• WVIFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Angemeiner kreisanzeiger „Vereis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichs— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwoimn Nenstraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Joousuf Nr. 2018.— Oostscheckkonto Hannover 76913.— Für unverlaugt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Vetiedsßörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche sur den Cnnepe=Nahr kreis Schibeiner Radlauzeiger Mit den Beilagen: roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breih 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig, im Reklameteil(75 mum breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Ge chäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Rummer 52 Erstes Blatt Mittwoch, den 2. März 1932 103. Jahrgang Die Keists der vonsparkel Seutschiados Kampf am Gleichberech tigung. Die grandsäßlich wichüigen Fragen werden erst in den bevorstehenden Pgertig Sitzungen des Hauptausschusses der Abrüstungskouferenz erörtert Die innere Auseinandersetzung innerhalb der Deutschen Volkspartei nimmt immer schärfere Formen an. Am Mittwoch vormittag ist der Parteivorstand in Berlin zusammengetreten, um zu den in der Oeffentlichkeit bekannt gewordenen Vorgängen Stellung zu nehmen. Die Lage hat sich dadurch noch erschwert, daß inzwischen die Wahlkreisorganisation Berlin der 2BP. auseinandergefallen ist, da verschiedene leitende Persönlichkeiten den Uebergang zur Deutschnationalen Volkspartei vollzogen haben. Die Entscheidungen, die der Parteivorstand jetzt zu treffen hat, werden für das Schicksal der Partei von ausschlaggebender Bedeutung sein. Die Auskritte in Berlin Berlin, 1. März. Gestern hat der Vorsitzende des Wahlkreisverbandes Berlin der Deutschen Volkspartei, Stadtverordneter Dr. Faltz, seinen Austritt aus der Deutschen Volkspartei erklärt und sich der Deutschnationalen Volkspartei angeschlossen. Dieser Erklärung haben sich mehrere führende Mitglieder der Deutschen Volkspartei, unter ihnen der langjährige Generalsekretär des Wahlkreisverbandes Berlin Werdelmann, sowie die Mitbegründerin der Deutschen Volkspartei, Frau Lotte Garnich, angeschlossen. Gleichzeitig gibt die Ortsgruppe Gesundbrunnen der Deutschen Volkspartei ihren geschlossenen Uebertritt zur Deutschnationalen Volkspartei bekannt. Weiter verlautet, daß auch der frühere Reichstagsabgeordnete des Berliner Wahlkreisverbandes, Reichsminister a. D. von Raumer, der sich bereits seit längerer Zeit von der Parteiarbett gänzlich zurückgezogen hatte, nunmehr seine Streichung aus der Mitgliederliste der Partei veranlaßt hat, ohne sich zunächst einer anderen Partei anzuschließen. Zu dem Austritt des Stadtverordneten Faltz teilt der volksparteiliche Pressedienst u. a. mit: Faltz hatte die gestrige Sitzung des Reichsausschusses der Partei unter dem Unwillen aller Teilnehmer verlassen müssen, weil er die Hindenburg=Parole ablehnte. Die in der Erklärung der Ausgetretenen erwähnten Motive sind nur Vorwände. Berlin, 1. März. Die Deutsche Volkspartei teilt mit: Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei trat heute zu einer Erörterung über die Vorgänge im Berliner Wahlkreis zusammen. Der Parteivorsitzende stellte fest, daß der Wahlkreisvorsitzende Dr. Faltz und der Generalsekretär Werdelmann durch ihren freiwilligen Austritt dem unmittelbar bevorstehenden Ausschluß aus der Partei im letzten Augenblick zuvorzukommen suchten. Der Parteileitung und zahlreichen Gruppenvorsitzenden des Wahlkreises war am gestrigen Tage mitgeteilt worden, daß der Wahlkreisvorsitzende und der Generalsekretär heimlich und ohne Fühlungnahme mit irgendwelchen Partei= oder Wahlkreisinstanzen Verhandlungen mit der Deutschnationalen Volkspartei in parteiverräterischer Absicht geführt haben. Als die beiden Herren erkannten, daß ihr Ausschluß aus der Partei danach unvermeidlich geworden war, versuchten sie nunmehr, durch ihren Aufruf den Anschein zu erwecken, als ob außer einer großen Gruppe persönlicher Anhänger irgendwie beachtliche Kräfte des Wahlkreises hinter ihrem Schritt stünden. Davon könne keine Rede sein. Die Wahlkreisgeschäfte werden durch den neuen provisorisch gewählten Vorstand weitergeführt. Eine Kundgebung des Wahlkreises stehe unmittelbar bevor. In dem amtlichen Bericht der Nationalliberalen Korrespondenz über die Sitzung des Reichsausschusses der Deutschen Volkspartei wurde als Ergebnis der Aussprache festgestellt, daß sämtliche Wahlkreise entschlossen seien, die Einigkeit der Partei aufrechtzuerhalten und die Politik der Reichstaasfraktion zu vertreten. Berlin, 1. März. Dr. von Raumer veröffentlicht eine Erklärung, daß es zwar zutrifft, daß er sich aus den Listen der Partei habe streichen lassen, aber mit der Begründung, daß er sich aus dem politischen Leben zurückziehen wolle. Das habe nichts mit der Aktion des Stadtverordneten Faltz zu tun, im Gegenteil trete Dr. von Raumer mit allen Kräften für die Kandidatur Hindenburg ein. Die Wahlkreisorganisation Westfalen-Süd trikt aus der Deutschen Volksparkei aus Der engste Vorstand der Deutschen Volkspartei von Westfalen=Süd faßte heute den einmütigen Beschluß, den zurzeit in Berlin an einer Staatsratssitzung teilnehmenden Vorsitzenden Hembeck aufzufordern, von seiner Vollmacht nunmehr unverzüglich Gebrauch zu machen und den Austritt der südwestfälischen Organisation aus der Deutschen Volkspartei zu erklären. Der Vorsitzende Hembeck ist dieser Aufforderung nachgekommen, damit ist der Austritt vollzogen. Der Vertagungsbeschluß des Hauptvorstandes vom 20. Februar hatte zunächst vorgefehen, in ei* Genf. 1. März. Von unterrichteter Seite wird. zu verschiedenen Meldungen, die über die gestrige Unterredung des Botschafters Nadolny mit Tardieu erschienen sind, erklärt, daß es sich teils um aus der Luft gegriffene Kombinationen, teils um schiefe Darstellungen handelt. Es wird betont, daß sich die Besprechungen größtenteils auf verhandlungstechnische Dinge beziehen und noch keine Prognose für das Konferenzergebnis zulassen. Die grundsätzlich wichtigen Fragen werden erst in den bevorstehenden Sitzungen des Hauptausschusses zur Erörterung gelangen. Zu diesen Fragen gehört auch der deutsche Anspruch auf Gleichberechtigung. Er ist kein Diskussionsgegenstand in dem Sinne, daß die deutsche Delegation sich was abhandeln lassen könnte; die Gleichberechtigung ist vielmehr die Voraussetzung für die Teilnahme Deutschlands an der Konferenz. Eine Diskussion wird aber darüber notwendig sein, da diese Gleichberechtigung in dem Konventionsentwurf, so wie er ist, nicht besteht. Das Ziel ist namentlich die Beseitigung des Artikels 53, der die unterschiedliche Behandlung Deutschlands festlegen will. Die vom Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz ausgearbeitete Uebersicht zeigt klar, daß die Aufgabe des politischen Ausschusses sich im Gegensatz zu den ursprünglichen französischen ünschen so gestaltet hat, daß neben den französischen Vorschlägen in ihm auch eine große Reihe in der Generaldiskussion aufgeworfener und auch Deutschland interessierender Fragen zur Einzelberatung immen wird. Die deutschen Vorschläge ebenso wie die dentschen grundsätzlichen Auffassungen über die Gleich* Berlin, 1. März. Die preußische Staatsregierung, die in wenigen Wochen das Endeihrer Amtstätigkeit vor sich sieht— denn der Ausfall der Wahlen wird dieses Ende bedeuten— hat natürlich kein tieferes Interesse mehr, irgendwelche Reformarbeiten zu leisten, um den neuen Etat für 1932 auf eine sichere Grundlage zu stellen. Er ist, so wie er auf dem Papier steht, in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen, aber nur auf dem Pavier des Finanzministers, denn die praktische Lösung soll erst der Landtag versuchen. Noch im Jahre 1913 kam der preußische Staat, der damals andere und größere Aufgaben zu erfüllen hatte als heute im Zeitalter des Abbaues der Kultur, mit 425 Mill. RM. an Steuern als Zuschuß zu seinen Einnahmen aus, heute 1932 sieht der Haushaltplan 1143 Mill. RM. an Steuern und Abgaben vor! Der Landtag steht also in den wenigen Sitzungswochen, die ihm noch bleiben, vor der Aufgabe, den Etat in Einklang mit den Leistungsmöglichkeiten einer verarmten Bevölkerung zu bringen. Gespart werden könnte in der Verwaltung, von den Ministerien angefangen bis zum letzten Landratsamt, aber die Sparsamkeit wurde ja erst durch die Notverordnung des Reiches erzwungen. Die heutige Sitzung des Landtags beschäftigte sich einstweilen mit kleineren Anträgen und Vorlagen, da für die ersten Beratungen des neuen Haushaltplanes die Tage vom 15. bis 17. März in Aussicht genommen sind. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Abg. Bachem(DN.) mit, er habe gehört, daß die Regierung zurzeit nicht bereit sei die deutschnationale Große Anfrage wegen Aeußerungen französischer Regierungskreise, die auf eine Verlängerung der Besetzungsfrist für das Saargebiet hinzielen, zu beantworten. Der Redner bat den Präsidenten, angesichts der Bedeutung der Angelegenheit auf die Staatsregierung einzuwirken, diese Anfrage alsbald zu beantworten. Der Präsident erklärte, sich mit der Regierung in Verbindung setzen zu wollen. ner erneuten Hauptvorstandssitzung dem Parteivorsitzenden Dingeldey Gelegenheit zu geben, sich gegen die in den verschiedenen Beschlüssen der südwestfälischen Organisation zum Ausdruck gekommenen Vorwürfe über das Versagen von Führung und Fraktion zu rechtfertigen. Dieser Vertagungsbeschluß bedeutete selbstverständlich einen loyalen Burgfrieden zwischen Parteileitung und Westfalen=Süd bis zu der für Mitte März in Aussicht genommenen neuen Hauptvorstandssitzung. Dieser Burgfrieden ist von Seiten der Parteileitung in Gerlin gebrochen worden. berechtigung sind ebenso wie die Vorschläge der anderen Staaten neben die entsprechenden Bestimmungen des Konventionsentwurfes gestellt, so daß sie in gleicher Weise Diskussionsgrundlage sind. Es zeigt sich, daß die Annahme des Konventionsentwurfes als Diskussionsrahmen durch die deutsche Delegation unbedenklich war, denn der Konventionsentwurf dient nur als Disposition. Der deutsche Anspruch auf Gleichberechtigung ist im Arbeitsplan der Abrüstungskonferenz an zwei Stellen zu verzeichnen. Er figuriert zunächst hinter dem Abschnitt„politische und juristische Fragen“, der die Vorschläge auf Stellung einer internationalen Streitmacht erwähnt, und aus Punkt 7a als Forderung Deutschlands, Oesterreichs, Bulgariens und Ungarns:„Die durch die Friedensverträge auferlegte Abrüstung muß als Richtschnur für die Rüstungseinschränkung aller Völkerbundsmitglieder betrachtet werden. Die Schaffung eines einzigen Systems, das in gleicher Weise auf alle Staaten anwendbar ist:„Gleiches Recht und gleiche Sicherheit". Hieran schließt sich die Forderung Italiens:„Gleichberechtigung zwischen allen Staaten und Ausgleich der Streitkräfte auf dem niedrigsten Niveau.“ Der in diesen Forderungen aufgestellte Grundsatz wird vom Berichterstatter folgendermaßen bezeichnet:„Gleichartigkeit der Methoden gemäß dem Grundsatz der Gleichberechtigung der Staaten.