K— Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. 1— Nagemeiner Kreisangeiger „spreis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmank.— Einzelpreis 10 Reichopfennig.— Die Schwelmer Zeitung vscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: straße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Nr. 2018.— Oostscheckkonto Hannover 76913.— Für unver gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Vewiedsstbrungen oder Streiks rochtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. für den Ennepe-Kuhr-Kreis Reiche 8 Reichs genpreis: Im Anz Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichopfennig; Reklameteil(75 mm breit) 80 Reichspfennig. Bei Wiederholung hatt dar jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einee eines Konkurses fortfält. Die Vutnahr teil für 1 Schibeier Radtauzeiger? Mit den Beilagen: Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Böhe(36 mm breit) irkes 10 Reichspfennig Ande 82 im Reklameteil Raban, der jevva bei gerich Ge chäftsaufsicht oder eines nonrurses forrfaur. Die Aufnahms von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleißet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Nummer 51 Erstes Blakt Dienstag, den 1. März 1932 Ritterlicher Kampf? Es sand von vornherein zu befürchten, daß in einer Zeit der allgemeinen politischen Erregung der Wahlkampf heftige Auswüchse zeitigen würde. obwohl von allen Seiten betont worden ist, daß insbesondere die Person des Reichspräsidenten von Hindenburg aus den parteipolitischen Erörterungen herausgelassen werden sollte. Dies ist nach unserer Auffassung eine staatspolitische Pflicht, nicht etwa nur deswegen, weil Hindenburg der Inhaber des höchsten Reichsamtes ist, sondern vor allem auch deswegen, weil der erste Wahlgang voraussichtlich nicht die endgültige Entscheidung bringen wird, und weil für die kommen de politische Entwicklung nicht durch die Agttation in den Völksversammlungen und in der Preife alle Möglichkeiton verbaut werden sollen. Auch sollte von denjenigen Stellen, die die Macht dazu haben, Einfluß auf die Linkspresse genommen werden; denn es ist zweifellos eine gefährliche Vergiftung des Wahlkampfes und eine schädliche Handlung für Deutschland, wenn gegenüber Hitler jetzt dieselben Methoden angewandt werden wie im Jahre 1925 gegen Hindenburg. Es spricht nicht für die politische Disziplin der Linken, wenn sie den innenpolitischen Gegner vor dem Ausland denunziert, in dem sie ihn als Kriegshetzer oder sonst etwas hinstellt, wenn sie also die öffentliche Meinung des Auslandes gegen einen Kandidaten mobil macht und nachher die publizistischen Auswirkungen dieser Propaganda in der ausländischen Presse zur innenpolitischen Stimmungsmache benutzt. Es wird höchste Zeit, daß diesem Unfug gesteuert wird. Damit kann mehr Schaden angerichtet werden als mit irgend einer parteipolitischen Entgleisung. Wenn hier nicht Abhilfe geschaffen wird, dann muß der Kampf in den nächsten 14 Tagen Formen annehmen, die wir im Interesse der verehrungswürdigen Person des Generalfeldmarschalls von Hindenburg auf das tiefste bedauern müßten. Gerade weil zu wünschen ist, daß dieser Wahlkampf vor der Persönlichkeit Hindenburgs Halt macht, muß gefordert werden, daß gegenüber den Kandidaten der nationalen Opposition der Wahlkamp nicht mit vergifteten Wassen geführt wird. Auch müßte die Reichsregierung dafür Sorge tragen, daß in der Anwendung der Notverordnung eine gewisse Großzügigkeit Platz greift, denn es ist nun einmal unvermeidlich, daß der innenpolitische Kampf sich immer weiter verschärft, wenn auf der rechten Seite das Empfinden herrscht, daß mit zweierlei Maß gemessen wird. Der Reichsregierung kann an den Auswüchsen der sozialdemokratischen Propaganda nichts gelegen sein, gerade wenn sie es sich zum Ziele gesetzt hat, die Person Hindenburgs vor der Hineinzerrung in die Niederungen dieses Wahlkampfes zu schützen. In diesem Zusammenhang muß auch die Frage aufgeworfen werden, ob und in welchem Umsang der Rundfunk für die anderen Kandidaten zur Verfügung gestellt wird. Auch hier wäre im Interesse der„Ritterlichkeit" dringend zu wünschen, daß der Rundfunk nicht zu einer einseitigen Regierungspropaganda benutzt wird, wie es früher der Fall war. Die Schwierigkeiten in der Deutschen Gelbanrch Am Sonntag hat der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei in Berlin getagt. Aus dem Bericht, den die„Nationalliberale Correspondenz“ über diese Sitzung verbreitet hat, geht zunächst hervor, daß die Deutsche Volkspartei sich in vollem Umsang für die Wiederwahl des Generalfeldmarschalls von Hindenburg einsetzt, und zwar unbeschadet ihrer entschiedenen Opposition gegen das Kabinett Brüning. Von großem Interesse für die Oeffentlichkeit war die Stellungnahme zu den bekannten Konfliktserscheinungen, die sich in den letzten Tagen innerhalb der DBP. gezeigt haben. Im Wahlkreis Westfalen=Süd ist der Versuch gemacht worden, die gesamte Organisation in das Lager der Deutschnationalen Volkspartei hinüberzuspielen. Die Parteileitung erklärt dazu, daß sie mit harter Entschlossenheit dagegen rücksichtslos alle Maßnahmen treffen werde. Im übrigen wurde das Ausscheiden der Reichstagsabgeordneten Dr. Curtius und Dr. von Karvorff bedauert. Indessen erklärten sämtliche Wahlkreise einschließlich des badischen, daß sie hinter der Politik der Reichstagsfraktion stünden. Die Partei ist also entschlossen, ihre Selbständigkeit aufrecht zu erhalten. Damit entfallen alle Gerüchte, die wissen wollten, daß die Partei sich demnächs in ihre Bestandteile auflösen werde. In welchem Umsange es der Deutschen Volkspartei allerdings gelingen wird, sich durch die zweiel#os vorbandenen Schwierigkeiten ihrer politischen Stellungnahme hindurchzuretten, das wird man spätetens bei den preußischen Landtagswahlen im Mai sehen. Schon jetzt ist die Parteileitung dabei, durch zahlreiche Ausschlüsse dafür zu sorgen, daß die Einheitlichkeit der politischen Führung künftig nicht wieder Der Fehlbetrag im Preußenhaushalt Die Staatsregierung veröffentlicht jetzt den Haushaltsplan für 1932— Hundert Millionen Mark müssen durch Erhöhung der Einnahmen gedeckt werden Der haushaltsplan für 1932 * Berlin, 29. Febr. Die preußtsche Staatsregierung hat den Haushaltsplan für 1932 veröffentlicht. Die Haushaltspläne und Berechnungen Preußens waren bis zum Beginn des Rechnungsjahres 1930 im Endergebnis ausgeglichen. Das Rechnungsjahr 1930 hat mit einem Fehlbetrag von 204 Millionen Mark abgeschlossen. Das Rechnungsjahr 1931 schileßt voraussichtlich mit einem Fehlbetrag von 245 Millionen. Die Ursache des ungünstigen Abschlusses des ordentlichen Haushalts in den Rechnungsjahren 1930 und 1931 liegt darin, daß die Deckungsmittel sich in größerem Umfange verschlechtert haben, als es gelang, den Zuschußbedarf der Hoheitsverwaltungen zu vermindern. Im Rechnungsjahr 1932 müssen sich diese Schwierigkeiten infolge des beschleunigten Rückganges der Deckungsmittel verstärken. Der Ausfall des reinen Staatsanteils an Ueberweisungssteuern gegenüber dem Haushalte 1930 wird 258,4 Millionen Mark betragen. Die Betriebe werden mit 31,9 Millionen Mark hinter dem Vorjahr zurückbleiben. Die preußischen Steuern und Abgaben werden einen Ausfall von 60.8 Millionen Mark aufweisen, nämlich 16,7 Millionen bei der Hauszinssteuer, 35 Millionen bei der Grundvermögenssteuer, 6 Millionen bei der Stempelsteuer, 2.7 Millionen bei den Verwaltungsgebühren und übrigen kleinen Posten. Die übrigen Einnahmen der allgemeinen Finanzverwaltung sind um 27.6 Millionen Mark geringer zu schätzen. Hinzu tritt der Rückgang der Einnahmen bei den Hoheitsverwaltungen mit 26.3 Millionen Mark. Die Einnahmeseite verschlechtert sich daher um 402,7 Millionen Mark. Die Ausgabeseite verschlechtert sich zwangsläusig um 75,9 Millionen Mark. Die Verschlechterung setzt sich wie folgt zusammen: Erhöhung um 42 Millionen Mark durch die Aufnahme der bisher aus Anleihemitteln bestrittenen Ausgaben in den Haushalt. 10,8 Millionen Erhöhung bei den persönlichen Ausgaben. 23.6 Millionen Erhöhung der sächlichen Mehrausgaben. Die Gesamtverschlechterung des Haushalts 1932 gegenüber 1931 beträgt mithin 478,6 Millionen Mark. Auf seiten der bisher zur Verfügung stehenden Einnahmen hat sich dieser Ausfall nur in ganz geringfügigem Maße ausgleichen lassen. Die Deckung des Restes von 476,6 Millionen mußte daher auf der Ausgabeseite verbucht werden. Die durch die zweite und dritte preußtsche Notverordnung bei den persönlichen Ausgaben erzielten Ersparnisse erbringen 207,2 Millionen Mark, die bei den sächlichen Ausgaben 74,7 Millionen Mark, insgesamt ergibt sich hiernach eine Ersparnis von 281.9 Millionen Mark. Weiter sind die Bauunterhaltungsfonds weiter ermäßigt worden. Darüber hinaus sind schließlich noch weitere sehr starke Sachabstriche vorgenommen worden, die eine Nettoverbesserung von 92,1 Millionen Mark gebracht haben. Insgesamt betragen daher die Gesamtersparnisse 389 Millionen Mark. Hiervon sind bereits 10.4 Millionen bei den Ueberschüssen der Betriebsverwaltungen und 2 Millionen bei der Senkung der Einnahmen berücksichtigt, es verbleiben mithin für die Deckung 389 minus 12,4 gleich 376,6 Millionen Mark. Die Deckung des noch bleibenden Fehlbetrages von 100 Millionen Mark muß durch Erhöhung der Einnahmen erfolgen. Da die Befürchtung geäu. ßert wurde, die Einführung einer neuen Steuer werde die Preissenkungsbestrebungen der Reichs regierung stören, wurden zwischen der Reichsregierung und der Staatsregierung Verhandlungen über eine Ausgleichszahlung aus Reichsmitteln eingeleitet. Diese Verhandlungen stehen vor dem Abschluß. Im Anleihehaushalt betrug der Fehlbetrag am 31. Dezember 1931 insgesamt 155,2 Millionen M. Bei der Lage des Kapitalmarktes wird mit der Unterbringung langfristiger Anleihen für neue Anleiheausgaben in der nächsten Zeit nicht gerechnet werden können. Die Staatsregierung hat sich deshalb entschlossen, den Anleihehaushalt für neue Ausgaben für werbende Zwecke zu schließen. Finanzminister Dr. Klepper über den preaßischen Staatshaushalt * Berlin, 29. Febr. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des preußischen Haushaltes für 1932 erläuterte Finanzminister Dr. Klepper vor Vertretern der Presse die preußische Etatspolitik. Er wies darauf hin, daß die Abstriche des Etats über alle bisherigen Maßnahmen dieser Art hinausgingen. Es handele sich dabei nicht nur um rechnungsmäßige, sondern um effektive Abstriche, die allein sich in der Richtung der Stabilisierung des Haushaltes auswirken können. Am stärksten sei das Bau= und Siedlungswesen betroffen. Nachdem die von Dr. Klepper im November vorgeschlagene Einführung der Schlachtsteuer verhindert worden sei, bleibe die Ausgleichszahlung, über die mit dem Reiche verhandelt werde, als einzige Hilfe übrig. Unter ihrer Berücksichtigung könne man aber von einem ausgeglichenen Etat sprechen. Preußen gibt für die Ausgleichszahlung Auteile der Siedlungsbank und der Landesrentenbank her. Die Uebertragung von Anteilen anderer Institute steht bei den Verhandlungen nicht zur Erörterung. Damit wird also bestätigt, daß die Besitzverhältnisse der Preußenkasse unberührt bleiben. Nach der grundsätzlichen Seite der Finanzpolitik hin betonte Minister Klepper, daß auf die Dauer ein Zustand praktisch nicht durchführbar sei, bei dem zwar die Selbstverwaltung aufrecht erhalten, die Selbstverantwortung aber aufgehoben oder doch außerordentlich stark eingeschränkt werde. Die Länder können sich nicht für immen als Objekt der Entwicklung betrachten; zunächst freilich müssen sie innerhalb des gesteckten Rahmens Ordnung schaffen. Das heißt, daß die Staatsausgaben durch, wenn auch manchmal harte Eingriffe im Wege einer Verwaltungs= und Finanzreform gesenkt werden müssen. Das ist der Sinn der beiden preußischen Sparverordnungen. Die eigentliche Reform, die auf eine Vereinfachung der Staatsverwaltung hinausläuft, wird die preußische Regierung in naher Zukunft beschäftigen. Noch schwieriger als die Lage des Staates sei unter den gegenwärtigen Verhältnissen die der Gemeinden und Gemeindeverbände. Auch für sie seien Reformmaßnahmen eine absolut vordringliche Maßnahme. Die entscheidende Frage unserer öffentlichen Finanzpolitik ist nach der Auffassung des Ministers, ob man durch die Senkung von Steuern und ähnliche Maßnahmen einen Konjunkturanreiz ausüben kann, um so die Steuerkraft neu anzuregen. Eine solche projektionistische Handhabung der Finanzpolitik lehnt Dr. Klepper ab, weil derartige Versuche eigentlich praktisch schon gescheitert seien. Er tritt dafür ein, daß die Staatsausgaben ohne Rücksicht auf wirtschaftspolitische Tendenzen durch die Staatseinnahmen gedeckt werden. Das einzige Ergebnis würde seines Erachtens sonst sein, daß die öffentlichen Finanzen sich zu einer weiteren Gefahr für die Wirtschaft selbst entwickeln würden. Nach diesen Gesichtspunkten ist also auch der preußische Haushalt aufgebaut. gefährdet wird. Es ist anzunehmen, daß dabei noch einige Spähne fallen werden. Der Säuberungsprozeß, der sich jetzt vollzieht, erstreckt sich sowohl nach rechts als auch nach links. Gerade im Westen, aber auch in anderen Landesteilen, beispielsweise in Berlin, sind zahlreiche Persönlichkeiten ausgeschlossen worden, die für eine Verbindung mit der Deutschnationalen Volkspartei warben. Aus der Reichstagsfraktion mußten die beiden Abgeordneten Curtius und von Kardorff aussheiden, weil sie ihre Stimmen nicht gegen die Regierung Brüning abgeben wollten. Eine Erklärung von Wesisalen=Säd Aus dem Wahlkreis Westsalen=Süd wird uns mitgeteilt: Sowohl der Pressedienst der Deutschen Volksvartei von Freitag nacht, wie der durch die„Nationalliberale Correspondenz“ herausgegebene Bericht über die Vorgänge in Westsalen=Süd entspricht nicht den Tatsachen und ist im wesentlichen entstellt. Richtig ist, daß die Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses und des Haupt=Vorstandes der Deutschen Volkspartei Westfalen=Süd am 15. Juni, am 23. Juni, am 15. Oktober 1931 und zuletzt am 19. Januar 1932 dem Vorsitzenden Hembeck jedesmal durch einstimmigen Beschluß Vollmacht zum Austritt aus der Deutschen Volkspartei gegeben bezw. diese Vollmacht erneuert haben. Der Parteivorsitzende Dingeldey hat mündlich und schriftlich seit dem 15. Juni Kenntnis von dem Beschluß der Vollmacht. Hembeck hat im Gefühl seiner Verantwortung von der Vollmacht nur deshalb nicht Gebrauch gemacht, weil er loyalerweise dem Parteivorsitzenden Dingelden immer wieder eine Gelegenheit geben wollte, die Partei von den links gerichteten Mitgliedern der Fraktion zu befreien und die Zusammensassung der nationalen Kräfte praktisch zu verwirklichen. In beiden Fällen hat der Parteivorsitzende Dingelden versagt. Der Hauptvorstandsbeschluß vom Freitag war ein Vertagungsbeschluß, um u. a. Dingelden noch einmal Gelegenheit zu geben, sich zu rechtsertigen. Im Anschluß an diesen Beschlut wurde auf Antrag aus der Versammlung mit überwälti103. Jahrgang Kurze Tagesneuigkeiten Hoover an Reichspräsident von Hindenburg. * Berlin, 29. Febr. