der deutschsprachigen Presse e. Ungemeiner Kreisanzeiger osbrens: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichs— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwelm Neustraße Nr. 6.:— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Nr. 2018.— Hostscheckkonto Hannover 76913.— Für unver ner gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Retriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. für den Ennepe==Kahe kreis Schibeier Radlauzeiger Mit den Beilagen: Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig. im Reklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Ge chäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Auf roter Erde— Blätter fül Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Rummer 74 Erstes Blakt Mittwoch, den 30. März 1932 103. Jahrgang Lardien hat sein Hiei Terricht Besprechung mit Macdonald noch vor der Viermächte-Konferenz * London, 29. März. Reuter meldet aus Paris: Botschaften Lord Turrell ist heute vormittag von Tardieu empfangen worden. Im Anschluß wurde amtlich bestätigt, daß der französische Ministerpräsident zum nächsten Wochenende in London mit Macdonald zusammentreffen und daß die Donau=Konferenz der vier Mächte später abgehalten werden wird. Der französische Finanzminister Flandin wird wahrscheinlich Tardieu nach London begleiten. In diesem Falle wird eine französisch=britische Besprechung der Ministerpräsidenten, Außenminister und Finanzminister stattfinden. Zeitpunkt und Zusammenkunftsort der Viermächte=Konferenz sind weiterhin der Gegenstand eines diplomatischen Meinungsaustausches. Wie Reuter weiter berichtet, steht bisher nur fest, daß die Viermächte=Konferenz nach der Unterredung zwischen Tardien und Macdonald stattfinden soll. Man erwarte, daß die vier Minister in London zusammenkommen sollen, doch sei der Ort noch nicht endgültig bestimmt. Tardieu, der am 11. April zum Wiederbeginn der Abrüstungskonferenz in Geuf sein wolle, werde vorher nach London kommen. Die Verhandlungen mit Macdonald würden voraussichtlich am Samstag und Sonntag stattfinden. Englands Einladung * London, 29. März. Die englische Regierung hat am Dienstag dem französischen Ministerpräsideuten Tardieu eine amtliche persönliche Einladung übersandt, zu einer Besprechung mit Macdouald und anderen englischen Ministern nach London zu kommen. In der Einladung wird als Zweck der Besprechungen die Erörterung wirtschaftlicher Fragen der Donauländer angegeben. Englischerseits ist der kommende Montag als Tag der Zusammenkunft angeregt worden. Die Absendung der amtlichen Einladung erfolgte im Anschluß an eine Besprechung, die der französische Botschafter in London, de Fleuriau, im Außenamt hatte. Aus der Fassung der englischen Einladung geht hervor, daß Macdonald lediglich die Donaufrage auf das Programm gesetzt hat. Sollte Tardien den Wunsch haben, auch andere beide Länder interessierende Verhandlungsgegenstände zur Erörterung zu stellen, so soll ihm die Initiative hierzu überlassen bleiben. Was die Zusammenkunft der Vertreter der vier an der Donaufrage interessierten Mächte angeht— die englische Diplomatie vermeidet bewußt das Wort„Konferenz“— so steht jetzt fest, daß sie durch den Besuch Tardieus eine Verschiebung erfahren wird. Eine amtliche französische Antwort auf die diesbezügliche Einladung Englands ist in London noch nicht eingegangen. London legt Wert darauf, daß die Zusammenkunft baldmöglichst nach der Aussprache Tardien=Macdonald in London stattfindet Die englische Diplomatie hält es für richtig, daß die Großmächte sich zuerst über die gemeinsamen Richtlinien einigen sollen, deren Durchführung sie dann den Donauländern empfehlen können. Eine Zusammenkunft in Genf, wie sie von Paris gewünscht wird, wird in London nicht für wünschenswert gehalten, da dort die Gefahr bestehe, daß auf französische Initiative hin die Donaumächte vorzeitig zu den Verhandlungen hingezogen werden könnten. Das sei nach englischer Auffassung untunlich. Immerhin ist die Londoner Dinlamatie bereit, auch über andere Plätze als London für die Zusammenkunft der Vertreter der vier Großmächte zu verhandeln, wobei allerdings in Kauf genommen werden müsse, daß bei einer Ausschaltung von Geuf Frankreich nicht durch Tardieu vertreten sein würde, der bereits seine Ansicht hierüber in London unweideutig zum Ausdruck hat bringen lassen. Es ist ferner die Ansicht Englands, daß außer dem Tardieuplan auch andere Donaupläne erörtert werden müßten. Das Schicksal der Zusammenkunft der Vertreter der vier Großmächte wird wesentlich von dem Ergebnis der Aussprache zwischen Tardien und Macdonald abhängen. In politischen Kreisen werden die Aussichten für einen Sieg der englischen Auffassung ziemlich pessimistisch beurteilt. Es werden bereits Zweifel geäußert, ob es Macdonald gelingen werde, gegenüber dem Widerstand Tardieus die Vier=Mächtekonferenz zustande zu bringen. Brüning meldet sich auch zum Wochenende an * Berlin, 29. März. Der Reichskanzler hat im Verlauf der diplomatischen Verhandlungen, die seit Samstag zwischen Paris, Berlin, Rom und London über die Einladung des englischen Ministerpräsidenten Macdonald zu einer Donaukonferenz geführt worden sind, sich bereit erklärt, zum Wochenende am 3. April nach London zu kommen. Die deutsche Regierung steht dem Gedanken einer Konferenz über die wirtschaftliche Hilfe für die Donaustaaten grundsätzlich sympathisch gegenüber, da sie stets die Ansicht vertreten hat daß den Donaustaaten, zu denen das Deutsche Reich auch Bulgarten rechnet, möglichst schnell und umfassend geholfen werden muß. Kurze Tagesneuigkeiten Devisenhöchstbeträge für April auf 55 v. H. ermäßigt. * Berlin, 29, März. Der Reichswirtschaftsminister hat angeordnet, daß die Importeure für den Monat April 1932 den Höchstbetrag ihrer allgemeinen Devisengenehmigungen nur bis zur Höhe von 55 v. H. in Anspruch nehmen dürfen. Für die diesen Betrag übersteigenden Zahlungsverbindlichkeiten werden die Firmen auf die Inanspruchnahme von Lieferantenkrediten und die Ausnutzung der Kreditlinien des Stillhalteabkommens verwiesen. Pariser Reise Dr. Dorpmüllers. * Berlin, 29. März. Wie wir erfahren, hat sich der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Dr. Dorpmüller. nach Paris begeben. Dort tritt Ende des Monats der Völkerbundsausschuß zusammen, der mit dem Studium der Frage beauftragt ist, wie durch Vergebung öffentlicher Arbeiten die Arbeitslosigkeit der Welt gemildert werden kann. Dr. Dorpmüller ist Vorsitzender dieses Ausschusses. „Graf Zeppelin" nach Friedrichshafen zurückgekehrt. * Friedrichshafen, 29. März. Um 16,12 Uhr erschien das Luftschiff zum erstenmal über dem Flugplatz, um 16,20 Uhr wurde die Post abgeworsen und um 16,37 Uhr war der„Graf Zeppelin“ wieder glatt auf dem Werftgelände gelandet. Die NSDAP. im zweiten Wahlgang. * München. 29. März. In einer von der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz veröffentlichten Kundgebung Hitlers wird für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl eine umfassende Pressepropaganda angekündigt. Die gesumte nationalsozialistische Presse werde ab Ende März auf zehn Tage im beschränkten Umfange, aber in einer verdreifachten bis verzehnfachten Auflage erscheinen. Tunesischer Prinz erschießt die Gattin eines Diplomaten. * Paris, 29. März. Im südfranzösischen Badeort Cap d'Gil bei Monte Carlo hat gestern der tunesische Prinz Ben Ayat die Gattin eines früheren Attachés der finnischen Gesandtschaft in Paris, zu der er in Beziehungen stand, erschossen, und sich selbst eine schwere Schußverletzung beigebracht. Aus einem hinterlassenen Brief geht hervor, daß die beiden freiwillig aus dem Leben scheiden wollten. Man vermutet, daß der Vater des Prinzen die Verbindung nicht billigte und sie zu verhindern suchte. Bulgarien zahlt in Tabak. * Bukarest, 29. März. Rumänien hat der bulgarischen Regierung auf deren Mitteilung, daß sie die am 23. April fällige Summe von 55 Millionen Lei(rund 1,38 Millionen Mark) nicht zahlen könne, den Vorschlag gemacht, ihre Schuld durch die Lieferung von mazedonischen Tabak zu begleichen. Die bulgarische Regierung habe sich dazu bereit erklärt, jedoch mitgeteilt, daß der Tabak erst nach Ablauf des Hoover=Moratoriums geliefert werden könne. England zahlt 126 Millionen Mark an Amerika zurück. * Newyork, 29. März. Das britische Schatzami wird heute die vorletzte Rate des 200=MillionenDollar=Kredits in Höhe von 30 Millionen Dollar (126 Millionen Mark) an Amerika zurückzahlen. Die letzte Rate in Höhe von 20 Millionen Dollar wird am 5. April gezahlt werden. Damit wird dann der gesamte 200 Millionen=Kredit, den England in der Zeit der Krise von den amerikanischen Bankiers erhalten hat, zurückgezahlt sein. Der Tod der Amerikanerin Ruth Rogers. * Wien, 28. März. Die 34jährige Amerikanerin Ruth Rogers, die zuletzt in Paris gewohnt hat, wurde auf der Fahrt von München nach Salzburg im Orientexpreß Paris—Bukarest vom Speisewagenkellner, der sie zum Essen wecken wollte, in ihrem Schlafwagenabteil tot aufgefunden. Die Leiche wurde in Salzburg aus dem Wagen geschafft. Die Ursache des Todes der Amerikanerin ist noch ungeklärt. Wilkins will ernent U=Boot=Fahrt zum Nordvol versuchen. * London, 29. März. Sir Hubert Wilkins, der bekanntlich im September vorigen Jahres einen erfolglosen Versuch zur Erreichung des Nordvols mit dem Unterseeboot„Nautilus“ unternommen hatte, teilt mit, daß er demnächst den Versuch mit einem anderen U-Boot wiederholen will. Für Mexikos Küstenschutz. 9 Mexiko=Stadt, 29. März. Wie United Preß aus verläßlicher Quelle erfährt, beabsichtigt die mexikanische Regierung, mehrere kleine Küstenschutzfahrzeuge anzukaufen, um dem unerlaubten Fischfang in den mexikanischen Gewässern ein Ende zu bereiten. Deutsche, spantsche und holläudische Werften sollen Angebote eingereicht haben. Pressestelle der AsdAp. zur Berichtigung des Reichsinnenministeriums München, 29. März. Zu der Berichtigung des Reichsinnenministeriums betreffend den nationalsozialistischen Befehl vom 2. März teilt die Pressestelle der NSDAP. mit: Die Abgeordneten Göring und Dr. Frank II haben im Verlaufe ihrer Unterredung mit dem Reichsinnenminister dem General aus den Akten des Rechtsanwalts Dr. Frank II die Originalfassung des Befehls des Stabschefs der SA. vom 2. März, Vorbereitungen für den Reichspräsidentenwahlkampf betreffend, unterbreitet. Es ist unrichtig, daß General Groener im Verlaufe dieser Unterredung irgendwie erklärt hätte, daß, wenn er den Wortlaut des Befehls vorher gekannt hätte, er sofort Einspruch erhoben hätte. Es wird demgegenüber ausdrücklich festgestellt, daß bei diesem Empfang Reichsinnenminister Groener seinem Erstaunen über die Polizeiaktion Severings Ausdruck verliehen hat. Ausdrücklich hat Reichsinnenminister Groener erklärt, daß er persönlich an der Legalität Hitlers in keiner Weise zweifle. Aushebung illegaler kommunistischer Druckereien * Hamburg, 30. März. Ermittlungen der Hamburgischen Staatspolizei im Zusammenwirken mit der politischen Polizei in Altona führten zur Aufhebung von zwei in Hamburg befindlichen Druckereien und zur Festnahme mehrerer Personen. In einer der Druckereien wurden illegale kommunistische Druckschriften, darunter eine Polizeibeamtenzeitung und die Zeitschrift„Das Sturmbanner“! gefunden und beschlagnahmt. Einer der beiden Inhaber dieses Betriebes wurde verhaftet. Sein Kompagnon ist flüchtig. Auch in der zweiten Druckerei konnten Exemplare des„Sturmbanners“! beschlagnahmt werden. Gleichzeitig mit den Schriften wurden die Maschinen eingezogen. Die Inhaber der zweiten Druckerei und zwei weitere Personen, die mit der Herstellung illegaler Schriften beauftragt waren, sind in Haft genommen worden.“ Zeitungsverbote * Schleswig, 29 März. Der Oberpräsident der Provinz Schleswig=Holstein hat die„Schleswiger Nachrichten“ auf die Dauer von drei Tagen, und zwar vom 29. bis 31. März, verboten, weil sie der Aufforderung des Oberpräsidenten den Abdruck bestimmter Meldungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen, abgelehnt hatten. Gegen das Verbot haben die„Schleswiger Nachrichten“ sofort Beschwerde eingelegt.(Es handelte sich um Tatsachenberichte(u. a. eine Hitler=Erklärung), die von den Telegraphenbüros verbreitet worden sind. Die Schriftlig.) * München, 29. März. Wie der„Völkische Beobachter“ meldet, fand in der Münchener Gauleitung und Schriftleitung des Gauorganes„Die Front" am Ostersonnabendnachmittag eine polizeiliche Haussuchung nach neu herausgegebenen Parleizeitungen statt. Ueber 1400 Nummern wurden beschlagnahmt, weil durch die Verteilung dieser Zeitungen das Flugblattpropagandaverbot umgangen würde. Vier SA.