“ Unter Artikel 58(Aufrechterhaltung der früheren Verträge) wird als einziger Abänderungsvorschlag und lediglich als Forderung Deutschlands angegeben:„Ersetzung der Bestimmungen der Friedensverträge über die Abrüstung durch das neue Abkommen“. Preußischen Landtag Dann folgte die Beratung eines staatsparteilichen Antrags, in dem die Regierung ersucht wird, sofort alle Maßnahmen gegen die zunehmende parteipolitische Verhetzung der Schuljugend jeden Alters zu treffen. Abg. Frau Dr. Neumann(DN.) wünschte eine vaterländische Erziehung der Schuljugend. Gegenwärtig verwechsele man jedoch das Vaterland mit dem herrschenden System. Auf Befehl des Kultusministers Grimme werde das gesunde vaterländische Gefühl der Jugend in der Schule geradezu unterdrückt. Mit dem vorliegenden Antrag sei es den Regierungsparteien nicht sernst. Abg. Dr. Bohner(Staatspartei) erwiderte auf Angriffe des kommunistischen Redners und der Vorrednerin, daß der Antrag der Staatspartei lediglich den Zweck habe, die politische Verhetzung der Schuljugend, die schon wiederholt zu Gewalttätigkeiten junger Menschen geführt haben, zu verhindern. Schließlich wurde der staats parteiliche Antrag abgelehnt, da die ihn unterstützenden Regierungsparteien in nicht genügender Stärke im Hause anwesend waren! Eine längere Aussprache entspann sich wegen eines Antrags des Siedlungsausschusses über die Siedlung auf der sundischen Wiese nahe Stralsund. Der Antrag fordert, daß Zwangsmaßnahmen gegen die Siedler, die in Schwierigkeiten geraten sind, unterbleiben, und wünscht Beihilfen für die Kultivierungen. Der Antrag des Siedlungsausschusses wurde mit den Stimmen der Regierungsparteien angenommen. Die Anträge des Beamtenausschusses wurden bestätigt, u. a. auch der Antrag, sobald als möglich eine Kriminalschule zur Vorbildung einer ersten kriminalistischen Fachprüsung einzurichten. Ebenso wurden die Anträge zugunsten der notleidenden Fischer in verschiedenen Gebieten Preußens angenommen. Gegen 18,30 Uhr vertagte sich das Haus auf Mittwoch, 12 Uhr: Gesetzentwurf über das Disziplinarrecht der Studenten und Kleine Vorlagen. Erstens durch einen trotz der strengen Vertraulichkeit der Verhandlungen von der amtlichen Pressestelle der Deutschen Volkspartei herausgegebenen, die Tatsachen entstellenden Bericht an die Oeffentlichkeit, zweitens durch die von dem Reichsausschuß auf Grund unzutreffender Informationen gefaßten Beschlüsse, nach denen Hembeck und Schütz sich außerhalb der Partei gestellt hätten. Da Hembeck und Schütz im ausdrücklichen Auftrage des Hauptvorstandes gehandelt haben, so hatte sich, wenn überhaupt, der ganze Hauptvorstand Westfalen=Süd außerhalb der Partei gestellt, wie durch das Vertrauensvotum für Hembeck und Schütz am Schluß der Tagung des Hauptvorstandes bestätigt worden ist, drittens durch das erneute Entsenden von Berliner Vertretern in den Wahlkreis WestfalenSüd, die hinter dem Rücken der südwestfälischen Wahlkreisleitung zu arbeiten den Auftrag hatten, viertens durch die von Berlin aus täglich erfolgenden unrichtigen und zum Teil den Tatsachen direkt widersprechenden Informationen an die Presse. In dieser Zeit ungeheurer politischer und wirtschaftlicher Not ist nichts so sehr vaterländische Pflicht, wie das Zusammenschließen allen zuverlässig national eingestellten und privatwirtschaftlich denkenden Kräfte des Bürgertums zur Abwehr gegen den drohenden Untergang. Kleinliche Parteiinteressen haben leider immer wieder und wieder die Verwirklichung dieses großen Zieles, nach dem Millionen Menschen in Deutschland verlangen, verzögert, gehemmt und zum Teil unmöglich gemacht. Der Wahlkreis Westfalen=Süd hat mit all seinen einstimmig gesaßten Beschlüssen im Geschäftsführenden Ausschuß und im Hauptvorstand diesen großen Gedanken der Rettung stets verfolgt und als erster den Mutgehabt, ihn in die Tatumzusetzen. Zahlreiche spontane Zustimmungen aus dem Lande wie über die Grenzen des Wahlkreises yinaus beweisen, daß dieser Anstoß in Südwestfalen zur Zusammenfassung aller nationalen Kräfte wie eine Erlösung ausgenommen worden ist und daß hier zumersten Male der so viel gepredigte und leider so wenig geübte Grundsatz der alten nationalliberalen und der Deutschen Volkspartei Wahrheit geworden ist: das Vaterland über die Partei! Deutsche Volkspartei Westfalen=Sud. Die Entgegnung aus Berlin * Berlin, 1. März. Die Parteileitung der Deutschen Volkspartei teilt mit:„Durch einen Beschluß des Hauptvorstandes der Deutschen Volkspartei von Westfalen=Süd vom 26. Februar hat dieser Wahlkreis entsprechend dem Wunsche des Parteiführers mit ihm eine Aussprache über die politische Lage festgelegt und mit erdrückender Mehrheit den von Hembeck beantragten Austritt aus der Deuschen Volkspartei zurückgewiesen. Damit hat der bisherige Wahlkreisvorsitzende Hembeck jedes moralische Anrecht, über den Wahlkreis selbständig zu verfügen, verloren. Trotzdem hat er jetzt telegraphisch mitgeteilt: „Auf Grund der mir erteilten Vollmachten erk'äre ich hiermit den Austritt des Wahlkreisverbandes Westfalen=Süd aus der Deutschen Volkspartei.“ Das ist ein reiner Verzweiflungsakt des bisherigen Vorsitzenden Hembeck und des Generalsekretärs Schütz, die ihre Felle wegschwimmen sehn. Deutschnationale Unterhändler haben Hembeck und Schütz, nach dem eigenen Bericht, in geheimen und ohne Wissen des Wahlkreises geführten Verhandlungen für den Fall der Ueberführung der Wahlkreisorganisation der Deutschen Volkspartei in das deutschnationale Lager bestimmte Zusicherungen über die Garantie ihrer Stellungen innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei gemacht. Die telegraphische Erklärung Hembecks schlägt dem Beschluß des Hauptvorstandes ins Gesicht. Sie ist weder rechtlich fundiert noch moralisch vertretbar. Schon heute steht fest, daß die übergroße Mehrheit des Wahlkreises einen solchen Verrat an ihrer alten Partei und der Verleugnung aller nationalliberalen Traditionen ablehnt. Die ordnungsmäßige Neubesetzung der Wahlkreisleitung wird unverzüglich aus dem Wahlkreis heraus durchgeführt, da dessen überwältigende Mehrheit zweiselsfrei hinter der Parteileitung steht.“ Eine nrue Froni „Volksfront“ der christlichen Arbeiterschaft gegen die radikalen Bewegungen. * Essen, 1. März. Der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften, Geschäftsstelle Westdeutschland, teilt mit: Die christliche Arbeiterschaft in allen Bezirken Westdeutschlands hat freiwillige Bereitschaften zum Schutze der Ordnung formiert. In diesen Bereitschaften in der„Volksfront" stehen Gewerkschaften, Arbeitervereine und Gesellenvereine„zur Abwehr jedes gewaltsamen Angriffs auf die verfassungsmäßige Ordnung". Die Führung der Volksfront liegt für Westdeutschland bei den Herren Körner, Köln(Gewerkschaften), Letterhaus. Köln(Arbeitervereine) und Kaver, Köln (Gesellenvereine). Vorbereitung des zivilen Lustschutzes Keine militärische oder politische Angelegenheit * Berlin, 1. März. Im Zusammenhang mit den Presseerörterungen über die Bildung von zivilen Luftschutzausschüssen wird von zuständiger Der Elalsausgleich auf dem Hapier Kleine Anträge im —4*#• FTT4 Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. 1— Stelle hingewiesen daß Deutschland auf Grund des Pariser Luftschutzabkommens zu Schutzmaßnahmen für die Zivilbevölkerung gegen Angriffe aus der Lust, also zur Durchführung des zivilen Luftschutzes berechtigt ist. Bereits im Jahre 1927 habe das Reichskabinett beschlossen, daß ein Luftschutz für die Zivilbevölkerung vorbereitet werden solle. Der zivile Luftschutz bestehe in passiven Schutzmaßnahmen, die zum Ziele haben, die Wirkung von Luftangriffen auf ein tunlichst geringes Maß herabzusetzen. Er gehört also in das Gebiet der„Vorsorge gegen öffentliche Notstände", die den Staatsbehörden, insbesondere den Polizeibehörden, obliegt. Die Durchführung solcher Maßnahmen ist weder eine militärische noch eine politische Angelegenheit. Als Mittel des zivilen Luftschutzes kommen hauptsächlich folgende Maßnahmen in Frage: Ein sorgsam aufzustellender Melde= und Warndienst. eine Tarnung der Züge durch Verdunkelung oder Vernebelung, ein kollektiver Schutz der Bevölkerung durch Schaffung behelfsmäßiger splitter= und gassicherer Unterkunftsräume, die Ergänzung kollektiven Schutzes durch einen Einzelschutz und schließlich umfassender Ausbau eines Sicherheits= und Hilfsdienstes. Diese für die Allgemeinheit erforderlichen Schutzmaßnahmen haben siungemäß auch für alle größeren Betriebe und Unternehmungen— insbesondere Eisenbahn und Post sowie die lebenswichtigen Werke— Anwendung zu finden. Dabei muß der einzelne Betrieb für den Schutz seines Personals und seiner Anlagen in der Hauptsache selbst sorgen. Der Schwerpunkt der Durchführung liegt in den örtlichen Vorbereitungen. Ihre Leitung ist Aufgabe der Polizei. Sie muß hierbei engste Fühlung mit den Gemeindeverwaltungen halten. Da die freiwillige Mitwirkung der Bevölkerung von größter Bedeutung ist, sollen„Luftschutzbeiräte“ den Polizeiverwalter unterstützen und beraten. Zu den Luftschutzbeiräten werden Vertreter derjenigen Behörden, Organisationen und Verbände herangezogen, die bei dem Aufbau des Luftschutzes nützliche Mitarbeit zu leisten in der Lage sind. Die Frage der Einsichtnahme der Kirche in den Religionsunterricht Grimme an den Oberkirchenrat. * Berlin, 1. März. Der preußische Kultusminister Grimme hat an den evangelischen Oberkirchenrat ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: 4n in 4 chr#ch. „Seit ich, entsprecheno meinem in sehr schwierigen Vertragsverhandlungen bewiesenen Willen zur Verständigung von Staat und Kirche, begonnen habe, mich unbeschadet dessen, daß ein Rechtszwang dazu nicht besteht, mit der Frage der Einsichtnahme der Kirche in den evangelischen Religionsunterricht zu befassen, ist es mein Bestreben gewesen, eine Lösung vorzubereiten, die für Slaat und Kirche in gleicher Weise tragbar erscheint und besonders auf seiten derer, die den evangelischen Religionsunterricht zu erteilen haben, nicht den Anschein erwecken würde, als habe sich der Staat seines ihm gemäß Artikel 144 der Reichsverfassung zustehenden Aussichtsrechts begeben. Ueber diese meine Haltung hat bei dem evangelischen Oberkirchenrat kein Zweifel bestehen können. Ich bedauere, daß trotzdem mein Schreiben vom 22 Februar 1932 dahin ausgelegt worden ist daß mit ihm eine„schwere Brüskierung der größten deutschen evangelischen Kirche und ihrer obersten Verwaltungsbehörde“ beabsichtigt sei. Von allen grundsätzlichen Schwierigkeiten abgesehen. ist für den Staat wie auch für die Kirche die Rücksichtnahme auf die innere Bereitschaft der Lehrer von nicht zu unterschätzender Bedeutung, und es dürfte von einer Brüskierung der Kirche schon deshalb nicht zu reden sein, weil die den evangelischen Religionsunterricht erteilenden Lehrer doch selbst Glieder der evang. Kirche und. gerade an ihrer Bedeutung für das religiöse Erziehungswerk gemessen. nicht die geringsten sind. Ich bedauere es im Interesse der Verständigung deshalb außerordentlich, daß der Vorwurf der Brüskierung in die Oeffentlichkeit hinausgetragen worden ist, noch dazu nachdem ich gegenüber dem Vizevräsidenten des Oberkirchenrates in einer dieser Veröffentlichung unmittelbar voraufgegangenen Unterredung diesen Vorwurf eindentig als meine Absichten verkennend zurückgewiesen zu haben glaubte. Ich meinerseits werde mich jedenfalls nicht beirren lassen, mir eine weitere Klärung der grundsätzlichen Frage angelegen sein zu lassen und eine befriedigende Lösung vorzubereiten. Angesichts der Tatsache allerdings, daß von führenden evangelischen Theologen eine„klare Rechtslage“ behauvtet wird, muß ich vor Weiterführung der Verhandlungen zunächst feststellen, daß nach meiner Auffassung ein Rechtsauspruch der Kirche auf Einsichtnahme in den evangelischen Religionsunterricht nicht besteht.“ Hierzu wird von seiten des Obersten Kirchenrates eine Stellungnahme verbreitet in der betont wird, daß die Ausführung des Ministers an dem Tatbestand völlig vorübergehe. Der Minister suche die Dinge so darzustellen, als ob die Gründe für die völlige Absage der Verhandlungen in grundsätzlichen Schwierigkeiten gelegen hätten. Zu einem Durchdenken dieser Schwierigkeiten hätten die amtlichen Stellen aber 5 Jahre Zeit gehabt. Der Minister selbst habe die Dringlichkeit der Regelung anerkannt und sich auch mit den Vorschlägen der Kirchenleitung für die Neuregelung der kirchlichen Einsichtnahme in den Religionsunterricht sachlich einverstanden erklärt. Die Aufsicht über den Religionsunterricht sollte auch nach dem Willen der Kirche allein Sache des Staates sein, und es sollten hiermit evangelische Schulräte betraut werden. Wenn aber angesichts dieses Tatbestandes im letzten Augenblick eine Vertagung der Angelegenheit auf unbestimmte Zeit vorgenommen worden sei, so müßten hier andere Gründe ausschlaggebend gewesen sein durch welche die Angelegenheit auf das politische Gebiet hinübergetragen worden sei. Wetterbericht der Wetterwarte Essen In den Morgenstunden dunstig, abflauende südöstliche Winde, noch meist heiter, Temperaturen Kärker ansteigend als bisher. Polenwin Ganzig wirtschäftiicherorossein Die Danzig-polnischen Kontingentsverhandlungen gescheitert Unannehmbare Forderungen * Danzig, 1. März. Nach einer Mitteilung der Pressestelle des Senats sind die Kontingentsverhandlungen zwischen Danzig und Polen gescheitert, da die polnische Delegation trotz weitgehenden Entgegenkommens Danzigs unannehmbare Forderungen stellte, die darin gipselten, daß Danzig jedes Eigenrecht in bezug auf die Danziger Handels= und Industriekontin= gente aufgeben solle. Die polnische Dele#nation hatte weiter erklärt, daß sie im Falle der Ablehnung ihrer Forderungen weder die Kontrolle einschränken noch aufgeben würde und daß sie auch nicht das geringste Entgegen kommen zeigen werde bei der Frage der Warenrationalisierung. Nach diesen Erklärungen der polnischen Delegation hatte eine weitere Fortführung der Verhandlungen keinen Zweck mehr, und die Danziger Delegation meldete daher die für die Danziaer Wirtschaft notwendigen Kontingente an, die Polen nach den Verträgen als verbindlich anzuerkennen hat. Der Senat wird sich nunmehr erneut mit den notwendigen Maßnahmen beschäftigen. Memeler Mehrheitsparteien an Landesrat Himmat Brüning geht wieder nach Geuf * Genf. 1. März. Reichskanzler Brüning ist zu der am 3. März nach Genf einberufenen außerordentlichen