— Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. „ D 3 Allgemeiner Kreisanzeiger „Kreis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 ReichsA a ct. o s ch ee ereieer Sebtanzeiger Mit den Beilagen: für den Ennepe-Kuhr-Kreis Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Zöhe(36 um breich 8 Reichepfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichepfennig: im Reklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Geschäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Mit den Beilagen: Schluß der Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Zuumer 16 Gestes Blatt Freitag, den 1. April 1932 193. Jahegang durge Taggenerigleiten Etztrzrrng du# geven soanischen Votschasters in Berlin, 31. März. Der Reichspräsident empsung am Donnerstag den neuernannten spanischen Botschafter Louis Araquistain v Quevado zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. Der Botschafter wurde nach dem üblichen Zeremoniell durch den Chef des Protokolls, Gesandten Graf Tattenbach abgeholt und im Wagen des Reichspräsidenten zum Präsidentenpalais geleitet. Der Reichspräsident als Pate beim 16. Kinde “ S c h ö n l a n k e, 3 1. M ä r z. R e i c h s p r ä s i d e n t v o n Hindenburg hat die Ehrenpatenschaft bei dem 16. Kinde des Arbeiters Stobbe in Arnsfelde, Kreis Deutsch=Krone, übernommen und dem Vater eine Glückwunschurkunde übersenden lassen. Aeltestenrat des Reichstages am 11. April * Berlin, 31. März. Der Aeltestenrat des Reichstages ist für Montag, den 11. April, nachmittags 5 Uhr, also unmittelbar nach der Wahl des Reichspräsidenten, einberufen worden, um über den Wiederzusammentritt des Reichstages Beschluß zu fassen. Die Mehrheitsparteien werden sich bei diesem Beschluß wesentlich von den Wünschen der Regierung leiten lassen, die im Augenblick noch nicht bekannt sind, da Reichskanzler Dr. Brüning noch fern von Berlin weilt. Keine Veröffentlichung des St.=Materials Berlin, 1. April. Entgegen anderslautenden Pressemeldungen wird von zuständiger Seite erklärt, daß eine Veröffentlichung von Schriftstücken des beschlagnahmten SA.=Materials nicht beabsichtigt sei. Dieses werde an die zuständigen Gerichte weitergeleitet werden. Wohl aber werde man Antung nüchner Woche eine Mitleilung über das Ergebnis der Unkersuchung herausgeben. 300000 Sack Kassee für deutsche Kohlen Berlin, 1. April. Der„Lokalanzeiger“ meldet aus Sao Paulo: Der brasilianische Finanzminister hat am Donnerstag den Vertrag unterzeichnet. nach dem 300 000 Sack Kaffee gegen deutsche Kohle eingetauscht werden. Verbot kommunistischer Zeitungen * Köln, 31. März. Die kommunistischen Zeitungen„Sozialistische Republik“ in Köln und „Freibeit“ in Düffeldorf sind bis zum 2. April verboten worden. Keine Anklage gegen Eroenhoff * Darmstadt, 31. März. Die Meldung, daß gegen den Segelflieger Günter Groenhoff Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben worden sei, trifft nicht zu. Es schwebt lediglich, wie bei allen ähnlichen Fällen, die zur Kenninis der Staatsanwaltschaft gelangen, ein Ermittlungsverfahren. Anhaltspunkte dafür, daß Groenhoff irgendein strafbares Verschulden trifft, liegen nicht vor. Wie verlautet, ist er auf Einladung von Fräulein Riedel in dem Wagen ihres Bruders mitgefahren. Groenhoff habe in diesem Fall nicht die Pflicht gehabt, zu prüfen, ob Fräulein Riedel einen Führerschein besaß oder nicht. Frauenwahlrecht in Frankreich nach 1933 * Paris. 31. März. Die Kammer hat heute nachmittag mit 446 gegen 60 Stimmen einen Antrag des Wahlrechtsausschusses angenommen, der den Frauen das allgemeine Wahlrecht für die Wahlen nach 1933 gewährt.(Wahrscheinlich wird der Senat dieses Gesetz ebenso wie die Wahlresorm nicht annehmen.) 884 000 Pfund Ueberschuß des englischen Staats* Londor, 21. Mürz. Der englische Staatsbaushalt schließt bei einem Ueberschuß von 364 337 Pfund in den Einnahmen und Ausgaben insgetamt, mit 651482261 Pfund ab einschließlich 32 508 000 Pfund für die Tilgung der inneren Schuld. Die Frauzosen wollen die Sahara=Bahn bauen *# Paris, 31. Wärz. Der Abgeordnete de Maxin Fraktion hat Mininerpräsident Tardien ersucht, für die schleunige Einbringung des vom Minister für öifentliche Arbeiten vorbereiteten Gesetzentwurses über den Bau der Sahara=Bahn zu sorgen. 250 Abgeordnete setzen sich für den Bau dieser Bahn ein, deren Gesamtkosten auf 2½ Milliarden Franken veranschlagt werden. Man glaubt, daß die Bohn in vier Jahren fertiggestellt sein könnte. Die Durchführung sei um so dringlicher, als sie auch der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit diene. in einem emmänischen S##gret. 31. März. Ein schweres Ungläck ereignete sich in Baikol im Gymnasium, wo ein Schüler Dynamitsorengkapseln mitbrachte, die er an die Mitschüler verteilte. Eine Kapfel explovierte beim Spiel. Zwei Schüler wurden babei schwer und brei keicht verletzt. Polizeirüstungen für die Wahlwoch ularmbereitschaft für die Berliner Schutzpolizei * Berlin, 31. März. Der politische Osterburg= frieden neigt sich langsam seinem Ende zu. Der preußische Minister des Innern wird bereits in den nächsten Tagen einen ausführlichen Erlaß herausgeben, durch den für die Woche vor dem zweiten Wahlgang für die Reichspräsidentenwahl ähnliche Vorkehrungen geschaffen werden sollen wie schon bei der ersten Wahl. U. a. sollen Kundgebungen und Versammlungen unter freiem Himmel in der Zeit von Montag bis Samstag freigegeben werden, wenn diese Veranstaltungen rechtzeitig bei den betreffenden Behörden angemeldet und die Genehmigung dazu erteilt worden ist. Auch die Schutzpolizei bereitet sich schon für die schwere Wahlwoche vor. In mehreren Besprechungen sind auch schon die verschiedenen Einzelheiten für die Sicherung und Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung sestgelegt worden. Auch der Polizeipräsident wird noch neue Bestimmungen herausgeben, allerdings erst nach dem Erlaß des preußischen Innenministers. Die ganze Wahlwoche hindurch ist für die Berliner Schutzpolizei höchste Alarmbereitschaft angeordnet und am Samstag, am Tage vor der Wahl, und am Wahltag selbst wieder die„große Alarm= stufe“ eingesetzt worden. Bisher sind noch keinerlei Versammlungen angemeldet worden, trotzdem dev Burgfrieden am Sonntag mittag um 19 Uhr abläuft. Es ist aber damit zu rechnen, daß die verschiedenen Parteien in der nächsten Woche mit einer Hochflut von Versammlungen aus Tageslicht kommen, um noch einmal kurz vor der Wahl für ihre Kandidaten tatkräftig werben zu konnen. In Berlin ist der Sportpalast für die ganze nächste Woche bis zum Wahltag selbst durch politische Wahlversammlungen besetzt. Die Anmeldung von Kundgebungen und Versammlungen unter freiem Himmel dürfte erst Anfang der kommenden Woche erfolgen. Auf dem Wege zur Vorzensur Ein Beweis für die Umkehrung aller Begriffe * Berlin, 31. März. Die Nationalsozialisten haben angekündigt, daß sie in der nächsten Zeit ihre Zeitungen in geringerem Umfange, dafür aber in wesentlich höheren Auflagen erscheinen lassen wollen zur Ausnutzung verstärkter Propagandamöglichkeiten. Den Oberpräsident von Hauscte ebiescte ech ench. und den Nationalsozialisten ein solches Vorge untersagt. Sie haben sich daraufhin mit einer schwerde an den Reichsinnenminister gewandt, der sich nun auf die Seite des Oberpräsidenten gestellt hat in Form eines Rundtelegrammes an die Länderregierungen. Es geht davon aus, daß die Pläne der Nationalsozialisten den Versuch einer Umgehung der Notverordnung darstellen und bemüht sich um eine Definition des Begriffes Flugblatt, die darin gefunden wird, daß Flugblätter ein durch Druck oder Schrift vervielfältigtes Erzeugnis sind, das geeignet ist, leicht und weit verbreitet zu werden. Dazu gehören geringer Umfang und Unentgeltlichkeit oder geringer Preis, große Auflagen und die sich aus der Gestaltung des Blattes ergebenden Eigenschaften, daß es als Flugblatt gedacht oder bestimmt ist. Herr Groener hat sich hier auf einen gefährlichen Weg begeben. Es ist wohl nicht gut zu betreiten, daß die Nationalsozialisten mit der von ihnen beabsichtigten Methode auch das Ziel verfolgt haben, die Vorzensur für Flugblätter zu umgehen, aber die Form ist so geschickt gewählt, daß es schwer ist, den Standpunkt des Reichsinnenminien zu können. Er führt je- sit 1 lls in seinee Wirkung dazu, daß jede Zeitungs. XLihrer Propaganda vollkommen lahmgelegt wird. Es ist ein viel geübter Brauch, um neue Abonnenten zu werben, daß für kurze oder längere Zeit in größeren oder kleineren Bezirken Freiexemplare verteist werden. Es ist also ein alter Brauch, daß für besondere Anlässe Festnummern herausgegeben werden, die als solche nun nach dem Telegramm Groeners als Flugschriften unter Vorzensur stehen, wobei das Entscheidende ist, daß die Entscheidung darüber in die Hand der Polizeibehörde gelegt wird. Wir sind damit tatsächlich auf dem besten Wege zu einer praktischen Vorzensur über die gesamte Presse, und das in einen demokratischen Republik, für die die Pressefreiheit Glaubensbekenntnis sein will. Aber es ist ein Beweis für die Umkehrung aller Begriffe, daß gerade die demokratischen Zeitungen das Vorgehen des Reichsinnenministers rückhaltlos billigen. Ein Dreizehnjühriger Knabe berigmunden Geheimnisvoller Erpressungsversuch in einem haunoverschen Dorf * Berlin, 1. April. Berliner Blättermeldungen zufolge untersuchen die Kriminalbehörde von Hildesheim und die Landjägereien von Harsum und der umliegenden Bezirke seit einigen Tagen eine aufsehenerregende Angelegenheit, die in ihren Weiterungen an die Entführung des Lindbergh=Kindes erinnert. Seit dem 19. März wird der 13 Jahre alte Schüler Ludolf Algermissen aus Harsum vermißt. Vor einigen Tagen ist nun ein Erpressungsversuch unternommen worden, wobei ein oder mehrere Personen in einem Brief die Zahlung von 1000 Mark forderten, wenn die Eltern ihr Kind lebend wiedersehen wollten. Den Erpressern muß bekannt gewesen sein, daß der Vater des Knaben Verwalter der Poststelle in Harsum ist, also immer bares Geld zur Hand hat. Der Vater setzte sich sofort mit der Landjägerei in Verbindung. Ein Beamter, der etwa die Statur des Vaters des Knaden hatte hinterlegte auf dem genannten Platz einen Umschlag, der allerdings keine echten Scheine enthielt, sondern altes Notgeld. Man wartete etwa eine Stunde, als plötzlich aus einem Straßengraben ein Mann auftauchte. Ein Landjäger rief ihn an. Der Unbekannte lief jedoch rasch zu dem Umschlag und entfloh dann in der Dunkelheit. Die Beamten feuerten eine Anzahl von Schüffen hinter dem Fliehenden her. Man hörte mehrere Aufschreie und nimmt daher an, daß der Erpresser getrossen worden ist. richtetzung von 4# * Mexiko=chtadt, 31. März. Auf Besehl des Calles werden am Freitag die restlichen 48 Banditen, die am 19. Mürg den internationalen Expretzzug auf der Strecke LaredoMexiko=Stadt zu überfallen versucht hatten, in im Staate Guanajuato standrechtlich erschossen. 17 Mitglieder der gleichen Bande wurden bereits am 26. März erschossen. Dut danibam üir Die Reichespräisbenenucht * Berlin, 31. März. Nach den Bestimmungen des Gesetzes über die Wahl des Reichspräsidenten sind die Wahlvorschläge spätestens am zehnten Tage vor der Wahl beim Reichswahlleiter einzureichen. Da der zweite Wahlgang auf den 10. April angesetzt ist, so ist die Frist für Einreichung der Vorschläge mit Donnerstag, 31. März, 24 Uhr, abgelaufen. Bisher sind beim Reichswahlleiter nur drei Kandidaten angemeldet worden, und zwar: Reichspräsident von Hindenburg durch den Hindenburg=Ausschuß, der kommunistische Kandidat Thälmann durch den Reichstagsabgeordneten Torgler und der Führer der Nationalsoztalisten Hitler durch Hauptmann Goering. Es ist kaum damit zu rechnen, daß noch weitere Anmeldungen erfolgen werden. Der Betriebsanwalt Winter hat dem Reichswahlleiter mitgeteilt, daß er beim zweiten Wahlgang auf seine Kandidatur verzichten wolle. Allem Anschein nach haben auch seine Anhänger die erforderliche Zahl von 20 000 Stimmen in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit nicht aufbringen können. Der weiter genannte Kandidat Klaus Heim ist nicht wählbar. Das Wahlgeschäft wird also dadurch, daß auf dem amtlichen Stimmzettel nur die genannten drei Kandidaten verzeichnet sind, sehr vereinfacht werden. Der Reichswahlleiter wird nach Ablauf der Frist den Kreiswahlleitern die Kandidatur in der amtlichen Rethenfolge mitteilen, damit die notwendigen Stimmzettel gedruckt werden können. An der ersten Stelle steht diesmal Reichspräsident von Hindenburg, an der zweiten Hitler und an der dritten Thälmann. Die deutsche Reichsbahn im Jebruse * B e r l i n, 3 1. M ä r z. D i e D e u t s c h e R e i c h s b a h n veröffentlicht nunmehr ihren Arbeitsbericht für den Monat Februar 1932. Der Güterverkehr zeigte gegenüber dem Rekordtiefstand des Januar slation, nur geringe Veränderungen. Devisenbewirtschaftung, Abgleiten Deder Kurse fremder Währungen und die zunehmende Bismarck-Tag In schwerster Zeit besinnt sich das deutsche Volk darauf, daß am 1. April 1815 der ostelbische Junker Ottovon Bismarck geboren wurde, dessen Name unverlöschlich in die ehernen Tafeln der preußisch=deutschen Geschichte eingegraden ist. Bismarck lebt auch in unserm Geschlecht als der Reichsgründer fort, wenngleich auch nur die wenigsten eine rechte Vorstellung von dem Wesen und der historischen Bedeutung seines Werkes haben. Das deutsche Volk hat viel zu wenig gelernt, die große politische Kunst zu verstehen, die erforderlich war, um dieses Werk zum glücklichen Ende zu bringen. Man hat ihm immer nur als den„Mann von Blut und Eisen“ betrachten wollen, der nichts weiter konnte, als die einmal vorhandenen Machtmittel des preußischen Staatswesens listig und skrupellos anzuwenden. Dabei beruht die innene Bedeutung Bismarcks auf ganz anderen Dingen. Gewiß, das Wort von dem„Blut und Eisen“, auf dem die Entscheidung der deutschen Geschicke beruhe, ist von ihm mit Recht gesprochen worden. Ebenso verrät es politische Einsicht, wenn er es als eine Notwendigkeit hinstellte, dem König von Preußen möglichst viel Macht in die Hand zu geben; denn er wußte, daß ein Staat nur dann auf die Dauer erfolgreiche Außenpolitik treiben kann, wenn er im Besitz der notwendigen Machtmittel ist. Diese hat er aber nicht einsach vorgefunden und übernommen, sondern sie mitzuschaffen war die erste und wichtigste politische Pflicht, die er als Ministerpräsident des preußischen Staateserfüllte. Deshalb nehmen wir aus seiner Wirksamkeit im deutschen Staatsleben auch heute wieder die Erkenntnis, daß jede wirkliche deutsche Politik damit beginnen muß, die Kräfte des Volkes zu sammeln und die Machtmittel des Staates zu stärken. Selbstverständlich wechseln die Formen der Politik unter den verschiedenen außenpolitischen Konstellationen und wer wollte bezweifeln, daß es dem heutigen Deutschland in dieser Beziehung sehr schwer gemacht wird. Aber auf die entscheidende politische Grundrichtung kommt es an, und niemals kann ein Staatswesen wieder zu Macht und Ausehen gelangen wenn wesentliche Gruppeninihm die Machtlosigkeitals einen Kulturfortschritt erklären. Der große nationale Inhalt der bismarckschen Politik war die Einigung Deutschlands, jenes gewaltige politische Werk, das auch die Stürme des Weltkrieges und der Revolutionszeit überdauert hat. Die bismarcksche Lösung ist die sogenannte kleindeutsche gewesen, und wie oft hat man später in großdeutschen Kreisen den ersten Kanzler gescholten, weil er nicht das ganze Deutschtum zu einer politischen Einheit zusammengeschweißt hat. Aber Politik war für ihn die Kunst des Erreichbaren, und die Ereignisse vorher und nachher haben bewiesen, daß in unserer Zeit ein anderer Staat der Deutschen überhaupt nicht geschaffen werden konnte. Wieviel ist Bismarck auch angeseindet worden wegen des inneren Aufbaus des neuen Reiches. Man hat ihm verdacht, daß er so viel Rücksicht genommen hat auf die dynastischen und söderalistischen Interessen, die nach der Meinung vieler Leute alles Unheil über unser Volk gebracht haben. Aber gerade nach dem Sturz der Dynastien hat sich gezeigt, daß der Föderalismus und Partikularismus in Deutschland ganzandere Wurzeln als die dynastischen hat. In dem politisch verständlichen Teil unseres Volkes ist heute die Ueberzeugung Allgemeingut geworden, daß der demokratische und liberale Unitarismus ein blutleeres politisches Schemen ist, und daß er niemals die politische Form des deutschen Staates bilden wird. Die bismarcksche Staatsweisheit hat diese Dinge intuitiv erkannt und praktisch mit starkem Griff gemeistert. So ist jenes Staatswefen entstanden, das trotz aller Unvollkommenheiten sich als politisch haltbar erwiesen hat. Nach dem Umsturz des Jahres 1918 hat sich die Staatsentwicklung Deutsch= lands zum Schaden unseres VaterlauAbsperrung der Länder gegen fremde Einfuhr führten zu wachsenden Absatzschwierigkeiten und ließen eine Erholung im Güterverkehr der Reichsbahn nicht aufkommen. Der Personenverkehr blieb im Februar durchweg hinter dem des Vormonats und des Februar 1931 zurück. In der schwachen Besetzung fast aller Fernzüge und besonders der Polsterklasse dieser Züge, kommt die deutsche Wirtschaftsnot sehr deutlich zum Ausdruck. Die Betriebseinnahmen beliefen sich auf insgesamt 219 660000 RM., davon Personenund Gepäckverkehr 62 491 000 RM. und Güterverkehr 134 756 000 RM. Die Ausgaben betrugen einschließlich Rückstellung der festen Lasten insgesamt 294 542 000 RM. Trotz größter Sparsamkeit schließt also die Rechnung im Betriebsmonat unter