* Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. uitgemeiner kreisanzeiger ezugspreis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Uenstraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Nr. 2018.— Oostscheckkonto Hannover 76913.— Für unverlangt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Betriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. für den Ennepe Nahe nreis Schidelmer Vadlanzeiger Mit den Beilagen: Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig; im Zeklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rab#t, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Gescheftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Uummer 29 Erstes Blakt Donnerstag, den 4. Jebruar 1932 103. Jahrgang Gaufahrertagung der a3bap. Kubeinandersehang ader die Zucsten abnndues Erklärung des Reichsinnenministeriums Gostnouug im Rechtsausschuß Mau erwartet, daß Brüning den Weg frei gibt * München, 3. Febr. Die Gauführertagung der NSDAP., die am Mittwoch nachmittag im Braunen Haus in München abgeschlossen wurde, hat keinerlei Festlegung der NSDAP. zur Reichspräsidentenwahl gebracht. Die Reichsleitung der Partei nimmt nach wie vor eine abwartende Haltung ein. Sie wird ihre Entscheidung von der weiteren Entwicklung der Dinge in Berlin abhängig machen. Diese Haltung ist auch wohl daraus zu erklären, daß offensichtlich eine Einigung zwischen Nationalsozialisten und Deutschnationalen über ein etwaiges gemeinsames Vorgehen noch nicht erfolgt ist. Verschiedene Blätter behaupten, Adolf Hitter sei am gestrigen Dienstag in Wildbad Kreuth bei Tegernsee bei Geheimrat Hugenberg gewesen, um diese Einigung in der nationalen Opposition herbeizuführen. Diese Meldungen treffen jedoch nicht zu. Zwar weilte Hugenberg in den letzten Tagen bei seinem Freunde, dem Oekonomierat Wegner in Kreuth, bei dem er häufiger zu Gast ist, aber ein Besuch Hitlers, der schon gestern an Führerbesprechungen in München teilnahm, hat nicht stattgefunden. Die Pressestelle bei der Reichsleitung der NSDAP. veröffentlicht eine lange Erklärung zu der Tagung, in der es u. a. heißt:„Die Reichsführertagung der NSDAP., die am 3. Februar in München in Anwesenheit Adolf Hitlers und sämtlicher Gauleiter des Reichs stattfand, befaßte sich mit den aktuellen politischen sowie organisatorischen Fragen und nahm insbesondere die Richtlinien und Anweisungen der Reichsleitung für die kommenden Wahlen entgegen. Die Tagung, die im Zeichen des bevorstehenden innerpolitischen Entscheidungskampfes stand, gab ein eindrucksvolles Bild von der inneren Geschlossenheit und Disziplin der nationalsozialistischen Bewegung, deren organisatorischer Aufbau bekanntlich keinerlei parlamentarische Entscheidungen oder Vorstandsbeschlüsse kennt, sondern in allen entscheidenden politischen Fragen den ausschließlich von Verantwortung gegenüber der Nation getragenen Entschlüssen ihres obersten Führers Adolf Hitler folgt. In diesem Sinne wurde im Rahmen der Tagung auch die Frage der bevorstehenden Reichspräsidentenwahl erörtert. Dabei fand das einmütige Bewußtsein eines absoluten Sieges der Bewegung zuversichtlich ganz besonderen Ausdruck in der Feststellung, „daß die nationalsozialistische Bewegung willensmäßig und organisatorisch zum Einsatz für den Wahlkampf so vollständig gerüstet dasteht, daß sie die Parole ihres Führers erwartet, um sie zum Siege zu tragen. Die Berichte über den Stand der Organisation. die in Kürze eine Million eingeschriebene Mitglieder erreicht haben wird, und über die bedeutsamen Erfolge des Aufklärungskamofes in allen Schichten des deutschen Volkes, ließen in eindrucksvoller Weise das Vordringen der nationalsozialistischen Bewegung und damit sehr erfreuliche Fortschritte in der politischen Willensbildung der Nation durch den Nationalsozialismus erkennen. Der Verlauf der Tagung bestärkte alle Teilnehmer in dem zuversichtlichen Glauben an die Kraft der Bewegung. die sich jeder Aufgabe, die ihr der Führer stellen wird, gewachsen fühlt.“ Diese Veröffentlichung, die ja selbst die geringste Andeutung über die Haltung der Partei bei der Wahl vermeidet, beweist zunächst::e eine, daß die Aufstellung einer nationalsozialistischen Sonderkandidatur aegen Hindenburg, falls dieser sich schon für den ersten Wahlgang zur Verfügung stellen sollte, vorläufig noch keine beschlossene Tatsache ist. Allerdings rechnet man im„Braunen Haus“ immer noch mit einem Sturze Brünings vor Beginn des Wahlganges und mit Veränderungen der Reichsregierung, die ein Abgehen von einer Sonderkandidatur erleichtern würde. NSDAP. erwartet Willenskundgebung Hindenburgs * München, 3. Febr. Die Nationalsozialistische Korrespondenz schreibt heute unter der Ueberschrift„Verlorenes Ziel“, daß unter den Unterzeichnern des Sahm=Aufrufes nicht ein Name sei, der eine Gefolgschaft mobil zu machen vermöchte. Es fehlten die Führer des Wirtschafts= und Geisteslebens, der berufsständischen Organisationen, der Frontsoldatenverbände und vor allem die Träger der deutschen Freiheitsbewegung. Das erwachte Deutschland folge der Parole Hitlers in der Hoffnung, daß Generalfeldmarschall von Hindenburg bis dahin dem Ziel, mit seinem Namen durch seine unmißverständliche Willenskundgebung an den Sahm=Ausschuß ebenso entschieden ein Ende mache, wie er den BrüningPlan einer parlamentarischen Lösung der Reichspräsidentenfrage abgetan habe. * Berlin, 3. Febr. Im Rechtsausschuß wurde; heute die Beratung über den sozialdemokratischen Antrag fortgesetzt, nach welchem die Länderregierungen ermächtigt werden sollen, alle Leistungen aus Verträgen oder Urteilen an ehemalige Fürsten und Mitglieder der standesherrischen Familien mit sofortiger Wirkung einzustellen und die auf Grund von Urteilen oder Verträgen zustandegekommenen Auseinandersetzungen mit diesen Personen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Notlage der Länder und weitester Volkskreise neu zu regeln. Abg. Schmid(D. Vv.) erklärte, die Deutsche Volkspartei lehne den Antrag als einen Eingriff in das verfassungsmäßig gesicherte Privateigentum und als ein Ausnahmerecht gegen einzelne Bevölkerungsteile entschieden ab. Oberregierungsrat Erbe(Reichsinnen= ministerium) teilte mit, daß die Reichsregierung eine einheitliche Stellungnahme zu diesem Antcag noch nicht herbeigeführt habe, daß vielmehr nur eine vorläufige Stellungnahme des Reichsjustiz= und des Reichsinnenministeriums vorliege. Derartige Renten könnten auf Grund der Notverordnung vom 24. August 1931 nicht gekürzt werden, da es sich nicht um Personalausgaben im staatstechnischen Sinne handele. Verpflichtungen aus Verträgen aber durch die Notverordnung unberührt blieben. Was die Verfassungsmäßigkeit des Antrages anlange so sei die Frage, ob er mit Artikel 153 der Reichsverfassung vereinbar sei, zu verneinen. Artikel 153 biete die Möglichkeit, auf gesetzlicher Grundlage eine Enteigung zum Wohl der Allgemeinheit vorzunehmen. Der Antrag wolle jedoch die betroffenen Vermögensobjekte nicht zugunsten des allgemeinen Wohls, sondern zu rein fiskalischen Zwecken in Anspruch nehmen. Ein Verstoß gegen Artikel 109 der Reichsverfassung, nach dem alle Deutschen vor dem Gesetze gleich sind, liege nur dann vor, wenn man Artikel 109 als eine Bindung auch für den Gesetzgeber ansehe. Dieser Auffassung habe sich die Reichsregierung jedoch bisher nicht angeschlossen. In dem zweiten Teil des Antrages erblickte der Regierungsvertreter ferner eine KompetenzüberschreiGerüchte über Regierungsumbildung * Berlin, 3. Febr. In Berliner politischen Kreisen werden immer wieder Gerüchte über eine demnächst bevorstehende Umbildung der Reichsregierung erörtert. Man bringt diese Nachrichten in Zusammenhang mit den Bemühungen, eine möglichst breite Front für die Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten zustande zu bringen. Im Zusammenhang damit war in einer Münchener Zeitung die Nachricht aufgetaucht, daß der Staatssekretär beim Reichspräsidenten. Dr. Meißner, mit Politikern der Oppositionsgruppen in diesem Sinne verhandelt habe. Dr. Meißner hat ein amtliches Dementi erlassen und erklärt, er habe keinerlei Vorbereitungen für eine Umbildung der Reichsregierung betrieben. Trotz dieser Ableugnung wird aber in eingeweihten Kreisen nach wie vor behauptet, daß derartige Besprechungen von verschiedenen Regierungsstellen gepflogen worden sind. In einzelnen Amtsstuben ist man sogar der Meinung, daß eine Umbildung der Regierung noch im Laufe des Monats Februar zu erwarten ist. Man sollte sich allerdings hüten, allzu voreilige Schlüsse aus diesen Nachrichten zu ziehen, denn bis jetzt haben alle derartigen Fühlungnahmen noch niemals zu einem positiven Ergebnis geführt. Uebrigens gedenkt der Reichskanzler, seine Reisedispositionen für Genf nur dann zu ändern, wenn der englische Ministerpräsident Macdonald wegen seiner Augenoperation erst später zur Tagung der Abrüstungskonserenz kommen sollte. Innenpolitische Gesichtspunkte spielen bei den Reisevorbereitungen des Kanzlers. wie offiziös verlautet, keine Rolle. Kommunistische Zersotzungsversuche bei der beichswehr Sechs Haftbefehle erlassen. * Berlin, 3. Febr. Der Polizeipräsident teilt mit: Am 20. Januar wurden in Berlin=Falkensee eine Anzahl von Personen festgenommen, die in dem dringenden Verdacht standen, die Zersetzung der Reichswehr in Elsgrund im Auftrage der KPD. zu betreiben. Bei den Durchsuchungen wurde umfangreiches kommunistisches Zerfetzungsmaterial, bei einem der Beschuldigten wurden außerdem drei Pistolen, Munition, ein MG.= Schloß, Handgranatenköpfe und Zünder gesunden.“ tung der einfachen Reichsgesetzgebung. Das Reich könne nicht vorschreiben, welche Länderinstanzen zur Schaffung neuen öffentlichen Landesrechts berufen sein sollen. Abg. Dr. Pfleger(Bayr. Vv.) lehnte den Antrag ab, weil er keine Aussicht auf eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit sehe. Abg. Dr. Schetter(Ztr.) lehnte den Antrag deshalb ab, weil die Länder einen Wunsch geäußert hätten, eine solche Ermächtigung zu erhalten. Abg. Dr. Wegmann(Ztr.) wünschte noch eine eingehende Untersuchung der verfassungsrechtlichen Möglichkeiten einer Kürzung der Bezüge der früheren Fürsten mit Rücksicht auf die Kürzung der Beamtengehälter und Pensionen. Abg. Marum(Soz.) stellte den Zusatzantrag, die Ersparnisse, die sich aus dem sozialdemokratischen Antrag ergeben würden, sollten der Kriegswohlfahrtspflege zugute kommen. Die Kommunisten beantragten, alles den früheren Fürsten bisher zugesprochene Vermögen entschädigungslos zu enteignen und alle Renten aufzuheben. Abg. Dr. Everling(Deutschn.) wandte sich in schärfster Weise gegen diese Anträge. Er erklärte, die Grundgesetze jeder Demokratie würden durch diese Anträge aufs gröblichste verletzt. Abg. Schetter(Ztr.) schlug dann nach längerer Geschäftsordnungsdebatte vor. die Reichsregierung solle den Ländern die Frage vorlegen, ob bei ihnen Wünsche nach einer reichsgesetzlichen Hilfe bei der Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern beständen und in welchem Umfange die Länder eine Herabsetzung ihrer Verpflichtungen erstrebten. Der Ausschuß einigte sich darauf, den Ländern die Beantwortung dieser Fragen anheimzugeben und vertagte zu diesem Zweck die Weiterberatung auf Freitag, den 12. Februar. Die Festnahme eines der Täter gelang gerade in dem Augenblick, als er in einem Kaffee in Berlin mit einem Reichswehrangehörigen saß und versuchte, von diesem über militärische Dinge etwas zu erfahren. Die von ihm hierüber gemachten Notizen hatte er vor sich liegen. Gegen die Beschuldigten ist ein Strafverfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat eingeleitet worden. Vom Vernehmungsrichter wurde gegen sechs Personen Haftbefehl erlassen. Strafzuschläge für verspätete Steuerzahlungen Die Verordnung Wie wir schon mitteilten, werden für Steuerzahlungen, die nach dem 1. Februar dieses Jahres fällig und zahlbar sind, bei verspäteter Zahlung wieder Strafzuschläge erhoben, und zwar in Höhe von 1,5 Prozent für jeden angefangenen halben Monat. Aus den Einzelheiten der jetzt vorliegenden Verordnung tragen wir noch folgendes nach:„Als verspätet gilt eine Zahlung. die erst nach dem Fälligkeitstage der Steuer entrichtet wird. Die Strafzuschläge werden erhoben auf folgende Reichssteuern: Einkommensteuer. Krisensteuer, Körperschaftssteuer, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer und Umsatzsteuer, ferner auf die Zahlungen, die nach den Vorschriften über die Aufbringungsumlage zu entrichten sind. Von den Land= und Kommunalsteuern unterliegen dem Strafzuschlag: Grundsteuer, Gewerbesteuer und Hauszinssteuer. Die Strafzuschläge werden auch von den gesetzlichen Zuschlägen zu allen vorgenannten Steuern erhoben. Auf steuerliche Geldstrafen dagegen, die besonders verhängt worden sind, findet die neue Verordnung keine Anwendung. Ein Strafzuschlag wird ferner nicht erhoben, wenn der rückständige Betrag 10 RM. nicht erreicht. Für gestundete Steuern bleibt es bei dem bisherigen Zinssatz von jährlich 5 bis 8 Prozent. Verzugszinsen werden, soweit ein Strafzuschlag nicht erhoben wird, wie bisher mit zwölf Prozent berechnet. Gegen die Festsetzung dieses Zuschlages steht dem Steuerpflichtigen das Recht zur Beschwerde zu. In der Zwangsversteigerung von Grundstücken gehört der Strafzuschlag nicht zu den bevorrechtigten Steueranforderungen. „Eiserke Aevolationsbröhungen Der sozialdemokratische Reichstagspräsident Paul Loebe ist nicht der erste beste Versammlungsagitator. Er hat sich bei der langjährigen Ausubung seines Postens so etwas wie staatsmännische Umgangsformen angewöhnt. Von ihm ist nicht bekannt geworden, daß er in Volksversammlungen sich von seinem Temperament hinreißen läßt und den Mund vollnimmt. Trotzdem weiß man, daß Herr Paul Loebe, unbeschadet seiner persönlichen Liebenswürdigkeit und seines stereotypen Lächelns, zu der radikaleren Richtung innerhalb der