Vollversammlung des Völkerbundes zur Behandlung des chinesisch=japanischen Konflikts als Führer der deutschen Delegation beim Völkerbundsekretariat angemeldet worden. Milde Handhabung der Presse=Notverordnung * Berlin, 1. März. Aus dem Reichsinnenministerium und der preußischen Staatsregierung wird mitgeteilt, daß Reichsregierung und Preußenregierung auf dem Standpunkt stehen, während des Wahlkampfes die Pressenotverordnungen möglichst milde zu handhaben. Allerdings ist man an zuständiger Stelle der Auffassung, daß bei verleumderischen Angriffen und verächtlichmachenden Aeußerungen aufs schärfste durchgegriffen werden muß. Goerdeler ordnet Einführung eines Markenregisters an * Berlin, 1. März. Amtlich wird mitgeteilt: Zur verstärkten Kontrolle der preisgebundenen Markenwaren hat der Reichskommissar für Preisüberwachung die Einführung eines Markenregisters angeordnet. Durch diese Markenreaister werden laufend nicht nur die Preise und Nettomengen bzw. Nettogewichte verfolgt, sondern auch vor allem die Entwicklung der Handelsspanne. Außerdem wird durch die neue Markenartikelverordnung nach einer allerdings längeren Uebergangsfrist angeordnet, daß Markenartikel den Aufdruck der Nettomenge oder des Nettogewichtes tragen. Synagogengesetz im Staatsrat angenommen * Berlin, 1. März. Im Preußischen Staatsrat wurde am Dienstag der Gesetzentwurf angenommen, der die Rechtsverhältnisse der Synagogengemeinden einer umfassenden Neuregelung unterzieht. Ferner wurde der Gesetzentwurf über das lastenfreie Kirchenpatronat genehmiat, wonach die Regelung des Rechts des lastenfreien Patronats der kirchlichen Selbstbestimmung überlassen wird.: Strafantrag Gröners gegen die Weltbühne * Berlin, 1. März. Gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Weltbühne, Karl von Ossietzki, der im vergangenen Jahre wegen Verrates militärischer Geheimnisse zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist vom Oberstaatsanwalt eine neue Anklage erhoben worden. In der Weltbühne erschien im August 1931 ein Artikel Tucholskis, in dem Soldaten als Mörder bezeichnet werden. Reichswehrminister Gröner erblickte in diesen Ausführungen eine schwere Verunalimpfung des Soldatenstandes und stellte Strafantrag gegen den verantwortlichen Schriftleiter. Der Prozeß dürfte demnächst vor dem Schöffengericht Charlottenburg stattfinden. Regierungsratsstelle für Hitler vom Braunschweigischen Landtag genehmigt * Brannschweig, 1. März. In der heutigen Haushaltberatung des Braunschweigischen Landtages wurde auch über die Regierungsratsstelle des Landeskultur= und Vermessungsamtes beraten, die als freie Stelle der Berliner Gesandtschaft zugeteilt und mit Adolf Hitler besetzt worden ist. Die Stelle wurde gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Abgeordneten genehmigt. Das Repräsentantenhaus muß über Prohibition abstimmen * Washington, 1. März. Im Repräsentantenhaus brachten die„nassen“ Abgeordneten die für einen Antrag auf namentliche Abstimmung über die Prohibitionsfrage erforderlichen 145 Unterschriften zusammen. Damit sind die Ausschüsse ausgeschaltet, die seit Annahme des Prohibitionsgesetzes alle Abstimmungsanträge über diese Frage selbständig verwarfen. Durchbrechung des Prohibitionsgesetzes in Rhode Island * Washington. 1. März. Der Gouverneur der amerikanischen Glied=Staaten Rhode Island hat ein Gesetz unterzeichnet durch das der Vertrieb von dreiprozentigem Bier im Staate Rhode Island erlaubt wird. Der gegen die Bundesverfassung verstoßende Schritt des Gouverneurs hat in Washington großes Aufsehen erregt. wirtschaftspartei und der Volkspartei waren heute zusammengetreten und haben nach der Sitzung dem vom Gouverneur zum Präsidenten des Memeldirektoriums ernannten Landesrat Simmat heute mittag das nachstehende Schreiben überreicht:„Sie haben in der Unterredung, die Sie gestern mit Vertretern der Mehrheitsparteien über die Ernennung der Landesdirektoren hatten, darauf bestanden, daß neben zwei Vertretern der Mehrheitsparteien(Waschkies und Luttkus) Laudesrat Tolischuß oder ein anderer Herr ihrer Wahl als Landesdirektor in das Direktorium eintritt. Sie haben dabei zum Ausdruck gebracht. daß bei einer Abstimmung im Direktorium bei Stimmengleichheit Sie mit Ihrer Stimme den Ausschlag gäben. Bei einer solchen Zusammensetzung des Direktoriums würde die Vertretung der Mehrheitsparteien bedeutungslos sein, da sie bei eintretenden Unstimmigkeiten überstimmt würde. Wir können ein solches Direktorium nicht als Direktorium ansehen, da es nicht nach parlamentarischen Grundsätzen gebildet wurde. Die Herren Waschkies und Luttkus haben uns erklärt, daß sie es ablehnen, in ein solches Direk torium einzutreten. Aus der ersten mit Ihnen geführten Rücksprache war noch nicht zu übersehen, ob eine Ausgleichung der Ansichten herbeizuführen möglich wäre. * Berlin, 1. März. Wegen der angeblichen Bestrebungen zur Errichtung von Spielbanken in den deutschen Bädern hat die deutschnationale Fraktion dem Landtag eine Kleine Anfrage vorgelegt. Darauf hat nunmehr der preußische Minister des Innern wie folgt geantwortet: Durch die Runderlasse vom 14. März 1927 und 13. Juni 1928 ist sämtlichen Polizeibehörden zur Pflicht gemacht worden, der Bekämpfung der unerlaubten Spielbetriebe in den Bade= und Kurorten erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken; die Landeskriminal= volizeistellen sind angewiesen, die Ortspolizeibehörden dabei in geeigneter Form zu unterstützen. Wenn trotzdem hier und da Glücksspiele betrieben worden sind, so liegt es an der Schwierigkeit, im Einzelfall festzustellen, ob es sich um ein Glücksspiel oder um ein Geschicklichkeitsspiel handelt, und an der uneinheitlichen Rechtsprechung. Die Errichtung von Spielbanken ist durch das Gesetz vom 1. Juli 1868(Reichsgesetzblatt Seite 367) verboten. Gegen eine Aenderung des Gesetzes habe ich mich wiederholt, auch vor kurzem noch gegenüber dem Reichsminister des Innern, ausgesprochen. Loeskes Verwandte abgewiesen Endgültige Entscheidung des Erbschaftsprozesses durch das Reichsgericht * Leipzig. 1. März. Unter Zurückweisung der Revision gegen die vom Kammergericht am 16. Mai vorigen Jahres gefällte Entscheidung hat das Reichsgericht endgültig die Nichtigkeitsklage der Verwandten Loeskes abgewiesen. Der im Oktober 1929 verstorbene Juwelier, Kunsthändler und Großkaufmann Robert Loeske hatte. wie erinnerlich, ein Vermögen von etwa 30 Millionen RM. hinterlassen und hatte unter Enterbung seiner Verwandten, mit denen er sich verseindet hatte, als Haupterben seinen Teilhaber, dessen Ehefrau und seine langjährige Lebensgefährtin eingesetzt. Dieses Testament war von einer Gruppe von Verwandten Loeskes angefochten worden. Die Anfechtung ist nun mit der Entscheidung des Reichsgerichts endgültig gescheitert. Stadt und Kreis Nochmalige Verlegung des Rehkemper-Konzertes Vom Vorstand der Konzertgesellschaft wird uns folgende Erklärung mit der Bitte um Veröffentlichung zugestellt: Kammersänger Heinrich Rehkemper teilte uns gestern telephonisch mit, daß er wegen umfangreicher Entlassungen an der Münchener Staatsoper seinen Urlaub plötzlich abbrechen mußte und trotz seiner Erkrankung singen muß. Eine Beurlaubung sei wegen dieser unvorherzusehenden Ereignisse ausgeschlossen. Außerdem sei es auch wegen seiner Indisposition wegen richttger. das Schwelmer Konzert nochmals zu verlegen. Da die Besetzung des Abends mit einem anderen Künstler für alle jetzt eine große Enttäuschung sein würde, sind wir seinem Wunsche nachgekommen und haben das Konzert nunmehr auf Sonntag. den 17. April, verlegt. Alle gelösten Karten, auch Schüler= und Vereins=Karten, behalten ihre Gültigkeit. Aus der Jugendpflege Schwelmer Musikgemeinde und Schuljugend. Diesmal war die Aula voll besetzt. Die Mädel und Jungen der oberen Volksschulklassen waren in Begleitung mehrerer Lehrer gekommen, um Franz Fürstenberg auf dem Klavier spielen zu hören. Man merkte gleich, daß es sich nicht nur um Unterhaltung und Ohrenschmaus handelte. Am Flügel stand der Pädagoge Fürstenberg, der in kindgemäßer Form die kleinen Zuhörer über die Beispiele des Glockenläutens. der Donnerstag=Straßenmusik und des Vogelgesanges zur Erkenntnis führte, daß Musik Freude. Ernst und Trauer ausdrücken kann. Dann folgten in der Gruppierung: Heitere Szenen, Ernste Szenen, Szenen aus der Tierwelt— in bunter Folge Schumann, Reiser, Tschaikowski, Hofmann, Brahms. Fürstenberg selber ließ zwei seiner innigen Lieder hören. Welchen Einflüssen ist das Kind außerhalb der Schule ausgesetzt in unserer Zeit die vor lauter Unruhe und Betrieb sich wenig Gedanken macht, daß ein Geschlecht heranwächst, dessen empfängliche Teele durch die Verwilderung unseres öffentlichen und Vergnügungslebens mit wenig schönen Bildern gefüllt wird? Dieses Geschlecht, dessen Miterzieher Kino und Schlager und politischer Radau sind. fällt nach der Schulzeit dem Gespenst der Arbeitslosigkeit in die Arme. Wir erklären unsere Krise in Permanenz. Es war eine Freude und eine Hoffnung, in der stillen Feierlichkeit unserer schönen Aula über 300 Schwelmer Kinder andächtig lauschen zu sehen, wie Schumanns„Kleiner Morgenwanderer“ und der Reiter" zu ihnen sprachen, sowie Tschaikowskis „Lerchensang" und Schuberts„Forelle“, und die schöne liebe Volksweise„Der Mond ist aufgegangen". Wie köstlich klangen das„Waldvögelein“ von Hofmann und die Lieder, von Willi Bülhoff sein gesungen! Die Kleinen spendeten herzlichen Beifall, was um so erfreulicher war, als die meisten vorläufig wohl sich in den„Schlagerliedern" besser auskennen. Die anwesenden Lehrer und eine Lehrerin hatten nach dem Konzert eine kurze Besprechung mit den Künstlern, in der der Wille zum Ansdruck kam, nach dem wohlgelungenen ersten Versuch diese musikalischen Schulveranstaltungen fortzusetzen, sie planmäßig zu gestalten. In Zukunft sollen die jungen Zuhörer nach gewissen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Der musikalische Stoff soll vor dem Konzert vorbereitet werden. Damit die Kinder auch ihre Komponisten kennen lernen, sollen sie jedes ein Programm erhalten, das auch die Liedertexte aufweisen wird. Wie die Niarer=uteone geprast warden Direktor Schmitt stark belastet * Berlin, 1. März. In der heutigen Sitzung des Sklarek=Prozesses wurde der Revisor der Stadtbank, Oberinspektor Fabian, gehört. Die Vernehmung des Zeugen gestaltete sich zeitweise zu einem Revisorenkongreß, denn neben Fabian wurden die Revisoren, Rechnungsdirektor Neumann, Stadtamtmann Randczus, Direktor Schröder und Stadtamtmann Hoge zu den Erörterungen hinzugezogen. Als Direktor Schmitt nun den Revisoren den Vorwurf machte, daß sie nicht genügend geprüft hätten, gab es einen stürmischen Auftritt. Rechnungsdirektor Neumann erwiderte Schmitt in großer Erregung:„Wenn wir Revisoren den Sklarek=Kredit prüfen wollten, haben wir jedesmal von den Direktoren einen Anschnauzer gekriegt. Sie wußten doch damals bereits, daß der ganze Sklarek=Kredit nur noch auf dem blinden Vertrauen zu den Sklareks beruhte, und da haben Sie nicht etwa zu uns gesagt:„Prüfen Sie ordentlich nach“, sondern haben den Kredit um eine Million erhöht. Ich muß es mit aller Entschiedenheit zurückweisen, daß Sie jetzt den Revisoren vorwerfen, sie hätten ihre Pflicht vernachlässigt.“ Direktor Schmitt und sein Verteidiger verwahrten sich gegen diesen Angriff des Zeugen. Zeuge Fabian schilderte dann, daß Hoffmann, nachdem man auch Unregelmäßigkeiten bei den. Bezirksamt Prenzlauer Berg festgestellt hatte, einen Bericht mit allen Einzelheiten erstattete, wobei betont wurde, daß man die Firma Sklarek, wenn auch nicht ihre Inhaber, im Verdacht hatte. „Hoffmann sagte uns“, so bekundete der Zeuge, haben Sie sich das auch alles genau überlegt, denn wenn wir einen Fehlgriff machen, gibt es eine Mordsschweinerei“. Fabian fertigte dann einen schriftlichen Bericht über das bisher Festgestellte an, und er bezeichnete es als unerklärlich, wie Direktor Schmitt diesen Bericht unverständlich finden könne. Fabian sollte dann eine Unterredung mit dem Bürgermeister Stritte vom Bezirksamt Spandau haben. Durch Rechnungsdirektor Neumann ließ Direktor Schmitt Fabian dienstlich verbieten, mit Bürgermeister Stritte zu sprechen. Neumann gab Fabian aber den Wink, daß er orivatim mit Stritte sprechen könne, was er auch jat. Durch dieses„Privatgespräch“ wurde dann ein Bericht des Bürgermeisters Stritte an den Kämmerer Lange und Bürgermeister Scholtz veranlaßt und Obermagistratsrat Brandes mit weiteren Prüfungen beauftragt. Auch in diesem Stadium versuchte noch Schmitt zu hemmen. Er verbot nämlich Fabian, vor Obermagistratsrat Brandes auszusagen, und dieser mußte sich erst mit Schmitt energisch in Verbindung setzen, um die Aufhebung dieses Schweigegebots zu erreichen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung hielt Leo Sklarek Schröder vor, daß die Stadtbaukdirektoren sogar auf das noch gar nicht gegründete„Kaufhaus Gebrüder Sklarek", das nur auf Papier stand, einen Kredit von 1 Million bewilligt hatten. Er rief: „Max muß doch direkt irrsinnig gewesen sein, entweder waren bei der Stadtbank alles Idioten oder ganz große Betrüger.