=Männer sind nach der gleichen Quelle verhaftet worden, da bei ihnen mehrere Zeitungen vorgefunden wurden. Gegen die Beschlagnahme hat die Schriftleitung Einspruch erhoben. Die Volksparkei im Wahlkampf * Berlin, 29. März. Die Deutsche Volkspartei hat die technischen Vorbereitungen für die Preußenwahlen beendet. Die Listen liegen in sämtlichen Wahlkreisen fertig vor. Fast überall stehen die bisherigen Abgeordneten an der Spitze. Nur hier und da ist eine Auswechslung vorgenommen worden. An der Spitze der Landesliste steht wieder der Abg. Stendel. Ihm folgt an zweiter Stelle Frau von Kulesza. Durch die Verbindung mit der Volksrechtspartei sind auch den Christlich=Sozialen auf der Landesliste zwei Plätze eingeräumt worden. Der Führer der Volksrechtspartei, Graf von Posadowsky steht an 5. Stelle. Die Deutsche Volkspartei wird in der nächsten Woche ihren Wahlaufruf veröffentlichen, in dem sie zunächst ihre bisherige Politik im Preußischen Landtag als Oppositions= partei skizziert und dann die neuen Ziele umreißt. Deutschland und der Osten Die Aeußerung des Reichswehrministers Dr. Groener, daß ein feindlicher Angriff auf Ostpreußen dem aktiven Widerstand des ganzen Volkes begegnen werde, hat in ganz Deutschland einen lebhaften Widerhall gefunden. Dieses Wort mußte einmal gesagt werden. Das ganze deutsche Volk hat darauf gewartet, besonders die Ostmärker, die den Charakter der polnischen Nachbarn sehr genau kennen. Sie wissen, daß jede Schwächeanwandlung den polnischen Eroberungswillen nur noch steigert. Sie haben im Jahre 1918=19 erfahren, welches nationalpolitische Gut durch die Instinktlo= sigkeit sozialistischer Arbeiter= und Soldatenräte und durch den politischen Dilettantismus eines pazifistischen Ideologen vom Schlage Helmut von Gerlachs vergeudet worden ist. Die Nachrichten über die bedrohliche Haltung unserer östlichen Nachbarn hatten sich bedenklich gemehrt. Bei den Litauern sehen wir täglich, mit welchen Mitteln sie die Rechte des deutschen Voltstums im Osten vergewaltigen. Groener hat zu den Zuständen im Memelgebiet ausgeführt, daß Deutschland sie mit heißem Herzen, aber mit kühlem Kopfe verfolgen müsse. Einer solchen Warnung vor Unbesonnenheiten bedarf es wohl kaum, und wir wünschen nur, daß die Reichsregierung endlich aus ihrer Passivität erwachte und alle diejenigen Maßnahmen in die Wege leitete, die mit einer Politik des„kühlen Kopfes“ durchaus vereinbar sind: Wirtschaftsboykott gegen Litauen, Aufrollung der Memelfrage aufbreitesterinternationaler Grundlage mit dem Ziel, Litauen die erschlichene Souveränität über dieses Gebiet so bald wie möglich wieder abzunehmen. Was unsere besonderen Freunde, die Polen. betrifft, so haben sie sich in der letzten Zeit in wüsten Drohungen gegen Danzig und Ostpreußen ergangen. Die Tatsache, daß die polnische Politik dieses Ziel erstrebt, kann auch durch noch so geschickte Reiseberichte gewisser demokratischer deutscher Großstadtblätter nicht aus der Welt geschafft werden. Der ganze Aufbau des polnischen Staates ist von der Absicht diktiert, dieses Staatswesen für eine imperialistische Expansionspolitik reif zu machen. Wir wissen, daß auch andere Staaten die Ehre haben, von den Polen als Objekte einer solchen Politik betrachtet zu werden; uns interessiert aber in erster Linie die unbestreitbare Tatsache, daß das kerndeutsche Land Ostpreußen nach dem Willen nicht nur der polnischen Militärpartei, sondern auch sehr maßgebenden politischer Kreise baldmöglichst dem polnischen Staatsverbande einverleibt werden soll. Welches Schicksal dann der deutschen Bevölkerung in diesen Grenzländern drohen würde darüber wissen diejenigen ganz genau Bescheid, die im Osten deutschen Boden und deutsches Volkstum Schritt für Schritt verteidigen. Es war höchste Zeit, daß ihnen einmal eine moralische Unterstützung durch ein entschiedenes Wort des Reichswehrministers Groener zuteil wurde. Aber leider ist diese Freude. rein innenpolitisch gesehen, nicht ganz ungetrübt. Ostpreußen hatte sich bekanntlich den Zorn der Vertreter des heutigen Systems dadurch besonders zugezogen, daß beim ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl hier unverhältnismäßig viele Stimmen für Hitler abgegeben wurden. Wir glauben selbstverständlich nicht. daß der Reichswehrminister mit Rücksicht hierauf seine Erklärungen zum Schutze Ostpreußens formuliert hat, obwohl in der Linkspresse immer wieder behauptet worden ist, die hohe Stimmenzahl für Hitler in Ostpreußen rühre daher, daß man dort glaube, die Reichsregierung wolle Ostpreußen im Ernstfall kampflos„versacken" lassen. Lehrreich ist dieser Vorgang aber dennoch. Er beweist nämlich, daß in den national bewußtesten und besten Kreisen der Bevölkerung das Mißtrauen gegen den Kurs der heutigen Reichsregierung riesengroß geworden ist. Hätte die Reichsregierung schon bei früherer Gelegenheit ähnliche Erklärungen, für die ein dringendes Bedürfnis vorlag, abgeben lassen, so hätte die System=Presse jetzt wahrscheinlich keinen Anlaß, sich über die vielen Hitlerstimmen in Ostpreußen zu ärgern. Aber auch hier zeigt sich wieder einmal, wieviel Unheil gerade in der nationalen Bevölkerung, die sich mit dem Sieger von Tannenberg auf das innigste verbunden fühlt, durch den Kurs der deutschen Regierungspolitik in der letzten Zeit angerichtet worden ist. Gerade der deutsche Osten wird in unserer Politik endgültig den Weizen von der Spreu scheiden. Denn hier kommt einmal der Zeitpunkt, an dem das Verhandeln nichts mehr gilt, sondern an dem allein das Handeln besteht. Wird aber an unser Vaterland diese letzte Schicksalsfrage erst einmat gerichtet, dann kommt es wieder auf die soldatischen Eigenschaften des Volkes an und nicht auf die Fähigkeiten, in Massenversammlungen alle möglichen Effekte zu erzielen. Diese Bewährungsprobe liege noch vor uns. Ihr Ausgang kann für viele Ueberraschungen bringen. Aber sie muß bestanden werden, denn es geht um den Osten, also um unser staatliches Schicksal. ### rotilmarchiv Mkrommarenn“ der deutschsprachigen Presse e.V. Bemung der nommanuigebuhten Ein Vorschlag Hugenbergs für die preußischen Landlagswählen * Berlin, 29. März. Im Deutschen Schnelldienst schreibt Dr. Hugenberg u. a.:„Es gibt eine Anzahl von Parteien im Deutschen Reich, die heute im Lande nur wenige Menschen hinter sich haben. Wenn sie für die bevorstehenden Preußen=Wahlen eigene Listen aufstellen, wird im Lande nahezu niemand bei diesen Parteien zum Abgeordneten gewählt werden, weil im einzelnen Wahlbezirk die erforderliche Stimmenzahl von 50000 Stimmen nicht erreicht wird. Es entsteht dann die Gefahr, daß jede derartige Partei den Verlust von mehreren hunderttausend bürgerlichen Stimmen verursacht. Bei den bevorstehenden großen Entscheidungen wäre dieses Verfahren eine so schwere Versündigung am Volke, daß schon wegen dieser Gefahr niemand einer Partei seine Stimme geben kann, die das tut. Es fragt sich. ob es nicht angängig und zweckmäßig wäre, zu sagen: Ließe sich nicht ein Abkommen folgenden Inhalts mit der Deutschnationalen Volkspartei treffen: Die Reststimmen der betreffenden Parteien kommen, da sie mangels der entsprechenden Stärke sonst im Lande verloren sein werden, auf die deutschnationale Liste.— Es wird sichergestellt, daß auf dieser eine entsprechende Anzahl von geeigneten Vertretern der fraglichen Parteien stehen und in den Landtag kommen. Ueber drei Grundziele müßte allerdings vollste Einigkeit herrschen: 1. Klarer und entschiedener Nationalismus. 2 Ablehnung jeder Sorte von Sozialismus. 3. Bildung eines nationalen antimarxistischen Kabinetts in Preußen und im Reich. Er, Hugenberg, mache diesen Vorschlag öffentlich, weil zu Verhandlungen hinter den Kulissen infolge der plötzlichen Verfrühung des preußischen Wahltermins keine Zeit mehr sei. Bilanz des preußischen Landtages 284 Voll= und 2000 Ausschußsitzungen Der gegenwärtige Preußische Landtag führt seit seiner abschließenden Sitzung am 18. ds. Mts. nur noch ein Schattendasein. Er hat eine Zählebigkeit bewiesen, die ihm trotz stürmischer Bewegtheit der politischen Entwicklung und der mehrfach von der Opposition dringend erhobenen Forderung nach vorzeitiger Auflösung jetzt seinem natürlichen Ende entgegengehen läßt. Ein Rückblick auf seine vierjährige Tätigkeit zeigt zunächst rein zahlenmäßig, daß der Landtag seit dem Tage seiner Konstituierung, dem 8. Juni 1928, bis zu seiner voraussichtlich letzten Sitzung am 18. März 1932 284 Vollsitzungen und weit über 2000 Ausschußsitzungen abgehalten hat. Die stenographischen Aufzeichnungen der Verhandlungen allein der Vollsitzungen füllen mehr als 25000 Druckspalten. Die Parteien waren außerordentlich fruchtbar in der Stellung von Anträgen und der Einreichung von Interpellationen; einschließlich der von der Regierung vorgelegten Gesetzentwürfe hat sich der Landtag mit 8416 derartigen Vorlagen zu beschäftigen gehabt. Darunter befinden sich auch zahlreiche Mißtrauensanträge der Oppositionsparteien, die entweder gegen das gesamte Staatsministerium oder gegen einzelne Staatsminister gerichtet waren. Namentlich dem Minister des Innern ist von der Opposition sehr häufig das Mißtrauen bescheinigt worden. Bei der kleinen, aber zuverlässigen Mehrheit, die die preußische Staatsregierung im Ländtag hinter sich hatte, waren allerdings sämtliche Mißtrauensanträge von vornherein zum Scheitern verurteilt. Betrachtet man die seit dem Sommer 1928 vom Landtag geleistete positive Arbeit, so ist, wenn man von der Haushaltsberatung für die Rechnungsjahre 1929 bis 1931 absieht, das Ergebnis der dritten Wahlperivde ein recht mageres. An größeren Gesetzesarbeiten sind eigentlich nur zu nennen die Verträge mit dem Heiligen Stuhl und den Evangelischen Landeskirchen, der Anschluß Waldecks an Preußen, die kommunale Neugliederung des rheinisch=westfälischen Industriegebietes, das Polizeiverwaltungsgesetz, die Novelle zum Groß=Berliner Selbstverwaltungsgesetz und das Gesetz über die Familiengüter(Fideikommisse). Unerledigt sind geblieben die Entwürfe für ein Städtebaugesetz und die Neuregelung der Rechtsverhältnisse der Studenten an den staatlichen Hochschulen. Auch eine Verwaltungsreform, die oft und dringend gefordert wurde, ist in diesem Landtag nicht zustande gekommen. Die Frage, ob die Schuld hieran den Landtag trifft oder ob sie bei der Regierung zu suchen ist, ist sehr umstritten. Dagegen kann man den Landtag für die unerfreuliche Tatsache, daß der Haushalt für 1932 nicht mehr verabschiedet werden konnte, kaum verantwortlich machen, da infolge der späten Einbringung des Haushalts durch die Regierung es einfach an der für die Beratung erforderlichen Zeit fehlte. Der größte Posten in der Bilanz dieses Preußischen Landtags ist zweifellos die Tatsache, daß durch seine Zusammensetzung Preußen von Regierungskrisen unberührt geblieben ist. Die unter der Ministerpräsidentschaft Brauns im Jahre 1921 begonnene Politik ist im wesentlichen ohne Störungen auch in den letzten vier Jahren weiter verfolgt worden. Den heftigen Streit, der zwischen den Regierungsparteien und der Opposition darüber besteht, ob dieser Posten in die Aktiv= oder in die Passivseite der Bilanz des Landtags einzusetzen ist, wird die Neuwah entscheiden. De Valeras Antwort an London London, 29. März. Nach einer Reutermeldung aus Dublin wird de Valera in seiner Antwort an die britische Regierung erneut erklären daß die Abschaffung des Treueides keinen Ver tragsbruch bedeuten würde, und daß der Treueii auf jeden Fall eine Komödie gewesen sei un bleiben werde. De Valera scheint entschlossen z sein, dem Parlament bei seinem Zusammentrit einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den der Treueid abgeschafft wird. Auch hinsichtlich de Jahreszahlungen an England werde er seine Standpunkt aufrechterhalten, daß die Zahlunger nicht auszuführen seien. * London, 29. März. Wie Reuter aus Dubli erfährt, hat das Kabinett nach mehrstündiger Be ratung de Valeras Antwort an die britische Regierung über den Treueid und über die Jahrezahlungen an England gebilligt und den irische Generalstaatsanwalt mit der Abfassung des amt lichen Wortlauts der Antwort beauftragt. Die Gemeinden haben ihre * Berlin. 30. März. Nach eingehenden Verhandlungen mit den kommunalen Spitzenverbäuden hat der Reichskommissar für Preisübermachung zur Ergänzung und Unterstützung der Bestrebungen auf Senkung der Preise für lebenswichtige Waren und Leistungen die Gemeinden und Gemeindeverbände aufgefordert, die Möglichkeit einer Senkung der bisher erhobenen kommunalen Gebühren, Beiträge und privatrechtlichen Leistungsentgelte zu prüfen. Dieser Forderung wollen die Gemeinden und Gemeindeverbände nachkommen, obwohl die kommunalen Haushalte durch die steigenden Wohlfahrtslasten und den Rückgang des Steueraufkommens außerordentlich belastet sind. Die Nachprüfung wird sich im wesentlichen erstrecken auf die Gebühren für Müllbeseitigung, Kanalisation und Straßenreinigung, Markthallen, öffentliche Märkte, Vieh= und Schlachthöfe sowie Fleischbeschau und Trichinenschau, Friedhöfe und Krematorien, Badeanstalten, Krankenhäuser, Heil= und Pflegeanstalten, Krüppel= und Siechenheime und sonstige Anstalten auf dem Gebiet des Gesundheitswesens, ferner auch auf das Gebiet der privatrechtlichen Leistungsentgelte, insbesondere auf die Nachprüfung der Gebühren des Anschlagwesens sowie auf die Entgelte für Tankstellen. Zur Senkung der Entgelte sollen grundsätzlich alle Ersparnisse verwandt werden, die den Gemeinden und Gemeindeverbänden aus der vierten Notverordnung vom 8. Dezember 1931 durch die Verminderung der Selbstkosten, deren Berechnung durch die Grundsätze im einzelnen genau geregelt ist, entstehen. Eine Senkung der „Litauen macht sich über den Völterbund lustig Ein französisches Blatt zur Lage im Memelgebiet. * Paris, 29. März.