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat auf die Glückwünsche des Reichspräsidenten zur Feier von Washingtons 200. Geburtstage mit nachstehendem Telegramm geantwortet: „Ew. Exzellenz gütigen Beweis der Verehrung von Washingtons Andenken, als des Begründers seines Landes, habe ich dankbar erhalten. Gern benutze ich diese Gelegenheit, um Ew. Exzellenz und durch Sie der Reichsregierung und dem deutschen Volk namens der Regierung und des Volkes der Vereinigten Staaten sowie in meinem eigenen Namen Dank und gute Wünsche zu senden. gez. Herbert Hoover.“ Rückgabe des Namensschildes der„Emden“. * Berlin, 29. Febr. Der britische Botschafter Sir Horace Rumbold hat dem Reichskanzler die Absicht der australischen Regierung mitgeteilt, das Namensschild des im Kriege untergegangenen Kreuzers„Emden" als Anerkennung der ritterlichen Haltung der„Emden"=Besatzung zurückzugeben. Reichskanzler Dr. Brüning hat dem britischen Botschafter für das freundliche Anerbieten den Dank der deutschen Regierung ausgesprochen. Beisetzung des Bruders Hindenburgs. * Lübeck, 29. Febr. Heute fand hier die Beisetzung des im Alter von 79 Jahren verstorbenen Bruders des Reichspräsidenten Bernhard vou Hindenburg statt. Der Reichspräsident konnte an der Beisetzung nicht teilnehmen und hatte seinen Sohn, Oberst von Hindenburg, als Vertreter entsandt. Schluß der Beweisaufnahme im SchultheißPatzenhofer=Prozeß. * Berlin, 29. Februar. Im Schultheiß=Patzenhoser=Prozeß wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Die Generaldirektoren Katzenellenbogen und Dr. Sobernheim bezifferten ihr letztes Jahreseinkommen einschließlich der Tantiemen auf 220 000 Mark. Die Plädoyers beginnen am Mittwoch. Unterirdischer Gang in Maria=Laach entdeckt * Maria=Laach, 29. Febr. Brüder der Abtei Maria=Laach entdeckten bei der Verlegung eines Weges in der Nähe der Abtei einen unterirdischen Gang von etwa 50 Meter Länge. Wie man aus den dort angebrachten Zeichen herauslesen konnte, wurde der Gang im 15. Jahrhundert angelegt. Französisches Flugzeug ins Meer gestürzt. 9 Paris, 29. Febr. Auf der Luftverkehrslinie Frankreich=Südamerika ist ein Flugzeug der Gesellschaft Aero Postale ins Meer abgestürzt, wobei vier Personen den Tod gefunden haben. Die Maschine stieg am Samstag früh in Buenos=Aires auf, um nach Roi de Janeiro zu fliegen. Zwischen Montevideo und Pelotas geriet sie in einen schweren Sturm und stürzte ab. Einige Postsäcke, die sich an Bord befanden, sind bei Rio Grande ans User gespült worden. Politischer Zusammenstoß in Buenos=Aires. Acht Tote. 30 Verwundete. * Newyork, 29. Febr. Wie aus Buenos=Aires gemeldet wird, kam es vor dem Gebäude der Zeitung„La Fronda" zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen politischen Gegnern, wobei acht Personen getötet und 30 verwundet wurden. Der Insammenbruch der Evang. Zentralbank Strafanträge im Runck=Prozeß * Berlin, 29. Febr. Der Staatsanwalt Eichholz beantragte heute nachmittag gegen Friedrich Paul Runck unter Versagung mildernder Umstände wegen Depotverbrechens und Bilanzverschleierung eine Gesamtstrafe von drei Jahren Zuchthaus, gegen Adolf Runck wegen Beihilfe zum Depotverbrechen und wegen Bilanzverschleierung und Betruges gegenüber dem Zentralausschuß für Innere Mission eine Gesamtstrafe von zwei Jahren acht Monaten Gefängnis, außerdem bei beiden Angeklagten Aufrechterhaltung des Haftbefehlhs. Der Vorwurf, den die Anklage erhebt, geht im wesentlichen dahin, daß die Evangelische Zentralbank, eine Genossenschaft, die hauptsächlich evangelische Pfarrer, Gemeinden und Vereine umfaßte, ihren Kunden dadurch schweren Schaden zugefügt hat, daß sie deren Effektendepots lombardierte oder kurzer Hand verkaufte. Diese Manipulationen wurden vorgenommen, als die Bank 1931 schon zahlungsunfähig war. Heute noch fehlen Depots in einer Gesamthöhe von 300000 Mark. gender Mehrheit dem Vorsitzenden Hembeck und dem Wahlkreisgeschäftsführer Schütz das Vertrauen ausgesprochen, indem festgestellt wurde, daß Hembeck seine Vollmacht nicht überschritten, sondern in Erfüllung seines ihm gewordenen Auftrags gehandelt hat. — —• s8- TT T Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Die deichsprastdemeutug! Der Wahlkampf in Berlin * Berlin. 29. Febr. Am Sonntag wurde für den Kandidaten Düsterberg der Wahlkampf in Berlin durch recht schlagkräftige Plakate eröffnet. Im Laufe des Tages konnte man im größten Teil der Reichshauptstadt die Stahlhelmzeichnungen sehen, die für diesen Kandidaten werben sollen. Die Kommunisten hatten sich selbstverständlich schon lange darauf vorbereitet, da sie wohl als erste von allen Parteien wußten, wen sie für die Präsidentschaft nominieren würden. Auch bei ihnen wurde das Wahlmaterial schon an die Oefsentlichkeit gebracht, jedoch beschränken sich die Leute der KPD. hauptsächlich auf die sogenannte Hauswerbung, indem sie von Tür zu Tür gehen und außer im schriftlichen Material noch mit Worten auf ihren Kandidaten hinweisen. Die Nationalsozialisten haben einen großzügigen Provagandafeldzug für Hitler ausgearbeitet. den sie mit zahlreichen Versammlungen beginnen Im Lause des Wahlkampfes wollen sie nicht weniger als 50000 Versammlungen im ganzen Reich abhalten. Sie haben sich in den ersten Tagen außerdem dann nur mit kleinen Flugblättern besaßt, jedoch werden sicherlich schon in den nächsten Tagen die ersten Plakate erscheinen. Rechtzeitig hat die Wahlpropaganda für Reichs. präsident von Hindenburg eingesetzt, mit der sich aber zunächst nur der HindenburgAusschuß in der Reichshauptstadt befaßt hat. Mau sieht aber schon aus den ersten Maßnahmen, daß der Ausschuß den Kampf für Hindenburg recht ernst nimmt. Kurz nach der Erklärung des Reichspräsidenten, daß er weiterhin in alter Treue sich dem deutschen Volke zur Verfügung stellt, wurden Plakate herausgegeben, die eine Wahl des Reichspräsidenten provagieren und gleichzeitig für Stimmen werben. Am Montag hat der Hindenburg=Ausschuß den Reichspräsidenten um eine Genehmigung gebeten, sich für einen Tonfilm, in dem Hindenburg sozusagen die Hauptrolle spielen soll, zur Verfügung zu stellen. Hindenburg hat dieser Bitte auch stattgegeben und sich unverzüglich für die Tonfilmaufnahme in dem Garten des Präsidentenpalais bereiterklärt. Ihr wohnte Oberst von Hindenburg mit seiner Gattin bei. Der Reichspräsident, der äußerst frisch und erholt aussah, wurde zusammen mit seinen Enkelkindern gefilmt. Innerhalb von 25 Minuten war dieser Hindenburg=Tonfilm hergestellt, der schon am Montag abend in den Berliner Kinos lief und im ganzen Reich einige Tage später zu sehen sein wird. Noch ein sünfter Kandidat * Berlin. 29. Febr. Als ein Kuriosum verdient vermerkt zu werden, daß nach den bisherigen Anmeldungen auf den Stimmzetteln nicht vier, sondern fünf Präsidentschaftskandidaten verzeichnet werden. Der fünfte ist nämlich der sogenannte Betriebsanwalt Adolf Gustav Winter aus Großjena bei Naumburg, der sich gegenwärtig in der Bautzener Landesstrafanstalt befindet. Gustav Winter ist der Mann mit den rotgestemvelten 1000=Mark=Scheinen. der die Rettung des Deutschen Reichs durch eine Bank= und Bi reform verkündet. Die notwendigen Unterschriften, und zwar 35.000, sind für ihn heigebracht worden. Die Unterschriften sind vor' allem in Hamburg. München und in Sachsen gesammelt worden. Soweit sich bisher übersehen läßt, werden formelle Einwendungen gegen die Kandidatur dann nicht gemacht werden können, wenn dem Präsidentschaftskandidaten Winter bei der Verurteilung die bürgerlichen Ehrenrechte nicht abgesprochen worden sind. Die Frist für die Anmeldung endet am 3. März, 24 Uhr. Der Reichswahlleiter wird alsdann seine Entscheidung über die Zulassung der Kandidaten treffen und gleichzeitig den Kreiswahlleitern telearaphisch Mitteilung machen, damit die Stimmlisten ausgedruckt werden können. Die Angelegenheit ist insofern eilig, weil die ausfahrenden Seeleute in den Häfen der Ost= und Nordsee bereits acht Tage vor der Wahl ihre Stimme abgeben können. Die Mitteilung über die Zulassung der eingereichten Wahlvorschläge erfolgt im Reichsanzeiger. Das Schreiben Hillers dem Reichsinnenminister zugeleitet * Berlin, 29. Febr. Der Reichspräsident hat das Schreiben Hitlers, das gestern abend zwischen 6 und 7 Uhr im Büro des Reichspräsidenten eingegangen ist, nach Kenntnisnahme zur Prüfung der darin enthaltenen Beschwerden dem Reichsminister des Innern zugeleitet.(Es hat in Regierungskreisen Befremden erregt, daß das Schreiben Hitlers an den Reichsprästdenten, das wir gestern veröffentlichten, einige Stunden vor der Ueberreichung im Büro des Reichspräsidenten von Hitler bereits der ausländischen Presse mitgeteilt worden ist. Aus diesem Grunde wird, wie aus Berlin verlautet, das Schreiben vom Reichsprästdenten selbst nicht beantwortet.) Volksparteilicher Aufruf für Hindenburg * Berlin, 29. Febr. Reichsausschuß und Vorstand der Deutschen Volkspartei erlassen zu der Reichspräsidentenwahl einen Aufruf, in dem es unter anderm heißt: Wiederum aus höchster vaterländischer Pflicht stellt sich Hindenburg auf den Ruf von Millionen der besten Deutschen aus allen Kreisen für eine neue Wahl zur Verfügung. Für die Deutsche Volkspartei, die schon 1925 ihn auf den Schild gehoben, gibt es keine andere Parole als unbedingte Treue und Gefolgschaft. Kein Besserer, kein Würdigerer kann das höchste Vertrauensamt des Volkes bekleiden als der ruhmreiche Heerführer, den heute das einmütige Urteil des Volkes den Vater des Vaterlandes nennt. Die Deutsche Volkspartei erstrebt als Gegengewicht gegen die demokratische Parlamentsherrschaft eine Stärkung der Macht des Reichspräsidenten. Wer dem Reichspräsidenten Bedingungen für die Führung seines Amtes vorschreiben will, schwächt seine verfassungsmäßige Stellung und zieht ihn in die Niederungen des Parteikampfes hinab. Die Deutsche Volkspartei setzt ihre ganze Kraft ein, um seine Wiederwahl zu erreichen als ein Symbol für die Zusammenfafsung der Kräfte, für die Sicherung des inneren und äußeren Wiederausstiegs der deutschen Nation. Eine Slahlhelmverfügung zur Reichspräsidenlenwahl * München, 29. Febr. Das Nachrichtenblatt des Stahlhelms für den Landesverband Bayern„Der layrische Stahlhelm", veröffentlicht eine Verfügung, die besagt, daß der Stahlhelmanhänger den Bundesführer Düsterberg zu wählen habe. Wer gegen diese Wahl in Wort oder Schrift Stimmung mache, zeige, so heißt es, daß er kein Vertrauen zur Führung habe und müsse aus dem Stahlhelm ausscheiden. Waffenstillstand in Schanghai? Unerwartete Einberufung des Völkerbundsrates in Genf Krastwagenunfall Duesterbergs * Hannover, 29. Febr. Als Oberstleutnant a. D. Düsterberg mit zwei Begleitern im Kraftwagen nit hoher Geschwindigkeit die Eilenriede entlang zur Stadthalle fuhr, löste sich plötzlich das inke Vorderrad des Wagens vollkommen ab. Der Kraftwagen senkte sich zur Seite und lief auf der Nabe weiter, hin und herschleudernd und sich umdrehend, bis er zum Stilltand gebracht werden konnte. Es ist kaum erklärlich, daß der Wagen nicht umgeschlagen ist. Düsterberg und seine Begleiter blieben unverletzt. Getumistraber wnger Uchrschreten des Zeitungsverbotes * Kassel, 29. Febr. Der Hauptschriftleiter Eugen Beinhauer, der Schriftleiter Wilhelm Ritgen und der Buchdruckermeister Müller von der Kasseler nationalsozialistischen„Hessischen Volkswacht“ wurden von dem Schnellrichter wegen Vergehens gegen die Verordnung vom 6. Oktober 1931 zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Dem Verurteilten wurde Bewährungsfrist auf zwei Jahre zugebilligt, bei Beinhauer gegen eine Buße von 150 Mark und bei Ritgen gegen eine solche von 100 Mark. Vier weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Als die„Hessische Volkswacht“ für die Zeit vom 16. Februar bis 7. März d. J. einschließlich