozialisten vorgenommenen Haussuchungen Stellung. Die„Germania“ fordert, daß nun wirklich Schluß gemacht wird„mit diesem Treiben, das unser Volk in das größte Unglück stürzen muß, wenn es noch weiter geduldet wird. Es muß einmal aufhören, daß in breiten Regionen der NSDAP. halbe und ganze Gesetzwidrigkeiten betrieben werden, während die verantwortlichen Führer, denen die Truppe bereits längst entglitten ist, die Hand erheben, um die Legalität der Gesamtpartei zu beschwören". Die„D. A. Z.“ kommt zu dem Schluß:„Die Gerichte, nicht die Verwaltungsbehörden müssen das vorliegende Material mit aller Beschleunigung und mit größter Strenge gearbeitet, wird.“ Aehnlich äußert sich Die„Vossische Zeitung“ hebt hervor:„Das Material ergibt die einwandfreie Bestätigung, daß Die auf die Gliederung des Reiches in Länder bezüglichen Vorschriften der Reichsverfassung werden aufgehoben. Artikel 2 der Reichsverfassung lautet: Das deutsche Reich ist ein Einheitsstaat. Die den Ländern nach der Reichs versassung zustehenden Rechte gehen auf das Reich über. Der größte Teil der für den Zulassungsantrag ersorderlichen Eintragungen von Stimmberechtigten soll bereits erreicht sein. Prozeß Hitler gegen Gruber Gruber zu 2000 Mark Geldstrafe verurteilt. * München, 5. April. Der Beleidigungsprozeß die SA.= und SS.=Formationen für den 13. März Adolf Hitlers gegen den verantwortlichen Schriftmobil gemacht worden sind, um nach einem Wahl=leiter der sozialdemokratischen„Münchener Post“ sieg Hitlers noch in der Nacht sich der Waffenlager wegen der Veröffentlichung der sogenannten der Polizei, des Bahnschutzes zu bemächtigen, die schwarzen Liste wurde heute vor dem Amtsgericht Gebäude der Behörden, vor allem der Post, zu besetzen und so die Macht der Exekutive an sich zu reißen.“ Das Blatt fragt. ob Severing mit seinen Worten„Wir können uns keine nationalsozialistische Privatarmee gefallen lassen“ die Auflösung der SA. und SS. angekündigt hat. Das beendet. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 2000 Mark oder 40 Tagen Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß die Beleidigung sehr schwer sei. Die veröffentlichte Liste habe sich als salsch erwiesen. Der Schutz der Wahrung berech„Berliner Tageblatt“ unterstreicht:„Dies tigter Interessen müsse dem Angeklagten versagt Gefahren, die dieses Material erkennen läßt, Ge=(werden. Der Hauptgrund der Veröffentlichung fahren innen= und außenpolitischer Art, Gefahren sei zu suchen in der erbitterten Gegnerschaft. nicht für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, Strafmildernd falle ins Gewicht, daß Führer und sondern auch für den Bestand des Staates. diese Angehörige der NSDAP, tatsächlich verschiedene Gefahren sind groß genug, ein eneraisches Ein=schwere Drohungen ausgesprochen hätten. schreiten der Staatshoheit gegen den Hitlerschen Staat im Staate zu rechtfertigen. Mit den Folgerungen, die die Berichte zu ziehen haben werden, ist es nicht getan. Es muß. ehe die Gefahr noch größer wird, alles geschehen, um der Bürgerkriegsarmee Hitlers ein Ende zu bereiten.“ Die „Deutsche Zeitung" verweist auf die von hr veröffentlichten Alarmvorbereitungen deß hei zer Bier= Wächte.Konferenz, die am Mitwoch Reichsbanners für die Nacht nach dem ersten beginnt. Die enalische Vertretung ist nunmehr Wahlgang. Diese seien bis jetzt noch nicht in Absezug#### engten:-n Minister, Die englischen Vertreter bei der Vier-Mächte-Konferenz London. 5. April. Wie amtlich bestätigt wird, Wahlgang. Diese seien bis setzt noch nicht in Ab==8.71, wie folgt festgelegt worden: Pininerrede gestellt worden und könnten es auch nichtsenuttig, Hußenminister Sir John sie tatsächlich getroffen worden seien. präsident Macdonalo, Aumuminneg###t, werden, da sie tatsächlich getroffen worden seien. Es sei merkwürdig, daß Severing die Vorbereitungen des Reichsbanners und der Eisernen Front mit keinem Wort erwähnt habe. Die tarzseintige Kaslandveeschaleung der Riädte Aus der Stillhalte-Kouferenz in Berlin Mit einem einjährigen Ausstand einverstanden In einem Berliner Abendblatt wird mitgeteilt, daß auf der seit nunmehr einer Woche in der Reichsbank stattfindenden Konferenz zur Stillhaltung der kurzfristigen Auslandkredite der Städte und Länder eine Annäherung der Auffassungen der beiden Parteien erzielt worden sei, so daß man noch für diese Woche mit einer Beendigung wohl rchnen könne. Dazu wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß dieser Konferenzoptimismus auf einer Kombination beruht. Die Verhandlungen werden mit Hochdruck geführt, wann sie aber zum Abschluß kommen, kann noch nicht übersehen werden. Allem Anschein nach sind die ausländischen Gläubiger mit der von den deutschen Schuldnern vorgeschlagenen präsident, Macdonalo,#nm Sr# Simon, Schatzkanzler Chamberlain, Hanbetsminister Runciman. Hoover über Stimsons Reise Washington. 5. April. In einer Pressebesprechung am Dienstag erklärte Präsident Hoover erneut, daß die Reise Stimsons nach Genf ausschließlich der Abrüstungsfrage gelte. Eine Aufrollung der Schuldenfrage sei keineswegs geplant. Der Besuch Stimsons ziele einzig und allein auf die Festlegung eines endgültigen Abrüstungsplanes ab, obwohl Amerika von Genf keine umwälzenden Ergebnisse erwarte. Hoover wies weiter darauf hin, daß der vor zwei Monaten in Genf vorgelegte amerikanische Abrüstungsüber die Höhe der Zinssätze. Von deutscher Seite während des Besuches des amerikanischen Fibietet man 6 Prozent Zinsen an, während die nanzsachverständigen Norman Davis in WashingAusländer 7 bis 8 Prozent fordern. Die Höhe der ton mit dem Marinekriegsdepartement und Stimin Frage kommenden Stillhaltekredite beträgt son näher besprochen und erweitert worden sei. schätzungsweise 250 Millionen Mark, wovon etwa ein Viertel auf die englischen Gläubiger entfällt. Es versteht sich von selbst, daß die deutschen Schuldner schon im Hinblick auf die sich dauernd verschärsende Finanzlage der deutschen Gemeinden in wesentlichen Punkten nicht nachgeben können. Manche Gemeinden bezeichnen die von deutscher Seite angebotene sofortige Zurückzahlung von 10 Prozent der Schuldsumme als völlig untragbar. einjährigen Stillhaltung einverstanden. Dagegen bestehen doch große Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Zinssatze. Von deutscher Seite Vor neuen englischen Schritten in Berlin wegen der Kohleneinfuhr * London, 5. April. Der englische Handelsminister Runciman teilte im Unterhaus auf neuerliche Anfragen von Abgeordneten über die deutsche Kohleneinfuhreinschränkungen mit, daß die deutsche Antwort unbefriedigend sei und die englische Regierung weitere Vorstellungen in Berlin erheben werde. Der Abgeordnete Kapitän Peter Macdonald fragte darauf, ob es sich hier nicht um einen Bruch des deutsch=englischen Handelsvertrages handele, worauf der Handelsminister antwortete, daß diese Frage zurzeit von der englischen Regierung erwogen bezw. bei den diesbezüglichen deutsch=englischen Verhandlungen erörtert werde. Auf die Anregung, ähnliche Vorstellungen bei der französischen Regierung in Bezug auf die neuen französischen Kontingentsvorschläge zu machen, antworttee Runciman, daß zurzeit allgemeine Vorstellungen gegen das Kontingentssystem als solches kaum einem nützlichen Zweck dienen könnten. Eine Milliarde Franken-Avleihe für die Donaustaaten! * Paris, 5. April. Bainville berichtet am Dienstag in der„Liberté“, daß Frankreich eine große Konvertierungsanleihe für die Donaustaaten vorbereitet und in Vorschlag gebracht habe. Diese Anleihe solle in den Donauländern ermöglichen, eine umfassende Sanierung durchzuführen. Was den Betrag anbelange, so werde ziemlich übereinstimmend von einer Milliarde gesprochen. Wenn man Oesterreich eine neue Anleihe gebe, so könne das nur unter der Voraussetzung geschehen, daß die Finanzkontrolle wieder eingeführt werde. Es frage sich nur, ob Wien bereit sei, sich der Finanzkontrolle zu unterwerfen und ob Deutschland einem derartigen Vorschlag zustimme. Die Entscheidung darüber müsse in den nächsten Tagen sallen. Der„Paris Soir“ meint, daß der französische Vorschlag in London dahin gehe, die Donauländer zu einer Konferenz ohne Beteiligung der Großmächte einzuladen. Wenn es den Donaustaaten gelänge, zu einer Verständigung zu gelangen, würden die Vertreter der Großmächte erneut zusammentreten, um ihre Interessen mit den Vorschlägen der Donauländer in Einklang zu bringen. Die britsch=französischen Vorverhandlungen seien zweifellos geeignet, die Viererkonferenz wesentlich zu erleichtern, da die finanziellen Opfer für die Hilfsaktion im wesentlichen auf Frankreich und England lasten würden. Ottokar Graf Czernin gestorben Molotow siehl Gespenster Warnung vor äußeren und inneren Feinden der Sowjetunion. * Moskau, 5. April. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet: Der Vorsitzende des Vollzugsausschusses der Volkskommissare hielt eine Rede, in der er u. a. erklärte Rußland wisse sehr gut, daß in den Ministerkabinetten einiger bürgerlichen Regierungen des Auslandes Pläne zu neuen imperialistischen Kriegen ausgearbeitet würden. Von der Wachsamkeit und der Verteidigungsbereitschaft der Sowjetunion hänge jetzt viel ab. In Verbindung mit den Ereignissen im Fernen Osten planten die Weißgardisten die Losrei* Wien, 5. April. Der frühere österreichisch= ungarische Außenminister Graf Ottokar Czernin ist hier im Alter von 62 Jahren einem Herzschlag nen Osten planten die Weißge erlegen. Er entstammte einer alten böhmischenIßung des Küstengebietes im Fernen Osten von der Adelsfamilie. Er gehörte von dem Kriege als Sowjetunion und die Schaffung eines weißgardiMitglied des Böhmischen Landtages der Ver=stischen Pufferstaates aus diesem Küstengebiet zum fassungspartei an und stand dem ermordeten Kampf gegen Rußland mit Unterstützung auslänThronfolger Franz Ferdinand sehr nahe. Im discher Imperialisten. Was die Innenpolitik anJahre 1912 wurde er Herrenhausmitglied und ein gehe, so dürfe man nicht vergessen, daß der KlassenJahr später auf besonderen Wunsch Franz Ferdi= seind im Inland noch lange nicht vollständig genands Gesandter der Monarchie in Bukarest. Dort schlagen sei und daß er immer noch versuche dem blieb er bis zum Ausbruch des Krieges mit Ru= Rad des sozialistischen Aufbaues einen Knuppel mänten Ende August 1916. Nach dem Tode Kaiser zwischen die Speichen zu werfen. Franz Josephs wurde Graf Czernin an Stelle von Graf Burian am 23. Dezember 1916 Minister des Aeußern und vertrat als solcher die von Kaiser Karl verfolgte Friedenspolitik. In seine Amtszeit fielen die Friedensschlüsse von Brest=Litowsk und Bukarest. Seit August 1917 bis in den Februar 1918 führte er mit Frankreich in der Schweiz Beschwerde des Memellandischen Landtags Kowno. 