Einbeziehung der Ausgabeverpflichtungen außerhalb der Betriebsrechnung mit einem durch die Betriebseinnahmen nicht gedeckten Fehlbetrag von rund 75 Millionen RM. ab. Mikrofilmarchiv ) Liskzotimascht der deutschsprachigen Presse e.V. K 9 Deuische in deier berhoster An den Haaren herbeigezogene„Gründe“ * Kowno, 31. März. Im Memelgebiet sind acht Reichsdeutsche verhaftet worden, die sich auf Grund eines Grenzpassierscheines dort in den Ostertagen aufgehalten hatten. Zu ihrer Verhaftung wird von der Direktion der litanischen Kriminalpolizei in Kowno folgendes mitgeteilt: Kurz vor den Österseiertagen sind acht junge Leute aus Deutschland mit Grenzpassierscheinen nach dem Memelgebiet gekommen und haben sich dort vier bis fünf Tage lang, ohne sich bei den Ortsbehörden anzumelden, aufgehalten, was im Widerspruch zu den Bestimmungen steht. Außerdem haben einige von ihnen die auf Grund der Bestimmungen für den kleinen Grenzverkehr gezogene Zehn=Kilometer=Zone überschritten. Erst bei ihrer Rückkehr wurden diese Ueberschreitungen der Bestimmungen festgestellt. Die Grenzpolizei verhaftete die jungen Leute und übergab sie nach Verhör den örtlichen Amtsrich= tern, so daß jetzt die Behörden der Zentralregierung mit ihnen nichts mehr zu tun haben. Wie eine Kownoer Zeitung meldet, hat das Bürgerschutzdepartement eine Verordnung erlassen, wonach eine verschärfte Kontrolle an den Grenzübergängen im Memelgebiet durchgeführt werden soll. Die Entlassung der 20 Lehrer * Berlin, 31. März. Die Kündigung von 20 reichsdeutschen Lehrern im Memelgebiet durch Simaitis bedeutet zweifellos einen neuen Gewaltstreich gegen das Deutschtum. Die deutsche Regierung wird es sich, wie verlautet, angelegen sein lassen, die Rechtslage in diesem Falle genau zu prüfen, und sie wird nichts unterlassen, um die berechtigten Interessen des Deutschtums im Memelgebiet zu schützen. des von den Grundlagen des bismarckschen Staates weit entsernt. Große Zugeständnisse sind an dem demokratischen Parlamen= tarismus und an einen falsch verstandenen Einheitsstaatsgedanken gemacht worden. Heute steher. wir vor der Notwendigkeit, diese Dinge rückwärts zu revidieren, bezw. mit einem festen Blick nach vorwärts neu zu gestalten, wenn unser Staatswesen leben soll. Wir müssen die Vereinigung zwischen dem Reich und Preußen, die den Eckpfeiler des bismarckschen Staatsaufbaus bildete, in irgendeiner Form wieder herstellen und den unerträglichen Dualismus zwischen den beiden Berliner Zentralregierungen beseitigen, und wir müssen, um zu haltbaren politischen Zuständen zu gelangen, auch das Verhältnis zwischen dem Reich und den Ländern unter sorgfältiger Wahrung historischer Eigenarten neu zu gestalten suchen. So steht der Ideengehalt der bismarckschen Lebeusarbeit heute hinter dem Geschlecht, das dazu berufen ist, für das deutsche Volk wiederum eine brauchbare politische Lebensform zu schaffen. Die Besinnung auf die Gestalt dieses großen deutschen Staatsmannes und auf sein unvergängliches politisches Werk möge uns dazu die richtige Einstellung vermitteln. Die Seakung der hausziussteuer und die Frage der Mietserleichterungen * Berlin, 31. März. Die zum 1. April eintretende zwanzigprozentige Senkung der Hauszinssteuer und ihre Auswirkung auf die Mieten für die bedürftigen Mieter haben in der Oeffentlichkeit eine gewisse Unsicherheit hervorgerufen. Von zuständiger preußischer Regierungsseite erfahren wir dazu, daß in Preußen im Jahre 1930 im Höchstfalle 48 Prozent der Friedensmiete als Hauszinssteuer erhoben worden sind. Im Jahre 1931 erfolgte eine fünfprozentige Senkung, so daß höchstens 45,6 Prozent der Friedensmiete auf die Hauszinssteuer entfielen. Auf Grund der Notverordnung vom 8. Dezember, die eine Gesamtsenkung der Hauszinssteuer in Höhe von 20 Prozent anordnet, sind nunmehr vom 1. April ab noch weitere 15 Prozent der Hauszinssteuer zu senken, so daß für das Jahr 1932 mit 38,4 Prozent der Friedensmiete als Hauszinssteuer zu rechnen ist. Da nun bereits die zehnprozentige Senkung der Mieten am 1. Januar eingetreten ist. also vor der Senkung der Hauszins= steuer befreit sind, eine geringfügige Erhöhung der Miete gegenüber dem ersten Vierteljahr 1932 ein, da die diesen Mietern erlassene Steuersumme getinger wird. Gegenüber dem Herbst vergangenen Jahres sind die Mieten für die bedürftigen Mieter aber immer noch erheblich geringer. Die preußische Staatsregierung beabsichtigt, im Interesse der bedürftigen Mieter, die durch diese Regelung eine wenn auch unbedeutende Neubelastung erfahren, die ganze Frage der Mietserleichterungen auf eine andere Grundlage zu stellen, und zwar in Zukunft die Mietserleichterungen nicht mehr durch Steuererlaß zu gewähren, sondern durch die Fürsorgeverbände erfolgen zu lassen. Die zuständigen Ministerien sind beauftragt worden, die notwendigen Vorbereitungen für die Regelung der Mietserleichterungen durch die Fürsorgeverbände zu treffen. Wiederaufnahme des BullerjahnProzesses Neue Verhandlung vom Reichsgericht angeordnet * Leipzig. 30. März. Der 4. Strafsenat des Reichsgerichts hat in der Strafsache gegen den ehemaligen Lagerverwalter Walter Bullerjahn einen entscheidenden Beschluß gefaßt. Es wird die Wiederaufnahme des Verfahrens, das am 11. Dezember 1925 durch ein rechtskräftiges Urteil des Reichsgerichts geschlossen wurde, sowie eine neue Hauptverhandlung angeordnet. Das Reichsgericht begründet seinen neuen Beschluß damit, daß die Beweisaufnahme im Wiederaufnahmeverfahren eine Tatsache ergeben habe, die es fraglich erscheinen lasse, ob das Gericht nich: anders entschieden hätte, wenn ihm diese Tatsache bei der Urteilsfällung bekannt gewesen wäre. Die Wiederaufnahme des Bullerjahn=Prozesses bildet den vorläufigen Abschluß eines erbitterten Kampfes, der jahrelang um die Rehabilitierung des seinerzeit zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilten Lagerverwalters geführt wurde. Bullerjahn hat sieben Jahre seiner Strafe im Gefängnis verbüßt. Raubübersall auf ein Steueramt Zwei Steuerbeamte durch Schüsse verletzt. * Dresden, 31. März. Heute nachmittag kurz vor 3 Uhr wurde auf das städtische Steueramt an der Kreuzstraße ein Raubüberfall verübt. Dabei wurden zwei ältere Steuerbeamte, die sich zur Wehr setzten, durch Schüsse verletzt und mußten im Feuerwehrauto ins Krankenhaus trausportiert werden. Der eine von ihnen hat einen Kopf=, der andere einen Schulterschuß davongetragen, doch soll bei keinem der Verletzten Lebensgefahr bestehen. Der Räuber, der ein Taschentuch vor das Gesicht gebunden hatte, soll ein Paket Banknoten an sich gerissen haben und ist unerkannt entkommen. Reichslag und Reichshaushalt * Berlin, 31. März. Mit einer ordnungsmäßigen Haushaltsberatung im Reichstag ist auch in diesem Jahr nicht zu rechnen. Wenn überhaupt, so wird die Reichsregierung den Versuch machen, den Reichshaushalt en bloc zur Beratung und zur Annahme zu stellen. Wann dies geschehen wird, steht noch nicht fest. Der Aeltestenrat des Reichstages tritt am 11. April nachmittags zusummen, um über die weiteren Tagungen des Parlaments zu beschließen. Ursprünglich war für den Zusammentritt des Reichstages der 12. April in Aussicht genommen worden, also ein Termin unmittelbar nach dem zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl. In parlamentarischen Kreisen verlautet aber, daß der Reichstag vor Anfang Mai sich nicht versammeln wird. Unter diesen Umständen wird eine neue Notverordnung für die Haushaltsführung erforderlich. Denn das alte Haushaltsjahr läuft bekanntlich mit dem 31. März ab. Der Reichspräsident hat infolgedessen eine Notverordnung erlassen die eine Zwischenregelung enthält. Die persönlichen Ausgaben dürfen dieser Verordnung zufolge im Rahmen des Haushaltsplans von 1931 geleistet werden. Für die Sachausgaben ist insofern eine Drosselung vorgesehen, als für die Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni nicht ein Viertel, sondern nur ein Fünftel der im Haushalt von 1931 bewilligten Jahresbeträge ausgegeben werden darf. Außerdem bestimmt diese Notverordnung, daß an die Gemeinden ein Zuschuß zu den Wohlfahrtslasten in Höhe von 75 Millionen Mark geleistet werden darf. Es liegt auf der Hand, daß diese Regelung in Anbetracht der gespannten Lage der Gemeindefinanzen völlig ungenügend ist. Stlarek-Prozeß * Berlin, 31. März. Bei der Vernehmung der Zeugin Kelch im Sklarek=Prozeß schilderte diese die Einweihungsfeier der Villa Leo Sklareks im Jahre 1929. An der Feier hätten, so sagte sie aus, Direktor Brolat Stadtrat Degener, Stadtverordneter Haß. Direktor Hoffmann und Profes“.“ Schäfer teilgenommen. Wohlgesühlt haben sie s## sehr, sagt die Zeugin, weil es gut zu essen und zu trinken gab. Die Leute haben soviel gegessen, wie ich es noch nicht gesehen habe. Die Gläser wurden nur angetrunken, dann mußten neue Gläser hingestellt werden, weil der Sekt nicht mehr genügend perlte. Sechs Pfund Kaviar wurden bei dieser Gelegenheit verzehrt. Man kann sagen, der Kaviar wurde mit Löffeln gegessen. Als der Angeklagte Hoffmann sich gegen eine Bemerkung der Zeugin wendet, erklärt diese: Direktor Hofmann hat uns sehr oft besucht. Einmal sind wir nach Misdroy gereist. Wer stand auf einmal da? Herr Hoffmann mit Frau und Kindern. Wo er auf einmal herkam, weiß ich nicht. Aus diani aud urets Stadtausschuß für Jugendpflege Der Stadtausschuß für Jugendpflege hielt gestern abend im städtischen Jugendheim in der Bergstraße seine diesjährige Hauptversammlung ab. Folgende Vereine hatten ihre Vertreter entsandt: T. V. Zur roten Erde, Turng. Schwelm, F. C. 06 Schwelm, Sportfr. Grün=Weiß. T. V. Gut Heil, Schwelmer T. V., Schwelmer SchwimmVerein, Christl. Verein junger Männer, Zionsverein, Deutsche Jugendkraft, Kath. Gesellenverein, Kreuzfahrer=Gemeinschaft, Adler und Falken, Vereine der freien Sportvereinigung, Soz. Jugend=Vereinigung und Sp. u. Sp Winterberg. Der Vorsitzende, Direktor Carl Berger, der die Verhandlungen leitete, erstattete folgenden Jahresbericht Auch das vergangene Jahr hatte weiter unter der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse zu leiden. Wenn es zu Anfang des Jahres den Anschein hatte, daß der Tiefstand erreicht bezw. überschritten sei, so mußte leider später die Feststellung gemacht werden, daß dies nicht der Fall war, daß die Zahl der Erwerbslosen vielmehr in erschrekkendem Maße zunahm. Aus diesem Grunde mußte auch von Veraustaltungen größeren Umfanges Abstand genommen werden. Erwähnt sei nur das Austragen der Reichsjugendwettkämpfe Ende Juli und die in wesentlich vereinfachtem Maße von dem Verkehrsverein getroffene Veranstaltung. Während uns das Jahr 1930 die 50jährige Jubelfeier des Turnvereins Jahn bezw. der unter dem Namen Turngemeinde Schwelm von 1880 und Oehder Turnverein zusammengeschlossenen Vereine brachte, konnte im vergangenen Jahre der Schwelmer Fußballclub 06 die Feier seines 25jährigen Bestehens begehen. Beide Feiern wurden den Zeitverhältnissen entsprechend unter reger Anteilnahme nicht nur der Mitglieder, sondern auch eines großen Teiles der Bürgerschaft in einfacher, schlichter Weise begangen. Ueber die in dem vorjährigen Bericht erwähnten Bestrebungen des Kreisjugendamtes auf Zusammenschluß aller Körperpflege treibenden Vereine im Ennepe=Ruhr=Kreis ist weiter nichts verlautet, ebensowenig von einer Verordnung des Landrats des Ennepe=Ruhr=Kreises über Neuordnung der Sport=Wettkämpfe. Dagegen darf die vorbildliche Betreuung der jugendlichen Erwerbslosen durch Veranstaltungen geistigen Inhalts mancherlei Art, die sich eines sehr regen Zuspruchs zu erfreuen hatten, nicht unerwähnt bleiben. Aus der Verwaltungsarbeit des Stadtausschusses sei hervorgehoben, daß außer der Jahreshauptversammlung am 18. Mai noch zwei weitere Hauptversammlungen stattgefunden haben. Der Vorstand bezw. Unterausschuß trat außerdem fünfmal zusammen. Bei den Beschlüssen des letzteren handelte es sich in der Hauptsache darum, eingegangene Wünsche auf Zuteilung von Turnhallen und Spielplätzen zu prüfen. Wenn dabei nicht alle Wünsche in befriedigendem Maße erfüllt werden konnten, so hat es nicht an dem guten Willen des Ausschusses gelegen, im Gegenteil, dieser hat sich redliche Mühe gegeben, sondern daran, daß in allen dem Ausschuß angeschlossenen Vereinen ein recht reges Leben herrscht, was nur begrüßt werden kann. Dies wurde auch bestätigt durch eine Prüfung, die von je zwei Mitgliedern des Ausschusses in den Turnhallen des östlichen und des westlichen Stadtgebietes vorgenommen wurde. Dem Magistrat ist hierüber Bericht erstattet worden. Erwähnt sei hierbei, daß die Arbeiten zur Errichtung eines Stadions in den roten Bergen infolge Mangel an Mitteln eingestellt werden mußten. In der Zahl der in den im Stadtausschuß zusammengeschlossenen Vereinen erfaßten Jugendlichen ist leider weiter ein kleiner Rückgang zu verzeichnen. Während in der im Vorjahre beim Die Lagung der beatschen=Chrrargen * Berlin, 31. März. Der zweite Sitzungstag der 56. Tagung der deutschen Gesellschaft für Chirurgie sah als Hauptthema das Extremitätengangraen vor. Es handelt sich dabei um ein= und doppelseitige Erkrankung von Gliedmaßen, die mit einer schweren Störung des Blutkreislaufes in dem betreffenden Gliedabschnitt einhergeht und zum Absterben des Gliedes führt. Der erste Referent, Röpke(Barmen), gab einen Ueberblick über das eigenartige Krankheitsbild. Stets seien, so führte er aus, Wanderkrankungen der Blutgefäße vorhanden, die besonders die zarte Gefäßinnenhaut befallen. Diese verliere ihre Elastizität, die Muskelschicht der Gefäße werde verdickt und stellenweise träten abnorme Fett= und Kalkablagerungen auf. Schließlich komme es zu Blutgerinnungen in den Arterien, so daß die Blutversorgung in dem betreffenden Bezirk, meist am Bein, aufs schwerste gestört sei. Der Erkrankung, die meist zum Absterben des Gliedes führe, könnten sehr verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Durch rechtzeitige Behandlung könnte die Amputation in vielen Fällen vermieden werden. Die von den Franzosen empfohlene Entfernung der Blutgefäßnerven habe die auf sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Besser sei es, die Nervengeflechte des Grenzstranges des Sympathikus=Nerves an den betreffenden Stellen neben der Wirbelsäule wegzunehmen. Man habe weiterhin mit Erfolg Blutgerinnsel aus den erkrankten Gefäßen entfernt. Schließlich habe die deutsche Forschung zur Entdeckung von Kreislaufhormonen geführt, denen ein erheblicher therapeutischer Wert zukomme. Röpke beurteilte die Aussichten, ein Gangraen auf konservativem Wege zu heilen, nach den Fortschritten, die die jüngste Zeit in der Erkenntnis der seineren Zusammenhänge der Blutströmung gebracht hat, günstiger, als es die Zeit vor zehn Jahren ermöglicht hätte. Das Korreserat hielt der Pathologe Ceelen (Bonn). Nach einer Uebersicht über die Ursachen, die dem Gangraen zugrunde liegen, besprach Ceelen die drei wichtigsten Formen des Gangraen: Das auf Grund der Zuckerkrankheit auftretende, das Gangraen des Alters und das auf Orund der Erkrankung der Innenhaut der Gefäße auftretende, das sogenannte Spontangangraen. Die weiteren Ausführungen behandelten die Vorgänge, die zu dem rätselhaften Zustandekommen des Gangraens führen. Am längsten verweilte der Vortragende bei dem spontanen Gangraen der Jugendlichen, dessen Ursache nicht in einem Gefäßverschluß, sondern in einem Entzündungsvorgang liege, der um das Gefäß herum spiele. Besondere Empfänglichkeit der Gewebe sei für einen solchen Prozeß Vorbedingung. Eindrucksvolle Bilder unterstützten die zum Teil schwierigen Darlegungen des bekannten Pathologen. In der Aussprache nahm als erster Professor Bier das Wort. Er wurde bei seinem Auftreten so lebhaft begrüßt, daß er zunächst nicht zu Wort kommen konnte. Der Redner sprach dann zum Thema„Arzt und Forscher“, dem die klinische Beobachtung alles, die Arbeit und Forschung im Laboratorium dagegen nur ein wenig wichtiges Arbeitsfeld gilt. Seine Ausführungen bewegten sich im Sinne seiner Lebensarbeit„Zersetzungen machen die Reaktionen im Körper und nicht ein einzelnes, sondern die Summe der Produkte im Körper.“ In der Nachmittagssitzung sprach Pkofessor Sauerbruch(Berlin) über das jüngste Arbeitsgebiet der Brustchirurgie. Von der Lungenchirurgie ging Sauerbruch auf das Gebiet der Speiseröhrenchirurgie über und sprach auf Grund einer gelungenen Operation die sichere Erwartung aus, daß durch das bei diesen Operationen geübte Vorgehen eine Wendung in den Aussichten der Operationen des Speiseröhrenkrebses herbeigeführt wird und daß nunmehr die Aussicht auf eine Besserung der Heilungsergebnisse bestände. Missen(Berlin) berichtete über Erfahrungen bei Verletzungen der Lunge und der Luftröhrenäste. Es komme bisweilen zur Ansammlung von Luft im Mittelfell. ein Fall, der unmittelbar sebensbedrohend sei. Die Gefahr, so erklärte der Redner, könne durch sofortige Punktion manchmal rasch beseitigt werden. städtischen Jugendamt eingereichten Zusammenstellung 25 Vereine 1202 männliche und 621 weibliche, zusammen 1823 Jugendliche gemeldet hatten. enthält die diesjährige Liste 23 Vereine mit 1144 männlichen und 634 weiblichen, zusammen also 1778 Ingendlichen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Vereine„Freie Schwimmer".„Freier Kraftsportverein“, Verein freie Turnerschaft" und „Verein für Bewegungsspiele" unter dem Namen „Freie Sportvereinigung Schwelm e. V.