Sozialdemokratie gehört. Offenbar hat er Wert darauf gelegt, diesen Ruf zu erhärten, denn er ist einer der eifrigsten Propagandisten für die sogenannte„Eiserne Front“ geworden, also für jenes Unternehmen, durch das die Sozialdemokratie versucht, ihren schwindenden Einfluß bei den Massen wiederzugewinnen. Wenn man von der sattsam bekannten großstädtischen Asphaltpresse absieht, dann bleibt als zuverlässige Stütze der„Eisernen Front“ wirklich nur die Sozialdemokratie übrig. Daß ein Mann wie Crispien, dessen Wort: Ich kenne kein Vaterland, das Deutschland heißt, unvergessen bleiben soll, blutrünstige Reden gegen die Faschisten schwingt, nimmt nicht weiter wunder. Wenn dieser Mann erklärt, die Faschisten würden, auch auf legalem Wege, niemals zur Macht gelangen, weil die Sozialdemokratie es nicht werde, dann muß man doch die Frage aufwerfen, sammlungen, die die„Eiserne Front“ jetzt in reicher Fülle veranstaltet. Die Sozialdemokraten sind eben darauf angewiesen, sich gegenseitig Mut zuzureden, und bekanntlich pflegen ängstliche Kinder im dunkeln Wald laut zu singen. Aber wenn der Reichstagspräsident Loebe in Kiel die Erklärung abgab, daß von der Sozialdemokratie auch eine legale Machtergreifung durch die Nationalsozialisten nicht ruhig hingenommen werde, dinn muß man doch die Frage aufwerfen, ob die Sozialdemokratie nicht auf dem besten Wege ist, selbst die Grenzen der Legalität zu überschreiten. Wenn die Auffassung des Herrn Loebe die offizielle Stellungnahme der Sozialdemokratie wiedergibt, dann bedeutet dies nicht mehr und nicht weniger, als daß die Sozialdemokratie ihren viel berufenen demokratischen Standpunkt nur solange aufrecht erhalten will, als sie der politische Nutznießer des demokratischen Systems ist. Sollte das souveräne Volk es sich aber einfallen lassen, bei einer Wahl anders zu stimmen, als es nach der Meinung der Sozialdemokratie für die„Interessen der Arbeiterklasse“ zweckdienlich ist, dann ist es nach Loebes Worten offenbar mit der Demokratie aus. An sich könnte man diese Klärung der politischen Tatbestände begrüßen. Denn nunmehr weiß das deutsche Volk, was es mit der angeblich demokratischen Grundeinstellung der Sozialdemokratie für eine Bewandtnis hat. Herr Otto Wels, der Vorsitzende der SPD., hat früher einmal das Wort gesprochen, es sei besser, mit den Massen zu irren als gegen die Massen Recht zu behalten. Heute würde er vermutlich viel darum geben, wenn man ihn an diese Jugendsünden seiner demokratischen Gesinnungstüchtigkeit nicht mehr erinnern könnte. Denn es ist immerhin peinlich, wenn der Sozialdemokratie klipp und klar bewiesen werden kann, daß ihre ganze demokratische Ueberzeugung nicht hieb= und stichfest ist, sondern nur solange gilt, als sie sich selbst damit im Besitz der Macht erhalten kann. In Neudeutschland hat sich schon eine Art „demokratischer“, Verfassungsorthodoxie herausgebildet, nach der nur diejenigen Parteien und Gruppen als politisch vollberechtigt gelten, die sich als Träger des gerade herrschenden Systems bekennen. In Preußen ist man stellenweise so weit gegangen, nur die Parteien der Weimarer Koalition und deren Angehörige als politisch salonfähig anzuerkennen. Die Volksstimmung hat sich aber um deuartige politische Begriffsbestimmungen herzlich wenig bekümmert. Sie hat sich, sehr im Gegensatz zu den herrschenden offiziellen Meinungen, infolge der Mißstände dieses Systems in einem ganz anderen Sinne entwickelt. Jetzt sehen die, um mit Grimme zu sprechen, Exponenten dieses Systems, daß ihnen politisch der Boden unter den Füßen weggleitet, und nun versuchen sie, ihre Herrschaft mit allen Gewaltmitteln zu erhalten, selbst wenn sie dabei die Grenzen der Legalität nicht nur mit dem Aermel streifen. Die Reichsregierung hat ein berechtigtes Interesse daran, unzweideutig festzustellen, wie sich die Sozialdemokratie die weitere Entwicklung denckt, falls die politische Lage eine„Machtergreifung durch die Nationalsozialisten“ mit sich bringen würde. Die Sozialdemokratie wird nicht umhin können, zu dieser entscheidenden Frage klar Stellung zu nehmen. Sie hat bisher das sogenannte Legalitätsprinzip,— wie sie es auffaßt— zu Tode gehetzt. Jetzt wird unter Umständen die Probe aufs Exempel gemacht werden. S7.) WIFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Das Verfahren bei der Präsidentenwahl Einiges aus den gesetzlichen Bestimmungen Für den deutschen Staatsbürger gilt es jetzt, sich mit dem Wesen des wichtigsten Wahlaktes vertraut zu machen, den unsere Verfassung kennt: der Wahl des Reichspräsidenten. Es ist eigentümlich, daß durch einen merkwürdigen Zufall das Wahlverfahren geradezu schicksalsmäßig auf unsere jetzige politische Situation zugeschnitten zu sein scheint. Es enthält seiner Natur nach zwei große politische Chancen; es bietet einerseits der Nation die Möglichkeit einer sozusagen kampflosen einheitlichen Willenskundgebung, und es enthält andererseits auch die Möglichkeit einer Kampfwahl in der härtesten Form, die unbedingt eine Entscheidung, aber nicht ebenso unbedingt Befriedigung und allseitige Befriedigung bringt. Die erste Chance ist gegeben in dem ersten der beiden gesetzmäßig vorgesehenen Wahlgänge; versagt sie, dann bringt der zweite Wahlgang den eigentlichen Kampf. Das Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten vom 6. März 1924 bestimmt nämlich, daß ein Bewerber gewählt ist, wenn er mehr als die Hälfte aller abgegebenen gültigen Stimmen erhält. Das ist ebenso logisch wie bei der politischen Zerklüftung unseres Volkes leider wahrscheinlich selten. Diesmal dagegen ist die Glückschance ausnahmsweise vorhanden: falls nämlich Hindenburg bereits im ersten Wahlgang sich zur Wahl stellt, darf man eine solche absolute Mehrheit ohne weiteres erwarten. Diesen Ausgang herbeizuführen, einen eigentlichen Wahlkampf also zu vermeiden und statt dessen die Präsidentenwahl in eine geschlossene Willenskundgebung des deutschen Volkes für äußere Freiheit und gegen inneren Krieg zu verwandeln, ist der Zweck der verschiedenen Hindenburg=Ausschüsse, die sich dieser Tage in allen Teilen Deutschlands bilden und als deren erste der bayrische Ausschuß und der unter Führung des Oberbürgermeisters Dr. Sahm stehende Berliner Ausschuß hervorgetreten sind. Nur falls im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit erzielt wird, hat vier Wochen später eine zweite Wahl stattzufinden. Hier gilt einfach der Kandidat als gewählt, der die meisten gültigen Stimmen erzielt hat, auch wenn sie keine absolute Mehrheit darstellen. Eine Stichwahl gibt es nicht mehr. Im zweiten Wahlgang hat also der Kandidat der geschlossensten Gruppe die meisten Aussichten, auch wenn er nur eine Minderheit vertritt. Für die Aufstellung Hindenburgs werden jetzt bekanntlich 20000 Unterschriften gesammelt. Dies hängt zusammen mit der Bestimmung des Gesetzes, nach der die Wahlvorschläge mindestens von 20000 Wählern unterzeichnet sein müssen. Freilich kennt das Gesetz von dieser Vorschrift eine Ausnahme. Wird nämlich der Wahlvorschlag von einer Partei eingereicht, die bereits bei der letzten Reichstagswahl kandidierte und dabei mindestens 500000 Stimmn erhalten hat, so braucht sie jetzt keine 20000 Unterschriften beizubringen, sondern nur 20. Das Gesetz glaubt ihr in diesem Falle ohne weiteres, daß sie eine ernsthafte Bewerberin ist. Da jedoch die verschiedenen Hindenburg=Ausschüsse ausdrücklich sich von allen parteilichen Bindungen fernhalten, so kann ihnen die Sammlung der 20000 Unterschriften nicht erspart bleiben. Deren Beibringung freilich für eine Wahl, bei der es um einen Mann wie Hindenburg geht, dürfte eine Kleinigkeit sein. Ueber das Wahlrecht zur Reichspräsidentenwahl finden sich Bestimmungen sowohl in der Reichsverfassung wie im Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten. Artikel 41 der Reichsverfassung sagt:„Der Reichspräsident wird vom ganzen deutschen Volke gewählt. Wählbar ist jeder Deutsche, der das 35. Lebensjahr vollendet hat. Das Nähere bestimmt ein Reichsgesetz.“ Erläuternd sagt hierzu§ 1 des erwähnten Gesetzes:„Wahlberechtigt ist, wer das Wahlrecht zum Reichstag hat. Die Wahl ist unmittelbar und geheim. Jeder Wähler hat eine Stimme.“ Während also das aktive Wahlrecht zum Reichstag wie zum Reichspräsidenten gleichmäßig mit dem 20. Lebensjahr beginnt, ist der Beginn des passiven Wahlrechts, d. h. des Wählbarkeitsalters, verschieden. Die Wahlvorschläge müssen spätestens am zehnten Tage vor der Wahl beim Reichswahlleiter eingereicht werden, also voraussichtlich spätestens am 3. März. Beigefügt werden muß eine Erklärung des Kandidaten, daß er der Aufnahme seines Namens in den Wahlvorschlag zustimmt. Um diese Erklärung wird also Hindenburg von den Hindenburg=Ausschüssen nach vollzogener Unterschriftensammlung gebeten werden. Erfolg des Hindenburg-Ausschusses Die nötige Zahl von Einzeichnungen um ein Vielfaches überschritten * Berlin, 3. Febr. Der Vorsitzende des Hindenburg= Ausschusses, Oberbürgermeister Dr. Sahm, teilt folgendes mit: Die Nachrichten aus allen Teilen des Reiches lassen erkennen, daß die formell erforderliche Zahl von 20000 Einzeichnungen bereits am ersten Tage um ein Vielfaches überschritten wurde. Der Hindenburg=Ausschuß ist von allen Seiten gebeten worden, sich mit der Erreichung der formalen Voraussetzungen nicht zu begnügen, sondern die Listen weiter ausliegen zu lassen, um allen Bevölkerungskreisen Gelegenheit zu einer machtvollen Kundgebung für den Reichspräsidenten von Hindenburg zu geben. Dementsprechend werden die Listen noch etwa zehn Tage ausliegen. 105300 Einzeichnungen am ersten Tage * Berlin, 3. Febr. Der Hindenburg=Ausschuß teilt mit: Bis 23 Uhr haben von 191 Zeitungen, die sich nach den bisherigen Feststellungen an der Presseaktion für die Volkskandidatur Hindenburgs beteiligten, 72 Blätter das vorläufige Ergebnis des ersten Einzeichnungstages mitgeteilt. Danach beträgt die Gesamtzahl der Einzeichnungen am ersten Tag im Reich 105 300, davon in Berlin 28 400. Die Verteilung der Wahlvorschläge Ein Telegramm an die Landesregierungen * Berlin, 3. Febr. Der Reichsminister des Innern hat sich telegraphisch an die Landesregierungen gewandt und diesen mitgeteilt, daß mit der Ausschreibung der Reichspräsidentenwahl in nächster Zeit bestimmt zu rechnen sei. WahlvorJapun fahel den ulieg wener Angriff auf die Wusung-Forts bei Schanghai Der Sturm auf Tschapei erfolglos * Schangbai, 3. Febr. Nach dem großen Angriff der Japoner am Dienstag trat zunächst eine längere Wassenpause ein, die erst in den Morgenstunden des Mittwochs durch einen Artilleriekampf unterbrochen wurde. Der Erfolg des gestrigen japanischen Angriffs ist infolge des ungeheuer zähen chinesischen Widerstandes sehr gering. ie Japaner haben lediglich die vordersten chinesischen Gräben an der Grenze des HongkiuQuartiers gestürmt. Der größte Teil von Tschapei ist nach wie vor im Besitz der Chinesen. In den japanischen Stellungen richtete das chinesische Artilleriefeuer großen Schaden an. Hunderte von Häusern, darunter auch der Sitz des japanischen Hauptquartiers, sind schwer beschädigt worden. Die Straßen wurden auf weite Strecken durch Granateinschläge aufgerissen. Das Fehlschlagen des japanischen Vorgehens ist um so bemerkenswerter, als der Angriff eine endgültige Niederlage der Chinesen und die vollständige Besetzung von Tschapei bringen sollte, bevor die neutralen Verstärkungstruppen in Schanghai eintreffen. Wie verlautet, wurde der chinesische Bürgermeister eine Stunde nach Beginn des japanischen Angriffes von dem japanischen Konsul unterrichtet, daß der englisch=amerikanische Waffenstillstandsvertrag für die Japaner nicht annehmbar sei. Der wirksame chinesische Widerstand wird von den Japanern damit begründet, daß neue chinesische Verstärkungen aus Nankina in Schanghai eingetroffen seien. Japau greift die Wusung=Forts an Schanghai. 3. Febr. Der japanische Generalkonsul teilte dem britischen und dem amerikanischen Generalkonsul amtlich mit, daß Japan die Absicht habe, die Wusung=Forts sofort zu besetzen. Das Bombardement der japanischen Kreuzer und Flugzeuge, das auf den Forts Wusung und Puschan liegt, ist außerordentlich heftig. Tatsächlich haben die japanischen Streitkräfte um 11,30 Uhr vormittags örtlicher Zeit zu Lande und zu Wasser einen Angriff auf die WusungForts begonnen. Sechs japanische Zerstörer bombardieren die Forts, um die Landung der japanischen Truppen zu decken. Die Kämpfe vor Schanghai * Schanghai, 3. Febr. Zwei Blindgänger sielen heute in unmittelbarer Nähe der Tankanlagen der britischen Asiatic Petroleum Company auf der Gough=Insel in den Whanpufluß, halbwegs zwischen Schanghai und Wusung. Man weiß nicht, ob es sich um chinesische oder japanische Granaten handelte. Am Nachmittag schlug eine Anzahl Granaten vor den Lagerstätten der Asiatic troleum Company und der American Texas Oil Company ins Wasser ein. Japan lehnt die Vermittlungsvorschläge der Mächte ab Tokio, 3. Febr. An zuständiger japanischer Stelle wird erklärt, Japan würde sich sehr glücklich schätzen, wenn die Feindseligkeiten eingestellt würden, es sei jedoch nicht in der Lage, den Punkt fünf der Vorschläge der drei Mächte anzunehmen, der bestimmt, daß sofortige Maßnahmen zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten ergriffen würden. Nach zuverlässigen privaten Meldungen wird auch die Bildung einer neutralen Zone von Japan abgelehnt. Amerika kündigt schärfsten Protest an * Berlin. 