Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Angemeiner kreisanzeiger Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichsmark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwelm Nenstraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Fernruf Ur. 2018.— Oostscheckkonto Hannover 76913.— Für unverlangt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. Betriebsstörungen oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. ur den Ennepe=Kahr nreis Schideiner Radlanzeiger Mit den Beilagen: Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Knzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm breit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig; im Zeklameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabett, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Geschaftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Nummer 15 Erstes Blakt Dienstag, den 19. Januar 1932 103 Jahrgang Eine neue Zollnotverordnung TU. Berlin, 19. Jan. Durch Verordnung des Reichspräsidenten tritt mit dem heutigen Tage eine Verordnung in Kraft, die außerordentliche Zollmaßnahmen im Falle dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses vorsieht bei Ländern, deren Währung unter die Goldparität gesunken ist und bei Ländern, die die deutschen Waren ungünstig behandeln oder mit denen Deutschland in keinem Handelsvertragsverhältnis steht. In allen diesen Fällen können erhöhte Zollsätze erhoben werden. Absage der Wirtschaftspartei an den Jungdo * Berlin, 18. Jan. Wie die Pressestelle der Wirtschaftspartei mitteilt, hat der Vorsitzende der Partei, Reichsjustizminister a. D. Professor Dr. Bredt, dem Jungdeutschen Orden auf sein Ersuchen um Unterstützung des von dieser Orgaaisation eingeleiteten Volksbegehrens mitgeteilt, der Vorschlag des Jungdeutschen Ordens scheine nicht empfehlenswert zu sein; es sei einfacher, den in der Reichsversassung vorgesehenen Weg der Volkswahlen zu beschreiten. Feuerüberfall auf Nationalsozialisten— Zwei Tote, sieben Verletzte * Berlin 19. Januar. Wie die Polizei mitteilt, wurde am Montag gegen Mitternacht in BerlinReinickendorf ein Trupp Nationalsozialisten aus dem Hinterhalt beschossen. Zwei Nationalsozialisten wurden getötet und sieben verletzt. 50 Personen wurden in Haft genommen. Die Bevölkerungsabnahme Berlius * Berlin, 18. Jan. Nach den Feststellungen des Statistischen Amtes der Stadt Berlin ergibt sich für das Jahr 1931 eine Abnahme der Bevölkerung der Reichshauptstadt um 48721 Personen, die sich aus einem Sterbeüberschuß von 10 74 und einem Wanderungsverlust von 33.007 zusammensetzt. Am 1 Januar 1932 zählte Berlin 4288314 Einwohner. Doppelt so viel Akademiker wie vor dem Kriege * Berlin, 18. Januar. Nach der Deutschen Hochschulstatistik hat sich die Zahl der Hochschulstudierenden in Deutschland gegenüber der Zahl der Vorkriegszeit verdoppelt. Es entfielen auf 100 000 Einwohner im Jahre 1911 100,4 Akademiker, 1914 106,4, 1925 126, 9, 1926 134,4, 1927 1483, 1928 164,2, 1929 180,9, 1930 192,7, 1931 200 5. Geschlossener Uebertritt zur DRBP. * Berlin, 18. Jan. Der erweiterte Vorstand der Christlich=Nationalen Bauern= und Landvolkpartei in Waldeck hat beschlossen, die Parteiorganisation aufzulösen und geschlossen zur Deutschnationalen Volkspartei überzutreten. Bis zur Aufnahme Waldecks in Preußen war die Landvolkpartei die weitaus stärkste Partei des Landes Waldeck, die in dem dortigen Landtag fast die absolute Mehrheit besaß. Der„Tecklenburger Landbote“ verboten * Lengerich, 18. Januar. Der Oberpräsident in Münster hat den im Verlag„Papierindustrie G. m. b. H.“ in Lengerich(Westf.) erscheinenden„Tecklenburger Landboten“ auf die Dauer von vier Wochen verboten. Es liegen verschiedene Artikel vor, u. a. auch einer, der sich mit der Hindenburgrede im Rundfunk am Silvesterabend befaßt. In diesen Ausführungen ist eine böswillige Verächtlichmachung des Herrn Reichspräsidenten im Sinne des§ 1 Abs. 1, Ziff. 2 der Notverordnung vom 28. März 1931 zu erblicken. Vor einer Entwaffnungsaktion in Oesterreich? * Wien, 18. Jan. Der„Morgen“ veröffentlicht eine Erklärung des Innenministers Winkler, in der dieser es als das Gebot der Stunde bezeichnet, sofortige Maßnahmen zur Entwaffnung im Innern zu treffen. Er werde in Kürze die verfassungsmäßigen Faktoren damit befassen. Die Regierung werde bei diesen Maßnahmen zur inneren Abrüstung streng unparteiisch vorgehen. Komplott gegen die vortugiesische Regierung * Paris, 19. Jan. Nach einer Meldung aus Lissabon sind in den beiden letzten Tagen gegen 50 Personen, die verdächtig sind, an einem Komplott gegen die Regierung teilgenommen zu haben, festgenommen worden. Gegenwärtig herrscht in Lissabon völlige Ruhe, doch ständen Truppen alarmbereit. Amerikanischer Gesandter mißhandelt * Berlin, 19. Jan. Der Gesandte der Vereinigten Staaten wurde, nach einer Meldung Berliner Blätter aus Addis Abeba auf der Straße mißhandelt. Der Vorfall spielte sich folgendermaßen ab: Das Automobil des Gesandten fuhr einer Abessinierin über den Fuß, wobei sie leicht verletzt wurde. Der Gesandte stieg aus, um sich der Verletzten anzunehmen, als ein Polizist eingriff und den Chauffeur verhaftete. Der Gesandte protestierte, und es kam zu einem Wortwechsel, der unter Beteiligung weiterer Polizisten in ein Handgemenge ausartete, in dessen Verlauf der Gesandte zu Boden geworfen wurde. Gäglisch seanzosische Eiingung ader die Verlangeraug des Teivul=Moratdelams bis 1. Juli 1933? TU. London, 19. Jan. Der englische Außenminister hat, wie der diplomatische Mitarbeiter des Daily Telegraph bestätigt, der Reichsregierung vorgeschlagen, das Tribut=Moratorium bis zum 1. Juli 1933 zu verlängern. Pertinax meldet ergänzend, man müsse abwarten, ob die RReichsregierung diese Lösung annehmen werde, auf die sich die englische und französische Regierung schon annähernd geeinigt hätten. Gegebenenfalls würde die Konferenz von Lausanne nicht stattfinden. Sollte aber die Reichsregierung eigene Vorschläge machen wollen, so werde die Konferenz abgehalten werden müssen. „Der einzig mögliche Aasweg“ * In London bezeichnet man jetzt die Verlängerung des Hoover=Moratoriums um etwa ein halbes Jahr als den einzigen Ausweg aus der Sackgasse, in die die vorbereitenden englisch=französischen Verhandlungen geraten sind. Selbst englische Blätter, die für die Notwendigkeiten Deutschlands sonst einiges Verständnis aufzubringen pflegen, wissen sich keinen anderen Rat als diesen. Hervorgerufen ist diese wenig angenehme Wendung in den französisch=englischen Besprechungen durch die behairliche Weigerung Frankreichs, seine Hand für irgend eine durchgreifende Lösung zu bieten. Wir müssen dagegen feststellen, daß jede sogenannte Zwischenlösung vom deutschen Skandpunkte aus unbrauchbar undschlecht ist. Wir berufen uns dabei auf die Sachverständigenberichte, aus denen zweifelsfrei hervorgeht, daß es mit Zwischenlösungen jetzt nicht mehr getan ist und daß sofortige und durchgreifende Maßnahmen mit dem Ziele der Endlösung ergriffen werden müssen, wenn das weltwirtschaftliche Vertrauen wiederhergestellt werden soll, das bekanntlich in erster Linie durch das System der politischen Zahlungen untergraben worden ist. Der Reichskanzler wird, falls die Lausanner Konferenz doch noch zustande kommt, die Aufgabe haben, diesen Standpunkt Deutschlands dort mit allem Nachdruck zu vertreten und die Erklärung zu wiederholen, daß die Wiederaufnahme der politischen Zahlungen für Deutschland überhaupt nicht mehr in Frage kommen kann. Allerdings scheint es noch gar nicht so sicher, daß der Kanzler in Ouchy die Gelegenheit haben wird, diese Erklärung vor den dort versammelten Staatsmännern abzugeben. Denn die Franzosen haben bisher noch nicht ihre Teilnahme an der Lausanner Konferenz zugesagt. Bekanntlich macht sich seit der Veröffentlichung der Brüningschen Erklärung über die Unmöglichkeit weiterer deutscher Tributzahlungen in Paris eine starke Strömung geltend, die eine Verschiebung der Tributkonferenz befürwortet, bis unter den Gläubigerstaaten eine Einigung über das weitere Vorgehen gegenüber Deutschland erzielt ist. Davon sind aber diese Mächte bisher noch sehr weit entfernt, besonders nachdem Mussolini sich mit erfreulich entschiedenen Worten gegen die Fortsetzung dieses Wahnsinnssystems ausgesprochen hat. In England allerdings scheint man sich über die weiter zu verfolgende Linie der Tributpolitik noch nicht völlig im klaren zu sein. Der in der Pariser Presseerörterte neue französische Tributplan erscheint vom deutschen Standpunkt aus völlig unannehmbar. Davon ist bisher soviel bekannt geworden, daß für die geschützten Annuitäten ein Aufschub— nicht also eine Streichung — für zwei Jahre gewährt werden soll. Um die ungeschützten Tributzahlungen, auf die Frankreich bekanntlich nun und nimmer verzichten will. hereinzubekommen, sollen Obligationen der Deutschen Reichsbahn ausgegeben werden, die eine Gesamtverzinsung von 660 Millionen Mark jährlich ergeben und die vom 1. Juli 1934 ab verzinst werden sollen. Dieser Plan ist nicht nur politisch unannehmbar, sondern auch alus rein wirtschaftlichen Erwägungen zu verwerfen. Denn ein Verkehrsunternehmen wie es die Deutsche Reichsbahn darstellt, kann in der heutigen Zeit der verkehrstechnischen Entwicklung nicht mehr als ein geeignetes Ausbeutungsobjekt bezeichnet werden. Es war schon eine äußerst bedenkliche Begleiterscheinung des HooverMoratoriums, daß die Deutsche Reichsbahn, die eine wirtschaftliche Erholung dringend notwendig hat, nicht an den Erleichterungen dieser Regelung entsprechend bebeiligt worden ist. Sie hat zwar für ihre Kassenlage eine Atempause erhalten, aber für ihre Vermögensrechnung bedeutet das HooverFeierjahr eine Neubelastung von mehr als einer halben Milliarde Mark. Wenn der französische Plan den Ausgabe neuer Reichsbahnobligationen durchgeführt würde, dann würde dies nicht nur eine dauernde finanzielle Versklavung der Reichsbahn bedeuten, sondern dieses Unternehmen würde auch in seiner wirtschaftlichen Ertragfähigkeit auf das Ernsteste bedroht werden. Denn die deutschen Eisenbahnen sind heute darauf angewiesen, sich mit ihrer Tarifgestaltung rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten enzupassen, da das faktische Verkehrsmonopol, das sie früher einmal in erheblichem Umsange besaßen, inzwischen aufgehört hat, weil die technische Entwicklung durch die Einbeziehung der Landstraße in den Fernverkehr ganz neue Perspektiven eröffnet hat. Deshalbistdieser französische Plan, den die Weiterzahlung der ungeschützten Annuitäten sicherstellen soll, aus politischen und wirtschaftlichen Gründen gleich unannehmbar. Französische Anfrage in Amerika wegen einer Verlängerung des Zahlungsaufschubes * Newyork, 18. Jan. Die französische Regierung hat nach einer Meldung der Zeitung„American“ den Präsidenten Hoover und das Staatsdepartement um eine amtliche Stellungnahme zur Frage einer Verlängerung des Zahlungsaufschubes ersucht. Den Bescheid der amerikanischen Regierung wird wahrscheinlich Botschafter Dawes auf der Fahrt zur Abrüstungskonferenz in Paris übermitteln. Der deichsgeandungslag Eine nede des Reichsinnenministers Dr. Groener * Berlin, 18. Jan. Zum Gedenken der heute vor 18 Jahren erfolgten Gründung des Deutschen Reiches wurde Montag abend durch den deutschen Rundfunk eine feierliche Veranstaltung übermittelt, in deren Verlauf Reichsinnenminister Dr. Groener sprach. Wieder, so sagte der Minister u. a., kämpft das deutsche Volk um seine Rettung aus tiefer Not, um seinen Wiederaufstieg als große Nation. Dabei stehen weniger die materiellen Güter auf dem Spiele, als vielmehr die geistigen und moralischen Kräfte. Eine geistige Wiedergeburt aber kommt nicht von ungefähr und nicht von außen. Die Wurzeln dieser Erneuerung liegen in der Vergangenheit. In der Pflege der geistigen Errungenschaften unseres Volkes liegt die Voraussetzung für unsere Rettung und für den nationalen Wiederaufstieg. Der Redner erinnerte an die am 18. Januar 1871 erolgte Vollendung der Neugründung des Reiches. Zwei hehre Gestalten, erklärte er, ragen aus dem Bilde von dem Versailles von 1871 hervor Bismarck und sein königlicher Herr, Wilhelm 1. Dieser historischen Gestalten heute zu gedenken, ist ein Gebot vaterländischer Pflicht. Durch diese beiden Persönlichkeiten ist die Einheit des deutschen Volkes verwirklicht worden. Doch welch ein Unterschied zwischen damals und heute! Im gleichen Spiegelsaale von Versailles wurde uns 1919 jener Vertrag aufgezwungen, dessen politische und wirtschaftliche Ungerechtigkeit und Unvernunft nicht nur für unsere beispiellose Notlage, sondern auch die der ganzen Welt verantwortlich sind. Und doch konnte die demütigende Szeue vom 28. Juni 1919 dem Einigungswerk vom 18. Januar 1871 nichts anhaben. Das Band, das die Reichsgründung um das deutsche Volk geschlungen, war für das zweite Versailles unzerreißbar. Erhobenen Hauptes dürfen wir daher trotz allem Widrigen der Gegenwart des Reichsgründungstages