“ sich zusammengeschlossen haben. Möge dieser Zusammenschluß von Segen gekrönt sein, nicht nur für die in Frage kommenden Vereine, sondern auch für die gesamte Jugendbewegung. Möge daraus der Beweis erbracht werden daß nur ein fester Zusammenhalt zum Ziele führen kann, daß aber Zersplitterung und Abzweigung immer von Nachteil sind. Möge vor allen Dingen das vor uns liegende Jahr eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse bringen und ein besseres werden, als die hinter uns liegenden Jahre, damit der auf uns allen lastende Druck endlich weicht und wir wieder frei aufatmen können. Bei der Vorstandswahl wurde der bisherige 1. Vorsitzende Carl Berger mit 18 gegen 5 Stimmen wiedergewahlt. Herr Berger dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen nud erklärte sich bereit, auch weiterhin das ihm übertragene Amt nach Kräften versehen zu wollen. Zum 2. Vorsitzenden wurde an Stelle des Rektors Pütt, der erklären ließ, daß er aus beruflichen Gründen auf eine Wiederwahl verzichten müsse, der stellv. Direktor des Arbeitsamtes, Herr Seyferth, gewählt. Theodor Kanzler vom Schwelmer F. C. 06 wurde erster Schriftführer. Dem Unterausschuß gehören nunmehr folgende Mitglieder an: Fräulein Schlingensiepen, Vikar Genau, die Herren Cleff, Grau, Fritz Mennenöh und Schneider. Ueber den Antrag der Jugendgruppe der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz auf Aufnahme in den Stadtausschuß soll in der nächsten Sitzung, die in 14 Tagen stattfinden soll, endgültig entschieden werden. Neu ausgenommen wurden zwei Vereine, deren Charakter den Bestimmungen des Ortsstatuts nicht widerspricht. In der nächsten Sitzung soll auch darüber beraten werden, ob das Ortsstatut bezüglich seiner Aufnahmebestimmungen einer Aenderung bedarf. Studienrat Albring(Kreis=Jugendpfleger wird einen Vortrag halten. Stadtoberinspektor Deller, Dezernent des städtischen Wohlfahrtsund Fürsorgeamtes, wird über die rechtliche Grundlage einiger Paragraphen und über eventuelle Umänderung des Ortsstatutes des Stadtausschusses für Jugendpflege sprechen. Schwelm, 1. April. (=) Berufsjubiläum. Der Handlungsbevollmächtigte und Abteilungsleiter Herr Karl Lau begeht heute am Schwelmer Eisenwerk sein 25= jähriges Dienstjubiläum. In einer schlichten Feier wurden dem Jubilar die berzlichsten Glückwünsche seitens der Werkleitung und Beamtenschaft ausgesprochen. Dem Jubilar auch unsern Glückwunsch. (=) Auf eine 25jährige Tätigkeit bei der hiesigen Stadtverwaltung kann Herr Stadtlandmesser Koberg zurückblicken. Wir sprechen Herrn Koberg unseren Glückwunsch aus. (=) Ihr 25jähriges Berufsjubiläum als Buchhalterin bei der Schwelmer Gummiwaren=Gesellschaft kann heute Fräulein Clara Drees begehen. Sie ist von allen Angestellten am längsten im Dienst der Firma. An ihrem Jubiläumstage wurden ihr von den Firmeninhabern und ihren Arbeitskollegen entsprechende Ehrungen und Glückwünsche zuteil, denen wir uns hiermit anschließen. (=) V. r. K. D., Sektion Schwelm. Am Samstag, dem 2. April„findet abends 8,30 Uhr eine Monatsversammlung im Bahnhofshotel statt. Siehe Anzeige. (=) Krebsfeste Saatkartoffeln wird die Stadtverwaltung auch in diesem Jahre dem Kleingartenbesitzer vermitteln. Interessierten verweisen wir auf die Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. (=) Freitod. Der 21jährige Schlosser F. L. aus der Markgrafenstraße stürzte sich gestern nachmittag um 2,30 Uhr von der Brücke, die bei Schloß Martfeld über die Eisenbahn führt, in die Tiefe. Er schlug mit dem Kopf auf den Steinschotter der Gleisanlage auf und war sofort tot. Der Lebensmüde hatte sich mit dem Bemerken von Hause entfernt, er wolle sich ein Leid antun. Einer seiner Freunde eilte ihm nach, um ihm von seinem Vorhaben abzuhalten. Er konnte ihn jedoch erst erreichen, als der Bedauernswerte sich bereits über die Brüstung der Brücke geschwungen hatte. Der Freund ergriff zwar noch den Mantel, durch das Körpergewicht aber riß dieser, so daß der Absturz nicht mehr aufzuhalten war. :: Ein gefährliches Spiel der Kinder. In den letzten Tagen ist wieder in mehreren Fällen mit Steinen nach Eisenbahnzügen geworfen worden. Meist waren Kinder die Uebeltäter. Vielfach sind sie sich der Tragweite ihres gefährlichen Spiels nicht bewußt. Umsomehr fällt besonders jetzt zur Zeit der Ferien den Eltern die Aufgabe zu, ihre Kinder nachdrücklich auf das Gemeingefährliche und Verderbliche dieses Unfugs immer wieder hinzuweisen. Sehr leicht können Menschen gefährlich verletzt und Sachen beschädigt werden. Es liegt im eigensten Interesse der Eltern, ihre Kinder zu beobachten und zu warnen, weil sie für den durch die Kinder angerichteten Schaden haften müssen. (=) Unser Schwelmer Kanalschwimmer Fritz Fischer will in diesem Jahre zuerst versuchen, die Langstrecken=Rekorde Vierkötters im Rhein zu unterbieten. Da Fischer augenblicklich im Vergleich zum vorigen Jahre über ein besonders gutes Training verfügt, glaubt er, die Rekorde Vierkötters brechen zu können. Ist ihm dies gelungen, wird er Ende Juli abermals versuchen, den Kanal zu durchschwimmen. Sollte sich eine entsprechende Finanzierung ermöglichen lassen, will Fischer dann die Ueberfahrt nach Kanada antreten, um sich im Ontariosee an einem großen Wettschwimmen zu beteiligen. Während die Ueberauerung des Kanals infolge der verschieden auftretenden Strömungen immer ein Experiment bleibt. kann Fischer im Ontariosee, wo im vergangenen Jahre allein bei einem Schwimmen 180 Personen starteten, seine wirkliche Leistungsfähigkeit zeigen. Da Fischer zu großen Hoffnungen berechtigt, ist ihm zu wünschen, daß Sportfreunde sich für die finanzielle Frage interessieren. (=) Im Modernen Theater läuft ab heute der Lustspielschlager„Die Abenteurerin von Tunts“ Ein höchst vergnüglicher Film..... Natürlich bringt diese„Geschichte von marokkanischen Maschinengewehren und viel Liebe“ auch allerlei aufregende Szenen. Der Sandsturm in der Wüste läßt an Realistik nichts zu wünschen übrig, und das Autorennen auf der steil abfallenden, gewundenen Küstenstraße zwischen Nizza und Ventimiglia stellt Anforderungen, selbst an die Nerven der Zuschauer. Ellen Rrichter bringt Leidenschaft und Tempo in diesen Expeditionsbericht, aber das Vergnügliche triumphiert trotzdem. Dafür sorgen Karl Huszar=Puffy, der sich unter den „Dicken" des Films längst eine Sonderstellung geschaffen hat und durch seine launigen Einfälle ein gut Teil des Interesses auf sich konzentriert. Er hat diesmal in Senta Söneland eine Partnerin gefunden, die es in Bezug auf Schlagfertigkeit (in jedem Sinne) an nichts fehlen läßt.— Sodann bringt das neue Programm einen Pat und Patachon=Tonfilm: 1000 Worte Deutsch. Die große Pat und Patachon=Gemeinde wird sicher neugierig sein, welche Possen ihre Lieblinge auf den Stelzen des Dialogs treiben. Das Komikergastspiel der Dänen in Deutsch=Dänisch ist geglückt. Mit nicht ganz 1000 drollig geschnäbelten Worten. Dazu das übliche Beiprogramm. (=) Aubringung einer Verkehrsampel an der Straßenkreuzung Ecke Altmarkt=Neustraße. Seit langen Jahren bemüht man sich in Kraftfahrerkreisen um die Anbringung einer Verkehrsampel über der Straßenkreuzung Altmarkt=Neustraße. Hierüber sind auch in unserer Zeitung wiederholt Artikel erschienen, in denen auf die Vorteile derartiger Verkehrsampeln hingewiesen und die Stadtverwaltung aufgefordert wurde, an der Ecke Voswinkel, dem stärksten Verkehrsknotenpunkt, eine solche Ampel anzubringen. Mit vollem Recht erinnerte man dabei an die vielen Verkehrsunfälle, die sich dort schon ereigneten. Im Rahmen des neuen Schwelmer Sparprogramms(Einsparung von Verkehrs=Schutzleuten) ist nunmehr der so lange gehegte Wunsch in Erfüllung gegangen. Heute vormittag wurde die neue Verkehrsampel über der genannten Straßenkreuzung angebracht. Die Lampe wechselt regelmäßig in Abständen von je einer Minute mit den Farben grün, gelb und rot, wobei gelb als Ankündigungsfarbe, grün (Durchfahrt) und rot(Halt) gilt. Außerdem ist aber noch eine Neuerung mit dieser Lampe eingeführt. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit ertönt bei jedem Farbenwechsel ein scharfes Klingelzeichen, das bis etwa 100 Meter im Umkreis zu hören ist. Dadurch wird erreicht, daß der Kraftwagenführer den Farbenwechsel nicht nur sieht, sondern auch hört. Menschlichem Ermessen nach sind also jetzt Verkehrsunfälle an der Ecke Voswinkel ausgeschlossen und der Verkehrsposten ist eingespart. Dafür schellt es jetzt jede Minute einmal durchdringend. * Nicht auf kalte Steine setzen! Diese Mahnung ist jetzt besonders für Kinder am Platze, die da glauben, mit dem ersten schönen Märzsommertage sei schon der Frühling eingezogen und man könne sich unbesorgt auf den Erdboden niedersetzen. Die Erde strömt aber selbst bei schönstem Sonnenschein noch viel Kälte aus, und ein Ruhen auf ihr(noch weit mehr auf Feldsteinen und steinernen Bänken) kann sehr schwere Erkältungskrankheiten(Unterleib, Blinddarm, Gicht) nach sich ziehen. Aber auch Treppenstufen sind nicht ungefährliche Sitzgelegenheiten; bei ihnen kommt noch hinzu, daß sie durch Auswurf Lungenkranker und anderer Kranker, sowie oft durch Ungeziefer, jedenfalls aber durch Schmutz verunreinigt sind. * Zuviel abgeführte Steuerabzugsbeträge und Einkommensteuerzuschläge. Die Finanzämter haben vielfach die Anrechnung der nach der Einkommensteuerveranlagung zuviel abgeführten Steuerabzugsbeträge auf die Einkommensteuerzuschläge— den Zuschlag von 5 Prozent für Einkommen über 8000 RM. sowie den Ledigensteuerzuschlag— abgelehnt und eine Nachzahlung gefordert. Der Reichsfinanzhof hat dies in Entscheidungen vom 29. 4. 1931 (VIA 854/31) und vom 5. 6. 1931(VIA 714/31) für nicht berechtigt erklärt, wenn die in Form von Abzügen vom Arbeitslohn oder Kapitalertrag bereits entrichteten Beträge höher seien als die endgültig festgestellte Steuer einschl. des Zuschlags. Es handele sich dabei nicht um eine Aufrechnung mit einem Rückforderungsanspruch, sondern um die Anrechnung der einbehaltenen Steuerabzüge auf die nachträglich durch die Zuschläge erhöhte Steuer. — Es bleibt dann freilich immer noch für nicht wenige Steuerpflichtige die Unbilligkeit, daß die Lohnsteuer seit dem vergangenen Jahre gar nicht mehr, der Steuerabzug vom Kapitalertrage nur unter bestimmten Voraussetzungen erstattet werden, wenn die im Einkommensteuerbescheide endgültig festgesetzte Einkommensteuer überzahlt ist. Für das Tuberkulose=Kreiskrankenhaus hat man endlich die„breiteren Schultern“ gefunden. Eine Aktiengesellschaft, die in ganz Deutschland Pensionate für„höhere Töchter" unterhält, hat das Bauwerk auf der Holthauser Höhe in seinem halbfertigen Zustand erworben, und nach einigen Umbauten wird das„Pensionat Holthausen" das besteingerichtete von ganz Westdeutschland sein. Hierzu kommt noch die herrliche Lage, der wunderbare Fernblick, die reizende Umgebung mit ihren prächtigen Naturschönheiten, alles Vorzüge, die dieses Institut bald zu dem beliebtesten machen wird. Wir werden fortlaufend über die Entwicklung des Mädchenpensionats berichten. * Wie beseitigt man Rückkopplungsstörungen? Die Reichs= Rundfunk=Gesellschaft hat zusammen mit dem Verband der Funkindustrie und dem Reichsverband deutscher Funkhändler ein sehr beachtenswertes Preisausschreiben erlassen, um Wege zur Beseitigung von Rückkoppelungsstörungen zu finden. Die Preisarbeiten sollen sowohl die apparatetechnischen Möglichkeiten als auch die Störungsverhütung durch organisatorisch= praktische Maßnahmen behandeln. Für die drei besten Arbeiten wurde ein erster Preis von 500 Mark ein zweiter Preis von 250 Mark und ein dritter Preis von 100 Mark ausgesetzt. Die Teilnehmer an dem Preisausschreiben müssen Deutsche sein. Jeder Teilnehmer darf nur eine Arbeit einreichen und muß die eidesstattliche Erklärung abgeben, daß die von ihm vorgelegte Arbeit sein eigenes geistiges Erzeugnis ist Nähere Einzelheiten über das Preisausschreiben sind von der Reichs=Rundsunk=Gesellschaft zu erhalten. * Falsche 20=Mark=Scheine.— Eine neue„verbesserte Ausgabe“. Nach einer Mitteilung des Reichsbankdirektoriums sind neue Fälschungen in Reichsbanknoten über 20 Mark(vom 11. Oktober 1924) festgestellt worden. Die neuen Noten sind teilweise von alten Druckplatten früherer Fälschungen abgedruckt worden, doch ist der neue Druck reiner, die Blindprägung und der Kontrollstempel sind deutlicher. Auf der Vorderseite ist im Wort „Ausgegeben“ der zweite Grundstrich des n=Buchstabens kleiner gezeichnet. Die kleine Wertzahl 20 auf dem Schaurande zeigt links über der Ziffer 2 einen Punkt. Auf der Rückseite fallen die verkrüppelt gedruckten Typen der Strasandrohung auf; hinter dem Worte„Bringt“ fehlt das Komma. Die Nummern haben ungleichgroße und ungleichgestellte Typen. Milspe, 1. April. * Die Prüfung zur Befähigung als Kindergärtnerin und Hortnerin bestand Fräulein Helly Funccius, Voerderstraße 67, vor dem staatlichen Prüfungsausschuß in Wuppertal=Elberfeld. * Zum Konzert Rehkemper in Schwelm. Wir werden gebeten, mitzuteilen, daß zu diesem Konzert noch Karten in der Milsper Vorverkaufsstelle(Adler=Drogerie) zu haben sind. * Westdeutsches Städtebund=Theater im Gemeindehaus. Wir machen nochmals auf die heute abend im Rahmen des Volksbildungswesens stattfindenden Theateraufführungen aufmerksam. Nachmittags beginnt die Märchenvorstellung um 5 Uhr und kostet auf allen Plätzen für Erwachsene und Kinder den billigen Einheitseintrittspreis von nur 10 Pfg.; abends beginnt die Vorstellung um 8 Uhr und kostet für alle Plätze 40 Pfg., für Erwerbslose 20 Pfg. Der Bremenplatz auf Berninghausen, der Fußballplatz des„Milsper Sportvereins“, hat in letzter Zeit an fast jedem Sonntag eine außerordentliche Anziehungskraft auf alle Sportfreunde ausgeübt. In großen Scharen zogen sie zu den Entscheidungswettspielen, und gerne zahlten sie ihr Eintrittsgeld; wußten sie doch, daß der Sportverein ihnen nicht nur eine anregende Unterhaltung während der Spieldauer, sondern darüber hinaus noch Gesprächsstoff für die ganze Woche bieten würde. Was hat aber der Sportverein mit den vielen Eintrittsgeldern angefangen? Diese Frage können wir jetzt ganz genau beantworten, nachdem uns der Etat für das am 1. April beginnende Geschäftsjahr 1932=33 vorliegt. Daß der Verein die Gelder im Interesse seiner Sportfreunde verwenden würde, ist wohl selbstverständlich; daß aber„der Dienst am Kunden“ soweit gegangen wäre, hätten wir wirklich nicht erwarten können. Man höre und staune: Der Sportverein wird auf dem Bremenplatz eine große Tribüne anlegen, die den Zuschauern Sitzgelegenheit und Schutz gegen die Witterung bieten soll. Die Baupläne sind bereits genehmigt und am kommenden Samstag, nachmittags 5 Uhr, soll die Grundsteinlegung stattfinden, zu der die Spitzen der Gemeinde= und Sportbehörden eingeladen sind. An die Grundsteinlegung wird sich ein Taufakt anschließen; da der Platz nämlich am Ende der Goethestraße liegt und der Name des größten Dichters aller Zeiten gegenwärtig im Vordergrund jeglichen Interesses steht, soll der„Bremenplatz" in„Goetheplatz" umgetauft werden. Mit der Aufhebung der wohnungsmangelrechtlichen Bestimmungen innerhalb der Gemeinde Milspe ist dem Hausbesitzer wieder das freie Verfügungsrecht in Bezug auf die Neuvermietung von Wohnungen eingeräumt und zwar über alle Räume, die nach dem 31. März, also am 1. 4. 1932 oder später frei werden. Die Anmeldung dieser Räume beim Wohnungsamt ist ab 1. 4. nicht mehr erforderlich. Ihre Neuvermietung kann an einen beliebigen Wohnungsuchenden erfolgen. Es bedarf also zur Anmietung und zum Bezuge einer Wohnung innerhalb des Gemeindebezirks keiner Mietberechtigungskarte bezw. Bezugsgenehmigung mehr. Auch bedürsen die Mietverträge nicht mehr der Genehmigung des Wohnungsamtes. Die in Umlauf befindlichen grünen Mietberechtigungskarten, die zur Anmietung einer Wohnung in Milspe berechtigen, sind damit bedeutungslos geworden. Gelbe Mietberechtigungskarten haben in Gemeinden des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk, in denen die Bestimmungen des Wohnungsmangelgesetzes noch nicht aufgehoben sind. nach wie vor Gültigkeit, jedoch ist bei Anmietung einer Wohnung in einer solchen auswärtigen Gemeinde eine besondere Bescheinigung des hiesigen Wohnungsamtes über die Gültigkeit der Karte erforderlich. Von der Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft werden nicht berührt die Bestimmungen des Reichsmietengesetzes und die des Mieterschutzgesetzes. Die Mietszinsbildung wird also vorläufig weiterhin gesetzlich geregelt. Der Mieter genießt im bisherigen Umfange den Schutz des Mieterschutzgesetzes, d. h. die Kündigung einer Wohnung durch den Hausbesitzer kann nur ausgesprochen werden, wenn bestimmte im Gesetz angegebene Voraussetzungen vorliegen. Außerdem muß ein solches Kündigungsschreiben durch Vermittlung des Gerichtes zugestellt sein. um Rechtsgültigkeit zu erlangen. Dem Mieter ist dadurch die Möglichkeit des Widerspruchs beim Gericht gegeben. Voerde, 1. April. .:. Seutung der Gaspreise. Auf Grund der Fordenung des Reichskommissars für Preisüberwachung ist im Rahmen der Ersparnisse in der Bewirtschaftung des Gaswerkes eine Herabsetzung der Gaspreise mit Wirkung vom 1. März 1932 erfolgt. Haushaltungs= und Industriegas haben eine Senkung von 1 bezw. ½ Pfg. erfahren. Der neue Tarif sieht eine Aenderung gegenüber dem alten Tarif in der Weise vor, daß Sonderpreise für das Gewerbe(Metzgereien, Bäckereien usw.) eingefügt wurden. Diese Sonderpreise erstrecken sich jedoch nur auf solche Fälle, die einen größeren Verbrauch haben und treten dieselben nur nach besonderer Vereinbarung in Kraft. Im übrigen hat die Staffelung der Preise beim Haushaltungs= und Industriegas eine Aenderung zugunsten des Verbrauchers erfahren. .:. Weitere Diebstähle. Ein hiesiger Landwirt ertappte auf frischer Tat einen jungen Mann, der ihm aus seinen Stallungen Eier entwendete. Da er Verdacht schöpfte, daß dieses schon längere Zeit geschah, gestand ihm der Dieb auf Vorhaltungen ein, daß er schon seit geraumer Zeit Eier, Hafer usw. entwendet habe. Die gestohlenen Sachen will er an eine andere Person abgeliefert haben. Anzeige ist gegen den Täter und Hehler erstattet worden. In einem anderen Falle wurde einem Grundbesitzer ein großer Teil Maschendraht seiner Hofeinfriedigung von unbekannten Tätern entwendet. Altenvoerde, 1. April. .:. Silberjubilar bei der Straßenbahn. Der Schaffner Fritz Bommert hier, der kurz nach der Eröffnung unserer Straßenbahn in deren Dienste trat, konnte am Donnerstag sein silbernes Dienstjubiläum begehen. Er wurde von der Gesellschaft durch eine Anerkennung geehrt. Gevelsberg, 1. April. * Eingebrochen wurde in die Räume der Haga an der Drehbank. Die Diebe verschafften sich nach Oeffnen der Tür mittelst Nachschlüssels Eingang und entwendete Bestecke usw. in erheblichem Werte. Silschede, 1. April. Vorboten des Frühlings. Wenn auch kalendermäßig der Frühling schon seinen Einzug gehalten hat, so kann man der Natur doch noch nicht viel anmerken. Vorgestern konnte man hier die ersten Kraniche beobachten, die hier und in Esborn eine kürzere Zeit kreisten, um dann die Richtung nach Osten einzuschlagen. Westscec, üheimans uud Nachbutgevietr pu. Hagen, 1. April.