„Avenir“ nimmt zum Memelkonflikt Stellung und schreibt: Litauen macht sich über den Völkerbund und die Großmächte lustig. Bei der letzten Völkerbundstagung, so fährt das Blatt fort, habe Zaunius die Versicherung gegeben, daß sein Land keine Neuwahlen unter dem Belagerungszustand ausschreiben werde. Jetzt lasse Zannius durch die ihm ergebenen Blätter ankündigen, daß dieser Teil seiner Versprechungen vielleicht nicht gehalten werden würde. Man spreche auch von einer möglichen Aenderung des Wahlgesetzes, um„den schädlichen Einfluß der politischen Parteien auszuschalten". Alles das verspreche nichts Gutes. Die bestehenden Verträge gäben den Mächten aber die Möglichkeit aus dieser Sackgasse herauszukommen. Die beiden miteinander lebenden Rassen müßten die gleichen Rechte haben; die Methode der zwangsweisen Litauisierung dürfe den deutschen Revisionisten keine Argumente liefern. Ob Mehrheit oder Minderheit, so schließt das Blatt, die Memeldeutschen dürften nicht von einer Macht schikaniert werden, die das Gebiet nur gegen präzise Verpflichtungen erhalten habe. Deutscher im Memelgebiet verhaftet Wegen angeblicher Spionage. * Memel, 29. März. Wie das„Memeler Dampfboot“ meldet, hat die politische Polizei einen gewissen Becker, der deutscher Reichsangehöriger ist verhaftet, weil er angeblich Spionage getrieben hat. Es soll bei ihm belastendes Material gefunden worden sein. Die Angelegenheit ist dem Untersuchungsrichter für besondere Angelegenheiten übergeben worden. Antwort des Staatsgerichtshofes Die Klage des Brannschweigischen Staatsministeriums gegen den Österburgfrieden. * Braunschweig, 29. März. Das braunschweigische Staatsministerium hatte beim Staatsgerichtshof Verwaltungsklage erhoben und beantragte, die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des inneren Friedens vom 17. März 1932 aufzuheben, gegebenenfalls ihre Gültigkeit auf die Zeit vom 20. bis einschließlich 28. März zu beschränken, da nach Ansicht des Staatsministeriums die Voraussetzungen für den Erlaß dieser Verordnung nicht gegeben seien, und eine erhebliche Störung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht eintreten würde, wenn die Verordnung nicht erlassen worden wäre. Wie die Telegraphen=Union aus dem Staatsministerium erfährt, ist nunmehr die Antwort des Staatsgerichtshofes auf diese Verwaltungsklage eingegangen. Der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich teilt mit, daß es nach der Geschäftsordnung des Staatsgerichtshofes unmöglich sei, eine Entscheidung über die Klage auf Kürzung des Österburg= friedens vor Ablauf desselben herbeizuführen. Auf jeden Fall müsse, so heißt es in der Befründung, dem Eventualantrag entsprochen werden, da die kirchlichen Interessen, die den Erlaß der Verordnung veranläßt hätten, genügend geschützt sein würden, wenn die Verordnung für die Karwoche und die beiden Osterfeiertage erlassen vorden wäre. Zumindest über diese Zeit hinaus ntbehre die Verordnung der Notwendigkeit zu hrem Erlaß und damit der Rechtsgültigkeit. der Grund der Jenaer Familienkragödie Oberlandesgerichtsrat Meurer stand vor völliger Erblindung * Jena, 29. März. Die kriminalpolizeilichen Feststellungen über das Drama, das in der Nacht um Karfreitag sieben Menschen das Leben geostet hat, haben ergeben, daß Oberlandesgerichtsat Dr. Meurer schwer augenleidend war. Am dründonnerstag hat er, wie er selbst in einer Ritteilung an eine Verwandte schrieb, sein„Toesurteil“ gehört:„In etwa zwei Monaten lind". Das hat dem ohnehin seelisch bedrückten Rann den Rest gegeben. Ohne diese Erkenntnis fürde sich die Tat kaum ereignet haben, denn bis ahin hatte Meurer alle Vorbereitungen zur Umestaltung seiner bisherigen Verhältnisse geroffen. Die sieben Leichen wurden heute im Lause des Tages durch Feuer bestattet. Bereitwilligkeit ausgesprochen Entgelte muß erfolgen, wenn der Ertrag die Selbstkosten der Gemeinden oder Gemeindeverbände übersteigt. Eine Senkung der Gebühren unter die Selbstkosten kommt nicht in Frage. In den Fällen, in denen die Entgelte die Selbstkosten nicht decken, ist eine Senkung überhaupt nicht erforderlich. Da es bei den ständig steigenden Wohlfahrtslasten und den rückgängigen Steuereingängen vollkommen ausgeschlossen erscheint, daß in einer Gemeinde sämtliche für eine Nachprüfung in Betracht kommenden Anstalten ihre Gebühren und sonstigen Entgelte senken können, lassen die Grundsätze es zu, die Ersparnisse aus der Notverordnung und die Minderung der Sachkosten gegenüber dem Stande vom 1. 7. 1931 innerhalb der Verwaltung zusammenzuziehen und zu besonders kräftiger Senkung an einzelnen Stellen, z. B. bei den Gas= und Elektrizitätswerken oder bei den Schlachthofgebühren usw., je nach den Bedürfnissen des einzelnen Ortes, soweit nicht gesetzliche Bestimmungen entgegenstehen, zu verwenden. Die gesamte Durchführung der Gebührensenkung ist davon abhängig, daß nicht der Reichsminister der Finanzen oder die zuständigen obersten Landesbehörden auf Grund gesetzlicher Bestimmungen Anordnungen über die Verwendung der den Gemeinden aus der Notverordnung entstehenden Ersparnisse getroffen haben oder noch treffen werden. Von zahlreichen Groß=, Mittel= und Kleinstädten sind bereits entsprechend diesen grundsätzlichen Mitteilungen Senkungen von kommunalen Gebühren, Beiträgen und privatrechtlichen Leistungsentgelten vorgenommen worden. Groeners Stellung zum SA.-Befehl Der Reichswehrminister hat den SA.=Befehl nicht gekannt Berlin, 29. März. In einigen Zeitungen wird behauptet. Reichsminister Groener habe den nationalsozialistischen Befehl über die Zusammenziehung der SA.=Mannschaften am Wahltage vorher gekannt. Vom Reichsinnenministerium wird demgegenüber festgestellt, daß diese Behauptung nicht zutrifft. Der Minister hatte lediglich Kenntnis von der Tatsache, daß die SA.=Leute in besonderen Unterkünften zusammengezogen werden sollten. Der Befehl selbst oder der Entwurf eines Befehls hat dem Minister nicht vorgelegen. Im übrigen hat der Minister von vornherein die schwersten Bedenken gegen derartige Pläne gehabt. Den Wortlaut des Befehls hat er erst bei dem Besuch der nationalsozialistischen Führer Göhring und Frank II am Freitag, dem 18. ds., eingesehen. Bei diesem Besuch hat Minister Groener erklärt, daß er sofort gegen derartige Pläne Einspruch erhoben haben würde. Zur Wahlparole des Stahlhelms * Hagen, 29. März. Zu der Nachricht, der Stahlhelm habe eine Wahlparole für die Deutschnationale Volkspartei ausgegeben, erklärt die Führung der Landesverbände Westmark und Westfalen des Stahlhelm:„Die Nachricht ist falsch und beruht auf einem offensichtlichem Mißverständnis irgendeiner Dienststelle. Sie wird demnächst noch vom Bundeskanzler des Stahlhelm dementiert werden. Die Wahlparole des Stahlhelm kann aus Gewissenspflicht nur überparteilich sein. Das ist auch der klare Beschluß des Bundesvorstandes. Die Stahlhelmlandesverbände Westmark und Westfalen werden an diesem Grundsatz bedingungslos festhalten.“ Die Staatsleistungen für die Kirchen * Berlin, 29. März. Für die evangelischen Kirchen in Preußen werden gegenwärtig 32 Millionen vom Staate gezahlt. Im Jahre 1930 waren es noch reichlich 55 Millionen, im vorigen Jahre 49 Millionen. Für die katholische Kirche werden rund 15 Millionen gezahlt gegen 21 Millionen im Jahre 1930 und 19 Millionen im vorigen Jahre. Die Kürzung gegenüber 1930 beträgt also bei den evangelischen Kirchen rund 23 Millionen, bei der katholischen Kirche rund sechs Millionen. Der Staat hat sich bei diesen Abstrichen auf den Satndpunkt gestellt, daß die von den Kirchengemeinden aufzubringenden Beträge für die Besoldung der Pfarrer trotz der allgemeinen Gehaltskürzungen und der damit verbundenen Minderung der Steuerkraft in der alten Höhe zu zahlen sind. Die Erleichterung, die mit den Gehaltskürzungen der Pfarrer gegeben ist, kommen also dem Staat, nicht den Kirchengemeinden zugute. Diese letzteren haben vielmehr den vollen Betrag wie früher aufzubringen. Einstellung der Zeindseligkeiten im Osten? Japan meldet: Einigung mit den Chinesen in Schanghai— Aber immer noch ungeregelte Fragen Schanghai, 29. März. Einer amtlichen japanischen Verlautbarung zufolge wurde am Dienstag eine chinesisch=japanische Vereinbarung zur endgültigen Einstellung der Feindseligkeiten erreicht. Beide Parteien haben demnach ihre Einwilligung zu den in dem vor kurzem abgeschlossenen vorläufigen Abkommen niedergelegten Bedingungen gegeben, wonach die chinesischen Truppen in ihren jetzigen Stellungen verbleiben, die Japaner sich nach der internationalen Niederlassung und die angrenzenden Straßen zurückziehen sollen und ein neutraler Ueberwachungsausschuß eingesetzt wird. Die japanische Forderung, zeitweilig wegen der starken Truppenzahl noch einige Militärabteilungen in den außerhalb der internationalen Niederlassung gelegenen chinesischen Gebieten belassen zu dürfen, ist von den Chinesen angenommen worden. Besonders bezeichnete japanische und chinesische Flugzeuge dürfen bei den Truppenzurückziehungen als Erkundungsflugzeuge verwendet werden. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in den geräumten Gebieten wird eine besondere chinesische Polizeitruppe gebildet, über deren Aufgaben die chinesische Regierung noch eine formelle Erklärung abzugeben hat. Für Mittwoch ist eine neue chinesisch=japanische Besprechung festgesetzt worden, in der die für eine endgültige Regelung notwendigen Einzelheiten durchberaten werden, und zwar: 1. die Punkte, bis zu denen die japanischen Streitkräfte zurückgezogen werden sollten; 2. der Zeitpunkt, bis zu dem die Räumung durchgeführt sein muß; 3. die Frage der Verwaltung der geräumten Gebiete. Schwere Kämpfe mit chinesischen Banden in der Mandschurei * Mukden, 29. März. Bei der Stadt Nunang haben sich schwere Kämpfe zwischen starken japanischen Truppenabteilungen und chinesischen Bauden entwickelt. Die Chinesen griffen am Montag abend die Stadt an, wurden jedoch am Dienstag von den Japanern wieder zurückgeschlagen. Von Tschangtschun sind starke japanische Infanterieabteilungen sowie Flugzeuge nach der belagerten Stadt in Marsch gesetzt worden, mit dem Befehl, das bedrohte Gebiet vollkommen von den Chinesen zu säubern. Während die Japaner darauf bestehen, daß es sich um Banden handelt. wird von chinesischer Seite behauptet, daß die angreifenden Chinesen Patrioten sind, die den Sturz des mandschurischen Freistaates erstreben. Wie aus Kintschau gemeldet wird, haben japanische Truppen bei Suichang eine chinesische irreguläre Truppen-von 1000 Mann in die Flucht geschlagen, wobei 200 Chinesen getötet wurden. Lebensmittelunruhen in Moskau Berlin, 30. März. Wie der„Lokalanzeiger“ aus Moskau meldet, strömten auf die Nachricht, daß der Buttertrust einen größeren Vorrat auf Lebensmittelkarten verkaufe, Frauen, die seit ungefähr vier Monaten mit ihren Familien keine Butter mehr gesehen hatten, in Scharen vor das Verkaufsgebäude im Zentrum Moskaus. Für die dort vorhandene Butter wurden jedoch sieben Rubel anstatt des bisher üblichen Preises von 2,50 Rubel verlangt. Hierüber gerieten die Frauen in eine solche Erregung, daß sie sämtliche Scheiben und Einrichtungsgegenstände des Verkaufsladens in Stücke schlugen und die Verkäufer mißhandelten. Berittene GPl=Truppen gingen gegen die Frauen vor und zerstreuten sie mit Gewalt. Zahlreiche Frauen wurden hierbei verletzt. Zu ähnlichen wüsten Szenen kam es vor dem Zuckertrust. Zwischenfall auf Malta Italienischer Unterstaatssekretär bezeichnet Malta als italienisch. * London, 29. März. Bei der Abfahrt von Malta rief der italienische Unterstaatssekretär Nunta an Bord seines Dampfers laut, so daß alle Umstehenden es hören konnten:„Wir sind hier in Italien, auf der Straße von Italien zu seinem afrikanischen Reich. Wir müssen die Engländer lehren, was Faschismus ist!" Der italienische Konsul versuchte, den Unterstaatssekretär zu unterbrechen und machte ihn auf die Gefahr der Neußerungen aufmerksam; jedoch ohne Erfolg. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Wechselnde Bewölkung, zeitweise leichter Regen, mild, um Südwest schwankende Winde. Wie es in Tschapei aussieht Eine Straße der Chinesenstadt Schanghais, Tschapei, die von japanischen Bomben und Granaten völlig zerstört ist. der deutschsprachigen Presse Aus Radi aus üreis Die man vssealliche Geider veriat Die Hausmannwirtschaft in Hörde. Ein netter Ballast für Dortmund Bekanntlich sitzt die Stadt Dortmund finanziell ziemlich auf dem Trocknen. Vor kurzer Zeit suchten drei Vertreter der Stadtverwaltung Berlin auf, überreichten hilfesuchend ein Memorandum über den bedrohlichen Stand der Dortmunder Finanzlage und vergaßen dabei natürlich nicht, auch auf die hohen Belastungen aus der Eingemeindungszeit hinzuweisen. Der Landkreis Hörde unter Führung von Landrat Hansmann war damals schon hoffnungslos pleite. All das hat in Presseveröffentlichungen und vor allem den wiederholten Eingaben des früheren Landrats Overweg auf Haus Reichsmark an Minister Severing seinen Niederschlag gefunden. Es kann aber nicht schaden, um gewisse Kreisregierungsmethoden zu beleuchten, einiges aus dieser Mißwirtschaft noch einmal näher zu beleuchten. Der Landkreis Hörde war wohl das erste Kummunalgebilde im ganzen Industriegebiet, das mit besonderer Heftigkeit von der Wirtschaftskrise ersaßt wurde. Wandert man heute durch den Kreis, dann erkennt man mit grausiger Deutlichkeit den wirtschaftlichen Niedergang eines einst blühenden Gemeinwesens. Unvereinbar aber mit dem wirtschaftlichen Verfall privater Untruehmen, welche die früher stets ergiebige Steuerquelle des Kreises darstellten, ist der so ins Auge springende Ausbau der Gemeindeanlagen und die Schaffung von Kommunalbetrieben, die der ohnehin am Boden liegenden Wirtschaft auf allen Gebieten nach Wettbewerb machen. Man stößt im Landkreis Hörde allenthalben auf in den letzten Jahren erst neu geschaffene gemeindliche Anlagen, deren Leistung selbst Gemeinden ohne so große wirtschaftliche Not sich nicht zutrauten. Dortmund hat nicht nur die vielen Erwerbslosen und die Sorge um sie erben müssen, sondern erbte auch die Schulden und Verpflichtungen des Kreises, die dieser in nicht unbeträchtlichem Umsang unter der Leitung des Landrats Hansmann ungeachtet des offensichtlichen Niedergangs des Kreises eingegangen ist. Der Landkreis Hörde verfügt wohl über die bestausgebauten Straßen im ganzen Bezirk. Der Ausbau geschah zu einer Zeit, als man die Mittel dafür mit Rücksicht auf die Lage des Kreises nicht im entferntesten verantworten konnte. Das gibt zwar dem Landkreis heute noch nach außen hin für den, der seine Augen vor den verfallenen Industrieanlagen verschließt, den Anstrich eines wohlhabenden Gemeinwesens, aber die Stadt seufzt schwer unter der Last der Verpflichtungen wegen des Straßenbaues; denn aus eigenen Mitteln war der Kreis nicht in der Lage, solche Arbeiten zu leisten. Muster eines Zuschußbetriebs. Unter des Landrats Leitung erwarb der Kreis vor einigen Jahren ein 150 Morgen großes Gut für 152000 Mark, das zu einem„Mustergut“ ausgestaltet werden sollte, weil die Kommune den Landwirten ein gutes Beispiel zu geben in der Lage sei. Mit einem Aufwand von 300000 Mark wurden dann Bauten auf diesem Gut errichtet. Der Landrat setzte seinen Schwager, einen ehemaligen Bergmann, als Pächter in dieses„Mustergut“, das, wie sich bald darauf herausstellte, das Muster eines Zuschußbetriebs wurde. Als die Stadt dieses Erbe antrat, mußte sie 29000 Mark jährlich zusetzen, dazu kam eine Zinsbelastung von mehr als 30000 Mark. Vor einiger Zeit ist es der Stadt nach längeren Bemühungen gelungen, das„Mustergut“ abzustoßen. Es wurde für 143000 Mark, also mit erheblichem Schaden verkauft, da die Stadt bei ihrer gegenwärtigen Lage die Dauerbelastung nicht länger mehr ertragen konnte. Kreisbaugesellschaft mit zinslosem Darlehen. Eine andere Schöpfung Hansmanns ist die Gemeinnützige Kreisbaugesellschaft m. b. H., Hörde, der bis Ende 1929 vom ehemaligen Landkreis rund 935000 Mark aus dem örtlichen Hauszinssteueraufkommen sowie weitere Darlehen von nahezu einer Million aus Anleihemitteln zinslos gegeben worden sind. Sie sollte damit ihre Bauvorhaben, Grundstücks= und Steinbruchankäuse finanzieren. Eine hypothekarische Sicherstellung dieser Dar lehen ist nicht erfolgt, vielmehr sind die Grundstücke der Kreisbaugesellschaft grundbuchlich auf den Namen des Landkreises eingetragen worden. Nach der Eingemeindung hatte es die Stadt Dortmund abgelehnt, die annähernd zwei Millionen Mark ohne jegliche Verzinsung stehen zu lassen. Die Stadt führte der Regierung vor Augen, welch ungeheure Belastung die Kreisbaugesellschaft für die städtischen Finanzen bedeutet, aber, soweit jetzt feststeht, mit keinerlei Erfolg. Der ganze Aufbau der Gesellschaft führte dann zu eigenen finanziellen Schwierigkeiten. Die am 31. Dezember v. J. fällig gewesenen Zinsen von 85.000 Mark hat sie nicht an die Stadtkasse abführen können, sie hat um Stundung bis zum 31. März. Es ist noch sehr fraglich, ob bis dahin die Schwierigkeiten ausgeräumt sind, so daß auch schon die Frage eines Konkurses erörtert worden ist. Der Stadt Dortmund kann natürlich keineswegs zugemutet werder auch noch für die anderen Verpflichtungen d Besellschaft einzutreten, da sie das Erbe der Kr##sbaugesellschaft doch nur gezwungenermaßen angetreten hat. Wie die Verhältnisse sich auch gestalten mögen, ohne Verlust für die Stadt wird es dabei kaum abgehen. Im Zusammenhang damit ist auch die Volkshausbund GmbH. eine Tochtergesellschaft der Kreisbaugesellschaft und gleichfalls eine Gründung des Landrats, in finanzielle Bedrängnis geraten. Diese hat eine Gesamtbelastung von fast 200000 Mark. Auch daran ist die Stadt als Erbin unmittelbar beteiligt. Wie hier eine Sanierung erfolgen kann, ist ebenfalls noch nicht klar. Die Kreisgärtnerei. Landrat Hansmann, der vor seiner politischen Laufbahn Gärtner war, hielt in seinem Kreis eine große Kreisgärtnerei für nützlich. Plan und Ausführung folgten schnell aufeinander. Der Anrech= nungswert im Auseinandersetzungsverfahren ist durch Entscheidung des Schiedsgerichts auf rund 122000 Mark zu Lasten der Stadt festgesetzt worden. Die Nutzung des Betriebs erfolgte bislang durch das städtische Garten= und Friedhofsamt und zwar in der Hauptsache für Heranzucht von Blumen für Grünanlagen. Selbstverständlich kann augenblicklich diese Verwaltungsstelle wegen ihres stark gekürzten Haushalts die Anlage nicht mehr halten. Deshalb ist nunmehr vorgesehen, den Betrieb vom nächsten Jahre an gemäß seiner ursprünglichen Zweckbestimmung dem Land= und Forstwirtschaftsamt zu überweisen als Lehr= und Beispielswirtschaft für die Gewächshausbesitzer, die mit Unterstützung aus staatlichen und kommunalen Mitteln Frühgemüsehäuser gebaut haben. Daneben soll die Anlage dazu benutzt werden, geeignet erscheinende jugendliche Erwerbslose praktisch im Gemüsebau auszubilden. Abgesehen von der ohnehin auf der Stadt lastenden Verzinsung und Tilgung von 122000 M. Anlagekapital ist ein Zuschuß von 7000 Mark erforderlich. Dabei heißt es aber in der Vorlage des Magistrats, daß diese Summe voraussetzt, daß der Boden, der zum Teil erst vor kurzem abgeholzt wurde, nach Beschaffenheit und Lage sich für einen intensiven Gemüsebau als nachhaltig geeignet herausstellt. Die Stadtväter haben ihre Zustimmung gegeben, weil eben keine andere Möglichkeit besteht, mit der Schöpfung Hansmanns etwas anderes anzufangen. Als Retchsnachfolgerin des früheren Landkreises Hörde hat also die Stadt Dortmund einen ungeheuren Ballast für ihre Finanzen sich aufbürden müssen. Gleichzeitig wird aber auch offenbar, in welch unverantwortlicher Weise früher im Landkreis Hörde mit öffentlichen Geldern gewirtschaftet worden ist. Westsaiea, Aheimand and Nachburgediete Sichere dein Wahlrecht! Bei der großen Arbeit, die die Berichtigung der Wählerlisten bedeutet, und den zahlreichen Wohnungswechseln aus Anlaß der allgemeinen Umzugszeit sind Versehen bei Berichtigung der Listen nicht ausgeschlossen. Deshalb prüfe jeder Wähler, in welchem Stimmbezirk er in die Wählerliste eingetragen ist und sorge dafür, daß er am 10. April sein Stimmrecht ausüben kann. Die Auslegungsfrist dauert vom 30. März bis 3. April. Schwelm. 30. März. (=) Reichspräsidentenwahl 2. Wahlgang und Preußische Landtagswahl. Diejenigen Personen, die in der Zeit zwischen dem 2. Wahlgang der Reichspräsidentenwahl und der Preußischen Landtagswahl das wahlfähige Alter erreichen, haben in den amtlichen Wählerverzeichnissen den Vermerk„am 10. April 1932 noch nicht wahlberechtigt“ erhalten. Hierauf macht eine Bekanntmachung des Magistrats im Anzeigenteil aufmerksam. (=) Aus dem Polizeibericht. Gestern vormittag ist aus dem Flur eines Hauses am Kaiser Friedrich=Platz ein Fahrrad gestohlen worden. Das Rad hatte einen schwarzgestrichenen Rahmen und eine Gesundheitslenkstange. Der Dieb ist mit dem Rad unerkannt entkommen.— In der vergangenen Nacht meldete sich ein betrunkener Obdachloser am hiesigen Rathaus. Da betrunkene Leute nicht angenommen werden, wurde der Mann abgewiesen. Aus Rache schlug der Betrunkene, ein arbeitsloser Met=ergeselle, an der Wirtschaft vom Bruch in der Moltkestraße mehrere Fensterscheiben entzwei im Werte von 63 Mark. Der Mann wurde heute von der Polizei dem Amtsgericht zugeführt. * Ja, ja die Frauen! Die Operetten=Gesellschaft Dir. Gust. Esser hatte am 2. Ostertag wieder einen großen Erfolg. Gustav Esser stellte sich in großer Form vor und begeisterte die Zuschauer durch seine samose Mimik und seine überaus komische Darstellung. Magdalene Esser=Beigreif gefiel besonders und durch die flotten Tänze. Besonders starken Beifall erntete sie mit dem Ballett=Tennistanz. Hans Thyssen, Marta Uslar, bekannt vom Stadttheater, und Hilde Schmitz hatten ebenfalls an dem Erfolg großen Anteil. Am Sonntag, den 10. April, wird die Militärposse:„Es lebe der Reservemann“ mit Gustav Esser als Musketier Hasenbein gegeben. * Westfälische Aerztekammer. In der letzten 71. Sitzung der westfälischen Aerztekammer, in der 45 ordentliche Mitglieder anwesend waren, wurde Geheimrat Hansberg erneut zum Vorsitzenden gewählt; in der Gruppe der gewählten stellvertretenden Beisitzer finden wir die Namen Dr. Angermann=Sundwig, Dr. Marquardt=Hagen und Dr. Thomä=Lüdenscheid. Die Verhandlungen waren sachlicher bezw. interner Natur. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege über die Dr. Huff Bericht erstattete. Die Berufsgenossenschaft umfaßt drei Abteilungen: 1. Unternehmungen der Krankenhäuser usw., 2. Körperschaften der Sozialversicherung(z. B. Feuerwehren und Kolonnen), 3. Aerzte. Ueber den Punkt 3 waren die Auffassungen sehr geteilt, da die Einbeziehung des Dienstpersonals, Dienstmädchen, Chauffeure und Wagenpfleger Unwillen hervorgerufen hat. Schließlich wurde zum Beschluß erhoben, beim Aerztekammer=Ausschuß zu beantragen, den Sparkommissar auf den Abbau der Berufsgenossenschaft aufmerksam zu machen. * Aenderung des Studiums für Ausländer in Preußen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind über die Neuordnung des Ausländerstudiums an den preußischen Hochschulen ergänzende Bestimmungen ergangen. Eine mehrjährige zentrale Behandlung der einschlägigen Fragen im preußischen Kultusministerium ermöglichte es, systematische Beobachtungen über das Studium der Ausländer anzustellen und ausgiebige Erfahrungen zu sammeln. Auf ihnen beruhen die Reformerlasse von 1929 und 1932. Die Zulassung ist den Hochschulen jetzt wieder zurückgegeben worden, nachdem sie Richtlinien für ihre Handhabung erhalten haben. Man hat sich entschlossen, entsprechend den von allen Seiten geäußerten Wünschen, weitherzig zu verfahren und hat die Aufnahmebedingungen den verschieden gearteten Verhältnissen der fremden Länder angepaßt. Für Ausländer, die keine ausreichende Vorbildung mitbringen, sind Uebergangsmöglichkeiten zu den Hochschulen durch besondere Vorbereitung in Deutschland geschaffen worden. * Helft einem Werk für die deutsche Jugend! Der Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen veranstaltet am 16. und 17. April einen Reichsopfer= und Werbetag für Jugendherbergen. der den Zweck haben soll, das ganze deutsche Volk zu einem Opfer für das Jugendherbergswerk aufzurufen. In den meisten Teilen des Reiches werden an diesen Tagen die Jugendherbergsfreunde zusammen mit der wandernden Jugend aller Richtungen um Hilfe bitten. Jeder erfüllt eine wichtige und dankbare Aufgabe, wenn er sich nach besten Kräften an diesem Opfer für ein Werk deutscher Volksgemeinschaft beteiligt. Er hilft damit nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft, denn das Wandern ist von besonderer gesundheitlicher Bedeutung für das heranwachsende Geschlecht. Linderhausen, 30. März. Linderhausen unterliegt im VerwaltungsAbschluß der deutsch-polnischen Verhaudlungen Die deutsche Einfuhr nach Polen wiederhergestellt * Berlin, 29. März. Der Abschluß der in Warschau geführten deutsch=polnischen Wirtschaftsverhandlungen wird in zuständigen Kreisen als eine erfreuliche Entspannung der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen betrachtet. Die Verhandlungen haben dazu geführt, daß Polen gegen Konzessionen im Obertarif die deutsche Einfuhr auf der Grundlage von 1931 wieder zugelassen hat. Im Durchschnitt sind 80 Prozent, zum Teil sogar 100 Prozent unserer Einfuhr nach Polen wiederhergestellt. Streitverfahren. Bekanntlich hatte seinerzeit der Gemeinderat beschlossen, ein Verwaltungsstreitverfahren beim Ennepe=Ruhrkreis gegen den Bürgermeister Hümme anhängig zu machen, da dieser den Beschluß der Gemeinde wegen der Gewährung von Weihnachtsbeihilfen beanstandet hatte. Nunmehr ist das Streitverfahren entschieden. Die Klage wurde als unbegründet abgewiesen. Milspe, 30. März. * Der Volkbildungsausschuß bringt, wie schon mitgeteilt, am Freitag, 1. April, seine nächste Veranstaltung und hat dazu das Westdeutsche Städtebundtheater gewonnen. Da das Städtebundtheater eine Reihe erwerbsloser Schauspieler beschäftigt, verdient es weitgehende Unterstützung. Im Saale der evangelischen Kirchengemeinde wird am Freitag, 1. April, nachmittags 5 Uhr eine Schülervorstellung stattfinden: Märchenspiel„Prinzessin Goldhaar“ und„Prinz Silberflimmer“, mit