Wi — Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. — Angemeiner kleisanzeiger Bezugepreis: Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwelm Nenstraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Nr. 2018.— Oostscheckkonto Hannover 76913.— Für unverlaugt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Vewiedsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. sur den Ennepe=Nahe kreis Schibeiner Vadlangeiger Mit den Beilagen: Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig; im Zeklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Ral u, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Ge d.Aftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Uummer 24 Erstes Blakt Freitag, den 28. Januar 1932 103 Jahrgang Kurze Tagesneuigkeiten Zur Frage der Reichspräsidentenwahl. * Berlin, 29. Jan. Ueber die Absichten des Berliner Oberbürgermeisters Dr. Sahm zur Bildung eines Ausschusses zur Vorbereitung der Reichspräsidentenwahl verlautet, daß heute(Freitag) die Einladungsschreiben an eine Reihe prominenter Persönlichkeiten zu einer Zusammenkunft in Berlin herausgehen werden. Weiter verlautet, daß am Samstag die Zeitungen in einem Rundschreiben gebeten werden, Listen auszulegen, in die sich alle diejenigen einzeichnen sollen, die eine Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg wünschen. Weitere Einzelheiten sollen noch bekanntgegeben werden. Schwere Zuchthausstrafe für Spionage. * Breslau, 28. Jan. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts verurteilte den früheren Reichswehrangehörigen Lehder wegen Verbrechens gegen§ 1 des Spionagegesetzes einschließlich einer Gefäugnisstrafe von acht Monaten, die er wegen Fahnenflucht erhalten hatte, zu insgesamt 6¼ Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Mitangeklagt wegen Verbrechens gegen§ 6 des Spionagegesetzes war ein Obergefreiter, der zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Beide Angeklagte waren Angehörige der Reichswehr in Oppeln. Neue Goldsendungen nach Frankreich. ### Paris, 28. Jgn. Wie aus Eherbourg gemeldet wird, sind am Donnerstag insgesamt 700 Goldbarren im Werte von etwa einer Milliarde Franken an Bord der Dampfer„Europa“,„Albert Ballin" und„President Harding" für französische Rechnung aus Newyork eingetroffen. Die französische Presse bemerkt hierzu, daß Frankreich nach wie vor der„Hafen der Sicherheit" sei. Die Golddecke der Bank von Frankreich. * Paris, 29. Jan. Nach dem Wochenbericht der Bank von Frankreich ist der Kapitalzufluß noch Frankreich und die Rückkehr französischer Kapitalien aus dem Ausland nach Frankreich beträchtlich gestiegen. Der Bericht erwähnt, daß der Goldbestand in Frankreich um rund 15 Milliarden gestiegen und die Golddeckung. die gesetzlich v. H. betrage, von 53,03 v. H. auf 60,57 v. H. gestiegen sei. Schließung der Wiener Universität. * Wien, 28. Jan. An der Wiener Universität kam es gestern abend wegen eines Vortrages zu Zusammenstößen zwischen gegnerischen Studentengruppen. Heute vormittag setzte sich die Demonstration der Studenten im Universitätsgebäude und im Anatomischen Institut fort. Dabei wurden drei Studenten verletzt. Mittags erließ das Rektorat eine Kundgebung. in der der Senat die Vorgänge auf das strengste rügt und gleichzeitig mitteilt, daß die Universität bis auf weiteres geschlossen bleibt. 48 Bombenanschläge in Italien aufgeklärt. * Rom, 29. Jan. Der politischen Polizei ist es gelungen, rund 48 Bombenanschläge aufzuklären und den Täter zu verhaften. Es handelt sich um den 30jährigen Mario Merighi. der in Verona festgenommen wurde. Er ist geständig, im Laufe der letzten neun Jahre etwa 48 Postpakete mit Explosivstoffen an Privatpersonen und Verbände geschickt zu haben. In seiner Wohnung wurde ein Verzeichnis von Personen gefunden, gegen die er ähnliche Anschläge plante. Ferner konnte ein erheblicher Vorrat an Explosivstoffen beschlagnahmt werden. Neuer Zwischenfall an der russisch=rumänischen Grenze. * Bukarest, 28. Jan. Am Mittwoch ereignete sich ein neuer Grenzzwischenfall. Die russische Grenzwache feuerte auf zwei Männer, die nach Rußland entkommen wollten. Einer wurde getötet und einer schwer verletzt. Die Notperderiegung vor dem Strafrechtsausschuß des Reichstages * Berlin, 28. Jan. Im Strafrechtsausschuß des Reichstages entspann sich am Donnerstag zunächst eine längere Debatte über die Straffreiheit für Körperverletzung mit Einwilligung des Verletzten, sofern sie nicht trotzdem gegen die guten Sitten verstoße. Hierher gehören z. B. Behandlungen durch Kurpfuscher, Zweikampf usw. Dazu lag vor eine Eingabe der Rektorenkonferenz der deutschen Hochschulen, die sich gegen ein allgemeines Mensurverbot wendet. Oberreichsanwalt i. R. Ebermayer als Vertreter des Justizministeriums hielt eine solche Bestimmung für notwendig, um den bisherigen Streit darüber zu beseitigen, wieweit die Einwilligung des Verletzten die Rechtswidrigkeit der Körperverletzung zu beseitigen vermag, vor allem aber auch, um in der Frage der Sterilisierung Klarheit zu schaffen. Gegenwärtig wird Sterilisierung aus sozialer oder eugenischer Indikation auch bestraft, wenn sie mit Einwilligung geschieht. Es gebe aber Fälle, in denen eine Sterilisierung aus sozialer Indikation gerechtfertigt sei. Zwangssterilisierung lehnte der Redner ab, ebenso auch das Abkommen, das zuweilen mit Gefangenen getroffen werde, in dem man ihnen Entlassung verspricht, wenn sie sich sterilisieren lassen. Der Sozialdemokrat Dr. Moses bekämpfte Adolf Hitlers Vorschlag, der für die Sterilisierung eintrete, damit die Veredelung des Volkes nicht durch die Abkommen von sozial Minderwertigen gehindert werde. Im übrigen verwies er darauf, daß die Aerztekommission sich mit dem § 264 einverstanden erklärt habe. Dr. Bell und Frau Weber vom Zentrum warnten davor, durch Annahme des§ 264 einer bestimmten Parteimacht Vorschub zu leisten. Dr. Bell gab ferner zu bedenken, daß diese Bestimmung geradezu zur rechtlichen Grundlage für den Zweikampf werden könnte. Man öffne der zwiespältigen Rechtssprechung Tür und Tor, wenn man die Entscheidung des Richters davon abhängig mache, ob die Tat gegen die guten Sitten verstoße. Trotzdem wurde§ 264 schließlich in folgender Fassung angenommen: „Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung des Verletzten vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotzdem gegen die guten Sitten verstößt.“ Für diese Fassung stimmten die Sozialdemokraten, die Staatspartei und die WP., dagegen das Zentrum, die Bayr. Volkspartei, der Bayr. Bauernbund und die Christlichsozialen. Die Kommunisten enthielten sich der Stimme, weil sie bedingungslose Straffreiheit verlangten. Deutschnationale, Nationalsozialisten und Wirtschaftspartei waren wieder nicht vertreten. Bei der Beratung der Strafbestimmungen, die die Körperverletzung an Kindern. Jugendlichen oder Wehrlosen und die Gefährdung der Gesundheit behandeln, kam zum Ausdruck, daß der Begriff„grausam oder boshaft“, von dem die Strafbarkeit von Züchtigungen abhängig gemacht werden sollte, zu eng gefaßt sei. Auch rohe Züchtigungen, die nicht gerade grausam oder boshaft seien, seien geeignet, die Kinder scheu, verlogen und trotzig zu machen, und seien nicht selten der Ausgangspunkt jugendlicher Entgleisungen. Ferner müsse auch die seelische Mißhandlung bestraft werden, die häufig unverwischhare Folgen für die Kinder habe. Gerichtsärzte hätten festgestellt, daß schwere Verbrechen auf derartige tiefe seelische Traumata zurückzuführen seien. Schließlich wurde bemängelt, daß der Täterkreis zu eng gezogen sei. Es fehlten in ihm diejenigen, die eine durch Dienst= oder Arbeitsverhältnis begründete Abhängigkeit in unzulässiger Weise ausnutzen. Ohne Aenderungen, also auch ohne die Einfügung „grausam oder boshaft“, wurden dann die Strafbestimmungen gegen Kindermißhandlung angenommen. Die sozialdemokratisch=kommunistische Mehrheit strich sodann den§ 266 des Entwurfes, der schon die Beteiligung an einer Schlägerei unter Strafe stellen wollte, wenn dabei der Tod eines Menschen oder eine schwere Körperverletzung herbeigeführt worden ist. Die Linke befürchtete die Ausnutzung dieser Bestimmung zu politischen Verfolgungen. don, Schanghai und Tokio erkenen lassen, hat die japanisch=amerikanische Spannung durch den Einmarsch der Japaner in Schanghai einen Grad erreicht, der zu ernsten Befürchtungen Anlaß gibt. Die Amerikäner setzen ihre Bemühungen fort, Englands Unterstützung gegen die Landung der japanischen Trunpen in Schanghai zu erhalten. Am Donnerstag abend wurde in Washington an höchster Amtsstelle erklärt, daß die Vereinigten Staaten sich schärfstens jedem japanischen Versuch widersetzen würden, die internationale Niederlassung in Schanghai zu besetzen. Gegen die Besetzung des chinesischen Viertels in Schanghai wurden in amerikanischen Regierungskreisen ebenfalls scharfe Bedenken geäußert. Auch in London wird die Lage als sehr ernst bezeichnet, um so mehr, als man sich völlig darüber im klaren ist, daß Washington eine Verletzung der chinesischen Hoheitsrechte durch Japan nicht dulden wird. In englischen politischen Kreisen will man wissen, daß Washington den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Tokio für den Fall erwägt, daß eine Einigung in absehbarer Zeit nicht zustande kommt. Ein folgenschwerer Schritt Die Jupaner besehen Schunghat Trotz der Annahme ihres Altimatums durch die Chinesen Schwere Straßenschlacht in Schanghai TU. Schaughai, 29. Jan. In Schanghai ist eine schwere Straßenschlacht zwischen Japanern und Chinesen im Gange. Große Teile der Stadt stehen infolge japanischer Bombenabwürfe in Brand. Auch die internationale Siedlung ist schwer betroffen worden. Die in chinesischem Besitz befindliche Nord=Schanghai=Eisenbahnstation seht ebenfalls in Flammen. Die japanischen Verluste wurden bisher auf 10 Tote und 80 Verwundete angegeben. * Schanghai, 28. Dez. Der chinesische Bürgermeister von Schanghai hat den japanischen Forderungen nachgegeben. Trotz der Annahme der japanischen Forderungen bestehen die japanischen Konsuln darauf, daß sich die in Nanking und in der Chinesenstadt von Schanghai wohnhaften Japaner in die Konzessionszone zurückziehen. Trotz der Annahme der japanischen Forderungen durch die Chinesen hat der Oberbefehlshaber der japanischen Marinekräfte beschlossen, den an die internationale Konzession grenzenden chinesischen Stadtteile von Schanghai zu besetzen. Er verlangt weiter die Beseitigung aller Verteidigungsaulagen, die die Chinesen vor einiger Zeit an dieser Stelle errichtet haben. Zwischen Chinesen und Japanern haben an der Grenze der internationalen Konzessionen die Kämpfe begonnen. * Schanghai, 28. Jan. Japanische Marine= infanterie und Panzerkraftwagen sind am Mittwoch um 11,15 Uhr abends in die chinesische Stadt Schapei eingedrungen. Im Hongkau=Bezirk, der von japanischen Marinetruppen und Panzerkraftwagen vollständig besetzt ist, hört man Gewehr u. Maschineugewehrfeuer. Die folgende Meldung lautet: Der japanische Befehlshaber hat Befehl erteilt, den Stadtteil Schapei mit Fliegerbomben zu belegen. Eine weitere Nachricht besagt: Um 1,30 Uhr früh hatten die Japaner den größten Teil von Schapei besetzt. Die Chinesen leisten hartnäckigen Widerstand und weichen nach der internationalen Konzession zurück. 13 japanische Verwundete sind in die Lozarette gebracht worden. Die chinesischen Verluste sollen schwer sein. Etwa 50 Chinesen sind gefangen genommen worden. Ein japanischer Panzerwagen versuchte, durch die Konzession vorzudringen, mußte aber umkehren, da britische Freiwillige ihm die Durchfahrt nicht gestatteten. * Wenn es sich auch nur um eine teilweise Besetzuns Schanghais durch die Japaner handelt, so liegt hier doch ein außerordentlich folgenschwerer Schritt vor. Denn in diesem Haupthandelsplatz des Fernen Ostens haben es die Japaner nicht nur mit den Chinesen zu tun, sondern ihr Vorgehen berührt in empfindlicher Weise die Interessen all der Mächte, die in den sogenannten Konzessionen (Fremdenniederlassungen) der Stadt sitzen. Die Millionenstadt Schanghai kennt eine französische und eine internationale Konzession, in denen sich die großen Handelsniederlassungen befinden. In erster Linie sind die Amerikaner und die Engländer vertreten, bei denen auch bereits eine eifrige diplomatische Tätigkeit eingesetzt hat. In Besprechungen zwischen Washingon und London scheint sich ein gemeinsames Vorgehen abzuzeichnen und schon vor dem entscheidenden Schritt der Besetzung hat die amerikanische Regierung an Japan, wie aus nachstehender Meldung hervorgeht, die Anfrage gerichtet, welche weiteren Pläne es dann in der Mandschurei und in Schanghai verfolge. Die Lage hat jetzt eine Zuspitzung erfahren, die erwarten läßt, daß in Washinton und vieleicht auch in London weitere Schritte getan werden. Aufrage Amerikas „Schanghai grundverschieden von anderen Städten" * Washingion, 28. Jan. Die amerikanische Regierung hat die Regierung in Tokio ersucht, ihre weiteren politischen Pläne in der Mandschurei und in Schanghai bekanntzugeben. Außenminister Stimson bestätigte, daß er die Regierung in Tokio befragt habe, welche Absichten sie bezüglich Schanghais verfolge. In amtlichen amerikanischen Kreisen wird nach wie vor betont, daß Amerika weder die Besetzung der internationaNiederlassungen durch japanische Truppen, noch die Blockade des Hafens von Schanghai durch japanische Kriegsschiffe als gerechtfertigt ansehen würde; denn die in der Niederlassung befindlichen internationalen Polizeikräfte seien bisher zur Aufrechterhaltung der Ruhe durchaus ausreichend und die Blockade sei eine Kriegsmaßnahme. die die Kriegserklärung Japans an China zun Bedingung haben würde. Selbst im Kriegsfalle sei es zweiselhaft, ob ein so durchaus internationaler Platz wie Schanghal blockiert werden könne; denn Schanghai sei grundverschieden von anderen chinesischen Städten. Abbruch der diplomakischen Beziehungen zwischen Washington und Totio? Wie zahlreiche Meldungen aus Washington. LonDie aus Tokio vorliegenden Meldungen lassen auf ein Einlenken Japans vorläufig nicht schließen. In maßgebenden Kreisen in Tokio wird erklärt, daß wirtschaftliche Gegenmaßnahmen Amerikas zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen führen müßten. Es wird allerdings bezweifelt, daß Amerika Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiete trifft, da die Vereinigten Staaten ein größeres Interesse an der amerikanischen Ausfuhr nach Japan hätten als Japan am amerikanischen Markt. Erregung im amerikanischen Senat über das Vorgehen Japans in Schanghai Geheime Instruktion an den Führer der