(Welche Eier könne als Trinkeier angesprochen werden? Der Händler M. von hier besucht die Wochen märkte in Hagen, Lüdenscheid und Altena. Vokurzem hatte er auf den Markt in Altena eine Stand mit Eiern. Eine Hausangestellte leitet den Verkauf. M. selbst betreute einen anderer Stand. Die Hausangestellte pries ihre Eier all frische Trinkeier zu 11 Stück zu 1 Mark an. Au Grund dieses Angebots kaufte der sich auf den Kontrollgang befindliche Kriminalbeamte L. e Eier. Während dieses Kaufes kam M. hinzu un auf eine Frage nach der Herkunft der Eier er widerte M., daß er die Eier aus der Gegend be Lippstadt bekomme. Natürlich mußte jeder Käu fer annehmen, daß die Eier in der Lippstadter Ge gend von den Bauern aufgekauft werden. Die Polizeiverwaltung übersandte die Eier dem Le bensmitteluntersuchungsamt in Lüdenscheid. De Leiter dieses Amtes. Dr. Springmeyer, stellte fest daß es sich um Eier älteren Datums handelte un keineswegs als Trinkeier angesprochen werde konnten. Der Inhalt sämtlicher Eier schloddert beim Schütteln. Dieses sei darauf zurückzufüh ren, daß sich bei längerer Lagerung der Eie innerhalb der Schale eine große Luftblase gebil det hatte. Dies sei immer ein untrügliches Zei chen, daß Eier dann nicht frisch seien. Auf Grun der im Deutschen Nahrungsmittelbuch enthaltene Richtlinien für die Beurteilung von Eiern seiel unter Trinkeier nur frischeste, volle, gute Eier, di nicht über 2 bis 8 Wochen, in heißer Jahresze höchstens 12 bis 14 Tage alt sein dürfen, zu ver stehen. Der Angeklagte gab zu, daß es sich un Kühlhauseier gehandelt habe. Seine Einlassun gen gingen dahin, daß die Verkäuferin ohne sein Wissen und ohne seine Anordnung die Eier alt Trinkeier ausgerufen habe. Das Gericht hiel diese Einlassungen nicht für glaubwürdig, nahn iber an, daß der Angeklagte nicht vorsätzlich ge handelt habe. Da er schon seit 7 Jahren die Märkte besuche und bisher noch nicht vorbestraf var, sah das Gericht den vorliegenden Fall seh nilde an und kam zu einer Verurteilung von 1 RM. Geldstrafe. Der Amtsanwalt hatte 40 RM beantragt. * Hagen, 31. März.(Tödliche Gasvergiftung.) In ihrer Wohnung in der Bleichstraße nickte gestern mittag beim Kochen die 84= jährige Witwe R. ein. Man fand sie bald darauf mit einer schweren Gasvergiftung auf. Sie muß den Gashahn im Halbschlummer offenbar durch eine unglückliche Handbewegung geöffnet und den Gasaustritt nicht bemerkt haben. Die bedauernswerte alte Dame starb bald darauf. Hagen, 31. März.(Freitod im Hengsteysee.) Gestern vormittag gegen 10,10 Uhr wurde in der Nähe des Bootshauses II am Hengsteysee eine weibliche Leiche gefunden. Ein Spaziergänger hatte sie treiben sehen und ihre Bergung veranlaßt. Es handelt sich um die 60jährige berufslose Schwester eines Wülfrather Fabrikanten, die die Tat offenbar in einem Anfall geistiger Umnachtung beging. Ein Hagener Beerdigungsinstitut schaffte den Leichnam in die Altenhagener Totenhalle. Hagen. 31. März.(Verleihung der Erinnerungsmedaille.) Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat das preußische Staatsministerium durch Erlaß vom 2. 3. 32 die Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr u. a. verliehen an Walter Rößler, Sekundauer in Hagen(für Rettung vom Tode des Ertrinkens am 2. August 1931). Halver, 31. März.(Ein hohler Baum brannte.) An einem der letzten Abende entstand in Heesfeld ein eigenartiger, aber ungefährlicher Brand. Kinder hatten in einem hohlen, morschen Baume ein Feuerchen angemacht. Allmählich brannte es soweit durch, daß es Luft bekam und die Flamme hochschlug, so daß der Baum eine große Feuersäule bildete. Als in der Nacht ein Personenauto vorbeikam, benachrichtigten die Insassen die benachbarte Feuerwehr Carthausen, die den Brand recht bald löschte. * Hohenlimburg, 31. März.(Politische Zusammenstöße in Hohenlimburg.) Bei des von dem Arbeiter Dräger erschossenen Arbeiters Tuczyk kam es heute nachmittag zu schweren Zusammenstößen zwischen Kommunisten und der Polizei. Im Stadtteil Oege hatten sich ungefähr 2000 Kommunisten, darunter auch zahlreiche auswärtige versammelt, um von dort aus geschlossen mit Fahnen zum Krankenhaus zu marschieren. Sie widersetzten sich der Aufforderung der Polizei, die Fahnen die sie trotz des schon vorher mitgeteilten Verbotes mitführten, aufzurollen oder irgendwo unterzustellen, so daß die Beamten gezwungen waren, von dem Gummiknüppel Gebrauch zu machen. Da die meisten Hohenlimburger Beamten am Krankenhaus zugegen sein mußten, wurde das Ueberfallkommando Hagen alarmiert, um die Ansammlungen in Oege zu zerstreuen. Es gab auf beiden Seiten Verletzte, darunter drei Landjäger, von denen einer schwer verletzt wurde, und ein Polizeibeamter. Einige Personen wurden festgenommen. * W.=Barmen, 31. März.(Braud auf der Raupenbahn.) Gestern abend gegen 11 Uhr entstand auf dem Kirmesplatz auf der Raupenbahn Feuer. Die teure Orgel wurde vernichtet. Der Schaden beläuft sich auf etwa 8000 M. Der Brand wurde unter großer Anstrengung von den Kirmesleuten und der Feuerwehr gelöscht. * Neviges, 31. März.(Die Geheimbreunerei beim Stadtverordneten.) Eine Geheimbrennerei wurde von den Beamten der Zollfahndungsstelle Düsseldorf in Neviges auf dem Anwesen eines dortigen Stadtverordneten entdeckt. Der Stadtverordnete. der bisher der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft angehört hat, wurde verhaftet und die Brennereieinrichtung beschlagnahmt. * Ratingen, 31. März.(160 Diebstähle zugegeben.) Nach einer vorgenommenen Ortsbesichtigung hat die Hochdahler Diebesbande zwei weitere Diebstähle im hiesigen Stadtgebiet zugegeben. Im ganzen kommen also sechs Diebstähle im Ratinger Gebiet auf ihr Konto. Unter anderem haben sie auf einer Weide eine Kuh abgeschlachtet und die besten Fleischstücke mitgenom men. Bis jetzt haben die Diebe schon 160 Diebstähle zugegeben. * Düsseldorf, 31. März.(200 Tonnen Altpapier in Flammen.) Am Mittwoch um 8 Uhr entstand auf dem Gelände der Werkstätten für Erwerbsbeschränkte an der Ronsdorferstraße in Flingern ein größeres Schadenfeuer. Wenige Minuten später schon schossen die Flammen aus dem Altpapierlager heraus, und zwar mit solcher Schnelligkeit, daß verschiedene Arbeiterinnen, die sich in einer angrenzenden Baracke umzogen, nicht mehr die Türe gewinnen konnten, sondern aus den Fenstern flüchten mußten. Als die Feuerwehr eintraf, sah sie sich einem ausgedehnten Brandherd gegenüber. Durch den heftigen Wind wurde der Qualm, vermengt mit Funken, gegen den nahen Bahndamm geschleudert, so daß die Züge mit verlangsamter Geschwindigkeit fuhren und in dichte Rauchwolken gehüllt waren. Der Schaden ist beträchtlich, da nicht allein 200 Tonnen Altpapier, das zum größten Teil fertig gereinigt und gepackt war, vernichtet oder angekohlt ist, sondern auch ein größeres Fachwerkgebäude mit Maschineneinrichtung, verschiedene Holzbaracken und Abstellräume ausgebrannt sind. Man vermutet Brandstiftung. * Köln, 31. März.(Ein Domvikar überfallen.) Am Mittwoch früh wurde ein zum Dom gehender Domvikar hinterrücks überfallen. Der Geistliche erhielt Schläge ins Gesicht und Kratzwunden. Die Kriminalpolizei konnte einen älteren Schneidermeister als Täter feststellen. Der Beweggrund der Tat war bisher noch nicht zu ermitteln, da der Täter ganz unverständliche Angaben machte, so daß Grund zu der Annahme besteht, daß es sich um einen Geistesgestörten handelt. * Neuwied. 31. März.(Ein sellsamer Fall von Gedächtnisschwund.) Hier hat sich ein eigenartiger Fall von Gedächtnisschwund zugetragen. Eine 18jährige Handwerkertochter, die sich am vergangenen Donnerstag mit ihrem Rad auf den Weg zu der Arbeitsstätte begeben hatte, war seitdem spurlos verschwunden. Durch eine Zeitungsnotiz stellte sich heraus, daß am gleichen Tage auf einer Landstraße bei Bad Ems ein junges Mädche in bewußtlosem Zustand aufgefunden worden war. Das Mädchen, das im Emser Krankenhaus das Bewußtsein wieder erlangte, hatte jedoch sein Gedächtnis verloren. Die Unglückliche kannte nicht einmal mehr ihren Vater wieder, als er sie aus dem Krankenhause zurückholen wollte. Man nimmt an, daß das Mädchen einen plötzlichen Gedächtnisschwund erlitt und im somnambulen Zustand die lange Reise nach Bad Ems unternommen hat. * Duisburg, 31. März.(Schüler vergiftet sich mit Luminal.) Ein 16jähriger Schüler aus Duisburg=Meiderich vergiftete sich mit Luminal. Aus einem von ihm hinterlassenen Brief geht hervor, daß„Lebensüberdruß" der Grund zur Tat gewesen ist. * Kempen, 31. März.(Ein Opfer der ersten Gewitter.) Bei dem Donnerstag nachmittag in hiesiger Gegend niedergegangenen schweren Gewitter wurde ein Menschenleben durch Blitzschlag= vernichtet, eine zweite Person schwer verletzt. Ein beim Kartoffelpflanzen mit seinem Sohn beschäftigter Arbeiter des Gutsbesitzers Bönninger(Buschhof) wurde in Stiegerheide vom Gewitter überrascht. Der Sohn wurde durch Blitzschlag getötet. der Vater gelähmt. Mehrere Mädchen, die vor dem Regen hinter Kartoffelkörben Schutz gesucht hatten, kamen mit dem Schrecken davon. * Orsoy, 31. März. Der Wasserstand des Rheins hat einen Tiefstand erreicht, wie er seit Jahren nicht mehr gewesen ist. Die sonst tief im Wasser liegenden Kribbenköpfe kann man, da das Wasser so weit zurückgegangen ist, bequem umgehen. Vor dem Orsoyer Hafen ragt eine Sandbank, die quer davor lagert, aus dem „ so daß auch die leichtesten Kähne die Einfavrr in den Hafen unmöglich gemacht ist. Die Schleppschiffe sind, um nicht stocken zu bleiben, nur zum Teil beladen. * Wildungen, 31. März.(Schwere Bluttat in Bad Wildungen.) Am Mittwoch vormittag ereignete sich hier eine schwere Bluttat, die zwei Menschenleben forderte. Der 73jährige Pensionsinhaber Karl Grünert verhandelte mit seinem Schwiegersohn, dem Gastwirt Kaiser, über die Eintragung einer Hypothek. Dabei gerieten AO.Ih e —*•-1* 4 Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. sie in einen Streit, in dessen Verlauf Grünert plötzlich den Revolver zog und seinen Schwiegersohn erschoß. Grünert erlitt infolge der Aufregung einen Herzschlag, dem er ebenfalls erlag. Wegen Devisenvergehen verhaftel * Berlin, 31. März. Der Vernehmungsrichter beim Landgericht 3 hat Donnerstag nachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hafbefehle gegen den Direktor Hassel, den Leiter der Auslandsabteilung der Bergmann=Elektrizitätswerke, und gegen den Bankkomissar Arnheim wegen Fluchtverdachts und Verdunkelungsgefahr erlassen Direktor Hassel wird beschuldigt, für 225000 Mark deutsche Wertpapiere für eine holländische Gesellschaft verkauft und den Erlös auf ein Depotkonlo gebracht zu haben, anstatt auf ein Sperrkonto, wie es nach den Devisenverordnungen Vorschrift ist. Direktor Hassel wird sich deshalb wegen Vergeheus gegen die Devisenverordnungen zu verantworten haben. Bankkommissar Arnheim wird beschuldigt, Direktor Hassel bei diesem Devisengeschäft behilflich gewesen zu sein. Es handelt sich um ein privates Geschäft Hassels, an dem die BergmannGlektrizitätswerke in keiner Weise beteiligt sind. Mißglückter Raubüberfall auf eine Bahnhofskasse Ein Räuber erschossen * Lodz, 31. März. Zwei Männer unternahmen gestern einen Ueberfall auf den Kassierer des Lodzer Bahnhofes Dem Bramten gelang es noch im letzten Augenblick, die Polizei herbeizurufen, die den einen Räuber verhaftete. Der andere hatte sich im Kassenraum verschanzt und verteidigte sich gegen die Polizeibeamten mit Revolverschüssen. Die Polizei erwiderte das Feuer und der Verbrecher wurde durch eine Kugel tödlich getroffen. Ein Mörder verrät sich selbst im Schlaf In einer französischen Zeitung lesen wir von einem nicht alltäglichen Fall, bei dem ein Mörder sich selbst im Schlaf verraten hat. Vor einiger Zeit kam ein Landstreicher zu einem Mühlenbesitzer in ein Dorf in der Nähe von Avignon(Südfrankreich) und bat ihn um etwas Essen, da er seit zwei Tagen nichts mehr genossen habe. Der Besitzer, Reyre, gab dem Bettler Arbeit und bot ihm dafür ein Abendessen sowie auch Unterkunft für die Nacht an. Der Zufall wollte, daß Reyre in der Nacht keineu Schlaf finden konnte. Da er glaubte, in dem Zimmer, wo der Fremde schlief, ein Gemurmel zu hören, stand er auf und horchte an der Tür. Zu seinem Erstaunen hörte er den Landstreicher sagen:„Ich habe sie ermordet, aber sie werden mich nicht fangen.“ Dies wiederholte er immer wieder, anscheinend im Schlaf. Reyre begab sich sofort zur Polizei, der er den sonderbaren Fall erzählte. Am folgenden Morgen wurde der Landstreicher verhaftet, und bald schon hatte die Polizei festgestellt, daß sein Signalement übereinstimmte mit dem eines Mannes, der schon seit längerer Zeit wegen Mordes an einem Mädchen steckbrieflich gesucht wurde. Anfangs leugnete er noch, dann legte er ein vollständiges Geständnis ab. Spoel=Nacheichten Handball FC. Schwelm— 2V. Sonnborn Am nächsten Samstag spielt die 1. Handballelf gegen den TV. Sonnborn. Nach den Erfolgen der letzten Zeit zu urteilen, müssen die Wupvertaler über eine ausgezeichnete Handballmannschaft verfügen. Ob es ihnen allerdings möglich ist, die Schwelmer in ihrer gegenwärtigen Form zu schlagen. möchten wir bezweifeln. Auf alle Fälle werden sich beide Gegner aber einen interessanten Kampf liefern, dessen Besuch jedem Handballfreunde nur empfohlen werden kann. Beginn des Spieles 5,30 Uhr nachmittags. Kirchliche Nachrichten: Sonntag, 3. April 1932(Quasimodogeniti). Schwelm. Christuskirche. Vorm. 9,30 Uhr: Herr Pastor Vespermann(Männerpredigt). Pauluskirche. Vormittags 7,30 Uhr: Herr Pastor Becker. reie evangelische Gemeinde, Kaiserstraße 30a. Vorm. 9,30 Uhr: Erbauungsstunde.— 11 Uhr: Sonntagsschule.— Abends 8 Uhr: Predigt.— Donnerstag, abends 8,30 Uhr: Gebetstunde. Voerde. Vorm. 10 Uhr in der Kirche: Herr Pastor Knipp.— 10 Uhr in der Kapelle zu Altenvoerde: Herr Pastor Dedeke, Milspe.— Vorm. 8 Uhr: Gebetsstunde für junge Männer im Vereinshaus. Gevelsberg. Vorm. 9.80 Uhr in der Kirche Oberstadt: Herr Vikar Bröking.— 9,30 Uhr in der Kirche Haufe: Herr Pastor Boeddinghaus. — 9.30 Uhr in der Kirche Vogelsang: Herr Missionar Saul aus Neuwied(Missionsgottesdienst). Milspe. Vormittags 9,30 Uhr: Herr Pastor Dr. Siekermann. Voerde(heil. Abendmahl; Beichte 9.15 Uhr). Langerfeld. Alte Kirche. Vormittags 8,30 Uhr: Herr Pastor Engels. Kreuz= Kirche. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Witteborg, Barmen. Gemeindebaus Beckacker. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Sy. Gemeindehaus Pülsöbde. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Engels. Nächstebreck. Vorm. 8.30 Uhr: Frühgottesdienst im Kirchsaal Schellenbeck.— 10 Uhr: Hauptgottesdienst in der Kirche am Hottenstein. Rüggeberg. Vorm. 10 Uhr: Herr Missionar Dassel(Missionsgottesdienst). Haßlinghausen. Vormittags 10 Uhr: Herr Superintendent Sassenberg(Beichte und Abendmahl). Wie lang ist die Hälfte der lebenslänglichen Haft In vielen mittelamerikanischen Staaten sind Revolutionen und ähnliche Umwälzungen eine recht alltägliche Erscheinung. Allen gemeinsam pflegt aber derartigen Regierungswechseln zu sein, daß jedes neue Staatsoberhaupt, um sich bei seisen Untertanen in gutes Licht zu setzten, eine mehr oder weniger umfassende Amnestie erläßt. Auf diesem Wege wurde vor einiger Zeit allen in den Gefängnissen eines kleinen lateinamerikanischen Raubstaates sitzenden Häftlingen die Hälfte ihrer Strafe erlassen. Bei den meisten ging die Sache auch ganz glatt: Die einen konnten sofort den Staub der Strafanstalt von ihren Füßen schütteln, bei den anderen wurde durch einen entsprechenden Aktenvermerk die Strafzeit verkürzt; nur bei dem zu lebenslänglichen Zuchthaus verurteilten alten Pablo Sarantello ergaben sich unvorhergesehene Schwierigkeiten. Wie sollte man wissen, wie lange der alte Sünder noch zu leben, wie viel Jahre er mithin, von denen man ihm die Hälfte schenken könnte, noch hinter schwedischen Gardinen zuzubringen haben werde. Die klügsten Juristen des Landes zerbrachen sich die Köpfe über das scheinbar nicht zu lösende Problem. Bis schließlich ein ganz Schlauer die Lösung fand:„Die Sache ist doch ganz einfach, meine Herren“ meinte er,„wir lassen den Pablo einen Tag frei, sperren ihn dann für vierundzwanzig Stunden wieder ein, und so abwechselnd bis an sein seliges Ende.