gedenken. Was schwer errungen, hatte in sich die Kraft des Bestandes. Die Einheit des Reiches überstand die Schrecknisse des Weltkrieges, das Elend des Zusammenbruchs, den Wandel von der Monarchie zur Republik, den Krieg im Frieden, den der Ruhrkampf bedeutete. Wo die Einheit des Reiches auf dem Spiele stand, da gab es keine Parteien. Breitscheids Sonderdiplomatie Immer, wenn große außenpolitische Entscheidungen bevorstehen, macht sich die Geschäftigkeit der sozialdemokratischen Privatdiplomatie unangenehm bemerkban. Anscheinend haben die sozialdemokratischen Führer sich diesmal nicht die ausländischen Hauptstädte zum Feld ihrer Tätigkeit ausgesucht, sondern sie beschränken sich darauf, der Reichsregierung im Lande selbst Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Das ist wenigstens der Erfolg der Rede. die der sozialdemokratische Fraktionsführer Dr. Breitscheid am Samstag in Berlin gehalten hat. Breitscheid wandte sich dagegen, daß die amtliche deutsche Außenpolitik dem Ziele der deutschen Wehrfreiheit zusteuert. Nicht die deutsche Wehrfreiheit ist nach dieser sozialdemokratischen Meinung zu erstreben, sondern die Wehrbeschränkung der anderen Mächte. Wer aus den Erfahrungen der vorbereitenden Abrüstungsverhandlungen noch nicht gelernt hat, daß es eine Illusion ist, von der bevorstehenden Abrüstungskonferenz für Deutschland brauchbare Ergebnisse im Sinne der allgemeinen Rüstungsbeschränkung und des Ausgleichs der vorhandenen Rüstungsungleichheit zu erwarten, dem ist nicht zu helfen. Offenbar aber gehört Herr Breitscheid, der außenpolitische Wortführer der SPD., zu jenen beneidenswerten Menschen, die sich bis in ihr hohes Alter hinein eine kindliche Illusionsfähigkeit bewahren. Dies könnte seine Privatangelegenheit sein, wenn es sich um den Führer einer Partei handelt, auf deren Mitwirkung die derzeitige Reichsregierung parlamentarisch angewiesen ist. Herr Brüning ist um solche Stützen seiner Politik nicht zu beneiden. Denn er braucht für die schweren außenpolitischen Entscheidungen, die er jetzt durchkämpfen will, hinter sich ein deutsches Volk, das genau weiß, um welchen Preis hier gesochten wird. Pazifistische Entschließungen von Frauen=Ligen undähnlichen Gremien sind zweifellos nicht geeignet, in unserem Volke die Erkenntnis für die harten außenpolitischen Notwendigkeiten zu erwecken. Die Franzosen haben durch die Benennung ihrer Delegation für die Genfer Abrüstungsverhandlungen dem deutschen Pazifismus bereits die richtige Antwort gegeben. Ausgerechnet Herr Tardieu, der neue französische Kriegsminister, ist zum Delegationsführer bestimmt worden. Herr Tardien hat sich um sein Vaterland dadurch ein Verdienst erworben, daß er auf den Londoner Flottenverhandlungen durch eine geschickte Taktik für Frankreich sehr viel herausgeholt hat. Es wird ihm zweifellos nicht schwer fallen, auch in Genf auf der Abrüstungskonferenz alle Maßnahmen zu einen Verschleppung eigentlicher Beschlüsse und zu einer Verhinderung jeder wirksamen Abrüstung durchzusetzen. Er wird dabei trefflich unterstützt werden durch Herrn Paul=Boncour, der sich bei uns durch seine Sabotagearbeit auf der Abrüstungskonferenz ein unangenehmes Andenken geschaffen hat. Dieser französische Patentsozialist ist ein ausgesprochener Militarist, der als Vorsitzender des Heeresausschusses der französischen Kammer für die unverkürzte Annahme der großen französischen Wehrvorlage gesorgt hat. Dieser Herr hat die Spezialität herausgebildet, seinen aufnahmewilligen Zuhörern Mordgeschichten über angebliche deutsche Geheimrüstungen zu erzählen. Wir zweiseln nicht daran, daß deutsche„Friedensfreunde" ihn auch für die bevorstehenden Genfer Verhandlungen wiederum reichlich mit„Material“ versorgen werden. Angesichts dieses Aufmarsches der französischen Front für die Abrüstungskonserenz scheint es uns am Platze, daß Deutschland seinen Willen zur Wehrhaftigkeit und Landesverteidigung beim Scheitern der Abrüstungsverhandlungen betont, nicht aber daß sozialdemokratische Führer die Reichsregierung wegen dieser selbstverständlichen Stellungnahme am Vorabend der Konferenzan. greifen. Die Weltsieht sehr wenig nach diesen pazikistischen Gedankengängen aus. So soll und muß es bleiben. Der Reichsgründungstag mahnt alle Volksgenossen, zusammenzustehen in Brüderlichkeit und Einigkeit. Fort mit dem häßlichen Streit der Parteien, der unser ganzes Volksleben vergiftet. Es muß möglich sein, eine neue Gemeinsamkeit herzustellen, die auch jene politischen Lager umfaßt, die sich heute als erbitterte Feinde gegenüberstehen. Die einzige Grundlage einer solchen Einigung aber kann nur die Nation sein. Diese Einigung geht in der Praxis heute schon sehr viel weiter, als man es aus dem Streite der Parteien heraus sehen will. Ihr Ziel und ihr Wahrzeichen ist und bleibt die Freiheit und Gleichberechtigung der deutschen Nation. Von dieser Grundlage der nationalen Einigkeit aus werden sich auch die Probleme lösen lassen, die unser Verfassungsleben aufwirft. Es ** krotilmarchit der deutschsprachigen Presse e.V. ist ebenso verkehrt, die Verfassung von Weimar in Bausch und Bogen zu verwersen, wie in ihr ein unveränderliches, starres Idol zu sehen. Organische Ausführung und Entwicklung der Verfassung ist die Aufgabe der politischen Kräfte. Es kommt weniger darauf an, einzelne Verfassungsbestimmungen zu ändern, als sie durch den Geist, in dem sie ausgeführt werden, den lebendigen Bedürfnissen des Staates und der Nation anzupassen. Unantastbar ist nur ihr Grundgedanke, die freie Mitarbeit und Selbstverantwortung eines jeden Staatsbürgers. Der Leidensweg des deutschen Volkes muß diesem eine dauernde Lehre sein, daß allein die eigene geschlossene Kraft ihm den Weg in die Zukunft bahnen kann. Deutschland wird jetzt auf die Konferenzen von Lausanne und Genf gehen, um sein gutes Recht auf Frciheit und Gleichberechtigung mit anderen Völkern zu erringen. Die historische Bedeutung dieser Stunde verlangt es, daß jeder Deutsche den Reichskanzler und die übrigen Vertreter des deutschen Volkes, die in Lausanne und Genf seine Sache führen, bei ihrem beispiellos schweren Ringen unterstützt. Vor dem Kampf um die höchsten Rechte des deutschen Volkes schweige der Parteien Streit. Wie oft hat unser allverehrter Herr Reichspräsident zur Einigkeit aufgerufen. Er, der den Reichsgründungstag im Spiegelsaal von Versailles miterlebte, weiht sich mit aufopferndster Pflichterfüllung und heroischer Treue der Einheit der Nation. Denn nur in diesem Zeichen ist das nattonale Rettungswerk zu vollbringen. Hillers Bentscheinst an den keichslanzter Kleine Parteiabzeichen erlaubt Verordnung des Reichspräsidenten * Berlin, 18. Jan. Auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet: Vom Inkrafttreten dieser Verordnung ab gilt das im 8. Teil Kap. 2 der vierten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze des inneren Friedens vom 8. Dezember 1931 ausgesprochene Verbot des Tragens von Abzeichen nicht mehr für Nadeln, Rosetten und ähnliche kleinere Abzeichen in der Form und Größe, wie sie bisher bei politischen Vereinigungen üblicherweise getragen wurden. Die Abdeckung des preußischen Defizils * Berlin, 18. Jan. Wie das V. D. Z. Büro meldet, hofft man in preußischen Regierungskreisen, den über 100 Millionen hinausgehenden Fehlbetrag im Etat 1932, also 67 Millionen, die sogenannte Spitze des Defizits, durch weitere Abstriche und Korrekturen an den Schätzungen der Steuereinnahmen ausgleichen zu können. fehle bisher noch jeder konkrete Plan für die Abdeckung des Grundbetrages des Defizits von 100 Millionen M. Die Idee, eine Schlachtsteuer in Preußen einzuführen, stößt, wie das V. D. Z. Büro weiter erfährt, auch in weiteren Kreisen der Regierungsparteien auf erheblichen Widerstand. Anträge gegen die Schlachtsteuer, die heute im Hauptausschuß des Landtages beraten werden * München, 18. Jan. Die„Nationalsozialistische Parteikorrespondenz" veröffentlicht heute den Wortlaut der Erklärung Hitlers an den Reichskanzler. Hitler betont, er sei nicht in der Lage, die Aktion des Reichskanzlers wegen der Reichspräsidenten= Wahl als möglich anzusehen sowohl vom rein verfassungsmäßigen Standpunkt, als auch auf Grund einer politischen Ueberprüfung. Ein Aufheben des Artikels 41 der Reichsverfassung, wonach der Reichspräsident vom ganzen Volk gewählt wird, könne durch verfassungsändernde Mehrheit des Reichstages nur stattfinden, wenn grundsätzlich damit auch das Recht des Reichstages auf Absetzung festgestellt werde. Sollllte trotzdem die Auslegung, daß eine Zweidrittelmehrheit des Reichstages einer Volksabstimmung gleichzusetzen sei, angenommen werden, dann müßte zumindest die Zusammensetzung des Reichslages den augenblicklichen und wirklichen Willen des Volkes, so wie er im März 1932 sei, zum Ausdruck bringen. Da dies nachweisbar bei dem augenblicklich bestehenden Reichstag nicht der Fall sei, müßte zuerst der Reichstag neu gewählt werden. Der Reichskanzler sei der Auffassung, daß die schwierigen außenpolitischen Verhandlungen keine innerpolitischen Wahlen vertrügen. Er, Hitler, könne mit wesentlich mehr Recht als Führer der größten Oppositionspartei erklären, daß das innnerpolitische Regiment in Deutsch= land, dessen Gesamtverantwortlichkeit für die Lage des Reiches seit zwölf Jahren man nicht zu bestreiten vermöge, aus innerpolitischen Selbsterhaltungsgründen keine Wahlen brauchen könne, während umgekehrt alle außenpolitischen Erwägungen sie gebieterisch forderten. Der Verfall des Reiches habe seinen Ausgangspunkt nicht so sehr in außenpolitischen Aktionen als vielmehr in der innerpolitischen Zerstörung des Volkskörpers durch die das heutige System verkörpernden Parteien. Daher sei die unvermeidliche Voraussetzung für künftige außenpolitische Erfolge die innerpolitische Ueberwindung der Zersetzungsarbeit, die Deutschland dorthin getrieben habe, wo es sich heute befinde. Sollten Politiker in der endlich festgestellten Zahlungsunfähigkeit Deutschlands einen eminenten Erfolg einer klug ausgelegten Politik erkennen können, dann bliebe höchstens die Stümperhaftigkeit zu bemerken, die zwölf Jahre lang bedurfte, um qualvoll zu vollziehen, was geschicktere Menschen vielleicht schon in drei Jahren hätten demonstrieren können. Es sei nicht einzusehen, wie so überhaupt innerpolitische Wahlen von Schaden sein könnten. Hitler meint weiter, er zweifle keinen Augenblick, daß politische Tribute an der effektiven Zahlungsunfähigkeit, d. h. am tatsächlichen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Nation scheitern können, er glaube aber nicht, daß eine solche durch Tatsachen erzwungene Nichterfüllung wvorher unterschriebener Verträge ohne weiteres in einen gültigen Rechtszustand verwandelt werde, wenn nicht außer dem politischen Unvermögen des Schuldners politische Zweckmäßigkeiten für den Gläubiger sichtbar werden. Daß Deutschland heute nicht bezahlen könne, sei kein politisches Verdienst irgendeiner teien, die einst die ehrenvolle Entwicklung des alten Reiches politisch und wirtschaftlich jäh unterbrachen, heute an einer Konstinuität der politischen Führung hängen könnten. Man könne nicht auf die Dauer annehmen, daß ein Volk durch ein Regiment wirkungsvoll nach außen hin vertreten werden kann, wenn dieses Regiment für die Notwendigkeit seines Daseins nichts anderes anzuführen habe, als die Drohung mit dem, was an seiner Stelle käme, wenn es nicht mehr wäre. Wenn heute eine Regierung die Wichtigkeit ihres Daseins in London begründe mit dem sonst drohenden Bolschewismus und in Paris mit dem ebenso schrecklichen Nationalismus, dann sei das für ihn als ebenfalls angezogenen Schrecken höchst ehrenvoll, für die deutsche Nation aber peinlich. Er halte es für unumgänglich notwendig, daß ein Regiment komme, dessen Existenz aus eigener Kraft seine Daseinsberechtigung schöpfe. Er sehe daher in jedem Vorgang, der zur Ueberwindung des heutigen Systems führen könne, einen außenpolitischen Gewinn Deutschlands. Er sehe darin die einzige Möglichkeit, die deutsche Nation wieder aus einem Objekt des außenpolitischen Geschehens zu einem wertvollen Mitglied der zivilisierten Staatsgemeinschaft zu machen. Erst wenn Deutschland wieder etwas zu bieten habe, werde man ihm etwas geben. Die effektive Unmöglichkeit der Erfüllung bestimmter Verträge werde erst dann in einen vernünftigen Rechtszustand verwandelt, wenn für bestimmte Mächte die Freundschaft mit Deutschland mehr Gewinn bringe als das Beharren auf Verträgen, deren Erfüllbarkeit sich als praktisch unmöglich erwiesen habe. Somit sei die Frage der außenpolitischen Rehabilitierung Deutschlands letzten Endes eine Frage der moralischen Rehabilitiestehen würde. Der Fehler liege aber in der Durchführung des Verfahrens. Nun könne man nicht mehr vom Glauben des Angeklagten an den BCG. sprechen, sondern von einer Besessenheit. Aus dem virus fix sei eine fixe Idee geworden. In der Nachmittagssitzung machte dann Staatsanwalt Freiherr von Beust Ausführungen über den Standpunkt der Staatsanwaltschaft zu der Ursache des Lübecker Unglücks. Es erscheint mir angebracht, so erklärte der Vertreter der Anklage, schon jetzt den grundsätzlichen Standpunkt der Staatsanwaltschaft zur Entstehung des Lübecker Unglücks darzulegen. Wir sehen als Ursache des Unglücks nicht eine Virulenzsteigerung an. Nach unserer Auffassung können wir nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme, besonders aber nach dem Vortrag von Professor Ludwig Lange, nur die These vertreten, daß die Ursache dieses furchtbaren Unglücks in einer Vernnreinigung oder Verwechslung der BCG.