Pazifik=Flotte. Die Berichte über das japanische Vorgehen in Schanghai riefen im amerikanischen Senat tiefste Empörung hervor. Senator King(Utah) forderte die sofortige Boykottverhängung gegen Japan. Besonders erregt sind die Vertreter der Pazifik=Staaten. An den Füh1Fr. 5, Pazifik=Flotte, Admiral Taylor in Manila(Philippinen), sind Geheiminstruktionen abgegangen. Japanisches Bombenflugzeuggeschwader gelandet * Schanghai, 27. Jan. Heute abend ist in Schanghai ein japanisches Geschwader aus schweren Bombeuflugzeugen gelandet. Nach einer Meldung des japanischen Marineabkommens werden am Donnerstag zwei weitere Luftgeschwader aus Osaka erwartet. Auf allen Seiten werden sieberhafte Vorbereitungen getroffen, um gegen die drohende Gefahr eines offenen Ausbruchs von Feindseligkeiten geschützt zu sein. Die japanischen Marinesoldaten haben mit dem Ausheben von Schützengräben im Hasengebiet von Schanghai begonnen. Die englischen, amerikanischen und französischen Behörden haben sämtliche Truppen und die Marinestreitkräfte bereitgestellt. Die englischen Streitkräfte setzen sich aus zwei Infanteriebataillonen und einer Pionierabteilung zusammen. Die amerikanischen Marinesoldaten in Stärke von 1000 Mann stehen ebenfalls in BereitHafen liegen neben den japanischen Kriegsschiffen ein englischer Kreuzer und zwei Kanonenboote, sowie amerikanische und französische Kriegsschiffe. Die amerikanischen Behörden stehen in ständiger Verbindung mit Washington. Es verlautet, daß sie im Falle einer Verschärfung der japanischen Haltung aktiv einzugreifen beabsichtigen. Vormarsch der Japauer im Norden * London, 28. Januar Reuter zufolge verlautet, daß sich japanische Truppen auf dem Marsch nach Charbin befinden, um die Interessen der dortigen Japaner zu schützen. Nach einer russischen Meldung aus Tokio hat General Sisja, der Führer der Truppen der neuen mandschurischen Regierung, an den Nanking= General Dinschao ein Ultimatum gerichtet, Charbin und Umgebung innerhalb von 24 Stunden zu räumen. Chinesenschlacht in Charbin * Berlin, 29. Jan. Wie der Lokalanzeiger meldet, ist es am Donnerstag in Charbin im alten Teil der Stadt zu heftigen Kämpfen zwischen der chinesischen Besatzung und chinesischen Truppen aus Karin gekommen, die der dortigen unabhänaigen Provinzialregierung unterstehen. Ueber 180 Soldaten sind gefallen. Von der Zivilbevölkerung wurden über 80 Russen und Chinesen getötet oder verwundet. Nach Meldungen aus Tokio beabsichtigen die Russen die Entsendung eines Panzerzuges nach Charbin zum Schutze der russischen Interessen an der ostchinestschen Bahn. T·) MFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Radtderoroneten=Verhuuttung“““ in Schidenn Endlose Oebatten über die neuen Unkerstützungssätze— Stadtv. Relken wieder Vorsteher, Stadtv. Gärtner sein Stellvertreter— Senkung der Krankenhaus=Pflegesätze, des Gaspreises und der Schiuchthofgebühren ein Stelverteiter..... J. um ue Em enaalet tasfha un G us un Bursde us: N Schwelm, 29. Januar. Die Schwelmer Stadtverordneten traten gestern abend zur ersten gemeinsamen Tagung im neuen Jahre zusammen. Es waren sämtliche Stadtverordnete und Magistratsmitglieder anwesend. Auf der Tagesordnung stand neben verschiedenen Wahlen und Preissenkungsvorschlägen auch ein Antrag des kommunistischen Stadtv. Piller und Gen., der eine Stellungnahme des Stadtverordnetenkollegiums zu den neuen Richtsätzen und Richtlinien des Bezirksfürsorgeverbandes wünschte. Bekanntlich ist auch im Schwelmer Stadtparlament schon häufiger und ausgiebig über diese Materie debattiert worden, und die stetig wachsende Not der Erwerbslosen wurde auch von keiner Seite bestritten. Trotz aller Beratungen und Beschlüsse konnte aber keine Besserung der bitteren Lage der Erwerbslosen erzielt werden, weil die für Unterstützungszwecke notwendigen Mittel infolge der stetig sinkenden Finanz= kraft unseres Volkes kaum noch aufgebracht werden können und dabei auch noch die Zahl der Erwerbslosen von Tag zu Tag zunimmt. Man würde aber der Stadtverwaltung und den städtischen Körperschaften Unrecht tun, wenn man behaupten wollte, daß hier nicht alles getan worden sei, um der Not der aus dem Erwerbsleben geworfenen Mitmenschen zu steuern. Zum Helfen gebört aber bekanntlich Geld, und wenn, solches nicht zur Verfügung steht, ist eben jede Hilfsaktion unmöglich. Es liegt auch nicht im Interesse der Unterstützungsbedürftigen, wenn man gegen die Anordnungen des Fürsorgeverbandes verstoßen wollte. Ohne zwingende Gründe wird aber auch der Kreisausschuß nicht zu einer Umgestaltung der Richtsätze und Richtlinien geschritten sein. Man wird auch dort wissen, daß die Erwerbslosen mit derartigen Unterstützungen auf die Dauer nicht zurechtkommen können. Helfen können schließlich nur Bestrebungen, die auf eine Neubelebung unseres gesamten Wirtschaftsapparates und auf die Beseitigung der Erwerbslosigkeit abzielen. Ueber die neuen Richtsätze und Richtlinien ist auch gestern in reichem Maße debattiert worden, und es wurde auch eine Eingabe an den Kreisausschuß beschlossen, die eine andere Regelung fordert. Ob dieser Schritt aber Erfolg haben wird, ist sehr zweifelhaft. Die anderen Punkte der Tagesordnung nahmen zu ihrer Erledigung weniger Zeit in Anspruch. Mit der vorgeschlagenen Herabsetzung der Pflegesätze im städtischen Krankenhaus war das Kollegium nach kurzer Aussprache einverstanden. Bei der Senkung des Gaspreises ging man über die Vorschläge hinaus und stimmte für eine Senkung um 8 Pfg. pro Kubikmeter; die Schlachthofgebühren wurden nach dem Vorschlag der Verwaltung gesenkt. Die Ortsgruppe Schwelm des Bundes der Kinderreichen hatte einen Antrag eingereicht, in welchem um die Bereitstellung von Mitteln für Berufskleidung für ihre zu Östern zur Entlassung kommenden Kinder gebeten wurde. Zur Begründung des Antrages führte Stadtv. Altenmüller aus: Ich habe den Antrag unterzeichnet, weil ich der Ueberzeugung bin, daß die kinderreichen Erwerbslosen bei den Unterstützungen meistens zu kurz kommen. Es muß daher ein Weg gefunden werden, der ihren Wunsch in süllung gehen läßt. Kinderreiche Familien zu stützen und zu unterstützen liegt auch im Interesse unseres gesamten Volkes. Wir sollten uns freuen, daß noch Familien mit vielen Kindern vorhanden sind. Der Bund der Kinderreichen ist frei von jeder parteipolitischen Einstellung. Es dürfte daher jedem nicht schwer fallen, die Wünsche zu unterstützen. Bürgermeister Dr. Puller: Ich bitte. den Antrag dem Fürsorgeausschuß zur Beachtung zu überweisen. Wir können hier nicht eine generelle Unterstützung beschließen. Der Fürsorgeausschuß wird aber dem Vorschlag wohlwollend entgegenkommen. Stadtverordnete Johannes bat, die Anträge nicht so sehr unter die Lupe zu nehmen. Im gleichen Sinne äußerte sich auch Stadtv. Lüttger. Ein Antrag des Stadtv. Kuschmirz, jeder kinderreichen Familie, deren Einkommen nicht über 60 M. wöchentlich hinausgeht, die gleicho Unterstützung zu geben, wurde gegen die Stimmen der KPD. abgelehnt. Stadtv. Rosenkranz(D. N.) unterstützte den Vorschlag des Bürgermeisters. Der Antrag wurde dann dem Fürsorgeausschuß überwiesen. Die Herabsetzung der Pflegesätze im städt. Aadterhon Bürgermeister Dr. Puller unterbreitete der Stadtverordnetenversammlung den Beschluß des Magistrates und des Finanzausschusses. nach welchem für das städtische Krankenhaus folgender Tarif in Frage kommen soll: Ab 1. Januar 1932: Erwachsene Kinder Erwachsene Kinder Erwachsene Kinder 3. Klasse 4,80 M. 3. Klasse 3.20 M. 2. Klasse 6,50 M. 2. Klasse 4,80 M. 1. Kl. 10,00 M. 1. Klasse 6,50 M. Ab 1. Februar 1992 in der 3. Klasse: Erwachsene 4,70 Mark und Kinder 3,10 Mark. Stadtv. Weißenfeld(Staatsp.) wies darauf Dagung der Amts- und Gemeindevertretung Milspe Ablehnung von Sammelklassen— Senkung der Gaspreise Ermäßigung der Babegebühen Milspe, 29. Januar. Die Gemeinde= und Amtsvertretung Milspe war gestern nachmittag im Zeichensaale der Harkortschule zur ersten Sitzung im neuen Jahre verSitzungsbericht Nachdem Stadtv.=Vorsteher Nelken kurz nach 5 Uhr die Sitzung eröffnet hatte, wurde seitens der KPD. der Antrag gestellt, die Verhandlungen in die Aula des Realgymnasiums zu verlegen, um auch noch weiteren Interessenten die Möglichkeit zu geben, der Tagung des Stadtverordnetenkollegiums beiwohnen zu können, denn vor dem Rathause harrten noch viele des Einlasses. Stadtv. Kuschmirz stellte bei dieser Gelegenheit die Anfrage, wer den Befehl gegeben habe, daß das Rathaus heute für das Publikum geschlossen sei. Bürgermeister Dr. Puller: Das habe ich getan. Stadtv. Kuschmirz polemisierte darauf in scharfen Worten über Brüning= und Hitler=Methoden, wandte sich gegen einen Artikel über Schutzmethoden in der Volksstimme und versicherte, daß die Erwerbslosen der Polizei keinen Anlaß zum Niederknüppelr geben würden.— Der Antrag auf Verlegung der Sitzung in ein anderes Lokal wurde schließlich abgelehnt. Als Bezirksvorsteher für den 4. Fürsorgebezirk wurde der Stadtv. Heuser gewählt; Stadtv. Schneider hatte sein Amt niedergelegt. Die neuen Achsche des Bestetgzsüroengeverbandes Stadtv. Piller(KPD.) gab eine längere Begründung für die Einreichung seines Antrages. Stadtv. Sternenberg(D. V.): Die Sache gehört nicht ins Stadtverordnetenkollegium. Die langen Reden zum Fenster hinaus werden den Erwerbslosen eher Nachteile als Vorteile bringen. Ich erkläre Ihnen. daß ich ein Gegner dieses Systems bin. Hier ist nicht der Ort über die Sache zu debattieren und unsern Standpunkt klarzulegen. Die Richtsätze sind auch noch nicht fertiggestellt. Stadtv. Piller hat die Richtsätze und Richtlinien nicht verstanden oder bewußt falsch dargestellt. Stadtv. Bilgard sprach von verklauselten Bestimmungen und von geringer Sachkenntnis der Väter dieser Bestimmuungen und machte dann einen kleinen Gang durch die Richtsätze und RichtUinien. Stadtv. Heuser stellte den Antrag, eine Abordnung der Erwerbslosenkommission vorzulassen. Der Antrag wurde mit 13:11 Stimmen abgelebnz,..6 Sssmnt Herr Deller gab als Dezernent des Wohl fohrtsamtes seine und des Maaistrates Stellung nahme zu den Richtsätzen und Richtlinien des Be zirksfürsorgeverbandes kund. Es soll eine Eingabe an den Kreisausschuß gerichtet werden, in welchem zum Ausdruck gebracht wird, daß man eine Aenderung der Bestimmungen nach Form und Inhalt wünsche..24,— Wui Nach längerer Debatte wurde der Antrag des Stadtv. Kuschmirz auf Weiterzahlung der bisheri gen Sätze gegen die Stimmen der KPD. abgelehnt. Mit 22 gegen 7 Stimmen war man aber da für, sich auf den Standpunkt des Fürsorgeaus schusses zu stellen, der eine E'ngabe an den Kreisausschuß vorsieht, in welchem die gewünschten Ab änderungen der neuen Richtsätze und Richtlinien angeführt werden. Gegen diese Stellungnahme war die KPD. und die Stadtverordneten Sternen berg, Bilgard und Meermagen. Stadtv. Blum. enthielt sich der Stimmabgabe. sammelt. Bevor man zur Tagesordnung überging, gedachte der Bürgermeister des am 15. Januar d. J. verstorbenen Gemeinderatsmitgliedes, des Hauptlehrers Kraft, und stellte ihn dar als einen pflichtgetreuen Lehrer und Beamten. Er bat, den Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen zu ehren. M. 1— Darauf begann man mit der Tagesordnung. Bürgermeister Elsemann nahm Kenntnis von der Amtsniederlegung des Gemeindevorstehers Bickenbach und dankte ihm für seine treue, uneigennützige Arbeit. Die Neuwahl des Gemeindevorstehers fand nicht statt, da die Vertagung mit Ausnahme der K. P. D. beantragt wurde. Zum Protokollführer für die Verhandlungen der Gemeinde= und Amtsvertretung wurde Amtsober= inspektor Blumenroth einstimmig gewählt. Grundstücksverkauf an den Hausa=Großhandel. Der Hansa=Großhandel will das Grundstück an der Voerderstraße nach wie vor erwerben, jedoch nicht die an den Verkauf geknüpfte Bedingung eingehen, wonach das Grundstück innerhalb dreier Jahre bebaut sein muß. Mit den anderen BedinIgungen ist die genannte Gesellschaft einverstanden. Auf Vorschlag der Verwaltung und des Hauptausschusses war die Gemeindevertretung einstimmig damit einverstanden den erwähnten Passus fallen zu lassen. Der Grundstückspreis soll zur Deckung von Schulden verwandt werden. Ein weiterer Grundstücksverkauf. Der Dentist Emil Schmitz hat der Gemeinde das Angebot gemacht, die Splißparzelle zwischen seinem Hausgrundstück und dem von Weuster für seinen Neubau erworbenen Grundstück an der! werden um 0,2 Pfg. gesenkt. Bei diesem Antrag entwickelt sich eine längere Debatte zwischen den einzelnen Fraktionsmitgliedern. Schließlich wurde der Antrag unter der Bedingung angenommen, *“ daß dem Hauptausschuß eine Vorlage zur weiteren Ermäßigung der Gasa#hühron nar allem für die daß dem Hauptausschuß eine Vorlage zur weiteren Ermäßigung der Gasgebühren, vor allem für die Kleinkonsumenten, unterbreitet werde. Einrichtung von Sammelklassen für Volksschüler Im Auftrage der Eltern von 144 Kindern hat Herr Gustav Nini durch die Hand des Herrn Schulrates an die Regierung in Arnsberg den Antrag eingereicht, zu Ostern 1932 eine weltliche Schule einzurichten. Die Verwaltung machte darauf aufmerksam, daß es eine weltliche Schule nicht gibt, durch Erlaß des Ministers für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung vom Jahre 1928 schaft, Kunst und Volksvildung vori, Pnzg uige sei jedoch die Möglichkeit gegeben, für die nicht am Religionsunterricht teilnehmenden Schüler Sammelklassen zu errichten. Lehnt die zuständige Gemeindevertretung die entstehenden Mehrkosten ab, so entscheidet der Minister über die Einrichtung des neu zu errichtenden Systems. Die Schuldeputation und die Schulaussichtsbehörde haben zudem auch zu prüfen, ob durch die Errichtung von Sammelklassen das schulische Nivean der bestehenden Schule nicht erheblich herabhin, daß es auch im Interesse des Krantenhaufes liege, wenn die Pflegesätze so gestaltet würden, daß sie auch von den Krankenkassen bei der Ermäßigung ihrer Beitragssätze getragen werden könnten. Für die Herabsetzung der Pflegesätze im städtischen Krankenhaus setzte sich auch Stadtv. Grunwald ein. Stadtv. Hemesath(Z.) ging auf die Sparmaßnahmen beim städtischen Krankenhause ein, gab seine Stellungnahme zu dem Bestreben, die Erwerbslosen nach Möglichkeit ins städtische Krankenhaus zu bringen, kund und vertrat die Ansicht, daß man bei dem hohen Personaletat wohl noch mehr einsparen könnte. Eine noch weitere Herabsetzung der Pflegesätze wünschte der Stadtv. Heuser(K. P. D.). Auch er vertrat die Ansicht, daß an einzelnen Stellen noch gespart werden könne. Die Notverordnung brauche nicht immer die Kleinen am meisten zu treffen. Stadtv. Dr. Henrich gab einige Zahlen über die Belegung des Krankenhauses bekannt. Am Ende des vorigen Jahres hatte man im Durchschnitt pro Tag 3 Kranke weniger zu verzeichnen als im Jahre vorher. Die von der Verwaltung und dem Finanzausschuß vorgeschlagenen ermäßigten Pflegesätze sanden schließlich die einstimmige Billigung des Kollegiums. Senkung des Gaspreises um 3 Pfennig Stadtbaurat John gab die notwendigen Erläuterungen, die den Magistrat und den Finanzausschuß dazu veranlaßt hatten, eine Senkung des Gaspreises um 2 Rpf. pro Kubikmeter in Vorschlag zu bringen. Unter Berücksichtigung aller Faktoren, die zu einer Ersparnis beim Gaswerke führten, könnte der Gaspreis um 0,76 Rpf. pro Kubikmeter gesenkt werden. Magistrat und Finanzausschuß waren jedoch der Ansicht, den Konsumenten eine größere Erleichterung schaffen zu müssen. Beide beschlossen eine Senkung von 18 auf 16 Rpf. pro Kubikmeter. Dadurch vermindert sich der Ueberschuß des Gaswerkes um 17000 RM. Es wurde auch vorgeschlagen, den Mindestbezug von 5 chm auf 3 ebm zu erktäßigen, um gerade den Kleinstabnehmern entgegen zu kommen. Stadtv. Homberg (SAP.): Wir stimmen der Vorlage der Verwaltung zu und sind nur deshalb nicht für eine weitere Senkung, weil wir verhüten wollen, daß uns die Regierung nicht noch höhere Preise diktiert. In gleichem Sinne äußerte sich auch Stadtv. Freimanu (SPD.). Stadtv. Weißenfeld(Staatsp.): Es ist erfreulich, daß uns der Vorschlag gemacht wird, den Gaspreis von 18 auf 16 Rpf. pro chm zu ermäßigen. Nach meinem Dafürhalten ist aber diese Senkung noch viel zu gering im Verhältnis zum allgemeinen Preisabbau der Löhne und Gehälter. Gerade Staat und Gemeinde müßten auf dem Gebiete des Preisabbaues vorangehen. Wenn hier von der Gefahr gesprachen wird, daß uns die Regierung bei der Bewilligung von noch weiterer Ermäßigung des Gaspreises einen Strich durch unsere Rechnung machen und den Preis wieder heraussetzen könne, so möchte ich doch darauf hinweisen, daß ja gerade von der Regierung die Preissenkung verlangt wird. Stadtv.