“ Während sich das Gericht mit der Vernehmung weiterer Zeugen besaßte, meinte Leo Sklarek: „Die Beweisaufnahme könnte doch überhaupt geschlossen werden. Mehr kommt doch nicht heraus, es kostet doch bloß Nerven. Sie, Herr Vorsitzender, wissen ja bereits genug.“ Vors.:„Sehr richtig Mir genügt es vollkommen. Vielleicht kann wirklich auf die weitere Beweisaufnahme verzichtet werden.“ Rechtsanwalt Bahn meinte aber, daß mit Rücksicht auf die Angeklagten Stadtbankdirektoren weiter verhandelt werden müsse. Leo Sklarek selbst setzte sich für die Verteidigung des Stadtbankdirektors Schröder ein. Bei dieser Gelegenheit kam es zu einem heftigen Zusammenstoß mit Stadtbankdirektor Hoffmann als Leo Sklarek meinte:„Schröder ist ein anständiger Mensch und nicht so ein Schneemann wie Hoffmann.“ Hoffmann sprang empört auf und rief: „Sie bekommen gleich eine, Ohrseige von mir.“ worauf Leo entgegnete:„Und dann kriegen Sie ein paar von mir zurück.“— Ich kann nur erklären, daß Schröder gegen Hoffmann ein Stecknadelknopf ist.“ Das Gericht zog sich hierauf zurück, um zu der Frage der Verteidigung Stellung zu nehmen, und verkündete dann den Beschluß, Direktor Schröder und den Stadtamtmann Hoge unvereidigt zu lassen, während die anderen Stadtbankbeamten den Eid leisteten.— Die Verhandlung wurde dann auf Mittwoch 9 Uhr vertagt. Memel, 1. März. Die Fraktion der LandKarze Tagesneuiglenen Es bleibt beim Verbot von Spielbanken — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. An den Sonntag=Nachmittagen gibt es immer eine Kindervorstellung im Kino. Die Kinder strömen dahin. Auch bei schönstem Sonnenschein! Ich weiß nicht, wie weit und ob überhaupt die Jugenderzieher an der Gestaltung des Filmprogramms beteiligt sind. Aber wir sollten nicht dem Film allein überlassen, den Kindern ihren Sonntag zu gestalten. Ich habe in einer Landschule in der Nähe von Schwelm erlebt, wie die Schulkinder in köstlichen Improvisationen ihre Altersgenossen und ihre Eltern herzerfreuende Unterhaltung boten. Wieviel Kinder spielen Klavier Geige, Mundharmonika, wievtele pflegen das KasperleTheater. Stoff genug, um fröhliche Stunden zu bereiten! Hier liegt eine schöne Aufgabe vor für die Lehrer und Jugendhelfer unserer Stadt. F. St. A. Der Kreistriegerverband zur Präsidentevwahl Die gestrige Veröffentlichung des KavallerieVereins Schwelm ist geeignet, ein falsches Bild von der Stimmung des Kreiskriegerverbandes zu geben und stellt eine Eigenmächtigkeit dar, die vom Vorstande des Kreiskriegerverbandes nicht gut geheißen wird. Um über die Stellung des Kreiskriegerverbandes zur Präsidentenwahl unter den einzelnen Mitgliedern und der Oeffentlichkeit bein Mißverständnis aufkommen zu lassen, saßte der Verband der Krieger= und Landwehrvereine des Kreises Schwelm in der Vorstandssitzung vom 28. Februar 1932 folgende Entschließung: In dem Erlaß des Präsidenten des Reichskriegerbundes Kyffhäuser, des Generals der Artillerie a. D. v. Horn erblicken wir den Ausfluß seines soldatischen Treuempfindens gegenüber der verehrungswürdigen Person unseres Ehrenpräsidenten, des Reichspräsidenten v. Hindenburg. Da aber eine Volkskandidatur gescheitert und die Wahl des Reichspräsidenten zu einer politischen Machtfrage geworden ist, müssen wir betonen, daß die parteipolitische Neutralität des Bundes unbedingt gewahrt bleiben muß. Wenn der Geist der Kameradschaft, auf dem der Bund aufgebaut ist, nicht aufs schwerste gefährdet werden soll kann die Frage der Reichspräsidentenwahl in den Kriegervereinen nicht behandelt werden. Die Stellungnahme zur Wahl soll und muß jedem einzelnen Kameraden nach bestem Wissen und Gewissen und nach pflichtgemäßer Prüfung überlassen bleiben. Der Vorstand des Verbandes der Krieger= und Landwehrvereine des Kreises Schwelm. Polikische Mohrenwäsche um Oeltinahaus In einem längeren Artikel der Volksstimme wird über das Ergebnis der Untersuchungskommission der Gevelsberger Metallarbeiter in Sachen Oettinghaus allerlei mitgeteilt. Zuerst werden wieder die bekannten Ueberweisungen an die Schuhgenossenschaft Solidarität an Hand der Spar kassen= und Scheckbücher eingehend behandelt. Dann wird weiter festgestellt, daß die Geschäftsführung im Schwelmer Gewerkschaftshaus sehr leichtsinnig und oberflächlich war. Der Revisor Hosenthien schreibt u. a., daß nach Angabe des Wirtes 75 Liter Kognak vorhanden seien. es sehlten aber wenigstens 60 Liter. Es gab Monate in denen für die verkauften Speisen 1000 M. mehr ausgegeben wurden. als nachher beim Verkauf einkamen. Infolge dieser Zustände sind bei vorsichtiger Bilanzaufnahme 60000 Mark Verlust bis Ende 1930 zu verzeichnen. Der Untersuchungsausschuß stellt fest, daß Oettinahaus nie um Enthebung des Postens als Geschäftsführer des Märkischen Hofes nachgesucht hat. Nachweisbar erfuhr die Ortsverwaltung erstmalig in einer Sitzung am 22. Januar 1931 von diesen Dingen. Darauf wurde Oettinahaus vom Hauptvorstand von der Geschäftsführung des Märkischen Hofes entbunden. Bei der Uebernahme des Märkischen Hofes im Oktober 1928 schrieb die Volksstimme u. a.:„Es soll ein wahres Volkshaus im besten Sinne des Wortes werden. Die organisierte Arbeiterschaft Schwelms aber hat mit der Erwerbung des Mär kischen Hofes ein Heim bekommen, auf das sie stolz sein kann. Sie wird den guten Ruf der alten Gaststätte als„führendes Haus am Platze" wahren und erhalten und es gestalten zu dem Heim der zukünftigen führenden Gesellschaftsklasse. Allen Neidern zum Trotz. doch zur Freude und Befriedigung ihrer Mitkämpfer und Freunde.“ In den ersten beiden Jahren sind die Dinge nach dem Bericht des gleichen Blattes allerdings wesentlich anders gelaufen und die„organisierte Arbeiterschaft“ wird sich bedanken, auf ein so geführtes„führendes Haus“ stolz zu sein! sers hat diese Höhle in dem großen Massenkaltgebiet des nördlichen Sauerlandes entstehen lassen. Dieser Massenkalk ist ein altes Korallenriff, das vor Millionen von Jahren sich hier bildete, als Deutschland noch tropisches Klima besaß und zum größten Teil von Wasser bedeckt war. Unter den nahezu hundert Höhlen, die in Westfalen bekannt sind, ist die Kluterthöhle die größte und weitverzweigteste. Wie sie entstanden ist und was sie uns geologisch und kulturhistorisch zu sagen hat, das werden wir am Freitag nachmittag unter sachkundiger Führung erfahren. Trefspunkt und Abmarsch nach Milspe am Altmarkt um 2 Uhr. Es wird gebeten. Taschenlampen, nach Möglichkeit Karbidlaternen mitzubringen. :: Die Lebenshaltungskosten im Februar. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und„sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Februar 1932 auf 122,3 gegenüber 124,5 im Vormonat; der Rückgang beträgt somit 1,8 Prozent. An dem Rückgang sind sämtliche Bedarfsgruppen, außer der Wohnung, deren Inderziffer mit 121,5 unverändert geblieben ist, beteiligt. Es sind zurückgegangen: Die Indexziffer für Ernährung um 9 Prozent auf 113.9, für Heizung und Beleuchtung um 2,4 Prozent auf 137,0, für Bekleidung um 3,0 Prozent auf 120,2 und für„sonstigen Bedarf“ um 2,2 Prozent auf 167,3. * Branntweinverbot am 12. und 13. März. Wie der„Amtliche Preußische Pressedienst“ mitteilt, wird in der nächsten Nummer der Preußischen Geetzsammlung eine Verordnung des Ministers des Innern veröffentlicht, wonach anläßlich der Reichsbräsidentenwahl der Ausschank von Branntwein ind der Kleinhandel mit Trinkbranntwein am Samstag, dem 12. 3. und Sonntag, dem 13. März, is zur Polizeistunde verboten ist. Zuwiderhandungen werden mit Haft und mit Geldstrafe bis zu 50 RM. oder mit einer dieser Strafen bestraft. * Die Kreiswahlleiter für Westfalen. Wie wir erfahren, hat der Oberpräsident in Münster für die bevorstehende Reichspräsidentenwahl den Oberbürgermeister von Münster, Dr. Sperlich, zum Kreiswahlleiter für den Wahlkreis 17(WestfalenNond) und zu seinem Stellvertreter den Beigeordneten Dr. Fulda in Münster ernannt.— Wahl kreisleiter für Westfalen=Süd ist Oberbürgermeister Dr. Eichhoff in Dortmund. * Wegen des Baues einer neuen Antenne win der Großsender Langenberg voraussichtlich am 3 und 4. März je bis 16 Uhr außer Betrieb sein. (=) Aus dem Polizeibericht. Ein falsches Einmarkstück wurde von der Polizei beschlagnahmt.— Zwei Hausbesitzer haben die Straße vor ihrem Hause nicht reinigen lassen.— Drei Kraftwagenführer vergingen sich gegen die Verkehrsvorschriften. Preußisch-Süddeutsche Lotterie In der Vormittagsziehung am Dienstag wurden folgende Gewinne gezogen(ohne Gewähr): 2 Gewinne zu je 10000 M. 154974. 4 Gewinne zu je 5000 M. 264299. 274 328. Nachmittagsziehung: 6 Gewinne zu je 5000 M. 73.457, 290 684, 342378. 18 Gewinne zu je 3000 M. 66.508, 90 403, 156078. 237 547, 263 067, 291 710, 309 778, 365 571 279272. 34 Geminne zu je 2000 M. 15873, 133335 165 458, 181 368, 184 826., 185 771, 199 603, 206 287, 224683, 254 399, 259 898, 293 023, 310 212, 315 768, 821 547, 333 861, 308 034. Schwelm, 2. März. : Ausstellung von künstlerischen Arbeiten in gendlicher Erwerbsloser. Mit Rücksicht auf die am 13. stattfindenden Wahlen wird die Ausstellung schon am kommenden Samstag sowie Sonntag 5. und 6. März, stattfinden. = Naturwissenschaftliche Vorträge und Exkur konen für Arbeitslose und Jugendliche. Am Frei tag nachmittag unternehmen die Studienreferen dare Dr. Sämer und Hünerhoff eine Exkursion in die Kluterthöhle bei Milspe. Die durch Jahrtau sende hindurch währende Sickertätigkeit des Was Werte. Der Einbruch wurde von dem früheren Fabrikmeister der Firma, welcher ein Fenster der Räume offen vorfand, entdeckt. Die bisherigen Ermittlungen der Polizei waren erfolglos. Gevelsberg, 2. März. * Grabschändung. Gestohlen wurden vor einigen Tagen auf einem hiesigen Friedhof von einem Grabhügel, in der der Beerdigung folgenden Nacht, etwa 10 Kränze. Kränze mit lebenden Blumen oder besonders ins Auge springende ließ man liegen. Als Dieb kommt nur jemand in Frage, der die Kränze, so wie sie sind, oder umgearbeitet, wieder in den Handel bringt, vielleicht in anderen Orten. Durch dieses pietätlose und schmutzige Gebaren wird zugleich der Kranzhandel geschädigt. Anzeige bei der Polizei ist erstattet. Hoffentlich gelingt es, den Grabschänder der verdienten exemplarischen Strafe zuzuführen. * Willi Störring, der beliebte und bekannte Tenor von der Ennepestraße singt am 6. März an der Staatsoper in Berlin und zwar den Radames in „Aida“. Haßlinghausen, 2. März. * Eine Wahlkundgebung unter der Parole „Duesterberg“ findet am Donnerstag abend im Saale Jansen statt. Veranstalter ist der schwarzweiß=rote Kampfblock. Auf der Kundgebung wird die Kreiskapelle des Stahlhelm, Kreis Schwelm, mitwirken. + Reichspräsidentenwahl. Die Stimmlisten liegen vom 3. bis 6. März zu jedermanns Einsicht aus und zwar in Haßlinghausen im Amtshaus(Zimmer 2), am 3. und 4. März 1932: vormittags 11—1 Uhr und nachmittags 4—6½ Uhr, am 5. und 6. März 1932: vormittags 11—1 Uhr; in Gennebreck, Linderhausen und Hiddinghausen I: bei den Gemeindevorstehern an sämtlichen Tagen: vormittags von 11 bis 12 Uhr und nachmittags von 5 bis 6 Uhr. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß auf Grund neu aufgestellter Stimmlisten neue Wahlausweise ausgestellt worden sind, welche bis zum 3. ds. Mts. zur Verteilung kommen werden. Wer nicht in den Besitz eines solchen Wahlausweises gelangt ist, dem wird drinsend empfohlen, die Stimmlisten einzusehen. * Seinen 80. Geburtstag konnte gestern der Inzalide Abraham Wallbruch von hier, Flockenhause 750 feiern. Dem Jubilar unsern Glückwunsch. Milspe, 2. März. (=) Die Stimmlisten für die Reichspräsidentenwahl liegen vom 3. bis einschließlich 6. März zur Einsicht aus. Die näheren Einzelheiten gehen aus der heutigen amtlichen Bekanntmachung hervor. Voerde, 2. März. : Einbruchsdiebstahl. Diebe drangen nachts in die Kontorräume der früheren Firma Spannagel u Sievers, Wilhelmstraße ein. Durch Zertrümmern einer Fensterscheibe verschafften sie sich Einlaß. Sie entwendeten aus den Räumen mehrere Uhren und sonstige Gegenstände von größerem Sprockhövel, 2. März. * Einbruchsdiebstahl. Aus dem Herrn Rudolf Eggermann gehörigen Wochenendhaus an der Witteuer Straße wurde das Bettzeug gestohlen. Auch an dem Wochenendhaus an der Tütersburg wurden vor einiger Zeit die Fensterscheiben zertrümmert und die Räume von Dieben durchsucht. Da hier mit Beginn des Winters alles Mitnehmbare ins Wohnhaus geschafft worden war, mußten die Einbrecher ohne Beute abziehen. * Die Amtsvertretung tritt heute, Mittwoch, nachmittags 5,15 Uhr, zu einer Sitzung im Sitzungszimmer der Turnhalle in Niedersprockhövel zusammen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Abnahme der Rechnung der Rektoratschulklasse für das Rechnungsjahr 1930; 2. Abnahme der Amtskassenrechnung für das Rechnungsjahr 1930; 3. Beschlußfassung über die Auflösung der Amtsrektoratschule; 4. Vertrauliche Sitzung. Die Holländer und das Sauerland * Düsseldorf, 1. Febr. Das Sauerland muß Sommer wie Winter, vor allem aber auch für die Zwischensaison, für Frühjahr und Herbst, mit den Gästen aus Holland rechnen. Der Holländer liebt das Bergland mit den Tannen= und Buchenwäldern, weil es ihm ganz neue Eindrücke vermittelt, so ganz andere, als die seiner holländischen Heimat. Im letzten Jahre sah man im Winterberger Gebiet sehr viele Holländer. Der Gast aus den Niederlanden bleibt im Gegensatz zu dem deutschen Wintergast auch dann im Sauerland, wenn der Schnee fehlt oder nicht ausreicht, um den Skilauf zu üben. Man hat es oft genug erlebt, und sieht es in diesem Winter wieder, daß der Deutsche nur des Wintersports wegen oder der Schneelandschaft zuliebe ins Sauerland fährt. Die Sauerländer sind deshalb um den Holländerbesuch sehr bemüht. Diese Bemühungen werden durch die benachbarte Großstadt Düsseldorf tatkräftig unterstützt. Man hat inzwischen Besprechungen in Holland wie auch in Düsseldorf abgehalten und Pauschalreisen ausgearbeitet, die die Holländer gerade dann über den Ausgangspunkt Düsseldorf ins Sauerland führen, wenn der Hochbetrieb der deutschen Skiläufer abflaut, wenn sich die Holländer dem ungestörten Genuß des reizvollen Sauerlandes hingeben können. Zum nächsten Wochenende können sie dann wieder über Düsseldorf in ihre Heimat zurückreisen. So verbinden diese neuen Pauschalreisen von einem Wochenende zum anderen, die in den holländischen Reisebüros aufgelegt werden, das Angenehme mit der Erholung im winterlichen Bergland. Es wird eine abwechslungsreiche und tiefgehende Erholung für wenig Geld geboten. Der Gedanke hat außerordentlich großen Anklang gefunden, schon aus dem Grunde, weil die Reise in einem Tage von Amsterdam oder Rotterdam aus bis ins Sauerland zu anstrengend ist. Das ist ja auch der Grund, weshalb beispielsweise die Wintersportreisen der westdeutschen Skiläufer ins Hochgebirge gern mit einer Uebernachtung in München unterbrochen wird. pu. Hagen=Vorhalle, 2. März.(Tödlich verlaufener Verkehrsunfall.) Allen in Erinnerung ist noch das schwere Verkehrsunglück am Tage des Hohensyburgrennens auf der Hauptstraße Hagen=Herdecke, an der Wegeeinmündung nach Vorhalle, wobei der Lehrling Egon Wintersohle ums Leben gekommen ist. Am genannten Tage, 13. September 1931, hatte der Händler Karl H. aus Hagen nach Herdecke Eis geliefert und befand sich gegen 6,30 Uhr auf dem Heimwege nach Hagen. Als H. auf der Hauptstraße kurz vor der Straße nach Vorhalle war, kam von Vorhalle der Lehrling Egon Wintersohle auf einem Motorrad, auf dem Soziussitz saß sein Neffe, der 12jährige Schüler Schröder. Wie H. selbst zugibt, sah er den Motoradfahrer bereits in einer Entfernung von 40 Metern, er verminderte aber seine Geschwindigkeit nicht, da er, weil er sich auf der Hauptstraße befand, das Vorfahrrecht für sich in Anspruch nahm. Gleichzeitig kam aber aus Richtung Hagen ein Personenwagen. der von Frau Stefanie Östermann gesteuert wurde. Diese sah auch den Motorradfahrer und stoppte ihren Wagen ab und wollte den Motoraadfahrer vorbeilassen. Wintersohle versuche nun im großen Bogen in die Hauptstraße einzubiegen, H. hatte wohl mit einer kleineren Kurve gerechnet und warf seinen Wagen nach links und so war der Zusammenstoß mit dem Motorrad unvermeidlich. Mit voller Wucht wurde das Rad gegen den Wagen der Frau Ostermann, die ihren Wagen inzwischen zum Halten gebracht hatte, geworfen. Wintersohle kam unter den Lieserwagen zu liegen und verstarb, der 12jährige Schröder lag zwischen Motorrad und Auto eingequetscht und schwer verletzt, zwei Oberschenkelbrüche, Kopf= und Armverletzungen. Auch die Insassen des Personenwagens erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Frau Östermann erlitt einige Schnittwunden und Quetschungen, Frau Urlaub. Dortmund, einen doppelten Beinbruch. Das Gericht kam zu der Auffassung, daß sowohl der Motorradfahrer, wie auch der Angeklagte H. Schuld an dem Unglück trage. Wintersohle habe zweifellos die Verkehrsvorschriften nicht genügend beachtet und H. hätte, trotzdem ihm das Vorfahrrecht zustand, jedenfalls die Geschwindigkeit vermindern müssen. Er erhielt wegen gefährlicher Körperverletzung 2 Monate Gefängnis. * Dortmund, 1. März.(Krawall bei der Festnahme eines Einbrechers.) Drei Kriminaibeamte wollten in einem Lokal einen Einbrecher festnehmen. Ein Bruder des Festzunehmenden mischte sich ein und griff die Beamten tätlich an. Diesen Augenblick benntzte der Einbrecher, um zu flüchten. Ein Kriminalbeamter verfolgte ihn und aab. als er mehrfache Aufforderungen, stehenzubleiben. nicht beachtete, einen Schuß ab. durch den der Fliehende am Oberschenkel verletzt wurde. Inzwischen hatten sich mehrere Personen angesammelt, die die Kriminalbeamten angriffen. Schutzpolizeibeamte drängten schließlich mit Hilfe des Gummiknüppels die Angreifer ab. * R e c k l i n g h a u s e n, 1. M ä r z.( V e r u n t r e u u n gen bei einem Knappschaftskranken= haus.) Bei der Hauptverwaltung der Knaopschaft in Bochum entstand vor einiger Zeit der Verdacht, daß bei der Verwaltung des Knappschaftskrankenhauses in Recklinghausen gewisse Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Es stellte sich schließlich heraus, daß der Täter unbedingt im Getränkelager zu suchen sein mußte. Ein schneller Zugriff bestätigte die Richtigkeit dieser Vermutung. Es handelte sich um einen Angestellten. der durch geschickte Urkundenfälschungen sich das ihm anvertraute Warenlager persönlich zu Nutzen machte und für Patienten bestimmte Sachen, wie Bier, Selterswasser usw. für sich verbrauchte. Die weiteren Ermittlungen ergaben, daß ein Abtei lungsvorsteher, der die Revision über das Getränkelager ausüben sollte, mit in die Angelegenheit verwickelt war. Dieser hat dem Lager Schnaps, Bier u. a. m. entnommen und getrunken, ohne an Bezahlung zu denken. Der Abteilungsvorsteher wurde sofort fristlos entlassen. Er hat einen Vergiftungsversuch unternommen und liegt schwerkrank darnieder. Die Höhe der veruntreuten Summe beläuft sich vorläufig auf etwa 1000 Mark. * Wuppertal, 1. März.(Die Wuppertaler Sparkassenangelegenheit.) Bekanntlich hatte die Stadtverwaltung beschlossen, aus Anlaß gewisser Fehler, die in der Leitung der Barmer Sparkasse vorgekommen waren, dem Direktor Kraus nahezulegen, seine Pensionierung zu beantragen. Inzwischen hat sich jedoch darin eine Schwierigkeit insofern ergeben, als die Pensionierung nicht erfolgen kann, weil Kraus noch arbeitsfähig ist und die Vorkommnisse nicht so schwerwiegend sind, daß eine Pensionierung erzwungen werden kann. Um jedoch die Angelegenheit zu bereinigen, wird die Verwaltung den Direktor Kraus an anderer Stelle in der Verwaltung beschäftigen. Der Personalausschuß hat heute abend auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen, die Stelle des Leiters der Sparkasse Barmen auszuschreiben. * Wuppertal, 1. März.(Der Fehlbetrag steigt weiter.) Nach der Fertigstellung des Etatsvoranschlages für 1932 haben sich im Laufe der Beratungen im Hauptausschuß und durch seinerzeit nicht mit Bestimmtheit vorauszusehende Veränderungen in den Verpflichtungen der Stadt erinnert sei hierbei an den erst vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Erlaß der Befönderungssteuer— verschiedene Aenderungen ergeben, die in der Endsumme eine Mehrbelastung von rund 525 500 Mark zur Folge haben. Der ursprünglich mit 14928000 Mark festgestellte Fehlbetrag im Etatsentwurf 1932 erhöht sich damit auf 15 453 500 Mark. In der Hauptsache ist hieran die Provinzialabgabe beteiligt, die ursprünglich mit 775.000 Mark angesetzt war. für die aber voraussichtlich 200000 Mark benötigt werden, das ist ein Mehr von 425000 Mark. Mit 80000 Mark sind an dem höheren Defizit die Volksschulen beteiligt, für die nach den neuen Feststellungen als Beitrag an die Landesschulklasse statt der im Etat vorgesehenen 3 875000 Mark 3955000 Mark gezahlt werden müssen. Die durch Grunderwerb erwachsenen Verpflichtungen Wupvertals für den Schulden= und Tilgungsdienst erhöhen sich um rund 51000 Mark, ferner kommen als namhafter Betrag noch für die Baupolizei 11 700 Mark hinzu. Geringer geworden sind vor allen Dingen. wie oben bereits angedeutet, die Steuern und Abgaben der Barmer Straßenbahn mit 21000 Mark. der Zuschuß zur Lehrerkrankenkasse mit 10000 Mark und schließlich tritt eine fühlbare Erleichterung durch eine Heraufsetzung der Kanalbenutzungsgebühren ein. * Radevormwald, 1. März.(Noch glimpflich verlaufene Gasvergiftung.) Glück im Unglück hatte hier ein etwa 18jähriges Mädchen beim Baden. Infolge des Sturmes war die Gasflamme an dem Badeofen ausgeblasen worden. Durch das ausströmende Gas wurde das Mädchen betäubt. Zum Glück wurde das Unglück rechtzeitig bemerkt, so daß sich das Mädchen nach ärztlicher Behandlung schnell wieder erholen konnte. * Neviges, 1. März.(Attentat auf den Baurat von Neviges.) Die Pressestelle beim Polizeipräsidium Wuppertal teilt mit: Gestern abend gegen 920 Uhr wurden auf die Wohnung des Beigeordneten Prahl in Neviges fünf Schüsse abgeseuert. Vier Geschosse schlugen gegen die Wand, das fünfte durchschlug ein Fenster des Wohnzimmers und drang in die Decke. Verletzt wurde niemand. Der Beigeordnete war nicht in der Wohnung anwesend. Vor der Wohnung wurden fünf Patronenhülsen, Kaliber 765, gefunden. Aller Wahrscheinlichkeit nach kommen als Täter zwei junge Burschen im Alter von 19 und 21 Jahren in Frage, die kurz vor der Tat in der Nähe der Wohnung des Beigeordneten beobachtet wurden. Wegen der Dunkelheit kann eine genaue Beschreibung nicht gegeben werden. Es wurde jedoch festgestellt, daß die Burschen abgetragene Kleidung, Schlägermütze und auffallend schmutzige Schuhe trugen. * Ohligs, 1. März.(Dem Falschen indie Hände gelaufen.— 255000 Mark Geldstrafe für zwei Schmuggler.) Vor wenigen Wochen meldeten wir, daß mehrere Schmugaler von einem Zollbeamten aus Düsseldorf erheblich gevrellt worden sind. Einer dieser Schmuagler wohnte in Ohligs. der andere in Aachen. Au der holländischen Grenze trafen die beiden bei ihren Zügen einen freundlichen Mann, der ihnen den Rat gab. sich zunächst recht viel Schmuggelware an einem sicheren Platz zu verstecken und dann erst für den Absatz zu sorgen. Die Schmugaler mieteten nun in Ohligs unter einem Vorwand eine Garage, stellten dort ihr Auto ein und woll ten sich dann an die Abbeförderung der Ware aus dem Auto nach Wuvvertal begeben. Nun stellte sich aber der„gute Freund“ ein entpuppte sich als Zollbeamter und sorgte dafür, daß die ganze Ladung, meist Rauchwaren nach Düsseldorf kam. Am Montag wurde vom Erweiterten Schüffengericht Solingen der Aachener zu einer Geldstrafe von 80000 Mark und sechs Wochen Gesängnis verurteilt. der Ohligser zu 175000 Mark Geldstrafe. Der Aachener kann die Geldstrafe mit einem Tag für jc 300 Mark Geldstrafe verbüßen, der Obliaser mit je 500 Mark für einen Taa. Die Vermicterin der Garage wurde freigesprochen. * Köln. 1. März.(Falscher Postschaffner in Uniform erbeutet einen Postsack.) An der Hohenzollernbrücke lieferte ein Postschaffner einem Straßenbahnschaffner einen Postsack aus der für das Postamt in Riehl bestimmt war. An der nächsten Straßenecke kam atemlos ein anderer Postschaffner in Uniform und erklärte, daß ein Irrtum vorliege. Er überaab dem Fahrer einen anderen Postsack und ließ sich den vorher abgelieferten Postsack aushändigen. In Riehl mußte man feststellen, daß man einem Betrüger 5 in die Hände gefallen war; denn der Sack enthiel! nur alte Papierreste. Wie es der Zufall wollte, enthielt der Postsack diesmal keine Wertbriese, so daß der Gauner eine Beute gemacht hat, mit der er nichts anfangen kann. Die Postüberwachungsstelle hat sofort die Ermittlungen ausgenommen, um den Betrüger, der mit den Verhättnissen sehr vertraut sein muß, zu ermitteln. * Köln, 1. März.