=Kulturen mit dem Kieler Stamm humaner Bazillen zu suchen ist. Dann führte Staatsanwalt Freiherr v. Beust aus, daß die Aufklärung der Eltern völlig unzulänglich war. Hier sei nicht gesagt worden, daß es sich bei dem BCG. um lebende Bazillen handelte. Vor allem wäre es unbedingt notwendig gewesen, daß man alle Aerzte, besonders die Kinderärzte und in erster Linie den Landeskinderarzt Prof. Klotz, amtlich von der Einführung der Fütterung benachrichtigte. Völlig unzureichend blieb aber auch die Aufklärung der Hebammen und die Unterrichtung der Eltern. Die gebotene Vorsicht sei in diesem Falle vernachlässigt worden. Diese Momente würden im Disziplinarverfahren eine wesentliche Rolle spielen; aber auch hier war die Voraussicht des eingetretenen Erfolges nicht vorhanden. Man sollten, wurden auf Wunsch der Regierungspar= Regierung, sondern eine durch fehlerhafte politische teien abgesetzt, weil der Ausschuß der Regierungs= Leitung herbeigeführte Katastrophe. Die Tatsache #Fan Ht. Schlachtstoner und hio ührigan Fie„„#m#en sei in 19 Jahren ein geteien üver dre Schlachrsteuer und die übrigen Finanzierungspläne der Regierung beraten soll. preußischen parlamentarischen Kreisen wird das Gerücht verbreitet, daß eventuell mit einer Reichsfleischsteuer zu rechnen sei. Hierzu wird dem V D. Z. Büro im Reichsfinanzministerium gesagt, daß von einer derartigen Absicht der Reichsregierung keine Rede sein könne. Reichskanzler Brüning habe dem preußischen Finanz= minister Klepper ausdrücklich gesagt, daß neue Steuern vom Reich aus nicht eingeführt werden sollten. In unverbindlichen Referentengesprächen im Reichsfinanzministerium sei einmal erörtert worden, daß es nicht zweckmäßig wäre, in einzelnen Ländern des Reichsgebietes SchlachtsteuerOasen einzuführen, und daß man dann eher den Gedanken einer Reichsfleischsteuer debattieren wolle. Aber von irgend einer Vorlage hierüber könne aus den dargelegten Gründen nicht die Rede sein. In Kreisen der preußischen Regierungsparteien hält man es für möglich, daß der Haushalt dennoch mit einem Fehlbetrag dem alten Landtag zugeleitet wird, so daß das neue Parlament versuchen müßte, das Defizit zu decken. Mißlungene Kindesentführung Das Kind auf der„Bremen“ gefunden * Berlin, 18. Jan. Die Ausreise der am 22. Januar aus Newyork in Bremerhaven eintreffenden„Bremen“ aus dem Newyorker Hafen hat sich durch einen aufregenden Zwischenfall um einige Stunden verzögert. Man suchte an Bord des großen Passagierdampfers ein zweijähriges Kind, das nach Deutschland entführt werden sollte. Mit Hilfe von 17 Kriminalbeamten gelang es in letzter Sekunde, das Kind zu finden und der Mutter zurückzubringen. Die Razzia an Bord der„Bremen“ erregte größtes Aufsehen, da es der erste Fall dieser Art war, der mit einem solchen Polizeiaufgebot durchgeführt wurde. Die Proteste des Kapitäns nützten nichts. Die Mutter des Kindes eine in Newyork wohnun, daß es gelungen sei, in 13 Jahren ein gesundes Unternehmen vollständig zahlungsunfähig zu machen, sei keineswegs eine Garantie dafür, daß dann im 14. Jahr ein Wiederaufstieg beginne. Er verstehe daher nicht, wieso ausgerechnet die Parrung des Volkes im Inneren und damit eine Frage) müsse Dr. Altstädt den guten Glauben zubilligen. der Ueberwindung eines Systems, das in der Ge=##### schichte unzertrennlich verbunden sein werde mit der Perivde der inneren und äußeren Entwertung unseres Volkes. Auch aus diesen Erwägungen heraus müsse er daher einen Versuch ablehnen, der in der ganzen Art seiner Durchführung ein Beweis dafür zu sein scheine, daß man auf diesem Weg ein System zu retten gedenke, dessen Vernichtung die Lebensvoraussetzung der deutschen Nation sei. Im übrigen sei es aber auch noch eine Frage der Moral, ob es erträglich erscheine, jahrelang als Staatsfeinde verfehmt zu werden, um dann als Menschen zweiter Klasse plötzlich mit dem Vorantritt bei einer Rettungsaktion beehrt zu werden, deren Wortführer anscheinend kein Gefühl für das berechtigte Erstaunen der also Bevorzugten besäßen. Auch aus dieser Empfindung heraus müsse er den Vorschlag ablehnen. Er bedaure nur nochmals, daß in diese Aktion zur Rettung des Systems der Name des Reichspräsidenten einbezogen werde, für den die Mitkämpfer des großen Krieges als den Generalfeldmarschall unserer Heere unveränderlich ehrerbietige Dankbarkeit empfinden. Die Reichsregierung antwortet Hitler * Berlin, 18. Jan. Amtlich wird mitgeteilt: Die von Herrn Adolf Hitler veröffentlichte „Denkschrift“ ist dem Herrn Reichskanzler übermittelt worden. Die Reichsregierung wird nicht verfehlen, die darauf zu erteilende Antwort ebenfalls der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. Die Pladohees i Ealmene=Prozen „Das Lübecker Anglück wird ein furchtbares Menetekel in der Geschichte der Medizin bleiben“ Die Strafanträge der Staatsanwaltschaft TU. Lübeck, 19. Jan. In der heutigen Verhandlung beantragte Oberstaatsanwalt Dr. Lienau nach seinem Plädoyer gegen Professor Dr. Deycke und Oberarzt Dr. Altstädt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung je 3 Jahre Gefängnis und gegen Professor Klotz wegen derselben Vergehen ein Jahr Gefängnis, während er für die Schwester Anna Schütze Freisprechung beantragte. Im Lübecker Tuberkulose=Prozeß begannen die Plädoyers der Staatsanwälte. Amtsgerichtsrat Wibel erteilte sofort Oberstaatsanwalt Dr. Linau das Wort, der unter lautloser Stille und unter merklicher Spannung der Zuhörer seine Ausführungen begann. Er wies darauf hin, daß er in einem Prozeß spreche, der weit über die Grenzen Lübecks hinaus das Interesse der Oeffentlichkeit habe. Ich möchte meine Ausführungen, so betonte Dr. Linau, nicht beginnen, ohne das tiefste Mitgefühl zu bekunden für die Eltern der Kinder, die durch dieses Unglück betroffen worden sind. Von unverwischbarem Eindruck wird mir für mein ganzes Leben der die Staatsanwaltschaft sei auf falschem Wege gewesen. Dr. Much ging davon aus, daß eigentlich die Schuld derjenige zu tragen hätte, der die Einführung des Verfahrens veranlaßt habe, also der Vorsitzende des Gesundheitsamtes, Senator Mehrlein. Die Staatsanwaltschaft hat auch diese Frage eingehend geprüft. Es mag sein, daß der Vorsitzende des Gesundheitsamtes richtiger gehandelt hätte, wenn er seinerzeit beim Reichsgesundheitsamt nähere Erkundigungen eingezogen hätte. Man darf jedoch nicht vergessen, daß er den Tod und die Körperverletzung so vieler Kinder nie und nimmer voraussehen konnte, nachdem Aule jurinischen Tatbestandsmerkmale, so führte der Anklagevertreter weiter aus, liegen aber vor in folgenden vier Punkten: Dr. Altstädt hätte andere Experten fragen müssen. Warum erkundigte er sich nicht ebenso wie Dr. Prausnitz vorher in Paris? Die Einrichtung eines Speziallaboratoriums war unbedingt erforderlich. Tierversuche sind nicht gemacht worden. Die Staatsanwaltschaft halte den Standpunkt aufrecht, daß Tierversuche unter allen Umständen hätten erfolgen müssen, und zwar vor Beginn der Impfung, selbst wenn man von der Unschädlichkeit des BCG. überzeugt war. Dr. Altstädt war zuständig dafür, und er sei dafür verantwortlich, weil er ein neues Verfahren zum ersten Mal in Deutschland in größerem Umfange einführte. Eine klinische Beobachtung der gefütterten Säuglinge hätte unbedingt erfolgen müssen. Dr. Altstädt hätte den ersten Fütterungen vor der offiziellen Einführung. diesen Menschenversuchsfällen, unter allen Umständen nachgehen müssen. In allen diesen vier Punkten ist eine Kausalität gegeben. Hier liegt eine Willens= und Verstandesschuld des Angeklagten vor. Hätte Dr. Altstädt andere Experten gefragt und ein Speziallaboratorium gefordert, so wäre das ganze Unglück vermieden worden. Mit Ausnahme von 12 Sänglingen, deren Tod nicht im Zusammenhang mit der Fütterung stand. und von 42 Säuglingen, die keine Schädigungen erlitten haben, falle für alle Kinder. die gefüttert worden sind und darauf erkrankten oder starben, Dr. Altstädt die Schuld zur Last, da er ihre Körperverletzung bezw. ihren Tod verursacht hat. Ein Verschulden des Angeklagten im strafrechtlichen Sinne liegt vor. Das Verschulden des Angeklagten ist, wenn man ihm alle unglückseligen Opfer zur Last legt, ungeheuer schwer. Es ist ein Versagen von nie dagewesener Art. Der Angeklagte hat gehandelt wie ein Kapitän, der ein Schiff führt, das ausgerüstet ist mit den besten Wünschen, aber dessen Flagge der Ehrgeiz war, und das beladen war mit größtem Risiko und keine Rettungsboote führte, weil der Kapitän die Ueberzeugung hatte. dieses Schiff könne nicht untergehen. Eine hohe Strafe ist am Platze. Dr. Altstädt hat menschlich furchtbar und ungeheuer unter dem Unglück gelitten. Als Mensch steht der Angeklagte unangefochten da. Er hat in gutem Glauben gehandelt und das Beste gewollt. Die größte Tragik wird für den Angeklagten aber darin liegen, daß auch eine Strafe und deren eventuelle Verbüßung ein Vergessen für ihn nicht bringen wird. eine Autorität wie Prof. Deycke ihm gesagt hatte, ein Srinegen zur ihn nicht bringen wird. daß eine Gefahr mit der Impfung nicht verbun= Sein Name wird in der Geschichte der Medizin nende Frau Schirmer, deutscher Abstammung, ver=Augenblick der Eröffnung sein, als der Berichtmißte am Samstag früh ihr Kind. Sie hatte sich erstatter die Namen der Kinder vorlas, die geeinige Tage vorher mit ihrem Manne entzweit,####ber an ihrer Gesundheit Schaden weil er unbedingt das zweijährige Söhnchen William aus dem Hause hoben wollte. Als man den Gatten unter Verdacht der Kindesentführung für verhaftet erklärte, entdeckte man bei einer Durchsuchung seiner Taschen eine Quittung über ein Billett für die in wenigen Minuten ausfahrende „Bremen". Mit einem Schnellwagen wurden die Mutter und 17 Polizeibeamte zum Hafen gebracht, wo man gerade in dem Augenblick eintraf, als die Stege eingezogen wurden. Auf Grund der polizeilichen Vollmachten gelang es dann, die„Bremen" anzuhalten und trotz des Protestes des Kapitäns eine Durchsuchung des Schiffes vorzunehmen, während die Maschinen schon auf Volldampf liefen. Erst nach zweieinhalb Stunden entdeckte man eine junge Frau, die das gesuchte Kind bei sich hatte. Sie gab an, von dem Vater des Kindes den Auftrag erhalten zu haben den Kleinen nach Magdeburg zu seinem Großonkel zu bringen, wo er erzogen werden sollte. Die„Bremen“ konnte nach Erledigung dieses Zwischenfalles ihre Ausfahrt antreten. storben sino ooer an ihrer Gesunbheil Schaben genommen haben. Wir haben viele Augenblicke aufregendster Art bei der Vernehmung von Eltern erlebt, die von ihren Seelenqualen Ausdruck gaben. Der Prozeß hat bis heute 70000 Mark gekostet. Das führe ich an, um die Bedeutung des Schrittes zu kennzeichnen, den Dr. Altstädt unternahm, als er ohne jede praktische Erfahrung, lediglich auf die Literatur gestützt, seinem Vorgesetzten vorschlug, das Calmette=Verfahren in Lübeck einzuführen. Der Oberstaatsanwalt kam dann, nachdem er eine eingehende Darstellung des CalmetteVerfahrens und des Lübecker Unglücks gegeben hatt, auf die strafrechtliche Seite des Prozesses zu sprechen und erinnerte daran, daß die Anklage gegen Prof. Deycke und Dr. Altstädt auch auf fahrlässige Tötung bezw. fahrlässige Körperverletzung ausgedehnt worden sei. Es handele sich hier nicht darum, das allgemeine Verhalten der Angeklagten, sondern lediglich zu prüfen. ob sie sich auch strafrechtlich schuldig gemacht hätten. Pros. Hans Much, so erklärte er, hat ausgeführt, den sei. Dieser Prozeß ist nicht berufen, eine Entscheidung darüber zu bringen, ob das Calmetteverfahren schädlich oder unschädlich sein kann, sondern hier ist nur über Schuld oder Nichtschuld der Angeklagten zu befinden. Nach einer kurzen Pause begann dann Staatsanwalt Freiherr v. Beust mit seinem Plädoyer gegen Dr. Altstädt. Er zitierte eine große Reihe von warnenden Stimmen gegen die Anwendung des Calmetteverfahrens, die schon 1929 vorlagen. Es sei eine ganz eigenartige Argumentation, führte der Vertreter der Anklage aus, wenn Dr. Altstädt im Prozeß gesagt habe, das seien nur wenige Stimmen gewesen, die kein namhaftes Gewicht hätten. Eine verhängnisvolle Rolle habe Geheimrat Dr. Bielefeldt, der frühere Vorsitzende der Landesversicherungsanstalt der Hansestädte, gespielt. Dr. Altstädt habe Geheimrat Bielefeldt wie auch verschiedenen anderen Leuten gegenüber nicht kritisch genug gehandelt. Dr. Bielefeldt sei der böse Geist Dr. Altstädts gewesen. Die Warnung des Reichsgesundheitsamtes sei dem Angeklagten bekannt gewesen, er habe aber nicht die abwartende Haltung angenommen, die man von dorther empfohlen habe. Der Staatsanwalt kam zu dem Schluß, daß ein Verschulden des Angeklagten Dr. Altstädts nicht vorliege, da die Voraussehbarkeit nicht vorhanden gewesen sei. Seinen Glauben an die Unschädlichkeit des BEG. und den geteilten Standpunkt der deutschen Wissenschaft müsse man dem Angeklagten zugute halten. Er habe nicht annehmen können, daß durch die Einführung des Verfahrens dieses Unglück entmit dem Blut des Todes von Lübeck belastet sein. Es wird dieses Unglück ein furchtbares Menetekel in der Geschichte der Medizin bleiben. Im weiteren Verlauf der Verhandlung plädierte Oberstaatsauwalt Dr. Linau gegen Professor Dr. Deycke Er sagte: Im Laboratorium liegt der Schlüssel zu dem ganzen Geschehen. Es kommt hier darauf an, ob in Lübeck eine Virulenzsteigerung oder eine Verwechslung oder eine Verunreinigung erfolgt ist. Nach dem Gutachten von Professor Dr. Ludwig Lange, Dr. Bruno Lange und Dr. Hahn ist mit einer unbedingten Sicherheit anzunehmen, daß eine Verwechselung des BCG. mit dem Kieler Stamm vorliegt. Wer ist aber für diese Verwechselung verantwortlich? Ich muß Herrn Professor Dr. Deycke diese Schuld zuschieben, nicht weil er es selbst getan hat, oder weil ich das annehme. Das liegt mir völlig fern, aber weil bei Einrichtung eines Speziallaboratoriums diese Verwechselung verhindert worden wäre. Fahrlässigkeit sehe ich auch in der Unterlassung des Tierversuchs. Wäre im November ein umfassender Tierversuch gemacht worden, so hätte man das ganze Unglück vermeiden können. Man muß zu der Ueberzeugung kommen, daß es sich um eine Fahrlässigkeit handelt, begangen durch eine Unterlassung. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dieser Fahrlässigkeit und dem Tod und der Körperverletzung bei den Kindern ist gegeben. Die Verhandlung wurde auf Dienstag vormittag vertagt. Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. er in rens. n des rn von ei eine Staatsn über u der r Veritzlichen Ent. Wir Viruna könnahme. rofessor dieses igung mit in zu ). Beust nglich es sich te. Vor sen, daß zte und f. 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Fahrssung des umfassenitte man Man muß sich um gen durch usammendem Tod ern ist gea vormitBesoldungsaufwand der Stadt Schwelm Einer uns von der Verwaltung zugegangenen Nachweisung über die Besoldungseinsparungen im Etat der Stadt Schwelm entnehmen wir folgendes: Der Besoldungsaufwand betrug laut Etat 1930 a) für die städtischen Beamten und Angestellten 531 450 M. b) für die Lehrkräfte 630 940„ Nach dem Stande vom 1. 1. 1932 beträgt der jährliche Aufwand: zu a) 406 287 M. zu b) 456 308„ Der jährliche Minderaufwand gegenüber dem Etat 1930 beträgt hiernach zu a) M1 9)" weniger in Mr. Zusammen: 308 795 M. Die einzelnen Verrechnungsstellen ergeben folgendes Bild: Besoldungsaufwand nach dem Stande Stat 1930 v. 1 l. 1932 369 500 283 352 28000*) 16242 17 600 13.008 10 550 8 340 35 500**) 35 335 70 300 50010 Allgem. Verwaltung Gas= u. Wasserwerk Schlachthof Schulzahnklinik Krankenhaus Sparkasse Welche Vereine sind politisch? Ein Runderlaß des Innenministers. Herausgabe eines Verzeichnisses nicht zweckmäßig. Durch die Vorschrift des§ 1 des Kapitels 2 des achten Teiles der vierten Notverordnung des Reichspräsidenten vom 8. 12. 1931— Uniform= und Abzeichenverbot— hat die Frage, ob eine Vereinigung als politische Vereinigung anzusehen ist, erhöhte Bedeutung gewonnen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, stellte der preußische Minister des Innern in einem Runderlaß an die Polizeibehörden fest, daß sich der Begriff des politischen Vereins aus X 3 Absatz 1 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908 und den dazu ergangenen höchstrichterlichen Entscheidungen ergibt. Danach ist jeder Verein, der eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt, als politischer Verein anzusehen. Ob im Einzelfalle ein Verein diese Voraussetzungen erfüllt, läßt sich nur nach seiner Satzung oder nach seiner tatsächlichen Betätigung beurteilen. Die von verschiedenen Seiten angeregte Herausgabe eines Verzeichnisses der als politisch anzusehenden Vereinigungen erscheint aus mannigfachen Gründen nicht zweckmäßig, zumal die letzte Entscheidung darüber den Gerichten zusteht. Für den Fall, daß Zweifel darüber bestehen, ob eine Vereinigung als politisch anzusehen und demgemäß zu behan86 148 deln ist, ordnet der Minister des Innern an, daß 11 758 ihm unter Erörterung der dafür und dagegen sprechenden Umstände zu berichten ist. 125 163 M. 196 665 4592 2210 165 9 230 Städt. Beamte u. Angestellte zusammen: 531 450 *) Wegfall Stelle Berger. **) Zugänge z. B. Dr. Nourney. 406 287 125 163 Volksschulen Realgymnasium Lyzeum Berufsschule Kleinkinderschule 333 400 151 600 87.000 61 940 8 000 a) 234 544 116 859 b) 57 176 c) 44 651 5) 3078 456 308 183632 Schwelm, 19. Januar. Der Haus= und Grundbesitzerverein veröffentlicht in der heutigen Ausgabe die Tagesordnung der morgen, Mittwoch, abends 8,30 Uhr, im Ratskeller, Ostenstraße 87, stattfindenden reshauptversammlung. * 3 980 852 Rundfunkteilnehmer. Am 1. Januar 1932 betrug die Zahl der Rundfunkteilnehmer in Deutschland 3980852. Darunter befinden sich 98 856 1283 960 Arbeitslose, Blinde und Schwerbeschädigte, 34741 denen die Zahlung der Rundfunkgebühren erlassen ist. Am 1. Oktober 1931 waren 3731948 Teilnehmer vorhanden. Der Zugang im letzten Vierteljahr beträgt mithin 248904 Teilnehmer. Gegenüber dem 1. Januar 1931 hat sich die Teilnehmerzahl um 471343 erhöht. :: Für praktische Hausfrauen und Töchter. Ohne Vorkenntnisse der Plättkunst selbst Herrenwäsche zu bügeln, bietet ein System Gelegenheit, 29824 17289 2922 das im Restaurant O. Schirmer, Kölnerstraße, sich gegenüber der Wirtschaft Höhmann ein Automorgen Mittwoch, den 20. Januar, nachmittags unsall. Zwei Personenwagen wollten sich an dieser 4 und abends 8 Uhr, gezeigt wird. Nach genauer Stelle kreuzen. Der von oben kommende Wagen Berechnung hat es die Fachlehrerin W. Hedrich, eines hiesigen Fabrikbetriebes streifte dabei den anBerlin, in 42jähriger Tätigkeit ausgearbeitet und deren und geriet dadurch ins Schleudern. Der ist es nach dieser Methode jeder Hausfrau mög=Wagen fuhr auf den Bürgersteig und landete zwilich, richtigen Sitz der Umlegekragen zu erzielen, schen einem Telegraphenmast und dem Hause Gösowie sämtliche Kunstgriffe und Kniffe nachzuah=lbelsmann. In schwer beschädigtem Zustande mußte men. Billiges Waschen, Stärken, Plätten, Glanzieren und Neuplätten wird leichtfaßlich erklärt und vorgezeigt. Der Besuch ist unentgeltlich und kann allen Hausfrauen und jungen Mädchen dringend empfohlen werden. In allen großen Städten Deutschlands haben diese Vorträge großen Anklang gefunden.(Siehe Anzeige.) (=) Eingebrochen wurde in das Kontor einer Firma in der Kölnerstraße. Die Täter drangen durch das Oberlicht einer Tür, zogen von oben her den Schlüssel heraus und schlossen die Tür auf. Sie durchwühlten alle Schränke und versuchten durch Abheben des Aufsatzes in den Geldschrank einzudringen. Sie erbeuteten jedoch nur einen geringen Geldbetrag. Wie die Untersuchung ergab, können als Täter nur jugendliche Burschen in Frage kommen. er abgeschleppt werden. Der andere Wagen soll zu wenig ausgewichen sein und daurch das Unglück verschuldet haben. Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. * Die Betrenung der erwerbslosen Jugend soll genau in derselben Weise wie im vergangenen Jahre vorgenommen werden. Nähere Mitteilungen darüber werden noch folgen. Die Eltern und Erziehungsberechtigten werden schon jetzt gebeten, die erwerbslose Jugend dieser Unterrichtsgelegenheit zuzuführen. Gevelsberg, 19. Jan. * Wenn man unvernünftig rast. Sonntag morgen stürzte auf der Bahnhofstraße ein Radler, der die etwa 900 Morgen große Jagd nicht mehr erzielt Hiddinghausen, 19. Januer. * Jagdverpachtung. Samstag abend 5 Uhhr fand im Lokale der Wirtin Schievelbusch die Jagdverpachtung der Gemeindejagd Hiddinghausen 11 statt. An drei Tischen im geräumigen Saal saßzen Interessenten und Schaulustige aus der ganzen näheren Umgegend, um der Verpachtung beizuwohnen. Daß der bisherige Preis von 1000 Mark für infolge rasender Fahrt die Kurve in die Brüder= straße nicht bekam. Das Rad wurde zertrümmert, der Radfahrer erlitt Verletzungen. * Die verschwiegene Erbschaft. Eine Erbschaftssumme von 2000 Mark hatte die Frau des erwerbslosen Arbeiters D. aus Gevelsberg ausgezahlt bewurde, das war in Anbetracht der schlechten Wirtschaftslage vorauszusehen. Das Höchstgebot lautete auf 400 Mark und wurde von dem Ingenieur Schneider aus Gevelsberg abgegeben. Die drei unter diesem Gebot liegenden Bieter sind Konditor Timmer, Sprockhövel, Redakteur Steinbeck, Sprockkommen. Den Empfang dieses Betrages hatten die hövel, und Landwirt Dicke, Landringhausen. Der Eheleute D. dem Wohlfahrtsamte in Gevelsberg Jagdvorsteher wird einem dieser vier Höchstbietennicht mitgeteilt, sondern immer weiter die Unter= den innerhalb der Frist von drei Wochen den Zustützung bezogen. Erst durch eine anonyme Anzeige schlag erteilen. hatte die Behörde Kenntnis hiervon erhalten. Einen Monat vorher war der Angeklagte aus gleichem Anlaß schon mit einer Woche Gefängnis bestraft worden; es wurde deshalb jetzt eine zu verbüßende Gefängnisstrafe von zwei Wochen wegen Betrugs festgesetzt. * Noch ein Wohlfahrtsbetrüger. Am 28. OktoWetter, 19. Januar. * Neue Heizungsanlage in der lutherischen Kirche. Die Heizungsanlage der lutherischen Kirche genügte nicht mehr den Anforderungen. Es erwies sich als notwendig, einen neuen, größer n ren Kessel einzubauen. Der alte Kessel ist verblieber v. J. hatte der Arbeiter P. aus Gevelvbr## aus ben. Die Anlage wurde in der vergangenen Woche den Versicherung„Volkswohlbund" bereits das sertiggestellt. Am Sonntag war die Kirche wieSterbegeld für die Beerdigungskosten seines ver= der gewärmt, was von den Gottesdienstbesuchern storbenen Sohnes erhalten und am Tage darauf be= freudig begrüßt wurde. atspruchte er die Beerdigungskosten vom Wohl=,. Der Preis für Gas und Wasser ermäßigt. fahrtsamt der Stadt Gevelsberg. Fün diesen Der Gaspreis wurde ab 1. Januar 1932 von 16.7 Schwindel erhielt der Angeklagte vom Amtsgericht auf 164 Pfg pro Kubikweter ermäßigt. Das in Schwelm eine Woche Gefängnis mit BewähZusammen: 639 940 a) alle nicht besetzten Stellen weggelassen, z. B. auch Fritz. b) Wegfall Stelle Fernickel. c) Einschränkung des nebenamtlichen Unterrichts. 0) Wegfall Stelle Busch. Die Verminderung der Ausgaben macht insgesamt gegen den Etat 1930= 26,4 Prozent aus und ergibt sich aus den drei allgemeinen Gehaltskür=, Peme„ zungen auf Grund der Reichsnotverordnungen, Die Abteilung Schwelm im Sauerländischen aus den Kürzungen auf Grund der Preußischen Gebirgsverein hielt gestern abend im Lokal SteinSparverordnung, aus Sonderkürzungen bei den biink ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Der Tarifangestellten und endlich aus der Nichtwieder=I1. Vorsitzende Stadtrentmeister Niemer hieß rungsfrist unter Auferlegung des Schadenersatzes. * Auto=Unfall. Haßlinghausen, 19. Januar. Gestern nachmittag ereignete Haheeshäupteeesummung des 5. O. B. auf 10,2 Psg. Pro Kubirmeter ermäßigt. Das Wassergeld beträgt 20 Pfg.; es stellte sich bis jetzt auf 21 Pfg. Die Ermäßigungen für Licht stehen noch nicht fest. * Leiche gelandet. Gestern morgen wurde eine weibliche Leiche aus dem Harkortsee geborgen. Anscheinend hatte sie schon längere Zeit im Wasser gelegen. Es handelte sich um ein 20jähriges Mädchen aus Schalksmühle, das längere Zeit vermißt war. besetzung freigewordener Stellen. Zum 2. Sonntagskonzert der Musikgemeinde am 24. Januar Da die Musikgemeinde sich an alle wendet, wählt sie für ihre Konzerte vorzugsweise den Sonntag, wenn alle Muße haben. Doch gerade am Sonntag rauscht der Strom der Menschen zu den Stätten verflachender und verrohender Vergnügung.„ 9 Wer je geklagt hat über den modernen Zeitgeist, der sollte nicht nach Spießer Art in seinem Winkel schmähen. Er sollte denen Mut machen, die das Martyrium(denn das ist es) auf sich nehmen, sich dem Strom entgegenzustellen. die erschienenen Mitglieder in herzlichen Worten willkommen, dankte allen für die dem Verein auch in schwerer Zeit bewahrte Treue und richtete an alle die dringende Bitte, auch in Zukunft die Bestrebungen des S. G. V. nach Kräften zu unterstützen. Einen besonderen Dank richtete der Redner an den Ehrenvorsitzenden Herrn Max Klein, der im vorigen Jahre seinen 70. Geburtstag begehen konnte und einer der ältesten und eifrigsten Förderer des S. G. V.