verboten worden war, hatten die beiden Schriftleiter die Herausgabe noch für den nächsten Tag vereinbart. Der Buchdruckermeister hatte angeblich in gutem Glauben die Manuskripte entgegengenommen und die Zeitung hergestellt. Reparationen und Kolonialproblein * Münster, 1. März. In einer großen Kolonialkundgebung der Deutschen Kolonialgesellschaft sprach Dr. Seitz, der ehemalige Gouverneur von Deutsch=Ostafrika über„Reparationen und das Kolonialproblem“. Er verlangte die Erweiterung des deutschen Lebensraumes durch neue Kolonien. Im ehemaligen Deutsch=Südwestafrika halten 8000, in Deutsch=Ostafrika 5000 Deutsche den deutschen Charakter des Landes aufrecht und hoffen auf Wiedervereinigung mit dem Vaterlande. Eroberte Deutschland vor dem Kriege den ausläudischen Markt unter Vernachlässigung des inneren * Genf. 29. Febr. Unerwarteterweise ist der Völkerbundrat am Montag nachmittag vom Ratspräsidenten Paul=Boncour einberusen worden. Die plötzliche Einberufung geht auf Telegramme aus Schanghai zurück, nach denen die mit englischer und amerikanischer Vermittlung geführten Waffenstillstandsverhandlungen zwischen der japanischen und chinesischen Truppenleitung bereits weit fortgeschritten sind, so daß der Abschluß eines Waffenstillstandes bereits als möglich angesehen wird. Präsident Paul=Boncour eröffnete die Sitzung des Völkerbundrates mit der Erklärung, der englische Außenminister Simon habe ihm mitgeteilt, daß neue Möglichkeiten vorlägen, um zu einer Einstellung der Feindseligkeiten im Fernen Osten zu gelangen. Der englische Außenminister Simon gab dem Völkerbundrat sodann einen aus London eingetroffenen telegraphischen Bericht aus Schanghai bekannt, wonach am Montag abend auf dem englischen Flagaschiff in Schanghai eine mehrstündige Unterredung zwischen Oberbefehlshabern der japanischen und chinesischen Truppen stattgefunden habe. an der auch der chinesische Staatsmann Willington Ku und der englische Admiral Kellen teilgenommen hatten und in der die Grundlage einer sofortigen gegenseitigen Einstellung der Feindseligkeiten und Kontrolle der besetzten Gebiete durch Neutrale angenommen sei. Eine endgültige Einigung sei aber noch nicht erreicht worden. Paul=Boncour legte sodann dem Völkerbundrat einen Vorschlag vor. der folgende Punkte umfaßt: 1. Sofortige Einberufung einer Konferenz in Schanghai. an der Vertreter der japanischen und chinesischen Regierung sowie der interessierten Mächte teilnehmen sollen, um zu einer endgültigen Einstellung der Feindseligkeiten und Wiederberstellung des Friedens zu gelangen:„„ Gf5f.% 2. Grundlage dieser Konserenz bider: Japau erklärt, keine politischen und territorialen Ziele in Schanghai zu verfolgen, noch ein japanisches Konzessionsgebiet in Schanghai anzustreben, noch die Absicht zu haben, die japanischen Interessen in irgend einer ausschließlichen Weise zu begünstigen. China nimmt an der Konserenz teil, indem es die Sicherheit und Unantastbarkeit des internationalen und des französischen Konzessionsgebietes auf Grund der bestehenden Verträge grundsätzlich anerkennt und die Sicherheit der ausländischen Staatsangehörigen gegen alle Gefahren garantiert: 3. Der Zusammentritt der Konferenz hängt von einem vorherigen Abkommen über die Einstellung der Feindseligkeit ab. Paul=Boncour richtete darauf an die Vertreter von Japan und China die Forderung, diese: Borschlag beizutreten. Der italienische Außenminister Grandi erklärte sich grundsätzlich mit dem Vorschlag einverstanden. 7 Militärische Vorbereitungen Rußlands? London, 29. Febr. Wie Reuter aus Tokio meldet, hat der japanische Konsul in Wladiwostok seinen vorgesetzten Behörden über angebliche militärische Vorbereitungen Rußlands in der China augrenzenden Provinz Uffuri berichtet. Danach sollen in der Nähe von Wladiwostok beträchtliche Truppenmengen zusammengezogen worden sein und in Sedanka an der Amur=Bay sowie an der Olga=Bay technische Verteidigungsvorbereitungen im Gange sein. Die Eisenbahnstrecke im UssuriDistrikt werde von Freiwilligen bewacht. Der Konsul meint in seinem Bericht, Rußland rechne mit Konflikten, sei es wegen des Mandschureiproblems oder wegen der Frage der Fischereigerechtsame. da die Angelegenheit schon heute als endgültig entschieden angesehen werden könne. In politischen Kreisen hält man ein großlitauisches Direktorium für das Memelland für absolut sicher. Die Verhandlungen Simmats mit den Führern der Mehrheitsparteien sieht man als nicht ernst an. Sie seien, wie allgemein erklärt wird, lediglich in der Absicht eingeleitet worden, öffentlich zu demonstrieren, daß Großlitanen es nicht daran habe fehlen lassen, sich um ein parlamentarisches Direktorium zu bemühen, dessen Nichtzustandekommen dann um so leichter als von den Mehrheitsparteien verschuldet dargestellt werden kann. Von den Memelländern wird unter diesen Umständen angenommen, daß auch die morgige Fraktionssitzung den Simmat=Vorschlag als unannehmbar bezeichnen wird, und daß unter diesen Umständen unbedingt mit der Auflösung des Memelländischen Landtages zu rechnen ist. Memel roch immer ohne Reaierung Simmats Verhandlungen gescheitert. * Memel, 29. Febr. Heute fanden VerhandlunMarktes, so ist die Forderung der Stunde die gen zwischen dem von Merkys ernannten PräsiStärkung des Innenmarktes unter Einfuhr feh= deuten des veugzern ger Pehrgeitzpgrteien natt. lender Rohprodukte, für deren Erzeugung wir und den Vertrev#r#gi#e gtunge. Ee war überseische Gebiete gebrauchen. Mit Nachdruck müglich, zu einer Verständigung zu gelangen, da wies Dr. Seitz auf die Gefahren hin, die den en Simts, zur zie Verhandlungen lediglich Befehle ropäischen Ländern aus dem Osten drohen, wo Simmar für die Vethandlungen nbiglich Gesehl wirtschaftliche Konkurrenten wie Javan bereits als Großlieferanten Südafrika für sich als Absatzgebiet erobert haben. Auflösung des Memellandlages? * Memel, 29. Febr. Zwischen dem neuernannten Präsidenten Simmat und den Führern der Mehrheitsparteien haben heute mittag Verhandlungen statt gefunden, in denen Simmat einen ausgesprochen großlitawischen Standpunkt einnahm. Er forderte vor allem, daß auch Landesrat Tolischus dem Direktorium angehören müsse, und daß bei Stimmengleichheit die Stimme des Präsidenten den Ausschlag zu geben hätte. Von den Mehrheitsparteien ist diese Bedingung als unannehmbar bezeichnet worden. Man hat die Fraktionen zu einer Sitzung für morgen vormittag einberufen, glaubt aber, daß diese Maßnahme nur einen formellen Akt darstellt, erhalten hatte und nicht auf Fragen, die die Abgeordneten an ihn stellten, antworten konnte. Nach dem Scheitern dieser Verhandlungen werden die Fraktionen der Mehrheitsparteien am Dienstag mittag zu einer Sitzung zusammentreten. Wie es heißt, dürfte den Mitgliedern der Mehrheitsparteien, die nach Memel berufen sind, die Genehmigung, sich an der Bildung des Direktoriums zu beteiligen, von den Fraktionen versagt werden. Jauvius plaut neue Knebelung Memelgesetze sollen in Kraft treten * Kowno, 29. Febr. Der litauische Außenminister Dr. Zaunius begibt sich am 1. März nach Genf, um Litauen auf der außerordentlichen Tagung des Völkerbundes zu vertreten. Dort wird er auch mit dem englischen und französischen Außenminister Besprechungen über die Memelfrage führen. Man rechnet damit, daß Dr. ZauDie Lappo Bewegaug in Flaulane Die Anhänger fordern Rücktrikt des Ministers des Innern Verschärfung der Lage * Helsingfors, 29. Febr. Aus allen Teilen des Landes gehen in Helsingfors Nachrichten über Unruhen ein. In Mäntsälä(etwa 50 Kilometer nordöstlich von Helsingfors) sammeln sich Scharen von Bewaffneten, die nach Helsingfors zu ziehen drohen. Die Regierung trat zu einer Sitzung zusammen, an der auch der Generalstabschef und der Oberkommandierende Silvo teilnahmen; doch gelangte keine Mitteilung darüber in die Oeffentlichkeit. Wie verlautet, soll ein General den Befehl über die Bewaffneten übernommen haben. Der durch die Entführung Stahlbergs bekannte frühere Generalstabschef Vallenius begab sich am Sonntag abend mit etwa hundert feldmarschmäßig ausgerüsteten Männern der Schutztruppen nach Mäntsälä. In dieser Stadt haben die Bewaffneten alle Wege gesperrt und den Kriegszustand erklärt. Alle ausfahrenden Kraftwagen werden untersucht. Die Anzahl der Bewaffneten wird auf 5000 geschätzt, doch kommt stündlich neuer Zuzug. Der Helsingforser Vertreter des Svenska Dagblad erhielt auf eine telegraphische Anfrage beim Stab der bewaffneten Scharen nur die Antwort: „Eho nicht alles klar ist, wird nichts mitgeteilt. Vielleicht, wenn wir 10000 Mann zusammen haben.“ Die Bewaffneten fordern die Entfernung des Landeshauptmanns Jalanda und des Ministers von Born sowie Auflösung sämtlicher sozialistischer Arbeitervereine. Sie wollen nach ##stüngfrs ziehen und ihre Forderungen Bugzag seh... Der Lappo=Führer Kosola erklärte, daß die Schuld bei der Regierung zu suchen sei, die auf Warnungen nicht hören wolle. Marsch nach Heifingssors? * Stockholm, 29. Febr. Aus Helsingfors wird gemeldet: Heute nacht wurden die Straßen nach Mäntsälä von Aufständischen besetzt. Alle Passan= ten wurden durchsucht. Heute früh wurden alle Eisenbahnzüge von Militär und Polizei an der Station Fredriksberge, außerhalb von Helsingfors, angehalten und untersucht. Die Ziele der Mänisäls-Männer „Der Marxismus soll mit Der Wurzel ausgerissen werden“ * Helsingfors, 29. Febr. In einer Unterredung, die der Vertreter der Finnischen Telegraphen= Agentur heute mittag mit einem der Leiter der Mäntsälä=Männer hatte, erklärte dieser, hinter der Bewegung ständen große Gruppen in den verschiedensten Teilen des Landes. Diese strebten nicht danach, das Land zu führen, da dazu geeignetere Kräfte vorhanden seien. Sie forderten aber, daß der Marxismus mit der Wurzel ausgerissen und daß an Stelle der jetzigen Regierung eine Regierung geschaffen werde, die diese Aufgabe zu 15sen versteht. Die Mäntsälä=Männer hätten am Sonntag einen Aufruf an den Präsidenten der Republik gerichtet, worin sie ihre Forderungen und Ziele dargelegt haben. nins bei dieser Rücksprache mit den Vertretern der Signatarmächte die Zustimmung zur Inkraftsetzung der von Litauen schon vor zwei Jahren verabschiedeten zwölf Ausführungsgesetze zum Memelstatut einholen wird. Bei diesen zwölf Gesetzen handelt es sich um einschneidende Bestimmungen gegen die autonomen Behörden des Memelgebietes, die das Gerichtswesen, die Sprachenund Beamtenfragen sowie das gesamte kulturelle und wirtschaftliche Gebiet umfassen. Diese Gesetze sollten schon im Jahre 1930 erlassen werden und wurden damals auf Einspruch der Signatarmächte für unbestimmte Zeit zurückgestellt. Wirtschaft, Handel und Industrie Berliner Produktenbörse * Berlin, 29. März. Weizen märk. 244—246, Ruggen, märk. 193—195. Gerste: Braugerste 178 bis 185, Futter= und Industriegerste 167—172. Hafer, märk. 148—155. Weizenmehl 31,25—34,50. Roggenmehl 27,50—28.50, Weizenkleie 10,25—10 50, Roggenkleie 9.85—10,25. Viktoriaerbsen 20—27, kleine Speiseerbsen 21—23.50, Futtererbsen 15—17. Peluschken 16,50—18,50, Ackerbohnen 15—17, Wicken 10,50—19,50, Lupinen, blaue 11—12, gelbe 15—17, Seradella 30—36, Leinkuchen 12,20—12,40, Trocken= schnitzel 8.20, Soyatschrot 12,30—12,40, Kartoffelflocken 14,80—15,10 M. Viehmärkte Elberfelder Schlachtviehmarkt. * Elberfeld, 29. Februar. Auftrieb: 810 Stück Großvieh, davon 172 Ochsen. 90 Fresser, 87 Bullen, 393 Kühe, 496 Kälber, 68 Färsen, 2701 Schweine. Marktverlauf: langsam. geräumt. Es kosteten: Ochsen: a) 33 bis 35, b) 28 bis 32. c) 24 bis 27; Bullen: a) 29 bis 31, b) 28 bis 29; Kühe: a) 28 bis 30. b) 24 bis 27, c) 19 bis 23, d) 14 bis 18; Färsen: a) 32 bis 34, b) 24 bis 31; Fresser: 20 bis 24; Kälber: a)—, b) 40 bis 44, c) 35 bis 39. 5) 25 bis 34; Schweine: a) 45 bis 47, b) 45 bis 47, c) 45 bis 47, 0) 42 bis 44, e) 40 bis 41, f)—. g) 35 bis 48 M. Dortmunder Schlachtviehmarkt * Dortmund, 29. März. Auftrieb: 609 Stück Großvieh, 500 Kälber, 27 Färsen, 2 Schafe, 2387 Schweine, 2 Ziegen, 28 Ochsen, 95 Bullen, 449 Kühe, 10 Fresser. Der Marktverlauf war bei Groß vieh ruhig, geräumt, bei Kälbern langsam, geräumt, bei Schweinen mittel, geräumt. Es kosteten: Ochsen: a) 36—37, b) 31—33, c) 27—29; Bullen: a) 30—32, b) 27—29, c) 24—26; Kühe: a) 30—32. b) 26—29, c) 22—25, d) 18—21; Färsen: a) 93—35. b) 29 bis 32, c) 26—28; Kälber: a)—, b) 42—44, c) 95—40, d) 26—34; Schweine: a)—, b) 45—47, c) 46—47. d) 43—45, e) 39—42, f)—. g) 37—42 M. Räuber im Spielllab * Newyork, 27. Febr. Im Seebad Miam! (Florida) wurde ein verwegener Raubüberfall auf das Spielkastno„Embassyklub“ verübt. Die Banditen verlangten, als Gäste verkleidet, Eintritt, und riefen zur Zeit des größten Betriebes um 2 Uhr nachts den bestürzten Gästen„Hände hoch“ zn. In der Küche des Spielkasinos befanden sich jedoch mehrere Polizisten beim Essen, die herbeigerufen wurden und das Feuer auf die Banditen eröffnelen. Dabei wurde der Bandenführer sofort erschossen, während drei andere Banditen, zwei Angestellte und der ehemalige englische Boxer Perkins, verwundet wurden. Einem Räuber ist es gelungen, zu entkommen, obwohl er verwundet wurde. Explosionsunglück auf einer amerikanischen Grube * Newyork, 27. Febr. In Pocahontas(Birginia) wurde die Kohlengrube Boissevain durch eine schwere Explosion zum größten Teil verstört. Dreißig Bergleute werden vermißt. *** Mikr der deutschsprachige Aus Rani aus Arrn 42619 unterstützte Personen im Ennepe-Ruhr-Kreis Innerhalb eines Monats stien die Zahl der vom Bezirksfürsorgeverband des Enneve=Ruhr=Kreises betreuten Personen um 2505= 6,2%. Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene Kleinrentner und Gleichgestellte Sozialrentner Wohlfahrtserwerbslose (einschl. Arbeitsfürs.) Arbeitslose mit Zusatzunterstützung Constige Hilfsbedürftige Insgesamt 174 471 2 039 9 050 4 055 1812 17601 Die Zahl der unterstützten Parteien hat also innerbalb eines Monats eine Steigerung um 1046= 5,9%. die Zahl der Köpfe eine Steigerung um 2505= 6,2% erfahren. Der Kavallerie-Verein Schwelm gegen General von Horn Der Kavallerie=Verein hat einstimmig folgende Entschließung angenommen und an Herrn General von Horn weitergeleitet: Der Kavallerie=Verein Schwelm erhebt hiermit entschiedenen Protest gegen das geradezu unverständliche Vorgehen des ersten Vorsitzenden des Kyfshäuser=Bundes, des Herrn General a. D. von Horn, sich im Namen des Kuffhäuser=Bundes für eine Wiederwahl des von uns allen verehrten Generalfeldmarschalls v. Hindenburg einzusetzen. Wenn Herr von Horn sich für verpflichtet hielt, für seine Person so entscheiden zu müssen, dann war dieses sein gutes Recht, das aber mit dem Bund als solchen nichts zu tun hatte. Seine Einstellung als die Einstellung des gesamten Bundes hinzustellen, überschreitet seine Kompetenz und kann nicht scharf genug zurückgewiesen werden. Praktisch kommt dieser eigenmächtige Schritt des Herrn von Horn einer Preisgabe der parteipolitischen Neutralität des Bundes gleich. Führer, die solche Wege beschreiten, sind als vollkommen ungeeignet auf schnellstem Wege von ihrem Posten zu entfernen. Ein Austritt aus dem KyffhäuserBund, wie solcher von Bruder=Vereinen und Verbänden proklamiert wird, hält der Kavallerie=Verein Schwelm für taktisch falsch. Dieses würde bei allgemeiner Durchführung einer Zerschlagung des Bundes gleich kommen, während gerede jetzt die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte das Gebot der Stunde für jeden alten Soldaten sein muß. Jede Schwächung des Bundes würde von allen Feinden der Kyffhäuserbewegung auf das freudigste begrüßt werden, da ihnen der Bund stets ein Dorn im Auge gewesen ist. Der Kavallerie=Verein Schwelm beantragt daher folgendes: In der Leitung des Kuffhäuser=Bundes hat sofort ein radikaler Wechsel zu erfolgen. Alle diejenigen Personen, die den Schritt des Herrn von Horn gebilligt haben, sollen gleichfalls ihre Aemter im Vorstand des Bundes niederlegen. Der Kavallerie=Verein Schwelm. Der Vorstand Sichere Dein Wahlrecht! Zur Reichspräsidentenwahl sind nur die Reichsangehörigen zugelassen, die in einer Wählerliste oder Wahlkartei eingetragen sind. Listen und Karteien werden von der Gemeindebehörde geführt, in der der Stimmberechtigte seinen Wohnsitz hat; sie werden vom Donnerstag, dem 3., bis Sonntag, dem 6. März bei den Gemeindebehörden ausgelegt. Es ist Pflicht eines jeden Staatsbürgers, die Listen während der Auslegungszeit einzusehen oder durch eine zuverlässige Vertrauensv#rson einsehen zu lassen. Der sicherste Beweis dafür, ob der Name in der Wählerliste enthalten ist, ist der Erhalt der Wahlausweiskarte. Wird diese in diesen Tagen nicht zugestellt, so muß dies sofort der Gemeindebehörde mitgeteilt werden. Eintrag in der Wäherliste ist auch Voraussetzung für die Ausstellung von Wahlscheinen für solche Wähler und Wählerinnen, die sich am Wahltage auf Reisen befinden. Bei der großen Arbeit, die die Anlegung der Wählerlisten für die Gemeinden bedeutet und den zahlreichen Wohnungswechseln sind Versehen bei Anlegung und Fortführung der Listen nicht ausgeschlossen. Deshalb prüfe jeder Wähler die Listen auf ihre Richtigkeit. Preußisch-Süddeutsche Lotterie In der Vormittagsziehung am Montag fielen folgende Gewinne(ohne Gewähr): 10 Gewinne zu je 5000 M.: 13 595 158 001 228 857 292 581 378 035. 12 Gewinne zu se 3000 M.: 40 186 54 261 235 633 389 190 316 107 336 961. 54 Gewinne zu je 2000 M.: 15607 18189 76894 78 250 79379 95 636 108 189 124 065 128 752 145 871 146 726 159 585 161 867 174 934 182 384 182 731 192 495 193 627 215 865 221 419 234 233 241 627 244 513 267 459 204 084 341 124 369 535. Nachmittags= Ziehung. 2 Gewinne zu je 5000 M.: 385 776. 14 Gewinne zu se 3000 M.: 51 599 188 718 189 340 250 535 348 297 373 010 389 401. 42 Gewinne zu je 2000 M.: 8492 36 356 49 485 64 412 103 318 119 038 142 169 157 782 163 637 175 651 901 197 247 776 263 902 322 105 323 845 333 469 361 072 276 439 380 448 301 886 396 734. Schwelm, 1. März. (=) Die Wählerlisten für die am 13. März stattfindende Wahl des Reichspräsidenten liegen in der Zeit vom Donnerstag, den 3. März bis einschl. Sonntag. den 6 März, im Rathaus, Zimmer Nr. 4. öffentlich aus. Alles Nähere geht aus der heutigen Bekanntmachung des Magistrats hervor. Wilhelm Hausmann wieder Landtagskandidat der SPD. Auf der Unterbezirkskonferenz der Sozialdemokratischen Partei Hagen=Schwelm=Hattingen=Lüdenscheid wurde am Sonntag in Hagen Wilhelm Hansmann=Hattingen als erster Kandidat zu den bevorstehenden Landtagswahlen mit 67 von 85 abgegebenen Stimmen aufgestellt. :: Kaum veränderte Großhandelsrichtzahl. Die vom Statistischen Reichsamt für den 24. Februar berechnete Großhandelsrichtzahl ist mit 100.1 gegenüber der Vorwoche nahezu unverändert. (=) Ein Vortrag für Arbeitslose findet morgen, Mittwoch, den 2. März, nachmittags von 5 bis 7 Uhr im Realgymnasium statt. Es spricht Herr Studienreferendar Dr. Willi Hüser über„Vererbung". Ausstellung von künstlerischen Arbeiten ingendlicher Erwerbsloser. Manche künstlerische Begabung kommt unter dem Druck des Lebens nicht zur Entfaltung. Die Erfohrung zeigt aber, daß es mehr kunstbegabte Menschen gibt, als man denkt. Darf man von der Zeit der Arbeitslosigkeit auch einmal sagen: Müßiggang ist allen Geistes Anfang? Wir wollen die Probe aufs Exempel machen. Die jungen Künstler, oder die es zu sein glauben und erstreben, sollen Gelegenheit erhalten, ihre Arbeiten der Oeffentlichkeit vorzuführen. Die Ausstellung wird am 12. und 13. März im Kreishause stattfinden. Die jungen Kunstbeflissenen werden ihre Arbeiten am Donnerstag dieser Woche, abends 6 Uhr, im Kreishause(Jugendamt) vorweisen. Da wird die Auswahl getroffen und die Entscheidung über die Zulassung gefällt werden. Nationalsozialistische Versammlung. Die Pressestelle der N. S. D. A. P. Ortsgruppe Schwelm teilt uns mit: Mittwoch, den 9. März, abends 8,15 Uhr findet auf der Wilhelmshöhe unter Mitwirkung der SA.=Kapelle eine große Hitler=Kundgebung statt. Gauleiter Pg. Wagner, M. d. R., Bochum, wird über das Thema: Wir werden siegen! referieren. Gauleiter Wagner besitzt bekanntlich wie kaum ein anderer Redner die volle Sympathie der Schwelmer Bevölkerung. Dies zeigt am besten die geradezu riesenhafte Nachfrage nach Karten und empfiehlt es sich nach Möglichkeit, sich solche bereits im Vorverkauf entweder bei der N. S.=Buchhandlung oder bei den einzelnen Parteigenossen rechtzeitig zu sichern. Damit weiteste Kreise Pg. Wagner zu hören bekommen, wird der Vortrag vor Stuhlreihen stattfinden. (=) Wahlversammlung auf der Wilhelmshöhe. Wie uns mitgeteilt wird, findet am Freitag, dem 11. März, abends 8 Uhr, im großen Saale der Wilhelmshöhe eine öffentliche Wahlversammlung des Schwarzweißroten Blocks statt, in der der Landesgeschäftsführer der Deutschnationalen Volkspartei Herr von Beckerath= Hagen und Frau Sinn=Löhr=Gevelsberg sprechen werden. 1„Der Juxbaron“. Operette v. Kollo, wurde am Sonntag im Viktoriasaal aufgeführt. Benny Rhein erntete als Blaukehlchen großen Beisall Nach dem 2. Akt kam es zu einem unliebsamen Zwischenfall, da die Schauspieler sich weigerten, den 3. Akt zu spielen. Hierzu gibt Herr Wiese folgende Erklärung: Die Schauspieler haben bisher ihr Geld laut Abrechnung immer nach der Aufführung bekommen. Auch für Sonntag war keine andere Abmachung getroffen. Die Schauspieler bekommen von der Einnahme nach Abzug der Steuern und des Aufführungsrechtes 60 Prozent, Herr Wiese erhält 40 Prozent und muß hiervon Musik und Reklame bezahlen und den Saal mit Licht und Heizung stellen. Auch am letzten Sonntag haben die Schauspieler ihr Geld genau nach Abrechnung erhalten. Die Schauspieler haben ihre Aussagen bereits zurückgenommen. :: R e i c h s b u n d t a g d e r d e u t s c h e n K o n d i t o r e n. D e r Deutsche Konditoren=Bund E. V.(Reichsverband selbständiger Konditoren), die Spitzenorganisation und oberste Berufs= und Standesvertretung des Konditorengewerbes, die sich aus 18 Landesverbänden zusammensetzt und die Konditoretbetriebe im ganzen Reiche in sich schließt, hält in der Zeit vom 39. Mai bis 3. Juni seinen Reichsbundestag in Essen ab. Das Konditoreigewerbe ist begreiflicherweise durch die Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch die Einkommensminderung weiter Kundenkreise und die außerordentlich große Arbeitslosigkeit sind sowohl der Verkauf von Konditoreiware wie der Besuch von Gästen in den KonditoreiKafsees, namentlich der Durchschnittsverzehr, gegen die Vorkriegszeit gesunken. Hierzu kommt, daß die Konditoreien, die gleichzeitig handwerkerliche Herstellungsbetriebe, Gaststätten und Verkaufsstellen für fertig bezogene Waren sind, von Dutzenden von Steuerarten betroffen werden. Bedrückt wird das Gewerbe auch durch die arbeitsrechtlichen Bestimmungen, vor allem das Verbot der Herstellung von Konditoreierzeugnissen an den Sonn= und Festtagen, an denen die größte Nachfrage nach Konditoreierzeugnissen besteht, und durch die auf zwei Stunden beschränkte Sonntagsverkaufszeit. Bezeichnend für den Rückgang ist, daß in einer Stadt von 130 Bewerbern. die eine Lehrstelle für Ostern suchten, noch nicht 10 als Lehrlinge untergebracht werden konnten. Die Zahl der Verhandlungsgegenstände für den Reichsbundestag ist daher außerordentlich groß und die meisten sind von ausschlaggebender Bedeutung für den Fortbestand dieses volkstümlichen Handwerkszweiges.— Verbunden ist mit der Tagung eine Reichsausstellung, die vom 28. Mai bis 8. Juni in den Ausstellungshallen in Essen, also inmitten des rheinisch=westfälischen Industriegebietes, veranstaltet wird. Sie wird in anschaulicher und eindrucksvoller Weise die Rohstoffe für die Konditoret, die technischen Einrichtungen und Hilfsmittel, Geräte und Maschinen in ihrer Vielgestaltigkeit vor Augen führen. Daneben aber wird sie die Beziehungen der Konditorei zur deutschen Volkswirtschaft zeigen, besonders den außerordentlich großen Verbrauch an landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Eine starke Anziehungskraft wird die Gruppe„Konditoreierzeugnisse“ bilden, ein Reich der Süßigkeiten. in welchem die Konditoren nachweisen, daß ihr Gewerbe wohlfeile Ware zu niedrigen Preisen liefern kann. Man wird alle die süßen. knusorigen Besonderheiten der verschiedenen deutschen Landesteile finden. Gerade in einer Zeit des Wirtschaftsdrucks soll der Beweis erbracht werden, daß das Gewerbe vorwärts und auswärts strebt, den Verbrauchern etwas zu bieten vermag und umgekehrt auch ein gutes Absatzgebiet für seine Hilfsindustrien und Lieferanten bildet. So wird Essen Ende Mai und Anfang Juni im Zeichen der füßen Kunst stehen. * Aenderungen im Expreßgut=Taris. Ab 1. März 1932 treten in den Vorschriften über die Aufgabe von Expreßgut bei der Deutschen Reichsbahn folgende Aenderungen ein: Während bisher bei der Aufgabe von Expreßgut Nachnahmen in Höhe von 5 bis 1000 M. aufgegeben werden konnten, ist die Mindestgrenze von 5 M. für Nachnahmen im Expreßgutverkehr weggefallen. Außerdem ist die Höchstgrenze bei Anweisung durch Zahlkarte von 1000 M. auf 2500 M. erhöht worden. Wird die Nachnahme jedoch dem Empfangsberechtigten durch Postanweisung überwiesen, darf der Nachnahmebetrag höchstens 1000 M. betragen. Eine weitere Aenderung wird dadurch eintreten, daß der Absender die Nachnahme einem anderen überweisen lassen kann. Es ist also nicht mehr erforderlich, daß er auf der Postanweisung oder Zahlkarte seinen eigenen Namen als Zahlungsempfänger angibt. = Vierte Fremdenvorstellung im Theater Wuppertal. Als vierte Fremdenvorstellung wird Samstag, den 5. März. 18 Uhr, im Stadttheater Wuppertal=Elberfeld die Operette„Das Land des Lächelns“ von Lehar aufgeführt. Für diese Vorstellung sind die Theatereintrittspreise wesentlich herabgesetzt. Zum Besuch des Theaters werden für folgende Strecken Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben: Radevormwald=Beyenburg, Wipperfürth=Ronsdorf, Langenberg=Dornap. Gevelsberg= Schwelm und Heiligenhaus=Wülfrath. Die Theatereintrittskarten werden bis 3. März, 17 Uhr, bei den Fahrkartenausgaben der vorgenannten Strecken verkauft, wenn gleich viel Eisenbahnfahrkarten abgenommen werden. Nähere Angaben über die Vorstellung. Eisenbahnfahrplan und=Fahrpreise enthalten die Anschläge auf den Bahnhöfen. Steuerfreie Reichsbahn=Anleihe 1931. Die Frist für die Zeichnung der 4½prozentigen steuerfreien Reichsbahnanleihe 1931 wird bis zum 31. 3. 