* fVIA — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Ungemeiner kreisanzeiger „vereis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Neustraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Nr. 2018.— Oostscheckkonto Hannover 76913.— Für unverlangt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Bewiebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. fur den Ennepe=Nahe nreis Schibeiner Radtanzeiger Mit den Beilagen: Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig, im Reklameteil(75 mm breit) 80 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Ge chäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Dormittags 10 Uhr. Rummer 58 Erstes Blakt Mittwoch, den 9. März 1932 103. Jahrgang Kurze Tagesneuigkeiten Telegraphische Glückwünsche des Reichspräsidenten zur Leipziger Frühjahrsmesse 1932 * Leipzig. 8. März. Reichspräsident von Hindeuburg hat anläßlich der Eröffnung der Leipziger Frühjahrsmesse dem Leipziger Messeamt folgendes Telegramm gesandt:„Zur Eröffung der diesjährigen Leipziger Frühjahrsmesse sende ich berzliche Grüße und beste Wünsche zu gutem Erfolg. Trotz schwerer Notzeit, unter der alle Kreise des deutschen Volkes zu leiden haben, wird die deutsche Industrie auf der Leipziger Frühjahrsmesse vor dem Inland und dem Ausland erneut den Beweis für ihre hohe Leistungsfähigkeit erbringen. von Hindenburg, Reichspräsident.“ Segelflieger Groenhoff beim Reichspräsidenten * Berlin, 8. März. Reichspräsident von Hindenburg empfing heute den Segelflieger Groenhoff. dem als dem erfolgreichsten Piloten für motorlosen Flug für das Jahr 1931 vom Preisgericht der Hindenburgpokal und Geldpreis für motorlosen Flug zuerkannt worden war. Keine Rückkehr Dr. Altstädts ins Lübecker Amt * Lübeck, 8. März. Zu der Nachricht über den Weggang Prof. Deyckes aus Lübeck verlautet noch, daß nach Reorganisation des Gesundheitswesens auch Dr. Altstädt nicht wieder auf seinen Lübecker Posten zurückkehren wird. Dr. Klotz, der im Impfprozeß freigesprochen wurde, hat die Leitung des Kinderhospitals wieder übernommen. Aufklärung eines politischen Mordes * Berlin. 8. März. Als Mörder des Nationalsozialisten Otto Ludwig, der am Sonntag morgen durch einen Kopfschuß getötet wurde, ist Hugo Schwarz, ein früherer Angehöriger des Rotfrontkämpferbundes, ermittelt worden. Er wird morgen dem Richter vorgeführt. Studentenstreik an der Pariser Sorbonne * Paris, 8. März. Der Studentenstreik in der Rechtsfakultät der Pariser Sorbonne, der bereits am Montag angekündigt wurde, hat am Dienstag tatsächlich begonnen. Vor den Türen der Hörsäle sind Streikposten aufgestellt. Die Professoren sehen sich leeren Hörsälen gegenüber. Die Professorenschaft billigt den Streik. Drahtseilbahnunglück bei Nizza * Paris, 8. März. Aus Nizza wird gemeldet, daß heute vormittag die von Beausoleil nach La Turbie führende Drahtseilbahn entgleiste. Der Zug hatte etwa 150 Meter der Strecke durchlausen, als er plötzlich ins Rollen kam. Die Lokomotive fiel auf die Straße. Der Lokomotivführer wurde getötet. Der Anhängewagen entgleiste, wurde aber durch einen Prellbock am Sturz verhindert. Einer der Reisenden, der sich durch Abspringen retten wollte, wurde so schwer verletzt, daß er im Krankenhaus gestorben ist. Englische Sorgen infolge der Vermehrung der französischen U=Boote London, 8. März. In einer Debatte über die Flotten=Voranschläge im Unterhaus verwies Konteradmiral Taylor(Konservativ) auf das Unterseebootbaugrogramm Frankreichs, das 65 Unterseeboote gebaut habe und weitere 45 baue, darunter 24 Ozeanschiffe mit einem sehr großen Aktionsradius. Er sprach die Hoffnung aus, daß die brittsche Regierung, wenn Frankreich auf dieser ungeheuren Unterseeboottonnage bestehe, nicht zögern werde, auch seinerseits auf einer Erhöhung der Tonnage für Zerstörer zu bestehen, um dieser Drohung zu begegnen. 6.13 Millionen Arbeitslose Aufwärtsbewegung der Arbeitslosenzahl zum Stillstand gekommen * Berlin, 8. März. Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 29. Februar 1932 ist die Aufwärtsbewegung der Arbeitslosenzahl in der zweiten Februarhälfte zum Stillstand gekommen. Ende Februar waren bei den Arbeitsämtern rund 6128000 Arbeitslose gemeldet, annähernd ebenso viel wie Mitte Februar. In der Belastung der Arbeitslosenversicherung ist ein Rückgang um etwa 30.000, in der Krisenfürsorge eine Erhöhung um rund 31000 Hauptunterstützungsempfänger eingetreten. In beiden Unterstützungsrichtungen zusammen wurden Ende Februar rund 3526000 Hauptunterstützungsemp„fänger gezählt, wovon rund 1852000 auf die Arbeitslosenversicherung und rund 1674000 auf die Krisenfürsorge entfielen. Von den Arbeitsämtern anerkannte Wohlfahrtserwerbslose wurden rund 1833000 gezählt. Bierstreit in Hambucg beendel * Hamburg, 8. März. In der öffentlichen Gast= und Schankwirtschaftsversammlung von Groß=Hamburg am Dienstag nachmittag wurde durch Urabstimmung mit großer Mehrheit beschlossen, den Bierstreik abzubrechen. Die Versammlung nahm davon Kenntnis, daß in den Völterdand Empfangi Fronlberichte Die täglichen Vorpostengefechte bei Schanghai * Genf, 8. März. Der Völkerbund wird künftig vom Kriegsschauplatz in Schanghai täglich durch die Führer der alliierten Streitkräfte in Schanghai telegraphisch einen Frontbericht über den Verlauf der Stellungen und der Kämpfe erhalten, wie heute der englische Außenminister Simon bei der Fortsetzung der allgemeinen Aussprache über den chinesisch=japanischen Konflikt ankündigte. Der erste Bericht, der von Admiral Kelly vom Flaggschiff„Kent“ eingelaufen ist und dem weitere fortlaufend numerierte Berichte folgen werden, schickt voraus, daß es für die alliierten Streitkräfte in Schanghai außerordentlich schwierig sei, sich Nachrichten von der Front zu verschaffen, da diese ziemlich entfernt von Schanghai verlaufe und man deshalb in erster Linie auf Nachrichten aus japanischer Quelle angewiesen sei. Nach dem ersten Frontbericht verlaufen die Stellungen in einem Bogen von Liuho am Jangtsekiang beginnend westlich von Kiatang nach Süden, um bei Sutschau wieder nach Osten umzubiegen. Wie der englische Admiral bemerkt. finden auch täglich Vorpostengefechte statt. Der ungarische Vertreter, Graf Apponyi wies dabei auf den Zusammenhang zwischen der Abrüstungskonferenz und der Entscheidung der Versammlung im chinesisch=japanischen Konflikt hin und forderte, daß der Völkerbund in diesem Falle, wie überhaupt immer, nicht als Instrument der Interessenpolitik einer bestimmten Staatengruppe vorgehe, sondern bis zur äußersten Konsequenz seine Aufgabe als Erhalter des Friedens erfülle. Tschang Kai Schek Oberbefehlshaber der chinesischen Streitkräfte * Moskau, 8. März. Die Telegraphen=Agentur der Sowjetunion meldet aus Schanghai, daß Marschall Tschang Kai Schek zum Vorsitzenden des Obersten Kriegs= und Verteidigungsrats und gleichzeitig zum Chef sämtlicher chinesischen Armee=, Marine= und Luftstreitkräfte ernannt worden ist. Chinesische Verstärkungen vor Schanghai Widersprechende Berichte über Tschang Kai Schek. * Schanghai, 8. März. Aus Nanking laufen widersprechende Berichte über Tschang Kai Schek ein. Die einen besagen, Tschang Kai Schek sei im Begriff, sich an die chinesische Front zu begeben, um, wenn nötig, den Kampf gegen die Japaner wieder aufzunehmen, während andere Meldungen berichten, daß er seine Beziehungen zu der chinesischen Regierung vollkommen abzubrechen gedenke. Nach einer russischen Meldung aus Schanghai wurde General Feng von der Leibwache des Marschalls Tschang Kai Schek in Nanking festgenommen. Nach 24 Stunden wurde er jedoch wieder aus der Haft entlassen. Der Grund der Verhaftung ist unbekannt. Wie die Japaner berichten, bewegen sich große chinesische Truppentransporte aus dem nördlichen Jangtse=Gebiet und aus der Kiangsi=Provinz gegen das Gebiet von Schanghat. Lord Cecil verurteilt Japan „Japan allein hat zu Gewaltmaßnahmen gegriffen“ * London, 8. März. In einer großen Versammlung zur Erörterung der Lage im Fernen Osten setzte sich Lord Cecil mit Nachdruck für eine Aktion des Völkerbundes zur Wiederherstellung des Friedens ein. Japan allein habe zu militärischen Gewaltmaßnahmen gegriffen. Die Unordnung oder das Chaos in China rechtfertige nicht einen Bruch der Verpflichtungen der Völkerbundverfassung. Wenn wir nicht an diesem Standpunkt festhalten, sagte Lord Cecil, muß die ganze Maschine= rie des Völkerbundes zur Verhinderung des Krieges geführlich beeinträchtigt werden. Der Völkerbund muß den japanischen Standpunkt endgültig und klar ablehnen und die Verpflichtungen aufs neue bestätigen, die auf jedem Mitglied des Völkerbundes ruhen und einer Nation verbieten, das Recht in ihre Hand zu nehmen. Besorgnis in Washinglon * Washington, 8. März. In amtlichen Kreisen gewinnt die Ansicht Boden, daß Japan versuchen will, die Säuberungsaktion rund um Schanghai, unbekümmert um die anderen Mächte und den Völkerbund, durchzuführen. Die japanische Entschuldigung, daß die in Schanghai eingetroffenen Verstärkungen während der Waffenstillstandsverhandlungen bereits unterwegs waren, und deshalb nicht mehr aufgehalten werden konnten, wird als unglaubwürdig bezeichnet, weil die Reisedauer drei Tage beträgt und die Truppen durch Funkspruch zurückgerufen werden konnten. Man vermutet, daß Japan durch die Verstärkung seiner Front einen neuen Vorstoß am Jangtse vorbereiten will, um möglicherweise weitere Häfen zu besetzen. Die Hoffnung auf eine wirksame und schnelle Entscheidung des Völkerbundes schwindet nach der letzten Rede des englischen Außenministers immer mehr. Kabinektsberatung in Tokio Weiterer Vormarsch auf Nanking angekündigt TU. Tokio, 9. März. Am heutigen Mittwoch hat das japanische Kabinett unter dem Vorsitz Innkais über die politische Lage beraten. Außenminister Joschisawa berichtete über die Verhandlungen in Genf und erklärte, daß Japan alles getan habe, um eine weitere Verschärfung des Streitfalles zu vermeiden. Da aber die chinesische Regierung sich weigere, die japanischen Vorschläge anzunehmen, so würde die japanische Regierung das Oberkommando in Schanghai anweisen, gegen die chinesischen Truppen vorzugehen und die Eisenbahnlinie Schanghai—Nanking von chinesischen Truppen zu säubern. Sthiontsenlung auf 8 Prozent Berlin 9. März. Die Reichsbank hat mit Wirkung ab Mittwoch den Diskontsatz von 7 auf 6 Prozent und den Lombardsatz von 8 auf 7 Prozent herabgesetzt. In der gestrigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank begründete Reichsbankpräsident Dr. Luther die Herabsetzung des Diskontsatzes wie folgt: Seit Jahesbeginn hat der Status der Reichsbank eine weitgehende Entlastung erfahren, die zwar zum Teil saisonbedingt ist, aber doch nach der besonderen Krediterschütterung des zweiten Halbjahres 1931 in gewissem Umsange auch als Ausdruck einer Wiederkehr geordneter Kreditverhältnisse aufgefaßt werden darf. Die gesamte Kapitalanlage der Reichsbank in Wechseln und Schecks, Lombard= und Reichsschatzwechseln ist von 4487 Millionen Mark Ende Dezember 1931 auf 3671 Millionen Mark zurückgegangen und hat sich nach dem letzten Ultimo weiter um 151 Millionen Mark vermindert. Auch der Banknotenumlauf zeigt eine rückläufige Bewegung; er hat in den ersten beiden Monaten des lausenden Jahres um 508 Millionen von 4776 Millionen auf 4268 Millionen Mark abgenommen und ist seit Anfang März noch um etwa 90 Millionen Mark zurückgegangen. Biersteuerverhandlungen am Montag die Reichsregierung amtlich die Bestätigung für eine zum 20. März 1932 in Kraft tretende Biersteuersenkung erteilt hat. Der Ausschank von Bier jeder Art wird sofort wieder ausgenommen. Da die Die Devisenlage ist freilich weiter wenig befriedigend. Nachdem in den letzten Wochen ein Nachlassen und zeitweiliges Abstoppen der Devisenabflüsse eingetreten war, bringt die erste Märzwoche neue Abgänge, die zum weitaus größten Teil mit der bereits bekannten 10prozentigen Rückzahlung des 100=Millionen=Dollarkredites zusammenhängen. Dennoch glaubt das Reichsbankdirektorium, sich den in der letzten Zeit an wichtigen Plätzen des Auslandes vorgenommenen Ermäßigungen der offiziellen Diskontrate anschließen zu können, ohne dadurch den Gleichgewichtszustand am Devisenmarkt in gefährlicher Weise zu beeinträchtigen. Den Ausschlag gibt für das Reichsbankdirektorium wieder der Gesichtspunkt, daß angesichts der ungewöhnlichen Schwere und Dauer der Wirtschaftskrise der darniederliegenden Wirtschaft jede nur mögliche Erleichterung auch von der Seite der Zinslasten zugewandt werden muß. Die Reichsbank hält eine Diskontsenkung zugleich aus dem Grunde für vertretbar, weil durch die inzwischen durchgeführte große Bankenreorganisation der deutsche Kreditapparat selbst wieder auf eine gesunde Basis gestellt worden ist, welche verbesserte kreditmäßige Voraussetzungen für die Hereinnahme von geeigneten Wechseln schafft. Fachverbände des Gastwirtegewerbes den Bierstreik schon vorher abgeblasen hatten, steht jetzt nur noch die kommunistische Gastwirtsorganisation im Streik, doch dürften auch diese bald dem Beispiel der übrigen Gastwirte folgen. Der„Suroper Velano Der Tod des früheren französischen Außenministers Briand ist überraschend gekommen. Denn wiederholte Nachrichten aus