— Ob aber auch der alte Zuchthäusler das mitmachen wird? Wie sag' ich's Lil Dagover? Eine entrüstete Diva zu beruhigen, erfordert erfahrungsgem*“ ein gerüttelt Maß diplomatischer Geschicklichkeit, das manchem Staatsmann zur Ehre gereichen würde. Davon legte jüngst der Leiter des Theaters an der Wien Zeugnis ab. Bei den Proben zum„Teuselsreiter" erwies sich nämlich eine Kürzung der Operette als notwendig, was sich naturgemäß zuerst an den Zwiegesprächen auswirken mußte. Zu den Darstellern, deren Rollen dabei in Mitleidenschaft gezogen wurden gehörte auch die berühmte Lil Dagover, die in dem ganzen Stück nichts zu singen hat. Nur wagte man der Diva nicht gleich zu sagen, wie sehr man ihr Verweilen auf den weltbedeutenden Brettern eingeschränkt hatte. Sie merkte es erst bei der„Stichprobe“ und wandte sich alsbald entrüstet an den Direktor: Weshalb man ihre Rolle hinter ihrem Rücken geändert habe? Der Lenker des Thespiskarrens wußte dem Angriff geschickt zu begegnen:„Aber, gnädige Frau, der ganze Erfolg des Abends spielt sich auf Ihrem schönen Rücken ab. Sie dürfen sich nicht wundern, wenn auf der Bühne das meiste hin ter diesem Rücken geschieht.“ Man begreift, daß sich Lil Dagover nach diesem Hymnus auf ihren formvollendeten Körperteil, den sie bekanntlich mit 40 000 Mark versichert hat, durchaus zur Versöhnung bereit zeigte. Die ersten Meldungen über den Zug nach Kanaan Die Angaben der heiligen Schrift über den Auszug der Kinder Israel aus Aegypten und ihr Vordringen nach dem Lande Kanaan haben kürzlich eine Bestätigung gefunden. Bei Ausgrabungen in Tell=el=Amarna in Aegypten stieß man nämlich auf Tontäfelchen, deren Inhalt die ersten zeitgenössischen Meldungen über den Ein bruch darstellen. Sie stammen von den Gouver neuren der palästinensischen Städte, die den Pharao um schleunigste Sendung von Soldaten und Kampfwagen bitten, um bei der Verteidigung des Landes gegen ein fremdes, die Grenzen bedrohendes Kriegsvolk zu helfen. Die Fremdlinge werden auf den Täfelchen Habiru genannt; es kann sich aber den ganzen Umständen nach, vor allem unter Berücksichtigung der Zeit, in der die Meldungen verfaßt wurden, um niemand anders als die aus dem Nillande geflohenen Israeliten handeln. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Meist stärkere Bewölkung mit einzelnen Regenschauern hei südlichen bis westlichen Winden, später bei Winddrehung von West auf Nordwest Aufreißen der Bewölkung und Wetterberuhigung. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau! Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scherz Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Wenn meine Augen brechen, Mein Atem geht schwer aus, Mein Mund kein Wort karn sprechen, Herr, nimm mein Seutzen auf. Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen. Joh. 6. 37. Statt jeder besonderen Anzeige. Nach Gottes heiligem Willen wurde gestern nachm. 4½ Uhr meine liebe, unvergessliche Gattin, meine innigstgeliebte, treusorgende Mutter, meine herzensgute Schwiegermutter, unsere gute Schwester, Schwägerin, Tante, Nichte und Kusine Frad-Katharina-Hasenzahl geb. Wagner, von ihrem schweren, mit grosser Geduld ertragenem Leiden durch einen friedlichen Tod im 50. Lebensjahre erlöst. Ihr Heimweh ist nun gestillt. In tiefem Schmerz: Johannes Hasenzahl Käte Hacenzahl Karl Berger jr. Schwelm, Bottendorf Michelbach b. Marburg, Berlin, Frankenberg, Oiessen, Kirchhain, den 1. April 1932. Die Beerdgung findet Montag, den 4. April nachm. 2½ Uhr vom Trauerhause Königstrasse 5, aus statt. Trauerfeier in der Priedhofskapelle. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Knntn..„ Die Hebelisten über die Beiträge zur Landwirtschaftskammer für das Rechnung=jahr 1932 liegen in der Zeit vom 1. bis 14. April 1932 auf der Amtskasse in Milspe vormittags von 9—12 Uhr zur Einsicht öffentlich aus. Die Beiträge werden von den einzelnen Pflichtigen auf den in den nächsten Tagen zum Versand kommenden Steuer= und Zahlzetteln angefordert. Beschwerden gegen die Veranlagung sind binnen zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist an den Vorstand der Landwirtschaftskammer einzureichen. Milspe, den 30. März 1932 er Bürgermeister. chenakurhiechung Auf Grund der dritten Verordnung über die Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft vom 13. Oktober 1927 in der Fassung der Verordnung vom 26. Fedruar 1930 treten die Vorschriften des Wohnungsmangelgesetzes nebst den dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen für den Bezirk der Gemeinde Milspe mit dem 31. März 1932 außer Kraft. Die Bestimmungen des Reichsmietengesetzes und Mieter. schutzgesetzes behalten nach wie vor Gültigkeit. Es wird hierzu auf den Artikel im lokalen Zeil hingewiesen. Milspe, den 30. März 1932 Der Bürgermeister M bedeutend billiger. Verkaufe garantiert trische Trinkeler 10 Stück 63" 16„ 1.00 M Fette Supp- nbühner Pfd. 85 4 Ropfsalat Stück 20 H. C. Bahr 5 OmmerProssen Wo nichts half, hilft immer Frucht: Schwanenweiss 1446) Mk. 1.60 und 3.15 gegen unreinen Telnt 1.80 Schönbeitswasser Apbrodite 13.15 Drogerle B.&GC Brieden Bestellung von krebsfesten Saatkartoffeln. Wie in den Vorjahren werde ich auch in diesem Jahre dem Kleingartenbesitzer billige krebsfeste Saatkartoffeln vermitteln. Bestellungen auf anerkannt krebsfestes Saatgut(Früh= und Spätkartoffeln) werden vormittags während der Dienststunden im Rathaus, Zimmer No. 10 entgegengenommen Es können jedoch nur diejenigen Bestellungen berücksichtigt werden, die bis fpätestens 9. April 1932 erfolgen. Schwelm, den 30. März 1932 Der Bürgermeister. das ist der neue Abonnementspreis für Westermanns Monatshefte. Jedes Heft 30 Pf. billiger## Westermanns Monatshefte llegen fast in jedem Hotel und Café aus. Die Einführung des Abonnementspreiset erleichtert die Werbearbeit. Werber in allen Orten gesucht(auch nedenberuflich) Gutschein An den Verlag Georg Westermann, Braunsdweig Bitte senden Sie mir unverbindlich u. kostenlos eine Prodenummer von Wester: manns Monatshesten mit 100S. Text, 60 bis 70 einund buntfarbigen Bildern un etwa 7 Kunstbeilagen. 30 Pf. für Porto(auch Auslandsmarken) füge ich bei. Bestellschein An die Buchhandlung Ichbestelle hiermit Westermanns Monatshefte ab Monat bis auf Widerruf zum Abonnementspreise von 1,70 Mark für das Heft. Ond. m Stamt Beraf. Was beingt der Kundfan.! Samstag, den 2. April 6,45—7,00 Atmungs= und Haltungsgymnastik. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7.05—8,00 Morgenkonzert. 7.00 Wiederholung der Wettervorbersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9.45 Gymnastik für Frauen. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempsang für Arbeitslose. 11,20—12,50 Unterhaltungskonzert. 12,50 Wetterbericht. 13,00—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Wolf. 1. Stets zielbewußt, Marsch von Blankenburg. 2. Märchen=Walzer von Mandt. 3. Jubel=Ouverture von Chr. Bach. 4. Melodien aus der Opei „Rigoletto“ von Verdi. 5. Ballett der Düfte v. Modernes Theater Freitag bis Montag Premiere eines köstlichen 100%gen D. L. S. Lustspielschlagers Ellen Richter muß nach Tunis, um einen großen Gewehrschmuggel aufzuhalten. Karl huszar Puffy ist seine Ehe leid, will sich von seiner Frau verduften, er macht diese Abenteurerfahrt mit. Senka Söneland kommt dahinter und verfolgt ihn hartnäckig über Marseille, Nizza, Grande Corniche, die Riviera entlang, übers Mittelmeer, Tunis, bis in die Wüste Sahara. N Abenleureriich Tams Der Sensations= und Abenteuerfilm. Dazu bringen wir einen Pai u. Patachon-Tonfilm 1000 Werie Beutsch Lustspiel und tönende Wochenschau.— Popy. 6. Verbotener Gesang, Lied von Gastaldon. 7. Fackeltanz Nr. 1 von Meyerbeer. 14,55 Wochenend=Konzert. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 16,40—17,00 Englisch. 17,00—18,00 Uebertragung aus dem„Haus der Jugend", Dortmund: Vesperkonzert der Mandolinen=Konzert=Gesellschaft, Dortmund, Leitung: Theodor Ritter 1. Ouverture„Nebukadnezar“ von Verdi=Ritter. 2. Erinnerung an Wien, Walzer von Andreef. 3. Mandolinen=Mazurka von Schick. 4.„Auf Capri“, italienische Fantasie von Kollmaneck. 5. Russische Fantasie von Ritter. 6 Walzer e=moll von Althoff. 7. Tanz=Humoreske von Heine. 8. Ungarische Rhapsodie von Ritter. 9. Um die Wette, Polka von Heine. 18,15—18,35 Wanderungen in Rheinland und West falen. 18,40—19,00 Moderne Verkehrsfragen. 10,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschafte meldungen und Sportvorbericht. 19.15—19,25 Zehn Minuten Bezirksfunkhilfe. 19,30—19,55 Natur und Geist. 19.55 Erste Abendmeldungen. 20,00 Uebertragung aus M.=Gladbach: Lustiger Abend zum Besten der Winterhilfe des Westdeutschen Rundfunks. Nuschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das as elsendt eerch Anschleßend: Tanzmusik. —00—1,00 Meister des Jazz. — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Spelien Dan Aunger n Schwelmer Zeitung Jeiag. 1. Buri 1932 Seutschians und die amerikanische Präsidentenwahl wir uus die Erhaltung Hoovers wünschen?— Der Kampf um die formale Streichung der Tribute— Noch ein Jahr der Ungewißheiten wäre nnerträglich Von Paul Oskar Seidl Im Spätherbst wählen die Vereinigten Staaten ihren neuen Präsidenten. Deshalb werden sie schon vom frühen Sommer ab für die außeramerikanischen Geschehnisse nicht mehr zu sprechen sein. Haben sie darin überhaupt noch viel zu sagen? Die Macht über die Erde, die ihnen die Weltgeschichte in den Schoß geworfen hatte, verstanden sie schon in Versailles nicht zu nutzen. Anstatt dem Weltfrieden zu dienen. rafften sie einseitig Vorteile, nicht einmal politische, sondern in erster Linie geschäftliche, zusammen. Sie verkannten, daß Macht bedeutet, Handeln, Taten verrichten müssen, wenn sie nicht ihren Inhabern zum Verderben gereichen soll. Sie benutzten die Macht zum Schacher und sonst zu nichts. Mit einer Art kindischer Sorglosigkeit ließen sie die Führung der Erde, die Zügel, die ihnen zugeworfen wurden, am Boden schleifen. Die Zugkräfte der Politik und der Wirtschaft verstrickten sich darin, und nun purzelt alles durcheinander. Die Vereinigten Staaten gehen uns zurzeit in erster Linie als die Tributmacht der Erde an, ganz gleich, ob es sich dabei um verbriefte Schulden oder aufgezwungene echte Tribute handelt. Für Deutschland ist die Tributfrage gelöst, weil es nicht mehr zahlen kann und auch keine Regierung bekommen könnte, die überhaupt wieder zahlen dürfte. Wenn sich die im doppelten Sinne des Wortes verschobene Lausanner Regierungskonferenz allein mit der Tributfrage beschäftigen wollte, würde sie nichts als leeres Stroh dreschen: denn in der deutschen Tributangelegenheit sind allenfalls noch die Förmlichkeiten zu erledigen. Man spricht bei uns zuweilen noch von der Hilfe Englands, Japans oder Italiens in dieser Sache, Es wäre richtiger und entspräche mehr dem Gang der Ereignisse, schon heute von einer Hilfsstellung Deutschlands für Frankreich, England und Italien zu reden damit diese ihrer amerikanischen Schulden ledig wären. Hier mündet die Tributwirklichkeit in die amtliche Politik der Vereinigten Staaten ein. Man muß den Begriff amtlich in diesem Zusammenhang besonders stark betonen. Nichtamtlich gaben die Bereinigten Staaten ihre Tribute und ihre Gläubigeransprüche preis, weil sie wissen, daß die Welt sie mit dem Aufhören der deutschen Tributzahlungen nicht mehr befriedigen kann und will. Wem sagt Lloyd George in seiner Abhandlung„Die Wahrheit über Revarationen und Kriegsschulden“ noch Neues, wenn er hervorhebt, daß man allenfalls noch den Zinsendienst für die Dawes= und die Younganleihe von Deutschland erwarten dürfe und daß man im übrigen lediglich noch anerkennen müsse, daß Deutschland schon soviel bezahlt habe, wie„vernünftigerweise von ihm erwarten werden könnte?“ Das sind Töne, die man längst auch in den Vereinigten Staaten nicht mehr als ungewöhnlich empfindet. Um die Mitte des Jahres 1931 können für die kurzsichtigen Staatsmänner im„Weißen Hause“ die parteipolitischen Unbequemlichkeiten um die Schuldenstreichung noch eine Bedeutung gehabt haven. Heute wissen sie selbst, daß die Weltgeschichte über ihren aufgeblasenen Parteiquark schon wieder einmal weit hinweggeschritten ist, daß sie nur noch aus Prestiegegründen so tun müssen, als hätten sie die Streichung der Schulden und der Tribute überhaupt noch in der Hand. Es sind jedoch nur noch Formalien zu erledigen. Wenn wir auf ihre reibungslose Abwicklung Wert legen würden, müßten wir wünschen, daß uns der Präsident der amerikanischen und der Welt=Enttäuschungen, Herr Hoover, auch noch als 32. Präsident seines Landes erhalten bleiben möge. Es wäre aber grundfalsch, etwa anzunehmen, daß der mächtige Präsident Macht genug besäße, schon um die Zeit der Lausaner Konferenz, also im Juni, das Schlußwort in der Schuldenstreichungsfrage zu sprechen. Er hätte diese Macht, wenn er ein heroischer, mitreißender Führer wäre. Er ist aber nur ein durchschnittlicher Parteimann, der sich mit Glück und einigem Geschick zur Stellung des höchsten Beamten emporgewunden hat. Deshalb darf er frühestens im November. Dezember 1932 tun, was er tun muß, da er es doch nicht aufhalten kann. Die Tributsgeschichte würde sich inzwischen in folgenden, genau vorauszusagenden Abschnitten entwickeln: In Lausanne verzögert man im Juni den Entschluß zur formalen Streichung der Tribute, weil Amerika nicht die Streichung der Schulden vollzieht. Am 30. Juni läuft das Hooverjahr ab und am 15. Juli muß Deutschland die Zahlungen nach dem Youngplan wieder aufnehmen. Da das nicht geschehen kann, weil seine Kassen gänzlich leer sind, haben die anderen diese Wirkung ihrer Politik irgendwie zu vertuschen. Es kommt zu einem neuen Stundungs= oder„Befreiungs"=Verfahren. Wird dann im November Hoover gewählt, so bekommt er tatsächlich eine günstige Gelegenheit, in der Schulden= und Tributfrage auf den Boden der Wirklichkeit zu treten. Kommt ein anderer, dann kann Hoover gar nichts unternehmen, aber auch nicht verhindern, daß der Zahltag der Amerika=Schuld= ner Frankreich, England und Italien usw. heranrückt, der 15. Dezember. Er wird dann die Erklärung dieser Staaten etgegennehmen dürfen, daß sie nichts haben, weil Deutschland ihnen nichts geben kann. Das wird Hoover nicht au Fröhlichen Weinachten hindern: denn die Nuß könete er ungeknackt am 1. 3. 1933 seinem Nachsolger überreichen, der dann seine Zähne daran erproben mag. Zweifelt man angesichts dieser Lage noch, daß die Tributfrage eine rein inneramerikanische Angelegenheit geworden ist? Noch ein Jahr der Ungewißheit? Das hält die Welt nicht aus! Und das ist die einzige Hoffnung für Lausanne. Das Leben schreibt ein Rührstück Vor zehn Jahren lebte William Mickel mit seiner Frau und drei Töchtern bescheiden, doch sorglos in einem kleinen Ort des Staates Oklahoma. Er war schon zwanzig Jahre verheiratet, und kein ernsthafter Streit hatte den Familienfrieden jemals gestört. Dann kam das Unheil. Eine der Töchter erkrankte schwer. Die ganzen Ersparnisse wurden hingegeben, um das Kino zu retten. William Mickel arbeitete für zwei. Sein Körper hielt die Ueberanstrengung nicht aus, und der Familiener= nährer wurde ebenfalls krank. Er glaubte, im Westen der Staaten billiger leben zu können, und zog mit seiner Familie aus Oklahoma fort. Nun lag die ganze Last des Verdienens auf den Schultern der Frau. Die brach schließlich darunter zusammen. Die Familie wäre wahrscheinlich verhungert, hätte nicht das Schicksal einen alten Freund Der Herrscher der Mandschurei tritt sein Amt an. Der frühere Kaiser von China, Heury Puyi, der unter dem Schutz der Japaner zum Staatsoberhaupt der Republik Mandschurei ernannt worden ist, bei seiner Ankunft mit seiner Frau in der neuen mandschurischen Hauptstadt Tschangtschun. herbeigeführt. Dieser, Edward Hill, nahm sich der Halbverhungerten an und gab ihnen alles, was er verdiente. Frau Mickel erholte sich langsam. Ihr Mann blieb ebenso wie die Tochter aus Krankenlager gefesselt. Aber anstatt dem Freund dankbar zu sein, fraß sich langsam ein Verdacht in sein Herz ein: Er glaubte, zwischen seiner Frau und Hill bestände ein geheimes Einvernehmen. Belanglose Gesten, unverfängliche Worte waren für den Krauken Beweise. Er machte von seinem Bett aus der Frau das Leben zur Hölle, und schließlich war der unüberbrückbare Riß in der Ehe da. William Mickel glaubte sich von Frau und Freund verraten. Er dachte wohl zuerst daran, Rache zu nehmen, doch dann fehlte vielleicht dem Kranken die Entschlußkraft dazu, und über Nacht verließ er sein eigenes Heim. Die Frau und Hill warteten ein volles Jahr auf ihn dann reichten sie die Scheidungsklage ein und heirateten einander. Mit Frau Mickels Töchtern zogen sie nach Texas, um alles zu vergessen, was hinten ihnen lag. Mehr als acht Jahre dauerte ihr ungetrübter Frieden. Dann klopfte es eines Abends an die Tür. Ahnungslos öffnete Frau Hill, um— ihrem einstigen Manu gegenüber zu stehen. Er war ebenso verblüfft wie sie. Als Bettler hatte er, an Leib und Seele krank die Staaten durchwandert, und nun dachte er auch hier eine Gabe zu empfangen, vielleicht über Nacht bleiben zu dürfen. Er wollte flüchten, konnte sich aber nicht rühren, weil er zu krank war. Die Frau sah es:„Bleib hier, gönne Dir Ruhe!