1932 einschließlich verlängert; die bisherigen Einzahlungsfristen bleiben bestehen. Es sind demnach einzuzahlen sogleich bei der Zeichnung— 25 Prozent, am 2. April 1932= 15 Prozent, am 18. Mai 1932=30 Prozent, am 15. Aug. 1932= 30 Prozent Das Recht der Anleihezeichner auf frühere Volloder Teilzahlung bleibt unberührt. Gevelsberg, 1. März. Falsches Gerücht. Die in der Stadt umlausenden Gerüchte, die Arbeiten auf dem Siedlungsgelände am Westfeld seien abgebrochen worden. entbehren jeder Grundlage. Es hat lediglich eine durch die Witterungseinflüsse bedingte, vorübergehende Unterbrechung stattgefunden, um die Siedlungswilligen nicht gesundheitlichen Schäden auszusetzen. Inzwischen sind die Arbeiten auch wieder ausgenommen worden. * Fabrikabbruch. Eine der ältesten Fabriken des Ennepetals. die Besitzung von Brenne u. Hangarter. wird abgebrochen. Damit verschwindet wieder ein Wahrzeichen ehemaliger Industrieblüte an der Ennevestraße. Wetter, 1. März. * Verbandsstraße Wetter—Vorhalle. Mit dem Hitlers Bereidigung als Beamter. Adolf Hitler ist zum Regierungsrat bei der Braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin ernannt worden. Dadurch hat Adolf Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Das Bild zeigt Hitler nach seiner Vereidigung beim Verlassen des Gesandtschaftsgebäudes am Lützowplatz in Berlin. Ausbau der Verbandsstraße Wetter—Vorhalle, wobei auch die Fertigstellung der auf Wetterschem Gebiete liegenden Friedrichstraße in Frage kommt, ist noch in diesem Sommer zu rechnen. * Die Preissenkungsaktion in Wetter. Der Haus= und Grundbesitzerverein Wetter stellte die Forderung, eine weitere Ermäßigung der Gasund Lichtpreise eintreten zu lassen. Bürgermeister Dr. Hermann erklärt hierzu, daß es der Stadt nicht nöglich sei, über die von ihr festgesetzten Sätze hinauszugehen. Hattingen, 1. März. * Schadenfeuer. In der Nacht zum Sonntag bemerkte ein Nachbar der Gärtnerei Müller an der Waldstraße dortselbst Feuerschein. Er weckte den Besitzer und es stellte sich dann heraus, daß ein Treibhaus schon vollständig ausgebrannt war. Sämtliche Fensterscheiben des Treibhauses waren zersprungen, Blumen und andere Pflanzen, die in dem Hause untergebracht waren vernichtet. Der Schaden ist groß und nicht durch Versicherung gedeckt. Die Feuerwehr wurde nicht alarmiert, weil ein Umsichgreifen des Brandes, nachdem das Haus ausgebrannt war, nicht mehr zu befürchten war. Der Brand dürfte dadurch entstanden sein, daß durch die Heizung zunächst in der Nähe stehende Kisten und dann Strohmatten Feuer gefangen haben. Politischer Schulungskursus in hagen Gau Sauerland des Bundes Königin Luise. * Hagen, 1. März. Das Dangergeschenk des Jahres 1918— das Frauenwahlrecht, hat die deutsche Frau mehr als einmal vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt. Rein gefühlsmäßig kann die Frau dem politischen Ränkespiel der Gegenwart, der Politik eines in Waffen starrenden Auslandes, dem Endkampf des Systems im Inland, nicht mehr folgen. Von diesen Voraussetzungen ausgehend, hatte Gauführerin Frau Sinn=Löhr Mitglieder des Bundes Königin Luise aus dem Gau Sauerland zu einem zweitägigen politischen Schulungskursus nach Hagen geladen. Unter ganz außergewöhnlich starker Beteiligung fand der Schulungskursus im großen Saal der Konkordia in Hagen statt. Aus allen Ortsgruppen des Sauerlandes waren Vertreterinnen entsandt. Graf Perponcher, Düsseldorf. leitete die ereignisreiche Tagung, arbeitete mit Intensivität die zur Aussprache stehenden Themen durch. Material für den Kleinkampf galt es vor allem in genauer, beweiskräftiger Form den Frauen der nationalen Front, die sich in dem größten politischen Frauenbund Deutschlands. dem Bund Königin Luise. zusammengeschlossen haben, zu liefern. Am ersten Abend wurden die Gründe der gegenwärtig außen= und innerpolitischen Lage durchgearbeitet. Abrüstungskonferenz— Völkerbund— Krieg im Osten— Memelland— akute Kriegsgefahr. Im Mittelpunkt der Diskussion über Innenpolitik stand die Reichspräsidentenwahl. Die Parole des Bundes ist klar umrissen, trotz aller Ehrerbietung vor der Person des greisen Feldmarschalls— keine Stimme Hindenburg. Es gilt in diesem entscheidenden Endkampf die Treue zur Sache über die Treue zur Person zu stellen. Der zweite Tag brachte politische Schulung zur Leitung öffentlicher Versammlungen Eingreifen in die Diskussion, aufklärendes Material über den Tannenberg=Bund, praktische Werbung, Versailler Vertrag. Auf= und Abrüstung. den Genfer Konventionsentwurf mit seiner glatten Maske und Heuchelei. Wehr= und Dienstpflicht. Christentum und Pazisismus, eine eingehende Charakteristik der Zentrumspartei und der S. P. D., Schule und Religion. Zum Schluß der bis zum letzten schürfenden Tagung wurde das Arbeitslosenproblem behandelt. die Wege aufgezeigt, die zur endgültigen Lösung der Frage von der nationalen Front bereits festgelegt sind. Wie im Fluge waren die beiden Arbeitstage vergangen. Mit einem begeisternden Schlußwort des Redners der die anwesenden Kameradinnen noch einmal zur disziplinierten treuen Gefolgschaft innerhalb der nationalen Front anfenerte, schloß unter stürmischem Beifall und Heil-Rufen die Tagung. * Hagen, 29. Febr.(Vor dem Schnellrichter.) Der Vollziehungsbeamte Sch., der umsangreiche Unterschlagungen bei der Kirchensteuerstelle des Finanzamtes Hagen begangen hat. hatte sich am Samstag selbst gestellt und wurde noch am gleichen Vormittag durch den Schnellrichter zu einem Jahre Gefängnis rerurteilt. Das Gericht nahm Unterschlagungen in Höhe von 12 500 Mark als erwiesen an. * Hagen, 29. Febr.(Die Vorgänge im Polizespräsidium.) Im Zusammenhang mit den Unregelmäßigkeiten im Polizeipräsidium wurde vorige Woche auch der Polizeiobersekretär S. verhaftet, der an den vor einiger Zeit aufgedeckten Unregelmäßigkeiten beteiligt gewesen sein oder zum mindestens von ihnen gewußt haben soll. Bekanntlich sind in dieser Angelegenheit bereits vor einiger Zeit zwei Verhaftungen erfolgt. * Dortmund, 29. Febr.(Pfarrer bei der Grabrede vom Schlage getroffen. Tot ins offene Grab gestürzt.) Bei der Beerdigung eines Gemeindemitgliedes wurde der die Grabrede haltende evangelische Pfarrer Hilburg bei der Predigt von einem Gehirnschlag getroffen. Der Pfarrer stürzte in das offene Grab, aus dem man ihn nur als Toten bergen konnte. Der Verstorbene stand im 62. Lebensjahre. * Bochum, 29. Febr.(Der Hausfreund sticht den Ehemann nieder.) Als ein hiesiger Händler bei seiner Rückkehr vom Markt einen in seinem Hause verkehrenden erwerbslosen Bäckergesellen, der wiederholt seiner Sympathie für die Frau des Händlers Ausdruck gegeben hatte. wieder einmal in seiner Wohnung vorfand, forderte er diesen auf, das Haus zu verlassen. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Bäckergeselle ein Dolchmesser zog, mit dem er blindlings auf seinen Gegner einstach. Dieser er yielt acht Stiche in den Kopf und Oberkörper und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Nach dem Streit stellte sich der Bäcker der Polizei. * Gelsenkirchen, 1. März.(4000 Mark Bargeld und ein Sparkassenbuch über 4500 Mark aus einem Kleiderschrank gestohlen.) Von einem außerordentlich schweren Mißgeschick wurde ein an der Breilstraße wohnender Berginvalide betroffen. Diesem wurden am Freitag nachmittag aus seiner Wohnung 4000 M. Bargeld und ein Sparkassenbuch über 4500 Mark gestohlen. Der Geschädigte war in der angegebenen Zeit mit seiner Frau zu einer Geburtstagsfoier und hat bei seinem Weggange die Eingangstür zu seiner Wohnung verschlossen. Die polizeiliche Untersuchung ist eingeleitet. 1.1 — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. * * Recklinghausen, 1. März.(Freitod.) Ein 17jähriger Lehrling aus Recklinghausen warf sich am Freitag abend auf die Schienen der Eisenbahn= strecke Recklinghausen= Wanne. Er wurde von einem Zuge überfahren und auf der Stelle getötet. Das Motiv der Tat ist unbekannt. * Siegen, 29. Febr.(Förster ermordet aufgefunden.) Der Förster Krauß wurde zwischen Weiden und Kaltenbrunn erschossen aufgesunden. Kinn und Brust zeigten Einschußstellen. Es liegt zweisellos Mord vor. Nach Ansicht der Polizei kommen als Täter Wilderer in Betracht. * Brilon, 29. Febr.(Nach 11 Jahren gesühnter Mord.) Seinerzeit wurde in Köln der Zigenner Wiegand verhaftet, gegen den ein Steckbrief vorlag. Er stand jetzt unter dem Verdacht vor Gericht, im Jahre 1911 in Bruchhausen bei Brilon einen Landwirt, derartig über den Kopf geschlagen zu haben, daß der Landwirt geisteskrank wurde. Der Sohn des Landwirts, der dem bedrängten Vater zu Hilfe kam, ein Oberprimaner, wurde durch einen Kopfschuß des Zigeuners getötet. Vor dem Arusberger Schwurgericht gab der Zigenner, der sich durch Zulegung eines falschen Namens der Festnahme zu entziehen vermochte, die Tat zu, behauptete aber, in Notwehr gehandelt zu haben. Das Schwurgericht verurteilte ihn wegen Totschlags zu vier Jahren Gefängnis. * Wuppertal, 1. März.(Provinzialumlage für Wuppertal um 425000 Mark erhöht.) Die Verwaltung gab Montag abend Kenntnis von einer Ueberraschung, die wahrscheinlich bald die Runde durch die übrigen Städte der Rheinprovinz machen wird. Die Provinzialumlage, die man nach den bisherigen Feststellungen auf 775000 Mark errechnet hatte, hat sich um die„Kleinigkeit“ von ungefähr 425000 Mark auf 1,2 Millionen Mark erhöht. Außerdem hat man soeben die erfreuliche Nachricht bekommen, daß man an die Landesschulkasse 80000 Mark mehr als bisher vorgesehen abzuführen hat. Zusammen mit verschiedenen anderen kleineren Ausgaben ergibt das eine Mehrbelastung von 525000 Mark, durch die das Defizit sich von 14,9 Millionen Mark auf 15,4 Millionen Mark erhöht. * Wuppertal, 1. März.(Voruntersuchung Siegen= Solingen eingeleitet.) Die gestrige gerichtliche Gläubiger=Versammlung des Siegen= Solinger Gußstahl=Aktienvereins brachte eine große Ueberraschung. Die Vertrauensperson, Dr. Risse, teilte mit, daß der Gläubigerausschuß den bekannten Vergleichsvorschlag nicht mehr für durchführbar halte, nachdem die Bestrebungen, einen größeren Vorrechtsgläubiger zur Stillhaltung zu bewegen, ergebnislos geblieben seien. Unter diesen Umständen erscheine die Durchführung eines Vergleichs unmöglich. Es handelt sich dabei um Forderungen des Vorstandes bezw. rückständige Gehälter. Aus Gläubigerkreisen(Tenhaeff, Köln) wurde betont, daß er Schadenersatzklage über eine Million Mark gegen Vorstand und Aufsichtsrat angestrengt habe. Falls diese durchgesochten werde, sei mit einer Gläubigerbefriedigung, eventuell auch mit einer Quote für die Aktionäre, vielleicht aber auch mit einer Weiterführung des lebensfähigen Teiles der Gesellschaft zu rechnen. Tenhaeff führte weiter aus, und es wurde aus der Versammlung bestäigt, daß er Strafantrag gegen den Vorstand beim Landgericht Wuppertal gestellt habe, und zwar wegen unrichtige Bilanzierung und unstatthafter Aktienmanipulationen. Das Landgericht habe die Voruntersuchung bereits eröffnet. Wie nach diesen Enthüllungen zu erwarten war, beschloß das Gericht, das Vergleichsverfahren einzustellen und den Konkurs über Siegen=Solingen zu eröffnen. * Wuppertal. 29 Febr.(100000 Mark Schadenersatz für ein Urteil.) Wegen erwiesener Unschuld war vor etwa einem Jahr der Elberfelder Eiergroßhändler Jürgens im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen worden, nachdem er wegen Betrugs gegenüber der Reichsbahn zu einer Geldstrafe von 10000 Mark in zweiter Instanz verurteilt worden war. Jürgens hatte auf Grund des Freispruchs wegen erwiesener Unschuld vom preußischen Fiskus Schadenersatz in Höhe von 200000 Mark gefordert. Diese Forderung hatte er damit begründet, daß ihm durch die Verurteilung in seinem Geschäft große gewordenen Polizeibeamten Verluste entstanden seien und daß er außerdem wegen schwerer Körperverletzung und Nötigung in außerordentlich hohe Zinsverluste gehabt habe, drei Fällen fünf Monate Gesängnis, der 22jährige und zwar auf Grund der durch Urteil erzwunge= Kaufmann Dirks aus Duisburg wegen unbefugter nen Zahlungen an die.Gerichtskasse und durch die Anmaßung eines öffentlichen Amtes eine Geldnerzeit vom Gericht freigesprochen, weil das Gericht feststellte, daß die beiden Tatzeugen auf die Anklagebank gehörten. Diese standen jetzt vor dem Erweiterten Schöffengericht als Angeklagte. Der 23 Jahre alte Polizeibeamte Johann Adelhütte aus Duisburg, den der Staatsanwalt als einen wild bezeichnete, erhielt Beschlagnahme seines Vermögens. Der Fiskus hat ihm jedoch nur 5000 M. Schadenersatz zuerkannt. Daraufhin hat nunmehr Jürgens seine Rechtsanwälte Professor Dr. Alsberg=Berlin und Schumann in Elberfeld mit einer Zivilklage gegen das Land Preußen bezw. gegen den preußischen Justizfiskus beauftragt. Die Klage lautet über einen Betrag von 95000 Mark Schadenersatz nebst 8 Prozent Zinsen seit dem 31. Juli 1931. * Wuppertal, 29. Febr.(Wuppertal sam melte 414000 Mark für die Notgemein schaft.) In der letzten Sitzung des Hauptausschusses der Wuppertaler Notgemeinschaft erstattete der Vorsitzende Bericht über das bisherige Sammelergebnis. Danach haben die Sammlungen der Wuppertaler Notgemeinschaft einen Gesamtwert von rund 414000 RM. erreicht. Nach dem Stand vom 20. Januar ist eine Erhöhung des Gesamtbetrages um rund 55000 Mark zu verzeichnen. Eine eingehende Erörterung knüpfte sich an die Anregung, zugunsten der Notgemeinschaft eine Wohlfahrtslotterie zu veranstalten. Dieser Vorschlag fand die Zustimmung des Ausschusses. * Mettmann, 27. Febr.(Ein Kind ver brannt.) Gestern vormittag gegen 11 Uhr ereignete sich in einem Hause an der Mühlenstraße ein grauenhaftes Unglück. Eine Mutter hatte ihr Kind in einem als Wiege benutzten Korb neben den Ofen gestellt und unterhielt sich draußen mit einer Nachbarin. Unterdessen fing der Korb Feuer und das Kind war, als die Mutter zurückkehrte, auf einer Seite völlig verkohlt. Das Kind starb kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. * Düsseldorf, 27. Febr.