Paris besagten, daß es Briand gesundheitlich besser gehe und daß er die Absicht habe, jetzt in dem bevorstehenden französischen Wahlkampf die Schlappe wieder gutzumachen, die er bei der Präsidentenwahl erlitten hatte. Briands Ableben ist von der Presse der ganzen Welt mit Nachrufen begleitet worden, die sich so etwa in der Phrascologie bewegten, die der französische Außenminister selbst so sehr liebte. Kritischere Gemüter haben dennoch festgestellt, daß Briand im Grunde ein Gescheiterter war. Der deutschen Sozialdemokratie blieb es vorbehalten, zu behaupten, daß die deutschen Nationalisten schuld an dem Versagen und womöglich gar an dem körperlichen und seelischen Zusammenbruch Briands sind. Für uns handelt es sich nicht darum, die Verdienste des französischen Linkspolitikers Briand für sein Vaterland auszuzählen. Zweifellos hat der Verstorbene für die französischen Interessen besonders geschickt gekämpft. Sein eigentliches Ziel war es. Deutschland durch ein System internationaler Verträge immer fester an die Ketten von Versailles zu schmieden. Er unterschied sich vielleicht in einigem von den Methoden eines Poincaré und eines Tardien. Das Endziel aber war das gleiche: Die Sicherung der französischen Machtstellung in Europa, so wie sie sich auf Grund des Sieges im Weltkrieg gestaltet hat. Daß Briand dabei das Wort Frieden und Verständigung immerzu im Munde führte, gehört zu den Gepflogenheiten der französischen Außenpolitik. Denn Frankreich hat es noch stets gut verstanden, seine machtpolitischen Ziele hinter humanitären Phrasen zu verstecken. Jeder Franzose weiß genau, was gemeint ist, wenn sein Außenminister die absolute Friedensliebe Frankreichs betont und gleichzeitig die Behauptung aufstellt, kein Land habe jemals mehr für den Frieden getan. In Deutschland sind immer wieder die Menschen auf ihn hereingefallen. Mit großem Geschick wurde schon seit der Kriegszeit die französische Propaganda so geführt, daß Deutschland ermahnt wurde, immer neue Beweise seiner Friedensliebe durch politische Vorleistungen zu geben. Gegen Ende des Krieges hieß es: Schafft nur erst Eure autokratische Staatsform ab, dann sind wir bereit, mit Euch auf der Grundlage demokratischer Gleichberechtigung zu verhandeln. Als Deutschland dann kapituliert hatte, wurden sämtliche früheren Versprechungen schnöde gebrochen. Dieses System hat namentlich die französische Außenpolitik fortgesetzt, gleichgültig ob Poincaré, Herriot oder Briand im Quai d’Orsay saß. Mit Briands Namen verbunden ist die Locarno=Politik, auf die sich auch die persönliche Freundschaft zwischen Briand und Stresemann gründete. Gerade diese Vorgänge beweisen, wie sehr auch Briand an diesem System der politischen Vorleistungen Deutschlands festgehalten hat, auf die von Frankreich immer nur ein höchstens ganz geringfügiges Entgegenkommen folgte. So unterschrieb Deutschland den Locarno= Vertrag in der Hoffnung, daß die„Rückwirkungen“ sich einstellen würden. Aber nichts folgte und es bedurfte erst neuer Zugeständnisse Deutschlands, um die„vorzeitige“ Rheinlandräumung durchzusetzen. Briand hatte als besten Verbündeten die deutsche Linke für sich. Sie war es, die immer wieder betonte, daß jede Regung des nationalen Willens in Deutschland dem angeblich zur Verständigung bereiten französischen Außenminister das Leben in seinem eigenen Lande schwer mache. Das Zusammenwirken zwischen Regierung und Opposition klappte in Frankreich geradezu musterhaft. Wenn Briand auf einer internationalen Konferenz zu irgendeinem Zugeständnis gedrängt werden sollte, dem er sich aus Gründen der Loyalität eigentlich nicht hätte entziehen können, dann berief er sich erfolgreich immer darauf, daß sein eigenes Parlament ihn zum Teufel jagen würde, wenn er es wagen würde, Deutschland so weit entgegenzukommen. Die deutsche Linke hat ihre Wahlkämpfe zum großen Teil mit dem„Europäer“ Briand geführt. Sie hat immer wieder die würdelose Behauptung aufgestellt, daß Frankreich viel verständigungsbereiter uns gegenüber wäre, wenn die bösen deutschen Nationalisten Briand nicht sein ganzes Werk zerschlügen. Briand hat sich diese Unterstützung schmunzelnd gefallen lassen, und wenn er dann noch einem sozialdemokratischen deutschen Redakteur lächelnd versicherte, daß er im Grunde seines Herzeus viel sozialistischer sei, als es nach außen den Anschein habe, dann war das Glück voll. Auf diese Rattenfängermelodien des französischen Diplomaten sind sie alle immer wieder hereingefallen die in jenen Jahren an der Gestaltung der deutschen Geschichte Anteil hatten. Das nationale Deutschland hat jedenfalls keinen Grund, am Grabe Briands sentimental zu werden. Endgültige Beisetzung Briands in Cocherei Kirchliche Beerdigung. * Paris, 8. März. Nach der nationalen Leichenfeter am Samstag findet die provisorische Bei •) MFA Mikrofilmacchiv der deutschsprachigen Presse e.V. setzung Briands auf einem Pariser Friedhof statt Die endgültige Beisetzung, die mit einer religib sen Feier verbunden sein wird, erfolgt in Coche rel(seinem Landsitz in der Normandie) Ehe di sterblichen Reste Briands das Außenministerium verlassen, werden sie von dem Kardinalerzbischof von Paris eingesegnet werden.— Im Trauerhaus herrscht seit heute früh ein endloses Kommen und Gehen. Unübersehbare Mengen von Würdenträ gern. Staatsmännern, Militärs, hohen Verwaltungsbeamten, Delegationen aller möglichen Verbände usw. statten ihre Beileidsbesuche ab. Die aus aller Welt eingehenden Beileidstelegramme sind unübersehbar. Arbeit für 600000 Berlin, 8. März. Mit Recht wendet sich die Oeffentlichkeit dagegen, daß die Minister sich in die Wahlagitation zugunsten des Reichspräsidenten von Hindenburg stürzen. Diese Neuerung gegenüber der wohlerwogenen Zurückhaltung, die sich im Jahre 1925 der damalige Reichskanzler Dr. Luther auferlegte, gehört zu den bedenklichsten Erscheinungen dieses Wahlkampfes. Jedenfalls wird der Kandidatur Hindenburgs kein Gefallen damit getan, wenn auf diese Weise die Wähler auf den Gedanken kommen müssen, daß sie durch die Wiederwahl Hindenburas der Regierung Brüning eine Unterstützung verleihen. Neben dieser persönlichen Werbung aber steht die in Wahlzeiten beliebte Ankündigung von Regierungsmaßnahmen, die eine Erleichterung der wirtschaftlichen Lage herbeiführen sollen. Von der Biersteuergroteske wollen wir lieber nicht mehr reden. Jetzt wird angekündigt, daß die Biersteuersenkung„spätestens am 15. März, evtl. einige Tage früher“ in Kraft treten soll. Offenbar hofft man, hierdurch die Stimmung gegenüber der Regierung etwas zu besänftigen. Dem gleichen Ziele soll ein Arbeitsbeschaffungsprogramm dienen, das eine zusätzliche Arbeitsbeschaffung, eine Ausdehnung des freiwilligen Arbeitsdienstes und Arbeitsstreckung im Kohlenbergbau vorsieht. Hierdurch soll 200 000 Arbeitslosen für die Dauer eines Jahres direkt und etwa 400000 weiteren Arbeitslosen indirekt Arbeit gegeben werden. Die Sache hat nur einen Haken. Die Durchführung des Programms kostet nämlich etwa 1,2 Milliarden Mark. Die amtlichen Stellen müssen selbst zugeben, daß diese Schwierigkeit bisher nicht überwunden ist. Großzügige Pläne für die Arbeitsbeschaffung kann jeder aufstellen. In den Schubladen der einschlägigen Ministerien liegen hunderte von Projekten, die vielleicht noch sehr viel weitgebender sind. Bisher ist aber alles an der Finanzierungsfrage gescheitert. Wenn die Regierungspresse jetzt betont, daß die Reichsregierung an die Aufgabe der Arbeitsbeschaffung unmittelbar nach der Reichspräsidentenwahl energisch herangehen will, dann lockt sie mit solchen Beteuerungen natürlich keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Denn jedermann fragt. warum die Reichsregierung nicht schon längst derartige Maßnahmen ergriffen hat. Solche Wahlversprechungen, wie sie jetzt vom Kabinett gemacht werden, stehen heute in Deutschland recht tief im Kurse. Ueber eine Milliarde Fehlbetrag Einnahmen und Ausgaben des Reichs im Januar * Berlin, 8. März. Nach Mitteilung des Reichsfinanzministeriums betrugen im Januar 1932(Angaben in Mill. RM.) im ordentlichen Haushalt die Einnahmen 772,6 und die Ausgaben 773,7. Da die Einnahmen in den Monaten April 1931 bis Januar 1932 7335,2 und die Ausgaben in dem gleichen Zeitraum 7431,4 betragen haben, ergibt sich für Ende Januar ein Fehlbetrag von 96,2 und unter Berücksichtigung des Fehlbetrages aus dem Vorjahre ein Defizit von 776.7.— Im außerordentlichen Haushalt ergibt sich bis Ende Januar ein Fehlbetrag von 124,2 und unter Berücksichtigung des aus dem Vorjahre übernommenen Fehlbetrages von 261,4 ein Defizit von 385,6. Der Gesamtfehlbetrag beider Haushalte einschließlich der aus dem Vorjahre übernommenen Fehlbeträge errechnet sich also auf 1162,3 Millionen RM. Anweadung der vierten Rotverordnung auf Pachtvertrage * Berlin, 8. März. Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat bei den Maßnahmen Regelung der Preise für Brot, Fleisch, Bier und Kino=Theaterkarten festgestellt, daß bei einem Teil von Gewerbetreibenden, die Geschäftsräume auf Grund von Pachtverhältnissen innehaben, noch insofern Härten bestehen, als die vierte Notverordnung wohl eine Senkung der Mietssätze, nicht aber der Pachtsätze vorsieht. Die von dem Reichskommissar mit den beteiligten Hausbesitzerverbänden ausgenommenen Verhandlungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Verbände sich bereit erklärt haben, bei den erwähnten Gewerbetreibenden auf die Pachtverhältnisse die Vorschriften der vierten Notverordnung über die Mietssenkung auf Antrag entsprechend zur Anwendung zu bringen. Die Verbände gingen dabei davon aus, daß in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle, besonders unter Ausnutzung des außerordentlichen Kündigungsrechts. bereits viel stärkere Senkungen der Pachtsätze eingetreten sind, als sie nach dieser Regelung zu erfolgen hätten. Darüber hinaus wollen die Verbände bei Streitigkeiten über unangemessen hohe Miets= oder Pachtsätze für gewerbliche Räume, insbesondere bei Steigerungen im Sinne eines gütlichen Ausgleichs unter Einschaltung der noch bestehenden Schlichtungsstellen der Organisationen tätig werden. Die Einstellung in die Reichswehr Neue Bestimmungen des Reichswehrministeriums * Berlin, 8. März. Reichswehrminister Groe ner hat nunmehr die neue Fassung der Heereser gänzungsbestimmungen veröffentlicht. In dieser Bestimmungen heißt es: Die Kompagniechefs, Truppenteile und dere: vorgesetzte Stellen dürfen, um Freiwillige zu er mitteln, sich an nichtpolitische Vereine und gemein nützige Einrichtungen wenden, an Arbeitsnachweis# Iil Feichen des Bahlampfer Polizeiliche Sicherungsmaßnahmen Ein Runderlaß des preußischen Innenministers. * Berlin, 8. März. In einem Runderlaß des preußischen Innenministers wird als Hauptaufgabe der Polizei bezeichnet, durch vorbeugende Maßnahmen dafür zu sorgen, daß die Wahlvorbereitungen und der Wahlakt selbst ungestört vor sich gehen können. Bei der Anwendung der versammlungs= und preßpolizeilichen Bestimmungen der Verordnung des Reichspräsidenten ist alles zu vermeiden, was den Anschein einer kleinlichen oder nicht unbedingt unparteiischen Handhabung hervorrufen könnte. Wahlversammlungen müssen mindestens 24 Stunden vorher der Ortspolizeibehörde angemeldet werden. Redeverbote sind daraufhin zu prüfen, ob ein hinreichender Anlaß zur Begründung der Besorgnis einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung tatsächlich gegeben st, und ob daher frühere Vorgänge. die an anderen Orten entstanden sind oder zeitlich weit zurückliegen, während der Wahlzeit unberücksichtigt bleiben können. Personenfahrten auf Lastwagen sind in den beiden letzten Wochen vor dem jeweiligen Wahltermin nur ganz ausnahmsweise, an den Wahltagen selbst überhaupt nicht zuzulassen. Die Landespolizeibehöden werden ersucht, die Führer der politischen Parteien mündlich auf die von dem Minister erlassenen Richtlinien hinzuweisen. * Köln, 8. März. Der Polizeipräsident hat für den Polizeibezirk Köln verboten, am Wahlsonntag, dem 13. März 1932. das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen innerhalb des Polizeibezirks Köln durch Lautsprecher. Plakatanschlag. Aushang von Mitteilungen, Lichtbildübertragungen usw. bekanntzugeben. Das Verbot bezieht sich insbesondere auch auf die sonst üblichen Anschläge an den Expeditionen und Geschäftsstellen der Tageszeitungen. Hindenburg erweitert seine Erklärung vom 15. Februar * Berlin, 8. März. In Erweiterung seiner Annahmerklärung vom 15. Februar hat Reichspräsident von Hindenburg ausgeführt: „Alte Soldatenpflicht verlangt von mir in unserer schweren Zeit, auf meinem Posten zu verharren, um das Vaterland vor Erschütterungen zu bewahren. Nur auf der Grundlage vollster Unparteilichkeit und Unabhängigkeit habe ich die Kandidatur übernommen. Ich habe es abgelehnt, irgendwelche Bindnugen nach der einen oder nach der anderen Seite einzugehen. Ich will. wie bisher, auch im Falle meiner Wiederwahl der Treuhänder des ganzen deutschen Volkes sein und nicht der Beauftragte einer Partei oder einer Parteigruppe. Nur Gott, dem Vaterlande und meinem Gewissen will ich verantwortlich sein. So habe ich es bis jetzt Lehalten, und so werde ich auch weiter handeln. Die deutsche Würde und Ehre zu wahren und gegen Angriffe zu schützen, wird stets meine vornehmste Aufgabe sein. Für mich gibt es nur einwahrhaft nationales Ziel: Zusammenschluß des Volkes in seinem Existenzkampf, vor allem Hingabe jedes einzelnen in dem harten Ringen um die Erhaltung der Nation. Dazu verhelfe uns Gott!