Musik, Gesang und Tanz. Abends 8 Uhr wird im gleichen Saale nach einleitenden Worten des Herrn Bürgermeisters und einem von Herrn Hermann Fischer verfaßten Bühnenweihevorspruch, vorgetragen von Frau Isolde Felden=Langs, Lessings Meisterlustspiel„Minna von Barnhelm zur Aufführung gelangen. Zu der Nachmittagsvorstellung werden 10 Pfg., zu der Abendvorstellung 40 Pfg., von Erwerbslosen 20 Pfg. Eintritt erhoben. □Das Promenadenkonzert am Osterfeiertag, welches unsere rührige Feuerwehrkapelle auf dem hiesigen Marktplatze darbot, erfreute sich eines wahren Massenbesuches. Es war ein volkstümliches Konzert, welches sich durch Exaktheit und Schneid auszeichnete. Der Massenbesuch hat aber gezeigt, welchen Anklang diese Konzerte in der Bevölkerung gefunden haben, und wir möchten nur wünschen, daß unsere Kapelle, wie dies andererorts längst der Fall ist, eine diesbezügliche Unterstützung der Gemeinde finden möge. Die Kapelle hat's verdient! □ Der Mittagszug der Talbahn ab Altenvoerde fährt 2,08 Uhr, ab Milspe 2,13 Uhr; diese Aenderung besteht schon seit einiger Zeit, ist aber in den Fahrplänen noch nicht verzeichnet, so daß immer wieder Fahrgäste verspätet am Bahnhof eintreffen. Wir empfehlen, diese Aenderung vorzumerken. wie gut. Karffreiner giol. sagt heute schon mancher. der gestern noch Bohnenechser kalun.. Voerde, 30. März. Einbruchsdiebstahl. Das Lebensmittelgeschäft Weyland, Altenvoerde, Loherstraße wurde wiederum von Dieben erbrochen. Der oder die Täter haben sich Einlaß verschafft, indem sie die Schaufensterscheibe eingeschnitten und später eingeschlagen haben. Eier, Apfelsinen, Schokolade usw. im Werte von ca. 50 Mark wurden gestohlen. Der Gesamtschaden einschließlich der Scheibe beträgt etwa 200 Mark. Die Polizei hat die Ermittlungen ausgenommen, leider konnten die Täter bisher nicht ermittelt werden. Motorrad und Auto fahren zusammen. Auf der Milsverstraße an der Bösebecke ereignete sich am Dienstag vormittag ein Zusammenstoß zwischen einem Motorrad und einem Auto. Ein von Altenvoerde kommender Motorradfahrer wollte die Einfahrt zur Firma Bauer nehmen, als er von einem Auto erfaßt und zur Seite geschleudert wurde. Das Motorrad wurde so stark beschädigt, daß es unbrauchbar wurde; an dem Auto wurde ein Kotflügel eingedrückt. Der Motorradfahrer kam neben einigen Hautabschürfungen mit dem Schrecken davon. Gevelsberg, 30. März. * Eingebrochen wurde in der Nacht zum Samstag in die Wirtschaft Graefingholt an der Haßlinghausener Straße. Die Einbrecher haben das Oberlicht geöffnet und sind auf einer Leiter in den Schankraum eingestiegen. Sie haben Likör= und Tabakwaren im Werte von 75 Mark gestohlen. * Zur Anzeige gebracht wurde ein junger Mann aus Milspe, der auf der Haßlinghauser Straße mutwillig an den Straßenlaternen rüttelte und diese zum Verlöschen brachte. Hiddinghausen, 30. März. * Auto=Unfall. Karfreitag nachmittag gegen 6 Uhr fuhr oberhalb des Hauses Aufermann ein Personenwagen aus Dortmund vor einen Straßenbaum, wobei eine Insassin durch Glassplitter verletzt wurde und ärztliche Hilfe aus Haßling= hausen herbeigeholt werden mußte. Der Wagen wurde schwer beschädigt und mußte abgeschleppt werden. Nach Anlegung eines Notverbandes bei der Verletzten fuhren die Wageninsassen per Autobus zurück nach Dortmund. Der Unfall ist dadurch entstanden, daß ein Reifen platzte und der Wagen dadurch ins Schleudern geriet. Sprockhövel, 30. März. Der Oberlandjäger Klinke wird zum 1. April ds. Is. unter Beförderung zum Landjägermeister nach Wilnsdorf, Kreis Siegen, versetzt. Für Herrn Klinke kommt der Oberlandjäger Böhmer, bisher in Kastrop, nach Niedersprockhövel. Stüter, 30. März. * Forstkulturarbeiten. Eine Reihe von Landwirten in Stüter und Elfrindhausen ist augenblicklich damit beschäftigt, mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienstes Forstkulturarbeiten in den Wäldern durchzuführen. Träger des Unternehmens ist der Ruhr=Siedlungsverband. Arbeitsgerät und Pflanzmaterial muß der Landwirt jedoch selbst stellen. * Bottrop, 29. März.(Zwei Todesopfer einer Familientragödie.) Der 24 Jahre alte Friseur Joseph Bertram aus der Horsterstraße hat am Abend des Ostermontags in seiner Wohnung sein 2 Monate altes Kind und sich selbst erschossen. Die Tat ist in einem Anfall von Schwermut begangen worden. Bertram lebte seit einiger Zeit in unglücklichen Familienverhältnissen. Seine Frau war von zu Hause abwesend. * Essen, 29. März.(Mordversuch— Sechs Schüsse auf seine Ehefrau.) Am Samstag nachmittag gegen 5 Uhr, als die Ehefrau Gille mit ihrer Mutter auf dem Wege zur Kirche die Rellinghauserstraße passierte, tauchte hinker den beiden Frauen plötzlich Gille auf, rief ihnen eine Drohung zu, und gab mehrere Schüsse auf die fliehenden Frauen ab. Nach dem ersten Schuß fiel die Schwiegermutter, Frau Brouwers, auf die Erde, obwohl sie nicht getroffen war. Gille lief dann hinter seiner flüchtenden und hilferufenden Frau her und gab noch zwei scharfe Schüsse ab. Hierauf flüchtete der Täter. Zwei junge Leute. die Zeugen der Tat waren, nahmen die Verfolgung des Fliehenden auf. In der Wirtschaft Sommer am Glockenberg konnte Gille von der Polizei festgenommen und dem Polizeipräsidium zugeführt werden. Die Schwiegermutter hat sich durch den Fall eine leichte Knieverletzung zugezogen, während die Frau durch zwei Schüsse in den Rücken verletzt wurde. Gille lebt seit einiger Zeit von seiner Frau getrennt und hat die Ehescheidungsklage eingeleitet. * Gelsenkirchen, 29. März.(Rekorde von Bodensenkungen.) Nach den Feststellungen von Weißner in einer Bonner Dissertation bewegt sich die Erdoberfläche in Westfalen zwar langsam aber meßbar: um die alte Hellweg=Linie als ruhende Achse senkt sich das nordwärts der Lippe zu gelegene Land, während sich der Nordrand des Sauerlandes hebt. Es sollen Bewegungen sein, die im Jahre ein Millimeter und mehr ausmachen. Diese Bewegungen sind aber verschwindend gering gegenüber den örtlichen Veränderungen in den alten Bergbaugebieten. So gibt es in Gelsenkirchen nicht einen Punkt. der sich nicht gesenkt hätte. In den letzten 25 Jahren haben sich Senkungen herausgebildet, die bereits das ursprüngliche Bodenrelief des früher nur schwach gewellten Bodens umgestalten: da, wo früher Höhen waren, sind vielleicht schon Mulden im Entstehen; anderseits vergrößern sich Höhen, weil benachbarte tiefgelegene Stellen stärker absinken. Die kleinsten Senkungen betragen in den letzten 25 Jahren 30 Zentimeter: an fünf Stellen der Stadt. Dagegen ist an sieben Punkten der Boden um 4 bis 5 und an einer Stelle über 6 Meter gesunken. Die Folge ist einerseits, daß auch hier ein Teil der Kanalisation rückwärts läuft, anderseits, daß die Vorflutverhältnisse der Emscher immer wieder unklar werden. Die Emschergenossenschaft denkt dementsprechend ja auch schon an eine abermalige Verlegung der Flußzmündung weiter nach Norden. Welche Kosten diese Bodensenkungen verursachen, ist kaum auszurechnen; es sind Millionenbeträge, welche die Kohle belasten. * Grevenbrück, 29. März.(Ein ganzer Ort erwerbslos.) Wie von der Betriebsleitung der A.=G. Siegener Dynamitfabrik Förde mitgeteilt wird, wird der hiesige große Fabrikationsbetrieb in den nächsten Tagen endgültig stillgelegt. Der gesamten Beamten= und Arbeiterschaft wurde gekündigt. Damit hat der letzte größere industrielle Betrieb im kurkölnischen Sauerland seine Pforten für immer geschlossen. Die Gemeinde Grevenbrück stellte früher 800 bis 1000 Industriearbeiter. Diese sind heute restlos ohne Arbeit, so daß buchstäblich 90 Prozent der Bewohner unterstützt werden müssen. * Soest, 29. März.(17 Eisenbahnwaggons bestohlen.) In der Nacht zum Östermontag wurden auf dem Güterbahnhof in Soest nicht weniger als 17 Eisenbahnwaggons gewaltsam geöffnet und bestohlen. Schon in den letzten Wochen wurden verschiedentlich die abgestellten Waggons aufgebrochen und beraubt. Ueber die Höhe der jetzt geraubten Gegenstände kann noch nichts gesagt werden, da die Ermittlungen noch im Gange sind. * Wuppertal. 29. März.(Steuerdiktat für Wuppertal.) Der Regierungspräsident hat den von der Stadtverordnetenversammlung *** Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Marlede VieitihTochdonmteet Warum Frau v. Sternberg ihre Klage zurückzog am 4. März gesaßten Deckungsbeschluß zum Haushalt nicht genehmigt und den Oberbürgermeister beauftragt, die Lohnsummensteuer auf den Durchschnittslandessatz von 1560 Prozent zu erhöhen und auch den Zuschlag zur Bürgersteuer neu festzusetzen. Bei der Bürgersteuer sollen jedoch vor einer endgültigen Entscheidung die Durchführungsbestimmungen der preußischen Regierung abgewartet werden. Die Stadtverordneten hatten mit Mehrheit beschlossen, die Lohnsummensteuer mit 1220 Prozent weiter zu erheben und zur Bürgersteuer einen Zuschlag von 200 Prozent festzusetzen. Der von der Verwaltung errechnete Fehlbetrag hätte sich auf diese Weise um weitere 1,6 Millionen Mark erhöht. * Düsseldorf, 29. März.(Der falsche Herr von Bredow.) Gestern konnte im Stadtteil Oberkassel der Kaufmann Friedrich Surhold wegen Heiratsbetruges und anderer Straftaten festgenommen werden. Der Festgenommene hat einer Frau, die er vor einiger Zeit in Dortmund kennen lernte, die Ehe versprochen und ihr dann über 10000 RM. abgeschwindelt. Er stellte sich seinem Opfer als„Herrn von Bredow“ vor und als er merkte, daß der Name den erwünschten Eindruck machte, gab er an, daß er vermögender Gutsbesitzer sei. Mit seiner bisherigen Frau stehe er in Scheidung und beabsichtige, ein Papierwarengeschäft en gros zu errichten. Das ergannerte Geld verjubelte er mit anderen Frauen in Vergnügungsstätten, wo er als freigebiger Gast gerne gesehen war. * Köln. 29. März.(Bausparkassenskandal in Köln.) Samstag wurde der schäftsführer und alleinige Vorstand einer Vausparkasse festgenommen, ebenso am Dienstag der juristische Berater dieser Firma.— Die Firma wurde im Jahre 1930 gegründet und handelsgerichtlich eingetragen. Das Reichsaussichtsamt in Berlin ersuchte die Geschäftsleitung, die Unterlagen zur Aufnahme als Bausparkasse einzureichen. Als die Gesellschaft diesem Verlangen nicht nachkam, mit dem Hinweis, daß es sich ja nicht um eine Bausparkasse, sondern um ein„neuartiges“Sparsystem handele, veranlaßte die Reichsaufsichtsbehörde die Kölner Kriminalpolizei. nach dem Rechten zu sehen. Die Nachprüfung in der vorigen Woche hatte denn auch ein überraschendes Ergebnis: Weder Sperrkonto noch Spargelder waren vorhanden. Der verhaftete Geschäftsführer fungierte zugleich als Vorstand. Aussichtsrat, Kassierer und Buchhalter. Bisher wurde festgestellt, daß ein einziger Vertreter innerhalb dreiviertel Jahren 50000 Mark der Sparer hereingeholt hat. Wie hoch die Gesamtsumme der verschwundenen Gelder ist, konnte noch nicht ermittelt werden. Geschäftsführer und Syndikus bezogen ein Monatsgehalt von je 100 Mark, außerdem waren beide gleichmäßig prozentual an den Abschlüssen beteiligt. Die Festgenommenen behaupten, ein Opfer der schlechten Wirtschaftslage geworden zu sein. Die Ermittlungen zur Erforschung der Wahrheit werden energisch fortgeführt.„„ * Neuwied, 29. Marz.(Vizeaomiralz. D. Mischke F.) Auf Burg Lahneck starb am Östersonntag im Alter von 67 Jahren der kaiserliche Vizeadmiral z. D. Exzellenz Robert Mischke. Mischke war während des Krieges Chef der Küstenschutzdivision an der Ostsee. * Bonn, 29. März.(Ende des Konkurses Zubkow.) Der Konkurs Zubkow, der in den Jahren 1929=30 durch die deutsche und ausländische Presse ging, hat nunmehr durch den Beschluß des Bonner Amtsgerichts, der den Konkurs aufhebt, sein Ende gefunden. Nachdem im vergangenen Jahre an die zahlreichen Gläubiger schon einmal eine Kukursquote ausgezahlt worden war blieben die bevorrechtigten Forderungen mit 333143 M. noch übrig, auf die eine nachträgliche Verteilung von 19•980 M. stattfindet. Damit erhalten die bevorrechtigten Gläubiger in der Nachtragsverteilung etwa 6 Prozent. Der Konkurs über das Vermögen der verstorbenen Ehefrau Alexander Zubkow, der Prinzessin Viktoria von Preußen, ist damit erledigt. * Hönningen a. Rh., 29.März.