(Eine Kastanie umgestürzt.) Auf der Künigsallee stürzte gestern abend ein Kastanienbaum auf die Straße. Der Baum, der über der Erdoberfläche angesault war, schlug beim Fall den schweren Betondeckel einer Litfaßsäule ab und zerriß die Oberleitung der Straßenbahn. Beim Aufschlagen gab es einen lauten Knall, dem bald ein zweiter, ebenso lauter, mit einer großen Stichflamme folgte, der durch den Kurzschluß in der elektrischen Leitung hervorgerufen wurde. Eine Straßenbahn, die gerade die Unfallstelle passiert hatte, blieb stehen, und die Fahrgäste verließen fluchtartig den Wagen. Aehnlich machten es die Straßenpassanten, die ebenfalls ihr Heil in der Flucht suchten. Aber schon nach wenigen Augenblicken, als man den Baumriesen ruhig auf der Straße liegen sah, sammelten sich zahlreiche Neugierige an der Unfallstelle an. Die Feuerwehr und ein Aufgebot der Schutzpolizei trafen nach wenigen Augenblicken ein. Der Baum wurde zersägt, und in kurzer Zeit war das Verkehrshindernis beseitigt. * Düsseldorf, 29. Febr.(Fassadenkletterer geschnappt.) In der Nacht wurde in der Böcklinstraße ein Einbrecher von einem Wohnungsinhaber beim Diebstahl überrascht. Der Dieb war an einem Abflußrohr an der Hausfassade bis zur ersten Etage hinaufgeklettert, hatte eine Fensterscheibe zertrümmert und war so ins Innere gelangt. * Mülheim, 29. Febr.(Ein Polizeibeamter mißhandelt Spaziergänger.) Am 2. April v. J. kam es in Uhlenhorst zu unerhörten Exzessen, weil ein betrunkener Polizeibeamter und ein Kaufmann aus Duisburg, die in ihrem Auto von einer Bierreise zurückkehrten, harmlose Spaziergänger anrempelten und mit dem Seitengewehr mißhandelten, andere Männer und Frauen mit der Pistole bedrohten, wobei sich der Kaufmann als Polizeihauptmann ausgab. Zwei der Beteiligten, die sich zur Wehr gesetzt hatten, wurden seistrafe von 100 Mark. Mülheim. 1. März.(Schießen de Klebekolonne.) In der Nacht zum Sonntag gegen 11,30 Uhr wurde in Heißen in der Nähe der Zeche Rosenblumendelle eine aus Essen herübergekommene kommunistische Klebekolonne in Stärke von neun Mann überrascht, als sie hier ihre Tätigkeit ausüben wollte. Als eine Polizeistreise von drei Mann zu ihrer Festnahme schreiten wollte, wurde sie von den Kommunisten beschossen, die dann die Flucht nahmen. Trotzdem gelang es der Polizei, die Leute festzunehmen. Die Kommunisten haben auf der Flucht ihre Waffen weggeworfen. Von den Polizeibeamten wurde niemand verletzt. * Duisburg=Hamborn, 29. Febr.(Grausiger Fund im Rhein.) Aus dem Rhein, etwa 1200 Meter unterhalb der Haus=Knipp=Brücke, wurde ein menschliches Bein gelandet, an dem der Fuß fehlt. Das Bein dürfte bereits mehrere Monate im Wasser gelegen haben. haben sich, wie Dr. Kaiser, Wiesbaden, kürzlich in einem Vortrage ausführte, in der letzten Zeit die Stimmen gemehrt, die zum Teil in recht lebhafter Weise die Einsteinsche Lehre angreisen. Todesfall im Boxeing * Berlin, 27. Febr. Bei den Boxkämpfen im Berliner Spichernring am Freitagabend ereignete sich im Halbschwergewichtskampf zwischen dem Berliner Völkner und seinem Landsmann Sabottke ein bedauerlicher tödlicher Unglücksfall. Sabottke schlug seinen Gegner in der dritten Runde mit einem rechten Kopfhaken zu Boden. Völkner schlug mit dem Kopf hart auf, kam aber bei neun wieder hoch. Noch völlig benommen, wurde Völkner von seinem Gegner mit schweren Schlagserien eingedeckt, bis er in seiner Ecke bewußtlos zusammensank. Der Ringrichter brach den Kampf ab, und der Arzt verfügte die Ueberführung in ein Krankenhaus, obwohl der Tod offenbar bereits im Ring eingetreten war. Als Ursache wird Genickbruch vermutet. Hal Einstein Die Einsteinsche Theorie setzt bekanntlich Masse und Energie gleich und kommt zu dem Schlusse, daß ein Lichtstrahl aus seinen Bahn abgelenkt wird, wenn er an einer großen Masse vorübergeht. Er sei eben Träger von Masse und und Energie zugleich. Einstein berechnete die Ablenkung beim Vorübergang am Sonnenrande auf 1,75 Bogensekunden. Dieser Fall läßt sich nur bei toralen Sonnenfinsternissen beobachten, und nach dem Kriege haben denn auch mehrere Expeditionen solche Gelegenheiten wahrgenommen, um durch Messungen die Richtigkeit der Einsteinschen Lehre nachzuprüfen. Die Ergebnisse sind zum Teil recht widersprechend gewesen. Kürzlich hat die im Jahre 1929 von der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft ausgerüstete Potsdamer Expedition nach Tagenkon in Nordsumatra ihre Photographien ausgewertet und dabei eine Ablenkung von 2,2 Bogensekunden mit großer Sicherheit errechnet, ein Ergebnis, das also keine unbedingte Bestätigung Einsteins bedeutet, da der von ihm ermittelte Wert erheblich übertroffen wird. Große Unsicherheit hat sich bei den Messungen der Rotverschiebung von Spektral= linsen ergeben, wenn die aussendenden Lichtquellen sich unter dem Einflusse großer Massen befinden. Die Werte, die zwar im Sinne der Theorie liegen, weichen doch weit voneinander ab. Bestätigt wurde sie dagegen durch die Beobachtung des Siriusbegleiters, eines sehr kleinen Sternes, der die ungeheure Dichte von 60000 besitzt. Im übrigen Radtische Bahnrn Wapperial Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt, Neustraße Barmen Dienstag, 1. März, 8 bis 11 Uhr: Undine. Avonnement A. 23. Vorstellung. Preise 2. Donnerstag, 3. März, 8 bis 10,30 Uhr: Gastspiel William Schirmer: Onkel Bräsig. Lebensbild nach Reuters„Ut mine Stromtid“. Abonnement D. 11. Vorstellung. Preise 2. Freitag, 4. März, 8 bis nach 10 Uhr: Vorstellung für den Bühnenvolksbund Gruppen A und B, Ortsgruppe Barmen. Kartenausgabe in den Geschäftsstellen. Goethe=Abend. Die Geschwister Die Laune des Verliebten— Die Mitschuldigen. Ausgewählte Dichtungen.— Gedichte in Vertonung von Mozart bis Rich. Strauß. Oesfentlicher Kartenverkauf für Nichtmitglieder an der Theaterkasse. Preise 2. Samstag, 5. März, 8 bis nach 10 Uhr: 1. Gastspiel Indische Hindus. Uday San=Kar mit Siemkie und Hindu=Orchester. Indische Märchen und Legenden. Waffen und Tempeltänze. Preise 3. Sonntag, 6. März, 3 bis 6 Uhr: Undine. Preise 2. 7,30 bis 10,15 Uhr: Die Czardasfürstin. Operette von Kalman. Preise 1. Elberfeld Dienstag, 1. März, 8 bis 10,30 Uhr: Gastspiel William Schirmer: Onkel Bräsig. Abonnement B. 23. Vorstellung. Preise 2. Mittwoch, 2. März, 8 bis 10,30 Uhr: Gastspiel William Schirmer: Oukel Bräsig. Abonnement F. 12. Vorstellung. Preise 2. Donnerstag, 3. März, 8 bis 10 Uhr: Zum letzten. Male: Nina, der Filmstar. Komödie von Bruno Frank. Abonnement C. 22. Vorstellung. Pr. 1. 8 Uhr: Stadthalle: Matthäuspassion von Bach. Freitag, 4. März. 8 Uhr: Stadthalle: Matthäuspassion von Bach. Stadttheater Hagen Dienstag. 1. März, 20 bis 22 Uhr, Reihe C 24: Der 18. Oktober, Schauspiel. Mittwoch, 2. März, 20 bis 22,45 Uhr, zu kleinen Preisen: Der Biberpelz, Komödie. Freitag, 4. März, 20 bis 23,30 Uhr, Vorstellung für den Kreis=Kriegerverband: Im weißen Rößl. Revue=Operette. Samstag, 5. März, 20 bis 23 Uhr, zu kleinen Preisen, zum letzten Male: Der Obersteiger, Operette. Sonntag, 6. März, 19,30 bis 23 Uhr, zu ermäßigten Preisen: Im weißen Rößl, Revue=Operette. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Zunächst noch wolkenlos und in den Morgenstunden Frost, im Laufe des Tages Temperaturen bis einige Grade über null ansteigend. östliche Winde, später aufkommende Bewölkung von Norden. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scherz Druck und Verlag von M. Schera: sämtlich in Schwelm. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Mutter Frau Witwe Gustav Küper sprechen wir hiermit Allen, insbesondere Herrn Pastor Becker, unseren herzl.Dank aus Die trauernden Hinterbliebenen Schwelm, den 1. März 1932. Vater hängt die neuen duftigen Gardinen auf, die unsere Mutter jetzt so vorteilhaft gekauft hat bei Max Klein, Schwelm Fachmann als Leiter einer Wribgmaschrnen-Vabtik gesucht, der auch im Verkauf firm ist. Angebote unter 1246 en die Exp. da. Zig. Wählerlisten. Die Wählerlisten für die am 13. März 1932 stattfindende Wayl des Reichspräsidenten liegen in der Zeit vom Donnerstag, dem 3. März 1932 bis einschl. Sonntag, dem 6. März 1932 im Rathaus, Zimmer Nr. 4(Einwohnermeldeamt) wochentags während der Dienststunden und Sonntag von 9—12 Uhr zur Einsicht öffentlich aus. Einsprüche gegen die Wählerlisten sind bis zum Ablauf der Auslegungsfrist bei dem unterzeichneten Magistrat(Zimmer Nr. 20) schriftlich oder zu Protokoll anzubringen. Verspätete Einsprüche bleiben unberücksichtigt. Jeder Wähler erhält einen Wahlausweis(Wahlpostkarte), der sorgfältig aufzubewahren und im Wahltermin vorzulegen ist. Dieser Wahlausweis behält seine Gültigkeit auch für spätere Wahlen, deshalb ist derselbe sorgfältig aufzuheben. Die Wahlausweise werden den Wählern bis Freitag, den 4. März 1932 zugestellt. Wer bis zum genannten Tage keinen Wahlausweis erhalten hat, muß unverzüglich die Wählertisten einsehen und seine Rechte eotl. durch Einspruch wahren. Schwelm, den 29. Februar 1932. Der Magistrat: Dr. Puller. Was bringt der Rundsunk? Mittwoch, den 2. März 0.45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Uhr Wettervorhersage und Zeitangabe 7,05—8,00 Morgenkonzert. 9.00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9.15—9,40 Die Frau im Staat. 9.45 Gymnastik für Frauen. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wafferstandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempfang für Arbeitslose. 11,20—12,00 Schulfunk. 12,00—12,50 Unterhaltungskonzert. 12,50 Wetterbericht. 12,55 Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Wolf. 1. Exotischer Marsch von Heinecke. 2. Ouverture zur Oper„Ilka“ von Doppler. 3. Melodien aus der Oper„Manon Lescaut“ von Puccini. 4. Husaren=Walzer von Ganne. 5. Ein Immortellenkranz auf das Grab Lortzings, Fantasie von Rosenkranz. 6. a) Ländler von Pachernegg, b) Puck auf Brautschau, Charakterstück von Derksen. 7. Alt=Rußland, Melodien über beliebte russische Motive von Leuschner. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15.30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Gert Reinders spielt mit seinem Kasperltheater. 16,20—16,40 Meine Heimat. 16,40—1700 Aussprachestunde für Landschulen. 17,00—18,00 Vesperkonzert, Leitung: Wolf. Märsche und Walzer. 1. Einzug der Gladiatoren, Marsch von Fucik. 2. Marien=Walzer von Lanner. 3. Helenen=Marsch von Lübbert. 4. Künstlerleben, Walzer von Strauß. 5. Frühlings Einzug, Marsch von Blon. 6. Estudiantina, Walzer von Waldteufel. 7. Unsere Reichswehr, Marsch von Blankenburg. 8. Und der Himmel hängt voller Geigen, Walzerlied aus„Der liebe Augustin“ von Fall. 9. Gold und Silber, Walzer von Lehar. 10. Alte Kameraden, Marsch von Telke. 18,15—18,35 Dr. Justus Bier: Heinrich Zille. 18,40—19,00 Sozialpolitische Tagesfragen. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,30 Vor allem Gesundheit. 19,30—19,55 Der westdeutsche Wirtschaftsraum. 19,55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,25 Europa singt. Rolf Ghatberg(Gesang). Hans Ebert(Klavier). 20,30 Goethe. Jugend gestaltet in seinem eigenen Werk. Auschließend: Letzte Meldungen, Bericht über dar geistige Leben, Sportbericht. Anschließend etwa 22,45—24,00 Uebertragung aus der Femina, Berlin: Tanzmusik des Jazz=Orchesters Paul Godwin. Zwangsversteigerung Möbl. Zimmer Am Mittwoch, dem 2. 3. 1932, mittags 12 Uhr werde ich in Milspe in der Wirtschaft Thieme bezw. an Ort und Stelle folgende Gegenstände öffentlich meistbietend gegen Bar versteigern: 1 Schreibmaschine„Torpedo“, 1 Sosa, 1 Regulator, 1 Ladentheke, 1 Registrierkasse, 1 Warenschrank, 1 Klavier, 1 Büroschrank, 1 Bild, 1 Teppich, 1 Heizlampe, 1 Bowle und 9 Gläser, 1 Regal, 1 Gasherd, 1 Chemikerwagge, mehrere elektr. Lampen u a. S. Henses. Gerichtsvollzieher kr. A. in Schwelm Zum 1. Mai 2 Zimmer-Wohnung ges. Miete 6 Mon. im voraus! Schriftl. Angeb. unter 1245 bef. die Geschäntsst. ds. Zig 5 Zimmer= Wohnung zum 1. April gesucht. Schriftliche Angeb unter 1251 a. d. Geschäften df Ztg. Fast neuer hero deost Gashets billig zu verkaufen. Gasstraße Nr. 31. Haus 5—6 Zimmer am Rande der Stadt Schwelm mit ca. 5 Morgen Wiesenland und Stallung zu pachten gesucht. Schriftl Angeb. mit Preisangabe u. 1251 an die Geschäftost. d. Z. a ord. Mädch z. verm. 1248 Zu erfragen I. d Exp. ds. Ztg. Dame verkauft sofort Herrschaftl. neue 2 3.mmereinrichtung Schweres echt eichen Schlafzimmer mit dicken runden nußb. Leisten, Innenspiegel, echten Marmor=Waschtisch, 2 Betten mit guten 3teil. Kapokauflagen Mk. 580.— Elegt. schwere Natur=Küche ganz modern eingerichtet Mk 290.— Ledersofa Mk. 45.— Chaiselongue Mk. 25.— Schriftl. Anfr. unt. 1242 bef. die Geschäftost ds. Ztg. Mehrere möbl. Zimmer ab 5. 3. gesucht. Wochenpreisangebote u. N. 281 an die Ann.=Exp. Jak. Bowinckel, Elberfeld. Haus- und brunobelltzerVerein& C. Schweim Vereinsberatung an jed. 1. u. 3. Mittwoch im Monat 6—8 Uhr Schulstraße 34 a Suche für meinen Sohn (Reifezeugnis) 173 alt, Stchung als Kaufmannslehrling Schriftl Anfr unt. Nr. 1190 bef. die Geschäftsst. d. Ztg. T 11.— — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Zweites Blatt Rummer 51 „ B 5 Dienstag, 1. März 1932 Wapperialer Kunstorte Das dritte Tymphonie=Konzert, ein Goethe=Abend und ein Haydn=Vortrag. In der Reihenfolge der Symphoniekonzerte der Konzertgesellschaften wurde dieser Abend zu einer Ehrung für den einheimischen Komponisten Hubert Pfeiffer, dessen Anerkennung glücklicherweise auch in seiner Vaterstadt gewürdigt wird. Lange genug hat es ja gedauert, aber nachdem seine Große Messe hier uraufgeführt wurde und auch draußen mit Ehren ausgenommen ist, regt sich das Interesse für diesen eminent begabten Künstler mehr und mehr. Drei Lieder für eine Altstimme mit Orchesterbegleitung standen auf der Vortragsfolge, für die man sich kaum eine bessere Interpretin denken konnte als Eva Jürgens. Ihre musikalische Sicherheit, ihr seinkultiviertes Organ vermochte nicht ganz die enormen Tonwogen zu bewältigen, vielleicht hat man einmal Gelegenheit, diese Lieder in einem kleineren Raum und Kreise(Kammermusik) zu hören, wo sie m. E. einen noch günstigeren Eindruck machen müssen. Die Dichtungen zu diesen Liedern entnahm der Komponist bei Ernst Bertram, Paul Verlaine und Stefan George:„Agnus Dei".„Ruhe auf der Flucht nach Aegypten“, ein sehr feinsinniges Wiegenlied und „Lilie der Auen". Man denkt an Bruckner, an Richard Wagner(Parsival= oder Tristanstimmung), wundervoll ist die menschliche Stimme in das Orchester hineingebettet, umwoben von Melodien, die Pfeiffer nicht bei den anderen Großen sucht, nein, seine Phantasie ist so reich und schier unerschöpflich, denn auch hier spürt man deutlich einen Fortschritt gegen die Messe, daß man überrascht diesen Klangwirkungen lauscht. Welches Lied als das schönste und wertvollste anzusprechen ist, es ist schwer zu sagen ein jedes hat seinen persönlichen Reiz und der Komponist und die Sängerin, die sich mit ihrem großen Können ganz dafür einsetzte, wurden mit viel Beifall geehrt. Hubert Pfeiffer spielte zuvor ein hier noch nicht gehörtes Klavier=Konzert in E=dur Nr. 11 von Joh. Seb. Bach mit brillanter Technik die in ihrer volyphonischen Gestaltung nicht leichten Ecksätze und den langsamen Satz, Siciliano, sehr weich und lyrisch. Man stelle sich einmal vor, um wie vieles schwieriger es für einen blinden Künstler sein muß, ein Klavierkonzert einzustudieren und welches musikalische Empfinden er besitzen muß, da er doch absolut unabhängig vom Dirigenten seine Einsätze nimmt. Auftakt zu diesem Abend war Heinrich Kaminskis Fuge aus dem„Werk für Streichorchester“, die man schon vor drei Jahren hörte und zum Schluß spielte das Orchester unter Franz von Hoeßlin Schumanns„Rheinische Symphonie“, Romantik, Wohllaut, Farbenfreudigkeit vereinigten sich hier, aber— der Kernpunkt war und ist Hubert Pfeifsers Schaffen. Im Stadttheater Elberfeld konnte man abermals einen Goethe=Abend verleben, drei Jugendwerke des Meisters, von denen„Die Mitschuldigen“ schon aus Anlaß der Goethefeier des Frauenstadtverbandes besprochen wurden.„Die Laune des Verliebten“ und„Die Geschwister", Rokokoduft weht aus diesen graziösen Schäferspielen zu uns herüber, unbeschwert und heiter, wie die damalige Zeit es bot, so plätschert es dahin— zur Freude auch für die heutige Generation, die mehr denn je nach kurzer Ablenkung und Ausspannung verlangt. Bruno Reißners Spielleitung war geschickt und bewußt, sie wahrt den richtigen Stil und die Mitwirkenden Milli Rosewich, Herbert Köllner und Joachim Krätke erfüllten ihre Rollen zur Freude der Zuschauer. Dr. Paul Greeff, der als Redner und Pianist sehr geschätzt ist, sprach über Joseph Haydn und seine Bedeutung für unsere Zeit. Man liest, hört, spricht von Haydn, immer wieder etwas Neues herauszuschälen, dabei nicht in das Fachwissenschaftliche zu geraten, ist nicht ganz leicht. Dr. Paul Greeff löste seine Aufgabe glänzend, indem er einen musikgeschichtlichen Rückblick auf die Der Bau des Völkerbund=Palastes eingestellt Die Bauarbeiten am Völkerbundpalast in Geuf mußten bis auf weiteres eingestellt werden, da die ursprünglich angesetzte Bausumme von 25 Millionen Goldfrank nicht ausreichte. Ob die Einstellung des Baues ein Zeichen für die kommende Gesamtauflösung des Völkerbundes ist? verflossenen Jahrhunderte gab und hervorhob, daß der Mensch ein Produkt seiner Umgebung sei. Wenn am 31. März sich zum 200. Male der Geburtstag des großen Meisters jährt, dann stehen wir staunend vor seinen Werken, die damals ganz neue Wege gingen, Themen, die in die Tiefe gingen und im Gegensatz zu der herben Polyphonie eines Joh. Seb. Bach standen. Der Schöpfer der „Schöpfung“ ist auch für unser Säkulum frisch und lebendig! Erik Weisen=Rose. Deutsche Heldengedenkfeier in Genf Die deutsche Abordnung auf der Abrüstungskonserenz in Genf veranstaltete gemeinsam mit der deutschen Kolonie in Genf eine Trauerfeier für die Toten des Weltkrieges. Die Gedenkrede hielt der Führer der deutschen Abrüstungsdelegation, Botschafter Nadolny(mit schwarzem Pelzkragen.) Der Mann, der sein Leben im voraus kannte In London wohnt ein Mann in den besten Jahren, den kein Arzt für krank erklärt hat und der sich doch auf sein baldiges Ende vorbereitet:„Ich weiß, daß ich im Herbste sterben werde.“ Ein verurteilter Mörder könnte das mit Recht sagen. Aber ein gesunder Mensch, der nichts auf dem Gewissen hat, der Geld genug besitzt....?„Doch," sagt dieser Londoner— Taylor heißt er—,„doch, ich weiß, daß ich sterben muß.“ Und dann sagt er, warum: Vor mehr als fünfundzwanzig Jahren war er Redakteur an einer englischen Zeitung in Bombay. Da erkrankte er an der Beulenpest. Er stand lange Zeit am Rande des Grabes, bis die Krise überwunden war. Eines Tages lag er als Halbgenesener, noch vollkommen erschöpft von der furchtbaren Krankheit, in einem Liegestuhl auf der Veranda. Seine Kraftlosigkeit, seine Verzweiflung über die entstellenden Folgen der Beulenpest hatten ihn in eine Art Teilnahmslosigkeit versetzt. Da meldete ihm sein indischer Diener einen Fakir. Taylor wollte den Gaukler nicht sprechen. Der Diener bat eindringlich:„Es ist zu Deinem Besten, Sahib!" Der Fakir kam. Er setzte sich auf den Boden neben dem Liegestuhl, fuhr mit den Händen über die Arme des Kranken. Taylor fiel in einen traumlosen Schlaf, aus dem er erst nach Tagen erwachte, neu gestärkt, mit neuem Lebensmut, genesen. Er dankte dem Fakir herzlich, war freundlicher zu ihm, als Engländer in seiner Stellung sonst einem Eingeborenen gegenüber gewesen wären. Der Inder wollte ihm seinen Dank dafür abstatten:„Ich sage Dir die Zukunft." Taylor hatte kein Vertrauen. Doch dann prophezeite ihm der Fakir Dinge, die völlig belanglose Einzelheiten betrafen und den Engländer verblüfften. Taylor war geradezu gezwungen, den Prophezeiungen Glauben zu schenken. Sie sprachen von der baldigen Rückkehr nach England, von der baldigen Verheiratung Taylors innerhalb eines Jahres, von seinem zukünftigen Leben, das sich auf dem Lande in England abspielen sollte, von seiner Teilnahme an einem großen Kriege, von erneuter schwerer Krankheit, von einigen Jahren neuerlicher bester Gesundheit:„Nach genau vierundzwanzig Jahren ziehst Du nach London, und im Herbst nach achtundzwanzig Jahren wirst Du sterben." Alle Prophezeiungen des Fakirs gingen bisher in Erfüllung: Taylor kehrte nach England zurück. Er, der durch seine Krankheit für das ganze Leben gekennzeichnet zu sein glaubte, fand schon nach einem Jahre eine Frau. Die Umstände zwangen ihn, auf dem Lande zu leben. Der Weltkrieg kam, und Taylor wurde Soldat, nachdem er seinen Bekannten schon Jahre vorher den Ausbruch der Feindseligkeiten auf einen Tag genau vorausgesagt hatte. Unverwundet kam er aus dem Kriege. Dann wurde er schwer krank, genas wieder. Und jetzt sind die achtundzwanzig Jahre, die Frist, die ihm der Inder gab, bis auf ein paar Monate verstrichen:„Ich weiß, daß ich sterben muß.“ Die Gewißheit drückt Taylor nicht. Er ist dem Schicksal im Gegenteil dankbar, daß es ihm Zeit läßt, sein Haus zu bestellen. Gute Spekulation Die Ausbildung Ihrer Tochter in der Musik muß Sie ein hübsches Stück Geld kosten, was?“ „Allerdings, aber es hat sich schon rentiert.“ „So, verdient sie schon etwas?“ „Das nicht, aber das Nachbarhaus konnte ich spottbillig kaufen. DEA HALUNER Roman von Hermann Weick. 8 Irene Duval sagte darauf etwas ungeduldig: „Sie können sich ja beim Portier nach ihr erkundigen. Dann werden Sie das Rätsel schnell gelöst haben.“ „Verzeihen Sie! Die Sache ist ja ganz belanglos.“ * Brinkmann hatte die Absicht, seine Frau in die Schweiz zu begleiten. Da kamen im letzten Augenblick einige wichtige Konferenzen dazwischen, die sein Verbleiben in Berlin noch für einige Tage notwendig machten. Er bat Lisa, so lange zu warten, doch war sie nicht zu bewegen, auch nur einen Tag länger in Berlin zu bleiben. Brinkmann ließ sie nicht gerne allein fahren; aber es war in ihrem Benehmen eine solche Unrast und Gereiztheit, daß es ihm geraten erschien, ihrem Wunsche nichts in den Weg zu legen. So willigte er in ihre sofortige Abreise ein, versprach aber, sobald wie möglich nachzukommen. Wie auf einer Flucht legte Lisa die Fahrt in die Schweiz zurück. Erst als sie die deutsche Grenze hinter sich hatte, wich das lastende Bangen von ihr. Sie konnte wieder freier atmen und betrachtete mit neu erwachtem Interesse die Landschaft, durch die der Zug eilte. Das abwechslungsreiche Treiben in dem groten St. Moritzer Hotel nahm rasch den letzten Rest von Befangenheit von Lisa. Sie war nun wieder die schöne, interessante Frau, der alle Männeraugen sich bewundernd zuwandten. Man versuchte, sich ihr zu nähern, und schnell hatte sich ein Kreis von Verehrern um sie versammelt. Wie ein schwerer Traum lagen die letzten Erlebnisse in Berlin hinter Lisa. Sie wollte nicht daran denken und wenn einmal eine düstere Erinnerung sich ihr nahte, warf sie sich in neue Vergnügungen und erstickte so rasch das Grauen, das in ihr aufsteigen wollte. Als Brinkmann nach acht Tagen in St. Moritz ankam, konnte er zu seiner Freude feststellen, daß nichts mehr von der vorherigen Unrast in Lisa war. Sie schien sich inzwischen sehr gut erholt zu haben. Ihre Gesichtsfarbe war frisch und gesund; ihre Bewegungen hatten wieder das Slastische. Brinkmann war zufrieden. Er brachte seiner Frau eine abgöttische Liebe entgegen. In sein arbeitsreiches Leben spendete sie ihm Freude und Sonne. Er war glücklich. Lisa mit allem Wohlbehagen und Luxus umgeben zu können, nach dem sie verlangte. Er war stolz, diese schöne Frau zu besitzen. Sie machten am Nachmittag eine Schlittenfahrt und freuten sich ihres Beisammenseins. Lisa war in bester Laune. Sie erzählte ihrem Manne von den Bekanntschaften, die sie schon gemacht, und von den Vergnügungen, an denen sie teilgenommen hatte. Beim Tee hatte Brinkmann dann Gelegenheit, zahlreiche Hände zu schütteln und Herren der verschiedensten Nationen an seinem Tische zu begrüe ßen. Er wußte, daß Lisa die Bewunderung der Männer brauchte. Es gehörte nun einmal zu ihr und er gönnte ihr gerne diese Freuden. Er wußte, daß er sich auf sie verlassen konnte. Nach dem Abendessen sagte Lisa: „Wollen wir noch ein Weilchen in den Tanzsaal gehen?“ „Gerne.“ Unter der Tür trafen sie mit Irene Duval und Rackford zusammen. Ueberrascht blickten die beiden Herren einander an, dann streckte Brinkmann dem Amerikaner die Hand entgegen. „Hier finde ich Sie!“ sagte er hocherfreut. Rackford. der den anderen sogleich erkannt hatte, erwiderte etwas widerstrebend Brinkmanns Händedruck. „In ganz Berlin habe ich nach Ihnen recherchieren lassen, um Ihnen nochmals meinen Dank für die Rettung meiner Frau auszusprechen!" fuhr Brinkmann fort.„Nirgends waren Sie zu finden! Ausgerechnet hier in St. Moritz führt das Schicksal uns wieder zusammen.“ Lisa. die zuerst etwas erstaunt der Unterhaltung der beiden Herren zugehört hatte. trat näher. „Ich glaube, zu wissen, wer Sie sind, mein Herr!“ sprach sie.„Ihrer Hilfe danke ich es, daß ich heute so gesund hier stehe!“ Nackford widersprach. „So gefährlich war die Sache nicht, anädige Frau!“ Er machte darauf die beiden mit Irene Duval bekannt, die etwas zurückgetreten war. Man beschloß, den Abend gemeinsam zu ver bringen. Lisa und Irene Duval schienen rasch Gefallen aneinander zu finden. Sie hatten in Berlin zahlreiche gemeinsame Bekannte, sie redeten vom Theater. von Irenes letzter Rolle, in der Lisa die Sängerin gesehen und bewundert hatte. Daß sie nun hier einige Wochen gemeinsam verbringen würden, freute beide. Sie machten Pläne für die nächsten Tage. „Schade, daß mein Mann schon so bald wieder fort muß!“ sprach Lisa. „Sie bleiben nicht lange hier?“ fragte Rackford. der nach anfänglicher Zurückhaltung etwas gesprächiger geworden war. „Leider nur vier Tage! Meine Geschäfte erlauben mir kein längeres Fortsein von Berlin.“ Sie verbrachten einen frohen Abend. Sie fühlten sich zueinander hingezogen, als kennten sie sich schon lange. Die Stunden eilten im Fluge dahin. Mitternacht war längst vorüber, als sie zur Ruhe gingen. Brinkmann und Lisa saßen noch eine Weile plaudernd in ihrem Zimmer. „Es sind sehr nette Leute, Fräulein Duval und der Amerikaner!“ sagte Brinkmann.„Ich freue mich, daß wir sie getroffen haben.“ Lisa hatte einen weichen Mantel umgelegt. Sie rauchte vor dem Schlasengehen noch eine Zigarette. „Es war ein hübscher Zufall!“ „Ich bin sehr froh darüber! Nun weiß ich dich bei ihnen in guter Hut!" Lisa sah ihren Mann lächelnd an. „Meinst du, ich brauche einen Schutz, wenn du nicht da bist. Max? Ich bin mir selbst Schutz genug!“ Er legte zärtlich den Arm um sie. „Ich weiß, es ist töricht von mir, aber ich bin immer etwas in Sorge, wenn ich nicht bei dir sein kann!“ Dankbar fuhr sie ihm über die Hand. „Was könnte mir hier geschehen?" Als sie sich schon niedergelegt hatten, sprach Brinkmann: „Jetzt hätte ich beinahe etwas vergessen, Lisa! Neulich war ein Herr Karasin bei mir. Er wollte dich sprechen; da du nicht da warst, hat das Mädchen ihn zu mir geführt.