=Gedankens ist. Der Vorstand der Abteilung Schwelm hat ihm bereits zu seinem Geburtstage die Glückwünsche des Vereins übermittelt und ihm als besondere Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung der Abteilung Schwelm ein„Goldenes Eichenblatt" überreichen lassen. Herr Niemer schloß mit dem Wunsche, daß Herr Klein auch auf seinem ferneren Lebenswege mit voller Frische und mit dem gleichen warmen Herzen für eine gute Sache unDer Abbau der Kunstinstitute in den Großstädten konnte nur deshalb möglich werden, weil überhaupt die Kultur in ihren Gestaltungen als ter dem Eichenblatte wandeln möge. Religion, Kunst, Wissenschaft als lästig und stö=] In seinem Jahresbericht wies der 1. Vorrend aus dem Leben des Alltags verbannt wurde, sitzende dann kurz auf die Ziele des S. G. V. hin Die glänzenden Theater und reichen Museen und hob, daran anschließend, die wichtigsten Ereigwaren in Wirklichkeit Grabstätten der Kunst, nisse des vergangenen Geschäftsjahres hervor, soweil das Volk nicht den Zugang zu ihnen fand. weit sie für die Mitglieder der Abteilung Schwelm Die Kunst muß zum Volke kommen. Das sollte von Interesse sind. Danach sind vom Schwelmer und Elsermann, da der im vorigen Jahre gewählte Schatzmeister Neuling aus beruflichen Gründen sein Amt nicht verwalten konnte. Die Gesamteinnahme belief sich auf 1108,01 M., ausgegeben wurden 1099,51 M. Es bleibt mithin ein Bestand von 8,50 M. Die Kassenführung wurde vom Rechnungsprüfer Bökenheide als ordnungsmäßig und äußerst gewissenhaft bezeichnet. Die beantragte Entlastung wurde daher auch von der Versammlung ausgesprochen. Der Haushaltsplan für 1932 bewegt sich im allgemeinen im Rahmen seines Vorgängers. Er balanziert in Einnahme und Ausgabe bei einem Jahresbeitrag von 4 M., gegen 5 M. im Vorjahre, mit 1150 M. Von dem Jahresbeitrag gehen 2 M. pro Mitglied an die Hauptkasse des S. G. V. ab. Von dem Gelde, das der Abteilung Schwelm dann noch zur Verfügung steht, sollen 350 M., das ist der größte Teil, für Wegetafeln, Wegezeichen und Instandsetzung der Wanderstrecken verwandet werden. Wahlen Die ausscheidenden Vorstandsmitgliedas Signal sein für die Kleinstädte, mit einfachen Mitteln ein neues, bodenständiges Kunstleben aufzubauen. Dadurch, daß die Kultur ein abseitiges Dasein führt, wird dem Leben jeder Glanz und jede Erhebung geraubt. Die Dinge erdrücken und ersticken die Seelen, der Kampf um sie vergiftet und zerstört alle menschlichen Beziehungen und Bindungen. Es herrschen nur die Organisationen Verein im Jahre 1931 26 Wanderungen mit einer Beteiligung von insgesamt 247 Mitgliedern gemacht worden. 13 Wegestrecken mit rund 114 km Länge mußten in Ordnung gehalten werden. Im neuen Jahre müssen mehrere Wegestrecken einer gründlichen Instandsetzung unterzogen werden, wozu erhebliche Mittel bereitgestellt werden müssen. Der Hauptverein hat im vergangenen Jahre eine neue Reliefkarte vom Sauer=, Siegerzur Befriedigung des Erwerbssinnes, des Macht= und Wittgensteiner Land herstellen lassen, die allwillens und des Geltungsbedürfnisses. gemein Anklang gefunden hat und ein vorzügEs ist irrig, zu glauben, man müsse nur Ord= liches Werbemittel ist. Durch den Ruhr=Siedlungsnung im Hauptbuch oder im Etat haben, und der verband ist auch das schöne Tal der Ennepe mehr Bestand der Gesellschaft wäre gesichert. Wenn dem Verkehr erschlossen worden. An dem Hang man dazu noch ihre Erhaltung und ihren Schutz des oberen Flußtales führt ein äußerst lohnender allein der Polizei anvertraut, dann ist es wohl Weg entlang und es besteht die Möglichkeit, daß schon der Anfang vom Ende. So ist es immer gewesen. Kultur ist gewiß nicht nur Kunst. Es gehört auch die Wirtschaft dahinein. Aber sie, wie alle Lebensäußerungen eines Kulturvolkes, muß den Stempel der Kultur tragen. Kunst braucht schließlich nicht abhängig zu sein von hohen Zahlen in den Staats= und Kommunalhaushalten. Hier erscheint sie vor Ihnen mit dem Anspruch von 20 Pfennigen(für viele erscheint das wieder als zu gering) für ein Konzert der Schwelmer Musikgemeinde am nächsten Sonntag um 6 Uhr abends. Dafür werden Sie hören unter anderem: Balladen von Schubert und Löwe sowie zwei Klavierballaden von Chopin und Brahms. Wem nun wirklich der niedrige Preis von 20 Pfennigen eine Hemmung bedeutet, der mag etwas mehr geben als Beitrag für die Betreuung unserer erwerbslosen Jugendlichen, ein Werk, das wegen seiner zwingenden Notwendigkeit der Anteilnahme aller bedarf. auch der untere Teil dieses Tales in absehbarer Zeit eine ähnliche Wanderstrecke bekommt. Die Abteilung Schwelm hielt im letzten Jahre 13 Vorstands= und Bezirkssitzungen ab. Zwei Mitglieder wurden vom Vorstand des Hauptvereins mit dem Goldenen Abzeichen ausgezeichnet. Wie im Vorjahre legte die Abteilung auch 1931 das Hauptgewicht auf die Pflege der heimatlichen Umgebung, und durch gemeinsame Arbeit mit dem Schwelmer Verschönerungsverein konnte auch hier erfolgreich geschafft werden. Infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse hat sich der Mitgliederbestand etwas verringert, dieses darf aber zu keinen Besorgnissen Anlaß geben, da man den S. G. V. auch heute noch als eine Einrichtung betrachtet, die in hohem Maße geeignet ist, die Menschen über die Sorgen des Alltages zu erheben und in ihnen durch die Fühlungnahme mit der Natur die Freude an der Heimat und für die Heimat zu erwecken und zu kräftigen. Der Ehrenvorsitzende M. Klein dankte für Im Laufe des Januar wird die Musikgemeinde die freundlichen Worte des Vereinsleiters und für noch ein Konzert für die Jugend veranstalten. Aus den eifrigen Uebungen des Kammerorchesters wird ein Konzert erwachsen, das am 31. März die 200. Wiederkehr des Geburtstages von Joseph Haydn feiern wird. G. St. A. die vielen Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstage. Rochnunggigge Die Kassenführung lag im vergangenen Jahre größtenteils in den Händen der Herren Niemer Westfalen, Rheinland und Nachbargevirte * Hagen, 19. Jan.(Haftbefehlerlassen.) Gestern nachmittag wurde von dem zuständigen Richter gegen die vier in der Angelegenheit des großen Sprengstoffundes in der Sunderlohstraße Festgenommenen der Haftbefehl erlassen. Entgegen den bisherigen Annahmen wurde auch der alte Schreiner St. weiterhin in Haft behalten, da der Richter annimmt, daß er von der Aufbewahrung des Sprengstoffes in seinem Hause Kenntnis gehabt haben muß. Nunmehr wird sich das Reichsgericht, da ein Hochverratsverfahren anhängig gemacht wird, mit der Sache beschäftigen. Vorerst wird der Reichsanwalt einen Untersuchungsrichter mit der Untersuchung der Angelegenheit beauftragen! * Hagen, 18. Jan.(Senkung der Tarife der städtischen Werke.) Die Stadtverwaltung ermittelt zurzeit, ob und inwieweit im Rahmen der allgemeinen Preissenkung sich die Tarife der Ehlerding, Dollfuß, E. Hasenklever und der städttschen Werke und eine Reihe von sonstiSchreckert wurden ohne Widerspruch auf 3 Jahregen städtischen Werken senken lassen. Die Senwiedergewählt. Für den zurückgetretenen Schatz=Ikung der Mieten bei den städtischen Alt= und Neumeister Neuling wählte die Versammlung ein=bauwohnungen ist bereits geschehen. Ferner sind stimmig Herrn Elsermann. Als Kassenprü=inzwischen schon die Schlachthofgebühren um 15 fer wurden die Herren Bökenheide und Havekost Prozent gesenkt worden. Hinsichtlich der Preise bestimmt. Vertreter für den Bezirks=der Werke und der sonstigen Gebühren wird durch verband: Fräulein von Berg, Herr Dr Vit= besonders eingesetzte Magistratskommissionen eintinghoff, Herr Bökenheide und die beiden Vorsit= gehend geprüft, wie weit auf Grund der Ersparzenden. Als Mitglieder der Wanderplan=Kom=nisse, die sich aus der Notverordnung ergeben, und mission wählte man folgende Herren: Dollfuß, auf Grund von etwa sonst noch möglichen ErsparSchreckert, Havekost, Hasenklever und Elsermann. nissen Verbilligungen erzielt werden können. Da Das Schwelmer Zimmer im Ehrenmal die unmittelbare Wirkung der Notverordnung für des S. G. V. soll aus finanziellen Gründen an die Werke geringer ist, als gemeinhin angenomden Hauptvorstand abgetreten werden. Der Name bleibt auch in Zukunft bestehen, wenn der Vorstand der Abteilung Schwelm nicht einer Aenderung zustimmt. Die Abteilung Münster hat bereits vor einiger Zeit mit ihrem Zimmer den gleichen Schritt getan. Verschiedenes Die im vorigen Jahre eingeführten Mittwochswanderungen sollen in diesem Jahre fortfallen, da sie nach den bisherigen Erfahrungen auch im laufenden Jahre wenig Zweck haben dürften. Die Beteiligung war zu gering. Auf Vorschlag des Amtsgerichtsrates Ehlerding will der Vorstand sich mit der Durcharbeitung von Plänen für 1½=Tages=Fahrten ins Siegerland befassen. Im nördlichen Gebiete der Stadt Schwelm soll eine men wird, erstreckt sich die Prüfung mit besonderer Intensität auf die etwa sonst trotz der bisher bereits geübten Sparsamkeit noch möglichen Ersparnisse. Bei den Nebenprodukten sind Verbilligungen bereits eingetreten. * Soest, 18. Jan.(Soest ohne Fehlbetrag.) Wie Bürgermeister Kleim in der Stadtverordnetensitzung mitteilte, wird die Stadt in der glücklichen Lage sein, durch Heranziehung des Ueberschusses der Gas=, Wasser= und Elektrizitätswerke den Haushalt für das Rechnungsjahr 1931 auszugleichen, so daß Soest eine der wenigen Städte im Westen ohne Fehlbetrag sein wird. Der Magistrat brachte angesichts der gesunden Finanzlage der Stadt in Vorschlag, eine Reihe städtischer Gebühren zu senken. Da die Regierung die von der Stadt zur Abhaltung von Kurneue Bank aufgestellt werden. Herr Fr. W.ssen für erwerbslose Jugendliche beantragten BeiBöhmer dankte der Abteilung Schwelm für die Unterstützung des Schwelmer Verschönerungsvereins bei seinen Bestrebungen auf dem Gebiete des Vogelschutzes und bei der Renovierung der Rodelbahn an der Waldlust. Amtsgerichtsrat Ehlerding machte darauf aufmerksam, bei den verschiehilfen abgelehnt hat beschloß der Magistrat, drei Kurse aus eigenen Mitteln einzurichten. * Wuppertal, 18. Jan.(Keine Schuhe, um in die Schule zu gehen.) Wie groß die Not geworden ist, zeigte sich aus einer Mitteilung des Wuppertaler Volksschuldezernenten, wonach in denen Polizeiverwaltungen dahin zu wirken, daß der letzten Zeit allein 2400 Paar Schuhe vom bereits vorhandene schöne Wanderwege nicht eingezogen, sondern der Allgemeinheit zur Benutzung verbleiben. Herr Böhmer dankte dem Vorstande für seine gute Arbeit im Interesse der Abteilung Schwelm des S. G. V. und gab dem Wohlfahrtsamt für solche Volksschüler ausgegeben werden mußten, die keine Schuhe hatten, um in die Schule zu gehen. * Remscheid, 18. Jan.(Ein guter Fang.) Ein seit langem gesuchter äußerst verwegener und Wunsche Ausdruck, daß die Herren des Vorstandes gemeingefährlicher Verbrecher der nach der Annoch recht lange auf ihrem Posten verharren und zum Wohle des S. G. V. arbeiten möchten. Im Anschluß an die Hauptversammlung wartete Herr Photograph Schneider noch mit einigen interessanten Filmvorführungen von Schwelm und seiner Umgebung auf. sicht der hiesigen Kriminalpolizei die meisten in der letzten Zeit hier vorgekommenen Einbruchsdiebstähle, besonders in Zigarrengeschäften verübte, konnte in der vergangenen Nacht festgenommen werden, als er, ausgerüstet mit allerlei Einbrecherwerkzeugen, in dem Zuge von Köln ange MIFA — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. kommen war, um in seinem Geburtsort Remscheid einen neuen Einbruch auszuführen. * Solingen, 18. Jan.(Schüsse auf eine Fabrikantenvilla.) Wie der amtliche Polizeibericht meldet, wurden am Samstag morgen gegen 1 Uhr auf die Villa Raßpe in Stöcken von bisher unbekannten Tätern ungefähr zwanzig Schüsse abgegeben. Die Schüsse wurden aus mehreren Wassen abgegeben, da die aufgesundenen Hülsen verschiedene Kaliber ausweisen. Es wurde Sachschaden an Türen und Fenstern verursacht. Personen wurden nicht verletzt. Im Vorgarten des Hauses fand man einen Ziegelstein, der in Papier eingewickelt war. Die Beschriftung dieser Umhüllung ließ erkennen, daß die Täter bei einer linksradikalen Partei zu suchen sind. Für die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt worden. Der feige Ueberfall auf das Wohnhaus der Fabrikanten Peter und Alfred Stöcken hat in der Solinger Bürgerschaft große Erregung hervorgerufen. Bei der Firma ist vor einigen Wochen ein Streik ausgebrochen, der bisher noch nicht beendet wurde. Man nimmt nun an, daß extreme Elemente diesen Ueberfall ausführten. * Köln, 18. Jan.