(Knochenwirbel eines Mammuts gefunden.) Mitte des Monats wurde von einem Andernacher Fischer an einer seichten Stelle des Rheins in der Nähe von Arienheller ein Knochen von riesigem Ausmaß gefunden. Wie jetzt von fachmännischer Seite einwandfrei festgestellt wurde, handelt es sich um das Ueberbleibsel eines riesigen, etwa fünf Meter hohen Mammuts, das vor etwa 12000 bis 15000 Jahren in der hiesigen Gegend gehaust hat. Der Fund, der ein gut erhaltenes Prachtstück darstellt, wie es die Museen des Mittelrheins nicht aufweisen können, wurde dem Museum in Andernach überwiesen. Aus Los Angeles wird berichtet: Nicht nur in Hollywood, sondern auch in der ganzen Welt erregte die Nachricht, daß die Gattin des Regisseurs Joseph v. Sternberg ihre Klage gegen Marlene Dietrich zurückgezogen hat, das größte Aufsehen. Nun werden nähere Einzelheiten über die sensationelle Wendung in dieser Angelegenheit und die Vorgeschichte des Entschlusses der Frau v. Sternberg bekannt. Der Ehekonflikt im Hause v. Sternberg geht bereits auf längere Zeit zurück. Schon vor Jahresfrist erhob Frau v. Sternberg gegen den„berühmtesten Vamp der Welt“. Anschuldigungen, daß Marlene ihr ihren Gatten abspenstig gemacht habe, während die Künstlerin, die bekanntlich ihre Entdeckung und ihren Aufstieg wohl hauptsächlich dem großen Regisseur zu verdanken hat, jede verbotene Beziehung energisch leugnete. Ebenso bestritt auch Sternberg, daß es zwischen ihm und Marlene Dietrich, die ja verheiratet und Mutter eines Kindes ist, eine andere, als rein künstlerische Verbindung gebe. Der Konflikt führte schließlich dazu, daß Frau v. Sternberg gerichtliche Schritte gegen Marlene Dietrich einleitete. Vor etwa zwei Monaten kündigte sie an, daß sie Marlene Dietrich auf 600 000 Dollar Schadenersatz verklagen würde, und zwar wollte Frau v. Sternberg 500000 Dollar für die Entfremdung ihres Gatten und 100000 Dollar für die„seelische Kränkung" verlangen. Während Hollywood und mit ihm ganz Ame70 000 Menschen besichtigen den Hamburger Walfisch * Hamburg, 29. März. Der am Karfreitag bei Kuxhaven gefangene Walfisch bildete über Östern im Hamburger Fischmarkt eine Sensation, die insgesamt an 70000 Menschen anlockte. Der Taucher Sievers hatte bis Samstag doch noch einen Unternehmer gefunden, der ihm die durch die Bergung entstandenen Kosten und einen Anteil an den Schaueinnahmen zusicherte. Noch am Samstag fanden sich rund 3000 Besucher ein. Der Öster* Gillenfeld i. d. Eifel, 29. März.(Der Schuß im Tanzsaal.) Am zweiten Österfeiertage wurde in dem benachbarten Dorfe Steinigen bei der polizeilichen Räumung eines Tanzsaales, in dem eine nicht genehmigte Tanzlustbarkeit abgehalten wurde, ein junges Mädchen von einem Landjäger erschossen und ein junger Mann durch einen Armschuß schwer verletzt. Bei der Räumung des Saales wurden die Beamten mit Steinen und Flaschen beworfen. Als die Teilnehmer an der Veranstaltung eine immer drohender werdende Haltung gegen die Polizeibeamten einnahmen, griff ein Landjäger zur Pistole und schoß auf die Angreifer. Die an den Angriffen unbeteiligte 26jährige Helene Schäfer wurde durch einen rika sich auf die kommende Sensation einer Gerichtsverhandlung vorbereitete, wurde der Fall plötzlich durch einen Brief der Frau v. Sternberg an Marlene Dietrich bereinigt. Dieser Brief hat folgenden Wortlaut: „Ich habe meine Anwälte beauftragt, von allen weiteren Schritten gegen Sie abzusehen.“ Im weiteren Verlauf ihres Briefes teilt Frau v. Sternberg mit, daß sie sich von der Grundlosigkeit ihrer Anschuldigungen überzeugt habe und daß sie einem Irrtum zum Opfer gefallen sei; sie sehe daher keinen Grund, weiter gegen Marlene Dietrich vorzugehen. Diese Erklärung verdient um so mehr Interesse, als die Beschuldigungen der Klägerin ganz präziser Natur gewesen waren. So behauptete sie, daß Herr Sternberg der Dietrich eine fürstliche Wohnung eingerichtet und ihr ein unumschränktes Verfügungsrecht über sein Bankkonto eingeräumt habe. Sie habe Schecks in beliebiger Höhe selbst ausstellen und beheben können. Auch diese Behauptungen wurden von dem Regisseur und der Künstlerin bestritten und als völlig haltlos bezeichnet. Die Zurückziehung der Klage wird Marlene Dietrich sicherlich nicht unangenehm sein, denn es bestand die Gefahr, daß sie es sich bei einem ungünstigen Fortgang des Prozesses mit den mächtigen Frauenorganisationen verdorben und damit ihrer amerikanischen Karriere ein Ende gemacht hätte. sonntag brachte dann einen gewaltigen Zustrom auch von auswärts, sogar von Berlin, so daß die Schaulustigen zumeist in langer Kette warten mußten, bevor sie den Meeresriesen bestaunen konnten. Das Tier ist inzwzischen derart präpariert worden, daß Verwesung zunächst nicht eintritt. Wahrscheinlich wird auch in anderen Städten demnächst der Wal gezeigt werden. Mit Firmen in Bremen, Lübeck und Kiel soll bereits verhandelt werden. Schuß so schwer getroffen; daß sie bald ihrer Verletzung erlag. Geschäftliche Milleilung Zwei Tassen Milchkathreiner sind nahrhafter als drei Eier. Milch ist das beste(und billigste!) Nahrungsmittel, das wir heute haben. Schade, daß sie nicht jeder verträgt. Die Milch gerinnt nämlich im Magen zu käsigen Klümpchen, die ziemlich langsam verdaut werden... sie liegt schwer im Magen, wie man sagt. Glücklicherweise haben uns die Ernährungswissenschaftler ein wunderbares Rezept für's Milchtrinken gegeben. ist ganz einfach: Man mischt die Milch mit Kathreiner, dem Kneipp=Malzkassee... so wird sie ganz leicht verdaut, und so schmeckt sie auch viel besser. Zwei solcher Tassen Milchkathreiner — halb Milch, halb recht starker Kathreiner— sind nahrhafter als drei Eier. Das wissen die meisten Leute noch nicht... aber das stimmt! Wirtschaft, Handel und Industrie Berliner Produktenbörse * Berlin, 29. März. Weizen, märk. 253—255, Roggen, märk. 197—199 Gerste: Braugerste 183 bis 190, Futter= und Industriegerste 170—179, Hafer, märk. 159—166, Weizenmehl 31—34,60, Roggenmehl 26,75—27,90, Weizenkleie 10,80—11,10, Roggenkleie 10,40—10,70, Viktoriaerbsen 18—25, kleine Speiseerbsen 21—24, Futtererbsen 15—17, Peluschken 16,50—18,50, Ackerbohnen 15—17, Wicken 16—19,50, Lupinen, blaue 11—12, gelbe 15 bis 17, Seradella 32—38, Leinkuchen 11,80—12, Erdnußkuchen 13.10—13,30, Erdnußkuchenmehl 13, Trockenschnitzel 9—9,20, Soyatschrot 12—12,70, Kartoffelflocken 16,80—17 M. Viehmärkte Elberfelder Schlachtviehmarkt. * Elverfeld, 29. März. Auftieb: 604 Stück Großvieh, davon 97 Ochsen, 56 Fresser 116 Bullen, 250 Kühe, 401 Kälber, 85 Färsen, 2140 Schweine, 15 Schafe. Marktverlauf: langsam: der Markt wurde geräumt. Es kosteten: Ochsen: a) 35 bis 37, b) 30 bis 34, c) 27 bis 29; Bullen: a) 28 bis 30. b) 22 bis 27; Kühe: a) 28 bis 30, b) 24 bis 27, c) 19 bis 23, d) 14 bis 18; Färsen: a= 32 bis 34, b= 26 bis 31; Fresser: 18 bis 24; Kälber: a)—, b) 45 bis 48, c) 35 bis 44, d) 25 bis 34; Schweine: a) 42 bis 45, b) 42 bis 45, c) 42 bis 45, d) 38 bis 41, e) 35 bis 37, f)—, g) 32 bis 36 Mark. Dortmunder Schlachtviehmarkt * Dortmund, 29. März. Auftrieb: 485 Stück Großvieh, 448 Kälber, 18 Färsen, 4 Schafe, 1830 Schweine, 2 Ziegen, 18 Ochsen 57 Bullen, 386 Kühe, 6 Fresser. Der Marktverlauf war bei Großvieh ruhig, sonst langsam, geräumt, bei Kälbern langsam, geräumt, bei Schweinen schlecht, geräumt. Es kosteten: Ochsen: a) 35—37, b) 31—33, c) 26—29; Bullen: a) 30—32, b) 27—29, c) 24—26; Kühe: a) 29 bis 31, 6) 26—28, c) 22—25, d) 18—21; Färsen: a) 32—34, b) 28—31, c) 25—27; Kälber: a)—. b) 46 bis 50, c) 39—45, d) 27—38; Schweine: a)—, b) 42—44, c) 42—44, d) 40—13, e) 38—40, f)—, g) 35—38 M. Rädlische Bahlen Wappekial Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt. Neustraße Barmen Donnerstag, 31. März, 8 bis 10,45 Uhr: Ein Maskenball. Oper von Verdi. Abonnement D, 13. Vorstellung. Preise. 2. Samstag, 2. April, 8 bis 11 Uhr: Im weißen Rößl. Singspiel von Hans Müller und Ralph Benatzky. Preise 1. Sonntag, 3. April, 7 bis 9,45 Uhr: Ein Maskenball. Oper von Verdi. Preise 2. Elberfeld Mittwoch, 30. März, 8 bis 10,30 Uhr: Sommer von einst. Abonnement F. 14. Vorstellung. Preise 2. Donnerstag, 31. März, 8 bis gegen 10 Uhr: Zum ersten Male: Der vollkommene Adriaen. Komödie von Karl Rosner. Abonnement C. 26. Vorstellung. Preise 1. Sonntag. 3. April, 3 bis 5,30 Uhr: Sommer von einst. Preise 1. 7 bis 9,15 Uhr: Freie Bahn dem Tüchtigen! Pr. 1. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Berantwortlich für die Schriftleitung: Fau: Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scherz: Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Der in der Elbe gefangene Riesenwal Reichsprasidentenwahl 2. Wahlgang und Preuß. Lanotagswahl. In Ergänzung unserer Bekanntmachung vom 24. dieses Monats wird darauf hingewiesen, daß die in den Wählerverzeichnissen mit dem Vermerk„am 10 April 1932 noch nicht wahlberechtigt“ gekennzeichneten Personen zur Reichspräsidentenwahl nicht zugelassen werden. Schwelm, den 30. März 1932 Dec Magistrat: Dr. Puller. Wella-Dauerwellen Neues System: Keine lästige Hitze, kein schweres Gewicht mehr am Kopf Ganzer Kopf kompl. von RM 7.50 an C. Wohllaub, Schwelm, Klrchstraße 2 Nürnberg 1930 silb. Med., Stettin 1931 gr. gold. Med. Pdbagogium Hagen Schüler= u Schülerinnen=Vorbereitung auf alle Klassen und Prüfungen Bahnhofstr 34, Tel. 23678 was delngt der Aaudsam! Donnerstag, den 31. März 6,45—7,00 Atmungs= und Haltungsgymnastik. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7,05—8,00 Morgenkonzert. 700 Wiederholung der Wettervorbersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempsang für Arbeitslose. 11,20—12,00 Schallplattenkonzert. 12,00—13,15 Uebertragung aus dem Musikvereinssaal Rohrau, Niederösterreich: Haydn=Gedenkfeier. 13,15 Wetterbericht. Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,25—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Eysoldt. 1. Ouverture zur Oper„Fürst Igor“ von Borodin. 2. Präludien, sinfonische Dichtung v. Liszt. 3. Szenen aus der Oper„Herodias“ von Massenet. 4 Schattentanz aus der Oper„Dinorah“ v. Meyerbeer. 5. Pagenduett aus„Wie es Euch gefällt“ von Wetzler. 6. Natursänger, Walzer von Ziehrer. 7. Esmeralda, Ballettsuite von Drigo. 8.„Fortissimo“, die große Kalman=Fantasie von Feigel. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderstunde. 16,20—16,40 Looping nach vorn. 16,40—17,00 Für den Kleingärtner. 17,00—18,00 Vesperkonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Buschkötter, Solistin: Amalie Merz=Tunner(Sopran). 1. Mazurka, Marsch und Walzer— Zwischenspiel aus der Oper„Der Freikorporal“ von Vollerthun. 2. Goethe=Lieder von Hugo Wolf. 3. Persephone, sinsonische Dichtung von Maurice. 18,15—18,35 Sozialpolitische Tagesfragen. 18,40—19,00 Italienisch. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschafts meldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,55 Jugend in Deutschland. 19.55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,30 Abendmusik. Leitung: Wolf. 1. Ouverture zur Oper„Wilhelm Tell" von Rossini. 2. Melodien aus der Oper„Die Zauberflöte“ von Mozart. 3. Italienischer Walzer von Strauß. 20,30 Franz von Suppé. Leben und Werke. 22,00 Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 23,00: Nachtmusik, Leitung: Wolf. 23,00—24,00 Konzertübertragung aus dem Café Schwerthof, Köln, Kapelle: Horvath Sandor. 6 bis 7 Frühe Sorten. Paulsens-Julinieren I. anerk Nachbau (von der Landw.=Kammer Münster als krebsfest u. sortenrein bestätigt!) Zwickouer-Frühe I. anerk. Nachbau Böhms-Allerkrübeste l. anerk. Nachbau Holländer-Erstlinge l. anerk. Nachbau sämtliche Sorten sind sofort lieferbar. Späte Torten. Hodrous-Industrie I. anerk. Nachbau (Klädener Staudenauslese) sofort lieferbar. Diese Woche eintressend: Preußen, krebstest Erdsold Odenwälder-Blaue Huso Schilken Uellendahl Gevelsberg=Land. Tel. 2783 19 Toomasmenl 16% Kall 40% Kolnit 15% Schwefels. Ammoniak Ammonsulfotsalpeter (Leuna=Montan) Hitrophoske 1 G. 1 V. Superphosphat 16% AmmonakSuperphosphat 9X9% Guano Kalkstickstoft Hugo Schliken Uellendahl Genstebergeland Tel. 8t0 Jazmäatten in großer Auswahl von 43 Pfg. und höher. Lohoffs Seisenhaus Kaiser: Friedrich= Platz Inserieren schafft Absatz! der deutschsprachigen Presse e.V. * Zweiles Blatt Aummer 74 „ E 5 Mittwoch, 30. März 1932 Wuppertaler Kunstbrief Verdis„Maskenball“ und Hinrichs Lustspiel „Freie Bahn dem Tüchtigen“ Daß man im kunstliebenden und kunstverständigen Wuppertal ausgerechnet an Goethes Todestag, wo alle Welt seiner in Aufführungen gedachte, Verdis„Maskenball“ neueinstudiert herausbrachte, das gab Anlaß zu mancher Debatte, die die Intendanz damit abschwächte, daß sie zu ihrer Entlastung bekanntgab, daß es leider unmöglich gewesen sei, ein Goethewerk an diesem Tage aus den und den Gründen zu bringen! Also versenkte man sich an diesem Abend in Verdis Reich, dessen schier unerschöpflicher Reichtum an musikalischen Ausdrucksweisen auch in der Oper„Ein Maskenball(„Amélia“) in charakteristischer Weise zum Ausdruck kommen. Es ist eins von den seltener gehörten Werken, wenn man„Aida".