4. Febr. Im Staatsdepartement wird nach einer Meldung Berliner Blätter aus Washington angesichts der unnachgiebigen Haltung Japans die Lage in Schanghai als äußerst bedrohlich bezeichnet. Es wurde darauf hingewiesen, daß japanische Soldaten in die amerikanische Zone eingedrungen seien. Somit bestehe die Gefahr von Zusammenstößen zwischen amerikanischen und japanischen Patrouillen. Ferner seien sowohl Leben und Eigentum der amerikanischen Bürger als auch der dort verankerten amerikanischen Kriegsschiffe durch das Bombardement der japanischen Kriegsschiffe gefährdet. Dem Friedensvorschlag vom Dienstag werde eine sehr scharfe Protestnote folgen, und man werde energisch auf eine umgehende Einstellung der japanischen Feuertätigkeit drängen. schläge bedürfen der Bescheinigung der Gemeindebehörden, daß die Unterzeichner stimmberechtigt sind. Diese Bescheinigungen auf den Unterschriftslisten können schon jetzt ausgestellt werden. Der Reichsinnenminister hat die Landesregierungen gebeten, die Gemeinden anzuweisen, Ersuchen um Ausstellung derartiger Bescheinigungen mit tunlichster Beschleunigung zu entsprechen. Der Zusammenbruch der Bank für Deutsche Beamte * Berlin, 3. Febr. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages begann am Dienstag die Untersuchung des Zusammenbruchs der Bank für Deutsche Beamte. Der Berichterstatter, Abg. Bork(Dut.), erstattete zunächst einen Vorbericht. Es handelt sich um die Klärung eines Vorwurfes von Gläubigerseite, wonach das preußische Handelsministerium, das schon Jahre vorher von der unsoliden Geschäftsführung der Bankleiter unterrichtet gewesen sein soll, durch sein Verhalten mit dazu beigetragen habe, daß ein so großer Verlust entstanden sei. Das Ministerium hatte eine außerordentliche Revision vornehmen lassen, die zu vernichtenden Ergebnissen kam, hatte dann aber die Sache auf sich beruhen lassen, als sich die Bank einem anderen Revisionsverband anschloß und nun einen wesentlich günstigeren Revisionsbericht vorlegte. Der Berichterstatter kam zu dem Ergebnis, daß der Vorwurf der Gläubiger durch die Akten im wesentlichen bestätigt werde. Würde das Ministerium damals seiner Kontrollpflicht genügt haben, dann wären die Verluste beim Zusammenbruch erheblich geringer gewesen. Im Gegenteil sei aber das gänzlich faule Bankinstitut mit seiner anrüchtigen Leitung auch weiterhin behördlich unterstützt worden. Der Ausschuß vernahm als ersten Zeugen den Liquidator der Bank, Polizeimajor Ritter, der einen Ueberblick über das Geschäftsgebaren der Bankleitung gab und betonte, daß nie Verluste eingetreten wären, wenn sich die Bank auf ihren Geschäftskreis beschränkt hätte. Die Haltung des Ministeriums habe dem Treiben der Leitung der Bank nicht nur keinen Einhalt geboten, sondern sogar Vorschub geleistet. Von den großen Verlustgeschäften ist besonders das Bildergeschäft bekannt. Es wurden Bilder in Lombard gegeben, die von der Bank mit dem Vielfachen ihres Wertes beliehen wurden. Daran wurden drei Millionen verloren. * Berlin, 2. Febr. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages, der gegenwärtig den Zusammenbruch der Bank für deutsche Beamte untersucht, vernahm am Mittwoch den Treuhänder Dr. Meyer von der Dresdner Bank. Aus seinen Aussagen ergab sich, daß die gesetzlichen Befugnisse der Revisionsinstanzen bisher überhaupt sehr beschränkt wanen, und daß nach den vielfachen schlechten Erfahrungen Bestrebungen eingesetzt hätten, die Revision wirklich zu einem Schutz für die Einleger zu gestalten. Der Zeuge vertrat die Auffassung, daß das Handelsministerium und auch der Revisionsverband der gewerblichen Genossenschaften nicht korrekt gehandelt hätten, allerdings nur aus dem höheren Gesichtspunkte heraus, jede Beunruhigung zu vermeiden. Der Ausschuß vernahm dann als Zeugen den Kaufmann Moscha Parchi, der über 17 Konten von der Beamtenbank Kredite erhalten hat, die jetzt größtenteils verloren sind. Parchi war früher südslawischen Staatsangehöriger und ist im Juni 1930 in Deutschland eingebürgert worden. Der Zeuge erklärte auf Befragen, daß er als Mitglied der Genossenschaft der Bank für deutsche Beamte 101 Anteile im Gesamtwerte von 1010 Mank erworben habe. Die Vernehmung ergab, daß der Betrag für die Anteile bei der Beamtenbank nicht bar eingezahlt und auch nicht von den Krediten abgezogen wurde, sondern daß die Anteile sogar grundsätzlich kreditiert wurden. Der Zeuge bekundete, daß er bei der Kreditentnahme keinerlei Schwierigkeiten gehabt habe. Er stellte entschieden in Abrede, irgendwelche privaten Beziehungen zu den Leitern der Bank unterhalten zu haben. Auch habe er diesen irgendwelche Zuwendungen nicht gemacht. Der Ausschuß vertagte sich auf Montag. Die Bürgersteuer für Kurzarbeitr * Berlin, 3. Febr. Personen, die 1930 einkommensteuerfrei waren, haben nach der bestehenden Rechtslage nur die halbe Bürgersteuer zu entrichten. Diese Vorschrift wirkt sich für die große Zahl der Kurzarbeiter, die im Jahre 1930 noch einen die Lohnsteuerfreigrenze übersteigenden Lohn gehabt hatten und von denen daher jetzt in der Steuerkarte die volle Bürgersteuer angefordert werden mußte besonders hart aus. Der Reichsminister der Finanzen hat daher dem Reichsrat den Entwurf einer Verordnung vorgelegt. Hiernach hat der Arbeitgeber bei solchen Arbeitnehmern, für die wegen Nichtüberschreitens der Lohnsteuerfreigrenze am Fälligkeitstage der Bürgersteuer Lohnsteuer nicht einzubehalten ist, statt der vollen nur die Hälfte der in der Steuerkarte angeforderten Bürgersteuer einzubehalten. Dies gilt natürlich nicht für diejenigen Fälle, in denen bereits wegen Einkommensteuerfreiheit im Jahre 1930 auf der Steuerkarte nur der halbe Bürgersteuerbetrag angefordert worden ist. Die vorgesehene Erleichterung soll, wenn der Reichsrat zustimmt, bereits für die Bürgersteuerrate gelten, die am 10. Februar 1932 fällig wird. Rege Fühlungnahme in Genf * Genf, 3. Febr. Botschafter Madolny hatte gestern eine Unterredung mit dem italienischen Außenminister Grandi und wird heute mit dem russischen Volkskommissar Litwinow verhandeln. Da die allgemeine Tendenz der Generaldiskussion abgewartet werden muß, werden vorläufig in all diesen Besprechungen keine konkreten Pläne erörtert. Geschäftsordnungsentwurf für die Abrüstungs= konferenz * Genf. 3. Febr. Der Geschäftsordnungsausschuß der Abrüstungskonferenz hat bereits heute die gesamte Geschäftsordnung durchberaten. Es sind fünf Fachkommissionen vorgesehen, in denen jeder Staat durch einen Delegierten vertreten ist. Die Vollkonferenz wird über den Zeitpunkt des Zusammentritts und näheren Aufgabenkreis der Kommissionen selbständig Beschluß fassen. Im übrigen entspricht die Geschäftsordnung den parlamentarischen Gepflogenheiten und den internationalen Traditionen. Auf Antrag des russischen Vertreters wurde bestimmt, daß jede Delegatin zu einem von ihr gestellten Antrag eine Stellungnahme der Konferenz beziehungsweise der Kommission verlangen kann. Beobachter der NSDAP. fahren nach Genf * Berlin, 3. Febr. Wie der Angriff berichtet, werden im Auftrage Hitlers General Ritter von Epp und Oberst Haselmayer am Freitag nach Genf fahren, um als Beobachter die Verhandlungen der Abrüstungskonferenz zu verfolgen. Niedrigere Fernsprechgebühren verlangt * Berlin, 3. Febr. Der Reichsverband der Fernsprechteilnehmer Deutschlands e. V. wendet sich mit einer Eingabe an die Reichsregierung, in der eine möglichst baldige Herabsetzung der Grundgebühr im Fernsprechverkehr um 50 Prozent oder aber Verrechnung dieses Betrages auf die Gesprächskosten, ferner Rabatte für Häufigsprecher. Ermäßigung der Gebühr der Ferngespräche von 5 bis 10 Pfg. in den Nahzonen und die Möglichkeit einer vorübergehenden Abmeldung eines Fernsprechanschlusses bis zu sechs Monaten ohne Gebührenberechnung für diese Zeit gefordert werden. Unterzeichnet ist die Eingabe von etwa 160 Verbänden mit ungefähr einer Million Mitgliedern. Sie wird begründet mit dem Hinweis, daß bei der ständig zunehmenden Geldknappheit die unverändert hohen Fernsprechgebühren inmitten der allgemeinen Preisabbauaktion auf die Dauer völlig unhaltbar seien. Kurze Tagesneuigkeiten Oeltankdampfer explodiert Tote, viele Verletzte. TU. Newyork, 4. Febr. In dem Dock der Sinclair Oil Company Marcus=Hook explodierte der Oeltankdampfer Bidwell. Acht Personen wurden getötet, 18 verletzt. Die Zahl der Vermißten beträgt 14. Das Tankschiff ist durch die Gewalt der Explosion völlig zerstört. Die Ursache des Unglücks ist unbekannt. Kronprinz von Aethiopien bei Hindenburg. * Berlin, 3. Febr. Der Reichspräsident empfing heute den Besuch des in Berlin weilenden Kronprinzen Assau Wossän von Aethiopien, der sich in Begleitung seines Schwagers, des Prinzen Dedschasmatsch Desta Damtu befand. An dem Empfang nahmen die Begleitung des Kronprinzen sowie die Umgebung des Reichspräsidenten und Vertreter des Auswärtigen Amtes teil. Amerika verlängert Reichsbankkredit. * Berlin, 4. Febr. Die Federal Reservebank von Newyork hat nach einer Meldung Berliner Blätter aus Newyork am Mittwoch die Verlängerung des 25=Millionen=Dollar=Anteils an dem 100=Millionen=Rediskontkredit für die Reichsbank bekanntgegeben. Die Verlängerung dürfte für 30 Tage erfolgt sein. Kapitän Ehrhardt gewinnt seinen Pensionsprozeß. .“ Berlin, 3. Febr. In dem Prozeß, den Kapilan Eyryardt seit mehreren Jahren wegen seiner Pension gegen das Reichswehrministerium führt, hat jetzt das Kammergericht erneut ein Urteil zugunsten des ehemaligen Führers der Marinebrigade erlassen. Es hat festgestellt, daß das Reich nicht berechtigt sei, etwaige Schadenersatzansprüche aus dem Kapp=Putsch gegen Ehrhardts Pensionsansprüche aufzurechnen. 100000 Mark unterschlagen. * Dresden, 3. Febr. Seit Jahren hat, wie jetzt aufgedeckt wurde, der Prokurist Möbius der Brauerei Felsenkeller in Dresden große Summen unterschlagen. Es handelt sich, soweit bis jetzt zu übersehen ist, um eine Summe von etwa 100000 Mark. Raffinierte Fälschung der Bücher hatte die Aufdeckung der Unterschlagungen lange hinausgezögert. U=Boot„M.?“ gefunden. * London, 4. Febr. Die Admiralität teilt mit, daß die Lage des U=Bootes„M. 2“ etwa fünf Meilen von Will of Portland festgestellt sei. Die verschollenen Afrika=Flieger melden sich. * Paris, 3. Febr. In Casablanca ist ein Funkspruch der in der Libyschen Wüste notgelandeten französischen Flieger aufgefangen worden. Sie teilen mit, daß sie Wasser suchten. Sie befänden sich etwa 26 Grad 25 Minuten nördlicher Breite. In ihrer Nähe befänden sich zwei Laubhütten. Auch hätte man Kameldünger gefunden. Hiller soll thüringischer Staatsangehöriger sein * Berlin, 3. Febr. Die thüringische Staatsregierung hat der Reichsregierung Material übergeben, aus dem hervorgehen soll, daß nach Aussagen eines Oberregierungsrates und eines Ministerialrates der frühere Minister Dr. Frick etwa im Juli 1930 eine Anstellungsurkunde hat ausstellen lassen, wonach„dem Frontkämpfer des Weltkrieges Adolf Hitler die damals freie Stelle des Gendarmeriekommissars in Hildburghausen“ übertragen wurde. Hitler habe dabei auf Dienstantritt und Besoldung verzichtet. Der Oberregierungsrat und der Ministerialrat, die diese Angaben dienstlich gemacht haben, erklärten, daß sie bisher durch ein ihnen von dem damaligen Minister Frick auferlegtes Schweigegebot sich verpflichtet gefühlt hätten. Aus den Aussagen geht weiter hervor, daß es sich um den Entwurf eines Schreibens gehandelt haben soll, das Hitler zur Unterschrift vorgelegt werden sollte, und daß Ministen Dr. Frick die Schreiben(Entwurf und Reinschrift) selbständig verwahrte; welche Verwendung sie fanden, darüber wisse man nichts, der Minister hätte es auf Befragen abgelehnt, sie zu den Dienstakten zu geben oder die Anstellung Hitlers in den Bekanntmachungen wie üblich zu veröffentlichen. Von unterrichteter Stelle wird zu der Frage der Einbürgerung Hitlers darauf hingewiesen, daß die thüringischen Dokumente jetzt dem Reichsinnenministerium vorliegen, dessen Prüfung man abwarten müsse. Ein Dementi des Brannen Hauses Hitler hatte die Einbürgerung abgelehnt * München, 3. Febr. Zu der Meldung über den angeblichen Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Adolf Hitler als thüringischer Beamter teilt die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP. mit, daß Dr. Frick allerdings die Absicht gehabt habe, Adolf Hitler, der vier Jahre lang in der deutschen Armee für sein Volk gekämpft hat, durch Erwerb der Beamteneigenschaft in Thüringen auch formell die deutsche Staatsangehörigkeit zu verschaffen. Als Adolf Hitler jedoch von diesem Versuch, der seinerzeit ohne sein Wissen erfolgt war, erfuhr, bat er Dr. Frick, von seinen Bemühungen Abstand zu nehmen, da er nicht auf diesem Wege die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben wünschte. Demgemäß hat auch Minister Dr. Frick damals die eingeleiteten Schritte in Thüringen unverzüglich abgebrochen. Landtagsschluß Ende März Fertigstellung des preußischen Haushalts verzögert * Berlin, 3. Febr. Die ursprünglich für Mittwoch vongesehene preußische Kabinettsitzung, die den Haushaltplan für 1932 verabschieden sollte, ist vorläufig auf Freitag dieser Woche vertagt worden, weil anscheinend ein Abschluß der Verhandlungen mit dem Reich noch nicht erzielt ist. Hiernach muß es als ausgeschlossen gelten, daß der Landtag schon am 16. Februar die erste Lesung des neuen Etats in Angriff nehmen kann, wie es vom Aeltestenrat vorgesehen war. Es besteht die Absicht, das Preußenparlament vom 11. bis 13. und vom 16. bis 19. Februar alle sonst entstandenen kleineren Vorlagen erledigen zu lassen und den Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. #c der odlerte n wur. mißten Bewal: es Un t empilenden n. der rinzen dem Inprinldenten ebank erliner rlängedem chsbank für 30 prozeß. Kapi= zen seisterium in Urr Maaß das nersatzehardts die jetzt is der ummen jetzt zu 100 000 atte die lausgeilt mit, if Meich. Funkindeten Sie teiden sich ite. In Auch sein aatsrel überh Auses MiFrick de hat fer des Stelle hausen“ DiensterregieAngasie bisKinister Flschte: daß es handelt rgelegt ick die sständig darüber Befraen oder haangen Frage en, daß eichsing man 9 hut ig über aatsannaischer leitung nas die Jahre olk geenschaft aatsanr jedoch Wissen seinen icht auf keit zu Kinister eitte in ir3 148 r Mittna, die ollte, ist gt wor. erhandHierdaß der ung des es vom die Ab13. und indenen ind den Landtag hierauf bis Ende Februar oder Anfang März zur Inangriffnahme der Arbeit am neuen Etat zu vertagen. Da die Neuwahlen zum Preußischen Landtag am 8. Mai erfolgen sollen, ist mit einem endgültigen Schluß der Arbeiten dieses Landtages für Ende März zu rechnen. Wegen der nur noch kurzen Zeit für die Erledigung des Etats wird der Gedanke erörtert, die Haushaltarbeit im Staatsrat und Landtag zu gleicher Zeit beginnen zu lassen. Ersparnismöglichkeiten bei der Post * Berlin, 3. Februar. Der Haushaltausschuß des Reichstages beschäftigte sich mit dem Gutachten des Reichssparkommissars über Ersparnismöglichkeiten bei der Reichspost. Der Ausschuß war der Auffassung, daß die Zusammenfassung des Verkehrswesens einschließlich Reichsbahn und Reichspost in einem Ministerium einstweilen nicht möglich sei. Eine Verkleinerung des Verwaltungsrates der Reichspost hält er für erstrebenswert. Die Ablieferungen der Post an das Reich und die Rücklagen sollen wie bisher bestehen bleiben. Auch das Gutachten des Geichssparkommissars über das Beschaffungswesen der Reichspost empfahl der Ausschuß der Reichsregierung zur Berücksichtigung. Angeregt wird eine Verminderung der Lagerbestände, eine Verstärkung des Wettbewerbes und der Preiskontrolle, vor allem beim Aemterbau, eine Verringerung der eigenen Werkstätten der Post und der Telegraphenzeugämter und eine völlige Angleichung der Bestimmungen der bayrischen und württembergischen Postverwaltung an jene im alten Reichspostgebiet. Katzenellenbogens Geschäfte Wie der Sechs=Millionen=Kredit zustande kam * Berlin, 3. Febr. Der schwierigste Teil der Anklage gegen das frühere Generaldirektorium der Schultheiß=Patzenhofer A.