(Streit zwischen Vater und Sohn.) Eine furchtbare Familien= tragödie hat sich in der Nacht zum Sonntag in Köln=Raderthal abgespielt. Am Samstag nachmittag war ein 50jähriger Schreiner mit seinem 23jährigen Sohn in eine heftige Auseinandersetzung geraten, da der junge Mann seine Arbeitsstelle aufgeben wollte. Der Vater holte eine im Keller versteckt gehaltene Armeepistole, begab sich in das Schlafzimmer seines Sohnes und tötete ihn durch einen Schuß in die Schläfe. Darau richtete der Vater den Revolver gegen sich selbst; die Waffe versagte jedoch. Der Täter stellte sich darauf freiwillig der Polizei. Wirtschaft, Handel und Industrie Berliner Produktenbörse * Berlin, 18. Jan. Weizen, märk. 226—228, Roggen, märk. 197—198, Gerste: Braugerste 160 bis 170, Futter= und Industriegerste 155—162 Hafer, märk. 135—153, Weizenmehl 27,50—31,25, RoggenDie Reichsgründungsfeier des Kyffhänserbundes gestaltete sich auch in diesem Jahre wieder zu einer machtvollen Kundgebung der größten Organisation ehemaligen Soldaten. Zahlreiche Führer der alten Armee sowie Vertreter der Reichswehr und der Reichsregierung nahmen an der Feier teil. Ueber 600 Fahnen aus allen Teilen des Reiches gaben der Veranstaltung ein liches Gepräge. mehl 27—29,25, Weizenkleie 9,60—10, Roggenkleie 9,60—10, Viktoriaerbsen 21—27,50, kleine Speiseerbsen 21—23,50, Futtererbsen 15—17, Peluschken 16 bis 18, Ackerbohnen 14—16, Wicken 16—19, Lupinen, blaue 10—12, gelbe 14—15,50, Seradella 22 bis 28, Leinkuchen 11,90—12, Trockenschnitzel 6,50—6,60, Soyatschrot 11,50—11,60, Kartoffelflocken 12,10 bis 12,30, Speisekartoffeln, weiße 1,50—1,60, rote 1,70 bis 1,90, Odenwälder, blaue 1,80—2,00, andere, gelbfleischig 2,10—2,30 M. Viehmärkte Elberfelder Schlachtviehmarkt. * Elberfeld, 18. Januar. Auftrieb: 705 Stück Großvieh, davon 156 Ochsen, 80 Fresser, 48 Bullen, 348 Kühe, 502 Kälber, 73 Färsen, 3158 Schweine, 15 Schafe. Marktverlauf: Großvieh schlecht, Ueberstand, Kälber schleppend, geräumt, Schweine langsam. Es kosteten: Ochsen: a) 34—36, b) 30—33, c) 25—28; Bullen: a) 28—30 b) 23—27; Kühe a) 32 bis 30, b) 23—26, c) 18—22, d) 14—17; Färsen: a) 32—35, b) 25—31, Fresser: 20—25; Kälber: a)—, b) 45—48. c) 98—44, d) 28—97; Schweine: a) 87 bis 40. b) 37—40, c) 87—40, d) 35—36, e) 30—34, f)—. a) 30—35 Mark. Freitag, der dreizehnte * Paris, 17. Jan. Der Franzose ist abergläubisch, entsetzlich abergläubisch. Die Zunft der Kartenlegerinnen und Sterndeuterinnen in Paris blüht und gedeiht. Sogar Kammerabgeordnete, die es doch wirklich nicht nötig haben sollten, pilgern zu den Wahrsagerinnen am Montmartre, um sich die Zukunft sagen zu lassen. Schließlich, was Wallenstein tat, braucht auch einen Minister der aufgeklärtesten aller Republiken nicht zu schän983.„„„ Der Freitag ist ein boser Tag. Denn an einem Freitag starb Christus am Kreuz. Dreizehn ist eine böse Zahl. Denn an dem Abendmahl, das der Herr mit seinen zwölf Aposteln einnahm, saßen dreizehn Personen zu Tisch. Und auf dem dreizehnten Stuhl saß Judas, der kurz darauf eines gewaltsamen Todes starb. Fallen nun der dreizehnte des Monats und der Freitag der Woche zusammen, so ist das ganz schlimm. Im vergangenen Jahr gab es drei solcher schwarzer Tage, im Februar, März und November. Im neuen Jahr— alle abergläubischen Franzosen haben fieberhaft den Kalender durchblättert, um dann erleichtert aufzuatmen— gibt es nur einen einzigen, dem man mit Bangen entgegensehen muß. Es ist Freitag, der dreizehnte Mai. Wetterbericht der Welterwarte Essen Noch meist wolkig bis bedeckt, vielfach auch diesig mit Neigung zu leichten Sprühregen, sehr mild; schwache Winde aus vorherrschend südwestlicher Richtung. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau! Scherz, für den Anzeigenteil: Hans Scherz; Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Nach langem Leiden verschied im hohen Alter von 78 Jahren unser früherer Holländermüller Keniien Wiesehlahnf. Derselbe war lange Jahre in treuer Pflichterfüllung in unserem Betriebe tätig. Ein ehrendes Andenken ist ihm gesichert. Schwelm Dahlhausen, den 18. Januar 1932 Friedrich Erfurt& Sohn G. m. b. H. Hugo Erfurt. Am Mittwoch, dem 20. Jan. 1932, mittags 12 Uhr werde ich in Milspe in der Wirtschaft Thieme bezw. an Ort und Steüe folgende Sachen öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern: 1 Sofa, 1 Gasherd, 1 Schreibmaschine, 1 Waschkommode, 1 Klavier, 1 Radioapparat, verschiedene elektrische Lampen, 2 Staubsauger, 1 Büfett, 1 Credenz, 1 Ausziehtisch, 4 Stühle u. a. S. Henses. Gerichtsvollzieher kr. A. in. Schwelm. Freundl. möblierkes Zimmer in gutem Hause sof. od. später zu vermieten. Zü erfragen in der Geschäftsst. ds. 31g. Kich Zür Erzielung feiner Herrenwäsche. Vortragende ist die bekannte Fachlehrerin W. Hedrich, Berlin. Nach selbst ausgearbeiteter Methode wird das Waschen, Stärken, Plätten, Neuplätten und Glänzen der Wäsche und die dabei anzuwendenden Kunstgriffe praktisch vorgeführt und leicht faßlich erklärt, so daßl jede Dame danach die Stärkewäsche im eigenen Haushalt fertigstellen kann. 0 Eintritt frei! 9 Der Vortrag findet am Mittwoch, dem 20. Jan. nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr im Sängerneim Oskar Schirmer, Koinerstr. Stall. haus- u. Grundbesitzer-Vereine. V. Schwelm. Jahres-Hauptversammlung nebst Beratung, Mittwoch, 20. Jan. 1932, abends 8½ Uhr, Ratskeller, Ostenstr. 87 Tagesordnung: 1. Vortrag:„Hausbesitz und Notverordnung“ Redner: Herr Stadtrat Dr. jr. Dessin=Hagen, 2. Jahresbericht, 3. Kassenbericht, 4. Protokollverlesung, 5. Wahl von Vorstandsmitgliedern, 6. Wahl von Kassenprüfern, 7. Beratung und Verschiedenes. Alle Schwelmer Besitzer von Alt= und Neubauten, vor allem unsere verehrten Mitglieder, werden hiermit engeioden. Dee Vorsland. Feinste Pfd. 1.32 empfichlt Paur schneider Schweim, Markt. Milspe Zum 1. März 373 Sabentotal in best. Lage(35gm) z. verm. Zu erfragen in d. Geschäftsstelle dieser Zig. was deingt der Kandsant! Mittwoch, den 20. Januar 6.45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe 7,05—8,00 Morgenkonzert. 8,00 Wiederholung der Wetterverhersage. 8,05—8,30 Die Frau im Staat. 9.45 Gymnastik für Frauen.„. Mester, 10,00 Erste Meldungen, Zeitangave und Wasserstandsmeldungen.„ Fw einsckettsgmn. 10,05—10,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftpempsang für Arbeitslose. 11,20—12,00 Musikalischer Schulfunk. 12,00—12,50 Schallplattenkonzert. 250 Wetterbericht.„„Misteezmelzu ud 12,55 Nauener Zeitzeichen, Weirragomeldungen aut Zeitangabgn#### Semmmmt: Gr. 13,05—14,30 Mittagskonzert, reitung: Thsoldl. 1. Krönungsmarsch von Kretschmer. 2. Tanzsuite von Pierné. 3. Ouverture zur Operette„Das Modell“ von Suppé. 4. Melodien aus der Oper „Pique Dame“ von Tschaikowsky. 5. Himmelsfunken, Walzer von Waldteufel. 6. a) Liebeserwachen von Wakefield, b) Serenade von Tarenghi. 7. Musikalische Neckereien, Potpourri v. Worch. 14,30 Funkwerbung mit Schallplatten. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderturnen. 16,20—16,40 Meine Heimat. 16,40—17,00 Aus dem Schulrecht. 17,00—18,00 Vesperkonzert des Orchesters des West. WETS Wn Kstn B K deutschen Rundfunks, Leitung: Kühn Solistin: Brunhilde Mayer=Schneider(Cembalo). 1. Ouverture zu„Ascanio in Alba“ von Mozart. 2. Konzert in F=dur für Cembalo und Orchester. von Haydn. 3. Aus den„Ruinen von Athen“ v. Beethoven. 18,00—18,20 Lebende Dichter. 18,20—18,40 Meister der Naturschilderung. 18,40—19,00 Wirtschaftspolitische Umschau. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,30 Vor allem Gesundheit. 19,30—19,55 Zeit= und Streitfragen der Sozialpolitik. 19,55 Erste Abendmeldungen. 20,00—20,55 Abendmusik, Leitung: Wolf. 1. Der Gladiator, Marsch von Sousa. 2. Ouverture„Fahrend Volk“ von Leuschner. 3. Melodien aus der Operette„Die Zirkusprinzessin" von Kalmann. 4. Wiener Praterleben, Walzer von Translateur. 5. Im Zirkus, Suite von Armandola. 6. a) Gaukler im Orient von Lindemann, b) Aufzug der Clowns von Noack. 21,00 Clowns Geburtstag. Hörspielerei von Hellmut Jaro Jaretzki. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht üben das geistige Leben, Sportbericht.. A.unt: ol. Anschließend bis 24,00: Nachtmusik, Veitung: — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. — — Zweites Blatt Aummer 15 Pchhibbill Wr 2 Dienstag, 19. Januar 1932 0 steht der Weltluftverkehr? Die Entwicklung der Luftfahrt in den zwölf Jahren nach dem Kriege hat zu erstaunlichen Ergebnissen geführt. Das Verkehrsflugzeug betätigte sich zunächst aus dem Gebiet der einzelnen Staaten und Kontinente. Inzwischen ist in rasendem Tempo eine Handelsluftfahrt entstanden, die den ganzen Erdball umfaßt. Natürlich befinden wir uns zunächst in den Anfängen dieser Entwicklung, aber dem aufmerksamen Beobachter kann nicht entgehen, daß die großen Verbindungswege in der Luft sich allmählich immer deutlicher herauskristallisieren. Dabei haben diejenigen Staaten einen Vorteil, die Stützpunkte in anderen Erdteilen besitzen. Selbstverständlich stellen diese Staaten den Weltluftverkehr in den Dienst ihrer Kolonialpolitik. Sie haben ein Lebensinteresse daran, die Verbindungen mit ihren überseeischen Besitzungen möglichst eng zu gestalten und dadurch gewisse Schwächen ihres Machtsystems auszugleichen. Dieses Bestreben ist besonders in der englischen und in der französischen Luftverkehrspolitik deutlich bemerkbar. So sind die Fluglinien nach Südasien und nach Nordafrika zustandegekommen. Die Franzosen haben Luftlinien an der afrikanischen Westküste entlang geführt, von wo aus der Uebergang nach Südamerika gefunden werden kann, und sie wollen ferner in späterer Zeit den Weg durch Zentralafrika nach Madagaskar für den Luftverkehr erschließen. England seinerseits bereitet einen ständigen Luftverkehr von Kairo nach Kapstadt vor. Selbst wenn auf Nachtverkehr verzichtet wird, kann die Strecke Kairo=Kapstadt nach der Durchführung der Gesamtorganisation in elf Tagen bewältigt werden, also gegenüber dem Erdverkehr neun Tage ersparen. Von Kairo aus gehen auch die englischen Linien nach Indien und Australien. Vom Londoner Flughafen Croydon kann man in acht Tagen über Kairo, Bagdad, Karachi nach Delhi, der Hauptstadt Indiens, fliegen. Man erspart gegenüber dem Eisenbahn=Dampferverkehr etwa 10 Tage. Eine noch größere Beschleunigung würde natürlich eintreten, wenn erst einmal der Nachtflug auf diesen Strecken organisiert ist. Die Einbeziehung Australiens in diesen Luftverkehr ist nur noch eine Frage der Zeit. Von den Holländern ist ein Flugdienst von Amsterdam nach Batavia, der Hauptstadt der holländischen Kolonie Java, eingerichtet worden, durch den die Verbindung um volle zwanzig Tage abgekürzt worden ist. Ebenso hat auch Frankreich dafür gesorgt, daß seine Besitzungen in Südostasien an das englische Verkehrsnetz angeschlossen werden. Schwieriger liegen die Dinge beim Luftverkehr über den Atlantischen Ozean. Da der Flug von Irland nach Neufundland aus Wettergründen noch für lange Zeit recht problematisch ist, wird eine Linie über den nördlichen Atlantik voraussichtlich am schnellsten über die Azoren und Bermuda=Inseln zustandekommen. Allerdings reicht das vorhandene Material dafür technisch noch nicht recht aus. Sehr viel günstiger liegen die Verhältnisse im südlichen Atlantischen Ozean, wo der ständige Luftverkehr zwischen Dakar an der afrikanischen Westküste und Südamerika(Natal in Brasilien) anscheinend in absehbarer Zeit verwirklicht werden wird. Beim Stillen Ozean stehen die übergroßen Entfernungen vorläufig noch hindernd im Wege. Die Deutsche Luft=Hansa beschränkt sich in ihren Weltverkehrsplänen auf diejenigen Gebiete, die für Deutschland wirtschaftlich wesentlich sind. Hier kommen in Frage Nordamerika, Südamerika und Ostasien. Der Luftverkehr über die Atlantik arbeitet mit der Schiffahrt zusammen. Bekannt ist die Tatsache, daß zwei Schiffe des Norddeutschen Lloyd, die „Bremen“ und die„Europa“ etwa 1200 Kilometer vor der Küste Katapultflugzeuge abschießen, durch die eine wesentliche Beschleunigung der Postzustellung erreicht wird. Diese Lösung wird wohl noch eine Zeitlang als die beste zu gelten haben, bis die mehrmotorigen Flugzeuge den Atlantischen Ozean sicher zu überqueren vermögen. Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ pflegt bekanntlich in erster Linie den Verkehr mit Südamerika. Durch Zusammenarbeit mit dem Flugzeug ist es gelungen, zwischen Berlin und Buenos Aires eine schnellste Verbindung in sechs Tagen herzustellen. Ferner besteht ein ständiger Luftverkehr mit den Kanarischen Inseln, den die Luft=Hansa wahrnimmt und der für eine schnellere Beförderung den Südamerikapost sorgt. Der Verkehr nach dem Fernen Osten wird bekanntlich auf dem Landwege durch die „Deruluft“ wahrgenommen. Srigl. Ablfür 3.E-PIl. Arbeifslese jährlich KAA 1 DURCASCHN. ENTFIELEN AUF 4 MONAT 0.3.1931 4,4, O9MILL. ARBEITSLOSE Pamtsssgg WOkben 3. aS milt. Uureasrürzr. MIT FAMILIETGANGEHORIGEN OMILL. 8 ½/ DES DRUTSCHEN VOLKES) 6.6. ES ENTEIELEN: Ge Magrügenttanbiiane! 26% AUE DiR waiseneössonee 27% AUE DIE ÖFFENTL. WehtlFanarseri### MLARHDGE EUR DIE ARSEITSLOSENVERSORGUNG 14.36 Mnl. an VON DER REICHSANSTALT 801nl.An AEICASZUSCAUSS % 736 M. BETRAGE b. CEMEINDEN INSGESANT: 2. 