“ Er meinte einen unterdrückten Schrei gehört zu haben, und schaltete das Licht ein. Lisa lag ruhig, mit geschlossenen Augen in den Kissen. „Er sagte, er komme aus deinem russischen Heimatsort und habe dir Grüße zu bestellen von einem gewissen...“ Er überlegte. „Ich kann diese russischen Namen nicht behalten. Dimitri oder so ähnlich sagte er—“ Es war einige Sekunden still. Dann sagte Lisa unnatürlich laut: „Karasin— ich glaube, ich kannte einmal einen Landsmann dieses Namens— es ist aber schon so lange her, daß ich mich mit dem besten Willen an ihn nicht mehr erinnern kann—“ „Er sagte, er wolle wiederkommen, wenn du zurückgekehrt bist.“ Lisas Hände fuhren aufgeregt auf der Bettdecke hin und her. „Willst du nicht wieder das Licht ausmachen, Max?“ Brinkmann rief erschreckt: „Du bist auf einmal so bleich, Lisa! Fühlst an dich nicht wohl?“ Sie lächelte gezwungen. „Doch. nur sehr müde! Es ist heute abend spät geworden!“ 5. Von den Herren. die Lisa Brinkmann den Hof machten, ging Fred Hilliger am energischsten ins Zeug. Der Züricher Sportsmann, der auf allen Wintersportplätzen der Welt zu Hause war, wich nicht von ihrer Seite. Er hatte eine burschikose, beinahe rücksichtslose Art, die anderen Verehrer an die Wand zu drücken, die Lisa nicht wenig ergötzte. Der lange, hagere Sportmann mit der scharsen Adlernase gesiel ihr. Sie ließ sich seine Huldigungen gerne gefallen. Sie brauchte in diesen Tagen viel Leben und Treiben um sich. Nichts fürchtete sie mehr als das Alleinsein. Brinkmann war abgereist. Aber etwas war geblieben: die Erinnerung an jene nächtliche Stunde. als er Lisa von Karasinz Besuch berichtet hatte. Was wollte Karasin bei ihr?— In ihrer Wohnung?— Welchen Plan verfolgte er mit seinem Kommen?— Lisa bäumte sich auf. Sie wollte nicht an diese Tinge denken! Wozu sollte sie sich die schönen Tage hier durch diese Gedanken vergällen lassen! War sie hier nicht sicher vor Karasins Nachforschungen und Verfolgungen? (Fortsetzung folgt.) S•)MFA Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. u. 93 4 4ma. Wene SHAEH Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann Stuttgart 8) Dann stand die Mutter oben an der Treppe. Vater ist auch nicht im Schlafzimmer.“ Die Diener wurden durch das ganze Haus geschickt. „Der gnädige Herr Graf sind nicht im Schloß.“ Höchst seltsam! Graf Eberhard hatte krank und müde in seinem Zimmer gelegen——— jetzt war er fort!? Hätte er sich besser gefühlt, wäre er ausgegangen; dann wäre es selbstverständlich gewesen, daß er den Unglücksfall erfahren hätte. Er war weder auf dem Gut noch im Dorfe gesehen worden. Georg stand bei Agnes. „Mir kommt ein Gedanke: hat Vater doch etwa von jenen Gerüchten gehört, von den Plänen des Grafen Herbert? War Graf Herbert bei ihm? Wir haben ihn ja den Weg entlang reiten sehen. Vielleicht hat er Vater noch einmal gedroht, hat auch ihm seine Pläne mit der jungen Viola gesagt, und Vater ist in den Park gegangen, um mit Lahore zu reden.“ Gräfin Hermine war noch einmal in dem Arbeitszimmer und trat erschreckt heraus. „Graf Tarnau war hier.“ „Woher weißt du?“ „Seht her!“ Sie hielt ein goldenes Zigarettenetut in der Hand, auf dem in Edelsteinen die Buchstaben H. und T. unter einer Grafenkrone verschlungen waren. „Herbert, Graf Tarnau.“ Agnes sagte eifrig: „Du hast recht, Mutter, er war hier. Er ist an uns vorübergeritten, als er vom Schlosse kam, wir wollten es dir nicht sagen, um dich nicht zu erschrecken.“ „Aber wo ist er? Bitte, Georg, geh ihm nach, mir ist der Schreck in alle Glieder gefahren.“ Agnes blieb an Georgs Seite. „Ich begleite dich.“ Draußen im Hof stand der Schlosser, den Georg am Morgen mit in den Park genommen. „Sind die Schlösser bereits verändert?“ „Jawohl.“ „Dann kann Vater auch nicht im Park sein.“ Einen Augenblick stand Georg und überlegte. „Agnes, es hat keinen Zweck, daß wir uns unnütz quälen. Bleibe du bei der Mutter, wir dürfen sie jetzt nicht allein lassen. Wenn du willst, durchsuche noch einmal das Schloß. Ich werde ein Pferd nehmen und auf die Felder reiten. Weit kann ja Vater nicht sein und nur unsere durch den Tod der armen Anna gereizten Nerven lassen uns Schrecknisse sehen, die sich gewiß bald ganz harmlos aufklären.“ Agnes sah ein, daß der Bruder recht hatte, und ging in das Haus zurück, während Georg ein Pferd satteln ließ und— mit schwerem Herzen— ängstlicher, als er sich selbst zugeben wollte, ausritt, den verschwundenen Vater zu suchen. 7. Kapitel. Während Agnes in das Haus zurückkehrte, ritt Georg auf die Felder hinaus. Der Tag war sehr heiß gewesen; für die Nacht schien sich ein Unwetter vorzubereiten. Weg für Weg ritt er ab und umkreiste langsam in immer größeren Bogen das Herrenhaus. Es war natürlich längst Feierabend, und bisweilen standen ein Knecht, eine Magd oder ein junges Pärchen irgendwo. Dann zwang er sich, ganz harmlos zu fragen: „Ist der Herr Graf hier vorübergegangen?“ „Nein.“ Dann plötzlich kam ihm wieder ein anderer Gedanke: Der Torfstich! Georg hatte dem Vater gestern seine Pläne zur Urbarmachung des Sumpfgebietes am Rande des Burgberges vorgelegt. Um die gründliche Drainage, die im Winter begonnen werden sollte, vorzubereiten, hatte er jetzt dort mit Torfstich begonnen und zu diesem Zweck eine elektrisch betriebene Maschine aufgestellt. Das hatte den Vater interessiert, und dieser hatte den Wunsch geäußert, die Maschine im Betrieb zu sehen. War er vielleicht dorthin gegangen? Das kalte Wasser, das aus der Erde aufquoll, und die drückende Schwülle des Abends, die auf dem Boden lastete, bewirkten, daß hier Nebel aufstiegen. Zunächst sah es aus wie ein weites, graues Tuch, das auf= und abschwebte, oder wie die Wolken eines Meeres. Georg suchte mit seinen Augen den Nebel zu durchdringen. Er war jetzt vollständig in eine graue Masse eingehüllt und konnte nur mit Mühe den Weg dicht unter den Füßen seines Pferdes erkonnen. Das Tier scheute. Ein furchtbar brüllender Ton war in der Luft, den sich Georg nicht zu erklären vermochte, und gleich darauf tauchte dicht vor ihm ein riesenhaftes Untier auf, das sich schnell näherte, und neben ihm ein Mensch von gigantischer Größe. Georg starrte die Erscheinung an und suchte das Pferd zu bändigen. Dann plötzlich wurden Riese und Ungeheuer klein, und ein Hirt stand dicht vor ihm, der ein Kalb neben sich hertrieb. Dem Mann schlotterten die Knie, doch jetzt lachte er auf:„Der Herr Graf sah im Nebel wie ein riesiges Gespenst aus.“ „Haben Sie meinen Vater, den alten Herrn Grafen, gesehen?“ „Nein.“ „Woher kommen Sie?“ „Habe am Torfstich gearbeitet.“ „War mein Vater im Laufe des Tages nicht hier?“ „Nein.“ Georg wollte weiterreiten; aber der Knecht hielt ihn auf. „Nehmen der Herr Graf sich in acht. Der Steg istschmal und zu beiden Seiten der Sumpf. Immer geradeaus! Lassen Sie das Pferd tasten oder steigen Sie lieber ab; der Sumpf ist gefährlich.“ Georg ritt weiter. Er hatte keine Zeit, abzusteigen. Er fühlte, daß es Unsinn gewesen, hierher zu reiten. Die Nacht brach herein, er mußte zum Herrenhause zurück, denn es war viel zu viel Zeit verloren, die Alarmglocke mußte geschlagen werden, alle Knechte mußten gemeinsam das ganze Gut absuchen. Ein quakender Ton war unter den Hufen des Pferdes. Der Boden federte bei jedem Schritt. Wasser spritzte auf, der Nebel wurde immer dichter, und zu der Sorge um den Vater kam ein neues Grauen: wenn er den Weg verlor? Plötzlich tauchte etwas vor ihm auf. Das Pferd bäumte sich und stand still. Es war eine hohe Mauer, gegen die er fast geritten wäre, und er atmete auf. Das war die Mauer, die den alten Burgpark auf der einen Seite gegen das Sumpfland abschloß. Jetzt war er gerettet. Plotzlich faßte ihn ein unheimliches Gefühl. Irgendein Geräusch war um ihn. Es knackte in dem Geäst der Bäume. Er wußte nicht genau, war es diesseits oder jenseits der Mauer. Dann plötzlich ein Laut. War es der Schrei eines Tieres, vielleicht einer Eule ——— oder eines Menschen———? Georg hielt das Pferd an und verhielt sich ganz ruhig. Das Knistern in den Büschen wurde stärker, und dann schoß irgend etwas durch die Luft. Ein Mensch oder ein Tier? Jedenfalls ein Irgendetwas, das durch die Mauer hindurch verschwand. Das war doch Wahnsinn! Unwillkürlich krampfte sich seine Hand um den Revolver in der Tasche. Er war abgestiegen und stand mit klopfendem Herzen vor dem weit offenen Tor. Hier war irgend etwas geschehen, irgend etwas, was mit dem Verschwinden seines Vaters zusammenhing und dem er nachgehen mußte. Es war wieder etwas heller geworden; der Vollmond war aufgegangen und leuchtete bisweilen zwischen den dichten Wolken, die der Sturm über den Himmel jagte, hindurch. So kam es, daß es manchmal dunkel und dann wieder gespenstisch hell wurde. Georg erreichte den indischen Tempel und sah, daß drinnen Licht brannte. Er trat vorsichtig heran und konnte in das Innere sehen. Auf dem Ruhebett lag der alte Lahore, aber er sah aus wie ein Sterbender und hatte ein durchaus friedliches Gesicht. Er schien zu schlafen, und neben ihm hockte Viola, während die Dienerin umherging. So konnte kein Mensch aussehen, der vor wenigen Minuten durch den Park geschlichten war. Er trat zurück. Es war also nicht Lahore. Unwillkürlich sträubten sich die Haare des jungen Grafen. Drüben die alte Brandruine des Gregorbaues und die weiße Mauer des Gothenschlößchens waren grell vom Mond beleuchtet, und nun flog aus einem weit geöffneten Fenster ein riesenhafter schwarzer Vogel in die Luft hinaus, während gleichzeitig der Mond wieder von den Wollen verhüllt wurde. Georg war ein durchaus befonnener Mann, ader ihn packte das Grauen. Alle Fenster des Gothenschlosses waren, solange er zu denken vermochte, mit Läden geschlossen, jetzt stand eines offen, und durch dieses flog——— ein Gespenst. Er zwang sich zur Ruhe und trat langsam näher. Jetzt sah er, daß von einem der Fenster die Läden zurückgeschlagen waren, dieses selbst aber weit geöffnet stand, und nun kam auch wieder das Gespenst: einer der dunklen Vorhänge, die im Innern vorgezogen waren, wurde durch einen Windstoß hinausgerissen und flatterte im Winde! Jedenfalls mußte Georg dies alles ergründen. Er suchte in seinen Taschen und fand, daß er seine kleine elektrische Laterne bei sich hatte. Vorsichtig und leise stieg er über die Ruine des Gregorbaues. Er tastete sich im Dunkel durch den Bogen, fand die Tür zum Gothenschloß offen, ging durch den dunklen Vorraum und kam in den Ahnensaal, in dem das eine Fenster offenstand. Dann ein furchtbarer Schlag. Gleichzeitig fuhr ihm irgend etwas klatschend in das Gesicht und über die Hand. Die Lampe entfiel ihm; aber seine andere Hand mußte gezuckt haben, er hatte sie in die Höhe gerissen und in das Ungewisse hinein geschossen Es war vollständig dunkel um ihn her, und alles blieb still.— Langsam beruhigte sich sein Herz, und die Ueberlegung kam: ein Windstoß hatte die Fensterläden zugeworfen, der Luftzug ihm den Vorhang iber Gesicht und Arme geschleudert. Er bückte sich, tastete nach der Laterne und fand sie, aber die kleine Birne war zerbrochen. Weiter tastete er nach dem Fensterladen; aber er konnte ihn nicht mehr öffnen, denn er war fest in die Feder eingeschnappt. Endlich erreichte er die Ausgangstür in den Vorraum —— auch diese war zugeschlagen. Er stand und überlegte. Jetzt glaubte er nicht mehr an Gespenster, denn alles hatte sich natürlich aufgeklärt. Er mußte hinaus, dazu mußte er aber vor allen Dingen sehen können. Er suchte sich die Lage des Schlosses ins Gedächtnis zurückzurufen: an den Ahnensaal schloß sich das Gothenzimmer des Grafen Gregor. Dort stand an der Wand, die gegenüberlag, ein altes Sofa, und hinter diesem Sofa befand sich ein Fenster. ——— dieses Fenster wollte er öffnen, dann würde wenigstens so viel Licht hereindringen, daß er sich zurechtfinden und die Tür öffnen konnte. Mitten in dem achteckigen Raum blieb er stehen. Ein dumpfes Geräusch war an sein Ohr gedrungen, ein kurzer, harter Fall, und dieser Klang war aus dem Nebenzimmer gekommen. War dort jemand? Hatte sich doch ein Mensch, vielleicht ein Verbrecher, in dem Raum versteckt, und stand im Begriff, sich ihm auszuliefern? Alles blieb still. Wahrscheinlich hatte wieder ein Windstoß irgendwo an dem alten Gemäuer gerüttelt. Georg erreichte die Tür zum Nebengemach und trat ein. Der Raum war sehr viel kleiner, die Luft dumpf. Er sog ein, und wieder begann sein Herz stärker zu klopfen. „Was für ein Duft war das?“ Das roch nach einer feinen, parfümierten orientalischen Zigarette? Er war in höchster Erregung. Endlich raffte er sich zusammen. In jedem Fall mußte er so schnell als möglich das Fenster öffnen. Er ging einige Schritte weiter; seine vorgestreckten Finger hatte in etwas Nasses, Klebriges gegriffen, eine Flüssigkeit, die hier vergossen war. Er riß sich zusammen——— fand endlich das Fenster, rückte die Riegel, stieß die Läden zurück——— leichte Dämmerung drang in den Raum, Georgs erster Blick galt seinen Fingern: Blut——— Blut klebte daran——— Blut an seinem Rock—.——! Auf dem Sofa, den Kopf weit nach hinten zurückgebeugt . lag sein Vater, Graf Eberhard, und das Blut, das an des Sohnes Händen klebte, stammte aus der Schußwunde im Kopf des Vaters. Wie gelähmt stand er da und starrte mit entsetzten, weit geöffneten Augen den Toten an. Alles dies konnte ja gar nicht wahr sein; er träumte, ein Fieberspuk mußte ihn narren. (Fertsotzung folgt.)