=Vorst. Nelken(SPD.): Es besteht wirklich die Gefahr, daß der Gaspreis statt um 2 Rpf. nur um 1 Rpf. gesenkt wird, wenn wir bei unsern Preisen noch weiter geben, als vorgeschlagen ist. Stadtv. Piller(KPD.) wünschte den Wegfall der Bestimmung über den Mindestbezug. Stadtv.=Vorst. Nelken(SPD.) hielt dem entgegen, daß man doch auch berücksichtigen müsse, ehenden Schule nicht erheblich herab= entgegen, daß man doch guch Herüictsichtigen müsse gesetzt wird. Eine Schulzersplitterung soll unter daß in Schwelm keine Miete für die Gasuhren gekeinen Umständen stattfinden. Nach den amtlichen zahlt zu werden brauche, eine Vergünstigung, die Feststellungen beträgt die Zahl der für die Sam= man an den meisten Orten nicht habe. Stadtv. melklassen angemeldeten Schulkinder am 1. 4. 32 im Gärtner(WP.): Im Hinblick auf die UeberSchulbezirk Milspe 78, in Rüggeberg 29 und in schüsse, die unser Gaswerk zu verzeichnen hat, bin Strückerberg 27, zusammen 134. Dazu kommen ich der Ansicht, daß die Gaspreise eine noch noch 6 Kinder, die gegenwärtig auswärtige Sam= Senkung ertragen können und müssen. Man sträub; melklassen besuchen. Bei dem Schulverbande sich seitens der Stadt, in Anbetracht ihrer FinanzRüggeberg würde eine Ersparnis an Lehrkräften lage einen merklichen Preisabbau vorzunehmen. nicht zu verzeichnen sein. Es müßte eine neue Bei der großen Not des größten Teiles unserer ick an der Schulstelle eingerichtet werden, die 4368 M. kosten Bepölkerung ist oher auch hier ein ggöhegen Prri#e Ecke Winkel=Kirchstraße zu erwerben. Es handelt würde. Schulisch würde die Errichtung einer abbau das Gebot der Stunde. Die Kau###n,###t sich um 164 am. Schmitz will wie Weuster 4 M. Sammelklasse auch für die Schüler derselben eine unter der Kaufkraft der Friedenszeit. Wir Eigentumsübergang entstehenden Steuern,„sind hat daber, der. Schulvorstand. Sie, Bedürknisfrage vom Käufer zu tragen. Auch diesem Grundstücksverkauf wurde einstimmig zugestimmt. Ermäßigung der Badegebühren Durch Beschluß des Hauptausschusses vom 1. April vorigen Jahres ist der Preis für Einzelbrausebäder von 30 auf 20 Pfa. herabgesetzt worden. Etwa 50 Prozent der Wannenbadbenutzer wanderte dadurch zu den Einzelbrausebädern ab. Der Gemeindevertretung wurde vorgeschlagen. die Wannenbäder vom 1. 2. 1932 ab von 50 auf 40 Pfg. zu ermäßigen. Die Preise für Einzelbrausen sollen bestehen bleiben, da bereits 1931 eine Senkung erfolgte. Die Gemeindevertretung genehmigte folgende Preise: Massenbrause 15 Pfg., Einzelbrause 20 Pfg., Wannenbad 40 Pfg., Wannenbad=Fünferkarte 1,80 M., Zehnerkarte 3,60 M. Ermäßigung der Gaspreise Gaswerksverwaltung und Gaswerkskommission machten den Vorschlag, die gemäß der Vorschriften der Notverordnung sich ergebenden Ersparnisse in der Bewirtschaftung des Gaswerkes in Höhe von 4500 Mark restlos den Konsumenten durch Gaspreissenkung zugute kommen zu lassen. Die vorgeschlagene Tarifsenkung wird schätzungsweise eine Mindereinnahme von 5000 Mark ergeben. Der Mehrbetrag soll dem voraussichtlihen Ueberschuß entnommen werden. Von der kanuar=Ablesung ab soll folgender Preisnachlaß intreten“.. 49 4—— 19—4 4— Haushaltungsgas: 1—100 chm von 18 auf 17 Pfg., 101—500 chm von 18 auf 12 Pfg. 501—1000 hm von 12 auf 11 Pfg., 1001—2000 ehm von 11 auf 10 Pfg. Gewerbliches und Heizungsgas: Die bisherigen Lreise sollen um ½ Pfg. je ebm gesenkt werden. Industriegas: Jahresverbrauch bis 36.000 chm von 8 auf 7,5 Pfa., 36000 bis 60000 chm von 7 uf 6,5 Pfa., 60000 bis 120 000 chm von 65 auf 6 3fg. 120 000 bis 240 000 ehm von 6 auf 55 Pfg. 1 Die besonders vereinbarten Gaspreise, die in der Staffelspanne einen günstigeren Preis haben, zur Errichtung einer Sammelklasse abgeleynt. Beim Schulverbande Strückerberg liegen die gleichen Verhältnisse vor. Hier würden sich die Mehrkosten auf 5498 M. belaufen. Im Schulverband Milspe würde im Höchstfalle eine Schulstelle in D4e Pecbter dne beihek aulf de Kaochele der sehe. ten Notverordnung für die Hausbesitzer zu sprechen. Nach seinen Ausführungen ist am Hausbesitz ein Raub vollzogen worden, der sich später sehr rächen wird. Gegen die städtische Sparkasse erhob er der Harkortschule überflüssig werden. Es müßte Vorwürfe wegen der Einführung von Verwaldas 11klassige System zu einem 10klassigen mit 9 tungsgebühren für Wohnhaushypotheken. Er richLehrkräften reduziert werden, wobei die bisher tete an den Sparkassenausschuß die dringende Bitte, vorgenommene Klassenbildung jahrgangsweise diese Mehrbelastung des Hausbesitzers wieder rückstärker zusammengedrängt würde. Für die Sam= gängig machen zu wollen. Auch in Gevelsberg habe melschule wären bei 78 Schulkindern 2 Klassen man von der Erhebung solcher Gebühren, die für mit 2 Lehrkräften erforderlich, also noch eine wei die Schwelmer Sparkasse vielleicht 25000 Mark tere Schulstelle. Auch hier würde eine schulische ausmachen würde, abgesehen. Die städttsche SparVerschlechterung zu verzeichnen sein. fkasse sei doch kein Institut, das in erster Linie auf Da der Antrag der Elternschaft darauf hinaus= Profit bedacht sein müsse, sondern sie habe in ergeht, alle Kinder zu einem Sammelsystem zu ver= ster Linie der Allgemeinheit zu die einigen. so würden bei 140 Kindern 3 Klassen und ner stellte dann den Antrag, den Gaspreis um 3 3 Lehrkräfte erforderlich sein. Die Gesamtkosten Rpf. zu ermäßigen und sprach die Bitte aus, recht dafür würden sich auf 13581 M. belaufen. Die bald auch beim Wasser, beim elektr. Strom, bei der Schuldeputation hat die Bedürfnisfrage der Einrichtung eines Sammelsystems mit 9 gegen 2 Stimmen verneint. Der Hauptausschuß schlug der Gemeindevertretung vor, die Bewilligung der entstehenden Mehrkosten abzulehnen. G.=V. Sachs(KPD.) bat um Vertagung des Antrages, da die beiden Gemeindevertreter Alfs und Oettinghaus nicht anwesend seien. Die Ausführungen und Gegenreden der einzelnen Fraktionsmitglieder schloß Bürgermeister Elsemann mit den Worten, daß die Verwaltung keine Veranlassung habe, in den Kulturkampf der einzelnen Fraktionen einzugreifen, die Ablehnung sei für sie neer ein Rechenexempel: eine EinspaMüllabfuhr und für den Kanalanschluß eine Preissenkung eintreten zu lassen. Stadtv. Thron hielt die Großabnehmertarife für zu günstig. Dem Stadtv. Gärtner machte er den Vorwurf, daß er wohl durch seine Preissenkungsforderungen die städtischen Berriebe ruinieren wolle. 8 8 Bürgermeister Dr. Pullev: Der Preissenkungskommifsar verlangt eine Ermäßigung in dem Umfange, wie sich Ersparnisse durch die Notverordnung ergeben. Unser Gaspreis müßte demnach um 0.76 Rpf. pro Kubikmeter gesenkt werden. Wir gehen aber noch weiter und schlagen ihnen eine Ermäßigung um 2 Rpf. vor. Wenn wir beim Gaswerk sei für sie nur ein Rechenexempel; eine Einspa= mäßigung um 2 Rpf. vor. Wenn wir beim Gaswerk rung im Schulwesen sei eine dringende Notwen=seinen Ueberschuß erzielen, so erleichtert uns das dakeit.„Dem Verlangen des Gemeindevertreters Hozzapa Sachs(KPD.), die Stimmen der fehlenden Gemeinderatsmitglieder Alfs und Oettinghaus dem Schreiben an die Regierung zuzufügen, werde Genüge geleistet. Der Volksdienst begründete die Ablehnung des doch ohne Frage die Balancierung unseres Ha was im nächsten Etatsjahre noch mehr ins Gewicht fallen dürfte, da die Wohlfahrtslasten sich stetig steigern und andererseits mit einem erheblichen Steuerrückgang zu rechnen sein dürfte. Wir müssen daher bei den 2 Rpf. bleiben. Das Antrages in einer längeren Entschließung. Mit Gaswerk 9 zu 5 Stimmen wurde dann die Errichtung der werden. Mit Tu, Peagzzengueg schrg p eggen Sammelklassen abgelehnt. Damit war die Sitzung wird sich der Sparkassenausschuß, noch einmal beder Gemeindevertretung beendet. sassen. Aber auch hier kommen doch die Ueber Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. iunbautes den, daß jäßigung en. Für ädtischen uwals e Spar. ein, gab die ErKranken. sicht, daß och mehr absetzung iser(K. n einzelDie Notinen am h gab eienhauses atte man r zu vernanzaussätze sanes Kolleennig en Erläunanzaus. sung des Vorschlag Faktoren, führten, ubikmeter sschuß waeine gröBeide bes. pro Kuleberschuß irde auch ehm auf 3 instabnehomberg erwaltung itere Senis die Ret. In gleieimanu atsp.): Es nacht wird, bm zu eraber diese iltnis zum Gehälter. if dem GeeWenn hier ns die Reeiterer Er. durch unvieder herhinweisen, seissenkung n(SPD.): * Gaspreis wird, wenn in, als vor .) wünschte Mindestbehielt dem igen müsse, suhren gestigung, die e. Stadtv. die Ueberten hat, bin ioch weitere Nan sträub: rer Finanz= rzunehmen. les unserer zerer Preisufkraft liegt Wir erwarses, der KaMüllabfuhr. eile der letzder zu spren Hausbesitz äter sehr räisse erhob er in Verwalken. Er richgende Bitte, wieder rückelsberg habe iren, die für 25000 Mark dtische Sparer Linie auf habe in er. Der Redspreis um 3 ste aus, recht trom, bei der eine Preis. wehmerdaride er machte er ne Preissenriebe ruinie. r Preissenigung in dem die Notverüßte demnach werden. Wir inen eine Ereim Gaswerk tert uns das nseres Hausne noch mehr hlfahrtslasten nit einem ersein dürfte. sleiben. Das zunternehmen ungsgebühren ch einmal bedie Ueberschüsfe der Allgemeinheit zugute. Für die nehmer hatten wir bisher durchaus keine günstigen Tarise für den Gasbezug. Wir werden in Zukunft nicht umhin können, auch diesen Tarif zu verbessern, denn die Großabnehmer tragen zu unserm Ueberschuß bei. Bei der von uns in Vorschlag gebrachten Preissenkung ist man mir persönlich schon zu weit gegangen.....). Menn 4. Stadtv. Sternenvorg(Do.): Wrnn die Einnahmen bei der gesamten Bevölkerung so, reduziert werden, dann müssen auch die Tavise verunter. Die Regierung muß doch zustimmen, da sie ja eine Preissenkung angeordnet hat. Unsele Siener einnahmen haben in den ersten ¾ Jahren nahe den Ansatz im Etat erreicht. Alle Steuern, mit Ausnahme der Gewerbesteuer, sind weit hinter dem Ansatz um 150000 Mark zurückgeblieben. Die Gewerbesteuer hat aber ein Mehr von gebracht. Darin ist allerdings ein Einnahmerest von 75000 Mark enthalten. Wenn aber das Gewerbe im laufenden Jahre im gleichen Maße herangezogen wird, so werden wir noch meyr Arbeitslose bekommen und die Wohlfahrtslasten werden bei der Zahlung der Gewerbesteuer die lichste Rücksicht walten lassen. Auf Antrag des Stadtv. B ilgard wurde die Dgap tze, grich gse. Mit 24 gegen 6 Stimmen wurde der antag Gullner, den Gaspreis um 3 Rpf. pro com zu ermäßigen, angenommen. Senkung der Schlachthofgebühren um 18—20 Prozent ich den Ausführungen des Stadtbaurates John wurde dem Stadtverordneten=Kollegium seitens der Verwaltung und des Finanzausschusses vorgeschlagen, die Schlachthofbenutzungsgebühren von 2,8 Pfg. auf 2.8 Pfg. pro Pfund, also um rund 18 Prozent und die Kühlzellenmiete von 10 auf 8 Mark pro Quadratmeter= 20 Prozent zu senken. Der Redner machte darauf aufmerksam, daß, eine Tenkung nur dann möglich mer Metzger in weit größerem Maße den Schlachthof benutzten als bisher. Zu bedauern sei es auch, daß viele Metzger ihr Eis aus Privatunternehmen bezögen, trotzdem das Eis des Schlachthofes mindestens so gut und billig sei. Stadtv. Blume(D. .): Die Senkung der Gebühren um 18 und 20 Prozent ist zu niedrig. Ich stelle den Antrag auf eine Ermäßigung um 50 Prozent. Stv. Dember(S. B. D) ote ihen der, Baurgt schlagenen Preissenkung zu rreiben. Baucat John wies noch einmal auf die guten und preiswerten Einrichtungen des Schlachthoses hin. Si Gärtner: Wenn die Metzger den Schlachthof wenig benutzen, dann sind ihnen wohl die Gebühren zu hoch. Es gibt allerdings auch viel Metzger, die auswärts ihren Bedarf decken, weil sie kein ganzes Tier gebrauchen können, der Schlachthof also für sie nicht in Frage kommt. Die Kaufkraft der großen Masse hat aber gewaltig nechgelassen, was unsere Metzger nicht zuletzt zu spüren bekommen. Auch bei uns hat man schon 32 Bäcker weniger als früher. Je geringeeg di# Gebühren für die Benutzung des Schlach#ho#s## sind, desto mehr wird er in Anspruch genommer werden. Es ist nicht immer böser Wille, wenn der eine oder andere Metzger nicht in Schwelm Stv. Schirmer(A. u. B.=P.) meinte, die Metzger ständen sich doch wohl nicht so schlecht, denn der Einkaufspreis stehe doch unter Friedenspreis, was man aber vom Verkaufspreis nicht sagen könne. Die Metzger müßten aber auch selbst einmal für ihren Schlachthof eintreten. Man könne auch noch weiter sparen, werzg,pe„Poter## rektors in Wegfall komme. So. C:nme se. P.) schlug schließlich vor, die Gebühren um 40 v. H. zu senken. Dafür stimmten 8 Stadtverordnete. Der Antrag war also gefallen. Für die Vorlage der Verwaltung stimmten 25 Stadtverordnete. Die Senkung beträgt mithin 18 bezw. 20 Prozent. Wahl des Stadtv. Vorstehers und seines Stellvertreiers Stadtv. Kuschmirz(K. in längeren Ausführungen gegen die Wiederwahl des Stadtv. Nelken. Er schlug seinen Frarnons= genossen Heuser vor. Stv. Dember war für die Wiederwahl Nelkens, während Stv. Becker den Stadtv. Gärtner vorschlug. Es gab eine kleine politische Auseinandersetzung zwischen Im ersten Wahlgang erhielt Stv.