9 F 3mtt.8041 Deutsche Gebirgsartillerie lernt Skilaufen. Auf der Barbarahütte am Kreuzeck bei Garmisch=Partenkirchen finden gegenwärtig Ausbildungskurse der Gebirgsartillerie im Skilausen statt. Die Aufnahme zeigt die 2. Abteilung des 7. Bayrischen Artillerie=Regiments beim Marsch zur Alpspitze bei der Barbarahütte. Das Eintommen der Angestemten Eine Amfrage bei 100000 Angestellten bringt ein niederschmetterndes Ergebnis für den, der weiß, daß die Angestellten länger und mehr arbeiten müssen als die als Arbeiter bezeichneten Leute, und daß sie dafür erheblich schlechter bezahlt werden. Zuerst ist einmal bedenklich, daß von den männlichen Angestellten nur 40 Prozent verheiratet sind, während von den weiblichen Angestellten 90 Prozent unverehelicht sind. Fast der Hälfte aller männlichen Angestellten ist es also nicht möglich, mit dem heutigen Verdienst eine Familie zu gründen. Und wer es dennoch fertigbringt, hat nicht viel Kinder. Von verheirateten Angestellten leben 43 Prozent in kinderloser Ehe, 29 Prozent haben nur ein Kind, 12 Prozent zwei und 15 Prozent mehr als zwei Kinder. Eine Ehe mit mehr als drei Kindern ist bei den Angestellten eine Seltenheit. Aus welchen Bevölkerungsschichten setzen sich nun die Angestellten zusammen? In mehr als 50 Prozent aller Fälle ist der Vater Kleinkaufmann oder Händler gewesen, in 22 Prozent Arbeiter. Je 14 Prozent aller Angestellten stammen aus Angestellten= oder aus Beamtenfamilien. Von den 100000, die befragt wurden, hatten 60000 nur die Volksschule besucht, während 12000 auf die Mittelschule gegangen waren. Die Zahl derer, die die oberen Schulen absolvierten, ist dann nur noch gering. Immerhin steht die Realschule mit 9200 Zöglingen noch an der Spitze vor dem Gymnasium, das von 8750 und der Oberreal= schule, die nur von 3600 besucht worden war. Der Rest war hauptsächlich in Fachschulen der verschiedensten Art ausgebildet worden. Eine sehr betrübliche Tatsache ist, daß Angestellte über 40 Jahre, die einmal brotlos geworden sind, nur in ganz wenigen Fällen wieder eine Stellung finden können. Man will keine zu jugendlichen Angestellten haben, man will aber auch nicht mit Leuten über 40 Jahren arbeiten. So kommt es, daß die Jahrgänge zwischen 20 und 30 Jahren mit 73000 das weitaus größte Kontingent stellen. Nur 13000 Angestellte hatten das 30. Lebensjahr überschritten. Den Angestellten geht es finanziell schlecht. Denn man überlege sich einmal, was das heißt, daß 75 Prozent aller deutschen Angestellten weniger als 250 RM. verdienen, während vor 5 Jahren noch 40 Prozent aller Angestellten mehr als 250 RM. im Monat erhielten. Anderen geht es noch schlechter; denn von diesen 25 Prozent verdienen 60 Prozent keine 200 RM. monatlich, und 44 Prozent aller Angestellten erreichen nicht einmal 175 RM. Monatsgehalt. Diese Ziffern sprechen für sich selbst und bedürfen keines Kommentars. Ganz wenige verdienen etwas mehr, aber von 100000 Angestellten kommen doch nur 15000 auf mehr als 300 RM. und weniger als 400 RM.; weitere 7500 erreichen ein Einkommen von mehr als 400 und weniger als 500 RM., und die Elite(das sind nur noch 2500 Mann) wird mit mehr als 500 RM. gut bezahlt. Ichönes Hlack in O. Kinulen! Durch einfaches Budern urd ihe Namr zfort loche!) und duftig. Die Ondulation bleibt erhalten Jie erreichen dies durch die Haarwäsche ohne Warser Schwarzkopf Trocken-Schaumpol Roman von MAX NEAL, 15 Das Doppelte Gesicht „Oberleutnant von Wasil hat soeben das Schloß verlassen“, sagte sie mit Ruhe und Entschiedenheit. „Er ist im Begriff, nach auswärts zu reiten. Folgen Sie ihm mit einigen Leuten in unauffälliger Weise. Außerhalb der Stadt ist er anzuhalten und genau zu durchsuchen. Alle Briefschaften, die er bei sich trägt sind ihm abzunehmen, dann ist er wieder freizulassen. Die ihm abgenommenen Papiere haben Sie unverzüglich mir zu bringen. Sollte ich schon zur Ruhe gegangen sein, hat man mich zu wecken. Haben Sie verstanden?" „Zu Befehl, Hoheit,“ antwortete salutierend der Schloßhauptmann. „Also dann rasch. Es ist keine Zeit zu verlieren. Der Oberleutnant wird wohl nach Hause gegangen sein, um sein Pferd satteln zu lassen. Sie können ihn daher kaum verfehlen.“ Der Schloßhauptmann entfernte sich in großer Eile. Amalie richtete sich auf. Etwas wie eine innere Genugtuung überkam sie.„Wir wollen doch sehen, wer mir da im Wege steht.“ Siebentes Kapitel Die Gratulationscour war beendet. Die Gäste hatten sich zum größten Teil in den Herkulessaal begeben, wo ein reich ausgestattetes Büfett ausgestellt war. Und während die Damen dort Gefrorenes schlürften und Limonade tranken und die Herren Gläser mit verlendem Champagner leerten und Trüffelpastete dazu aßen, blühte und wucherte der Klatsch. Man tuschelte sich allerlei vikante Geschichten über die Komtesse zu, man munkelte perfide Dinge, warf sich gegenseitig boshafte Bemerkungen über das Brautpaar zu und besprach den kleinen Schwächeanfall, den die Komtesse während der Gratulationscour erlitten hatte, mit mokantem Augenzwinkern. Die Herren waren von der Braut des Herzogs entzückt. Ihre Schönheit, ihre Bescheidenheit und ihre mädchenhafte Befangenheit fanden sie bezaubernd. Kein Wunder, daß der Herzog sich in sie verliebt habe. Die Damen aber rümpften die Nasen und behaupteten, das alles sei weiter nichts als Raffinement und Berechnung der Hauenstein, um den alternden Fürsten zu bestricken und einzufangen. Johann Georg hatte sich mit Bettina in den Wintergarten zurückgezogen. „Hier, liebste Bettina, kannst du dich ein wenig erholen,“ meinte der Herzog und geleitete die Braut, aus deren Gesicht alle Farbe gewichen war, zu einer Bank unter einem blühenden Zitronenstrauch. Bettina ließ sich mit einem leisen Seufzer auf der Bank nieder.„Tausend Dank, Johann Georg... es war nur eine kleine, vorübergehende Schwäche... die Hitze im Saal... und....“ Der Herzog, der sich neben sie gesetzt hat, unterbrach sie zärtlich:„Ja, Kind, die lange Gratulationscour hat dich angestrengt.“ Aber das war es nicht, was Bettina beinahe umsinken ließ, wenn sie der Herzog nicht noch rasch gestützt hätte. Es war vielmehr die Gewißheit, die sie gewonnen hatte, daß Joachim von Erken tatsächlich Iwan Taschew war. Eine kleine Zufälligkeit brachte ihr diese Gewißheit. Erken stand bei der Gratulationscour neben dem Herzog und hielt die Liste der vorzustellenden Personen in der linken Hand. Da sah Betlina um sein Handgelenk ein seines, goldenes Kettchen aufblitzen, das sie einmal in einer glücklichen Stunde Iwan zum Geschenk gemacht und ihm selbst angelegt hatte. Es war gar kein Zweisel möglich. Sie hatte das Kettchen sofort wiedererkannt. Im selben Augenblick aber war in ihr der Gedanke aufgetaucht an den Bauern, der von Iwau aus Rußland geschickt worden sein wollte und der ihr die Grüße Iwans überbracht hatte. Blitzschnell hatte sie überlegt: wie war das mit Iwans Anwesenheit hier am Hof in Einklang zu bringen? Hatte sie Iwan nur sicher machen, seine Täuschung, als sei er wirklich Joachim von Erken, dadurch verstärken wollen, daß er ihr scheinbar einen Boten aus Rußland gesandt hatte? Hatte er auf diese Weise etwa versucht, den Verdacht von sich abzulenken, daß er sich schnöde verleugnet hatte? So ist es. Anders ließ sich das Erscheinen dieses russischen Bauern und dessen Lüge, er käme von Iwan, nicht erklären. Das alles hatte sich plötzlich wie ein schwerer Druck auf sie gelegt. Traumhaft, fast schattenhaft war die Hofgesellschaft an ihr vorbeidefiliert. Sie hatte Namen gehört, die sie nicht verstand, und nur automatisch den Kopf geneigt. In ihren Ohren hatte es zu sausen begonnen, unbewußt hatte sie die Finger ineinandergeflochten und, von einem jähen Schwindel erfaßt, die Augen geschlossen. Da war es ihr gewesen, als legte sich ein Arm um sie. Worte waren zu ihr gedrungen wie aus weiter Ferne. dann war der schwarze Schleier von ihr gewichen. Sie hatte in das ängstliche Gesicht des Herzogs geblickt, besorgte Mienen um sich gesehen. Rasch war sie mit der Hand über die feuchte Stirne gefahren und dann hatte sie versucht, zu lächeln. Mit leiser, unsicherer Stimme hatte sie etwas von großer Hitze und begreiflicher Aufregung gestammelt, während der Herzog die Gratulationscour abbrechen wollte. Aber Bettina hatte darauf bestanden, daß sie zu Ende geführt werde. Und der Herzog hatte sich über seine kleine, tapfere Braut gefreut. Johann Georg blickte Bettina immer noch ein bißchen besorgt an.„Wenn du wünschest, gebe ich Befehl, daß der Ball beendet wird, damit du dich in deine Gemächer zurückziehen kannst.“ „Ich fühle mich schon wieder ganz wohl.“ versicherte Bettina sanft, fast bittend.„Es wäre mir schrecklich, eine Störung zu verursachen und den Gästen die frohe Stimmung zu verderben.“ Der Herzog ergriff ihre Hand.„Wie du willst, Bettina.“ Und nach einer kleinen Weile fragte er, als ob sich die Gedanken Bettinas an Iwan auf ihn übertragen hätten:„Es bedrückt mich etwas, Liebste, schon die ganzen Tage her, seit du damals in Joachim von Erken diesen Iwan zu erkennen glaubtest.“ Sie horchte auf. Ihr Herz begann mit einemmal so laut zu schlagen, daß sie fürchtete, man könnte es hören. Johann Georg sah ein bißchen verlegen auf den gelben Sand zu seinen Füßen. Dann sagte er, ohne aufzusehen:„Liebst du diesen Iwan noch?“ Etwas in ihr bäumte sich auf.„Kein Wort mehr von diesem Elenden! Ich will ihn vergessen, wie er mich vergessen hat.“ Der Herzog vernahm diese Versicherung mit großer Befriedigung entgegen.„Um dir das Vergessen zu erleichtern, darf Erken nicht länger am Hof bleiben. Ich werde mit ihm morgen sprechen. Sein Anblick würde dich durch seine Aehnlichkeit mit jenem anderen immer an das erinnern, was du verloren hast.“ Bettina schaute vor sich in den Schoß.„Um meine Ruhe brauchst du dir keine Sorge zu machen, Johann Georg. Herr von Erken wird sie nicht mehr stören.“ Der Herzog lächelte sein.„Aber die meine. Ich bin auf Erkens Aehnlichkeit mit dem Mann, den du liebtest, eifersüchtig.“ „Dazu hast du keine Ursache. Aber tue, was du für gut findest. Und wenn es dich beruhigt, so schicke ihn fort. Es ist vieleicht das Allerbeste,“ entgegnete Bettina. „Ich will nicht, daß ich deine Liebe, und wäre es deinerseits auch nur in Gedanken, mit einem anderen teilen muß,“ gab er zurück. Dann fuhr er mit einer für sein Alter fast komisch wirkenden Zärtlichkeit fort:„Ich will dir ja alles geben, was mein Herz nur geben kann und werde glücklich sein, wenn ich später einmal von dir hören könnte: mein lieber, alter Johann Georg, ich war dir von Herzen gut. Dann werde ich gern und zufrieden mit meinem Schicksal die Augen für immer schließen.“ Bettina war von dem Ton seiner Worte ergriffen. Bewegt sagte sie:„Mein lieber, alter Johann Georg, ich bin dir jetzt schon gut.“ Der Herzog schloß sie in aufwallender Freude in seine Arme.„Meine liebe, kleine Bettina!" Leise. träumerisch sprach sie vor sich hin, während sie ihren Kopf an seine breite Brust lehnte: „So nannte mich auch oft mein Vater, wenn ich als Kind auf seinen Knien saß. Und da fühlte ich mich in seiner Liebe dann so geborgen, so warm und wohlig, als hüllte mich ein weicher Mantel ein, der mich vor jedem Sturm und vor aller Unbill schützte. Das gleiche fühle ich jetzt bei dir... und das ist so schön... so schön nach so vielen trüben Tagen.“ „Bettina, ich will dir Schutz und Schirm sein in allen deinen Tagen,“ entgegnete der Herzog mit froher Feierlichkeit. Bettina küßte ihn statt einer Antwort leicht und sanst auf den Mund, wie man einen Vater küßt. Dann entwand sie sich seinen Armen und erhob sich.„Unser Verschwinden wird auffallen, Johann Georg. Wir müssen zu unseren Gästen zurück.“ folgt.) Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Die Srimme Des Ochtafa! Nachdruck verboten Roman von G. Schätzler=Perasini 33. Fortsetzung Rachdruck verboten „Sie wollen ja doch mein Geständnis!“ höhnte Curtius. „Da darf nichts fehlen. Hören Sie weiter! Die ganze Zeit über stand ich mit Fanny in heimlicher Verbindung. Ihr Pseudogatte ahnte natürlich nichts davon. Geld war ja genug da. Ich habe im ganzen etwa 300 000 Mark bis heute erhalten. Wir verfolgten ganz systematisch unseren Plan. Wenn ich mir in der Anstalt Eingang verschaffte, so geschah es nur zu dem Zwecke, um Anny Bolten zu beseitigen. Sie wurde uns mehr und mehr gefährlich. Irrsinnig ist sie natürlich nicht!" Berndorf wußte kaum mehr, wie ihm geschah. Hatte er es etwa in Dr. Curtius mit einem Wahnsinnigen zu tun? Aber der entsetzliche Mensch sprach so kalt und ruhig als erzähle er ganz harmlose Dinge. „Sie geben alle Ihre Verbrechen zu?“ rief er, den Arzt anstarrend. Curtius nickte. „Ohne weiteres! Ich will Ihnen sogar sagen, was wir sonst noch beabsichtigen, das heißt, ich selbst— wenn Fanny Ehlers etwa zurückschreckt. Anny Bolten ist entkommen. Aber ich hoffe sie noch diese Nacht einzufangen. Weit kann sie gar nicht sein. Diesmal mache ich kurzen Prozeß. Man wird sie tot auffinden, ohne die Ursache feststellen zu können. Und nach einigen Tagen stirbt Erwin Bolten auf ganz dieselbe Weise. Die Sache ist überaus einfach und als Arzt würden Sie das Mittel, welches ich anwende, wohl kennen, wenn ich Lust hätte, Sie damit bekannt zu machen. Nachdem die beiden Personen, welche uns im Wege stehen, beseitigt sind, werde ich Fanny veranlassen, das Hüttenwerk zu verkaufen, was jedermann begreiflich finden dürfte. Wir gehen, nachdem alles zu Geld gemacht ist, mit den Millionen ins Ausland und verschwinden dort. Nun wissen Sie alles!