5. April. Die Mehrheitsparteien Lenat iois führie er umnt Frantreich in der Schweig des aufgelösten Memelländischen Landtages haBesprechungen, die jedoch die Frühjahrsoffensive ben beim Staatspräsidenten der Republik Litauen des 1918 nicht abwenden konnten. Im Zusammenhang Beschwerde gegen die Verordnung des Präsidenmit dem von Clemenceau veröffentlichten Brieftten des memelländischen Direktoriums, Simmat, des Kaisers Karl an den Prinzen Sixtus von Par=erhoben. Das Direktorium hat mit überwältima, der die Bestrebungen eingeleitet hatte, erfolgte i gender Mehrheit gegen die fünf Stimmen der lidann am 14. April 1918 sein Rücktritt. Nach dem Umsturz war Czernin Mitglied des österreichischen Nationalrats(Demokratische Partei), trat aber wenig hervor. Dr. Bayern und der Vatikan Held über die Beibehaltung der bayrischen Vertretung beim Heiligen Stuhl tauischen Fraktion ein Mißtrauensvotum erhalten. Infolgedessen betrachten die bisherigen Mehrheitsparteien die Verordnungen, die nur durch ein ordentlich durch den Memellandtag anerkanntes Direktorium erlassen werden können, als mit dem Memelstatut nicht vereinbar. Aukisapanische Ausschreitungen in Berlin * Berlin, 5. April. Von unbekannten Tätern wurden heute abend bei zwei japanischen SpeiseMünchen, 5. April. Im Haushaltsausschuß wirtschaften die Schaufensterscheiben von außen her des Bayrischen Landtages erklärte heute Mini= durch Steinwürfe zertrümmert. Auf die Straße sterpräsident Dr. Held bei dem Kapitel„Auf=vor den beiden Lokalen streuten die Täter zahlwendungen für die Gesandtschaften“, gegenüber reiche Flugblätter, die die Ueberschrift„Nieder mit Anträgen der Sozialdemokraten und Nationalso=den japanischen Friedensstörern und Kriegshetzialisten, die die Aufhebung der Gesandtschaftenzern“ trugen und zum Boykott der japanischen in Stuttgart und beim Päpstlichen Stuhl forder= Speisehäuser aufforderten. Den sofort alarmiergroßeniten Ueberfallkommandos gelang es in beiden Fällen nicht mehr, der flüchtig gewordenen Täter habhaft zu werden. ten, daß er diese Aufhebung für einen Fehler halten würde. Die Erhaltung der bayrischen Gesandtschaften in Stuttgart und beim Päpstlichen Stuhl liege sowohl im Interesse Bayern als auch Deutschlands. Bei den vielen Beziehungen der katholischen Volksteile Bayerns und ganz Deutschlands sei es von großem Interesse, die Beziehungen zum Heiligen Stuhl zu pflegen; das Geld, das für die Gesandtschaft aufgewendet werde, könne ruhig verantwortet werden, insbesondere in der Art, wie die Interessen Bayerns in Rom vertreten würden. T MoTAERERG GEGEN SCRAG KOOeERA OROASAER Mikrot der deutschsprachigen Lieder- und Balladenabend des Kammersänger Heinrich Rehlewper vom Staats- und Nationaltheater München Wie schon mitgeteilt, findet das letzte dieswinterliche Konzert der Konzertgesellschaft Schwelm, zu dem einer der bedeutendsten Sänger, Heinrich Rehkemper, vom bayrischen Staats= und Nationaltheater verpflichtet wurde, nunmehr endgültig am kommenden Samstag, dem 9. April, abends 8 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums statt. Der Künstler wird seine große Kunst in Liedern von Schumann und Schubert und in fünf der wertvollsten Balladen von Loewe zeigen können. Wer je die musikalische Deutung dieser Balladen durch Rehkemper hörte, sei es auch nur auf Schallplatte, dem werden sie unvergessen sein. Neben„Meerfahrt",„Trommelständchen", „Odins Meeresritt" und„Der heilige Franziskus“ steht diesmal noch der wegen seiner ganz außergewöhnlichen technischen Schwierigkeiten nur selten gesungene„Mummelsee“ auf dem Programm. Am Ibach=Flügel sitzt der auch in Schwelm bestens eingeführte Hagener Pianist Willy Jinkertz, weiteren Musikkreisen bekannt als Konzertpartner Max Regers. Wir weisen besonders nochmals auf die Vorverkaufsstellen hin: in Schwelm: Zigarrengeschäft Neuhaus, in Milspe: Adlerdrogerie Fischer, in Voerde und Altenvoerde: Thiele und Schläper. In allen diesen Geschäften sind noch Karten zu 2,00 und 3,00 RM. zu haben. Für auswärtige Konzertbesucher erinnern wir an die Benutzung von Sonntagsfahrkarten nach Schwelm. Unser Kind kommt zur Schule Am Freitag beginut das neue Schuljahr Dieser Tag bedeutet einen Abschnitt nicht nur im Leben des Kindes, sondern auch in unserem Leben. Wir haben diesem Zeitpunkt mit gemischten Gefühlen entgegengesehen, da sich für unser Kind die Pforten der Schule und damit irgendwie auch des Lebens öffnen, und nun, da er da ist, wissen wir nicht, ob wir weinen oder lachen sollen. Lachen darüber, daß nun der kleine Quälgeist, den wir in den letzten Monaten gar nicht mehr gut beschäftigen konnten, aufgehoben und versorgt ist, daß er Disziplin lernt, und daß— welche Mutter hoffte das nicht in den geheimsten Falten ihrer Seele— er nun die ersten Stufen zur Weisheit, zu großen Leistungen erklimmt. Aber ich glaube, fast allen Müttern, auch den tapfersten und robustesten, ist am ersten Schultag das Weinen doch näher als das Lachen. Zu wissen, daß für den kleinen ABE=Schützen nun die Freiheit und Ungebundenheit ein Ende hat, daß nun die Sorgen des Lebens, wenn auch noch in kleinem Ausmaße, für ihn beginnen, ist doch recht bitter für die Mutter. Aber am schwersten wohl bedrückt sie, bewußt oder unbewußt, die Tatsache, daß nun das Kind ihr nicht mehr allein gehört, daß eine Macht in sein Leben getreten ist, die mindestens so bedeutsam für es ist wie die Mutter, und daß auch sie diese Macht respektieren muß. Und sie muß sie respektieren. Glücklicherweise sind die Mütter in diesen Dingen sehr viel vernünftiger geworden. Sie lassen die Schule nicht mehr als den schwarzen Mann bei den Kindern auftreten, der alle Fehler sieht und rächt und der dem Kinde das Gruseln beibringen soll. Und vor allem: Sie wissen, daß sie die Verbindung mit der Schule pflegen müssen im Interesse ihres Kindes, und daß nur gemeinsame Erziehungsarbeit zwischen Elternhaus und Schule Erfolg verspricht. War früher der Gang zum Lehrer ein sehr unangenehmes Muß, das nur dann für notwendig befunden wurde, wenn das Kind schlechte Noten nach Hause brachte oder wenn der Lehrer ausdrücklich den Besuch der Eltern wünschte, so ist heute die Aussprache zwischen Eltern und Lehrer in sehr vielen Fällen zu einer für beide Teile angenehmen Gewohnheit geworden, denn schließlich muß es ja auch dem Lehrer willkommen sein, durch die Mutter näheren Einblick in charakterliche Veranlagung und die geistigen und psychischen Fähigkeiten seines Schülers zu gewinnen und das Milien, aus dem er kommt, kennen zu lernen. Es wirkt ja außerordentlich stark auf die Leistungen des Schülers zurück, und jeder tüchtige Lehrer wird heute anerkennen, wie sehr das Elternhaus die Schulerziehung fördern oder hemmen kann.. Der erste Schultag fällt diesmal in besonders trübe Zeit. So paradox es klingen mag, mit ihm kommt schon die Sorge zur Mutter, was aus dem Kinde einmal werden soll. Und wenn die Antwort eines kleinen Mädchens, das man zum Lernen anhielt,„wozu soll man lernen ich werde ja ooch nur erwerbslos, wenn ich groß bin“, ein trauriges Bild davon gibt, wie sehr die Not der Zeit auch in die Gedankenwelt des Kindes Eingang gefunden hat, so mag das die Mutter, die am ersten Schultag ihr Kind mit aufsteigenden trüben Zukunftsgedanken in die Schule führt, diese vorerst ruhig ausschalten. Der Tüchtige wird hoffentlich auch in Zukunft seinen Weg machen. Aber die Grundlage zur Tüchtigkeit muß schon früh gelegt werden, und es bedarf vor allem der Klugheit, aber auch der Selbstlosigkeit der Mutter, um das Kind stetig und sicher von ihrem Gän gelband loszulösen und zu einem selbstän digen und lebenstüchtigen Menschen zu erziehen. schen und niederländischen Arbeitsnachweisbehörden getroffen, wonach von den beiderseitigen Behörden nur solche Stellen für deutsche Arbeitnehmerinnen in Holland vermittelt werden, deren Geeignetheit und einwandfreie Beschaffenheit durch vorherige eingehende Prüfung der holländischen Arbeitsämter festgestellt ist. Deutsche Arbeitnehmerinnen, die Reisepässe zum Stellenantritt in Holland beantragen, müssen der Polizei eine Bescheinigung des örtlich zuständigen Arbeitsamtes vorlegen, daß die Geeignetheit der holländischen Stelle geprüft ist. (=) Die N. S. D. A. P. Ortsgruppe Schwelm veranstaltet morgen Donnerstag abend 8,15 Uhr eine große öffentlick Kundgebung im großen Saale der Wilhelmshöhe. Stellv. Gauleiter Pa Meister=Herne spricht unter anderem über Nationalsozialismus und Katholizismus. Es findet freie Aussprache statt. Der Saal ist geheizt. (=) Die Barmer Berufsfeuerwehr durchfuhr heute morgen unsere Stadt, um in Milspe bei der Firma Altenloh, Brink u. Co. den Druck der Hydranten zu prüfen. Beim Anblick der Feuerwehr= wagen kamen in der Bevölkerung Gerüchte über einen Brand in Schwelm auf, die jeder Grundlage entbehren. Die Schwelmer Wehr ist gar nicht alarmiert worden. (=) Aus dem Polizeibericht. Ein Metzger hat in seinem Laden Hackfleisch ausgestellt, ohne dieses inter der vorgeschriebenen Gazeglocke aufzubewahren.— In einer hiesigen Bäckerei wurde ein falsches Zweimarkstück abgegeben. Die Polizei beschlagnahmte das Falschstück. :: Zehn Milliarden Reichsmark Sparkasseneinlagen Ende Februar. Ende Februar 1932 beliefen sich die Sparkasseneinlagen bei den deutschen Sparkassen auf rund 9,99 Milliarden Reichsmark gegenüber 9,89 Milliarden Reichsmark Ende Januar 1932. Der Berichtsmonat weist mithin eine Zunahme um 101 Millionen Reichsmark auf gegenüber einer Zunahme um 161 Millionen RM. im Januar. Schwelm, 6. April. 