=G., Katzenellenbogen, wurde in der heutigen Gerichtsverhandlung erörtert. Es handelt sich um die Gründung der Effekten=Konsortium G. m. b. H. Bei dieser Gründung übernahm der Schultheiß=Konzern auf Aktien eine Kursgarantie. die bei den Kursstürzen im vorigen Jahr zu großen Verlusten für den Konzern führte. Katzenellenbogen behauptet, daß der Schultheiß=Konzern heute schwächer stände, wenn diese Gründung nicht erfolgt wäre. Der Angeklagte verwahrt sich gegen den Vorwurf der Untreue. Im Jahre 1927 mußte, so legte er dar, die Ludwig=Katzenellenbogen G. m. b. H., seine Privatgesellschaft, bei der Kapitalerhöhung der Ostwerke und der Schultheiß A.=G. einen Betrag von 6 Millionen RM. aufbringen, um die jungen Aktien zu beziehen. Um den Konzern zu entlasten, habe er sich 3 Millionen RM. von der Deutschen Bank und den gleichen Betrag von der Eidgenössischen Bank verschafft. Er habe darauf aufmerksam gemacht, daß er sechs Millionen RM. Schulden bei der Bank habe und daß das Effektenkonsortium diese Summe für den Erlös der Aktien verrechnen solle. Er habe durch die Abmachungen keinerlei Vorteil vor den anderen gehabt. Niemand würde ihn doch für so wahnsinnig halten, daß er bei diesen Transaktionen diejenige Stelle in Gefahr bringen wollte, bei der der Schlüssel zum Konzern, zu seiner Stellung und zu der Möglichkeit, alles eventuell seinem Sohn zu übertragen, gelegen habe, wenn er auch nur die geringste Gefahr geahnt hätte. Er habe alle Vorsicht walten lassen. In einem Prüfungsbericht sei ihm auch ausdrücklich bestätigt worden, Haß von einer objektiven Schädigung von Schultheiß nicht die Rede sein könne. Auch die anderen Angeklagten brachten zum Ausdruck, daß die Banken im Jahre 1927 mit Kreditgewährung so freigebig gewesen seien, daß Katzenellenbogen wahrscheinlich auch ungedeckte Kredite erhalten hätte. Die Verhandlung wurde dann auf Freitag vertagt. Beupruhigung wegen der drei Wüstenflieger * Paris, 3. Febr. Die Lage der drei in der Sahara verschollenen französischen Flieger beginnt nunmehr auch die amtlichen französischen Stellen stark zu beunruhigen. Die Flieger hatten nur Lebensmittel und Trinkwasser für 24 Stunden an Bord. Sie wurden durch einen heftigen Sandsturm abgetrieben. Bisher war es noch nicht möglich, ihren Standort festzustellen. Bier Militär= flugzeuge sind am Dienstag von Algier aus aufgestiegen, um das ganze Gebiet in einem Umkreis von über 2000 Kilometer abzusuchen. Die drahtlose Verbindung mit dem Flugzeug ist unterbrochen. Die vorgeschobenen französischen Posten haben Kamelreiter ausgeschickt, um die Verschollenen zu suchen. Nach 17 Kindern Drillinge * Berlin, 3. Febr. In dem rumänischen Dorfe Hortesti hat ein nicht alltägliches Geburtsereignis beträchtliches Aufsehen erregt. Eine 41jährige Bäuerin, die bereits 17 Kinder hat, schenkte in diesen Tagen ihrem Manne Drillinge, die gesund und munter das Licht der Welt erblickten. Als Kuriosum verdient aber die Tatsache Erwähnung, daß alle 20 Kinder Mädchen sind. Wirtschaft, Handel und Industrie Berliner Produktenbörse * Berlin, 8. Febr. Weizen, märk. 241—243, Roggen, märk. 197—199, Gerste: Braugerste 160 bis 168, Futter= und Industriegerste 153—157, Haser, märk. 138—146, Weizenmehl 29—33, Roggenmehl 27,50—29,75, Weizenkleie 9,60—10, Roggenkleie 9,60 bis 10, Viktoriaerbsen 21—27,50, kleine Speiseerbsen 21—23,50, Futtererbsen 15—17, Peluschken 16 bis 18, Ackerbohnen 14—16, Wicken 16—19, Lupinen, blaue 10—12, gelbe 14,50—16, Seradella 23—29, Leinkuchen 11,30—11,40, Soyatschrot 7—7,10, Kartoffelflocken 12,50—12,60 M. Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt * Dortmund, 3. Febr. Auftrieb: 413 Stück Großvieh, 36 Kälber, 199 Schweine. Der Handel war in guten Tieren sehr langsam, voraussichtlich Ueberstand. Es kosteten: Kühe: a) 340—400, b) 275—940, c) 200—275, d) 200—310 M. Der Handel am Schweinemarkt war langsam. Es wurden bezahlt für 6—8 Wochen alte Ferkel 8—11, 8—10 Wochen alte 11—16, 10—12 Wochen alte 16—29 M. Nächster Markt: 10. Februar. Schwelm, 4. Februar. Steuererklärung für die Gewerbeertragssteuer für 1932. Der Gewerbesteuerausschuß des EnnepeRuhr=Kreises hat eine Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung für die Gewerbeertragssteuer für 1932 erlassen. Hiernach ist die Steuererklärung in der Zeit vom 15. bis 29. Februar 1932 abzugeben. Die Aufforderung hängt am schwarzen Brett in dem Dienstgebäude des Gewerbesteuerausschusses und der Ortsbehörden, sowie der in Frage kommenden Gemeinden aus. A Filmvorführung in der Christuskirche. In der Christuskirche(große Kirche) wird heute abend der Film der Dr. Lepsius=Orient=Mission gezeigt. Er berichtet von Not und Verfolgung des alten Armeniervolkes— einem Dreimillionenvolk von Christen, das, ausgeliefert mohammedanischer Willkür in den letzten Jahrzehnten unaussprechliche Blutopfer gebracht. Die Massenmorde der Türken finden ihre menschliche Erklärung im Rassenhaß wider die Armenier und im Religionshaß wider das Christentum. Der Eintrittspreis für Erwerbslose ist um die Hälfte gekürzt.(Siehe Anzeige!) Den Reinertrag fließt in die Kasse der Orientmission. (=) Personenstandsbewegung im Monat Januar 1932. Zugänge: Einzelpersonen 56(68) und 6 (8) Familien mit 18(19) Personen, davon Geburten 27(44), davon einheimische 23, ortsfremde 4. Abgänge: Einzelpersonen 69(70 und 2(2) Familien mit 5(9) Personen. Sterbefälle 24(14), davon einheimische 18, ortsfremde 6. Stand der Einwohnerzahl am 1. Januar 23176. Zugang 5. Jetziger Stand 23181. Es fanden 9(13) Eheschließungen statt. Umgemeldet wurden 71(61) Einzelpersonen und 32(48) Familen mit 98(145) Personen. * Neue Werte der Wohlfahrtsmarken. Wie das Amtsblatt des Reichspostministeriums vom 2. Februar mitteilt, wird die Reichsdruckerei in einigen Tagen Wohlfahrtsmarken zu 6 und 12 Pfg. liefern, mit deren Verkauf zu 10 und 15 Pfg. die Postanstalten sogleich nach der Lieferung beginnen werden. Die neuen Marken sind nach den Mustern der bisherigen Wohlfahrtsmarken zu 8. (Zwinger Dresden) und 15 Pfg.(Rathaus Breslau) hergestellt, tragen aber unterhalb des Bildes den Aufdruck 6+ 4 Rpf. und 12+ 3 Rpf, Außerdem sind die Wertziffern 8 und 15 in den unteren Ecken mit den Ziffern 6 und 12 überdruckt. Die bisherigen Wohlfahrtsmarken werden daneben weiter verkauft, Heftchen mit diesen Marken werden nicht ausgegeben. Der Verkauf bei den Postanstalten endet mit Ablauf des 31. März 1932. Milspe, 4. Februar. Polizeibericht für den Monat Jannar 1932. Im Januar wurden bei der Polizeibehörde Milspe folgende Strafverfahren bearbeitet: Transportgefährdung 3, Autoübertretungen 5, Autovergehen 3, Betriebsunfälle 7, Brände 3, Gewerbevergehen. 4, Diebstahl= bezw. Einbruchsdiebstähle 5, Betrug 7, Scheckbetrug 1, Unterschlagung 4, Pfandbruch 1, Forstdiebstähle 4, Mündelgeldunterschlagung 1, Ueberfall 1, Meineide 1, Sittlichkeitsverbrechen 3, Blutschande 1, Körperverletzung 2, Mißhandlung 1, Verleumdungl, Schwarzhörer 2, Beamtenbeleidigung und Widerstand 2, pol. Strafverfügungen 11, Haftbefehle und Festnahmeersuchen 23, Verschiedenes 91. Obdachlose übernachteten hier im Januar 58. Bevölkerungsbewegung. Im Monat Januar 1932 wurden in der Gemeinde Milspe 4 Ehen geschldssen und 10 Kinder geboren(5 Knaben und 5 Mädchen). Die Zahl der Neuanmeldungen betrug 41 und die der Abmeldungen 46. Es starben 9 Personen und zwar an Tuberkulose 1, Herzschlag 1, Herzkrankheiten 1, Lungenentzündung 1, Altersschwäche 1, alle übrigen Todesursachen 4. Die Zahl der Einwohner ist von 11 564 auf 11 560 gefallen. Der gesamte Gemeinderat gegen den Bürgermeister Gemeinderatssitzung in Voerde. Voerde, 4. Februar. Nach monatelanger Pause fand gestern unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Kaiser wieder eine Gemeinderatssitzung statt. Von Anfang an herrschte eine Kampfstimmung gegen den Bürgermeister Schwalbenbach. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte G.=V. Pohl mit, daß er aus der Fraktion der SPD. ausgetreten und zu den Kommunisten übergegangen sei. Auf Anfrage erwiderte der Bürgermeister, daß der Plan für den Kommunalfriedhof von dem Regierungspräsidenten genehmigt worden sei, so daß die Arbeiten in nächster Zeit ausgeführt würden. An den Vorsteher wurde die Frage gerichtet, ob ihm bekannt sei, wie die gestrige Pressenotiz, daß die Gemeinderatssitzung nicht stattfinde, in die Zeitungen gekommen sei. G.=V. Kaiser gab die Antwort, daß ihm das nicht bekannt sei. Tatsache sei daß der Landrat zu der heutigen Sitzung vom Bürgermeister gebeten wurde dieser aber nicht erscheinen konnte. Er habe die Bitte ausgesprochen, die Sitzung um eine Woche zu vertagen. Das sei aber nicht möglich gewesen, da dringende Punkte zur Beratung ständen. Die Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft erwiderte, daß der Landrat von der Arbeitsgemeinschaft aus zur Sitzung gebeten worden sei. Jedenfalls sei die Pressenotiz sehr auffällig und es entstehe der Verdacht, daß auch diese Sitzung beschlußunfähig gemacht werden solle. Seit Monaten sei die Gemeindevertretung schon ausgeschaltet. Es werde unbedingt verlangt, daß der Hauptausschuß, der seit Oktober nicht mehr einberufen worden sei, wieder regelmäßig einberufen werde. G.=V. Clever(evgl. Volksdienst) verlangte die Vorlage des amtlichen Schriftwechsels zwischen dem Bürgermeister und dem Landrat. Dieses wurde vom Bürgermeister abgelehnt. da darüber der Landrat zu entscheiden habe. Auf Antrag der Rechten wurden die ersten drei Punkte bis zum Schluß der Tagesordnung zurückgestellt. Dagegen protestierte die Linke die eine Erklärung abgab, daß sie sich an der Beratung über die ersten drei Punkte beteilige, an den übrigen Punkten werde sie sich nicht beteiligen, da diese nicht im Hauptausschuß vorberaten worden seien und sie keine Stellung dazu nehmen könne. Im übrigen erhebe sie gegen das selbstherrliche Walten des Bürgermeisters schärfsten Protest, besonders dagegen, daß der Bürgermeister trotz wiederholter Aufforderung monatelang keine Sitzung einberufen habe. Die gesamte Linke verläßt darauf den Saal, kehrt aber später zurück, ohne an der Sitzung teilzunehmen. Erst jetzt wurde in die Tagesordnung eingetreten, die nur von der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft bearbeitet wurde. In der bekannten Enteignungssache BlumeBülbring hatte die Gemeinde als Beklagte in der ersten Instanz teilweise gesiegt. In der Berufungsinstanz steht die Sache für die Gemeinde nicht günstig. Das Gericht hat nun einen Vergleichsvorschlag vorgelegt. G.=V. Klein und G.=V. Schläper machen dem Bürgermeister wegen dieser Klage die größten Vorwürfe. Er sei seinerzeit im Hauptausschuß davor gewarnt worden, es bis zum Prozeß kommen zu lassen. Es wurde an den Gemeindevorsteher die Aufforderung gerichtet, die Landgemeindeordnung strikte durchzuführen und dem Bürgermeister die Vollmacht zu entziehen. Prozesse zu führen. G.=V. Clever(evgl. Volksd.) stellte zwei Anträge: 1. den Vergleich wie vorgeschlagen anzunehmen, 2. daß der Bürgermeister regreßpflichtig zu machen sei. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen. Der Bürgermeister beanstandete den Beschluß bezüglich der Regreßpflicht. Er werde die Sache der vorgesetzten Behörde vorlegen. Die Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft verlangte dann von dem Bürgermeister einen Bericht über die Maßnahmen, die seit der Ausschaltung der Voerder Gemeindevertretung seitens der Verwaltung getroffen wurden. Die Gemeindevertretung ließe sich das Kontrollrecht, das durch die Notverordnung nicht aufgehoben worden sei, nicht nehmen. Kleine Anfragen wurden dann vom Bürgermeister beantwortet. Im übrigen erklärte er, durch seine vorgesetzte Behörde zu strengstem Stillschweigen verpflichtet worden zu sein. Auch in einer vertraulichen Sitzung werde er keine Erklärung abgeben, nur den Fraktionsführern. Es würden aber von ihm nur die Interessen der Gemeinde wahrgenommen und nichts versäumt, das der Gemeinde zum Wohle gereichen könne. Es setzte nun wieder eine lebhafte Debatte ein. Es wurde betont, daß die Gemeindevertretung nicht gewollt habe, daß ein Staatskommissar nach Voerde komme. Es sei von der Vertretung bei der Regierung verlangt worden, das seinerzeit Abgelehnte zur nochmaligen Beratung zurückzugeben, was auch zugesagt wurde. Aber bis heute sei der Etat nicht zurück. Gewisse Stellen hätten ein Interesse daran gehabt, daß ein Staatskommissar eingesetzt werde, hinter den man sich jetzt verschanze. Die Gemeindevertretung nahm sodann Stellung wegen der Aenderung der Gesellschaftsform der Straßenbahn. Eine eingehende Aussprache konnte noch nicht stattfinden, da noch keine Klarheit darüber herrschte, welche Gesellschaftsform für die Gemeinde die beste sei. Anträge wurden nicht gestellt. Als drittes Mitglied in den Stra* Hagen, 3. Febr.