„Troubadour",„Rigoletto“, in Betracht zieht, doch hat gerade der„Maskenball“ so viel Eigenes in Linienführung, Rhythmus und lebendiger Handlung, daß eine Einstudierung stets lohnend sein wird. Franz von Hoeßlin saß am Dirigentenpult und ließ die Partitur farbig aufleuchten, berücksichtigte das Vokale in eingehender Weise, vor allem den niedlichen Pagen Oskar, den Käte Munk mit kleiner, aber lieblicher Stimme sang und durch ihr graziöses Spiel bestens ergänzte. Auf ganz großer Linie stand die Amélia Käte Teuwens. Gesanglich wie darstellerisch war die Künstlerin durchaus überzeugend, besonders in den Liebesszenen mit Richard, den Karl Jank=Hoffmann gab. Eine überraschende Leistung bot Hermann Abelmann als René, der sich gesanglich sowohl als auch darstellerisch immer mehr vervollkommnet. Eine weitere Ueberraschung war die Ulrica Gustel Spahns, die zum ersten Mal in einer größeren Rolle auf der Bühne stand. Die junge Sängerin verfügt über einen prachtvollen, umfangreichen Alt, dessen Ton noch lockerer werden dürfte, ebenso wie das Spiel im Laufe der Zeit gewandter, selbstsicherer sein wird. Dieser Anfang war auf jeden Fall verheißungsvoll. Lander, Overlack und Hattesen ergänzten wirksam das Ensemble. Prächtig die Chöre Heinz Anraths, Marcella Wunderlich hatte Tänze einstudiert und Dr. Rud. Hesse führte mit Umsicht Regie. Albrecht Langenbeck stellte geschmackvolle Bühnenbilder in überlegender Weise mit Vorhandenem haushaltend. „Freie Bahn dem. Tüchtigen“, ein neues Lustspiel von August Hinrichs Wir haben es hier mit einer Angelegenheit zu tun. die erstens sehr aktuell ist und zweitens in durchaus bühnensicherer Form serviert wird. Es handeit sich um eine Wahl, doch wird die hohe Politik ausgeschaltet. Also um die Wahl des Studienrates Dr. Bröker zum Gymnasialdirektor, der glaubt, daß er allein der Tüchtige sei, der diesen Posten ausfüllen kann. Er ist so überzeugt von seiner Befähigung, daß ihm niemals der Gedanke käme, einer der über hundert Mitbewerber könnte ebenfalls diese Stellung bekleiden. Es wird glatt eine Schiebung vorgenommen, an der die Weiblichkeit auch ihren Anteil hat. Seine#trene Gattin wendet sich nämlich mit der Klugheit und Ueberlegung einer Frau an den einstigen Ingendfreund, Direktor Suttner, als maßgebende Persönlichkeit in dieser Sache. Dieser lädt zu einer großen Gesellschaft alles, was daran beteiligt ist, in sein Haus und— Herr Dr. Bröker wird gewählt. Der Dialog ist überaus fein geschlissen und weist hier und da witzige, ja geistreiche Einfälle auf, die das Publikum entzücken. Treffende Wahrheiten werden gesprochen und die Form, wie das Lustspiel gebracht wird, ist das Verdienst der Leitung Franz Edwin Zillichs, der damit etwas Besonderes geleistet hat. Das Ehepaar Dr. Bröker wurde durch Jvachim Krätke und Ilse Cabanis äußerst sympathisch verkörpert. Herbert Köllner war ein überlegener, markanter Direktor Suttner. Sehr nett Christamaria Teckener als Tochter Ursula, sie hat in der letzten Zeit fleißig an sich gearbeitet. Hansen und Bäumer waren zwei frische Primaner. Leonie Dielmann, Curt Seder, Peter Sigl, H. Sinzig erfüllten, wie stets. ihre Aufgaben zuverlässig und gewandt. Das war ein Abend, der wieder einmal rechte Freude bereitete und noch vielen Besuchern Frende bringen wird. Erik Weisen=Rose. Sie sden nicht, aber sie ernten doch Von Hans Werdenfels. Eine Million und siebenundachtzigtausend kleine Erdenbürger werden in den ersten Tagen des April erstmalig jenen Stätten nahen, über deren Pforte— sichtbar oder unsichtbar— geschrieben steht: Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben. Zunächst wird man den ABE=Schützen durch Zuckertüten an die neue Umgebung zu gewöhnen suchen. Später kommt dann die Zeit, da man den Buben und Mädchen an Hand leuchtender Beispiele den Wert rastloser Arbeit vor Augen führt. Von berühmten deutschen Dichtern wird man ihnen erzählen, solchen, die unermüdlich, aber doch leicht und frei schufen wie der Altmeister Goethe, und anderen, die zäh und erbittert mit dem Stoff rangen wie einst Lessing. Von Künstlern wie Michelangelo, der Tag und Nacht auf der Leiter stand, als er die unsterblichen Gemälde an die Decke der Sixtinischen Kapelle zauberte, so daß man ihm schließlich die Stiefel von den Beinen schneiden mußte, und sich mit dem Leder auch die Haut von dem Fleische löste. Von Erfindern wie Edison, der über seinen chemischen und physikalischen Studien gar seinen Hochzeitstag vergaß. Von Staatsmännern wie Bismarck, dessen Nerven durch fieberhafte verantwortungsvolle Arbeit dermaßen zerrüttet wurden, daß er bisweilen in Weinkrämpfe verfiel oder sich gewaltsam von dem lastenden Druck befreite, beispielsweise durch Zertrümmern eines Porzellangeschirrs, als er sich 1866 zur Kriegser= klärung an Oesterreich durchgerungen hatte. Hinter der Brille des Schulmeisters sieht es allerdings oftmals anders aus. Er weiß, daß die Glücksgöttin ihren Lieblingen doch etwas mehr als nur den Fleiß mit auf den Lebensweg geben muß, wenn sie es besonders weit bringen sollen. Man kennt jenen bärbeißigen Vers von den kräftigen Ellenbogen und dem großen Maul, die ein wohlwollendes Geschick verleiht. Und er weiß auch, daß manchen Menschen die Freuden dieser Welt mühelos in den Schoß fallen. Aber er wird sich hüten, seinen Schülern zu erzählen, daß es beispielsweise in London einen indischen Fürsten gibt, der herrlich und in Freuden lebt, ohne doch mehr für seine sernen Untertanen zu tun, als daß er sich alljährlich— wiegen läßt, damit auf Grund seiner Schwere seine Zivilliste festgestellt werden kann. Einen wenig anstreugenden Beruf hat auch der britische Humorist Wodehouse, der vor einiger Zeit nach dem amerikanischen Filmparadies Hollywood mit einem Monatsgehalt von 8000 Mark verpflichlet wurde. Seitdem hatte er— wie er kürzlich sehr lannig berichtete— nichts weiter zu tun als zweiGoethe=Ehrung auch in Rom. Die Stadt Rom hat an dem Standbild Guethes an seinem hundertsten Todestage im Garten der Villa Borghese einen Kranz niederlegen lassen. Gleichzeitig weilte auch der deutsche Botschafter in Rom, von Schubert, am Goethedenkmal um einen von der deutschen Kolonie in Rom gestifteten Kranz niederzulegen. Unsere Aufnahme zeigt die beiden Delegationen vor dem Goethedenkmal, Zweiter von links der deutsche Botschafter von Schubert, rechts neben ihm der Gouverneur von Rom. Entsetzlicher Massenmord eines Oberlandesgerichtsrates. Infolge Zerrüttung seiner Ehe beging der Jenaer Oberlandesgerichtsrat Dr. Meurer in seiner Villa— die wir hier im Bilde wiedergeben — ein Verbrechen von entsetzlichem Ausmaß: erschoß seine Frau, seine beiden minderjährigen Kinder, seine Eltern und eine gerade anwesende Bekannte seiner Frau. Nach der Bluttat richtete er die Waffe gegen sich selbst. mal im Jahre einige ihm vorgelegte Filmstücke anderer Verfasser zu begutachten und gegebenenfalls abzuändern. Dann sollte er die Erzählung„Rosalie“ zu einem Film umarbeiten. Drei Monate widmete er sich dem Werke. Dann meinte die Leitung unter höflichen Dankesworten, der Stoff sei doch wohl nicht geeignet, volkstümlich zu werden. So hat Wodehouse für diese angenehme Beschäftigung insgesamt mehr als dreihunderttausend Mark eingeheimst. Im deutschen Vaterlande gibt es natürlich solch beqneme Posten nicht. Aber angeblich ist es doch ein sehr bekannter deutscher Filmautor, der von dem Metro=Goldwyn=Studio 1100 Mark Wochenlohn erhält, ohne daß er dafür bisher irgend etwas hätte leisten müssen. Drei Wochen saß er untätig vor seinem Schreibtisch. Aber keine Arbeit kam. Nur der Kassierer sandte an jedem Wochenende 1100 Mark im verschlossenen Briefumschlag an den Schriftsteller. Der glaubte schließlich, man habe ihn ganz vergessen, hielt die Langeweile nicht mehr aus und fuhr über den großen Teich in die Heimat. Aber hier war doch seines Bleibens nicht. Angeblich verspürte er Gewissensbisse. In Wahrheit dürften seine Empfindungen mehr äußerlicher Natur gewesen sein. Schleunigst kehrte er nach Hollywood zurück. Und siehe da— niemand hatte sein Verschwinden bemerkt. Das Arbeitszimmer war völlig unberührt. Nur lagen auf dem Schreibtisch diesmal fünf verschlossene Briefumschläge mit insgesamt 5500 Mark! Solche Geschichten darf man den deutschen Schulkindern, die das ABC in Angriff nehmen, natürlich nicht erzählen. DEA RALUHEN Romau von Hermann Weick. 31 „Sie müssen mich jetzt entschuldigen, Mr. Rackford,“ sagte sie hastig, überstürzt.„Ich möchte auf mein Zimmer gehen!" „Sie wollen schon gehen, gnädige Frau?“ fragte Rackford überrascht. Lisa vermochte ihre Aufregung kaum mehr zu meistern. „Ich habe plötzlich starke Kopfschmerzen bekommen!“ antwortete sie und sah ihn aus fiebrigen Angen an. Er begleitete sie zum Lift. „Ich wünsche Ihnen gute Besserung, gnädige Frau! Morgen sehen wir uns ja wieder, nicht wahr?“ „Ja, ja—,“ sagte Lisa hastig und stieg rasch in den Lift. Rackford ging in den Speisesaal zurück. Dieser überstürzte Aufbruch Lisa Brinkmanns erschien ihm etwas sonderbar. Sie war ihm überhaupt während des ganzen Abends sehr nervös und erregt erschienen. Es fiel ihm jetzt erst auf, daß sie kein Wort darüber gesprochen hatte, warum sie allein in Zürich weile. Auch von ihrem Gatten war nicht die Rede gewesen. Seltsam!— Was mochte da vorgefallen sein? Da sich aber nun plötzlich wieder die Sehnsucht nach Irene Duval in Rackford regte, mit der er immer noch nicht fertig geworden war, so machte er sich weiter keine Gedanken über Lisa Brinkmann und ihren Züricher Aufenthalt. 18. Als Lisa nach schlafloser Nacht am anderen Morgen ins Frühstückszimmer kam, brachte ihr der Kellner einen Brief. Auf der Rückseite sah sie, daß Irene Duval die Absenderin war. Wie Feuer brannte der Brief Lisa in den Fingern. Ein wahnsinniger Haß gegen Irene lohte in ihr. Wie falsch und hinterlistig hatte Irene an ihr gehandelt!— Ihre Freundschaft hatte sie mißbraucht, um Karasin in ihr Netz zu bekommen! Nun konnte sie über Lisa triumphieren!— Nun besaß sie den Mann, nach dem Lisa sich namenlos sehnte.— Sie hatte keine Lust, den Brief der Falschen zu lesen!— Mit zittrigen Fingern zerriß sie den Brief in kleine Stücke. Es litt sie nicht mehr im Hause. Ohne das Frühstück angerührt zu haben, eis#e sie aus dem Zimmer. Sie war seit dem vorigen Abend, seit dem Augenblick, als Rackfords Worte die letzten Zweisel in ihr verscheucht hatten, wie von Furien gejagt. Immer sah sie nun Irene bei Karasin!— In seinen Armen sah sie die Verhaßte liegen.— In ohnmächtiger Wut bäumte sich Lisa auf. Ich muß hier sitzen und warten— während die andere bei dem Geliebten ist und sich ihres Glückes freut! Sie war ziellos durch die Stadt gegangen. eine große Kälte herrschte. Rauher Wind strich über die Häuser hin. Lisa spürte nichts davon. In ihr war alles verstummt. Nur der Schmerz, dieser gräßliche Schmerz schrie. Mitten auf dem Weg blieb Lisa stehen. Ein erstickter Schrei kam aus ihrem Mund. Ein wahnsinniger Gedanke war in ihr ausgesprungen. Sie verkrampfte sich darein. Alle Einwände, die sich gegen ihn erheben wollten, wies sie von sich. Eine Gewalt, die außerhalb ihres Willens lag, schien sie zu treiben. Sie eilte zum Hotel zurück. Zu Karasin wollte sie gehen! Zu Karasin.— Sie dachte nicht darüber nach, was sie bei ihm suchte. Ihre Gedanken waren wie ausgelöscht. Nur dieses eine Ziel brannte lichterloh in ihr: sie würde zu Karasin gehen! Mit leeren, abwesenden Blicken saß sie im Zug. Sie sah niemand. Ihre Lippen bewegten sich dann und wann. Leise sagte sie immer wieder denselben Namen. Karasin—— Karasin——. Es war dasselbe Mädchen mit der kleinen Stupsnase und den neugierigen Augen, das Lisa neulich empfangen hatte. „Herr Karasin ist nicht zu Hause!“ sagte sie. „Ich werde auf ihn warten!“ antwortete Lisa heiser. „Bitte!“ sprach das Mädchen darauf höflich und öffnete die Türe zu Karasius Zimmer. Lisa machte zwei Schritte, dann blieb sie stehen. Nun war sie endlich am Ziel!— Bald mußte Karasin kommen; dann würde sich alles entscheiden. Mit glühenden Augen sah Lisa umher. Auf dem Schreibtisch stand Irene Duvals Bild. Mit einem erstickten Schrei riß Lisa das Bild an sich. Ihre Faust ballte sich. „Du wirst bald hier ausgespielt haben!“— stieß sie hervor und sah mit haßerfüllten Augen auf das Bild.„Warte nur, bis Karasin kommt!" Verächtlich warf sie das Bild wieder auf den Tisch. Eine starre Ruhe war über Lisa Brinkmann gekommen. Sie hatte jeden Begriff für die Zeit verloren. Was lag daran, ob Karasin erst in Stunden kam— oder in Tagen erst!—. Sie war bei ihm daheim!—— Einmal mußte er kommen.—— Sie blieb regungslos sitzen, als Karasin bald darauf ins Zimmer trat. Nur ihre Angen sahen ihm glühend entgegen. Karasin fuhr zurück, als er sie erblickte. „Lisa!—“ rief er bestürzt. Ein verzerrtes Lächeln irrte um ihren Mund. „Ich bin gekommen—“ sprach sie dumpf. Karasin hatte seine Fassung wiedergewonnen. „Was wollen Sie von mir?“ Sie wußte selbst nicht, was sie von ihm wollte. Sie suchte nach Worten. Wie im Fieber schlugen ihre Lippen auseinander. Karasin wurde plötzlich bange unter ihren seltsam durchdringenden Blicken.— „Bitte, sagen Sie mir, was Sie zu mir geführt hat!“ Sie dachte: Nun bin ich bei ihm—— unn sind alle Schmerzen stille geworden.—— Wie konnte ich ihn jemals hassen?—— und vor seinem Haß mich fürchten!—— Noch immer sagte sie kein Wort. Karasin sprach: „Ich vermutete Sie noch in Zürich!“ Sie nickte. „Bis gestern war ich dort——. Ich komme direkt von der Bahn zu Ihnen——.“ Fassungslos sah Karasin sie an. „Sie waren noch nicht daheim?— bei Ihrem Manne—?“ Lisa schüttelte das Haupt. „Ich war noch nicht bei meinem Manne—.“ antwortete sie in singendem Tone.„Ich wollte zuerst mit Ihnen sprechen, Leonid—. „Wir haben uns nichts mehr zu sagen, Lisa! Was geschehen ist, soll vergessen sein!“ Sie lauschte seiner Stimme und dachte: in meinen Träumen habe ich diese Stimme gehört immer ist sie mit mir gegangen— „Haben Sie Fräulein Duvals Brief nicht erhalten?“ fragte Karasin verwundert.„Sie hat Ihnen doch geschrieben—“ Mit einem Schrei sprang Lisa auf. Mit weit aufgerissenen Augen sah ste Karasin an. Ihre Pulse flogen. „Nennen Sie den Namen nicht!“ schrie sie wie von Sinnen. Karasin wußte sich diesen Ausbruch nicht zu deuten. „Was hat Fräulein Duval Ihnen getan?“ „Ich will den Namen nicht hören! Sie sollen den Namen nicht mehr nennen!