=Vorsteher Nelken 15, Stv. Gärtner 11 und Stv. Heuser 4 Stimmen. Die erforderliche Stichwahl brachte das gleiche Ergebnis. Herr Nelken war also mit 15 Stimmen zum Vorsteher gewählt, für ihn stimmten S. P. D., S. A. P. und Zentrum. Zum stellvertretenden Vorsteher wurden vorgeschlagen: die Stv. Gärtner(W. P.), Hemesath (Zt.). Homberg(S. A. P.) und Heuser(K. P. D.). Beim ersten Wahlgang wurden in der gleichen Reihenfolge folgende Stimmen erzielt: 11, 8. 7, Bei der Stichwahl erhielt Gärtner 11 und Hemesath 8 Stimmen. Ersterer ist somit zum stellvertretenden Vorsteher gewählt. Für Hemesath stimmten Zentrum und S. P. D., die 11 Summen der S. A. P. und K. P. D. waren ungültig. Zum Schriftführer wurde ohne Widerspruch der Bürodirektor Schlösser gewählt und Stv. eißenfeld erhielt den Posten des stellvertretenden Schriftführers. Nach Erledigung der Tagesordnung machte Stv. Gärtner noch den Vorschlag, den bei der Nothilfe beschäftigten Schneidern auch eine besondere Zulage zu ihren Erwerbslosenbezügen zu gewähren. Nach den Ausführungen des Wohlfahrtsdezernenten kann aber der Anregung des Stv. Gärtner nicht entsprochen werden da es sich nur um eine Beschäftigung an einigen Tagen handet. Schluß der Tagung gegen 3½ Uhr. Schmerzloses Rasieren durch vorheriges Einreiben mit Pueleiponn=gehder dicht in die Schate Vorschläge der Länder=Kultnominister Mit der Frage der Entpolitisierung der Schule beschäftigte sich im Reichsministerium des Innern eine Konferenz der Kultusminister der Länder unter dem Vorsitz des Reichsministers Dr. GröDie Berichte der Minister gaben einen Einblick in die tatsächliche und rechtliche Lage in den einzelnen Ländern und zeigten die Maßnahmen auf. die gegen die Politisierung der Schule bisher ergriffen wurden. Auf Grund der eingehenden Aussprache stellte Reichsminister Gröner als einmütige Auffassung fest, daß die Parteipolitik nicht in die Schule gehöre. Er werde es stets begrüßen, wenn die Länder entsprechend den verschiedenen Verhältnissen scharfe Maßnahmen ergreifen. Ob und inwieweit den von mehreren Seiten ausgesprochenen Wünschen gemäß von reichswegen einheitliche Grundsätze für die Entfernung der Parteipolitik aus der Schule aufzustellen seien, und für die Ausführung ein einheitliches Verfahren vorgesehen werden solle, müsse geprüft werden. Die Länder hätten schon jetzt die Möglichkeit, die Teilnahme von Schülern an politischen Versammlungen zu verbieten. Er empfehle, allgemeinen Gebrauch von dieser Möglichkeit zu machen. Aufs schärfste zu verurteilen sei die Verbreitung von Flugblättern und Zeitungen verhetzenden Inhalts unter den Schülern. Hier komme es vor allem darauf an, gegen die Verteiler und Urbeber mit allem Nachdruck vorzugehen. Im übrigen wies der Minister darauf hin, daß die Entpolitisierung der Schule durch positive Maßnahmen gefördert werden müsse, z. B. durch gute Schülerzeitungen und Einwirkung auf die Elternkreise. Die Bedeutung einer unterstützenden Mitarbeit des Elternhauses hob der Minister besonders hervor. Er erklärte sich auch bereit, den Anregungen verschiedener Minister entsprechend einen Appell an die Parteien zu richten, von der parteipolitischen Beeinflussung der Jugend Abstand zu nehmen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden die Ausschreitungen der Gottlosenpropaganda erörtert. Es ergab sich die einmütige Auffassung, daß die bestehenden gesetzlichen Vorschriften, insbesondere die Bestimmungen der Notverordnung Reichspräsidenten vom 28. März 1931 ausreichen, die Ausschreitungen der Gottlosenprovaganda zu bekämpfen. Sache der praktischen Handhabung sei es, den geltenden Vorschriften einen wirksamen Vollzug zu sichern. Wichtige Lohnsteuerbestimmungen über die Einsendung der Steuerabzugsbelege für das Kalenderjahr 1931 1. Bei Abführung der Lohnsteuer in bar oder durch Ueberweisung. a) Arbeitgeber, die im Kalenderjahr 1931 die Lohnsteuer ihrer Arbeitnehmer in bar oder durch Ueberweisung abgeführt haben, müssen für jeden am 31. Dezember 1931 in ihrem Dienst stehenden Arbeitnehmer auf der Rückseite der Steuerkarte 1931 die Lohnsteuer bescheinigung ausschreiben und die so vervollständigte Steuerkarte dem Finanzamt übersenden. Die Uebersendung hat bis zum 15. Februar 1932 an das Finanzamt zu erfolgen, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer am 10. Oktober 1931 seinen Wohnsitz gehabt hat. Die Steuerkarten dürfen also diesen Arbeitnehmer am Jahresschlusse nicht ausgehändigt werden. b) Für die übrigen im Jahre 1931 bei ihnen beschäftigt gewesenen, aber vor dem 31. Dezember 1931 ausgeschiedenen Arbeitnehmer müssen die Arbeitgeber bis zum gleichen Zeitpunkt den Finanzämtern, in deren Bezirk die Steuerkarte 1931 ausgeschrieben worden ist, Lohnsteuer=Ueberweisungsblätter übersenden. Vordrucke zu den Ueberweisungsblättern nebst erforderlichem Blaupapier werden von den Finanzämtern unentgeltlich ausgegeben. 2. Bei Verwendung von Steuermarken. Arbeitnehmer, für die im Kalenderjahr 1931 Steuermarken verwendet worden sind, sind verpflichtet, die in ihrem Besitz befindlichen Steuerkarten 1931 mit den mit Marken beklebten Einlageboden bis zum 15. Februar 1932 bei dem Finanzamt abzuliefern, in dessen Bezirk sie am 10. Oktober 1931 gewohnt haben. 3. Näheres ist aus einem bei den Finanzämtern unentgeltlich erhältlichen Merkblatt zu ersehen. aufzulösen. Außerdem soll die Bearbeitung der Pensionsangelegenheiten nur noch auf wenige Versorgungsämter zusammengefaßt werden. Im Reichsarbeitsministerium glaubt man, einen großen Teil der Versorgungsämter aufheben zu können, da die Streitfälle immer mehr abnehmen und neue Anträge auf Bewilligung von Kriegsversorgung seit dem vorigen Jahre nicht mehr gestellt werden können. Die Versorgungsämter haben also nur noch die laufenden Rentenangelegenheiten zu erledigen. Milspe, 29. Januar. (=) Ermäßigte Preise für Arbeiter= und Schülerwochenkarten treten, wie schon mitgeteilt, am 1. Februar bei der Straßenbahngesellschaft Ennepe in Kraft. Die näheren Einzelheiten gehen aus der heutigen Anzeige hervor. * Hauptlehrer Krafts Nachfolger im Gemeinderat. Der Wahlausschuß der vereinigten bürgerlichen Parteien benannte in der Sitzung vom 27. Januar für den verstorbenen Gemeindevertreter Hauptlehrer Kraft(Z.) den Geschäftsführer Artur Buck, Milspe, Kirchstraße 67, zum Nachfolger. B. gehört ebenfalls dem Zentrum an. * Das Auto wiedergefunden. Einem kaufmännischen Angestellten vom Vogelsang war wie gemeldet, vor einigen Tagen ein Auto gestohlen worden. Das Auto wurde jetzt in Lotheim, Kreis Schleiden, in der Eifel, herrenlos auf der Straße ausgefunden. Man nimmt an, daß es zu dem in gleicher Nacht ausgeführten Diebereien beautzt worden ist. An der Grenze wurde im Zusammenhang damit ein Mann festgenommen. * Vermißt. Obervollziehungsbeamter Dmoch wird seit Mittwoch morgen vermißt. Er ist gegen 7,40 Uhr von zu Hause fortgegangen, aber nicht zum Dienst erschienen. Dmnoch ist durch die Gehaltsherabsetzung seitens des Regierungspräsdenten auf Grund der Preußischen Notverordnung in seinen Einkommensverhältnissen stark beschnitten. Die Verwaltung hat die Maßnahmen des Regierungspräsidenten nicht für gerechtfertigt, gehalten und entsprechende Vorstellungen erhoben. Es wird angenommen, daß Dmoch sich ein Leid angetan hat. Nachrichten über den Verbleib nimmt die hiesige Kriminalabteilung entgegen. Wengern, 29. Januar. * Ein schamloser Tippelbruder. Am 11. Januar d. J. wurde wieder einmal in unserer Gegend ein Mann beobachtet, der sich Frauen in schamlosester Weise näherte. Er gehört zu den unsteten Elementen der Tippelbrüder, stammt aus Müllheim und nennt sich Wilhelm Sp. Das Gericht verurteilte den vorbestraften Mann zu sechs Wochen Gefängnis. Hattingen, 29, Januar. * Obst= und Gemüsebau im Ennepe=Ruhrkreis. In der stark besuchten Jahreshauptversammlung des Kreis=Gartenbauvereins teilte Kreisgartenbauinspektor Schmitt mit, daß im Jahre 1931 nicht weniger als 64 Waggons Düngerschutt zu je 300 Zentner= 19200 Zentner beschafft wurden. Das Versuchswesen wurde in der Versuchsgärtnerei in Gevelsberg, in der Beispielsgärtnerei in Hattingen und durch den Kreisgartenbauinspektor Schmitt gefördert. Ausstellungen mit gutem Erfolge fanden statt in Welper=Blankenstein, Gevelsberg, Altendorf=Ruhr und Breckerfeld. Außerdem beteiligte man sich an der Ausstellung des Ruhrländischen Obst= und Gemüsebaues in Essen. Gartenbaudirektor Mustliek=Münster i. W. betonte in der Jahreshauptversammlung, daß es möglich sei, Deutschland durch Deutschland hinreichend mit Gemüse und Obst zu versorgen. Eine betriebswirtschaftliche Vereinigung müsse das Ziel der deutschen Gemüse=, Obst= und Gartenbauvereine sein. Schwelm, 29. Januar. (=) Einbruch in die Molkerei Neuenhof. Einer Polizeistreife fiel in vergangener Nacht ein junger Bursche auf, der in verdächtiger Weise einen Sack auf dem Rücken trug. Auf den Anruf der Polizeibeamten reagierte der Mann nicht, er versuchte vielmehr, sich schnell zu entfernen. Die Polizei gab drei Schüsse ab und traf den verdächtigen Burschen in den Schenkel. Bei der Untersuchung fand man in dem Sack Butter und es stellte sich heraus, daß diese von einem soeben ausgeführten Einbruch in die Molkerei Neuenhof herrührte. Die weitere Untersuchung in der Molkerei ergab, daß drei Personen dort eingebrochen waren und 200 Pfund Butter, sechs Schachteln Zigaretten, eine Kiste Zigarren, zwei Geldsparbüchsen mit einigen Mark Inhalt und zwanzig Mark Wechselgeld aus einer Kassette gestohlen hatten. Alle drei Täter konnten sofort ermittelt werden. Außerdem gelang es, das ganze gestohlene Gut zu beschlagnahmen und dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zuzustellen. Der verletzte Einbrecher wurde dem städtischen Krankenhaus zugeführt. :: Nationalismus und Besitz. Heute abend 8 Uhr findet im Saale Schirmer, Kölnerstraße, der zweite Diskussionsabend der Entschiedenen Schulreformer statt. Als Vertreter der nationalistischen Bewegung spricht Dr. Ebeling(Krefeld) über„Nationalismus und Besitz". (=) Im Modernen Theater läuft der Tonfilm „Miß Eunopa“ mit Louise Brooks. Dem Film geht der Ruf voraus, etwas Besonderes zu sein. Louise Brooks spielt die Titelrolle und die Regie führte einer der feinnervigsten Regisseure, Augusto Genina, der schon wiederholt in seinen Filmen seine Kunst einer kulturvollen, realistischen Inszenierung gab.— Ferner enthält das neue Programm den Film„Drei Freunde". Das Thema, Liebe und Freundschaft nicht im gegenseitigen Kampf, sondern in ihrem menschlich hehren Zusammenklingen, gibt diesem Film mehr allgemeine Bedeutung, als man einem gewöhnlichen Unterhaltungsfilm gemeinhin zukommt.„Drei Freunde“ ist ein Filmwerk, dessen unerhörte Spannung durch das menschliche Interesse, das man an dem Inhalt solchem und seinen Darstellern hat, noch gesteigert wird.— Dazu wird ein gutes Beiprogramm gegeben. Voerde, 29. Januar. .:. Schellfische bekommen Beine. Gewöhnlich sagt man, daß ihm die Felle wegschwimmen und das kann vorkommen, aber daß Fische Beine kriegen und auf einem Landwege einem Kaufmanne wegschwimmen, kann auch vorkommen, wie das hier jetzt passiert ist. Bei einem hiesigen Kaufmanne standen auf dem Hofe wohlverpackt in einem verschlossenen Korbe Schellfische zum Verkauf für den nächsten Tag bereit. Ein dienstbarer Geist nahm beim Säubern des Hofes gegen Abend in der Dunkelheit kurz entschlossen den Korb und transportierte ihn als Müll in aller Ruhe zur Kippe. Am anderen Morgen vermißte der Kaufmann seine Ware und meldete der Polizei den Verlust an, weil er einen Diebstahl vermutete. Bald konnte dann der Korb, welcher sich in einem unversehrten Zustande befand, dem Kaufmann wieder eingehändigt werden. M Sth Joder aber mit NIVEA-OL Zusammenlegung von Versorgungsämtern. Den Versorgungsämtern ist ein Referentenentwurf über die Auflösung vieler Versorgungsbehörden und ihre Vereinigung mit benachbarten Dienststellen zugeleitet worden. Wie der Reichsbund der Kriegsbeschädigten erfährt, beabsichtigt die Reichsregierung bis zum Schluß des Rechnungsjahres 1932 aus Ersparnisgründen von den 97 noch bestehenden Versorgungsämtern 28 Gevelsberg, 29. Jan. * Unterschlagungen bei der Stadtkasse Gevelsberg. Die Stadtverwaltung teilt mit: Der bei der hiesigen Stadtkasse angestellte Stadtsekretär Hochstrate hat Unterschlagungen begangen, deren Höhe sich auf zirka 10000 Mark belaufen. Die Veruntreuungen reichen bis in das Jahr 1928 zurück. H. hat angeblich seit etwa 1927 die Regelung der Steuerzahlungen seines verstorbenen Schwagers T. von hier übernommen. Ihm 1928 und 1929 zur Ablieferung übergebene staatliche Grundvermögenund Hauszinssteuer in Höhe von insgesamt etwa 3000 Mark lieferte er nicht an die Stadtkasse ab. Die Verbuchungen nahm er so geschickt vor, daß selbst bei in der Zwischenzeit vorgenommenen Prüfungen durch Beamte der Preußischen Oberrech= nungskammer und des Städtebundes nichts gemerkt wurde. Etwa von 1929 ab hat die Familie T. nach Angabe des Hochstrate keine der beiden Steuerarten weder an die Stadtkasse noch an den Hochstrate gezahlt. Um diese Rückstände von zirka 7000 Mark nicht in Erscheinung treten zu lassen, buchte er die zu zahlenden Abgaben zugunsten seines Verwandten in ebenso geschickter Weise als bezahlt, daß auch hier bei den vielfachen eingehenden Revisionen nichts entdeckt wurde. Soweit er die Beträge empfangen und nicht abgeliefer hat, will er im wesentlichen Schulden seines Schwiegervaters abgedeckt haben. In den Monaten September, November und Dezember nahm er bei starken Andrang am Kassenschalter außerhalb der Kasse von 3 hiesigen Handwerkern auf deren Wunsch aus Gefälligkeit Steuerbeträge in Höhe von 430 Mark zur Ablieferung an. Diese unterblieb. Hochstrate deckte damit eigene Verpflichtungen. Die drei Steuerpflichtigen brachten nicht einmal ihre Steuerzettel zur Stadtkasse mit. Sie haben keine Quittungen im Besitz. Die Unsitte, an nicht zuständige Personen Abgaben zu zahlen, und die eigene Nachlässigkeit, keine Quittung von dem zuständigen Beamten zu verlangen, müssen sie durch nochmalige Zahlung der Abgaben zum eigenen Schaden quittieren. * Abbau an Gevelsberger Schulen. Durch das Inkrafttreten der letzten Notverordnung sind an den Volksschulen der Stadt Gevelsberg insgesamt 6 Lehrkräfte vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden, während eine Lehrstelle ganz einging. Insgesamt sind also an sieben Stellen die vorgeschriebenen Abbaumaßnahmen vorgenommen worden. * Einbruch in eine Wirtschaft. In der vorvergangenen Nacht drangen Diebe in die Wirtschaft Eicker ein und stahlen Rauch= und Trinkwaren im Werte von 250 Mark. Sie verschafften sich Ein gang durch das Oberlicht, das sie durch die Bentilatoröffnung lösten. Westfalen, Rheinland und Nachburgr oicte * Hagen=Haspe, 28. Jan.