“ William Mickel blieb. Sein Nachfolger gab ihm die Hand: „Es ist alles vergessen, was einmal war“— Vor einigen Tagen starb William Mickel im Hause seines einstigen Rivalen, von seiner früheren Frau bis zum letzten Augenblick mit Aufopferung gepflegt. Das erste Regimentsmuseum. In Oppeln wurde das erste deutsche Regimentsmuseum eingeweiht. Es wurde von den in Oppeln stehenden Traditionskompagnien des 7. Preuß. Infanterieregiments der Reichswehr für die beiden oberschlesischen Insanterieregimenter 63 und 157 geschaffen.— Unsere Aufnahme gibt einen Blick in den Gewehrsaal. DER RAECHER Roman von Hermann Weick. 33 Als Karasin in der nächsten Pause zu Irene kam, sah sie sogleich, daß er schlimme Nachricht erhalten hatte. Sein Gesicht war fahl. „Bei Brinkmanns muß ein Unglück geschehen sein,“ berichtete er hastig, erregt.„Das Mädchen, mit dem ich sprach, war ganz verstört. Frau Brinkmann sei erkrankt, sagte sie schließlich. Mehr konnte ich nicht aus ihr herausbringen!" „Erkrankt?—“ sagte Irene bestürzt und mußte sich niedersetzen. Sie fühlten plötzlich beide die Hand des Schicksals, das sich an Lisa Brinkmann erfüllen mußte. Erschüttert saßen sie da und konnten nicht mehr sprechen. Irene Duval atmete erlöst auf. als der Vorhang sich zum letzten Male gesenkt hatte. Sie schminkte sich notdürftig ab und verließ eilends das Theater. „Wir fahren zu Brinkmann!“ sagte sie zu Karasin, der draußen auf sie gewartet hatte. Karasin hatte den gleichen Gedanken gehabt. Sie sprachen auf der Fahrt kein Wort. Aber sie fühlten in ihren Händen, die sich gefaßt hatten, eines die sieberhafte Erregung des andern. Als sie zur Brinkmannschen Villa kamen, sahen sie, daß alle Fenster hell erleuchtet waren. Es schien, als würde drinnen ein Fest gefeiert. Irene erschauerte, als sie die bellen Fenster sah. Sie verließen den Wagen und schritten vor dem Hause unschlüssig hin und her, Karasin fragte dumpf: „Was wollen wir tun, Irene?—“ „Ich weiß es nicht— Ich möchte hineingehen und fragen— aber ich fürchte mich—“ Das Nahen eines Automobils riß sie aus ihren Gedanken. Der Wagen hielt vor dem Hause. Ein Herr stieg aus. Auf sein Läuten wurde sofort geöffnet. Sie hörten den Portier sagen: „Guten Abend. Herr Doktor!“ Der Herr verschwand rasch im Hause. Etwas Unheimliches geisterte um das Gebäude. Eine schwere Beklemmung=hatte Irene Duval und Karasin erfaßt. „Ich ertrage diese Ungewißheit nicht länger!“ sagte Irene plötzlich.„Ich werde hineingehen!“ Der Portier, der auf ihr Läuten herbeikam, blickte Irene mißtrauisch an. „Was wünschen Sie?“ „Ich hörte, daß Frau Brinkmann erkrankt sei, und wollte mich nach ihrem Befinden erkundigen.“ „Jetzt mitten in der Nacht?“— sagte der alte Herr unwirsch.„Ich kann Ihnen nichts sagen!“ „Bitte, lassen Sie mich hinein!“ bat Irene flehend. „Es tut mir leid, ich darf niemand mehr ins Haus lassen!“ „Ich bin Irene Duval, eine gute Freundin der Frau Brinkmann!“ Jetzt erst schien der Portier Irene. die er schon mehrmals in Lisas Gesellschaft gesehen hatte, zu erkennen. Er öffnete widerstrebend das Tor. „Vielleicht können Sie Herrn Brinkmann sprechen,“ sagte er. „Was ist mit Frau Brinkmann geschehen?“ fragte Irene drängend.„Heute mittag war sie doch noch gesund!“ Der Portier schien mit sich zu kämpfen. Dann flüsterte er Irene erregt zu: „Sie dürfen aber nicht sagen, daß Sie es von mir wissen: Frau Brinkmann hat sich erschossen!“ Irene taumelte. Mit entsetzten Augen sah sie den alten Mann an. „Erschossen?—“ stammelte sie. Der Alte nickte. Mit tränenerstickter Stimme sagte er: „Die schöne Frau— und tut so etwas Fürchterliches, ich kann es noch immer nicht glauben.“ Irene war, ohne weiter auf sein Klagen zu achten, ins Haus geeilt. Sie mußte sich Gewißheit verschaffen! Die Dienerschaft stand mit verweinten Gesichtern in der Diele umher. Eine unheimliche Stille herrschte. Irene kam sich ganz hilflos vor, Was suchte sie um diese nächtliche Stunde in dem Hause— in dem vielleicht der Tod schon Einkehr gehalten hatte? Plötzlich schreckte Irene zusammen. Brinkmann kam die Treppe herab. Irene hätte ihn beinahe nicht erkannt. War es möglich, daß ein Mensch sich binnen weniger Stunden so verändern konnte?— Sein Gesicht war vom Schmerz entstellt. Brinkmann hatte sie noch nicht bemerkt. Er sprach mit einem der Diener, der darauf eilends das Haus verließ. Nun sah Brinkmann die Sängerin. Mit einem fremden Blick schaute er sie an. Er schien sie nicht gleich zu erkennen. Irene eilte auf ihn zu. „Was ist mit Lisa geschehen?—“ fragte sie in verzweifelter Angst. Der Schmerz wollte Brinkmann wieder übermannen. Er stöhnte auf. Wortlos geleitete er Irene in ein Zimmer „Warten Sie einen Augenblick!“ sprach er leise. „Ich bin in wenigen Minuten wieder zurück.“ Irene wagte nicht, sich zu setzen. Sie fürchtete sich vor den nächsten Minuten. Sie fror. Endlich trat Brinkmann ein. Mit einer müden Bewegung bat er Irene, Platz zu nehmen. Er konnte nicht reden. Ein gebrochener Mann, saß er Irene gegenüber. Plötzlich schlug Brinkmann die Hände vor die Augen. Ein leidenschaftliches Schluchzen erschütterte seinen Körper. Irene Duval war aufgesprungen. „Wie konnte Lisa so etwas tun!“ stammelte sie. Er sah nicht auf. „Das frage ich mich auch immer wieder!“ sagte er schluchzend.„Sie mußte doch wissen— daß ich ohne sie nicht mehr leben kann!—“ In grenzenlosem Mitleid sah Irene auf Brinkmann. Sie hätte ihm gerne ein tröstendes Wort gesagt. Sie wollte sprechen, wollte ihn fragen— aber' sie brachte kein Wort über die Lippen. Brinkmann hob den Kopf. Seine Züge waren vom Leid gefurcht. „Die Kugel ist zum Glück an einer Rippe abgeprallt,“ sagte er stoßweise,„— sonst wäre Lisa jetzt tot—. Die Aerzte geben zwar wenig Hoffnung— aber ich will nicht glauben, daß ich Lisa verlieren soll—.“ Er ballte in wilder Verzweiflung die Fäuste und hieb wie sinnlos auf die Lehnen des Sefsels. „Ich will sie nicht verlieren!— Sie darf nicht sterben!—.“ Er sank in sich zusammen. Wie zu sich selbst sprach er, halblaut, grüblerisch: „Hätte ich sie doch in meinem Zimmer festgehalten!— Aber sie war so ruhig, als sie mit mir gesprochen hatte, daß ich nichts Böses ahnen konnte— Ich hätte mir lieber sagen müssen, daß diese Ruhe nur Maske war—“ Er blickte Irene Duval wehmütig an. „Lisa hat früher einmal etwas getan— ich glaube. Sie wissen darum. Fräulein Duval—.“ Er sprach plötzlich hilflos wie ein Kind, das sich verirrt hat:„— aber nicht wahr, wegen so etwas erschießt man sich doch nicht! Wenn sie allein mit der Sache nicht mehr fertig wurde, so mußte sie doch wissen, daß ich bei ihr bin!— Ich stehe doch zu meiner Frau in guten und in bösen Tagen! Das hätte Lisa nicht vergessen dürfen—“ Irene wäre am liebsten vor Brinkmann niedergesunken und hätte ihm die Hände geküßt. Wie groß war dieser Mann in seiner Liebe, die auch jetzt nicht wankte! Brinkmann erhob sich unvermittelt. „Sie müssen mich entschuldigen, Fräulein Duval, aber ich, muß jetzt wieder zu meiner Frau hinaufgehen!“ sagte er, und die Ungeduld zitterte in seiner Stimme. Irene fühlte seine heiße Hand in der ihren. „Hoffentlich geht alles gut vorüber, Herr Brinkmann!“ Er war mit seinen Gedanken schon ferne. Mit kurzem Gruß verließ er eilends das Zimmer. Als Irene auf die Straße hinaustrat, kam ihr Karasin entgegen. „Was hast du erfahren?“ fragte er hastig. Sie konnte nicht sprechen. Wortlos stiegen sie in ihren Wagen. Ein schweres Schweigen war zwischen ihnen. Irene begann plötzlich bitterlich zu weinen. Karasin fragte dumpf: Ist sie tot?—“ Irene warf sich, als suche sie einen Schutz, in seine Arme. „Nein— aber die Aerzte haben wenig Hoffnung, sie am Leben zu erhalten—“ Sie fühlte, daß ein Zucken durch Karasins Körver ging. Er senkte den Kopf. Nach einer Weile sagte er bitter: „Ich habe es nicht so gewollt—.“ „Ich weiß es, Leonid—.“ 20. Es folgten bange, schwere Tage. Die Nachrichten, die aus Brinkmanns Hause kamen, lauteten immer noch hoffnungslos. Keiner der Aerzte glaubte daran, daß Lisa mit dem Leben davonkommen werde. Irene Duval und Karasin gingen bedrückt umher. Eine schwere Last fühlten sie auf ihren Schultern, die sie nicht abzuwersen vermochten. (Schluß solot) .) WIFA Mikrotilmarchin der deutschsprachigen Presse e.V. Andeinto Zur 350. Wiederkehr seines Todestages am 3. April 1932. Von Dr. Johannes Jahn=Leipzig, Privatdozent für Kunstgeschichte an der Universität Zu den wenigen Namen spanischer Kunstgeschichte, mit denen die Allgemeinheit feste Vorstellungen verbindet gehört in allererster Linie der des Bartolomé Esteban Murillo, des neben Velasquez größten spanischen Malers im Zeitalter des Barock. Getauft wurde er— sein Geburtsdatum tennen wir nicht— in Sevilla als 14. Kind armer Eltern am 1. Januar 1618 in dem Jahre also, in dem der furchtbarste aller Religionskriege, der Dreißigjährige, seinen Anfang nahm. Von der Jugendarschichte Murillos wissen mir nur daß er, mit 10 Jahren verwaist, zu dem Maler Inan del Castillo in die Lehre gegeben und spater hin mit einigen Aufträgen bedacht wurde, deren Ausführung Durchschnittsleistungen kaum zu überragen schien. Man hat früher eine Reise nach Madrid und die damit verbundene Wirkung großer Vorbilder— Raffael, Correggio, Rubens, van Duck— angenommen, um den plötzlichen Durchbruch seines Genies zu erklären, der sich um 1645 vollzog. Heute jedoch scheint es festzustehen, daß er während seines ganzen Lebens Sevilla niemals auf längere Zeit verlassen hat. 1645=46 führte er im Klosterhof von San Francisco in Sevilla eine Anzahl Darstellungen von Legenden heiliger Franziskaner aus, die auf seine Zeitgenossen solchen Eindruck machten, daß Bartolomé Estebau Murillo mit einem Schlage der bekannteste Maler seiner Vaterstadt wurde. Von nun an überhäufte man ihn mit Aufträgen. Und als 1660 in Sevilla eine Malerakademie gegründet wurde, erwählte man ihn zu deren Präsidenten. Später gab Murillo diese Würde wieder auf und ließ sich 1665 in die Caridad=Bruderschaft aufnehmen, eine der Pflege von Armen und Kranken gewidmete religiöse Gemeinschaft. Auch weiterhin hat er in rastloser Tätigkeit Bilder auf Bilder gemalt. Bei Ausführung eines Gemäldezyklus für die Kapuzinerkirche zu Cadiz stürzte der vierundsechzigjährige Meister vom Gerüst und verschied an den Folgen am 3. Avril 1682. Der Ruhm, den er bei seinen Zeitgenossen fand, steigerte sich noch im 18. Jahrhundert, wo er als größter Maler Spaniens galt, und erst im 19. Jahrhundert hat er diesen Rang an Velasquez abtreten müssen. Ein Deutscher hat einmal gesagt, der dreisach harmonische Name Murillo bedeute alles, Dichtung, Liebe, Andacht, Schönheit. Verzückung. Zartheit und Anmut. Und in der Tat— wer hätte die Idcale des Christeutums, die Reinheit der Gottesmutter, die Entsagung der Heiligen inniger uid unmittelbarer aus dem Gefühl heraus gestaltet als er? An seinem Beispiel kann man sehen, nicht nur. was christliche Vorstellungen für die Kunst bedeuten, sondern umgekehrt, was die Kunst für christliche Vorstellungen bedeutet, insofern als die Gegenstände der Andacht mit den Augen des Meisters gesehen, nunmehr reicher, herrlicher, schöner in der Phantasie der Gläubigen leben mußten. Allerdings ist Murillo nicht nur der Maler von Madonnen und Heiligen gewesen, sondern wie so vielen spanischen Meistern war auch ihm ein starker Hang zum Wirklichen eingeboren. Und so kennen wir ihn als Bildnismaler, besser noch als Maler jener Genrebilder(fünf der besten und bezeichnendsten besitzt die Münchner Pinakothek), in denen er Gassenjungen und andere Vertreter der unteren Bevölkerungsschichten Sevillas in zerlumpter Kleidung und bei sehr irdischen Beschäftigungen(die Melonenesser!) gemalt hat, Bilder, die bis in die neueste Zeit von anregender Kraft geblieben sind. Aber auch in seinen religiösen Gemälden, die ja weitaus die Mehrzahl darstellen, treten immer wieder naturalistische Züge hervor; hinter vielen seiner heiligen Gestalten spüren wir das Modell von Fleisch und Blut. Und die formalen Eigenschaften seiner Bilder, abgesehen von allem Inhaltlichen? Neben der Stcherheit der Komvosition, die stets mit leichter Hand entworfen ist, hat man vor allem immer seine Farbgebung bewundert. Nach den etwas kalten und harten Farben seiner Anfänge gelangt er sehr bald zu jenem zarten und warmen Helldunkel, jener weichen duftigen und aufgelockerten Farbgebung, die bereits auf das Rokoko hinzudenten scheint und die mit der Lieblichkeit seiner Jesuskinder und Madonnen in so harmonischem Zusammenklange steht. Selbstbildnisse zeigen den Meister als einen nicht grüblerischen aber ernsten Mann mit hoher Stirn, tatkräftig, wie im Bewußtsein seines gewaltigen Lebenswerkes. Bachsende Scheu dor der Siadt Aber noch keine Flucht aufs Land.— Eineinehalbe Million Deutsche verließen die Städte. Nur 11 Städte vermehrten 1931 ihre Bewohnerschaft Von Franz Hegeler. Haha! „Fräulein,“ stammelte der schüchterne junge Mann am anderen Ende des Sofas,„würden Sie es für eine große Kühnheit halten, wenn ich Ihnen— eine— eine Kußhand zuwersen würde?" „Kühnheit?“ war die Erwiderung.„Ich würde es für den Gipfel der Faulheit halten.“ Einer der wichtigsten Vorgänge unseres Binneulebens, die Wanderbewegung, wie man den Wohnortswechsel der Bevölkerung bezeichnet, ist zum Stillstand gekommen. Wer auf dem Lande wohnt, erhofft heute von den Verdienstmöglichkeiten der Städte keine Verbesserung seiner Lage mehr. In ganz auffallendem Grade sank der fenst bei uns auch nach dem Kriege trotz aller Siedlungsgelegenheiten so unwiderstehliche Zug vom Lande nach der Stadt in sich zusammen. Das gilt nicht nur für die fünfzig Großstädte des Reichs, sondern auch schon für die Mittelstädte. Von den Großstädten— mit Saarbrücken wärens es sogar 51 Orte über 100000 Einwohner auf deutschem Boden— erfuhren im Jahre 1931 überhaupt, nur noch elf einen bescheidenen Zuwachs durch die Wanderbewegung. Auch in dem größeren Teil der 47 Mittelstädte zwischen 50000 und 100 000 Einwohnern überwogen die Fortziehenden an Zahl die Zuwandernden. Die Gesamtheit der Großstädte erlitt einen Wanderungsverlust von 52 auf je 10000 Einwohner; bei den Mittelstädten betrug er in diesem Gesamtdurchschnitt 17. Aus den Großstädten wanderte ein Heer von 1,5 Millionen Menschen fort, und nur 1,4 Millionen kamen noch mit neuen Hoffnungen wieder an einen städtischen Wohnort. In Berlin erwies sich die Fortzugsbewegung als besonders groß. 272000 Männer und Frauen entfernten sich aus der Reichshauptstadt, und nur 239000 schenkten ihr als neue Heimat ihr Verrauen. Während bis zum Jahre 1929 noch fast alle Großstädte nicht nur aus dem Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle Bevölkerungszuwachs erfuhren, sondern auch dus der Wanderungsbewegung erscheint diese jetzt lediglich in elf Fällen mit dem Pluszeichen in der Reihe der Großstädte. Unter ihnen steht Stuttgart an der Spitze. Sein Wanderungszuwachs beträgt 88 auf 10000 Einwohner. An zweiter Stelle folgt Bremen mit 58. leniger erheblich gestaltete sich der Wanderungsgewinn in Magdeburg mit 19, Kiel mit 29, und Krefeld mit 25 auf zehntausend Ortsanwesende. Noch geringfügiger erscheint der Wanderungsgewinn in Augsbura mit 1, Brannschweig mit 2, Münster mit 6, Gleiwitz und Plauen mit je 3. Ganz winzig erscheint der Zuwachs von 4 auf ..