“ usdAp-Anlwork an Groener * Berlin, 8. März. Die NSDAP. veröffentlicht am Dienstag einen vom Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels unterzeichneten Offenen Brief an den Reichsinnenminister Groener in dem gegen die in letzter Zeit erfolgten Verbote und Beschlagnahmungen von nationalsozialistischen Organen und Wahlmaterial Einspruch erhoben wird. Nach einer Aufzählung der einzelnen Fälle, so unter anderem der Beschlagnahme des „Völkischen Beobachters“, der Verbote der„Preußischen Zeitung“ und des„Angriff“ wird Groener darauf aufmerksam gemacht, daß„die anderen Parteien unbeschränkt aaitieren dürften.“ Weiter wird auf den Offenen Brief Groeners an Hitler Bezug genommen, in dem der Minister bekanntlich erklärt hat, daß er es als seine Ehrenpflicht betrachte. über die Ehre und das Ansehen Hindenburgs zu wachen. Der Minister wird in diesem Zusammenhang gefragt, warum er gegen die Verunalimpfungen Hindenburgs durch die kommunistische Presse nicht einschreite. Zum Schluß heißt es in dem Offenen Brief wörtlich:„Herr Minister Groener! Durch Ihre Duldung einer so gearteten Handhabung der Notverordnungsvaragraphen werden Sie bei Ihrem Bemühen. über Ehre und Ansehen des General= feldmarschalls zu wachen, ihm letzten Endes einen schlechten Dienst erweisen. Das deutsche Volk wird am 13. März darauf die richtige Antwort erteilen.“ Rundfunkansprache des Reich spräsidenten am Donnerstag * Berlin, 8. März. Nach den bisherigen Dispositionen dürfte es sich bestätigen, daß Reichspräsident von Hindenburg am Donnerstag um 19,30 Uhr im Rundsunk spricht. Franz Seldie in Hagen * Hagen, 8. März. Am Samstag, den 12. März. dem Tage vor der Reichspräsidentenwahl, findet um 20 Uhr im Kuppelsaal der Stadthalle eine Versammlung des Kampfblocks Schwarz=weiß=rot statt in der der erste Bundesführer des Stahlhelms Franz Seldte, sprechen wird. Es ist das die letzte Versammlung der nationalen Parteien und Organisationen, die für die Wahl Duesterbergs eintreten. Der musikalische Teil des Abends wird von der Vorbereitungsschule für Reichswehrmusiker unter Musikdirektor Knirsch ausgeführt. und Arbeitsvermittlungsstellen aber erst, wenn der Bedarf anders nicht gedeckt werden kann. Die Versorgungsämter dürfen für das Werben oder Einstellen von Freiwilligen nicht in Anspruch genommen werden. Ausgeschlossen von der Werbung und Einstellung ist u. a., wer wegen Vergehens oder Verbrechens mit einer Freiheitsstrafe bestraft ist, ohne Rücksicht darauf, ob die Strafe verbüßt wurde oder nicht. Ausgeschlossen ist ferner, wer sich verfassungsfeindlich betätigt hat, d. h. erwiesenermaßen an Bestrebungen teilgenommen hat, die auf eine Aenderung der verfassungsmäßigen Zustände mit unerlaubten Mitteln gerichtet war. Von Personen, die verfassungsfeindlichen Organisationen angehören, dürfen Auskünfte nicht eingeholt werden. Auch Personen, die in sonstigen politischen Vereinen führend tätig sind, sollen, außer wenn sich ein Bewerber ausdrücklich auf sie berufen hat, nicht um Auskunft angegangen werden. Weitere Verbote von Bausparkassen * Berlin, 8. März. In der Senatssitzung des Reichsaussichtsamts für Privatversicherung vom 7. März 1932 sind bei den zur Verhandlung gekommenen Sachen folgende Entscheidungen getroffen worden: 1. Gemäß§ 87 des Versicherungsaufsichtsgesetzes ist nachstehend aufgeführten Bausparkassen der Geschäftsbetrieb untersagt worden: a)„Deutsche Wirtschaftshilfe“ Bausparkasse G. m. b. H. in Bielefeld; b)„Bauspar“, Allgemeine Bauspar=Gesellschaft für Haus= und Grundbesitz m. b. H. in Dortmund; c) Bausparkasse„Deutsche Erde“ G. m. b. H. in Wüstenrot. Bei den unter b) und c) genannten Bausparkassen hat der Senat die Einsetzung eines Vermögensverwalters angeordnet. 2. Bei der Bauspar A.=G. in Bremen hat der Senat entschieden, daß nach§ 88 des Versicherungsaufsichtsgesetzes der Antrag auf Eröffnung des Konkurses gestellt wird. Große Menschenverluste im Kankasus Die Folge der Schneestürme * Moskau, 8. März. Erst jetzt wird bekannt, daß noch nie dagewesene Schneestürme ungeheure Verluste an Menschenleben in verschiedenen Gegenden des Kaukasus verursacht haben. Lawinen aben ganze Dörfer begraben und die Zahl der Todesopfer steht noch nicht fest. Aus den Trümmern des Dorfes Araschenda, welches gänzlich begraben wurde, sind allein 77 Leichen geborgen orden. Ein gräßliches Bild bot das zertrümmerte Schulhaus. Der Unterricht war im Gange, ils die Lawine ins Tal stürzte und in dem Gehände waren 25 Schulkinder dem Tode ausgeiefert. Auch in den Republiken Georgiens und setiniens wurden große Verheerungen angeichtet. Unter den Todesopfern sollen sich jedoch eine Ausländer befinden. Der Winter wird als härtester seit 150 Jahren bezeichnet. Die grauengafte Kunde von den Katastrophen konnte erst etzt Tiflis erreichen, da die Verbindungen mit den Orten äußerst mangelhaft sind. Mehrere Abteiungen des Roten Kreuzes sind sofort nach den betreffenden Gegenden entsandt worden. Neue Briefe, neue Verhaftungen aber noch keine Spur von dem Kinde Lindberghs * Newyork, 8. März. Die Suche nach dem geraubten Kinde Lindberghs wird mit unvermindertem Eifer fortgesetzt. In Bristol(Pennsylvanien) hat die Polizei zwei Männer und zwei Frauen verhaftet, die unter dem dringenden Verdacht stehen, an der Abfassung des Erpresserbrieses beteiligt zu sein. durch den Lindbergh zur Hergabe von 50000 Dollar aufgefordert wurde. Die Polizei hat weiter einen gewissen Tony Meslo in Newharen(Connecticut) festgenommen. Diese Verhaftung soll nach Angabe der Polizei dem Fall Lindbergh eine neue Wendung geben. Wie weiter gemeldet wird, will die Polizei in Zukunft keine Briefe mehr anhalten, die an Lindbergh oder seine Frau gerichtet sind. Gestern hat das Ehepaar Lindberab zwei Mitteilungen erhalten, die, wie man glaubt, von den Baby=Männern stammen. Die eine ist mit der Schreibmaschine geschrieben, die andere mit der Hand. Die Sachverständigen sind der Meinung, daß die Handschrift die gleiche ist wie die auf dem ursprünglichen Erpresserbrief, den die Räuber auf dem Fensterbrett des Schlafzimmers des Kindes gelegt haben. Briands Sterbehaus Briands Sterbehaus in der Rue Kleber in Parié Das mit einem Kreuz bezeichnete Fenster gehör zum Sterbezimmer.(Funkbild.) Aus Stadt und Kreis Beralungen des Hausbesitzes von Rheinland und Westsalen In der letzten Sitzung des Kommunal=Ausschusses der Haus= und Grundbesitzer=Organisationen für Rheinland und Westfalen, die am 5. März 1932 in Düsseldorf stattfand, befaßten sich die Delegierten mit den Auswirkungen der Vierten Notverordnung auf den Hausbesitz. Es dürste außer Frage stehen, daß die Hausbesitzerschaft in ganz besonderem Maße hat Opfer bringen müssen. Im übrigen ist es eine bedauerliche Erscheinung, daß zahlreiche Bestimmungen der Notverordnung und der dazu erlassenen Durchührungs= und Ausführungsverordnungen noch nicht völlig geklärt sind. Dies trifft insbesondere für die Frage der Zinssenkung bei Forderungen ausländischer Gläubiger zu. Es ist weiterhin noch nicht eindeutig klargestellt, welche Geldinstitute einen Verwaltungskostenbeitrag bei Hypothekenverträgen erheben dürfen und welche nicht. In besonderem Maße wendet sich das Interesse der Hauseigentümer der Bausparkassenbewegung zu; vor allem aber den Maßnahmen, die das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung ergreift, um diejenigen Unternehmungen auszuschalten, die nicht die Gewähr dafür bieten, daß die Bausparer finanziell nicht geschädigt werden. Es erwies sich ein behördliches Eingreifen vor allem deshalb als notwendig, weil sich die Fälle mehren, in denen Bausparkassen durch ihre unsolide Geschäftsgebarung geradezu eine Gefahr für die Allgemeinheit zu werden drohten. Es liegt nicht zuletzt im Interesse der soliden Institute, daß das Reichsaussichtsamt eine gründliche Prüfung der Verhältnisse im einzelnen Falle vornimmt. Es liegen bereits Richtlinien vor, die dazu dienen könnten, eine ganze Reihe von Mißständen zu beseitigen. Vor allen Dingen sollen die Bausparkassen gehalten sein, künftig nicht nur die Mindestwartefristen für die Auszahlung der Kapitalien in ihren Werbeschriften zu nennen, sondern auch die Höchstwartefristen. An sich steht auch der organisierte Hausbesitz der Bausparkassenbewegung nicht unfreundlich gegenüber. Unzweifelhaft hat das kollektive Bausparen seine guten Seiten. Aber es verdient unter allen Umständen vor dem Abschluß eines Bausparvertrages geprüft zu werden, mit welchem Institut man es zu tun hat. Schließlich befaßte sich die Versammlung mit dem neuen(achten!) Gesetzentwurf eines Städtebaugesetzes, der zurzeit im Wohnungsausschuß des Reichstages beraten wird. Es ist aber kaum zu erwarten, daß der Entwurf in„absehbarer Zeit Gesetz wird. Wer die schre Veinsgemeintekalt Cill, wählt COESTERDERG den deutschen Mann, 75000 Mark gezogen Auf die Nummer 94997 der Preußischen Klassenlottevie wurde heute ein Gewinn von 75000 RM. gezogen. Das Los wird in der ersten Abteilung in Achtellosen in Berlin und in der zweiten Abteilung in Viertellosen im Rheinland gespielt. Preußisch-Süddeutsche Lotterie In der Vormittagsziehung am Dienstag fielen(ohne Gewähr): 8 Gewinne zu je 10000 M. 135544, 182334, 297196. 379 664. 14 Gewinne zu je 5000 M. 25.825, 33 797, 61 592, 107 895, 175 318, 337 564, 366 597 26 Gewinne zu je 3000 M. 25077, 86987, 257 460, 161 059, 189 795, 207 387, 245 927, 265 923, 282 925, 307 664, 312 989 867 458, 371310. 62 Gewinne zu je 2000 M. 5700, 15 450, 22 713, 82 057, 98083. 102 340, 122 392, 122 708, 127152, 141 179, 173 286. 181 609. 182 798, 197922, 221 898, 228 479, 242 789, 257 764, 263 374, 271 832, 273 151, 279 625, 286 194, 311 049, 312 184, 316 469, 823012, 387005, 356 261, 373 207, 390 315. Nachmittagsziehung: 2 Gewinne zu je 75000 M. 94997. 10 Gewinne zu je 10000 M. 127143, 234 444, 292 996, 335 646, 372721. 12 Gewinne zu je 5000 M. 67779. 74560, 177 334, 250 951, 342 557, 370 096. 34 Gewinne zu je 3000 M. 32 407, 76 599, 76 886, 84169. 94797, 129 081, 154 839, 198 245, 232 212, 245 028. 255 938. 263 709, 304 458. 326002, 332928, 336 603, 363 790. 44 Gewinne zu je 2000 M. 384, 16 576, 46913, 50 871, 62 123, 62 514, 84 137, 96 878, 105 531, 112 818, 116 712, 182 271, 193622, 224101, 252 890, 277791, 324011, 353 275, 361 514, 363 605, 384 065, 390 060. Schwelm. 9. März. Vortrag für Arbeitslose. Als Ergänzung zu den Vorträgen über die Beziehungen des Renschen zur umgebenden Natur, zur Pflanzenind Tierwelt, wird ein weiterer Vortrag gehal. ten über die Stellung des Menschen im Kosmos. Pährend bisher Lebensprozesse der Lebewesen auf er Erdoberfläche und ihre wechselseitige Abhänigkeit betrachtet worden sind, wird diese Stunde sazu dienen, unsere Blicke hinauszulenken in die Inendlichkeit des Weltenraumes. Aus der un eimlichen Sternenfülle des Himmelsgewölbes eird vor den Augen der Zuhörer ein Bild ent tehen von dem gesetzmäßigen Wandel der Getirne am Himmelszelte, von dem Werden und Vergehen von Welten und damit dem ständigen entstehen und Dahinschwinden des Lebens auf olchen Weltenkörpern. De- Mensch selbst aber ndet sich auf einem dieser Sterne lebend an seine Oberfläche gebunden und ohnmächtig, irgendwie estaltend in den Gang des Kosmos einzugreifen. ind dennoch hat er es gewagt, forschend in die Geheimnisse des Weltalls einzudringen, um sich 21•/IVIA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. sitolen al=Ausmisatio5. März sich die Vieresitz. Es besitzerr brinuerliche en der Durchn noch sondere FordeEs is welche raa bei weiche InterassenNaßnahivatverlehmundafür geschäes Einweil sich n durch u eine drohten. liden gründen Falle vor, die in Mißn sollen icht nur Auszalisten zu parteausbesitz eundlich ve Bauient unes Bauweichen ung mit eines nasausist aber absehlbgKU Hann. Klatien= 000 RM. ilung in bteilung ie Diens182 334 7. 61 592, 86 987, 265 923, 0. 22 713, 127 152, 221 898, 273 151, 823 012, 284 444, 74 560, 9, 76886, 232 212, 332 928, 6, 46913, 112 818, 277791, 11060. Närz. gänzung sen des flanzena gehalKosmos. besen auf AbhänStunde in in die der un gewölbes Bild entder Geden und ständigen en9 auf lbst aber an seine rgendwie ugreisen. # in die um sich Gewalt über die Naturereignisse zu verschaffen. Wieweit jeder Erdbewohner selbst dazu in der Lage ist, darüber wird Referendar Rienhöser am Donnerstag, den 10. März, von 5 bis 6 Uhr berichten. 11 Männeraussprachsabend der evangelischen Gemeinde. Am Freitag, den 18. März, abends 8 Uhr, spricht im großen Saale der Wilhelmshöhe Herr Tolksdorf über das Thema:„Kann ein gebildeter Europäer an den lebendigen Gott glauben?“ Herr Pastor Engels aus Langerseld hat für Mitte April einen Vortrag zugesagt über das Thema:„Wir Männer vor und in der Ehe“.