(Schweres Autounglück.— Ein Toter, ein Verletzter.) In der Nacht zum Montag gegen 1 Uhr wurden der Kassengehilfe Joseph Tillmann und der Autoschlosser Paul Reuter von einem Personenwagen auf der Hauptstraße kurz vor der Post angefahren und zur Seite geschleudert. Tillmann erlitt dabei schwere Verletzungen an Kopf, Brust und Beinen, an deren Folgen er kurze Zeit darauf verstarb Reuter kam mit leichteren Verletzungen davon. Soweit die Ermittlungen ergeben haben, trifft den Wagenführer keine Schuld. * Hagen, 3. Febr.(Bund Deutscher Architekten.) Die Ortsgruppe Hagen=Sauerland des BDA. hielt ihre diesjährige Jahresversammlung ab. In dieser wurde der Vorstand neu gewählt, und zwar besteht derselbe aus folgenden Architekten: erster Vorsitzender Gerhards=Wetter, erster stellvertretender Vorsitzender und Schriftwart Hans Woltmann=Hagen, zweiter stellvertretender Vorsitzender und Kassenwart Dipl.=Ing. KaddenHagen. Als Beisitzer wurden gewählt: Langensiepen=Hagen und Amtenbrink=Lüdenscheid. Im Laufe der Versammlung wurde die augenblickliche große Not gerade unter den Architekten erörtert und der Vorstand von der Versammlung ermächtigt, bei den Verwaltungen geeignete Schritte zu unternehmen, damit die große Not nach Möglichkeit gelindert werde. * Hagen, 3. Febr. In Sachen Pforte ist die Anklageschrift gegen den ehemaligen Generaldirektor der Hagener Straßenbahn A.=G. seit einiger Zeit fertiggestellt. Der Termin zur Verhandlung soll angeblich noch im Laufe des Monats Februar anberaumt werden. * Hagen, 3. Febr.(Den Verletzungen erlegen.) Die am Montag in der Frühe aus dem Fenster des dritten Stockwerks ihrer in der Schwerterstraße 207 in Kabel gelegenen Wohnung gestürzte Frau Witwe Müller ist, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, in vorvergangener Nacht gegen 2 Uhr an den schweren Verletzungen des Falles im Johannes=Hospital zu Boele verschieden. Die verunglückte Frau stand im 54. Lebensjahre und hinterläßt eine Tochter. * Essen, 3. Febr.(Schlechte Geschäftslage bei Krupp.) Wegen weiterer Verschlechterung des Auftragseinganges hat die KruppA.=G. Essen vorsorglich die Entlassung von rund 2000 Arbeitern und Angestellten beantragt. * Weiden, 3. Februar.(Ein dreifaches Todesurteil.) Das Schwurgericht verurteilte heute den 35 Jahre alten ledigen Dienstknecht Felix Schieder aus Kühlbach unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte dreimal zum Tode. Seine Mutter Anna Schieder wurde von der Anklage der Beihilfe mangels Beweises freigesprochen. Felix Schieder hatte in der Nacht zum 19. Juli 1931 seinen jüngsten Bruder, den Gastwirt Andreas Schieder aus Wendersreuth, dessen Ehefrau und deren 1½ Jahre altes Kind durch ßenbahnausschuß wurde G.=V. Asbeck und zum Stellvertreter G.=V. Halsmann gewählt. Der Bürgermeister wurde sodann beauftragt, sich dem Protest wegen der Aufhebung des Amtsgerichts Hagen=Haspe anzuschließen. Die Aussprache über die Verlegung der Gemeindekasse führte zu keinem Ergebnis. Der Hauptausschuß soll sich mit dieser Frage erst befassen. Beschlossen wurde noch, den Gaspreis für den Kleinkonsumen. ten von 18 auf 15 Pfg. und die Mindestabnahme auf 45 Pfg. festzusetzen. Sämtliche Unterstützungsempfänger sowie Kurzarbeiter bis zu 4 Tagen zahlen die Hälfte. Das Industriegas soll prozenlual gesenkt werden. Als nun die drei Punkte, d'e zurückgestellt waren und an denen sich die Linke an der Beratung wieder beteiligen wollte, zur Erledigung kommen sollten, erklärte die Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft, die Zeit sei schon vorgeschritten, sie mache Schluß. Das Haus wurde dadurch beschlußunfähig. Gevelsberg, 4. Februar. * Einbrüche und Diebstähle. Diebe erbrachen abends das Zimmer der Verkäuferinnen des Konsumgeschäfts Michael Brücken, Zweiggeschäft am Vogelsang. Ob was gestohlen wurde, ist noch nicht festgestellt. Auch konnten die Diebe bisher noch nicht ermittelt werden. Man nimmt an, daß es sich in diesem Falle um dieselben Täter handelt, die am Montag abend die Frau des Bauunternehmers Witte überfallen haben.— Diebe versuchten nachts in das am Vogelsang gelegene Geschäft von Julius Lohmann einzubrechen. Sie versuchten, das Fenstergitter des Lagers mit einem Autoheber auseinander zu brechen. Der Geschäftsinhaber wurde wach und verscheuchte die Diebe.—50 Mark gestohlen wurden einem Geschäftsmann von der Hagener Straße, der seine Brieftasche irgendwo hingelegt hatte. Als er die Tasche zurückerhielt, waren 50 Mark verschwunden. * Bevölkerungsbewegung im Monat Jannar. Bestand am 31. Januar 1932 22 103, im Vormonat 22 153, weniger 50. Anmeldungen 64, Abmeldungen 105, Ummeldungen 115, Geburten 16, Sterbefälle 25, Eheschließungen 10. Hattingen, 4. Febr. * Einbrecher schleppen einen 5 Zentner schweren Geldschrank fort und berauben ihn. In der Ortschaft Dumberg bei Hattingen wurde in der Nacht zum Dienstag in der Wirtschaft Eggermann ein nicht alltäglicher Einbruchsdiebstahl verübt. Nachdem die Einbrecher durch ein Fenster in den Raum gelangt waren, transportierten sie den fünf Zentner schweren Geldschrank durch das Fenster und schleppten ihn mit einem im Hofe der Gastwirts aufgestellten Fuhrwerk in die Ruhrwiesen. Es gelang den Burschen, den Geldschrank zu öffnen und den Inhalt zu entwenden. U. a. stahlen sie 1000 Mark in Bargeld, ferner zwei Aktien der Gelsenkirchener Wasserwerke. Die von der Polizeit ausgenommenen Ermittlungen haben ergeben, daß die Täter auf einem Motorrad in Richtung Hattingen entkommen sind. An der gleichen Stelle ist bereits am 19. Januar d. J. ein Einbruchsdiebstahl verübt worden bei dem den Tätern 500 Mark in die Hände fielen. Die bei dem gewaltsamen Oeffnen des Geldschrankes verwandten Werkzeuge lassen darauf schließen, daß es sich nicht um geübte Geldschrankknacker handelt. Beilhiebe ermordet, um in den Besitz des elterlichen Anwesens zu gelangen. * W.=Elberfeld, 3. Febr.(Der Gerichtsvollzieher in der Tanzbar.) Ein aufsehenerregender Zwischenfall ereignete sich in einer der letzten Nächte in einer Elberfelder Tanzbar. Nach Schluß der Polizeistunde drang gegen 3 Uhr morgens ein Gerichtsvollzieher mit einem Kriminalbeamten in das Lokal ein und belegte die Einnahmen des Lokals der Kellner und der Zigarettenverkäufer mit Beschlag. Es handelte sich darum, daß der Unternehmer die Krankenkassenbeiträge schuldig geblieben war. Die Ortskrankenkasse hatte deshalb den Gerichtsvollzieher mobil gemacht. * Solingen, 3. Februar.(Jagd auf ein Schmugglerauto.) Die Zollfahndungsstelle in Düsseldorf nahm beim Straßenbahntunnel in Ohligs ein Auto fest, in dem ein Schmugglerehepaar aus Gladbach=Rheydt saß. Die Zollbeamten hatten auf der Straße zwischen Benrath und Hilden mit ihrem Auto Aufstellung genommen, um einem Wagen, der für einen Großschmuggler aus Gladbach=Rheydt zweimal in der Woche einen anderen Großschmuggler bediente, aufzupassen. Als der Kraftwagenführer merkte, daß er von der Zollfahndung verfolgt wurde, beschleunigte er seine Fahrgeschwindigkeit und nahm seinen Weg kreuz und quer durch die Straßen von Ohligs. Er konnte nach Abgabe eines scharfen Karabinerschusses zum Stehen gebracht werden. Der Wagen war kunstgerecht bis zur Decke voll mit Schmuggelware bepackt. Selbst die Polster waren entfernt, um ein größeres Fassungsvermögen zu erzielen. In dem Wagen wurden 16000 Stück Zigaretten und 500 Pfund Feinschnitt=Tabak gefunden. Die Täter wurden festgenommen. Der Wagen wurde beschlagnahmt. * Düsseldorf, 3. Febr.(Das MalkastenFest.) Wie stark das Interesse sich auf die Künstlerfeste im Malkasten konzentriert, das zeigen wieder die zahlreichen Anmeldungen aus der ganzen Umgebung von Düsseldorf, vor allem aus Holland. Es ist kein Zweifel, daß auch gerade in diesem Jahre das Malkastenfest„Trotz allem— Sonnenland!“ eine besondere Note haben wird, weil sich mehr denn je der Wille bemerkbar macht, aus der Misere der Zeit wieder zur Sonne zu streben. * Köln, 3. Februar.(Autounfall Dr. Adenauers und Dr. Silverbergs.) Am Mittwoch nachmittag wurde das Dienstauto des Oberbürgermeisters von Köln, Dr. Adenauer, auf der Rückfahrt von der Sitzung des Provinzialausschusses in Düsseldorf von einem anderen Wagen angefahren. Bei dem sehr starken Zusammenstoß erlitt der im Wagen des Bürgermeisters sitzende Generaldirektor Dr. Silverberg am Kopf Verletzungen und eine stark blutende Fleischwunde. Der Oberbürgermeister und sein Chauffeur blieben unverletzt. Westsaien, Aheinlaus aud Nachbulgevietr 7•) MFA Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. * Köln, 3. Februar.(30000 Mark unterschlagen.) Am Dienstag vormittag wurde der Kassierer einer chemischen Fabrik festgenommen, weil eine Nachprüfung ergeben hatte, daß etwa 8400 Mark in der Kasse fehlten. Der ungetreue Angestellte hat im Laufe des Tages eingestanden, vom Jahre 1929 ab insgesamt 30000 Mark unterschlagen zu haben. Das Geld will er durch kostspielige Reisen mit einer Freundin durchgebracht haben. * Siegburg, 3. Febr.(90000 M. Staatsbeihilfe für den Siegkreis.) Der Siegkreis hat eine weitere Staatsbeihilfe zu den Wohlfahrtsausgaben in Höhe von 90000 Mark erhalten. Dieser Betrag reicht aus, um knapp zehn Tage die Unterstützungen auszuzahlen. Das Erdbeben auf Cuba * Newyork, 3. Febr. Wie Associated Preß aus Santiago de Cuba meldet, hat sich dort ein fünfter Erdstoß ereignet. Viele Kinder seien getötet worden. Die Zahl der Verletzten betrage ungefähr zweitausend. Das Dach der Frauenabteilung des städtischen Krankenhauses ist eingestürzt; viele Frauen und Kinder fanden dabei den Tod. * London, 3. Febr. Bei dem Erdbeben in Sautiago wurde nach hier vorliegenden Meldungen etwa ein Drittel der Stadt zerstört. Im ganzen erfolgten fünf Erdstöße. Die Stadt steht unter miliärischem Befehl. Die Soldaten helfen bei den Aufräumungsarbeiten. Die Bekämpfung des ausgebrochenen Feuers ist infolge großen Wassermangels sehr schwierig. Die Kathedrale ist schwer beschädigt worden. Die Haupttelegraphenlinie nach Havanna ist nicht gestört. * Newyork, 3. Febr. Nach den letzten Schätzungen sind in Santiago de Cuba höchstens 200 Personen getötet und etwa 2000 verwundet worden. Nach ergänzenden Meldungen aus Havanna sind außer mehreren Kirchen, Regierungsgebäuden und dem Elektrizitätswerk in Santiago de Cuba auch ein Krankenhaus, sowie ein Hotel zerstört worden. Hilfe ist sowohl mit der Eisenbahn, wie auch mit Schiffen und Flugzeugen unterwegs. Die Nachbarstädte Holquin und Guantanamo haben gleichfalls erheblich gelitten, ebenso der Libertad=Park. Raubüberfall aus eine Sparkassenfiliale in Wandsbet * Wandsbeck, 3. Februar. Am Mittwoch achmittag erschienen in der Sparkasse Wandsbeck zwei junge Leute und forderten den anwesenden Sparkassenbeamten unter Bedrohung mit dem Revolver auf, das Geld herauszugeben. Als sich der Beamte weigerte, versetzten sie ihm einen Schlag vor den Kopf und entrissen ihm die Brieftasche mit etwa 500 Mark Inhalt. Durch den Schlag erlitt der Ueberfallene eine stark blutende Kopfwunde. Hausbewohner und Straßenpassanten verfolgten die Täter, konnten sie aber nicht erreichen. Der eine Räuber lief querfeldein und schoß auf seine Verfolger, ohne jedoch zu treffen. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Bei westlichen Winden stark wolkig mit Sprühregen oder leichten Regenfällen, mild. Sport-Nachrichten Deutschland spielt gegen Indien Auslosung zum Davispokal 1932 * Paris, 3. Febr. Am Dienstag fand in der französischen Hauptstadt im Elysee die Auslosung für den Davis=Pokalwettbewerb 1932 statt. Der Auslosung. die unter dem üblichen Zeremoniell vor sich ging, wohnten neben dem Präsidenten der französischen Republik, Doumer, und den diplomatischen Vertretern der gemeldeten 27 Nationen auch der Stifter des Pokals, Davis, bei. Nach einer Ansprache des französischen Ministers für körperliche Ertüchtigung, Morinand, zog dann Präsident Doumer aus dem als Urne dienenden Pokal das erste Los und setzte damit Ungarn an die Spitze der Tabelle. Der deutsche Botschafter, von Hoesch, bestimmte als öritter Indien zum Gegner Deutschlands. Städtische Bühnen Wuppertal Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt, Neustraße Barmen Donnerstag, 4. Febr., 8 bis 10,45 Uhr: Martha. Oper von Flotow. Abonnement D, 9. Vorstellung. Preise 2. Freitag, 5. Febr., 8 bis 10,30 Uhr: Vorstellung für den Bühnenvolksbund Gruppen A. u. B., Ortsgruppe Barmen. Kartenausgabe in den Geschäftsstellen. Der Raub der Sabinerinnen. Schwank von Franz und Paul von Schönthan. Preise 2. Samstag, 6. Febr., 5,30 bis 8.45 Uhr: Fremdenvorstellung: Aida. Oper von Verdi. Preise 2. Sonntag, 7. Febr., 7 bis 9.45 Uhr: Mignon. Oper von A. Thomas. Preise 2. Elberseld Donnerstag, 4. Febr., 8 bis gegen 11 Uhr: Zum 1. Male: Die Faschingsfee. Operette von Kalman. Preise 2. Samstag, 6. Febr., 9,30 bis gegen 12 Uhr: Zum Besten der Wuppertaler Notgemeinschaft: Eine Nacht bei der Czardasfürstin. Einmalige Faschingsveranstaltung unter Mitwirkung des Opern=, Operetten= und Schauspielpersonals. Preise 0,80 bis 4 M. Sonntag, 7. Febr., 3 bis gegen 6 Uhr: Die Faschingssee. Oparette von Kalman. Preise 1. 7 bis 9,15 Uhr: Pension Schöller. Posse von Laufs. Preise. 1. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau! Scherz, für den Anzeigenteil: Hans Scherz; Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Heute morgen gegen 11 Uhr ist unsere innigstgeliebte, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwägerin und Tante Frad Gür. Custat-Hehlnehen Sophie geb. Engstermann nach langem schwerem Leiden im Alter von fast 74 Jahren in Krieden heimgegangen. In tiefer Trauer: Fritz Mennenöh Elfriede Birk geb. Mennenöh Karl Birk Johanna Mennenöh Paula Viemann geb. Mennenöh Constantin Viemann und 3 Enkelkinder. Schwelm, Elberfeld, Plettenberg und Langerfeld, den 3. Februar 1932. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 6. Februar 1932 nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause, Alleestraße 32, aus statt. Trauerfeier in der Priedhofskapelle. Portgerungen, durchgedrungen bis zum Kleinod hin! In der Frühe des heutigen Tages ging meine liebe Frau, unsere unvergessliche Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Wilhermine Gralingheit geb. Süther in fast vollendetem 71. Lebensjahre in Frieden heim. In tiefem Schmerz, doch getröstet im Glauben an ein Wiedersehn Fämille Friedrich Grälingholl. Schwelm, Linderhausen, W.-Barmen, 4. Februar 1932 Die Beerdigung findet am Samstag, dem 6. Februar 1932, nachm. 4¼ Uhr vom Sterbehause Schwelmestr. 36, aus statt. Trauerfeier in der Priedhofskapelle Von Beileidsbesuchen bitten wir Abstand zu nehmen. Ah0D. AUT. 4 Schweim Abt. Betriebsz. Organ. Morgen, Preitag, den 5. Februar abends 8¼ Uhr spricht im„Viktoriasaal“ Pg. Steinbrucharbeiter Duschön-Wülfrath über die : Stellung des Nationalsozialismus zur Arbeitsehmerschaft und zu den Gewerkschaften! Unkosten-Beitrag 20 Pfg.— Erwerbslose 10 Pig.— AUSSPRACHE I Freitag, 5. Febr., beginnt die diesjähr. Veranstaltung, die Im Zelchen beispiellosen Preisrückgangs für alle Waren steht Ohne Zwischenhandel konnte ich gemeinsam mit über 400 grösseren Geschäften grosse Posten„weisser Waren“ direkt von den Fabriklägern kaufen. Dabei verbürgt sich der alte Ruf meines Geschäftes für nur erstklassige Qualitäten. Sehen Sie bitte nach, was in Ihrem Wäschebestand ergänzt werden sollte. Auch für Brautausstattungen bietet die„Weisse Woche“ eine beispiellos günstige Einkaufsgelegenheit. Hotl Kiein, Schwenn Das Haus der guten Magnet-Qualitäten Der Gewerbesteuerausschuß des EnnepeRuhr=Kreises hat eine Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung für die Gewerbeertragssteuer für 1932 erlassen. Hiernach ist die Steuererklärung in der Zeit vom 15. bis 29. Februar 1932 abzugeben. Die Aufforderung hängt am schwarzen Brett in dem Dienstgebäude des Gewerbesteuerausschusses und der Ortsbehörden, sowie der in Frage kommenden Gemeinden aus. Schwelm, den 1. Februar 1932. Der Vorsitzende des Gewerbesteuerausschusses des Ennepe=Ruhr=Kreises(Kreishaus). Dr. Strickrodt, Regierungs=Assessor. , Tebraur! Dus ist der Tog, an dem Du etwas für deine urbeitslosen Hlbürger ton kannst! Schwelmer Nothilfe Was bringt der Kundsunk? Freitag, 5. Februar 6,45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe 7,05—8,00 Morgenkonzert. 8,00 Wiederholung der Wettervorhersage. 9,45—10,00 Gymnastik für Frauen. 10,00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsemp. fang für Arbeitslose. 11,20—11,50 Schulfunk. 12,00 Schallplattenkonzert. 12,55 Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Mittagskonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Kühn. 1. Ouverture zu Franz Schuberts Singspiel „Der Frauenkrieg“ von Herrmann. 2. Szenen aus der Oper„Die verkaufte Braut" v. Smetana. 3. Champagnergeister, Ballettszenen von van den Bergh. 4. Fasching=Suite von Schmalstich. 5. Ouverture„Kölner Karneval“ v. Senger. 6. Boccaccios Galanterien, Potpourri von Suppé=Weninger. 7. Lied und Furiant aus dem Singspiel„Böhmische Musikanten“ von Grün. 8. Achtung, wir gehen voran, Marsch=Potpourri v. Recktenwald. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Bastelstunde. 16,20—17,00 Jugendfunk. 17,00—18,00 Vesperkonzert, Leitung: Eysoldt. 1. Fest=Ouverture von Kalliwoda. 2. Kleine Suite von Coates. 3. Walzer von Spies. 4.„Am stillen Herd“ und Walters Preislied aus der Oper„Die Meistersinger von Nürnberg" von Wagner. 5. Melodien aus der Oper„Die Regimentstochter“ von Donizetti. 18,00—18,20 Meister der Naturschilderung. 18,20—18,40 Die Welt im Buch. 18,40—19,00 Englische Unterhaltung. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,55 Drei Deutsche sprechen miteinander. 19,55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,15 Uebertragung aus Newyork: Worüber man in Amerika spricht. 20,15—20,55 Von der Flöte zur Pauke(9). 21,00 Die Gebrüder Kuckelkorn. Nach Colautuonis Komödie. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht üben das geistige Leben, Sportbericht. Etwa 2235—2400 Nachtmusik, Leitung: Eysoldt. Heute abend und folgende Donnerstag=Abende I.Pienssall Anfang 8 Uhr b. Drebes 2 schöne große freie Mansardenzimmer im Mittelpunkt der Stadt zu vermieten. Schriftl Angebote unter 707 an die Geschäftsstelle ds. Ztg. Zwangsversteigerung Am Freitag, dem 5. Febr. 1932, vormitt 11 Uhr werde ich in Schwelm, Viktoriasaal Kölnerstraße bezw. an Ort und Stelle folgende Sachen öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern 1 Klubsessel, 1 Schnellwaage, 1 Radioanlage u. a. S. ferner um 3 Uhr an Ort u. Stelle(Treffpunkt Straßenbahnhaltestelle Eichenstr.) 1 Posten Lebensmittel u. kleinere Verbrauchsgegenstände. Henses, Gerichtsvollzieher kr. A. in Schwelm. Zwangsversteigerung Freitag, den 5. Februar 1932, vormittags 11 Uhr, versteigere ich im Viktoriasaal, Kölnerstr. 1 Guitarre, Buffets, Kredenze, Schreibtische, 1 Posten Damen= u. Mädchenschuhe, Ausziehtische, Klubsessel, versch. Warenschränke mit Marmorplatten und Glasschiebetüren, Geldschränke, Eiskonservator, Sekretär, Aktenschrank, Waschkomoden ohne Platten, Radioap= parate mit Lautsprecher, Ledertuchsofa, Standuhr, Chais=lonques mit Decke, 1 Bild, 1 Sofa, Sessel, Stühle, 1 Bücherschrank, Schreibmaschine Torpedo und Stoewer=Record, einen Posten Trockenfeuerlöscher, 1 Ibach=Flügel u. a. S. öffentlich meistbietend gegen Barzahlung Schwelm, 4. Februar 1932. Kranz Ober=Gerichtsvollzieher. an Scheheltuu ete Sicherheit? Streng reell. Auskunft kostenlos. Schriftl Anfr unt. Nr. 598 bef. die Geschäftsst. d. Ztg. ewrt Schweln t. L. Antreten zur Beerdigung des Kameraden Einn Thiele am Sonnabend, dem 6. Februar nachm. 3 Uhr im Lokal Weustenfeld, Schulstraße. Der Vorstand. Zwangsversteigerung Freitag, den 5. Febr. 1932, vorm. 11 Uhr, werde ich in der Wirtschaft Wiese, Schwelm, Kölnerstraße: 1 Hörapparat, 1 Radioapparat(kompl.),1 Transformator, 1 Gasherd, u. a. S. öffentlich meistbietend gegen bar versteigern. Die Versteigerung des Hörapparates findet bestimmt statt. Dirichs, Gerichsvollzieher kr. A. Dr. Lepsius Deutsche Ortentmission Inmvorfahrung in der Christuskirche zu Schwelm heute Donnerstag, 4. Febr. nachm. 5 Uhr für Kinder Preis 10 Pfg. abends 8 Uhr für Erwachsene Preis 30 Pfg. Erwerbslose zahlen die Hälfte. Für die richtige Wiedergabe telephonisch aufgegebe. ner Anzeigen kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Schwelmer Zeitung. 1 * 11•1 — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Zweites Blatt Rummer 29 „ 5 Donnerstag, 4. Jebruar 1932 Der Aufmiltsch für die haubeisverkeidiguug Tatsachen vom Kriegsschauplatz der Weltwirtschaft. Bildung eines deutsch=französischen wirtschaftlichen Widerstandsblocks?— Englands wirtschaftspolitische Planlosigkeit. Von Konrad F. Lehnert. Während in Südafrika eine Viertelmillion, in zahlreichen anderen Ländern Zehntausende von Arbeitern Tag und Nacht das Gold der Erde ans Licht schaffen und damit die metallische Grundlage der Weltzahlungsmittel unausgesetzt vermehren, schrumpft der Welthandel auf den Außen= und den Binnenmärkten unausgesetzt zusammen, als ob der Welt die Geldmittel ausgegangen wären. Die damit verbundene Arbeitslosigkeit von Millionen und Abermillionen ergibt sich aber aus einer Umsatzverminderung trotz der Geldvermehrung. Darin liegt eine furchtbare und vernichtende Anklage an die Weltwirtschaftsführung, die allerdings in der Lage ist, sie an die Weltpolitik weiterzureichen. Es sieht aber noch nicht so aus, als ob das Versailler System der Weltpolitik sich totgelaufen hätte. Eine große Anzahl der an Versailles nicht unmittelbar beteiligten Völker hat immer noch nicht gesehen, daß auch sie in den Strudel des deutschen Niedergangs hineingerissen wird und daß eben der durch Versailles bedingte deutsche Verbrauchsabsturz vor allem anderen die Ursache der Sorgen in ihrer eigenen Staats= und Volkswirtschaft bildet. Deshalb sammelt sich eine Fülle von nebeneinander liegenden und gegeneinander wirkenden Tatsachen in der Weltwirtschaftsentwicklung. Sie wirken sich unaufhaltsam in quälenden Leiden der Völker aller Zonen aus, werden jedoch noch nicht von einem Zentralpunkt aus bekämpft, weil man noch nicht begriffen hat, daß sie von dem Zentralpunkt Versailles aus herrühren. Im Augenblick kämpfen die Völker der Erde nicht gegen Versailles, die Ursache ihrer Nöte, sondern gegeneinander mit der Unbedachtsamkeit junger Hunde, die sich gleichzeitig auf die gleiche Stelle des Futternapfes stürzen, möglichst viel an sich zu reißen suchen, dabei mit Vorliebe nach den Bissen schnappen, die schon der Kamerad mit den Zähnen gefaßt hat und oft den wesentlichsten Bestand der dargebotenen Labe unter die flinken Füße treten. Das ist kein schmeichelhafter Vergleich für die Wirtschaftsführung der Staaten. Aber weswegen sollte man beispielsweise der Schweiz schmeicheln, die sich tapfer auf den guten Kunden Deutschland stürzt, weil er gleichzeitig auch auf ihrem Binnenmarkt Mittel zu gewinnen trachtet, um seine Kaufkraft für den Erwerb von Erzeugnissen der Schweiz zu stärken. Der Schweizer Schrei nach Verbesserung, mindestens nach Ausgleich der Handelsbilanz ist der Schrei der ganzen Welt, und alle sehen sie nach Deutschland in dem Glauben, daß wir mit unserem„Milliarden=Ausfuhr=Ueberschuß“ etwas zu verschenken hätten. Noch niemals in der Welthandelsgeschichte traf eine Wirtschaft so nachdrückliche Maßnahmen für die Drosselung ihrer Einfuhr zur Gewinnung eines Ausfuhrüberschusses wie die deutsche im letzten Jahr. Das sieht sehr angriffslustig aus. Die deutsche Wirtschaft kämpft aber um ihre Lebensfähigkeit. Sie muß ausführen, um— die Folgen von Versailles finanzieren zu können. Dazu gehört die ungeheure Zinsleistung für die Auslandsanleihen, eine Zinsleistung, die mit so phantastischen Riesenzuschlägen für ein angebliches Risiko zu rechnen hat, wie sie auf die Dauer aus der glänzendsten Wirtschaft der Erde eben nicht herausgeholt werden könnten. Und Deutschland verfügt wohl über den großartigsten Erzeugungsapparat Europas, aber nicht über die Rohstoffe, die durch ihn veredelt werden sollen. Die bezieht es aus allen Ländern, und für die Finanzierung dieser Einfuhr und ebenso für die Finanzierung der Wiederausfuhr als Fertig= und Halbfabrikate werden der deutschen Wirtschaft Zinsen in einer Höhe abverlangt, die einfach nicht erwirtschaftet werden können wenn gleichzeitig auf dem Steuerwege noch die Tribute und die mancherlei Tributverzinsungen von ihr abgezogen werden. Es ist bitter, verheerend für zahlreiche Volkswirtschaften der Erde, daß Deutschland im letzten Jahre seine Einfuhr erneut um weit mehr als ein Drittel gegen 1930 abbaute, während es sie in jenem Jahre schon um ein Viertel gegenüber 1929 gedrosselt hatte. Das aber ist die Kehrseite der Tribute und Sachleistungen und der Zinsen von durchschnittlich zehn v. H., die das Ausland von uns erhoben hat, während seine eigenen Diskontsätze ausnahmelos, soweit die führenden Handelsstaaten in Frage kommen, auf und unter drei bis anderthalb v. H. gesunken waren. Die Welt hat sich in ihrer Antideutschlandpolitik— politisch und wirtschaftlich gesehen— gefangen und zappelt wie ein Fisch, dem das Netz unbequem zu werden beginnt. Das Bild gilt besonders für England, das wie ein mächtiger Hai, der die Widerhaken in dem ihm zugeworfenen und gierig aufgefangenen Fleischpaket zu spüren beginnt, mit dem mächtigen Schwanze wuchtig hin= und herhaut, allerlei entzwei schlägt und doch das Leben nicht behalten wird, wenn nicht die Angelschnur, die Verbindung mit Versailles, reißt. England wütet mit Zoll= und Antidumpingbestimmungen in einem Grade, der selbst noch die blindwütige Heraufsetzung der amerikanischen Zölle von 1930 übersteigert und Großbritannien ebensowenig wieder glückliche Wirtschaftszeiten vermitteln wird wie der amerikanische Zollkrieg gegen die Welt die„Prosperität“ der Hooverzeit retten konnte. England zwingt ganz einfach die gesamte Handelswelt zu Abwehrmaßnahmen, die dann zwangsläufig das Unheil für alle verschlimmern müssen. Sucht man nach Anzeichen für die Bildung eines Widerstandsblocks in dem rasenden Durcheinander der handelspolitischen Störungsmaßnahmen aller gegen alle, dann gerät man— so seltsam das klingt— auf die Versuche einer deutschSo wird die neue Moselbrücke aussehen Vor einigen Tagen ist der Bau der neuen Moselbrücke in Koblenz in Angriff genommen worden, deren Entwurf wir hier zeigen. französischen Wirtschaftsannäherung. Auch hier sind die Fäden durch die jüngsten politischen Bocksprünge um Lausanne, die Drohungen der französischen Politik mit Zwangsmaßnahmen gegen die deutsche Ausfuhr, in Verwirrung geraten, wenn man bei uns auch Ruhe behalten wird, in der Ueberzeugnug, daß Frankreich nicht einen der letzten Wirtschaftsäste absägen wird, auf denen es selbst noch einigermaßen Halt findet. Seine Drohungen sind doch nur möglich gewesen, weil Frankreich das einzige Land ist, das bisher im Gegensatz zu unseren sämtlichen anderen Nachbarn seinen Handelskrieg, dessen Spitze sich bei allen anderen gegen Deutschland richtet, auch dort, wo man uns unbedingt freundlich gesinnt ist, bewußt von uns fernhielt. Es sagt genug, daß die lockere deutschfranzösische wirtschaftliche Fühlungnahme der einzige Lichtpunkt im weltwirtschaftlichen Chaos ist, in dessen Kern auch wir erst noch hineingeraten, wenn die augenblickliche Entwicklung nicht aufzuhalten wäre. An ihrem Ende wartet— der Bolschewismus. Das scheint man in Frankreich wenigstens zu ahnen und ließ daher in den allerletzten Tagen ausdrücklich erklären, daß die Wirtschaftsverhandlungen durch die Politik nicht gestört werden dürfen. Wenn man das erreichen will, dann muß die Politik sich doch wohl zu anderen Wegen bequemen; denn die Politik bestimmt die Wirtschaft. Neue Technik auf der Grünen Woche Auf der jetzt stattfindenden Grünen Woche in Berlin ist ein Wagen für die Landwirtschaft zu sehen, der durch die Anwendung von Autobereifung nur ein Drittel der bisher benötigten Zugkraft braucht. Der Wagen hat einen Aufbau aus Stahl und besitzt auch eine Kippvorrichtung. Roman von MAX NEAL 28 Das Doppelte Gesicht „Es ist besser so,“ dachte sie,„dann kann weder ich in Versuchung kommen, noch mein Bruder mich zwingen, es schließlich doch noch herauszugeben.