(Es war kein richtiger Storch.) Wir berichteten gestern von einem Storch, der sich auf einem Hause in Westerbauer niedergelassen habe. Es hat sich nun herausgestellt, daß Berichterstatter einem Dummenjungenstreich ausgesesen ist. Ein Spaßvogel hatte einen Gummistorch auf dem Hause angebracht, der nun ein Loch erhielt und jah in sich zusammenftel.###. * Hagen, 28. Jan. sSenrungoer Hagener Gebühren und Tarife.) Entsprechend der IV. Notverordnung hat der Hagener Magistrat beschlossen, die städtischen Gebühren und Tarife wie folgt zu senken: Schlachthofgebühren ab 1. 1. um 15 v. H., bei den Kanalgebühren Fortfall der Kanalzusatzgebühr, die Müllabfuhrgebühren von 2,5 v. H. auf 2 v. H., also um 20 v. H., die Straßenreinigungsgebühren von 2 v. H. auf 1,5 v. H., also um 25 v. H., die Marktgebühren von 45 Pfg. pro Quadratmeter auf 30 Pfg., also um 33½ v. H. Für die Senkung der Tarise für Gas und Strom stehen außerdem durch die Notverordnung ersparten 120000 Mark weitere 40000 Mark aus sonstigen Ersparnissen zur Verfügung, im ganzen also 160000 Mark. Die endgültigen Beschlüfse über die Tarif= und Gebührenordnung werden in der Stadtverondnetensitzung am Montag gefaßt. * Hagen. 28. Jan.(Der Nebel als Verkehrsgefahr.] Ein Autounglück ereignete sich gestern in den Abendstunden auf der Hochstraße. Durch den dichten Nebel, der in den Straßen lag, war es dem Chauffeur einer Limousine nicht möglich, einen anderen vor ihm fahrenden Personenwagen zu bemerken. Als der Personenwagen plötzlich bremste, um in die Kampstraße einzubiegen. rannte die Limousine von hinten auf. Durch den heftigen Anprall flog der Beisitzer des Chauffeurs in die Windschutzscheibe und zertrümmerte sie. Mit zahlreichen Schnittwunden im Gesicht und an den Händen begab er sich sofort zu einem Arzt. Vor weiteren Beschädigungen blieb die Limousine durch die Stoßstange bewahrt. Der Personenwagen aber wurde erheblich beschädigt. U. a. wurde ihm der Benzintank eingedrückt, so daß sich der Betriebsstoff auf die Straße ergoß und der Wagen mit eigener Kraft nicht mehr fahren konnte. Die Limousine mußte Vorspanndienste leisten.„ 4„ * Hagen. 28. Jan. Ein frecher Ueberfall wurde gestern abend um 19,40 Uhr in der Badstraße in der Nähe der Volmebrücke ausgeübt. Eine Angestellte der Firma Michael Brücken AG., die in einer Tasche Geld zu überbringen hatte. wurde von einem Mann angefallen und auf den Kopf geschlagen. Dabei versuchte er, ihr die Tasche zu entreißen. Sein Vorhaben mißlang. und er entfloh. Die Ermittlungen schweben noch. * Bocholt i. W., 28. Jan.(Immer neue Schmugglertricks.) Auf einer Station der Strecke Borken—Winterswitk wurde von einem Personenwagen der Reichsbahn von dem Dach eine Tabakmatratze heruntergeholt, die etwa 3 cm dick und mit Heftzwecken auf dem Dach befestigt war. Der aus grauem Inteleinen zusammengenähte Ueberzug war mit Tabakpäckchen zu je Gramm ausgestopft, die sorgfältig und genau ausgerichtet eines neben dem anderen auf der flachen Seite lagen. Nur bei ganz genauem Nachsehen konnte man die Schmuggelware entdecken, da die Matratze den Eindruck erweckte, als ob das Dach Dieses Jahr kein Katarrh wenn Du 90 u. 4SP. nimmst! W — Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. K— ausgebessert worden sei. Außerdem konnte ein Personenwagen aus Gelsenkirchen gestellt werden. der 4 Zentner Tabak geladen hatte. Ware und 6 Schmugaler wurden festgehalten. * Essen, 28. Jan.(Nurnoch1 Zoll Wasse unter dem Kiel“.) In der am Mittwoch stattgefundenen Stadtverordnetenversammlung kam es über die neue Wertzuwachssteuerordnung zu einer ausgedehnten Aussprache. Auf den Zusatzantrag eines Stadtverordneten hin erwiderte Oberbürger= meister Dr. Bracht, daß durch die Annahme eines solchen Zusatzantrages die Einnahmen aus der Wertzuwachssteuer bis auf 20 Prozent herabgemindert würden. Bei der Stadtverwaltung Essen liege die Sache so, daß sie nur für 8—14 Tage im voraus disponieren köne und zur Zeit nicht in der Lage sei, auf irgendeine Steuereinnahme zu verzichten. Die Stadt Essen habe nicht mehr wie einen Zoll Wasser unterm Kiel, und wenn sie zum Festfahren komme, sei kein Regierungsdampfer da, der sie abschleppen kann, weil diese Dampfer schon mit Abschleppungsarbeit vollauf beschäftigt seien. Die Vorlage der Verwaltung wurde schließlich angenommen. * Bielefeld. 28. Jan.(Oberbürgermeisterwahl in Bielefeld.) In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde als Nachfolger für den am 1. April in den Ruhestand tretenden Oberbürgermeister Dr. Stapenhorst der bisherige Beigeordnete Dr. Prieß mit 25 bürgerlichen Stimmen gegen 22 Stimmen der Sozialdemokratie, die den Zweiten Bürgermeister präsentierte, gewählt. Die drei kommunistischen Vertreter nahmen an der Wahl nicht teil. Dr. Prieß, der im 52. Lebensjahre steht und aus Langendreer stammt, gehört der städtischen Verwaltung seit Mai 1911 an. Vorher war er Stadtassessor in Essen. Mit derselben Stimmenzahl wie bei der Oberbürgermeisterwahl wurde der nationalsozialistische Stadtverordnetenvorsteher Irrgang wiedergewählt. * Wuppertal, 28. Jan.(Mehrere 1000 Eier auf der Landstraße.) Pech hatte dieser Tage ein holländischer Lieferwagen, der sich zur Nachtzeit mit einer Ladung Eier auf dem Wege von Holland nach Wuppertal befand, wo seine zerbrechliche Ware am nächsten Morgen „frisch aus der Hühnerfarm“ zum Verkauf kommen sollte. Auf der Landstraße Mettmann=Wuppertal fuhr er in der Hahnenfurther Kurve über den Straßenrand hinweg und landete unsanft auf den Wiesen. Hier kippte der Wagen um. Währand Fahrer und Beifahrer mit einem gehörigen Schrecken davonkamen, ging die Ladung, mehrere 1000 Eier, in die Brüche. * Remscheid, 28. Jan.(Toben das letzte ittel.) In der gestrigen Stadtverordnetensitzung gab Oberbürgermeister Dr. Hartmann einen Ueberblick über die augenblickliche Finanzlage der Stadt. Es verbleibt voraussichtlich ein Fehlbetrag von 2·228000 Mark. Bei Besprechung unausführbarer kommunistischer Anträge kam es zu erregten Szenen. Ein Kommunist warf GläKampf um Charbin? Stadt Charbin der chinesischen Mandschurei, tung. ist der Schauplatz blutiger Kämpfe geworausliest, die anderen Menschen verborgen sind, hatte es 1931 fertig gebracht, ihren Mann und noch zwei Nachbarn dazu zu verleiten, unter den Mauern des Schlosses Homburg nach einem verborgenen schwedischen Kriegsschatz zu graben, der den phantastischen Wert von 30 Millionen Gulden besitzen soll. Die drei Leichtgläubigen haben nun manche Nacht im Schweiße ihres Angesichts gegraben und geforscht, bis sie der Nümbrechter Landjäger in ihrem nächtlichen Tun störte. Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung war die Folge, und das Wiehler Amtsgericht bestrafte seinerzeit alle drei mit je 50 Mark. In Verkennung ihrer Lage aber legten nun noch zwei der Bestraften Berufung ein. Das Landgericht in Köln hatte aber ebensowenig Verständnis für Schatzgräberei wie die Vorinstanz und ließ es bei dem ergangenen Urteil. Zur Verhandlung hatte sich übrigens nur einer der beiden Angeklagten eingefunden, der vergeblich darauf pochte, daß er nicht dabei gewesen sein wolle. Wetterbericht der Wetterworte Essen Zunächst noch Fortbestand der Hochdruckwetterlage, verbreiteter Nebel, später bei westlichen Winden Bewölkungszunahme von Nordwesten her und Temperaturanstieg. ser und Flaschen gegen den Oberbürgermeister, so daß er und zwei seiner Genossen durch Polizei aus dem Saal entfernt werden mußten. * Solingen, 28. Jan.(Der Schuhmachergehilfe mit dem Scheck.) Festgenommen wurde ein 25jähriger Schuhmachergehilfe, der einen Brief erhielt, in dem sich ein Scheck über 600 Mark befand. Der Scheck war für einen Firmeninhaber bestimmt, der auf den gleichen Namen wie der des Schuhmachers lautete. Der Schuhmacher versuchte den Scheck bei der Bank einzulösen, dabei wurde er festgenommen. * Köln, 28. Jan.(Eine Leiche trieb von Neuwied bis Köln.) In Köln wurde eine weibliche Leiche gelandet, die stichartige Verletzungen aufwies. Es handelt sich, wie bald festgestellt wurde, um ein Mädchen, das seit dem 29. Dezember 1931 in Neuwied vermißt wurde. Wie weiter festgestellt wurde, sollte das Mädchen im Februar eine Heirat eingehen, zu der es sich nicht entschließen konnte. Aus diesem Grunde ging es ins Wasser. Die Leiche trieb dann von Neuwied bis Köln stromabwärts. * Wiehl, 28. Jan.(Sie hofften 30 Milionen Gulden zu finden und— bekamen 50 Mark.) Die sog.„Nümbrechter Kugelfrau". die aus einer Glaskugel Dinge herMärchenhafte Schößze in einem neuentdeckten Azteken-Grab .. Die Funde in Maxaca, von denen jetzt der Chef des Archäologischen Regierungsinstituts von Mexico, Dr. Alfons Caso Mitteilung gemacht hat, erstrecken sich auf das Grab eines aztekischen Fürsten. Schon die vorläufige Besichtigung der Funde läßt erkennen, daß es sich hier um ein großes archäologisches Ereignis handeln wird. Das entdeckte Fürstengrab war so gut versteckt, daß die Entdeckung nur einem Zufall zu verdanken ist. Dr. Caso drang mit seinen beiden Begleitern in die Tempelruinen in Maxaca ein, ohne etwas Außergewöhnliches wahrnehmen zu können. Er bemerkte einen Felsblock, der sich an eine Felswand lehnte. Obwohl er von der Sprengung diean Zlocts nichts erwartete, entschloß er sich doch anaut Glück eine Verschiebung vorzunehmen. Der tock bewegte sich, und vor dem überraschten Archäblogen zeigte sich dahinter ein dunkler Gang. der in den Felsen hineinführte. Als Dr. Caso weiter eindrang, erreichte er einen Raum, der 24 Fuß lang, 5 Fuß hoch und 7 Fuß breit war. In diesem Raum bot sich den Forschern ein phantastisches Bild. An der Längswand lagen 10 Mumien, die alle einen Goldreif um den Kopf trugen, der Aehnlichkeit mit einer Pharaonenkrone aufwies. Die Wände des Grabes waren mit Diamanten, Rubinen, Amethysten, Smaragden und Perlen geschmückt und zum großen Teil mit goldenen Brustschilden bedeckt. Ueberall blitzte und glitzerte es. Längs der Mauern lagen große Basen aus reinstem Gold von feinster künstlerischer Arbeit. Dr. Caso fand an den Mumien Siegelringe und Halsketten aus Gold, an denen Solitäre hingen, wie sie in solcher Schönheit und Größe bis jetzt kaum gesehen worden sind. Außerdem fand man im Grabe verschiedene andere Gegenstände, die alle reich mit Edelsteinen besetzt und zum Teil aus Gold hergestellt waren. Die Wände des Grabes waren mit Hieroglyphen verziert, deren Entzifferung noch nicht gelungen ist. Dr. Caso nimmt an, daß dieses Grab aus einer Zeit stammt, die etwa 100 Jahre vor der spanischen Invasion liegt. Nach Dr. Casos Schätzung soll der materielle und kulturhistorische Wert seiner Entdeckung die Bedeutung der Funde in dem Grab Tut=anch=Amons erreichen. Das Grab wird militärisch bewacht. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scherz Druck und Verlag von M. Scherz; sämtlich in Schwelm. Statt Karten Heini Fritz Aenne Fritz geb. Stiens Vermählte Schwelm, den 29. Januar 1932 Statt Karten Danksagung. Für die uns beim Heimgange unseres lieben Toten erwiesene Teilnahme sprechen wir Allen auf diesem Wege unsern herzlichsten Dank aus. Milspe, Grimmelsberg, den 29. Januar 1932. Familie August Vormann Unsere Preise!! Ihr Nutzen!! Helles Salatöl........ Liter 44 4 Plockwurst, prima westfäl... Pfund 98 Seelachs. stets frisch, in Scheiben geschnitten..... ¼ Pfund 35 4 Prinz Frühstückkäse.... Stück 18 Allgäuer Stangen Limburger Pfund 46 4 Schnittnudeln, stets frisch... Pfund 32 4 Pflaumen, neue Ernte.... Pfund 28 Stocksfisch, prima g walzt... Pfund 82 4 Heringe, bekannte Qualität. 30 Stück 100+ Apfelmus.... ca. 2 Pfund=Büchse 504 Bratheringe... ca. 2 Pfund=Büchse 584 Graupen...... Pfund 18 Rosinen, ohne Steine.... Pfund 44 4 Sauerkraut, rhein... Pfund 10. Bückinge, frisch geräuchert.. Pfund 26 und dazu noch 5% RAGATT 5% auf sämtliche Waren! Lekauntmachung Ab 1. Februar ds. 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Somm:— Nau: Bestellschein An die Buchhandlung Ichbestelle hiermit Westermanns Monatshefte ab Monat dis auf Widerruf zum Abonnementspreise von 1,70 Mark für das Heft Haltestelle der Straßenbahn. Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Zweites Blakt Rummer 24 Freitag, 29. Januar 1932 Zidel mintarden Hinsteidul trotz Stillhaltung Auslandszahlungen im Jahre 1932— Der neue Opfervertrag ohne weseutliche ausländische Gegenleistung Von Paul Oskar Seidl. Der neue Stillhaltungsvertrag entlastet Deutschland scheinbar von drängenden Sorgen. Bei genauerer Betrachtung erweist er sich jedoch als neuer deutscher Opfervertrag ohne wesentliche Gegenleistungen des Auslandes. Deutschland bietet in ihm erhöhte, seine eigene Wirtschaft lähmende Sicherheiten für die Geldgeber des Auslandes, ohne von ihnen das unerläßliche Zugeständnis einer gerechten und dem Auslandsinteresse selbst entsprechenden Zinserleichterung erreicht zu haben. An Zinsen und Rückzahlungen wird Deutschland zur Hergabe von 3 Milliarden Mark für 1932 verpflichtet. Zugegeben, daß der Stillhaltungskampf auf beiden Seiten mit äußerster Erbitterung geführt wurde und daß der Reichsbank und den anderen Vertretungen der deutschen Wirtschaft die Abwendung des Schlimmsten gelang. Aber wie hätte denn das Schlimmste ausgeschaut? Antwort: Deutschland hätte ein Auslandsmoratorium erklären müssen und dann— nun dann hätte man stärkste Zweisel hegen müssen, ob der weit überwiegende Teil der Auslandsgelder in der Gesamthöhe von 28,5 bis 30 Milliarden Mark(Zahl des Baseler Dezemberausschusses) noch zu retten gewesen, wäre. Das Schlimmste konnte sich also für das Ausland schlimmer gestalten als für Deutschland. Einen solchen Gedankengang darf man in unserem Falle nicht mehr mit der Miene des„ehrbaren Kaufmanns“ zurückweisen. In der Stillhaltungsdenkschrift des Amerikaners Wiggins vom 23. Januar heißt es ausdrücklich:„Die kurzfristigen Schulden Deutschlands bestehen aus Beträgen, die für wirtschaftliche Zwecke verwendet und zwar in ihrer Gesamtheit zweckmäßig verwendet wurden. Die Kredite sind vorsichtig und im allgemeinen gegen gute Unterschriften verwendet worden. Das ist ausgiebig erwiesen durch den Umfang der bisherigen Rückzahlungen, die(einschl. der 12 Millionen seit dem 31. Juli 1931) sich seit dem Herbst 1930 auf fünf Milliarden Mark belaufen.