— Die Männerfahrt nach Kaiserswerth soll am Samstag, den 21. Mai, stattfinden. Der Fahrpreis einschließlich Verpflegung beträgt 1,80 M. Kleine Sparbeträge von 10 bis 50 Pfennigen können schon jetzt auf dem Evangelischen Gemeindeamt, dem Evangelischen Jugendamt und im Vereinshaus eingezahlt werden. Da auch aus Milspe, Gevelsberg, Voerde und Langerfeld Freunde der Sache diese Fahrt mitmachen, muß mit einer grosen Beteiligung gerechnet werden. (=) Die Viehsenchenabgabelisten der Stadt Schwelm liegen vom 14 März ab 14 Tage lang im Rathaus, Zimmer 10, öffentlich aus. Siehe Bekanntmachung des Magistrats. (=) Ein Lebensmüder, Invalide, wurde am Montag vormittag im oberen Göckinghof erhängt aufgefunden. werden auf das heutige Inserat des Spezial-Bandagisten K. Ruffing aufmerks. gemacht. :: Erbsen bei Vollmond. In Bengalen ersorscht zurzeit die Antroposophische Agrargesellschaft den Einfluß des Mondes und der Planeten auf die Ernte. Schoten, die zwei Tage vor Vollmond gepflanzt wurden, brachten das Zweieinhalbfache gegenüber solchen, die zwei Tage vor Neumond gesetzt wurden; Bohnen brachten die Hälfte mehr. Tomaten das Doppelte. Das Ergebnis wird von der Gesellschaft auf den Feuchtigkeitsgehalt der Luft bei Mondwechsel zurückgeführt. Weiter experimentiert man, weshalb Erdbeeren süßer werden, wenn man sie neben Tannen oder Rosenstöcken anpflanzt. Alle diese Weisheiten, die der indischen Landbevölkerung in alten Zeiten instinktiv bekannt waren, sollen jetzt wissenschaftlich belegt und ausgebaut werden. :: Personalnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Hamm. Zum Handelsgerichtsrat wurde ernannt: Kaufmann Erich Engelbrecht in Essen. Zum Handelsrichter wurde ernannt: Kaufmann Josef Schulte in Gelsenkirchen bei dem Landgericht Essen. Zu Notaren wurden ernannt die Rechtsanwälte Dr. Alfred Rosenthal und Dr. Alexander Wolgast in Essen.— In der Liste der Rechtsanwälte ist gelöscht: der Rechtsanwalt Hoynck bei dem Amtsgericht Iserlohn. Mit seiner Löschung ist auch sein Amt als Notar erloschen. In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: die Gerichtsassessoren Dr. Bonhage und Dr. Köttgen bei dem Amtsgericht und dem Landgericht Dortmund. Dr. Pilz bei dem Amtsgericht und dem Landgericht Essen. Glögaler bei dem Amtsgericht und dem Landgericht Hagen. Zu Gerichtsassessoren sind ernannt die Referendare Herr, Dr. Steinweg. Dr. Stern. Höcker und Untiedt. Altenvoerde, 9. März. * Vorsicht beim Reinigen von Waffen. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich am Sonntag abend zu Neuenhause. Der Landwirt Hugo Hülsenbeck sen. zu Neuenhause bei Niederhülsenbecke reinigte seine Browningpistole, welche noch geladen war. Plötzlich löste sich ein Schuß und die Kugel drang dem Unglücklichen in die Schläfengegend, verletzte das Gehirn und durchschlug die Schädeldecke. Dr. Tönshoff aus Voerde leistete die erste Hilfe doch war an eine Rettung nicht zu denken. Am Montag gegen 9 Uhr ist H. seinen Verletzungen erlegen. Gevelsberg, 9. März. * Goethefeier. Die Anregung des Gevelsberger Lehrervereins, in der aus Anlaß der 100. Widerkehr des Todestages Joh. Wolfgang Goethes zu veranstaltenden Gedächtnisfeier Schulkinder mitwirken zu lassen, hat innerhalb der einzelnen Lehrkörper den lebhaftesten Widerhall gefunden. Es ist bereits eine solche Fülle in Borbereitung befindlicher Darbietungen angemeldet worden, daß es unmöglich ist, sie alle in das Programm aufzunehmen. Dafür aber wird eine äußerst sorgfältige Auswahl getroffen, die allen beteiligten Schulen in gleichem Umfange gerecht wird.— Geldliche Erwägungen und ganz besonders die Gelegenheit, ein hervorragendes Begleitinstrument bekommen zu können, waren bestimmend dafür, die Aula des Realgymnasiums als Veranstaltungsraum zu gewinnen. Das bedingt jedoch, die Zahl der mitwirkenden Kinder ganz erheblich einzuschränken. Es können nicht mehr als 12 bis 15 von jeder Schule berücksichtigt werden. Sie werden Plätze angewiesen bekommen auf dem vorhandenen Podium, so daß sämtliche Bänke mit rund 300 Sitzplätzen für Besucher zur Verfügung stehen. Mit jedem Kind hat eine Begleitperson freien Zutritt. Es ist zu erwarten, daß die dann noch vorhandenen 250 Eintrittskarten in Kürze vergriffen sind, zumal der Preis von 50 Pfg. in Anbetracht dessen, was geboten werden soll, außerordentlich niedrig gehalten ist. Haßlinghausen, 9. März. (=) Reichspräsidentenwahl. Für die Gemeinden des Amtes sind 5 Abstimmungslokale festgesetzt worden und zwar für Haßlinghausen die Wirtschaft Heinrich Jansen, Wittenerstraße, für die Häuser Nr. 1 bis 107, 181 183, 216 bis 290, 334, 835 bis 348 und Adolf Spratte, Schmiedestraße, für die Häuser 108 bis 180, 182, 183a bis k, 184 bis 215, 291 bis 333 und 334a. Gennebreck: Abstimmungslokal Wwe. vom Lehn, Herzkamp. Haus Nr. 1 bis Schluß. Linderhausen: Abstimmungslokal H. Flokkenhaus, Heide, Haus Nr. 1 bis Schluß. Hiddinghausen I und II: Abstimmungslokal K. Schievelbusch, Hiddinghausen II für sämtliche Einwohner der beiden Gemeinden. Die gelben Wahlausweise sind mitzubringen. pn. Eine verhinderte Exmittierung. Am 29. Oktober vorigen Jahres vollstreckte Obergerichtsvollzieher Kraft im Auftrage der Hausbesitzerin Frau Laura L. ein Räumungsurteil gegen die Gedeinveratssigaug and Amtsversammtaug in Böckol Der Gemeindevorsteher weist Vorwürse des Landrats zurück— Abnahme der Jahresrech= nungen der Gemeindekasse und der Sparkasse. Voerde, 9. März. on. Vor Eintritt in die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung gab der Gemeindevorsteher Kaiser eine Erklärung ab dahingehend, daß er die gegen ihn in der letzten öffentlichen Sitzung vom Landrat Dr. Neugebauer gemachten Vorwürfe, er habe seine Befugnisse überschritten, zurückweisen müsse. Er habe in der Sitzung geschwiegen, weil er sich im ersten Augenblick nicht klar darüber gewesen sei, ob er nicht doch gegen die geltende Verordnung verstoßen habe. Inzwischen habe er an Hand der Landgemeindeordnung feststellen müssen, daß er seine Befugnisse nicht überschritten und durchaus korrekt gehandelt habe, als er dem Wunsch des Landrats, die fragliche Sitzung zu verlegen, nicht nachgekommen sei. Er lasse es dahin gestellt, ob der Landrat korrekt gehandelt habe, daß er die unberechtigten Vorwürfe in einer öffentlichen Sitzung vorbrachte. Auch habe er keinen verletzenden Ton in die Ablehnung gelegt. Er pflege seine Antworten immer knapp zu halten, ohne dabei aber den guten Ton vermissen zu lassen. Weiter beschäftigte sich Gemeindevorsteher Kaiser mit einem Eingesandt in der Volksstimme und weist die darin aufgestellten Behauptungen als unwahr ganz energisch zurück. Gleich der erste Punkt der Tagesordnung forderte eine lebhafte Debatte heraus. Die Schuldeputation hatte die Zustimmung dazu gegeben, daß das Reichsbanner der Rasensportverein u. der Schwimmverein die Turnhalle am Häufgen benutzt. Gemeindevertreter Asbeck machte darauf aufmerksam, daß der Jungmarine die Turnhalle verweigert worden sei, weil kein Abend mehr frei sei. Gemeindevertreter Pohl(KPD.) kritisierte das Verhalten der Gemeindevertretung bei der Ablehnung des Antrages der Arbeitersamariter auf Benutzung der Turnhalle. Gemeindevertreter Pohl(SPD.) drückte seine Meinung bezgl. der Jungmarine dahin aus, daß diesen Leuten keine Gelegenheit zur Zusammenkunft gegeben werden dürfe, sie würden ja doch nur von einem Geist, der ein furchtbares Verbrechen heraufbeschwöre, vergiftet. Gemeindevertreter Schläper(Bürgerl. A.=G.) wendet sich dagegen, daß eine Kommission Beschlüsse faßt, ohne daß die Gemeindevertretung gehört wird. Von der Rechten wird Vertagung der Angelegenheit verlangt. Die Schuldeputation soll sich noch einmal mit der Sache befassen und alle vorliegenden Anträge berücksichtigen. Einstimmig wurde demgemäß beschlossen. Es fanden dann verschiedene Ersatzwahlen statt. An Stelle des zurückgetretenen Wohlfahrtspflegers Kraft wurde Lehrer Trippe gewöhlt. An Stelle von Wilhelm Thiele kam Fritz Scherowski in die Schuldeputation, Otto Höller in den Gaswerkausschuß und Frau Ida Lohmann in die Wohlfahrtskommission. Da Frau Witwe Frielinghaus=Behlingen der unentgeltlichen Abtretung der zum Ausbau des Behlingerweges erforderlichen Grundflächen vertraglich zugestimmt hat, stimmte auch die Gemeindevertretung zu. Durch das Abreißen und Wiederaufbauen der im Wege stehenden alten Schmiede entstehen der Gemeinde keine Kosten, da diese die Anlieger tragen. Es erfolgte sodann die Abnahme der Gemeindekasse und der dazugehörigen Nebenkassen für das Rechnungsjahr 1930. Dem Kassenleiter wurde Entlastung erteilt. Die im Jahre 1930 vorgekommenen Etatsüberschreitungen wurden genehmigt. Amtsversammlung Bürgermeister Schwalbenbach gab den Abschluß der Jahresrechnung der Sparkasse bekannt. Der Abschluß zeigte folgendes Ergebnis: Aktiva 1.443 026,67 RM. Passiva 1 423 833,20 RM., Gewinn 19 191,47 RM. Das Rücklagekonto wies einen Bestand von 99583,99 RM. auf, daneben noch eine Kursrücklage von 325 RM. Der Abschluß wurde genehmigt und Entlastung erteilt. Verwaltungsseitig wurde vorgeschlagen, von dem Ueberschuß gemäß dem Etatansatz für 1931 einen Betrag von 6000 RM. zur Deckung der Kosten der Kindergärten, Gemeindepflegestelle und Handarbeitsschule zu verwenden. Der Vorschlag fand einstimmige Zustimmung. Gemeindevertreter Klein(evangl. Volksdienst) machte darauf aufmerksam, daß in der letzten Zeit vielfach Beschwerden einlaufen, daß die Beamten das Publikum unhöflich behandeln. Er machte darauf aufmerksam, daß die Beamten für die Bevölkerung da seien, nicht umgekehrt. Er überreichte dem Bürgermeister eine schriftliche Anregung, dahingehend, daß es den Beamten zur Pflicht gemacht wird, das Publikum zuvorkommend abzufertigen. In der Gemeinderatssitzung wurde zum Schluß noch ein Vorschlag der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft zum Beschluß erhoben, worin sich die Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft gegen die Herabsetzung der Unterstützungssätze des Bezirksfürsorgeverbandes wendet. Eheleute Wilhelm H. Mit Hilfe von vier Erwerbslosen räumte er die Wohnung und stellte die Möbel auf den Hof. Zu gleicher Stunde fand im Saale Jansen eine Erwerbslosenversammlung statt, die von über 200 Personen aus Haßling= hausen, Hiddinghausen und Linderhausen besucht war. Es wurde eine Kommission gewählt, die beim Amt vorstellig werden sollte, um eine Winterbeihilfe zu erhalten. Während diese Kommission unterwegs war. erschien der Schleifer August S. im Saal und teilte mit, daß ein Erwerbsloser aus der Wohnung gesetzt würde. Das könne man nicht dulden. Die Versammlung wurde unterbrochen und alle begaben sich zum Hause des H. S. ging zum Gerichtsvollzieher und verlangte als Vorsitzender des Mietervereins Einstellung der Räumung. Dieser verbat sich jede Einmischung in seine Amtshandlung. Aus der Menge wurden verschiedene Drohrufe ausgestoßen, sie nahm eine drohende Haltung an. Der Bergmann Heinrich O., Bandwirker Julius H., Former August D., Schlosser August H., Hilfsarbeiter Heinrich B., Schleifer Walter Ch., Former Rudolf L. und Schlosser Heinrich D. sollen nun die auf dem Hofe stehenden Sachen wieder in die Wohnung getragen haben. S. ging zu der Hausbesitzerin L. und verlangte die Schlüssel, um die Wohnung aufzuschließen. Als ihm diese zuerst nicht gegeben wurden, verwies er auf die erregte Menschenmenge und schüchterte Frau L. ein, die dann die Schlüssel herausgab. Die vorgenannten Erwerbslosen wurden unter Anklage des Landfriedensbruchs gestellt. Die Hagener Strafkammer verurteilte gestern S. zu 7 Monaten Gefängnis. Er soll 1 Monat verbüßen, für den Rest erhielt er Bewährungsfrist. Alle übrigen, außer D., erhielten je 8 Monate Gefängnis mit voller Bewährungsfrist gegen Zahlung einer Geldbuße von 50 Mark. Gegen D. wurde das Verfahren ausgesetzt. * Die Gemeinde Haßlinghausen plant den teilweisen Wiederaufbau des abgebrannten Schulgebändes in Hobenken. Die Arbeiten und Lieferungen sollen öffentlich ausgeschrieben und im ganzeu oder nach Losen getrennt vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf dem Amte Haßlinghausen, Zimmer Nr. 2, zur Einsichtnahme aus und können, soweit der Vorrat reicht, von dort gegen Erstattung von 1 Mark für Los 1 und 0.40 Mark für die Lose 2 bis 6 bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift„Schule Hobeuken" bis Mittwoch. den 16. März 1932, vormittags 11 Uhr beim Amt Haßlinghausen einzureichen. Die Oeffnung der eingegangenen Angebote erfolgt am 16. März 1932. vormittags 11 Uhr, in Gegenwart etwa erschienener Bieter im Zimmer Nr. 2 des Amtshauses. Zeichnungen können dort eingesehen werden; nähere Auskunft erteilt der Amtsbausachverständige Niedersteberg. Die Auswahl unter den Bewerbern bleibt der Gemeindevertretung vorbehalten. Die eingegangenen Angebote bleiben Eigentum der Gemeinde Haßlinghausen. * Noch ein Neubau. Der Stadtsekretär Braun ius Barmen hat am Hellmannsbruch ein Grundstück erworben, um darauf ein Einsamilienhaus zu errichten. Die Finanzierung erfolgte ohne Inanspruchnahme von Hauszinssteuer durch den Archilekten Lange in Haßlinghausen. Herdecke, 9. März. * Ein Lebensmüder geborgen. Hier wurde ein Lebensmüder aus der Ruhr geborgen, der in einem Anfall von Schwermut den Freitod im Wasser gesucht hatte. Es handelt sich um den pensionierten Lehrer R. S. aus Dortmund, den man noch eben vom Tode des Ertrinkens retten konnte, weil Passanten auf der