“ Lustig leckten blaue Flämmchen an dem Pavier empor und verzehrten es gierig bis auf ein Restchen Asche, das zu Boden fiel. Nachdenklich schaute Amalie Anna zu, dann nahm sie, abgespannt und mit einem gewissen, unbehaglichen Gefühl, wie es sich nach einer großen Erregung einstellt, auf dem Stuhl vor dem Toilettetisch Platz und tat einen Blick in den Spiegel, der ihr übernächtiges, blasses Gesicht mit den von dunklen Schatten umrahmten Augen und den schmalen, dünnen, aufeinandergepreßten Lippen zurückwarf. Das unruhig flackernde Kerzenlicht gab ihren Zügen etwas Verschwommenes, Verwischtes. „Ein enttäuschtes Frauengesicht, das seine Erregung zu verbergen sucht, ist nicht hübsch,“ überlegte sie ein bißchen mißmutig. Sie kehrte dem Spiegel den Rücken zu und ihre Gedanken kehrten zu den Ereignissen dieser Nacht zurück. Sie begriff jetzt, warum Erken ihr gegenüber so verschlossen war. Nicht weil er in ihr die Prinzessin sah, wie sie sich in ihrer Torheit eingeredet hatte, sondern weil er sie nicht liebte, weil sein Herz bereits Bettina gehörte. Warum aber hatte er ihr das nicht gesagt, gleich damals, als sie dummerweise die ersten Avancen machte? Da erinnerte sie sich, daß er ja etwas Aehnliches angedeutet hatte. Was konnte er dafür, daß sie diese Andeutungen mißverstanden, sie auf sich bezogen hatte? Sie kam sich jetzt beinahe lächerlich vor. Hatte sie sich ihm nicht gewissermassen aufgedrängt? Sie hörte sich förmlich denken. Vielleicht hatte sie laut gedacht. Aber schließlich konnte er doch über ihre Gefühle nicht im Zweifel sein. Und wenn er ihren Irrtum erkannt, hätte er sprechen, sie aufklären müssen, daß er ihre Liebe nicht erwidern könne. Warum hat er geschwiegen? Aus Zartgefühl oder Feigheit? Oder aus Eitelkeit? Verstimmt pretzte sie die Handflächen an die Schläfen und stand auf. Das Lächerliche der Lage, in die sie da geraten war, ernüchterte sie. Sie war entschlossen, diesen ganzen Komplex verwirrter Gefühle aus ihrem Bewußtsein auszuschalten. Sie wollte diesen Mann, der wie so viele schon in ihr Leben getreten war und der ihr gefallen hatte, vergessen. Und die angeborene Oberflächlichkeit ihrer Natur, die kein Gefühl, welcher Art es auch sei, in die Tiefe gehen ließ, erleichterte ihr diese Absicht. Im Kamin des mit prächtigen Kacheln geschmückten Ofens orgelte der Sturm in allen Tonarten. Die Prinzessin begab sich zu Bett. Den Kopf auf die weißen Kissen legend, starrte sie zur Zimmerdecke empor, auf der runde Lichtscheine tanzten. Es überkam sie eine gewisse Gleichgültigkeit gegen das Geschehene. Schon jetzt war es für sie in die Ferne gerückt. Es blieb nur eine etwas bittere Erinnerung an ein unvernünftiges Abenteuer zurück. Sie löschte das Licht. Ein leiser Dämmerzustand sank auf sie nieder. Dann kam sachte der Schlaf über sie. Und im Hinüberschlummern kam es ihr ganz bestimmt ins Bewußtsein, daß sie morgen wegen der Begnadigung Joachim von Erkens mit dem Hekzog sprechen mußte. „* Der Schloßhauptmann hatte den Rittmeister in der Zitadelle abgeliefert. Es war das ein alter Bau aus dem vorigen Jahrhundert, der etwas außerhalb des Städtchens auf einer kleinen Anhöhe lag und jetzt als Militärgefängnis in Verwendung war. Innerhalb seiner Steinquadern war es kalt und dumpfig, denn durch die schachtartig in die Mauern zurückgesetzten, stark vergitterten Fensteröffnungen fiel nie ein Sonnenstrahl hinein. Der Sturm bräuste wie toll um das beinahe zyklopisch amutende Steingefüge, fuhr um die Ecken und ächzte in den morschen Dachsparren, daß die grün bemoosten Dachziegel klapperten. Der Rittmeister war in einer kellerartigen Zelle untergebracht worden. Ihre ganze Einrich= tung bestand in einem derben Holztisch, in dessen Platte unbeholfene Initialien und Namen von einstigen Insassen der Zelle eingeschnitten waren, und einem wackeligen Hocker. In einer dunklen Ecke war ein Bündel Stroh aufgeschüttet. Der Schließer, ein alter Sergeant mit einer stark geröteten Nase, hatte eine trübscheibige Laterne auf den Tisch gestellt.„Ausnahmsweise,“ sagte er, mit den Augenlidern schläfrig zwinkernd, während er auf die Laterne wies,„nachdem der Herr Rittmeister doch kein gewöhnlicher Gefangener sind.“ Als die mit Eisen beschlagene Tür ins Schloß gefallen und der Riegel vorgeschoben worden war, kam Joachim eigentlich erst zu sich. Er ließ sich auf den Hocker fallen, stützte den Arm auf den Tisch und legte den Kopf auf die rechte Hand. Ernst und gedrückt schaute er auf den schmalen Streifen nächtlichen Himmels, der durch das vergitterte Fenster abgegrenzt wurde und sah Sterne aufblitzen und hinter jagenden Wolkenwänden wieder versinken. Und schlimme Gedanken stürmten jetzt auf ihn ein. Der eine:„Man wird dir den Prozeß machen als Spion“. Und der zweite:„Du wirst das Schicksal aller Spione teilen, man wird dich erschießen". Aber sie haben doch keine Beweise, warf Joachim ein.„Was braucht es da Beweise!“ höhnte der dritte.„Du bist dem Herzog im Wege, er wird sich die günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen, dich auf diese höchst legale Weise aus der Welt zu schaffen.“ Ich will den Versuch machen, zu fliehen. Flucht? Wer einmal hinter diesen Mauern sitzt, entkommt ihnen nicht wieder. Erken sprang auf und schüttelte die quälenden Gedanken von sich ab. Nun wußte er, daß er kein Ziel mehr hatte. Er stand vor dem Abschluß seines Lebens. Erken ging in der Zelle, über deren feuchte Wände gespenstische Schatten huschten, nervös auf und ab. Zehn Schritte hin, zehn Schritte zurück. Immer hin und her. Ganz allmählich beruhigten sich seine Nerven etwas. Aber eine tiefe innere Unruhe blieb zurück. Und als der graue Morgen durch das kleine Fenster hereindämmerte, ging Joachim von Erken immer noch in der Zelle hin und her, wie ein Tier im Käfig. Und noch zwei Menschen mied in dieser Nacht der Schlaf: Den Herzog, der in seinem Schreibzimmer saß und finster vor sich hinbrütete. Die Wachskerzen waren tief heruntergebrannt. Eine um die andere hatte sich selbst aufgezehrt und erlosch, ohne Meine Frau, die Filmschauspielerin Anfangs war im jungen Haushalt der Mondinaros alles— wie man so sagt—„in Butter“. Die liebliche Mariuccia schwärmte für ihren stattlichen Mann, und die Zukunft sah recht rosig aus. Dann kam es freilich anders. Das Ehepaar begann, sich zu zanken. Warum, weiß der Chronist wahrscheinlich selbst nicht, oder er ist zu diskret, um es Außenstehenden zu erzählen.. Auf jeden Fall schien die junge Frau von ihrem Mondinaro die „Nase bald voll“ zu haben, und eines schönen Tages war sie verschwunden. Der Mann dachte, seine Mariuccia würde sich wohl bald wieder einstellen. Was aber nicht der Fall war, denn Monate vergingen, ohne das geringste Lebenszeichen von der Flüchtigen. Schließlich konnte es als ziemlich sicher gelten, daß Mariuccia nicht mehr in diesem Jammertal weilte. Ob sie nun ihrem Leben aus Kummer ein Ende bereitet hatte, ermordet worden oder verunglückt war, konnte nicht ermittelt werden. Also zerdrückte der arme Witwer ein paar Tränen, was ihm als Italiener nicht schwer fiel, und tröstete si“, so gut es ging. Kürzlich— sechs Jahre waren seit Mariuccias Verschwinden verflossen— besuchte der Witwer ein Lichtspielhaus. Ein amerikanischer Film wurde gegeben und plötzlich fuhr es Mondinaro heiß durch die Brust: Dort auf der Leinwand spielte seine Mariuccia! Zuerst dachte er an Hirngespinste, doch dann überzeugte er sich, daß er recht gesehen hatte. Seine tote Mariuccia spielte unter dem Namen Molly eine Starrolle. Spornstreichs lief Mondinaro zu dem Besitzer, kurz darauf hatte er die Gewißheit, daß sein liebes Weib in Hollywood als vielgesuchter Filmstern ein angenehmes Leben führte. Darüber hätte der junge Mann von Herzen froh sein müssen. Mußte ihn nicht bisher sein Gewissen ein wenig gequält haben? O nein, durchaus nicht. Aber froh war er doch über die Nachricht von Mariuccias fabelhaftem Glück, denn nun hoffte er, auch daran teilhaben zu können. So schickte er ihr statt eines rührenden Versöhnungsbriefes eine Aufforderung durch seinen Anwalt: „Geld schicken!“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Molly=Mariuccia, die Millionärin, sah ein, daß sie sich einen gehörigen Aderlaß gefallen lassen mußte, und schickte gleichzeitig mit der Scheidungsklage ein paar hunderttausend Lire als Anzahlung auf eine noch zu vereinbarende Entschädigung. Inzwischen sind die Verhandlungen soweit gediehen, daß die beiden Wiedergefundenen unmittelbar vor der Scheidung stehen und Mariuccia ihrem lieben Faulenzer eine lebenslängliche Rente zugesichert hat. Man sieht, es gibt auf der Welt noch Romantik, nur ist sie etwas zeitgemäß geworden. Bekanntmachung. Wir bedauern, mitteilen zu müssen, daß der für heute angesetzte Boxkampf ausfallen muß, da sich die beiden Gegner gezankt haben. daß Johann Georg es bemerkte. Und Bettina, die mit leer geweinten Augen, den Oberkörper über das Bett geworfen, das Gesicht in die Kissen preßte und die Zähne darin vergrub, um nicht laut aufzuschreien. Ihr Leib zuckte vor verhaltenem Schmerz. Und der Sturm heulte draußen dazu die passende Begleitmusik. Aufreizend und wild. Elftes Kapitel. Eine strahlend blaue Himmelsglocke wölbte sich als die Nacht ihre schwarzen Fahnen eingezogen hatte und der neue Tag anbrach, über die Erde. Der Wind hatte bei Sonnenaufgang nachgelassen, Finken und Amseln sangen. Die Luft floß kristallen und frisch. Ganz ferne, irgendwo rief der Kuckuck. Auf den Wiesen hatten die Gänseblümchen ihre gelben Augen geöffnet und die Bäume und Sträucher richteten ihr sturmzerwehtes, buntfarbiges Blütenkleid wieder zurecht. Der Frühling war wieder auf allen Wegen. Vom Kirchturm des Städtchens, über dem blendender Sonnenglast gebreitet lag, schlug die zehnte Stunde. Und um diese Stunde herrschte in der französischen Gesandtschaft im alten Schmettowschen Palais am Hauptplatz große Aufregung. Geheimsekretär Poisson hatte in den frühen Morgenstunden wie eine Biene, die fleißig Honig sammelt, im Schloß Nachrichten über die Vorkommnisse in der vergangenen Nacht eingeholt. Er hatte allerdings nur vereinzelte, unbestimmte Einzelheiten, unzusammenhängende, vielleicht etwas übertriebene Geschichten zu hören bekommen, aber er verstand es, den Kern herauszufinden und in der Hauptsache stand fest, daß es mit der Verlobung zwischen dem Herzog und der Komtesse von Hauenstein tatsächlich zu Ende sei. Poisson hatte eben mit großer Befriedigung seinem Chef von dem, was er im Schloß erhorcht hatte, Bericht erstattet: der Herzog habe die Komtesse mit ihrem Liebhaber überrascht, der Hofmarschall habe also gehandelt, wie ihm der Vicomte geraten habe. Allerdings sei es nicht der geheimnisvolle Iwan, sondern der Rittmeister von Erken gewesen, den der Herzog nachts bei seiner Braut angetrossen habe. Der Herzog habe sofort die Verlobung gelöst, und die Komtesse sei mit ihrer Mutter heute morgen wieder in das Gärtnerhaus gezogen. Joachim von Erken aber saßz auf der Zitadelle.(Fortsetzung folgt.) T•) NFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Roman von Clotilde von Stegmann=Stein Ich has dir verziehn! Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saade) 8. Fortsetzung. Nachdruck verdoten. „Es ist mir gelungen, die Ohnmacht zu beheben. Ein körperlicher Schaden scheint, soweit ich bis jetzt sagen kann, nicht eingetreten zu sein. Es scheint vielmehr eine seelische Verletzung vorzuliegen, deren Ursache zu ergründen ich noch nicht imstande war. Vorderhand sind äußerste Ruhe und Fernhaltung jeglicher Aufregung geboten. Eines nur scheint mir bisher festzustehen: es muß sich um irgendeinen ehelichen Konflikt handeln, der die Gräfin in ihrem augenblicklichen empfindlichen Seelenzustand äußerst schwer getroffen hat. Als ich den Namen des Grafen Hans Egon erwähnte, ging ein solches Entsetzen über ihre Züge, daß ich es für richtig halte, ihn vorläufig vom Krankenlager fernzuhalten.“ Die beiden Männer sahen sich an. Ihre Seelen waren bewegt von dem gleichen Gedanken. Plötzlich streckte der Konsul dem Grafen Friedrich die Hand entgegen. Es war wie eine geheime Abmachung. Auch wortlos verstanden sie sich, und in dem Herzen des Grafen Friedrich wuchs das Gelöbnis empor, Birgit zu schützen, mochte es dabei auch gegen den eigenen Bruder gehen. Es war einige Stunden später. Der Frühlingsabend legte seine lila Schatten über Park und Schloß. Die Vogelstimmen tönten leise vom Fluß her, der unter den ersten Frühlingsnebeln dahinfloß. Ein letzter Lichtstrahl streifte Birgits blasses Gesicht, das im leichten Schlummer lag und den Ausdruck eines tiefen Wehs trug. Die Pflegerin, die der alte Sanitätsrat sofort aus dem Johannisstift herbeigerufen hatte, saß still und aufmerksam am Bett. Hin und wieder beugte sie sich über die Schlafende und prüfte aufmerksam Atem und Puls. Jetzt wandte sie sich an den Konsul, der leise eingetreten war und mit sorgenvollem Antlitz das Gesicht seiner Tochter betrachtete. „Sie können unbesorgt zurückfahren, Herr Konsul“, flüsterte Schwester Helene, sich kenne Frau Gräfins Natur ja genau von der Zeit her, in der ich sie als Kind am Scharlach pflegte; es liegt wirklich keine Gefahr mehr vor. Die Anordnungen des Herrn Sanitätsrats gingen nur auf völlige Ruhe, und für die werde ich sorgen. Ich gebe Ihnen abends genauen Bescheid.