(Deutsches Sängerbundesfest noch nicht gesichert?) Durch den Beschluß verschiedner Gesangvereine, ihre Beteiligung an dem 11. Deutschen Säugerbundesfest in Frankfurt a. M. wegen der wirtschaftlichen Notlage ihrer Mitglieder abzusagen, ist vielfach Unsicherheit darüber entstanden ob das Fest überhaupt vor sich gehen wird. Diese Ungewißheit ist namentlich durch die Tatsache, daß der Kölner Männergesangverein und weitere Vereine aus Rheinland und Westfalen ihre Anmeldung zurückgezogen haben, noch gesteigert worden. Demgegenüber wird von zuständiger Seite erklärt, daß die Zahl der einlaufenden Zusagen ständig wächst. In den letzten Tagen noch hat sich der Sängertag des Zwickauer Gau=Sängerbundes der dem Sächsischen Sängerbund angehört einmütig für die Abhaltung des 11. Deutschen Sängerbundesfestes in Frankfurt a. M. ausgesprochen und den Beschluß gefaßt, gegen alle Bestrebungen, das Fest zu verschieben, energisch Protest einzulegen. Nach wie vor besteht lie Hoffnung, daß das Sängerbundesfest abgehalten werden kann; allerdings in einem den heutigen Wirtschaftsverhältnissen entsprechenden Rahmen. Es muß aber immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die endgültige Entscheidung über das Frankfurter Sängerbundesfest auf dem Sängerbundestag im März in Mainz fällt. Wirtschaft, Handel und Industrie Berliner Produktenbörse * Berlin, 1. März. Weizen, märk. 244—246, Roggen, märk. 193—195, Gerste: Braugerste 178 bis 185, Futter= und Industriegerste 167—172, Haser, märk. 149—156, Weizenmehl 31,25—34,75, Roggenmehl 27,90—28,50, Weizenkleie 10,25—10,50, Roggenkleie 9,85—10,25, Viktoriaerbsen 20—27, kleine Speiseerbsen 21—23,50 Futtererbsen 15—17, Peluschken 16,50—18,50, Ackerbohnen 15—17, Wicken Ostasienflieger Bertram zu einem neuen Fluge nach China gestartet. Der bekannte Ostastenflieger Bertram(rechts) ist mit seinem Wasserflugzeug(links) zu einem neuen Flug gestartet. Der Abflug erfolgte auf dem Rhein vor dem Kölner Ausstellungsgelände(im Hintergrund), als Ziel der Reise ist China vorgesehen. 16—19.50, Lupinen, blaue 11—12, gelbe 15—17, Seradella 32—36, Leinkuchen 12,20—12,40, Trocken= schnitzel 8,20, Soyatschrot 12,30—12,40, Kartoffelslocken 15,10—15,60. Rudlische Bahlen Wapperial Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt. Neustraße Barmen Donnerstag, 3. März, 8 bis 10,30 Uhr: Gastspiel William Schirmer: Onkel Bräsig. Lebensbild nach Reuters„Ut mine Stromtid“. Abonnement D. 11. Vorstellung. Preise 2. Freitag, 4. März, 8 bis nach 10 Uhr: Vorstellung für den Bühnenvolksbund Gruppen A und B, Ortsgruppe Barmen. Kartenausgabe in den Geschäftsstellen. Goethe=Abend. Die Geschwister — Die Laune des Verliebten— Die Mitschuldigen. Ausgewählte Dichtungen.— Gedichte in Vertonung von Mozart bis Rich. Strauß. Oeffentlicher Kartenverkauf für Nichtmitglieder an der Theaterkasse. Preise 2. Samstag, 5. März, 8 bis nach 10 Uhr: 1. Gastspiel Indische Hindus. Uday San=Kar mit Siemkie und Hindu=Orchester. Indische Märchen und Legenden. Waffen und Tempeltänze. Preise 3. Sonntag, 6. März, 8 bis 6 Uhr: Undine. Preise 2. 7,80 bis 10,15 Uhr: Die Czardasfürstin. Operette von Kalman. Preise 1. Elberfeld Mittwoch, 2 März, 8 bis 10,30 Uhr: Gastspiel William Schirmer: Onkel Bräsig. Abonnement 12. Vorstellung. Preise 2. Donnerstag, 3. März, 8 bis 10 Uhr: Zum letzten Male: Nina, der Filmstar. Komödie von Bruno Frank. Abonnement C. 22. Vorstellung. Pr. 1. 8 Uhr: Stadthalle: Matthäuspassion von Bach. Freitag, 4. März. 8 Uhr: Stadthalle: Matthäuspassion von Bach. Samstag 5. März, 6—8,30 Uhr: Fremdenvorstellung: Das Land des Lächelns". Operette v. Lehar Conntag, 6. März, 7 bis nach 9 Uhr: Zweites und letztes Gastspiel Indische Hindus UIday Sau=Kar mit Siemkie u. Hindu=Orchester. Indische Märchen und Legenden, Waffen= und Tempeltünze. Stadttheater hagen Mittwoch, 2. März, 20 bis 22,45 Uhr, zu kleinen Preisen: Der Biberpelz, Komödie. Freitag, 4. März, 20 bis 23,30 Uhr, Vorstellung für den Kreis=Kriegerverband: Im weißzen Rößl. Revue=Operette. Samstag, 5. März, 20 bis 23 Uhr, zu kleinen Preisen, zum letzten Male: Der Obersteiger, Operette. Sonntag, 6. März, 19,30 bis 23 Uhr, zu ermäßigten Preisen: Im weißen Rößl, Revue=Operette. Die heutige Nummer umsaßt 6 Seuen Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Hans Scher; Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Statt Karten Emil Flockenhaus Elly Flockenhaus geb. Vöpel Vermählte Linderhausen, den 2. März 1932 Statt Karten Die Geburt eines gesunden ungen zeigen in dankbarer Preude an Dr. med Hourney Gertrud Hourneg geb. Peters Schwelm, den 1. März 1932 z. Zt Städt. Krankenhaus. In das Handelsregister A Nr. 916 ist am 2. Februar 1932 die Firma Schwelmer Brunnen Dr. med. Hugo Richter in Schwelm und als deren Inhaber der Arzt Dr. Hugo Richter in Schwelm eingetragen. Amtsgericht Schwelm. In das Handelsregister B Nr. 226 ist am 22. Januar 1932 bei der Firma Hugo Timmerbeil, G. m. v. H., Schwelm folgendes eingetragen: Durch Gesellschaftsbeschluß vom 28. Dezember 1931 ist das Stammkapital auf 30000 Reichsmark erhöht und der Fabrikant Paul Timmerbeil in Schwelm zum weiteren Geschäftsführer bestellt worden; auch er ist berechtigt, die Gesellschaft allein zu vertreten. Amtsgericht Schwelm Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll die im Grundbuch von Stadt Schw=lm Band 8 Blatt Nr. 358 eingetragene Hausbesitzung des Metzgermeisters Fritz Heck in Schwelm, Kölnerstraße 62,63 am 9. Mai 1932, 10½ Uhr an der Gerichtsstelle Zimmer Nr. 15 versteigert werden Die Besitzung besteht aus der Parzelle Flur 1 Nr. 234/42, groß 186 gm, mit dem Wohnhaus Kölnerstraße Nr. 62 63 und der Gartenparzelle Nr. 235 43, groß 300 gm. Der Nutzungswert des Hauses beträgt 500 RM, die Friedensmiete 600.—RM Schwelm, den 20. Februar 1932. Das Amtsgericht. Heute mittag um 2 Uhr entschlief sanft mein einziger Bruder, mein lieber Schwager, unser vielgeliebter guter Onkel, Grossonkel und Vetter Adeh Lenmantl im 78. Lebensjahre. Wilhelm Lohmann Frau Friede Klotz als treue langjährige Hausgenossin Altenvoerde und Hamburg, den 1. März 1932 Die Beerdigung findet am Preitag, dem 4. März, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause aus statt.— Trauerfeier ½/ Stunde vorher. G. D. A. Donnerstag, 3. März 1932, abds. 8½ Uhr, im Prinz von Preußen 683 monatsversammlung Hausorsiger Reinigung von inkrustierten Wasserleitungen ohne Demontage der Leitungen. Johann Brocke, Zentralheizungen und sanitäre Anlagen Schwelm, Bahnhofstr 54 1271) Tel. 2022 Suche für meinen 15 jähr. Sohn, groß und kräftig Lehrstelle in Bäckerei und Konditorei für sofort oder 1. April. Schriftl. Angeb. unter 1141 a. d. Geschäftsst. d. Z. Neue Gardinen brauchten Sie doch eigentlich auch! 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Einsprüche gegen die Stimmlisten sind bis zum Ablauf der Auslegungsfrist schriftlich oder zu Protokoll beim Unterzeichneten oder auf Zimmer Nr. 12 anzubringen. Verspätete Einsprüche dürfen nicht berücksichtigt werden. Jeder Wähler erhält sofort eine Wahlkarte, die sorgfältig aufzubewahren und im Wahltermin vorzulegen ist. Diese Wahlkarte behält ihre Gültigkeit auch für spätere Wahlen und ist deshalb aufzubeben. Wer keine Wahlkarte erhalten hat, steht wahrscheinlich nicht in der Stimmliste und muß unverzüglich die Stimmliste einsehen und evtl. sein Recht durch Einspruch geltend machen. Milspe, den 1. März 1932. Der Gemeindevorsteher. Zienung 12. u. 14. M à„ Kölner Dombal Geld-otterie Los 3 Mk. 5tose 16ch osenden 5RMoie ehhel Liste 100000 Nöchst wnen Haust ewin ne erl 60000 50000 103s 9. 6 6. Loge unr habon e allen eihatlichen Lotterte Elanchmern und in aller Loseverliau stellen sowie e Gust. Pfordte Stantl. Lotterie. Rinnenhme. Besen 238. Limbecker Str, 70 Possachackkonte Rasen Tüus. Das deigt der Randfant! Donnerstag, den 3. März 6,45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7.05—8,00 Morgenkonzert(Schallplatten). 8,00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9,00—9,40 Gemeinschaftsprogramm der deutschen Schulfunksender: Schulfunk. 10,00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempsang für Arbeitslose. 11,20—11,40 Was will ich werden? 11,45—12,50 Unterhaltungskonzert. 12.50 Wetterbericht. 12,55 Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Mittagskonzert Leitung: Eysoldt. 1. Ouverture zur Oper„Euryanthe“ von Weber. 2. Tanz der Wellen aus der Oper„Die Lorelei“ v. Catalani. 3. Melodien a. d. Oper„Die Jüdin“ v. Halévy. 4.„La Burla“, allerlei Heiteres in vier kleinen Orchesterstücken von Weingartner, 5. Deutsche Lieder, Walzer von Weinberger. 6. Ländliche Suite von Amadel. 7. a) Humoreske von de Taeye, b) Torero und Andalusierin von Rubinstein. 8. Potpourri aus der Operette„Madame Pompadour“ von Fall. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,10 Kinderstunde. 16,10—16,20 Mitteilungen aus dem Schulfunk. —17,00 Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft. 7,00—18,00 Vesperkonzert. Wilfried Karl Löfler Bariton), Josef Streiffeler— Rudolf wuth (auf 2 Klavieren), Begleitung: Breuer. 1. Sonate in B=dur von Clementi. 2. Drei Lieder von Schubert. 3. Duettino Concertante von Mozart=Busoni. 4. Vier Lieder von Wolf. 5. Variationen über ein Thema in A=dur, op 64 v. Weismann. 18,00—18,20 Für den Landwirt. 18,20—18,40 Ungedruckte Dichter. 18,40—19,00 Italienisch. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,55 Aus der Praxis der Angestelltenversicherung. 19,55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,40 Von der Flöte zur Panke(12). 20,45 Sinfoniekonzert. Das Orchester des Westdeutschen Rundfunks Leitung: Buschkötter. Soist: Dodja Feldin(Cello). Zeitgenössische Tonsetzer(102). 1. Variationen von Ebert. 2. CelloKonzert von Toch. 3. Variationen und Fuge über ein Thema von Johann Adam Hiller von Reger. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 24,00: Nachtmusik und Tanz, Leitung: Eysoldt. in reicher Auswahl empfiehlt Scherz Buchhandlung Schwelm, Neustraße 6 Milspe Abgeschl. 1. Etage 8 Hiinmer mit Badezimmer u. Mansardenzimmer per 1. April zu vermieten. 1201 u erfragen bei Herrn H. Fischer, Adler=Drogerie, Milspe Teleson 2207. Kaufmann sucht vorübergehend für einige Monate, freundliches, einf. möbl. Zimmer bei evgl. Familie. Nähe Bahnhof bevorzugt. Schriftl Angeb. mit Preisangabe u. 1280 an die Geschäftost. d. 3. Ein leeres Zimmer in gut. Hause möglichst NähBahnhof, zu mieten ges. Schriftl. Angeb. unter 1269 bef. die Geschäftsst. ds. 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Ihr klares, eindeutiges Ziel ist nach wie vor die Lostrennung der Rheinlande vom Reiche und damit die Zertrümmerung Deutschlands:„la vivisection de l'Allemagne.“ Es ist ein unverzeihlicher Irrtum, in der Befreiung der Rheinlande von der fremden Besetzung bereits den Aufang einer deutsch=französischen Verständigung sehen zu wollen. Eine derartige Illusion kann nur in vöniger Unkenntnis der Bestimmungen des Versailler Diktats entstehen. Durch die Artikel 42 bis 44 des sogenannten Friedensvertrages wird über den Rahmen des ehemaligen besetzten Gebietes hinaus die Entmilitarisierung der Rheinlande auf unbegrenzte Zeitdauer durchgeführt: das gesamte linke Rheinufer und auf der rechten Rheinseite ein Streifen von 50 Kilometer Breite bleiben damit in einem gewissen Umfange nach wie vor der Souveränität des Deutschen Reiches entzogen. 55000 Quadratkilometer deutschen Landes mit einer Bevölkerung von 15 Millionen Menschen, ein Viertel det gesamten Einwohner Deutschlands, fallen der Entmilitarisierung anheim. Die Entmilitarisierung ist grundverschieden von einer Neutralisierung. Ein neutralisiertes Land darf nicht Kriegsschauplatz werden. Seine Bewohner haben nach dem Völkerrechte nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, für die Aufrechterhaltung der Neutralität zu tämpfen. Die entmilitarisierte Rheinlandzone ist aber geradezu als Kriegsschauplatz ausersehen. Die Bewohner dieses Gebiets sind schutzlos jedem Angriff Frankreichs preisgegeben. Das deutsche Reich darf zum Beispiel keine Vorkehrungen treffen, um die Rheinländer vor Gasangriffen zu schützen. Die rheinische Bevölkerung kann und darf sich nicht verteidigen. Die Entmilitarisierung stellt eine militärische Schwächung Deutschlands, aber eine militärische Stärkung Frankreichs dar. Lediglich dem Deutschen Reiche ist in diesem Gebiet jede Vorbereitung zum Kriege und jede Abwehr kriegerischer Maßnahmen verboten. Gemäß Artikel 44 gilt„jeder Verstoß Deutschlands gegen die(dehnbaren) Bestimmungen als eine Störung des Weltfriedens und eine feindselige Haltung gegen jede Signatarmacht des Versailler Vertrages“ das heißt: Deutschland ist immer der angreifende Teil, immer der Störer des Weltfriedens. So ist die Entmilitarisierung eine Sicherheit für Frankreichs militärische Vorherrschaft. Das entmilitarisierte Gebiet ist, wie Minister Briand im Januar 1922 der englischen Regierung gegenüber zum Ausdruck brachte, militärisch so zu behandeln, als ob es ein Teil des Bodens Frankreichs wäre." Der unmögliche Zustand, der Europa nach den Worten Mussolinis in privilegierte und unterdrückte, in bis auf die Zähne bewaffnete und entwaffnete Länder einteilt, tritt nirgends klarer in Erscheinung als in den Entmilitarisierungsbestimmungen des Versailler Diktats. Wenn die Abrüstungskonferenz überhaupt einen Sinn haben soll, dann muß wahrlich hier mit der Revision begonnen werden. Von dem Schicksal des Landes, durch dessen Mitte der Rhein fließt, hängt das GesamtschickK DEA HALUNEA Roman von Hermann Weick. 