25jähriges Amtsjubiläum. Am 7. April blickt der Kreisausschuß= Obersekretär A. Hochgräf auf eine 25jährige Amtstätigkeit bei der Kreisverwaltung in Schwelm— Ennepe=Ruhr=Kreis zurück. Dem Jubilar, welcher sich bei seinen Amtskollegen großer Wertschätzung erfreut, herzlichen Glückwunsch. (=) Die Stromunterbrechung am Dienstag abend war wieder auf ein Versagen der Turbinensteuerung der 12000 Kilowatt=Turbine im Kreiswerk in Gevelsberg zurückzuführen. * Auswanderungen deutscher Arbeitnehmerinnen nach Holland. Um eine planlose Auswanderung deutscher Arbeitnehmerinnen nach Holland zu vermeiden, ist eine Regelung zwischen den deutkortschule statt. Die näheren Einzelheiten geben aus der heutigen Anzeige hervor. Boerde, 6. April. :. Zweiter Wahlgang Reichspräsidentenwahl. Für den zweiten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl am Sonntag, den 10. ds. Mts., ist die Abgrenzung der Stimmbezirke in der gleichen Weise wie bei der letzten Wahl vorgenommen worden. Die Gemeinde Voerde ist in 5 Stimmbezirke eingeteilt und zwar 1. Bezirk: Dorf Voerde, Wahllokal Saal Haarmann; Bezirk 2: Oberbauer. Wahllokal Saal Langenscheidt; 3. Bezirk: Hasverbach. Wahllokal Saal Pape; 4. Bezirk: Häufgen, Wahllokal Saal Voß; 5. Bezirk: Altenvoerde, Wahllokal Ebbinghaus. Die Wahlhandlung findet in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis um 6 Uhr abends statt. Es wird darauf hingewiesen, daß die Stimmscheine nur gültig sind, wenn sie eine rötliche Farbe haben. .:. Bevölkerungsbewegung. Die Einwohnerzahl der Gemeinde Vverde ist im Monat März 1932 von 8510 Personen auf 8495 gesunken. Anmeldungen von auswärts zugezogenen Personen wurden 32 gezählt. Polizeiliche, Abmeldungen außerhalb des Gemeindebezirks erfolgten 46. Geboren wurden 5 Kinder. davon 3 männlichen und 2 weiblichen Geschlechts. Es starben 6 Personen und zwar an Gehirnschlag 1, Lungenentzündung 1. Altersschwäche 1, Lungentuberkulose 2 und 1 wegen Herzkrankheit. Eheschließungen wurden 8 gezählt. Polizeiliche Ummeldungen innerhalb der Gemeinde wurden 27 getätigt. lokal K. Schievelbusch, Hiddinghausen II für sämtliche Einwohner der beiden Gemeinden. Die gelben Wahlausweise sind mitzubringen. * Standesamtliches. Im Monat März 1932 wurden beim Standesamt Haßlinghausen— ohne Standesamtsbezirk Gennebreck— 7 Geburten, 2 Eheschließungen und 4 Sterbefälle beurkundet. * Einweihung des Sportplatzes am Blumenhaus. Wie die Geschäftsleitung des Turnvereins Haßlinghausen 1862 mitteilt soll am 24. April die Einweihung der neuen Sportplatzanlage am Blumenhaus stattfinden. Erstklassige Gegner für Handball und Fußball sind verpflichtet worden. Mit einer großen Veranstaltung wird zu rechnen sein. Breckerfeld. 6. April. .:. Unglücksfall. Ein Landwirt von hier, welcher schon mal in den Vorjahren einen Unglücks fall durch seinen Heuaufzug erlitt, nahm jetzt wiederum Schaden an dieser Einrichtung. Bei einer Beschäftigung kam er zu Fall und fiel unglücklicherweise in die Zangen des Heugreifers. Er zog sich eine klaffende Wunde zu und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Gevelsberg. 6. April. * Schulnachrichten. Die Mittelschullehrerin Fräulein Michaeli, die früher an der höheren Mädchenschule und später an der Lindengrabenschule tätig war, ist mit Wirkung vom 1. April an die Volksschule Niedersprockhövel versetzt. Wetter, 6. April. Schwierigkeiten bei der Verpachtung. Der Stadt sind durch die Verpachtung des Harkortbergrestaurants, die an den Essener Haltermann erfolgte, Schwierigkeiten entstanden. Vor dem Termin der Uebernahme erklärte der alte Pächter, daß er nicht verpflichtet sei das Lokal zu verlassen. Daraufhin wurde von der Stdat ein Prozeß angestrengt. Eine Entscheidung darüber, ob die Formalitäten erfüllt sind, ist noch nicht gefällt. Am kommenden Freitag findet ein neuer Termin statt. Linderhausen, 6. April. * Ihre silberne Hochzeit konnten gestern die Eheleute Emil Klein und Frau, Luise geb. Herberholz, Scharlicke wohnhaft, seiern. Dem Silberbrantpaar unsern Glückwunsch. Milspe, 6. April. (=) Rechnungen einreichen! Wegen Abschlusses des Rechnungsjahres bittet das Bürgermeisteramt, etwa noch ausstehende Rechnungen an die Gemeinden für Arbeiten und Leistungen spätestens bis zum 10. April einzureichen. (=) Der Entwurf des Haushaltsplanes der Gemeinde Milspe für das Rechnungsjahr 1932 liegt in der Zeit vom 7. bis einschließlich 20. April auf Zimmer 10 des Amtshauses II in der Winkelstraße zur Einsicht aller Einwohner der Gemeinde Milspe offen. (=) Die Anmeldung der Berufsschüler und Schülerinnen findet am Montag, dem 11. April, nachmittags von 4 bis 5 Ukr im Zeichensaale der HarHerbede, 6. April. * Einbrecher in Kirche, Pfarrhaus und Waisenhaus. In der vorletzten Nacht gegen 1,30 Uhr ver Haßlinghausen, 6. April. (=) die Gem lokale Haßlinghausen die Wirtschaft Heinrich brecher, die, als Licht gemacht wurde, Jansen, Wittenerstraße, für die Häuser Nr. 1 bis der Nacht entschwanden, ohne etwas 107, 181, 183, 216 bis 290, 334, 335 bis 348 und Adolf zu haben. dne etwas Spratte, Schmiedestraße, für die Häuser 108 bis!“ 180, 182, 183a bis k, 184 bis 215, 291 bis 333 und 334a Gennebreck: Abstimmungslokal Witwe vom Lehn, Herzkamp, Haus Nr. 1 bis Schluß. Linderhausen: Abstimmungslokal H. Flokkenhaus, Heide, Haus Nr. 1 bis Schluß. Hiddinghausen I und II: Abstimmungs* 9* Kathreiner ist eine Tasse fUnr hek! im Dunkel ausgerichte! Es scheint sich um dieselben Täter zu handeln, die in der vorigen Woche einen Einbruch in die katholische Kirche unternahmen. In diesem Falle drangen sie durch den Heizungskeller unter der Sakristei in das Chor der Kirche und versuch. ten die Tabernakeltür zu öffnen, die aber den Versuch standhielt. Ob sie auch hier verscheucht wur den, steht nicht fest. Von den Einbrechern fehlt jede Spur. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch der in der vergangenen Woche erfolgte Einbruch in die Stallungen des Waisenhauses, bei dem sie zwei Ferkel erbeuteten, auf das Konto dieser Personen zu setzen ist. Wer Mitteilungen, die vertraulich behandelt werden, über die Täter machen kann, so daß ihre Ergreifung möglich ist, erhält eine hohe Belohnung. Arbeitsfragen Dind Vie Der größte Kunstfälscher-Prozeß der letzten Jahre dan Gogg Onder echt oder faisch! Aufmarsch der feindlichen Kunstgelehrten * Berlin, 5. April. Am Mittwoch beginnt vor dem Schöffengericht Berlin=Mitte unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Neumann der Prozeß gegen den Kunsthändler Otto Wacker; die gesamte Kunstwelt sieht dem Ausgang dieser größten Fälschungsaffäre, die in den letzten Jahren die deutschen Gerichte beschäftigt hat, mit Spannung entgegen. Das Gericht wird auf Grund der Sachverständigengutachten zu entscheiden haben, ob die 30 van Gogh=Gemälde, die Wacker nach der Anklage restlos gefälscht haben soll, tatsächlich Fälschungen oder wenigstens zum Teil Originalwerke des großen Meisters sind. Wacker betrieb vor einigen Jahren in Berlin eine Kunsthandlung. Er ist der Sohn eines Kunstmalers in Düsseldorf. In den Jahren 1925 bis 1928 verkaufte Wacker eine große Anzahl von van Gogh=Gemälden, die er aus einer ausländischen Kunstsammlung erworben haben wollte. Angeblich stammten die Bilder von einem ehemals sehr angesehenen russischen Emigranten, der sich in der Schweiz niedergelassen hatte. Wacker verkaufte zuerst eine Anzahl van GoghBilder an verschiedene Kunsthändler, ohne daß diese ihn zur Vorlage einer Expertise gezwungen hätten Später ließ Wacker die restlichen Gemälde durch den berühmten holländischen Kunstgelehrten, den Herausgeber des großen van Goghs=Katalogs, Dr. J. B. de la Faille, begutachten. Dieser bestätigte die Echtheit der Bilder und nahm sie auch in seinen Katalog auf. Wacker holte dann auch noch Expertisen von anderen Kunstgelehrten, wie Meier=Graefe und Rosenhagen ein. Dreißigmal Sachverständigenirrtum Die ersten Zweifel an der Echtheit der van Go*=Bilder wurden von Berliner Kunstkennern geäußert. Wacker ließ die Bilder daraufhin noch einmal van de la Faille untersuchen, der das Ergebnis seiner ersten Begutachtung wiederholte. Einige Zeit später geschah aber der sensationelle Meinungsumschwung de la Failles Dieser erklärte, daß er sich bei allen seinen bisherigen Expertisen geirrt habe und jetzt die unerschütterliche Ueberzeugung hege, daß alle Wackerschen van Goghs nur geschickte Fälschungen seien. Nun entbrannte eine heftige Fehde zwischen de la Faille und anderen Kunstkennern, die sich für die Echtheit der Gemälde einsetzten. Der Verband des deutschen Kunst= und Antiquitätenhandels erstattete schließlich gegen Wacker die Strafanzeige. Wacker blieb dabei, daß seine Bilder echte Schöpfungen van Goghs seien und von ihm im besten Glauben verkauft worden waren. Er habe ihren Vertrieb nur kommissionsweise für den russischen Eigentümer übernommen. Dieser habe die Bilder heimlich aus Rußland hinausgeschmuggelt. Den Namen dieses geheimnisvollen Russen zugeschlossen werden Von der Kündigung werden nennen, lehnte Wacker mit der Begründung ab, etwa 10000 Arbeiter betroffen. Die Bekanntgabe daß sein Auftraggeber Vergeltungsmaßnahmen der Kündigungen hat unter der Arbeiterschaft erDie Nachverhandlungen für den Ruhrbergbau ergebnislos * Berlin, 5. April. Die heute im Reichsarbeitsministerium geführten Nachverhandlungen für den Ruhrbergbau sind ergebnislos geblieben. Die Entscheidung liegt nunmehr beim Reichsarbeitsminister. Massenkündigungen in der ostoberschlesischen Zinkindustrie * Kattowitz. 5. April. Die gesamte Arbeiterschaft in der ostoberschlesischen Zinkindustrie hat die Kündigung zugestellt erhalten. Wiedereinstellungen sollen nur unter der Voraussetzung erfolgen, daß die Arbeiter sich mit einer Lohnkürzung um 12 v. H. einverstanden erklären. Bei Ablehnung dieser Kürzung sollen die Betriebe am 20. April heschlossen werven. Von der Kundigung werven gegen seine in Rußland zurückgebliebenen Verwandten zu befürchten habe, So romantisch diese Erzählung klingt, so vermochte Wacker doch keine Beweise für ihre Glaubhaftigkeit beizubringen. Er weiß nicht einmal anzugeben, auf welche Weise die Bilder nach Berlin gebracht wurden. Die Ermittlungen haben ergeben, daß Wacker sehr fleißige Vorstudien über van Gogh betrieben und eine ganze Bibliothek über den holländischen Meister durchstudiert hat. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, daß Wacker die schönen van Goghs selbst fabriziert habe. Sachverständigentag à la Lübeck Der Betrugsprozeß gegen Wacker dürfte in einer Hinsicht Aehnlichkeit mit dem Prozeß gegen die Lübecker Professoren annehmen: Sowohl dort wie hier stehen einander zwei Lager von Sachverständigen spinnefeind gegenüber. Während nämlich hebliche Erregung hervorgerufen. Es sollen mit dem Demobilmachungskommissar Verhandlungen über das Vorgehen der Arbeitgeber stattfinden. Sport-Nachrichten D. J. K. „Viktoria“ Kronenberg 1.—„Sportfreunde“ Schwelm 1. 2:1(1:1) Dieses erste Spiel um die Gau=Meisterschaft ging für Schwelm etwas unglücklich verloren. Recht verheißungsvoll fing es an. Schon nach 5 Minuten hieß es 1:0 für Schwelm. Aber dann war Schluß. Immer mehr läßt sich Schwelm das hohe spinnefeind gegenüber. Währeno nämlich Spiel des Gegners aufdrängen. Nachdem zeitweise eine Anzahl von Kunstsachverständigen, vor allem zwei Spieler wegen Verletzung ausschieden, fällt der Haager, Bremmer, für die Echtheit der van durch Elfmeter der Ausgleich. Auch nach der Gogh=Bilder eintreten, erklärt sie de la Faille nach Pause wird es nicht besser. Nachdem nun nach zehn wie vor für Fälschungen. Ihre stärkste Stütze finden die Verfechter der Fälschungsthese im Direktor der Berliner Nationalgalerie, Geheimrat Justi. Der Prozeß hat übrigens jetzt kurz vor seinem Beginn ein aufsehenerregendes Vorspiel in der Kunstwelt gesunden. Der holländische Kunstkritiker Cornelis Veth nimmt gegen de la Faille und Justi in einem soeben erschienenen Buche in ungewöhnlich heftiger Weise Stellung und wirft unter anderem Justi Sensationslust und Voreingenommenheit vor. Veth schließt sich der Auffassung Brem. mers an, daß nur ein Teil der von Wacker verMinuten der Linksaußen bei einem Zusammenprall mit dem gegnerischen Torwart für ganz ausscheidet, geht jeder Zusammenhang im Sturm verloren. Kronenberg drängt jetzt mächtig und ist auch nach einiger Zeit durch den Halblinken erfolgreich, der eine Flanke des Rechtsaußen zum siegbringenden Tor einschickt. Damit ist das Spiel entschieden und Kronenberg glücklicher Sieger. Die Mannschaft war nicht besser aber der Sturm spielte härter und wußte sich besser durchzusetzen, während bei Schwelm der Sturm der schlechteste Mannschaftsteil war. Beim nächsten Spiel gegen den Niedertriebenen van Gogh-Bilder gefälscht sei, währendl berg=Gruppen=Meister muß Schwelm mit anderen die übrigen tatsächlich Originalschöpfungen des Leistungen aufwarten, falls man sich noch Hoffgroßen Malers darstellen. nungen auf den Aufstieg in die Kreisklasse macht. Die Anklage wirft Wacker vor, daß er die Bilder durch seinen in Düsseldorf lebenden Bruder, den Kunstmaler Bernhard Wacker, nach der Vorlage eines echten van Goahs anfertigen ließ, zumal in den beschlagnahmten Geschäftsbüchern eine Zahlung von 51000 Mark an diesen Bruder in Düsseldorf von ihm geleistet wurde. Da zu diesem Vater lötet seine beiden Kinder und verübt Selbstmord Halle a. d. Saale 5. April. In Seebenisch bei Markranstädt durchschnitt der Arbeiter Kurt Prozeß eine große Anzahl namhafter in= und aus=Schmidt seinen beiden ein= und zweijährigen Kindern die Kehlen und erhängte sich dann. In der vergangenen Nacht hatte er seine Frau, mit der er in Scheidung lag, mit dem Revolver bedroht. Die Frau war darauf im Nachthemd geflüchtet und hatte sich an einer Wäscheleine aus dem Fenster im 1. Stock auf die Straße herabgelassen. ländischer Sachverständiger und Kunstschriftsteller sowie auch der Nefse van Goghs, ein holländischer Ingenteur, geladen sind und mit einem starken Publikumsandrang gerechnet wird, ist die Verhandlung in den kleinen Schwurgerichtssaal Berlin=Mitte verlegt worden. —4 /0 21 4" Mikrotilmarchn der deutschsprachigen Presse e.V. K * Westsmen, üheinaus uud Nacheutgediett * Witten, 5. April.(Keine Unterschlagungen bei der evaugelischen Kirchenkasse.) Der Provinzialdienst des Wolff'schen Telegraphenbüros veröffentlicht jetzt, nachdem er zunächst eine Meldung wegen Unterschlagung mehrerer tausend Mark bei der evangelischen Kirchenkasse verbreitet hatte, folgende Nachricht:„Wie uns von maßgebender Stelle mitgeteilt wird, entspricht die vor einigen Tagen gebrachte Meldung von Unterschlagungen des Sekretärs Twellmann, bei der Kirchensteuerkasse in Witten in dieser Form nicht den Tatsachen. Tw. war nicht bei der Kirchensteuerkasse, sondern in der Jugendpflege tätig und wurde nicht wegen Unterschlagungen entlassen, sondern wegen Differenzen zwischen ihm und der Kirchengemeinde.“ pn. Witten. 6. April.(Schließung der Mannesmann= Röhrenwerke.) Unter dem Vorsitz von Oberregierungsrat Fritze fand vor Vertretern der Handelskammer, der Stadtverwaltung und Gewerkschaften eine Konferenz statt. Im Mittelpunkt der Besprechung stand die Schließung des Hauptwerkes der MannesmannRöhrenwerke in Witten. Die Entlassung von rund 600 Arbeitern ist auf den 15. April festgesetzt, salls größere Aufträge nicht eingehen. Nach diesem Termin werden Beamte und Angestellte bis auf wenige nach den gesetzlichen Kündigungsfristen ebenfalls entlassen. Ein kleiner Betrieb bleibt aufrechterhalten. * Dortmund. 5. April.(Wilde Schießerei.) Ein bisher unbekannter Motorradfahrer gab Montag abend, als er die Hohensyburgerstraße im Stadtteil Syburg in Richtung zur Hohensyburg befuhr, auf das Haus Nr. 183 mehrere Schüsse ab. Eine Kugel zertrümmerte ein Fenster und blieb in der Zimmerdecke stecken. Der Motorradfahrer fuhr dann davon, ohne erkannt zu werden. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. * Bottrov. 5. April.(Ein Nachtwächter schießt Kohlendieb an.) In der Nacht zum Dienstag kam es auf dem Gelände der Zeche Vereinigte Welheim zu einem schweren Zusammenstoß zwischen einem Nachtwächter und mehreren Kohlendieben. Als die Kohlendiebe den Nachtwächter bemerkten, ergriffen sie die Flucht. Einer von ihnen, der 23 Jahre alte Bergmann Otto Ellwanger aus Bottrop. zog eine Pistole und streckte durch einen Schuß den Diensthund des Wächters nieder. Als er daraufhin die Waffe gegen den Wächter richtete, kam ihm dieser zuvor und schoß den Dieb durch einen Bauchschuß nieder. Der Schwerverletzte wurde sofort dem Marienhospital zugeführt, ist aber dort im Laufe der Nacht gestorben. Die Polizei nahm sofort die Ermittlungen auf und verhaftete vier weitere Kohlendiebe. Einer von ihnen wurde mit einem Rückenschuß im Bett liegend vorgefunden, den der Nachtwächter in der Notwehr auf diesen abgegeben hatte. * Bocholt, 5. April.(Durch elektrischen Strom in der Badewaune getötet.) Der zwölfjährige Sohn der Witwe Kaufmann Alvis Volk wurde am Samstag vormittag im Badezimmre der elterlichen Wohnung tot aufgefunden. Der Knabe lag, den unter Strom gestellten Föhnapparat in der Hand haltend, auf der linken Brustseite auf dem Tische, während der rechte Fuß in einem mit Wasser gefüllten Waschbecken lag. Offenbar hat der Knabe den unter Strom gestellten Föhnapparat mit nassen Händen angefaßt, so daß der Strom, wie eine Brandstelle am Körper bewies, durch den Körper und dann durch den Fuß in das mit Wasser gefüllte Waschbecken geleitet wurde. Der Tod des Verunglückten muß sofort eingetreten sein. Ein sofort herbeigerufener Arzt stellte Wiederbelebungsversuche an, die aber leider erfolglos blieben. * Lüdinghausen, 5. April.(Durch Leichtsinn in den Tod.) Am Sonntag mittag 2 Uhr ereignete sich auf der Kanalbrücke zwischen hier und Seppenrade ein schweres Motorradunglück. Ein von dem Schlosser Hermann Pollmüller von hier gesteuertes Motorrad mit 2 Mitfahrern, den Gebrüdern Dieckmann, auf dem Soziussitz rannte gegen die Brückenpfeiler, daß erst der Ludolf Dieckmann vom Soziussitz gerissen wurde und mit aufgerissenem Schädel tot liegen blieb. Dann fuhr Pollmüller, der jetzt die Führung vollständig verloren hatte, gegen den linken Pfeiler, wo der Gerhard Dieckmann vom Sitz stürzte und mit einem schweren Schädelbruch liegen blieb. Dann raste das Rad noch über die Brücke; auf der anderen Seite stürzte Pollmüller mit dem Rade um und blieb dort ebenfalls schwer verletzt liegen. Augenzeugen des Unglücks sorgten sofort für die Ueberführung der beiden Schwerverletzten ins hiesige Krankenhaus. = W.=Beyenburg, 5. April.(Hohes Alter.) Der Gastwirt Friedrich Eicker vollendete in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische sein 80. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß waren ihm zahlreiche Glückwünsche aus allen Teilen der Bürgerschaft zugegangen. Seit 57 Jahren ist er Inhaber der Wirtschaft„am Schemm“ und bedient auch heute noch seine Gäste mit der größten Aufmerksamkeit. Der evangelische Kirchenchor erfreute Herrn Eicker durch den Vortrag einiger Lieder. Auch wir entbieten dem langjährigen Leser unserer Schwelmer Zeitung herzliche Glückwünsche. * W.=Barmen. 5. April.(Bemberg baut weiter ab.) Im Zusammenhang mit Nationalisierungsmaßnahmen im Oehder Werk haben die Bemberg=Werke in der vergangenen Woche vorsorglich etwa 30 Angestellten die Kündigung zugestellt. Ferner hat die Firma beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf einen TeilstillegungsAntrag gestellt, bei dessen Genehmigung rund 200 Arbeiter am 16. April zur Entlassung kommen würden. Für die Handwerker in der Versuchsabteilung für Zentrifugen=Seide usw. ist eine verkürzte Arbeitszeit— zwei bis drei Tage in der Woche— angeordnet worden. Verkürzt wird ferner in der Spinnerei und in einer dritten Abteilung gearbeitet. * Wuppertal, 5. April.(Der Nachfolger des Reichstagsabgeordneten Limbertz.) Als Nachfolger des verstorbenen Reichstagsabgeordneten Limbertz(Essen) wird Gewerkschaftssekretär Daum(Wuppertal): der an vierter Stelle auf dem Wahlvorschlag für den Wahlkreis Düsseldorf=Ost steht, in den Reichstag eintreten. * Wuppertal. 5. April.(Das Theater noch nicht gesichert.) Eine Wuppertaler Zeitung brachte die Mitteilung, daß das Wuppertaler Theater gesichert sei. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, ist diese Behauptung leider völlig aus der Luft gegrissen. Es wird noch erheblicher Anstreugungen und der Opferbereitschaft weitester Kreise der Bürgerschaft bedürfen, um die Sicherung der Fortführung der Wuppertaler Bühnen zu erzielen. Solingen, 5. April.