„ Einwohner in Ludwigshafen. Aber alle diese Stadte verfügen tatsächlich noch über einen Wanderungsgewinn. Sie gehören im übrigen sämtlich zu den 22 Städten über 100000 Einwohnern, die überhaupt noch einen Zuwachs wenigstens aus dem Geburtenüberschuß verzeichnen können und sich also aus eigener Kraft auf der aufsteigenden Linie halten. In den zwanzig größten Städten des Reiches kommt ein Gewinn daraus allerdings nur für Breslau vor. Da er nicht mehr als 4 auf je zehntausend Einwohner ausmacht, darf man ihn als gering bezeichnen. Von den anderen noch nicht genannten Städten beträgt der Ueberschuß der Geburten über Sterbefälle und Abwanderung bei Königsberg 20 auf 10.000, bei Mannheim 2, Stettin 16, Gladbach 28, Oberhausen 32; geringer ist er in Solingen mit 9, Mainz 4, Mülheim an der Ruhr 2. Erheblich erscheint er in Hindenburg mit 41 und Lübeck mit 12 auf jedesmal zehntausend Bewohner. n sämtlichen anderen Großstädten des Reiches sind Einwohnerverluste zum Teil in erheblichem Umsang eingetreten, schon weil es dort überhaupt in mehreren Fällen keinen Geburtenüberschuß mehr gab, sondern ganz im Gegenteil die Wanderbewegung den Sterbeüberschuß auszugleichen hatte. Das trifft besonders für Berlin zu, das ebenso wie Hamburg einen Bevölkerungsgewinn in den letzten Jahren nicht mehr aus der Geburtenziffer zog, sondern allein aus der Zuwanderung holte. Nachdem sie fortgefallen ist, ergibt sich in Hamburg ein Bewohnerverlust von 93 für Berlin sogar von 102 auf je zehntausend Einwohner. Berlin erlitt eine Einbuße von mehr als 40 000 Einwohner, und Hamburg um 11000. Anteilsmäßig büßte auch Frankfurt am Main die gleiche Bewohnerziffer ein. 93 auf je 10000. Sehr erhebliche Ausfälle an Einwohnerschaft erfuhren ferner Leipzig mit 61, Dresden mit 53, Düsseldorf mit 51, Duisburg=Hamborn mit 54, Wuppertal mit 49, Chemnitz mit 44, Gelsenkirchen mit 70, Bochum mit 89, Altona mit 64 und Harburg mit 49 Einwohnern auf je zehntausend. Bei den ausgesprochensten Industrie=, namentlich den Bergwertsstädten, ergibt sich dieser Rückgang aber vorzüglich aus der Wanderungsbewegung, die bei den meisten von ihwen durch die Geburtenziffer wieder abgeschwächt worden ist. Geringfügiger erscheint ein Verlust bei Köln mit 5, München mit 24. Essen mit 4, Dortmund mit 31, Hannover mit 13. Nürnberg und Kassel mit 6, Halle mit 7, Krefeld mit 24. Aachen mit 37, Wiesbaden und Bielefeld mit 10, Hagen mit 25, Solingen mit 9, und Remscheid mit 33 auf zehntausend Einwohner. Der Rückgang der Bevölkerungszahl durch Fortzug ist seit 1924 in den Großstädten der westlichen Industriebezirke nichts neues mehr. Dabei handelte es sich jedoch bisher um örtliche Verlagerungen des Bedarfs der Wirtschaft an Arbeitskräften. Der Fortzug aus jenen Städten verwandelte sich für andere in einen Zuzug, so daß von einer Verminderung der Großstadtbevölkerung an und für sich noch nicht gesprochen werden konnte. Diese Entwicklung ist neu. Sie bahnte sich 1930 für vereinzelte Städte wie Berlin an und droht nun ihre Gesamtheit zu erfassen. Es wäre verfehlt, aus den gekennzeichneten Vorgängen schon auf eine Flucht von der Stadt zurück aufs Land zu schließen. Irland ehrt seine Freiheitskämpfer Am 16. Jahrestage des Aufstandes der Iren in Dublin wurde an den Gräbern der Opfer eine große Gedenkfeier veranstaltet. Im Frühjahr 1916 unternahm bekanntlich die nationale Partei der Sinn=Feiner einen Aufstand gegen die englische Herrschaft, der die unabhängige Republik Irland mit einem eigenen Parlament zum Ziele hatte. Der Aufstand wurde durch englisches Militär unterdrückt, die Führer wurden erschossen. Ivar Kreugers letzter Weg. Die Beisetzung des schwedischen Zündholzkönigs Ivar Kreuger, der in seiner Pariser Wohnung freiwillig aus dem Leben geschieden war, erfolgte in Stockholm im engsten Familien= und Freundeskreis. Das deutscheitalienische Institut in Rom. das am 3. April anläßlich einer Goethe=Feier in der Villa Sciarra auf dem Gianicolo eingeweiht wird. Nach jahrelangen Versuchen hat ein bekannter deutscher Erfinder in aller Stille einen Sprachentransformierungsapparat fertiggestellt, von dem wir heute unseren Lesern das erste Bild geben können: der Erfinder(links) spricht in das vor ihm stehende Mikrophon. Die im Hintergrund sichtbare Apparatur wandelt nun durch einige Kathodenröhren die Sprachwellen um. Wollte man sich in diesem Stadium der Sprachumbildung einschalten, so würde man eine völlig unbekannte Sprache vernehmen, da diese Transformierung Der Sprachübertragungsapparat erfunden. für sämtliche Sprachen der Erde gemeinsam ist. Erst die auf dem Tisch stehenden kleinen Sprachübersetzer sieben aus dem Wellengemisch die richtigen Laute aus und geben den in das Mikrophon gesprochenen deutschen Text in einer ausländischen Sprache wieder. Der Erfinder hat bisher, wie man auch aus unserm Bilde sieht, Sprachübersetzer für(von links) englisch, französisch und spanisch konstruiert, die hier zum ersten Male ausprobiert werden. Küsse sind im Film verboten? Sonderbare Lannen der Filmzensur.— Frauen dürsen nicht die Treppe hinuntergehen.— Steuern als Mittel der Zensur. Von Eberhard Göschen. Vor kurzem erregte es in der Oeffentlichkeit einiges Aussehen, als ein vom Reichsministerium des Innern verbotener Propagandafilm von der zur Entscheidung angerufenen Filmoberprüfstelle freigegeben wurde. Aus diesem einen Beispiel erhellen schon die große Bedeutung und der Einsluß, welche dieser staatlichen Aufsichtsbehörde über Bildstreifen aller Art bei uns zukommen. Und wie in Deutschland ist es in fast allen Kulturländern, wenn auch große Abweichungen bestehen. Diese liegen vor allem in der außerordentlich verschiedenen Auffassung von dem, was die Zensur bei einem Film für unbedenklich hält, und dem, was sie meint verbieten zu müssen. Uebereinstimmend scheint sie Filme für gefährlich zu halten, in denen Polizeibeamte von Verbrechern angegriffen werden. Vielleicht glaubt man, daß derartige Bilder ansteckend wirken und böse Beispiele die guten Sitten der Zuschauer verderben. Auch das Filmen von Leichen ist fast in allen Ländern verboten; dies bezieht sich selbst auf Kriegsaufnahmen, nud in Schweden wurde kürzlich deshalb ein Film stark beschnitten, der zur Zeit der Indianerkämpfe in Amerika spielte und eine gefallene Rothaut zeigte der ein Pfeil eines Stammesgenossen im Rücken steckte. Recht abweichend sind auch die Ansichten, welche die Filmzensur über Schicklichkeit und Moral hegt. Ganz unglaublich frei denkt man in den meisten mittel= und südamerikanischen Staaten, wo jedem, Jugendlichen, Dinge gezeigt werden, deren Vorführung man bei uns einfach nicht für möglich hält. Das gerade Gegenteil dazu bildet Finnland, das überhaupt die strengste Zensur aufweist und wo man schon Bildstreifen verboten hat, weil in ihnen eine Dame— die Treppe hinunterging. Aehnlich streng ist man in Japan, das Filme, in denen geküßt wird, nicht zuläßt. Selbst in England haben derartige Bildstreifen zuweilen Schwierigkeiten, unverkürzt die Prüfstelle zu passieren. Dort wurde vor kurzem ein Tonfilm verboten, in dem ein Vater— natürlich unter entsprechender Begleitmusik— sein ungezogenes Kind prügelte. Die Beanstandung richtete sich aber weniger gegen die Prügelszene als vielmehr gegen das allzu natürliche Wehegeschrei des gezüchtigten Sprößlings. Während, wie erwähnt, in den lateinamerikanischen Staaten höchst anstößige Filme ohne Bedenken gezeigt werden, können solche, in denen sich eine Ehescheidung ereignet, nicht auf die Lichtbildbühne kommen. Sie werden weniger von der Zeusur als von den Zuschauern abgelehnt, die sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen, wenn eine so ernste Frage in leichtfertiger Weise behandelt wird. Vielfach verbietet man Filme, die in der„Unterwelt“ spielen. Dies ging kürzlich so in England dem bekannten Amerikaner Theodor Dreiser mit seinem Film„Eine amerikanische Tragödie“, gegen den die Prüfstelle unüberwindliche moralische Bedenken hegte. Doch nicht allein die Moral liegt dem englischen Zensor am Herzen. Vor kurzem verbpt er einen Film, der die Zuschauer gruseln machte, und begründete dies damit, das Volk habe schon Sorgen genug und dürfe nicht durch derartige Schauergeschichten noch in seiner trüben Stimmung bestärkt werden. Die finnländische Filmzensur ist nicht nur die strengste, sondern auch wohl die gerissenste. Sie erhielt kürzlich einen Bildstreifen vorgelegt, dessen Schlußszene dem gestrengen Herrn Zensor nicht gefiel. Dem Antragsteller wurde nun freigestellt: entweder den Film mit der beanstandeten Szeue zu bringen, dann aber 35 v. H. Steuer zu zahlen oder ohne sie, in welchem Falle der Film unter den Abschnitt„Kunst" fallen und die Steuer nur 15 v. H. betragen würde. Was geschah, kann man sich unschwer vorstellen. Der Gattin Namenstag Pick fragt Puck, was er seiner Frau zum Na menstag schenken soll. Puck schlägt Blumen vor. „Die mag sie nicht.“ „So schenke ihr doch Geld.“ „Ja, soviel wollte ich nicht anlegen“, meint Pick der deutschsprachiger Von Beinden und Gräußen Berlin, vierte Märzwoche 1932. Also die Sache ist die. Das Lärmen und das Getöse das nun in den nächsten Wochen zu hören sein wird, kommt nicht mehr von Goethe. Nicht mehr von seinen Feiern, sondern von den wiederentzündeten Wahlkämpfen. Es gilt nicht mehr, die Welt zu überzeugen, daß wir das Land Goethes sind und daß wir zwar in diesem Land kein Geld mehr, aber noch genug Pietät haben, es gilt vielmehr, den teils durch Goethes Tod teils durch des Osterhasen eierlegende Lebendigkeit unterbrochenen Beweis zu führen, daß das Wort des sterben. den tausnahmsweise nicht Goethe, sondern) Attinghausen„Seid einig, einig, einig!“ zwar von einem Deutschen, aber nicht für Deutschland richtunggebend gesprochen war. Ehe wir uns— wer kann sich ganz entziehen?— hineinstürzen in die neuen Unruhen, darf man, vielleicht einen kleinen persönlichen Nutzen daraus ziehend. einen Blick wersen auf das just geräuschvoll Erlebte: Der große Dichter, Denker, Mahner Ward nun im Rausch des Fest's gekrönt, Selbst die Kanonen der Japaner, Die haben's nimmer übertönt. Des Staats dreifarb'ge Wimpel bauschten Sich in des Weihrauchs dichtem Duft, Und lorbeerschwere Kränze rauschten Am Sarg in Weimars Fürstengruft. Das war ein Feiern ohne Guade In Reden, echt und auch geschraubt; Die Schriftgelehrten aller Grade Betasteten dein heilig Haupt. Das ging von schwellenden Prälndien Bis zum Finale unentwegt— Vom Zahnweh bis zu Tassostudien waro oeine Menschheit freigelegt. Und was du je auf Liebeswegen Gesündigt, größter Musensohn, Entblößten lebende Kollegen Voll Eiser vom Kathederthron. Die Weiblichkeit durch dünn und dicke Schritt untersuchend hinterdrein Und liebte dich mit Friederike Und grollte dir mit Frau von Stein. " Nun wird's in Frankfurts Hirschengraben Still wie in Weimars Frauenplan Die Kleinen und die Großen haben Nun sich— und dir— genug getan. Der Huldigungen Riesenkrater Ist ausgebrannt und ausgebraust— Das heißt, vielleicht.. das Staatstheater Besinnt sich noch auf deinen„Faust“. Doch... wenn man just ein Fläschchen " Wein hat, (Du trankst ihn gern!) ein gutes Buch, Und wieder mal dich ganz allein hat, Dem Jubel fern und Festbesuch. Ganz ohne Rausch und Kommentare, Doch deines Geistes einen Hauch—— Fast scheint es mir: das ist die wahre Die Jubelfeier, die ich brauch'! Das wäre so— wen man ein Stündchen die Feuster zu verhäugen und das Radio abzustellen wagt— vielleicht der kleine persönliche Nutzen der verrauschten Goethe=Tage. Es ist freilich fraglich, ob der Große, wenn man alles— oder nur ein zehntel von„allem“ gelesen hat, was in diesen Wochen Geologen, Mediziner, Chemiker, Primaner Minister Biologen, Botaniker, Sterndeuter, Justizräte, Theologen, Physiologen, Psychiater, Staatsanwälte. Apotheker haben verlautbaren lassen— ob, sag' ich, der Große dann noch ganz im Lichte des Tagebuches der Marianne v. Willemer erscheint, die unter dem Eindruck des freundschaftlichen Zusammenseins mit Goethe im September 1814 notiert:„Und wie wenig imponiert seine Nähe. Wie wohltätig freundlich kann man neben ihm stehen. Er ist ein glückliches, von der Natur mit Gaben überschüttetes Wesen, das besonders schön von sich strahlt und nicht stolz darauf ist, das Gefäß für solchen Inhalt zu sein. So gab er sich heute, so will ich mir ihn denken, mögen andere sagen, was sie wollen.“ Das ist ein schöner Standpunkt, den hier die schon leise liebende Suleika des„West=östlichen Divans“— ein Jahr, ehe sie den Entfernten ansingt:„Ach, um deine feuchten Schwingen West, wie sehr ich dich beneide—“ mit heißen und doch ehrlichen Worten scharf umzirkt:„Und so will ich mir ihn denken, mögen andere sagen, was sie wollen...“ Hat Liebe im Grunde je etwas anderes gedacht und gehandelt und ist nicht die große Liebe zur Partei und dem sie führenden und repräsentierenden Manne auch nichts anderes als eine große Liebe, Mit allen Vorzügen— und alen Schwächen dieses höchsten Menschengefühls. Klingt nicht durch jeden Aufruf, den große Leute gefühlt, versaßt, unterzeichnet haben, derselbe starke, trotzige, siegeshoffende Entschluß durch: so will ich mir ihn denken, mögen andere sagen, was sie wollen...?“ Und andere haben im Fall Goethe und im Fall aller Parteikämpfe immer „anders“ gedacht. Und das wird sich nicht ändern, solange Menschen noch Menschen sind. Und immer wieder werden die Gegner die Flecken sehen in der Sonne der anderen. Ein Exempel bei Goethe? Die Pazifisten nehmen Goethe für sich in Anspruch. Gewiß, die Greuel der französischen Revolution empörten ihn täglich und stündlich.„Auch konnte ich", sagt er zu Eckermann,„nicht gleichgültig dabei sein, daß man in Deutschland künstlerischerweise ähnliche Szenen herbeizuführen trachtete...“ Aber— Pazifist? Er hat— persönlich— bei der Belagerung von Mainz(1793) ein Geschütz abgebrannt, und es war ein reiner Zufall, daß keiner drüben getroffen wurde... Aber ließ sich das— im prophetischen Sinn— voraussagen? Wer wagt's überhaupt noch, etwas„vorauszusagen“? Als Lloyd George zusammen mit Clemenceau, dem Tiger, und dem Präsident Wilson, dem düpiertesten und zugleich übelsten unserer Feinde, uns das Diktat von Versailles einbrockte wer hätte da voraussagen können, daß dieser Lloyd George vierzehn Jahre später ein Buch schreiben würde, das ziemlich heftig die Franzosen rüffelt, weil sie, töricht und eigensinnig auf ihren strotzenden Geldsäcken sitzend, sich auf die „Heiligkeit der Verträge“ berufen, Fast eher schon hätte man des geschniegelten Fürsten Bülow Angriffe aus dem Grabe hellsehen können.. Uebrigens wäre das Hellsehen jetzt beinahe wieder„aktuell“ geworden durch die gute Frau Seidler, die Hellseherin der tüchtigen Sklareks. Die hatte— so gab's der Prozeß— dem Leo Sklarek einen obskuren Platz in Berlin bezeichnet, wo er einen Kavalier finden würde, der etwas Zuckriges aus einer Tüte esse. Und Leo Sklarek ging hin und sand ——— nun das hat ja jeder deutsche Zeitungsleser in dem nie endenden Prozeßbericht selbst nachgelesen. Aber wie schon das deutsche Schicksal spielt— " Nun haben wir eine— ihr sei Dank!— Die alles gewußt hat... und die ist krank. Frau Seidler, erfreuliches Phänomen, Hat für die Sklareks„hellgeseh'n“ Jetzt hat sie leider ein schlimmes Bein Und humpelt nicht mehr in die Zukunft hinein. Wie schade! Eh' der Prozeß vertagt, Hätt' ich die Gute so gern was gefragt; Nichts über den Leo, den Willi, den Max— Ein Apparat, der Deutschland gilt bekanntlich als das Land, das an wirklich politischen Köpfen am ärmsten ist. Vielleicht haben wir es aber auch nur mit einem Vorurteil zu tun, vielleicht ist Deutschland viel reicher an politischen Köpfen als man glaubt, und es ist nur schwer, sie zu entdecken. So hat sich wohl auch ein bekannter Erfinder gesagt, als er sich die Frage vorlegte, ob man nicht mit Hilfe der Technik, unter Ausschaltung aller menschlichen Irrtumsmöglichkeiten, den politischen Menschen feststellen könnte. Nach längeren Versuchen ist es diesem Erfinder geglückt, einen Apparat zu konstruieren, der diesem Ziel ganz nahe kommen soll. Dieser Tage ist der Erfinder mit seinem Werk vor die Oeffentlichkeit getreten. Auf unserem Bilde sieht man das Aeußere der geheimnisvollen Apparatur. Auf einer Pritsche liegt die Versuchsperson— es kann auch eine Frau sein—, Politiker entdeckt über dem Kopfe schweben zwei zylinderförmige Gehäuse, die Bestrahlungslampen ähneln. Sie werden so tief herabgelassen, daß der Kopf direkt darunter zu liegen kommt. Dann beginnt das Werk zu arbeiten. Das Geheimnis beruht auf der für den Laien schwer verständlichen psychophysischen Strahlungstheorie. Es handelt sich da um Strahlen, die von ganz bestimmten Gehirnzeutren ausgehen und eine bestimmte Rückwirkung auf andere Strahlungen ausüben. Eine Tafel mit geheimnisvollen Ziffern und Zeichen zeigt bei der Untersuchung, wie die Versuchsverson auf die Strahlungen reagiert, und gibt gleichzeitig einen sicheren Hinweis für das Vorhandensein politischer Anlagen. Sollten sich die auf den Apparat gesetzten Hoffnungen verwirklichen, so könnte dies für unsere politische Entwicklung von allergrößter Bedeutung werden. Das sind nicht Gentlemen meines Geschmacks; Nein, andere Forschung hätt' ich gewagt Und:„Liebe Frau Seidler“, so hätt' ich gesagt, :„Sehen Sie mal hell: ob in künftiger Zeit Solch Riesenunfug noch einmal gedeiht, Daß so ein Trio, ungeniert, Beamten das Maul mit Gelee beschmiert Und Konten erdichtet und Wetten bezahlt, (Der Einsatz war bloß in die Luft gemalt); „Und während es so beim Kaviarfest Sich Blankoschecks unterschreiben läßt Durch Freunde— traktiert mit Sekt und Witz Und all das im Preußen des alten Fritz!! Frau Seidler, sehen Sie solches hell, So pack' ich mein Köfferchen auf der Stell Und flüchte schleunigst meinerseits Devisenlos in die freie Schweiz.“ Divgenes. Tango Stizze von Bernh. Schroeder=Wivorg. Auf dem einzigen Wege, dem Wasser, aus der wildesten südamerikanischen Wildnis zurückkehrend, legte ich mein Kann vor einer armseligen Siedlung fest, die ich nur zu gut kannte. Durch eine Reihe verkommener, menschlicher Behausungen gehend, sah ich vor einem größeren Rancho ein als Tür dienendes, widerlich rotes Tuch. Zwei Dirnen lachten grüßend heraus und baten mich singend, Guarana, ein aus einer Baumwurzel bereitetes Getränk, mit ihnen zu trinken. Jeder der Frauen trug im Gürtel einen schweren Revolver, der hier zu ihrem Beruf gehörte und— auch gebraucht wurde. Drinnen zitterte eine Gitarre, ein schwermütig aufbegehrender Tango. In Klagen, die vom Lustschrei immer wieder in halben Tönen hinabfließen, im Bodenlosen vergehen, gleicht das Lied den Simmen der Wildtiere dieses traurigen und zugleich unendlich schönen Fieberlandes.