Ruhrbrücke den im Wasser treibenden Körper rechtzeitig bemerkt hatten und für Bergung sorgten. Nach Feststellung der Personalien durch die Polizei wurde der Lebensmüde seinen Angehörigen wieder zugeführt. Der gestohlene Königsmantel * Göttingen, 8. März. Der Diebstahl im anthropologischen Institut der Universität Göttingen, bei dem, wie bereits gemeldet, ein aus Federn angefertigter hawaischer Königsmantel entwendet wurde, ist insofern von ganz besonderer Bedeutung, als ein gleicher Mantel heute nicht mehr hergestellt werden kann. Die Volksstämme, die derartige Mäntel früher herstellten, sind ausgestorben. Die Staatsbehörden haben eine hohe Belohnung ausgesetzt. Der Federmantel sowie der gleichfalls gestohlene Federhelm stammen aus dem Nachlaß des Weltumseglers Cook, der 1779 auf Hawai von Eingeborenen erschlagen wurde. Ehe der Nachlaß Cooks nach London kam, gelang es Hofrat Blumen aus Göttingen, die beiden Stücke für die Universität Göttingen zu erwerben. Der Königsmantel besteht aus einem Bastgeflecht, das so hervorragend gearbeitet ist, daß es fast einem seinen Seidengespinst gleichkommt. In dieses Gewebe sind tausende kleiner Vogelfedern hineinverarbeitet. Bei dem gestohlenen Mantel handelt es sich um Federn von roter und gelber Farbe eines ausgestorbenen Vogels, was das Stück besonders wertvoll macht. Von besonders hohem Wert ist der Manteltragen Der Dieb mit Auslandspaß geflüchtet * Göttingen, 9. März. Der Dieb des kostbaren Königsmantels mit Helm aus Hawai ist nach den bisherigen Feststellungen der Kriminalpolizei und der Universitätsverwaltung der am 18. Dezember 1907 in Löflingen bei Ulm geborene Student der Völkerkunde, Arthur Pfleghar, der seit Montag verschwunden ist.Er war im Besitz eines Auslandspasses. Falls er nicht schon vor Ausführung der Tat mit Interessenten in Verbindung gestanden hat, ist anzunehmen, daß er sich ins Ausland begeben hat, um dort das Diebesgut zu veräußern. Bei dem Einbruch scheint Pfleghar Verletzungen an den Händen davongetragen zu haben. In Professorenkreisen ist man der Meinung, daß es angesichts des außerordentlichen Wertes der geraubten Gegenstände schwer halten dürfte, sie in Europa zu verkaufen. Es könnte höchstens Amerika für den Erwerb in Betracht kommen. Wirtschaft, Handel und Industrie Berliner Produktenbörse * Berlin, 8. März. Weizen, märk. 244—246, Roggen, märk. 193—195, Gerste: Braugerste 190 bis 197, Futter= und Industriegerste 180—185, Hafer, märk. 157—164, Weizenmehl 31,25—34,75, Roggenmehl 26,90—27,90, Weizenkleie 10,25—10,60, Roggen(leie 10—16,30, Viktoriaerbsen 19—26, kleine Speiseerbsen 21—23,50, Futtererbsen 15—17 Peluschken 1650—18,50, Ackerbohnen 15—17, Wicken 16—19,50, Lupinen, blaue 11—12, gelbe 15—17, Seradella 32—37, Leinkuchen 12,40—12 60. Trocken= schnitzel 8,80, Soyatschrot 12,60, Kartoffelflocken 16,00—17 M. Westsalen, Rheinland und Nachbargebiele * Gelsenkirchen, 8. März. Eine furchtbare Bluttat wurde in der Nacht zum Montag in Gelsenkirchen verübt. Gegen 3 Uhr fielen vor der Einfahrt eines Hauses in der Grillostraße plötzlich rasch aufeinander sechs Schüsse. Man sand die 29jährige geschiedene Ehefrau Ida Abt mit vier Schußwunden und den 27 Jahre alten Maschinisten Friedrich Tümmler mit einem Schuß in der Brust schwer verletzt auf. Die Mordkommission veranlaßte die Ueberführung der beiden ins Krankenhaus, wo sie kurze Zeit darauf verschieden. Trotzdem niemand den Täter gesehen hatte und die Verletzten nicht mehr sprechen konnten, gelang es der Polizei schon nach kurzer Zeit, den 30 Jahre alten Schlosser Alfred Schwill aus Gelsenkirchen als Mörder zu ermitteln, ohne seiner aber bisher habhaft werden zu können. Schwill war um 3 Uhr bei seinem in der Ringstraße wohnenden Bruder erschienen und hatte dort gesagt: „So, die sind erledigt.“ Alsdann trank er ein Glas Wasser, und mit den Worten:„Ich gehe in den Kanal“ verließ er die Wohnung. Man stellte damn bald fest, daß sich der Mörder selbst gerichtet hatte. Er wurde am Montag an der Kanalbrücke bei Gelsenkirchen=Bismarck aufgefunden, wo er sich mit derselben Pistole, mit denen er seine beiden Opfer getötet hatte, enien tödlichen Schuß beigebracht hatte. Weitere furchtbare Folgen. Die Tat des Gelsenkirchener Doppelmörders Schwill hat weitere furchtbare Folgen gezeitigt. Der 60 Jahre alte Vater des Mörders, der als Portier bei den Gelsenkirchener Gußstahlwerken angestellt war, erlitt, als er die Nachricht von der Tat und dem Selbstmord seines Sohnes erhielt, einen Schlaganfall. dem er kurze Zeit darauf erlag. Die bedauernswerte Mutter des Mörders liegt nach dem ausgestandenen Schrecken schwer krank darnieder. Auch mit ihrem Ableben wird gerechnet. * Gelsenkirchen, 8. März.(Wie mit dem Geld geast wird.) Merkwürdig ging es bei dem Bau eines Hauses für einen Beigeordneten in Gelsenkirchen zu. Für den Bau standen 45.000 Mark zur Verfügung. Um aber mit den vorhaudenen Mitteln etwas besonders Schönes zu erreichen und auch die architektonische Gestaltung des Hauses besonders sorgfältig ausführen zu können, behielt sich das städtische Bauamt für dieses Haus, dessen Auftraggeber der Beamtenbauverein Buer war. Entwurf, Bauleitung und Einrichtung vor. Damit verband das Amt noch die weitere Absicht, seinen sonst nur mit theoretischen Bauangelegenheiten beschäftigten Herren Gelegenheit zu geben, einen Musterbau von Anfang bis zu Ende allein durchzuführen. Das Ergebnis ist„tragikomisch“; denn das Haus kostete bei seiner Fertigstellung fast genau 100000 Mark. Dabei wurde die Miete so hoch, daß der Beigeordnete auf das ganz nach seinen Wünschen eingerichtete Haus verzichtete. Der Wohnungsbauverein legte gegen die Ueberteuerung rechtzeitig Verwahrung ein und weigerte sich, die Kosten dafür zu tragen. Trotzdem wurde unter Berücksichtigung der verschiedensten Wünsche des vorgesehenen Mieters das Haus als„herrschaftliches Wohnhaus“, fertiggestellt. Die von dem Beigeordneten in Abrede gestellten, inzwischen aber festgestellten Sonderwünsche haben den Bau um rund 20000 Mark verteuert. Die weitere Verteuerung geht auf das Konto des Bauamts, das sich nicht an die gegebenen Grenzen gehalten und dem als Mieter vorgesehenen Kollegen jeden Gefallen getan hat. * Recklinghausen, 8. März.(Morphinist und Rekord=Einbrecher.— Ueber 450 Einbrüche verübt.) Der Polizei Münster gelang es, einen Einbrecher von Format festzunehmen, der allein in Münster 200 Einbrüche begangen hat, die ihm auch nachgewiesen werden konnten. Es handelt sich um den 26 Jahre alten Wilhelm Mattner aus Coesfeld. Da der Festgenommene auch außerhalb Münsters sein Handwerk ausübte, wurde er von der Landeskriminalpolizei Recklinghausen gründlich unter die Lupe genommen. Diese Ermittlungen und Beobachtungen dauerten monatelang und sind nunmehr abgeschlossen. Die Recklinghäuser Kriminalpolizei konnte ihm rund 250 weitere Einbrüche nachweisen. Mit besonderer Vorliebe suchte Mattner Apotheken heim, so in Marl, Dorsten, Haltern, Gelsenkirchen, Bocholt usw. Bei diesen Einbrüchen kam es ihm in der Hauptsache auf Rauschgiftmittel wie Morphium, Kokain usw. an, da er leidenschaftlicher Morphinist ist. Auch verschiedene Apotheken im Rheinland wurden von ihm„besucht". Er betätigte sich weiter nächtlicherweise in Warenhäusern, Konsumanstalten und Goldgeschäften. In Gelsenkirchen erbeutete er bei einer Einkaufsgesellschaft 220 Mark, beim Konsumverein„Eintracht“ in Buer 1100 Mark. Auch Privatwohnungen blieben von ihm nicht verschont. Einmal war er in Gelsenkirchen, dann in Wanne, Bottrop, Gladbeck und in anderen Orten des nördlichen Westfalen. Bemerkenswert ist, daß er nicht ein einziges Mal ertappt wurde. Bis heute konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden, wohin er seine Beute geschafft hat, da er hierüber und besonders über die Hehler strengstes Stillschweigen bewahrt. Einen großen Erfolg hatte Mattner bei einem Einbruch in das Schloß des Herzogs von Croy in Dülmen zu verzeichnen. Hier fielen ihm Schmucksachen im Werte von über 20000 Mark in die Hände. Auch diese Sachen sind bis jetzt noch nicht wieder herbeigeschafft worden. Es steht einwandfrei fest, daß Mattner insgesamt 450 Einbrüche verübt hat. * Burgsteinfurt, 8. März.(Liebestragödie nach dem Kirchgang.— Zwei Schüsse auf die Braut, dann sich selbst erschossen.) Im Anschluß an die Schlußandacht der Mission in der katholischen Kirche in Burgsteinfurt kam es Sonntag abend zu einer blutigen Liebestragödie. Ein junger Mann aus Münster hatte ein Liebesverhältnis mit einem Mädchen aus Burgsteinfurt angeknüpft, das aber in der letzten Zeit getrübt worden war. Nach der Kirchandacht stellte der junge Mann nun seine frühere Braut nochmals zur Rede. Als er keinen Erfolg hatte, zog er einen Revolver und feuerte zwei Schüsse auf das Mädchen, die aber ihr Ziel glücklicherweise verfehlten. Dann schoß er sich selbst zwei Kugeln in die Brust und brach tödlich getroffen zusammen. * Münster, 8. März.(Ein Hundertjähriger.) Der Landwirt Bernhard Niehues in Kröblingen, Kreis Warendorf, feiert heute seinen 100. Geburtstag. Wie wir erfahren, hat auch der Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Regierungspräsident zu diesem Feste seine Glückwünsche ausgesprochen. * W.=Barmen, 8. März.(Kassenbote um 2025 Mark bestohlen.) Wie erst jetzt durch den Polizeibericht bekannt wird, wurde am vergangenen Freitag ein Kassenbote vor dem Schalter eines Büros in der Cleferstraße um einen Geldbetrag von 2025 Mark bestohlen, die er in einer Aktentasche bei sich trug. Der Bote hatte die Tasche hinter sich auf den Boden gestellt und diesen unbewachten Augenblick muß sich der unbekannte Täter zunutze gemacht haben. Der Bestohlene gibt an, daß, während er am Schalter verhandelte, ein Mann den Kassenraum betreten hat und dann kurz darauf verschwunden ist. Er habe ihn nicht weiter beachtet. * W.=Barmen, 8 März.(In die Wupper gesprungen.) In der vergangenen Nacht wurde die Barmer Feuerwehr kurz nach 1 Uhr zur Wupperbrücke am Bergbahnhof gerufen. Dort war ein Mann in die Wupper gesprungen, wobei er sich eine Beinverletzung zugezogen hatte. Der Lebensmüde wurde mittels Rettungsleinen und Hakenleiter aus dem Wasser herausgeholt und dem Krankenhause zugeführt. * Solingen, 8. März.(12 Millionen Fehlbetrag in Solingen.) Auf dem Hautpdelegiertentag der Zentrumspartei Solingens gab der Stadtverordnete Hauptlehrer Baumann einen Ueberblick über die finanzielle Lage in Solingen. Er erklärte u. a., daß durch das katastrophale Anwachsen des Wohlfahrtsetats mit einem Fehlbetrage von 12 Millionen Mark gerechnet werden müsse. * Kettwig, 8. März.(Vier Falschmünzer fostgenommen.) In Kettwig wurde in diesen Tagen eine Falschmünzerwerkstatt ausgehoben. Die Polizei ertappte die Fälscher auf frischer Tat. Formen und Material zur Herstellung der Falschstücke sowie eine Anzahl fertiger Geldstücke konnten beschlagnahmt werden. Zwei Hersteller und zwei Vertreiber wurden festgenommen. * Essen, 8. März.(Die Kruppsche Spar= einrichtung von der Städtischen Sparkasseübernommen.) In der heutigen Nummer der Kruppschen Mitteilungen wird bekanntgegeben, daß die Kruppsche Spareinrichtung mit Wirkung vom 1. Januar 1932 ab auf die Städtische Sparkasse übernommen worden ist. Die Sparer sind hiervon einzeln unter Uebersendung der näheren Bedingungen unterrichtet und um Einsendung der Zustimmungserklärung gebeten worden. * Laugenfeld, 8. März.(Die eingeschneite Leuchtkröte als Gefahrenpunkt.) Der dichte Schneefall am Sonntag hüllte die Leuchtkröte an der Straßenkreuzung Wagner in eine dichte Decke und machte sie so zum Verhängnis mancher Autofahrer. Mehrere Fahrer kamen mit dem bloßen Schrecken davon. Ein aus Duisburg kommender Wagen indes stieß mit der Kröte so heftig zusammen, daß beide zu Bruch gingen. * Moers, 8. März.(Stehen wir vor einer Pferdeknappheit?) In Kapellen bei Moers fand die gutbesuchte Generalversammlung des Linksrheinischen Pferdezuchtvereins statt. Gutsbesitzer Fösken teilte in seinem Geschäftsbericht mit, daß dem Verein, der im vergangenen Jahre glänzende Ausstellungsergebnisse erzielt habe, 356 Mitglieder angehören. Auf der DeG.= Ausstellung in Hannover wären die beiden Vereinshengste Uranos und Tantalus Sieger in ihrer Klasse gewesen und außerdem die besten Pferde der ganzen Ausstellung. Oberlandwirtschaftsrat Dr. Meyer(Bonn) erklärte anschließend: Man stehe vor einer großen Pferdeknappheit; das Rheinland habe einen Bedarf von 15000 Pferden jährlich, 1931 seien aber nur 5700 Jährlinge gezählt worden! Der preußische Oberlandstallmeister rate daher dringend zur Zucht.„„ 114 * St. Goar, 8. März.