(Das Walder Gewerkschaftshaus versteigert.) Der Zuschlag in der Versteigerungssache des Walder Gewerkschaftshauses wurde der Ohligser Aktienbrauerei erteilt, die das Haus mit 49300 RM. ersteigerte. Jedoch konnte am Versteigerungstermin der Zuschlag noch nicht erteilt werden, weil über eine Beschwerde der Gewerkschaftshausverwaltung noch entschieden werden mußte. Diese Beschwerde ist nunmehr verworfen worden. Was die Brauerei mit dem großen Grundstück anfangen will. ist noch unbekannt. * Langenberg. 5. April.(„Hände hoch, kein Wort...“) Auf dem Segelfluggelände Langenberg wurde das Restaurationsgebäude des Pächters Lindemann von Dieben heimgesucht. Zwei maskierte Räuber drangen nach Einbruch der Dunkelheit, zu der Zeit. als die Segelflieger mit dem Pächter in der Stadt weilten, in das Gebäude ein und riefen den drei Frauen, die ihnen entgegentraten, zu: Hände hoch, kein Wort oder wir schießen! Die Frauen wurden gezwungen, sämtliche Behälter und Schränke zu öffnen. Den Burschen fielen ein größerer Geldbetrag und Wertgegenstände in die Hände. Sparkassenbücher, die sie ebenfalls an sich genommen hatten, gaben sie mit dem Bemerken, doch nichts damit anfangen zu können, wieder zurück. Sie ließen sich daraufhin noch Milch und Schokolade geben und verzehrten sie; dann verließen sie das Gebäude. Bevor die Diebe einbrachen, hatten sie die Telephonleitungen durchschnitten. * Düsseldorf, 5. April.(Verhaftung von Devisenschiebern an der holländischen Grenze.) Die Düsseldorfer Zollfahndungsstelle, der an der holländischen Grenze festgenommene Devisenschieber zugeführt wurden, worüber wir gestern berichteten, teilt mit, daß es sich bei den Verhafteten um ein polnisches Ehepaar Gellert aus Düsseldorf und zwei Brüder Tugendhaft, beide aus Galizien, handelt. Sie gaben zu, im Auftrage eines gewissen Weinmann aus Antwerpen 250 J. G. Farben=Aktien abgesetzt und das Geld Weinmann auf deutschem Boden ausgezahlt zu haben. Weinmann müsse die 43000 Mark ohne ihr Wissen in der Polsterung des Wagens versteckt haben, um sie in Holland, wo sie Weinmann treffen sollten, wieder herauszunehmen. Haan, 5. April.(Humor bei der Sperrungder Straßen ins Ittertal.) Die vor wenigen Tagen verfügte Sperrung der Straßen ins Ittertal an Sonn= und Feiertagen veranlaßte die interessierten Kreise, bei der Regierung vorstellig zu werden, um eine Aufhebung dieser Sperrung zu erreichen. Dabei mußten sie die amüsante Ueberraschung erleben, daß diese Straßensperrung bereits im Jahre 1925 verfügt worden ist. als die Straßen sich noch in einem überaus schlechten Zustand befanden. Inzwischen war die Sperrung der Straßen anscheinend in Vergessenheit geraten, bis ein besonders tüchtiger Beamter jetzt die Sperrung aus der Versenkung heraushob und das Versäumte nachholte, obwohl die Straßen längst dem Verkehr in jeder Weise angepaßt worden waren. Die Regierung hat sich bekanntlich jetzt damit einverstanden erklärt, daß die Sperrung durch die lokalen Polizeibehörden aufgehoben wird.“ Geheimnisse um Remarque-Kramer Eine Erklärung des Rechtsbeistandes von Remarque * Berlin, 5. April. Zu den Meldungen über Maßnahmen der Zollfahndungsstelle gegen den Schriftsteller Remarque(Kramer) teilt sein Rechtsbeistand Dr. Max Lion mit, daß Remarque seit Jahren Auslandsdeutscher sei. Er sei bereits im Mai 1929, also vor drei Jahren, ordnungsmäßig beim hiesigen Finanzamt nach dem Ausland abgemeldet worden. Sein zweites Buch,„Der Weg zurück", sei im wesentlichen im Ausland geschrieben. Die Auswanderung sei mit Kenntnis und in vollem Einvernehmen mit dem Finanzamt erfolgt, an das auch seit der Zeit die von Remarque weiter geschuldeten Steuern restlos gezahlt worden seien. Die Mitteilung, Remarque sei unauffindbar, sei ebenso unrichtig, wie die bei dieser Gelegenheit wieder aufgestellte unwahre Behauptung, er heiße eigentlich Kramer. Radtische Bähnen Wapperial Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt. Neustraße Barmen Donnerstag, 7. April, 8 bis nach 10,30 Uhr: Sommer von einst. Operette von Ludwig Lajtai Abonnement C. 27. Vorstellung. Preise 2. Freitag, 8. April, 8 bis 10,30 Uhr: Vorstellung für den Bühnenvolksbund Gruppen A und B, Ortsgruppe Barmen: Der Evangelimann. Musikalisches Schauspiel von Kienzl. Oeffentlicher Kartenvorverkauf für Nichtmitglieder an der Theaterkasse. Preise 2. Sonntag, 10. April, 3 bis 6 Uhr: Egmont. Trauerspiel von Goethe, Musik von Beethoven. Pr. 1. 7 bis 9 Uhr: Flieger. Drama von Roßzmann. Preise 1. Elberfeld Mittwoch, 6. April. 8 bis 10,15 Uhr: Außer Abon= nement: Freie Bahn dem Tüchtigen! Preise 1. Donnerstag, 7. April, 8 bis nach 10,45 Uhr: Mignon. Oper von A. Thomas. Abonnement E, 14. Vorstellung. Preise 2. Samstag, 9 April, 8 bis 10,45 Uhr: Außer Abon= nement: Freie Bahn dem Tüchtigen! Preise 1. Sonntag, 10. April. 7 bis 9,45 Uhr: Der Zigennerbaron. Operette von Johann Strauß. Pr. 1. Stadttheater Hagen Mittwoch, 6. April. 15,30 bis 17,30 Uhr: Märchengastspiel Erika Graf mit Ensemble: Frau Holle. 20 bis 23 Uhr, Reihe D. 15: Drei alte Schachteln. Operette. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Nach vorübergehender Beruhigung erneute Eintrübung und Regenneigung. Temperaturen langsam ansteigend. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Paul Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scher; Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Bekanntmachung. Aumeldung der Berufsschüler und=Schülerinnen. Die Aufnahme der neu berufsschulpflichtig gewordenen Jugendlichen findet am Montag, dem 11. ös. Mts., nachmittags von 4—5 Uhr, im Zeichensaale der Harkortschule statt. Berufsschulpflichtig sind alle Jugendlichen beiderlei Geschlechts unter 18 Jahren, die in der Gemeinde Milspe beschäftigt sind oder, soweit sie ohne Beschäftigung sind. hier wohnen. Lediglich die weiblichen Hausangestellten sind für 1932 vom Schulbesuch befreit. Anmeldepflichtig sind die Arbeitgeber oder bei beschäftigungslosen Jugendlichen die gesetzlichen Vertreter. Wer der Anmeldepflicht nicht nachkommt. macht sich strafbar. Anmeldungen können auch bis zu diesem Tage schriftlich an den Berufsschulleiter. Gewerbelehrer von der Dellen, unter genauer Angabe der Beschäftigungsart und des Geburtsdatums des Jugendlichen eingereicht werden. Sämtliche neu eintretenden Berufsschüler und=Schülerinnen melden sich persönlich am Montag, dem 11. April 1932, nachmittags 4 Uhr, im Zeichensaale der Harkortschule. Milsve, den 4. April 1932. 2024 Der Bürgermeister. chenlauntmächung Der Entwurf des Haushaltsplanes der Gemeinde Milspe für das Rechnungsjahr 1932 liegt in der Zeit vom 7. bis einschließlich 20. April d. J. auf Zimmer Nr. 10 des Amtshauses II in der Winkelstraße zur Einsicht aller Einwohner der Gemeinde Milspe offen. 2022 Milspe, den 6. April 1932. Der Bürgermeister und Gemeindevorsteher. G. D. A. Donnerstag, 7. April 1932, abds. 8½ Uhr, im Prinz von Preußen 683 Bücherbeitragen stunden= und tageweise gewissenhaft und billig durch Fachmann. Schriftl. Ang u. 1676 bef. d. Geschst. ds. Ztg. Fussmatten zu 43 Pfg. und höher Aufnehmer zu 25 Pfg.„ Wichsbürsten zu 38 Pig.„„ Abseifbürsten und Schrubber billigst Butterbrotpapier Rolle 18 Pfg.— 3 Rollen 50 Pig. Lohoft, Seifenhaus Handschrift deutet haarscharf gegen Mi 1.= in Briefmarken und Porto. Ajar Berlin, Wullenweberstr. 9 Brautpaar sucht zum 1. Mai 2 Zimmerwohnung Grüne Karte vorhanden. Schriftliche Angeb unter 2021 a. d. Geschäftost. ds. Zig K kanntmachung Wegen des Abschlusses des Rechnungsjahres wird gebeten, etwa noch ausstechende Rechnungen an die Gemeinde für Arbeiten und Lieferungen spätestens bis zum 10. April 1932 einzureichen. 2023 Milspe, den 4. April 1932. Der Bürgermeister. Bader Schen n3s frn. 1748) Sämtl. Bed.-Preise der Zeit entsprechend bei gleichbleibender Qualität herabgesetzt. Salon R. Prange, Damen-Herren-Friseur Telefon 2784 Schwelm Barmerstraße 5 Das deingi der Randfant! Donnerstag, 7. April 6,45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7,05—8,00 Morgenkonzert. 8,00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9.45—10,00 Gymnastik für Frauen. 10,00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Waiserstandsmeldungen. 10,05—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempsang für Arbeitslose. 11,20—12,00 Schallplatten=Konzert. 12,00—12,50 Unterhaltungskonzert. 12,50 Wetterbericht, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Eysoldt. 1. Ouverture zur Oper„Die lustigen Weiber v. Windsor“ von Nicolai. 2. Friedemann Bach, Suite von Leufchner, 3. Szenen aus dem Ballett„Pierrots Geburtstag“ von Monti. 4. Scherzo aus dem„Sommernachtstraum“ von Mendelssohn. 5. Hoch lebe der Tanz, Walzer von Waldteufel. 6. Ouverture„Karnevals= streiche“ von Richter. 7. Obertaß=Mazurka von Wieniawski. 8. Ungarische Rhapsodie Nr. 14 v. Liszt. 9. Grüß Gott mit hellem Klang, ein deutscher Männerchor=Reigen von Weninger. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderstunde. 16,20—16,40 Meine Heimat. 16,40—17.00 Die Welt im Buch. 17,00—18,15 Vesperkonzert. Hans Wocke(Bariton), Georg Grelke(Klarinette), Dodja Feldin(Cello), Egbert Grape(Klavier). Verbindende Worte: Paul Heinrich Gehly. Volkstümliche Lieder aus alten Singspielen und Possen. 18,15—18,35 Unbekannte Schweiz. 18.40—19,00 Italientsch. Valsfihr! Ortsgruppe Schweim Morgen Donnerstag, den 7. April abds. 8¼ Uhr auf der„Wilhelmshöhe“ Grosse öffentliche FS ∆ 4„* Stellv. Gauleiter Po. A. Heister— Herne kathol. Lehrer z. D. spricht unter and. über das Thema Hatichalseziansmas u. Kathenzisius Unsere Antwort auf die niederträchtigen Verleumdungen in dem bekannten Zentrumsflugblatt, verteilt am ersten Wahlsonntag vor der katholischen Kirche. Die kathol. Geistlichkeit und Lehrerschaft sowie der Zentrumsvorstand sind schriftlich zu der Veranstaltung eingeladen worden. Aussprache— Unkosten-Beitrag 30 Pfg., Erwerbslose 10 Pfg.— Der Saal ist geheizt. wird ein zuverlässiges, ordentliches in allen Hausarbeiten erfahrenes Morgenmädchen nicht unter 20 Jahren ges. Wo, gibt die Geschäftsstelle dieser Zeitung an. 2029 Wonnung von 5 Räumen und 1 Bodenzimmer in ordenllichem Hause zu mieten gesucht. Schrift. Angeb. mit Preisangabe unler 2028 an die Geschäftsst. d. Zig 19,00—19,10 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,10—19,30 Die Stunde des Arbeiters. 