9 Sie warf sich in immer neue Vergnügungen, um die angstvollen Stimmen in ihrem Innern zum Schweigen zu bringen. Es war ihr darum nicht unwillkommen, als Hilliger sie eines Tages einlud, als seine Partnerin an den nächsten Bobrennen teilzunehmen. Ohne Ueberlegung sagte Lisa zu. Sie hatte zwar bisher noch an keinem Bobrennen teilgenommen; aber gerade das Neue, Gefährliche reizte sie. Die Tage des eifrigen, angestrengten Trainings, die nun folgten, ließen sie nicht zur Besinnung kommen. Und auch Hilliger tat alles, um keine trüben Gedanken in ihr aufkommen zu lassen. Man sprach in diesen Tagen in St. Moritz von nichts anderem als von den bevorstehenden Rennen. Fred Hilliger galt als Favorit, aber er hatte in dem französischen Hauptmann Maroquin einen scharfen Rivalen. Man schloß Wetten auf die beiden Gegner ab und wartete in größter Spannung auf die Entscheidung. Der Schlitten Hilligers wurde Erster. Der Schweizer wurde am Ziel von seinen zahlreichen Freunden beglückwünscht; und auch seine Mitfahrer mußten viele Händedrücke über sich ergehen lassen. Lisa Brinkmann hatte von der wahnsinnig raschen Fahrt ein Schwindelgefühl. Sie nahm die Mütze ab und sah wie hilfesuchend umher. Hilliger dem ihr blasses Aussehen auffiel, eilte auf sie zu und schob seinen Arm unter den ihrigen. „Hat die Fahrt Sie angegriffen?“ fragte er besorgt. Lisa lächelte. „Ein wenig! Es war ein rasendes Tempo! Viel schneller als beim Training!" „Die Bahn ist heute vereist, daher das Tempo! Aber sein war es. nicht wahr?“ Lisa fühlte sich nun wieder ganz frisch. „Natürlich!“ Also bereuen Sie es nicht, sich mir anvertraut zu haben?“ fragte Hilliger und sah Lisa mit kaum verhüllter Zärtlichkeit an. „Nicht im geringsten!“ Irene Duval und Rackford kamen auf Lisa zu und gratulierten ihr zu dem Gieg. sal Deutschlands ab. Das Rheinland ist uns wirklich mehr als eine Grenzmark. Wer die Stellung am Rhein inne hat, ist Herr im ganzen Deutschen Reiche, während umgekehrt Deutschland durch den Besitz der Rheinlande niemand bedroht. Wenn wir daher für die Abrüstung eintreten, so muß auch der unlösliche Zusammenhang zwischen Rheinland und Reich in dem Mittelpunkt unseres außenpolitischen Wollens stehen. Wir müssen gegen die französische These von der Unwandelbarkeit und Heiligkeit der Verträge kämpfen. Wenn eine Entmilitarisierung wirklich ein Fortschritt auf dem Wege zur Sicherung des Friedens bedeuten soll, dann müssen beiderseitige gleichwertige entmilitarisierte Zonen in Deutschland und Frankreich geschaffen werden. Frankreichs ehemaliger Ministerpräsident Laval hat ja aber die Notwendigkeit der Rüstung seines Landes dem Präsidenten Hoover gegenüber mit der neuen Formel begründet: Das französische Heer ist der Schutzwall gegen eine Ueberflutung Europas durch den Bolschewismus. Das sagt ausgerechnet ein Leiter Frankreichs, das praktisch alles getau hat, um künstlich den Kommunismus in Deutschland zu züchten, und dazu dem Deutschen Reiche die Möglichkeit genommen hat, bolschewistischen Umtrieben mit der Staatsgewalt entgegenzutreten. Auch hier bedeutet gerade die Entmilitarisierung der Rheinlande eine ständige latente kommunistische Gefahr für Deutschland und die Welt, eine Gefahr, die bewußt von Frankreich aufrechterhalten wird. Der deutschen Reichsregierung ist ja durch das Versailler Diktat ausdrücklich verboten, zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutze der Staatsbürger in die entmilitarisierte Zone Reichswehr zu entsenden. Daß es sich dabei keineswegs nur um einen theoretisch konstruierten Fall handelt, zeigte sich, als Mitte März 1920 im Ruhrgebiet, das zur entmilitarisierten Zone gehört, ein linksradikaler Putsch ausbrach. Die rote Armee hatte bekanntlich damals Essen, Mülheim, Oberhausen, Elberfeld und Düsseldorf in Besitz genommen und eine Herrschaft der Gewalttätigkeit und Plünderung errichtet. Die deutsche Reichsregierung bat um Erlaubnis, Reichswehr zum Schutz der deutschen Bürger in diesen Teil der entmilitarisierten Zone zu entsenden. Frankreich war nur unter der Bedingung bereit, daß Frankfurt a. M., Homburg, Hanau, Darmstadt u. Dieburg v. französischen Truppen besetzt würden. Das Ergebnis war dann auch die Besetzung des Maingaus durch Frankreich als Antwort auf die Notwehrhandlung der deutschen Reichsregierung, Eigentum und Leben deutscher Bürger durch die Reichswehr vor den roten Horden zu schützen. Es handelt sich hier wahrlich um ein Musterbeispiel dafür, daß die deutsche Souveränität im entmilitarisierten Gebiet in weitestem Sinne erloschen ist. Mit Recht konnten die„Basler Nachrichten“ schreiben:„Es wird den Kommunisten des Rheinlandes freistehen, eine rheinische Sowjetrepublik auszurufen, ohne daß ihnen die Berliner Regierung auch nur eine Kompagnie Soldaten auf den Hals schicken darf.“ Die ungeheure Gefahr, welche die Entmilitarisierung gerade für den Bestand des Reiches geDie neueste Aufnahme des Reichspräsidenten Reichspräsident von Hindenburg bei seinem täglichen Spaziergang im Park des Reichspräsidentenpalais mit seinen Enkelkindern Gertrud, Helga und Hubertus. Die Aufnahme ist am Samstag vormittag gemacht worden und stellt somit das neueste Bild des Reichspräsidenten dar. „Ich habe etwas um Sie gebangt, Lisa!“ sagte Irene Duval.„und war froh. als Sie heil am Ziele angekommen waren!“ Hilliger, der sich mit einigen Freunden unterhalten hatte, erschien wieder an Lisas Seite. „Sie nehmen doch heute abend an der Feier der Bobmannschaften teil?“ sagte er zu Irene Duval und Rackford, und auch Lisa bat die beiden Freunde um ihr Erscheinen. „Wir wollen zwar morgen in aller Frühe eine Skitour unternehmen,“ erwiderte Irene Duval, „aber an Ihrer Siegesfeier werden wir nicht fehlen, nicht wahr, Mr. Rackford?“ „Keineswegs.“ Der Abend vereinigte eine elegante, angeregte Gesellschaft. Es wurden Reden gehalten, die Sieger des Rennens gefeiert, und die Stimmung erreichte immer höhere Grade. Lisa Brinkmann war in glänzender Laune. Die bedrückte Stimmung, die zu manchen Stunden in ihr gewesen war, schien ganz von ihr abgefallen zu sein. Sie sprühte von Laune und Uebermut. Hilliger. der an ihrer Seite saß, warf ihr immer wieder feurige Blicke zu. Man begann schon zu tanzen, als Irene Duval und Rackford den Saal betraten. „Sie kommen sehr spät!“ sagte Lisa.„Sie haben viel versäumt!“ „Verzeihen Sie, gnädige Frau!“ sprach Rackford. „Fräulein Duval hat aber vorhin ein Telegramm aus Berlin erhalten, das sie sogleich beantworten mußte.“ Sie nahmen an Lisas Tische Platz. „Mein Direktor hat mir telegraphiert, daß die Premiere der neuen Operette einige Tage früher als vorgesehen stattfindet,“ berichtete darauf Irene Duval.„Die Proben beginnen schon am nächsten Montag. Ich muß also übermorgen abreisen.“ Lisa war ehrlich betrübt. „Wie schade! Nun ist unsere schöne Zeit hier so bald zu Ende. Ich werde Sie beide sehr vermissen.“ Hilliger bat Lisa zum Tanze. Irene Duval sah ihr nach. „Sie hat etwas Strahlendes. Bezauberndes!" sagte sie zu Rackford.„Finden Sie nicht auch? Man versteht, daß sie die Horzen im Sturme erodert!“ „Ja—“ antwortete Nackford nud war mit seinen Gedanken bei anderem. Irene Duval, die sich ihm wieder zugewandt hatte, gewahrte, daß sein Gesicht sehr ernst war. „Was haben Sie?“ Er zögerte einen Augenblick, dann sagte er langsam. traurig: „Ich dachte daran, wie recht Frau Brinkmann mit ihren Worten hatte! Es ist wirklich schade, daß diese schöne Zeit nun zu Ende geht!" „Ich wäre auch gerne noch länger geblieben! Aber Beruf ist Beruf, da hilft kein Jammern. Da heißt es, pünktlich zur Stelle sein!“ Rackford sah sie nachdenklich an. „Sie sagen das so leicht! Wissen Sie aber, was es für mich bedeutet? Hier hatte ich Sie für mich allein! In Berlin aber gehören Sie wieder vielen. Ihrer Arbeit, Ihren Kollegen und Bekannten! Und in drei Wochen muß ich wieder in Newyork sein!“ Ein tiefer, ehrlicher Schmerz sprach aus seiner Stimme. Er tat Irene leid. Sie fühlte die starke Liebe, die er ihr entgegenbrachte, und sie dankte es ihm, daß er, weil es ihr Wunsch war, nie mehr von seinen Empfindungen gesprochen hatte. Was sollte sie ihm antworten?— Das Wort. das er erwartete, konnte sie ihm nicht sagen. Er war ihr ein lieber Freund, ein guter Kamerad geworden. Ein tieferes Gefühl für ihn sprach aber nicht in ihr. Lisa Brinkmann kam an den Tisch zurück. „Warum blicken Sie so finster, Mr. Racksord?“ fragte sie. „Mr. Rackford ist traurig, weil wir schon so bald von hier fortmüssen!“ antwortete statt seiner Irene Duval. Mit blitzenden Augen. in denen die Lebenslust leuchtete, sah Lisa umher. „Das kann ich Ihnen nachfühlen. Mr. Rackford!“ Sie tanzte ohne Unterlaß. Wie ein Rausch war es in ihr, diesen frohen Abend bis zur Neige auszukosten. Nachher sagte Irene Duval, während sie. vom Tanzen sich ausruhend. beisammen saßzen: „Haben Sie nicht Lust, Lisa mit uns nach Berlin zurückzufahren? Sie brauchten dann die Reisnicht allein zu machen, und Ihr Gatte würde sich gewiß freuen, wenn Sie ihn überraschen würden!" Lisa wurde blaß. Ihr war, als würde von der deutschsprachigen Presse e.V. Mittwoch, 2. März 1932 General von Horn. der Präsident des Kyffhäuserbundes, der wegen seiner Stellungnahme zur Hindenburg=Kandidatur stark angegriffen wird. schaffen hat, wird also von neutraler Seite in ihrer Bedrohlichkeit erkannt. Das angelsächsische Ausland sieht auch die unterirdischen Strömungen des Bolschewismus, der wie ein Wurm an der enropäisch=amerikanischen Kultur nagt. Nur allein Frankreich hat ein unmittelbares Interesse am Chaos und meint gegen alle kommunistischen Zersetzungserscheinungen durch seine Armee sich schützen zu können. Ist aber nicht wirklich der stärkste Schutzwall gegen das Vordringen des Kommunismus ein wehr= und ehrhaftes Deutschland, Aber wie die rheinische Bevölkerung für ganz Deutschland den Kampf führte und schwere Lasten trug, so muß nun auch das deutsche Volk einig und geschlossen gegen die französische Wiedergutmachungspolitik kämpfen. Nur eine Revision des Versailler Diktats kann dem Rheinland und Deutschland, aber auch damit der Welt den wahren Frieden bringen. Die Räumung der Rheinlande war noch nicht der Friede. Dieser muß erst kommen. Die Zukunft Europas hängt davon ab, ob sich in Frankreich die Ueberzeugung durchsetzt, daß die gegenwärtigen Zustände unhaltbar sind. Dem französischen Volke wird wahrhaftig auch aus der jüngsten Vergangenheit der Rheinlande die Lehre gegeben, die selbst André Tardieu in seinem Buche.„La paix" zum Ausdruck bringt:„Die deutsche Einheit ist eine Vereinigung der Seelen, die keine Gewalt zu trennen vermag.“ Werden wir künstliche Heringe essen? Die betrübliche Tatsache, daß die großen Heringsschwärme die Nordsee immer mehr meiden und so die Fischdampfer zu stets weiteren und damit kostspieligeren Reisen zwingen, hat englische Gelehrte auf den Gedanken gebracht, ob man nicht die nahrhaften Fische gewissermaßen künstlich herstellen könne. Bereits sind im Aquarium zu Brighton dahingehende Versuche eingeleitet worden. Man führte, indem männlichen Heringen die Milch, weiblichen Tieren der Rogen entnommen und alles zusammen in geeignete Gefäße getan wurde, eine künstliche Befruchtung herbei, von der man große Erfolge erwartet. Sollten sich in der Tat auf diese Weise Heringe künstlich züchten lassen, wobei sich die Kosten ja nicht hoch stellen können, so kämen wir vielleicht schon in einer nahen Zukunft dahin, Heringe zu essen, die nie die Nordsee oder sonst ein offenes Meer gesehen haben.— Allerdings, die Heringsfischer dürften von diesem neuen Triumph der Wissenschaft— vorausgesetzt, daß die Versuche zu Brigthon gelingen— nicht gerade begeistert sein. harter Faust die Freude, die während des ganzen Abends um sie gewesen, hinweggerissen. Ein Kältegefühl kroch in ihr empor. Sie gedachte jenes Abends, als ihr Mann ihr von Karasins Besuch berichtet hatte. Wie hatte er damals gesagt:...