“ Er hatte mit einem Lachen geschlossen, näherte sich aber dem Sanitätsrat bis auf einen Schritt. Berndorf schüttelte gewaltsam die Erstarrung ab, welche ihn erfaßt hatte. Er fuhr vom Stuhle empor. „Aus ihnen spricht ein Teufel, kein Mensch! Aber was denken Sie denn, daß ich tun werde, ich, dem Sie diese höllischen Pläne enthüllten?“ „Sie, Herr Sanitätsrat?“ erwiderte Curtius mit einem seltsamen Seitenblick.„Sie werden gar nichts tun, als mich ganz ungehindert von hier hinausgehen lassen. Ich werde noch diese Nacht verschwinden, jetzt, da Anny Bolten fort ist, um so rascher. Morgen wird es heißen: Der neue Arzt Dr. Carlsen ist mit dieser Betrügerin Fanny Ehlers durchgebrannt. Sie soll ja überhaupt eine schlimme Vergangenheit besitzen. Den Dr. Carlsen findet man natürlich nirgends, höchstens die tote Betrügerin! Sie sehen, ich verstehe auch diesen Zwischenfall auszunützen!“ „Sie werden nichts von alledem tun, weder das eine noch das andere!" rief Berndorf mit erhobener Stimme. „Nun kenne ich keine Rücksicht mehr. Morgen übergebe ich Sie der Polizei— Sie und Fanny Ehlers auf Ruhland!“ „Das dürfte Ihnen doch etwas schwer fallen!“ sagte Dr. Curtius. Seine Stimme klang plötzlich heiser. „Wie meinen Sie das?" „Tote Menschen reden nicht mehr und morgen— sind Sie ein toter Mann!“ Der Sanitätsrat wich unwillkürlich zurück. An der Wand befand sich ein Knopf, um das Personal herbeizurufen. Aber noch ehe er die Hand auszustrecken vermochte, vernahm er ein leises zischendes Geräusch. Curtius stand vor ihm, die eine Hand preßte ein Tuch vor das Gesicht, die andere streckte das Flacon mit der tödlichen Flüssigkeit von sich. „Das ist ja—!“ schrie Berndorf. Er öffnete den Mund. Der Atem ging ihm aus. Ein feiner Staub übersprühte ihn. „Elender!" Dies war sein letztes Wort. Er taumelte und schlug schwer zu Boden. Sekundenlang noch richtete der Verbrecher seinen Apparat gegen das Gesicht Berndorfs, der mit offenem Munde vor ihm lag. Dann taumelte er selbst zum Fenster und riß es weit auf." g.“ In. Teine Humnd hatt Es ging ihm selbst der Atem aus. Seine Hand hatte nicht gleich den Riegel gefunden und wie rasend pochte das Blut in seinen Schläfen. Sein Gesicht verzerrte sich. Da endlich—! Der Fensterflügel wich und Dr. Curtius taumelte gegen die nächste Wandecke. Die frische Nachtluft drang auf ihn ein und kräftigte ihn wieder.„## beran ph dieß mit der Foß. Er schritt an Verndorff heran und stieß mit der Fußspitze gegen den Regungslosen..(.z. Jer un di. G. Dann kniete er nieder und legte sein Ohr an die Brust des Opfers. 4g7 g Mansc. „Er ist tot— ein Herzschlag! Kein Mensch kann etwas anderes nachweisen!“.. T.itztamst S.u, Schrufel ab. Es fiel ihm ein, daß der Sanitätsrat den Schlüssel abzog und einsteckte. Er durchsuchte dessen Taschen und zog den Schlüssel beraus. Teße dur Eür i. Darauf brachte er den Toren naye der Tür in eine ihm zusagende Lage und sperrte die Tür auf. Nun stand er im Korridor. Er steckte den Schlüssel zu Annys Zellentür von außen in das Schloß und zog die Tür zur Hälfte vu. M g. Mm 8 „Alles wird vorzüglich klappen,“ murmelte er.„Morgen früh sind Dr. Carlsen und Anny, die hübsche Irrsinnige, verschwunden. Als Fanny Ehlers wird man bei ihr die Verführung des jungen Doktors begreiflich finden. Der Sanitätsrat entdeckte den Fluchtplan, überraschte die beiden hier und erlag in der gewaltigen Erregung einem Herzschlage. Alles natürlich! Daß sie den flüchtigen Dr. Carlsen so leicht nicht finden, dafür will ich sorgen. Ob nun Anny Warren diese Nacht mir entwischt oder nicht, ihr Los ist schlimmer als jel“.... Ohne mit jemand zusammenzutreffen, erreichte er sein Zimmer. Er nahm die kleine Reisetasche, warf den Ueberrock um und eilte durch einen Seitenkorridor in den nächtlichen Park. So rasch es ging, legte er den Weg nach der Station zurück. Es mußte ein Zug durchfahren. Aber als er den Bahnsteig betrat, sah er, daß er um zehn Minuten zu spät kam. Der Zug war bereits fort. Curtius mußte eine volle Stunde warten. Er setzte sich in dem Wartesaal auf ein Ledersofa und tat, als ob er schliefe. Auf das Signal des einfahrenden Zuges erhob er sich und bestieg als einziger Nachtpassagier dieser Station ein Abteil erster Klasse. Beiläufig um dieselbe Zeit, da Dr. Curtius auf seiner Flucht den Park betrat, um sich eilig zu entfernen, läutete es stark am Haupttor der Irrenanstalt. Erst nach geraumer Zeit öffnete der Hausmeister und fragte unwirsch, wer um diese Stunde Einlaß fordere. „Ich muß den Sanitätsrat sprechen,“ lautete die Antwort.„Mein Besuch ist seit dem Vormittag angemeldet. Es handelt sich um eine wichtige Sache!; i.g#ict#. Das energische Auftreten des Mannes blieb nicht ohne Wirkung. Trotzdem fragte der Hausmeister: „Wer sind Sie denn?“ 6 4m 6ezm Gat „Ich heiße Keller, bin Privatdetektiv und dem Herrn Rat sehr gut bekannt. Machen Sie nicht länger Umstände; ich werde erwartet!“ „Sonderbar!“ murmelte der Hausbesitzer. Er führte den Detektiv aber doch in das große Empfangszimmer, nachdem er dort Licht gemacht hatte. Der alte Diener Berndorfs war zur Ruhe geschickt worPP 5.: Dimmen dur Tamur Sani. „Es ist wirklich noch Licht im Zimmer des Herrn Sanitätsrates,“ nickte der Hausmeister.„Ich werde Sie melden!“ Keller ging in dem Zimmer unruhig hin und her. Eine sonderbare Erregung hatte ihn befallen.„ Der Hausmeister hatte an die Tür gepocht, welche in Berndorfs Zimmer führte. Keller horchte... keine Antwort. Auch das zweite Klopfen blieb erfolglos. Während der Hausmeister sich unschlüssig umsah, legte Keller rasch die Hand auf die Klinke und öffnete. Das Arbeitszimmer des Sanitätsrates war zwar erhellt ober ler. J4—.V4j4t Lins Srank. „Der Herr Sanitätsrat macht vielleicht eine Krankenvisite. Es kann möglicherweise etwas passiert sein!“ sagte der Hausmeister. Keller fuhr rasch mit dem Kopfe herum. „Passiert? Was meinen Sie?“ ge e — weiß ja nicht. Aber ich könnte den diensthabenden Arzt benachrichtigen.“ „Ja— gut. Tun Sie das.“ Der Mann verschwand. Nach einer Weile kihrte er mit einem Anstaltsarzt zurück. Keller sagte demselben das Nötigste. „Ich habe seit zzwei Stunden mein Dienstzimmer nicht verlassen, aber auch nichts von unserem Chef gehört," lautete die Antwort.„Sonderbar bleibt die Sache immerhin. Der Sanitätsrat macht sonst niemals Besuche zur Nahtzeit bei den Patienten!“. Gemnders sanne 4. Keller dachte einen Moment nach, Berndorf könne bei Anny Warren weilen. Durfte er durch das Personal nach ihm forschen lassen? Aber die Unruhe verließ ihn nicht. „Vielleicht könnte der alte Diener geweckt werden und Sie, Herr Doktor, lassen in den beiden Flügeln nachsehen?“ bat Keller.„Es tut mir leid, aber was ich mit dem Sanitätsrat zu besprechen habe, duldet wirklich keinen AufOvo. Ernfungssimmen# mährand Kellner blieb in dem Empfangszimmer zurück, während der Dirner Berndorfs geweckt wurde und der Arzt sich entfernte, um den Rat in dem Krankenzimmer zu finden. Irgend ein Wärter mußte den Chef doch gesehen haben! Keller mußte volle zwanzig Minuten warten. Da entstand draußen Lärm. Die Tür öffnete sich. Auf der Schwelle stand der diensthabende Arzt mit bestürzter Miene. Keller war vom Stuhl emporgefahren. Er ahnte bereits Schlimmes. „Was gibt es?“ stieß er hervor.. 1. „Eine traurige Botschaft: Der Sanitatsrat ist— tot!“ Keller starrte den Arzt an. Hatte er sich verhört? Aber nein, wenige Worte genügten, um ihn das Furchtbare erkennen zu lassen. Er hielt sich die Stirn. Wilde Gedanken schossen in ihm auf. „Wo ist Dr. Carlsen?“ rief er plötzlich. „Carlsen? Der Kollege hat diese Nacht keinen Dienst!" „Rufen Sie ihn sofort, ich bitte Sie darum!“ „Es wird geschehen!“ Zwei Wärter traten durch die offene Tür ein. „Sie ist entwichen! Es ist unbegreiflich! Und Melanie liegt in schwerem Schlafe. Wir kriegen sie gar nicht nach!“ meldeten sie. Keller stutzte. „Was ist denn sonst noch geschehen?“ stieß er hervor. „Eine Patientin, welche von der Polizei zur Beobachtung übergeben wurde, ist geflüchtet,“ antwortete der Arzt, der nicht wußte, was zuerst beginnen.„Das wird einen Skandal geben! Der Sanitätsrat hat die Person wohl überrischt, denn er liegt der Tür jener Zelle nahe. Die Wärterin war von außen eingesperrt. Die Patientin Hebs Migiert, Gersauf B.s uulsz. „Fanny Ehlers, eine ganz raffinierte Person! Wer weiß, wen sie fand, der ihr forthalf!“ Wieder stürzte ein Wärter herein. „Dr. Carlsen ist verschwunden!“ meldete er. Keller ballte die Faust. Der Schurke war ihm zuvorgekommen, vielleicht nur um eine Stunde. Aber er durfte noch nicht sagen, was er dachte. „Ist der Sanitätsrat denn nicht mehr zu retten?“ rief er erschüttert. Der Arzt schüttelte den Kopf. „Ein Herzschlag; er war leidend! Alles vergeblich!“ „Kann ich den Toten nicht sehen? Wir kannten uns lange und ich wollte ihm diese Nacht noch einen großen Dienst erweisen.“ „Kommen Sie!“ Die ganze Anstalt war alarmiert. Halb gekleidetes Dienstvolk rannte durcheinander. Man hatte Berndorf auf das Bett Anny gelegt. Sein Gesicht zeigte den Ausdruck des Entsetzens. Keller fand dies sogleich heraus, als er an der Leiche evo...„.. 9... Bacht Hian ahgef-l Was hatte sich in dieser Nacht hier abgespielt? Dann sah er sich um. Gab es denn nichts, das irgendwie Aufklärung bot? Richts war zu finden. Nur ein ganz feiner, sonderbarer Geruch lagerte über der ganzen Atmosphäre hier. Keller blickte tiefbewegt auf Berndorf nieder. Da schlug die Stimme des Arztes an sein Ohr: „Da haben wir es ja! Schöne Geschichte! Dr. Carlsen muß es gewesen sein, den sich die Person diesmal aussuchte! Er hat die Wärterin betäubt und ist mit dieser Fanny Ehlers entwischt!“ Keller hätte bitter auflachen können. Er kannte jetzt diesen Curtius besser. Der Halunke mußte mit dem Teufel im Bunde stehen! Der Tod Verndorfs war auf sein Konto zu schreiben, soviel stand bei Keller fest. Aber wie geschah es? Und wohin schleppte Curtius die arme Anny? Keller schied mit einem langen Blick auf den Toten. „Wie ein Bluthund will ich von diesem Augenblick an hinter dem Halunken her sein!" Damit verschwand er in die Nacht. 25. Anny Bolten hatte den Park erreicht. Von einer Angst getrieben, deren ganze Ursache nur in dem Ueberfall des Dr. Curtius zu suchen war, eilte sie in atemlosem Lauf über die nachtfeuchten Wege.... Aestax Guig mahrschainlich. Berndorf hielt gewiß den Doktor zurück, wahrscheinlich mit Gewalt. Es gab zwischen den beiden eine furchtbare Szene. Trotzdem Anny hoffen durfte, nicht sofort von Curtius verfolgt zu werden, flüchtete sie wie wahnsinnig weiter. Den von Berndorf angegebenen Weg einzuhalten war nicht schwer.„.„. B6an...— zu.5 Sie fand die kleine Pforte in der Mauer, glitt hindurch und stand auf der Landstraße. Auch hier gönnte sie sich keine Ruhe. Durch die stille Nacht weiterhastend, verfolgte sie den verlassenen Weg in der Richtung nach dem Bahnhof. Von Zeit zu Zeit horchte sie hinter sich. Ein Zittern flog über ihre Gestalt. Wenn der Doktor, dieser Dämon, sie verfolgte? Doch niemand tauchte auf. Endlich sank die Unglückliche am Wege nieder und lehnte sich gegen einen Stein. Die Füße wollten sie nicht mehr tragen. Minutenlang verharrte sie regungslos, in das Dunkel starrend. Ueber einem Wiesensumpf stieg ein Flämmchen auf, tanzte hin und her und erlosch dann wieder. Irrlichter!„„ Wohin wollte sie denn? Wie sie der Kopf schmerzte. Langsam reihte sie die Gedanken aneinander.. 822 I. hur E.ihe g. Sie trug das Kuvert Berndorfs in der Tasche. Es enthielt einen Brief an den Förster, bei welchem sie sich verbergen sollte, bis der Sanitätsrat einen Ausweg gefunden hatte. Etwas Geld zur Bahnfahrt lag auch dabei. Wieder ein Verkriechen vor der Welt! Und was tat sie denn, daß man sie mit so viel Haß verfolgte? Sie liebte ihren Gatten, ihr Kind und war die Erbin Warrens! Wäre ihr Erwin Bolten und ihr Kind nur geblieben, dann möchte sie auf alles Geld verzichten und gern noch einmal die Armut auf sich nehmen. Sie legte ihr bleiches Antlitz auf den kalten Stein und weinte bitterlich.., Jhr Betmi Kas u. 2 Eirh. Sie dachte an Berndorf! Iyr Vater! Daß er es wirklich war, daran konnte sie nicht zweifeln. Aber er war ihr fremd geblieben, vollkommen fremd! Bernhard Warren, der Tote, besaß auch jetzt noch ihre Liebe. Was tat sie noch auf der Welt! Jedem brachte sie Unheil. Berndorf selbst, der pflichttreue Beamte, geriet in einen Zwiespalt mit sich selbst und griff zu Mitteln, die ihn stürzen ep pen. tot—uxg Wünde MNar ackolfen sein und Wenn sie rot ware, wurde auen geholsen sein— und sie selbst fand Ruhe.— Vergessen. Anny erhob sich langsam. Sie sah zu dem dunklen Nachthimmel empor. Dann nichte fe. u.,, 4.64 Buh Germdert Bicke ua. Jetzt war ihr Entschluß gefaßr. Auch Berndorf würde ihr vergeben, wenn er später erfuhr, was sie tat. Sie ging nicht zu dem alten Förster, sondern wollte nach der Stadt fahren, jetzt gleich, noch diese Nacht! Erwin Bolten war schwer erkrankt, rang vielleicht mit dem Sove. JJund lag auch für Kind für PichUnd in der Villa Ruhlano lag auch ihr Kind, ihr Liebling. Heiß stieg es in ihr empor.), I i. *:;(Fortsetzung folgt.) 9in