(Zwei hollandische Schiffer ertrunken.) In der Nacht sind der Maschinist und der Heizer eines in der Nähe von St. Goar vor Anker liegenden Schiffes im Rhein ertrunken. Beide waren an Land gegangen, um Einkäufe zu machen. Bei der Rückkehr rutschte der Maschinist vermutlich an Bord aus und stürzte in die Fluten. Der Heizer sprang ihm nach, wurde aber von dem Ertrinkenden mit in die Tiese gezogen. Die Leichen wurden noch nicht geborgen. Sport-Nachrichten Fußball „Um den Wuppertaler Silberpokal“! Die Bezirksliga=Vereine von Wuppertal und der FC. 06 Schwelm haben sich zu einer Pokalrunde zusammengetan. Schwarz=Weiß Barmen hat sich als einziger Verein ausgeschlossen. Zweck dieser Runde ist, bei diesen schweren Zeiten zugkräftige Spiele mit Nachbarvereinen zu veranstalten, die den Vereinen wenig Unkosten verursachen. Größere auswärtige Vereine verlangen hohe Entschädigungen, die die meisten Vereine nicht aufbringen können. In der gestrigen Vereinsvertreter=Sitzung. die im Barmer Hof stattsand, wurde nachstehendes festgelegt und beschlossen: Die Vereine SSV. Barmen, Tura Barmen, Sp. G. Langerfeld. FC. Schwelm. SSV. Elberfeld, Germania Elberfeld. SC. Sonnborn, Germania Küllenhahn spielen in einer Runde salso für jeden Verein sieben Spiele) gegeneinander und ermitteln so die beste Mannschaft. Die Siegermannschaft erhält einen wertvollen Pokal. Der Tabellenzweite erhält eine von der Stadt Wuppertal gestiftete Plakette. Die Vereinsvertreter haben unter sich einen aus drei Herren bestehenden Ausschuß gewählt. Die Ueberprüfung der Spiele haben diese Herren. Die Schiedsrichter werden vom Gau Schiri Sachberater. Herrn Anhalt, angesetzt. Neutrale Linienrichter sollen ebenfalls von Herrn Anhalt gestellt werden. Der Pokal wird in Elberfeld. Barmen und auch in Schwelm kurze Zeit ausgestellt. Die ersten Termine wurden schon gestern bekanntgegeben. 10. 4. 32 Schwelm— Sonnborn, SSV. Elberfeld— Tura, Küllenhahn— Langerfeld, SSV. Barmen— Germania. 17. 4. Sonnborn— SSV. Elberfeld, Tura— Küllenhahn, Langerfeld— SSV Barmen, Germania— Schwelm. 1. 5. SSV. Barmen— Schwelm. Küllenhahn— Sonnborn, SSV. Elberfeld— Germania, Langerfeld— Tura. 8. 5. Schwelm— SSV. Elberfeld, Germania— Küllenhahn, Tura— SSV Barmen, Sonnborn— Langerfeld. Handball FC. Schwelm— Sp. Cl. Barmen Am kommenden Sonntag, vormittags 11 Uhr, findet in Barmen(Höfen) das Ausscheidungs= spiel zwischen dem FC. Schwelm und dem Barmer Sportklub statt. Da der Sieger dieses Kampfes zur Sonderklasse aufsteigt, werden beide Gegner in möglichst starker Aufstellung antreten und bestimmt ihr ganzes Können einsetzen, so daß mit einem interessanten Kampfe zu rechnen ist. Eine Greisin entführt Seltsamer Uebersall bei Mansfeld * Halle, 8. März. Bei einem Bäckermetster in Dederstedt(Mansfelder Seekreis) erschienen vier Verwandte, zwei Männer und zwei Frauen, mit einem Unbekannten und verlangten in großer Erregung, die 8jährige Schwiegermutter des Bäckermeisters zu sprechen. Als dieser ihnen dies wegen früherer Familienstreitigkeiten nur unter der Bedingung gestattete, daß sie von der Straße aus durch ein Fenster mit seiner Schwiegermutter sprachen, sprangen plötzlich die drei Männer über den Ladentisch und gingen gegen den Bäckermeister tätlich vor. Die beiden Frauen begaben sich schnell in das Schlafzimmer, wo die Greisin zu Bett lag und schleppten sie in einen bereitstehenden Kraftwagen. Der Bäckermeister, der seiner Schwiegermutter zu Hilfe eilen wollte, wurde von den drei Männern gewaltsam zurückgehalten und bedroht. Die Greisin wurde entführt. Der Grund zur Tat soll darin liegen, daß sie den Bäckermeister in ihrem Testament bevorzugt haben soll. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Zunächst westliche Winde, später über Nord auf Nordost drehend, wechselnde Bewölkung mit einzelnen Schneeschauern, Temperaturen um null Grad. Rurlische Bahnen Wapperial Barmen Donnerstag, 10. März, 730 bis gegen 11 Uhr: Figaros Hochzeit. Oper von Mozart. Abonnement C, 23. Vorstellung. Preise 2. Das Reich Gottes stehet nicht in Worten, sondern in Kraft. Montag morgen gegen 9 Uhr starb plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, der Landwirt Hass Kalsehbeeh u. Nenl. im Alter von 58 Jahren. Um stille Teilnahme bitten: Die Naderauen-Minterblichcnen. Neuenhause, bei Altenvoerde, Altenschemm, Berninghausen, Milspe, Hagen und Offenbach am Main, den 7. März 1932. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 10. März, nachm. um 3 Uhr, vom Trauerhause aus statt.— Trauerfeier eine halbe Stunde vorher— Beileidsbesuche dankend verbeten. Am Montag, dem 7. ds. Mts., verschied ganz plötzlich und unerwartet unser langjähriger Mitarbeiter, der Werkmeister Hert Kart Pheisen Durch sein aufrichtiges und biederes Wesen ist er uns allen im Laufe seiner über 30jährigen Tätigkeit auf dem Schwelmer Eisenwerk ein lieber und treuer Freund geworden. Sein lauterer Charakter und seine nationale Gesinnung sichern ihm unser stetes Andenken auch über das Grab hinaus. Die Beamten der Schwelmer Eisenwern Naher& Co. Aktiengesellschaft. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scherz Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Biehseuchenadgabensten! Die Viehseuchenabgabelisten der Stadt Schwelm liegen vom 14. März ds. Jahres ab 14 Tage lang im Rathaus, Zimmer Nr. 10 öffentlich aus. Es wird nur für Rindvieh ein Beitrag erhoben. Berichtigungsanträge sind spätestens 10 Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist zu stellen. Schwelm, den 7. März 1932. Der Magistrat Technikum Amenau Deutscher Werkmeister-Verband Ortsverein Schwelm Zur Beerdigung des verstorbenen Kollegen Kurl Theisen versammeln sich die Kollegen am Donnerstag, nachm. 3¼ Uhr am Sterbehause KaiserFri. drich=Platz 25. Der Vorstand. Bucherer im Ennepe=Ruhr=Kreis für sof. oder später zu mieten ges. Schriftl. Angebote unt. 1425 an die Geschäftsstelle ds. Ztg. 3 Eimmer mit Angabe des Mietpreises fof. od. später gesucht. Schriftl. Angeb. unter 1426 bef die Geschäftsst. ds. Ztg. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Anteilnahme beim Heimgange unserer lieben Verstorbenen sprechen wir unsern herzlichen Dank aus. Josef Schürmann und Frau Familie Johann Hecker Schwelm, im März 1932. Ihr Drueh wird immer größer, wenn Sie ein schlechtsitzendes und lästiges Bruchband tragen. Durch solche Bänder verschlimmert sich das Leiden und kann zur Todesursache werden.(Es entsteht Brucheinklemmung, die operiert werden muß und den Tod zur Folge haben kann.) Fragen Sie Ihren Arzt. Hat dieser eine Bandage verordnet, dann muß es in Ihrem Interesse liegen, sich meine äußerst bequeme, unverwüstliche Spezial=Bandage anfertigen zu lassen. Durch Tag= und Nachttragen meiner Bandagen haben sich nachweislich Bruchleidende selbst geheilt. 0 Werkmstr. A. B. schreibt u. a.:„Mein schwerer Leistenbruch ist geheilt. Ich bin wieder in 66. Lebensjahr ein ganzer und glücklicher Mensch!“ Landwirt Fr. St. schreibt u. a.:„Ich sehe mich genötigt. Ihnen nach 2 Jahren meinen innigen Dank auszusprechen... wurde ich ganz befreit von meinem Leiden.“. H Bandagen von RM. 15.— an. Fur Bruch= und Vorfalb=Leidende kostenlos zu sprechen in: Elberfeld. 11. März von 2— 6 Uhr im Hotel Deutsches Haus, am Mäuerchen 8. Volbhlafon nach Maß in garantiert Außerdem Lelöbinden unübertroffen. Ausführung K. Russing, Spezialbandagist, Köln, Richand=Wagnerstr. Iuserierenschäfft Aofag was deingi der Kundsaut! Donnerstag, den 10. März .45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. .05—8,00 Morgenkonzert. 7,00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempsang für Arbeitslose. 11,20—11,40 Was will ich werden? 11,45—12,50 Unterhaltungskonzert. 12,50 Wetterbericht, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Uebertragung aus dem Hotel Reichshof, Wuppertal=Elberfeld: Mittagskonzert des Orchesters erwerbsloser Berufsmusiker beim Arbeitsamt Wuppertal, Leitung: Alfred Reinecke. 1. Ein Lied vom Rhein, Marsch von Reinecke. 2. Ouverture„Michelangelo“ von Gade. 3. LianenWalzer von Hermann. 4. Fantasie aus der Oper „Herodias“ von Massenet. 5. Zorahayda, Legende von Svendsen. 6. a) Carmencita, Ständchen von Mannfred, b) Polnischer Tanz von Scharwenka. 7. Zwischenspiel a. d. Oper„Sanna“ von Rauchenecker. 8. Melodien aus der Operette „Der Obersteiger“ von Zeller. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15.50—16,20 Kinderstunde. 16,20—16,30 Mitteilungen aus dem Schulfunk. 16,30—16,50 Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft. 17,00—18,00 Vesperkonzert, Leitung: Eysoldt. Leichte französische und italienische Musik. 1. Ouverture zur Oper„Der König von Yvetot“ von Auber. 2. Suite aus dem Ballett„Coppelia“ von Delibes. 3. Melodien aus der Oper„Mignon“ von Thomas. 4. Ouverture zur Oper„Tell“ v. Rossini. 5. a) Serenade an Toscanini von Mursilli, b) Spanische Serenade von Micheli. 6. Kuß=Walzer von Arditi. 18,00—18,20 Meister der Naturschilderung. 18,20—18.40 Frauenstunde. 18.40—19,00 Italienisch. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,15—19.25 Vom Tage. EEU PIPE Ter Rneuma-, Gicht-, Ischias- und Nerven-Schmerzen 9 * P UTneOtt ist ein absolut unschädlich., giftfreies Pflanzenpräparat, welches NEU·TUSS nicht nur vorübergehend Schmerzen stillt, sondern für immer beseitigt. Lesen Sie, was andere über„Neo-Voss“ sagen! Am 4. Febr. schreibt unaufgeford. Herr Nixdorf, Charlottenburg, Roscherstr. 15: „Möchte ich Ihnen die freudige Mitteilung machen, daß mich Ihr Mittel von meinen langjährigen und schweren Rheumaleiden befreit hat. Ihr„NEO-VOSS“ ist wirklich großartig. Aufrichtig gesagt, hatte ich auch zu Ihrem Heilmittel kein rechtes Vertrauen, da ich ja schon so Vieles probierte und nie eine Besserung meiner Krankheit eintrat. Was ich nicht mehr glauben konnte, ist durch Ihr Mittel zur Wahrheit geworden, daß ich von meinem hartnäckigen Rheumatismus geheilt wurde. Wie froh ich bin, kann ich keinem Menschen mit Worten schildern. Ich werde Ihr Heilmittel empfehlen wo ich nur Gelegenheit habe.“ Dies ist wohl ein schlagender Beweis für die glänzende Heilwirkung unseres Heilmittels„NeoVoss“.— Auch Sie brauchen nicht länger zu leiden—„Neo-Voss“ verschafft sofortige Hilfe. Der Preis für 1 Kur à 2 Flaschen ist 4.50 M. frei Haus gegen vorherige Einsendung des Betrages. Der Preis für eine Kur ist so gering, daß ein jeder Kranke es sich leisten kann, gesund zu werden. Lieferung erfolgt durch unsere Versand-Apotheke. Chem. Fabrik Puttendörfer& Moreau A.-G. BERLIN C 2, Schloßplatz 111 177. 19,30—19,55 Der westdeutsche Wirtschaftsraum. 19,55 Erste Abendmeldungen. 20,00 Leichte Musik. Das Orchester des Westdeutschen Rundsunks, Leitung: Kühn. 1. Ouverture zur Oper„Coeur Aß“ von Künneke. 2. Szenen aus der Oper„Der Kuhreigen“ von Kienzl. 3. Man lebt nur einmal, Walzer von Joh. Strauß. 4. Ungarische Rhapsodie Nr. 14 von Liszt. Intermezzo: Des Knaben Wunderhorn(10). Mia Achenbach(Sopran), Hans Wocke(Bariton), Egbert Grape(Klavier). Der Kinderchor des Westdeutsch. Rundf., Leit. Rektor Hüsch. Verbindende Worte: Paul Heinrich Gehly. 5. Ouverture zur Oper„Ein Feldlager in Schlesien“ von Meyerbeer. 6. Bilder aus dem Süden, Suite von Nicode. 7. Die Walzer der Welt, Potvourri von Robrecht. 8. a) Aus der Heimat, Ihr Baby ist ja noch so zart und empfindlich. Nehmen Sie Rücksicht darauf, kaufen Sie nur das Beste für Ihr Liebstes. Es ist ja auch alles so billig bei Polka=Mazurka von Joh. Strauß, b) Ueber Feld und Wiese, Schnellpolka von Eduard Strauß. Auschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Leitung: Eysoldt. Frr — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Zweites Blatt Aummer 58 R 5 Mittwoch, 9. März 1932 Das Kilannis Kutfe. Auf der Suche nach dem Tertiär=Menschen Von Alexander Betzmertny. Das Atlantik=Rätsel, das Rätsel des geheimnisvollen Kontinents und in Verbindung damit die Frage, ob es einen Menschen der Tertiärzeit gegeben hat, ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Plato begann mit diesem mythischen Rätsel und heute ist es noch nicht gelöst. Alexander Beßmertny gibt in seinem soeben im R. Voigtländer Verlag, Leipzig, erschienenen sehr lesenswerten Buche„Das Atlantis=Rätsel“ einen wertvollen Ueberblick über Geschichte und Erklärung der Atlantis=Hypothesen. In dem Kapitel „Abschluß“ schreibt der Verfasser u. a.: Im Widerstreit der verschiedenen Atlantistheorien erkennt man deutlich, daß zwei völlig verschiedene Atlantis gesucht werden. Die einen— und dies sind die Philologen und Archäologen— suchen die Atlantis, wie sie exakt, mit genauen Maßen, bei Plato beschrieben ist. Die anderen aber— und das ist die heute bei weitem größere Gruppe der universell eingestellten Geologen, Ethnologen und Prähistoriker—, suchen Atlantis als die Urheimat, von der aus die Wellen des kulturtragenden Volkes über die Welt gegangen sind. Das Wesentliche an dieser Einstellung hat Eugen Georg in seiner großartigen Konzeption„Verschollene Kulturen" so prägnant ausgedrückt, daß seine Konjekturen und Hypothesen auch in ihrer vorwissenschaftlichen Form schon evident erscheinen und wir gern auf Beweise ihrer Gültigkeit warten wollen. Die Karbinalfrage dieser ganz anderen Seite der Atlantisforschung ist die: hat es eine urgeschichtliche Hochkultur gegeben? d. h. nicht der Ort Atlantis ist wichtig, sondern der atlantische Mensch. Läßt sich dieser Mensch in der Eiszeit und im Tertiär nachweisen? Sind die in Arizona gefundenen Zeichnungen von Tieren des Tertiärs Darstellungen von der Hand solcher Menschen, die diese Tiere sehend, kämpfend und in diesen Zeichnungen beschwörend, erlebt haben und sind diese Darstellungen Beweise dafür, daß es wirklich einen Tertiär= menschen gegeben hat? Oder aber sind diese Relikte erst postdiluviale Dokumente? also Erinnerungen, Formungen des Rassegedächtnisses aus einer Zeit vormenschlicher biologischer