„Karasin will wiederkommen, wenn du zurückgekehrt bist—“ Mit herrischer Gewalt hatte Lisa diese Erinnerung aus ihren Gedanken verbannt. In diesem Augenblick aber erkannte sie, daß die Furcht, Karasin in Berlin zu begegnen, sie unbewußt bestimmt hatte, ihre Heimreise immer wieder hinauszuschieben. Mit nervösen Fingern zerknüllte sie ihre Zie garette in der Aschenschale. „Wohin denken Sie, Irene! Jetzt, wo es hier so schön ist, werde ich doch nicht heimfahren!" Irene Duval sah Lisa befremdet an. Der gereizte Ton in ihrer Stimme war ihr nicht entgangen. Sie sprach nicht weiter darüber. Obwohl Hilliger und die anderen Herren stürmisch protestierten, suchte Lisa doch bald darauf ihr Zimmer auf. Die Freude an dem Abend war ihr vergangen. Sie ertrug das Gerede der Herren, das Lachen und Scherzen nicht mehr. Die Musik quälte sie. Sie fand in dieser Nacht lange keinen Schlaf. So sehr sie sich dagegen auflehnte— ihre Gedanken kehrten immer wieder zu Karasin zurück. Sie redete sich ein, daß sie nichts von ihm zu befürchten habe; aber die Angst, die in ihr festsaß. vermochte sie nicht zu unterdrücken. Sie würde jedenfalls so bald nicht nach Berlin zurückkehren! Wenn es ihr in St. Moritz nicht mehr gefiel, würde sie an einen anderen Kurort gehen. Einmal mußte Karasin schließlich Berlin wieder verlassen und nach Rußland zurückkehren. Solange würde sie fortbleiben! Gegen Morgen versank Lisa in einen unruhigen Schlaf. Wilde Träume peinigten sie. Sie war froh, als es vor den Fenstern helle wurde. Uebernächtig saß sie am Frühstückstisch. Vom Kellner hörte sie, daß Irene Duval und Racksord schon vor zwei Stunden zu ihrer Skitour ausgebrochen seien. Auch Hilliger war nicht zu sehen; er schien noch zu schlafen. MIFA — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann Stuttgart 8 Dann verschwand der Mond wieder hinter Wolken, und es wurde dunkel. Alles lebte um ihn, überall Flüstern und Raunen, das ganze Schloß schien lebendig geworden zu sein. Georg taumelte in den Ahnensaal zurück. Er vermochte nicht zu denken, seine Nerven waren zusammengebrochen, er rannte, strauchelte, rannte wieder, von Grauen gehetzt, den Parkweg entlang durch das Tor ——— stieß an einen Baum und stand, den Kopf gegen den Stamm gepreßt, zitternd da. Zwei Arme legten sich ganz leise auf seine Schultern. Mit einem Aufschrei zuckte er zusammen, sah Agnes, aber er erkannte sie nicht, obgleich der Mond vorübergehend wieder hell leuchtete. Er stieß sie von sich und hatte rollende Augen. „Georg, was ist——— was ist dir geschehen?“ Er schien seine Schwester zu erkennen. Er hob seine Finger empor und sagte mit bebender Stimme: „Es ist das Blut unseres armen Vaters.“ Agnes fuhr auf, umklammerte seinen Arm, beherrschte sich aber. Vater ist tot?“ Da legte er beide Arme um sie und preßte sie fest an sich. „Viel, viel schlimmer: Vater ist——— ist ermordet.“ „Nein!“ „Ich habe ihn in dem Gothenschloß auf dem alten Sofa, auf dem der Großvater seinen Tod fand, mit durchschossenem Kopf gefunden.“ Er starrte vor sich hin, als spräche er zu sich selbst. „Ich habe mich im Dunkel durch das Zimmer getastet, und meine Hände berührten seine Wunde.“ Sie standen stumm beieinander Agnes vermochte nicht zie sprechen, und ihm tat es wohl, sie an seinem Herzen zu Langsam kam ihm die Beherrschung zurück. „Ich bin ein Feigling gewesen. Ich bin wie ein Irrer dem Zimmer geflohen, ich muß sofort zurück. Laufe ins Herrenhaus und hole Hilfe.“ Agnes schüttelte den Kopf. „Nein, Georg, jetzt komme ich mit dir. Wir wollen zusammen nach unserem Vater sehen.“ Georg kam ein anderer Gedanke: „Ich muß Licht holen.“ „Ich habe eine Laterne bei mir, der Sturm hat sie verlöscht. Ich habe sie niedergestellt, als ich dich sah, ich habe auch Streichhölzer“, sagte Agnes. „ 8. Kapitel. Während es ganz leise zu regnen begann, schritten die Geschwister den Parkweg entlang. Georg faßte die Hand seiner Schwester. So traten sie in den Ahnensaal; aber jetzt, wo Agnes an seiner Seite ging, hatten die Gespenster ihre Macht verloren, und klare Wirklichkeit stand vor seinen Augen. „Fühlst du dich stark genug?“ „Ja, Georg. Er öffnete die Tür zum Nebenzimmer, und der Schein des Lichtes fiel auf das Gesicht des ermordeten Grafen. Agnes stand mit zitternden Gliedern, für den Augenblick gelähmt, und sah mit entsetzten Augen zu dem toten Vater hinüber. Georg ergriff das Licht und trat an den Toten heran. Er faßte die herabhängende Hand und fühlte, daß sie schon erkaltet war. Der Tod mußte bereits vor Stunden eingetreten sein. Der Kopf des Grafen Eberhard war hintenübergesunken, und das Gesicht hatte einen friedlichen Ausdruck. Eine Schußwunde war deutlich an der linken Schläfe sehen, und das Geschoß mußte an der anderen Seite des opfes wieder herausgetreten sein. Vor dem Vater lag auf dem Tisch ein Schlüsselbund und zu seinen Füßen ein Buch, in dem er anscheinend gelesen hatte und das ihm wohl aus den Händen geglitten war. Georg bückte sich, hob das Buch auf, warf einen flüchtigen Blick hinein und sah, daß es ein kleiner Pergamentband war, in den mit verblichener Tinte geschrieben war, also eine Art Tagebuch. Georg trat wieder zu Agnes, die noch immer vollständig benommen dastand und ihn mit angstvollen Augen ansah. Georg sagte mit bebender Stimme: „Unser lieber Vater ist schon seit Stunden tot. Die Starre ist bereits eingetreten. Er muß hinterrücks erschossen worden sein, während er hier saß und las.“ Agnes konnte ihre Schwäche nicht überwinden, sie lehnte den Kopf gegen des Bruders Brust, während sie anter ausquellenden Tränen nur die Worte sprechen konnte: . legt. hul „Ach, Georg!“ „Nimm dich zusammen! Es ist ganz furchtbar, aber jetzt müssen wir den Kopf oben behalten.“ „Vor allen Dingen muß Vater von hier fort.“ Georg schüttelte den Kopf. „Nein, liebes Kind, das darf leider auch nicht geschehen. Wir müssen augenblicklich das Gericht und die Polizei benachrichtigen. Wir dürfen nichts hier verändern, denn unsere erste Pflicht ist es, den elenden Mörder zu finden.“ Agnes versuchte sich zu fassen. „Wir können Vater doch hier nicht allein lassen!“ Georg war ganz ruhig. „Das geht natürlich nicht. Du mußt stark sein, Agnes. Eins von uns muß hier Wache halten und das kann nur ich sein, und du mußt zum Gut laufen und den Oberinspektor hierher holen. Sage ihm, er müsse für alle Fälle sein wehr mitbringen, aber sage ihm noch nicht, was hier geschehen.“ „Und Mutter?“ „Es ist am besten, du gehst nicht zu ihr, ehe wir überhaben.“ Agnes dachte einen Augenblick nach: „Dur hast recht, Georg, aber du kannst doch auch nicht nur mit dem Revolver hierbleiben. Wenn die Mörder auch dich— Georg sah einen Augenblick im Zimmer umher. „Dort steht Vaters Gewehr. Merkwürdig! Er hat das Gewehr mit hierhergenommen. Ahnte er eine Gefahr? Es ist noch geladen. Ich werde es auf alle Fälle zu mir nehmen und in der Ruine des Gregorbaues vor dem Durchgang zum Gothenschlößchen Wache halten. Das ist ja der einzige Zugang, durch den der Täter gekommen sein kann, und wir müssen jede unnütze Spur in diesem Zimmer vermeiden.“ Wie gejagt lief Agnes durch die jetzt vollkommen dunklen Gänge des Parkes. Ihr Herz war voll Angst und Entsetzen; sie war noch gar nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Georg stand in dem verfallenen Gemäuer. Der Sturm hatte sich wieder aufgemacht und ließ die Blätter in den Baumkronen rauschen.— Im Park leuchtete es auf. Georg faßte das Gewehr; dann aber sah er, daß es der Oberinspektor war, der eine Laterne in den Händen hielt. Agnes hatte ihn auf dem Gutshof getroffen, als er eben seinen abendlichen Rundgang beendete. Er hatte sogar das Gewehr umhängen, weil er in der jetzt allerdings durch die Wolken des aufsteigenden Gewitters verdunkelten Mondnacht auf die Pirschjagd gehen wollte. „Um Gottes willen, mein gnädiges Fräulein, wie sehen Sie aus!“ „Es ist ein furchtbares Unglück geschehen— mein Bruder bittet Sie, sofort mit mir in den alten Park zu kommen.“ „Noch ein Unglück?“ Einen Augenblick überlegte Agnes, dann faßte sie die Hand des treuen Mannes, der fast ein Lebensalter des Grafen erster Beamter war. „Vater ist tot!“ Oberinspektor Brandtmüller taumelte zurück. „Graf Eberhard? Unmöglich!“ „Er ist ermordet. Mein Bruder und ich haben ihn im Goihenschloß erschossen aufgefunden. Georg hält dort Wache, und deshalb——: kommen Sie schnell!“ Agnes taumelte neben ihm her, und auch der Inspektor ging auf wankenden Knien. Er schloß beide Arme um sie. Er hatte schnell noch eine Laterne aus dem Stall geholt. Brandtmüller trat an Georg heran, drückte ihm die Hand. In diesem Augenblick waren beide Männer von den Gefühlen so überwältigt, daß sie nicht sprechen konnten. Endlich sagte der Inspektor: „Ist es wirklich wahr?“ „Es ist wahr. Ich möchte aber vorläufig das Gut noch nicht alarmieren, ehe ich mit der Kriminalpolizei gesprochen habe. Halten Sie hier Wache, denn man kann ja nicht wissen, wann das Gericht kommt! Ich eile in das Arbeitszimmer und benachrichtige die Polizei. Es ist gut, daß wir Nachtverbindung haben. In einer Stunde können die Beamten aus Liegnitz hier sein.“ Der Inspektor blieb als Wache zurück und behielt auf den besonderen Wunsch Georgs die Laterne bei sich. Das Gewehr des Vaters hatte er vorher, als der Inspektor kam, irgendwo gegen eine der Ruinenwände gelehnt und dachte jetzt nicht mehr daran. Eng aneinantergeschmiegt eilten Georg und Agnes durch die nachtdunklent Gänge des Parks. Endlich sahen sie das Tor, und als sie das Amtszimmer auf dem Gutshofe erreichten, waren beide vollständig durchnäßt Sie dachten nicht daran, als Georg jetzt das Licht einschaltete und zu dem Fernsprecher griff. Agnes stand, vor Kälte zitternd, ihm gegenüber. Unwillkürlich fiel sein Blick auf ihr Gesicht, und er erschrak vor dem Ausdruck ihrer Augen. „Georg!“ Ihre Stimme klang hart.„Weißt du, wer Vaters Mörder ist?“ Er antwortete nicht und sah sie fragend an. „Graf Herbert!“ rief sie. Unwillkürlich zuckte er zurück. Sie hatte ausgesprochen, was er immer wieder aus seinen Gedanken verscheuchte. Agnes mußte sich setzen, ihre Knie versagten. An allen Gliedern zitternd saß sie ihm gegenüber. „Was wird aus Mutter? Sie sitzt nun schon über eine Stunde in Todesangst und wartet auf uns.“ Georg überlegte einen Augenblick. „Es ist ganz unmöglich, daß wir ihr jetzt gegenübertreten. „Ich denke, das einzig Mögliche ist, wir senden sofort einen Boten zu Pfarrer Ambrosius. Ich muß mich ja überhaupt für den Empfang der Kriminalbeamten bereithalten. Sobald der Pfarrer das Schloß betreten hat, eilst du auf dein Zimmer und kleidest dich um. Agnes, es hilft nichts, wir beide müssen den Kopf oben behalten.“ Sie schluchzte vor sich hin. Georg schrieb einen Brief an den Pfarrer, dann ging er in den Hof hinaus.—— Pfarrer Ambrosius saß gerade in tiefen Gedanken an seinem Schreibtisch, hatte das Papier mit Anna's Beichtgeständnis vor sich und war voller Sorgen und Zweifel. Wie sollte er morgen dem alten Grafen gegenübertreten? Er schüttelte den Kopf. Es wäre besser gewesen, nach so langen Jahren hätte die Frau geschwiegen. Dann erschrak er über sich selbst. Nie war es zu spät, ein Unrecht gutzumachen! Aber was sollte daraus werden? Der Pfarrer fand auch in der Nacht keine Ruhe, überlegte immer und immer wieder, bis die Klingel ertönte und der alte Instmann Georgs Brief überbrachte. Ambrosius ging langsam wieder an seinen Schreibtisch. Ein unerklärliches Gefühl sagte ihm, daß in diesem Brief ein neues Unglück stand. Er zerriß den Umschlag. Das war doch Georg von Tarnaus Handschrifts Er erkannte sie und auch wieder nicht. Sie erschien ihm zerfahren und fremd. „Hochwürden! Ich bitte Sie, augenblicklich ins Schloß zu kommen. Ein furchtbares Verbrechen ist geschehen. Meine Schwester Agnes und ich haben unseren Vater ermordet im Gothenschloß im alten Burgpark gefunden. Ich habe sofort die Kriminalpolizei benachrichtigt und erwarte sie. Meine Schwester und ich sind unfähig, unserer ahnungslosen Mutter gegenüberzustehen. Bitte, Hochwürden, kommen Sie augenblicklich ins Schloß und bereiten Sie unsere arme Mutter auf das Geschehene vor. Vollkommen niedergebrochen Georg Tarnau.“ Während der Pfarrer diesen furchtbaren Brief überflog, glaubte er selbst seine Sinne zu verlieren. Die Buchstaben tanzten ihm vor den Augen. Er las wieder und wieder, suchte zu verstehen und vermochte es nicht. Graf Eberhard tot? Die Nachricht hätte ihn nicht einmal so erschreckt, denn der Graf war ja hochbetagt, und seit längerer Zeit hatte der Pfarrer für ihn gefürchtet. Er stand auf und kleidete sich zum Ausgehen an. Plötzlich blieb er wie angewurzelt mitten im Zimmer stehen. Eisigkalt kroch es an seinem Körper empor: Heute hatte die blonde Anna gebeichtet, und morgen wollte er doch zu dem Grafen gehen und ihm den Inhalt ihrer Beichte offenbaren. Und in dieser Nacht starb der Graf! Der Pfarrer legte die Hand auf seine Stirn. „Was nun?“ Nur dem Grafen durfte er sich offenbaren! Hatte Gott selbst gesprochen? Wollte Gott, daß das Geheimnis dieser Beichte niemals gelüftet würde? Der Geistliche war in das Arbeitszimmer des alten Grofen, in dem Gräfin Hermine in rastloser Angst auf= und niederschritt, eingetreten und streckte ihr beide Hände entgegen. Sie sah ihn mit entsetzten Augen an. „Sie, Hochwürden?“ „Meine liebe Gräfin, seien Sie gofaßt!“ Hermine schrie auf. „Ederhard is etwas zugestoßen———!“ (Fortsotzung feigt.)