“ Der Konsul verabschiedete sich mit einem dankbaren Händedruck; er wußte sein Kind in bester Hut. Als er in den Korridor trat, stand vor ihm die treue Mamsell Stülpnagel mit einem Tablett, auf dem in einer Silberkasserolle ein zartes Geflügelragout dampfte. „Es ist die Zeit, zu der Frau Gräfin jetzt immer etwas zu essen pflegen“, sagte sie gedämpft.„Darf ich wohl zu ihr?“ Der Konsul sah mit freundlichem Lächeln auf die besorgte treue Wirtschafterin des Hauses: „Meine Tochter schläft jetzt, Mamsell; aber Schwester Helene wird Ihnen Bescheid sagen, wann Sie wiederkommen können. Ich weiß, wie gut Sie es mit meiner Tochter meinen.“ Mamsell Stülpnagel schluckte ein paar Tränen hinunter, wobei das Tablett in etwas schwankende Bewegung geriet. „Wer sollte es wohl mit der gnädigen Frau Gräfin anders meinen, Herr Konsul? Herr Konsul glauben nicht, wie alle, vom Stallknecht bis zum Inspektor, an ihr hängen. Ich möchte meine Hand dafür ins Feuer legen, daß keiner auf dem Schlosse ist, der nicht alles für sie tun würde.“ Der Konsul seufzte unwillkürlich auf. Alle— bis auf einen, dachte er, und gerade auf diesen einen kommt es an. Laut aber sagte er: „Wir müssen den Kopf hochhalten, Mamsell Stülpnagel, und alles Gott anheimstellen.“ Damit ging er den Korridor entlang, indes Mamsell Stülpnagel vorsichtig mit dem Geflügelragout in die Küche zurückwanderte. Im Herrenzimmer wartete noch immer Graf Friedrich in schmerzlicher Unruhe auf die Rückkehr des Konsuls. „Wie haben Sie Birgit gefunden?“ fragte er hastig. Der Konsul machte eine Handbewegung, die Ungewißheit, aber keine Verzweiflung ausdrückte. „Sie schläft augenblicklich ganz friedlich! Schwester Helene, die seit Birgits Kindertagen bei allen Krankheitsfällen in unserem Hause aus= und eingegangen war, hält Wache. Wenn nicht noch große Aufregungen kommen, wenn Birgits Seele die notwendige Ruhe zurückgewinnen kann, so dürfen wir hoffen, daß dieser Unfall ohne dauernden Schaden für ihre Gesundheit vorübergehen wird.“ Graf Friedrich richtete sich zu seiner vollen Größe empor. „Ich weiß, was Sie denken; aber bitte überlassen Sie es mir, meinen Bruder zur Rechenschaft zu ziehen! Ich halte mich für geeigneter, diese schwere Mission zu erfüllen. Ich möchte nicht, daß jetzt noch ein Zerwürfnis zwischen Ihnen und meinem Bruder eintritt. Sie sind Birgits Vater— und eine Feindschaft zwischen Ihnen und meinem Bruder würde Birgits liebevolles Gemüt noch tiefer verwunden müssen.“ Der Konsul reichte ihm die Hand: „Ich verstehe Ihre Motive, Graf Friedrich, und das allein bestimmt mich, Ihren hochherzigen Vorschlag anzunehmen. Ich weiß, daß ich Ihrem Bruder bei einer Auseinandersetzung nichts ersparen würde, daß ein Bruch entstehen müßte, der unheilbar sein würde; um Birgits willen muß ich das vermeiden. Aber schwer genug fällt es mir, des können Sie gewiß sein! Es ist das erste Mal, daß ein Sibelius den Kampf um Ehre und Rechtlichkeit nicht selbst aussicht.“ „Es gibt Momente, Herr Konsul“, entgegnete Graf Friedrich warm, und sah mit herzlicher Verehrung in das Gesicht des älteren Mannes,„wo die Selbstüberwindung höher zu bewerten ist als die persönliche Verteidigung der eigenen Rechte. Nur ein aufrechter Mann wird diesen Grad von Selbstverleugnung erreichen können. Keiner kann Sie deshalb mehr verehren, als ich es tue.“ Schweigend geleitete Graf Friedrich den Konsul zum Portal, das der Diener eiligst öffnete. Die Gedanken beider Männer hatten' ein Ziel: Birgit. Der Konsul grüßte herzlich, als der Wagen anfuhr. Bei einer Wegbiegung sah er noch einmal die hohe Gestalt des Grafen Friedrich. „Warum“, dachte Konsul Sibelius,„hat Birgit nicht diesen wahren Edelmann erwählt, der allein dem Adel ihrer Frauenseele würdig gewesen wäre?“ Und er seufzte schwer. In dem Dunkel des milden Frühlingsabends, durch das ihn lautlos der schnelle Wagen trug, sah er immer noch, wie eine Geistererscheinung, Birgits schmales, von Weh erfülltes Antlitz vor sich. Die üppigen Räume, in denen die Tänzerin Dolores del Fonza wohnte, waren festlich erleuchtet. Musik und Lachen tönte durch die geöffneten Fenster, vor denen im abendlichen Frühlingswind die schweren Spitzenvorhänge der Fenster sich leicht hin und her bewegten. Vor dem Gartengitter hielten Autos und Dogcarts in einer langen Reihe, denn die Tänzerin gab einen ihrer berühmten Donnerstag=Abende, bei denen sich die ganze Lebewelt aus der Stadt und Umgebung einzufinden pflegte. Die Anwohner ringsumher hatten sich schon des öfteren darüber beschwert, wie laut es bei diesen Festen zuging, die sich bis zum Morgengrauen ausdehnten. Und auch jetzt blickten im Vorübergehen mißbilligende Augen zu der strahlend erhellten Fassade empor, hinter der, wie man wußte, Geld, Glück, Ehre und Zukunft so mancher Familie leichtsinnig vergeudet wurden. Dolores kannte all die Anfeindungen, all die Stimmen, die Böses über sie in der Stadt raunten. Aber für alles hatte sie nur ihr aufreizendes, dunkles Lachen, das die Männer ebenso toll machte, wie ihre Schönheit ihnen den Sinn verwirrte. Für Dolores gab es nur das eine: schrankenlosen Lebensgenuß! Und das war es auch, was neben ihrer Schönheit ihr die Herzen und Sinne der jungen Männer zuwandte. In dieser Stadt der Arbeit, der bürgerlichen Strenge und der grauen Nüchternheit war sie wie ein bunter Märchenvogel aus einer fremden Welt, dessen Töne gleich dem Lied der Sirenen alles verzauberte, was in seinen Bann geriet. Dieser war ein ganz besonderer Tag, der erste festliche Abend seit Dolores Rückkehr von der großen Tournee; und der ganze Kreis der glückshungrigen und genußsüchtigen jungen Männer hatte sich vollzählig eingefunden. Alle, die kamen, hatten überdies gehofft, jetzt, wo sich der Hauptkonkurrent Hans Egon Rauenstein in die Fesseln der Ehe begeben hatte, der Bevorzugte in der Gunst der schönen Tänzerin zu werden. Dennoch hatte man nichts gewußt von den heimlichen Besuchen Hans Egons bei Dolores. Eine um so bittere Enttäuschung war es, als man nun neben Dolores, die schöner denn je in einem meergrünen Chiffonkleid mit tiefem Rückendekolleté in einer Diwanecke lehnte, Hans Egon auftauchen sah; als jetzt im Nebenzimmer die Jazzband einen aufreizenden neuen Step intonierte, als sich die Männer um Dolores drängten, war es wiederum Hans Egon, dessen Arm sie nahm, um mit ihm den Tanz zu eröffnen. Enttäuscht wandten sich die Abgewiesenen den anderen Damen der Halbwelt zu, die, so reizvoll sie auch sein mochten, doch nur ein schwacher Abglanz von der strahlenden Schönheit Dolores' waren. Bald war der ganze kleine Tanzraum erfüllt von einem Durcheinander der tanzenden Paare, von Lachen und Flüstern, von dem Duft der verschiedenen Parfüms, die von lockenden, halb entblößten Frauenkörpern aufstiegen und die Sinne der Männer betäubten. Durch diesen Tanz entfesselt, wurden die leidenschaftlichen Frauen immer zügelloser. Sie lachten, kreischten und wehrten die Kühnheiten der Männer nur scheinbar ab. Ab und zu verschwand ein Paar hinter einer der weiten Portieren, die die kleinen lauschigen Gemächer abschlossen. Bunte Ballons flogen durch die erhitzte Luft, Papierschlangen glitten durch den Raum, verfingen sich in den ausgeschnittenen Kleidern. Heiße Männerhände griffen nach entblößten Hälsen und Schultern, um die bunten Papierbänder von ihnen zu lösen. Mitten in dies schwüle Treiben hinein bahnte sich der Diener Paolo einen Weg. Mit seinem ausdruckslosen Gesicht stand er vor der Tänzerin, die sich, erschöpft von dem wilden Rhythmus des Tanzes, weit in Hans Egons Arme zurückgebogen hatte. „Was gibt's?“ fragte sie über die Schulter Paolo. „Ein Herr wünscht Madame zu sprechen.“ Stumm reichte der Diener Dolores eine Karte. Dolores las einen Namen und sah zu Hans Egon auf. Auch er blickte auf die Schrift und wurde bleich. „Was soll das heißen? Mein Bruder Friedrich hier? Um diese Stunde?“ „Wohin haben Sie den Herrn geführt?“ fragte schnell gefaßt Dolores. „In den grünen Salon", antwortete Paolo. Dolores sagte:„Gut, ich komme!“— aber Hans Egon schob sie mit einer Bewegung der Angst zurück. „Laß mich gehen, Dolores. Es kann nichts Gutes sein, was meinen Bruder hierher führt.“ Dolores zuckte mit den Achseln. „Schön, geh du— aber laß mir auch noch etwas vin deinem Bruder übrig. Ich habe direkt Lust, dies Wund##tier an Charakter und Sittenstrenge einmal kennenzulernen.“ Das Gewühl schlug hinter Hans Egon zusammen, und er ging durch die stilleren Räume, in deren letztem 3e# Bruder auf ihn wartete. Graf Friedrich stand mitten in einem luxuriösen Raum, dessen Einrichtung die betörende Erotik des ganzen Hauses eingefangen zu haben schien. Den Sessel, den Paolo, der Diener, ihm diensteifrig zugeschoben, hatte er mit einer Gebärde des Hochmuts und des Abscheus abgelehnt. Hoch aufgerichtet stand er da; er hatte nicht einmal Hut und Mantel im Vestibül abgelegt, wie es wohl Sitte war, wenn man in das Haus einer Dame kam. Er stand da, als wollte er mit nichts in diesem Hause in Berührung kommen; aber so sehr er sich auch abschloß gegen alles hier, er konnte es nicht verhindern, daß die von fernher tönenden einschmeichelnden Klänge der Musik, daß der schwere Duft einer Schale mit Tuberosen, die schwellenden Polster der Möbel ringsum und die aufreizenden Bilder kaum bekleideter Frauen an den Wänden auf ihn eindrangen. Eine Atmosphäre war in diesem Hause, die sogar ihn, den Festen, Aufrechten, in Verwirrung zu bringen drohte. Zum ersten Male kam es ihm in den Sinn, daß Hans Egon vielleicht doch nicht schuldig geworden war nur aus Schlechtigkeit des Herzens, schuldig geworden vor allem durch Schwäche der Sinne. Was aber auch der Grund dieser Verirrung sein mochte, er, Friedrich, hatte die Aufgabe, den Verirrten zurückzuleiten auf den Weg der Pflicht, zurück zu der edlen Frau, die er durch seinen Leichtsinn ins Herz getroffen hatte. Er hörte Schritte, straffte sich. Die Tür wurde geöffnet, erst langsam, wie zögernd, dann mit einem wilden Ruck. Hans Egon stand vor dem Bruder, bleich, mühsam Trotz und Hochmut auf seinem schönen Gesicht festhaltend. „Was soll dieser Ueberfall?" fragte er heiser. Statt einer Antwort entnahm Graf Friedrich seiner Brieftasche ein Briefblatt. „Lies“, sagte er und reichte dem Bruder das ordinäre Schreiben. Hans Egon las— seine Hände zitterten, um seinen Mund zuckte es: „Birgit?“ fragte er scheu und leise.„Hat sie diesen infamen Wisch zu Gesicht bekommen?“ Graf Friedrich sah Hans Egon ernst an: „Wir haben ihr diesen Brief aus der Hand gewunden, als sie ohnmächtig darüber zusammengebrochen war.“ Hans Egon stöhnte auf, und die Maske des Hochmuts fiel von seinem Gesicht.— Schmerz bedeckte seine Züge. Er barg seinen Kopf in den Händen. „Ich fühle es, es ist noch mehr, sage mir alles. Schweigen ist schlimmer als Gewißheit. Was ist mit Birgit?“ Der Bruder antwortete: „Eine Pflegerin wacht bei ihr. Der Arzt konnte uns, allerdings nur teilweise, beruhigen. Der körperliche Zustand wird sich bessern, wenn der seelische eine wohltätige Beschwichtigung erfährt. Wir wollen jetzt nicht rechten über das, was gewesen ist. Aber daß du mit dieser unwürdigen Verbindung hier sofort und auf der Stelle ein Ende machst, das fordere ich von dir, nicht nur für deine Frau, sondern auch für das unschuldige Kind, das ihr—“ Graf Friedrich vermochte nicht weiter zu sprechen, denn seine Worte wurden unterbrochen von einem qualvollen Stöhnen, das aus Hans Egons Brust drang. Wie tastend griff er nach dem nächsten Sessel und sank dort zusammen. „Ein Kind— Birgit— das habe ich nicht gewußt", flüsterte er vor sich hin.„Was habe ich Birgit angetan! Wie weit habe ich mich erniedrigt!“ Eine ungewohnte Weichheit kam in Graf Friedrichs Züge, als er jetzt die heftige Reue des Zusammengebrochenen erkannte. „Mach' gut, was du gefehlt hast“, sagte er.„Unfruchtbare Selbstanklagen ziemen einem Manne nicht. Hier heißt es handeln, sich zusammenraffen und von neuem um Birgits Herz werben. Vielleicht dient dir dieses Unglück zur Warnung, wie weit ungezügelte Sinne einen Menschen ins Verderben bringen können. Der Weg zu Birgit wird schwer sein, sie liebte dich zu sehr, um nicht zu tief getroffen zu sein.“ „Ich fürchte mich, ihr unter die Augen zu treten“, sagte Hans Egon. Der Blick, mit dem er nun zu dem älteren Bruder aufschaute, glich plötzlich jenem Blick, den einstmals der Knabe gehabt hatte, wenn er um Rat und Hilfe zu dem Aelteren gekommen war. „Du wirst sie auch vorläufig noch gar nicht sehen", entgegnete Graf Friedrich,„der Arzt hat alle aufregenden Gespräche, ja selbst deinen Besuch, im Krankenzimmer streug verboten.“ „Abet wenn ich sie wiedersehen darf, was werde ich ihr sagen, wie soll ich ihr erklären— hilf du mir, Bruder! Glaube mir, ich habe ehrlich gerungen, mich aus den Fesseln dieser Zauberin hier zu lösen— es gelang mir, solange sie fern von mir weilte. Aber sowie sie wieder hierher zurückkam, war es wie ein magischer Zauber, der mich überwältigte. Ich sah sie nur einmal zufällig in den Straßen der Stadt— und mit meinem Widerstand war es vorbei. Du kennst sie nicht!“ „Ich werde sie kennenlernen“, sagte Graf Friedrich mit einem tiefen Aufatmen,„denn ich werde sie zwingen, dich freizugeben. Geh jetzt, der Wagen wartet auf dich, und vertraue auf mich. Ich werde“— und hier hob ein tiefer, schmerzlicher Seufzer Friedrichs Brust—.„wenn es nötig ist, bei Birgit für dich sprechen.“(Fortsetzung folgt.)