— Weitergehend stand ich bald vor dem Haus eines Türken, das sogar richtige Feusterrahmen mit einigen Glasresten aufwies. Drinnen hockten Menschen verschiedenster Nation und Rasse, Alt und Jung: Diamantensucher. Wohl der größte Teil von ihnen betrank sich wie gewöhnlich mit Zuckerrohrschnaps auf Kredit, auf die nächsten kleinen Diamanten, die sie nach Monaten unglaublichster Entbehrungen heimbrachten oder auch nicht— man wurde leicht von der Kugel Habgieriger getroffen, man fand auch nicht immer, aber man wurde leicht vom Fieber gefunden und — leicht gestillt. Jetzt beschlagnahmte mich der lächelnde Tünke als„Don Bernardo“ führte mich in einen hinteren Raum und hielt mich mit Schnaps, gutem Kaffee und feinen Zigarren frei. Zuletzt verkaufte ich einen kleinen Diamanten und tauschte einen anderen gegen Lebensmittel. Der Türke strahlte nach erfolgtem Geschäft, ging auf Minuten in die Küche. brachte Lita, seine neue Köchin, ein siebzehnjähriges Mädchen herein und eilte wieder nach vorne an die Front. Ich rieb mir die Augen, sprang auf, riß die Kleine an das Fenster, prallte wie gebissen zurück: Das Mädchen hatte Katzenaugen. Die schwarze Pupille, ein senkrecher, schmaler Schlitz, genau von einem Rande der Regenbogenhaut zum anderen reichend, teilte diese in zwei Hälften. Das palmengleiche Mädchen mit seinem Schlangenleib und seiner breitwallenden, übermächtigen schwarzen Haarpracht stand einen Augenblick starr, wie aus Eine schöne Neuerwerbung des Berliner Zeughauses: zu der historischen Pelzmütze und dem Tigerfell des Husarengenerals Friedrichs des Großen, Joachim Hans von Ziethen, hat das Berliner Zeughaus jetzt auch den Säbel bekommen, den Ziethen in der Schlacht bei Kunersdorf trug. Auch seine kostbare Uhr mit Anhänger sowie eine Tabakdose und ein Medaillon befinden sich unter den Ziethen= Erinnerungsstücken. Haydn=Huldigung an seinem Geburtsort. haus des großen österreichischen a Oeburtstages Joseph Handns wurde an dem Geburts. enthüllt Die Festrede bief:n Kompontsten zir Rohrau an der Leitha ein Gedenkrelief erehaut. Die Ghestrede hielt der österreichische Bundespräsident Miklas(links). Das Hochkanzter Dr. Buresch(mit heisem Hut) sorach Plu(anschließend rechte).— Bundesc imit seisem Gulf sPrac im Namen der Bundesregierung— ganz rechts der Präsident des Nationalrats, Dr. Renner(mit weißem Bart). der Erde gewachsen, krümmte sich dann unter einem unsichtbaren Schlag, legte beide Hände über die Augen und schluchzte kindhaft. Ich verbiß mein Grauen und setzte die Kleine streichelnd auf einen Stuhl. Plötzlich zischte sie, schnellte hoch und sagte leise mit geschlossenen Augen:„Wahrt Euer Leben, Don Bernardo! Der Türke ahnt, daß Ihr noch Diamanten habt. Er und die drei hiesigen Polizisten arbeiten zusammen. Mancher, der mit seinen Diamanten zu entkommen versuchte, vermodert irgendwo unten am Fluß im Urwald. Der Türke will, ich soll Euch ans Haus fesseln. Ihr schlaft diese Nacht in dem Raum hinter der Küche. Der Türke ist der Sohn eines mächtigen Teufels. Hunu! Ich will noch keinen Revolver tragen. Ich bleibe hier nicht. Flieht mit mir, Don Bernardo! Mein Einfluß bei den Polizisten genügt. Nichts geschieht uns auf der Flucht. Ich komme in der Nacht!“ Sie umkrallte meine Hand, ohne die Augen zu öffnen und— war draußen. Am nächsten Morgen paddelten Lita und ich weit, weit unterhalb der Siedlung. Lita erzählte, daß ihre Eltern, der Vater Italiener, die Mutter Indianerin, längst tot seien. Vor ihrer, Litas Geburt, habe ihre Mutter sich vor dem häßlichen Kopf eines nach ihr schnappenden Pferdes fürchterlich erschreckt, worauf dann ihr Kind diese seltsamen Augen bekam. Wir hatten die Regenzeit hinter uns, und die Trope glühte, strotzte in quellendem, alles durchdringendem, alles entfaltendem Leben. Nichts als ein ärmelloses, leichtes, sehr kurzes Mädchenkleid lag um Litas reiner Jugend. Wenn sie ihre Augen schloß, ihre armen Augen, und lang im Kann liegend einschlief, zuckte oft ein Traumlächeln um ihren Mund. Ihre seinen Lippen dehnten, formten und öffneten sich leicht, und ich verlor mich unter einem Baun gefährlich schön wie die Heimat ihrer Mutter. Ich sah, wie unter ruhigen Atemzügen ihre Urfrische überwallend in einem rosigen Hauch sich der flimmernden Hitze um uns mitteilte, und mußte an eine eben erblühende rote Lelia, mit ihrem unerklärlichen, selbst im Schatten heißen Kelch, an die wunderbarste, sonderlichste Blumentochter des Urwaldes denken. Tanzend trieb uns das Boot stromab, und nachts lockte die suchende Stimme des flammenfarbigen Mähnenwolfes in heulender Lust. Am achtzehnten Reisetag erreichten wir eine Stadt unser vorläufiges Ziel. Ich wollte die ruhlose, melancholische Waise von ihrer beängstigend zunehmenden Schwermut befreien und sie zu meiner Frau machen. Als ich in einem Gasthaus einen prächtigen großen und drei kleinere Diamanten in ihre Hut gab, lebte sie auf, drängte mich aber zugleich, ich solle eilen und die Papiere für die Trauung besorgen, sie wolle die Edelsteine schon hüten. Sie fürchtete, der Türke würde sie sonst in einigen Tagen mit Gewalt zurückholen. Ich rannte. Nach Stunden zurückeilend stieß ich in Litas Zimmer gegen einen Poizeioffizier.„Sie haben Fräulein Lita, der Tochter unseres Polizeikommissars, die auf Besuch in Diamantina weilte, er zählt, daß Sie dem Türken dort mehrere Edelsteine stahlen, die Sie ihr auch gezeigt haben. Ich soll Sie verhaften, traf Sie aber in der Stadt nicht mehr an. Verstanden, Herr Ausländer? Sehen Sie aus dem Fenster!" Der Polizeilentnant ging. Unten auf der Straße hielt ein Auto, darin saßen ein Chauffeur, ein Polizeikommissar in Uniform und neben ihm eine sehr schlanke, mit raffiniertem Luxus gekleidete Dame, die ihren schwarzen Wuschelkopf zurückwarf und mir lachend ihre Augen bot: Litas Katzenaugen. Schon einmal hatte ich in diesem schönen Land zehn Wochen schuldlos an Fußketten gelegen. Ich war sogar später mehrere Monate Polizist, und wußte, was mir blühte, wenn ich blieb Viele Tagereisen lagen bald zwischen mir und den Menschen. Ich sang wieder, einen ganz neuen Tango, der mir so von irgend einem Tierlaut entfesselt angeflogen kam und verwehend sich mit dem Busch vermischte und in der endlosen Wildnis sich auflösend den Ring schloß. Ich war wieder drinnen und schlenderte wieder mit der Büchse auf dem Rücken in das tiefste Leben, das man Einsamkeit nennt. Wo aber wäre man so wenig verlassen? #4•)NIFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann Stuttgart 29) Die Gräfin faßte seine Hände. „Du mußt bleiben, Georg.“ fühle es selbst; aber ich darf mich von diesem Augenblick an nur als Gast des Schlosses betrachten oder, wenn du es willst— Er zögerte unwillkürlich bei dem„Du“. Aber die Gräfin schüttelte den Kopf: „Ich wünsche, daß du auch weiterhin„Mutter' zu mir lacht“ „Nun also, wenn du es willst, meine liebe, liebe Mutter, als dein Bevollmächtigter! In jedem Fall muß dem richtigen Erben eine Wohnung im Schloß zur Verfügung stehen.“ Gräfin Hermine hatte angstvolle Augen. „Muß es sein?“ Jetzt sagte Agnes: „Ja, Mutter, es muß sein. Wie denkst du darüber, wenn wir den rechten Flügel des Schlosses, du weißt, den Seitenbau mit den Gastzimmern, für ihn herrichten? Er kann sich nicht beklagen, die Zimmer sind prunkvoller eingerichtet als diese, und er hat sein Reich ganz für sich.“ Die Gräfin atmete auf. „Du hast recht. Es sind fünf Zimmer. Wir werden ihm gewissermaßen einen eigenen Hausstand gründen. Unsere Pflicht soll in jeder Weise geschehen. Er soll den sogenannten Fürstenbau bekommen—“ Sie lächelte etwas bitter. „Der Name wird ihm gefallen. Er soll das eine Auto haben; wir werden ihm Diener und Mägde zuweisen und im übrigen— mein lieber Herr Pfarrer— werden wir versuchen, dem Himmel zu vertrauen.“ Zwei Stunden später kam Justizrat Erlenbach. „Ich habe die Familiengesetze studiert. Es besteht kein Zweifel, daß Graf Jörge das Recht hat, das Majorat sofort anzutreten. Ich muß Ihnen leider sagen, daß auf eine Entmündigung kaum zu rechnen ist. Er ist zwar kein Geisteslicht, aber auch nicht unzurechnungsfähig; dagegen steht im Familiengesetz ein Paragraph, daß der neue Majoratserbe, falls die Witwe des verstorbenen Majoratsherrn noch lebt, verpflichtet ist, während des ersten Jahres in allen Handlungen die Einwilligung der Witwe einzufordern und nichts ohne ihr Einverständnis zu ändern. „Es ist ihm auch vorgeschrieben, während dieser Zeit außer seinem Lebensunterhalt nur ganz bestimmte, allerdings nicht unbeträchtliche Summen für seinen eigenen Gebrauch zu entnehmen. „Die Witwe ist berechtigt, ihn kontrollieren zu lassen und zu diesem Zweck einen Bevollmächtigten zu ernennen; es muß also gewissermaßen ein Güterdirektor ernannt werden, der während dieses Jahres nach dem gemeinsamen Willen der Witwe und des Erben das Gut verwaltet. „Es ist dies ein sehr kluger Paragraph, der verhindern soll, daß ein junger Erbe über die Stränge schlägt, und kommt uns zu statten.“ Gräfin Hermine nickte lebhaft. „Herr Justizrat, setzen Sie sofort eine Urkunde auf, in der ich meinen— Pflegesohn Georg zu meinem Bevollmächtigten ernenne.“ Vor dem Schlosse entstand Lärm. Während der Justizrat eilig die Vollmacht schrieb und die Gräfin nicht schnell genug unterschreiben konnte, stand Agnes am Fenster. Zwei Autos, Lohnwagen aus der Stadt, waren vorgefahren. In dem ersten saß Jörge, die Augen noch etwas gläsern, aber in einem neuen Anzug, der, im Bazar der Kreisstadt gekauft, schlecht saß, hellgelbe Handschuhe an den Händen und einen Zylinder schief auf dem Kopf. Im zweiten Auto saßen vier junge Burschen aus der Stadt. Schnell entschlossen sagte Agnes: „Er ist da. Ich werde des Nötige mit ihm verhandeln.“ Sie ging mit raschen Schritten auf die Terrasse hinaus. Jörge sprang aus dem Wagen, auch jetzt noch halb betrunken, und breitete die Arme aus. „Da bin ich, Schwesterherz!“ Sie trat zurück. „Wollen Sie, bitte, die Anwesenheit Fremder bedenken,—— Herr Graf—“ Die Anrede kam ihm zu, und Agnes hatte richtig gehandelt. Jörge sah sie an, wurde unsicher, riß den Zylinder von seinem erhitzten Kopf und stand ihr stumm gegenüber. „Wir haben den Fürstenflügel, in dem sonst die Gäste wohnen, für Sie bereitgestellt" Herrgott, wie lächerlich dies alles war! Wie ein schlechter Fastnachtsstreich erschien es der jungen Gräfin; leider war es bitterer Ernst. Jörge hatte ein verlegenes Lächeln um seinen Mund. „Fürstenflügel?— Fürstenflügel ist gut— aber— sage mal, Schwester—“ Unbeirrt fuhr sie fort: „Mein Bruder Konrad liegt schwer krank in dem Zimmer, das sonst dem ältesten Sohn gehörte. Georg bewohnt oben das Turmzimmer.“ „Wo ist meine Mutter?“ „Meine Mutter hat sich niedergelegt, auch sie ist krank. Herr Graf, ich bitte Sie, lassen Sie an diesem Abend allen die Ruhe, deren sie bedürfen. Johann, Sie werden den Herrn Grafen bedienen. Führen Sie ihn in seine Gemächer!“ Vor der ruhigen Würde der jungen Gräfin hatte Jörge wehrlos dagestanden; als sie nun aber in das Innere des Schlosses zurücktrat, winkte er den vier Burschen zu, die noch immer in dem zweiten Auto saßen. „Kommt, Kinder— die Autos bezahlt der Diener!" Auch Johann war schon ein Menschenalter im Hause der gräflichen Familie, er wußte, was hier geschah, und während sein Gesicht unbewegt blieb wie eine Maske, kämpfte er mit sich selbst, als er jetzt die Tür öffnete und den Pfarrersknecht mit seinen vier betrunkenen Kumpanen in das Empfangszimmer hineinließ. „Bringen Sie Wein und etwas Gutes zu essen! Wir finden uns schon allein zurecht. Wo ist mein Zimmer?“ „Der Fürstenbau enthält fünf Zimmer und die Dienergemächer; alles steht zur Verfügung—“ Johann wollte sagen, zur Verfügung des Herrn Grafen, aber er brachte die Worte nicht über die Lippen und ging hinaus, um Speisen und Wein zu bestellen. Jörge stand in der Vorhalle und sah sich um. Er war niemals im Schlosse gewesen, und seine vier Kumpane erst recht nicht. Es waren im Grunde genommen harmlose Saufbrüder, und jetzt standen sie da, drehten verlegen ihre Mützen in den harten Händen und gingen fast auf den Zehenspitzen umher. „Donnerwetter, ist das hier fein! Da sollst du wohnen?“ „Mensch, ich glaube, wir schlafen alle und wenn wir aufwachen, liegen wir irgendwo auf dem Mist.“ Jörge ging weiter. „Das ist nur die Vorhalle.“ Sie kamen in ein Zimmer mit großem Schreibtisch und Bücherregalen. Es waren alles schwere, massige Möbel aus früheren Zeiten, prunkvoll und gediegen, aber dem modernen Geschmack nicht entsprechend. Dann ein kleines Empfangszimmer, ganz hellrosa Damast, Polstermöbel und Vorhänge. Unwillkürlich erschrak Jörge, als er sich und seine vier Freunde in einem großen Spiegel erblickte. Weiterhin zur einen Seite das Schlafzimmer mit einem gewaltigen Himmelbett auf bronzenen Löwenfüßen. Gegenüber, ganz in Eiche gehalten, düster und schwer getäfelt, ein mittelgroßes Speisezimmer, auf das man jetzt einen reichen Imbiß für fünf Personen und eine Anzahl Weinflaschen gestellt hatte. Der Diener Johann wollte servieren, aber Jörge wehrte ab. Dieser Mann, der ihm unendlich vornehm erschien, störte ihn. „Gehen Sie! Wir bedienen uns selbst.“ „Donnerwetter, Donnerwetter!“ Sie setzten sich an die Tafel, aber sie hatten alle fünf das Gefühl, als seien sie Einbrecher, jeden Augenblick müsse die Polizei kommen und sie verhaften. „Prost also!“ Sie stürzten den Inhalt der vollen Weingläser hinunter und wurden kühner. „Sage mal, Jörge, warum sagte deine Schwester denn „Sie—“ „Wird wohl so Sitte sein. Ist mir auch gleich. Hier sitze, hier bleibe ich, und jetzt soll ein fideles Leben beginnen.“ Drüben im Schloß war es dunkel geworden. Gräfin Hermine hatte ein Schlafmittel genommmen und sich zur Ruhe begeben, Georg saß im Büro mit Inspektor Brandtmüller zusammen, der Justizrat war heimgefahren. Agnes war noch einmal bei Konrad, der nichts ahnte und, ein Lächeln um den Mund, den Schlaf des langsam Genesenden schlief. Auch Viola war zur Ruhe gegangen. Ganz still war es im Hauptgebäude des Schlosses, Gräfin Agnes stand am Fenster und blickte sinnend hinaus. Drüben im Fürstenhause war Licht; sie hörte von weitem die gröhlenden Stimmen der trunkenen Männer. Ihr Herz krampfte sich zusammen. Sie preßte die Stirn gegen das Fenster und weinte, weinte bitterlich. 24. Kapitel. Auf Kynau war es wieder Morgen geworden. Agnes saß an dem Bett ihrer Mutter. „Du mußt fort! Du kannst nicht hierbleiben. Du bist es deiner Gesundheit, bist es uns schuldig. Geh auf ein paar Wochen in ein Bad.“ Gräfin Hermine schüttelte den Kopf. „Ich kann Konrad nicht verlassen.“ Ich will auch nicht fahnenflüchtig werden, und dann——“ Sie hatte sich aufgerichtet und saß in ihrem Bett. „Jörge ist mein Kind. Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr ist es mir Gewißheit. Wir haben uns immer darüber gewundert, daß unser lieber Georg keinem von uns, weder Vater noch mir oder dir oder Konrad ähnlich sieht. Ich habe in der Nacht lange wachgelegen und gegrübelt. Gewiß, Georg ist uns immer ein lieber, ein guter Sohn gewesen, aber— er ist untersetzt und breitschultrig. Er ist voll robuster Kraft, während ihr feingliedrig seid. Seine Züge sind fremde! „Auch seine Neigungen waren von vornherein andere. Diese Sterbende— ich mag ihren Namen nicht mehr nennen— hat gesagt, sein Vater sei ein Ingenieur gewesen. Auch Georgs Neigungen, sein überaus praktischer Sinn, waren von Kind an auf praktische Dinge gerichtet. Du weißt, daß er seinen Beruf nur uns zuliebe aufgab und daß es sofort wieder praktische Dinge, technische Verbesserungen waren, die ihn beschäftigten. Ich weiß es jetzt, eine innere Stimme sagt mir, selbst wenn es nicht beschworen wäre, daß alles so ist, wie Ambrosius es niedergeschrieben hat.— „Aber dann— Agnes Jörge ist dein Bruder! Ist mein Sohn! Mag er sein, wie er will, er kann nichts dafür. Bedenke, die viele Liebe, die er entbehrt hat, bedenke die Pflege, die ihm fehlte! Wer weiß, was aus ihm geworden wäre, wenn er in unserem Hause, betreut von unserer Liebe, unter unseres guten Vaters Hut und von den Lehrern geleitet, die wir euch gaben, aufgewachsen wäre. „Jetzt ist er eben das Produkt dessen, was an ihm gesündigt wurde. Zum Knecht war er weder körperlich noch nach seiner Veranlagung zu gebrauchen. Ich habe so den Gedanken, als ob in ihm selbst ein ungewisses Ahnen ruhte, das ihn verwirrte. Wie oft saß er als Knabe, als zarter, feingliedriger Knabe, über den wir uns wunderten, irgendwo auf einem Hügel und träumte vor sich hin! Was hat er gedacht? Was ging in seiner Seele vor? „Und jetzt? Ist es ein Wunder, daß er über die Stränge schlägt, daß sein schwacher Geist, um den sich niemand gekümmert hat, nun erst recht verwirrt ist? Was für Elemente mögen auf ihn gewirkt haben! Wir haben ein großes Unrecht gutzumachen. Wir dürfen ihn nicht fallen last sen, dürfen uns nicht von ihm wenden, ihn als Eindringling betrachten. Agnes, er ist mein Kind, an dem ich schwer gefehlt habe, wenn auch, ohne es zu wissen. Er ist dein Bruder!" Agnes saß ganz ruhig und antwortete jetzt: „Das habe auch ich mir alles gesagt. Warum ist das nicht früher geschehen? Er ist sechsundzwanzig Jahre. Hälst du es für möglich, daß ein Mann in diesem Alter noch alles vergißt, was er bisher erlebte, und sich vollkommen verwandelt?“ Gräfin Hermine dachte nach. „Es ist vielleicht nur eines, was alles das bewirken könnte— eines, was wir ihm schuldig sind: unsere Liebe!“ Es war, als ob ein Heiligenschein das Antlitz dieser geprüften Frau verklärte, als sie so sprach. „Mutter, du bist ein Engel. Ich weiß, daß du recht hast, aber——“ „Ich will heute zu ihm. Ich ganz allein. Ich will versuchen, ob es irgend etwas gibt, was man die Stimme des Blutes nennt. Nein— du darfst mir nicht wehren. Es ist meine Pflicht, und ich kann es.“ „Ich glaube, zu dieser Stunde ist Georg bei ihm. Er mußte ihm mitteilen, daß er dein Bevollmächtigter ist, denn das Gut muß beaussichtigt werden, und es muß Klarheit herrschen.“ „Ich denke, Georg wird wissen, was er zu sagen hat. Wenn er bei ihm war, soll er zu mir kommen, und— dann gehe ich.“ Es war gewiß kein leichter Gang, den Georg tat, als er zu derselben Zeit, in der Agnes bei der Mutter saß, den sogenannten Fürstenbau betrat, um Jörge zu sprechen. Was aber wäre leicht gewesen von alledem, was ihm jetzt oblag! Georg war gewiß ein innerlich gefestigter Mann, aber— in diesen Stunden war er wie ein Baum, der mit seinen Wurzeln aus dem Erdreich gerissen. Er war nicht mehr er selbst! Nun erst fühlte er, wie sehr er mit der Familie verwachsen war, der er anzugehlren geglaubt hatte. Der Diener öffnete. „Ist *(Fortsetzung folgt.)