Gestaltung? Ganz anderer Art ist die Frage nach der Existenz eines atlantischen Zwischenkontinents. Während die alte Geologie von einer untergegangenen Allantisinsel im Atlantic nichts wissen wollte, ist die Vorstellung einer ehemaligen Landbrücke zwischen Afrika und Europa einerseits und Amerika and verseits heute fast zu einem Gemeinplatz gewo Es darf nun aber nicht vergessen werden, daß Theorie der Uebertragung von Kulturelementen, sowie der Hypothesen vom gemeinsamen Ursprung der Menschheit und ihrer Kultur(also der so ost begegneten„Uratlantis“), auch die Meinung gegenübersteht, daß die Völker in ihrer Entwicklung auf der gleichen Entwicklungsstufe auch entsprechende und ähnliche Entwicklungserscheinungen in ihren Kulturformen ausweisen. Allerdings ist diese, vor allem von Bastian vertretene Lehre vom Völtergedanken heute stark in den Hintergrund der ethnologischen Diskussion gedrängt worden. Die Kontinentalverschiebungstheorie Wegeners wieder macht die Landbrücke aus anderen Gründen überflüssig. Sie nimmt einen einheitlichen Mutterkontinent an, der durch geologische Störungen zerrissen wurde, die dann die Abdrift Amerikas zur Folge haben. Atlantis als Kontinent kann also bei Wegener nicht existieren und die Beziehungen seiner Theorie zu anderen geologischen Auffassungen, vor allem zur Welteislehre, sind noch lange nicht geklärt. Wenn die Welteislehre eine Ertlärung für das Auftauchen und den Untergang von Atlantis bringt, und mit dieser Entscheidung die Lösung so vieler wissenschaftlicher Fragen vereint, so ist vor allem nicht zu vergessen, daß Atlantis einmal als existent angesehen, umgekehrt wieder selbst als Kronzeugin für einen kulturtragenden Meuschen des Tertiär erscheint. Erst in einem tieferen Sinne kehrt die Atlantis. idee zu ihrem Ausgangspunkt, zu Plato, zurück. Wieder erscheint sie als ein Bericht von Tatsachen, die die Symbolelemente des Mythos bilden. Der Mythos lehrt uns den Kontinent, sein erdverbundeues, kosmisch bedingtes Leben und Vergehen, als Symbol des allen Lebendigen beschiedenen Schicksals, auch unseres eigenen begreifen. Betrachten wir rückblickend die Entwicklung der Atlantishypothesen, so ist festzustellen, daß die sehr spärlichen Aeußerungen des Altertums dem Platonischen Atlantisbericht zumeist mit Skepsis begegnen. Dann kommt eine Zeit, in der andere unbekannte Inseln mit Atlantis gleichgesetzt werden; die römischen Historiker berufen sich zum größten Teil auf griechische Quellen, Alexandriner und spätrömische Quellen ergeben kaum neue Gesichtspunkte für die Lösung einer exakt gestellten Frage, wo Atlantis gelegen hat, und dann begegnen wir erst wieder nach einer viel hundertjährigen Zone des Schweigens dem Atlantisproblem in der Literatur, ein halbes Jahrhundert nach der Entdeckung Amerikas. Das Interesse steigt jetzt allmählich an, verebbt wieder, steigt wieder auf und wird in unseren Tagen mit hysterisch=neurotischer Heftigkeit wieder laut. Die 1926 gezählte Bibliothek von 1700 Atlantisschriften hat sich erheblich vermehrt. Eine besondere Frage ist die Erklärung der Akiualität des Atlantisproblems in unserer Zeit. Das Atlantisproblem gehört seinem Wesen nach zu den irrationalen Phänomenen. Die Deutungen, die Atlantis zum Ausgangspunkt einer weltauschaulich betonten These machen, beweisen zur Genüge, die Region, in der die Atlantisdiskussion unserer Zeit wenn auch nicht immer ansängt, so doch immer endete. An die Vorstellung Atlantis knüpft sich ein lebendiger Atlantiswille: der Wille: Heimat und Ziel zu finden. Die sonnenbeglänzten oder nebelverfinsterten, dustumwehten oder sturmgepeitschten verschollenen Eilande der Nationalmythologien— bei den Deutschen Vineta, bei den Schweden Sankt Brendau, bei den Kelten Avalun, bei den Engländern Leonais, bei den Schotten Flaith=Innes, sie alle üben nicht den intensiven Erkundungsanreiz wie Atlantis aus. Atlantis ist ein Wunschbild der Menschheit und gibt ihr als wachgewordene nerung die Aufgabe, die Wunschinsel als Tatsache an den Anfang der Geschichte zu um dem Glauben an eine bessere Zukunft die Vertrauensbasis für einen Wiederholungsvor geben. Nachdem die alte landläufige Meinung von de östlichen Herkunft des Kulturmenschen in de ten Jahrzehnten umgestülpt und der Kultur des Nordländers statuiert worden ist, zei die ausstrahlenden Wege von einer östlichen A tis her. Wir finden bei Karst eine neue, auf heuer reichem und ungeheuer positivem M beruhende Begründung einer asiatisch=atla Heimat. Aber es wäre zu bedenken, ob die stellung die Annahme einer früheren, von der tis kommenden Wanderung nordischer ausschließt, die durch einen Klimasturz getriebe die Welt befruchtend in Bewegung gebracht haben sollen. Ist nicht eine Konstruktion möglich, die ein frühere und primitivere, aber gründlichere und tieser aufreißende Parallelbewegung zu der heutee kannten Beeinflussung Ostasiens und besonders Chinas durch das späte Hellenentum darstellt, Die geologischen Reizphänomene des völkeraustreiben denden Klimasturzes, in den Kataklysmen eines Mondeinfangs zu erkennen, schließt eine verführerische Eindentigkeit und Endgültigkeit ein. Versunkene Kontinente sind aus unserer Vorstellungswelt nicht mehr fortzudenken, sie tauchen als Brücken der Uebertragung jeden Tag in unseren Kombina= lionen wieder auf. Die östliche Atlantis und die westliche mögen wie immer geheißen haben, es ist sleichgültig, ob Plato von ihnen gewußt, oder sie Zum 700jährigen Stadtjubiläum Spandaus, das im März begangen wird, führt die Spandauer Freilichtbühne ein Festspiel„Spandau im Wundel der Zeiten“ auf. Unter den historischen Bildern zeigt auch eine Szene Napoleon I. am 26. Oktober 1806 in Spandau. In unserem Bilde ist Napoleon(Mitte) mit Marschall Lannes und General Vittor am Festungsgraben der Zitadelle wiedergegeben. Im Hintergrunde der berühmte Julius=Turm. auch nur erwähnt hat. Weil Plato ein Genie war, konnte, was er als Mythos erfand, keine Lüge sein. Jede sinngebende Auffassung von Atlantis hat ihre mythische Logik. Goethe schreibt ein Zeugnis Auch die Titanen bleiben von den Unbilden des Alltags nicht verschont. Und wie wir von Beethoven wissen, daß seine Köchinnen und Haushälterinnen ihn in die höchste Wut versetzen konnten, so daß er in manchen Jahren öfter als monatlich mit ihneu wechselte und mit ihnen gar handgreifliche Auseinandersetzungen bekam, so wird auch von Goethe über einen heftigen Auftritt mit seiner Köchin Charlotte Boyer berichtet, als er ihr das folgende, noch heute erhaltene Zeugnis schrieb:„Charlotte Boyer hat zwei Jahre in meinem Hause gedient. Für eine Köchin kann sie gelten und ist zuzeiten folgsam, sogar einschmeichelnd. Allein durch die Ungleichheit ihres Betragens hat sie sich zuletzt ganz unerträglich gemacht. Gewöhnlich beliebt es ihr, nur nach eigenem Willen zu handeln und zu kochen. Sie zeigt sich widerspenstig, zudringlich, grob u. sucht diejenigen, die ihr zu befehlen haben, auf alle Weise zu ermüden. Unruhig und tückisch verhetzt sie ihre Mitdienenden und macht ihnen, wenn sie nicht mit ihr halten, das Leben sauer. Außer anderen verwandten Untugenden hat sie noch die, daß sie an den Türen horcht. Welches alles man nach der erneuten Polizeiordnung hiermit ohne Rückhalt bezeugt.“ Begreiflicherweise gesiel dieses deugnis der Köchin ganz und gar nicht. Sie zerriß es in ihrer Wut und zerstreute die Fetzen im Zimmer des Olympiers, der diese dann sammelte und mit einem wohlgesetzten Schreiben an„das Polizeikollegium in Weimar“ sandte. Wie Geheimrat Goethe reiste. Unter dem Nachlaß Goethes befinden sich auch die Reisekofser, mit denen der Herr Geheimrat seine Reisen unternahm. Das interessanteste Stück ist der berühmte Koffer mit dem Aufbau für Goethes Zylinderhut. DER RAECHER Roman von Hermann Weick. 15 Mit flüchtigen Kohlestrichen zeichnete er Lisas Antlitz auf die Leinwand. Seine Blicke gingen immer wieder scharf fixierend zu Lisa hin. Brinkmann begann ein Gespräch mit Karasin, der. ohne von seiner Arbeit aufzusehen, ihm erwiderte. Lisa saß schweigend da. Die Glieder waren ihr schwer. Sie vermied es, Karasins Blicken zu begegnen. Nach einer Weile erhob sich Brinkmann. „Nun muß ich aber gehen!" Ueber Lisa kam wieder die Furcht vor dem Alleinsein mit Karasin. „Bleibe doch noch etwas, Max!“ bat sie.„Eine Viertelstunde noch!“ „Es geht beim besten Willen nicht, Lisa! Ich kann die Herren nicht länger warten lassen!“ Als Brinkmann gegangen war, herrschte in dem Salon schwere Stille. Man hörte nur das leise Geräusch der Striche, die Karasin auf der Leinwand zog. Der Maler schien an nichts anderes zu denken als an das Bild, an dem er arbeitete. Seine Bewegungen waren rasch, sicher. Er zog ein Zigarettenetui hervor. „Gestatten Sie, daß ich rauche?“ fragte er. „Bitte!“ „Es arbeitet sich leichter, wenn mau raucht! Man kommt besser in Stimmung!“ Er griff nun zum Pinsel, mischte Farben und begann, zu malen. Plötzlich hob er den Kopf. „Sie wollten anscheinend nicht mit mir allein sein!“ sagte er. Lisa fühlte, daß ihr eine Röte ins Gesicht stieg. „Wieso?“ „Ich meinte so, weil Sie vorhin Ihren Gatten mit aller Gewalt zurückzuhalten versuchten!“ „Sie irren sich!“ erwiderte Lisa brüsk. Karasin trat von der Staffelei zurück und verglich das Gemalte mit dem Ebenbild. Seine Augen lagen scharf, forschend auf Lisa. „Soeben hatten Sie wieder den herrischen, überlegenen Zug im Gesicht, den Sie als junges Mädchen hatten!“ sprach er.„Sie haben sich nicht viel verändert. Ich hätte Sie jederzeit wiedererkannt!“ Lisa wurde es unter seinen durchdringenden Blicken ungemütlich. Ihr war, als sehe er bis auf den Grund ihrer Seele. Sie fürchtete sich plötzlich vor seinen Augen. Sie gab Karasin keine Antwort. Mit angespannten Zügen malte er weiter. „Dimitri liebte dieses Herrische an Ihnen!" fuhr er wie beiläufig fort.„Ich habe ihn zwar davor gewarnt, es hat aber nichts genützt!" Lisa sprang auf. Der Zorn blitzte ihr aus den Augen. „Was soll das heißen? Wer gibt Ihnen das Recht, so zu mir zu sprechen?“ Karasin blickte sie gelassen an. „Warum erregen Sie sich, Lisa? Das sind doch Dinge, die Sie und ich schon lange wissen!“ „Ich verbitte mir aber diesen Ton!“ Sie wandte sich zum Gehen.„Ich verzichte darauf, von Ihnen gemalt zu werden!" „Sie werden bleiben!“ „Wer will mich dazu zwingen?“ fragte sie, am ganzen Körper vor Erregung bebend. „Ich!“ Sie lachte schrill auf. „Sie überschätzen sich! Im übrigen bedarf es nur eines Wortes zu meinem Mann, dann haben Sie Ihre Rolle hier ausgespielt!“ Karasin trat ganz nahe zu ihr hin. „Was wollen Sie Ihrem Manne erzählen?— Wollen Sie ihm sagen, daß ich von Ihrer Vergangenheit gesprochen habe und daß das Ihnen so unangenehm war?— Was würde Ihr Gatte davon denken?—“ Es war ein beißender Ton in seinen Worten. Lisa fühlte die Ueberlegenheit, die er ihr gegenüber hatte. Spräche er so, wenn er nicht glaubte, sie in seiner Hand zu haben.... Mit herabhängenden Armen ging sie wieder zu ihrem Stuhl zurück. „Kann ich weitermachen,“ fragte Karasin. Lisa gab keine Antwort. Bald darauf erschien die Sängerin. „Verzeihen Sie, Lisa, daß ich Sie so einfach hier überfalle,“ sagte sie.„Aber meine Neugier, Ihr Bild zu sehen, war zu groß, als daß ich ihr noch widerstehen konnte!“ „Ich freue mich, daß Sie wieder einmal kommen, Irene!" erwiderte Lisa und fühlte, wie ihr in Gegenwart der Sängerin etwas freier zu Mute wurde. „Nun zeigen Sie einmal, was Sie gearbeitet haben!“ sagte Irene Duval zu Karasin und trat vor die Staffelei. „Sie sehen noch nicht viel,“ meinte Karasin. „Es genügt, um zu erkennen, daß es ein sehr gutes Bild von Lisa werden wird!“ Sie setzte sich in Karasins Nähe und sah ihm beim Malen zu. Ihre Anwesenheit brachte etwas wie Entspannung in den Raum. In ihrer frischen, natürlichen Art plauderte sie von diesem und jenem. Mit Karasin redete sie, als seien sie schon alte Freunde. Es schien Lisa, als werde der Maler in Irenes Gegenwart ein anderer. Das Harte, Verschlossene wich aus seinen Zügen. Etwas Freundliches, Offenes war nun in ihm. Einige Male lachte er herzlich auf. Lisa betrachtete ihn verstohlen. Er hatte sich gegen früher vorteilhaft verändert. Sie hatte ihn als mageren, blassen Jungen in Erinnerung gehabt, der sich meist scheu von den Menschen zurückzog und seine eigenen Wege ging. Nun aber hatte er etwas Sicheres, Selbstbewußtes in seinem Benehmen, seiner Haltung. Sein Gesicht war ausdrucksvoller, geistiger geworden. Sie begegnete plötzlich Karasins Augen, der sie intensiv betrachtete. Da kamen ihr die Gedanken, die sie beschäftigt hatten, zum Bewußtsein. Rasch wandte sie die Augen zur Seite. „Warum machen Sie mit einmal ein so finsteres Gesicht, gnädige Frau?“ fragte Karasin. Lisa kämpfte gegen eine Verlegenheit an. „Ich wüßte nicht, wieso ich jetzt anders aussehe als vorher!“ Irene Duval lachte. „Puh. wie tragisch Die das sagen, Lisa! Sind Sie heute schlechter Laune?“ sanz und gar nicht!“ „Heifenrlich! Sousr müßte ich gar annehmen. mein Kommen sei Ihnen unangeneym!“ Der Schalk saß ihr in den Augen. Wider Willen wurde Lisa von ihrer Fröhlichkeit angesteckt. Die Anwesenheit Karasins erschien ihr nicht mehr so ungeheuerlich wie zuvor. Sie beschloß, Irene in unauffälliger Weise zu veranlassen, daß sie öfter zu den Sitzungen komme. Karasin legte Pinsel und Palette zur Seite. „Für heute machen wir Schluß! Ich möchte Sie nicht zu sehr ermüden, gnädige Frau!