19,30—19,55 Der westdeutsche Wirtschaftsraum. 19,55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,30 Abendmusik, Leitung: Wolf. 1. Ouverture zur Oper„Figaros Hochzeit“ von Mozart. 2. a) Herzwunden von Grieg, b) Letzter Frühling von Grieg. 3. Melodien aus der Oper „Die Boheme“ von Puccini. 4. Csardas Nr. 8 von Michiels. 20,30 Wiener Bildnisse. Josef Lanner— Johann Strauß(Vater). Städtisches Orchester Münster, Leitung: Wolf. Verbindende Szenen und Worte von Fritz Lange und Erich Fortner. Sprecher: Dr. Erich Fortner, Mitglied des Theaters der Stadt Münster. Auschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 24,00 Nachtmusik, Leitung: Eysoldt. Möbl. Zimmer für sofort gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 2020 bef. die Geschäftsst. d. Ztg. Freie, dülige od kleine 3 3.=Wohnung per sofort zu mieten gesucht. Zu erfragen in der Aoter brogerle u. Tischer, Milspe. Zum 1. 7. evtl. früher, schöngeleg. Etage in tadellosem Zustande(5 Zimmer, Bad, Mansarde Zentralheizg., Garten), zu vermieten. Schriftl. Angebote unt. 2018 an die Geschäftsstelle ds. Ztg. 1 großes lehrstehendes Zimmer sofort zu vermieten. Obinghauserste. 71 P — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. — Zweites Blakt Rummer 80 AHerr. 4 Mittwoch, 6. April 1932 Asena Kaurund unge.. Wee. on Kasimir Edschmid. Ueber viele Dinge in der Welt hat der Europäer unzerstörbar falsche Vorstellungen. Am meisten über Anstralien und Afrika. Es gibt nette Anekdote von einem Mann, der in Kapstadt ankam und, im Anblick wundervoller moderner Kühlhäuser, Hochhäuser und Fruchtspeicher, glänzender Boulevards und Parke, verzweifelt „Neger!" rief. Die Neger sind nun in Afrika allerdings nicht ausgestorben. Es gibt etwa 120 Millionen Neger auf etwa drei Millionen Weiße. Aber die Neger sind in einem merkwürdigen Zustand des Uebergangs. Die Kriege mit den Eingeborenen sind längst erledigt. Der schwarze Mann hat auch in den finsteren Winkeln ungefähr die Macht des weißen Mannes erkannt. Man kann mit ganz kleinen Polizeitruppen enorme Gebiete kontrol= lieren. Es gibt Staaten, wie Rhodesien(nördlich von Transvaal in Südafrika), wo vierundvierzig Tausend Weiße ein Gebiet von doppelt Deutschlands Größe beherrschen. Dabei ist Rhodesien ein großes Industrieland. An der Ostküste ist das Zahlenverhältnis noch viel peinlicher. Da kommen in Uganda zum Beispiel auf drei Millionen Schwarze nur siebzehnhundert Weiße. Aber, wie gesagt, trotz der dünnen Schicht weißer Männer in Afrika ist die Sicherheitsfrage ziemlich garantiert. Es denkt niemand an Ueberfälle. In den meisten Kolonien und Staaten dürfen die Eingeborenen weder Alkohol noch Waffen haben. Mit ein paar Flugzeugen und einigen Maschinengewehren ist Afrika leicht zu beherrschen—— solange die Neger weder Stimmrecht noch Gleichberechtigung haben. Kurz gesagt, der Kampf zwischen Weißen und Schwarzen ist auf der friedlichen Ebene des sozialen Kampfes gelandet. Selbst das finsterste Afrika ist heute durchorganisiert. Der Kongo hat seine Bahnen, seine Dampfer, seine großen Flugzeugstrecken. Man fährt von der Westküste bis zur Ostküste. Von Kairo aus kann man mit Bahn und Schiff so weit nach Süden kommen, daß man(mit einer kleinen Zwischenstrecke, wo getragen wird) wieder die Bahnen in Ostafrika erreichen kann, um mit ihnen über Belgisch=Kongo bis nach Kapstadt hinunterzukommen. Dieselbe Strecke kann man fliegen. Und man kann enorme Strecken mit dem Auto fahren... aber... Aber— und nun haben diejenigen recht, die Afrika sich als wüsten Erdteil vorstellen—: aber sünf Meter neben den Bahnlinien, die den Urwald zersägen, liegen die Löwen, stehen die Giraffenherden noch. In der Nähe von Riesenstädten wie Johannesburg stehen noch die Riesenautilopen, und bei Kimberley stehen Zebraherden. Es gibt eine Bahn, die durch ein Wildreservat führt, den Krüger=Park, zwischen Transvaal und Portugiesisch=Ostafrika, wo tagelang so viel Wild steht, daß der Zugführer bei großen Herden Signale gibt: Einmal tuten— links schauen. Zweimal tuten— rechts schauen! Das Leben der Neger ist äußerst interessant. Hier zeigt sich am meisten die Uebergangsepoche. Das äußert sich etwa so. Eines Tages schließen die Häuptlinge im Ovamboland in Angola(Portugiesisch=Westafrika) einen Vertrag mit den Minen in Südafrika ab, laut dem ein paar tausend Ovambos dort arbeiten sollen. Das Geld ziehen die Häuptlinge ein; die Kaffern wandern nach Süden, verbringen ein paar Monate in Baracken, genau wie Industriearbeiter, ziehen dann ihre Hosen wieder aus gehen in die Kraale zurück und kaufen sich von dem, was der Häuptling ihnen übrig läßt, eine Frau oder eine zweite oder dritte Frau, die für sie arbeitet. Die Neger führen also ein merkwürdig zwiespältiges Leben. Teils arbeiten sie unter europäischen Umständen schlafen in Betten und sehen Kinos an und duschen sich— teils leben sie wie die Affen in ihren Hütten. R Sterbende Romantik der Meere Das deutsche Schulschiff„Großherzogin Elisabeth“, das seit mehr als 30 Jahren der Ausbildung des Seemannsnachwuchses dient, wird in Hamburg aufgelegt werden, um als festlie des Schiff in den Dienst der Deutschen Seemannsschule in Finkenwärder gestellt zu werden. Zur Ausbildung auf See wird man das noch in Fahrt befindliche Schulschiff„Deutschland“ verwenden. Rekrutentag in Frankreich In Frankreich finden gegenwärtig die Rekrutenaushebungen für den Jahrgang 1932 Die diensttauglich befundenen Rekruten schmücken sich— zum Ben Ner Freuve i Aunahme.— mit Schleiten und Kotarden. für den Jahrgang 1932 statt. Zeichen ihrerrende über die Bücherschau Bei der soeben erschienenen Aprilnummer von Westermanns Monatsheften überrascht wieder der vorzüglich zusammengesetzte vielseitige textliche und bildliche Inhalt. Außer den wie hervorragenden Kunstblättern sind eine große Anzahl interessanter Aufsätze und Artikel farbig illustriert so z. B. die lebendige und anschauliche Schilderung der landschaftlichen Reize und heilkundlichen Bedeutung des Bades Elster von Edgar von Hartenstein und der Aufsatz von Hilde ReimeschDominik„Das deutsche— das schöne Burgenland“ die Schilderung eines sommerlichen Streifzuges durch das Burgenland, seine Bauerndörfer und Burgen, seine Städte und Bäder. Emil Pirchan hatten den originellen Gedanken, Goethe auf den Spuren seiner Italienischen Reise nachzufahren, um 145 Jahre später die Eindrücke und Beobachtungen des Dichters noch einmal unmittelbar auf sich, als einen modernen Menschen, wirken zu lassen. Dr. Paul Bry, einer der jüngsten und erfolgreichsten Berliner Innenarchitekten hat sich dadurch einen Namen erworben daß er die moderne sachliche Richtung auf das Praktische abzustellen sucht. In seinem Beitrag„Neues Wohnen“ gibt er anhand eigener Skizzen Ratschläge für die Einteilung und Einrichtung einer Dreizimmerwohnung. Er zeigt bei dieser Gelegenheit einige Möbel, die durchweg mehr als einem Zweck zu dienen haben, etwa für den Tag= und für den Nachtgebrauch und dgl. Da ein weiteres näheres Eingehen auf den übrigen Inhalt wegen Platzmangel nicht möglich ist, seien nur kurz erwähnt: die Novellen„Gnade vor Recht“ von Karl Röttger und „Goscherls Vergehen“ von Oskar Baum, sowie die Würdigung, die Dr. August Seidel dem Leben und Schaffen Hans Vaihinger's zuteil werden läßt. Westermanns Monatshefte, die im Dauerbezug jetzt nur noch RM. 1,70 kosten, sind in jeder Buchhandlung zu haben. Unsere Leser, die diese Zeitschrift noch nicht kennen, haben die Vergünstigung unter Berufung auf diese Mitteilung und gegen Einsendung von 30 Pfg. in Briefmarken für Porto vom Verlag Georg Westermann in Braunschweig, ein etwa 100 Seiten starkes mit vielen ein= und buntfarbigen Bildern geschmücktes Probeheft anzufordern. Blatt 2 Iserlohn der Sauerlandkarte 1:50 000 herausgegeben als einzige amtliche Karte des Sauerländischen Gebirgs=Vereins im SauerlandVerlag zu Iserlohn, kart. 1,35 RM., aufgezogen 3,30 RM., liegt bereits in 2. Auflage vor. Der Herausgeber hat diesmal durch Anlegung des Waldes in grün eine 6. Farbe zu den übrigen hinzugefügt und dadurch eine noch plastischere und freundlichere Darstellung des langsam nach Süden ansteigenden Geländes erzielt. Das schöne Blatt wurde im Norden um das Ruhrknie bei Wickede erweitert, außerdem wurden alle Ortswegenetze außer dem Hauptwegenetz des S. G. V. nach dem heutigen Stande ausgenommen, darunter auch zahlreiche neue Rundwege. Am rechten Rande erscheint schon die blau angelegte neue Sorpetalsperre, obgleich sie erst nächstes Jahr fertig wird. Alle nur denkbaren und möglichen Verbesserungen wurden ausgenutzt, um das gut durchgezeichnete Blatt musterhaft herauszubringen. Das Kartenblatt stellt ein wirkungsvolles Werbemittel für eineu gernbesuchten Teil des weiten Sauerlandes dgr. Ein Vorsichtiger Junger Arzt(zu seiner Frau):„So eine Gemeinheit von unserm Freund Frosch! Bei uns verdirbt er sich den Magen und— von meinem Konkurrenten läßt er sich behandeln!“ Schonungsvoll „Sieh mal, Mutti, die Bulldogge hat mächtige Aehnlichkeit mit Tante Frida!“ „Still: So etwas sagt man nicht!“ „Aber Mutti, der Hund hat's ja nicht gehört!“ Der gewissenhafte Bräutigam „Warum hast du denn dein Verhältnis mit dem Studienrat wieder gelöst?“ „Ach, alle Briefe, die ich ihm schrieb, schickte er mir korrigiert zurück.“ Dus Haus Ciristianseh Roman von Gertrud u. Brockdorts Als Corinna geheiratet hatte, hatte sie das Haar in einem phantastischen Lockengewirr in die Stirn gekämmt und mit Vorliebe helle Wildlederschuhe getragen, deren Absätze nicht immer ganz gerade gewesen waren. In ihrem Zimmer— es war das größte, schönste Zimmer, das in gleicher Weise den Blick auf die Föhrde wie auf das sanfte Buchengrün von Düsterbrook darbot— hatten Kissen von schreienden Farben buntfarbige Inseln gebildet, und es hatte an der Wand einen Kalender gegeben— einen Pudel mit Regenschirm darstellend—, den Corinna von einer früheren Kollegin zum Geschenk erhalten hatte und aufs Zärtlichste liebte.