“ Dieses neue Auslandsurteil über die deutsche Vertrauenswürdigkeit besagt klipp und klar, daß der Auslandsrun gegen die deutsche Währung und gegen die deutschen Kredite, der zu der Julikrise 1931 und den Folgen führte, ein wahnsinniger, frivoler Vorstoß gegen einen vertrauenswürbigen Schuldner ohne Beispiel war und daß also nicht nur dem tributpolitischen, sondern auch dem finanzpolitischem Ausland die Alleinschuld an der gegenwärtigen Krise zuzusprechen ist. Sie ergab sich nicht aus einer etwaigen leichtfertigen Geldwittschaft Deutschlands, sondern aus einer als unberechtigt erwiesenen Sorge des Auslands davor. Und diese Sorge haben wir obendrein dem Auslande schon immer hoch bezahlen müssen in Form von gigantischen Gefahrzuschlägen auf die Leihgelderzinsen. Das Ausland bestätigt uns jetzt selbst, daß diese Sorgen und also auch die erhöhten Zinsen überflüssig gewesen sind. Deutschland ist in der Tat der einzige Großschuldner der Welt, der seinen Verpflichtungen gerecht wird. Die Leihgaben an Deutschland haben sich als so gefahrenlos erwiesen wie sonst nirgends etwas auf der Welt. In Amerika krachten Tausende von Banken zusammen und rissen die Sparer in den Strudel mit hinab. In Deutschland trat die Oeffentlichkeit bei allen Bankschwierigkeiten unter riesenhaften Opfern als Bürge ein. Unter Führung Englands ließen zahlreiche Länder ihre Währung zusammenstürzen und schädigten ihre ausländischen Geldgeber um Milliardenbeträge. Von den Kreditempfängerstaaten hielt allein Deutschland unter schwerster Belastung seiner Wirtschaft und mittells beispielloser Zins=, Gehalts= und Lohnkürzungen seiner Gesamtbevölkerung die Währung aufrecht. Millionen fordern die Abrüstung. n Berlin werden gegenwärtig Namenslisten gesammelt, die zur Abrüstungskonferenz nach iuf geschickt werden und die die Abrüstung aller Länder, nicht nur Deutschlands allein, dern Die Sammlung der Listen wird im Shell=Haus durchgeführt, wo täglich Hunderte erscheinen, um auch ihren Friedenswillen kundzugeben. fordern. Die Aus allem sind die Schlußfolgerungen im neuen Stillhalteabkommen bedauerlicherweise nicht gezogen worden. Das Stillhalteabkommen erhöht nicht nur den Wert der von Deutschland gewährleisteten Kredite um die fast 40 v. H. der seit ihrer Hergabe eingetretenen Goldauswertung, sondern beläßt es obendrein noch bei den bisherigen Wucher= und Risikozinsen, für deren Höhe gegenüber Deutschland überhaupt kein sachlicher Grund mehr geltend gemacht werden kann. Die Behauptung des Berichts:„Die Gläubiger haben alles, was sie konnten, aufgeboten, um dafür zu sorgen, daß die nächsten zwölf Monate für Deutschland einen Abschnitt der Erholung gewährleisten“ ist eine objektive Unwahrheit. In Wirklichkeit haben sie nichts getan. Sie entlasteten das Zinsjoch Deutschlands nicht um einen einzigen Pfennig. Deutschland wird vielmehr gezwungen sein, mehr als zwei Milliarden Mark Zinsen und eine Milliarde Mark Rückzahlungen auch im Notjahre 1952 an das Ausland abzuführen. Beweis: Das Gutachten des Baseler Dezemberausschusses errechnete die Verzinsung und Tilgung der langfristigen Verschuldung in ausländischer Währung mit 820 Millionen Mark, von denen 181,2 Millionen allein auf die Dawesund Yvunganleihe mit den vergleichsweise noch seringeren Zinssätzen entfallen. Der Zinsendienst für langfristige Verschuldungen in deutscher Währung wird mit 330 Millionen Mark angenommen. ist aber willkürlich um 150 Millionen Mark herunter=„gerechnet“ worden. Die Kosten der kurzfristigen Verschuldung werden mit 700 Millionen Mark angegeben. Das sind insgesamt zwei Milliarden Mark. Deutschland soll sie an das Ausland zahlen, weil das Stillhalteabkommen die ungeheuerliche Zinshärte— sie geht bis 15 Prozent — nicht gemindert hat. Der sicherste Schuldner der Erde, der dieses großartige Schalden=Sicherungs=Abkommen anbietet— denn das ist das Stillhalteabkommen in Wirklichke:t!— soll das Dreifache der Zinsen zahlen, welche die Geldhergeber bestenfalls in ihrem eigenen Lande(für weit weniger sichere Anlagen) erwarten können! Dabel darf es nicht bleiben. Für eine Wirtschaft von der Leistungskraft der Deutschen und für ein Volk von der Arbeitsfühigkeit und dem nüchternem, sachlichen Fleiß der Dentschen ist die gegenwärtige Auslandsverschuldung, weil das Geld ja nicht verpraßt wird, sondern arbeitet, keine übermäßige Last. Bei der Ausstattung mit den bisher zu zahlenden Zinssätzen erhält sie aber die Gestalt eines drückenden Tributes. Dieser Zustand muß beendigt werden. Die Zinssätze, die sich aus der Psychose der Nachkriegszeit erklären, sind so phantastisch hoch, daß wir sie nicht zahlen wollen dürften, selbst wenn wir sie aufbringen könnten. Diese letzte Möglichkeit scheidet aber gänzlich aus. Ebensp sicher wie uns die politischen Tribute zugrunde richten, ebenso sicher richten wir selbst uns durch die Gewährung dieser Zinsen zugrunde. Das hat mit der so nachdrücklich geforderden Wiederherstellung des Finanzvertrauens im Auslande für Deutschland nichts zu tun. Im Gegenteil! Je höhere Zinsen wir versprechen, umso bedenklicher muß das Ausland werden; denn hohe Zinsen bekommt man nur durch Risikogeschäfte. Diese falsche Vorstellung von Deutschland gilt es ebenso zu beseitigen wie den unerträglichen Zinsdruck. Das liegt in unserer Macht. Wenden wir sie an! Wer einen solchen Vertrag bekommt, wie ihn das Ausland mit dem neuesten Stillhalteabkommen erzielte, der solll auch selbst zu seiner Sicherung beitragen und müßte das gern tun. Man bringe oder zwinge die Ausandsgeldgeber zum Einverständnis mit den halben Sätzen der gegenwärtigen Ziusen. Dann machen sie immer noch infolge der Goldwertsteigerung und angesichts des immer noch überhohen Zinsfußes ein blendendes Geschäft, stärken aber gleichzeitig auch die so freundlich gepriesenen Reichswehrminister Groener als Vater Reichswehr= und Reichsinnenminister General Wilhelm Groener als glücklicher Familienvater mit seiner Gattin und seinem knapp ein Jahr alten Söhnchen Ruthart Wilhelm. „gewaltigen Wiederaufbaukräfte des deutschen Wirtschaftskörpers". Dazu brauchen sie nicht auf die Entscheidungen der Regierungen zu warten. Diesen Schritt sollten sie aus eigener Vernunft getan haben oder jetzt wenigstens nachholen. Und— eine verantwortungsbewußte, von der ungeheuren Not des Daseinskampfes unseres Volkes durchdrungene Regierung sollte ihnen Beine machen. Bomben gehören nicht in den Geldschrank Bei brasilianischen Festtagen spielen kleine Dynamitbomben eine große Rolle, die zwar einen Heidenlärm machen, aber sonst nicht viel Schaden anrichten. Wenigstens nicht für gewöhnlich. Daß es auch anders kommen kann, erfuhr kürzlich ein Geschäftsmann in Rio Grande, der sich zu einem bevorstehenden Feiertag rechtzeitig mit solchen Bomben eingedeckt und den ganzen ansehnlichen Vorrat mangels eines besseren Aufbewahrungsortes unten in seinem Geldschrank verstaut hatte. Als er unlängst nun die Tageskasse wegschließen. wollte, rutschte einer der kleinen Sprengkörper, ohne daß der Kaufmann es bemerkte, nach vorn und blieb gerade auf der Schwelle des Schrankes liegen. Beim Schließen der Tür erfolgte die unvermeidliche Explosion, die auch die übrigen Bomben entzündete. Mit dem Erfolge, daß der ganze Geldschrank, in Stücke gerissen, im Zimmer herumflog und den Geschäftsmann und seinen Sohn nicht unerheblich verletzte. Die beiden können von Glück sagen, daß sie mit dem Leben davongekommen sind. Koman von MAX NEAL 24 Das Doppente Gesiehr Um den Mund der Prinzessin zuckte es verräterisch.„Und da traten Sie ein?“ „Ja, und es war so, wie ich mir dachte. Das Zimmer war leer und die Komtesse schlief wohl schon. Eben als ich im Begriff war, die Lichter auszulöschen, erschienen- gnädigste Prinzessin.“ Er brachte das alles so glaubhaft und harmlos vor, daß der Verdacht der Prinzessin allmählich zu schwinden begann. Es stimmte ja, daß der Schloßhauptmann in ihrem Auftrag weggeritten war. Und sie wußte auch, daß der Herzog einen strengen Befehl erlassen hatte, nachts alle Räume zu kontrollieren, ob nirgends vergessen wurde, die Lichter in den Zimmern und auf den Korridoren auszulöschen. Sie war nun überzeugt, daß der Verdacht, den sie gehegt, unbegründet war. Ihr Gesicht heiterte sich auf. Erken salutierte:„Gestatten Hoheit, daß ich mich jetzt entferne, mein Dienst ruft mich.“ „Einen Augenblick noch,“ entgegnete Amalie Anna, indem sie mit einem lächelnden Blick ihre Hand auf seinen Arm legte. Erken fühlte sofort das Gefährliche seiner Lage. Er war sich nur nicht klar darüber, wie er sich der Gefahr schicklich entziehen konnte, ohne daß die Prinzessin die Wahrheit erriet.„Hoheit ich möchte zu bedenken geben.... die späte Stunde,“ bat er. „Ich will Sie nicht lange aufhalten,“ erwiderte sie mit verhülltem Lächeln. „Was befehlen Hoheit?“ fragte Erken kurz angebunden. Er wollte eine trennende Mauer aufrichten. Die Prinzessin nahm etwas ärgerlich über das Nichtverstehenwollen ihre Hand von Erkens Arm. Sie zögerte einen Augenblick, dann aber kam ihr lang zurückgedämmtes Gefühl zum Durchbruch. Ihre Leidenschaft riß sie mit sich fort.„Lassen Sie doch endlich unter uns diese kühle Förmlichkeit. Denken Sie, ich sei eine Frau Ihrer Kreise, die Ihnen von Herzen gut ist, und sprechen Sie auch so mit mir.“ Joachim brannte der Boden unter den Füßen. Zum zweitenmal trat die Versuchung an ihn heran, dieser Komödie, die er spielen mußte, ein Ende zu machen, der Prinzessin zu sagen, daß er einzig und allein Bettina liebe. Dann aber beherrschte er sich. Er durfte jetzt unter keinen Umständen seine Karten aufdecken. Es stand zu viel für ihn und Bettina auf dem Spiel. Darum antwortete er beinahe mechanisch, ohne wirkliche innere Wärme, indem er sich leicht verbeugte:„Ihre grenzenlose Güte macht es mir leicht, die Prinzessin zu vergessen und in Ihnen nur die liebenswerte Frau zu sehen.“ Die Prinzessin drohte ihm schalkhaft mit dem Finger.„Das sagen Sie trotz Ihrer Beziehungen zu einer anderen Dame?“ Joachim stand den Bruchteil einer Sekunde das Herz still. Sollte sie wissen? Ahnte sie, daß zwischen ihm und Bettina...? Er straffte sich. In seine Züge kam etwas Trotziges.„Ich habe keine Beziehungen zu einer anderen Dame.“ Amalie Anna stand ganz dicht bei ihm, so daß er ihren Atem verspürte.„Nicht?“ An wen haben Sie dann heute abend während des Balles das Brieschen gesandt?“ Das Erstaunen Erkens war aufrichtig und ehrlich.„Davon weiß ich nichts!“ „Sie lügen!" „Prinzessin, ich lüge nicht!“ entgegnete er unwillig, indem er unwillkürlich einen Schritt zurücktrat. Amalie Anna klopfte etwas ungeduldig mit der Fußspitze auf den Boden, wie jemand, der sich nur mehr schwer mäßigen kann.„Und doch muß ich Sie Lügen strafen, denn ich selbst sah, wie Sie dem Oberleutnant Wasil das Billetdoux zur Beförderung zusteckten und hörte, wie Sie ihm dringend ans Herz legten, es ist ja richtig an Ort und Stelle zu bringen. Und außerdem hat mir Wasil eingestanden, daß er das Billetdoux in Ihrem Auftrag einer Dame bringen muß.“ Erken vernahm durch die Worte der Prinzessin zum erstenmal, daß sie etwas von dem Pavier wußte, das er Gregor gegeben hatte, und ein gelinder Schrecken durchfuhr ihn. Als er aber jetzt sah. welche Auslegung Amalie Anna der Sache gab, fühlte er sich wieder erleichtert. Es war ein glänzender Einfall Wasils, sie in diesem Glauben noch zu bestärken. Dadurch wurde, so meinte er, glücklich eine Entdeckung verhindert. Und außerdem würde dieses vermeintliche Billetdoux den Verdacht von Bettina ablenken und gleichzeitig die Prinzessin ernüchtern und sein Benehmen begreiflich erscheinen lassen. So stand für Joachim der Augenblick über leichtem Lachen. Heiter, etwas gezwungen lustig, sagte er:„Nun ja, dann hat das Leugnen keinen Sinn mehr, wenn Wasil das Geheimnis ungeschickterweise schon verraten hat. Und da es sich um eine Dame handelt, werden gnädigste Prinzessin es verständlich finden, wenn ich vorhin ein bißchen geflunkert habe.“ Joachim schien es, als ob sich die Miene der Prinzessin plötzlich veränderte. In ihre Augen kam etwas Schillerndes. Der herbe Zug um ihren Mund lockerte sich auf und eine leise, hervorbrechende Fröhlichkeit schwang ihre Fahne über sie. Sie bog ihren schlanken Leib etwas zurück, und spitzfindig lächelnd erwiderte sie:„Joachim, nun weiß ich, daß Sie vorhin, als Sie behaupteten, Sie wüßten nichts von einem Billetdoux an eine Dame, nicht gelogen haben. Dieser Brief war nicht an eine Dame gerichtet.“ Erken stieg das Blut heiß zu Kopf. Wie kam Amalie Anna mit einemmal darauf. ihre Ansicht in das Gegenteil umzustellen? Sie schien ihn ja beinahe wie ein Untersuchungsrichter in Widersprüche verwickeln zu wollen. Hier hieß es auf der Hut sein. Vorsichtig fragte er:„Wie meinen Hoheit das?“ Amalie Anna antwortete nicht gleich. Sie weidete sich im stillen an der sichtlichen Verlegenheit des Rittmeisters. Dann triumphierte sie:„Ihre Freude hat Sie verraten. Sie freuten sich etwas zu auffallend, daß ich auf falscher Fährte sei. Das gab mir die Gewißheit, daß es mit dem Brief eine andere Bewandtnis haben müsse und Sie zuerst die Wahrheit sprachen, als Sie sagten. Sie hätten nicht an eine Dame geschrieben.“ Joachim sah zu Boden und blieb stumm. Frauen haben einen. man könnte beinahe sagen logischen Instinkt, ein Fingerspitzengefühl für psychische Vorgänge, wie es nur ein geborener Detektiv besitzt. Die Prinzessin aber schaute mit liebenden Blicken auf Erken.„Nun bin ich beruhigt, weil es kein Brief an eine Dame war. Was in dem Papier steht, interessiert mich jetzt nicht mehr... ich will es gar nicht mehr wissen. Es handelt sich ja doch bloß wieder um Eure dumme Politik. Ach, diese Politik, die die Vernunft der Menschen mit Schlagworten und Phrasen niederknüppelt und den Samen der Zwietracht und der Verhetzung unter die Völker streut.“ „Prinzessin...“ Er ergriff ihre Hand und führte sie an die Lippen. Amalie Anna schmiegte sich zärtlich an ihn. „Jvachim, nicht diesen kalten, herzarmen Ton. Mein Gott, was habe ich bloß für Komödie gespielt, damit niemand merken sollte, was in mir vorging. Wie oft verschanzte ich mich hinter lächelnder Ironie und boshaften Scherzen, nur damit niemand das Gefühl ahnen sollte, das in mir brannte.