“ Lisa klingelte dem Mädchen, das den Tee brachte. Die Anwesenheit der lebensfrohen, von lustigen Einfällen sprühenden Sängerin hatte alle Sorge von ihr verscheucht. Wenn sie es recht bedachte:— was hatte sie eigentlich von Karasin zu befürchten, der nun mit so freundlichem Gesicht an ihrem Tische saß?— Irene Duval sagte: „Wie wäre es, wenn wir wieder einmal eine Spazierfahrt machen würden? Bei diesem Frühlingswetter muß es draußen herrlich sein!" „Wenn es Ihnen recht ist, Irene,“ erwiderte Lisa,„können wir nachher irgendwohin hinausfahren.“ „Würden Sie uns Gesellschaft leisten, Herr Karasin?“ fragte Irene den Maler. Dieser machte plötzlich ein verschlossenes Gesicht. Der Pkan der beiden Damen schien ihm nicht zu behagen. „Ich bedauere sehr, gnädiges Fräulein. aber ich habe für heute nachmittag noch eine Verabredung.“ Irene war von der Antwort sichtlich enttäuscht. Rasch sagte sie darauf: „Dann können wir die Ausfahrt ja auf einen späteren Tag verschieben!“ Lsa schlug der Sängerin vor, daß sie beide eine Weile spazieren fahren würden. Davon wollte aber Irene nichts wissen. Sie sagte hastig: „Es fällt mir soeben ein, daß ich vor der Vorstellung noch einige Besorgungen zu machen habe! Beinahe hätte ich sie jetzt vergessen!“ In auffälliger Eile verabschiedete sie sich von Lisa. Als sie Karasin die Hand reichen wollte, prach dieser: „Wenn Sie gestatten, gnädiges Fräulein, beeite ich Sie ein Stück Weges!“ „Aber gerne!“ Fortsetzung folgt.) K tilmarchiv Presse e.V. K— bun 25 S0und Haich ∆ 4 chh Eumun Wemee Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann Stuttgart 14) „Sie haben es mir zur Einsicht gegeben und werden wissen, daß die letzten beschriebenen Seiten, und zwar nach der Paginierung die Seiten von 156 bis 187, herausgerissen sind.“ „Das kann Graf Herbert getan haben.“ „Oder Graf Georg!“ „Warum?“ „Nehmen wir an, auf diesen Seiten hätte gestanden, daß die junge Viola sein eheliches Kind und also die Majoratserbin war.“ „Wie kommt dann das Blut des alten Grafen auf den Anzug des Grafen Herbert?“ „Sie wissen sehr wohl, daß es nur möglich ist, gewisse Blutgruppen festzustellen. Warum sollte nicht das Blut von Onkel und Neffe beides derselben, der väterlichen Gruppe, angehören? Ich beantrage eine sofortige Untersuchung des Blutes des Grafen Herbert.“ „Das soll geschehen.“ „Der eine ist der Sohn!“ „Wissen Sie das so genau?“ „Wollen Sie mit dem alten, zugunsten des Grafenpaares entschiedenen Prozeß kommen? Es ist einwandfrei bewiesen, daß Gräfin Hermine damals geboren hat.“ „Wen?“ „Natürlich den Grafen Georg.“ „Wissen Sie das wirklich?“ „Was soll das heißen?“ „Nichts, was ich beweisen kann; es ist nur Tatsache, daß die Anna Uminski, die Amme des Grafen Georg, vor ihrem Tod dem Pfarrer irgend etwas Schweres gebeichtet haben muß.“ „Kommen Sie nicht mit Märchen! Selbst, wenn die Frau etwas auf dem Gewissen hatte, ist das Beichtgeheimnis unverletzlich. Es wird wahrscheinlich etwas ganz anderes sein.“ „Sieht Graf Georg vielleicht irgendeinem anderen Familienglied ähnlich?“ „Das sind Phantastereien.“ „Vielleicht, jedenfalls beantrage ich, eine Untersuchung gegen den Grafen Georg einzuleiten, gegen den ich hiermit Anzeige erstatte; und###er beantrage ich, gestützt auf das Urteil des Gerichtsar, in bezug auf die Todesstunde und auf den Alibibeweis durch das eidliche Zeugnis des Nachtwächters von Daberau, den Grafen Herbert aus der Haft zu entlassen.“ „Gut, ich setze zur Verhandlung bezüglich der Unteruchungshaft gegen den Grafen Herbert Termin auf übermorgen nachmittag um 4 Uhr an.“ „Warum nicht morgen?“ „Ich muß mir eine nochmalige Vernehmung des Grafen Georg vorbehalten.“ „Gut!“ Damit verabschiedete sich Schwind. Landgerichtsrat Kräly und Kommissar Wendeborn blieben allein. „Was sagen Sie dazu, Herr Kommissar?“ „Ich muß gestehen, daß mir das Aussehen des jungen Grafen Georg im ersten Augenblick zu denken gab. Schon der Umstand, daß ich ihn und seine Schwester nicht im Herrenhause, sondern in dem kleinen Amtszimmer traf, war seltsam.“ Die Herren wurden wieder gestört. Diesmal war es der Oberförster Radeboldt, der eintrat. „Gut, daß ich die Herren noch treffe! Sie hatten mich gebeten, in meiner Eigenschaft als vereidigter gerichtlicher Sachverständiger nachzuprüfen, woher die Kugel stammt, die Herr Kommissar Wendeborn am Abend des Todes des seligen Grafen Eberhard in der Wand des Mordzimmers and, „Der Gerichtsarzt hat festgestellt, daß an ihr Blutspuren, die von dem Toten stammten, hafteten. „Ich habe alle Waffen des Grafen Herbert beschlagnahmt, auch den Revolver, der in dem Joppenanzug steckte, den er an jenem Tag getragen. Es ist einwandfrei zu erkennen, daß die Kugel aus keiner Waffe des Grafen Herbert herrühren kann, wenn auch wahrscheinlich an dem Abend aus dem Revolver geschossen wurde.“ „Donnerwetter!" „Ich habe dagegen ebenso sicher festgestellt, daß die Kugel aus dem Gewehr abgeschossen wurde, das der Herr Kommissar in den Ruinen der alten Burg gefunden hat.“ Kräly und Wendeborn warfen sich erschreckte Blicke zu. „Das wissen Sie ganz genau?“ „Völlig sicher. Wenn man den Lauf dieses Gewehres untersucht, findet man eine kleine Rille im Lauf, die entweder von vornherein ein Materialfehler war oder durch irgendeinen Zufall erzeugt wurde. Die Kugel nun weist einen kleinen Grat auf, der genau in diese Rille paßt, der also durch den starken Druck, den die Bleikugel beim Abschießen erhielt, in die Kugel gepreßt wurde.“ „Das ist allerdings eine sehr schwerwiegende Entdeckung. Sie werden die Güte haben, bei dem Haftprüfungstermin gegen den Grafer Herbert, der übermorgen stattfindet, Ihr Gutachten zu wiederholen.“ Wieder waren Kräly und Wendeborn allein. „Was sagen Sie nun?“ „Mir ist der Schreck in die Glieder gefahren. Das Gewehr gehört, wie Graf Georg erklärt hat, diesem und ist von ihm in das Gotenschlößchen mitgebracht und dort vergessen worden.“ „Dann also?“ „Wäre Graf Herbert unschuldig und——“ „Graf Georg hat den eigenen Vater erschossen!“ Wachtmeister Schröder trat ein. „Ich habe den Dorfschmied Pergel aus Klein=Zichow mitgebracht, der eine wichtige Aussage in der Angelegenheit des Grafen Herbert Tarnau zu machen hat. Ich war in Klein=Zichow und habe durch Zufall mit dem Schmied gesprochen.“ „Machen wir das Verhör gleich hier, Herr Kommissar.“ Der Schmied trat ein und machte den Eindruck eines besonnenen, rechtlichen Mannes. „Was haben Sie zu sagen, Herr Pergel?“ „Nicht viel, nur, daß ich den Herrn Grafen Herbert Tarnau an jenem Abend, als der Mord geschah, gesehen habe.“ „Wann?“ „Er kam gegen halb acht Uhr zu mir.“ Kräly nickte Wendeborn zu und sagte leise: „Scheint ein zweiter Alibibeweis zu werden.“ Dann wandte er sich an Pergel: „Was wollte denn der Herr Graf bei Ihnen?“ „Er war sehr eilig und sagte, er brauche ein sehr notwendiges Dokument, das in einem alten Schrank läge, zu dem er den Schlüssel verloren habe, und ich möchte sofort einen neuen machen. Ich erklärte mich bereit, den Grafen nach Daberau zu begleiten, aber er sagte, das daure zu lange, er hätte mir einen Wachsabdruck von dem Schloß mitgebracht. Das war der Fall; so machte ich mich sofort an die Arbeit und fertigte den Schlüssel an.“ „Wie lange dauerte das?“ „Um halb neun Uhr ist der Graf dann wieder fortgeritten. Ich weiß das so genau, weil gerade die Turmuhr schlug, als wir aus meinem Hause traten.“ „Haben Sie den Wachsabdruck noch?“ „Der Graf hatte ihn wohl vergessen, ich habe ihn hier mitgebracht,“ „Herr Pergel, Sie wissen, daß Sie Ihre Aussage unter Umständen beschwören müssen?“ „Das kann ich jederzeit mit gutem Gewissen.“ „Ich danke Ihnen vorläufig.“ Nachdem der Schmied gegangen war, sagte Kräly: „Mir kommt ein toller Gedanke: hier habe ich die Schlüssel zu beiden Türen des alten Ruinenparkes. Wendeborn, was sagen Sie jetzt? Der Schlüssel zur Hinterpforte paßt genau in den Abdruck.“ „Das wird immer toller!“ „Also kann der Nachtwächter recht haben. Graf Herbert hat Kynau verlassen, ist so schnell als möglich— vielleicht an dem Schäfer vorbei— nach Klein=Zichow geritten und hat den Schlüssel machen lassen, weil er unter allen Umständen in den Park wollte. Er ist dann wieder nach Kynau geritten. Graf Georg kam etwa fünfzehn Minuten nach neun hinaus, wie er angibt. Inzwischen kann Graf Herbert wieder dort gewesen sein, den Onkel getroffen und den Schuß abgegeben haben.“ „Und das Gewehr?“ „Teufel ja, das Gewehr!“ „In jedem Fall müssen wir morgen zeitig nach Kynau hinaus und den Grafen Georg nochmals vernehmen. Offengestanden— der Sohn? Dieser junge Mann, der einen so trefflichen Ruf hat? Das will mir nicht in den Kopf. Also bitte, morgen früh um acht Uhr, Herr Kommissar!“ 12. Kapitel „Ist Ihr Herr Bruder da?“ „Dort kommt er eben vom Felde.“ „Ich muß noch ein paar Worte mit ihm reden.“ Landgerichtsrat Kräly und Kommissar Wendeborn ließen sich von Agnes in das Arbeitszimmer des Vaters führen. „Wünschen Sie meine Mutter?“ „Nur den Herrn Grafen.“ Georg trat ein. „Guten Tag, meine Herren. Bringen Sie etwas Neues?“ Kräly warf Wendeborn einen Blick zu. Dieser junge Graf, der so ernst, so männlich und so frei ihnen gegenübertrat, sah gewiß nicht aus wie ein Mann, der seinen Vater erschossen „Es ist in der Verhandlung gegen den Grafen Herbert eine Wandlung eingetreten, die an seiner Schuld zweifeln läßt.“ „Das würde mich unendlich beglücken. Es wäre ja auch zu entsetzlich, wenn der eigene Neffe—“ Er sagte es in sichtbarer Befriedigung. War er schuldig, dann hätte ihn doch alles erschrecken müssen, was den anderen entlastete. „Graf Herbert hat ein Alibi beigebracht, das seinen Aufenthalt in der Zeit von sieben bis neun Uhr in der Mordnacht einwandfrei ausweist.“ „Dann kann er es nicht gewesen sein. Gestatten die Herren mir ein paar Worte: wenn ich nicht so sehr viel zu tun hätte, wäre ich schon in die Stadt gekommen und hätte um eine Unterredung gebeten. Es ist mir ein schwerer Zweifel gekommen, der gegen eine Täterschaft meines Vetters spricht. Ich bin, wie Sie wissen, auch Chemiker.. Als ich meinen armen Vater fand, war das Blut noch völlig frisch und sogar warm. Der tödliche Schuß kann also ganz kurz vor meinem Dazukommen gefallen sein, während doch Stunden vergangen waren, seit wir den Grafen Herbert gesehen hatten, und der ganze Todeskampf der Anna dazwischenlag. Kräly wurde immer vergnügter. Ein Mörder würde doch unter keinen Umständen selbst alles das sagen, was ihm der Richter jetzt vorhalten wollte. „Ja, wenn aber Graf Herbert ausscheidet— es muß doch jemand den Schuß abgegeben haben.“ „Natürlich.“ „Dann wären wir also wieder so weit wie zuerst.“ Georg überlegte. „Ich habe oft an den Motorfahrer gedacht, der die Anna überfuhr, aber das war ja auch zu derselben Zeit, in der wir den Grafen Herbert sahen.“ Kräly wurde sehr ernst. „Helfen Sie uns, Graf Georg.“ „Wenn ich es könnte!“ „Es käme doch nur eine Person in Frage, der der Tod des Grafen Eberhard irgendeinen Vorteil bringen konnte.“ „Das wäre höchstens Graf Herbert.“ „Graf Georg, ich will nicht Versteckens spielen: es ist eine andere Anzeige eingelaufen— der Rechtsanwalt Schwind hat sie gestern erstattet.“ Georg war interessiert. „Gegen wen?“ Der Richter sah ihn fest an. „Gegen Sie!“ Einen Augenblick schien Georg zu erschrecken, dann war ein abweisendes Lächeln auf seinen Lippen. „Der Herr möchte sich rächen, weil wir den Verdacht gegen den Grafen Herbert aussprachen.“ „Bleiben wir bei der Sache, Graf Georg. Ich halte Sie für einen Mann. Haben Sie irgendwie Ihr Gewissen zu erleichtern?“ Auch jetzt hielt der junge Graf den Blick aus, wenn er auch blaß wurde. „An sich verstehe ich Ihren Gedankengang. Ich war der erste, der Vater in seinem Blut fand, ich war mit ihm allein, meine Kleider und Hände waren voll Blut. Ich muß gestehen, daß, schon als der Kommissar Wendeborn zum ersten Male mit mir sprach, ich in seinen Augen einen solchen Verdacht zu lesen glaubte. Dieser ist selbstverständlich Wahnsinn. Niemand ist durch den Tod meines armen Vaters so schwer betroffen wie ich. Uebrigens wüßte ich auch nicht, was für einen Vorteil mir dieses schreckliche Unglück hätte bringen können.“ Seine ruhige Art ließ ihn ganz sachlich sprechen. „Sie wurden durch den Tod Ihres Vaters Erbe des Majorats.“ „Vater war sehr krank. Als Mann, der auch etwas Medizin studiert hat, wußte ich leider, daß seine Tage gezählt waren; aber jeder Tag, den er noch lebte, war für mich die Möglichkeit, noch von ihm zu lernen.“ „Herr Graf, ich will ganz offen sein— es gibt manches, was gegen Sie spricht.“ „Ich habe ein völlig reines Gewissen.“ „Nohmen wir einmal an, wie die Tat hätte geschehen können. Es ist erwiesen, daß Graf Herbert mit dem Grafen Eberhard eine Unterredung hatte. Können Sie sich denken, was zwischen den Herren besprochen wurde?“ „Ich glaube es zu ahnen. Es handelte sich gewiß um das Majorat. Graf Herbert war der Ueberzeugung, die junge Viola sei die eheliche Tochter des Grafen Sebastian und somit eigentlich die Erbin des Majorats.“ „Dann hätten Sie also das Majorat verloren.“ (Fortsetzung folgt.)