—“ Karasin zuckte mit den Schultern. „Sie sind in einem Irrtum befangen, Lisa! Fräulein Duval hat mehr für Sie getan, als Sie ahnen! Ihr danken Sie es, daß ich heute in Frieden mit Ihnen rede!“ In ihren Ohren dröhnte es. Sie hörte nichts anderes als den verhaßten Namen. „Ich will ihr nichts zu danken haben!" stieß sie gehässig hervor.„Sie sollen nicht immer von ihr sprechen!“ Sie sah auf dem Tisch wieder Irenes Bild liegen. Das raubte ihr den letzten Rest von Besinnung. „Ich hasse sie!— Und auch Sie sollen sie hassen—“ schrie sie. Karasin sagte darauf hart: „Sind Sie gekommen, um mir das zu sagen? Dann wären Sie besser fortgeblieben!" Sie hörte das Abweisende in seiner Stimme. Sie fühlte die Scheidewand, die er zwischen sich und ihr zog. Die Angst stieg wieder in ihr hoch. Sie umklammerte seinen Arm. „Sie dürfen mir nicht böse sein. Leonid! Hören Sie! Sie dürfen mir nicht böse sein!“ (Fortsetzung folgt.) T.) MIFA Mikrofilmarchiv ler deutschsprachigen Presse e.V. * Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann Stuttgart 27) Die Gräfin sah das Papier nicht an. Sie wußte, daß sie an den Worten des Pfarrers nicht zweifeln durfte. Erst nach langer Pause vermochte sie wieder zu reden. „Das haben Sie gewußt, Hochwürden? Monate gewußt und dennoch geschwiegen?“ „Weil ich mir anmaßte, Gottes Willen deuten zu können. Ich hatte der Sterbenden schwören müssen, das Beichtgeheimnis nur dem Grafen Eberhard persönlich zu offenbaren. Als ich aber mich aufmachte, um den schweren Gang zu tun, kam die Nachircht, daß Graf Eberhard plötzlich aus dem Leben geschieden. Ich wußte mir keinen Rat. Ich sah mich Zweifeln gegenüber“ Ich kannte den Grafen Georg, seine männliche Art, seinen lauteren Charakter. Ich fühlte, daß er allein in diesen schweren Tagen der Mann war, der das Gut halten konnte, und ich wußte, daß Jörge, verzeihen Sie, wenn ich ihn noch so nenne, zwar von der Frau, die sich seine Mutter nannte, nach besten Kräften betreut, aber doch immerhin nur ein schwacher, geistig von der Natur vernachlässigter Mensch sei. „Ich fuhr nach Breslau und holte mir Rat bei meinem Vorgesetzten. Mußte ich reden? Durfte ich nicht? Auch Exzellenz war im Zweifel. Nur dem Grafen durfte ich mich offenbaren. Der Graf war tot. „War es Gottes Wille, daß das Geheimnis gewahrt blieb? Hatte er es gefügt, indem er das Ohr des Einzigen, dem ich sagen durfte, was die Sterbende mir vertraute, gerade in diesem Augenblick für immer verschloß? Auch der Erzbischof war der Meinung und— verbot mir, zu ceden. „Ich tat, was ich konnte. Ich nahm Jörge zu mir, ich habe versucht, ihn einem besseren Leben zuzuführen, aber— ich schwieg.“ Gräfin Hermine hob langsam den Kopf und sah ihn mit flackernden Augen an. „Warum reden Sie jetzt?“ „Vor wenigen Tagen war Gräfin Agnes bei mir, kurz darauf Graf Georg.“ „Ich fühle, es liegt etwas zwischen den beiden.“ Es klang etwas Feierliches in der Stimme des alten, einfachen Pfarrers: „Die beiden lieben einander. Nicht wie Bruder und Schwester. So, wie der Mann das Weib seines Lebens liebt und das Weib den Mann.“ „Herrgott im Himmel, ich habe es immer gefürchtet und nie begriffen.“ „Gräfin Agnes ist im Innersten ihrer Seele erschüttert. An jenem Tage, an dem der junge Graf aus dem Gefängnis zurückkam, haben die beiden ihre Liebe erkannt. Sie leiden unendlich. Schon das Bewußtsein ihrer sündhaften Liebe zu dem Mann, den sie für ihren Bruder hält, warf sie zu Boden. Sie fühlt sich durch den bloßen Gedanken dieser Liebe befleckt.“ „Ich fuhr wieder nach Breslau, ich bat um Rat. Ist es Gottes Hand, die sich abermals offenbart? Die diese Liebe in die beiden Herzen pflanzte, um eine andere Sünde zu sühnen? zHeute früh erhielt ich den Befehl vom Heiligen Vater in Rom selbst, Ihnen, Frau Gräfin, das Geheimnis zu offenbaren. „Bisher galt es irdisches Gut: das Majorat. Jetzt aber gilt es zwei Menschenherzen.“ Gräfin Hermine sah den Pfarrer an. Nie war sie ihm so groß, so schön erschienen als jetzt. „Sie haben recht getan, Herr Pfarrer. Ist es eine Sünde, wenn es mir in dieser Stunde noch scheint, als sollte mir ein Sohn sterben, und wenn ich mich noch nicht in den Gedanken finden kann, diesen anderen—“ „Vertrauen Sie der Allmacht, derselben Allmacht, die uns nun gezwungen hat, das Geheimnis zu lüften.“ Die Gräfin stand wieder auf und drückte die Klingel. „Ist mein Aeltester— ist Graf Georg im Schlosse?“ Ihre Lippen vermochten kaum das Wort auszusprechen. Sie hatte es vermeiden wollen, aber— er war ja auch nicht ihr Sohn! „Herr Graf ist im Hofe.“ „Und Gräfin Agnes?“ „Bei dem Grafen Konrad.“ „Ich lasse beide zu mir bitten.“ Zuerst kam Georg, sah verwundert den Pfarrer und das Gesicht der Mutter, dann trat Agnes ein. Es war das erste Mal seit jenem Abend, an dem ihre Herzen sich öffneten, daß sie einander wieder gegenübertraten. Beide erschraken, beide fühlten, daß hier etwas Neues, etwas Gewaltiges geschah. Beide dachten daran, daß sie den Pfarrer zum Mitwisser ihrer Seelenschmerzen gemacht hatten, und sie hatten jetzt die Empfindung angesichts der Mutter, vor ihrem Richter zu stehen. Hermine sah nicht auf Agnes, sie ging auf Georg zu und blickte ihm wortlos ins Auge. Nie hatte dieser Ausdruck ihrer Liebe, eines großen Schmerzes, ihn so erschüttert wie jetzt. Dann aber kam es leise von ihren Lippen: „Mein armer, guter Georg! Vergiß nie, daß ich dich lieb haben werde, solange ich lebe.“ Georg antwortete nicht, auch Agnes war stumm. Beide senkten nur den Kopf im Schuldbewußtsein. „Herr Pfarrer, wollen Sie bitte wiederholen, was Sie mir soeben gesagt haben.“ „Ich will, aber— ich bitte, lassen Sie mich zu ende reden. Ich bin ein alter Mann, und es hat mich selbst tief ergriffen. Ich habe darunter gelitten in allen diesen Monaten.“ Das ließ die beiden aufhorchen. Von Monaten sprach der Pfarrer, und es war doch nur Tage her! Sie saßen ganz still ihm gegenüber, dem greisen Pfarrer, den sie seit ihrer Kinderzeit kannten und liebten. Er sprach, und währenddessen konnte es die Gräfin nicht verhindern, daß ihr die Tränen über die Wangen rollten. Ambrosius wiederholte, was er der Gräfin gesagt hatte. Dann war es lange still im Zimmer. Agnes saß dicht am Fenster und schaute in den sinkenden Abend hinaus. Die letzten Strahlen der niedergehenden Sonne fielen auf die rührende, in sich zusammengesunkene Gestalt der Mutter. Ein leichter Wind hatte sich aufgemacht und warf die letzten Blätter des vorigen Herbstes von den Bäumen. Sie sah es nicht. Um ihren Mund war ein leises, verträumtes Lächeln. Sie sah nur draußen die Schneeglöckchen ihre weißen Köpfchen erheben und die Krokusblüten die Abendsonne in ihre bunten Blumenkelche trinken. Sie dachte nicht, sie konnte nicht denken. Sie litt mit der Mutter und dennoch war ihr, als sei Frühling in ihrem Herzen. Georg richtete sich auf. Auch sein Auge hatte etwas Versonnenes, und der Priester schloß seine Rede mit den Worten: „Richtet nicht! Sie hat es ja nur aus übergroßer Mutterliebe getan, und dem irdischen Rächer hat Gott sie entzogen.“ Georg nickte.— „Meine arme Mutter! Nun weiß ich, warum ich nie in ihr die Magd sehen konnte. Nun weiß ich, was der letzte Blick ihrer sterbenden Augen mir sagen sollte.“ Ambrosius wandte sich an die Gräfin: „Was soll nun geschehen? In die Hand des alten Grafen legte sie ihr Geständnis. Nun liegt es in Ihrer Hand.“ Georg stand auf. „Herr Pfarrer, ich glaube im Sinne meiner geliebten und über alles verehrten—— Pflegemutter zu handeln, der ich dankbar sein werde bis an mein Lebensende, wenn ich Sie bitte, morgen mit mir in die Kreisstadt zu fahren und das Geständnis der Toten dem Gericht vorzulegen. Es ist selbstverständlich, daß ich von dieser Stunde an nichts bin als Georg Uminski.“ Gräfin Hermine versuchte sich zu fassen. „Wo ist mein Sohn?“ „In der Pfarre.“. Jetzt brach die Gräfin zusammen. „Es ist ja nicht möglich! Es ist ja nicht möglich— er — der Majoratserbe, er—“ Dann sah sie wieder den Pfarrer an. „Wie ist das denkbar? Wie kann in dieser einfachen Magd das Muttergefühl so mächtig sein und in mir nicht? Gewiß, ich habe den Jörge oft mit forschenden Augen angesehen. Er hat mir leid getan. Ich fühlte, daß er aus einer anderen Sphäre war, daß er nicht in die Insthütte paßte, aber daß er——“ „Nicht wieder Selbstqualen! Ein wenig Vertrauen zu dem, der alles lenkt, wie er es will.“ Ein erschreckender Ausdruck kam in ihr Gesicht. „.... der uns gestraft hat mit alle dem, was wir erlitten, weil ich eine schlechtere Mutter war als die Magd.“ „Vertrauen, Gräfin! Ueber uns ist ein gütiger und kein zorniger Gott.“ „Herr Pfarrer, führen Sie mich zu meinem Sohn. Weiß er?“ „Er weiß es nicht, und ich beschwöre Sie, übereilen Sie nichts. Sein etwas einfacher Geist, seine immerhin mangelhafte Erziehung—“ „Durch meine Schuld!“ „... können es ihn nicht so rasch begreifen lassen. Es wird am besten sein, wir holen uns erst Rat auf dem Gericht. Es ist ganz selbstverständlich, daß Jörge nicht fähig ist, von heute auf morgen Majoratsherr zu werden. Um seinetwillen, damit er selbst nicht Schiffbruch leidet, lassen Sie ihn heute noch in Ungewißheit.“ „Ich muß ihn sehen.“ „Das wird Ihnen niemand verwehren. Aber bleiben Sie stark. Noch hat ja das Gericht das Geständnis der Uminski nicht anerkannt. So lange müssen wir schweigen.“ Die Gräfin stand auf, ging in das Nebenzimmer. Nach wenigen Minuten kam sie, zum Ausgang bereit, zurück. „Nun führen Sie mich zu ihm.“ Dann blieb sie vor Georg stehen, zögerte einen Augenblick. „Auch du bist mein Sohn und wirst es bleiben. Du hast uns deinen Beruf geopfert. Du hast Unsägliches erduldet durch uns. Und wenn es auch unnatürlich erscheint — ich habe dich lieb, als seiest du mein Kind. Das darfst du niemals vergessen.“ Der Pfarrer führte Gräfin Hermine hinaus. Ganz langsam schritten sie durch den Abend dem Dorf zu, während von der Kirche— von der Hand Jörges, der als Kirchendiener wirkte, gezogen— die Abendglocken erklangen und überall die Frauen und Männer in Gruppen zusammenstanden und den beiden nachschauten— ohne zu ahnen, was sich inzwischen im Herrenhaus abgespielt hatte.—— Georg stand in dem jetzt dunklen Zimmer. Nun erst, wo er sich allein glaubte, denn er hatte Agnes, die ja kein Wort gesprochen und still abseits gesessen, ganz vergessen— nun erst erfaßte er, was geschehen. Sein ganzes Leben war umgewühlt. Mit einem Schlag waren alle Lichter erloschen. Seit Monaten hatte er sich daran gewöhnt, Herr zu sein über Kynau. Jetzt war er ein Mann, der sich angemaßt hatte, was ihm nicht zukam. Er war nichts— nichts als der natürliche Sohn einer Magd! Sein Studium abgebrochen und er selbst bettelarm! Nicht einmal der Anzug auf seinem Leibe gehörte ihm. Kein Recht hatte er auf sein Zimmer im Schloß, auf den Platz am Familientisch. Draußen wartete der Inspektor, um seine Befehle für die Arbeit des kommenden Tages entgegenzunehmen— was durfte er anordnen? Nichts war er und— vor einer Stunde war er noch alles gewesen! Er seufzte tief auf und strich langsam mit der Hand über die Stirn. Da fühlte er, daß etwas an ihn herantrat, daß eine sanfte Hand ihn berührte, eine schlanke Gestalt sich an ihn drängte. „Georg!“ Ein Ruck ging durch seine Sele, er wußte nicht, ob er fliehen solle, und sie schlang ihre Arme um seinen Hals. „Mein lieber, lieber Georg!“ „Ach, Agnes!“ Er konnte sie nicht sehen, da nun die Nacht hereingebrochen, aber er fühlte ihren Körper, fühlte den Atem ihres Mundes, der seine Wangen streifte. „Nun wird ja alles, alles gut.“ „Ich bin nun—“ Sie legte die Hand auf seinen Mund. „Hast du den Abend vergessen, den Abend, der uns zu vernichten schien?“ Sie löste sich von ihm, trat einen Schritt zurück, breitete dann wieder die Arme und preßte sich an ihn. „Georg, lieber Georg! Nun ist es nicht Sünde, daß wir uns lieben. Du bist ja nicht mein Bruder, ich bin nicht deine Schwester. Aber ich bin dein, du bist mein, und nichts, nichts kann uns trennen!" „Du Liebe!“ Sie hatte seinen Kopf zu sich herabgezogen, ihre Lippen suchten die seinen, und sie küßte ihn innig. Küßte ihn wie damals an jenem Abend, wie das junge Weib den Mann, dem es sich zu eigen gibt fürs Leben. „Du! Du!“ Er führte sie an das Fenster. Glück und Bitterkeit stritten in ihm. „Bis heute war unsere Liebe Sünde.“ Von heute an bin ich ein Verbrecher, wenn ich sie dulde.“ „Ein Tor bist du. Glaubst du, wir brauchten dich nicht? Glaubst du, dieser Fremde, der plötzlich mein Bruder sein soll, könnte das Gut leiten? „Kann es der arme Konrad? „Du bist uns not, du bist unser Schutz, unsere Stütze. Traurig willst du sein? Hörtest du nicht, was der alte Pfarrer gesagt hat, daß alles nur eine Fügung des Himmels ist?“ Sie hatte ihn zum Sofa geführt, sie saßen beieinander, und Agnes hielt seine Hand. Sie sprach mit leiser Stimme, und Georg hörte zu. Wie eine leise, zarte Musik klangen die Worte. Agnes war verwandelt. So furchtbar hatte sie gelitten unter der Last ihrer sündhaften Liebe, daß sie jetzt wie ein seliges Kind war. „Hast du nicht gesehen, wie Mutter dich liebt? Hast du nicht ein Recht an uns, wie wir an dich? Können sechsundzwanzig Jahre, in denen du den Eltern ein treuer Sohn, Konrad ein guter Bruder und mir der ganze Inhalt meines Lebens geworden, ausgelöscht sein? (Fortsetzung folgt.)