“ Fassungslos stand Erken diesem leidenschaftlichen Ausbruch gegenüber. Im anstoßenden Boudoir stand, durch die Stimmen angelockt, Bettina mit vorgeneigtem Körper, und hatte lauschend das Ohr an die Tür gelegt, die in das blaue Zimmer führte. Und ob der Worte, die sie hörte, wurde das junge Mädchen von neuem von Mißtrauen überfallen. Warum war die Prinzessin nochmals zurückgekommen? War es ein Zufall oder wußte sie von der Anwesenheit Iwans? War es ein abgekartetes Spiel zwischen den beiden? Aber sofort wies sie den unsinnigen Gedanken, wie ihn nur die Eifersucht einzugeben vermag, weit von sich. Hätte Iwau sonst die Flucht mit ihr verabredet? Nein nein, seit heute nacht, seit sie wußte, in welch schwerer Lage sich Iwan befand, glaubte sie wieder unerschütterlich an ihn. Und in diesem Augenblick empfand sie etwas wie Bedauern für die Prinzessin. Sie tat ihr aufrichtig leid. Niemand wußte besser als sie, wie bitter und herb die Liebe sein konnte. Rasch verließ sie die Tür. Sie wollte nichts mehr hören. Nur eine Furcht beherrschte sie, ob durch das Dazwischentreten der Prinzessin jetzt nicht ihre Flucht vereitelt würde. Mit nervöser Hast fuhr sie fort, die große Ledertasche zu packen, die geöffnet auf einem Stuhl stand. Aber immer wieder hielt sie zögernd inne. Der Gedanke an die beiden da draußen im anstoßenden Zimmer ließ sie nicht los. Rittmeister Erken hatte versucht, sich von Amalie Anna frei zu machen.„Prinzessin, ich bitte herzlich... wir müssen vernünftig bleiben.“ (Fortsetzung folgt.) 7.) WIFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Der Schnee zerrinnt Skizze von Jris Mahaleth. Es war nicht schön, aber was hatte man denn noch als die Schadenfreude: Immer, wenn ein Zug aus dem Tal fällig war, standen die Gäste des Wintersportplatzes auf dem kleinen Bahnhof und empfingen mit mitleidigem Lächeln die Ankömmlinge, die hoffnungsvoll mit Schneeschuhen und Rodelschlitten aus den Wagen stiegen. Denn es taute sacht, und der Barometerstand gab keine Hoffnung, daß in der nächsten Zeit das Wetter wieder winterlicher wurde. Umkehren, nach Hause fahren, wollte aber auch niemand so bald, und so hatten die Gast= und Kaffeehäuser eine gute Zeit. Unterhaltung. Tanz und Flirt sorgten bald dafür, daß man das Feiernmüssen der Schlitten nicht zu sehr bedauerte. Den Bergen rings um den Ort sah man es an, daß der Schnee schon locker geworden war und der Fuß darin versank. Für das Auge stand alles noch in weißer Pracht. „So müßte es im menschlichen Leben auch sein,“ sagte die blonde Renate Bing und nahm aus dem Etui eine Zigarette,„einmal kommt Schnee, deckt alles zu— fertig. Niemand sieht mehr, was war." Der Mann, der neben ihr an dem kleinen Tisch der Konditorei saß, sah ironisch in das junge Gesicht. Könnte euch so passen, nicht wahr? Wenn ein Mann so denkt, verzieht man den Mund. Aber er sagte höflich:„Praktisch für den, der etwas zu verbergen hat, und verführerisch für den, der erst etwas tun will, was...“ „Bitte!" Was nicht geschehen würde, wenn es offenbar bleiben müßte!" Renate sah aus dem Fenster. Ueber diesen Mann ärgerte sie sich. Ihre Sicherheit kam hier ins Schwanken. Und dann war es dies doch wieder, was ihr gefiel. Die anderen mißverstanden oft eine heitere Stunde, ein vertrauliches Wort dieser hier war ohne Geschwätz, das machte Eindruck und zog sie an, denn die wenigen Tage hier wollten erlebt und nicht verträumt werden. Berger schien der geeignete Partner dafür— weil man ihm leicht Lebewohl sagen konnte. Sie sah ihm wieder ins Gesicht.„Sie verstehen nicht viel von Frauen. Sonst müßten Sie wissen, daß es uns gerade jung erhält, immer wieder vergessen zu können.“ Schon so altklug. kleines Fräulein? Schade, dachte Berger, sie kann ein ganz lieber Kerl sein, warum will sie denn mehr sein? Schade——— Im übrigen hatte sie recht. Von Frauen verstand er nicht so viel wie von Stauwerken, Schleusen und Drainagen, und er hatte sich immer wohl dabei gefühlt. Er merkte es wohl, daß Renate ihn auszeichnete, und er plauderte gern mit ihr. Neunzehn lebhafte Jahre wirken immer erfrischend. Aber es war schwieriger, sich in den Gedankensprüngen eines jungen Mädchens zurecht zu finden als in den Launen der Natur, wenn der Schnee schmolz.... Merser mmehen tel, Und das Hochwasser kam. Berger wurden telephonisch fortgerufen. Im Ort wußte man außer vom Hörensagen noch nicht viel. Dann schwoll der Bach an, der sich hinter den Häusern vorbei schlängelte. Regen verschleierte die Aussicht. Als er aufgehört hatte, sahen die Berge schmutzig und unfreundlich aus. Die Wirte strengten sich an ein Schönheitswettbewerb, ein Ball, ein Film aber das half nun alles nicht mehr viel, die Gäste reisten ab, es war nichts mehr zu hoffen, man hatte Vergnügen gesucht und wollte nicht in Gefahr kommen. Und dann war es auch damit zu Ende. Das Hochwasser hatte die altersschwache Brücke der Eisenbahn fortgerissen, die Verbindung zur Hauptbahn unterbrochen. Die Landstraße war schon lange unwegbar. Mit Galgenhumor fanden sich die Zurückgebliebenen in die Lage. Auch die hübsche Renate Bing war noch da. Sie hatte ein paar ungebundene Tage verleben wollen. Wie kam es denn nur, daß es sie jetzt abstieß, wenn andere auch nicht mehr suchten? Sie hatte Angst— etwas fehlte ihr— sie dachte an die Einförmigkeit, in der sie wieder zurückfahren würde, ohne Erinnerung. Auch der, dessen tägliche Nähe ihr so gewohnt geworden, war ihren Händen entglitten. Es bedurfte gar keines Schnees, der etwas zuzudecken hatte. Mit dem ersten Zug, der über die vorläufig hergestellte Brücke fahren sollte, wollte Renate nach Hause. An der Haltestelle am Ufer gab es Aufenthalt. Man wollte den entgegenkommenden Zug vorbei lassen. Und in dem Wartesaal streckte sich Renate plötzlich eine Hand entgegen:„Nun rücken Sie auch aus, nicht wahr?" Das war Berger, gar nicht salonmäßig, sondern im Arbeitsanzug, vom Regen naß, aber mit einem frohen Gesicht. „Sind Sie nicht zuerst ausgerückt?“ Ohne Ueberlegen kam es von Renates Lippen. Und damit hatte sie plötzlich sehr viel gesagt. Aber Berger verstand vielleicht doch mehr von Frauen, als er zugab, denn er ließ die kleine Hand nicht los, und sagte:„Ich mußte arbeiten, hier an der Brücke, damit Renate Bing nach Hause fahren kann!" „So schnell wollten Sie mich los werden?“ Der Geoutteuraugung in Bedischiaus Die Menschen leben aber läuger. Der Preußische Staatsrat hatte in seinem letzten Sitzungsabschnitt einen Antrag angenommen, in dem auf den Geburtenrückgang in der erbgesunden Bevölkerung hingewiesen und dargelegt wird, daß die Aufwendungen für Menschen mit körperlichen oder geistigen Schäden eine solche Höhe erreicht haben, daß Vorsorge getroffen werden müsse. die hierfür aufgewendeten Kosten auf ein Maß herabzusetzen, das von einem so verarmten Volle, wie es das deutsche ist, noch getragen werden kann. Zur Begründung wurde auf statistisches Material Bezug genommen, das Aufklärung über den Geburtenrückgang in Deutschland gibt. Dieser Rückgang begann nach diesen Feststellungen schon um 1900. Er setzte sich trotz steigenden Wohlstandes stetig fort. Auf 1000 Menschen der Bevölkerung kamen 1900 noch 36 Lebendgeburten, 1913 nur noch 27 und 1929 nur noch knapp 18. In 30 Jahren war also ein Rückgang um die Hälfte eingetreten. Wenn die Bevölkerung noch immer wächst, so ist das der Seutung der Sterbeziffer zu verdanken. Sie betrug 1845 26 auf Tausend, 1929 nur 126 auf Tausend. Es zeigt sich darin der große Erfolg hygienischer und sozialer Maßnahmen. So starben nach den Feststellungen von Gottstein an Infektionskrankheiten von hunderttausend Lebenden 1881 in Deutschland 2602, im Jahre 1927 jedoch nur noch 1269. Die mittlere Lebensdauer betrug Ende des vorigen Jahrhunderts 35,5 bis 37,2 Jahre; heute beträgt sie 57,4 Jahre. Es wurden aber um 1810 knapp 33 Millionen Deutschen jährlich 1250000 Kinder geboren, während sich heute die Geburtenziffer bei 63 Millionen nur noch auf 1116000 stellt. Wenn man die Gebärleistung für Deutschland gleich hundert setzt, so beträgt sie in der Schweiz 101, in Schweden 102, in Belgien 108, in Frankreich 112, in der Tschechoslowakei 122, in den Niederlanden 149, in Italien 153, in Spanien 164, in Bulgarten 207, in Polen. In England entspricht das Ergebnis dem deutschen, Besondere Beachtung verdient es, daß in Berlin es heute gerade die Arbeiterviertel sind, die die geringste Geburtenhäusigkeit ausweisen. Wenn es sich hier auch noch um eine Ausnahme handelt, so ist die Tatsache doch bezeichnend für den Stand der Dinge. Im allgemeinen ist festzustellen, daß ohne die Bauern, Arbeiter und Handwerker heute die Geburtenziffer noch viel geringer wäre. Die Landbevölkerung als solche liegt noch 25 v. H. über der„Bestanderhaltungsziffer". Die Städte haben mit wachsender Größe wachsende Geburten=Fehlbeträge: die Kleinstädte 31 v H., die Großstädte 42 v. H., Berlin allein 57 v. H. Aus den statistischen Feststellungen geht hervor, daß wir heute viel zu viel Minderwertige haben, die täglich das Heer der Fürsorgeberechtigten vermehren, während die Zahl der Erbgesunden, der in jeder Arbeit Tüchtigen und der ethisch Zuverlässigen sichtlich zurückgeht. Es wird daraus der Schluß gezogen, daß eine starke Differenzierung in die gesamte Wohlfahrtspflege hineingetragen werden muß, wobei dahin zu streben ist, daß die zur Verfügung stehenden Mittel in erster Linie für vorbeugende Fürsorge zu verwenden sind. Angesichts der beschränkten Mittel. die heute für Fürsorge zur Versügung stehen, gilt es jetzt mehr denn je, daß die Erhaltung und Pflege gerade der erbgesunden Familie als Trägerin des Volkes der Zukunft immer mehr zur Aufgabe des Staats gemacht wird, da dem Volke nicht Nachwuchs schlechthin, sondern nur der Nachwuchs zum Heile gereichen kann, der wieder an Körper und Seele gesunde Geschlechter sicherstellt. Deutschlands Butterlieferanten EINFUHR JAN.- NOV. 1931 ZAMLEN 1000 dz DANEMARK POLEN Der Butterkrieg Für die Existenz der deutschen Landwirtschaft ist##terproduktion, hat sein Geld um 30 Prozent entdie Absatzmöglichkeit der sogenannten Verede= wertet. Die deutsche Regierung war schließlich lungsprodukte von großer Wichtigkeit. Seit lan=szum Schutz der heimischen Produktion gezwungen, gem kämpft die Landwirtschaft um einen ausrei=k die Butterzölle stark zu erböhen Unser Schau, chenden Schutz dieser Produkte vor der ausländischen Konkurrenz, die Geldentwertung in verschiedenen Ländern hat die Lage noch verschlimmert. Dänemark, unser größter Konkurrent in der Butzu erhohen. Unfer Schaubild gibt eine Uebersicht darüber, wie stark die einzelnen Länder an den Butterlieferungen nach Deutschland beteiligt sind. Warum sollte sie sich jetzt noch verstellen? „Nein. Sie fehlten mir, und ich ängstigte mich um Sie—“ Da sah Renate wieder wie damals aus dem Fenster auf die Berge, auf die überschwemmten Wiesen, auf angeschwemmten Schutt, und sagte leise:„Wie trostlos sieht alles aus, wenn der Schnee fort ist!“ „Das freut mich sehr, daß Sie das sagen.“ Und nun hielt er ihre Hand noch fester. Betroffen sah ihn das Mädchen an. Jetzt erst wurde ihr selbst bewußt, was diese Worte auf ihre Lippen gebracht hatte: Ja, trostlos war es, nun alles wieder vorüber. Aber auch das andere sah sie— sie hatte von Vergessen und Verbergen gesprochen, weil oft ein Abenteuer, ein Erlebnis lockte, und damals fühlte sie sich leicht und sicher dabei; aber war das, was sich unter dem Vergessen versteckte, nicht auch trostlos und häßlich?“ „Warum halten Sie mich denn so fest?“ fragte sie befangen. „Ich komme demnächst nach Berlin und möchte Sie wiedersehen. Darf ich das?“ Sie hatten kaum bemerkt, daß die anderen Todesurtell gegen einen Galtenmörder * Amberg(Oberpfalz), 27. Jan. Der 27jährige Gütler Michael Weigl aus Eichenhofen wurde wegen Gattenmordes zum Tode verurteilt. Weigl hatte nach seinem eigenen Geständnis im August vergangenen Jahres eine Portion Tollkirschen unter den Schwarzbeerenbrei, den es zum Abendessen gab, gemischt. Er achtete genau darauf, daß die Tollkirschen nur an der Seite der Schüssel waren, an der seine Frau aß. Weigl aß dann mit ihr aus der gleichen Schüssel, sie die vergifteten Schwarz= beeren, er die unvergifteten. Die Frau starb in der folgenden Nacht. Er ließ sich 76 mal scheidenK. Es ist kein Filmstar und kein Millionän, und er wohnt auch nicht in Amerika, der Mann, der die meisten Ehescheidungen durchgemacht hat. Diesen Rekord hält vielmehr der König Ibn Saud, der Beherrscher das Jrak. Nach dem Gesetz der Wahabiten, einer besonders strengen mohammedaniFahrgäste schon alle eingestiegen waren. Jetzt schen Sekte, steht dem Ehemann das Recht zu, sich sprang Renate auf, knöpfte ihren Mantel zu. Das durch bloße Erklärung von seiner Frau zu trenLäutewerk ertönte.„Es ist die höchste Zeit,“ sagte nen. Und dieses höchst einfache Verfahren hat der sie dann. Araberfürst in nicht weniger als 76 Fällen angewandt. Es muß also doch recht schwierig sein, in jenen Gefilden, die durch tausendundeine Nacht beBerger sah nach der Uhr.„Noch drei Minuten.“ Da blieb das Mädchen vor ihm stehen, hatte ganz lachende Augen und einen ganz neuen Klang ruymt wurden, eine passende Frau zu sinden. von Innigkeit in der Stimme:„Nein, ich meine doch— daß Du das gesagt hast... Wintertemperaturen und Frühlingscrise Deutsche Kälteinseln— Der Golfstrom wird kätter Die Frühlingskrise ist klimatisch Von Dr. Paul Brasch. Der meteorologische Winter währt in Deutschland vom 1. Dezember bis zum 28. Februar. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, daß während dieser Zeit die Temperaturen im östlichen Ostpreußen. im Memelgebiet sowie in der Gegend der masurischen Seen und auf den höchsten Erhebungen unserer Gebirge, des Erzgebirges, der Bayrischen Alpen(die Zugspitze wein darüber hinaus zehn Monate lang eine mittlere Temperatur unter 0 Grad auf), des Schwarzwaldes(Feldberg) und der Vogesen(Großer Belchen) im allgemeinen unter 0 Grad liegen. Dazu gehören in der Regel noch der Kamm des Thürluger Waldes sowie der Oberharzt mit dem Brockengebiet. Gebiete, in denen nur ein bis zwei Monate lang Kältegrade gemessen werden. sind die Küste von Hela bis Rügen, das Flachland zwischen Elbe und Oder(ausgenommen die wärmere Unterelbe). Teile von Hessen=Nassau und des Westerwaldes sowie von Sachsen und die Umgebung des Bodensees mit Ausnahme von Lindau. In der Oeffentlichkeit wenig bekannt dürfte die Tatsache sein. daß, wie Professor Gustau Schwalbe kürzlich im Rahmen seiner Untersuchungen über die Wintertemperaturen in Deutschland feststellte, es bei uns besonders ausgevrägte Kälteinseln gibt, die sich im Teutoburger Wald, im Tannus, im Odenwald, im Hunsrück, in der Eifel und den Vogesen nachweisen lassen. Ihr Vorhandensein konnte erst teilweise durch eiszeitliche Forschungsergebnisse erklärt werden. Man weiß beispielsmeise heute, daß die Bedeutung der diluvialen Ablagerungen in den Randgebieten der großen nordischen Vereisung vor allem in der Verquikkung von Ablagerungen des nordischen Eises mit denen der von Süden kommenden Flüsse zu suchen ist. So weist das nordische Harzvorland zwei deutlich erkennbare Eisbedeckungen auf, von denen die erste den ganzen Unterharz überzog Beide Decken sind durch die sogenannte„Hauptterrasse" aetrennt, während Reste einer wesentlich älteren Terrasse im westlichen Teile des Harzer Vorlandes zur Annahme einer vierten, mithin ältesten Eiszeit berechtigen. Wenn man sich der Ansicht führender skandinavischer Meteorologen anschließen will, so gehen wir vielleicht wieder einer großen nordischen Vereisungsverivde entgegen. Der jüngst veröffentlichte Bericht einer schwedischen Golfstrom=Expedition unter Leitung des Direktors des Meteorologischen Instituts in Stockholm, Professor Sandströms läßt jedenfalls einen solchen Schluß zu. Bei Florida hat der Golfstrom noch seine normale Temperatur von 26 Grad Celsius, er kühlt sich aber, je mehr er sich unseren Breitengraden nähert, bereits bis auf 12 Grad ab! Durch seine Einwirkung verfügen heute noch die skandinavischen Länder über einen Wärmeüberschuß von 10 Grad Celsius; hört diese Einwirkung aber einmal auf — gewisse Anzeichen deuten darauf hin—, wodurch klimatische Veränderungen von größter Tragweite entstehen, so kann mit einer neuen Eiszeit in Nordeuropa gerechnet werden. Es würde sich dann die Frage erheben, ob beispielsweise der größere Teil Skandinaviens überhaupt noch für die Kulturmenschheit bewohnbar wäre. Sind doch weder die tropischen noch die polaren Zonen als Gebiete mit hoher Kultur und Zivilisation anzusprechen. während gerade die Gebiete der gemäßigten Breiten zu beiden Seiten des Atlantischen und Pazifischen Ozeans, in denen ein ununterbrochener Austausch polarer und tropischer Luftmassen stattfindet, Stätten größter menschlicher Lebensintensität darstellen. In welchem Maße gerade der Mensch von klimatischen Verhältnissen abhängig ist, beweist insbesondere das regelmäßige Auftreten der sogenannten„Frühlingskrise“. In den Alpenländern fallen gemäß statistischen Ermittlungen beim Auftreten des Föhnwindes im Vorfrühling die Leistungen von Fabrikarbeitern und Schulkindern. In Italien gilt der Scirocco, ein im Frühjahr besonders heftig wehender Südwind, sogar als Strafmilderungsgrund bei Verbrechen, wie ja überhaupt das Gefühlsleben und die Arbeitskraft (Frühjahrsmüdigkeit) des aus winterlichem Bann sich befreienden Menschen im Frühjahr erwiesenermaßen mancherlei Veränderungen unterworsen sind. 700000 Fische durchqueren die Wüste Die ägyptische Regierung geht mit Tatkraft au die Aufgabe, die Fischzucht im Gebiet des oberen Nils zu heben. Sie scheut keine Kosten, um aus den Küstenregionen Wassertiere in das Quelbgebiet des Riesenflusses zu befördern. Immerhin erregte es doch einiges Aufsehen, als kürzlich 700000 Fische von Alexandria aus in Tanks die einige tausend Kilometer lange Reise durch die Wüste antraten. Da dürften die über jegliche Erdenweisheit hoch erhabenen Sphinxe wohl doch gestaunt haben! Die Goethe=Halle für die Jahrhu ndertseiern in Weimar Die Stadt Weimar hat diese Goethe=Halle errichten lassen, die ausschließlich für Festlichkeiten anläßlich des Goethe=Jahres bestimmt ist. Hier werden sich im März die Geistesvertreter der ganzen Welt treffen, um die Reichsge dächtnisfeier für den Dichterfürsten zu begehen. Die Halle besitzt außerdem noch eine eigene Bühne, auf der mehrere Stücke Goethes aufgeführt werden sollen. Fischfang auf der Elbe auch im Winter Eine hervorragende Aufnahme vom Fischfang auf der Elbe, der auch im Winter nicht aussetzt * v Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. 1— 1— Eine Woche vor der Abrüstungskonferenz: neue Luftrüstungen In Frankreich hat man jetzt— vor Beginn der Weltabrüstungskonferenz— das neue Luftflottenbauprogramm fertiggestellt, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Es sind Bombenflugzeuge von ganz neuem Typ vorgesehen. Das erste dieser Flugzeuge ist schon fertig und wird in den nächsten Tagen in Dienst gestellt. Wir zeigen hier eine kürzlich fertiggestellte französische Kampfmaschine, die bei einer Besatzung von vier Mann drei Zwillingsmaschinengewehre und zehn Bombenwerfer zu je 50 Kilogramm Sprengstoff an Bord hat. Die Maschine entwickelt eine Stundengeschwindigkeit von 270 Stundenkilometern und hat einen Aktionsradius von 650 Kilometern * Was bringt der Kundsunk? Samstag, den 39. Jannar* 6.45—7,00 Leibesübungen. 700 Wettervorhersage und Zeitangabe 7,05—8,00 Morgenkonzert. 8,00 Wiederholung der Wettervorbersage 9.00—9,40 Zur Methodik des Buchführungsunterrichts an kaufmännischen Berufs= und Handelsschulen. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserkandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsemo. sang für Arbeitslose. 11,20—12,00 Schulfunk. 12,35 Funkwerbung mit Schallplatten. 12,.50 Wetterbericht. 12,55 Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 14,05—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Wolf. I. Ouverture zur Oper„Die weiße Dame“ von Boieldien, 2. Die Quelle, Ballettsuite von Delibes. 3. Melodien aus der Oper„Jolanthe“ von Tschaikowsky, 4. Auf stillem Waldespfad von Strauß. 5. Deutsche Tänze von Schubert. 6. Fasching, heitere Suite von Schmalstich. 7. Immer Paris. Walzer von Waldteufel. 14,35—15,25 Wochenend=Konzert. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,.50—16,20 Kinderstunde. 16,20—16,40 Frauenstunde. 16,40—17,00 Englisch. 17,00—18,00 Vesperkonzert. Irma Drummer(Alt), Josef Schwan(Klavier), Begleitung: Egbert Grape. 18,10—18,85 Die Welt im Buch. 18,40—19.00 Der junge Mensch. 19.16—19,25 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,16—19,25 Zehn Minuten Bezirksfunkhilfe. 19,30—19.55 Der westdeutsche Wirtschaftsraum. 19.55 Erste Abendmeldungen. 20.00 Uebertragung von Radio Wien: Reichssendung: Sinsonie aus Oesterreich. Eine Hörfolge in vier Sätzen. Auschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Rädlische Bühnen Wapperial Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt. Neustraße Barmen Freitag, 29. Jan., 7,30 bis 10,15 Uhr: Vorstellung für die Schulverwaltung: Die Zauberflöte. Oper von Mozart. Kein Kartenverkauf. Samstag 30. Jan., 8 bis 10 Uhr: Nina, der Filmkar. Komödie von Bruno Frank. Preise 1. Bonntag, 31. Jan., 7,30 bis 10,15 Uhr: Cavalleria rustiana. Der Bajazzo. Preise 2. Kirchliche Nachrichten Sonntag, den 31. Jannar 1932(Sexagesimae). Schwelm. Christuskirche. Vorm. 10 Uhr: Herr Pastor Vesvermann. Pauluskirche. Abends 6 Uhr: Herr Pastor Becker. Freie evangelische Gemeinde, Kaiserstraße 36a. Vorm, 9.30 Uhr: Erbauungskunde.— 11 Uhr: Sonntagsschule.— Abends 8 Uhr: Predigt.— Donnerstag, abends 8.30 Uhr: Gebetstunde. Voerde. Vorm. 10 Uhr in der Kirche: Herr Pastor Knipp.— 10 Uhr in der Kapelle zu Altenvoerde: Herr Pastor Liz. Mittring.— 10 Uhr) in der Schule zu Haspetal: Herr Pastor Dr. Siekermann.— Vorm. 10 Uhr: Gebetsstunde für junge Männer im Vereinshaus. Gevelsberg. Vorm. 9.30 Uhr in der Kirche Oberstadt: Herr Pastor Auf der Heide aus Barmen (Jahresfest des BlauenKreuzes).— 9,30 Uhr in der Kirche Haufe: Herr Pastor Köhne.— 9.30 Uhr in der Kirche Vogelsang: Herr Pastor Boeddinghaus. Milsve. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Staupendahl(Erziehungspredigt:„Jesus und unsere Kinder"). Langerfeld. Alte Kirche. Vormittags 8,.30 Uhr: Herr Pastor Dannert, Nächstebreck. Kreuz= Kirche. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Altenpohl. Gemeindebaus Beckacker. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Lohmann. Gemeindehaus Pülsöhde. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Dannert, Nächstebreck. Nächstebreck. Vormittags 10 Uhr: Gottesdienst. Herr Pastor Spelmeyer, Münster. Rüggeberg. Vormittags 10 Uhr: Herr Pastor Wulfhorst. Haßlinghausen. Vormittags 10 Uhr: Herr Superintendent Sassenberg. * Katholischer Gottesdienst Schwelm. 6,30 Uhr hl. Messe. 7,30 Uhr hl. Messe mit Predigt. 9 Uhr Kindermesse. 10 Uhr Hochamt. 11 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. 2.30 Uhr Andacht für die Kinder. 5 Uhr Abendandacht. Langerfeld. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachm. 2.30 Uhr Andacht. Milspe. 7,30 Uhr Frühmesse. 10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachm. 2.30 Uhr Andacht. Gevelsberg. 7 Uhr stille hl. Messe. 8.15 Uhr Frühmesse. 9,30 Uhr Hochamt mit Predigt. 10.45 Uhr Singmesse mit Predigt. Nachm. 2.30 Uhr: Andacht. Voerde. 7,45 Uhr Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachm. 2,.30 Uhr Andacht. 194 Sender in Europa Die Rundfunkhörer nach Berufsgruppen Auf Grund der bei den Postanstalten vorhaudenen Rundsunkstammkarten ist es möglich, sich ein genaues Bild der Verteilung der Rundsunkteilnehmer auf die einzelnen Berufs= und Erwerbsgruppen der Bevölkerung zu machen. Das größte Kontingent der Rundfunkhörer stellen nach dieser Uebersicht die selbständigen Erwerbstätigen mit rund 30 v. H. der Gesamtheit. In welchem Maße der Rundsunk Gemeingut der breitesten Schichten des Volkes geworden ist, geht daraus hervor, daß bereits an zweiter Stelle der auf Arbeiter entfallende Anteil mit 25.6 Prozent folgt. Auf Angestellte entfallen 22 Prozent der gesamten Hörerschar; weiter schließen sich an Beamte. Militärpersonen und Lehrer mit 13.5 Prozent; der Rest entfällt auf Personen ohne Beruf oder Berufsangabe(8,9 Prozent). In diesem Jahre werden in Europa nicht weniger als 194 Rundfunksender in Betrieb sein— davon im Deutschen Reich 29, in Schweden 28, in Frankreich 23, in England 18, in Norwegen 12. Allerlei Wissenswertes * Reichs=Ausstellung für das deutsche Konditorgewerbe. In der Zeit vom 28. Mai bis 8. Juni 1932 wird in den Essener Ausstellungshallen auf Grund Beschlusses des Bundestages eine Reichsausstellllung für das deutsche Konditorgewerbe stattfinden, mit deren Durchführung die Konditoren=Innung Essen betraut worden ist. * Der Waldbesitzer hat unter der augenblicklichen Wirtschaftskrise sehr zu leiden. Der Holzverkauf bringt infolge der niedrigen Holzpreise die Kulturkosten, welche sich vorwiegend aus Arbeitslohn zusammensetzen, zumeist nicht mehr auf. Die planmäßig vorgesehenen Aufforstungen und Arbeiten im Interesse der Erhaltung des Waldbestandes können daher vielfach nicht mehr ausgeführt werden, weil die erforderlichen Mittel hierzu fehlen. Auch öffentliche Mittel stehen hierfür leider nicht mehr zur Verfügung. Der Ruhrsiedlungsverband hat nunmehr durch Verhandlungen mit dem Landesarbeitsamt erreicht, daß auch im Verbandsgebiet die Kulturarbeiten im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes ausgeführt werden können, da die Arbeiten im öffentlichen Interesse liegen und zusätzlichen Charakter tragen. Das bedeutet für die Waldbesitzer eine große Erleichterung, da hierdurch die erheblichen Kosten für den Arbeitslohn fortfallen. Hinzu kommt noch, daß die Pflanzenpreise, bedingt durch die allgemeine Wirtschaftslage, ganz erheblich gesenkt sind. Wenn man weiter berücksichtigt, daß der Siedlungsverband den Waldbesitzern außerdem noch das an sich billige Pflanzenmaterial zu erheblichen Vorzugspreisen liefert, so dürfte den Waldbesitzern Gelegenheit gegeben sein. die erforderlichen Waldarbeiten auszuführen. Es ist nun Sache der Waldbesitzer, sich dieserhalb an die zuständige Gemeinde zu wenden, welche im Benehmen mit dem zuständigen Arbeits. amt und dem Forstsachverständigen das Erforderliche veranlassen wird. der neue Jumper wird über und unter dem Rock getragen S 1680. Die neue Form der Strick bluse, die wie ein Herrenpullover mit einem enggestrickten Rand knapp über dem Rock sitzt. Das Armelchen st in Kimonoform angestrickt und leicht gepufft. Weißes Krägelchen 8 1678. Eine in lockerem Gewebe gestrickte Bluse, die kurz ist und wie die erste knapp unter der Taile mit einem festgestrickten Rand abschließt, der über und unter dem Rock getragen werden kann 8 1679. Auch diese dritte Bluse hat denselben engen Strickrand als Taillenabschluß, der über und unter dem Rock getragen werden kann. Eine gute Figur macht die in Spitzentechnik gestrickte spitze Passe 8 1684. Ein langer, eng über den Hüften anliegender Jumper, den man ausschließlich über dem Rock mit einem Ledergürtel in der Taille trägt. Der Jumper wirkt durch gut zusammengestellte Zweisarbigtett Is gibt eine neue Mode, die alle Vorzüge in sich vereinigt: sie ist kleidsam. sie ist billig, sie ist sehr brauchbar und vielseitig, und sie ist eine alte Liebe in neuer Form — der Jumper. Nicht nur die Form ist neu, vor allem auch die Konsistenz, das Material, das Gewicht. Ein Jumper ist heute eine keine Kleinigkeit, die man mit der Hand bedecken und in die Tasche stecken, die man halbdutzendweise in ein kleines Kästchen packen kann, dessen Gewicht man dann trotzdem nicht spürt. Dabei ist er handgestrickt, aber aus ganz feiner Wolle in einer luftigen Technik, die wie Spitze oder Durchbrucharbeit wirkt. Zur Gewichtlosigkeit trägt ferner bei, daß die Form sehr knapp und kurz ist, kaum über die Taille reichend und hier mit einem handbreiten, fest gestrickten Rand eng anschließend. Durch diesen festen Rand in der Taille bekommt der sonst anliegend gearbeitete Jumper ein ganz klein wenig blusige Weite. Trägt man ihn über dem Rock, so deckt er gerade den Rockansatz und erinnert in seiner legeren, aber doch knappen Form an den Sportpullover des Herrn. Eingesteckt getragen wirkt er wie ein duftiges kleines Blüschen, anspruchslos, auswechselbar, besonders hübsch auch unter dem Trägerrock, der wieder viel getragen wird, sehr tief aus. geschnitten ist und deshalb viel von der Bluse sehen läßt. Die über die Schulter geführten Träger machen, wenn sie gut geschnitten sind, schlank und der Taillenansatz, der bei vielen Frauen keine Betonung verträgt, wird kaschiert. Das Blüschen darunter hat oft ein kurzes Armelchen, denn das paßt gut zu dem kindlich schlichten Stil dieses Anzuges. Ein zweite Form des neuen Jumpers ist länger, reicht über die Hüften und wird mit einem Ledergürtel in der Taille über dem Rock getragen. Zweifellos ist dies eine Form, die angezogener und eleganter wirkt als die erste. Man führt diese Art des Jumpers gern in zwei lebhaften, stark kontrastierenden Farben aus, der Unterärmel und eine Passe, die die Schultern betont, sind abstechend zum Grundton. Bei der Farbkombination muß der Rock beachtet werden, der, wenn das Ganze einheitlich sein soll, mit einer der beiden Farben übereinstimmen muß. Reddy Hedenk. Su allen(Modellen(Ullstein-Ochnittmuster unter den hie ier angegebenen Ulur mmern in großen Jlaufhat s 25 V — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V.