— Auch war der Haushalt keineswegs mit der Regelmäßigkeit gelaufen, an die Hans Christian gewöhnt war, und die er mit Recht beanspruchen durfte. Die Mädchen taten, was sie wollten; es war der jungen Frau nicht möglich gewesen, sich in Respekt zu setzen, und Corinna hatte die ganze Christiansche Verwandtschaft in Aufruhr gebracht, als sie nach Entlassung einer unbotmäßigen Köchin die Mittagsmahlzeit vier Wochen lang aus dem Hotel kommen ließ. Diese ganzen vier Wochen lang wartete die Verwandtschaft mit angehaltenem Atem auf das Eintreten der Katastrophe, die kommen mußte. Sie kam indessen nicht. Hans Christian aß Beefsteaks, die kalt geworden waren und wie Leder schmeckten, kramte Erinnerungen an seine Studentenjahre hervor und kam wiederholt selbst in die Küche, um dem Hausmädchen Anweisungen für die Zubereitung des Abendessens zu geben.— Corinna hatte in diesen. Dingen so wenig Erfahrung. Und sie hatte eigentliche auch kein Interesse— Sie war ja noch so sehr jung.— Hans Christian sand immer eine Entschuldigung. Er wollte an Corinna keinen Schatten sehen. Er verteidigte sie den offenen und versteckten Angriffen seiner Mutter und aller Menschen gegenüber. Corinna lachte zu den spitzigen Bemorkungen ihrer Schwiegermutter. Sie tat es freilich nur heimlich; denn die Gegenwart der alten imponie renden Frau hatte vom ersten Augenblicke an immer lähmend und erkältend auf sie gewirkt. Uebrigens behielt die Landgerichtsrätin mit ihren Hoffnungen und Zweifeln unrecht. Alle behielten unrecht. Hans Christians Ehe ging nicht in die Brüche. — Corinna trug ihr Haar schon im zweiten Jahre glatt hintenübergekämmt und kam bisweilen zu ihrer Schwiegermutter, um nach Rezepten für Hans Christians Lieblingsgerichte zu fragen. Sie trug keine schiefen Absätze mehr; die bunten Kissen waren aus ihrem Zimmer verbannt, und der Pudel lag, sorgfältig in Seidenpapier gewickelt, in der alten, eisenbeschlagenen Truhe, die vor langen Jahrzehnten auf dem großväterlichen Marschhofe zur Aufbewahrung der Erstlingswäsche bestimmt gewesen war. Diese Wandlung war nicht von einem Tage zum andern gekommen. Sie hatte in jener Stunde ihren Anfang genommen, in der Corinna den Blick von Hans Christians Mutter zwischen sich und der Cousine Sörine abwägend auf= und niedergleitend gefühlt und dabei den Schatten deutlicher Ablehnung in den Augen der Frau gesehen hatte. In jener Stunde war etwas in ihr hart geworden und hatte sich zur Wehr gesetzt wie in unbeugsamem Trotze. Sie fühlte: man wollte sie fortschieben, sie verdrängen, wollte sie von ihrem Platze von Hans Christians Seite reißen. Sie ahnte und erriet Fäden, die von Hans Christian zu Sörine führten, und zum ersten Male schmiegte sie sich an diesem Abende in bewußter Lockung an den Mann, als müßte sie mit ihrer Gegenwart alle Zauber des Vergessens beschwören. Sie hatte Hans Christian sonst niemals von sich aus gesucht. Sie hatte seine Liebe entgegengenommen wie ein Geschenk, das ihr in den Schoß gefallen war, und über das ein Nachdenken sich nicht weiter verlohnte. Ihre Leidenschaft gehörte ihm nicht. Ihre Leidenschaft war früher einmal in dunkler Stunde erweckt worden, rasch zur Flamme emvorgelodert und auch heute noch nicht völlig wieder erloschen, so sehr sie sich auch mühte, ihrer Herr zu werden. Es gab Augenblicke, in denen sie Hans Christian gegenüberstand wie einem Fremden und die Erinnerung an verflossene Ochmerzen und Seligkeiten an ihr nagte wie eine ängstlich geheimgehaltene Krankheit. In anderen Augenblicken erfüllte sie Triumph darüber, daß sie die Kraft gefunden hatte, das Band, das sie an jenen andern gefesselt hatte, zu zerreißen, als es für sie drückend und schmachvoll zu werden begann. Es befriedigte sie seltsam, daß sie als Siegerin von ihm gegangen war, und daß er sich jetzt vielleicht in Sehnsucht nach ihr verzehrte.— 6 Sie waren in der kleinen östlichen Stadt an der gleichen Bühne zusommen gewesen, und Corinna war niemals imstande, an die winkligen Laubenhäuser dieser kleinen Stadt zu denken, ohne daß Wenzel Brachmanns schmales, bräunliches Gesicht vor ihr auftauchte und mit schwermütigen, slavischen Augen zu locken schien. Sie hatten damals von unwandelbarer Liebe, von ehelicher Gemeinsamkeit und dem eng umfriedeten Glück einer bürgerlichen Häuslichkeit geträumt. Wenzel Brachmann hatte spöttisch und überlegen dazu gelächelt. Bis er wenige Monate später, in Berlin, die Maske fallen ließ und sein kaltes, zynisches und grausames Gesicht enthüllte. Damals war Corinna fast zerbrochen.— Sie wäre vielleicht untergegangen, wenn nicht in jene Zeit der Anfang ihrer Bekanntschaft mit Hans Christian gefallen wäre und ihrem Leben eine andere Richtung gegeben hätte. Nun gedachte sie Wenzel Brachmanns mit einem Gefühle des Triumphes, des Geborgenseins und der Dankbarkeit gegen Hans Christian.— Hans Christian gegenüber hatte sie den Namen dieses Mannes niemals genannt. Es war anfangs die Furcht gewesen, seiner Liebe und seines Vertrauens verlustig zu gehen. Es wurde später Scham und die Sehnsucht, die Vergangenheit auch in sich selber zu töten und vergessen zu nachen.. W2 gager Mhin 1. Sogar Frau Gitta Maurenbrecher erhielt das strikte Verbot, dieses Namens Erwähnung zu tun. Sie pflegte für gewöhnlich in den Sommermonaten in Kiel aufzutauchen und wehende Schleier und Schals am Ufer der Föhrde spazieren zu führen. Sie war laut und lebhaft, übertrieben sugendlich gekleidet, trug viele auffallend blitzende Ringe und falsche Perlen in den Ohren, was der alten Frau Christiansen nicht unwillkommenen Stoff zu mancherlei Bemerkungen darbot. Gorinna atmete auf. wenn die Mama zur Zeit der ersten fallenden Blätter wieder abreiste und noch aus dem Abteilfenster einen ihrer lavendelblauen oder malvenfarbenen Schals flattern ieß. Bei den Besuchen ihrer Mutter fühlte sie es am dentlichsten, bis zu welchem Grade sie die Jahre an Hans Christians Seite ihrer eigenen Vergangenheit entfremdet hatten. Das Verhältnis zwischen ihr und der Mutter war niemals ein besonders zärtliches gewesen. Aber lange, gemeinsam verlebte Jahre, gemeinsam getragene Enttäuschungen und Entbehrungen, gemeinsam ausgesponnenen Hoffnungen hatten doch eine starke Bindung bedeutet, von der Corinna sich anfangs instinktiv, später mit dem sehr deutlichen Bewußtsein einer inneren Notwendigkeit befreit hatte.— Es bedeutete kaum eine Wiederannäherung, daß Corinna Mutter wurde und Frau Maurenbrecher, die gerade ohne Engagement war, gegen ihre Gewohnheit schon im zeitigen Frühjahr aus Berlin herübergereist kam, um Tochter und Enkelkind mit lebhaften Aeußerungen ihrer Zärtlichkeit und Freude zu überschütten. Das Kind hatte das lichte Blondhaar des Vaters und die sehr helle Hautfarbe der Mutter geerbt. Es war ein Mädchen und wurde nach Haus Christians Urgroßmutter Hille genannt. Sörine Christiansen war eine seiner Paten, und die alte Frau Christiansen fand, daß die kleine Hille im Alter von zwei Jahren ihrer Patentante Sörine ähnlich zu werden begänne.— Sie entdeckte im Laufe der Jahre in den Zügen des Kindes nacheinander alle Christiansenschen Familieneigentümlichkeiten. Aber sie übersah geflissentlich die schmalen, auffallend dunklen, auffallend stark gewölbten Brauen über den hellen Augen, deren Farbe nicht das Christiansensche Blau aufwies, sondern auf eine seltsame Weise zwischen lichtem Grau und jenem tiefen, wechselnden Grün hin und her schillerte, das die Wasser der Föhrde anzunehmen pflegten, wenn Regenböen von der Ostsee hereinfegten und die Wellen sich mit weißen Schaumkämmen an den Quadern der Strandmauer brachen.. „Sie hat Corinnas Augen,“ sagte Hans Christian.„Aber es sieht aus, als hätten Corinnas Augen lange auf das Meer hinausgestarrt und auf das rettende Segel am Horizont gewartet.“ (Fortsetzung folgt.) * V — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. A iu.(## swuuc Gübihd 1 Ralteld Ween Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann Stuttgart 32) Er machte es ihr leicht. Jetzt wollte sie mit ihm fort. Er war ja so jung, er hatte in allen diesen Wochen der Krankheit kaum von der Zukunft gesprochen: ein leicht entflammtes Künstlerauge würde andere Schönheiten sehen und seine erste Liebe zu Viola vergessen. Viola tat der Gräfin leid. Gewiß! Sie war ein liebes, gutes Mädchen, sie konnte ja nichts dafür, daß Graf Eberhard sich hatte hinreißen lassen in einer schwachen Stunde. Immerhin— je mehr alles um sie herum klarer wurde, um so mehr fühlte sie, daß sie das Mädchen nicht immer würde um sich haben können. Das Andenken an ihren Gatten sollte ungetrübt sein. Im stillen hatte sie einen Plan gefaßt und mit Agnes besprochen. Während sie selbst mit Konrad in den Süden fuhr, sollte Agnes durch Vermittlung des Pfarrers Ambrosius und des Justizrats Erlenbach irgendeine Pension suchen— einen lieben, netten Ort, an dem man das junge Mädchen gern aufnahm. Auch Viola war ja in diesen Wochen seltsam still gewesen und hatte nur selten ein unglückliches Gesicht gezeigt. Sie war schön. Es war ganz sicher, daß ihr, zumal sie noch dazu durch den indischen Nachlaß des Grafen Sebastian, den Hermine und ihre Kinder restlos an sie abgetreten hatten, eine wohlhabende Erbin war, der die Herzen zuflogen. Sie sollte in eine Großstadt, etwa nach Berlin oder Dresden, und dort war es gewiß, daß man sie umschwärmte und sie— Herrgott, ein Mädchen von achtzehn Jahren vergaß und fand neues Glück! Das war etwas ganz anderes mit Agnes und Georg. Diese waren reife Menschen, Konrad und Viola aber fast Böbtes. 6 ue uuhele So dachte Gräfin Hermine, wayreno sie mit gender Hoffnung in das Gesicht ihres jüngsten Sohnes sah. Indessen hatte Agnes ihren Arm um Viola gelegt. Das junge Mädchen hatte während der Gerichtsverhandlung und nachdem sie ihre Aussage gemacht, stumm dagesessen. Auch jetzt schaute es mit großen Augen umher, als sähe sie in weite Fernen. „Viola!" Diese wandte sich um. „Ist es nicht schön, wie Konrad die erste Ausfahrt überstanden?“ Vio Piola nickte eifrig.„...e.kud) B. „Ich bin so glücklich! Er wird wieder gesund: Nun muß er mit Mutter in den Süden fahren.“ „In den sonnigen Süden!“ Ein eigentümlich versonneuer Klang lag in der Stimme Violas. „Wenn Konrad dann zurückkommt— dann ist alles gut. Dann werdet Ihr recht glücklich sein.“ „Du auch, liebe Agnes! Nur daß ich dann nicht mehr da bin.“ „Hat dir Mutter schon gesagt...?“ sagte Agnes erschreckt. „Was soll sie gesagt haben?“: 8 „Daß auch du reisen sollst!“ Viola lächelte wehmütig.„Ja, auch ich werde reisen. Weit sogar, sehr weit—“ „Was meinst du?“ „Glaubst du, ich weiß nicht, daß ich euch allen eine Last bin? Jetzt mußte ich noch bleiben, jetzt mußte ich bei Konrad sein, während er krank war. Er hat mich ja so lieb. Ich weiß alles, ich weiß auch, warum du mich zu dir in das Auto genommen hast und Konrad zur Mutter einsteigen mußte. Ich bin nicht so dumm, wie ihr glaubt, wenn ich auch vieles nicht begreife. Ich weiß, daß meine Mutter nur dem Andenken des Mannes lebte, den ich für meinen Vater hielt. Er war mein Vater! Er hat mich geliebt. Er hat meine Mutter geliebt. Und jetzt soll er es nicht sein? Ich kann es nicht glauben. Meine Mutter war Inderin und— ich weiß genau, ich weiß es aus dem Munde meines toten Großvaters— auch Graf Sebastian fühlte und handelte wie ein Inder. Er war ein herrlicher Mann. Großvater hat ihn mir oft beschrieben. Er würde meine Mutter getötet haben, wenn sie ihm die Treue gebrochen hätte, und meine Mutter hätte ihm willig die Brust für seinen Dolchstoß geboten. Es hat auch eine Nacht gegeben, in der er sie töten wollte, aber er hat es nicht getan! Alles hat Großvater mir erzählt. Mag das Gericht sagen, was es will, mag auf den verbrannten Tagebuchblättern gestanden haben, was will— meine Mutter nie einen anderen Mann liebte und nein, Agues— den Glauben an meinen Vater und an Mutter kann niemand wir rauben. Und darum dir ist es ähnlich ergangen. Dein innerstes Gefühl hat dir gezeigt, daß Georg dein Bruder nicht war, sonst hättest du ihn nicht so geliebt, wie du ihn liebst. Ebenso weiß ich, daß Konrad mein Bruder nicht ist. Sieh mich an— habe ich Aehnlichkeit mit deinem Vater? Ich habe ihn immer gefürchtet, wenn er in den Park kam, obgleich er stets gut zu mir war. Ihn habe ich gefürchtet, das Bild meines Vaters aber, wenn ich ihn auch nicht lebend kannte, habe ich geliebt. „Und es gab keinen Mann, der so war, wie er. „Aber— Ihr habt ja recht, wenn ich auch alles nicht verstehe. Ich muß fort. Muß fort, während Konrad im Süden weilt. Ich möchte demnach nach Indien, in die Heimat meiner Mutter!“ „Du hast niemanden dort!“ „Niemanden! Das ist richtig! Ach, Agnes, ich möchte dort sein, wo meine Mutter ist.“ Sie weinte nicht. Sie hatte die Augen geschlossen und duldete, daß Agnes sie mit ihren Armen umschlang und an sich drückte. Gerade sie, die selbst um ihre Liebe gelitten, empfand den Schmerz des jungen Mädchens, war im tiefsten Herzen ergriffen und wußte doch keine Lösung. Die Wagen fuhren vor der Terrasse des Schlosses Kynau vor, und abermals hatte Agnes Grund, Viola zu bewundern. Sie war wieder fröhlich, hatte ein Lächeln um den Mund und sprang Konrad entgegen. Als die Familie die Diele betreten hatte, kam Johann. „Graf Jörge ist heute vormittag mit dem Auto fortgefahren. Er ist zur Bahn und läßt sagen, er wolle nach Breslau und würde erst in ein oder zwei Wochen zurücklöhgens a644 Mit einem Schlag war die gluckliche Stimmung wieder verflogen. Jörge war fort! Man hätte sich freuen können. So waren die schrecklichen Tage der wüsten Gelage vorbei, aber— was begann er in Breslau? Justizrat Erlenbach hatte der Gräfin gesagt, daß Jörge tausend Mark abgehoben habe. In welche Gesellschaft kam er in Breslau? Sicher in keine gute! Das also war die Antwort auf den letzten Versuch, den Gräfin Hermine am gestrigen Abend gemacht hatte! Georg stand im Arbeitszimmer des toten Grafen bei ihr, Agnes brachte Konrad in sein Zimmer hinauf und bestand darauf, daß er ein wenig ruhe, und Viola war in ihr Stübchen geeilt. „Georg, was wird in Breslau aus ihm?“ „Er wird bald zurückkehren.“ Ich werde an Erlenbach telephonieren, der hat Verbindungen in Breslau und kann ihn beobachten lassen. Tausend Mark sind bald verschleudert.“ Znd donn— „Ich hoffe immer, alles dies ist ein erster Rausch. Vielleicht nicht einmal unnatürlich. Er wird sich austoben, und dann—“ zu spät. „Nein, nein, es ist zu spät, es ist für immer zu(pal. Wie soll ich es je ertragen, daß er mein Kind ist!“ So war denn alle Freude wieder verflogen. meine Mutler kunn niemund mir kauser.. liebe ich Konrad und darf ihn lieben. Er ist nicht mein Druder, es ist nicht wahr, ich weiß es!" Agnes machte eine erschreckte Bewegung, schwieg aber. „Laß gut sein. Ich bin ja auch ruhig. Gieh, Agnes, Es war Nachmittag. Stille herrschte im Herrenhause. Konrad schlief einen gesunden Schlaf nach der ersten Ausfahrt, Viola war wieder in ihr Stübchen verschwunden, Gräfin Hermine wollte allein sein. Agnes und Georg gingen zusammen über den Schloß„Mutter soll in den nächsten Tagen mit Konrad fort. Es ist dringend notwendig, sonst bricht sie zusammen. Sie muß fort sein, ehe Jörge zurückkehrt, aber sie besteht darauf, daß wir vorher den Bau der Villa im alten Park bestellen. Komm, laß uns hinübergehen und den Platz beschtigen.“... g, I. 4— N 8. Hand in Hand gingen sie in den alten Part, der ja nun längst nicht mehr bewacht wurde. In diesen Tagen hatten sie kaum miteinander gesprochen. Hatten sich fast gemieden, weil sie ihre Verlobung noch nicht der Oeffentlichkeit preisgeben wollten. Diese Verlobung, an die sie selbst noch nicht zu glauben wagten. Jetzt erst, als wieder die Bäume des alten Partes über ihnen rauschten, faßten sie sich bei der Hand. Der Frühling war auch hier eingekehrt. Ueber den schwarzen Wunden, die der unerbittliche Brand in den Park gebrannt, begann junges Grün zu wuchern. Weiße und blaue Anemonen steckten ihre Köpfchen aus grünem Moos, gelbe Himmelschlüsselchen schauten aus dem sprossenden Grasteppich. Leise rauschte der Bach zwischen den Stämmen hindurch, und der freie Platz hatte sich in eine Wiese verwandelt, auf der ein bunter Teppich von Tausendschönchen und Gänseblumen die rauhen Tritte der Menschen verwischt hatte, die hier das Feuer zu dämmen Schwarz aber und verkohlt ragten die Trümmer des Gotenschlößchens in den Frühling hinein. Wie eine mächtige, steinerne Zacke drohte hoch oben der eine spitze Mauerrest, der von dem alten Burgpark stehen geblieben, und einsam, seltsam von den verbogenen Sparren des Glashauses umrankt, saß der mächtige Buddha mit seinen Edelsteinaugen, an die sich keine diebische Hand gewagt hatte— ein überirdischer, ernster Wächter mitten im Grün. „Das liebe Gotenschlößchen!“ Mächtig drangen Kindheitserinnerungen auf die beiden ein, als sie nun über Schutthaufen der Ruine zuschritten. Da lagen noch Fetzen der vermorschten Damastvorhänge. Zwischen Moder und Brandschutt blickten die Augen eines der zerstörten Ahnenbilder sie an, die in dem achteckigen Saal gehangen. Er war fast zerstört, die Decke niedergebrochen, aber die Balken lagen schräg zur Erde. Beide stiegen hinauf. „Sieh, Georg, die Kapelle ist unversehrt!“ So schien es, denn die schwere Eichentür, die zu dem kleinen Raum führte, war geschlossen. Vielleicht hatte eben der Einsturz der Decke sie zugeworfen, und sie war nur auf der Außenseite verkohlt. Vorsichtig räumte Georg den Schutt hinweg. Sie hätten Arbeiter rufen können, aber sie wollten jetzt keinen Zeugen. Es war leichter, als es zuerst schien und— immer vorsichtig um sich schauend, ob nicht ein schneller Griff irgend etwas ins Wanken brachte, gelang es Georg, die Tür zu öffnen. Als einzigen Raum des Schlößchens hatte das Feuer die kleine Kapelle tatsächlich verschont. Es war kein Wunder, denn sie wurde ja durch ein besonders festes Gewölbe gebildet. Dort stand der marmorne Altar. Die Decken und Vorhänge waren mürber als früher. Die Flammen hatten sie nicht erreicht, aber das Gewebe war von der Glut gedörrt, und als Agnes Hand darüber strich, zerfielen sie in Staub. Ein Gefühl der Weihe ergriff die beiden Menschen, die hier, inmitten der wüsten Zerstörung, dieses unversehrte Plätzchen sahen. Da stand das alte Muttergottesbild, das der Bauherr des Schlößchens einst aus dem Süden mitbrachte. Nur, daß sein buntbemaltes Gewand von dichtem Staub überdeckt war. Da waren der alte Betschemel und in der Fensternische die Eckbank, auf der Georg und Agnes als Kinder so oft gesessen und in der alten Chronik gelesen hatten, der Chronik, die damals, an dem Tag von Georgs Rückkehr in die Heimat, so plötzlich verschwunden war, gerade nachdem Agnes noch einmal die alte Prophezeiung gelesen hatte— diese Weissagung, die sie erfüllt glaubte, als damals an jenem schrecklichsten Tag Konrad todwund zusammenbrach, während die rote Feuerwolke über dem Park lag und Georg anter dem Verdacht des Mordes stand— diese grausige Weissagung, die sich nun als Aberglaube erwiesen hatte. Lange standen Georg und Agnes in stummer Ergriffenheit. „Diese Kapelle muß erhalten bleiben. Wir werden das neue Haus darüber bauen.“ Agnes schmiegte sich an ihn. „Mir ist, als sei auch dies eine Fügung des Himmels. Nun werden wir auch später dort in dem traulichen Winkel sitzen und von der Jugend träumen.“ Sie traten zum Fenster. Die Butzenscheiben waren im Feuer zersprungen, aber das dicke Glas saß noch, wenn auch zersplittert, in den Fassungen und hatte den Stichflammen keinen Einlaß gewährt. Sie wischten den Staub von der Bank und wollten sich setzen, als ein Stoß das Gebäude erbeben ließ. Irgendein Balken draußen, den Georg wohl in der zusammengebrochenen Halle etwas aus seiner Lage gebracht, war ins Rutschen gekommen. Georg riß Agnes an sich. Ueber ihnen war ein scharfes, kurzes Knistern— dann löste sich der eiserne Deckenleuchter aus dem wohl von oben vermorschten Gebälk der Decke und stürzte herab. Einen Augenblick standen sie erschreckt und mit klopfendem Herzen, dann aber ruhten ihre Augen gebannt auf der Stelle vor dem Altar. Der schwere Leuchter war niedergestürzt, hart aufgeschlagen und— der Boden begann sich zu drehen— eine große Oeffnung entstand und gleichzeitig neigte sich die Platte des Altars und— der Handschuh, den Agnes dorthin gelegt, verschwand, mitsamt ihrem Täschchen in der Tiefe. Gleich darauf wollte der Stein sich wieder schließen, aber der lange, eiserne Arm des Deckenleuchters klemmte sich dazwischen und ließ einen Spalt frei. Was ist dass“. 8. „Ein Geheimgemach unter der Napelle. „Herrgott des Himmels! Dann hat damals niemans die Chronik gestohlen— dann ist—“ „Ein Zufall hat an dem Tag den Stein geöffnet.“ „Wenn du selbst—?“ GFortsetzung